Programminfo für den 25.09.2020

Die Bürde des weisen Mannes

Nach seinem ersten, mit 11 Kabarettpreisen ausgezeichneten Programm „Gedanken! Los!“ wurde René Sydow von der Presse als der „am lautesten geflüsterte Geheimtip“ des politischen Kabaretts bezeichnet. Mit seinem zweiten Solo löste er dieses Versprechen ein und präsentierte uns ein Programm über den Irrsinn in der Politik. Er nahm sich Minister, Medienmacher und andere Mitglieder des organisierten (V)Erbrechens vor. In seinem dritten Soloprogramm geht der Träger des Deutschen Kabarettpreises etwas weniger laut, aber umso intensiver der Frage nach, was uns zum Menschen macht: Bildung? Wahlrecht? Oder doch nur freies WLAN? Warum wird die Welt nicht klüger, wenn der Zugang zu Wissen noch nie so leicht war? Warum verarmen Menschen, bei all dem Reichtum der Welt? Woher kommen Haß, Fanatismus und Turbo-Abi? Wer ist schuld an diesem Elend? Und wer trägt eigentlich die Bürde des weisen Mannes?
Zum Schreien traurig und schockierend lustig. Dunkel und hoffnungsvoll. Politisches
Kabarett auf der Höhe der Zeit. Im Februar 2019 präsentierte Rolf Sydow sein Programm im „Piazza“ in Vellmar.

  • Sendetermin: „Kabarett live“, Freitag, 25. September 2020, 22 Uhr

Programminfos vom 18.09.2020 bis 24.09.2020

Europäische Solidarität - Eine Freiwillige aus Frankreich berichtet über ihr Jahr in Kassel

Johanne-Laure aus Frankreich war für ein Jahr im Rahmen des Europäischen Solidaritätskorps in Kassel und hat in der Zirkusmanege von ZirkuTopia und im Haus der Jugend Erfahrungen in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen online wie offline gesammelt. „Frankreich und Deutschland sind Nachbarn und doch gibt es viele Unterschiede“, sagt sie. Impressionen aus ihrem Alltag in Kassel schildert sie in dieser 60 minütigen Sendung des Jugendbildungswerks Kassel: ungewohnte Herausforderungen in der Arbeit mit Jugendlichen,  Irritationen über ungewohnt kurze Mittagspausen, Eindrücke von umfangreicher Mülltrennung, vom Engagement junger Menschen für Klima und Umwelt und vom Freiwilligendienst in Zeiten von Corona. – Musik aus Frankreich gibt es auch in der Sendung.
Ein Beitrag des Jugendbildungswerks der Stadt Kassel.

  • Sendetermin: Freitag, 18.September 2020, 17.00 Uhr

 

Man lebt so oder so

Unter diesem Motto steht eine Sommerlesereihe des Evangelischen Forums Kassel, aus deren Programm wir in den letzten Wochen bereits Auszüge gesendet haben. Heute liest Jürgen Wink, Schauspieler am Staatstheater Kassel, die Erzählung "Sommernovelette" des österreichischen Schriftstellers Stefan Zweig (1881 – 1942). Seine Erzählungen machten Stefan Zweig zu einem der meist gelesenen Schriftsteller weltweit.
Außerdem in der Sendung: Vorschau auf das lange Jimi-Hendrix-Wochenende im FRK zum 50. Todestags des Wundergitarristen.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 18. September 2020, 18 Uhr

 

 

Zum 50. Todestag von Jimi Hendrix

Spät kommen wir – dafür aber um so heftiger: Der Todestag von Gitarren-Gott Hendrix jährte sich am 18. September zum 50. Mal. Eigentlich werden solche Gedenktage immer vorab begangen, aber da am vergangenen Samstag schon die Kollegen vom Deutschlandradio eine „Lange Hendrix-Nacht“ im Programm hatten, haben wir uns entschlossen, unsere Gedenkfeier auf das Wochenende nach dem Todestag zu verschieben. Allerdings: Im Gegensatz zum Deutschlandradio, das sich gerade mal drei Stunden Zeit nahm, umfaßt unser Hendrix-Wochenende insgesamt 20 Stunden. Weniger geht auch gar nicht – immerhin haben wir es mit dem wohl größten Gitarristen der Musikgeschichte zu tun.
Als Einstieg in unseren Gedenk-Marathon bringen wir am Samstag ab 20 Uhr ein rund vierstündiges Radio-Feature, das vor über 30 Jahren im amerikanischen Rundfunk lief. Die Sendung erzählt Jimis Leben und Karriere unter anderem anhand von Originaltönen, Interviews und teils seltenen Studio- und Konzertaufnahmen. Direkt im Anschluß, also ab Mitternacht, gibt’s die erste unserer beiden Hendrix-Nächte: Bis 6 Uhr morgens befassen wir uns mit seinen Studioaufnahmen – vor allem mit den klassischen Originalalben wie „Electric Ladyland“ und „Are You Experienced“. Aber auch Songs, die erst nach seinem Tod veröffentlicht wurden, sind zu hören. Als „Zugabe“ zur Langen Nacht gibt’s von 6 bis 8 Uhr den Mitschnitt des legendären Konzerts, das Jimi mit seiner „Experience“ Ende August 1970 beim Festival auf der Isle Of Wight spielte – drei Wochen vor seinem Tod.
Konzertaufnahmen stehen auch im Mittelpunkt des finalen Teils unseres Hendrix-Festivals: In der Nacht von Sonntag auf Montag gibt’s ab 0 Uhr acht Stunden lang  Live-Mitschnitte aus den verschiedenen Phasen seiner Karriere zu hören – sowohl mit seiner legendäre „Experience“ als Begleitband als auch mit der kurzlebigen „Band Of Gypsys“. Und natürlich bringen wir auch Jimis berühmtesten Auftritt, beim Woodstock-Festival im Sommer 1969.
Macht an diesem Wochenende zusammen runde 20 Stunden Hendrix im FRK. Muß das wirklich sein, ist das nicht ein wenig übertrieben? Klare Antwort: Selbstverständlich MUSS das sein – weniger wäre dem Gitarren-Genie nicht angemessen. 

  • Sendetermine: Samstag, 19. September 2020, 20 Uhr bis 24 Uhr
  • Samstag, 19. September 2020, 24 Uhr bis 8 Uhr
  • Sonntag, 20. September 2020, 24 Uhr bis 8 Uhr

 

Rosita Serrano - die chilenische Nachtigall

Aufnahmen für die Telefunkenplatte vor 1945, Folge 2

In zwei Sendungen würdigten wir vor 20 Jahren den Publikumsliebling Rosita Serrano (bürgerlich: Maria Martha Esther Aldunate del Campo, 10.6.1914 [wahrscheinlich 1912] - 06.4.1997). Als Tochter der im südamerikanisch-spanischen Kulturkreis bekannten und beliebten Koloratursopranistin Sofia del Campo war sie freilich nicht nur „mit einer Gitarre und großem Vertauen auf ihr Können“ nach Deutschland gekommen, wie es auf einer Plattenhülle der Telefunken zu lesen stand, aber ihr Können war ohne Frage erheblich. Spanisch, italienisch, deutsch, französisch und englisch singend, pfeifend, zum Orchester oder sich an der Gitarre selbst begleitend war sie zu hören.
 Lediglich beim Film fiel sie in Deutschland durch, auf Konzertpodium und Platte sowie auf der Theaterbühne war sie erfolgreich - sie spielte 1941 die Hauptrolle in „Anita und der Teufel“, einem, wenn auch nicht so bezeichneten, frühen deutschen Musical. Hinter der Bühne Kollegen gegenüber launisch, oft cholerisch, wußte sie im Rampenlicht immer, was sie ihrem Publikum schuldig war, verstand sie sich mit ihrer Mischung aus Exotik, Erotik (so bezeichnete z.B. einer ihrer Orchesterleiter, Peter Kreuder, die engen Hosen, die Rosita schon Ende der 30er trug, als „ans Skandalöse grenzend“), Komödiantentum und Perfektion im Auftritt blendend zu verkaufen. Auch am Funk erntete sie enormes Publikumsinteresse. Ihre Popularität führte sie bis ins „Wunschkonzert für die Wehrmacht“ des Großdeutschen Rundfunks.
Trotzdem blieb sie 1943 bei einer Tournee in Schweden, da sie in Deutschland verhaftet werde sollte. Die genauen Gründe sind unklar, vermutlich hatte sie jüdische Flüchtlinge mit Einnahmen aus ihren Konzerten unterstützt. Eine Platte aus Schweden aus dieser Zeit ist in Teil 2 enthalten.
Über die USA, wo sie 1948 Wohltätigkeitskonzerte zugunsten deutscher Kinder gegeben hatte, kehrte Rosita Serrano 1950 nach Deutschland zurück. Auch wenn sie 1951 in einem Interview in der Musikzeitschrift „Vier Viertel“ dankbar feststellte, daß sie dem deutschen Publikum alles verdanke - aus dem Munde einer ausländischen Künstlerin in dieser Zeit keine selbstverständliche Aussage - sank ihr Stern. Ihre Konzerte und Platten (sie nahm nun bei der Electrola auf) hatten bald das Publikumsinteresse verloren. Sie kam schließlich bei Kleinetiketten wie Bellaphon und Amati unter. Ein achtbarer Erfolg gelang ihr noch einmal 1961, als sie es mit einer Platte auf Platz 39 der deutschen Hitparade brachte.
Sie blieb unstet, heiratete nach Ägypten und lebte dort, zog vorübergehend auch nach Hollywood, wohnte zeitweise bei einem Verehrer in Gemünden/ Felda, den sie bis an ihr Lebensende jährlich besuchte, und war lange Zeit mit dem Kasseler Kinoplakatmaler Will Williams liiert, mit dem sie u.a. in Chile lebte. Nach der Trennung blieb sie in Chile, dort starb sie 1997 an einer Lungenerkrankung. Der acht oder zehn Jahre jüngere Will Williams starb 2015 in Kassel.
Diese zwei Folgen entstanden in Zusammenarbeit mit dem damals in Göttingen ansässigen Plattenfachmann Nils Mühlbrandt, der sich in dieser Zeit besonders mit dem Gebiet der Kleinkunst beschäftigte. Sie wurden am 6. und am 20. September 2000 ausgestrahlt.
Durch die Sendung führen Nils Mühlbrandt und Michael Rolf.

  • Sendetermin: „Tanzparkett vor 20 Jahren“, Sonntag, 20. September 2020, 17 Uhr
  • Wiederholung: Montag, 21. September 2020, 9 Uhr

 

Ein Kasseler Junge macht Karriere

Bernard Etté und sein Tanzorchester, Folge 3

Seit 1924 war Bernard Etté bestrebt, sein Orchester nach US-Vorbild zu einer Jazzband auszubauen. Dabei bevorzugte er gegenüber dem ursprünglichen, oft als zu rauh empfundenen Kleingruppenjazz der Frühzeit den gemäßigt-gebändigten semisymphonischen Stil à la Paul Whiteman, der größere Besetzungen erforderte. Somit kann man von einer Abkehr vom alten europäischen Salonstil in zwei Hinsichten sprechen.
Etté war damit den meisten seiner deutschen Konkurrenten stilistisch um etwa ein Jahr voraus. So verwendete Etté in dieser Zeit auch bereits bei Foxtrott-Arrangements im Special-Chorus den sog. Stop-Chorus, bei dem er die eigentlich vorgesehenen Instrumente der klassischen Salonbesetzung wie Flöte und Oboe meist schon durch typische Jazzinstrumente ersetzte. Trotzdem machte Etté auch hin und wieder Rückschritte und nahm in ebensolcher Salonbesetzung auf. Wir bringen zu Beginn der Sendung entsprechende Beispiele aus einer Aufnahmesitzung vom Spätsommer 1925. Möglich ist es hierbei durchaus, daß dem Talentsucher Etté seine amerikanischen Solisten von konkurrierenden Kapellmeistern wegengagiert worden waren - dies passierte ihm im Laufe der Zeit öfter, da die andern Orchesterchefs meist sehr viel besser und pünktlicher zahlten.
Anfang 1926 hatte Etté wieder einige US-Musiker in der Besetzung, die für die kommende Entwicklung des Jazz in Deutschland wichtig werden sollten. So hören Sie Howard MacFarlane an der Trompete, Billy Williams, den Sie schon aus der letzten Sendung kennen, am Altsax und last but not least am Banjo Mike Danzi. Dieser spielte von 1924 bis 1939 mit einer kurzen Unterbrechung in Berlin und ist auf über 16.000 Plattenseiten zu hören.
Im Verlaufe der Sendung kommen wir bis Mai 1926 und bleiben damit noch in der akustischen Aufnahmeära. Nachdem die Vox, wie in der letzten Sendung gesagt und durch eine der wenigen bereits damals auch in den Handel gebrachten Platten belegt, bereits 1924 im Laborversuch elektrisch aufgenommene Platten geschnitten hatte, blieb sie für die regulären Handelsplatten bis 1926 beim alten Verfahren - wie alle anderen großen deutschen Plattenfirmen auch.
Das hatte, wie an dieser Stelle schon öfter beschrieben, auch Auswirkungen auf Instrumentierung und Spielweise der Orchester. Näheres hierzu finden Sie in unserem Programmarchiv unter den Einträgen zu unserer in den letzten zwei Jahren gelaufenen Dajos-Bela-Reihe (die voraussichtlich auch demnächst fortgesetzt wird).
Weiteres Merkmal der in dieser Sendung behandelten Zeitspanne ist die feste Etablierung des Refraingesangs durch Einzelsänger. In der ersten Hälfte der 20er waren noch Instrumentalversionen vorherrschend gewesen. Wenn es Gesang gab, handelte es sich dabei meist um (aus aufnahmetechnischen Gründen oft schwerverständlichen) Duett- oder Terzettgesang. Nunmehr tritt ein klar und deutlich zu verstehender Sänger vor den Trichter. Doch noch geben in der Publikumsgunst der meist „tanzwütigen“ Plattenkäufer die Orchester den Ton an, nicht die Sänger.
Durchs Programm begleiten Sie Peter Michael und Thomas Sosna.

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 23. September 2020, 21 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 24. September, 13 Uhr

 

Programminfos vom 16.09.2020 bis 20.09.2020

Neues Live-Album der „Frontm3n“

Bereits ab 19:45 Uhr gibt es heute in Handmade nicht nur die wilde und bunte Musikmischung, die ihr von der Sendung kennt, sondern auch einen Einblick ins neue Live Doppel-Album/-DVD der FRONTM3N, die mit „Up Close – Live 2020“ eine Konzertaufnahme aus Januar 2020, aufgenommen im wunderschönen Admiralspalast in Berlin, auf den Markt gebracht haben, die zum Abschalten, Seele baumeln lassen und Genießen einlädt. Der Mitschnitt der drei Herren beinhaltet nicht nur die größten Hits ihrer bisherigen Bands (Pete Lincoln ist bekannt von The Sweet und Sailor, Mick Wilson von 10 CC und Peter Howarth von The Hollies), sondern auch noch FRONTM3N-eigene Kompositionen, die sich nahtlos ins Programm einfügen, und dies alles in außergewöhnlichen Akustikversionen. Zusätzlich gab es bei dieser Show auch noch zwei Special Guests, nämlich Eric Martin von MR. BIG, der auf „Up Close“ einige seiner größten Hits zusammen mit FRONTM3N zum Besten gibt ("To Be With You", "Wild World" etc.), ebenso wie Nevio Passaro (u.a. "Amore Per Sempre") und noch einige Überraschungen. In einige Ausschnitte dieses musikalischen Mitschnitts hören wir heute in Handmade hinein.

  • Sendetermin: Mittwoch, 16. September 2020, 19:45 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 17. September 2020, 11:45 Uhr

 

Rosita Serrano - die chilenische Nachtigall

Aufnahmen für die Telefunkenplatte vor 1945, Folge 1/2

In zwei Sendungen würdigten wir vor 20 Jahren den Publikumsliebling Rosita Serrano (bürgerlich: Maria Martha Esther Aldunate del Campo, 10.6.1914 [wahrscheinlich 1912] - 06.4.1997). Als Tochter der im südamerikanisch-spanischen Kulturkreis bekannten und beliebten Koloratursopranistin Sofia del Campo war sie freilich nicht „nur mit einer Gitarre und großem Vertrauen auf ihr Können“ nach Deutschland gekommen, wie es auf einer Plattenhülle der Telefunken sinngemäß zu lesen stand, aber ihr Können war ohne Frage erheblich. Spanisch, italienisch, deutsch, französisch und englisch singend, pfeifend, zum Orchester oder sich an der Gitarre selbst begleitend - so war sie zu hören.
Lediglich beim Film fiel sie in Deutschland durch, auf Konzertpodium und Platte sowie am Funk erntete sie enormes Publikumsinteresse. Ihre Popularität führte sie bis ins „Wunschkonzert für die Wehrmacht“ des Großdeutschen Rundfunks. Trotzdem blieb sie 1943 bei einer Tournee in Schweden, da sie Kenntnis davon erhielt, daß sie in Deutschland verhaftet werde sollte. Die genauen Gründe sind unklar, vermutlich hatte sie jüdische Flüchtlinge mit Einnahmen aus ihren Konzerten unterstützt. Eine Platte aus Schweden aus dieser Zeit ist in der Sendefolge (Teil 2) enthalten.
Nach dem Kriege kehrte sie über die USA nach Deutschland zurück, doch ihr Stern war inzwischen gesunken. Ihre Konzerte und Platten hatten das Publikumsinteresse weitgehend verloren. Ein achtbarer Erfolg gelang ihr noch einmal 1961, als sie es mit einer Platte auf Platz 39 der deutschen Hitparade brachte.
Sie wohnte zeitweise bei einem Verehrer in Gemünden/ Felda und war lange Zeit mit dem Kasseler Kinoplakatmaler Will Williams liiert, mit dem sie u.a. in Chile lebte. Nach der Trennung blieb sie in Chile, dort starb sie 1997 an einer Lungenerkrankung. Der acht oder zehn Jahre jüngere Will Williams starb 2015 in Kassel.
Diese zwei Folgen entstanden in Zusammenarbeit mit dem damals in Göttingen ansässigen Plattenfachmann Nils Mühlbrandt, der sich in dieser Zeit besonders auf dem Gebiet der Kleinkunst einen Namen erworben hatte. Sie wurden am 6. und am 20. September 2000 ausgestrahlt.
Durch die Sendungen führen Nils Mühlbrandt und Michael Rolf.
Letzterer war übrigens nach dieser Produktion längere Zeit nicht mehr als einer der Hauptsprecher in der Reihe „Tanzparkett“ zu hören, sondern wirkte ausschließlich in der Technik mit und übernahm allenfalls die Einsprache kurzer Zitate u. dergl.

  • Sendetermin: „Tanzparkett vor 20 Jahren“, Sonntag, 13. September 2020, 17 Uhr
  • Wiederholung: Montag, 14. September 2020, 9 Uhr
  • Zweite Folge am 20. September.

 

Programminfo vom 04.09.2020 bis 09.09.2020

documenta im Doppelpack

Der Standort, an dem das documenta-Institut gebaut werden soll, ist nach den jüngsten Entwicklungen wieder offen. Prof. Dr.-Ing. Uwe Altrock vom Fachbereich Architektur, Stadt- und Landschaftsplanung der Universität Kassel, Fachgebiet Stadterneuerung und Planungstheorie, analysiert im Gespräch mit Klaus Schaake den ursprünglich beschlossenen, nun aber durch die Stadtpolitik aufgegebenen Standort an der Oberen Karlsstraße, nimmt mögliche Vor- und Nachteile anderer Standorte in den Blick und spricht auch über die Notwendigkeit eines übergeordneten Stadtentwicklungskonzepts.
Im zweiten Teil der Sendung bringen wir einen Vortrag des documenta-Experten und Buchautors Christian Saehrendt, der auf Einladung des documenta-Archivs im letzten November im Fridericianum zu Gast war und in seinem Vortrag ein ebenso spannendes wie unterhaltsames Thema behandelte. Mit Harald Szeemanns documenta 5 etablierte sich 1972 das zukunftsweisende Format der „Thesenausstellung“: Kuratorinnen und Kuratoren wählen Kunstwerke aus, um eine kulturpolitische Aussage, eine zeitdiagnostische These aufzustellen. In der Regel gibt es dafür keine öffentlichen Ausschreibungen, vielmehr werden Künstlerinnen und Künstler aktiv und exklusiv durch die jeweilige Ausstellungsleitung kontaktiert und eingeladen. Dieses bis heute für documenta Ausstellungen und viele Biennalen wirksame Prinzip etablierte sich zu einem Zeitpunkt, als der „erweiterte Kunstbegriff“ und partizipative Kunst auf eine Ausdehnung und Demokratisierung des Kunstbetriebs hindeuteten.
Wer bewarb sich dennoch bei der documenta? Die Ahnungslosen, die Verzweifelten, die Dreisten? Oder diejenigen, die die neue Offenheit des Kunstbetriebs ernst nahmen? Christian Saehrendt gab einen Einblick in seine Recherchen.
Der Referent ist freier Kunsthistoriker und Autor zahlreicher Publikationen, darunter „Schneewittchen und der kopflose Kurator. Der Reiseführer für documenta-Besucher, Romantiker und Horrorfans“ (Köln 2017) oder „Ist das Kunst oder kann das weg? Vom wahren lAlert der Kunst“ (Köln 2016).

