Programminfo für den 20.04.2018

Der „Obelisk“ in der Diskussion

„Es ist Ausdruck unserer Menschlichkeit, einem in Not Geratenen beizustehen, Verantwortung zu tragen für Bedürftige und Verfolgte. Und jeder ist zu Beginn ein Fremdling, der neu in eine Stadt kommt, egal aus welchem Grund.“ Olu Oguibe Kunstforum Bd 248/249  2017
Jede documenta bleibt nicht zuletzt durch die in der Stadt verbliebenen Kunstwerke und ihre Botschaften im Gedächtnis. Auf der documenta14 stand 2017 ein Kunstwerk im Focus, das sich als „Das Fremdlinge und Flüchtlinge Monument“  mit dem Thema Flucht, Migration und Gastfreundschaft auseinandersetzt: Eine Skulptur in Form eines Obelisken, den der in Nigeria/Biafra geborene Künstler Olu Oguibe auf dem von Simon Louis du Ry, Enkel hugenottischer Flüchtlinge, entworfenen Königsplatz platziert hat.
Der Obelisk wurde gezielt auf dem Königsplatz und bewußt dezentral platziert. Olu Oguibe definiert dieses Siegessymbol kolonialer Herrscher um, die Obelisken aus Ägypten als Trophäen in europäische Hauptstädte brachten: in der dezentralen Position ist das Monument nicht länger Siegessymbol.
Das Material der Stele ist Beton, also ein „armes“ Material. Es untermauert den Gegensatz zum edlen monolithischen Granit der ägyptischen Obelisken.
Mit dem Zitat aus dem Matthäusevangelium "Ich war ein Fremdling und ihr habt mich beherbergt" – in Englisch, Deutsch, Türkisch und Arabisch - wird das Kunstwerk zum Symbol der Einladung an all diejenigen, die in dieser Stadt Heimat suchen und finden, kurz: es heißt willkommen.
Ebenfalls bewußt gewählt erscheint die Ausrichtung der türkischen Inschrift zur Kasseler Nordstadt – mit vielen türkischen Bewohnern und durch die Kurt-Schuhmacher-Straße wie abgeschnitten von der Innenstadt.
Der Obelisk gehört in die Mitte der Stadt. Seine universell-humanitäre Botschaft kann nicht an einen anderen Ort verpflanzt werden, ohne seine zentrale Aussage zu verlieren.
Im Rahmen einer Kooperationsveranstaltung von KulturNetz Kassel und documenta forum im Stadtteilzentrum Vorderer Westen diskutierten:

- Dechant Harald Fischer (Sankt Familia)

- Lutz Freyer (Künstler)

- Ayse Güleç (Kulturzentrum Schlachthof)

- Dr. Harald Kimpel (Kunstwissenschaftler)

Moderation:

- Dr. Thomas Bündgen (Universität Kassel)

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 20. April 2018, 18 Uhr

Programminfos vom 13.04.2018 bis 15.04.2018

Abschaffung des § 219a - Solidaritätsveranstaltung in der VHS

Die Debatte um den Paragraphen 219a des Strafgesetzbuchs, der Werbung für Schwangerschaftsabbrüche verbietet, nimmt weiter Fahrt auf. Nach dem Urteil gegen eine Ärztin, die auf ihrer Webseite einen Hinweis auf die entsprechende Leistung veröffentlicht hatte, ist das Thema auch in der Politik angekommen. Ob und wann es Änderungen der gesetzlichen Bestimmungen geben wird, ist noch ungewiß. Unabhängig davon gehen die Diskussionen unvermindert weiter. Am Montag dieser Woche fand in der Kasseler Volkshochschule eine Solidaritätsveranstaltung für die betroffenen Ärztinnen statt – wir haben den Abend aufgezeichnet und senden einen Mitschnitt.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 13. April 2018, 18 Uhr

 

Trouble No More – Dylans Gospel-Phase 1979-81

Religion war für Bob Dylan lebenslang bedeutsam: Er wuchs mit dem jüdischen Glauben auf und betrieb in den Sechzigern intensive jüdische Studien. Dann konvertierte er zum Christentum. In seinen Werken finden sich zahlreiche religiöse Motive.
"Als Dylan 1961 nach New York kam, war er sehr auf Woody Guthrie fokussiert. Er klang sogar wie Guthrie. Dylans Slang war unnatürlich für einen Kerl aus Minnesota, er war stattdessen typisch für Guthrie aus Oklahoma. Er kopierte sein Idol. Aber sehr schnell wuchs er weit darüber hinaus. Bereits 1963 erschuf er ganze Welten. Alle seine großen Lieder hätte niemand außer ihm schreiben können. Woody Guthrie wäre nicht annähernd an ein Lied wie 'A hard rain‘s a gonna fall' herangekommen. Das ist Bob Dylan."
Der das sagt, kennt sich aus. Ben Sidran aus Chicago ist Musiker und Musikhistoriker und hat sich in seinem Buch "Jews, Music and the American Dream" eingehend mit der Rolle jüdischer Musik und Musiker in den USA auseinandergesetzt - von Irving Berlin, Anfang des 20. Jahrhunderts, bis hin zum Hip-Hop der Beasty Boys. Die Rolle Woody Guthries könne kaum überschätzt werden, sagt Ben Sidran weiter. Dylan sei der geistige Sohn von Woody Guthrie gewesen.
"Solche Leute waren sehr wichtig für Dylan, denn als er anfing in der Folk-Welt war er immer an den Geschichten hinter der Musik interessiert. Soziale Ideen beschäftigten ihn kaum, aber er mochte die Ideale dahinter. Woody Guthrie kam aus der Arbeiterbewegung, darum wurde er Dylans erste musikalische Bezugsperson. Dylan hatte zudem eine sehr jüdische Gesinnung. Sein Interesse an historischen Umbrüchen hat vermutlich auch damit zu tun."
Bob Dylans Großeltern waren Einwanderer aus Litauen und der Ukraine. Er wuchs in einer Kleinstadt in Minnesota auf, in einer eng verbandelten jüdischen Gemeinde. Religiöse Traditionen wurden dort wie im Elternhaus sehr gepflegt. Doch damit brach Dylan, als er 1961 nach New York kam. Aus Robert Allen Zimmerman wurde Bob Dylan. Es hielt ihn jedoch nicht davon ab, die Bar- und Bat Mitzwa, die Tage der jüdischen Religionsmündigkeit, mit seinen Kindern zu feiern.
Ende der 1960er entflammte sein Interesse wieder, er betrieb intensive jüdische Studien - und 1971 reiste Dylan erstmals nach Israel. Dann wieder ein Umschwung, Ende der 1970er konvertierte er zum Christentum. Dazwischen – säkulare Phasen. Ein Suchender, im wahrsten Sinne des Wortes. Über die genauen Beweggründe ist nicht viel bekannt. 1983 setzte Dylan erneut eine Zäsur mit dem Lied "Neighborhood Bully", ein leidenschaftliches Plädoyer für das Existenzrecht Israels.
Religiöse Motive hatten immer mal wieder ihren Platz in Bob Dylans Liedern. Doch sind sie Abbild seiner Zerrissenheit oder Widerhall seines Interesses an existenziellen Fragen? Dylans Verhältnis zur Religion war und ist konfus. Fest stehe, so noch einmal Ben Sidran, daß es viel spezifisch Jüdisches in Dylans Liedern gebe.
"Absolut. Nehmen wir 'Highway 61': Gott sagt zu Abraham, töte deinen Sohn. Das ist direkt aus der Tora, wie viele von Dylans Bildnissen und Metaphern. Es ist offensichtlich, daß er sich sehr damit beschäftigt hat, nicht nur gelegentlich. Und ich liebte 'Knockin on heaven‘s door' vom ersten Hören an. Die bildliche Vorstellung fand ich wunderbar.Das ist doch ein sehr jüdisches Bild, an die Himmelspforte zu klopfen."
Sehr irdisch hingegen war schon immer Bob Dylans Interesse an materiellen Gütern, Religion hin oder her. Er schloß unter anderem einen Exklusivvertrag mit der nicht eben gewerkschaftsfreundlichen Kaffeehauskette Starbucks und machte Werbung für die Damenunterwäsche von Victoria's Secret.
"It was shocking. But he is Bob Dylan. He can do whatever he wants to do."
Es sei schockierend gewesen, sagt Ben Sidran, aber wenn man Bob Dylan sei, könne man machen, was man wolle. Das hat, wie man weiß, auch das Nobelpreiskomitee zu spüren bekommen. Dylan ließ sich in Stockholm nicht blicken. An Ben Sidrans Fazit ändert das allerdings nichts.
"Er ist eindeutig eines der musikalischen Genies Amerikas. Bob Dylan ist ein Held, vielleicht sogar einer der wichtigsten zehn Amerikaner im 20. Jahrhundert."
Folk, Rock, Country, Blues, Traditional Pop und Gospel – nur wenige Künstler haben im Laufe ihrer Karriere so viele Facetten gezeigt wie Bob Dylan.
Einer der spannendsten Abschnitte seiner kreativen Vergangenheit sind die Jahre 1979 bis 1981, in denen sich Dylan dem Christentum zuwandte, was sich auch deutlich in seiner Musik widerspiegelte. Einen umfassenden Blick auf diese Phase wirft 2017 »Trouble No More: The Bootleg Series Vol. 13 (1979–1981)«.
Die neue Folge der hochgelobten Bob-Dylan-Bootlegserie konzentriert sich auf eine der umstrittensten und inspiriertesten Phasen in Dylans Karriere.
Mit der Albumtrilogie »Slow Train Coming« (1979), »Saved« (1980) und »Shot Of Love« (1981) schuf Bob Dylan um die Jahrzehntwende 1979/80 ein Werk, das sich mit spirituellen Themen beschäftigte und seine damalige Hinwendung zum Christentum reflektierte. Die Songs waren nicht weniger poetisch und tief empfunden als alles andere, was Dylan geschrieben hat – dennoch konnten Teile seiner Anhängerschaft mit diesem Bekenntnis und dem tiefen Glauben, der sich in den Arbeiten offenbarte, zunächst nur wenig anfangen (so wie 1965 Dylans Konvertierung zum elektrischen Rock’n’Roll die Folkpuristen befremdet hatte).
Die Konzerte aus dieser Schlüsselphase in Dylans Schaffen bieten einige der intensivsten und emotionalsten Performances seiner Karriere. Erstmals ermöglicht »Trouble No More – The Bootleg Series Vol. 13 (1979 - 1981)« Fans und Musikliebhabern nun umfassenden Einblick in diese besondere Etappe auf Bob Dylans musikalischer Reise.
Das Deluxe-Box-Set (8 CDs und 1 DVD) enthält ein Hardcoverbuch mit einer Einführung von Dylan-Forscher Ben Rollins sowie Liner-Notes von Amanda Petrusich, Rob Bowman und Penn Jillette. Exklusiv erhältlich im Deluxe-Box-Set ist zudem eine DVD mit dem abendfüllenden Konzertfilm »Trouble No More: A Musical Film«. Darin werden unveröffentlichte Aufnahmen von Dylans Tourneen 1979–1981 kontrastiert mit neuen Spoken-Word-Passagen des Oscar-nominierten US-Schauspielers Michael Shannon aus der Feder des Schriftstellers Luc Sante. Der unter der Regie von Jennifer Lebeau entstandene Film wurde in diesem Jahr für die Premiere beim prestigeträchtigen New York Film Festival ausgewählt.
Ein weiterer Teil der berühmten »Bootleg Series«, ein weiteres Stück Musikgeschichte: »Trouble No More – The Bootleg Series Vol. 13 (1979 - 1981)« wirft einen Blick auf einen der spannendsten Abschnitte in Bob Dylans Karriere.
Allein 100 Songs sind rare Live- und Studio-Tracks oder Outtakes. 14 Finalversionen gab es nie zu hören. Die Konzertmitschnitte aus San Francisco, Oslo oder London zeigen, wie die Songs auf der Bühne zusätzliches Profil und elektrische Lebensgeister gegenüber den Studio-Originalen erhielten.
(Text: Luigi Lauer, Deutschlandradio)
 
Wir senden heute den zweiten Teil unserer Reihe mit Aufnahmen aus Dylans „Gospel-Phase“..

  • Sendetermin: „Die Lange Rille“, Samstag, 14. April 2018, 21 Uhr

 

„Musik, Musik, Musik!“ - Deutsche Tonfilmschlager 1939-1942 in Orchesteraufnahmen

Erneut wiederholen wir eine Sendung, die den Tonfilm und seine Schlager zum Thema hat. Der Unterhaltungsfilm wurde im „III. Reich“, allmählich und vom Publikum fast unbemerkt, zum Propagandainstrument. Oft ist aber die Propaganda entweder so subtil, daß die Filme selbst nach dem Kriege von der Filmprüfstelle bedenkenlos freigegeben wurden - oder die Handlung spielt in einem kriegs- und elendsfernen, hakenkreuzflaggen- und hitlergrußfreien Niemandsland, so als wäre tiefster Frieden.
Ein gutes Beispiel hierfür ist „Quax der Bruchpilot“ mit Heinz Rühmann, aus dem wir einen Schlager vorstellen. Der Film zeigt die Wandlung eines Tolpatschs zum Vorzeigepiloten, natürlich unter den damals üblichen Vorzeichen deutscher Tugenden. Er gehört bis heute zu den beliebtesten Filmen jener Zeit und wird noch immer gern in Sonntagsmatineen oder im Fernsehen aufgeführt und ist als DVD käuflich, da trotz der (beabsichtigten) Werbewirksamkeit einer Fliegerkomödie für die Luftwaffe eine direkte Propaganda für den Nationalsozialismus nicht vorliegt. (Gerade vor einigen Wochen lief „Quax“ einmal wieder in den 3. Programmen.)
Man darf nicht vergessen: Babelsberg drehte als damals zweitwichtigste Filmstadt der Welt nach wie vor für einen großen Exportmarkt. Die Filme behandeln dementsprechend zumeist allgemeingültige Themen, nicht anders als vor 1933 oder in anderen Staaten. Dies war auch fürs Inland durchaus gewollt, denn Reichspropagandaminister Goebbels wußte um die allzu platte Wirkung überdeutlicher Propaganda. So fielen einige offen propagandistische Filme selbst beim damaligen, bereits einige Jahre auf Linie gebrachten Publikum durch, wie z.B. der üble Hetzfilm „Der ewige Jude“. Man wollte lieber gediegene Unterhaltung, die der deutsche Film neben den wenigen klar erkennbaren Propagandastreifen auch reichlich bot. Die Kinozuschauerzahlen der Kriegsjahre stellen Rekorde dar, die nie wieder erreicht werden sollten.
Entsprechend populär sind die Filmschlager der damaligen Zeit - teilweise bis heute. Solange die Plattenindustrie die Möglichkeit dazu hatte (im fast friedensmäßigen Maßstab z.T. noch bis Ende 1944), wurden neben Einspielungen mit den Filmstars selbst auch Orchesterversionen aufgenommen, die sich gut verkauften. Was machte es dem Plattenkäufer da schon aus, daß ab 1942 zwei Platten als Altmaterial abgegeben werden mußten, um eine neue erwerben zu können? Schließlich boten die Aufnahmen Abwechslung und Zerstreuung - und oft genug regelrechte Jazzsolistik.
Denn immer noch, in Filmdekoration wie Filmmusik, ja selbst in der Handlung mancher Streifen, ist ein US-amerikanischer Einfluß auf das deutsche Filmwesen unverkennbar - daran konnten auch die „tausend Jahre“ kaum etwas ändern …

Durchs Programm führt Thomas A. Sosna.

Wir bringen:

- Goodbye, Johnny!
(Tonfilm: Wasser für Canitoga)
Orchester Peter Kreuder, Refraingesang: Kurt Mühlhardt (27.01.39)

- Bel ami
(a.d. gleichn. Tonfilm)
Orchester Kurt Widmann, Refraingesang: Erwin Hartung (ca. Feb. 39)

- Auf einer grünen Wiese
(Tonfilm: Mann für Mann)
Großes Tanzorchester Adalbert Lutter, Refraingesang: Kurt Mühlhardt (02.3.39)

- Musik, Musik, Musik!
(Tonfilm: Hallo, Janine!)
Orchester Will Glahé, Refraingesang: Schuricke-Terzett (ca. Juni/ Juli. 39)

- Nachts, wenn mein Liebling schlafengeht
(Tonfilm: Kornblumenblau)
Tanzorchester Theo Reuter, Refraingesang: Bert Grothe (ca. Ende 39)

- Du bist zu schön, um treu zu sein
(Tonfilm: Opernball)
Orchester Will Glahé, Refraingesang: Schuricke-Terzett (Jan. 40)

- Wenn ich wüßt’, wen ich geküßt
(Tonfilm: Meine Tante, deine Tante)
Hans-Georg-Schütz-Tanz-Orchester, Refraingesang: Kurt Mühlhardt (04.4.40)

- Mir geht’s gut
(Tonfilm: Lauter Liebe)
Orchester Albert Vossen, Refraingesang: Schuricke-Terzett (12.9.40)

- Junger Mann im Frühling
(Tonfilm: Polterabend)
Kammertanzorchester Michael Jary, Refraingesang: Schuricke-Terzett (13.9.40)

- Einmal wirst du wieder bei mir sein
(Tonfilm: Wir tanzen um die Welt)
Organum-Tanzorchester Adolf Steimel, Refraingesang: Rudi Schuricke (30.01.41)

- Im Leben geht alles vorüber
(Tonfilm: Kora Terry)
Orchester Juan Llossas, Refraingesang: unbekannt (ca. März 41)

- Wenn ein junger Mann kommt
(Tonfilm: Frauen sind doch bessere Diplomaten)
Orchester Juan Llossas, Refraingesang: unbekannt (ca. März 41)

- Bei dir war es immer so schön
(Tonfilm: Anita und der Teufel)
Horst Winter mit seinem Orchester, Refraingesang: Horst Winter (März 41)

- So schön wie heut’, so müßt’ es bleiben
(Tonfilm: Tanz mit dem Kaiser)
Horst Winter mit seinem Orchester, Refraingesang: Horst Winter (Okt. 41)

- Ein Flieger hat den Bogen ’raus
(Tonfilm: Quax, der Bruchpilot)
Tanzorchester Werner Bochmann mit Marinechor (ca. Okt. 41)

- Es klopft mein Herz, bum-bum
(Tonfilm: So ein Früchtchen)
Tanzorchester Arne Hülphers, Refraingesang: Heyn-Quartett (ca. Mai 42)

- Haben Sie schon mal im Dunkeln geküßt?
(Tonfilm: Karneval der Liebe)
Orchester Kurt Widmann, Refraingesang: Erich Bergau u. Ensemblemitglieder (ca. Dez. 42)

  • Sendetermin: „Tanzparkett extra“, Sonntag, 15. April 2018, 17 - 18 Uhr
  • Wiederholung: Montag, 16. April 2018, 9 Uhr

 

Er hat sie alle überlebt: Willie Nelson wird 85!

Willie hat Elvis, Chuck, Woody Guthrie, Waylon Jennings und Guy Clark, Hag, Bob Wills und Bill Monroe, John Lennon, Ray Charles und James Brown überlebt. Er läßt sie alle "hinter sich". Nun, jedenfalls was die Todestage der prominenten Kollegen angeht. Übrigens auch solch großartiger Künstlerinnen wie Loretta Lynn und Kitty Wells, Aretha Franklin und Janis Joplin. Und auch von ihm geförderte noch lebende tolle Newcomer wie Kimmie Rhodes und Lucinda Williams sind Idole im „Lone Star State“ Texas.
Willie Nelson aus dem Kaff Abbott/Texas ist den langen, niemals langweiligen Trip über Nashville und Austin bis auf die internationalen Bühnen gegangen, Ups And Downs inklusive. Er ist ein Allround-Künstler von ganz besonderer Güte, ein Mann mit dem vielzitierten "Standing". In Amerika ist er längst so etwas wie eine Musik-Ikone. Tatsächlich ist er mehr als das, er ist ein immer wieder überraschender facettenreicher Künstler, der in vielen gesellschaftlichen Bereichen seine wirkungsvollen Spuren hinterläßt
Happy Birthday, Outlaw - und bleib gesund, alter Kiffer!. Eine seiner aktuellen abgefahrenen Produktionen heißt "Not dead today". And it´s a hit, folks!

  • Sendetermin: “Lonesome Traveler”, Sonntag, 15. April 2018, 19 Uhr

Programminfos vom 05.04.2018 bis 12.04.2018

Ostermarsch 2018

Auch in diesem Jahr fanden in vielen Städten wieder die traditionellen Ostermärsche der Friedensbewegung statt – in Kassel zum 38. Mal in Folge. Diesmal war die Beteiligung sogar noch größer als in den Vorjahren – rund 1000 Menschen versammelten sich zur Abschlußkundgebung am Kasseler Rathaus und lauschten u.a. dem ehemaligen IG-Metall-Bundesvorstandsmitglied Horst Schmitthenner und der Kasseler Stadtverordneten Violetta Bock. Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung von der Kasseler Band Palaver Rhababa.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 6. April 2018, 18 Uhr

 

Heino Jäger zum 80.

Heino wer? Wirkliche Prominenz erlangte er nie – Heino Jäger blieb immer eine Art Geheimtip, eine „Kultfigur“ für Fans und literarische Feinschmecker. Dabei bestätigten Leute, die es wissen müssen (u.a. Olli Dittrich, Eckhard Henscheid, Loriot, Hanns Dieter Hüsch, Harry Rowohlt), daß Heino Jäger einer der bedeutendsten Vertreter des grotesken Humors überhaupt war. Seine Texte, Bilder und Szenen sprühen vor absurdem Witz und skurriler Komik. Bekannt wurde er vor allem in den 70er Jahren durch seine Radiosendungen, in denen er kurze, witzige Szenen und Monologe präsentierte und damit zum vielleicht einzigen wirklichen Nachfahren von Karl Valentin wurde. In diesem Jahr würde Heino Jäger 80 Jahre alt – wäre er nicht bereits 1997, nach jahrelangem Aufenthalt in mehreren psychiatrischen Einrichtungen, an einem Schlaganfall gestorben. Wir erinnern an den genialen Querkopf und senden in „Kabarett live“ einige seiner Radio-Klassiker aus den 70er und 80er Jahren.

