Programminfos vom 01.08.2020 bis 05.08.2020

Zum Tod von Peter Green

Wer den Namen Fleetwood Mac hört, denk normalerweise an die Mega-Band der 70er und 80er Jahre, an Pop-Klassiker wie „Go Your Own Way“ oder „Don’t Stop“, an millionenfach verkaufte Alben wie „Tusk“ oder „Rumors“. Mit diesen Erfolgen verbindet man natürlich auch die Namen der bekanntesten Gruppenmitglieder, also Christine McVie, Lindsay Buckingham und Stevie Nicks. Aber die Anfangszeit von Fleetwood Mac, also die späten 60er Jahre, wurden vor allem von Peter Green geprägt, dem Gründer und musikalischen Kopf der Band, der bereits 1970 wieder ausstieg, aber von den echten Mac-Fans bis heute verehrt wird. Der geniale Gitarrist, Blues-Experte und Verfasser solcher Hits wie „Albatross“ und „Black Magic Woman“ war eine schillernde Figur im Popgeschäft, der eine sehr wechselvolle und teils skurrile Karriere hinter sich brachte. Nun ist Peter Green im Alter von 73 Jahren gestorben – wir erinnern an ihn mit Musik auf den frühen Jahren von Fleetwood Mac.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 1. August 2020, 18 Uhr

 

Feministische Vollversammlung

Die qrew (http://qrew.blogsport.eu) informiert heute über die Feministische Vollversammlung, die am 9.8.2020 stattfinden wird. In der Sendung ist ein Mitschnitt der Veranstaltung zu hören, auf der die Idee für die Vollversammlung entstand.

  • Sendetermin: „LiLi“, Samstag, 1. August 2020, 20 Uhr

 

US-Smallband-Swing (Folge 1/ 2017)

Und wieder tauchen wir am Sonntagnachmittag eine Stunde lang ein in die Swingära, in die Zeit, in der die damals neueste Jazzspielart auf riesiges Publikumsinteresse traf.
Hören Sie Aufnahmen aus dem Mutterland dieser Musik - mit bekannten und unbekannten Kleingruppen der „Swinging 30s“. Diskographische Angaben: In spitzen Klammern Matrizennummer, dahinter Aufnahmeort und -datum, Plattenmarke und Bestellnummer.
 
Aufnahmeorte: NY - New York, LA - Los Angeles.
Plattenmarken: BB -Bluebird (USA), Br -Brunswick (D), Col - Columbia (USA), De - Decca (USA), Vic - Victor (USA), Voc - Vocalion (USA), andere Marken ausgeschrieben.
 
Durchs Programm begleitet Sie Peter K. Michael.
In dieser Sendung hören Sie:
 
Original Dixieland Jazz Band
Drop A Nickel In The Slot (Young - Ahlert) <019681-1>
Jezebel (Mercer - Warren) <019683-1> NY, 18.02.38 BB B-7454
 
Tito and his Swingtette
Stuff And Things (Guidotti) <->
Atmosphere (Guidotti) <-> NY, 22.11.38 BB B-10066
 
Teddy Wilson Quartet
Honeysuckle Rose (Waller -Razaf) <LA 1431 A>
Ain’t Misbehavin’ (Razaf - Waller - Brooks) <LA 1408 C> LA, 05.9.37 Br A 81362
 
Art Tatum and his Swingsters
With Plenty Of Money And You (Warren - Dubin) <DLA725 A>
I’ve Got My Love To Keep Me Warm (Berlin) >DLA 727 A> LA, 26.02.37 De 1198
 
Lionel Hampton
I’m On My Way From You (Burley - Hampton) <04291-1>
Haven’t Named It Yet (Hampton - Christian) <04292-1> NY, 12.10.39 Vic 26476
 
Toots Mondello
Louisiana (Razaf - Schafer - Johnson) <US-1099-2>
St. Louis Gal (Robinson) <US-1098-1> NY, Nov. 39 Varsity 8118
 
Lil Armstrong and her Swing Orchestra
Born To Swing (Lil and Avon [sic] ? =  Lil Armstrong?) <61945 A>
Bluer Than Blue (Lil and Avon [sic] ? =  Lil Armstrong?) <61947 A> NY, 15.4.37 De 1299
 
Joe Marsala and his Chicagoans, voc Jack LeMaire
Woo-woo (Marsala - LeMaire - Franklin) <M780-1>
Jim-Jam Stomp (Marsala) <M782-1> NY, 16.3.38 Voc 4116
 
The Mound City Blue Blowers (Red McKenzie)
Red Sails In The Sunset (Williams - Grosz - Kennedy) <C 0137 A>
On Treasure Island (Burke - Leslie) <C 0139 A> NY, 08.11.35 Montgomery Ward 5001 (ausgeblendet)

  • Sendetermin: „Tanzparkett extra“, Sonntag, 2. August 2020, 17 Uhr
  • Wiederholung: Montag, 3. August 2020, 9 Uhr

 

Manfred Maurenbrecher live in Kassel …

… das kommt nicht häufig vor und in Corona-Zeiten ist das noch sensationeller als vorher. Ich freue mich auf den Live Gig am Samstag, 8. August (20.30 Uhr), im Kupferhammer, der Ersatzspielstätte der Salzmann-Factory. Und weil die Zuschauerkapazität begrenzt ist (hoffentlich wird’s ein Klappstuhlkonzert im Freien), gibt es schon ein paar Tage vorher eine Radio-Preview.
Nur soviel: er hockte vor dem Klavier, gewundener Rücken, den Kopf seitwärts zu uns gedreht, und seine Hände schlugen von schräg unten auf die Tasten ein. Eine Bogenbewegung, ein Krakenkampf. Er kroch in dieses heilige Instrument, als wäre er allein mit ihm, als hätten wir hier nichts zu suchen, und er hatte so wenig Respekt vor ihm wie Johnny Rotten vor dem Papst. Es sah mörderisch aus. So erinnerte sich Herwig Mitteregger von der Band Spliff an seine erste Begegnung mit Manfred Maurenbrecher. Er wird zum Geheimtip auf Lebenszeit“ (FAZ, 1992) und tauscht den großen Ruhm für ein Leben voller Würdigungen, echten Kultcharakter und eingeschworene Fans ein. 1991 gewinnt er den Deutschen Kleinkunstpreis, 1998 den Liederpreis des Südwestfunks. Konstantin Wecker zieht den Hut: „Unprätentiös und versponnen, musikalisch von bewundernswerter Schlichtheit, die ihm hierzulande keiner nachmacht“. Zuletzt drei Mal in Folge mit dem Preis der deutschen Schallplattenkritik gewürdigt und kein Ende: die Alben no go (2013), Rotes Tuch (2015) und flüchtig (2017) gewinnen allesamt den Preis der Deutschen Schallplattenkritik und sorgen für neue Schwärmereien. Das Lied Kiewer Runde erhält zudem den Liederpreis der Liederbestenliste.
Maurenbrecher führt die Liederbestenliste im April 2020 mit Jetzt auf einmal geht´s an.
Die CD „Inneres Ausland“ ist auch Album des Monats. Eine Reise in undiplomatisches Gebiet. Manchmal ist das Zeugs, das wir uns ausdenken, klüger als wir selbst.
Am Mikrophon: Ralf Wenzel.

  • Sendetermin: „Magic Moments“, Mittwoch, 5. August 2020, 21 Uhr.

Programminfos vom 23.07.2020 bis 30.07.2020

StadtLabor im Freien Radio Kassel: Afrodeutsche & Schwarze Menschen in Nordhessen

Um sich gegenseitig zu empowern, einen Austausch anzuregen und solidarische Netzwerke zu entwickeln, gründete sich die Initiative "SIDE BY SIDE".
Über Projekte innerhalb des Netzwerks hinaus streben die Initiatorinnen auch gemeinsam mit nicht-Schwarzen Menschen und Institutionen,  Projekte an, um ein besseres Miteinander innerhalb unserer Gesellschaft zu fördern.

Wie sich das gestalten könnte, dazu "experimentieren" SIDE BY SIDE-Mitglieder im StadtLabor.

  • Sendetermin: Donnerstag, 23. Juli, 21 bis 22 Uhr
  • Wiederholung: Freitag 24. Juli, 13 Uhr

 

Bücher für den Sommer

Im Rahmen der Sendung “LILI - Libertäre Informationen lokaler Initiativen“ der Gruppe qrew Kassel (http://qrew.blogsport.eu) stellen wir euch ein paar Bücher vor. Die Ferien auf Balkonien, an der Fulle oder sonst wo können kommen – interessanter Lesestoff liegt bereit!

  • Sendetermin: „LiLi“, Samstag, 25. Juli 2020, 20 Uhr

 

Tanzparkett vor 20 Jahren

Rundfunkfolien von Radio Hilversum, 1943

Auf einem französischen Dorfflohmarkt fand unser Kollege im Jahr 2000 einen kleinen Stapel 30-cm-Glas-Gelatine-Schallfolien, die er interessiert mitnahm.
Unter Überklebern mit französischen Phantasietiteln fand sich die wahre Herkunft dieser Folien, nämlich das von der damaligen deutschen Besatzungsmacht kontrollierte und als NS-Propagandasender betriebene Radio Hilversum in Holland.
Wie die Aufnahmen nach Frankreich kamen, bleibt rätselhaft.
Radio Hilversum II wurde am 13. März 1941 in den Propagandasender „Nederlandsche Omroep“ umgewandelt, der Holland mit NS-Propaganda berieseln sollte. Am 01. Juli 1943 wurde die Station der Senderkette des deutschen Europasenders angeschlossen und machte nun als Sender „Calais II“ englischsprachige Propaganda für Großbritannien. Um einen weltläufigen Eindruck zu machen und die Hörer, die auf der Skala einen interessanten Sender suchten, zu halten, wurde Swingmusik auf internationalem Niveau geboten. Dazu wurden die Spitzen-Swingbands der holländischen Szene „engagiert“.
Da das 1941 beim Reichsrundfunk eingeführte Tonband erst nach und nach an den Sendern im von Deutschland besetzten Europa zum Einsatz kam (in Hilversum 1944), wurden im Jahre 1943 noch in bewährter Manier Folien geschnitten, zumindest von den Zwischenmusiken, die zur Übernahme der Sendungen von Radio Luxemburg dienten.
Weitere derartige Aufnahmen auf Folien aus dieser Zeit sind auch in der diskographischen Literatur erwähnt.
Durch die Sendung begleiten Sie Peter Michael und Michael Rolf.
Erstausstrahlung: 26. Juli 2000.

  • Sendetermin: „Tanzparkett extra“, Sonntag, 26. Juli 2020, 17 Uhr
  • Wiederholung: Montag, 27.Juli 2020, 9 Uhr

 

Die Corona-Varianten der Festivals

In dieser Ausgabe vom Musiktaxi reden wir über die Corona-Varianten, die sich einige Festivals haben einfallen lassen, um doch nicht komplett auszufallen. Wir schauen mal, was Wacken, Summer Breeze und auch das Open Flair geplant haben, was sie voneinander unterscheidet und was ihre Stärken und Schwächen sind. Außerdem erzählt uns Alexander Feiertag, der Geschäftsführer vom Arbeitskreis Open Flair, im Interview, vor welche Herausforderungen die Corona-Situation die Festivalmacher stellt. Dazu gibts jede Menge gute Musik. Schaltet rein:

  • Sendetermin: „Musiktaxi“, Montag, 27. Juli 2020, 17 Uhr

 

Die Savoy Orpheans, Folge 3

Wie schon in den ersten zwei Folgen erwähnt, kehrte im Oktober 1931 Carroll Gibbons, erneut zum Orchesterleiter gekürt, mit den Savoy Orpheans zur Columbia zurück, von der die Orpheans ziemlich genau sieben Jahre zuvor zur konkurrierenden HMV gegangen waren.
Wie zuvor bereits mehrfach geschehen, wechselte hiermit nicht nur die Leitung, sondern es gab auch weitere Änderungen im Personal.
Die ganzen 30er Jahre hindurch blieben sowohl das Orchester wie auch dessen Chef als Solopianist der Columbia treu. Zahlreiche Platten, die sich recht ordentlich verkauften, erschienen auch bei der deutschen Columbia. In der zweiten Hälfte der 30er fungierte das Orchester oft auch als Begleitband für Kleinkunstaufnahmen, so z.B. für die Sängerin Hildegarde.
In dieser Ausgabe geht es um Aufnahmen der Jahre 1931 und 1932.
Durch die Folge führt Thomas Sosna.