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 4. September 2020, 18 Uhr

 

Der unbekannte Nachbar - Tanzmusik und Kleinkunst aus Polen

Heute: Zum 30. Todestag von Mieczyslaw Fogg, Teil 2/2

In seiner Heimat ist der vor recht genau 30 Jahren, nämlich am 3. September 1990, verstorbene Sänger Mieczyslaw Fogg bis heute ein regelrecht kultisch verehrter Plattenstar. In Deutschland dürfte er den meisten Plattenfreunden und Radiohörern unbekannt sein, so wie viele seiner Landsleute.
Die Gründe dafür sind wohl auf verschiedenen Feldern zu suchen. Sicher spielt die allgemeine und bis heute anhaltende deutsche Wahrnehmung Polens als unterentwickeltes Land eine Rolle, sicher auch die Geschichte der Zeit nach dem I. Weltkrieg, in der sich die beiden Staaten um Land und Leute stritten; gewiß verstellen auch die 40 Jahre Sozialismus nach 1945 den Blick auf das Polen der Zwischenkriegszeit und seine Musikkultur.
Wie anders ist es da z.B. mit der Tschechoslowakei. Mögen einige der Rahmenbedingungen einander auch ähneln, so entbehren doch böhmische Musik und Wesensart der völligen Fremdheit, von der wohl die meisten Deutschen sich angeweht fühlen, wenn es um polnische Musik geht. Während tschechische Kompositionen und auch Platten immer wieder in Deutschland verlegt wurden und viele es zu großer Bekannt- und Beliebtheit brachten, ist die wohl einzige außerhalb Polens zum Schlager gewordene Komposition der von Jerzy Petersburski geschriebene Tango „O Donna Clara!“
Mit unserer in loser Folge gebrachten Reihe „Der unbekannte Nachbar“ wollen wir diesem Defizit ein wenig abhelfen - es gibt noch viele gute Platten zu entdecken.
Anlaß dieser und der folgenden Ausgabe ist der 30. Todestag des wohl größten polnischen Plattenstars seiner Zeit, der es in den 30er Jahren mit einer seiner Platten zu Verkaufsziffern jenseits der 100.000 und damit zum polnischen Vorkriegsrekord brachte.
Mieczyslaw Fogg, recte Fogiel, war der am 30. Mai 1901 in Warschau geborene Sohn eines Lokomotivführers und einer Ladenbesitzerin. Nach dem Wehrdienst als Freiwilliger im Sowjetisch-Polnischen Krieg sollte er nach dem Willen des Vaters eine Ingenieurlaufbahn bei der Polnischen Staatsbahn einschlagen, die er 1922 auch begann. Im selben Jahr entdeckte ihn ein Regisseur auf Talentsuche - als Sänger im Kirchenchor. Eine Gesangsausbildung an der Frederic-Chopin-Hochschule in Warschau folgte.
In Fahrt kam Foggs Karriere mit Gründung des Gesangsensembles „Chor Dana“ durch den Pianisten Wladyslaw „Dan“ Danilowski im Jahre 1928. Mit diesem Ensemble erfolgten ab 1929 Plattenaufnahmen, ab 1930 sang Fogg auch solistisch.
Das Jahr 1938 führte ihn als Solisten nach Amerika. Er unternahm eine ausgedehnte USA-Tournee, trat am Funk auf und sang Platten ein. 1939 trat er als erster Pole überhaupt im Fernsehen auf, nämlich bei der BBC in London.
Bei Kriegsbeginn sang er zunächst weiter; solange der polnische Rundfunk noch arbeiten konnte, vor dessen Mikrophon, dann vor Truppen der in Rückzugsgefechten vor den Deutschen zurückweichenden polnischen Armee. Weitere Auftritte vor Publikum unterließ er nach der Besetzung Polens durch die Wehrmacht sehr bald, da er unter der Beobachtung der Gestapo stand.
Statt dessen arbeitete er als Kellner und schloß sich der Heimatarmee an, um im Untergrund gegen die deutschen Besatzer zu kämpfen. Als Kämpfer war er am Warschauer Aufstand beteiligt und wurde mehrmals verwundet. Auch Konzerte gab er vor den Aufständischen. Mit falschen Papieren konnte Fogg etliche Juden aus seinem Freundeskreis vor der Ermordung durch die Deutschen retten und wurde dafür 1989, also noch zu seinen Lebzeiten, in Jad Waschem als Gerechter unter den Völkern geehrt.
Nach dem Kriege gründete er ein eigenes Schallplattenetikett, die Fogg Record. Die Platten wurden in seiner geräumigen Warschauer Wohnung aufgenommen, die den Krieg überstanden hatte. Seine Plattenfirma fiel jedoch bald der Enteignung durch die Kommunisten zum Opfer und wurde mit den anderen Neugründungen und den Resten der Vorkriegsfirmen zum staatlichen Muza-Konzern zusammengelegt, für den er daraufhin aufnahm. In der zweiten Folge bringen wir ein Potpourri seiner größten Erfolge, das über vier Plattenseiten geht und 1954 zu seinem 25. Schallplattenjubiläum aufgenommen wurde. Auf Tourneen, auch ins westliche Ausland, durfte Fogg weiterhin gehen, ferner blieb er weiterhin als Sänger für die Muza tätig - buchstäblich bis an sein Lebensende. Seine Popularität blieb daher auch bei den nachwachsenden Generationen polnischer Plattenkäufer ungebrochen.
Am 3. September 1990 starb er in seiner Geburtsstadt Warschau und hatte so immerhin den Anfang der neugewonnenen Freiheit seines Heimatlandes erleben können.
Wie oben bereits gesagt, widmen wir Mieczyslaw Fogg aus Anlaß der 30. Wiederkehr seines Todestages zwei Sendungen am Sonntagnachmittag. Der erste Teil über Foggs frühere Plattenjahre lief bereits am 30. August. In der heutigen zweiten Ausgabe kommen wir bis fast zum Ende der Schellackplattenzeit (die in Polen, wie in vielen Ostblockländern, allerdings ein paar Jahre länger währte als im Westen).

  • Sendetermin: „Tanzparkett extra“, Sonntag, 6. September 2020, 17 Uhr
  • Wiederholung: Montag, 7. September 2020, 9 Uhr

 

Beethoven und andere Helden der Musikgeschichte

In drei Episoden stellen Studierende der Musikakademie der Stadt Kassel „Louis Spohr“ bei uns im Programm Musik von Ludwig van Beethoven und anderen großen Komponisten der Klassik, Romantik und Moderne vor. Das trifft sich gut, denn in diesem Jahr wird Beethoven aus Anlass seines 250. Geburtstags groß gefeiert. In den Sendungen der Studierenden ist natürlich seine Musik zu hören. Auf dem Programm stehen aber auch viele andere spannende Werke, unter anderem von Robert Schumann, Dmitri Schostakowitsch oder Antonìn Dvořák. Die Produktionen sind das Ergebnis eines medienpraktischen Seminars unter Leitung von Felix Werthschulte. Moderation: Yuqi Zeng.

  • Sendetermin: Montag, 7. September 2020, 18 Uhr
  • Wiederholung: Dienstag, 8. September 2020, 10 Uhr

 

Ein Kasseler Junge macht Karriere

Bernard Etté und sein Tanzorchester, Folge 2

In der zweiten Folge über den zu seiner Zeit wohl bedeutendsten Musiker aus Kassel beginnen wir mit einem im Oktober 1924 für die Vox-Schallplatte eingespielten US-amerikanischen Titel, direkt danach folgt eine französische Komposition. Man gab sich also im Berlin des Herbstes 1924 ganz offensichtlich bewußt international.
Wie schon im Text zur ersten Folge erwähnt (für weitere Einzelheiten siehe dort), hatte Bernhard Ette, so sein bürgerlicher Name, sich im selben Jahr zum erstenmal in den USA „umgehört“ und dort auch Solisten für seine Kapelle engagiert.
In dieser Ausgabe dringen wir - angesichts der großen Anzahl an Platteneinspielungen Ettés - nur bis zum Sommer 1925 vor. Damit bleiben wir also in der akustischen Aufnahmeära, denn auch wenn die Vox als erste deutsche Firma in Laborversuchen schon 1924 elektrische Aufnahmen geschnitten hatte, blieb sie für die Plattenfertigung - wie alle großen Fabriken in Deutschland - noch bis 1926 beim alten mechanischen Verfahren.
Durchs Programm begleiten Sie Peter Michael und Thomas Sosna.

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 9. September 2020, 21 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 10. September 2020, 13 Uhr

Programminfos vom 28.08.2020 bis 06.09.2020

Erinnerungen an Christine Brückner und Ingomar von Kieseritzky

Heute gibt’s in „Kabarett live“ zwei Veranstaltungsmitschnitte vom Kasseler Komik-Kolloquium 2020, aufgenommen in der Stadtbibliothek bzw. im Museum für Sepulkralkultur.
Vor, nach, während, mit oder ohne Sex; wollen, können, dürfen - oder nicht: Das Thema ist spätestens seit #MeToo hochbrisant, wenn Frauen ihre Stimme erheben. Mit den eigens zu diesem Anlaß verfaßten »Ungehaltenen Reden« entwickeln die Schriftstellerinnen Nora Gomringer, Katja Lange-Müller und Stefanie Sargnagel auf neue und persönliche Weise eine Idee weiter, mit der die Kasseler Autorin Christine Brückner (1921-1996) in den 1980er Jahren für Furore sorgte.
Katja Lange-Müller, 1951 in der Hauptstadt der DDR geboren, schreibt gefeilte Wort- und ausschweifende Satzkunst mit feinem Sinn für Randfiguren, Trunkenheit und Verfall sowie scharfem Spott für ideologische Unterdrückung. 2005 wurde sie mit dem »Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor« ausgezeichnet.
Nora Gomringer, Deutsche und Schweizerin, Jahrgang 1980, ist eine virtuose Wort- und Vortragskünstlerin mit einem breiten Werk. Sie amüsiert und irritiert, liebt, schreibt, vertont, filmt, rezitiert, lehrt Poesie und arbeitet dabei gern mit Künstlern anderer Sparten zusammen. Stefanie Sargnagel, geboren 1986 in Wien, verblüffte mit Publikationen von Callcenter-Monologen und Facebook- Posts. Sie ist Autorin, Kabarettistin, Zeichnerin und Mitglied der feministischen »Burschenschaft Hysteria«.
Zwischen Obsession und Desaster - allerspätestens nach dem Sex ist Vergänglichkeit: »Wenn man jung ist, hat man einfach Sex, aber wenn man älter wird, weiß man immer, es könnte das letzte Mal sein,« so Kirsten Fuchs. Oder anders Thomas Kapielski: »Viel Haar und auch zwei Zähne sind längst mir bestattet. Ermattet hängen Backe und Sack.« Chrizzi Heinen läßt ein im Bad installiertes schwarzes Loch zum Kraftfeld für Liebe und Tod werden. Und der Erzähler von Ingomar von Kieseritzkys »Jenseitsbaedecker« wohnt seiner eigenen Beisetzung bei und dringt als Geist dabei noch einmal in und durch eine Verflossene. Jochen Krajewski, Sprecher und Gitarrist, wird diesen Text als Hommage an den im Mai 2019 verstorbenen Kieseritzky vortragen.
Heiner Boehncke von den Freunden und Förderern des Literaturlands Hessen führt durch den Abend.
Alle vier Autorinnen und Autoren des Abends wurden in Kassel ausgezeichnet: Ingomar von Kieseritzky 1999 und Thomas Kapieiski 2011 mit dem »Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor«, Kirsten Fuchs 2016 und Chrizzi Heinen 2020 mit dem »Förderpreis komische Literatur«. Ingomar von Kieseritzky (1944-2019) veröffentlichte seit 1968 Erzählprosa mit lockenden Titeln wie »Obsession. Ein Liebesfall«, »Das Buch der Desaster« oder »Traurige Therapeuten«. Daneben entstanden weit über 100 Hörspiele.
Thomas Kapieiski (*1951) schreibt, zeichnet und kritzelt, malt Ölschinken, fotografiert, filmt und musiziert. Seit 1976 erscheinen Romane, Gottesbeweise, Kunstkritik oder A- und Sophorismen.
Kirsten Fuchs (*1977) beherrscht mit ihrer Erzählkunst souverän das Komische zwischen Albernheit, Wortspiel, Situationskomik und Satire.
Chrizzi Heinen ist Autorin von Erzählprosa und Hörspielen, bildende Künstlerin, Kuratorin und promovierte Musikwissenschaftlerin.

  • Sendetermin: „Kabarett live“, Freitag, 28. August 2020, 22 Uhr

 

Der unbekannte Nachbar - Tanzmusik und Kleinkunst aus Polen

Heute: Zum 30. Todestag von Mieczyslaw Fogg, Teil 1/ 2

In seiner Heimat ist der vor recht genau 30 Jahren, nämlich am 3. September 1990, verstorbene Sänger Mieczyslaw Fogg bis heute ein regelrecht kultisch verehrter Plattenstar. In Deutschland dürfte er den meisten Plattenfreunden und Radiohörern unbekannt sein, so wie viele seiner Landsleute.
Die Gründe dafür sind wohl auf verschiedenen Feldern zu suchen. Sicher spielt die allgemeine und bis heute anhaltende deutsche Wahrnehmung Polens als unterentwickeltes Land eine Rolle, sicher auch die Geschichte der Zeit nach dem I. Weltkrieg, in der sich die beiden Staaten um Land und Leute stritten; gewiß verstellen auch die 40 Jahre Sozialismus nach 1945 den Blick auf das Polen der Zwischenkriegszeit und seine Musikkultur.
Wie anders ist es da z.B. mit der Tschechoslowakei. Mögen einige der Rahmenbedingungen einander auch ähneln, so entbehren doch böhmische Musik und Wesensart der völligen Fremdheit, von der wohl die meisten Deutschen sich angeweht fühlen, wenn es um polnische Musik geht. Während tschechische Kompositionen und auch Platten immer wieder in Deutschland verlegt wurden und viele es zu großer Bekannt- und Beliebtheit brachten, ist die wohl einzige außerhalb Polens zum Schlager gewordene Komposition der von Jerzy Petersburski geschriebene Tango „O Donna Clara!“
Mit unserer in loser Folge gebrachten Reihe „Der unbekannte Nachbar“ wollen wir diesem Defizit ein wenig abhelfen - es gibt noch viele gute Platten zu entdecken.
Anlaß dieser und der folgenden Ausgabe ist der 30. Todestag des wohl größten polnischen Plattenstars seiner Zeit, der es in den 30er Jahren mit einer seiner Platten zu Verkaufsziffern jenseits der 100.000 und damit zum polnischen Vorkriegsrekord brachte.
Mieczyslaw Fogg, recte Fogiel, war der am 30. Mai 1901 in Warschau geborene Sohn eines Lokomotivführers und einer Ladenbesitzerin. Nach dem Wehrdienst als Freiwilliger im Sowjetisch-Polnischen Krieg sollte er nach dem Willen des Vaters eine Ingenieurlaufbahn bei der Polnischen Staatsbahn einschlagen, die er 1922 auch begann. Im selben Jahr entdeckte ihn ein Regisseur auf Talentsuche - als Sänger im Kirchenchor. Eine Gesangsausbildung an der Frederic-Chopin-Hochschule in Warschau folgte.
In Fahrt kam Foggs Karriere mit Gründung des Gesangsensembles „Chor Dana“ durch den Pianisten Wladyslaw „Dan“ Danilowski im Jahre 1928. Mit diesem Ensemble erfolgten ab 1929 Plattenaufnahmen, ab 1930 sang Fogg auch solistisch.
Das Jahr 1938 führte ihn als Solisten nach Amerika. Er unternahm eine ausgedehnte USA-Tournee, trat am Funk auf und sang Platten ein. 1939 trat er als erster Pole überhaupt im Fernsehen auf, nämlich bei der BBC in London.
Bei Kriegsbeginn sang er zunächst weiter; solange der polnische Rundfunk noch arbeiten konnte, vor dessen Mikrophon, dann vor Truppen der in Rückzugsgefechten vor den Deutschen zurückweichenden polnischen Armee. Weitere Auftritte vor Publikum unterließ er nach der Besetzung Polens durch die Wehrmacht sehr bald, da er unter der Beobachtung der Gestapo stand.
Statt dessen arbeitete er als Kellner und schloß sich der Heimatarmee an, um im Untergrund gegen die deutschen Besatzer zu kämpfen. Als Kämpfer war er am Warschauer Aufstand beteiligt und wurde mehrmals verwundet. Auch Konzerte gab er vor den Aufständischen. Mit falschen Papieren konnte Fogg etliche Juden aus seinem Freundeskreis vor der Ermordung durch die Deutschen retten und wurde dafür 1989, also noch zu seinen Lebzeiten, in Jad Waschem als Gerechter unter den Völkern geehrt.
Nach dem Kriege gründete er ein eigenes Schallplattenetikett, die Fogg Record. Die Platten wurden in seiner geräumigen Warschauer Wohnung aufgenommen, die den Krieg überstanden hatte. Seine Plattenfirma fiel jedoch bald der Enteignung durch die Kommunisten zum Opfer und wurde mit den anderen Neugründungen und den Resten der Vorkriegsfirmen zum staatlichen Muza-Konzern zusammengelegt, für den er daraufhin aufnahm. In der zweiten Folge bringen wir ein Potpourri seiner größten Erfolge, das über vier Plattenseiten geht und 1954 zu seinem 25. Schallplattenjubiläum aufgenommen wurde. Auf Tourneen, auch ins westliche Ausland, durfte Fogg weiterhin gehen, ferner blieb er weiterhin als Sänger für die Muza tätig - buchstäblich bis an sein Lebensende. Seine Popularität blieb daher auch bei den nachwachsenden Generationen polnischer Plattenkäufer ungebrochen.
Am 3. September 1990 starb er in seiner Geburtsstadt Warschau und hatte so immerhin den Anfang der neugewonnenen Freiheit seines Heimatlandes erleben können.
Wie oben bereits gesagt, widmen wir Mieczyslaw Fogg aus Anlaß der 30. Wiederkehr seines Todestages zwei Sendungen am Sonntagnachmittag.

Teil 1:

  • Sendetermin: „Tanzparkett extra“, Sonntag, 30. August 2020, 17 Uhr
  • Wiederholung: Montag, 31. August 2020, 9 Uhr

 
Teil 2:

  • Sendetermin: „Tanzparkett extra“, Sonntag, 6. September 2020, 17 Uhr
  • Wiederholung: Montag, 7. September 2020, 9 Uhr

Programminfo vom 21.08.2020 bis 27.08.2020

Besuch beim Kolonialkritischen Stadtrundgang in Witzenhausen

Da, wo heute ein Teil der Uni Kassel ist, war früher die Kolonialschule Witzenhausen. Die "We are here, we speak up!"-Redaktionsgruppe war vor Ort und berichtet.

  • Sendetermin: „We Are Here, We Speak Up“; Freitag, 21. August 2020, 17 Uhr

 

Ortsvorsteher im Gespräch

Aus 23 Stadtteilen besteht Kassel – und jeder Stadtteil hat einen eigenen Ortsbeirat, der jeweils von einem Ortsvorsteher bzw. einer Ortsvorsteherin geleitet wird. Auch wenn gelegentlich über die Frage debattiert wird, ob die Ortsbeiräte (als ehrenamtlich besetzte Gremien) tatsächlich größeren Einfluß auf die politischen Entscheidungen der Stadt haben, so fungieren die Beiräte dennoch als wichtige Ansprechpartner für Bürgerinnen und Bürger und als Schnittstelle zwischen dem jeweiligen Stadtteil und der „großen“ Politik im Rathaus.
Klaus Schaake, Moderator der FRK-Sendungen „Stadtlabor“ und „Viaje Radial“, hat sich vorgenommen, für seinen neuen Podcast „Stadtteilzeit“ sämtliche 23 Kasseler Ortsvorsteher zu befragen. Heute spricht er mit Christian Unverzagt, Ortsvorsteher der Stadtteils Jungfernkopf.
Außerdem in der Sendung: Infos zum aktuellen Stand der Bauarbeiten zur Errichtung des Humboldtforums in Berlin.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 21. August 2020, 18 Uhr

 

Jimmy  Witherspoon  -  Gone with The Blues

Blues-, Gospel- und Jazz-Sänger Jimmy Witherspoon (geb. 8. August 1923 in Gurdon / Arkansas) zählt längst zu den Legenden in der internationalen Blues Community. Im Laufe seiner langen Karriere soll er an über 200 Alben beteiligt gewesen sein. Zu seinen Hits gehören “Blues Around the Clock”, “Some of My Best Friends are the Blues” und “Blue Spoon”. Und seine Fans nennen ihn noch heute schlicht „Spoon“. Bereits 1945 machte Witherspoon seine ersten Aufnahmen mit der Band von Jay McShann. Seinen ersten Hit unter eigenem Namen, „Ain't Nobody's Business“, den er mit McShanns Band einspielte, hatte er 1949 in den R&B-Charts. Es folgten 1950 die Hits „No Rollin' Blues“ und „Big Fine Girl“. Mitte der 1950er ließ der Erfolg nach, doch wurde das Album „Jimmy Witherspoon at the Monterey Jazz Festival 1959“ begeistert aufgenommen.
Witherspoon machte Aufnahmen und hatte Auftritte mit vielen Größen des Blues und Jazz, u. a. mit Ben Webster, Eric Burdon, Van Morrison, Count Basie, Alexis Korner, Earl Hines, Robben Ford, Bonnie Raitt und T-Bone Walker. Daneben trat er in einer Reihe von Kino- und TV-Filmen auf, z. B. „Georgia“ mit Jennifer Jason Leigh und „The Big Easy“. In den 1980ern wurde bei Witherspoon Krebs festgestellt. Nach einer Operation erholte er sich und kehrte auf die Bühne zurück. 1997 erhielt er für das Album „Live At The Mint“ eine Grammy-Nominierung. "Spoon" starb 1997 im Alter von 74 Jahren. 2008 wurde er in die Blues Hall of Fame aufgenommen. In dieser Magazinfolge hören wir das 1992 von Mike Vernon produzierte Album "The Blues, The Whole Blues and Nothing but The Blues" plus einen Querschnitt durch Spoons 60er/70er Blues- und Gospeleinspielungen.