  • Sendetermin: „Kabarett live“, Freitag, 6. April 2018, 22 Uhr

 

Trouble No More – Dylans Gospel-Phase 1979-81

Religion war für Bob Dylan lebenslang bedeutsam: Er wuchs mit dem jüdischen Glauben auf und betrieb in den Sechzigern intensive jüdische Studien. Dann konvertierte er zum Christentum. In seinen Werken finden sich zahlreiche religiöse Motive.
"Als Dylan 1961 nach New York kam, war er sehr auf Woody Guthrie fokussiert. Er klang sogar wie Guthrie. Dylans Slang war unnatürlich für einen Kerl aus Minnesota, er war stattdessen typisch für Guthrie aus Oklahoma. Er kopierte sein Idol. Aber sehr schnell wuchs er weit darüber hinaus. Bereits 1963 erschuf er ganze Welten. Alle seine großen Lieder hätte niemand außer ihm schreiben können. Woody Guthrie wäre nicht annähernd an ein Lied wie 'A hard rain‘s a gonna fall' herangekommen. Das ist Bob Dylan."
Der das sagt, kennt sich aus. Ben Sidran aus Chicago ist Musiker und Musikhistoriker und hat sich in seinem Buch "Jews, Music and the American Dream" eingehend mit der Rolle jüdischer Musik und Musiker in den USA auseinandergesetzt - von Irving Berlin, Anfang des 20. Jahrhunderts, bis hin zum Hip-Hop der Beasty Boys. Die Rolle Woody Guthries könne kaum überschätzt werden, sagt Ben Sidran weiter. Dylan sei der geistige Sohn von Woody Guthrie gewesen.
"Solche Leute waren sehr wichtig für Dylan, denn als er anfing in der Folk-Welt war er immer an den Geschichten hinter der Musik interessiert. Soziale Ideen beschäftigten ihn kaum, aber er mochte die Ideale dahinter. Woody Guthrie kam aus der Arbeiterbewegung, darum wurde er Dylans erste musikalische Bezugsperson. Dylan hatte zudem eine sehr jüdische Gesinnung. Sein Interesse an historischen Umbrüchen hat vermutlich auch damit zu tun."
Bob Dylans Großeltern waren Einwanderer aus Litauen und der Ukraine. Er wuchs in einer Kleinstadt in Minnesota auf, in einer eng verbandelten jüdischen Gemeinde. Religiöse Traditionen wurden dort wie im Elternhaus sehr gepflegt. Doch damit brach Dylan, als er 1961 nach New York kam. Aus Robert Allen Zimmerman wurde Bob Dylan. Es hielt ihn jedoch nicht davon ab, die Bar- und Bat Mitzwa, die Tage der jüdischen Religionsmündigkeit, mit seinen Kindern zu feiern.
Ende der 1960er entflammte sein Interesse wieder, er betrieb intensive jüdische Studien - und 1971 reiste Dylan erstmals nach Israel. Dann wieder ein Umschwung, Ende der 1970er konvertierte er zum Christentum. Dazwischen – säkulare Phasen. Ein Suchender, im wahrsten Sinne des Wortes. Über die genauen Beweggründe ist nicht viel bekannt. 1983 setzte Dylan erneut eine Zäsur mit dem Lied "Neighborhood Bully", ein leidenschaftliches Plädoyer für das Existenzrecht Israels.
Religiöse Motive hatten immer mal wieder ihren Platz in Bob Dylans Liedern. Doch sind sie Abbild seiner Zerrissenheit oder Widerhall seines Interesses an existenziellen Fragen? Dylans Verhältnis zur Religion war und ist konfus. Fest stehe, so noch einmal Ben Sidran, daß es viel spezifisch Jüdisches in Dylans Liedern gebe.
"Absolut. Nehmen wir 'Highway 61': Gott sagt zu Abraham, töte deinen Sohn. Das ist direkt aus der Tora, wie viele von Dylans Bildnissen und Metaphern. Es ist offensichtlich, daß er sich sehr damit beschäftigt hat, nicht nur gelegentlich. Und ich liebte 'Knockin on heaven‘s door' vom ersten Hören an. Die bildliche Vorstellung fand ich wunderbar.Das ist doch ein sehr jüdisches Bild, an die Himmelspforte zu klopfen."
Sehr irdisch hingegen war schon immer Bob Dylans Interesse an materiellen Gütern, Religion hin oder her. Er schloß unter anderem einen Exklusivvertrag mit der nicht eben gewerkschaftsfreundlichen Kaffeehauskette Starbucks und machte Werbung für die Damenunterwäsche von Victoria's Secret.
"It was shocking. But he is Bob Dylan. He can do whatever he wants to do."
Es sei schockierend gewesen, sagt Ben Sidran, aber wenn man Bob Dylan sei, könne man machen, was man wolle. Das hat, wie man weiß, auch das Nobelpreiskomitee zu spüren bekommen. Dylan ließ sich in Stockholm nicht blicken. An Ben Sidrans Fazit ändert das allerdings nichts.
"Er ist eindeutig eines der musikalischen Genies Amerikas. Bob Dylan ist ein Held, vielleicht sogar einer der wichtigsten zehn Amerikaner im 20. Jahrhundert."
Folk, Rock, Country, Blues, Traditional Pop und Gospel – nur wenige Künstler haben im Laufe ihrer Karriere so viele Facetten gezeigt wie Bob Dylan.
Einer der spannendsten Abschnitte seiner kreativen Vergangenheit sind die Jahre 1979 bis 1981, in denen sich Dylan dem Christentum zuwandte, was sich auch deutlich in seiner Musik widerspiegelte. Einen umfassenden Blick auf diese Phase wirft 2017 »Trouble No More: The Bootleg Series Vol. 13 (1979–1981)«.
Die neue Folge der hochgelobten Bob-Dylan-Bootlegserie konzentriert sich auf eine der umstrittensten und inspiriertesten Phasen in Dylans Karriere.
Mit der Albumtrilogie »Slow Train Coming« (1979), »Saved« (1980) und »Shot Of Love« (1981) schuf Bob Dylan um die Jahrzehntwende 1979/80 ein Werk, das sich mit spirituellen Themen beschäftigte und seine damalige Hinwendung zum Christentum reflektierte. Die Songs waren nicht weniger poetisch und tief empfunden als alles andere, was Dylan geschrieben hat – dennoch konnten Teile seiner Anhängerschaft mit diesem Bekenntnis und dem tiefen Glauben, der sich in den Arbeiten offenbarte, zunächst nur wenig anfangen (so wie 1965 Dylans Konvertierung zum elektrischen Rock’n’Roll die Folkpuristen befremdet hatte).
Die Konzerte aus dieser Schlüsselphase in Dylans Schaffen bieten einige der intensivsten und emotionalsten Performances seiner Karriere. Erstmals ermöglicht »Trouble No More – The Bootleg Series Vol. 13 (1979 - 1981)« Fans und Musikliebhabern nun umfassenden Einblick in diese besondere Etappe auf Bob Dylans musikalischer Reise.
Das Deluxe-Box-Set (8 CDs und 1 DVD) enthält ein Hardcoverbuch mit einer Einführung von Dylan-Forscher Ben Rollins sowie Liner-Notes von Amanda Petrusich, Rob Bowman und Penn Jillette. Exklusiv erhältlich im Deluxe-Box-Set ist zudem eine DVD mit dem abendfüllenden Konzertfilm »Trouble No More: A Musical Film«. Darin werden unveröffentlichte Aufnahmen von Dylans Tourneen 1979–1981 kontrastiert mit neuen Spoken-Word-Passagen des Oscar-nominierten US-Schauspielers Michael Shannon aus der Feder des Schriftstellers Luc Sante. Der unter der Regie von Jennifer Lebeau entstandene Film wurde in diesem Jahr für die Premiere beim prestigeträchtigen New York Film Festival ausgewählt.
Ein weiterer Teil der berühmten »Bootleg Series«, ein weiteres Stück Musikgeschichte: »Trouble No More – The Bootleg Series Vol. 13 (1979 - 1981)« wirft einen Blick auf einen der spannendsten Abschnitte in Bob Dylans Karriere.
Allein 100 Songs sind rare Live- und Studio-Tracks oder Outtakes. 14 Finalversionen gab es nie zu hören. Die Konzertmitschnitte aus San Francisco, Oslo oder London zeigen, wie die Songs auf der Bühne zusätzliches Profil und elektrische Lebensgeister gegenüber den Studio-Originalen erhielten.
(Text: Luigi Lauer, Deutschlandradio)
 
In unserer mindestens dreiteiligen FRK-Special-Sendereihe im Rahmen der „Langen Rille“ werden die kompletten besprochenen Aufnahmen chronologisch vorgestellt.

  • Sendetermin: „Die Lange Rille“, Samstag, 7. April 2018, 21 Uhr

 

Im Radio gibt es heute Tanzmusik“ - Deutsche Tonfilmschlager 1934-1937 in Orchesteraufnahmen

Weiter geht es mit der Wiederholung unserer Reihe über Schlager der ersten Tonfilmjahre. Nach mehreren Sendungen mit Aufnahmen der Originalinterpreten aus den Tonfilmen der Weimarer Republik und des  „III. Reichs“ kommen wir nun zu Orchesterversionen. Die Plattenindustrie hatte schnell die Verkaufswirksamkeit der Tonfilmschlager erkannt und suchte sie auch mit ihren Studiokapellen und -sängern zu nutzen.
Typisch für die meisten Filme sind - wie das ganze Filmwesen weltweit oft stark amerikanisch angehaucht und daher ab 1935 gerne im modischen Swingtempo gehalten - mehr oder weniger heitere Nummern. Von ihnen werden wir in dieser und weiteren Sendungen wieder eine Auswahl vorstellen - allerdings eben hier nicht von den Leinwandstars eingesungen, sondern, wie schon gesagt, von Studio- oder Schlagersängern.
Von den Durchhaltefilmen und der offenen Propaganda des Krieges noch weit entfernt, bietet sich dem Zuschauer (fast, denn jüdische oder mißliebige Stars fehlten allerdings recht bald auf der Leinwand) das gewohnte Bild: Unterhaltung, die die kleinen und großen Sorgen des Alltags vergessen machen soll und in der noch lange nicht überwundenen Wirtschaftskrise einfach einen schönen Nachmittag oder Abend im Kino bereiten will - ganz so wie in den meisten anderen Staaten auch. Entsprechend ist der deutsche Film in jenen Jahren immer noch gefragtes Exportgut, werden von vielen Streifen fürs Ausland fremdsprachige Versionen gedreht, die gute Devisen in die klammen Kassen des Hitlerreichs spülen.
Auch im Inland ist neben dem Radio das Kino wohl die populärste Massenunterhaltung. Anders als heute hat das Fernsehen, 1935 in Deutschland als erstem Land eingeführt, noch keine Bedeutung -  es bleibt, abgesehen vom Besuch einer kinoähnlichen öffentlichen Fernsehstube, ein finanziell, technisch und zeitlich sehr begrenzt verfügbares technisches Spielzeug für eine Handvoll Edeltüftler und Superreiche in und um Berlin, wo die Sendungen zunächst ausschließlich zu empfangen sind. Also geht man „in den Kientopp“, wie es in der damaligen Reichshauptstadt hieß. Entsprechend populär sind bis heute viele der damals entstandenen Kompositionen.
Durchs Programm führt Thomas A. Sosna.

Wir bringen:

- An einem Tag im Frühling

- Man sagt zu einer Dame nicht …
(Tonfilm: Viktor und Viktoria)
Egon-Kaiser-Tanzorchester, Refraingesang: Paul Dorn (ca. Jan. 34)

- In der Nacht, da gib acht
(Tonfilm: So ein Flegel)
Tanzorchester Bernard Etté, Refraingesang: Gerd van Osten (30.01.34)

- Es ist so wunderschön, in dich verliebt zu sein
(Tonfilm: Pechmarie)
Orch. Paul von Beky, Refraingesang: Erwin Hartung (04.10.34)

- Ein junges Mädchen, ein junger Mann
(a.d. gleichn. Tonfilm)
Orch. Adalbert Lutter, Refraingesang: Erwin Hartung u. Rosl Seegers (30.01.35)

- Mädels, jetzt ist Damenwahl
(Tonfilm: Oberwachtmeister Schwenke)
Tanzorchester mit Refraingesang (evtl. Fritz Domina)
Refraingesang: unbekannt (ca. Feb. 35)

- Blindekuh
- Dort, wo du hingehst
(Tonfilm: Allotria)
Telefunken-Swing-Orchester Heinz Wehner, Refraingesang Walther v. Lennep (12.5.36)

- Capriolen
(a.d. gleichn. Tonfilm)
Peter Kreuder und sein Orchester, Refraingesang: Eric Helgar (28.6.37)

- Im Radio gibt es heute Tanzmusik
(Tonfilm: Fremdenheim Filoda
Swing-Tanzorchester Paul Kley, Refraingesang: Erwin Hartung (ca. Juli 37)

- Jawoll, meine Herr’n
(Tonfilm: Der Mann, der Sherlock Holmes war)
Erhard-Bauschke-Tanzorchester, Refraingesang: Paul Erdtmann (25.8.37)

- Ich werde jede Nacht von Ihnen träumen
(Tonfilm: Gasparone)
Orch. Walter Raatzke, Refraingesang: Max Mensing (ca. Sept. 37)

In denen Sternen steht’s geschrieben
(Tonfilm: Anna Favetti)
Orch. Erich Schneidewind, Refraingesang: Rudi Schuricke (März oder April 38)

- Ich tanz’ mit Fräulein Dolly Swing
(Tonfilm: Fünf Millionen suchen einen Erben)
Swing-Tanzorchester Paul Kley, Refraingesang: Erwin Hartung (ca. Juni/ Juli 38)

- Erika, du siehst heut’ zum Verlieben aus
(Tonfilm: Schwarzfahrt ins Glück)
Tanzorchester Eugen Wolff, Refraingesang: Metropol-Vokalisten (31.8.38)

- In einer Nacht im Mai
(Tonfilm: Eine Nacht im Mai)
Orch. Walter Raatzke, Refraingesang: Max Mensing (ca. Sept. 38)

- Kann denn Liebe Sünde sein?
(Tonfilm: Der Blaufuchs)
Orch. Adalbert Lutter, Refraingesang: Eric Helgar (21.11.38)

  • Sendetermin: „Tanzparkett extra“, Sonntag, 8. April 2018, 17-18 Uhr
  • Wiederholung: Montag, 9. April 2018, 9 Uhr

 

Sam Butera und Boots Randolph

Jeder mit dem auch nur geringsten Gefallen an Louis Primas unglaublichen Vegas-Shows der Fünfziger- und Sechzigerjahre wird sofort den Namen Sam Butera erkennen - und seinen druckvollen 'sag ihnen nicht, daß es Rock'n Roll ist'-Sound. Sam Butera mit seiner Band The Witnesses begleitete Prima fast 20 Jahre lang, hatte aber bereits vor den Vegas-Shows eine gleichermaßen interessante eigene Karriere. In dieser Folge hören wir alle Aufnahmen der vier Sam-Butera-Sessions für RCA aus den Jahren 1953/54 - insgesamt 19 Titel, darunter Perlen wie „Chicken Scratch“ und „Easy Rockin'“, sechs vorher unveröffentlichte Stücke und zwei unbekannte Zweitversionen, alles mit seinem weichen und schmalzigen New-Orleans-Saxophon.
Ebenfalls im Program: Aufnahmen des legendären Saxofon-As Boots Randolph. Homer von Homer & Jethro erzählte Chet Atkins Mitte der 1950er Jahre von Boots - und Chet nahm ihn sofort unter Vertrag. Ein Saxophon-Spieler hatte in Nashville eigentlich nie genug zu tun. Doch Boots Randolph kam in die Stadt und begann, für RCA Victor aufzunehmen. Einer der Titel, die er einspielte, war die Originalversion seines Markenzeichens „Yakety Sax“. In dieser Folge gibt’s RCA-Aufnahmen von Boots Randolph aus den späten Fünfziger- und frühen Sechzigerjahren wie „Big Daddy“, „Percolator“, „Hey Elvis“, „Red Light“, „Sleep Walk“, „So Rare“ und „Bongo Band“.

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 8. April 2018, 19 Uhr

 

Venderstrooik

Die holländische Viererkette wird beleuchtet, vorgestellt. Schräges zum nachdenken, nachwippen und woraus garantiert im Nachgang ein Abgang wird. Elektronische Querulantenmusik. Einschalten!

  • Sendetermin: „Frei hoch zwei“, Dienstag, 10. April 2018, 19 Uhr

 

Zum 140. Geburtstag des Komponisten Rudolf Nelson

Rudolf Nelson wurde am 08.4.1878 in Berlin als Rudolf Lewysohn geboren, würde also heuer 140 Jahre alt. Aus diesem Anlaß bringen wir eine Auswahl seiner Revueschlager der 20er und frühen 30er Jahre. Einige seiner Nummern finden sich noch heute im Repertoire des Brettls, so z.B. sein erster großer Treffer, der Schlager „Tamerlan“ aus der Revue „Wir stehn verkehrt“ von 1922. In der Blütezeit der Revue im Berlin der 20er Jahre stand der Name Rudolf Nelson synonym für spritzige Unterhaltung, der sich kaum jemand entziehen konnte. Unzählige Schallplattenaufnahmen der großen Zugnummern zeugen davon noch heute.
Doch die Blüte währte nicht lange. Die Weltwirtschaftskrise und das Aufkommen des Tonfilms mit fürs breite Publikum erschwinglicheren Eintrittspreisen nagten an Ruhm und Einkommen der Revuegrößen wie Charell, Haller und eben auch Nelson. Schließlich mußte auch Nelson, wie so viele Große aus der Unterhaltungsbranche jener Jahre jüdischer Herkunft, nach dem Machtantritt Hitlers Deutschland verlassen.
Das Schicksal trieb ihn über Österreich und die Schweiz nach Amsterdam, wo er etliche ehemalige Berliner Kollegen wiedertraf und mit ihnen das Kabarett „La Gaité“ gründete.
Mit dem Einmarsch der Wehrmacht in Holland war Nelson erneut in Lebensgefahr. Er wählte ein Leben im Versteck und entging so seiner sicheren Ermordung. Er komponierte und textete unter Pseudonym weiter, und - Ironie des Schicksals - etliche seiner Schlager wurden sogar von der ebenfalls beim NS-Regime verhaßten Eva Busch in Frankreich für den deutschen Markt aufgenommen.
Nach Kriegsende kehrte er in seine Heimatstadt Berlin zurück. Dort schrieb er 1949 eine letzte Revue mit dem Titel „Berlin W-Weh“. Er starb 1960. Seine Kompositionen stehen noch heute für die aus dieser Sicht tatsächlich „goldenen“ 20er Jahre.
Durch die Sendung begleitet Sie Thomas Sosna.

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 11. April 2018, 21-22 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 12. April 2018, 13 Uhr

Programminfos vom 28.03.2018 bis 04.04.2018

The Duke’s Bands in the Band - Solisten des Orchesters Duke Ellington als Bandleader; Heute: Johnny Hodges (Teil 2)

Edward Kennedy „Duke“ Ellington kann wohl mit Fug und Recht als einer der einfluß- und erfolgreichsten Orchesterchefs des Jazz gelten. Stilprägend und innovatorisch über mehrere Epochen, Pianist, Komponist, Arrangeur, ein musikalischer Perfektionist, aber, was den Umgang mit seinen Leuten anging, trotzdem kein Korinthenkacker. Schon sein teilweise über Jahrzehnte konstantes Personal spricht dafür.
Im Gegensatz zu manch andern Bandleadern, die aus Konkurrenzangst niemanden, schon gar keine Musiker aus dem eigenen Orchester, auf Augenhöhe neben sich dulden mochten, hatte die überragende Figur Ellington derartigen Futterneid nie notwendig. Vielmehr ließ der Chef etlichen Musikern den Freiraum, sich (und heiße Platten) unter eigenem Namen zu produzieren - und wirkte dabei wie selbstverständlich auf den Aufnahmen als Pianist mit.
Vorderhand zwei Bands aus dem Duke-Ellington-Orchester wollen wir Ihnen im „Tanzparkett“ vorstellen, nämlich den Klarinettisten Barney Bigard und den Sopran- und Altsaxophonisten John Cornelius „Johnny“ Hodges. Mit ihm haben wir vor vierzehn Tagen begonnen und stellen Ihnen nun in einer zweiten Folge einen weiteren Querschnitt durch sein Schaffen vor.
Johnny Hodges (* 25.7.06 Cambridge/ Mass., + 11.5.70 New York) war von 1928 bis Ende der 40er festes Orchestermitglied beim Duke, um nach einer bis 1955 dauernden Phase anderer Engagements erneut dem Orchester beizutreten.
Hodges wird zu den zehn wichtigsten Saxophonisten des Jazz von Ende der 20er Jahre bis zum Ausklang der  Swingzeit gezählt. Wie z.B. auch Lester Young und Coleman Hawkins wurde er auf seinem Instrument zu einem Vorbild für viele Musiker, vor allem in der Blüte des Swingstils. Wesentliche Anregungen hatte er allerdings schon in der Vorswingzeit von einem seiner Kollegen, nämlich dem Sopransaxophonisten Sidney Bechet, erhalten.
In der zweiten Folge mit Johnny Hodges geht es zunächst weiter um Platten, die für die Marke Vocalion eingespielt wurden. Die Firma, die zum ARC-Konzern gehörte, wurde bei dessen Zerschlagung 1938 an das Columbia Broadcasting System verkauft. 1940 stellte die Columbia das Vocalion-Etikett ein und brachte als preiswerte Serie das Jahre vorher vom Markt genommene Etikett „OKeh Records“ neu heraus. Aufnahmen aus einem gewissen Zeitraum erschienen unter beiden Etiketten.
Anschließend wechselte Hodges zur Victor, für die in dieser Zeit auch sein Chef Ellington vor dem Mikrophon stand. Hodges' Platten erschienen in den USA auf dem preiswerten Victor-Unteretikett Bluebird.
Unsere Sendung bringt Aufnahmen, die bis zum „recording ban“, dem großen Aufnahmestreik der US-Musiker, entstanden.
Durch die Sendung begleitet Sie Peter Michael.