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 29. Juli 2020 , 21 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 30.Juli 2020, 13 Uhr

 

Programminfos von 17.07.2020 bis 23.07.2020

Man lebt so oder so - Eine Sommerlesereihe des Evangelischen Forums Kassel

Christina Weiser liest die beiden Erzählungen “Das neue Haus“ und „Der Verlobte“ von Elizabeth Bowen (1899 - 1973) aus dem Band „Sommernacht“.
Die anglo-irische Schriftstellerin Elizabeth Dorothea Cole Bowen hinterließ zahlreiche Erzählungen, Romane, Essays und eine Autobiografie. Sie stand dem Kreis um Virginia Woolf nahe und gehört zu den wichtigsten Schriftstellerinnen ihres Jahrhunderts. Sie ist berühmt für ihre virtuos gestaltete Prosa und gilt als Meisterin der Dialoge. Bowen erhielt zweimal die Ehrendoktorwürde für Literatur.
Ton und Technik: Torben Bunzenthal, Freies Radio Kassel
Redaktion: Friederun Gutmann und Susanne Jakubczyk
Übersetzt von: Sigrid Ruschmeier
Lesung mit freundlicher Genehmigung von Curtis Brown, London, und Anoukh Foerg Literary Agency, München

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 17. Juli 2020, 18 Uhr

 

Johnny Cashs „Mercury Recordings“

Im zweiten Teil unser Vorstellung der „Mercury Recordings“, die Johnny Cash in den späten 80ern einspielte, befassen wir uns mit den Alben „Boom Chicka Boom“ (1990) und „The Mystery Of Life“ (1991) sowie mit dem Projekt „Classic Cash“, für das er 1988 einige seiner alten Hits neu aufnahm. Dieser Teil seiner Karriere gehört nicht unbedingt zu den besonders geschätzten Phasen im Werk des „Man In Black“. Neben seiner legendäre Frühzeit bei Sun Records, neben der klassischen Ära bei Columbia Records und neben dem gefeierten Spätwerk geht die relativ kurze Zeit, die Cash Ende der 80er Jahre beim Label Mercury Records zugebracht hat, zumeist unter. Fans und Kritiker sind sich einig, daß die Platten, die in diesen Jahren erschienen, nicht unbedingt zu den Meisterwerken des Country-Titanen zählen. Aber ist dieses Urteil rückblickend immer noch haltbar? Jetzt kann man sich endlich ausgiebig mit diesen Aufnahmen beschäftigen: Eine kürzlich erschienene CD-Box versammelt erstmals die kompletten Mercury-Alben, die jahrelang nicht greifbar waren und teilweise noch nie auf CD erschienen sind. Wir stellen die Box in der Sendung vor und versuchen herauszufinden, ob der etwas zweifelhafte Ruf, den diese Songs seit 30 Jahren genießen, heute immer noch berechtigt ist.

  • Sendetermin: „Country Classics“, Samstag, 18. Juli 2020, 18 Uhr

 

StadtLabor im Freien Radio Kassel: Afrodeutsche & Schwarze Menschen in Nordhessen

Um sich gegenseitig zu empowern, einen Austausch anzuregen und solidarische Netzwerke zu entwickeln, gründete sich die Initiative "SIDE BY SIDE".
Über Projekte innerhalb des Netzwerks hinaus streben die Initiatorinnen auch gemeinsam mit nicht-Schwarzen Menschen und Institutionen,  Projekte an, um ein besseres Miteinander innerhalb unserer Gesellschaft zu fördern.

Wie sich das gestalten könnte, dazu "experimentieren" SIDE BY SIDE-Mitglieder im StadtLabor.

  • Sendetermin: Donnerstag, 23. Juli, 21 bis 22 Uhr
  • Wiederholung: Freitag 24. Juli, 13 Uhr

Programminfos vom 10.07.2020 bis 16.07.2020

Man lebt so oder so - Eine Sommerlesereihe des Evangelischen Forums Kassel

Jürgen Wink liest die beiden Kurzgeschichten „Schuhe“ und „Schiffe“ von O. Henry aus dem Erzählband „Meistererzählungen“.
Der unter dem Pseudonym O. Henry bekannt gewordene amerikanische Schriftsteller hieß eigentlich William Sydney Porter (1862 - 1910). Er hatte eine Stelle als Journalist der New York World inne und gehörte zu den bestbezahlten Schriftstellern der USA. O. Henry beherrschte die Gattung der Short Story perfekt und gilt als Wegbereiter der modernen Kurzprosa.
1918 stiftete die American Society of Art & Sciences den bis heute verliehenen O. Henry Memorial Award für die jährlich beste Kurzgeschichte.
Ton und Technik: Torben Bunzenthal, Freies Radio Kassel
Redaktion: Friederun Gutmann und Susanne Jakubczyk
Übersetzt von: Christine Hoeppner
Lesung mit freundlicher Genehmigung des Aufbau Verlags, Berlin.
Außerdem in der Sendung: Interview des Podcasts „Kulturnapf“ mit Mitgliedern des Vereins „Schwarts e.V.“ zur Kasseler Gothic-Szene.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 10. Juli 2020, 18 Uhr

 

Hank und die Shakers spielen Ennio Morricone

Der Anlaß dieser Wiederholung unserer Sendung „Wir stellen vor“ vom Januar 2019 ist ein trauriger, nämlich das Ableben des Maestros am 6. Juli in Rom im Alter von 91 Jahren.
Zur Zeit der Entstehung und Präsentation dieses Albums befand er sich 90jährig auf Abschiedstournee rund um die Welt.
Die Kasseler Formation Hank und die Shakers widmete dem Altmeister ihre erste Vinyl-LP. Was, nach einem Pressetext der Kapelle, als „Spinnerei“ begann, wuchs sich zu einem musikalisch interessanten und gelungenen Versuch aus.
Dabei galt es, die zumeist riesigen Orchesterarrangements Morricones (der allerdings, wenn es für die im Film zu erzeugende Atmosphäre gefragt war, ebenso selbstverständlich auch für kleine Ensembles komponierte; Beispiele sind auf der Platte und in der Sendung enthalten) auf eine Besetzung in Combostärke „einzudampfen“. Dieses Wagnis meisterte Frontmann Hank Ockmonic, den wir in der Studiositzung und im Sendesaal als Multiinstrumentalisten und Sänger hören können, vornehmlich aber an Gitarre und Klarinette.
Wohl keinem zweiten Filmkomponisten gelang es wie Ennio Morricone, eine derartige Übereinstimmung von Bild und Musik auf gleichem künstlerischem Niveau zu erreichen. Gerade deshalb steht die Musik auch ohne Filmbild für sich als vollwertiges Ganzes.
Den Geist dieser Kompositionen eingefangen und auf Salonstärke verdichtet zu haben, ist das Verdienst der Kasseler Musiker rund um Hank Ockmonic.
Hank und die Shakers muß man in Kassel eigentlich nicht vorstellen - seit mehr als einem Jahrzehnt ist diese Formation in verschiedenen Besetzungen nun schon auf den Kasseler Bühnen zu erleben.
Die musikalische Bandbreite der Mitglieder reicht dabei vom Punkrock über den Comboswing bis hin zum klassischen Gesang. Beste Voraussetzungen also, immer wieder für eine Überraschung gut zu sein ….
Seit etlichen Jahren steht die Band auch immer wieder im Plattenstudio vor dem Mikrophon - es werden auch „richtige“ Schallplatten bespielt, nicht nur schnöde CDs. Ganz so, wie es der von Hank Ockmonic und seiner Truppe gepflegten Musik entspricht.
Souverän hat Frontmann, Sänger, Gitarrist, Klarinettist und in diesem Falle nicht Komponist, sondern Arrangeur (und „nebenbei“ auch Schöpfer der Hüllengraphik) Hank Ockmonic die ganz verschiedenen Stimmungen und Klangbilder, die Morricones Filmmusik zu erzeugen vermag, auf eine Besetzung aus neun Musikern und dreizehn Instrumenten übertragen.
Die Albumbesetzung bestand aus Hank Ockmonic (Gesang, Klarinette, Framus Sorella, Fender Telecaster, Mandoline, Höfner-Elektrobaß, Klavier, Hammond B100, Perkussion), Anna Palupski (Sopran), Natasha Pandazieva (Mezzosopran), Yana Krasutzkaya (Violine), Liliya Gilmanova (Tasten), Michael Fubel (Kontrabaß), Steffen Knoop (Schlagzeug), Kathy Freiboth (Tuba), Timo Färber (Schlagzeug).
Was im Projektstadium zunächst sogar von der Band selbst als bloße „Spinnerei“ angesehen wurde, hatte schließlich das angesprochene Album zum Ergebnis. Am 26. Januar 2019 stellten Hank und die Shakers die neue Platte mit einem Konzert im großen Saal des Freien Radios Kassel der Öffentlichkeit vor. Einen Querschnitt durch dieses Konzert nebst kurzer Vorstellung der Band sowie weitere Titel von der LP können Sie in unserer Sendung hören.
Die Platte ist in den einschlägigen Kasseler Geschäften zu haben - oder direkt von den Shakers zu beziehen.

  • Sendetermin: „Wir stellen vor“, Samstag, 11. Juli 2020, 19 Uhr
  • Wiederholung: Sonntag, 12. Juli 2020, 11 Uhr

 

Die Savoy Orpheans, Folge 1 - Ausstrahlung der berichtigten Fassung

Bei der Sendung des ersten Teils unserer Reihe über die Savoy Orpheans am 16. Juni wurde versehentlich eine Arbeitsfassung eingesetzt, in der statt zweier vorgesehener Titel, nämlich eines Potpourris aus der Operette „Rose-Marie“ von Rudolf Friml und des allbekannten Charlestons von James P. Johnson, zwei Titel aus der zweiten Folge liefen. Die richtige Fassung bringen wir daher am Sonntagssendeplatz als Einstimmung auf Folge 2 am Hauptsendeplatz „Tanzparkett“ am darauffolgenden Mittwoch.
Synonym für ein großes, weltläufiges Hotel steht u.a. das Londoner „Savoy“. Ein entsprechend anspruchsvolles, in jeder Hinsicht verwöhntes Publikum war und ist daher die Klientel des Hauses.
Auch musikalisch kam dies in den 20er und 30er Jahren zum Ausdruck. Neben der schon einige Zeit etablierten Savoy Havana Band, die einen der Säle bespielte und zu der wir in einer andern Sendefolge auch kommen wollen, wurden im Laufe der 20er Jahre noch andere Kapellen engagiert. Eine weitere feste Besetzung des Hauses waren die Savoy Orpheans. Dieser Formation widmen wir voraussichtlich drei Sendungen im „Tanzparkett“.
Nicht nur bei den Hotelgästen waren die Kapellen beliebt, sondern auch bei den Schallplattenkäufern, denn sie boten Aufnahmen ansprechender, moderner Tanzmusik mit Hotsolistik.
Wir beginnen im Februar 1924, als die Orpheans noch von Debroy Somers geleitet wurden. Der spätere Chef der Savoy Orpheans, Carroll Gibbons, dessen Name einigen Hörern sicher noch von den auch in Deutschland recht viel gekauften Platten der Kapelle aus den 30er Jahren geläufig sein dürfte, ist hier schon als Pianist dabei.
Die Savoy Orpheans hatten einen Exklusivvertrag bei der englischen Columbia. Sie spielten jedoch auch Platten für His Master’s Voice ein - allerdings unter dem Pseudonym „The Romaine Orchestra“, denn sonst hätten die Columbialeute den lukrativen Vertrag gekündigt. Doch schließlich unterbreitete die HMV ein noch besseres Angebot, denn ab Oktober 1924 findet sich die Band nur noch auf diesem Etikett - unter dem richtigen Orchesternamen.
Im ersten Teil kommen wir bis in die frühelektrische Aufnahmephase. Die ersten uns vorliegenden elektrischen HMV-Aufnahmen mit den Orpheans entstanden am 7. Juli 1925 im Studio des Preßwerks der HMV in Hayes, Middlesex.
Durch die Sendung begleitet Sie Thomas Sosna.

  • Sendetermin: „Tanzparkett extra“, Sonntag, 12. Juli 2020, 17 Uhr
  • Wiederholung: Montag, 13. Juli 2020, 9 Uhr

 

Ein europäisches Lieferkettengesetz und die Rolle der Deutschen Ratspräsidentschaft

Diskussion mit Didier Reynders (EU-Justizkommissar), Maria Flachsbarth  (Parlamentarische Staatssekretärin, Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung), Sven Giegold und Anna Cavazzini, (Grüne Fraktion im Europaparlament) und weiteren Expert/-innen von NGOs und Wirtschaft am 11.6.2020. Verbindliche Regeln entlang der Lieferketten fordern viele Akteure in der Zivilgesellschaft schon lange. EU-Justizkommissar Didier Reynders kündigte vor kurzem einen Vorschlag für ein europäisches Lieferkettengesetz in 2021 an. Eine solche gesetzliche Regelung würde sicherstellen, daß Unternehmen
Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörungen in ihren Lieferketten präventiv begegnen und Verstöße geahndet werden können.

Ein Lieferkettengesetz wird auch auf deutscher Ebene benötigt und diskutiert. Seit Anfang Juli 2020 hat Deutschland die EU-Ratspräsidentschaft inne. Wie sieht die Initiative der EU-Kommission aus? Wie könnte
die Bundesregierung das Thema nachhaltiger Lieferketten in der Ratspräsidentschaft voranbringen?

  • Sendetermin: „attac-Radio“, Dienstag, 14. Juli 2020, 21 Uhr

 

Only Vinyl – Die 500. Sendung

Moderator Mathias Welp: Warum ich noch immer auflege – und dabei auflebe!