  • Sendetermin: „Die Lange Rille“, Samstag, 22. August 2020, 21 Uhr

 

US-Smallband-Swing, Folge 2 (2017)

Und wieder tauchen wir am Sonntagnachmittag eine Stunde lang ein in die Swingära, in die Zeit, in der die damals neueste Jazzspielart auf riesiges Publikumsinteresse traf. Hören Sie Aufnahmen aus dem Mutterland dieser Musik - mit bekannten und unbekannten Kleingruppen der „Swinging 30s“.
Wie vor zwei Wochen versprochen, geht es mit der am Ende der dort gebrachten Sendung ausgeblendeten Platte weiter.
Diskographische Angaben: In spitzen Klammern Matrizennummer, dahinter Aufnahmeort und -datum, Plattenmarke und Bestellnummer.Aufnahmeorte: Ch -Chicago, LA -Los Angeles, NY -New York
Plattenmarken: BB - Bluebird (USA), Br - Brunswick (D), Col - Columbia (USA) De - Decca(USA), Vic - Victor (USA), Voc - Vocalion (USA), andere Marken ausgeschrieben.
Durchs Programm begleitet Sie Peter K. Michael.

In dieser Sendung hören Sie:
 
The Mound City Blue Blowers (Red McKenzie)
On Treasure Island (Burke - Leslie) <C 0139 A> NY, 08.11.35 Montgomery Ward 5001
 
Red McKenzie and his Rhythm Kings
I Don’t Know Your Name, But You’re Beautiful (Irving Cesar - Sammy Lerner) <60446 A>
Don’t Count Your Kisses Before You’re Kissed (Ralph Freed - Harry Stride - Bernard
Maltin) <60444 A> NY, 05.02.36 De 721
 
Frankie Newton
The World Is Waiting For The Sunrise (Lockhardt - Seitz) <->
Rosetta (Hines - Woods) <-> NY, 13.01.39 BB B-10176
 
Zutty and his Band
(I Would Do) Anything For You (Hill - Williams - Hopkins) <9879-A>
Clarinet Marmalade (o.A.) [Shields - Ragas] <9884-A> Ch, 27.3.35 De 432
 
Bob Howard and his Boys
On Revival Day (Andy Razaf) <64349-A>
Sweet Emmalina, My Gal (Creamer - Layton) <64345-A> NY, 26.7.38 De 2263
 
Frank Froeba and his Swing Band
There’ll Be A Great Day In The Mornin’ (Hill - Mills) <Co 18445-1>
The Music Goes Round and Around (Hodgson - Farley - Riley) <Co 18444-1> NY, 24.12.35 Col 3110
 
Sidney Bechet and his Orchestra, voc. Two Fish Mongers
Hold Tight (Want Some Sea Food, Mama) <M925-2-4>
Jungle Drums (Bechet - Singleton) <M926-1-4> NY, 16.11.38 Voc v4537
 
Midge Williams and her Jazz Jesters
The Greatest Mistake In My Life (Netson) <M684>
Good Night, Angel (Magidson - Wrubel) <M685> NY, 23.11.37 Voc v3961
 
Lionel Hampton and his Orchestra, voc. Lionel Hampton
Fiddle Diddle (Lionel Hampton - Harry Goodman) <25868>  Ch, 11.10.38
Don’t Be That Way (Sampson - Benny Goodman, arr. Sampson) <18338> NY, 18.01.38 Vic 26173

Vorankündigung:
Die zwei folgenden Sonntagsausgaben sollen in unserer Reihe „Der unbekannte Nachbar“ über polnische Platten dem 30.Todestag (03.September) des in Polen noch heute als Kultstar verehrten Mieczyslaw Fogg gewidmet sein.

  • Sendetermin: „Tanzparkett extra“, Sonntag, 23. August 2020, 17-18 Uhr
  • Wiederholung: Montag, 24. August 2020, 9 Uhr

 

Hamburg 1960 - Karrierestart der Beatles

Am 17. August 1960 spielten die frühen Beatles, damals noch zu fünft (ohne Ringo), ihr erstes Konzert auf der Bühne des "Indra". Eine Premiere, in deren Folge Musikgeschichte entstand. Der Bandname war noch ganz frisch, und sie begannen ohne eigenes Material, spielten die Rock & Roll-Hämmer von Chuck Berry, Little Richard und Gene Vincent nach. In dem leicht runtergekommenen Kiez-Schuppen auf der Reeperbahn hatten die Leute keine Ahnung, wer die rolligen jungen Kerle aus dem fernen grauen Liverpool waren - und was mal aus ihnen werden würde. Das "Indra" war damals eine eher ruppige Clubadresse unter vielen auf der Reeperbahn - "Mädels", Zuhälter, Rocker, Zocker und Gangster erzeugten eine ganz spezielle Atmosphäre. Und Kleinbürger von nah und fern kamen angereist, um mal zu schnuppern.   
In dieser Folge hören wir zur Erinnerung an den unspektakulären Beginn der legendären Beatles eine Handvoll ihrer frühen Singles plus das komplette "Rubber Soul"-Album von 1965. In einer früheren Folge hatten wir die sehr spezielle Bearbeitung des schönen "Norwegian Wood"-Songs durch den deutschen Kreativen R.A.M. Pietsch gehört. Das Original ist auf diesem Longplayer enthalten. Beatles time, once again.

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 23. August 2020, 19 Uhr 

 

Beethoven und andere Helden der Musikgeschichte

In drei Episoden stellen Studierende der Musikakademie der Stadt Kassel „Louis Spohr“ bei uns im Programm Musik von Ludwig van Beethoven und anderen großen Komponisten der Klassik, Romantik und Moderne vor. Das trifft sich gut, denn in diesem Jahr wird Beethoven aus Anlass seines 250. Geburtstags groß gefeiert. In den Sendungen der Studierenden ist natürlich seine Musik zu hören. Auf dem Programm stehen aber auch viele andere spannende Werke, unter anderem von Robert Schumann, Dmitri Schostakowitsch oder Antonìn Dvořák. Die Produktionen sind das Ergebnis eines medienpraktischen Seminars unter Leitung von Felix Werthschulte.
Moderation: Markus Gellrich.

  • Sendetermin: Montag, 24. August 2020, 18 Uhr
  • Wiederholung: Dienstag, 25. August 2020, 10 Uhr

 

US-Swing auf Vocalion

In den 30er Jahren existierte das 1916 gegründete Vocalion-Etikett als Untermarke der ARC (American Record Corporation) weiter, die im Verlauf der Weltwirtschaftskrise die Namensrechte etlicher Kleinetiketten aus deren Konkursmasse gekauft hatte.
Im Gegensatz zu vielen anderen ARC-Untermarken, die unter verschiedenen Pseudonymen Aufnahmen weniger ARC-Hauskapellen brachten, behielt die Vocalion ein durchaus markantes Profil, was die Swingmusik anging. Das wollen wir in dieser Ausgabe einmal mehr unter Beweis stellen.
Sie hören Platten der Orchester von Jack Jenny, Lennie Hayton, Dick Porter, Clarence Williams und Wingy Manone.
Als die ARC 1938 an die wiedergegründete Columbia verkauft wurde, behielt diese das Etikett zunächst bei, um es im Jahre 1940 zu „beerdigen“ und die Platten in weiterlaufender Numerierung auf dem ebenfalls wiederbelebten OKeh-Label herauszubringen.
Die Aufnahmen dieser Sendung stammen aus dem Zeitraum von Dezember 1933 bis Februar 1940.
Durchs Programm führt Peter Michael.

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 26. August 2020, 21 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 27. August 2020, 13 Uhr

Programminfos vom 14.08.2020 bis 17.08.2020

Prof. Heinz Bude wird Gründungsdirektor des geplanten documenta-Instituts

Das Land Hessen, die Stadt Kassel, die Universität und Kunsthochschule Kassel sowie die documenta und Museum Fridericianum gGmbH haben den renommierten Soziologen Prof. Dr. Heinz Bude zum Gründungsdirektor des documenta Instituts berufen. Zu Budes ersten Aufgaben gehören die Konkretisierung der inhaltlichen Programmatik sowie der Aufbau der internen und externen Organisationstrukturen des documenta Instituts, das gegründet von den vier Partnern als unabhängige wissenschaftliche Forschungseinrichtung entsteht.
Bude steht für eine zeitdiagnostisch aufgeschlossene Wissenschaft und ist mit Beiträgen zu den Problematiken sozialer Spaltung, regionaler Verödung und weltgesellschaftlicher Verwerfung hervorgetreten. Er wurde 2016 mit dem Preis der Deutschen Gesellschaft für Soziologie für herausragende Leistungen auf dem Gebiet der öffentlichen Wirksamkeit der Soziologie ausgezeichnet. Seit 2000 lehrt er Makrosoziologie an der Universität Kassel.
Im Rahmen einer Pressekonferenz, an der u.a. auch Oberbürgermeister Geselle und Uni-Präsident Finkeldey teilnahmen, wurde Prof. Heinz Bude als Gründungsdirektor des documenta-Instituts der Öffentlichkeit vorgestellt. Wir senden einen Mitschnitt der Veranstaltung.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 14. August 2020, 18 Uhr

 

Horch – ein Schrank geht durch die Nacht

Der Dichter, Zeichner, Mitbegründer der Neuen Frankfurter Schule und des Satiremagazins »Titanic«, Träger des Kasseler »Literaturpreises für grotesken Humor« und Erfinder des legendären Verses »Die schärfsten Kritiker der Elche / waren früher selber welche« - der große F. W. Bernstein verstarb im Dezember 2018. Drei seiner Freunde und Wegbegleiter ließen ihn hochleben. Sie erinnerten an sein faszinierendes Werk, jene unvergleichliche Mischung aus Text, Reim, Bild und Cartoon, aus Nonsens und Satire. Es war - ganz in seinem Sinne - ein grandioser Abend voller Unfug.
Pit Knorr und Bernd Eilert, ebenfalls Großelche der Neuen Frankfurter Schule und Väter der »Titanic« sowie neben vielem anderem Pointen-Erfinder für Otto Waalkes, trugen die witzigsten Texte, Bilder und Bildertexte ihres Freundes F.W. Bernstein vor. Und der Dichter, Komik-, Film- und Literaturexperte Christian Maintz erklärte dem Publikum, warum es dabei gelacht hat.
Die Veranstaltung fand im März 2020 im Rahmen des „Kasseler Komik-Kolloquiums“ in der Caricatura statt.

  • Sendetermin: „Kabarett live“, Freitag, 14. August 2020, 22 Uhr

 

One of "The Chosen Few" - Happy B-Day, Billy Joe Shaver! 

Ziemlich sicher kommt er an das Image vom vielbeschworenen Outlaw-Musiker heran - Billy Joe Shaver. David Allan Coe war vielleicht ebenfalls ganz nah dran – er war aber beim sauberen weißen Publikum ein eher umstrittener Künstler, der fast die Hälfte seiner Lebenszeit in Zuchthäusern und "Besserungsanstalten" verbrachte. Möglicherweise mögen ihn hingegen ein paar echte schwarze Bluesmacker.  
Anyway, Billy Joe Shaver hatte es von Anfang an nicht leicht. Quasi elternlos aufgewachsen, die Schule nur kurz gestreift, als gerade 17-Jähriger bereits erste herbe Erfahrungen in der Navy, Malocherjobs (inklusive zweifachem Fingerverlusts bei einem Arbeitsunfall im Sägewerk), zeitweise Rodeoreiter usw. - ein texanischer Blue-Collar-Typ, wie er im Buche steht bzw. in Filmen gezeigt wird.
Und genau so tritt er öffentlich in Erscheinung. Als eines Gewaltverbrechens Angeklagter mit dem wortkargen, näselnden breiten trockenen Texas-Slang kam er, dank der Fürsprache einiger populärer Musikkollegen (darunter Willie Nelson und der beliebte Hollywoodschauspieler Robert Duvall), knapp aus der leidigen Geschichte heraus.
Was aufmerksamen Beobachtern und vor allem Musikerkollegen erst ab den 70er Jahren auffiel und beeindruckte, war Billy Joe Shavers Songwriter-Talent. Dann aber richtig - er wurde schon bald gecovert.
Legende Johnny Cash erzählte, daß der Shaver-Song "I am just an old chunk of coal - but I´m going to be a diamond some day" ihn gerettet hätte, weil er das Lied während seines Alkoholentzugs jeden Morgen in seiner Zelle sang und dadurch wieder zu Mut und Zuversicht zurückfand. Not bad!
Waylon Jennings freundete sich mit Billy Joe an - und brachte 1973, ihm gewidmet, sein "Honky Tonk Heroes"-Album heraus (5 Jahre vor dem legendären "Waylon & Willie"-Millionseller). Eines seiner zeitlos besten - ein Klassiker!
Wie Jerry Jeff Walker, eines der früheren Rauhbeine in der texanischen Szene seit den 1970er Jahren, gehört Billy Joe Shaver zu den ganz großen Storytellern des Genres, der bestens zu formulieren weiß, ein Singer/Songwriter aus einer aussterbenden Spezies. Neben den üblichen anderen Verdächtigen aus den Upper Class-Gefilden von der Ostküste, wie Loudon Wainwright III oder eines genialen David Bromberg, bleibt Billy Joe Shaver seinen "Roots" treu. Der Künstler wurde auf den Tag genau heute im Jahre 1939 in Corsicana/Texas geboren. All the best, says The Lonesome Traveler.

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler”, Sonntag, 16. August 2020, 19 Uhr

 

Vor 40 Jahren starb „Bel Ami“ - Zur Erinnerung an Willi Forst

Wiener Charme pur - das war Willi Forst.

Doch täte man dem am 11. August 1980, also vor ziemlich genau 40 Jahren, in seiner Geburtsstadt Wien verstorbenen Künstler unrecht, wollte man ihn allein darauf reduzieren.
Seine Anfänge liegen in den Heurigenlokalen der Wiener Vorstadt, wo der am 7. April 1903 als Wilhelm Froß Geborene als Junge die dort auftretenden Kleinkünstler sieht und hört. Es zieht ihn zum Theater. Provinzengagements an den deutschsprachigen Bühnen Böhmens und Mährens (das erste schon 1919 in Teschen) führen geradeaus in die damaligen zwei Theaterhauptstädte deutscher Zunge - Berlin, wo er 1925 am Metropol-Theater zu sehen ist, und Wien, wo er 1926 am Carl-Theater auftritt.
Als Kinonarr fühlt er sich auch zum jungen Medium Film hingezogen und dreht ab 1920 in Wien, so 1927 an der Seite der damals noch unbekannten Marlene Dietrich in „Café Electric“. 1929 spielt er in London zusammen mit Fritz Kortner in einem frühen Tonfilm, „Atlantic“, der die Geschichte der „Titanic“ nachempfindet.
Auch seine erste Schallplatte bringt einen Tonfilmschlager. Dieses Genre sollte er ab Anfang der 30er Jahre nicht unwesentlich mitprägen.
Ab 1933 widmet Forst sich, nach Wien zurückgekehrt, auch der Regiearbeit und schreibt sich seine Filme auf den Leib, die er ab 1936 auch noch selbst produziert. Höhepunkt der Vorkriegskarriere ist 1939 „Bel Ami“.
Etliche weitere Filmlustspiele von und mit Forst entstanden, die heute noch sehenswert wären. Leider werden sie derzeit weder im Fernsehen noch in Kinomatineen gezeigt, wie es bis Anfang der 90er Jahre durchaus noch der Fall war.
Auch nach dem Anschluß Österreichs versucht Willi Forst, sich politisch sowenig wie möglich aus dem Fenster zu lehnen, was ihm auch für die damaligen Verhältnisse sehr weitgehend gelingt. Ein Besetzungsangebot für die Hauptrolle in Veit Harlans Film „Jud Süß“ lehnt er mehr als überdeutlich ab.
So kommt es, daß der nach Amerika emigrierte Carl Zuckmayer sich bei den Alliierten für Forst verwendet.
Forsts größter Regieerfolg der Nachkriegszeit wird 1951 die „Sünderin“ mit Hildegard Knef in der Hauptrolle. Mit in den späteren 50er Jahren gedrehten Wiederauflagen seiner Vorkriegserfolge reüssiert Forst nicht. 1957 verkündet er seinen vorläufigen Rückzug aus der Filmbranche. Es sollte ein endgültiger werden.
Die Sendung zum 40. Todestag von Willi Forst beginnen wir mit seiner allerersten Platte, die er noch für die Electrola aufnahm. Nach einer Zeit bei der Ultraphon kam er zum Lindströmkonzern, wo er bis Kriegsende blieb. Nach 1945 nahm er bei der Wiener Neugründung Austroton weitere Platten auf. Aus dieser Zeit bringen wir den Schlager „Steh‘ auf, liebes Wien“, der die Wiener zum Neuanfang nach der Zerstörung ihrer Stadt ermutigen will.
Durchs Programm begleitet Sie Thomas Sosna.

  • Sendetermin: „Tanzparkett extra“, Sonntag, 16. August 2020, 17 Uhr
  • Wiederholung: Montag, 17. August 2020, 9 Uhr

Programminfos vom 06.08.2020 bis 13.08.2020

Beethoven und andere Helden der Musikgeschichte

In drei Episoden stellen Studierende der Musikakademie der Stadt Kassel „Louis Spohr“ bei uns im Programm Musik von Ludwig van Beethoven und anderen großen Komponisten der Klassik, Romantik und Moderne vor. Das trifft sich gut, denn in diesem Jahr wird Beethoven aus Anlass seines 250. Geburtstags groß gefeiert. In den Sendungen der Studierenden ist natürlich seine Musik zu hören. Auf dem Programm stehen aber auch viele andere spannende Werke, unter anderem von Robert Schumann, Dmitri Schostakowitsch oder Antonìn Dvořák. Die Produktionen sind das Ergebnis eines medienpraktischen Seminars unter Leitung von Felix Werthschulte.

Moderation: Aziza Nazarova

  • Sendetermin: Montag, 10. August 2020, 18 Uhr
  • Wiederholung: Dienstag, 11. August 2020, 10 Uhr.