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 28. März 2018, 21 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 29. März 2018, 13 Uhr

 

Herrenmenschenpaare - Zwischen nationalsozialistischem Elitebewußtsein und rassenideologischer (Selbst-) Verpflichtung

In den letzten Jahren hat die Forschung zu den nationalsozialistischen Tätern erhebliche Fortschritte gemacht. Wir wissen heute, daß auch zahlreiche Täter der mittleren und unteren Ebene von der Richtigkeit der nationalsozialistischen Ideologie überzeugt waren. Den meisten Forschungen zur nationalsozialistischen Verbrechensgeschichte liegt jedoch bis heute ein Gesellschaftsbild zugrunde, das in erster Linie Männer als Täter sieht. Frauen waren aber in ebenso großer Zahl begeistert von der NS-Ideologie und sahen sich als - wenn auch den Männern untergeordneter - Teil der nationalsozialistischen Volksgemeinschaft und der „arischen Herrenrasse“. Anhand konkreter Beispiele schilderte Katrin Himmler in ihrem VHS-Vortrag die Aktivitäten von Täterinnen und Tätern, die oft Paare waren - Herrenmenschenpaare.
Außerdem in der Sendung: Mitschnitt der Pressekonferenz der Kasseler Magistratsmitglieder Christian Geselle, Christof Nolda und Susanne Völker zur Entscheidung, die Bewerbung zur europäischen Kulturhauptstadt 2025 nicht weiter zu verfolgen.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 30. März 2018, 18 Uhr

 

„Ich weiß, es wird einmal ein Wunder gescheh’n“ - Deutsche Tonfilmschlager 1941-44 von ihren Originalinterpreten

Mit der vierten Tanzparkettfolge über von ihren Originalinterpreten gesungene deutsche Tonfilmschlager endet unsere Tonfilmreihe vorläufig - Fortsetzung mit weiteren Aufnahmen nicht ausgeschlossen!
Zu unserer Sendung wollen wir an dieser Stelle doch noch einmal etwas weiter ausholen:
In welchem Umfeld entstanden diese Platten?
1941, als die ersten Titel unserer Sendung eingespielt wurden, gab man dem Alltagsleben noch immer einen möglichst friedensmäßigen Anstrich, obwohl man bereits das dritte Kriegsjahr schrieb. Die meisten Zeitungen und Zeitschriften erschienen nach wie vor und druckten neben bunten Berichten, dem Reichsprogramm des Rundfunks, Anleitungen zur Handarbeit und sonstigen Haushaltstips, Reklame für italienische Getränke, Stoffe und Schallplatten, Siegesmeldungen und Führerreden ab. Sie brachten auch weiterhin Butter, Zucker, Obst, Fleisch und Eier enthaltende Rezepte, die man sogar nachkochen konnte, da man in aller Regel tatsächlich die Lebensmittel erhielt, die auf den Marken standen. Die Deutschen waren gut ernährt und angezogen, ihre Wohnungen beheizt, Kinos, Theater und Konzertsäle waren gut besucht. Rapid Wien wurde deutscher Fußballmeister, und seit dem Ende des erfolgreichen Frankreichfeldzugs war sogar das bei Kriegsbeginn erlassene Tanzverbot zeitweise aufgehoben. 1941
 wurde für Juden das Tragen des gelben Sterns zur Pflicht. Noch gab es keine Vernichtungslager, hatte die Wannseekonferenz nicht getagt, aber es war einer von vielen kleinen und größeren Schritten auf dem Weg zur Ermordung. Der gewöhnliche „Volksgenosse“ war nach mittlerweile acht Jahren staatlicher und etwa zwanzig Jahren innerparteilicher Propaganda und Hetze durchaus bereit, auf der Straße daran vorbeizusehen und die Ächtung seiner Nachbarn soweit möglich zu ignorieren.
Weite Kreise innerhalb der Bevölkerung und sogar der Führung täuschten sich über ein baldiges Kriegsende. Das schien in Sicht, falls man wenn schon zu keinem Sieg über England, dann wenigstens zu einer Einigung mit ihm käme. Die Rolle des Führer-Stellvertreters Rudolf Heß in dieser Frage, der in jenem Jahr angeblich zu Verhandlungen nach England flog, dort gefangengenommen wurde und anschließend von seinen Parteigenossen als unzurechnungsfähig erklärt wurde, ist den Forschern bis heute nicht völlig klar. Die britische Bevölkerung jedenfalls spottete über die offen eingestandene geistige Umnachtung innerhalb der deutschen Führung, und Churchill dachte an nichts weniger als an eine Einigung mit den braunbehemdeten Herrenmenschen in Berlin.
So bekam das deutsche Volk mehr und mehr zu spüren, was sein oberster Kriegsherr im September 1939 mit den Worten „Seit fünf Uhr fünfundvierzig wird jetzt zurückgeschossen!“ losgetreten hatte. Über eine deutsche Stadt nach der andern kam immer öfter ähnliches Leid, wie es die deutschen Bomberverbände seit dem Jahr zuvor nach England getragen hatten - mit britischen Luftangriffen, deren Folgen anfangs von der Bevölkerung noch als Kuriosität bestaunt wurden. Da war die Luftschlacht um England längst verloren. Und dann begann im Juni 1941 der Zweifrontenkrieg: Hitler griff im Osten seinen bisherigen Verbündeten Stalin an. Fast vier Jahre unvorstellbarer Qual für die sowjetische Zivilbevölkerung begannen. Schließlich - nach dem Angriff Japans auf Pearl Harbor am 7. Dezember 1941 - erklärte der Diktator im Größenwahn auch noch den bis dahin neutralen USA den Krieg. Damit war unwiderruflich ein neuer Weltkrieg entfesselt.
Auch im Deutschen Reich wurden nach und nach Einschränkungen spürbar, doch hatte das Regime aus dem ersten Weltkrieg gelernt. Man hielt die Bevölkerung bei Laune - materiell und kulturell. Neben Lebensmittellieferungen aus den besetzten Gebieten trugen hierzu auch nach wie vor zahlreiche Unterhaltungsfilme bei, zu denen sich allerdings nunmehr deutlicher erkennbare Propagandastreifen gesellten. Letztere sollten etlichen der daran beteiligten Künstler nach Kriegsende leichte bis erhebliche Schwierigkeiten bereiten ... Trotzdem lag natürlich das Hauptinteresse des Publikums auf Unterhaltsamem. Und selbst in dieser Zeit und trotz Deutschlands Rolle in der Welt waren derartige Filme wertvolle, devisenbringende Exportartikel für die nun bis auf wenige Ausnahmen von Hollywoodproduktionen abgeschnittenen besetzten und neutralen Länder, so daß gar nicht daran zu denken war, absichtlich die Produktion einzuschränken. Man darf eins nicht vergessen: Immer noch war Babelsberg - nach Hollywood - zweitwichtigste Filmstadt der Welt!
Hinzu kam natürlich in steigendem Maße die bewußt als Ablenkung vom Kriegsalltag gedachte Wirkung gut gemachter Komödien oder Liebesfilme, die Krieg und Zeitumstände meist völlig und seltener weitgehend ausblenden, so daß viele zeitlose und sogar auch nach heutigen Maßstäben immer noch sehenswerte Streifen entstanden. Im schließlich 1943 ausgerufenen „totalen Krieg“ wurden die Kinos als Quell von Zerstreuung und Aufheiterung nur noch wichtiger, da andere Unterhaltungsstätten entweder vielfach kriegszerstört waren oder nach und nach geschlossen wurden, um das Personal in Rüstungsbetriebe und an die Front zu schicken.
Wie schon zu einer der vorangegangenen Sendungen gesagt, erreichten die Besucherzahlen in den deutschen Kinos damals Rekorde, die nie wieder eingestellt werden sollten. Entsprechend populär waren die seinerzeit üblicherweise zum Film gehörenden Filmschlager, die vielen bis heute in Erinnerung sind. Immer noch - oder sogar stärker als bisher - ist bei vielen davon ein US-amerikanischer Einfluß unverkennbar, denn auch in den Konzertsälen, Amüsierpalästen und Plattenstudios der damaligen Reichshauptstadt fand das sogenannte „Swing-Revival“ statt. Selbst vor dreisten Kopien amerikanischer Schlager schreckten deutsche Komponisten nicht zurück - zur Freude nicht nur der Swingfans. Die Zensur ließ sie schließlich, mehr oder minder resigniert, gewähren, besonders in den letzten Kriegsjahren. Da war Ablenkung vom Alltag entschieden wichtiger geworden als hundertfünfzigprozentige Einhaltung verkorkster Vorschriften, um die sich die meisten Musiker sowieso nie geschert hatten.
 Aber neben bis heute populären Schlagern entstanden auch heute sehr seltene Aufnahmen, so z.B. Platten mit Paul Henckels, von denen wir in dieser Sendung eine vorstellen.
Erneut mit mehreren Titeln vertreten ist Schweden-Import Zarah Leander. Sie war ein Zugpferd des deutschen Films, auch im Hinblick auf eine gewisse, für den Export äußerst vorteilhafte Internationalität. Ihre Filme verkauften den Rest der Produktion im Ausland mit. Außer der Ungarin Marika Rökk und ihr fand man im Reich nicht mehr allzuviele „exotische“ Darsteller, sieht man von heute eher vergessenen Schauspielerinnen wie etwa Margit Symo oder Clara Tabody (beide aus Ungarn) einmal ab. Viele ausländische Stars hatten Babelsberg längst verlassen. So fuhr die ehemalige Stummfilmdiva Pola Negri bald wieder nach Hollywood, von wo man sie, da Marlene Dietrich partout nicht zur Rückkehr in ein Berlin unter Hitler zu bewegen war, unter großen Kosten wegengagiert hatte. Auch das kurze Ufa-Gastspiel einer gewissen Schwedin namens Ingrid Bergmann blieb bloßer Zwischenhalt auf dem Weg nach Kalifornien. Ihre Landsmännin Zarah Leander blieb der Ufa treu, auch wegen der Nähe Berlins zu ihrem Landsitz in Schweden. Selbstbewußt und mondän verkörperte sie so gar nicht den von der Propaganda geforderten Idealtypus der deutschen Frau - und behielt ihren schwedischen Paß. Dabei wollte Reichspropagandaminister Goebbels, dem das Filmwesen unterstand, sie mit der Ernennung zur Staatsschauspielerin und großen Geldbeträgen ködern. Dazu hätte sie sich allerdings einbürgern lassen müssen. Allen Anfeindungen und Goebbels‘ Intrigen zum Trotz wurde ihr Vertrag mit der Ufa immer wieder verlängert, bis sie sich 1943 zur Rückkehr nach Schweden entschloß. Ihre Filme, nach wie vor Publikumsmagneten, liefen im In- und Ausland weiter, auch weil Ersatz für hunderte Kopien inzwischen ob der Materiallage schwierig geworden wäre.
Obwohl - oder gerade weil - in politischen Fragen eher unbedarft, sollte sich die Leander oben angesprochenen Ärger bis hin zum europaweiten Auftrittsboykott einhandeln, nicht nur mit nachträglich zu „Durchhalteschlagern“ umgewidmeten Filmeinlagen, sondern auch mit einem zwecks Vertragserfüllung abgedrehten Film zeitgemäßen Inhalts („Die große Liebe“), in dem sie die Frau eines Luftwaffenoffiziers spielte. Ihre Riesenerfolge aus dem Film („Ich weiß, es wird einmal ein Wunder gescheh’n“ und erst recht „Davon geht die Welt nicht unter“), obwohl lange vor der Niederlage von Stalingrad erschienen, wurden nach 1945 in besonderem Maße als Prototypen des Durchhalteschlagers verächtlich gemacht. Die Worte zu letzterer Nummer (in dieser Sendung nicht enthalten) schrieb übrigens der Textdichter Bruno Balz nach seiner Haftentlassung: Er war wegen seiner Homosexualität festgenommen worden, damals ein todeswürdiges Verbrechen, wurde aber wieder freigelassen, und zwar
 auf Fürsprache seines Komponisten Michael Jary, der die Kriegswichtigkeit des Films geltend machen konnte. Nach Kriegsende brauchte die nun vielfach als „Nazi-Sirene“ Geschmähte lange Jahre zur Wiederherstellung ihres Rufs als große Schauspielerin und Sängerin. Unlängst begingen ihre immer noch zahlreichen Anhänger Zarah Leanders dreißigsten Todestag, und einige ihrer Filme liefen deshalb gerade einmal wieder im Fernseh-Nachtprogramm.
Ebenso unvergessen ist die im August 2005 verstorbene und bis zum Schluß durch Fernsehauftritte populäre „Dame mit Pfiff“: Ilse Werner mit ihren fast immer sehr amerikanisch inspirierten Nummern. Aber auch sie (Jahrgang 1921) war nach dem Kriege von ihren mit dem Persilschein weißer als weiß gewaschenen Landsleuten zur Unperson erklärt worden und sollte einige Zeit zu ihrer Rehabilitation benötigen ...
Auch nicht gerade  zum Kummer der Liebhaber des US-amerikanischen Klangideals agierten auf der Leinwand und vor dem Mikrophon der Schallplatte Johannes Heesters und Evelyn Künneke beim Film „Karneval der Liebe“ - unter anderem zu einer nur minimal variierten Louis-Armstrong-Zugnummer von 1938. Tatsächlich entspricht „Durch dich wird diese Welt erst schön“ fast notengetreu dem US-Titel „It’s wonderful“. Nicht nur, daß Heesters hier auf Filmplakaten lässig mit der Gitarre aus der Hüfte zu schießen scheint wie über ein Jahrzehnt später so manches Rock-‘n‘-Roll-Idol. Nein, auch „Swing-Nachtigall“ Evelyn steppt à la US-Revuefilmstar Eleanor Powell zu entsprechenden Orchesterklängen. Wer als eingefleischter „Swing-Heini“ keine Beziehungen zu Plattenhändlern ohne Angst vor der Gestapo hatte - oder zu Besatzungssoldaten in Holland, Dänemark, Frankreich oder der Tschechei - und auch keinen Onkel in Schweden oder der Schweiz, der konnte sich immerhin
 damit trösten, daß er hier Ersatz, ja hervorragenden Ersatz für die seit Ende 1941 endgültig nur noch auf Schleichwegen erhältlichen US-Platten fand. Gegen die makabren Zeitumstände setzten die Künstler mit solchen Aufnahmen ein deutliches „Trotzdem!“
Zum Abschluß der Sendung gibt es eine Platte von Hans Albers, eingespielt Ende 1944 im bereits stark zerstörten Berlin. „Beim erstenmal, da tut’s noch weh“ aus der „Großen Freiheit Nr. 7“ ist eine Aufnahme, die wie der Film selbst erst nach Kriegsende in Deutschland veröffentlicht wurde. Anfangs wurde noch in den Studios in Babelsberg und an Hamburger Originalschauplätzen gedreht, doch wich man im Laufe der Produktion dieses Farbfilms in die Prager Barrandov-Studios aus, um den ständigen Unterbrechungen durch Luftangriffe und Stromsperren zu entgehen. Als schließlich der zeit- und wirklichkeitsferne Film fertiggestellt war, der ein schon nicht mehr existierendes Hamburg porträtiert, wurde er wegen angeblicher resignativ-defätistischer Tendenzen nur noch im besetzten Prag, aber nicht mehr im Reichsgebiet aufgeführt. Erst im September 1945 bekamen ihn die Deutschen zu sehen. Bis heute läuft er immer wieder einmal im Fernsehen und sogar in Kino-Sonderprogrammen. Er gehört zu den beliebtesten Filmen jener Zeit. Wer sich das triste Grau der Trümmer des ersten Friedensherbstes 1945 auch nur ansatzweise vorzustellen versucht, während er die Farbenpracht der restaurierten Fassung sieht, wird ermessen können, warum das so ist.
Von den Filmschlagern der Zeit kurz vor Kriegsende sind in Originalbesetzung oft erst nachdem Kriege Platten erschienen. Aufnahmestudios und Produktionsbetriebe wurden durch Kriegseinwirkung immer stärker in Mitleidenschaft gezogen. Wenn überhaupt, finden sich eher Orchester- und klein besetzte Instrumentalversionen. In den meisten unzerstörten Preßwerken lief die Schallplattenerzeugung Ende 1944 aus. Material- und vor allem Brennstoffknappheit vereitelten die Fortsetzung des Betriebs. Die Aufnahmetätigkeit erlosch schließlich bei den meisten Firmen ebenfalls Ende 1944. Wozu sollte man auch in notdürftig hergerichteten Räumen irgendwie Platten aufnehmen, die man doch nicht mehr pressen konnte? Auch im besetzten Prag dürfte im Januar oder Februar 1945 die vorerst letzte Platte die Preßstraße verlassen haben; aus Kohlenmangel, wie aus der Niederschrift einer Arbeitsbesprechung des Reichsrundfunks hervorgeht. Nun blieben den Filmschlagerfreunden nur der Rundfunk und, soweit
 noch spielbereit, die Kinos selbst. Eine nennenswerte Plattenproduktion sollte erst Ende 1946 zögerlich wieder in Gang kommen, in erster Linie für die Besatzungsmächte - und zunächst handverlesenen deutschen Interessenten mit entsprechender Kompensationsware nicht verkauft, sondern als große Gunst gewährt. Die meisten Menschen hatten nun ohnehin ganz andere Sorgen.
Durch das Programm führt Thomas A. Sosna.

Wir bringen:

- Lachen und Weinen (H. G. Schütz)
(Tonfilm: Männerwirtschaft, Regie: Johannes Meyer, Premiere: 21.3.41)
Orchester Hans Georg Schütz, Gesang: Paul Henckels (29.01.41)

- So schön wie heut‘, so müßt‘ es bleiben (Grothe-Dehmel)
(Tonfilm: Tanz mit dem Kaiser, Regie: Georg Jacoby, Premiere: 19.12.41)
Orchester u. Ltg. v. Franz Grothe, Gesang: Marika Rökk (12.12.41)

- Mein Leben für die Liebe - jawohl! (Jary-Balz) (24.02.42)
- Ich weiß, es wird einmal ein Wunder gescheh‘n (Jary-Balz) (25.02.42)
(Tonfilm: Die große Liebe, Regie: Rolf Hansen, Premiere: 11.9.42)
Orchester u. Ltg. v. Michael Jary, Gesang: Zarah Leander

- Wir machen Musik (Igelhoff-Steimel-Käutner-v. Pinelli) (23.9.42)
- Wann wirst du wieder bei mir sein (Igelhoff-Steimel-Käutner-v. Pinelli) (28.9.42)
- Mein Herz hat heut‘ Premiere (Igelhoff-Steimel-Käutner-v. Pinelli) (28.9.42)
- Ich hab‘ dich, und du hast mich (Igelhoff-Steimel-Käutner-v. Pinelli) (30.9.42)
(Tonfilm: Wir machen Musik, Regie: Helmut Käutner, Premiere: 08.10.42)
Odeon-Orchester u. Ltg. v. Adolf Steimel, Gesang: Ilse Werner

- Ja, das Temperament (Raymond)
- Die Juliska aus Budapest (Raymond)
(Tonfilm: Maske in Blau, Regie: Paul Martin, Premiere: 15.01.43)
Orchester Werner Schmidt-Boelcke, Gesang: Clara Tabody u. Chor (15.6.42)

- Jede Nacht ein neues Glück (Brühne-Balz)
- Einen wie dich könnt‘ ich lieben (Brühne-Balz)
(Tonfilm: Damals, Regie: Rolf Hansen, Premiere: 03.3.43)
Orchester Einar Groth, Gesang: Zarah Leander (Stockholm 14.4.43)

- Durch dich wird diese Welt erst schön (Jary-Beckmann)
- Karussell (Jary-Beckmann)
(Tonfilm: Karneval der Liebe, Regie: Paul Martin, Premiere: 01.4.43)
Orch. d. Metropol-Theaters u. Ltg. v. Werner Schmidt-Boelcke, Gesang: Johannes Heesters (1942)

- Haben Sie schon mal im Dunkeln geküßt? (Jary-Beckmann-v. Pinelli) (30.9.42)
- Hokuspokus (Eins, zwei drei ...) (Jary-Beckmann-v. Pinelli) (05.10.42)
(Tonfilm: Karneval der Liebe, Regie: Paul Martin, Premiere: 01.4.43)
Orch. Michael Jary, Gesang: Evelyn Künneke

-Beim erstenmal, da tut’s noch weh (Eisbrenner)
(Tonfilm: Große Freiheit Nr. 7, Regie: Helmut Käutner, Premiere: Prag 15.12.44, Berlin 06.9.45)
Orchester Werner Eisbrenner, Gesang: Hans Albers (Dez. 44)

Aufnahmeort, wo nicht anders angegeben, Berlin.

  • Sendetermin: „Tanzparkett spezial“, Sonntag, 1. April 2018, 17 Uhr
  • Wiederholung: Montag, 2. April 2018, 9 Uhr

 

Ein Mann und seine Frisur: Rockabilly-Bariton Robert Gordon

Robert hits 70! Nun, tatsächlich verhält es sich ja so: der unglaubliche Neo-Rockabilly Robert Gordon hat, entgegen vieler anderslautender Voraussagen, sein siebtes Lebensjahrzehnt lebend überstanden. Respekt - und das bei diesem Lebenswandel, wow! Ein Typ der alten harten Schule: Anfangs mit perfekt gestylter Super-Tolle, zuletzt eher Flat Top; Elvis-Fan durch und durch, stolz darauf, daß die RCA ihn mit seinen ernstgemeinten Re-makes in ihren Katalog aufnahm. Robert Gordon hat, zumeist von Ersteklasse-Musikerkollegen (Link Wray, Chris Spedding, Danny Gatton) begleitet, Klassikeraufnahmen eingespielt, das sogenannte. Rockabilly-Revival mitperpetuiert und wurde gar von einem verehrten Vorbild wie Sonny Burgess zum "besten Live-Sänger, den er je gehört hat" geadelt. King Elvis hätte seine Freude an diesem Adepten - womöglich ein weiterer "Follower". Robert Gordon feiert seinen 71. - Happy Birthday, Bob. Übrigens: In Kassel ist der Rocker auch mal aufgetreten, auf der Bühne der alten Kulturfabrik Salzmann, damals vom famosen Chris Spedding an der Gitarre begleitet. Hammer!