„Mit 66 Jahren fängt das Leben bekanntlich erst an. Für die meisten Radiomoderatoren hört es aber spätestens dann schon auf. Pech gehabt? Nein. Einfach nochmal anfangen! Alles von vorn? Wie bitte? Im Ernst?
Zwei EMT-Plattenteller, rechts und links, zwei alte Bandmaschinen, zwei Jingleplayer.
Los geht’s! So wie früher, in den analogen 70ern?
Ja, ganz genau so!
Ich rieche förmlich noch die Studioluft bei SR1 Europawelle Saar, da sendete ich abends. Bei Südfunk Stuttgart (früher SDR3) machte ich Frühsendungen - immer meinen Vinyl-koffer dabei. Das ist fast 45 Jahre her. Die Zeiten sind nicht besser geworden und das Radio leider auch nicht.
Für Axel Springer war ich zwei Sommer lang in Italien: Radio Adria hieß der Urlaubssender ohne Ledercouch im Vestibül, ohne Kasino, Fuhrpark, Pförtner.
Dafür hinterließen die Strandgäste ihren Sand im Mischpult. Eine harte Schule. Aber es hat Spaß gemacht, vielleicht soviel wie 40 Jahre Verlags- und Fernseharbeit zusammen, die noch folgen sollten.
Damals, Anfang der 80er, schrieb ich im Playboy eine kecke Glosse: „Macht endlich Dampf im Radio!“
Motto: Schafft die Intendanten ab, ich mach´s alleine.
So verkrustet schien dem jungen Heißsporn damals das ausschließlich öffentlich-rechtliche Programm. Die Privatisierung des Hörfunks stand bevor. Endlich: Pionierzeit. Der damalige Hörfunkdirektor des NDR, Prof. Wolfgang Jäger ging auf die Palme. Wie recht er hatte.
Denn dreißig Jahre später wissen wir es besser. Die  ARD-Sender waren kein Beamtenfunk, sondern nur recht durchdachtes Einschaltradio, das nur ein paar Lockerungsübungen brauchte.
Dann kam es zur Erbsünde der Durchhörbarkeit. Den ganzen Tag dieselbe Musikfarbe – letztlich ein Diktat der Werbung, die sicherer auf  Kundschaft zielen will.
Was haben nun viele Hundert Privatstationen und Web-Radios gebracht? Volle Werbeblöcke, gute Umsätze. Und obercoole Phrasenstrippen, die in gestelztem Jungjargon schon morgens auf den Nerv gehen („Noch dreimal schlafen bis zum Wochenende“, „Gestern war Mädelsabend“, „Likest Du diese App?“) - und diese Brillanz auch noch in Stereo, also paarweise. Leider wird die Sorge oft mitübertragen, nicht allzu witzig zu sein. Hörer könnten immerhin abspringen.
Aber Geschmackssache. Millionen lassen sich geduldig amüsieren, keine Frage: „Ich wünsche Ihnen viel Spaß“ bis „ich hoffe, es hat Ihnen Spaß gemacht“ – da ist der Spaß dann jedenfalls für mich vorbei.
Dafür braucht es die Privaten nicht. Das konnte die ARD sogar schon in den 50ern, als meine Hörerlebnisse noch ungetrübt begannen.
Das Ärgerlichste aber  liegt  noch  ganz  woanders:  In  der mangelnden Vielfalt. „Die 80er, 90er und das Beste von heute“ tönt es strategisch von allen Wellen oder „Ihre Lieblingshits – genau meins“.
Solches Geclaime verrät Mainstream, also den Einheitsbrei, wie aufregend!
Warum nicht zwischendurch mal „deins“? Es schreit nach Regelverletzern, nach Radioleuten, die gegen den Strom schwimmen. Nach Sendungen mit Kanten und Ecken, die nach etwas riechen und schmecken. Mit Comedy auf allen Frequenzen  ist es kaum getan.
Auch viele Sprecher variieren in ihrer überschlagenden Fröhlichkeit kaum noch. Wohl weil die Sender inflationiert sind. Aus einigen Dutzend Mikrofon-Persönlichkeiten wurden abertausende meist anbiedernde Radiostimmen, die ihr „Produkt Sender“ zu verkaufen haben.  
Prominente Matadore, die es so gesehen früher leichter hatten, sind abgetreten: Fred Metzler, Hans Karl Schmidt (Atze), Elmar Gunsch, Sexauer und Heck. Achim Graul ist im Ruhestand. Hoffentlich hören wir von Thomas Gottschalk, Carlo von Tiedemann oder Werner Reinke noch lange was. Stimmen, denen man folgt, auch wenn die sich kaum um was bemühen.
Hier geht es nicht um Spartenradio, das funktioniert. Die ARD-Sender haben ihr breites Angebot von Info und Kultur, Klassik, Schlager und Pop-Rock hervorragend aufgefächert.
Gemeint sind große AC-Wellen für die breiten Massen, seien sie öffentlich-rechtlich oder rein kommerziell. Was macht den Unterschied?
Bei den Privaten sind es ein paar Gewinnspiele mehr, weil sie allein von Werbung leben müssen, das ist verständlich.
Playlists, die -wenn überhaupt- gerade mal an ein paar Hundert Titel stoßen, rotieren die Charts der Neuerscheinungen oder Oldies rauf und runter. Bei Jugendwellen glaubt man sogar, der Vorrat passte auf eine CD. Fehlanzeige für den, der auch mal die Pogues, Steely Dan oder Boz Scaggs erwartet. Schon solche bekannten Namen hat kaum ein Studiorechner auf dem Schirm, geschweige denn King Crimson, Alexis Korner oder Anne Clark.
„Nicht gängig genug“, sagt die Musikredaktion? Hallo! Was nicht läuft, kann auch nicht gefallen! Felix Jaehn und Rita Ora, die Bee Gees und Elton John sollen ja – aber bitte im Mix mit Ausreißern, die leider fehlen und somit Sendungen zum Mitsingen riskieren. Wie sagte mir doch mal der legendäre HR-Unterhaltungschef Hanns Verres: „Wir sollten nicht nur spielen, was die Hörer hören wollen, sondern auch das, was sie hören sollten!“ Das hat nichts mit Bevormundung zu tun, aber mit Angebot.
So. Was will er nun eigentlich anders machen, der „oberschlaue alte Vinyl-Matz“ mit seinen Plattenspielen? Gewiss hat er einen anspruchsvollen Mix aus Pop und Rock, Punk, Folk und Country auf den Tellern, manchmal klingt es sogar jazzig. Die Moderation vrecht knackig, wenn´s geht, mit uralten Jingles und Overtalks über den Intros. Eben old-school AFN- und BFBS/BFN-Style. Und bitte: Überraschungen im Programmablauf. Ich weiß selbst nie, wie der endet. Schnelle Sendungen gerne, solange noch Stimme und Birne mitmachen.  
Nicht jedermanns Ding, ich bitte um Nachsicht. Aber genau hier liegt die Chance von kleinen Lokal- und Regionalsendern, teils mit offenem Bürgerzugang: Ausbruch auf der ganzen Linie. Keine Werbung, kein Formatzwang oder Quotendruck. Media-Analysen lassen ehrenamtliche Radiomacher kalt. Die sind nicht werberelevant. Die Hörertelefone klingeln trotzdem.
Die „Plattenspiele mit Matze – Only Vinyl“ kochen gerade 500 mal, zugegeben auch nur mit Wasser. Gerne mit kleinen Stolpersteinen, die dann hoffentlich zu spontanen Geschichtchen werden, persönlichen Erinnerungen rund um die Vinylplatte. Ich liebe sogar Patzer, sie sollten nur nicht abgegriffen sein. Radio hat mein Leben infiziert. Genesung bleibt recht unwahrscheinlich.“

  • Sendetermin: „Only Vinyl“, Dienstag, 14. Juli 2020, 22 Uhr

 

Die Savoy Orpheans, Folge 2

Im Juli 1925 war die englische His Master‘s Voice (HMV) zum elektrischen Aufnahmeverfahren übergegangen - ein Jahr vor den meisten deutschen Plattenfirmen.
Die neue Technik bot den Orchestern neue Entfaltungsmöglichkeiten, denn nun war es nicht mehr nötig, Arrangements, Orchesteraufstellung, Instrumentierung und Spielweise auf die Unzulänglichkeiten der mechanisch-akustischen Aufnahmeapparatur abzustimmen. Zwar forderte auch die Aufnahme über das Mikrophon den Orchestern Änderungen gegenüber dem normalen Konzert- oder Tanzsaalbetrieb ab, doch weit weniger als bisher.
Ab der Aufnahmesitzung vom 19. April 1926 leitet nicht mehr Debroy Somers die Savoy Orpheans, sondern der Geiger Ramon Newton, denn Somers nahm nun mit einer eigenen Tanzkapelle für die Columbia auf. Noch im selben Jahr übernahm allerdings der Pianist der Band, Carroll Gibbons, den Dirigentenstab. Newton wurde ersetzt und gleichzeitig der Streichersatz auf drei Mann erweitert. Von ihnen dürfte Sydney Kyte am interessantesten sein, der später ebenfalls ein eigenes Orchester leiten sollte. Auch die übrige Besetzung wurde unter Gibbons‘ Leitung  recht weitgehend geändert.
Nach einer kurzen Interimszeit mit zwei anderen Leitern und weiteren Besetzungsumstellungen  übernahm Gibbons erneut das Orchester und sollte nun die Fäden bis in die 30er Jahre in der Hand behalten.
Anscheinend zur eingehenden Erprobung der neuen Apparatur fanden etliche Aufnahmesitzungen der Orpheans über einen längeren Zeitraum hinweg im Studio des Preßwerks der HMV in Hayes, Middlesex, statt. So war es leichter, Testpressungen (oder ggf. unter Zerstörung derselben auch Originalmatrizen) abzuhören und unmittelbar Änderungen an den Aufnahmebedingungen vorzunehmen und Erfahrungen im Umgang mit dem neuen Verfahren zu sammeln. Bald spielte die Band auch wieder Aufnahmen im Londoner Studio ein. Um in öffentlichen Musiksälen wie der Small Queen‘s Hall Platten aufzunehmen, ließ die HMV sich obendrein in London Postleitungen von dort zum Studio schalten. Dieses Verfahren wurde z.B. auch von ihrer Berliner Tochterfirma Electrola angewandt.
1928 endete die Tätigkeit der Orpheans für die HMV; im Januar jenes Jahres aufgenommene Tests bleiben unveröffentlicht. Nach einer Kontinentaltournee mit der alten Besetzung, wobei das Orchester im März ‘28 auch in Berlin auftrat und für die Homocord Einspielungen mit Billy Barton als Gastmusiker an Klarinette und Saxophon machte, schloß Gibbons einen Vertrag mit dem Kleinetikett Dominion.
Im Oktober 1931 kehrte Gibbons mit den Savoy Orpheans zur Columbia zurück, von der die Orpheans ziemlich genau sieben Jahre zuvor zur HMV gewechselt waren, jedoch wiederum mit anderem Personal. Dies wird Thema einer weiteren Folge sein.
Durch die Folge führt Thomas Sosna.

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 15. Juli 2020, 21 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 16. Juli 2020, 13 Uhr

Prgramminfo für den 04.07.2020

Johnny Cashs „Mercury Recordings“

Ganz klar: Am Nationalfeiertag der USA kann in einer Country-Sendung natürlich nur DIE amerikanische Ikone schlechthin laufen – Johnny Cash höchstpersönlich. Allerdings: Der Teil seiner Karriere, den wir heute unter die Lupe nehmen wollen, gehört nicht unbedingt zu den besonders geschätzten Phasen im Werk des „Man In Black“. Neben seiner legendäre Frühzeit bei Sun Records, neben der klassischen Ära bei Columbia Records und neben dem gefeierten Spätwerk geht die relativ kurze Zeit, die Cash Ende der 80er Jahre beim Label Mercury Records zugebracht hat, zumeist unter. Fans und Kritiker sind sich einig, daß die Platten, die in diesen Jahren erschienen, nicht unbedingt zu den Meisterwerken des Country-Titanen zählen. Aber ist dieses Urteil rückblickend immer noch haltbar? Jetzt kann man sich endlich ausgiebig mit diesen Aufnahmen beschäftigen: Eine kürzlich erschienene CD-Box versammelt erstmals die kompletten Mercury-Alben, die jahrelang nicht greifbar waren und teilweise noch nie auf CD erschienen sind. Wir stellen die Box in der Sendung vor und versuchen herauszufinden, ob der etwas zweifelhafte Ruf, den diese Songs seit 30 Jahren genießen, heute immer noch berechtigt ist.