 

Ein Kasseler Junge macht Karriere

Bernard Etté und sein Tanzorchester, Folge 1

Schon von jeher gilt unser Interesse auch jener Musik der Schellackplattenzeit, die einen wie auch immer gearteten Bezug zu Kassel hat.
Das müssen keine Lieder über Kassel sein, von denen es auf die Schallplatte ohnehin nur wenige geschafft haben; von einigen weiteren sind uns nur Notenblätter bekannt.
Aber nicht nur Musik über Kassel gab es - auch einige Akteure der damaligen Zeit hatten einen besonderen Bezug zu unserer Stadt.
Das gilt insonderheit für den Geiger und Kapellmeister, den wir Ihnen in unserer bisher umfangreichsten Reihe über ein einzelnes Orchester in zwölf Folgen vorstellen wollen. Ein langgehegter Wunsch der „Tanzparkett“-Redaktion geht damit in Erfüllung.
Es handelt sich um einen Friseurssohn vom Königstor, der in Berlin (und über Platte und Funk in ganz Europa) bekannt werden sollte, nämlich Bernhard Ette, der auf Plattenetiketten vor 1933 als Bernard Etté firmierte und unter dieser Schreibweise zu großer Popularität gelangte.
Seine Geschichte (und damit die seiner Orchesterformationen) ist zugleich ein Spiegelbild der deutschen Tanzmusik der 20er bis 40er Jahre und ihrer Wahrnehmung in der Öffentlichkeit - sowie der Entwicklung des Rundfunks in Deutschland und der deutschen Plattenindustrie.
Der am 13. September 1898 in Kassel geborene Ette wurde ebenda am Louis-Spohr-Konservatorium als Geiger ausgebildet, was er u.a. mit Auftritten in Kasseler Weinstuben und als Stummfilmbegleiter finanzierte.
Er begann seine Schallplattenkarriere im Jahre 1923 auf dem Kleinetikett Star-Record, das, wie fast alle damaligen Plattenhersteller Deutschlands, in Berlin saß. Dieses Engagement beschränkte sich allerdings auf eine einzige Aufnahmesitzung unter seinem Namen.
Im Verlaufe des Jahres 1923 wechselte er zur Vox-Schallplatte, die ab November 1923 im Vox-Haus in Berlin auch den ersten kommerziellen Rundfunksender im Deutschen Reich betrieb. Durch seine dortige Verpflichtung als erster Rundfunkkapellmeister Deutschlands wurde er, da der Sender europaweit zu hören war, über die Grenzen hinaus bekannt. In den folgenden Jahren nahm er Hunderte von Platten für die Vox auf. Daneben war das Orchester im Laufe der Zeit in etlichen gehobenen Lokalen Berlins engagiert. Im Sommer 1924 unternahm Ette eine erste Amerikareise zum Studium der Jazzmusik in ihrem Mutterland. Ein Ergebnis war die Anstellung US-amerikanischer Solisten im Orchester, das er in Richtung des „gebändigten“, semisymphonischen Jazz à la Paul Whiteman zu entwickeln suchte. Mit dieser Stilrichtung hoffte Ette, nicht nur Tanzsäle, sondern vor allem auch Konzerthäuser zu füllen.
Erheblich „hotter“ spielte das Orchester 1927 für die Plattenfirma Tri-Ergon unter der Bezeichnung „The Jazz Kings“, hier allerdings ohne Leitung des Chefs. Deshalb sollen diese Platten einmal Thema einer eigenständigen Sendung sein und sind in unserer mit dieser Ausgabe beginnenden Reihe nicht enthalten.
Nach dem Bankrott der Vox Anfang 1929 kam Ette zur Deutschen Crystalate, einer mit englischem Kapital neugegründeten Firma, welche aus der Konkursmasse der Vox die Matrizen und auch einige der Künstler für ihre preiswerte Kristall-Schallplatte übernahm. Auch hier folgten weitere Einspielungen in erheblicher Anzahl.
Als sein Engagement dort endete, nahm ihn die Carl-Lindström-AG unter Vertrag, zunächst für ihr Billigetikett Gloria. Später rückte er zur Lindström-Hauptmarke Odeon auf. 1939 jedoch wurde sein Vertrag nicht mehr verlängert.
1940 finden sich vier von Ettes Orchester eingespielte Plattenseiten mit US-Titeln im Telefunken-Aufnahmebuch und -Katalog. Zu einem festen Abschluß mit der Telefunkenplatte kam es aber nicht.
1941 nahm ihn der unabhängige Produzent Otto Stahmann unter Vertrag, der in Potsdam-Babelsberg die Tempo-Schallplattenfabrik betrieb. Die aus dem Brillant-/ Brillant-Special-Etikett hervorgegangene Tempo-Schallplatte hatte ursprünglich den Kaufhausmarkt bedient, wurde aber im Kriege auch in normalen Plattenläden angeboten. Da sie buchstäblich bis in die letzten Tage des Krieges zu kaufen war, sind auch Ettes Tempo-Einspielungen entsprechend populär gewesen. Neben dem Tempo-Engagement spielte das Orchester zur Truppenbetreuung.
Nach Kriegsende kam Ette bei der deutschen Dependance der neuen österreichischen Plattenfirma Austroton unter. Obwohl er noch bis weit in die 50er Jahre hinein mit seinem Bühnenschauorchester auf Tournee war, so noch 1957 z.B. in Leipzig und Luxemburg, liegen seine letzten Plattenaufnahmen, eben für die Austroton, im Jahre 1950.
Nachdem er schließlich 1961 wegen einer Erkrankung seine musikalische Tätigkeit hatte aufgeben müssen, wurde es still um ihn. Am 26. September 1973 starb er, verarmt und vergessen, in einem Altersheim im bayerischen Mühldorf.
In der ersten Folge befassen wir uns mit seinen frühen Vox-Aufnahmen aus der Zeit von Herbst 1923 bis Herbst 1924.
Durchs Programm führen Peter Michael und Thomas Sosna.

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 12. August 2020, 21 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 13. August 2020, 13 Uhr

Programminfos vom 01.08.2020 bis 05.08.2020

Zum Tod von Peter Green

Wer den Namen Fleetwood Mac hört, denk normalerweise an die Mega-Band der 70er und 80er Jahre, an Pop-Klassiker wie „Go Your Own Way“ oder „Don’t Stop“, an millionenfach verkaufte Alben wie „Tusk“ oder „Rumors“. Mit diesen Erfolgen verbindet man natürlich auch die Namen der bekanntesten Gruppenmitglieder, also Christine McVie, Lindsay Buckingham und Stevie Nicks. Aber die Anfangszeit von Fleetwood Mac, also die späten 60er Jahre, wurden vor allem von Peter Green geprägt, dem Gründer und musikalischen Kopf der Band, der bereits 1970 wieder ausstieg, aber von den echten Mac-Fans bis heute verehrt wird. Der geniale Gitarrist, Blues-Experte und Verfasser solcher Hits wie „Albatross“ und „Black Magic Woman“ war eine schillernde Figur im Popgeschäft, der eine sehr wechselvolle und teils skurrile Karriere hinter sich brachte. Nun ist Peter Green im Alter von 73 Jahren gestorben – wir erinnern an ihn mit Musik auf den frühen Jahren von Fleetwood Mac.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 1. August 2020, 18 Uhr

 

Feministische Vollversammlung

Die qrew (http://qrew.blogsport.eu) informiert heute über die Feministische Vollversammlung, die am 9.8.2020 stattfinden wird. In der Sendung ist ein Mitschnitt der Veranstaltung zu hören, auf der die Idee für die Vollversammlung entstand.

  • Sendetermin: „LiLi“, Samstag, 1. August 2020, 20 Uhr

 

US-Smallband-Swing (Folge 1/ 2017)

Und wieder tauchen wir am Sonntagnachmittag eine Stunde lang ein in die Swingära, in die Zeit, in der die damals neueste Jazzspielart auf riesiges Publikumsinteresse traf.
Hören Sie Aufnahmen aus dem Mutterland dieser Musik - mit bekannten und unbekannten Kleingruppen der „Swinging 30s“. Diskographische Angaben: In spitzen Klammern Matrizennummer, dahinter Aufnahmeort und -datum, Plattenmarke und Bestellnummer.
 
Aufnahmeorte: NY - New York, LA - Los Angeles.
Plattenmarken: BB -Bluebird (USA), Br -Brunswick (D), Col - Columbia (USA), De - Decca (USA), Vic - Victor (USA), Voc - Vocalion (USA), andere Marken ausgeschrieben.
 
Durchs Programm begleitet Sie Peter K. Michael.
In dieser Sendung hören Sie:
 
Original Dixieland Jazz Band
Drop A Nickel In The Slot (Young - Ahlert) <019681-1>
Jezebel (Mercer - Warren) <019683-1> NY, 18.02.38 BB B-7454
 
Tito and his Swingtette
Stuff And Things (Guidotti) <->
Atmosphere (Guidotti) <-> NY, 22.11.38 BB B-10066
 
Teddy Wilson Quartet
Honeysuckle Rose (Waller -Razaf) <LA 1431 A>
Ain’t Misbehavin’ (Razaf - Waller - Brooks) <LA 1408 C> LA, 05.9.37 Br A 81362
 
Art Tatum and his Swingsters
With Plenty Of Money And You (Warren - Dubin) <DLA725 A>
I’ve Got My Love To Keep Me Warm (Berlin) >DLA 727 A> LA, 26.02.37 De 1198
 
Lionel Hampton
I’m On My Way From You (Burley - Hampton) <04291-1>
Haven’t Named It Yet (Hampton - Christian) <04292-1> NY, 12.10.39 Vic 26476
 
Toots Mondello
Louisiana (Razaf - Schafer - Johnson) <US-1099-2>
St. Louis Gal (Robinson) <US-1098-1> NY, Nov. 39 Varsity 8118
 
Lil Armstrong and her Swing Orchestra
Born To Swing (Lil and Avon [sic] ? =  Lil Armstrong?) <61945 A>
Bluer Than Blue (Lil and Avon [sic] ? =  Lil Armstrong?) <61947 A> NY, 15.4.37 De 1299
 
Joe Marsala and his Chicagoans, voc Jack LeMaire
Woo-woo (Marsala - LeMaire - Franklin) <M780-1>
Jim-Jam Stomp (Marsala) <M782-1> NY, 16.3.38 Voc 4116
 
The Mound City Blue Blowers (Red McKenzie)
Red Sails In The Sunset (Williams - Grosz - Kennedy) <C 0137 A>
On Treasure Island (Burke - Leslie) <C 0139 A> NY, 08.11.35 Montgomery Ward 5001 (ausgeblendet)

  • Sendetermin: „Tanzparkett extra“, Sonntag, 2. August 2020, 17 Uhr
  • Wiederholung: Montag, 3. August 2020, 9 Uhr

 

Manfred Maurenbrecher live in Kassel …

… das kommt nicht häufig vor und in Corona-Zeiten ist das noch sensationeller als vorher. Ich freue mich auf den Live Gig am Samstag, 8. August (20.30 Uhr), im Kupferhammer, der Ersatzspielstätte der Salzmann-Factory. Und weil die Zuschauerkapazität begrenzt ist (hoffentlich wird’s ein Klappstuhlkonzert im Freien), gibt es schon ein paar Tage vorher eine Radio-Preview.
Nur soviel: er hockte vor dem Klavier, gewundener Rücken, den Kopf seitwärts zu uns gedreht, und seine Hände schlugen von schräg unten auf die Tasten ein. Eine Bogenbewegung, ein Krakenkampf. Er kroch in dieses heilige Instrument, als wäre er allein mit ihm, als hätten wir hier nichts zu suchen, und er hatte so wenig Respekt vor ihm wie Johnny Rotten vor dem Papst. Es sah mörderisch aus. So erinnerte sich Herwig Mitteregger von der Band Spliff an seine erste Begegnung mit Manfred Maurenbrecher. Er wird zum Geheimtip auf Lebenszeit“ (FAZ, 1992) und tauscht den großen Ruhm für ein Leben voller Würdigungen, echten Kultcharakter und eingeschworene Fans ein. 1991 gewinnt er den Deutschen Kleinkunstpreis, 1998 den Liederpreis des Südwestfunks. Konstantin Wecker zieht den Hut: „Unprätentiös und versponnen, musikalisch von bewundernswerter Schlichtheit, die ihm hierzulande keiner nachmacht“. Zuletzt drei Mal in Folge mit dem Preis der deutschen Schallplattenkritik gewürdigt und kein Ende: die Alben no go (2013), Rotes Tuch (2015) und flüchtig (2017) gewinnen allesamt den Preis der Deutschen Schallplattenkritik und sorgen für neue Schwärmereien. Das Lied Kiewer Runde erhält zudem den Liederpreis der Liederbestenliste.
Maurenbrecher führt die Liederbestenliste im April 2020 mit Jetzt auf einmal geht´s an.
Die CD „Inneres Ausland“ ist auch Album des Monats. Eine Reise in undiplomatisches Gebiet. Manchmal ist das Zeugs, das wir uns ausdenken, klüger als wir selbst.
Am Mikrophon: Ralf Wenzel.

  • Sendetermin: „Magic Moments“, Mittwoch, 5. August 2020, 21 Uhr.

Programminfos vom 23.07.2020 bis 30.07.2020

StadtLabor im Freien Radio Kassel: Afrodeutsche & Schwarze Menschen in Nordhessen

Um sich gegenseitig zu empowern, einen Austausch anzuregen und solidarische Netzwerke zu entwickeln, gründete sich die Initiative "SIDE BY SIDE".
Über Projekte innerhalb des Netzwerks hinaus streben die Initiatorinnen auch gemeinsam mit nicht-Schwarzen Menschen und Institutionen,  Projekte an, um ein besseres Miteinander innerhalb unserer Gesellschaft zu fördern.

Wie sich das gestalten könnte, dazu "experimentieren" SIDE BY SIDE-Mitglieder im StadtLabor.

  • Sendetermin: Donnerstag, 23. Juli, 21 bis 22 Uhr
  • Wiederholung: Freitag 24. Juli, 13 Uhr

 

Bücher für den Sommer

Im Rahmen der Sendung “LILI - Libertäre Informationen lokaler Initiativen“ der Gruppe qrew Kassel (http://qrew.blogsport.eu) stellen wir euch ein paar Bücher vor. Die Ferien auf Balkonien, an der Fulle oder sonst wo können kommen – interessanter Lesestoff liegt bereit!

  • Sendetermin: „LiLi“, Samstag, 25. Juli 2020, 20 Uhr

 

Tanzparkett vor 20 Jahren

Rundfunkfolien von Radio Hilversum, 1943

Auf einem französischen Dorfflohmarkt fand unser Kollege im Jahr 2000 einen kleinen Stapel 30-cm-Glas-Gelatine-Schallfolien, die er interessiert mitnahm.
Unter Überklebern mit französischen Phantasietiteln fand sich die wahre Herkunft dieser Folien, nämlich das von der damaligen deutschen Besatzungsmacht kontrollierte und als NS-Propagandasender betriebene Radio Hilversum in Holland.
Wie die Aufnahmen nach Frankreich kamen, bleibt rätselhaft.
Radio Hilversum II wurde am 13. März 1941 in den Propagandasender „Nederlandsche Omroep“ umgewandelt, der Holland mit NS-Propaganda berieseln sollte. Am 01. Juli 1943 wurde die Station der Senderkette des deutschen Europasenders angeschlossen und machte nun als Sender „Calais II“ englischsprachige Propaganda für Großbritannien. Um einen weltläufigen Eindruck zu machen und die Hörer, die auf der Skala einen interessanten Sender suchten, zu halten, wurde Swingmusik auf internationalem Niveau geboten. Dazu wurden die Spitzen-Swingbands der holländischen Szene „engagiert“.
Da das 1941 beim Reichsrundfunk eingeführte Tonband erst nach und nach an den Sendern im von Deutschland besetzten Europa zum Einsatz kam (in Hilversum 1944), wurden im Jahre 1943 noch in bewährter Manier Folien geschnitten, zumindest von den Zwischenmusiken, die zur Übernahme der Sendungen von Radio Luxemburg dienten.
Weitere derartige Aufnahmen auf Folien aus dieser Zeit sind auch in der diskographischen Literatur erwähnt.
Durch die Sendung begleiten Sie Peter Michael und Michael Rolf.
Erstausstrahlung: 26. Juli 2000.

  • Sendetermin: „Tanzparkett extra“, Sonntag, 26. Juli 2020, 17 Uhr
  • Wiederholung: Montag, 27.Juli 2020, 9 Uhr

 

Die Corona-Varianten der Festivals

In dieser Ausgabe vom Musiktaxi reden wir über die Corona-Varianten, die sich einige Festivals haben einfallen lassen, um doch nicht komplett auszufallen. Wir schauen mal, was Wacken, Summer Breeze und auch das Open Flair geplant haben, was sie voneinander unterscheidet und was ihre Stärken und Schwächen sind. Außerdem erzählt uns Alexander Feiertag, der Geschäftsführer vom Arbeitskreis Open Flair, im Interview, vor welche Herausforderungen die Corona-Situation die Festivalmacher stellt. Dazu gibts jede Menge gute Musik. Schaltet rein:

  • Sendetermin: „Musiktaxi“, Montag, 27. Juli 2020, 17 Uhr

 

Die Savoy Orpheans, Folge 3

Wie schon in den ersten zwei Folgen erwähnt, kehrte im Oktober 1931 Carroll Gibbons, erneut zum Orchesterleiter gekürt, mit den Savoy Orpheans zur Columbia zurück, von der die Orpheans ziemlich genau sieben Jahre zuvor zur konkurrierenden HMV gegangen waren.
Wie zuvor bereits mehrfach geschehen, wechselte hiermit nicht nur die Leitung, sondern es gab auch weitere Änderungen im Personal.
Die ganzen 30er Jahre hindurch blieben sowohl das Orchester wie auch dessen Chef als Solopianist der Columbia treu. Zahlreiche Platten, die sich recht ordentlich verkauften, erschienen auch bei der deutschen Columbia. In der zweiten Hälfte der 30er fungierte das Orchester oft auch als Begleitband für Kleinkunstaufnahmen, so z.B. für die Sängerin Hildegarde.
In dieser Ausgabe geht es um Aufnahmen der Jahre 1931 und 1932.
Durch die Folge führt Thomas Sosna.

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 29. Juli 2020 , 21 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 30.Juli 2020, 13 Uhr

 

Programminfos von 17.07.2020 bis 23.07.2020

Man lebt so oder so - Eine Sommerlesereihe des Evangelischen Forums Kassel

Christina Weiser liest die beiden Erzählungen “Das neue Haus“ und „Der Verlobte“ von Elizabeth Bowen (1899 - 1973) aus dem Band „Sommernacht“.
Die anglo-irische Schriftstellerin Elizabeth Dorothea Cole Bowen hinterließ zahlreiche Erzählungen, Romane, Essays und eine Autobiografie. Sie stand dem Kreis um Virginia Woolf nahe und gehört zu den wichtigsten Schriftstellerinnen ihres Jahrhunderts. Sie ist berühmt für ihre virtuos gestaltete Prosa und gilt als Meisterin der Dialoge. Bowen erhielt zweimal die Ehrendoktorwürde für Literatur.
Ton und Technik: Torben Bunzenthal, Freies Radio Kassel
Redaktion: Friederun Gutmann und Susanne Jakubczyk
Übersetzt von: Sigrid Ruschmeier
Lesung mit freundlicher Genehmigung von Curtis Brown, London, und Anoukh Foerg Literary Agency, München

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 17. Juli 2020, 18 Uhr

 

Johnny Cashs „Mercury Recordings“

Im zweiten Teil unser Vorstellung der „Mercury Recordings“, die Johnny Cash in den späten 80ern einspielte, befassen wir uns mit den Alben „Boom Chicka Boom“ (1990) und „The Mystery Of Life“ (1991) sowie mit dem Projekt „Classic Cash“, für das er 1988 einige seiner alten Hits neu aufnahm. Dieser Teil seiner Karriere gehört nicht unbedingt zu den besonders geschätzten Phasen im Werk des „Man In Black“. Neben seiner legendäre Frühzeit bei Sun Records, neben der klassischen Ära bei Columbia Records und neben dem gefeierten Spätwerk geht die relativ kurze Zeit, die Cash Ende der 80er Jahre beim Label Mercury Records zugebracht hat, zumeist unter. Fans und Kritiker sind sich einig, daß die Platten, die in diesen Jahren erschienen, nicht unbedingt zu den Meisterwerken des Country-Titanen zählen. Aber ist dieses Urteil rückblickend immer noch haltbar? Jetzt kann man sich endlich ausgiebig mit diesen Aufnahmen beschäftigen: Eine kürzlich erschienene CD-Box versammelt erstmals die kompletten Mercury-Alben, die jahrelang nicht greifbar waren und teilweise noch nie auf CD erschienen sind. Wir stellen die Box in der Sendung vor und versuchen herauszufinden, ob der etwas zweifelhafte Ruf, den diese Songs seit 30 Jahren genießen, heute immer noch berechtigt ist.

  • Sendetermin: „Country Classics“, Samstag, 18. Juli 2020, 18 Uhr

 

StadtLabor im Freien Radio Kassel: Afrodeutsche & Schwarze Menschen in Nordhessen

Um sich gegenseitig zu empowern, einen Austausch anzuregen und solidarische Netzwerke zu entwickeln, gründete sich die Initiative "SIDE BY SIDE".
Über Projekte innerhalb des Netzwerks hinaus streben die Initiatorinnen auch gemeinsam mit nicht-Schwarzen Menschen und Institutionen,  Projekte an, um ein besseres Miteinander innerhalb unserer Gesellschaft zu fördern.

Wie sich das gestalten könnte, dazu "experimentieren" SIDE BY SIDE-Mitglieder im StadtLabor.