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 2. April 2018, 19 Uhr

 

Handmade-Sondersendung zum Tod von Schlagzeuger Pat Torpey

Am 7. Februar 2018 verstarb Schlagzeuger Pat Torpey an Komplikationen durch seine Parkinson-Erkrankung. Torpey, geboren am 13. Dezember 1953 in Cleveland, USA, war Gründungsmitglied und Schlagzeuger der Rockband Mr. Big.
Er begeisterte sich schon als Kind für das Schlagzeug und wurde Anfang der 1980er Jahre Schlagzeuger in der Band von John Parr, die zur damaligen Zeit als Vorgruppe von Tina Turner unterwegs war. Im Anschluß stieg er in die Band von Belinda Carlisle ein und spielte mit ihr im Vorprogramm von Robert Palmer. Im Jahr 1987 wurde er Mitglied der Band The Knack. Dort wurde er nach einiger Zeit schließlich von Billy Sheehan und Paul Gilbert abgeworben, die zusammen mit ihm als Drummer und Eric Martin als Sänger Mr. Big gründeten. Torpey war von deren Debütalbum „Mr. Big“ über die größten Hits „To Be With You“ und „Wild World“ vom Hit-Album „Lean Into It“ über alle Alben und Tourneen der Band mit an Bord. Auch nach der Bekanntgabe seiner Parkinson-Erkrankung im Jahr 2014, die ihm schon einige Zeit vorher langsam immer deutlicher zu schaffen machte, tourte die Band nicht ohne ihn sondern engagierte einen zusätzlichen Drummer, Matt Starr, so daß dieser die schnelleren, rockigeren Songs spielen konnte, Torpey aber die Möglichkeit hatte, an den Percussions mit auf der Bühne zu sein. Für einige Songs übernahm er auch immer noch selbst das Schlagzeug. Auch auf der 2017er „Defying Gravity“ Tour von Mr. Big teilten sich Torpey und Starr nach dieser Methode das Schlagzeug, wobei Torpey jedoch leider schon deutlich geschwächter wirkte.
Pat Torpey verstarb am 7. Februar 2018 im Alter von 64 Jahren aufgrund von „Komplikationen, die durch seine Parkinson-Erkrankung bedingt waren“, wie die Band bekannt gab.
Handmade widmet sich daher in einer Stunde den besten Werken von und mit Torpey – sowohl aus seiner Mr.-Big-Zeit als auch von seinen beiden Solo-Alben „Odd Man Out“ und „Y2K“. Dazu gibt es einige schöne Geschichten und tolle Erinnerungen an diesen großartigen Musiker von Fans aus Deutschland, Dänemark und sogar Mexiko.

  • Sendetermin: „Handmade:“, Mittwoch,  4. April 2018, 19 Uhr

 

Hot & sexy – dirty Songs from the Blues Era and nasty Rhythm & Blues tracks

Was für eine Überschrift! Aber damit ist der musikalische Forschungsgegenstand klar umrissen. Und der Spaßfaktor auch. Als bei uns das nackte Frauenknie noch als skandalös und unschicklich galt und Frauen beim Sex eher auf das Mutterkreuz als auf den finalen Höhepunkt hoffen sollten, war "Copulation" ein dominierendes Thema des schwarzen Blues im Amerika der 1930/40er Jahre. Durchaus auch von Black Ladies vorgetragen: Ethel Waters, Lil Johnson und Lucille Bogan brachten es auf den Punkt: „Press my Button, ring my Bell“. Das war Tanzmusik, die sich jenseits von der aufkommenden Plattenindustrie in dunklen Spelunken und Bars abspielte und austobte.
In dieser Tradition stehen auch die nasty Rhythm & Blues Aufnahmen der post-war-era. Kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges tauchte der „Sixty minute man“ (The Dominos) auf oder Wynonie Harris sang überschäumend leidenschaftlich und ganz unzweideutig „I like my Baby’s Pudding“. Bullmoose Jackson prahlte mit seinem „Big Ten-Inch (record)“. Chuck Berry feierte in 1972 mit „My-Ding-A-Ling“ ein Aufsehen erregendes Comeback. Zwanzig Jahre vorher schaffte es Dave Bartholomew’s Originals bloß auf den Index.
Zu hören sind auch seltene Originale, sprich musikalisch wie textliche Sternstunden etwa beim „Rotten Cocksuckers Ball“ der Clovers – einer Acapella-Parodie auf den Swing-Klassiker „The Darktown Strutters Ball.“ Natürlich darf auch die X-rated Underground Version von „Think Twice“ aus den Kehlen von Lavern Baker und Jackie Wilson nicht fehlen.
Durch die Live-Sendung führt Ralf Wenzel.

  • Sendetermin: „Magic Moments“, Mittwoch, 4. April 2018, 21 Uhr

Programminfos vom 21.03.2018 bis 28.03.2018

Halbmond und Hakenkreuz -
Das Dritte Reich, die Araber und Palästina

Mit der Landung des Deutschen Afrikakorps im Februar 1941 in Libyen begann die Phase aktiver deutscher Intervention im arabischen Raum. Damit waren weitreichende strategische Planungen zur Eroberung des gesamten Nahen und Mittleren Ostens verbunden. Auch für Palästina war der Massenmord an den dortigen Juden geplant – unter tatkräftiger Mithilfe von arabischen Kollaborateuren vor Ort.
Dr. Martin Cüppers und Klaus-Michael Mallmann haben eine umfangreiche Studie hierzu vorgelegt. Martin Cüppers erläuterte im Rahmen einer VHS-Veranstaltung die Ergebnisse und stellte sie zur Diskussion.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 23. März 2018, 18 Uhr

 

Just like Jimmy Reed, Folge 3

Heute befassen wir uns erneut mit einem der großen Blues-Altmeister: Wir bringen  eine kleine Würdigung des unvergessenen "Wailing Blues"-Mannes Jimmy Reed (* 1925 in Mississippi/+ 1975 in Kalifornien), der, ebenso wie T-Bone Walker, ein wichtiger Innovator war. Jimmy Reed führte ursprünglich ein hartes Arbeiterleben, dann wurde er im 2. Weltkrieg eingesetzt. Krankheiten beeinträchtigten immer wieder seine Karriere. Berühmt wurde er schließlich als Vertreter des klassischen Blues – seine Markenzeichen waren die klagende heulende Stimme, die dreckig-treibenden Gitarrensounds, eine harte, jammernde Harmonika, minimalistisch-scheppernde Begleitung mit Baß und Schlagzeug. Seine Harmonikaspielweise war ausdrucksstark und aufwühlend, geradezu furios. Er produzierte etliche Ohrwürmer für Blues-Enthusiasten.
Blues-Klassikertitel hat er seit den 1950er Jahren innerhalb von knapp zwei Jahrzehnten nur so aus dem Ärmel geschüttelt. Er kam aus dem tiefen Süden der Staaten in die große Stadt, fand beim Vee-Jay-Label Förderer und brauchte sich weder vor Muddy Waters noch vor John Lee Hooker oder Sonny Boy Williamson zu verstecken. Im Gegentum: diese Blues Brothers waren solidarische Charaktere und haben sich streckenweise gegenseitig unterstützt, auch bei Schallplattenaufnahmen.
Was einigen von ihnen gemeinsam ist - sie fanden über den Umweg England zum internationalen Durchbruch. Ihre musikalischen Wurzeln sind nahezu dieselben. Und "gecovert" wurden sie folgend von Legionen von Blues- und Rockmusikern weltweit. Nur ein paar prominente Künstlernamen aus der "Neuzeit": die Rolling Stones, Eric Clapton, Eric Burdon & die Animals, die Pretty Things, die Groundhogs, Omar Kent Dykes & Jimmie Vaughan, bis hin zu Rock & Rollern wie Elvis, Jerry Lee Lewis, Sleepy LaBeef und Brian Setzers Stray Cats.
Sozialisiert mit Country Blues, Swing und Gospelmusik der Nachkriegszeit half Jimmy Reed mit seinen Erfolgsscheiben bereits damals Rassenschranken einzureißen - in England wurde er zum Star in der Clubszene. Seine Spielweise erprobte er seitdem mit neuen Gitarrensounds und Aufnahmetechniken. The rest is history.

  • Sendetermin: „Long Distance Call“, Samstag, 24. März 2018, 18 Uhr

 

Medien machen Schule 2018

Heute startet, wie alljährlich um diese Zeit, die neueste Ausgabe des Projekts „Medien machen Schule“, das das Freie Radio seit vielen Jahren zusammen mit dem Offenen Kanal, der Landesanstalt für privaten Rundfunk und der HNA durchführt. Schülerinnen und Schüler haben die Möglichkeit, die Medien Radio, Fernsehen und Zeitung in der Praxis kennenzulernen und eigenständig Beiträge zu erarbeiten.
Die erste Sendung im Jahr 2018 wird von der Grundschule Heckershausen gestaltet. Es wird unterhaltsam, mit 3 Hörspielen zu Star Wars, Fliegen und Flohstadt und die Schulcops sowie einem Beitrag über Suchhunde ist die Stunde gut gefüllt. Die Moderation übernehmen die Kinder.
In der ersten Sendung nach den Osterferien geht es dann gleich mit der nächsten Grundschule weiter....

  • Sendetermin: „Kinderradio“, Sonntag, 25. März 2018, 16 Uhr

 

„Das Leben ist so schön“ - Deutsche Tonfilmschlager von ihren Originalinterpreten, 1937-1939

Erneut widmet sich „Tanzparkett extra“ mit der Wiederholung einer Reihe entsprechender Aufnahmen dem Tonfilm. Was über die Zeitumstände und den Film jener Jahre zu sagen ist, möge der interessierte Hörer im Klappentext zu den vorausgegangenen Sendungen nachlesen.
In dieser und der folgenden Sendung bringen wir noch einmal Originalaufnahmen mit den Tonfilmstars. Natürlich handelt es sich dabei, wie im Tanzparkett üblich, um damals erhältliche Schellack-Industrieschallplatten, nicht jedoch um nachträgliche Umschnitte von der Lichttonspur der Filme. Solche Aufnahmen waren im Rahmen der Nostalgiewelle der 70er Jahre auf LP käuflich, enthalten jedoch oft Schnitte und abrupte Blenden, um Dialoge oder Hintergrundgeräusche wegzuschaffen. Hier bei uns erwartet sie davon ungetrübter Genuß bei Studioaufnahmen der damaligen Filmstars vor dem Mikrophon der Schallplatte.
Aufnahmeort, wo nicht anders angegeben, Berlin.
Durch die Sendung führt Thomas A. Sosna.

Wir bringen:

- Merci, mon ami (Fenyes-Brandt)
(Tonfilm: Premiere; Regie: Geza v. Bolvary, Premiere: 25.2.37)
Orchester Einar Groth, Gesang: Zarah Leander (Stockholm, 30.01.37 )

- Jawohl, meine Herr’n (Sommer-Busch)
(Tonfilm: Der Mann, der Sherlock Holmes war; Regie: Karl Hartl; Premiere: 15.7.37)
Odeon-Tanzorchester u. Ltg. d. Komp. Hans Sommer, Gesang: Hans Albers u. Heinz Rühmann (02.7.37)

- Chinamann (Schröder-Beckmann)
(Tonfilm: Sieben Ohrfeigen; Regie: Paul Martin; Premiere: 03.8.37)
Odeon-Künstlerorchester u. Ltg. d. Komp. Friedrich Schröder, Gesang: Lilian Harvey u. Willy Fritsch (31.5.37)

- Ich steh’ im Regen (Benatzky)
- Yes, Sir (Benatzky)
(Tonfilm: Zu neuen Ufern; Regie: Detlef Sierck; Premiere: 31.8.37)
Ufa-Tonfilm-Orchester, Ltg.: Lothar Brühne, Gesang: Zarah Leander (22.6.37 )

- Ich werde jede Nacht von Ihnen träumen (Kreuder-Schröder-Beckmann)
(Tonfilm: Gasparone; Regie: Georg Jacoby; Premiere: 17.12.37)
Orchester Franz Friedl, Gesang: Johannes Heesters (ca. Nov./ Dez. 37)

- Land in Sicht (Kreuder-Schröder-Beckmann)
(Tonfilm: Eine Nacht im Mai; Regie: Georg Jacoby; Premiere: 14.9.38)
Peter Kreuder und sein Orchester, Gesang: Marika Rökk (31.8.38)

- Kann denn Liebe Sünde sein? (Brühne)
(Tonfilm: Der Blaufuchs; Regie: Viktor Tourjansky; Premiere: 14.12.38)
Ufa-Tonfilm-Orchester u. Ltg. d. Komp. Lothar Brühne, Gesang: Zarah Leander (Stockholm, 31.10.38)

- Bel ami (Mackeben-Beckmann)
(a.d. gleichnamigen Tonfilm; Regie: Willi Forst; Premiere: 21.02.39)
Gesang: Willi Forst (ca. Jan. 39)

- Good bye, Johnny (Kreuder-Beckmann)
(Tonfilm: Wasser für Canitoga; Regie: Herbert Selpin; Premiere: 10.3.39) (1939)
Orchester Werner Eisbrenner, Gesang: Hans Albers (28.5.47)

- Das Leben ist so schön (Grothe-Dehmel)
(Tonfilm: Ins blaue Leben; Regie: Augusto Genina; Premiere: 11.4.39)
Odeon-Tanzorchester, Ltg.: Franz Grothe, Gesang: Lilian Harvey (01.02.39)

- Auf dem Dach der Welt (Kreuder-Schröder-Beckmann)
(Tonfilm: Hallo, Janine!; Regie: Carl Boese; Premiere: 01.7.39)
Orchester Michael Jary, Gesang: Marika Rökk (27.4.39)

- 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7 (Kreuder-Beckmann)
- Musik, Musik, Musik! (Kreuder-Beckmann)
(Tonfilm: Hallo, Janine!; Regie: Carl Boese; Premiere: 01.7.39)
(vermutlich Erhard-Bauschke-Tanzorchester), Gesang: Rudi Godden (1939)

- Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern (Jary-Balz)
(Tonfilm: Paradies der Junggesellen; Regie: Kurt Hoffmann; Premiere: 01.8.39)
Tonfilm-Orchester unter Ltg. d. Komp. Michael Jary, Gesang: Heinz Rühmann, Hans Brausewetter und Josef Sieber (30.7.39)

- Ein paar Tränen werd’ ich weinen (Dostal-Balz)
(Tonfilm: Lied der Wüste; Regie: Paul Martin; Premiere: 17.11.39)
Ufa-Tonfilm-Orchester u. Ltg. d. Komp. Nico Dostal, Gesang: Zarah Leander (25.8.39)

  • Sendetermin: „Tanzparkett extra“, Sonntag, 25. März 2018, 17-18 Uhr
  • Wiederholung: Montag, 26. März 2018, 9 Uhr

 

Innovative Gitarren-Trendsetter: Chet Atkins und Duane Eddy

Zwei Stilisten: Der eine, Duane Eddy, wird dieser Tage 80. Der andere liegt nunmehr knappe 18 Jahre im großen unterirdischen Gitarrenkoffer. Beide waren/sind echte Soundtrendsetter. "Mister Guitar" Chet Atkins war ein äußerst kreativer, feinsinniger Gitarrist und Produzent. Er entwickelte maßgeblich den sogenannten "Nashville Sound" und förderte den Künstler-Nachwuchs. Sogar an frühen Elvis-Einspielungen war er im Studio beteiligt. Die Liste seiner Produktionen ist legendär.
"The Guitar Man" Duane Eddy hat mit seinem ganz speziellen, unverkennbaren "Twangy Sound" den Rock- und ebenso den Crossover-Sound geprägt. Beide US-Künstler beeinflußten die 1950/60er Jahre mit ihren unvergessenen Aufnahmen. Musikfans und Technik-Afficionados weltweit identifizieren sich noch heute mit ihren Soundklassikern. Die wichtigsten Gitarrenherstellerfirmen widmeten ihnen exklusive Modellbaureihen. Beide Saiten-Künstler sind in allen wichtigen Halls of Fame vertreten. Zu Recht.

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 25. Marz 2018, 19 Uhr

 

Chicago House

Basierend auf einem Titel der Februar-Ausgabe über die
Starfrosch-Compilation Free the music vol. 1 hat sich frei² ein wenig
mit Chicago House beschäftigt und einiges an freier Musik dazu gefunden,
um eine ganze Sendung füllen zu können – im März.

  • Sendetermin: „Frei hoch zwei“, Dienstag, 27. März 2018, 19 Uhr

 

The Duke’s Bands in the Band - Solisten des Orchesters Duke Ellington als Bandleader;

Heute: Johnny Hodges (Teil 2)Edward Kennedy „Duke“ Ellington kann wohl mit Fug und Recht als einer der einfluß- und erfolgreichsten Orchesterchefs des Jazz gelten. Stilprägend und innovatorisch über mehrere Epochen, Pianist, Komponist, Arrangeur, ein musikalischer Perfektionist, aber, was den Umgang mit seinen Leuten anging, trotzdem kein Korinthenkacker. Schon sein teilweise über Jahrzehnte konstantes Personal spricht dafür.
Im Gegensatz zu manch andern Bandleadern, die aus Konkurrenzangst niemanden, schon gar keine Musiker aus dem eigenen Orchester, auf Augenhöhe neben sich dulden mochten, hatte die überragende Figur Ellington derartigen Futterneid nie notwendig. Vielmehr ließ der Chef etlichen Musikern den Freiraum, sich (und heiße Platten) unter eigenem Namen zu produzieren - und wirkte dabei wie selbstverständlich auf den Aufnahmen als Pianist mit.
Vorderhand zwei Bands aus dem Duke-Ellington-Orchester wollen wir Ihnen im „Tanzparkett“ vorstellen, nämlich den Klarinettisten Barney Bigard und den Sopran- und Altsaxophonisten John Cornelius „Johnny“ Hodges. Mit ihm haben wir vor vierzehn Tagen begonnen und stellen Ihnen nun in einer zweiten Folge einen weiteren Querschnitt durch sein Schaffen vor.
Johnny Hodges (* 25.7.06 Cambridge/ Mass., + 11.5.70 New York) war von 1928 bis Ende der 40er festes Orchestermitglied beim Duke, um nach einer bis 1955 dauernden Phase anderer Engagements erneut dem Orchester beizutreten.
Hodges wird zu den zehn wichtigsten Saxophonisten des Jazz von Ende der 20er Jahre bis zum Ausklang der  Swingzeit gezählt. Wie z.B. auch Lester Young und Coleman Hawkins wurde er auf seinem Instrument zu einem Vorbild für viele Musiker, vor allem in der Blüte des Swingstils. Wesentliche Anregungen hatte er allerdings schon in der Vorswingzeit von einem seiner Kollegen, nämlich dem Sopransaxophonisten Sidney Bechet, erhalten.
In der zweiten Folge mit Johnny Hodges geht es zunächst weiter um Platten, die für die Marke Vocalion eingespielt wurden. Die Firma, die zum ARC-Konzern gehörte, wurde bei dessen Zerschlagung 1938 an das Columbia Broadcasting System verkauft. 1940 stellte die Columbia das Vocalion-Etikett ein und brachte als preiswerte Serie das Jahre vorher vom Markt genommene Etikett „OKeh Records“ neu heraus. Aufnahmen aus einem gewissen Zeitraum erschienen unter beiden Etiketten.
Anschließend wechselte Hodges zur Victor, für die in dieser Zeit auch sein Chef Ellington vor dem Mikrophon stand. Hodges' Platten erschienen in den USA auf dem preiswerten Victor-Unteretikett Bluebird.
Unsere Sendung bringt Aufnahmen, die bis zum „recording ban“, dem großen Aufnahmestreik der US-Musiker, entstanden.
Durch die Sendung begleitet Sie Peter Michael.

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 28. März 2018, 21 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 29. März 2018, 13 Uhr

Programminfos vom 14.03.2018 bis 20.03.2018

The Duke’s Bands in the Band - Johnny Hodges (Teil 1)

Edward Kennedy „Duke“ Ellington kann wohl mit Fug und Recht als einer der einfluß- und erfolgreichsten Orchesterchefs des Jazz gelten. Stilprägend und innovatorisch über mehrere Epochen, Pianist, Komponist, Arrangeur, ein musikalischer Perfektionist, aber, was den Umgang mit seinen Leuten anging, trotzdem kein Korinthenkacker. Schon sein teilweise über Jahrzehnte konstantes Personal spricht dafür.
Im Gegensatz zu manch andern Bandleadern, die aus Konkurrenzangst niemanden, schon gar keine Musiker aus dem eigenen Orchester, auf Augenhöhe neben sich dulden mochten, hatte die überragende Figur Ellington derartigen Futterneid nie notwendig. Vielmehr ließ der Chef etlichen Musikern den Freiraum, sich (und heiße Platten) unter eigenem Namen zu produzieren - und wirkte dabei wie selbstverständlich auf den Aufnahmen als Pianist mit.
Vorderhand zwei Bands aus dem Duke-Ellington-Orchester wollen wir Ihnen im „Tanzparkett“ vorstellen, nämlich den Klarinettisten Barney Bigard und den Sopran- und Altsaxophonisten John Cornelius „Johnny“ Hodges. Mit ihm wollen wir beginnen.
Johnny Hodges (* 25.7.06 Cambridge/ Mass., + 11.5.70 New York) war von 1928 bis Ende der 40er festes Orchestermitglied beim Duke, um nach einer bis 1955 dauernden Phase anderer Engagements erneut dem Orchester beizutreten.
Hodges wird zu den zehn wichtigsten Saxophonisten des Jazz von Ende der 20er Jahre bis zum Ausklang der  Swingzeit gezählt. Wie z.B. auch Lester Young und Coleman Hawkins wurde er auf seinem Instrument zu einem Vorbild für viele Musiker, vor allem in der Blüte des Swingstils. Wesentliche Anregungen hatte er allerdings schon in der Vorswingzeit von einem seiner Kollegen, nämlich dem Sopransaxophonisten Sidney Bechet, erhalten.
In der ersten Folge mit Johnny Hodges geht es um Platten, die für die Marke Vocalion eingespielt wurden.
Durch die Sendung begleitet Sie Peter Michael.

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 14. März 2018, 21-22 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 15. März 2018, 13 Uhr

 

Resonanz - Studiogast: Marcus Leitschuh, Kulturpolitiker

Es gibt kaum einen Bereich, in dem er nicht aktiv wäre. Vor allem aber, erzählt Marcus Leitschuh, kenne man ihm aus dem nordhessischen Karneval, wo er als "Fullefischer" das Geschehen in Kassel aufs Korn nimmt. Die Stadt immerhin, deren Geschicke er als Kulturpolitiker und Mitglied der CDU-Fraktion der Stavo selbst mitbestimmt. Wenn er nicht gerade in seiner Schule als Rektor oder Lehrer gefragt ist. Oder im Theater eine Opernaufführung besucht. Oder sich in kirchlichen Dingen engagiert. Oder im Ortsbeirat aktiv ist. Oder ...
Musik der zweiten Stunde: Napoleon Henri Reber, Finale aus der Symphonie Nr. 4 op. 33; Johannes Brahms, Liebesliederwalzer (Auswahl); Claudio
Monteverdi, Madrigal "Vorrei baciarti"; Gabriel Fauré, Elegie für Cello und Klavier u.a.