  • Sendetermin: „Country Classics“, Samstag, 4. Juli 2020, 18 Uhr

Programminfos vom 26.06.2020 bis 01.07.2020

Theaterspielzeit 2019/20 – Rückschau und Ausblick mit dem Intendanten

In der letzten Veranstaltung der traditionsreichen Reihe „Resonanzboden“ in dieser Saison beantwortete Staatstheater-Intendant Thomas Bockelmann im Opernfoyer Fragen zur noch laufenden und gab einen Ausblick auf die kommende Spielzeit. Natürlich stand insbesondere die Situation des Theaters in Virus-Zeiten im Mittelpunkt. Wie genau sich Thomas Bockelmanns letztes Jahr als Intendant gestalten wird, hängt in erster Linie davon ab, was in der neuen Spielzeit, die im September startet, unter gesundheitlichen Aspekten möglich ist und was nicht. Der langjährige Theaterchef blickt aber optimistisch in die Zukunft, wie er im Gespräch mit dem Staatstheater-Förderverein erläuterte.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 26. Juni 2020, 18 Uhr

 

US-Bigband-Swing, Folge 1

Wir swingen wieder - swingen Sie mit:  Sie hören in dieser Ausgabe das Casa Loma Orchestra, Larry Clinton, Ben Pollack, Louis Russell, Taft Jordan and the Mob, Glenn Miller und seine erste Band, Victor Young und Bobby Sherwood.
Der Aufnahmezeitraum erstreckt sich diesmal von der Vorswingzeit (1932), als es schon progressive Orchester gab, die das Kommende vorwegnahmen, bis 1942, also in die Abenddämmerung der klassischen Swingära, schon nach dem Eintritt der USA in den Krieg. Kurz darauf streikte die US-Musikergewerkschaft, und die Musikszene änderte sich komplett.
Am Mikrophon: Peter Michael.

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 1. Juli 2020, 21 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 2. Juli 2020, 13 Uhr

Programminformation für den 21.06.2020

Zum Tode von Vera Lynn

Am 18.Juni starb im biblischen Alter von 103 Jahren die britische Schlagersängerin Vera Lynn.
Ihre Funk- und Plattenkarriere begann die am 20. März 1917 in East Ham, Essex, als Vera Margaret Welch geborene Sängerin in den 30er Jahren. Der Künstlername Lynn war der Mädchenname ihrer Großmutter. Man hörte sie zunächst als Refrainsängerin bei verschiedenen Londoner Kapellen. Fest engagiert war sie ab 1937 bei Bert Ambrose. Zum Liebling der Nation wurde sie durch ihren 1939 erstmals aufgenommenen Titel „We’ll Meet Again“, der wie kaum ein anderer die Hoffnung der Briten auf ein Wiedersehen mit ihren Lieben ausdrückte - gleichsam ein englisches Pendant zum deutschen Chanson „Lili Marlen“. Auftritte in Rüstungsbetrieben und an den Fronten festigten Lynns Popularität.
Nach der Fortsetzung ihrer Karriere durch die 50er Jahre hindurch neigte Vera Lynns musikalisches Interesse in den 60ern mehr zum Jazz als zum Schlager (für die nun aktuelle Beatmusik war sie zu alt), doch blieb ihre Popularität trotz der Abkehr des Massenpublikums vom Jazz ungebrochen, da sie einen wesentlichen moralischen Beitrag zum Sieg der Briten im Kriege geleistet hatte. 1969 wurde sie in den Order of the British Empire aufgenommen und 1975 von Königin Elisabeth II. geadelt.
2009 nahm sie ein Album auf, das Platz 1 in der englischen Hitparade erreichte und ihr damit den Eintrag als älteste lebende Sängerin mit einem Top-20-Album sicherte. 2014 folgte noch eine CD; zu ihrem 100. Geburtstag wurde 2017 ein weiteres Album mit einer Neuauflage älterer Aufnahmen herausgegeben, das in England auf Platz 3 kam. Um Spenden für die Opfer der Corona-Pandemie zu erzielen, sang sie noch im April 2020 erneut „We’ll Meet Again“ ein, hier im Duett mit Katherine Jenkins.
Dame Vera Lynn starb am 18. Juni 2020 in ihrem Haus in Ditchling, East Sussex.
Wir bringen Ihnen eine Auswahl an Platten von Vera Lynn vom Beginn ihrer Karriere bis in die Nachkriegszeit.
Am Mikrophon: Thomas Sosna.

  • Sendetermin: „Tanzparkett extra“, Sonntag, 21. Juni 2020, 17 Uhr
  • Wiederholung: Montag, 22. Juni, 9 Uhr

Programminfos vom 17.06.2020 bis 19.06.2020

Die Savoy Orpheans, Folge 1

Synonym für ein großes, weltläufiges Hotel steht u.a. das Londoner „Savoy“. Ein entsprechend anspruchsvolles, in jeder Hinsicht verwöhntes Publikum war und ist daher die Klientel des Hauses.
Auch musikalisch kam dies in den 20er und 30er Jahren zum Ausdruck. Neben der schon einige Zeit  etablierten Savoy Havana Band, die einen der Säle bespielte und zu der wir in einer andern Sendefolge auch kommen wollen, wurden im Laufe der 20er Jahre noch andere Kapellen engagiert. Eine weitere feste Besetzung des Hauses waren die Savoy Orpheans. Dieser Formation widmen wir voraussichtlich drei Sendungen im „Tanzparkett“.
Nicht nur bei den Hotelgästen waren die Kapellen beliebt, sondern auch bei den Schallplattenkäufern, denn sie boten Aufnahmen ansprechender, moderner Tanzmusik mit Hotsolistik.
Wir beginnen im Februar 1924, als die Orpheans noch von Debroy Somers geleitet wurden. Der spätere Chef der Savoy Orpheans, Carroll Gibbons, dessen Name einigen Hörern sicher noch von den auch in Deutschland recht viel gekauften Platten der Kapelle aus den 30er Jahren geläufig sein dürfte, ist hier schon als Pianist dabei.
Die Savoy Orpheans hatten einen Exklusivvertrag bei der englischen Columbia. Sie spielten jedoch auch Platten für His Master’s Voice ein - allerdings unter dem Pseudonym „The Romaine Orchestra“, denn sonst hätten die Columbialeute den lukrativen Vertrag gekündigt. Doch schließlich  unterbreitete die HMV ein noch besseres Angebot, denn ab Oktober 1924 findet sich die Band nur noch auf diesem Etikett - unter dem richtigen Orchesternamen.
Im ersten Teil kommen wir bis in die frühelektrische Aufnahmephase. Die ersten uns vorliegenden elektrischen HMV-Aufnahmen mit den Orpheans entstanden im Juli 1925.
Durch die Sendung begleitet Sie Thomas Sosna.

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 17. Juni 2020, 21 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 18. Juni 2020, 13 Uhr

 

Ortsvorsteher im Gespräch

Aus 23 Stadtteilen besteht Kassel – und jeder Stadtteil hat einen eigenen Ortsbeirat, der jeweils von einem Ortsvorsteher bzw. einer Ortsvorsteherin geleitet wird. Auch wenn gelegentlich über die Frage debattiert wird, ob die Ortsbeiräte (als ehrenamtlich besetzte Gremien) tatsächlich größeren Einfluß auf die politischen Entscheidungen der Stadt haben, so fungieren die Beiräte dennoch als wichtige Ansprechpartner für Bürgerinnen und Bürger und als Schnittstelle zwischen dem jeweiligen Stadtteil und der „großen“ Politik im Rathaus.
Klaus Schaake, Moderator der FRK-Sendungen „Stadtlabor“ und „Viaje Radial“, hat sich vorgenommen, für seinen neuen Podcast „Stadtteilzeit“ sämtliche 23 Kasseler Ortsvorsteher zu befragen. Den Anfang machen Sabine Wurst (Mitte), Steffen Müller (Südstadt) und Kerstin Saric (Südstadt) – wir senden die Interviews.

Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 19. Juni 2020, 18 Uhr

 

Bernd und Hardy live

Ein Kabarettist und Bestsellerautor feiert Jubiläum: Seit 25 Jahren ist Bernd Gieseking mit „Ab dafür! – der satirische Jahresrückblick“ auf den Bühnen der Republik unterwegs. Und nun kommt dieses Jubiläum auf die Bühne: Gieseking blickte beim „Sommer im Park 2019“ in Vellmar mit seinen besten Texten zurück auf 25 Jahre Bundesrepublik Deutschland mit ihren Parteispenden, Skandalen und Jubiläen, von Kohl bis Merkules, von Dolly dem Klon-Schaf bis zum Rinderwahnsinn, vom Ende der D-Mark bis zum Neuen Markt, vom Atomausstieg bis zum Insektensterben: eine satirische Tour de Force.
Natürlich war Konfusion dabei, der ostwestfälische Weise: „Das Schöne am Erinnern ist, es hilft gegen das Vergessen!“
Aus Giesekings Stammkneipe, der Fischlounge, standen Wirt Herbert und Karl parat, der Dichter, der noch nie über einen Zweizeiler hinaus gekommen ist: „Die NSA lauscht in der Nacht – was Merkel vor dem Frühstück macht.“
Für Vellmar konnte Bernd Gieseking einen tollen Gast gewinnen: Hardy EL Kurdi begleitete den Abend mit Kommentaren, Randbemerkungen und historischen Auskünften aller Art.
Satire und Komik, Kommentar und Nonsens über den alltäglichen Wahnsinn: all das ist „Ab dafür! Deluxe“. Eine rasante Achterbahnfahrt voller Sprachwitz, präsentiert vom Meister und Urvater des satirischen Jahresrückblicks: Bernd Gieseking.
Gast: Hardy El Kurdi

  • Sendetermin: „Kabarett live“, Freitag, 19. Juni 2020, 22 Uhr

Programminfos vom 12.06.2020 bis 18.06.2020

König des Glam Rock – Zum Tod von Steve Priest

Sie waren DIE Teenager-Attraktion der frühen 70er Jahre: Acht Nummer-1.-Hits konnten die Sweet zwischen 1971 und 1975 in den deutschen Verkaufscharts verbuchen, dreimal wurden sie von den Lesern der BRAVO als „beste Band des Jahres“ mit dem „Goldenen Otto“ ausgezeichnet. Die vier Glam-Rocker aus Britannien begeisterten ihr zumeist jugendliches Publikum mit eingängigen, einfach gestrickten Hits vom Fließband – „Little Willy“, „Wig Wam Bam“, „Blockbuster“ oder „Ballroom Blitz“ sind nur einige der Schlager irgendwo zwischen Bubblegum-Pop und Hardrock, mit denen die Band damals monatelang die Radiowellen verstopfte. Nun ist Steve Priest, Mitbegründer und Bassist von The Sweet, im Alter von 72 Jahren gestorben – Sänger Brian Connolly und Schlagzeuger Mick Tucker weilen schon lange nicht mehr unter den Lebenden, so daß mit Gitarrist Andy Scott jetzt nur noch ein Mitglied der legendären Band übrig ist. Steve Priest war der heimliche Star der Gruppe, ein Publikumsliebling, der mit seiner Bühnenshow und seinem exzentrischen Outfit für viel Aufmerksamkeit sorgte. So trat er etwa in einer Weihnachtssendung des britischen Fernsehens als schwuler SS-Mann mit Uniform, Hakenkreuzbinde und dick geschminkt auf. Als Bassist prägte er den Sound der Band – besonders in den späteren Jahren, als sich The Sweet stärker dem Hardrock zuwandten. Wir erinnern in dieser Spezialausgabe des „Themenwechsels“ an Steve Priest und an die goldene Ära des Glam Rock.
Außerdem stellen wir eine neue Clint-Eastwood-Biographie vor – der Schauspieler und Regisseur wurde kürzlich 90, denkt aber offenbar noch lange nicht ans Aufhören.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 12. Juni 2020, 18 Uhr

 

Johnny Dyer - "Shake it!"

Johnny Dyer war, obgleich eher ein Geheimtipp unter den hiesigen Bluesliebhabern, ein äußerst eindrucksvoller Harpspieler seit den 60er Jahren. Er spielte mit Jimmy Reed, J.B. Hutto und Jimmy Rogers zusammen, war gefragter Sidekick bei großen Festivals. Auf Schallplattenaufnahmen tauchte er leider eher selten auf. Die Zusammenarbeit mit dem Blues-Rock-Gitarristen Rick Holmstrom holte ihn während der 90er Jahre aus der Versenkung. Sie wurden gefragte Acts bei Festivals und machten gemeinsam auch Platten. In dieser Folge zu hören: "Shake it!" (1995 / Black Top Records, New Orleans)

  • Sendetermin: “Long Distance Call”, Samstag, 13. Juni 2020, 18 Uhr

 

Black Bands of the 30s

Wir swingen wieder  - swingen Sie mit!
Diesmal auf dem Plattenteller: Die Orchester von Claude Hopkins, „Hot Lips“ Page, James P. Johnson, Earl Hines, Harlan Leonard, Andy Kirk und Harlan Lattimore bzw. Don Redman.
Am Mikrophon: Peter Michael.