  • Sendetermin: Donnerstag, 23. Juli, 21 bis 22 Uhr
  • Wiederholung: Freitag 24. Juli, 13 Uhr

Programminfos vom 10.07.2020 bis 16.07.2020

Man lebt so oder so - Eine Sommerlesereihe des Evangelischen Forums Kassel

Jürgen Wink liest die beiden Kurzgeschichten „Schuhe“ und „Schiffe“ von O. Henry aus dem Erzählband „Meistererzählungen“.
Der unter dem Pseudonym O. Henry bekannt gewordene amerikanische Schriftsteller hieß eigentlich William Sydney Porter (1862 - 1910). Er hatte eine Stelle als Journalist der New York World inne und gehörte zu den bestbezahlten Schriftstellern der USA. O. Henry beherrschte die Gattung der Short Story perfekt und gilt als Wegbereiter der modernen Kurzprosa.
1918 stiftete die American Society of Art & Sciences den bis heute verliehenen O. Henry Memorial Award für die jährlich beste Kurzgeschichte.
Ton und Technik: Torben Bunzenthal, Freies Radio Kassel
Redaktion: Friederun Gutmann und Susanne Jakubczyk
Übersetzt von: Christine Hoeppner
Lesung mit freundlicher Genehmigung des Aufbau Verlags, Berlin.
Außerdem in der Sendung: Interview des Podcasts „Kulturnapf“ mit Mitgliedern des Vereins „Schwarts e.V.“ zur Kasseler Gothic-Szene.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 10. Juli 2020, 18 Uhr

 

Hank und die Shakers spielen Ennio Morricone

Der Anlaß dieser Wiederholung unserer Sendung „Wir stellen vor“ vom Januar 2019 ist ein trauriger, nämlich das Ableben des Maestros am 6. Juli in Rom im Alter von 91 Jahren.
Zur Zeit der Entstehung und Präsentation dieses Albums befand er sich 90jährig auf Abschiedstournee rund um die Welt.
Die Kasseler Formation Hank und die Shakers widmete dem Altmeister ihre erste Vinyl-LP. Was, nach einem Pressetext der Kapelle, als „Spinnerei“ begann, wuchs sich zu einem musikalisch interessanten und gelungenen Versuch aus.
Dabei galt es, die zumeist riesigen Orchesterarrangements Morricones (der allerdings, wenn es für die im Film zu erzeugende Atmosphäre gefragt war, ebenso selbstverständlich auch für kleine Ensembles komponierte; Beispiele sind auf der Platte und in der Sendung enthalten) auf eine Besetzung in Combostärke „einzudampfen“. Dieses Wagnis meisterte Frontmann Hank Ockmonic, den wir in der Studiositzung und im Sendesaal als Multiinstrumentalisten und Sänger hören können, vornehmlich aber an Gitarre und Klarinette.
Wohl keinem zweiten Filmkomponisten gelang es wie Ennio Morricone, eine derartige Übereinstimmung von Bild und Musik auf gleichem künstlerischem Niveau zu erreichen. Gerade deshalb steht die Musik auch ohne Filmbild für sich als vollwertiges Ganzes.
Den Geist dieser Kompositionen eingefangen und auf Salonstärke verdichtet zu haben, ist das Verdienst der Kasseler Musiker rund um Hank Ockmonic.
Hank und die Shakers muß man in Kassel eigentlich nicht vorstellen - seit mehr als einem Jahrzehnt ist diese Formation in verschiedenen Besetzungen nun schon auf den Kasseler Bühnen zu erleben.
Die musikalische Bandbreite der Mitglieder reicht dabei vom Punkrock über den Comboswing bis hin zum klassischen Gesang. Beste Voraussetzungen also, immer wieder für eine Überraschung gut zu sein ….
Seit etlichen Jahren steht die Band auch immer wieder im Plattenstudio vor dem Mikrophon - es werden auch „richtige“ Schallplatten bespielt, nicht nur schnöde CDs. Ganz so, wie es der von Hank Ockmonic und seiner Truppe gepflegten Musik entspricht.
Souverän hat Frontmann, Sänger, Gitarrist, Klarinettist und in diesem Falle nicht Komponist, sondern Arrangeur (und „nebenbei“ auch Schöpfer der Hüllengraphik) Hank Ockmonic die ganz verschiedenen Stimmungen und Klangbilder, die Morricones Filmmusik zu erzeugen vermag, auf eine Besetzung aus neun Musikern und dreizehn Instrumenten übertragen.
Die Albumbesetzung bestand aus Hank Ockmonic (Gesang, Klarinette, Framus Sorella, Fender Telecaster, Mandoline, Höfner-Elektrobaß, Klavier, Hammond B100, Perkussion), Anna Palupski (Sopran), Natasha Pandazieva (Mezzosopran), Yana Krasutzkaya (Violine), Liliya Gilmanova (Tasten), Michael Fubel (Kontrabaß), Steffen Knoop (Schlagzeug), Kathy Freiboth (Tuba), Timo Färber (Schlagzeug).
Was im Projektstadium zunächst sogar von der Band selbst als bloße „Spinnerei“ angesehen wurde, hatte schließlich das angesprochene Album zum Ergebnis. Am 26. Januar 2019 stellten Hank und die Shakers die neue Platte mit einem Konzert im großen Saal des Freien Radios Kassel der Öffentlichkeit vor. Einen Querschnitt durch dieses Konzert nebst kurzer Vorstellung der Band sowie weitere Titel von der LP können Sie in unserer Sendung hören.
Die Platte ist in den einschlägigen Kasseler Geschäften zu haben - oder direkt von den Shakers zu beziehen.

  • Sendetermin: „Wir stellen vor“, Samstag, 11. Juli 2020, 19 Uhr
  • Wiederholung: Sonntag, 12. Juli 2020, 11 Uhr

 

Die Savoy Orpheans, Folge 1 - Ausstrahlung der berichtigten Fassung

Bei der Sendung des ersten Teils unserer Reihe über die Savoy Orpheans am 16. Juni wurde versehentlich eine Arbeitsfassung eingesetzt, in der statt zweier vorgesehener Titel, nämlich eines Potpourris aus der Operette „Rose-Marie“ von Rudolf Friml und des allbekannten Charlestons von James P. Johnson, zwei Titel aus der zweiten Folge liefen. Die richtige Fassung bringen wir daher am Sonntagssendeplatz als Einstimmung auf Folge 2 am Hauptsendeplatz „Tanzparkett“ am darauffolgenden Mittwoch.
Synonym für ein großes, weltläufiges Hotel steht u.a. das Londoner „Savoy“. Ein entsprechend anspruchsvolles, in jeder Hinsicht verwöhntes Publikum war und ist daher die Klientel des Hauses.
Auch musikalisch kam dies in den 20er und 30er Jahren zum Ausdruck. Neben der schon einige Zeit etablierten Savoy Havana Band, die einen der Säle bespielte und zu der wir in einer andern Sendefolge auch kommen wollen, wurden im Laufe der 20er Jahre noch andere Kapellen engagiert. Eine weitere feste Besetzung des Hauses waren die Savoy Orpheans. Dieser Formation widmen wir voraussichtlich drei Sendungen im „Tanzparkett“.
Nicht nur bei den Hotelgästen waren die Kapellen beliebt, sondern auch bei den Schallplattenkäufern, denn sie boten Aufnahmen ansprechender, moderner Tanzmusik mit Hotsolistik.
Wir beginnen im Februar 1924, als die Orpheans noch von Debroy Somers geleitet wurden. Der spätere Chef der Savoy Orpheans, Carroll Gibbons, dessen Name einigen Hörern sicher noch von den auch in Deutschland recht viel gekauften Platten der Kapelle aus den 30er Jahren geläufig sein dürfte, ist hier schon als Pianist dabei.
Die Savoy Orpheans hatten einen Exklusivvertrag bei der englischen Columbia. Sie spielten jedoch auch Platten für His Master’s Voice ein - allerdings unter dem Pseudonym „The Romaine Orchestra“, denn sonst hätten die Columbialeute den lukrativen Vertrag gekündigt. Doch schließlich unterbreitete die HMV ein noch besseres Angebot, denn ab Oktober 1924 findet sich die Band nur noch auf diesem Etikett - unter dem richtigen Orchesternamen.
Im ersten Teil kommen wir bis in die frühelektrische Aufnahmephase. Die ersten uns vorliegenden elektrischen HMV-Aufnahmen mit den Orpheans entstanden am 7. Juli 1925 im Studio des Preßwerks der HMV in Hayes, Middlesex.
Durch die Sendung begleitet Sie Thomas Sosna.

  • Sendetermin: „Tanzparkett extra“, Sonntag, 12. Juli 2020, 17 Uhr
  • Wiederholung: Montag, 13. Juli 2020, 9 Uhr

 

Ein europäisches Lieferkettengesetz und die Rolle der Deutschen Ratspräsidentschaft

Diskussion mit Didier Reynders (EU-Justizkommissar), Maria Flachsbarth  (Parlamentarische Staatssekretärin, Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung), Sven Giegold und Anna Cavazzini, (Grüne Fraktion im Europaparlament) und weiteren Expert/-innen von NGOs und Wirtschaft am 11.6.2020. Verbindliche Regeln entlang der Lieferketten fordern viele Akteure in der Zivilgesellschaft schon lange. EU-Justizkommissar Didier Reynders kündigte vor kurzem einen Vorschlag für ein europäisches Lieferkettengesetz in 2021 an. Eine solche gesetzliche Regelung würde sicherstellen, daß Unternehmen
Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörungen in ihren Lieferketten präventiv begegnen und Verstöße geahndet werden können.

Ein Lieferkettengesetz wird auch auf deutscher Ebene benötigt und diskutiert. Seit Anfang Juli 2020 hat Deutschland die EU-Ratspräsidentschaft inne. Wie sieht die Initiative der EU-Kommission aus? Wie könnte
die Bundesregierung das Thema nachhaltiger Lieferketten in der Ratspräsidentschaft voranbringen?

  • Sendetermin: „attac-Radio“, Dienstag, 14. Juli 2020, 21 Uhr

 

Only Vinyl – Die 500. Sendung

Moderator Mathias Welp: Warum ich noch immer auflege – und dabei auflebe!

„Mit 66 Jahren fängt das Leben bekanntlich erst an. Für die meisten Radiomoderatoren hört es aber spätestens dann schon auf. Pech gehabt? Nein. Einfach nochmal anfangen! Alles von vorn? Wie bitte? Im Ernst?
Zwei EMT-Plattenteller, rechts und links, zwei alte Bandmaschinen, zwei Jingleplayer.
Los geht’s! So wie früher, in den analogen 70ern?
Ja, ganz genau so!
Ich rieche förmlich noch die Studioluft bei SR1 Europawelle Saar, da sendete ich abends. Bei Südfunk Stuttgart (früher SDR3) machte ich Frühsendungen - immer meinen Vinyl-koffer dabei. Das ist fast 45 Jahre her. Die Zeiten sind nicht besser geworden und das Radio leider auch nicht.
Für Axel Springer war ich zwei Sommer lang in Italien: Radio Adria hieß der Urlaubssender ohne Ledercouch im Vestibül, ohne Kasino, Fuhrpark, Pförtner.
Dafür hinterließen die Strandgäste ihren Sand im Mischpult. Eine harte Schule. Aber es hat Spaß gemacht, vielleicht soviel wie 40 Jahre Verlags- und Fernseharbeit zusammen, die noch folgen sollten.
Damals, Anfang der 80er, schrieb ich im Playboy eine kecke Glosse: „Macht endlich Dampf im Radio!“
Motto: Schafft die Intendanten ab, ich mach´s alleine.
So verkrustet schien dem jungen Heißsporn damals das ausschließlich öffentlich-rechtliche Programm. Die Privatisierung des Hörfunks stand bevor. Endlich: Pionierzeit. Der damalige Hörfunkdirektor des NDR, Prof. Wolfgang Jäger ging auf die Palme. Wie recht er hatte.
Denn dreißig Jahre später wissen wir es besser. Die  ARD-Sender waren kein Beamtenfunk, sondern nur recht durchdachtes Einschaltradio, das nur ein paar Lockerungsübungen brauchte.
Dann kam es zur Erbsünde der Durchhörbarkeit. Den ganzen Tag dieselbe Musikfarbe – letztlich ein Diktat der Werbung, die sicherer auf  Kundschaft zielen will.
Was haben nun viele Hundert Privatstationen und Web-Radios gebracht? Volle Werbeblöcke, gute Umsätze. Und obercoole Phrasenstrippen, die in gestelztem Jungjargon schon morgens auf den Nerv gehen („Noch dreimal schlafen bis zum Wochenende“, „Gestern war Mädelsabend“, „Likest Du diese App?“) - und diese Brillanz auch noch in Stereo, also paarweise. Leider wird die Sorge oft mitübertragen, nicht allzu witzig zu sein. Hörer könnten immerhin abspringen.
Aber Geschmackssache. Millionen lassen sich geduldig amüsieren, keine Frage: „Ich wünsche Ihnen viel Spaß“ bis „ich hoffe, es hat Ihnen Spaß gemacht“ – da ist der Spaß dann jedenfalls für mich vorbei.
Dafür braucht es die Privaten nicht. Das konnte die ARD sogar schon in den 50ern, als meine Hörerlebnisse noch ungetrübt begannen.
Das Ärgerlichste aber  liegt  noch  ganz  woanders:  In  der mangelnden Vielfalt. „Die 80er, 90er und das Beste von heute“ tönt es strategisch von allen Wellen oder „Ihre Lieblingshits – genau meins“.
Solches Geclaime verrät Mainstream, also den Einheitsbrei, wie aufregend!
Warum nicht zwischendurch mal „deins“? Es schreit nach Regelverletzern, nach Radioleuten, die gegen den Strom schwimmen. Nach Sendungen mit Kanten und Ecken, die nach etwas riechen und schmecken. Mit Comedy auf allen Frequenzen  ist es kaum getan.
Auch viele Sprecher variieren in ihrer überschlagenden Fröhlichkeit kaum noch. Wohl weil die Sender inflationiert sind. Aus einigen Dutzend Mikrofon-Persönlichkeiten wurden abertausende meist anbiedernde Radiostimmen, die ihr „Produkt Sender“ zu verkaufen haben.  
Prominente Matadore, die es so gesehen früher leichter hatten, sind abgetreten: Fred Metzler, Hans Karl Schmidt (Atze), Elmar Gunsch, Sexauer und Heck. Achim Graul ist im Ruhestand. Hoffentlich hören wir von Thomas Gottschalk, Carlo von Tiedemann oder Werner Reinke noch lange was. Stimmen, denen man folgt, auch wenn die sich kaum um was bemühen.
Hier geht es nicht um Spartenradio, das funktioniert. Die ARD-Sender haben ihr breites Angebot von Info und Kultur, Klassik, Schlager und Pop-Rock hervorragend aufgefächert.
Gemeint sind große AC-Wellen für die breiten Massen, seien sie öffentlich-rechtlich oder rein kommerziell. Was macht den Unterschied?
Bei den Privaten sind es ein paar Gewinnspiele mehr, weil sie allein von Werbung leben müssen, das ist verständlich.
Playlists, die -wenn überhaupt- gerade mal an ein paar Hundert Titel stoßen, rotieren die Charts der Neuerscheinungen oder Oldies rauf und runter. Bei Jugendwellen glaubt man sogar, der Vorrat passte auf eine CD. Fehlanzeige für den, der auch mal die Pogues, Steely Dan oder Boz Scaggs erwartet. Schon solche bekannten Namen hat kaum ein Studiorechner auf dem Schirm, geschweige denn King Crimson, Alexis Korner oder Anne Clark.
„Nicht gängig genug“, sagt die Musikredaktion? Hallo! Was nicht läuft, kann auch nicht gefallen! Felix Jaehn und Rita Ora, die Bee Gees und Elton John sollen ja – aber bitte im Mix mit Ausreißern, die leider fehlen und somit Sendungen zum Mitsingen riskieren. Wie sagte mir doch mal der legendäre HR-Unterhaltungschef Hanns Verres: „Wir sollten nicht nur spielen, was die Hörer hören wollen, sondern auch das, was sie hören sollten!“ Das hat nichts mit Bevormundung zu tun, aber mit Angebot.
So. Was will er nun eigentlich anders machen, der „oberschlaue alte Vinyl-Matz“ mit seinen Plattenspielen? Gewiss hat er einen anspruchsvollen Mix aus Pop und Rock, Punk, Folk und Country auf den Tellern, manchmal klingt es sogar jazzig. Die Moderation vrecht knackig, wenn´s geht, mit uralten Jingles und Overtalks über den Intros. Eben old-school AFN- und BFBS/BFN-Style. Und bitte: Überraschungen im Programmablauf. Ich weiß selbst nie, wie der endet. Schnelle Sendungen gerne, solange noch Stimme und Birne mitmachen.  
Nicht jedermanns Ding, ich bitte um Nachsicht. Aber genau hier liegt die Chance von kleinen Lokal- und Regionalsendern, teils mit offenem Bürgerzugang: Ausbruch auf der ganzen Linie. Keine Werbung, kein Formatzwang oder Quotendruck. Media-Analysen lassen ehrenamtliche Radiomacher kalt. Die sind nicht werberelevant. Die Hörertelefone klingeln trotzdem.
Die „Plattenspiele mit Matze – Only Vinyl“ kochen gerade 500 mal, zugegeben auch nur mit Wasser. Gerne mit kleinen Stolpersteinen, die dann hoffentlich zu spontanen Geschichtchen werden, persönlichen Erinnerungen rund um die Vinylplatte. Ich liebe sogar Patzer, sie sollten nur nicht abgegriffen sein. Radio hat mein Leben infiziert. Genesung bleibt recht unwahrscheinlich.“

  • Sendetermin: „Only Vinyl“, Dienstag, 14. Juli 2020, 22 Uhr

 

Die Savoy Orpheans, Folge 2

Im Juli 1925 war die englische His Master‘s Voice (HMV) zum elektrischen Aufnahmeverfahren übergegangen - ein Jahr vor den meisten deutschen Plattenfirmen.
Die neue Technik bot den Orchestern neue Entfaltungsmöglichkeiten, denn nun war es nicht mehr nötig, Arrangements, Orchesteraufstellung, Instrumentierung und Spielweise auf die Unzulänglichkeiten der mechanisch-akustischen Aufnahmeapparatur abzustimmen. Zwar forderte auch die Aufnahme über das Mikrophon den Orchestern Änderungen gegenüber dem normalen Konzert- oder Tanzsaalbetrieb ab, doch weit weniger als bisher.
Ab der Aufnahmesitzung vom 19. April 1926 leitet nicht mehr Debroy Somers die Savoy Orpheans, sondern der Geiger Ramon Newton, denn Somers nahm nun mit einer eigenen Tanzkapelle für die Columbia auf. Noch im selben Jahr übernahm allerdings der Pianist der Band, Carroll Gibbons, den Dirigentenstab. Newton wurde ersetzt und gleichzeitig der Streichersatz auf drei Mann erweitert. Von ihnen dürfte Sydney Kyte am interessantesten sein, der später ebenfalls ein eigenes Orchester leiten sollte. Auch die übrige Besetzung wurde unter Gibbons‘ Leitung  recht weitgehend geändert.
Nach einer kurzen Interimszeit mit zwei anderen Leitern und weiteren Besetzungsumstellungen  übernahm Gibbons erneut das Orchester und sollte nun die Fäden bis in die 30er Jahre in der Hand behalten.
Anscheinend zur eingehenden Erprobung der neuen Apparatur fanden etliche Aufnahmesitzungen der Orpheans über einen längeren Zeitraum hinweg im Studio des Preßwerks der HMV in Hayes, Middlesex, statt. So war es leichter, Testpressungen (oder ggf. unter Zerstörung derselben auch Originalmatrizen) abzuhören und unmittelbar Änderungen an den Aufnahmebedingungen vorzunehmen und Erfahrungen im Umgang mit dem neuen Verfahren zu sammeln. Bald spielte die Band auch wieder Aufnahmen im Londoner Studio ein. Um in öffentlichen Musiksälen wie der Small Queen‘s Hall Platten aufzunehmen, ließ die HMV sich obendrein in London Postleitungen von dort zum Studio schalten. Dieses Verfahren wurde z.B. auch von ihrer Berliner Tochterfirma Electrola angewandt.
1928 endete die Tätigkeit der Orpheans für die HMV; im Januar jenes Jahres aufgenommene Tests bleiben unveröffentlicht. Nach einer Kontinentaltournee mit der alten Besetzung, wobei das Orchester im März ‘28 auch in Berlin auftrat und für die Homocord Einspielungen mit Billy Barton als Gastmusiker an Klarinette und Saxophon machte, schloß Gibbons einen Vertrag mit dem Kleinetikett Dominion.
Im Oktober 1931 kehrte Gibbons mit den Savoy Orpheans zur Columbia zurück, von der die Orpheans ziemlich genau sieben Jahre zuvor zur HMV gewechselt waren, jedoch wiederum mit anderem Personal. Dies wird Thema einer weiteren Folge sein.
Durch die Folge führt Thomas Sosna.

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 15. Juli 2020, 21 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 16. Juli 2020, 13 Uhr

Prgramminfo für den 04.07.2020

Johnny Cashs „Mercury Recordings“

Ganz klar: Am Nationalfeiertag der USA kann in einer Country-Sendung natürlich nur DIE amerikanische Ikone schlechthin laufen – Johnny Cash höchstpersönlich. Allerdings: Der Teil seiner Karriere, den wir heute unter die Lupe nehmen wollen, gehört nicht unbedingt zu den besonders geschätzten Phasen im Werk des „Man In Black“. Neben seiner legendäre Frühzeit bei Sun Records, neben der klassischen Ära bei Columbia Records und neben dem gefeierten Spätwerk geht die relativ kurze Zeit, die Cash Ende der 80er Jahre beim Label Mercury Records zugebracht hat, zumeist unter. Fans und Kritiker sind sich einig, daß die Platten, die in diesen Jahren erschienen, nicht unbedingt zu den Meisterwerken des Country-Titanen zählen. Aber ist dieses Urteil rückblickend immer noch haltbar? Jetzt kann man sich endlich ausgiebig mit diesen Aufnahmen beschäftigen: Eine kürzlich erschienene CD-Box versammelt erstmals die kompletten Mercury-Alben, die jahrelang nicht greifbar waren und teilweise noch nie auf CD erschienen sind. Wir stellen die Box in der Sendung vor und versuchen herauszufinden, ob der etwas zweifelhafte Ruf, den diese Songs seit 30 Jahren genießen, heute immer noch berechtigt ist.

  • Sendetermin: „Country Classics“, Samstag, 4. Juli 2020, 18 Uhr

Programminfos vom 26.06.2020 bis 01.07.2020

Theaterspielzeit 2019/20 – Rückschau und Ausblick mit dem Intendanten

In der letzten Veranstaltung der traditionsreichen Reihe „Resonanzboden“ in dieser Saison beantwortete Staatstheater-Intendant Thomas Bockelmann im Opernfoyer Fragen zur noch laufenden und gab einen Ausblick auf die kommende Spielzeit. Natürlich stand insbesondere die Situation des Theaters in Virus-Zeiten im Mittelpunkt. Wie genau sich Thomas Bockelmanns letztes Jahr als Intendant gestalten wird, hängt in erster Linie davon ab, was in der neuen Spielzeit, die im September startet, unter gesundheitlichen Aspekten möglich ist und was nicht. Der langjährige Theaterchef blickt aber optimistisch in die Zukunft, wie er im Gespräch mit dem Staatstheater-Förderverein erläuterte.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 26. Juni 2020, 18 Uhr

 

US-Bigband-Swing, Folge 1

Wir swingen wieder - swingen Sie mit:  Sie hören in dieser Ausgabe das Casa Loma Orchestra, Larry Clinton, Ben Pollack, Louis Russell, Taft Jordan and the Mob, Glenn Miller und seine erste Band, Victor Young und Bobby Sherwood.
Der Aufnahmezeitraum erstreckt sich diesmal von der Vorswingzeit (1932), als es schon progressive Orchester gab, die das Kommende vorwegnahmen, bis 1942, also in die Abenddämmerung der klassischen Swingära, schon nach dem Eintritt der USA in den Krieg. Kurz darauf streikte die US-Musikergewerkschaft, und die Musikszene änderte sich komplett.
Am Mikrophon: Peter Michael.