  • Sendetermin: „Resonanz“, Mittwoch, 14. März 2018, 22 Uhr

 

Verleihung Literaturpreis für grotesken Humor

Man hätte fast wetten können: Der hat ihn längst! Aber weit gefehlt: Eckhard Henscheid, letzter deutscher Großschriftsteller und Titan der komischen Literatur, ist dem Kasseler Preis für grotesken Humor bisher erfolgreich entgangen. Aber nun hat es auch ihn erwischt – 2018 wurde er ausgezeichnet, und man stellt beim Betrachten der illustren Preisträgerliste verwundert fest, daß Henscheid – nach Robert Gernhardt und F.W. Bernstein – erst der dritte Vertreter der legendären „Neuen Frankfurter Schule“ ist, dem dieser inzwischen sehr renommierte Literaturpreis zuerkannt wurde. Verdient hat er ihn allemal: Seine ebenso brillanten wie oft hochkomischen Werke zählen zu den Höhepunkten deutschsprachiger Literatur der vergangenen Jahrzehnte. Immerhin wurde sein Schaffen inzwischen sogar mit einer umfangreichen, bisher zehnbändigen Gesamtausgabe gewürdigt, auf deren Fortsetzung seine Fans seit langem sehnsüchtig warten.
Der „Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor“, vergeben von der Stiftung Brückner-Kühner und der Stadt Kassel, geht also im Jahr 2018 an Eckhard Henscheid. Der Preis zeichnet den 1941 geborenen Autor als „Klassiker der literarischen Hochkomik“ aus. Dafür steht ein ungemein vielfältiges und virtuos gestaltetes Werk, das das Schreiben zahlreicher Autoren nach ihm geprägt hat.
Der „Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor“, gestiftet von dem Schriftstellerpaar Christine Brückner und Otto Heinrich Kühner, wird seit 1985 vergeben. Er ist mit 10.000 Euro dotiert und zeichnet Autoren aus, deren Werk auf hohem künstlerischen Niveau von Komik und Groteske geprägt ist. Der erste Preisträger war Loriot; nach ihm wurden u. a. Ernst Jandl, Irmtraud Morgner, Robert Gernhardt, Wolf Haas und zuletzt Karen Duve ausgezeichnet. Die Kasseler Sparkasse unterstützt den Preis großzügig.
Die Preisverleihung fand am 3. März 2018 im Kasseler Rathaus statt. Die Laudatio auf Eckhard Henscheid hielt der Schriftsteller Oliver Maria Schmitt. Den mit 3000 Euro dotierten und auf Vorschlag von Verlagen vergebenen „Förderpreis komische Literatur“ erhielt die Autorin Dagmara Kraus, die – ebenso wie Eckhard Henscheid – während der Zeremonie aus ihren Werken las.
Begründung des Stiftungsrates
„Eckhard Henscheid hat als humoristischer Autor, als virtuoser, innovativer Stilist wie als satirischer Sprach- und Kulturkritiker die deutschsprachige Gegenwartsliteratur entscheidend mitgestaltet. Schier unermeßlich ist sein Formenreichtum, vielfältig und feinsinnig, scharf, aber auch zart sein Ton, mit dem er ernsthaft scherzt und grotesk provoziert. In enzyklopädischer Sammellust hat er Dummdeutsch, die Kulturgeschichte der Mißverständnisse oder ein Jahrhundert der Obszönität zusammengetragen und ebenso kritisch wie komisch decouvriert. Ohne seinen prägenden Einfluß, ohne die ‚Henscheidsche Wende‘, die mit der Trilogie des laufenden Schwachsinns eingeleitet wurde, ist das Werk vieler jüngerer Autoren und Preisträger des Kasseler Literaturpreises kaum denkbar. Eckhard Henscheid ist ein Klassiker der literarischen Hochkomik.“
Eckhard Henscheid, geboren 1941 in Amberg, gab die zunächst geplante musikalische Laufbahn zugunsten eines Germanistik- und Publizistikstudiums in München auf. Mitte der sechziger Jahre startete er seine schriftstellerische Tätigkeit und arbeitete auch als Redakteur, unter anderem bei der Satirezeitschrift „Pardon“. Seit 1971 ist er freier Schriftsteller mit einer großen Vielfalt literarischer Produktionen: Romane, Kurzprosa, Satiren, Glossen, Gedichte, Rezensionen, Musik- und Kunstkritiken, Hörspiele, Essays, kulturgeschichtliche Abhandlungen und anderes mehr. Eckhard Henscheid zählt zur Künstlergruppe der „Neuen Frankfurter Schule“, die das Komische in Literatur und Kunst neu justiert hat. 1979 war er Mitbegründer des ‚endgültigen Satiremagazins‘ „Titanic“. Seinen ersten Roman „Im Kreis“ veröffentlichte er 1968 unter Pseudonym im Selbstverlag. Zwischen 1973 und 1978 erschien die überaus erfolgreiche „Trilogie des laufenden Schwachsinns“. Deren Schreibweisen führt Henscheid selbst besonders auf Erzähltraditionen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts zurück, was noch sein Buch zu „Dostojewskis Gelächter“ (2014) beglaubigt. Dieser Bezug sei besonders geeignet, so Henscheid, „die zeitgenössische Eskalation von Irritation“ zu fixieren. Das Programm setzt sich in den Romanen „Dolce Madonna Bionda“ (1983) und „Maria Schnee“ (1988) und auch noch im ‚Infantilroman‘„auweia“ (2007) fort. In das breite und virtuos entfaltete Spektrum des Autors gehören neben vielem anderen ein Opernführer („Verdi ist der Mozart Wagners“, 1979) und enzyklopädische Sammlungen (das Wörterbuch „Dummdeutsch“, 1985 / 2009, „Alle 756 Kulturen“, 2001) oder auch die Autobiografie „Denkwürdigkeiten. Aus meinem Leben“ (2013), deren Klappentext verkündet: „Eine kleine Geschichte der Bundesrepublik, wie man sie noch nicht gelesen hat – und das Selbstporträt eines großen deutschen Autors.“

Die Lyrikerin Dagmara Kraus, 1981 in Wrocław, Polen, geboren, erhält im Jahr 2018 den Förderpreis Komische Literatur. Die mit 3000 Euro dotierte Auszeichnung wird auf Vorschlag von Verlagen durch die Stadt Kassel und die Stiftung Brückner-Kühner an Autoren verliehen, die sich noch in einer frühen Phase ihres Schaffens befinden und auf hohem künstlerischen Niveau das Komische gestalten. 26 Autorinnen und Autoren waren diesmal im Rennen. Der Förderpreis wird gemeinsam mit dem Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor vergeben.  
Begründung des Stiftungsrates
„Feinfühlig und lustvoll reflektiert Dagmara Kraus in ihrer Lyrik, ihrer Prosa und ihren Nachdichtungen die Sprache. Humor entfaltet sich auf überraschende Weise in den verschiedenen Schichten ihrer Texte und ist so für ihre literarischen Konzepte prägend. Sie mischt unterschiedliche Sprachen, verschiebt und zerlegt Wörter, spielt verdichtend mit Vokalen und Konsonanten und macht besonders das Klangliche zum Träger des Komischen. Mit ihrer ebenso kunstfertigen wie unterhaltsamen Dichtung zeigt Dagmara Kraus eindrucksvoll, wie sehr auch experimentelle Poesie vom Humor profitieren kann.“
Dagmara Kraus, geboren 1981 in Wrocław, Polen, studierte Komparatistik, Kunstgeschichte und Literarisches Schreiben in Leipzig, Berlin und Paris und lebt als Lyrikerin und Lyrikübersetzerin derzeit in Berlin. Im Lyrikverlag kookbooks erschien 2012 ihr Debüt „kummerang“. Im selben Jahr kam unter dem Titel „Wir Seesterne“ der erste von mittlerweile drei Bänden ihrer Übersetzungen von Gedichten Miron Białoszewskis heraus. 2016 folgte bei kookbooks „das vogelmot schlich mit geknickter schnute“, ein Bändchen mit ‚pseudofatrastischen‘ Lautschrift-Collagen. In der roughbooks-Reihe von Urs Engeler, der neben Dagmara Kraus bereits die Autoren Michael Stauffer und Arno Camenisch erfolgreich für den Förderpreis Komische Literatur vorgeschlagen hat, veröffentlichte sie 2016 das „wehbuch“. Hier wird nach Kräften und mit größtem Vergnügen gejammert und geklagt. Bereits 2013 erschien bei Urs Engeler mit „kleine grammaturgie“ der Versuch, in Plansprachen zu dichten. Für das Hörstück „Entstehung dunkel“ erhielt sie gemeinsam mit Marc Matter 2015 den Förderpreis zum Karl-Sczuka-Preis für avancierte Radiokunst, 2016 wurde sie mit dem Heimrad-Bäcker-Förderpreis und 2017 mit dem Erlanger Literaturpreis für Poesie als Übersetzung ausgezeichnet. Im Herbst 2017 erschien „alle nase diederdase“, ihr erstes Kinderbuch.
Der Förderpreis Komische Literatur zum „Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor“ wurde bislang folgenden Personen verliehen: Frank Schulz (1999), Jochen Schmidt (2004), Tilman Rammstedt (2005), Jess Jochimsen (2006/2007), Philipp Tingler (2008), Michael Stauffer (2009), Rebekka Kricheldorf (2010), Jan Neumann (2011), Tino Hanekamp (2012), Wolfram Lotz (2013), Arno Camenisch (2015), Kirsten Fuchs (2016) und zuletzt Ferdinand Schmalz (2017).
Die Stiftung Brückner-Kühner wurde 1984 von den Schriftstellern Christine Brückner und Otto Heinrich Kühner ins Leben gerufen, die 30 Jahre zusammen in Kassel lebten und dort 1996 kurz nacheinander verstarben. Die Stiftung wirkt heute als Literaturzentrum auf den Gebieten des Komischen und der internationalen Sprachkunst, und sie unterhält das Dichterhaus Brückner-Kühner als Literaturmuseum, um von hier aus die Erinnerung an das Stifterpaar wach zu halten.
Dem Stiftungsrat gehören folgende Personen an: der Literaturprofessor Dr. Dr. h.c. Walter Pape (Vorsitzender, Köln), die Lektorinnen Friederike Emmerling (Frankfurt a.M.) und Dr. Renate Jakobson (Berlin), der Autor und Kasseler Literaturpreisträger Ingomar von Kieseritzky (Berlin), der Literaturwissenschaftler und Autor Christian Maintz (Hamburg), der Literaturprofessor Dr. Uwe Wirth (Gießen), Dr. Thomas Wohlfahrt, Leiter des Hauses für Poesie in Berlin, sowie einmalig der jeweilige Preisträger bzw. die Preisträgerin. Geschäftsführender Kurator der Stiftung ist der Literaturwissenschaftler Dr. Friedrich W. Block.
Wir senden einen Mitschnitt der Verleihungszeremonie, die – wie immer – im Kasseler Rathaus stattfand und diesmal durch Martin Lüker musikalisch umrahmt wurde. Zur Freunde des Opernkenners Eckhard Henscheid präsentierte Lüker Kompositionen von Richard Wagner – allerdings in leicht aktualisierter Form.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 16. März 2018, 18 Uhr

 

14. Politisch-kabarettistischer Aschermittwoch in Berlin

Mittlerweile schon eine Tradition in der Hauptstadt: Der Politische Aschermittwoch der scharfen Zungen. Geschliffen und pointiert. Parteiübergreifend und lobbyfrei finden sich seit Jahren führende Akteure der Nation aus Kabarett, Satire und Polemik zur großen Festveranstaltung in der Arena in Berlin-Treptow zusammen: Der Politische Aschermittwoch wird den Parteien und der Provinz entrissen.
Dieses Jahr waren dabei: Alfons, Michael Krebs Max Uthoff, Lisa Fitz, Dietmar Wischmeyer, Klaus der Geiger; Moderation: Arnulf Rating

  • Sendetermin: „Kabarett live“, Freitag, 16. März 2018, 22 Uhr

 

Deutsche Tonfilmschlager 1936 – 1943 von ihren Originalinterpreten

 

Wie bereits angekündigt, geht es auch in dieser Ausgabe um Tonfilmschlager.
Wir setzen unsere Reihe fort mit Aufnahmen, die aus den Jahren 1938 bis 1943 stammen, aus einer Zeit also, in der es zwar schon einen Fernsehdienst gab, der aber außerhalb von Berlin - und beim Normalbürger überhaupt - noch gar keine Bedeutung hatte. Das Medium der Unterhaltung in Ton und Bild war der Film, damals zumeist noch zur Unterscheidung vom früheren stummen Film als Tonfilm bezeichnet - und wer ihn sehen wollte, ging ins Kino. Die damaligen Besucherzahlen würden heute wohl zu Champagnerräuschen in den Chefetagen der deutschen Filmwirtschaft führen. Entsprechend bekannt sind noch heute viele der damaligen Filmschlager, ohne die der frühe Tonfilm so wenig auskam wie ein Schokoladenfabrikant ohne Kakao. Aber auch seltenere Titel aus weniger bekannten Produktionen wurden durch die Filmschauspieler im Plattenstudio in Wachs verewigt.
Zur NS-Kulturpolitik, der auch der Film unterstand, haben wir uns an dieser Stelle schon geäußert. Soviel sei hier noch dazu gesagt: In erster Linie wollte und will das Kinopublikum unterhalten werden, allzu problematische Stoffe kann man nur einem kleinen Kreis von Liebhabern anbieten. Dies mußte auch Reichspropagandaminister Goebbels bei offensichtlichen Propagandastreifen feststellen, die selbst beim damaligen, politisch schon stark einseitig beeinflußten Publikum teilweise durchfielen. Also setzte man in Babelsberg (der damals nach Hollywood wichtigsten Filmstadt) auf Unterhaltung und produzierte neben heute etwas altbacken wirkenden Filmen oder solchen mit subtiler und daher gefährlicher Propaganda auch viele Streifen, die dank origineller Einfälle noch heute durchaus ankommen  - wenn sie denn einmal im Fernsehen oder gar in einer Sonntagsvorstellung im Kino gezeigt werden. Auch die Exportziffern der damaligen deutschen Filmwirtschaft in viele, auch neutrale Länder, sprechen für solides Handwerk und eine immer noch vorhandene gewisse Internationalität, die auch die braunen Machthaber dem deutschen Film nicht ganz austreiben konnten.
Ähnliches gilt, wie Sie hören werden, für die Kompositionen der Filmschlager.
Durch das Programm führt Thomas A. Sosna.
 (F: Filmtitel; R: Regie, P: Premierendatum und -ort.
Datum ohne Vermerk: Aufnahmedatum der Platte. Soweit nicht anders angegeben, ist der Aufnahmeort Berlin.)

Wir bringen:
Lilian Harvey m.d. Odeon-Tanzorchester u. Ltg. v. Friedrich Schröder
-Das Fräulein Niemand (Schröder - Beckmann) (15.8.36)
F: Glückskinder
R: Paul Martin
P: 18.9.36

Heinz Rühmann u.d. Mertropol-Vokalisten m.d. Orchester Otto Dobrindt
-Wozu ist die Straße da? (Lang - Petrak) (16.12.36)
F: Lumpazivagabundus
R: Geza v. Bolvary
P: 23.12.36 Wien

Jan Kiepura m.d. Tonfilm-Orchester u .Ltg. d. Komponisten Robert Stolz
-Weine nicht, bricht eine schöne Frau dir das Herz (Stolz - Marischka) (Wien Okt. 37 - Jan. 38)
F: Zauber der Bohème
R: Geza v. Bolvary
P: 07.10.37 Wien, 08.10.37 Bochum, 03.12.37 Berlin

Pola Negri m.d. Odeon-Künstlerorchester u. Ltg. d. Komponisten Hans Otto Borgmann
-Kommt das Glück nicht heut‘, dann kommt es morgen (Borgmann - Beckmann) (15.12.37)
F: Tango Notturno
R: Fritz Kirchhoff
P: 22.12.37 Berlin

Heinz Rühmann m.d. Odeon-Tanzorchester
-Ich brech‘ die Herzen der stolzesten Frau’n (Brühne - Balz) (29.3.38)
F: Fünf Millionen suchen einen Erben
R: Carl Boese
P: 01.4.38 Berlin

Robert Dorsay m.d. Odeon-Tanzorchester
-Ich tanz‘ mit Fräulein Dolly Swing (Brühne - Balz) (29.3.38)
F: Fünf Millionen suchen einen Erben
R: Carl Boese
P: 01.4.38 Berlin
Marika Rökk m.d. Orchester Peter Kreuder
-In einer Nacht im Mai (Kreuder - Beckmann) (31.8.38)
F: Eine Nacht im Mai
R: Georg Jacoby
P: 14.9.38

Zarah Leander m.d. Balalaika-Orchester Boris Romanoff
-Nur nicht aus Liebe weinen (Mackeben - Beckmann) (14.8.39)
F: Es war eine rauschende Ballnacht
R: Carl Fröhlich
P: 13.8.39 Venedig, 15.8.39 Berlin

Ilse Werner m.d. Orchester Werner Bochmann
-Wenn du einmal ein Mädel magst (Bochmann - Lehnow) (02.11.40)
F: Sensationsprozeß Casilla
R: Eduard v. Borsody
P: 22.9.39

Kirsten Heiberg m.d. Orchester Franz Grothe
-Mein lieber Freund, Sie sind heut‘ eingeladen (Grothe - Mayring) (ca. Sept. 39)
F: Alarm auf Station III
R: Philipp Lothar Mayring
P: 10.11.39 Frankfurt/ M., 27.11.39 Berlin

Kirsten Heiberg m.d. Orchester Franz Grothe
- Ja und Nein (Grothe - Dehmel) (ca. Sept. 39)
F: Der singende Tor
R: Johannes Mayer
P: 22.12.39

Hertha Feiler u. Heinz Rühmann m.d. Orchester Werner Bochmann
-Mir geht’s gut (Bochmann - Balz) (01.11.40)
F: Lauter Liebe
R: Heinz Rühmann
P: 16.02.40 Köln

Johannnes Heesters m. Orchesterbegleitung
-Jede Frau hat ein süßes Geheimnis (Grothe - Marischka) (1939)
F: Das Abenteuer geht weiter
R: Carmine Gallone
P: 23.01.40 Ungarn
 
Heinz Rühmann m.d Orchester Werner Bochmann
-Wanderlied (Denn ein Schneider, der muß wandern) (Eichborn  - Käutner) (01.11.40)
F: Kleider machen Leute
R: Helmut Käutner
P: 16.9.40

Evelyn Künneke mit kleinem Begleitorchester, Ltg.: Michael Jary
-Sing, Nachtigall, sing (Jary - Balz) (20.01.43)
F: Auf Wiedersehn, Franziska
R: Helmut Käutner
P: 24.4.41 München, 06.5.41 Berlin
 
Zarah Leander m. Instrumentalbegleitung, am Flügel: Theo Mackeben
-Ich sag‘ nicht ja - ich sag‘ nicht nein (Mackeben - Beckmann) (04.02.41)
F: Der Weg ins Freie
R: Rolf Hansen
P: 07.5.41 Berlin

  • Sendetermin: „Tanzparkett extra“, Sonntag, 18. März 2018, 17 Uhr

 

Kleine Erinnerung an den "Prime Minister of Rock & Roll"

Chuck BerryDer wahre Rock & Roll ist nun Vollwaise - seit ziemlich genau einem Jahr. Am 18. März 2017 ist "Mr. Rock & Roll" Chuck Berry von uns gegangen.
Charles Edward Anderson Berry ist damals zuhause in Wentzville bei St. Louis/Missouri 90jährig gestorben. Mit ihm verlor die Rock- und Blues-Welt „d e n  Allergrößten“ (Süddeutsche Zeitung).
Er war ein erzählbegabter Stückeschreiber, der Teenager-Alltag und Traumwelt gekonnt in Dreiminuten-Singlesformate brachte, damit Welthits und zeitlose Ohrwürmer produziert hatte, zudem ein ausgefuchster Gitarrist der Extraklasse, von dem noch heute zahllose Adepten versuchen abzukupfern. Und ein großartiger Showmann außerdem, seine Konzerte waren legendär. Sein Markenzeichen: der sogenannte "Duckwalk" auf der Bühne.
In dieser Folge bringen wir eine kleine Erinnerung an einen ganz Großen. Eine Stunde lang hören wir die 1950/60er-Hits, die Chuck Berry beim ebenfalls legendären Chess-Label in Chicago eingespielt hat. Stücke, die weltweit unzählige Coverversionen aller möglichen und unmöglichen KünstlerInnen und Bands erfuhren.