  • Sendetermin: „Tanzparkett extra“, Sonntag, 14. Juni 2020, 17 Uhr
  • Wiederholung: Montag, 15. Juni 2020, 9 Uhr

 

R.A.M. Pietsch - "Norwegian Wood"

Aha, es dreht sich diesmal um die Beatles. Sie können Zeiten wie diese sicherlich stimmungsmäßig um so einiges aufhellen. Wer jedoch ist bzw. war R.A.M. Pietsch??  Lange wurde über dieses Pseudonym gerätselt. Klingt spannend - ist es aber nicht wirklich. Rainer Pietsch, geboren 1944, war eher im Hintergrund in den damals angesagten Aufnahmestudios in München als Arrangeur, Tonsetzer, Produzent und Schlagermacher recht fleißig. Die 1970/80er waren seine große Zeit: Michael Holm und die damals gefragte Amanda Lear hatten ihm so einiges zu verdanken. Und er schrieb auch das Orchester-Arrangement für das Titelstück von Freddie Mercurys erster Soloplatte ("Mr. Bad Guy"). Eine gewisse Berühmtheit erlangte Pietsch 1975 beim ESC (damals noch Grand Prix) in Zusammenhang mit Joy Fleming.
Der Lonesome Traveler wurde bei der Cover-Gestaltung der erwähnten "Norwegian Wood"-Ausgabe neugierig. Sie stammt von niemand geringerem als dem Berliner Urgestein Klaus Voormann, der seinerzeit die wilden 60er Kiez-Jahre der Beatles in Hamburg begleitet hatte. Sie waren befreundet; Klaus Voormann ist der Künstler, der ihr legendäres "Revolver"-Albumcover 1966 gestaltet hat - und der in der Folge zum gefragten Bassisten aufstieg: Manfred Mann, John Lennon, Lou Reed, Carly Simon, Randy Newman, B.B. King u.a.  Pietsch hat übrigens später auch der Neuen Deutschen Welle wirkungsvolle Impulse gegeben - Trio, Marius Müller-Westernhagen, Nena, Heinz Rudolf Kunze usw. Klaus Voormann blieb den Beatles freundschaftlich verbunden. Er lebte etliche Jahre in Los Angeles, heute am Starnberger See. Ein vielseitiger Künstler - seine "Norwegian Wood"-Version ist ein echter Hin-Hörer.
Diese Folge ist der Auftakt zu einer lockeren 60/70er Oldie-Reihe, die auch in der dreistündigen Langversion als Samstags-"Lange Rille" jeweils ab 21 Uhr hier gesendet wird. Die frühen Kinks, die im Windschatten der sog. British Invasion segelten, werden den Reigen eröffnen.

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 14. Juni 2020, 22 Uhr

 

Live aus dem Funkhaus: SPEICHER/WOLF/SCHIPPER

Martin Speicher       Saxophone, Klarinette
Georg Wolf               Kontrabass
Jörn Schipper          Schlagzeug

Zeitenbedingt findet das Konzert leider unter Ausschluß der Öffentlichkeit vor Ort statt. Aber man kann die Übertragung im Radio genießen.

  • Sendetermin: „Fangschalltung“, Montag, 15. Juni 2020, 20 Uhr

 

Die Savoy Orpheans, Folge 1

Synonym für ein großes, weltläufiges Hotel steht u.a. das Londoner „Savoy“. Ein entsprechend anspruchsvolles, in jeder Hinsicht verwöhntes Publikum war und ist daher die Klientel des Hauses.
Auch musikalisch kam dies in den 20er und 30er Jahren zum Ausdruck. Neben der schon einige Zeit  etablierten Savoy Havana Band, die einen der Säle bespielte und zu der wir in einer andern Sendefolge auch kommen wollen, wurden im Laufe der 20er Jahre noch andere Kapellen engagiert. Eine weitere feste Besetzung des Hauses waren die Savoy Orpheans. Dieser Formation widmen wir voraussichtlich drei Sendungen im „Tanzparkett“.
Nicht nur bei den Hotelgästen waren die Kapellen beliebt, sondern auch bei den Schallplattenkäufern, denn sie boten Aufnahmen ansprechender, moderner Tanzmusik mit Hotsolistik.
Wir beginnen im Februar 1924, als die Orpheans noch von Debroy Somers geleitet wurden. Der spätere Chef der Savoy Orpheans, Carroll Gibbons, dessen Name einigen Hörern sicher noch von den auch in Deutschland recht viel gekauften Platten der Kapelle aus den 30er Jahren geläufig sein dürfte, ist hier schon als Pianist dabei.
Die Savoy Orpheans hatten einen Exklusivvertrag bei der englischen Columbia. Sie spielten jedoch auch Platten für His Master’s Voice ein - allerdings unter dem Pseudonym „The Romaine Orchestra“, denn sonst hätten die Columbialeute den lukrativen Vertrag gekündigt. Doch schließlich  unterbreitete die HMV ein noch besseres Angebot, denn ab Oktober 1924 findet sich die Band nur noch auf diesem Etikett - unter dem richtigen Orchesternamen.
Im ersten Teil kommen wir bis in die frühelektrische Aufnahmephase. Die ersten uns vorliegenden elektrischen HMV-Aufnahmen mit den Orpheans entstanden im Juli 1925.
Durch die Sendung begleitet Sie Thomas Sosna.

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 17. Juni 2020, 21 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 18. Juni 2020, 13 Uhr

 

Programminfos vom 05.06.2020 bis 07.06.2020

Marcel zum 100.

Er war der Liebling aller Stimmenimitatoren und Kabarettisten; seine charakteristische Sprechweise war legendär. Unter den Autoren war er gefürchtet – seine meinungsstarke, oft ätzende Kritik konnte Karrieren befördern oder auch vernichten. Kein deutscher Literaturkritiker war jemals so einflußreich und populär wie Marcel Reich-Ranicki – bis heute gilt er als Prototyp des engagierten Rezensenten. Aber sein Bekanntheitsgrad reichte weit über die Literaturszene hinaus; durch seine zahllosen Fernsehauftritte (u.a. im „Literarischen Quartett“) war er einem Millionenpublikum bekannt und erreichte auch Menschen, die nie in ihrem Leben ein Buch in die Hand genommen haben.
1999 veröffentlichte der 2013 verstorbene Reich-Ranicki seine Autobiographie, in der er seine bewegte Geschichte als polnisch-deutscher Jude während der NS-Zeit ebenso schildert wie seine spätere Karriere als Kritiker und Zeitungsredakteur. Das Buch wurde zum Bestseller; Reich-Ranicki stellte seine Memoiren bei zahlreichen Lesungen vor. Auch in Kassel war er zu Gast: Auf Einladung der (inzwischen geschlossenen) Buchhandlung Lometsch las er im Oktober 1999 im vollbesetzten Anthroposophischen Zentrum. Aus Anlaß seines 100. Geburtstags in dieser Woche senden wir noch einmal den historischen Mitschnitt.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 5. Juni 2020, 18 Uhr

 

Martin Frank – Schwarzhumoriges Kabarett aus Passau

Das nennt man wohl einen „Sensationserfolg“: Bei der Verleihung des Hessischen Kabarettpreises im Frühjahr 2019, die in der Kulturhalle Niedervellmar stattfand, spielte Martin Frank innerhalb von 20 Minuten die Konkurrenz regelrecht an die Wand. Das Publikum begeisterte sich für den Wortwitz und den schwarzen Humor des bayrischen Kabarettisten – und wenige Monate später stand er solo auf der Bühne des Piazza, um sein komplettes Programm zu spielen. Der Laden war voll, die Zuschauer amüsierten sich köstlich. Wir senden heute den Mitschnitt.
Martin Frank wurde 1992 in Hutthurm (Lkrs. Passau) geboren. Aufgewachsen auf dem elterlichen Bauernhof, absolvierte er 2009 eine Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten und anschließend eine Weiterbildung zum Standesbeamten. Künstlerisch tobte er sich mit Klavierunterricht, Kirchenchor und Volkstheater auf der Heimatbühne seit seinem 12. Lebensjahr aus.
Schnell wurde ihm klar, daß er sich mehr und mehr der Kunst widmen möchte. Er absolvierte eine Ausbildung zum Kirchenorganisten und schloß sich dem Jugendclub des Stadttheaters Passau an.
Im Alter von 16 Jahren stellte er sich zum ersten Mal mit selbstverfaßten Texten auf die Bühne. Mit 21 setzte er alles auf eine Karte und kündigte seinen Job im Standesamt, holte sein Abitur nach und sprach an der Schauspielschule Zerboni in München vor. Trotz seines massiven Sprachfehlers (bairischer Dialekt) wurde er aufgenommen und schloß seine Schauspielausbildung 2017 nach drei Jahren erfolgreich ab.
Während dieser Zeit war der Bühnendrang jedoch so groß, daß er im Oktober 2015 sein erstes Soloprogramm "Alles ein bißchen anders – Vom Land in d’Stadt" im ausverkauften Münchner Schlachthof (es war allerdings der kleinste verfügbare Raum) präsentierte. Das sehr autobiografische Programm stieß auf große Resonanz und wurde mehrfach ausgezeichnet.
Nach der Schauspielschule folgte ein erstes Theaterengagement im Münchner Lustspielhaus, dort spielt er bis heute die Titelrolle in "Siegfried – Götterschweiß und Heldenblut" unter der Regie von Gabi Rothmüller. Das Stück steht bis auf weiteres im Spielplan. Außerdem ist er seit Dezember 2017 regelmäßig als Außenreporter bei „Schleichfernsehen“ im BR Fernsehen zu sehen.
Im März 2018 erschien dann sein zweites Soloprogramm „Es kommt wie’s kommt!“. Ebenfalls 2018 wurde er mit dem Bayerischen Kabarettpreis in der Kategorie Senkrechtstarter ausgezeichnet. Auch jenseits des Weißwurstäquators findet man den Niederbayern amüsant und überreichte ihm 2019 den „Prix Pantheon“ in Bonn, sowie den Publikums- und Jurypreis des Großen Kleinkunstfestivals in Berlin.
Seit Januar 2020 hört man Martin wöchentlich als Comedian auf Antenne Bayern. Außerdem erschien im Januar im Rowohlt-Verlag sein erstes Buch „Der famose Freistaat – Bayern verstehen für Anfänger und Fortgeschrittene“, das er zusammen mit seiner großartigen Kollegin Franziska Wanninger geschrieben hat.

  • Sendetermin: „Kabarett live“, Freitag, 5. Juni 2020, 22 Uhr

 

Der "Mark Twain" der amerikanischen Songwriter - John Prine (+ 7. April 2020)

In Erinnerung an einen Lifetime Friend hören wir heute Klassikeralben aus den 70ern wie "Common Sense" (1975), "Bruised Orange" (1978) und "Pink Cadillac" (1979) in voller Länge; außerdem Duett-Alben aus der Neuzeit: "In Spite of Ourselves" (1999) und die mit dem seligen Folk- und Bluegrass-Urgestein Mac Wiseman aufgenommene LP "Standard Songs for Average People" von 2007.
Zitat Grammy-Preisträger John Prine : "In meinen Songs versuche ich, durch die Augen anderer Leute zu blicken. Ich möchte den Zuhörern eher ein Gefühl als eine Botschaft übermitteln".

  • Sendetermin: „Die Lange Rille“, Samstag, 6. Juni 2020, 21 Uhr

 

Britische Herrenkleinkunstaufnahmen, Folge 2

Die Tanzmusik des 20. Jahrhunderts (und im speziellen der Jazz) wird seit über 80 Jahren systematisch beschrieben, eingeordnet und wissenschaftlich behandelt (eins der ersten Jazzbücher erschien bereits 1926 in Deutschland).
Stiefmütterlich dagegen gingen Forscher und Plattensammler lange Zeit mit der sogenannten „Kleinkunst“, also Chanson-, Humoristen-, Kabarett- und Vortragsaufnahmen u. dergl., um. Sie wurde jahrzehntelang als zweitrangig abgetan, eben als „klein“ angesehen.
Forschungen, wie sie auf dem Gebiet des Jazz z.B. von Brian Rust und Horst H. Lange seit den 50er Jahren angestellt wurden, als viele Zeitzeugen noch lebten und im Musikgeschäft tätig waren, fanden erst mit Verzögerung statt.
Viele Quellen und Berichterstatter aus erster Hand waren in den 80er Jahren nicht mehr greifbar, als eine breitere Beschäftigung mit der großen Zeit der kleinen Bühne, der Kleinkunstszene der Zwischenkriegszeit, einsetzte.
Umgekehrt tauchten in jener Zeit oder später auch verloren geglaubte Dokumente wieder auf, die zuverlässiger waren als verblaßte und durch die Zeitläufte verfälschte Erinnerungen damals beteiligter Musiker. So kamen z.B. Aufnahmebücher verschiedener Plattenfirmen wieder ans Tageslicht, die in den 50er Jahren wohl ins Altpapier hätten wandern sollen und von Plattensammlern geborgen worden waren.
Jedenfalls hat sich, seit 1991 nach buchstäblich jahrzehntelanger Recherche als erstes großes Register Berthold Leimbachs Buch „Tondokumente der Kleinkunst und ihre Interpreten (1898-1945)“ erschien, die Beschäftigung zumindest mit der deutschen Kleinkunst endgültig etabliert. Aus der Schellacksammlerszene, wenn man von einer solchen sprechen mag, ist sie nicht mehr wegzudenken. Auch in den Sammlungen der Tanzparkett-Redakteure finden sich nicht nur Hotdance und Jazz, und der Anspruch unserer Sendung umfaßt die Kleinkunst von Anfang an.
Nicht nur in Deutschland gab es eine bunte Kleinkunstszene, auch im europäischen Ausland blühten die Kakteen der Brettlbühne. Das wollen wir auch mit dieser zweiten Sendung mit englischen Kleinkunstaufnahmen unter Beweis stellen.
Achten Sie übrigens bei dieser Gelegenheit einmal auf den Einfluß, den der US-Amerikaner Whispering Jack Smith auf den Vortragsstil der Kleinkunstbühnen und -platten hatte. Kürzlich präsentierten wir anläßlich seines 70. Todestages in der Hauptsendung am Mittwochabend eine Auswahl seiner Platten.
Sein Vorbild bewirkte zumindest bei einigen Vortragenden eine Abkehr vom opernhaft lauten, sälefüllenden Bühnengesang hin zum intim „geflüsterten“, aufs feinste nuancierten Vortrag für die kleine, illustre Runde. Besonders deutlich wird das in dieser Sendung an den zu Beginn gebrachten Aufnahmen mit Ronald Frankau.
Durch das Programm begleitet Sie Thomas Sosna.