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 1. Juli 2020, 21 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 2. Juli 2020, 13 Uhr

Programminformation für den 21.06.2020

Zum Tode von Vera Lynn

Am 18.Juni starb im biblischen Alter von 103 Jahren die britische Schlagersängerin Vera Lynn.
Ihre Funk- und Plattenkarriere begann die am 20. März 1917 in East Ham, Essex, als Vera Margaret Welch geborene Sängerin in den 30er Jahren. Der Künstlername Lynn war der Mädchenname ihrer Großmutter. Man hörte sie zunächst als Refrainsängerin bei verschiedenen Londoner Kapellen. Fest engagiert war sie ab 1937 bei Bert Ambrose. Zum Liebling der Nation wurde sie durch ihren 1939 erstmals aufgenommenen Titel „We’ll Meet Again“, der wie kaum ein anderer die Hoffnung der Briten auf ein Wiedersehen mit ihren Lieben ausdrückte - gleichsam ein englisches Pendant zum deutschen Chanson „Lili Marlen“. Auftritte in Rüstungsbetrieben und an den Fronten festigten Lynns Popularität.
Nach der Fortsetzung ihrer Karriere durch die 50er Jahre hindurch neigte Vera Lynns musikalisches Interesse in den 60ern mehr zum Jazz als zum Schlager (für die nun aktuelle Beatmusik war sie zu alt), doch blieb ihre Popularität trotz der Abkehr des Massenpublikums vom Jazz ungebrochen, da sie einen wesentlichen moralischen Beitrag zum Sieg der Briten im Kriege geleistet hatte. 1969 wurde sie in den Order of the British Empire aufgenommen und 1975 von Königin Elisabeth II. geadelt.
2009 nahm sie ein Album auf, das Platz 1 in der englischen Hitparade erreichte und ihr damit den Eintrag als älteste lebende Sängerin mit einem Top-20-Album sicherte. 2014 folgte noch eine CD; zu ihrem 100. Geburtstag wurde 2017 ein weiteres Album mit einer Neuauflage älterer Aufnahmen herausgegeben, das in England auf Platz 3 kam. Um Spenden für die Opfer der Corona-Pandemie zu erzielen, sang sie noch im April 2020 erneut „We’ll Meet Again“ ein, hier im Duett mit Katherine Jenkins.
Dame Vera Lynn starb am 18. Juni 2020 in ihrem Haus in Ditchling, East Sussex.
Wir bringen Ihnen eine Auswahl an Platten von Vera Lynn vom Beginn ihrer Karriere bis in die Nachkriegszeit.
Am Mikrophon: Thomas Sosna.

  • Sendetermin: „Tanzparkett extra“, Sonntag, 21. Juni 2020, 17 Uhr
  • Wiederholung: Montag, 22. Juni, 9 Uhr

Programminfos vom 17.06.2020 bis 19.06.2020

Die Savoy Orpheans, Folge 1

Synonym für ein großes, weltläufiges Hotel steht u.a. das Londoner „Savoy“. Ein entsprechend anspruchsvolles, in jeder Hinsicht verwöhntes Publikum war und ist daher die Klientel des Hauses.
Auch musikalisch kam dies in den 20er und 30er Jahren zum Ausdruck. Neben der schon einige Zeit  etablierten Savoy Havana Band, die einen der Säle bespielte und zu der wir in einer andern Sendefolge auch kommen wollen, wurden im Laufe der 20er Jahre noch andere Kapellen engagiert. Eine weitere feste Besetzung des Hauses waren die Savoy Orpheans. Dieser Formation widmen wir voraussichtlich drei Sendungen im „Tanzparkett“.
Nicht nur bei den Hotelgästen waren die Kapellen beliebt, sondern auch bei den Schallplattenkäufern, denn sie boten Aufnahmen ansprechender, moderner Tanzmusik mit Hotsolistik.
Wir beginnen im Februar 1924, als die Orpheans noch von Debroy Somers geleitet wurden. Der spätere Chef der Savoy Orpheans, Carroll Gibbons, dessen Name einigen Hörern sicher noch von den auch in Deutschland recht viel gekauften Platten der Kapelle aus den 30er Jahren geläufig sein dürfte, ist hier schon als Pianist dabei.
Die Savoy Orpheans hatten einen Exklusivvertrag bei der englischen Columbia. Sie spielten jedoch auch Platten für His Master’s Voice ein - allerdings unter dem Pseudonym „The Romaine Orchestra“, denn sonst hätten die Columbialeute den lukrativen Vertrag gekündigt. Doch schließlich  unterbreitete die HMV ein noch besseres Angebot, denn ab Oktober 1924 findet sich die Band nur noch auf diesem Etikett - unter dem richtigen Orchesternamen.
Im ersten Teil kommen wir bis in die frühelektrische Aufnahmephase. Die ersten uns vorliegenden elektrischen HMV-Aufnahmen mit den Orpheans entstanden im Juli 1925.
Durch die Sendung begleitet Sie Thomas Sosna.

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 17. Juni 2020, 21 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 18. Juni 2020, 13 Uhr

 

Ortsvorsteher im Gespräch

Aus 23 Stadtteilen besteht Kassel – und jeder Stadtteil hat einen eigenen Ortsbeirat, der jeweils von einem Ortsvorsteher bzw. einer Ortsvorsteherin geleitet wird. Auch wenn gelegentlich über die Frage debattiert wird, ob die Ortsbeiräte (als ehrenamtlich besetzte Gremien) tatsächlich größeren Einfluß auf die politischen Entscheidungen der Stadt haben, so fungieren die Beiräte dennoch als wichtige Ansprechpartner für Bürgerinnen und Bürger und als Schnittstelle zwischen dem jeweiligen Stadtteil und der „großen“ Politik im Rathaus.
Klaus Schaake, Moderator der FRK-Sendungen „Stadtlabor“ und „Viaje Radial“, hat sich vorgenommen, für seinen neuen Podcast „Stadtteilzeit“ sämtliche 23 Kasseler Ortsvorsteher zu befragen. Den Anfang machen Sabine Wurst (Mitte), Steffen Müller (Südstadt) und Kerstin Saric (Südstadt) – wir senden die Interviews.

Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 19. Juni 2020, 18 Uhr

 

Bernd und Hardy live

Ein Kabarettist und Bestsellerautor feiert Jubiläum: Seit 25 Jahren ist Bernd Gieseking mit „Ab dafür! – der satirische Jahresrückblick“ auf den Bühnen der Republik unterwegs. Und nun kommt dieses Jubiläum auf die Bühne: Gieseking blickte beim „Sommer im Park 2019“ in Vellmar mit seinen besten Texten zurück auf 25 Jahre Bundesrepublik Deutschland mit ihren Parteispenden, Skandalen und Jubiläen, von Kohl bis Merkules, von Dolly dem Klon-Schaf bis zum Rinderwahnsinn, vom Ende der D-Mark bis zum Neuen Markt, vom Atomausstieg bis zum Insektensterben: eine satirische Tour de Force.
Natürlich war Konfusion dabei, der ostwestfälische Weise: „Das Schöne am Erinnern ist, es hilft gegen das Vergessen!“
Aus Giesekings Stammkneipe, der Fischlounge, standen Wirt Herbert und Karl parat, der Dichter, der noch nie über einen Zweizeiler hinaus gekommen ist: „Die NSA lauscht in der Nacht – was Merkel vor dem Frühstück macht.“
Für Vellmar konnte Bernd Gieseking einen tollen Gast gewinnen: Hardy EL Kurdi begleitete den Abend mit Kommentaren, Randbemerkungen und historischen Auskünften aller Art.
Satire und Komik, Kommentar und Nonsens über den alltäglichen Wahnsinn: all das ist „Ab dafür! Deluxe“. Eine rasante Achterbahnfahrt voller Sprachwitz, präsentiert vom Meister und Urvater des satirischen Jahresrückblicks: Bernd Gieseking.
Gast: Hardy El Kurdi

  • Sendetermin: „Kabarett live“, Freitag, 19. Juni 2020, 22 Uhr

Programminfos vom 12.06.2020 bis 18.06.2020

König des Glam Rock – Zum Tod von Steve Priest

Sie waren DIE Teenager-Attraktion der frühen 70er Jahre: Acht Nummer-1.-Hits konnten die Sweet zwischen 1971 und 1975 in den deutschen Verkaufscharts verbuchen, dreimal wurden sie von den Lesern der BRAVO als „beste Band des Jahres“ mit dem „Goldenen Otto“ ausgezeichnet. Die vier Glam-Rocker aus Britannien begeisterten ihr zumeist jugendliches Publikum mit eingängigen, einfach gestrickten Hits vom Fließband – „Little Willy“, „Wig Wam Bam“, „Blockbuster“ oder „Ballroom Blitz“ sind nur einige der Schlager irgendwo zwischen Bubblegum-Pop und Hardrock, mit denen die Band damals monatelang die Radiowellen verstopfte. Nun ist Steve Priest, Mitbegründer und Bassist von The Sweet, im Alter von 72 Jahren gestorben – Sänger Brian Connolly und Schlagzeuger Mick Tucker weilen schon lange nicht mehr unter den Lebenden, so daß mit Gitarrist Andy Scott jetzt nur noch ein Mitglied der legendären Band übrig ist. Steve Priest war der heimliche Star der Gruppe, ein Publikumsliebling, der mit seiner Bühnenshow und seinem exzentrischen Outfit für viel Aufmerksamkeit sorgte. So trat er etwa in einer Weihnachtssendung des britischen Fernsehens als schwuler SS-Mann mit Uniform, Hakenkreuzbinde und dick geschminkt auf. Als Bassist prägte er den Sound der Band – besonders in den späteren Jahren, als sich The Sweet stärker dem Hardrock zuwandten. Wir erinnern in dieser Spezialausgabe des „Themenwechsels“ an Steve Priest und an die goldene Ära des Glam Rock.
Außerdem stellen wir eine neue Clint-Eastwood-Biographie vor – der Schauspieler und Regisseur wurde kürzlich 90, denkt aber offenbar noch lange nicht ans Aufhören.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 12. Juni 2020, 18 Uhr

 

Johnny Dyer - "Shake it!"

Johnny Dyer war, obgleich eher ein Geheimtipp unter den hiesigen Bluesliebhabern, ein äußerst eindrucksvoller Harpspieler seit den 60er Jahren. Er spielte mit Jimmy Reed, J.B. Hutto und Jimmy Rogers zusammen, war gefragter Sidekick bei großen Festivals. Auf Schallplattenaufnahmen tauchte er leider eher selten auf. Die Zusammenarbeit mit dem Blues-Rock-Gitarristen Rick Holmstrom holte ihn während der 90er Jahre aus der Versenkung. Sie wurden gefragte Acts bei Festivals und machten gemeinsam auch Platten. In dieser Folge zu hören: "Shake it!" (1995 / Black Top Records, New Orleans)

  • Sendetermin: “Long Distance Call”, Samstag, 13. Juni 2020, 18 Uhr

 

Black Bands of the 30s

Wir swingen wieder  - swingen Sie mit!
Diesmal auf dem Plattenteller: Die Orchester von Claude Hopkins, „Hot Lips“ Page, James P. Johnson, Earl Hines, Harlan Leonard, Andy Kirk und Harlan Lattimore bzw. Don Redman.
Am Mikrophon: Peter Michael.

  • Sendetermin: „Tanzparkett extra“, Sonntag, 14. Juni 2020, 17 Uhr
  • Wiederholung: Montag, 15. Juni 2020, 9 Uhr

 

R.A.M. Pietsch - "Norwegian Wood"

Aha, es dreht sich diesmal um die Beatles. Sie können Zeiten wie diese sicherlich stimmungsmäßig um so einiges aufhellen. Wer jedoch ist bzw. war R.A.M. Pietsch??  Lange wurde über dieses Pseudonym gerätselt. Klingt spannend - ist es aber nicht wirklich. Rainer Pietsch, geboren 1944, war eher im Hintergrund in den damals angesagten Aufnahmestudios in München als Arrangeur, Tonsetzer, Produzent und Schlagermacher recht fleißig. Die 1970/80er waren seine große Zeit: Michael Holm und die damals gefragte Amanda Lear hatten ihm so einiges zu verdanken. Und er schrieb auch das Orchester-Arrangement für das Titelstück von Freddie Mercurys erster Soloplatte ("Mr. Bad Guy"). Eine gewisse Berühmtheit erlangte Pietsch 1975 beim ESC (damals noch Grand Prix) in Zusammenhang mit Joy Fleming.
Der Lonesome Traveler wurde bei der Cover-Gestaltung der erwähnten "Norwegian Wood"-Ausgabe neugierig. Sie stammt von niemand geringerem als dem Berliner Urgestein Klaus Voormann, der seinerzeit die wilden 60er Kiez-Jahre der Beatles in Hamburg begleitet hatte. Sie waren befreundet; Klaus Voormann ist der Künstler, der ihr legendäres "Revolver"-Albumcover 1966 gestaltet hat - und der in der Folge zum gefragten Bassisten aufstieg: Manfred Mann, John Lennon, Lou Reed, Carly Simon, Randy Newman, B.B. King u.a.  Pietsch hat übrigens später auch der Neuen Deutschen Welle wirkungsvolle Impulse gegeben - Trio, Marius Müller-Westernhagen, Nena, Heinz Rudolf Kunze usw. Klaus Voormann blieb den Beatles freundschaftlich verbunden. Er lebte etliche Jahre in Los Angeles, heute am Starnberger See. Ein vielseitiger Künstler - seine "Norwegian Wood"-Version ist ein echter Hin-Hörer.
Diese Folge ist der Auftakt zu einer lockeren 60/70er Oldie-Reihe, die auch in der dreistündigen Langversion als Samstags-"Lange Rille" jeweils ab 21 Uhr hier gesendet wird. Die frühen Kinks, die im Windschatten der sog. British Invasion segelten, werden den Reigen eröffnen.

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 14. Juni 2020, 22 Uhr

 

Live aus dem Funkhaus: SPEICHER/WOLF/SCHIPPER

Martin Speicher       Saxophone, Klarinette
Georg Wolf               Kontrabass
Jörn Schipper          Schlagzeug

Zeitenbedingt findet das Konzert leider unter Ausschluß der Öffentlichkeit vor Ort statt. Aber man kann die Übertragung im Radio genießen.

  • Sendetermin: „Fangschalltung“, Montag, 15. Juni 2020, 20 Uhr

 

Die Savoy Orpheans, Folge 1

Synonym für ein großes, weltläufiges Hotel steht u.a. das Londoner „Savoy“. Ein entsprechend anspruchsvolles, in jeder Hinsicht verwöhntes Publikum war und ist daher die Klientel des Hauses.
Auch musikalisch kam dies in den 20er und 30er Jahren zum Ausdruck. Neben der schon einige Zeit  etablierten Savoy Havana Band, die einen der Säle bespielte und zu der wir in einer andern Sendefolge auch kommen wollen, wurden im Laufe der 20er Jahre noch andere Kapellen engagiert. Eine weitere feste Besetzung des Hauses waren die Savoy Orpheans. Dieser Formation widmen wir voraussichtlich drei Sendungen im „Tanzparkett“.
Nicht nur bei den Hotelgästen waren die Kapellen beliebt, sondern auch bei den Schallplattenkäufern, denn sie boten Aufnahmen ansprechender, moderner Tanzmusik mit Hotsolistik.
Wir beginnen im Februar 1924, als die Orpheans noch von Debroy Somers geleitet wurden. Der spätere Chef der Savoy Orpheans, Carroll Gibbons, dessen Name einigen Hörern sicher noch von den auch in Deutschland recht viel gekauften Platten der Kapelle aus den 30er Jahren geläufig sein dürfte, ist hier schon als Pianist dabei.
Die Savoy Orpheans hatten einen Exklusivvertrag bei der englischen Columbia. Sie spielten jedoch auch Platten für His Master’s Voice ein - allerdings unter dem Pseudonym „The Romaine Orchestra“, denn sonst hätten die Columbialeute den lukrativen Vertrag gekündigt. Doch schließlich  unterbreitete die HMV ein noch besseres Angebot, denn ab Oktober 1924 findet sich die Band nur noch auf diesem Etikett - unter dem richtigen Orchesternamen.
Im ersten Teil kommen wir bis in die frühelektrische Aufnahmephase. Die ersten uns vorliegenden elektrischen HMV-Aufnahmen mit den Orpheans entstanden im Juli 1925.
Durch die Sendung begleitet Sie Thomas Sosna.

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 17. Juni 2020, 21 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 18. Juni 2020, 13 Uhr

 

Programminfos vom 05.06.2020 bis 07.06.2020

Marcel zum 100.

Er war der Liebling aller Stimmenimitatoren und Kabarettisten; seine charakteristische Sprechweise war legendär. Unter den Autoren war er gefürchtet – seine meinungsstarke, oft ätzende Kritik konnte Karrieren befördern oder auch vernichten. Kein deutscher Literaturkritiker war jemals so einflußreich und populär wie Marcel Reich-Ranicki – bis heute gilt er als Prototyp des engagierten Rezensenten. Aber sein Bekanntheitsgrad reichte weit über die Literaturszene hinaus; durch seine zahllosen Fernsehauftritte (u.a. im „Literarischen Quartett“) war er einem Millionenpublikum bekannt und erreichte auch Menschen, die nie in ihrem Leben ein Buch in die Hand genommen haben.
1999 veröffentlichte der 2013 verstorbene Reich-Ranicki seine Autobiographie, in der er seine bewegte Geschichte als polnisch-deutscher Jude während der NS-Zeit ebenso schildert wie seine spätere Karriere als Kritiker und Zeitungsredakteur. Das Buch wurde zum Bestseller; Reich-Ranicki stellte seine Memoiren bei zahlreichen Lesungen vor. Auch in Kassel war er zu Gast: Auf Einladung der (inzwischen geschlossenen) Buchhandlung Lometsch las er im Oktober 1999 im vollbesetzten Anthroposophischen Zentrum. Aus Anlaß seines 100. Geburtstags in dieser Woche senden wir noch einmal den historischen Mitschnitt.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 5. Juni 2020, 18 Uhr

 

Martin Frank – Schwarzhumoriges Kabarett aus Passau

Das nennt man wohl einen „Sensationserfolg“: Bei der Verleihung des Hessischen Kabarettpreises im Frühjahr 2019, die in der Kulturhalle Niedervellmar stattfand, spielte Martin Frank innerhalb von 20 Minuten die Konkurrenz regelrecht an die Wand. Das Publikum begeisterte sich für den Wortwitz und den schwarzen Humor des bayrischen Kabarettisten – und wenige Monate später stand er solo auf der Bühne des Piazza, um sein komplettes Programm zu spielen. Der Laden war voll, die Zuschauer amüsierten sich köstlich. Wir senden heute den Mitschnitt.
Martin Frank wurde 1992 in Hutthurm (Lkrs. Passau) geboren. Aufgewachsen auf dem elterlichen Bauernhof, absolvierte er 2009 eine Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten und anschließend eine Weiterbildung zum Standesbeamten. Künstlerisch tobte er sich mit Klavierunterricht, Kirchenchor und Volkstheater auf der Heimatbühne seit seinem 12. Lebensjahr aus.
Schnell wurde ihm klar, daß er sich mehr und mehr der Kunst widmen möchte. Er absolvierte eine Ausbildung zum Kirchenorganisten und schloß sich dem Jugendclub des Stadttheaters Passau an.
Im Alter von 16 Jahren stellte er sich zum ersten Mal mit selbstverfaßten Texten auf die Bühne. Mit 21 setzte er alles auf eine Karte und kündigte seinen Job im Standesamt, holte sein Abitur nach und sprach an der Schauspielschule Zerboni in München vor. Trotz seines massiven Sprachfehlers (bairischer Dialekt) wurde er aufgenommen und schloß seine Schauspielausbildung 2017 nach drei Jahren erfolgreich ab.
Während dieser Zeit war der Bühnendrang jedoch so groß, daß er im Oktober 2015 sein erstes Soloprogramm "Alles ein bißchen anders – Vom Land in d’Stadt" im ausverkauften Münchner Schlachthof (es war allerdings der kleinste verfügbare Raum) präsentierte. Das sehr autobiografische Programm stieß auf große Resonanz und wurde mehrfach ausgezeichnet.
Nach der Schauspielschule folgte ein erstes Theaterengagement im Münchner Lustspielhaus, dort spielt er bis heute die Titelrolle in "Siegfried – Götterschweiß und Heldenblut" unter der Regie von Gabi Rothmüller. Das Stück steht bis auf weiteres im Spielplan. Außerdem ist er seit Dezember 2017 regelmäßig als Außenreporter bei „Schleichfernsehen“ im BR Fernsehen zu sehen.
Im März 2018 erschien dann sein zweites Soloprogramm „Es kommt wie’s kommt!“. Ebenfalls 2018 wurde er mit dem Bayerischen Kabarettpreis in der Kategorie Senkrechtstarter ausgezeichnet. Auch jenseits des Weißwurstäquators findet man den Niederbayern amüsant und überreichte ihm 2019 den „Prix Pantheon“ in Bonn, sowie den Publikums- und Jurypreis des Großen Kleinkunstfestivals in Berlin.
Seit Januar 2020 hört man Martin wöchentlich als Comedian auf Antenne Bayern. Außerdem erschien im Januar im Rowohlt-Verlag sein erstes Buch „Der famose Freistaat – Bayern verstehen für Anfänger und Fortgeschrittene“, das er zusammen mit seiner großartigen Kollegin Franziska Wanninger geschrieben hat.