  • Sendetermin: “Lonesome Traveler”, Sonntag, 18. März 2018, 19 Uhr

Programminfos vom 08.03.2018 bis 15.03.2018

Zum Tod von Achim Bergmann

Seinen Namen kennen vermutlich die wenigsten, aber seine Produkte werden allgemein gepriesen und hoch geschätzt: Achim Bergmann war vor über 50 Jahren Mitbegründer des legendären Münchner Trikont-Verlags und hat das Unternehmen jahrzehntelang geführt. Letzte Woche ist Achim Bergmann im Alter von 74 Jahren gestorben. Wir würdigen ihn mit einer Sondersendung.
Von Attwenger bis Funny van Dannen, von Hans Söllner bis Bernadette La Hengst und von Hank Williams bis Karl Valentin – die Reihe der Künstler, die das Trikont-Label über die Jahrzehnte veröffentlicht hat, ist ebenso beeindruckend wie prominent. Vor über 50 Jahren, im bewegten Jahr 1967, gründete Achim Bergmann gemeinsam mit einigen Freunden zunächst einen kleinen, unabhängigen Buchverlag, der sich, dem damaligen Zeitgeist entsprechend, auf politische Literatur spezialisierte. Später kamen Tonträger aller Art hinzu – Trikont wurde zu einem der wichtigsten und renommiertesten Indie-Labels hierzulande, das sich über die Jahrzehnte seine Unabhängigkeit bewahrt hat und im Lauf der Zeit einen geradezu mythischen Status erlangte. Fans, Kritiker und Fachleute waren immer wieder entzückt angesichts der herausragenden Produktionen aus dem Münchner Hinterhofbüro. Insbesondere die zahlreichen Sampler stießen auf Begeisterung – Trikont galt als das führende Label weltweit, wenn es um ungewöhnliche und originelle Zusammenstellungen ging. Das Spektrum reichte hier von raren Schellacks aus der Steinzeit der Tonaufzeichnung über mexikanische Boleros und griechischen Rembetika bis hin zu schwarzen Country-Songs und zu experimenteller Psychedelik der 60er und 70er Jahre. Besonders um bayrische Künstler machte sich Trikont immer wieder verdient: Das Label hat maßgeblich zur Wiederentdeckung der „echten“ bajuwarischen Folklore beigetragen und junge Musiker gefördert, die alpenländische Traditionen mit zeitgemäßen Klängen kombinierten. Außerdem hat Trikont das Gesamtwerk des größten bayrischen Künstlers überhaupt, Karl Valentin, in umfangreichen CD- und DVD-Boxen wieder zugänglich gemacht.
In der heutigen Sendung tauchen wir ein in die Geschichte von Trikont und würdigen Achim Bergmann, dessen Tod eine schmerzlich empfundene Lücke reißt. Im Mittelpunkt der Sendung steht ein ausführliches Interview, das wir letzten Herbst anläßlich des 50. Trikont Geburtstags auf der Frankfurter Buchmesse mit ihm geführt haben.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 9. März 2018, 18 Uhr

 

Deutsche und deutschsprachige Tonfilmschlager 1933-1937

Adolf Hitlers Machtantritt am 30. Januar 1933 bedeutete auch für die deutsche Filmindustrie eine Zäsur. Plötzlich fand sich eine große Anzahl bisher gefeierter Stars ins Abseits gedrängt - und mit ihnen auch etliche Autoren, Kamera- und Tonleute, Techniker, ja Filmmitarbeiter aller Art, vom Kopierwerksangestellten über das Scriptgirl bis zum Kulissenschieber - und, last but not least, viele Filmkomponisten.
Was vorher als „Privatvergnügen“ kaum eine Rolle gespielt hatte, nämlich die Religion oder die Zugehörigkeit zu einer der Parteien im Spektrum der Weimarer Republik, bekam nun entscheidende Bedeutung.
Die nationalsozialistische Diktatur räumte mit ihren Gegnern oder Menschen, die sie dafür hielt, gnadenlos auf.
Bereits begonnene Produktionen wurden 1933 zunächst wie gehabt fertiggestellt. Die Filmindustrie war ein wichtiger Wirtschaftszweig, und Ausfälle hätte man sich nicht leisten können. Auch im Hinblick auf den Export konnte eine zur Schau getragene scheinbare Liberalität des neuen Regimes im Umgang mit politischen Gegnern nur vorteilhaft sein.
Schnell wurde es aber für viele Filmschaffende unmöglich, ihre Tätigkeit in Deutschland fortzusetzen, obwohl es zunächst keine gesetzliche Grundlage für ihren Ausschluß von der Arbeit gab. Das „gesunde Volksempfinden“ brach sich auch in der Filmbranche schneller Bahn, als die neuen braunen Herren es in die bleiernen Lettern neuen „Rechtes“ gießen konnten.
Geduldete wie verfemte Darsteller waren in Filmen gleichen Genres tätig. So war der nicht nur in Deutschland äußerst beliebte polnische Tenor Jan Kiepura, der in dieser Zeit den Nazis noch nicht als minderwertig galt, ebenso wie sein jüdischer Kollege Joseph Schmidt in einer für die frühe Tonfilmzeit typischen Spielart der Kinounterhaltung zu sehen und zu hören, nämlich in sogenannten Sängerfilmen. Kiepura wirkte bis Mitte der 30er Jahre hinein in Babelsberger Produktionen mit. Der gleichfalls immens populäre Schmidt dagegen drehte mit „Ein Lied geht um die Welt“ in Deutschland nur einen einzigen Film - und verließ das Land am Morgen nach dessen gefeierter Premiere. Auch das Erfolgsduo Ernst Neubach und Hans May, das für die Filmschlager nicht nur dieser Produktion verantwortlich zeichnete, kehrte nur Wochen darauf seiner Heimat den Rücken.
Schon 1934 wurde mit dem Film „Die englische Heirat“ der wohl letzte Film gedreht, bei dem mit Reinhold Schünzel ein - wie es damals hieß - „Halbjude“ Regie führen durfte. Das übrige Personal in den leitenden Funktionen war da bereits durch systemkonforme Mitarbeiter ersetzt worden.
Viele bis dahin aus Deutschland und deutschen Filmen nicht wegzudenkende Schauspieler zog es nach Österreich - naheliegend, wenn die Sprache das Hauptarbeitsmittel eines Künstlers ist. Dort wurden etliche „Emigrantenfilme“ gedreht, zum Teil sogar auch mit in Deutschland weiter ohne einschränkung tätigen und populären Schauspielern wie etwa Theo Lingen. Selbst der Austrofaschismus im 1934 errichteten österreichischen Ständestaat hatte darauf weit weniger Einfluß als sein Vorbild in Berlin.
Paradoxerweise brachten die deutschen Filmverleihe viele dieser Filme in Deutschland in die Kinos. Das Publikum - NS-Propaganda hin oder her - wollte seine bisherigen Lieblinge zumeist weiterhin sehen, gute Unterhaltung war im noch von der Wirtschaftskrise gebeutelten Land gefragt - und wenn es ums Geld geht, knicken die Prinzipien so mancher Diktatur ein. Schließlich hingen am Filmwesen Arbeitsplätze, und wie die Kinobetreiber ihre Säle vollbekamen, war da plötzlich doch zweitrangig. So sah man auch Schauspieler wie z.B. die ungarische Jüdin Franziska Gaal, die noch Ende August 1933 ihren letzten in Deutschland gedrehten Film „Gruß und Kuß Veronika“ vorgelegt hatte, in den folgenden Jahren weiter auf deutschen Leinwänden und konnte die Filmschlager nach wie vor aus dem Plattenladen nach Hause tragen.
Die genannten Umstände führten auch dazu, daß eine Schauspielerin wie die „blonde Carmen“, die Ungarin Marta Eggerth (übrigens ab 1936 Ehefrau des oben angeführten Tenors Kiepura), trotz ihrer jüdischen Herkunft sogar bis 1937 in Berlin weiter Filme drehen und Platten aufnehmen konnte - sie gab selbst nach Erlaß der Nürnberger Rassegesetze den Ufa-Produktionen weiterhin ein für die Auslandsvermarktung sehr erwünschtes internationales Flair.
Wir stellen Marta Eggerth in dieser Sendung mit einem Schlager vor, den Franz Grothe für den Film „Die blonde Carmen“ schrieb. Grothe war, wie z.B. auch Peter Kreuder, zu dem wir im Verlaufe der Sendung noch kommen, schon vor 1933 als Komponist und Pianist tätig gewesen; beide gelangten aber erst im „III.Reich“ zu vollem Ruhm. Man täte Komponisten wie ihnen freilich unrecht, dies allein auf den Exodus ihrer nicht mehr erwünschten Konkurrenten zu schieben, denn ihr Talent hätte sich fraglos auch so irgendwann durchgesetzt. Erschwert hat es den Aufstieg dieser Generation allerdings sicher nicht, daß das große Haifischbecken des Musikmarktes nun etwas leerer geworden war ...
Ein weiterer deutscher Versuch in Richtung Internationalität war das Engagement des schon etwas älteren früheren Stummfilmstars Pola Negri. Wir wollen uns dabei immer vor Augen halten, daß in dieser Zeit der Potsdamer Vorort Babelsberg nach Hollywood die zweitwichtigste Filmstadt der Welt war und, ähnlich wie die Kalifornier, große Teile der Erde mit Spielfilmen aller Art unterhielt.
Zunächst hatte Reichspropagandaminister Dr. Joseph Goebbels, dem das Filmwesen unterstand, vergeblich versucht, die inzwischen zum Weltstar gewordene Marlene Dietrich zur Rückkehr nach Berlin zu bewegen. Die Dietrich, aufrechte Preußin im besten Sinne und überzeugte Demokratin, dachte jedoch an nichts weniger, als in ein hakenkreuzbeflaggtes Berlin zurückzukehren, um ein Aushängeschild für die braunbehemdeten Herrenmenschen abzugeben.
So verfiel man auf den Gedanken, die wegen ihres Akzents im Hollywood der Tonfilmzeit kaum noch gefragte polnische Darstellerin Pola Negri (recte: Barbara Apolonia Chalupiec, die, wie heute bekannt ist, Tochter eines Zigeuners war und somit eigentlich nicht in das Weltbild der Nationalsozialisten paßte) für schwere Devisen nach Babelsberg zurückzuholen, wo sie vom I. Weltkrieg an bis in die 20er Jahre etliche Filme gedreht hatte.
1935 begann ihre Tätigkeit. Allerdings entstanden bis 1938 bloß sechs deutsche Produktionen, wohl auch, weil Pola Negri fälschlicherweise bei den NS-Behörden als Jüdin denunziert und daraufhin von Goebbels mit Drehverbot belegt worden war, das allerdings Hitler persönlich wieder aufhob. Über Frankreich gelangte Pola Negri 1941 wieder in die USA und drehte nur noch zwei Filme in Hollywood - Hitlers Intervention hatte ihr dort offensichtlich keine Freunde verschafft.
Den Abschluß der heutigen Sendung bildet die Filmkomödie „Glückskinder“, die übrigens vor einiger Zeit im Rahmen des 100. Jubiläums der UFA einmal wieder im Fernsehen lief. Fast könnte man hier meinen, die Weimarer Republik sei bei der Produktion noch lebendig gewesen, so frisch und frech sind Film und Filmmusik. In bester Tradition der 20er-Jahre-Blödelschlager steht vor allem die von uns gebrachte Nummer „Ich wollt, ich wär‘ ein Huhn“. Sie liefert einen schlagenden Beweis für das bereits angesprochene herausragende Talent von Peter Kreuder (und auch das des Textdichters Hans Fritz Beckmann).
Durch die Sendung begleitet Sie Thomas A. Sosna.
Am Sendeplatz für die Wiederholung älterer „Tanzparkett“-Folgen bringen wir voraussichtlich noch weitere Teile unserer Tonfilmschlagerreihe.

  • Sendetermin: „Tanzparkett extra“, Sonntag, 11. März 2018, 17 - 18 Uhr
  • Wiederholung: Montag, 12. März 2018, 9 Uhr

 

Innovative Gitarren-Trendsetter: Chet Atkins und Duane Eddy

Zwei Stilisten: Der eine, Duane Eddy, wird dieser Tage 80. Der andere liegt nunmehr knappe 18 Jahre im großen unterirdischen Gitarrenkoffer. Beide waren/sind echte Soundtrendsetter. "Mister Guitar" Chet Atkins war ein äußerst kreativer, feinsinniger Gitarrist und Produzent. Er entwickelte maßgeblich den sogenannten "Nashville Sound" und förderte den Künstler-Nachwuchs. Sogar an frühen Elvis-Einspielungen war er im Studio beteiligt. Die Liste seiner Produktionen ist legendär.
"The Guitar Man" Duane Eddy hat mit seinem ganz speziellen, unverkennbaren "Twangy Sound" den Rock- und ebenso den Crossover-Sound geprägt. Beide US-Künstler beeinflußten die 1950/60er Jahre mit ihren unvergessenen Aufnahmen. Musikfans und Technik-Afficionados weltweit identifizieren sich noch heute mit ihren Soundklassikern. Die wichtigsten Gitarrenherstellerfirmen widmeten ihnen exklusive Modellbaureihen. Beide Saiten-Künstler sind in allen wichtigen Halls of Fame vertreten. Zu Recht.

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 4. Marz 2018, 19 Uhr

 

Unsittlich berührende Musik

In der ersten Märzausgabe von „Frei hoch zwei“ gibt es eine Huldigung des englischen Künstlers Sane in Form eines 60 minütigen Mix von Moderator Ulf Kramer. Sicher ist: verstörend und schräg wird es.

  • Sendetermin: „Frei hoch zwei“, Dienstag, 13. März 2018, 19 Uhr

 

The Duke’s Bands in the Band - Johnny Hodges (Teil 1)

Edward Kennedy „Duke“ Ellington kann wohl mit Fug und Recht als einer der einfluß- und erfolgreichsten Orchesterchefs des Jazz gelten. Stilprägend und innovatorisch über mehrere Epochen, Pianist, Komponist, Arrangeur, ein musikalischer Perfektionist, aber, was den Umgang mit seinen Leuten anging, trotzdem kein Korinthenkacker. Schon sein teilweise über Jahrzehnte konstantes Personal spricht dafür.
Im Gegensatz zu manch andern Bandleadern, die aus Konkurrenzangst niemanden, schon gar keine Musiker aus dem eigenen Orchester, auf Augenhöhe neben sich dulden mochten, hatte die überragende Figur Ellington derartigen Futterneid nie notwendig. Vielmehr ließ der Chef etlichen Musikern den Freiraum, sich (und heiße Platten) unter eigenem Namen zu produzieren - und wirkte dabei wie selbstverständlich auf den Aufnahmen als Pianist mit.
Vorderhand zwei Bands aus dem Duke-Ellington-Orchester wollen wir Ihnen im „Tanzparkett“ vorstellen, nämlich den Klarinettisten Barney Bigard und den Sopran- und Altsaxophonisten John Cornelius „Johnny“ Hodges. Mit ihm wollen wir beginnen.
Johnny Hodges (* 25.7.06 Cambridge/ Mass., + 11.5.70 New York) war von 1928 bis Ende der 40er festes Orchestermitglied beim Duke, um nach einer bis 1955 dauernden Phase anderer Engagements erneut dem Orchester beizutreten.
Hodges wird zu den zehn wichtigsten Saxophonisten des Jazz von Ende der 20er Jahre bis zum Ausklang der  Swingzeit gezählt. Wie z.B. auch Lester Young und Coleman Hawkins wurde er auf seinem Instrument zu einem Vorbild für viele Musiker, vor allem in der Blüte des Swingstils. Wesentliche Anregungen hatte er allerdings schon in der Vorswingzeit von einem seiner Kollegen, nämlich dem Sopransaxophonisten Sidney Bechet, erhalten.
In der ersten Folge mit Johnny Hodges geht es um Platten, die für die Marke Vocalion eingespielt wurden.
Durch die Sendung begleitet Sie Peter Michael.

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 14. März 2018, 21-22 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 15. März 2018, 13 Uhr

 

Resonanz - Studiogast: Marcus Leitschuh, Kulturpolitiker

Es gibt kaum einen Bereich, in dem er nicht aktiv wäre. Vor allem aber, erzählt Marcus Leitschuh, kenne man ihm aus dem nordhessischen Karneval, wo er als "Fullefischer" das Geschehen in Kassel aufs Korn nimmt. Die
Stadt immerhin, deren Geschicke er als Kulturpolitiker und Mitglied der CDU-Fraktion der Stavo selbst mitbestimmt. Wenn er nicht gerade in seiner Schule als Rektor oder Lehrer gefragt ist. Oder im Theater eine
Opernaufführung besucht. Oder sich in kirchlichen Dingen engagiert. Oder im Ortsbeirat aktiv ist. Oder ... Musik der zweiten Stunde: Napoleon Henri Reber, Finale aus der Symphonie Nr. 4 op. 33; Johannes Brahms, Liebesliederwalzer (Auswahl); Claudio Monteverdi, Madrigal "Vorrei baciarti"; Gabriel Fauré, Elegie für Cello und Klavier u.a.

  • Sendetermin: „Resonanz“, Mittwoch, 14. März 2018, 22 Uhr

Programminfos vom 01.03.2018 bis 08.03.2018

Krieg und Medien

Im Januar 2018 fand in der Kasseler Lutherkirche ein dreitägiger Kongreß zum Thema „Krieg und Medien“ statt, veranstaltet von der Organisation IALANA aus Berlin sowie weiteren Unterstützern. Eingeladen waren Autoren, Wissenschaftler, Journalisten und andere Fachleute aus Medientheorie und –praxis.
Medienkritik gibt es seit langem. Mit der Berichterstattung über den Ukraine-Konflikt hat sie drastisch zugenommen. Vor allem in den Sozialen Medien, der sogenannten ‚5. Gewalt‘, finden sich immer interessantere und tiefergehende Analysen. Dazu kommt das Kabarett. Gutes Kabarett war schon immer politisch, aber Max Uthoff und Claus von Wagner haben ‚Friedenskabarett‘ erfunden; eine neue Form von Pädagogik.
Max Uthoff war bei der Tagung zu Gast und gab im Rahmen eines Podiumsgesprächs Auskunft über seine Arbeit als „Anstaltsdirektor“, über die Auswahl und kabarettistische Bearbeitung von Themen, aber auch über das Verhältnis der Macher zur Redaktion, zum Sender und zum Publikum.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 2. März 2018, 18 Uhr

 

Tilt 2017

Aus der „Anstalt“ des ZDF ist er schon lange ausgeschieden – trotzdem gehört Urban Priol weiterhin zu den führenden politischen Kabarettisten. Neben seinen umjubelten Auftritten mit dem jeweils aktuellen Bühnenprogramm präsentiert Priol seit vielen Jahren seinen kabarettistischen Jahresrückblick „Tilt“, in dem er mit scharfem Blick auf die Ereignisse des jeweils zurückliegenden Jahres schaut. Mitleid mit dem politischen Personal kennt er dabei nicht – gnadenlos seziert er die Zustände im Land (und außerhalb) und überschüttet die Verantwortlichen mit satirischem Spott und teils bösartiger Häme – aber immer extrem witzig und auf hohem sprachlichen Niveau. Und auch sein Rückblick auf das Jahr 2017 belegt: Nach Dieter Hildebrandts Tod und Georg Schramms und Volker Pispers‘ Rückzug von der Bühne ist Urban Priol einer der wenigen verbliebenen wahren Kabarett-Titanen, die wir in Deutschland noch haben.

  • Sendetermin: „Kabarett live“, Freitag, 2. März 2018, 22 Uhr

 

Waschbärenbande

Der Hort Unterneustadt erweitert sein Angebot mit der „Waschbärenbande“ um eine Kita für 3-6 jährige. "Natur muß erlebt werden" ist hier Programm. Hortleiterin Constanze Richter ist zu Gast im FRK.

  • Sendetermin: „Kinderradio“, Sonntag, 4. März 2018, 16 Uhr

 

Innovative Gitarren-Trendsetter: Chet Atkins und Duane Eddy

Zwei Stilisten: Der eine, Duane Eddy, wird dieser Tage 80. Der andere liegt nunmehr knappe 18 Jahre im großen unterirdischen Gitarrenkoffer. Beide waren/sind echte Soundtrendsetter. "Mister Guitar" Chet Atkins war ein äußerst kreativer, feinsinniger Gitarrist und Produzent. Er entwickelte maßgeblich den sogenannten "Nashville Sound" und förderte den Künstler-Nachwuchs. Sogar an frühen Elvis-Einspielungen war er im Studio beteiligt. Die Liste seiner Produktionen ist legendär.
"The Guitar Man" Duane Eddy hat mit seinem ganz speziellen, unverkennbaren "Twangy Sound" den Rock- und ebenso den Crossover-Sound geprägt. Beide US-Künstler beeinflußten die 1950/60er Jahre mit ihren unvergessenen Aufnahmen. Musikfans und Technik-Afficionados weltweit identifizieren sich noch heute mit ihren Soundklassikern. Die wichtigsten Gitarrenherstellerfirmen widmeten ihnen exklusive Modellbaureihen. Beide Saiten-Künstler sind in allen wichtigen Halls of Fame vertreten. Zu Recht.
Hier noch ein Konzerthinweis: In einem Doppelkonzert treten die beiden Formationen Hank und die Shakers sowie Strings Only am Freitag, 9. März, ab 20 Uhr im PANOPTIKUM, Leipziger Str. 407, auf. Weitere Infos unter : info(at)kulturfabrik-kassel.de / www.kulturfabrik-kassel.de

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 4. Marz 2018, 19 Uhr

Programminfos vom 24.02.2018 bis 01.03.2018

Griechenland und die EU – Erfolgreiche Operation oder lebensgefährlicher Aderlaß?

Glaubt man den jüngsten Meldungen aus Athen, kommt die griechische Wirtschaft
allmählich wieder in Gang. Doch bei den Menschen hat der Absturz tiefe Spuren
hinterlassen. Die (mögliche) Gesundung Griechenlands wäre zu erheblich niedrigeren Kosten – sowohl für die Griechen selbst als auch für Europa insgesamt – möglich gewesen, kritisieren Ökonomen die Politik der Europäischen Union in den zurückliegenden Jahren. Hintergrund dieser Kritik ist der ungelöste Disput in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zwischen Ausgaben-und Sparpolitik und den jeweiligen Auswirkungen. War und ist die gegenwärtig dominierende Austeritätspolitik alternativlos? Wo lauern die nächsten Krisen und was können Politik und Wirtschaft hierzulande unternehmen, um die Schwächen in anderen EU-Ländern zu überwinden?
Diese und weitere am Beispiel Griechenlands gestellte Fragen und aufzuzeigenden Probleme diskutierten drei ausgewiesenen Experten aus Politik und Wissenschaft Im Rahmen einer Veranstaltung des Wissenschaftsforums der Sozialdemokratie im  Offenen Kanal Kassel. Teilnehmer waren:
Michael Roth, Staatsminister für Europa im Auswärtigen Amt
Prof. Dr. Skevos Papaioannou, Soziologe, Gastprofessor an der Universität Kassel
Prof. Dr. Alexander S. Kritikos, Forschungsdirektor am DIW in Berlin
Moderation: Prof. Dr. Hermann K. Heußner, Vorsitzender Europa-Union Kassel

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 23. Februar 2018, 18 Uhr

 

Just like Jimmy Reed, Folge1

Heute starten wir einen weiteren Zweiteiler zu den Chicago-Blues-Altmeistern. Diesmal bringen wir eine kleine Würdigung des unvergessenen "Wailing Blues"-Mannes Jimmy Reed (* 1925 in Mississippi/+ 1975 in Kalifornien), der, ebenso wie  T-Bone Walker, ein wichtiger Innovator war. Jimmy Reed führte ursprünglich ein hartes Arbeiterleben, dann wurde er im 2. Weltkrieg eingesetzt. Krankheiten beeinträchtigten immer wieder seine Karriere. Berühmt wurde er schließlich als Vertreter des klassischen Blues – seine Markenzeichen waren die klagende heulende Stimme, die dreckig-treibenden Gitarrensounds, eine harte, jammernde Harmonika, minimalistisch-scheppernde Begleitung mit Baß und Schlagzeug. Seine Harmonikaspielweise war ausdrucksstark und aufwühlend, geradezu furios. Er produzierte etliche Ohrwürmer für Blues-Enthusiasten.
Blues-Klassikertitel hat er seit den 1950er Jahren innerhalb von knapp zwei Jahrzehnten nur so aus dem Ärmel geschüttelt. Er kam aus dem tiefen Süden der Staaten in die große Stadt, fand beim Vee-Jay-Label Förderer und brauchte sich weder vor Muddy Waters noch vor John Lee Hooker oder Sonny Boy Williamson zu verstecken. Im Gegentum: diese Blues Brothers waren solidarische Charaktere und haben sich streckenweise gegenseitig unterstützt, auch bei Schallplattenaufnahmen.
Was einigen von ihnen gemeinsam ist - sie fanden über den Umweg England zum internationalen Durchbruch. Ihre musikalischen Wurzeln sind nahezu dieselben. Und "gecovert" wurden sie folgend von Legionen von Blues- und Rockmusikern weltweit. Nur ein paar prominente Künstlernamen aus der "Neuzeit": die Rolling Stones, Eric Clapton, Eric Burdon & die Animals, die Pretty Things, die Groundhogs, Omar Kent Dykes & Jimmie Vaughan, bis hin zu Rock & Rollern wie Elvis, Jerry Lee Lewis, Sleepy LaBeef und Brian Setzers Stray Cats.
Sozialisiert mit Country Blues, Swing und Gospelmusik der Nachkriegszeit half Jimmy Reed mit seinen Erfolgsscheiben bereits damals Rassenschranken einzureißen - in England wurde er zum Star in der Clubszene. Seine Spielweise erprobte er seitdem mit neuen Gitarrensounds und Aufnahmetechniken. The rest is history.