  • Sendetermin: „Tanzparkett extra“, Sonntag, 7. Juni 2020, 17 Uhr
  • Wiederholung: Montag, 8. Juni 2020, 9 Uhr

 

Steve Earle Plays Guy Clark

Vor vier Jahren starb Country-Ikone und Singer-Songwriter Guy Clark. Mit »Guy« widmete Steve Earle seinem musikalischen Weggefährten, Bandkollegen, Freund und Mentor 2019 ein besonderes Album. 16 Stücke hat er dafür aufgenommen. Mit dabei sind Klassiker wie »Desperados Waiting For A Train« und »LA Freeway«. Eine erste Singleauskopplung gab es vorab mit dem Song »Dublin Blues«.
Unterstützt wird Earle auf »Guy« zum wiederholten Mal von The Dukes: Kelley Looney (Bass), Chris Masterson (Gitarre), Eleanor Whitmore (Geige), Ricky Ray Jackson (Pedal-Steel-Gitarre) und Brad Pemberton (Schlagzeug/Perkussion).
Außerdem gibt es Gastbeiträge von Emmylou Harris, Rodney Crowell, Terry Allen, Jerry Jeff Walker und Mickey Raphael.

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 7. Juni 2020, 19 Uhr

 

Programminfos vom 28.05.2020 bis 04.06.2020

Gedenken an Walter Lübcke

Vor einem Jahr, am 2.Juni 2019, wurde der Kasseler Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke auf seiner Terrasse zu mitternächtlicher Stunde von einem mutmaßlichen Rechtsterroristen erschossen. Die juristische Aufarbeitung der Tat ist in vollem Gange, das Strafverfahren soll demnächst eröffnet werden. Eigentlich waren zum Jahrestag mehrere Gedenkveranstaltungen geplant, die nun allerdings nicht durchgeführt werden können. Das Freie Radio sendet daher nochmals Auszüge aus der Großkundgebung, die letztes Jahr wenige Wochen nach dem Mord stattfand. An die 10.000 Menschen versammelten sich damals vor dem Regierungspräsidium und gaben unter dem Motto „Zusammen sind wir stark“ ihrer Ablehnung rechtsextremer Gewalt Ausdruck. Unter anderem sprachen die Hessische Justizministerin Eva Kühne-Hörmann und Staatstheater-Intendant Thomas Bockelmann.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 29. Mai 2020, 18 Uhr

 

Der Frühling auf Schellack

„Sagt mal, wollt Ihr dieses Jahr gar nicht ... ?“
Eigentlich wollten wir nicht.
Andererseits gäbe es - an allem ist nur der Frühling schuld - ohne diese Sendung unsern Sonntagnachmittagssendeplatz „Tanzparkett extra“ gar nicht.
Deshalb bringen wir nun doch wie (fast) jedes Jahr im Frühling wieder unsere Tanzparkett-Frühlingssendung, damit Eddy Walis und Raimund Geßner die „Rosen, die uns der Mai bringt“ nun auf den letzten Drücker doch noch pünktlich abliefern können. Daß die Jahresrechnung für die Wartezeit zur Überprüfung der dreisten Behauptung „Es wird in hundert Jahren wieder so ein Frühling sein“ nun nicht mehr stimmt ... sei’s drum! Es ist ja schließlich eine Wiederholung.
Thomas Sosna läßt als Ihr Begleiter die musikalischen Frühlingssträuße erblühen.
Auf ausdrücklichen Hörerwunsch also:

  • Sendetermin: „Tanzparkett extra“, Pfingstsonntag, 31. Mai 2020, 17 Uhr
  • Wiederholung: Pfingstmontag, 1. Juni 2020, 9 Uhr

 

Steve Earle  -  "The Ghosts of West Virginia"

Ein seit Jahren streitbarer Singer/Songwriter, Steve Earle aus Virginia, hatte schon immer ein Faible auch für Theaterbühnen. Das Theaterautorenteam Jessica Blank und Erik Jensen machte Earle mit ihrem Stück über das "Upper Big Branch Mine Disaster" von 2010 bekannt, das in der Erde West Virginias 27 Minenarbeiter schlagartig ihre Leben unter Tage kostete. Steve Earle, der "leftist populist" aus den Appalachen, war genau der richtige Typ, die passende Coal Country Music dafür zu entwerfen. Herausgekommen ist ein weiteres die Hintergründe vielseitig ausleuchtendes Americana-Album, das auch die schäbige Rückseite des Goldenen Amerikanischen Dollars zeigt. America great again?! Please don´t you forget about your own struggling People, Mister.
Spannende Mischung aus Bluegrass, Country und Rock: Steve Earle mit seiner langjährigen Tourband The Dukes. Herbe Texte, herbe Mucke. Nicht allzu häufig im US Countryradio zu hören. Bei uns schon - eine brandaktuelle Scheibe.

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 31. Mai 2020, 19 Uhr

 

Rassismus erkennen und benennen

„Woher kommst du?“  - Beginnt mit einer solchen Frage bereits Rassismus? In der heutigen Ausgabe der Sendung „Zwischenzeit“ sprechen Expertinnen aus Kassel und Frankfurt darüber, was Rassismus ist, wie er sich im Alltag zeigt und was er auslöst. Zu Gast sind: Saba-Nur Cheema, die Leiterin des pädagogischen Teams der Bildungsstätte Anne Frank; Selvet Elevliv als Vertreterin von BENGI e.V. , einer migrantischen Selbstorganisationen aus Kassel; und Ruth Hunstock, die Initiatorin der Initiative „Afrodeutsche und schwarze Menschen in Nordhessen“. Moderiert wird die Sendung von Maria Seip, der Leiterin der Kasseler Zweigstelle der Bildungsstätte Anne Frank.

  • Sendetermin: „Zwischenzeit“, Dienstag, 2. Mai 2020, 18 Uhr

 

US-Smallband-Swing der 30er Jahre, Folge 2/ 2020

Das ist einmal mehr Thema im „Tanzparkett“.
Eine Stunde Musik aus der Zeit, in der die damals aktuelle Spielart des Jazz rund um die Welt auf fruchtbaren Boden fiel - nie wieder fand eine neue Stilrichtung des Jazz eine derartige Verbreitung und Beliebtheit beim allgemeinen Publikum.
Richtig in Fahrt kam der Swing ab 1934/ 35, aber die Richtung, in die die musikalische Entwicklung gehen sollte, wurde erkennbar schon etwas eher eingeschlagen. Anfang der 40er Jahre, nicht zuletzt durch den US-Musikerstreik und den Eintritt der USA in den II. Weltkrieg, veränderte sich der Publikumsgeschmack: Bald standen die Sänger im Vordergund des Interesses, nicht länger die Orchester.
Wir bringen in dieser Folge Platten aus der Zeit von 1933 bis 1941, also vom Beginn bis zur „Abenddämmerung“ der klassischen Swingära.
Zu hören sind in dieser Sendung das Quintett von Edgar Hayes (1937), Wingy Manone (1938), The Gotham Stompers mit der Sängerin Ivie Anderson (1937), Benny Goodman, der hier Billie Holiday auf ihrer ersten Platte begleitet (1933), Joe Marsala (1941), Red Norvo mit zwei unterschiedlichen Besetzungen in seinem „Swing Octet“ (1935), Riley-Farley and their Orchestra (1936) sowie Red McKenzie, der hier von den Six Spirits of Rhythm begleitet wird (1934). Durchs Programm führt Peter Michael.

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 3. Juni 2020, 21 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 4. Juni 2020, 13 Uhr

 

Programminfos vom 24.05.2020 bis 28.05.2020

Deutsche Studenten 1918-1968

Gemeinhin wird das Bild revoltierender Studenten mit den internationalen – und linksorientierten – Studentenunruhen gegen Ende der 60er Jahre assoziiert. Doch in der deutschen Hochschulgeschichte gab es mehrere und sehr unterschiedliche studentische Bewegungen. Wenig bekannt ist z.B. die bedeutende nationalsozialistische Studentenschaft, die schon 1931 die Mehrheit an den deutschen Universitäten hatte. Der VHS-Vortrag von Dr. Peter Chroust schildert, wie sich die politische Ausrichtung der deutschen Studentenschaft zwischen 1918 und 1968 immer wieder verändert hat.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 22. Mai 2020, 18 Uhr

 

Hirn für alle

Oft hört man Sätze wie „Hätte ich nur mehr Geld!“ oder „Wäre ich nur schöner!“, aber kaum jemand wünscht sich „Ich wäre gern schlauer!“
Mein Haus! Mein Auto! Mein Boot! Das sind die Prioritäten unserer Zeit, aber wo bleibt der Traum vom Eigenhirn? Doch warum auch? Für viele Menschen ist das eigene Gehirn längst so überflüssig geworden wie das Grundgesetz für die CSU. Unser Denken haben wir outgesourct und lassen es von Fake News, von Populisten oder tausend Apps auf dem Smartphone erledigen.
Nicht nur unsere Autos, auch unsere Hirne scheinen über eine Abschaltautomatik zu verfügen. Und gibt es nicht genug ermutigende Beispiele aus Wirtschaft und Politik, die zeigen, daß überdurchschnittliche Intelligenz auf dem Weg an die Spitze eher hinderlich sein kann? Oder wie sonst läßt sich erklären, daß Insassen einer geschlossenen Abteilung im Vergleich zum amerikanischen Präsidenten erschreckend normal wirken?
Und auch im Land von Kant und Hegel fällt den meisten Menschen beim Begriff Aufklärung höchstens noch Dr. Sommer von der BRAVO ein. Dabei wäre es höchste Zeit, eine neue Ära der Vernunft einzuläuten.
„Hirn für alle“ ist ein Rundumschlag durch Politik und Gesellschaft – ein Abend für jeden, der gern selber denkt oder es einfach mal wieder ausprobieren möchte. Aber Vorsicht: Denken ist wie Sex! Wenn man mal damit anfängt, möchte man es immer wieder tun. (Der Vorteil ist: Man kann es jederzeit und überall tun und muß davor niemanden zum Essen einladen.)
Thomas Schreckenberger ist vielfach ausgezeichneter Kleinkunstpreisträger (u.a. Tuttlinger Krähe, Kleinkunstpreis Baden-Württemberg, Fränkischer Kabarettpreis, uvm.) und gern gesehener Gast in Rundfunk und Fernsehen.
Der Deutschlandfunk sagt über ihn: „Ein großartiger Kabarettist, der es wie wenige schafft, Themen aus der aktuellen Politik witzig und pointiert zu verpacken!“

  • Sendetermin: „Kabarett live“, Freitag, 22. Mai 2020, 22 Uhr

 

Zum Tod von Harold Reid

Die Statler Brothers saßen immer ein wenig zwischen den Stühlen: Für die Hardcore-Country-Fans waren sie zu sehr „Pop“, den Pop- und Rockfans hingegen ging ihr Sound zu stark in Richtung Country. Trotzdem gehörten sie in den 70er und 80er Jahren zu den beliebtesten und erfolgreichsten Gesangsgruppen der USA. Mehrere Jahre hintereinander wurden sie von der Country Music Association zur „Vocal Group Of The Year“ gekrönt, ihre Platten verkauften sich millionenfach. Zu verdanken hatten sie ihre Karriere vor allem Johnny Cash – er nahm sie Mitte der 60er in seine Show auf; auch bei seinen legendären Knast-Konzerten im Folsom Prison und in San Quentin waren die Statlers dabei. Später machten sie sich selbstständig und verbuchten reihenweise Hits in den Country-Charts – ihr mehrstimmiger Satzgesang, der sowohl vom Gospel als auch vom Close-Harmony-Stil der Western-Gesangsgruppe beeinflußt war, begeisterte nicht nur das Country-Publikum. Ihr Hang zu Nostalgie und zu einer gewissen Idealisierung der Vergangenheit kam gerade in den für die USA schwierigen 70er Jahren sehr gut an.
Besonders populär war Harold Reid, der nicht nur die markante Baß-Stimme zum Gruppensound beisteuerte, sondern mit seiner humorvollen Art viele Fans begeisterte. Im April 2020 ist Harold Reid im Alter von 80 Jahren gestorben – wir erinnern an ihn und an die Statler Brothers, die bereits vor fast 20 Jahren ihre glanzvolle Karriere beendet haben.