  • Sendetermin: „Kabarett live“, Freitag, 5. Juni 2020, 22 Uhr

 

Der "Mark Twain" der amerikanischen Songwriter - John Prine (+ 7. April 2020)

In Erinnerung an einen Lifetime Friend hören wir heute Klassikeralben aus den 70ern wie "Common Sense" (1975), "Bruised Orange" (1978) und "Pink Cadillac" (1979) in voller Länge; außerdem Duett-Alben aus der Neuzeit: "In Spite of Ourselves" (1999) und die mit dem seligen Folk- und Bluegrass-Urgestein Mac Wiseman aufgenommene LP "Standard Songs for Average People" von 2007.
Zitat Grammy-Preisträger John Prine : "In meinen Songs versuche ich, durch die Augen anderer Leute zu blicken. Ich möchte den Zuhörern eher ein Gefühl als eine Botschaft übermitteln".

  • Sendetermin: „Die Lange Rille“, Samstag, 6. Juni 2020, 21 Uhr

 

Britische Herrenkleinkunstaufnahmen, Folge 2

Die Tanzmusik des 20. Jahrhunderts (und im speziellen der Jazz) wird seit über 80 Jahren systematisch beschrieben, eingeordnet und wissenschaftlich behandelt (eins der ersten Jazzbücher erschien bereits 1926 in Deutschland).
Stiefmütterlich dagegen gingen Forscher und Plattensammler lange Zeit mit der sogenannten „Kleinkunst“, also Chanson-, Humoristen-, Kabarett- und Vortragsaufnahmen u. dergl., um. Sie wurde jahrzehntelang als zweitrangig abgetan, eben als „klein“ angesehen.
Forschungen, wie sie auf dem Gebiet des Jazz z.B. von Brian Rust und Horst H. Lange seit den 50er Jahren angestellt wurden, als viele Zeitzeugen noch lebten und im Musikgeschäft tätig waren, fanden erst mit Verzögerung statt.
Viele Quellen und Berichterstatter aus erster Hand waren in den 80er Jahren nicht mehr greifbar, als eine breitere Beschäftigung mit der großen Zeit der kleinen Bühne, der Kleinkunstszene der Zwischenkriegszeit, einsetzte.
Umgekehrt tauchten in jener Zeit oder später auch verloren geglaubte Dokumente wieder auf, die zuverlässiger waren als verblaßte und durch die Zeitläufte verfälschte Erinnerungen damals beteiligter Musiker. So kamen z.B. Aufnahmebücher verschiedener Plattenfirmen wieder ans Tageslicht, die in den 50er Jahren wohl ins Altpapier hätten wandern sollen und von Plattensammlern geborgen worden waren.
Jedenfalls hat sich, seit 1991 nach buchstäblich jahrzehntelanger Recherche als erstes großes Register Berthold Leimbachs Buch „Tondokumente der Kleinkunst und ihre Interpreten (1898-1945)“ erschien, die Beschäftigung zumindest mit der deutschen Kleinkunst endgültig etabliert. Aus der Schellacksammlerszene, wenn man von einer solchen sprechen mag, ist sie nicht mehr wegzudenken. Auch in den Sammlungen der Tanzparkett-Redakteure finden sich nicht nur Hotdance und Jazz, und der Anspruch unserer Sendung umfaßt die Kleinkunst von Anfang an.
Nicht nur in Deutschland gab es eine bunte Kleinkunstszene, auch im europäischen Ausland blühten die Kakteen der Brettlbühne. Das wollen wir auch mit dieser zweiten Sendung mit englischen Kleinkunstaufnahmen unter Beweis stellen.
Achten Sie übrigens bei dieser Gelegenheit einmal auf den Einfluß, den der US-Amerikaner Whispering Jack Smith auf den Vortragsstil der Kleinkunstbühnen und -platten hatte. Kürzlich präsentierten wir anläßlich seines 70. Todestages in der Hauptsendung am Mittwochabend eine Auswahl seiner Platten.
Sein Vorbild bewirkte zumindest bei einigen Vortragenden eine Abkehr vom opernhaft lauten, sälefüllenden Bühnengesang hin zum intim „geflüsterten“, aufs feinste nuancierten Vortrag für die kleine, illustre Runde. Besonders deutlich wird das in dieser Sendung an den zu Beginn gebrachten Aufnahmen mit Ronald Frankau.
Durch das Programm begleitet Sie Thomas Sosna.

  • Sendetermin: „Tanzparkett extra“, Sonntag, 7. Juni 2020, 17 Uhr
  • Wiederholung: Montag, 8. Juni 2020, 9 Uhr

 

Steve Earle Plays Guy Clark

Vor vier Jahren starb Country-Ikone und Singer-Songwriter Guy Clark. Mit »Guy« widmete Steve Earle seinem musikalischen Weggefährten, Bandkollegen, Freund und Mentor 2019 ein besonderes Album. 16 Stücke hat er dafür aufgenommen. Mit dabei sind Klassiker wie »Desperados Waiting For A Train« und »LA Freeway«. Eine erste Singleauskopplung gab es vorab mit dem Song »Dublin Blues«.
Unterstützt wird Earle auf »Guy« zum wiederholten Mal von The Dukes: Kelley Looney (Bass), Chris Masterson (Gitarre), Eleanor Whitmore (Geige), Ricky Ray Jackson (Pedal-Steel-Gitarre) und Brad Pemberton (Schlagzeug/Perkussion).
Außerdem gibt es Gastbeiträge von Emmylou Harris, Rodney Crowell, Terry Allen, Jerry Jeff Walker und Mickey Raphael.

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 7. Juni 2020, 19 Uhr

 

Programminfos vom 28.05.2020 bis 04.06.2020

Gedenken an Walter Lübcke

Vor einem Jahr, am 2.Juni 2019, wurde der Kasseler Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke auf seiner Terrasse zu mitternächtlicher Stunde von einem mutmaßlichen Rechtsterroristen erschossen. Die juristische Aufarbeitung der Tat ist in vollem Gange, das Strafverfahren soll demnächst eröffnet werden. Eigentlich waren zum Jahrestag mehrere Gedenkveranstaltungen geplant, die nun allerdings nicht durchgeführt werden können. Das Freie Radio sendet daher nochmals Auszüge aus der Großkundgebung, die letztes Jahr wenige Wochen nach dem Mord stattfand. An die 10.000 Menschen versammelten sich damals vor dem Regierungspräsidium und gaben unter dem Motto „Zusammen sind wir stark“ ihrer Ablehnung rechtsextremer Gewalt Ausdruck. Unter anderem sprachen die Hessische Justizministerin Eva Kühne-Hörmann und Staatstheater-Intendant Thomas Bockelmann.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 29. Mai 2020, 18 Uhr

 

Der Frühling auf Schellack

„Sagt mal, wollt Ihr dieses Jahr gar nicht ... ?“
Eigentlich wollten wir nicht.
Andererseits gäbe es - an allem ist nur der Frühling schuld - ohne diese Sendung unsern Sonntagnachmittagssendeplatz „Tanzparkett extra“ gar nicht.
Deshalb bringen wir nun doch wie (fast) jedes Jahr im Frühling wieder unsere Tanzparkett-Frühlingssendung, damit Eddy Walis und Raimund Geßner die „Rosen, die uns der Mai bringt“ nun auf den letzten Drücker doch noch pünktlich abliefern können. Daß die Jahresrechnung für die Wartezeit zur Überprüfung der dreisten Behauptung „Es wird in hundert Jahren wieder so ein Frühling sein“ nun nicht mehr stimmt ... sei’s drum! Es ist ja schließlich eine Wiederholung.
Thomas Sosna läßt als Ihr Begleiter die musikalischen Frühlingssträuße erblühen.
Auf ausdrücklichen Hörerwunsch also:

  • Sendetermin: „Tanzparkett extra“, Pfingstsonntag, 31. Mai 2020, 17 Uhr
  • Wiederholung: Pfingstmontag, 1. Juni 2020, 9 Uhr

 

Steve Earle  -  "The Ghosts of West Virginia"

Ein seit Jahren streitbarer Singer/Songwriter, Steve Earle aus Virginia, hatte schon immer ein Faible auch für Theaterbühnen. Das Theaterautorenteam Jessica Blank und Erik Jensen machte Earle mit ihrem Stück über das "Upper Big Branch Mine Disaster" von 2010 bekannt, das in der Erde West Virginias 27 Minenarbeiter schlagartig ihre Leben unter Tage kostete. Steve Earle, der "leftist populist" aus den Appalachen, war genau der richtige Typ, die passende Coal Country Music dafür zu entwerfen. Herausgekommen ist ein weiteres die Hintergründe vielseitig ausleuchtendes Americana-Album, das auch die schäbige Rückseite des Goldenen Amerikanischen Dollars zeigt. America great again?! Please don´t you forget about your own struggling People, Mister.
Spannende Mischung aus Bluegrass, Country und Rock: Steve Earle mit seiner langjährigen Tourband The Dukes. Herbe Texte, herbe Mucke. Nicht allzu häufig im US Countryradio zu hören. Bei uns schon - eine brandaktuelle Scheibe.

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 31. Mai 2020, 19 Uhr

 

Rassismus erkennen und benennen

„Woher kommst du?“  - Beginnt mit einer solchen Frage bereits Rassismus? In der heutigen Ausgabe der Sendung „Zwischenzeit“ sprechen Expertinnen aus Kassel und Frankfurt darüber, was Rassismus ist, wie er sich im Alltag zeigt und was er auslöst. Zu Gast sind: Saba-Nur Cheema, die Leiterin des pädagogischen Teams der Bildungsstätte Anne Frank; Selvet Elevliv als Vertreterin von BENGI e.V. , einer migrantischen Selbstorganisationen aus Kassel; und Ruth Hunstock, die Initiatorin der Initiative „Afrodeutsche und schwarze Menschen in Nordhessen“. Moderiert wird die Sendung von Maria Seip, der Leiterin der Kasseler Zweigstelle der Bildungsstätte Anne Frank.

  • Sendetermin: „Zwischenzeit“, Dienstag, 2. Mai 2020, 18 Uhr

 

US-Smallband-Swing der 30er Jahre, Folge 2/ 2020

Das ist einmal mehr Thema im „Tanzparkett“.
Eine Stunde Musik aus der Zeit, in der die damals aktuelle Spielart des Jazz rund um die Welt auf fruchtbaren Boden fiel - nie wieder fand eine neue Stilrichtung des Jazz eine derartige Verbreitung und Beliebtheit beim allgemeinen Publikum.
Richtig in Fahrt kam der Swing ab 1934/ 35, aber die Richtung, in die die musikalische Entwicklung gehen sollte, wurde erkennbar schon etwas eher eingeschlagen. Anfang der 40er Jahre, nicht zuletzt durch den US-Musikerstreik und den Eintritt der USA in den II. Weltkrieg, veränderte sich der Publikumsgeschmack: Bald standen die Sänger im Vordergund des Interesses, nicht länger die Orchester.
Wir bringen in dieser Folge Platten aus der Zeit von 1933 bis 1941, also vom Beginn bis zur „Abenddämmerung“ der klassischen Swingära.
Zu hören sind in dieser Sendung das Quintett von Edgar Hayes (1937), Wingy Manone (1938), The Gotham Stompers mit der Sängerin Ivie Anderson (1937), Benny Goodman, der hier Billie Holiday auf ihrer ersten Platte begleitet (1933), Joe Marsala (1941), Red Norvo mit zwei unterschiedlichen Besetzungen in seinem „Swing Octet“ (1935), Riley-Farley and their Orchestra (1936) sowie Red McKenzie, der hier von den Six Spirits of Rhythm begleitet wird (1934). Durchs Programm führt Peter Michael.

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 3. Juni 2020, 21 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 4. Juni 2020, 13 Uhr

 

Programminfos vom 24.05.2020 bis 28.05.2020

Deutsche Studenten 1918-1968

Gemeinhin wird das Bild revoltierender Studenten mit den internationalen – und linksorientierten – Studentenunruhen gegen Ende der 60er Jahre assoziiert. Doch in der deutschen Hochschulgeschichte gab es mehrere und sehr unterschiedliche studentische Bewegungen. Wenig bekannt ist z.B. die bedeutende nationalsozialistische Studentenschaft, die schon 1931 die Mehrheit an den deutschen Universitäten hatte. Der VHS-Vortrag von Dr. Peter Chroust schildert, wie sich die politische Ausrichtung der deutschen Studentenschaft zwischen 1918 und 1968 immer wieder verändert hat.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 22. Mai 2020, 18 Uhr

 

Hirn für alle

Oft hört man Sätze wie „Hätte ich nur mehr Geld!“ oder „Wäre ich nur schöner!“, aber kaum jemand wünscht sich „Ich wäre gern schlauer!“
Mein Haus! Mein Auto! Mein Boot! Das sind die Prioritäten unserer Zeit, aber wo bleibt der Traum vom Eigenhirn? Doch warum auch? Für viele Menschen ist das eigene Gehirn längst so überflüssig geworden wie das Grundgesetz für die CSU. Unser Denken haben wir outgesourct und lassen es von Fake News, von Populisten oder tausend Apps auf dem Smartphone erledigen.
Nicht nur unsere Autos, auch unsere Hirne scheinen über eine Abschaltautomatik zu verfügen. Und gibt es nicht genug ermutigende Beispiele aus Wirtschaft und Politik, die zeigen, daß überdurchschnittliche Intelligenz auf dem Weg an die Spitze eher hinderlich sein kann? Oder wie sonst läßt sich erklären, daß Insassen einer geschlossenen Abteilung im Vergleich zum amerikanischen Präsidenten erschreckend normal wirken?
Und auch im Land von Kant und Hegel fällt den meisten Menschen beim Begriff Aufklärung höchstens noch Dr. Sommer von der BRAVO ein. Dabei wäre es höchste Zeit, eine neue Ära der Vernunft einzuläuten.
„Hirn für alle“ ist ein Rundumschlag durch Politik und Gesellschaft – ein Abend für jeden, der gern selber denkt oder es einfach mal wieder ausprobieren möchte. Aber Vorsicht: Denken ist wie Sex! Wenn man mal damit anfängt, möchte man es immer wieder tun. (Der Vorteil ist: Man kann es jederzeit und überall tun und muß davor niemanden zum Essen einladen.)
Thomas Schreckenberger ist vielfach ausgezeichneter Kleinkunstpreisträger (u.a. Tuttlinger Krähe, Kleinkunstpreis Baden-Württemberg, Fränkischer Kabarettpreis, uvm.) und gern gesehener Gast in Rundfunk und Fernsehen.
Der Deutschlandfunk sagt über ihn: „Ein großartiger Kabarettist, der es wie wenige schafft, Themen aus der aktuellen Politik witzig und pointiert zu verpacken!“

  • Sendetermin: „Kabarett live“, Freitag, 22. Mai 2020, 22 Uhr

 

Zum Tod von Harold Reid

Die Statler Brothers saßen immer ein wenig zwischen den Stühlen: Für die Hardcore-Country-Fans waren sie zu sehr „Pop“, den Pop- und Rockfans hingegen ging ihr Sound zu stark in Richtung Country. Trotzdem gehörten sie in den 70er und 80er Jahren zu den beliebtesten und erfolgreichsten Gesangsgruppen der USA. Mehrere Jahre hintereinander wurden sie von der Country Music Association zur „Vocal Group Of The Year“ gekrönt, ihre Platten verkauften sich millionenfach. Zu verdanken hatten sie ihre Karriere vor allem Johnny Cash – er nahm sie Mitte der 60er in seine Show auf; auch bei seinen legendären Knast-Konzerten im Folsom Prison und in San Quentin waren die Statlers dabei. Später machten sie sich selbstständig und verbuchten reihenweise Hits in den Country-Charts – ihr mehrstimmiger Satzgesang, der sowohl vom Gospel als auch vom Close-Harmony-Stil der Western-Gesangsgruppe beeinflußt war, begeisterte nicht nur das Country-Publikum. Ihr Hang zu Nostalgie und zu einer gewissen Idealisierung der Vergangenheit kam gerade in den für die USA schwierigen 70er Jahren sehr gut an.
Besonders populär war Harold Reid, der nicht nur die markante Baß-Stimme zum Gruppensound beisteuerte, sondern mit seiner humorvollen Art viele Fans begeisterte. Im April 2020 ist Harold Reid im Alter von 80 Jahren gestorben – wir erinnern an ihn und an die Statler Brothers, die bereits vor fast 20 Jahren ihre glanzvolle Karriere beendet haben.

  • Sendetermin: „Country Classics“, Samstag, 23. Mai 2020, 18 Uhr

 

Der "Mark Twain" der amerikanischen Songwriter - John Prine (+ 7. April 2020)

In Erinnerung an einen Lifetime Friend hören wir heute Klassikeralben aus den 70ern wie "Common Sense" (1975), "Bruised Orange" (1978) und "Pink Cadillac" (1979) in voller Länge; außerdem Duett-Alben aus der Neuzeit: "In Spite of Ourselves" (1999) und die mit dem seligen Folk- und Bluegrass-Urgestein Mac Wiseman aufgenommene LP "Standard Songs for Average People" von 2007.
Zitat Grammy-Preisträger John Prine : "In meinen Songs versuche ich, durch die Augen anderer Leute zu blicken. Ich möchte den Zuhörern eher ein Gefühl als eine Botschaft übermitteln".

  • Sendetermin: „Die Lange Rille“, Samstag, 23. Mai 2020, 21 Uhr

 

Britische Herrenkleinkunstaufnahmen, Folge 1

Die Tanzmusik des 20. Jahrhunderts (und im speziellen der Jazz) wird seit etwa 80 Jahren systematisch beschrieben, eingeordnet und wissenschaftlich behandelt.
Stiefmütterlich dagegen gingen Forscher und Plattensammler lange Zeit mit der sogenannten „Kleinkunst“, also Chanson-, Humoristen-, Kabarett-und Vortragsaufnahmen u. dergl., um. Sie wurde jahrzehntelang als zweitrangig abgetan, eben als „klein“ angesehen.
Forschungen, wie sie auf dem Gebiet des Jazz z.B. von Brian Rust und Horst H. Lange seit den 50er Jahren angestellt wurden, als viele Zeitzeugen noch lebten und im Musikgeschäft tätig waren, fanden erst mit Verzögerung statt.
Viele Quellen und Berichterstatter aus erster Hand waren in den 80er Jahren nicht mehr greifbar, als eine breitere Beschäftigung mit der großen Zeit der kleinen Bühne, der Kleinkunstszene der Zwischenkriegszeit, einsetzte.
Umgekehrt tauchten auch verloren geglaubte Quellen in jener Zeit oder später wieder auf, die zuverlässiger waren als verblaßte Erinnerungen damals beteiligter Musiker -Aufnahmebücher verschiedener Plattenfirmen, die in den 50er Jahren wohl ins Altpapier hätten wandern sollen und von Plattenfans geborgen wurden.
Jedenfalls hat sich vor allem in den letzten 25 Jahren die Beschäftigung mit der Kleinkunst etabliert und ist auch aus der Schellacksammlerszene, wenn man von einer solchen sprechen mag, nicht mehr wegzudenken. Auch in den Sammlungen der Tanzparkett-Redakteure findet sich nicht nur Jazz, und auch der Anspruch unserer Sendung umfaßt die Kleinkunst von Anfang an.
Nicht nur in Deutschland gab es eine bunte Kleinkunstszene, auch im europäischen Ausland blühten die Kakteen der Brettlbühne.
Das wollen wir mit dieser und der kommenden Sendung unter Beweis stellen. Wir bringen Ihnen eine Auswahl an Kleinkunstaufnahmen von der Insel. Die Vortragenden in den ersten beiden Folgen sind Herren, britische Damen-Kleinkunstplatten wollen wir bei späterer Gelegenheit als Fortsetzung senden.
Durch das Programm begleitet Sie Thomas Sosna.