  • Sendetermin: „Long Distance Call“, Samstag, 24. Februar 2018, 18 Uhr

 

Ein entspannter Griff in die Plattenkiste

Diesmal wird ein musikalischer Bogen von Südkalifornien über Toronto/Canada bis ins heimische nordhessische Kassel geschlagen. Die Musik im heutigen Angebot pendelt irgendwo zwischen entspanntem Singer/Songwriter-Pop, Modern Country und lässiger Deadhead-Nostalgie.
Victoria Williams aus Kalifornien ist eine faszinierende Stückeschreiberin mit toller Gesangsstimme und poetischen Erzählstückchen. Nach einer Handvoll spannender  Alben warf Multiple Sklerose sie fast aus der Bahn. Viele Musikerkollegen halfen der lebensbejahenden Künstlerin mit Charity- und Tribute-Aktionen. Heute hören wir einige Tracks aus ihrem schönen Album "Swing the Statue" (1990) - Mr. Trump könnte sich da durchaus mal ein paar positive Inspirationen abholen.
Aus "Trunno" (Toronto, Ontario) sind einige eigenwillige Country-Rock-Tracks mit dabei. Die Musiker von Blue Rodeo gelten seit Jahren als wichtige Alternative Country-Pioniere. Zugleich sind sie mittlerweile eine der erfolgreichsten Bands aus Kanada. Bereits auf ihrem "Casino"-Album von 1990 bewiesen sie ihren Ideenreichtum und boten clevere Arrangements mit ganz eigenem Touch.
Und aus Kassel kommen sozusagen vier "Deadheads in Disguise" - unter dem lapidar-vieldeutigen Namen "Bronson" spielen die Jungs eine interessante Mixtur aus Country-Rock und eingängigen 70er Klängen. Sänger Jens Maienschein, René Schneider (git), Markus Brunkau (bs), Christian Dellemann (dr) lieferten kürzlich eine gute Show beim CD-Release des Dark Vatter im alten Hotel Reiss. Dark Vatter und seine Combo hören wir übrigens demnächst auch wieder auf diesem Sendeplatz - die haben wohl was neues in der Röhre. Bronson begannen einst in der alten Salzmannfabrik in Bettenhausen. Oben befand sich die Kulturfabrik, unten im Kellergeschoss waren die Probenräume der Bands. Und schon damals gab es direkte Bronson-Verbindungen zum Freien Radio.

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 25. Februar 2018, 19 Uhr

Programminfos vom 09.02.2018 bis 15.02.2018

Teil der Gewalt – Das Kassele Regierungspräsidium in der NS-Zeit

Mit dem Podiumsgespräch über das Buch „Teil der Gewalt – das Regierungspräsidium Kassel und der Nationalsozialismus“ endeten die Veranstaltungen zum 150-jährigen Bestehen der Behörde. Mit der Autorin des Buches Dr. Nadine Freund sprach der Leiter des Staatsarchivs Marburg Prof. Dr. Andreas Hedwig über die Monografie, die im Oktober 2017 erschienen ist.
60 interessierte Bürgerinnen und Bürger, geladene Gäste und Bedienstete des Regierungspräsidiums waren der Einladung von Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke in den Großen Sitzungssaal der Behörde gefolgt. Lübcke dankte in seinen Begrüßungsworten der Autorin Dr. Freund und allen, die am Zustandekommen des Buches beteiligt waren. Zu den Gründen, warum diese Monografie ausgerechnet im Jubiläumsjahr des Regierungspräsidiums erschienen ist, sagte Lübcke: „Wir können nicht 150 Jahre Regierungspräsidium Kassel feiern, ohne genau darauf zu schauen, was in den dunklen Jahren unserer Behörde geschehen ist – so als wäre sie nicht Teil der Gewalt gewesen.“
Die Besucher der Veranstaltung erfuhren, daß die junge Historikerin zweieinhalb Jahre lang an dem wenig erforschten Thema gearbeitet hat und dabei überraschend umfangreiche Erkenntnisse über eine Behörde als Mittelinstanz im Machtgefüge des NS-Staates zusammentragen und auswerten konnte. Zu Beginn der Forschungsarbeit im Auftrag des Regierungspräsidiums war Dr. Freund davon ausgegangen, daß das Ergebnis maximal 250 Seiten umfassen würde. Am Ende waren es 650 Seiten. Und dabei konnte sie in der Diskussion mit dem Publikum darauf hinweisen, welche Arbeitsbereiche des Regierungspräsidiums noch gar nicht berücksichtigt werden konnten – beispielsweise die Schulverwaltung. „Das ist einerseits bedauerlich, aber andererseits stellt es ein spannendes und lohnendes Arbeitsfeld für andere Historikerinnen und Historiker dar.“
Wir senden einen Mitschnitt der Veranstaltung.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 9. Februar 2018, 18 Uhr

 

Bernd Giesekings Jahresrückblick 2017

Bernd Gieseking spielt seinen kabarettistischen Jahresrückblick inzwischen seit 24 Jahren auf zahllosen Bühnen. Die Veranstaltung ist mittlerweile Kult: In Kassel war der Saal im Kulturbahnhof diesmal wieder mehrere Tage hintereinander ausverkauft, und auch in Vellmar, wo unsere Aufnahme entstand, war das Bürgerhaus voll. Klar, daß alle Aufreger-Themen des vergangenen Jahres zur Sprache kamen. Aber auch persönliche Themen verarbeitete Bernd Gieseking auf satirische Weise – so etwa einen Sommer, den er zusammen mit seinen Eltern verbrachte.
Außerdem in der Sendung: Würdigung zum 70. Todestag von Karl Valentin.

  • Sendetermin: „Kabarett live“, Freitag, 9. Februar 2018, 22 Uhr

 

Ein Katalane und zwei schwarze Bluesmänner

Der „Long Distance Call“ präsentiert diesmal eine ebenso entspannte wie schräge Folge: Der Minimalkünstler und Filmmusikschöpfer Pascal Comelade aus Montpellier leitet mit einigen Ohrwürmern wie Blues-Rock-Titeln der Stones und Zeitlosem von Meister Dylan die heutige Ausgabe ein. Auf klitzekleinem Kinderspielpiano sowie Mini-Celesta und Mini Drum Kit arbeitet er sich instrumental-augenzwinkernd am bekannten Liedgut ab. Mit dem seligen Jaki Liebezeit hat er zusammengearbeitet und auch für deutsche Filmproduktionen komponiert.
Der ehemalige Gospelmann und Blues-Shouter Jimmy Witherspoon aus Arkansas fügt zeitlose Klassiker hinzu. Begonnen hat er bei Jay McShann auf dem Monterey Jazz Festival 1959. Bei einigen Titeln wurde er für sein Album "The Blues, the whole Blues & nothing but the Blues" (1992) von Experten wie Dick Heckstall-Smith (ex Colosseum) und dem Blue Horizon-Labelchef Mike Vernon begleitet. Auch der Bluesgitarren-Innovator T-Bone Walker ("Mr. Stormy Monday") ist in dieser Ausgabe wieder vertreten. Mit 1950er-Aufnahmen - wahre Atlantic-Klassiker.

  • Sendetermin: „Long Distance Call“, Samstag, 10. Februar 2018, 19 Uhr

 

Zum Tod von Christian Burchard, Folge 2

Christian Burchard, Mitbegründer und langjähriger Chef der Krautrock-Legende Embryo, starb am 17. Januar im Alter von 71 Jahren an den Folgen eines Schlaganfalls.
Embryo ist eine deutsche Jazzrock- und Weltmusik-Band. Die Gruppe wurde 1969 von Christian Burchard gegründet. Im Lauf der Jahre haben über 400 nationale und internationale Jazz- und Rockmusiker bei der sich als Kollektiv begreifenden Gruppe mitgewirkt, darunter viele namhafte Jazz- und Krautrock-Musiker. 2016 übernahm Marja Burchard, die Tochter des Bandgründers, die Leitung des Projekts.
Christian Burchard war bereits in den 1960er Jahren als Jazzmusiker aktiv und spielte Klavier, Posaune und Vibraphon. Er tourte mit Mal Waldron und bildete mit dem Saxophonisten und Geiger Edgar Hofmann sowie dem Schlagzeuger Dieter Serfas ein Jazztrio. 1969 wechselte Burchard selbst ans Schlagzeug und formierte mit Hofmann und Lothar Meid die neue Band Embryo.
Meid verließ die Band nach kurzer Zeit, um sich Amon Düül anzuschließen. Christian Burchard sammelte unterdessen immer neue Musiker um sich. Insgesamt haben seit 1969 über 400 Musiker beim Musikkollektiv Embryo gespielt.[1] Zu den langjährigen Mitgliedern zählen u. a. Roman Bunka (Gitarre, Oud), Uve Müllrich (Bass), Michael Wehmeyer (Keyboards), Lothar Stahl (Marimba, Drums) und Jens Pollheide (Bass, Flöte). Außerdem gab es langjährige Freundschaften zu anderen Musikern und Bands, die immer wieder als Gäste bei Embryo erschienen, darunter Charlie Mariano, Mal Waldron, Marty Cook, Chris Karrer (Amon Düül), und Roland Schaeffer (Guru Guru). Eine enge personelle Verflechtung bestand außerdem mit der Herforder Band Missus Beastly, die gemeinsam mit Embryo, Sparifankal und Ton Steine Scherben 1973 das Label April (später Schneeball) gründeten.
Embryo hatten 1971 einen ersten Radiohit mit dem Lied „Tausendfüßler“. Innerhalb weniger Jahre entwickelte sich der Stil der Band vom jazzigen Krautrock zu Weltmusik, wobei verschiedene Stile und Richtungen miteinander vereint wurden. Viele Embryo-Alben entstanden auf ausgedehnten Konzertreisen in andere Kontinente. Die Band ist dabei auch mit wichtigen Musikern der von ihnen bereisten Ländern wie Shoba Gurtu, T. A. S. Mani, R. A. Ramamani, Mahmoud Gania und Okay Temiz aufgetreten. Der Film „Vagabunden-Karawane“ von Werner Penzel (1980) berichtet über eine dieser Reisen, die von Deutschland bis nach Indien führte.
Bassist Müllrich und Keyboarder Wehmeyer verließen 1980 Embryo und formierten ihre eigene, zunächst „Embryo's Dissidenten“ genannte Band Dissidenten.
1997 trat Christian Burchards Tochter Marja (* 1988) im Alter von 11 Jahren erstmals bei Embryo in Erscheinung. Als Multiinstrumentalistin (Percussion, Marimba, Posaune) hat sie sich bald einen festen Platz in der Band erspielt.
Im Juli 2008 erhielt Embryo beim TFF Rudolstadt den Deutschen Weltmusikpreis Ruth 2008 für das Lebenswerk verliehen.
Im Sommer 2016 erlitt Christian Burchard im Alter von 70 Jahren einen Schlaganfall und war danach nicht mehr fähig, aufzutreten. Daraufhin übernahm seine Tochter Marja die Leitung der Band. Sie hat die Band durch neue Elemente wie Beatboxing und neue Musiker verjüngt, führt aber mit der Einbindung von Musikern wie Roman Bunka und Michael Wehmeyer auch die Embryo-Tradition fort.
In Kassel sind Embryo vor allem durch ihre regelmäßige Beteiligung an den „Free Flow Festivals“ in der Salzmannfabrik bekannt. In einer weiteren Folge der „Langen Rille“ erinnern wir an Christian Burchard und an seine legendäre Band, die zu den Klassikern der deutschen Rockszene gehört.

  • Sendetermin: „Die Lange Rille“, Samstag, 10. Februarr 2018, 21 Uhr

 

The  Coasters, Teil 2

Eine schwarze Doo Wop Vokaltruppe von der Westküste machte bereits seit Beginn der 1950er Jahre lautstark auf sich aufmerksam. Mit wahrlich gekonnten Gesangpartien und einer schwungvoll-schrägen Auftrittspräsentation läuteten sie den kommenden Rock & Roll zu einer Zeit ein, als sich dieser Begriff noch gar nicht so richtig herumgesprochen hatte. Man/frau könnte sagen, die Coasters waren ihrer Zeit voraus. Dutzende von erfolgreichen Single-Schallplatten und eine anhörenswerte Reihe von Vinyl-Alben der peppigen R & B-Combo in (hauptsächlich) Quartett-Formation sprachen erstaunlich schnell auch ein weißes Publikum an.
 Unter der Ägide des legendären Songwriter- und Produzententeams Leiber/Stoller brachten die Coasters praktisch die komplette 50er-Dekade lang Ohrenwürmer heraus, die auch in der Gegenwart noch immer über Erinnerungspotential verfügen. Klassiker wie "Riot in Cell Block No. 9" / " "Smokey Joe´s Cafe" / " Charly Brown" / "Yakety Yak" / "Love Potion No. 9" / "Along came Jones" / "Poison Ivy" / "Searchin´" / "Young Blood" u.a. stellen nur eine kleine Auswahl aus ihrem riesigen Fundus dar. Mal ab 1949 hervorgegangen aus den Robins würden die Coasters durch die Förderung des ebenfalls legendären Nesuhi Ertegün (Atlantic Records) typische eigene Sounds hervorbringen - oftmals mit damals eher unüblichen kritisch-humorvollen Texten. Vielleicht kommerziell nicht unbedingt "Superstars" in den Pop-Charts - genau betrachtet jedoch seit Mitte der Fifties so etwas wie eine Kult-Truppe für die internationale Rock & Roll-Gemeinde ...

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 11. Februar 2018, 19 Uhr

 

Gesangsgruppen im Stile der Revelers (6): Der unbekannte Nachbar - polnische Platten von 1931 - 1952

Die für den 14.02. geplante Ausgabe bildet den vorläufigen Abschluß unserer kleinen Reihe über Gesangsgruppen im Stile der Revelers. Nachdem wir in zwei Ausgaben die Revelers selbst vorstellten, widmeten wir uns in drei Folgen dem in Deutschland bis heute populärsten Ensemble dieser Art, den Comedian Harmonists. Ferner brachten wir als Wiederholung von 1998 an zwei Sonntagnachmittagen zwei damals ausgestrahlte Folgen über weitere Gruppen aus Deutschland, die entweder direkt die Revelers kopierten, wie z.B. die Abels - oder eben an den Comedian Harmonists orientiert waren, die sich ja nach einiger Zeit von der direkten Nachahmung des US-Vorbilds entfernt hatten. Es gab in Deutschland etliche andere Gruppen, von denen damals auch Platten erschienen.
Solche Epigonen der Revelers (bzw. etwas später ihrer bekannteren Kopisten) fanden sich nicht nur in Deutschland. Auch in unserem Nachbarland Polen, dessen in Deutschland praktisch unbekannte Musik- und Kleinkunstszene der Schellackära wir schon öfters in unseren Sendungen vorstellten, gab es eine rege Tätigkeit auf dem Gebiete des Satzgesangs nach dem Vorbild der Revelers.
Erfolgreichste Gruppe hier war wohl der Chor Dana des Pianisten Wladislaw Danilowski, der etwa zeitgleich mit den Comedian Harmonists gegründet wurde und ihnen musikalisch ohne weiteres das Wasser reichen konnte. Davon zeugt eine vom verwöhnten und kritikfreudigen Berliner Publikum begeistert aufgenommene Vertretung der Comedian Harmonists durch den Chor Dana in Berlin.
Doch das ist hier nur Thema am Rande. Amerika als Vorbild auf allen Gebieten strahlte natürlich auch in das kulturell damals stark westlich orientierte Polen (die nach dem Kriege folgenden 40 Jahre Sozialismus verstellen heute sehr den Blick darauf!). Logischerweise fand auch die amerikanische Musik erhebliches Interesse, wovon sich unsere Hörer anhand der von uns gebrachten polnischen Platten in etlichen Sendungen inzwischen ein Bild machen konnten.
Der Erfolg des Chors Dana rief weitere Sänger auf den Plan, die sich als Gruppen auf die Warschauer Bühnen und in die Plattenstudios stellten.
Hören Sie in dieser Ausgabe einen bunten Plattenteller von den frühen 30er Jahren bis in die Nachkriegszeit, als sich der Einfluß modernerer Ensembles wie der Mills Brothers selbst im nun sozialistischen Polen bemerkbar machte, viele Gruppen aber gleichwohl noch zumindest teilweise an den Stilformen der Vorkriegszeit festhielten.
Hören Sie auch, wie der Einfluß der Revelers bis in die jiddische Theaterszene wirkte - mit dem „Rewelersen Chor von Teater Ararat“ aus Warschau. Er bringt mit „Tschipe, Tschipe“ (1936) eine Nummer aus einer jiddischen Revue, die zwar aschkenasischen Traditionen folgt, „schielt“ aber nicht nur dem Namen nach deutlich nach Amerika. Ein kurz danach für immer zerstörtes Stück polnischer und europäischer Kulturgeschichte - durch ein in Polen jüngst erlassenes obskures Gesetz zur Geschichtsschreibung gerade wieder ins Bewußtsein der Welt gerückt.
Durch die Sendung begleitet Sie Thomas A. Sosna.

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, 14. Februar 2018, 21-22 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 15. Februar 2018, 13 Uhr

 

Ein Projekt über Wechsel und Veränderungen

Verschiedene Entwicklungen   in den vergangenen Jahren haben zu großen Veränderungen im Leben der Menschen in Europa und natürlich auch der Jugendlichen in allen europäischen Staaten geführt:
– Die Finanzkrise, die die Menschen u.a. in Italien, in Spanien und insbesondere Griechenland hart trifft.
– Menschen aus nicht europäischen Staaten, die Schutz oder Arbeit in Europa suchen, sich aber trotz des Begriffs „Willkommenskultur“ eher nicht willkommen fühlen können.
– Attacken von Fanatikern, die ihr ‚Heil‘ im Jenseits suchen, dazu aber unbedingt am Jenseits uninteressierte mitnehmen wollen.
– Attacken von Fanatikern, die ihr ‚Heil‘ im Diesseits suchen und da auf keinen Fall ‚Ausländer‘ dabei haben wollen.
Wie erleben Jugendliche in den beteiligten Ländern die Veränderungen? Was befürchten Jugendliche, was erhoffen sie? Welche Veränderungen wünschen junge Menschen und wie können sie erreicht werden?
Damit beschäftigten sich 50 junge Menschen aus Italien, Polen, Spanien, Griechenland und Deutschland in dem 14-tägigen Projekt.
In der einstündigen Rundfunksendung wird über das Projekt berichtet:

  • Sendetermin: „Sendung des Jugendbildungswerks Kassel“, Donnerstag, 15. Februar 2018, 18 Uhr

Programminfos vom 02.02.2018 bis 07.02.2018

Hitler war kein Betriebsunfall - Anteil der Wirtschaft an der Errichtung der Nazidiktatur

Vor 40 Jahren brachte der bekannte antifaschistische Journalist Emil Carlebach eine erste Broschüre heraus, in der er nachzeichnete, daß Hitler und die NSDAP nicht „zufällig“ an die Macht gebracht wurden, sondern daß einflußreiche Kräfte aus Wirtschaft, Militär und Politik sich massiv dafür eingesetzt haben. Die Vortragsveranstaltung befaßte sich mit Triebkräften, Akteuren aus der Wirtschaft und politischen Voraussetzungen zur Errichtung der faschistischen Herrschaft in Deutschland. Daß dabei auch von Henschel und anderen Kasseler Größen gesprochen wurde, dürfte nicht überraschen.
Die Ausgangsfragestellungen: Wie war es möglich, daß Hitler und seine Nazipartei innerhalb weniger Jahre von einer politischen Splittergruppe zu einer politisch einflußreichen Kraft werden konnten? Wie war es möglich, daß Hitler schließlich Anfang 1933 die Reichskanzlerschaft angetragen werden konnte? Wie war es möglich, daß das faschistische
Regime an der Macht innerhalb von sechs Jahren in der Lage war, einen Krieg zu führen und halb Europa zu unterjochen? Wie war es möglich, daß die größten Teile des deutschen Volkes Hitler auch dann noch folgten, als die Niederlage deutlich zu erkennen war?

Hitlers Aufstieg und der seiner Partei wäre ohne die Unterstützung der Wirtschaft nicht möglich gewesen. Besonders an Rhein und Ruhr fand er schnell große Hilfe und finanzielle Gönner. Dabei kam zusammen, daß sich das Interesse der Wirtschaft an der Beseitigung der Hemmnisse an der Profitmaximierung mit Hitlers politischem und ökonomischem Programm traf. In der Autark- und Rüstungspolitik sahen viele Industrielle
frühzeitig beste Entfaltungs-und Profitmöglichkeiten.