  • Sendetermin: „Country Classics“, Samstag, 23. Mai 2020, 18 Uhr

 

Der "Mark Twain" der amerikanischen Songwriter - John Prine (+ 7. April 2020)

In Erinnerung an einen Lifetime Friend hören wir heute Klassikeralben aus den 70ern wie "Common Sense" (1975), "Bruised Orange" (1978) und "Pink Cadillac" (1979) in voller Länge; außerdem Duett-Alben aus der Neuzeit: "In Spite of Ourselves" (1999) und die mit dem seligen Folk- und Bluegrass-Urgestein Mac Wiseman aufgenommene LP "Standard Songs for Average People" von 2007.
Zitat Grammy-Preisträger John Prine : "In meinen Songs versuche ich, durch die Augen anderer Leute zu blicken. Ich möchte den Zuhörern eher ein Gefühl als eine Botschaft übermitteln".

  • Sendetermin: „Die Lange Rille“, Samstag, 23. Mai 2020, 21 Uhr

 

Britische Herrenkleinkunstaufnahmen, Folge 1

Die Tanzmusik des 20. Jahrhunderts (und im speziellen der Jazz) wird seit etwa 80 Jahren systematisch beschrieben, eingeordnet und wissenschaftlich behandelt.
Stiefmütterlich dagegen gingen Forscher und Plattensammler lange Zeit mit der sogenannten „Kleinkunst“, also Chanson-, Humoristen-, Kabarett-und Vortragsaufnahmen u. dergl., um. Sie wurde jahrzehntelang als zweitrangig abgetan, eben als „klein“ angesehen.
Forschungen, wie sie auf dem Gebiet des Jazz z.B. von Brian Rust und Horst H. Lange seit den 50er Jahren angestellt wurden, als viele Zeitzeugen noch lebten und im Musikgeschäft tätig waren, fanden erst mit Verzögerung statt.
Viele Quellen und Berichterstatter aus erster Hand waren in den 80er Jahren nicht mehr greifbar, als eine breitere Beschäftigung mit der großen Zeit der kleinen Bühne, der Kleinkunstszene der Zwischenkriegszeit, einsetzte.
Umgekehrt tauchten auch verloren geglaubte Quellen in jener Zeit oder später wieder auf, die zuverlässiger waren als verblaßte Erinnerungen damals beteiligter Musiker -Aufnahmebücher verschiedener Plattenfirmen, die in den 50er Jahren wohl ins Altpapier hätten wandern sollen und von Plattenfans geborgen wurden.
Jedenfalls hat sich vor allem in den letzten 25 Jahren die Beschäftigung mit der Kleinkunst etabliert und ist auch aus der Schellacksammlerszene, wenn man von einer solchen sprechen mag, nicht mehr wegzudenken. Auch in den Sammlungen der Tanzparkett-Redakteure findet sich nicht nur Jazz, und auch der Anspruch unserer Sendung umfaßt die Kleinkunst von Anfang an.
Nicht nur in Deutschland gab es eine bunte Kleinkunstszene, auch im europäischen Ausland blühten die Kakteen der Brettlbühne.
Das wollen wir mit dieser und der kommenden Sendung unter Beweis stellen. Wir bringen Ihnen eine Auswahl an Kleinkunstaufnahmen von der Insel. Die Vortragenden in den ersten beiden Folgen sind Herren, britische Damen-Kleinkunstplatten wollen wir bei späterer Gelegenheit als Fortsetzung senden.
Durch das Programm begleitet Sie Thomas Sosna.

  • Sendetermin: „Tanzparkett extra“, Sonntag, 24. Mai 2020, 17 Uhr
  • Wiederholung: Montag, 25. Mai 2020, 9 Uhr

 

Still "Rough and rowdy ways"? - Bob Dylan zum 79

Corona-Maskierungen schützen auch nicht vor dem Älterwerden. His Bobness (oder DER MEISTER) Bob Dylan wird soeben 79. Happy B-day, Robert Allen Zimmerman! Ihm zu Ehren bringen wir in der heutigen Folge einen seiner frühen Album-Klassiker, "Nashville Skyline" von 1969, ein "Country-Album", das Dylan unter Mitwirkung von Johnny Cash eingespielt hat und das ein großer Erfolg wurde, nachdem sich die vielen "Dylanologen" auf den plötzlichen Schwenk des Meisters eingelassen hatten.
Mit der Produktion dieser Preziose sind Bob Dylan und Johnny Cash sich musikalisch und menschlich nahe gekommen. Ein Meilensteinalbum haben sie damals abgeliefert. Es beinhaltet zeitlos tolle Songs wie "Lay Lady Lay", "To be alone with you", "I threw it all away" und natürlich den fantastischen "Nashville Skyline Rag". Mit dabei waren großartige Mitmusiker wie Charlie Daniels, Pete Drake, Charlie McCoy u.a.
Als kleine Überraschung zu Bobs Geburtstag steuert ein weiterer exklusiver Kollege, Loudon Wainwright III, einen herrlich schrägen Talking Blues für Bob Dylan bei. Nun sind alle gespannt auf Dylans neues (39.) Studioalbum, das im Juni erscheinen soll. Titel "My rough and rowdy ways" (nach der Country-Ikone Jimmie Rodgers aus den 30er Jahren)

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 24. Mai 2020, 19 Uhr

Programminfos vom 13.05.2020 bis 21.05.2020

Junior Wells und Little Richard  

Wegen Little Richards Ableben präsentieren wir diesmal ein leicht geändertes Programmangebot in unserem Blues Magazin. Vorgesehen waren der ebenfalls selige, unvergessene Harpspieler Junior Wells aus Memphis, plus einiger weißer Adepten. Aktuell trauern aber viele R&R-Fans weltweit um Little Richard aus Macon/Georgia (1932 - 9. Mai 2020), die Ikone, den "King of Rock". So sind denn auch einige Hämmer vom "Georgia Peach" in dieser Folge zu hören - überwiegend Speciality-Aufnahmen, einige seiner Mitt-50er Hits.

  • Sendetermin: „Long Distance Call“, Samstag, 16. Mai 2020, 18 Uhr

 

Zum Tod von Little Richard

Little Richard war ein farbiger amerikanischer Rock´n´Roll-Sänger, Pianist und Songwriter mit Legendenstatus. Seine Songs waren bekannt für den wilden hohen Gesang und ein besonders feuriges Pianospiel – perfektioniert wurde das ganze durch Little Richards selbstdarstellerisches schrilles Auftreten. Später würde er öffentlich anmerken: „ Wenn Elvis der King ist, dann bin ich die Queen des Rock’n’Roll!“. Sein Spiel mit Geschlechterrollen und die flamboyante Performance waren stilprägend. Eine steiler hochgesprayte Frisur besaß keiner. Prince war einer seiner Nachahmer.
Er kam als Richard Wayne Penniman am 5. Dezember 1932 in Macon, Georgia/USA zur Welt. Als eines von insgesamt zwölf Kindern – sein Vater war damals Prediger, und die gesamte Familie lebte in eher ärmlichen Verhältnissen. Dadurch nahm er sehr früh so ziemlich jeden Job an, der sich ihm bot – nur dadurch konnte er sich über Wasser halten.
Schon als Kind ist Richard hyperaktiv und äußerst an Musik interessiert. Mit 14 Jahren fühlt er sich alt genug, um das einengende Elternhaus zu verlassen. Er legte sich selbst den Künstlernamen „Little Richard“ zu und türmte seine hoch toupierten Haare ordentlich mit Gel auf - die möglicherweise erste schrill gestylte eindrucksvolle Bühnengestalt im aufkommenden Rock & Roll.
Little Richard sammelt erste Erfahrungen in unterschiedlichen Gospelgruppen – der Einfluß dieser Musik prägt ihn auch sehr stark. 1951 bekommt er die Gelegenheit, an einem Gesangswettbewerb teilnehmen zu können: Little Richard gewinnt diesen. Die Belohnung dafür: ein erster Plattenvertrag! Er nimmt vier Songs im Studio auf – und jeder entpuppt sich als Flop. Little Richard macht trotzdem weiter : tagsüber arbeitet er in Küchen und spült u.a. die dreckigen Teller (Stichwort: American Dream). Abends steht er auf der Bühne in verschiedenen Clubs und macht seine Musik.
1952 sollte dann die Wende im Leben von Little Richard kommen: er lernt den ebenfalls schrillen Musiker Esquerita kennen – dieser verrät Richard einige „wilde“ Klaviertechniken, die er zukünftig sehr erfolgreich bei seinen weiteren Bühnenperformances und im Studio einsetzen würde. Zugleich war Little Richard mit Nonsenssilben-Hits wie „Tutti Frutti“ Sprachrohr für zahllose Kids, die eine eigene Art von Teenagersprache pflegten, um sich von der Elterngeneration abzusetzen. Und er bestand damit auch beim „weißen“ Publikum. Dort fand Little Richard seine allermeisten Fans. Und das war damals der Gewinn einer gesellschaftlichen  Abstimmung gegen die Diskriminierung nach Hautfarbe.  
In dieser Zeit versöhnte sich der Musiker mit seinem Vater, der damals noch große Probleme mit Richards Homosexualität hatte. Ihm gefiel es auch nicht, in welcher Szene sich sein Sohn bewegte. Trotzdem machten beide wieder einen Schritt aufeinander zu. Kurz darauf wurde Little Richards Vater in einem Lokal während einer Schießerei getötet.
In der heutigen Folge sind überwiegend die frühen Specialty-Aufnahmen aus der Mitte der 50er zu hören, seiner ganz großen Zeit; aber auch Coverversionen anderer Künstler wie den Beatles, Elvis, Canned Heat, Johnny Winter, Kinks, Swinging Blue Jeans – und von Jerry Lee Lewis, dem nach Little Richards Ableben nun einzigen „Überlebenden“ der klassischen Rock’n’Roll-Ära.

  • Sendetermin: „Die Lange Rille“, Samstag, 16. Mai 2020, 21 Uhr

 

Der Jazzposaunist Miff Mole, Teil 2

Erneut geht es im „Tanzparkett extra“ um Smallband-Jazz der 20er Jahre, wiederum um Platten mit Irving Milfred “Miff“ Mole. (Zu Anmerkungen über Miff Mole siehe den Eintrag zum „Tanzparkett extra“ von letzter Woche!)
Im zweiten Teil bringen wir in der ersten Hälfte wiederum für die OKeh-Schallplatte eingespielte Aufnahmen, die zweite Hälfte widmet sich Platten, die mit Red-Nichols-Gruppen für die Victor entstanden.
Durchs Programm führt Peter Michael.

  • Sendetermin: „Tanzparkett extra“, Sonntag, 17. Mai 2020, 17 Uhr
  • Wiederholung: Montag, 18. Mai 2020, 9 Uhr

 

Guy Clark - Erinnerung an einen großen „Storyteller“ aus dem Lone Star State

In einer Zeit von ausgelagerter Herstellung, industrieller Landwirtschaft und digitalen Wahrheiten standen der geniale Singer/Songwriter Guy Clark (1941 – 2016) und seine Musik für das Traditionelle, Nachhaltige und Authentische, für Lebensmittel aus der Region, lokal gebrautes Bier und handgenähte Kleidung. Seit Mitte der 80er war er so etwas wie ein Mastermind hinter der einst so quirligen Outlaw-Szene. Und seine Gitarren baute er meisterhaft selbst. Mit seiner sanften Raspelstimme trug er Lieder aus dem mexikanischen Grenzland zu versiertem Gitarrenspiel, Dobro, Banjo und sentimentaler Fiddle vor. Viele Songs aus seiner Feder übernahmen MusikerkollegInnen. Waylon, Willie, Emmylou Harris und Townes Van Zandt waren seine Freunde. Heute vor vier Jahren hat er uns 75jährig verlassen. Farewell, Guy.  
Zu hören sind Auszüge aus den Alben "Old Friends" (1988) und "The Dark" (2002).