  • Sendetermin: „Tanzparkett extra“, Sonntag, 24. Mai 2020, 17 Uhr
  • Wiederholung: Montag, 25. Mai 2020, 9 Uhr

 

Still "Rough and rowdy ways"? - Bob Dylan zum 79

Corona-Maskierungen schützen auch nicht vor dem Älterwerden. His Bobness (oder DER MEISTER) Bob Dylan wird soeben 79. Happy B-day, Robert Allen Zimmerman! Ihm zu Ehren bringen wir in der heutigen Folge einen seiner frühen Album-Klassiker, "Nashville Skyline" von 1969, ein "Country-Album", das Dylan unter Mitwirkung von Johnny Cash eingespielt hat und das ein großer Erfolg wurde, nachdem sich die vielen "Dylanologen" auf den plötzlichen Schwenk des Meisters eingelassen hatten.
Mit der Produktion dieser Preziose sind Bob Dylan und Johnny Cash sich musikalisch und menschlich nahe gekommen. Ein Meilensteinalbum haben sie damals abgeliefert. Es beinhaltet zeitlos tolle Songs wie "Lay Lady Lay", "To be alone with you", "I threw it all away" und natürlich den fantastischen "Nashville Skyline Rag". Mit dabei waren großartige Mitmusiker wie Charlie Daniels, Pete Drake, Charlie McCoy u.a.
Als kleine Überraschung zu Bobs Geburtstag steuert ein weiterer exklusiver Kollege, Loudon Wainwright III, einen herrlich schrägen Talking Blues für Bob Dylan bei. Nun sind alle gespannt auf Dylans neues (39.) Studioalbum, das im Juni erscheinen soll. Titel "My rough and rowdy ways" (nach der Country-Ikone Jimmie Rodgers aus den 30er Jahren)

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 24. Mai 2020, 19 Uhr

Programminfos vom 13.05.2020 bis 21.05.2020

Junior Wells und Little Richard  

Wegen Little Richards Ableben präsentieren wir diesmal ein leicht geändertes Programmangebot in unserem Blues Magazin. Vorgesehen waren der ebenfalls selige, unvergessene Harpspieler Junior Wells aus Memphis, plus einiger weißer Adepten. Aktuell trauern aber viele R&R-Fans weltweit um Little Richard aus Macon/Georgia (1932 - 9. Mai 2020), die Ikone, den "King of Rock". So sind denn auch einige Hämmer vom "Georgia Peach" in dieser Folge zu hören - überwiegend Speciality-Aufnahmen, einige seiner Mitt-50er Hits.

  • Sendetermin: „Long Distance Call“, Samstag, 16. Mai 2020, 18 Uhr

 

Zum Tod von Little Richard

Little Richard war ein farbiger amerikanischer Rock´n´Roll-Sänger, Pianist und Songwriter mit Legendenstatus. Seine Songs waren bekannt für den wilden hohen Gesang und ein besonders feuriges Pianospiel – perfektioniert wurde das ganze durch Little Richards selbstdarstellerisches schrilles Auftreten. Später würde er öffentlich anmerken: „ Wenn Elvis der King ist, dann bin ich die Queen des Rock’n’Roll!“. Sein Spiel mit Geschlechterrollen und die flamboyante Performance waren stilprägend. Eine steiler hochgesprayte Frisur besaß keiner. Prince war einer seiner Nachahmer.
Er kam als Richard Wayne Penniman am 5. Dezember 1932 in Macon, Georgia/USA zur Welt. Als eines von insgesamt zwölf Kindern – sein Vater war damals Prediger, und die gesamte Familie lebte in eher ärmlichen Verhältnissen. Dadurch nahm er sehr früh so ziemlich jeden Job an, der sich ihm bot – nur dadurch konnte er sich über Wasser halten.
Schon als Kind ist Richard hyperaktiv und äußerst an Musik interessiert. Mit 14 Jahren fühlt er sich alt genug, um das einengende Elternhaus zu verlassen. Er legte sich selbst den Künstlernamen „Little Richard“ zu und türmte seine hoch toupierten Haare ordentlich mit Gel auf - die möglicherweise erste schrill gestylte eindrucksvolle Bühnengestalt im aufkommenden Rock & Roll.
Little Richard sammelt erste Erfahrungen in unterschiedlichen Gospelgruppen – der Einfluß dieser Musik prägt ihn auch sehr stark. 1951 bekommt er die Gelegenheit, an einem Gesangswettbewerb teilnehmen zu können: Little Richard gewinnt diesen. Die Belohnung dafür: ein erster Plattenvertrag! Er nimmt vier Songs im Studio auf – und jeder entpuppt sich als Flop. Little Richard macht trotzdem weiter : tagsüber arbeitet er in Küchen und spült u.a. die dreckigen Teller (Stichwort: American Dream). Abends steht er auf der Bühne in verschiedenen Clubs und macht seine Musik.
1952 sollte dann die Wende im Leben von Little Richard kommen: er lernt den ebenfalls schrillen Musiker Esquerita kennen – dieser verrät Richard einige „wilde“ Klaviertechniken, die er zukünftig sehr erfolgreich bei seinen weiteren Bühnenperformances und im Studio einsetzen würde. Zugleich war Little Richard mit Nonsenssilben-Hits wie „Tutti Frutti“ Sprachrohr für zahllose Kids, die eine eigene Art von Teenagersprache pflegten, um sich von der Elterngeneration abzusetzen. Und er bestand damit auch beim „weißen“ Publikum. Dort fand Little Richard seine allermeisten Fans. Und das war damals der Gewinn einer gesellschaftlichen  Abstimmung gegen die Diskriminierung nach Hautfarbe.  
In dieser Zeit versöhnte sich der Musiker mit seinem Vater, der damals noch große Probleme mit Richards Homosexualität hatte. Ihm gefiel es auch nicht, in welcher Szene sich sein Sohn bewegte. Trotzdem machten beide wieder einen Schritt aufeinander zu. Kurz darauf wurde Little Richards Vater in einem Lokal während einer Schießerei getötet.
In der heutigen Folge sind überwiegend die frühen Specialty-Aufnahmen aus der Mitte der 50er zu hören, seiner ganz großen Zeit; aber auch Coverversionen anderer Künstler wie den Beatles, Elvis, Canned Heat, Johnny Winter, Kinks, Swinging Blue Jeans – und von Jerry Lee Lewis, dem nach Little Richards Ableben nun einzigen „Überlebenden“ der klassischen Rock’n’Roll-Ära.

  • Sendetermin: „Die Lange Rille“, Samstag, 16. Mai 2020, 21 Uhr

 

Der Jazzposaunist Miff Mole, Teil 2

Erneut geht es im „Tanzparkett extra“ um Smallband-Jazz der 20er Jahre, wiederum um Platten mit Irving Milfred “Miff“ Mole. (Zu Anmerkungen über Miff Mole siehe den Eintrag zum „Tanzparkett extra“ von letzter Woche!)
Im zweiten Teil bringen wir in der ersten Hälfte wiederum für die OKeh-Schallplatte eingespielte Aufnahmen, die zweite Hälfte widmet sich Platten, die mit Red-Nichols-Gruppen für die Victor entstanden.
Durchs Programm führt Peter Michael.

  • Sendetermin: „Tanzparkett extra“, Sonntag, 17. Mai 2020, 17 Uhr
  • Wiederholung: Montag, 18. Mai 2020, 9 Uhr

 

Guy Clark - Erinnerung an einen großen „Storyteller“ aus dem Lone Star State

In einer Zeit von ausgelagerter Herstellung, industrieller Landwirtschaft und digitalen Wahrheiten standen der geniale Singer/Songwriter Guy Clark (1941 – 2016) und seine Musik für das Traditionelle, Nachhaltige und Authentische, für Lebensmittel aus der Region, lokal gebrautes Bier und handgenähte Kleidung. Seit Mitte der 80er war er so etwas wie ein Mastermind hinter der einst so quirligen Outlaw-Szene. Und seine Gitarren baute er meisterhaft selbst. Mit seiner sanften Raspelstimme trug er Lieder aus dem mexikanischen Grenzland zu versiertem Gitarrenspiel, Dobro, Banjo und sentimentaler Fiddle vor. Viele Songs aus seiner Feder übernahmen MusikerkollegInnen. Waylon, Willie, Emmylou Harris und Townes Van Zandt waren seine Freunde. Heute vor vier Jahren hat er uns 75jährig verlassen. Farewell, Guy.  
Zu hören sind Auszüge aus den Alben "Old Friends" (1988) und "The Dark" (2002).

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 17. Mai 2020, 19 Uhr

 

Whispering Jack Smith zum 70. Todestag

Am 13.5.1950, also vor ziemlich genau siebzig Jahren, starb in seiner Geburtsstadt New York einer der großen Plattenstars der 20er Jahre, nämlich „Whispering“ Jack Smith.
Er war als Sohn deutscher Einwanderer unter dem Namen Jacob Schmidt am 30.5.1896 auf die Welt gekommen.
Der „flüsternde Bariton“ schuf einen neuen Gesangsstil, der prägend auf eine ganze Generation von „Croonern“ und noch weit über seine Zeit hinaus wirken sollte.  Seine Plattenkarriere begann 1925 bei der Victor mit den Titeln „Cecilia“ und „I Care For Her And She Cares For Me“, auf denen er sich selbst am Klavier begleitet.
Noch ein Jahr vorher wäre Smith wohl kaum als Sänger zur Schallplatte gekommen, denn bis 1925 nahm die Industrie noch nach dem akustischen Verfahren auf, bei dem die bloße Schallenergie der Darbietung als Antriebskraft für den Schneidstichel diente. Gefragt waren daher regelrecht in den Trichter „brüllende“ Sänger. Erst die Einführung von Mikrophon, Verstärker und elektrischem Schreiber ermöglichte es, eine leise, fein nuancierte Stimme wie die von Jack Smith aufzunehmen.
Diese Stimme war das Ergebnis seines Lebensweges und der Weltgeschichte des frühen 20. Jahrhunderts. Wie Schmidt, wie er sich damals noch nannte, bei seiner Registrierung für den Militärdienst beim Wehrersatzamt Bronx angab, war er reisender Theatersänger. Er wurde im I. Weltkrieg zur US-Armee eingezogen und auf den Schlachtfeldern Frankreichs eingesetzt. Bei einem deutschen Gasangriff erlitt er eine Vergiftung und war fortan nicht mehr in der Lage laut zu singen.
Nach Kriegsende arbeitete er in Irving Berlins Musikverlag als „song plugger“, d.h. Pianist, der Reflektanten die Klavierauszüge der Neuerscheinungen vorspielen mußte.
Auch im Radio wirkte er als Pianist. Dort begann er auch wieder zu singen, als bei einer Übertragung der Sänger ausfiel. Durch den am Funk unabdingbaren Einsatz des Mikrophons war das im Gegensatz zur damaligen Schallplatte auch mit seiner leisen Stimme möglich. Im Zuge der Umstellung auf das elektrische Verfahren wurde die Victor auf ihn aufmerksam.
Seine Karriere sollte bald Fahrt aufnehmen und ihn rund um die Welt führen. Nicht nur in England, sondern auch in Deutschland, der Heimat seiner Eltern, war er zeitweise überaus populär. Kurt Tucholsky, der ein großer Plattennarr war, widmete Jack Smiths Aufnahmen mehrere Kritiken. Eine davon, die er als Peter Panter in der Vossischen Zeitung veröffentlichte, stellen wir Ihnen vor.
Auf den Tourneen im Ausland trat Jack Smith nicht nur vor Publikum auf, sondern ging auch dort ins Plattenstudio. Trotz seiner deutschen Herkunft scheint er vollkommen amerikanisch erzogen worden zu sein, denn seine Aussprache auf den in Berlin auf deutsch eingesungenen Platten klingt so gar nicht nach einem Muttersprachler.
Der frühe Tonfilm sah ihn in drei kleinen Nebenrollen. Seine Karriere büßte jedoch in dieser Zeit bereits an Strahlkraft ein. Nach 1931 sollte er fast ein Jahrzehnt lang kein Plattenstudio mehr betreten. So erging es auch anderen von der „Great Depression“ hart getroffenen Künstlern.
Wir schließen in dieser Sendung den Kreis seines Schaffens mit der 1940 für die Decca entstandenen Neuaufnahme seiner ersten veröffentlichten Platte, „Cecilia“.
Wie schon oben gesagt, starb Whispering Jack Smith am 13.5.1950 in New York, und zwar an einem Herzinfarkt. Beigesetzt wurde er anonym auf dem New Yorker St.-Raymond-Friedhof.
Sein Ruhm hallte in Musikerkreisen und auch beim Publikum noch lange nach - so berief sich Ende der 60er Jahre überdeutlich der englische Künstler Billy Moeller auf ihn, als er sich „Whistling Jack Smith“ nannte.
Durch diese Ausgabe begleitet Sie Thomas Sosna.

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 20. Mai 2020, 21 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 21. Mai 2020, 13 Uhr

 

Programminfos vom 08.05.2020 bis 11.05.2020

75 Jahre Kriegsende

Eigentlich hätte es jetzt auch in Kassel zahlreiche öffentliche Veranstaltungen zum 75. Jahrestag des Kriegsendes in Europa geben sollen – leider wurden sie allesamt vom Virus verspeist. Glücklicherweise verfügt das Freie Radio über ein umfangreiches Archiv mit Vorträgen, Diskussionen und sonstigen Beiträgen aller Art, auf das nun zurückgegriffen werden kann. Zum Jahrestag am 8. Mai senden wir einen Vortrag von Dr. Ulrich Schneider aus dem Jahr 2000, in dem er sich mit der Situation in Kassel und Nordhessen zum Kriegsende befaßt.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 8. Mai 2020, 18 Uhr

 

Wiedervereinigung des Jahres: Tresenlesen

Auch wenn die (West)deutschen mit Wiedervereinigungen ihre traurigen Erfahrungen machen mußten, so sollte man Ereignisse dieser Art nicht pauschal verteufeln. Über eine ebenso erfreuliche wie unerwartete Reunion durften sich die Kabarettfreunde kürzlich freuen: Tresenlesen, das legendäre Duo aus dem Ruhrpott, das in den 90er Jahren die Lesebühnen-Tradition mitbegründete und zu den Pionieren der Komischen Literatur gehört, hat sich kürzlich wieder zusammengetan – nach 20 Jahren. Jochen Malmsheimer und Frank Goosen, die im Jahr 2000 ihre Zusammenarbeit beendeten und jeweils erfolgreiche Solokarrieren starteten, trafen sich am Ostersamstag auf einer Theaterbühne in Bochum und präsentierten dem umständehalber nur virtuell vorhandenen Publikum alte und neue Texte. Und es funktionierte: Die alte Magie war wieder da, die Chemie stimmte, die Interaktion klappte wie in alten Zeiten. Steht nur zu hoffen, daß dies kein einmaliges Ereignis bleibt, sondern daß die beiden Kabarett-Titanen weiterhin gemeinsam ihr Publikum begeistern – vielleicht auch mit einem neuen Bühnenprogramm, sobald es die äußeren Umstände wieder zulassen.

  • Sendetermin: „Kabarett live“, Freitag, 8. Mai 2020, 22 Uhr

 

Country-Rock mit den Everly Brothers

Sicher, die Everly Brothers waren eigentlich immer irgendwie „country“. Sie entstammten einer Südstaaten-Musikerfamilie, die schon in den 40er und 50er Jahren auf diversen Country-Radiostationen zu hören war, und auch die beiden Brüder Don und Phil durften bereits in Kindertagen ans Mikro und ihren später weltberühmten zweistimmigen Harmoniegesang zum besten geben. Auch mit Beginn ihrer großen Karriere hatten die beiden Goldkehlchen deutlich mehr Bezüge zur Country Music als zum Rock’n’Roll, dem sie aus marktstrategischen Gründen offiziell zugerechnet wurden. Ihre musikalischen Wurzeln lagen ganz eindeutig im klassischen Close-Harmony-Gesang von Country-Pionieren wie den Blue Sky Boys oder den Louvin Brothers.
Nach mehreren Jahren des Erfolgs und nach etlichen Mega-Hits wie „Bye Bye Love“ oder „All I Have To Do Is Dream“ war die ganz große Ära der Everlys ab etwa Mitte der 60er Jahre vorbei – sie wurden, wie so viele ihrer amerikanischen Kollegen, von der britischen Beat-Invasion förmlich hinweggefegt. In dieser Situation besannen sich Don und Phil Everly ihrer musikalischen Wurzeln und wandten sich wieder stärker der Country Music zu. Drei der Alben, die zwischen 1966 und 1968 erschienen sind und die eine Brücke zwischen traditionellen Country-Klängen und dem psychedelischen Rock der 60er schlagen, wurden jüngst im Rahmen einer Dreifach-CD wiederveröffentlicht. Wir stellen die Edition vor.

  • Sendetermin: „Country Classics“, Samstag, 9. Mai 2020, 18 Uhr

 

Sänger/Komponist Pete Lincoln

Pete Lincoln ist aktuell sowohl als Solokünstler als auch als Mitglieder der Band FRONTM3N unterwegs, und er hat bereits mit unzähligen namhaften Künstlern Studio und Bühne geteilt. Von 1996 bis 2006 war er Sänger bei Sailor, danach von 2006 bis Mai 2019 Sänger bei The Sweet. Ansonsten hat er im Laufe seiner Karriere als Gitarrist und Sänger mit prominenten Künstlern wie z.B. Sir Cliff Richard, Tina Turner, Shakin' Stevens oder Dannii Minogue zusammengearbeitet.
Aus der Zeit bei Cliff Richard entstand eine gute Freundschaft mit zwei Musiker-Kollegen, mit denen Pete vor knapp vier Jahren sein neustes Projekt namens „FRONTM3N“ an den Start gebracht hat. Die Band besteht aus ihm, Peter Howarth (bekannt von The Hollies) und Mick Wilson (bekannt von 10cc). Die drei bringen zusammen einzigartige Akustikversionen der Hits von The Sweet, den Hollies und 10cc  und noch vieles mehr auf die Bühne; dazu kommen eigene Songs mit dem ganz speziellen FRONTM3N-Charme.
Auch solo hat Pete einiges zu bieten, denn da hat er mit „Under Cover“, „Soul Searching“ und „Heartbeat“ bereits drei Soloalben herausgebracht. Solo kann man ihn bei seinen Konzerten als menschliche Jukebox erleben, der auf Zuruf mit Gitarre so gut wie alles singen kann.
In der Langen Rille bringen wir euch daher einen dreistündigen Querschnitt durch das weit gefächerte Talent von Pete mit seinen verschiedenen musikalischen Projekten von Sailor über The Sweet bis FRONTM3N sowie seine Solo-Titel und noch einige Überraschungen. Darüber hinaus kommt natürlich auch der Künstler selbst zu Wort und erklärt einiges zu FRONTM3N, lustigen Höhepunkten seiner Musikkarriere und der aktuellen Situation.

  • Sendetermin: „Die Lange Rille“, Samstag, 9. Mai 2020, 21 Uhr
  • Wiederholung: Sonntag, 10. Mai 2020, 13 Uhr.

 

Der Jazzposaunist Miff Mole, Teil 1

Wohl einer der besten Jazzposaunisten der 20er Jahre war Irving Milfred “Miff“ Mole (11.3.98 Roosevelt/ Long Island - 29.4.61 New York).
 Er begann seine Jazzkarriere bei den Original Memphis Five (OM 5), einer typischen Fünfergruppe des frühen Jazz, schon vor 1920, also im ersten Gefolge des bahnbrechenden Pionierjazz der Original Dixieland Jazz Band. Als Kind hatte er Geige und Klavier gelernt und in der Jugend als Stummfilmpianist gearbeitet. Nachdem er zwei Jahre lang als Posaunist aufgetreten war, wurde er zu einem der Gründer der OM 5. Auch beim „Vielaufnehmer“ Sam Lanin und bei der Jazzband von Abe Lyman fand sich Mole als Studiomusiker im Personal - neben der Mitarbeit in weiteren Studiogruppen. Über ein Engagement bei einer Rundfunkformation des Jazzbandleaders Roger Wolfe Kahn kam Mole zu einer neunjährigen Anstellung als Studiomusiker bei der NBC. Danach arbeitete er auf dem Gebiet der klassischen Musik, kam aber 1938 zur Tanzmusik zurück und spielte bei Paul Whiteman, um schließlich ab 1940 mit Eddie Condon zu musizieren. 1942/43 war er erneut bei der NBC unter Vertrag, danach spielte er bei Benny Goodman, arbeitete aber weiter auch mit Condon zusammen. Ab 1943 hatte er auch wieder eine eigene Kapelle, die „Nicksieland Band“, die im New Yorker „Nick‘s Greenwich Village Nightclub“ auftrat. Ab 1948 gastierte er als Mitglied der Band von Muggsy Spanier mit dieser in vielen kleinen Clubs. In den 50ern fand man ihn weiterhin in diesem Umfeld; er spielte nun mit verschiedenen Besetzungen. Ende der 50er Jahre war er aktiv in der Dixieland-Szene des „Big Apple“, als er erkrankte und nach mehreren Operationen nicht mehr auftreten konnte. Wie oben erwähnt, starb er 1961.
 Zu einem Leitstern für die nachfolgenden Generationen der Jazzwelt (und nach den Aussagen von Red Nichols wie auch Bix Beiderbecke auch für seine Zeitgenossen) wurde Mole durch die Zusammenarbeit mit dem Trompeter Red Nichols bei den „Five Pennies“ ab Mitte der 20er und den von dieser Gruppe mitgeprägten New-York-Stil. Entsprechend ist Nichols bei den ersten Aufnahmen Moles unter eigenem Namen mit von der Partie („Miff Mole’s Molers“ oder „Miff Mole and his little Molers“).
Diese für die OKeh-Schallplatte eingespielten (und in Europa auf den diversen Marken des Lindström-Konzerns herausgebrachten) Aufnahmen sind Thema unserer Sendung.
Der zeitliche Rahmen erstreckt sich dabei von 1927 bis 1930.
Durchs Programm führt Peter Michael.

  • Sendetermin: „Tanzparkett extra“, Sonntag, 10. Mai 2020, 17 Uhr
  • Wiederholung: Montag, 11. Mai 2020, 9 Uhr

Freies Radio Kassel e.V.

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34117 Kassel

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