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 17. Mai 2020, 19 Uhr

 

Whispering Jack Smith zum 70. Todestag

Am 13.5.1950, also vor ziemlich genau siebzig Jahren, starb in seiner Geburtsstadt New York einer der großen Plattenstars der 20er Jahre, nämlich „Whispering“ Jack Smith.
Er war als Sohn deutscher Einwanderer unter dem Namen Jacob Schmidt am 30.5.1896 auf die Welt gekommen.
Der „flüsternde Bariton“ schuf einen neuen Gesangsstil, der prägend auf eine ganze Generation von „Croonern“ und noch weit über seine Zeit hinaus wirken sollte.  Seine Plattenkarriere begann 1925 bei der Victor mit den Titeln „Cecilia“ und „I Care For Her And She Cares For Me“, auf denen er sich selbst am Klavier begleitet.
Noch ein Jahr vorher wäre Smith wohl kaum als Sänger zur Schallplatte gekommen, denn bis 1925 nahm die Industrie noch nach dem akustischen Verfahren auf, bei dem die bloße Schallenergie der Darbietung als Antriebskraft für den Schneidstichel diente. Gefragt waren daher regelrecht in den Trichter „brüllende“ Sänger. Erst die Einführung von Mikrophon, Verstärker und elektrischem Schreiber ermöglichte es, eine leise, fein nuancierte Stimme wie die von Jack Smith aufzunehmen.
Diese Stimme war das Ergebnis seines Lebensweges und der Weltgeschichte des frühen 20. Jahrhunderts. Wie Schmidt, wie er sich damals noch nannte, bei seiner Registrierung für den Militärdienst beim Wehrersatzamt Bronx angab, war er reisender Theatersänger. Er wurde im I. Weltkrieg zur US-Armee eingezogen und auf den Schlachtfeldern Frankreichs eingesetzt. Bei einem deutschen Gasangriff erlitt er eine Vergiftung und war fortan nicht mehr in der Lage laut zu singen.
Nach Kriegsende arbeitete er in Irving Berlins Musikverlag als „song plugger“, d.h. Pianist, der Reflektanten die Klavierauszüge der Neuerscheinungen vorspielen mußte.
Auch im Radio wirkte er als Pianist. Dort begann er auch wieder zu singen, als bei einer Übertragung der Sänger ausfiel. Durch den am Funk unabdingbaren Einsatz des Mikrophons war das im Gegensatz zur damaligen Schallplatte auch mit seiner leisen Stimme möglich. Im Zuge der Umstellung auf das elektrische Verfahren wurde die Victor auf ihn aufmerksam.
Seine Karriere sollte bald Fahrt aufnehmen und ihn rund um die Welt führen. Nicht nur in England, sondern auch in Deutschland, der Heimat seiner Eltern, war er zeitweise überaus populär. Kurt Tucholsky, der ein großer Plattennarr war, widmete Jack Smiths Aufnahmen mehrere Kritiken. Eine davon, die er als Peter Panter in der Vossischen Zeitung veröffentlichte, stellen wir Ihnen vor.
Auf den Tourneen im Ausland trat Jack Smith nicht nur vor Publikum auf, sondern ging auch dort ins Plattenstudio. Trotz seiner deutschen Herkunft scheint er vollkommen amerikanisch erzogen worden zu sein, denn seine Aussprache auf den in Berlin auf deutsch eingesungenen Platten klingt so gar nicht nach einem Muttersprachler.
Der frühe Tonfilm sah ihn in drei kleinen Nebenrollen. Seine Karriere büßte jedoch in dieser Zeit bereits an Strahlkraft ein. Nach 1931 sollte er fast ein Jahrzehnt lang kein Plattenstudio mehr betreten. So erging es auch anderen von der „Great Depression“ hart getroffenen Künstlern.
Wir schließen in dieser Sendung den Kreis seines Schaffens mit der 1940 für die Decca entstandenen Neuaufnahme seiner ersten veröffentlichten Platte, „Cecilia“.
Wie schon oben gesagt, starb Whispering Jack Smith am 13.5.1950 in New York, und zwar an einem Herzinfarkt. Beigesetzt wurde er anonym auf dem New Yorker St.-Raymond-Friedhof.
Sein Ruhm hallte in Musikerkreisen und auch beim Publikum noch lange nach - so berief sich Ende der 60er Jahre überdeutlich der englische Künstler Billy Moeller auf ihn, als er sich „Whistling Jack Smith“ nannte.
Durch diese Ausgabe begleitet Sie Thomas Sosna.

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 20. Mai 2020, 21 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 21. Mai 2020, 13 Uhr

 

Programminfos vom 08.05.2020 bis 11.05.2020

75 Jahre Kriegsende

Eigentlich hätte es jetzt auch in Kassel zahlreiche öffentliche Veranstaltungen zum 75. Jahrestag des Kriegsendes in Europa geben sollen – leider wurden sie allesamt vom Virus verspeist. Glücklicherweise verfügt das Freie Radio über ein umfangreiches Archiv mit Vorträgen, Diskussionen und sonstigen Beiträgen aller Art, auf das nun zurückgegriffen werden kann. Zum Jahrestag am 8. Mai senden wir einen Vortrag von Dr. Ulrich Schneider aus dem Jahr 2000, in dem er sich mit der Situation in Kassel und Nordhessen zum Kriegsende befaßt.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 8. Mai 2020, 18 Uhr

 

Wiedervereinigung des Jahres: Tresenlesen

Auch wenn die (West)deutschen mit Wiedervereinigungen ihre traurigen Erfahrungen machen mußten, so sollte man Ereignisse dieser Art nicht pauschal verteufeln. Über eine ebenso erfreuliche wie unerwartete Reunion durften sich die Kabarettfreunde kürzlich freuen: Tresenlesen, das legendäre Duo aus dem Ruhrpott, das in den 90er Jahren die Lesebühnen-Tradition mitbegründete und zu den Pionieren der Komischen Literatur gehört, hat sich kürzlich wieder zusammengetan – nach 20 Jahren. Jochen Malmsheimer und Frank Goosen, die im Jahr 2000 ihre Zusammenarbeit beendeten und jeweils erfolgreiche Solokarrieren starteten, trafen sich am Ostersamstag auf einer Theaterbühne in Bochum und präsentierten dem umständehalber nur virtuell vorhandenen Publikum alte und neue Texte. Und es funktionierte: Die alte Magie war wieder da, die Chemie stimmte, die Interaktion klappte wie in alten Zeiten. Steht nur zu hoffen, daß dies kein einmaliges Ereignis bleibt, sondern daß die beiden Kabarett-Titanen weiterhin gemeinsam ihr Publikum begeistern – vielleicht auch mit einem neuen Bühnenprogramm, sobald es die äußeren Umstände wieder zulassen.

  • Sendetermin: „Kabarett live“, Freitag, 8. Mai 2020, 22 Uhr

 

Country-Rock mit den Everly Brothers

Sicher, die Everly Brothers waren eigentlich immer irgendwie „country“. Sie entstammten einer Südstaaten-Musikerfamilie, die schon in den 40er und 50er Jahren auf diversen Country-Radiostationen zu hören war, und auch die beiden Brüder Don und Phil durften bereits in Kindertagen ans Mikro und ihren später weltberühmten zweistimmigen Harmoniegesang zum besten geben. Auch mit Beginn ihrer großen Karriere hatten die beiden Goldkehlchen deutlich mehr Bezüge zur Country Music als zum Rock’n’Roll, dem sie aus marktstrategischen Gründen offiziell zugerechnet wurden. Ihre musikalischen Wurzeln lagen ganz eindeutig im klassischen Close-Harmony-Gesang von Country-Pionieren wie den Blue Sky Boys oder den Louvin Brothers.
Nach mehreren Jahren des Erfolgs und nach etlichen Mega-Hits wie „Bye Bye Love“ oder „All I Have To Do Is Dream“ war die ganz große Ära der Everlys ab etwa Mitte der 60er Jahre vorbei – sie wurden, wie so viele ihrer amerikanischen Kollegen, von der britischen Beat-Invasion förmlich hinweggefegt. In dieser Situation besannen sich Don und Phil Everly ihrer musikalischen Wurzeln und wandten sich wieder stärker der Country Music zu. Drei der Alben, die zwischen 1966 und 1968 erschienen sind und die eine Brücke zwischen traditionellen Country-Klängen und dem psychedelischen Rock der 60er schlagen, wurden jüngst im Rahmen einer Dreifach-CD wiederveröffentlicht. Wir stellen die Edition vor.

  • Sendetermin: „Country Classics“, Samstag, 9. Mai 2020, 18 Uhr

 

Sänger/Komponist Pete Lincoln

Pete Lincoln ist aktuell sowohl als Solokünstler als auch als Mitglieder der Band FRONTM3N unterwegs, und er hat bereits mit unzähligen namhaften Künstlern Studio und Bühne geteilt. Von 1996 bis 2006 war er Sänger bei Sailor, danach von 2006 bis Mai 2019 Sänger bei The Sweet. Ansonsten hat er im Laufe seiner Karriere als Gitarrist und Sänger mit prominenten Künstlern wie z.B. Sir Cliff Richard, Tina Turner, Shakin' Stevens oder Dannii Minogue zusammengearbeitet.
Aus der Zeit bei Cliff Richard entstand eine gute Freundschaft mit zwei Musiker-Kollegen, mit denen Pete vor knapp vier Jahren sein neustes Projekt namens „FRONTM3N“ an den Start gebracht hat. Die Band besteht aus ihm, Peter Howarth (bekannt von The Hollies) und Mick Wilson (bekannt von 10cc). Die drei bringen zusammen einzigartige Akustikversionen der Hits von The Sweet, den Hollies und 10cc  und noch vieles mehr auf die Bühne; dazu kommen eigene Songs mit dem ganz speziellen FRONTM3N-Charme.
Auch solo hat Pete einiges zu bieten, denn da hat er mit „Under Cover“, „Soul Searching“ und „Heartbeat“ bereits drei Soloalben herausgebracht. Solo kann man ihn bei seinen Konzerten als menschliche Jukebox erleben, der auf Zuruf mit Gitarre so gut wie alles singen kann.
In der Langen Rille bringen wir euch daher einen dreistündigen Querschnitt durch das weit gefächerte Talent von Pete mit seinen verschiedenen musikalischen Projekten von Sailor über The Sweet bis FRONTM3N sowie seine Solo-Titel und noch einige Überraschungen. Darüber hinaus kommt natürlich auch der Künstler selbst zu Wort und erklärt einiges zu FRONTM3N, lustigen Höhepunkten seiner Musikkarriere und der aktuellen Situation.

  • Sendetermin: „Die Lange Rille“, Samstag, 9. Mai 2020, 21 Uhr
  • Wiederholung: Sonntag, 10. Mai 2020, 13 Uhr.

 

Der Jazzposaunist Miff Mole, Teil 1

Wohl einer der besten Jazzposaunisten der 20er Jahre war Irving Milfred “Miff“ Mole (11.3.98 Roosevelt/ Long Island - 29.4.61 New York).
 Er begann seine Jazzkarriere bei den Original Memphis Five (OM 5), einer typischen Fünfergruppe des frühen Jazz, schon vor 1920, also im ersten Gefolge des bahnbrechenden Pionierjazz der Original Dixieland Jazz Band. Als Kind hatte er Geige und Klavier gelernt und in der Jugend als Stummfilmpianist gearbeitet. Nachdem er zwei Jahre lang als Posaunist aufgetreten war, wurde er zu einem der Gründer der OM 5. Auch beim „Vielaufnehmer“ Sam Lanin und bei der Jazzband von Abe Lyman fand sich Mole als Studiomusiker im Personal - neben der Mitarbeit in weiteren Studiogruppen. Über ein Engagement bei einer Rundfunkformation des Jazzbandleaders Roger Wolfe Kahn kam Mole zu einer neunjährigen Anstellung als Studiomusiker bei der NBC. Danach arbeitete er auf dem Gebiet der klassischen Musik, kam aber 1938 zur Tanzmusik zurück und spielte bei Paul Whiteman, um schließlich ab 1940 mit Eddie Condon zu musizieren. 1942/43 war er erneut bei der NBC unter Vertrag, danach spielte er bei Benny Goodman, arbeitete aber weiter auch mit Condon zusammen. Ab 1943 hatte er auch wieder eine eigene Kapelle, die „Nicksieland Band“, die im New Yorker „Nick‘s Greenwich Village Nightclub“ auftrat. Ab 1948 gastierte er als Mitglied der Band von Muggsy Spanier mit dieser in vielen kleinen Clubs. In den 50ern fand man ihn weiterhin in diesem Umfeld; er spielte nun mit verschiedenen Besetzungen. Ende der 50er Jahre war er aktiv in der Dixieland-Szene des „Big Apple“, als er erkrankte und nach mehreren Operationen nicht mehr auftreten konnte. Wie oben erwähnt, starb er 1961.
 Zu einem Leitstern für die nachfolgenden Generationen der Jazzwelt (und nach den Aussagen von Red Nichols wie auch Bix Beiderbecke auch für seine Zeitgenossen) wurde Mole durch die Zusammenarbeit mit dem Trompeter Red Nichols bei den „Five Pennies“ ab Mitte der 20er und den von dieser Gruppe mitgeprägten New-York-Stil. Entsprechend ist Nichols bei den ersten Aufnahmen Moles unter eigenem Namen mit von der Partie („Miff Mole’s Molers“ oder „Miff Mole and his little Molers“).
Diese für die OKeh-Schallplatte eingespielten (und in Europa auf den diversen Marken des Lindström-Konzerns herausgebrachten) Aufnahmen sind Thema unserer Sendung.
Der zeitliche Rahmen erstreckt sich dabei von 1927 bis 1930.
Durchs Programm führt Peter Michael.

  • Sendetermin: „Tanzparkett extra“, Sonntag, 10. Mai 2020, 17 Uhr
  • Wiederholung: Montag, 11. Mai 2020, 9 Uhr

Freies Radio Kassel e.V.

Opernstraße 2
34117 Kassel

Telefon: 0561 / 57 80 63

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