Im Vortrag wurde erläutert, wie es Hitler gelang, sich von 1925 an im Ruhrgebiet zu verankern und Gelder bei Industriellen einzusammeln. Im Düsseldorfer Industrieclub waren am 26. Januar 1932 über 600 hohe Wirtschaftsvertreter und Industrielle der Schwerindustrie von Hitlers Ausführungen derart begeistert, daß der Ruf „Hitler an die Macht“ immer lauter wurde. In letzten Gesprächen mit maßgeblichen Vertretern der Wirtschaft in Köln und Dortmund wurden schließlich die Weichen dafür gestellt, daß Reichspräsident von Hindenburg die Macht in Hitlers Hände legte. Hitler und seinen Naziorganisationen gelang es innerhalb weniger Wochen, die Arbeiterbewegung zu zerschlagen, die verbliebenen bürgerlichen Oppositionellen beiseite zu schieben und das Land mit Gewalt und Terror zu überziehen. Mit Wissen, Billigung und Unterstützung der Wirtschaft wurde die Demokratie abgeschafft, die Republik zerschlagen. Günter Gleising, Autor eines Buchs zum Thema, erläuterte in seinem Vortrag im Cafe Buch-Oase die Zusammenhänge.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 2. Februar 2018, 18 Uhr

 

Zum Tode von Coco Schumann – der sogenannte „Ghetto Swinger“

Der deutsche Jazz-Gitarrist Coco Schumann ist im Alter von 93 Jahren gestorben. Schumann spielte Jazz und Swing im Berlin der Dreißiger; als Sohn einer Jüdin wurde er von den Nazis verschleppt und ins KZ Auschwitz deportiert. Nach dem Krieg kehrte Schumann nach Berlin zurück und spielte erfolgreich in Tanz-, Radio- und Fernsehbands.
Coco Schumann, Jazz-Gitarrist, Swing-Legende und KZ-Überlebender, starb am vergangenen Sonntag im Alter von 93 Jahren in Berlin, wie seine Plattenfirma Trikont unter Berufung auf seine Familie in München bestätigte.
Der Musiker wurde 1924 als Heinz Jakob Schumann in Berlin geboren. In den Dreißigerjahren lernte er dort die neuaufkommenden Musikrichtungen Jazz und Swing kennen und lieben. Schon als Jugendlicher spielte er in verschiedenen Swing-Bands, Gitarre und Schlagzeug brachte er sich selbst bei. Seinen späteren Künstlernamen "Coco" gab ihm seine damalige französische Freundin, die Schumanns Vornamen Heinz nicht aussprechen konnte und den zweiten Vornamen Jakob zu "Coco" vereinfachte.
Schumanns Mutter war Jüdin, sein Vater war vor der Hochzeit vom Christentum konvertiert. Von den Nazis wurde Schumann deshalb als "Geltungsjude" eingestuft,  1943 verhaftet und ins Ghetto Theresienstadt deportiert. 1944 wurde er ins KZ Auschwitz-Birkenau gebracht, 1945 nach Kaufering, einem Nebenlager des KZ Dachau. Im April wurde er von amerikanischen Soldaten befreit, nachdem er mit anderen Häftlingen auf einen Todesmarsch in Richtung Innsbruck geschickt wurde.
Nach dem Krieg kehrte Schumann nach Berlin zurück, wo er als einer der ersten deutschen Künstler in der Nachkriegszeit mit einer E-Gitarre arbeitete. Schumann trat bei Konzerten und Radioübertragungen auf und nahm Schallplatten auf. Unter eigenem Namen spielte er Jazz und Tanzmusik, unter dem Pseudonym "Sam Petraco" komponierte er lateinamerikanisch inspirierte Unterhaltungsmusik.
Nachdem er sich in den Achtzigerjahren aus der Musik zurückgezogen hatte, kehrte Schumann zehn Jahre später mit dem "Coco Schumann Quartett" zu seinen Wurzeln im Jazz und Swing zurück. 2012 trat er auf einem Festakt im Jüdischen Museum Berlin anläßlich der Unterzeichnung eines neugefaßten Entschädigungsabkommens zwischen der Bundesrepublik und der jüdischen Organisation Jewish Claims Conference auf.
Moderator Wolf Silaff erinnert in der heutigen „Langen Rille“ an den legendären Musiker und Zeitzeugen.

  • Sendetermin: „Die Lange Rille“, Samstag, 3. Februar 2018, 21 Uhr

 

The  Coasters, Teil 2

Eine schwarze Doo Wop Vokaltruppe von der Westküste machte bereits seit Beginn der 1950er Jahre lautstark auf sich aufmerksam. Mit wahrlich gekonnten Gesangpartien und einer schwungvoll-schrägen Auftrittspräsentation läuteten sie den kommenden Rock & Roll zu einer Zeit ein, als sich dieser Begriff noch gar nicht so richtig herumgesprochen hatte. Man/frau könnte sagen, die Coasters waren ihrer Zeit voraus. Dutzende von erfolgreichen Single-Schallplatten und eine anhörenswerte Reihe von Vinyl-Alben der peppigen R & B-Combo in (hauptsächlich) Quartett-Formation sprachen erstaunlich schnell auch ein weißes Publikum an.
 Unter der Ägide des legendären Songwriter- und Produzententeams Leiber/Stoller brachten die Coasters praktisch die komplette 50er-Dekade lang Ohrenwürmer heraus, die auch in der Gegenwart noch immer über Erinnerungspotential verfügen. Klassiker wie "Riot in Cell Block No. 9" / " "Smokey Joe´s Cafe" / " Charly Brown" / "Yakety Yak" / "Love Potion No. 9" / "Along came Jones" / "Poison Ivy" / "Searchin´" / "Young Blood" u.a. stellen nur eine kleine Auswahl aus ihrem riesigen Fundus dar. Mal ab 1949 hervorgegangen aus den Robins würden die Coasters durch die Förderung des ebenfalls legendären Nesuhi Ertegün (Atlantic Records) typische eigene Sounds hervorbringen - oftmals mit damals eher unüblichen kritisch-humorvollen Texten. Vielleicht kommerziell nicht unbedingt "Superstars" in den Pop-Charts - genau betrachtet jedoch seit Mitte der Fifties so etwas wie eine Kult-Truppe für die internationale Rock & Roll-Gemeinde ...

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 4. Februar 2018, 19 Uhr

 

Sondersendung „Handmade“ über Georg Kajanus

Anläßlich des Geburtstags von Sänger und Komponist Georg Kajanus am 9. Februar bringt euch „Handmade“ am 7. Februar von 20 bis 21 Uhr eine Sondersendung über den außergewöhnlichen Künstler und Kapitän der Band Sailor.

Prinz Georg Johan Tchegodieff (um ihm seinen korrekten Titel zu geben) wurde am 9. Februar 1946 geboren  - in einem Familienerbe so voll von Geschichte und kultureller Vielfalt, daß es eher unwahrscheinlich war, daß der junge Prinz aufwachsen würde, ohne nicht minder außergewöhnlich zu werden. Der einzige Sohn von Prinz Pavel Tchegodieff von Rußland und der französischen/finnischen Skulpturistin Johanna Kajanus, Georg, lebte eine ruhige und beständige Existenz in Trondheim, Norwegen, bevor die Scheidung seiner Eltern einen Umzug nach Paris in seinen Teenager-Jahren bedeutete.
Ein weiterer Umzug führte Georg, seine Mutter und Schwester nach Kanada, wo er sich für die Folk-Szene interessierte.

Als er sich schließlich im UK niederließ, wurde Georg Mitbegründer der legendären Folk-Rock Pioniere Eclection, bevor er sich mit einem jungen Musiker, Philip Pickett, als Kajanus/Pickett zusammentat und das Album „Hi Ho Silver“ aufnahm. Die beiden rekrutierten schließlich zwei weitere Musiker, Henry Marsh und Grant Serpell, und gründeten Sailor, die in den 1970er Jahren einige große Hits wie „Girls Girls Girls“ oder „A Glass Of Champagne“ verzeichnen konnten. Ihr einzigartiges Instrument, das Nickelodeon, das Sailor den markanten Look auf der Bühne gab, ist ebenfalls eine Erfindung von Kajanus.

Nach Sailors Trennung Ende der 1970er widmete Georg sich der elektronischen Musik und gründete die Band DATA. Die Wiedervereinigungen von Sailor in den frühen Neunzigern brachten die Möglichkeit für neue Kompositionen. In dieser Zeit entstanden ihre großen Comeback-Hits „The Secretary“ und „La Cumbia“. Ende 1995 verließ Georg Sailor, gründete die Band Noir mit Tim Dry und trat u.a. als Fernseh-Chefkoch der UK Channel Four Show "Feast" auf.
In „Handmade“ beleuchten wir all seine Projekte von der ersten Solo-Single, über Eclection, Kajanus/Pickett, Sailor und DATA bis zu seinen aktuellsten Werken von Noir und der „Norwegian Trilogy“.

  • Sendetermin: "Handmade", Mittwoch, 7. Februar 2018, 20 Uhr

Programminfos vom 25.01.2018 bis 01.02.2018

Neujahrsempfang der Stadt Kassel

1200 Gäste aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Stadtgesellschaft kamen am vergangenen Samstag ins Rathaus zum traditionellen Neujahrsempfang – vermutlich vor allem, um der Rede des neuen Oberbürgermeisters Christian Geselle zu lauschen und zu erfahren, was seitens der Stadt für 2018 geplant ist. Aber zunächst wurde zurückgeblickt auf das Jahr 2017 – dabei kamen natürlich auch heiß diskutierte Themen wie die Zukunft der documenta zur Sprache. Auch Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier sprach in seinem Grußwort dieses Thema an.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 26. Januar 2018, 18 Uhr

 

Zum Tod von Christian Burchard

Christian Burchard, Mitbegründer und langjähriger Chef der Krautrock-Legende Embryo, starb am 17. Januar im Alter von 71 Jahren an den Folgen eines Schlaganfalls.
Embryo ist eine deutsche Jazzrock- und Weltmusik-Band. Die Gruppe wurde 1969 von Christian Burchard gegründet. Im Lauf der Jahre haben über 400 nationale und internationale Jazz- und Rockmusiker bei der sich als Kollektiv begreifenden Gruppe mitgewirkt, darunter viele namhafte Jazz- und Krautrock-Musiker. 2016 übernahm Marja Burchard, die Tochter des Bandgründers, die Leitung des Projekts.
Christian Burchard war bereits in den 1960er Jahren als Jazzmusiker aktiv und spielte Klavier, Posaune und Vibraphon. Er tourte mit Mal Waldron und bildete mit dem Saxophonisten und Geiger Edgar Hofmann sowie dem Schlagzeuger Dieter Serfas ein Jazztrio. 1969 wechselte Burchard selbst ans Schlagzeug und formierte mit Hofmann und Lothar Meid die neue Band Embryo.
Meid verließ die Band nach kurzer Zeit, um sich Amon Düül anzuschließen. Christian Burchard sammelte unterdessen immer neue Musiker um sich. Insgesamt haben seit 1969 über 400 Musiker beim Musikkollektiv Embryo gespielt.[1] Zu den langjährigen Mitgliedern zählen u. a. Roman Bunka (Gitarre, Oud), Uve Müllrich (Bass), Michael Wehmeyer (Keyboards), Lothar Stahl (Marimba, Drums) und Jens Pollheide (Bass, Flöte). Außerdem gab es langjährige Freundschaften zu anderen Musikern und Bands, die immer wieder als Gäste bei Embryo erschienen, darunter Charlie Mariano, Mal Waldron, Marty Cook, Chris Karrer (Amon Düül), und Roland Schaeffer (Guru Guru). Eine enge personelle Verflechtung bestand außerdem mit der Herforder Band Missus Beastly, die gemeinsam mit Embryo, Sparifankal und Ton Steine Scherben 1973 das Label April (später Schneeball) gründeten.
Embryo hatten 1971 einen ersten Radiohit mit dem Lied „Tausendfüßler“. Innerhalb weniger Jahre entwickelte sich der Stil der Band vom jazzigen Krautrock zu Weltmusik, wobei verschiedene Stile und Richtungen miteinander vereint wurden. Viele Embryo-Alben entstanden auf ausgedehnten Konzertreisen in andere Kontinente. Die Band ist dabei auch mit wichtigen Musikern der von ihnen bereisten Ländern wie Shoba Gurtu, T. A. S. Mani, R. A. Ramamani, Mahmoud Gania und Okay Temiz aufgetreten. Der Film „Vagabunden-Karawane“ von Werner Penzel (1980) berichtet über eine dieser Reisen, die von Deutschland bis nach Indien führte.
Bassist Müllrich und Keyboarder Wehmeyer verließen 1980 Embryo und formierten ihre eigene, zunächst „Embryo's Dissidenten“ genannte Band Dissidenten.
1997 trat Christian Burchards Tochter Marja (* 1988) im Alter von 11 Jahren erstmals bei Embryo in Erscheinung. Als Multiinstrumentalistin (Percussion, Marimba, Posaune) hat sie sich bald einen festen Platz in der Band erspielt.
Im Juli 2008 erhielt Embryo beim TFF Rudolstadt den Deutschen Weltmusikpreis Ruth 2008 für das Lebenswerk verliehen.
Im Sommer 2016 erlitt Christian Burchard im Alter von 70 Jahren einen Schlaganfall und war danach nicht mehr fähig, aufzutreten. Daraufhin übernahm seine Tochter Marja die Leitung der Band. Sie hat die Band durch neue Elemente wie Beatboxing und neue Musiker verjüngt, führt aber mit der Einbindung von Musikern wie Roman Bunka und Michael Wehmeyer auch die Embryo-Tradition fort.
In Kassel sind Embryo vor allem durch ihre regelmäßige Beteiligung an den „Free Flow Festivals“ in der Salzmannfabrik bekannt. In „Borderline extra“ sowie in der „Langen Rille“ erinnern wir an Christian Burchard und an seine legendäre Band, die zu den Klassikern der deutschen Rockszene gehört.

  • Sendetermine: „Borderline extra“, Freitag, 26. Januar 2018, 20 Uhr
  • „Die Lange Rille“, Samstag, 27. Januar 2018, 21 Uhr

 

George Barnes and his Octet

Etwas ungewohnte Klänge erwarten Sie im „Tanzparkett extra“ am Sonntagnachmittag.
In einer Wiederholung aus dem Jahre 2002 bringen wir Aufnahmen, die der Gitarrist George Barnes (1921 - 1977) in den 40er Jahren für den Rundfunk einspielte - bei der NBC in Chicago, wo er als Studiomusiker angestellt war, im Auftrag der Voice of America.
Eigene Arrangements (und teilweise eigene Kompositionen) verleihen den Aufnahmen Klangfarben, die zu jener Zeit allgemein noch keinen Eingang in den Jazz gefunden hatten - auch geschuldet dem Umstand, daß Barnes für die Besetzung seines Studioorchesters auf die vorhandenen klassisch ausgebildeten NBC-Studiomusiker aus dem Symphonieorchester zurückgreifen mußte.
Barnes war einer der ersten Gitarristen, die ein elektrisch verstärktes Instrument spielten, denn schon 1931, noch vor Einführung der E-Gitarre am Markt, baute sein radiobastelnder Bruder dem Zehnjährigen eine Verstärkeranlage.
Durch die Sendung begleitet Sie Peter Michael.

  • Sendetermin: „Tanzparkett extra“, Sonntag, 28. Januar 2018, 17 - 18 Uhr
  • Wiederholung: Montag, 29.01.18, 9 Uhr




Die 1950er Jahre waren ihre Dekade: The Coasters

 

Eine schwarze Doo Wop Vokaltruppe von der Westküste machte bereits seit Beginn der 1950er Jahre lautstark auf sich aufmerksam. Mit wahrlich gekonnten Gesangpartien und einer schwungvoll-schrägen Auftrittspräsentation läuteten sie den kommenden Rock & Roll zu einer Zeit ein, als sich dieser Begriff noch gar nicht so richtig herumgesprochen hatte. Man/frau könnte sagen, die Coasters waren ihrer Zeit voraus. Dutzende von erfolgreichen Single-Schallplatten und eine anhörenswerte Reihe von Vinyl-Alben der peppigen R & B-Combo in (hauptsächlich) Quartett-Formation sprachen erstaunlich schnell auch ein weißes Publikum an.
 Unter der Ägide des legendären Songwriter- und Produzententeams Leiber/Stoller brachten die Coasters praktisch die komplette 50er-Dekade lang Ohrenwürmer heraus, die auch in der Gegenwart noch immer über Erinnerungspotential verfügen. Klassiker wie "Riot in Cell Block No. 9" / " "Smokey Joe´s Cafe" / " Charly Brown" / "Yakety Yak" / "Love Potion No. 9" / "Along came Jones" / "Poison Ivy" / "Searchin´" / "Young Blood" u.a. stellen nur eine kleine Auswahl aus ihrem riesigen Fundus dar. Mal ab 1949 hervorgegangen aus den Robins würden die Coasters durch die Förderung des ebenfalls legendären Nesuhi Ertegün (Atlantic Records) typische eigene Sounds hervorbringen - oftmals mit damals eher unüblichen kritisch-humorvollen Texten. Vielleicht kommerziell nicht unbedingt "Superstars" in den Pop-Charts - genau betrachtet jedoch seit Mitte der Fifties so etwas wie eine Kult-Truppe für die internationale Rock & Roll-Gemeinde ...

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 28. Januar 2018, 19 Uhr

 

Liederleute zu Gast bei Liederleute

In der Sendereihe „Liederleute“ präsentiert Karen Sophie Thorstensen, Vorsitzende des Vereins Liederleute e. V. und Jurorin der Liederbestenliste, ihre Favoriten aus der Liederbestenliste des Jahres 2017. Die Auswahl ist höchst subjektiv, es sind ganz persönliche Favoriten, die hier vorgestellt werden. Alle waren zu irgendeinem Zeitpunkt in der Liederbestenliste vertreten, mancher mit mehreren Liedern, einige über viele Monate, andere nicht so hoch plaziert  und wieder andere waren Spitzenreiter oder ihre Alben wurden als Album des Monats gewählt. Für alle trifft eines zu, die Lieder haben der Moderatorin und Jurorin sehr gut gefallen. Unter Anderem werden Gerhard Schöne, Caro.Kiste.Kontrabass, Fred Ape, Manfred Maurenbrecher und die Wellküren zu hören sein, aber auch viele andere interessanteMusikerinnen und Musiker mit witzigen, anrührenden, wohlklingenden und geradezu süßen Beiträgen werden im Laufe der knapp zwei Stunden langen Sendung präsentiert.

  • Sendetermine: „Liederleute“, Dienstag, Dienstag, 30. Januar 2018, 20.00 Uhr Wiederholung: Mittwoch, 31. Januar 2018, 12.00 Uhr

 

90 Jahre Comedian Harmonists (3)

Den Comedian Harmonists widmen wir aus Anlaß ihres 90. Gründungsjubiläums am 29.12.17 eine Reihe über Gesangsgruppen im Stile der Revelers, in deren Nachfolge auch sie standen. In der dritten Folge geht es um die Endphase der Comedian Harmonists, die Jahre von 1933 bis 1935.
Die NSDAP hatte sich auch die Ausschaltung der Juden im Kulturleben zum Ziel gesetzt. Obwohl es, lange vor Erlaß der Nürnberger Gesetze, zunächst noch keine formale Grundlage hierzu gab, war es den meisten jüdischen Künstlern in Deutschland sehr bald nach dem 30. Januar 1933 unmöglich geworden, wie bisher aufzutreten. Bis es zum Verbot von Konzerten „nichtarischer“ Künstler kam - was mehr als ein Jahr dauerte - waren oft die Säle wegen plötzlicher technischer Störungen, Ungezieferbefall (z.B. ließ die SA zwecks Störung unerwünschter Veranstaltungen gern weiße Mäuse laufen) oder „versehentlicher“ Doppelbuchung nicht nutzbar - wenn nicht das Publikum, das ein Vierteljahr vorher noch begeistert applaudiert hatte, derart pfiff und buhte, daß wegen Gefährdung der öffentlichen Sicherheit der Auftritt abgebrochen werden mußte. Ab Anfang 1933 alles nichts Ungewöhnliches …
Wer die Zeichen der Zeit erkannt und die Möglichkeit dazu hatte, setzte sich ins Ausland ab. Selbst ein Superstar wie Joseph Schmidt zog es vor, sich am Morgen des 10.5.33, direkt nach der rauschenden Premiere seines Films „Ein Lied geht um die Welt“, in den Expreß zu setzen und Deutschland den Rücken zu kehren.
Die Comedian Harmonists hingegen, bei vielen Deutschen noch immer beliebt wie vor dem 30. Januar, standen weiter auf deutschen Bühnen, selbst nach Inkrafttreten einer am 01.11.33 erlassenen Durchführungsverordnung zum Reichskulturkammergesetz. Darin war nämlich rechtlich nicht sauber geregelt, ob Nichtarier nun weiterarbeiten durften oder nicht. Erst im März 1934 beendete eine eindeutige Direktive des Reichspropagandaministers Dr. Goebbels, nach der Nichtarier nicht Kammermitglied sein konnten und daher nicht mehr öffentlich auftreten durften, diesen Schwebezustand, da hiermit nun faktisch ein Verbot herrschte. Auftrittsverpflichtungen in Deutschland, die vor diesem Datum eingegangen worden waren, durften die Comedian Harmonists noch bis zum 01.5.34 erfüllen.
Hernach gingen sie auf Auslandstournee durch Europa und in die USA. Offenbar hauptsächlich auf Betreiben von Robert Biberti blieben sie trotz der dort gegebenen großen Chancen nicht dort. Nach der Rückkehr nach Berlin nahmen sie noch einige letzte Platten auf.
Anfang 1935 erhielten die drei arischen Mitglieder folgendes Schreiben:
„Sie werden hiermit auf Ihren Antrag als Mitglied der Reichsmusikerschaft in die Reichsmusikkammer aufgenommen. Die Aufnahme der drei nichtarischen Angehörigen der ‚Comedian Harmonists’ habe ich abgelehnt. Diese haben dadurch das Recht auf Berufsausübung verloren. Damit ist ihnen die Möglichkeit genommen, noch weiterhin mit diesen Nichtariern zu musizieren. Jedoch bleibt es Ihnen unbenommen, mit anderen arischen Musikern nach Zulegung eines deutschen Namens anstelle der Bezeichnung ‚Comedian Harmonists’ Ihre musikalische Tätigkeit auszuüben.“
Das war das bürokratisch-nüchterne Ende einer glanzvollen Laufbahn.

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 31. Januar 2018, 21-22 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 1. Februar 2018, 13 Uhr

Programminfos vom 17.01.2018 bis 21.01.2018

Gesangsgruppen im Stile der Revelers

90 Jahre Comedian Harmonists (2)

Den Comedian Harmonists widmen wir aus Anlaß des 90. Gründungsjubiläums am 29.12. (und nicht, wie durch einen Tippfehler zu lesen war, am 27.!) eine Reihe über Gesangsgruppen im Stile der Revelers, in deren Nachfolge auch sie standen. In der zweiten Folge beleuchten wir die große Zeit der Comedian Harmonists, die Jahre zwischen 1931 und 1933.
Die große Wirtschaftskrise hatte die Welt im Würgegriff - gediegene Unterhaltung war gefragter denn je. Während die Schlangen an den Arbeitsämtern kilometerlang wurden, suchten diejenigen, die noch Arbeit und Geld hatten, Ablenkung.
Die Comedian Harmonists gehörten schon gut zwei Jahre nach ihrer Gründung zu den ganz Großen, gingen auf Tourneen bis nach Amerika und Australien, drehten Filme, verkauften Platten - und versteuerten pro Kopf und Jahr etwa 50.000 RM - in einer Zeit, in der ein Arbeiter im Monat etwa 200 RM heimtrug und ein erfolgreicher Schallplatten-Studiosänger fünf Mark pro Aufnahme in die Hand gedrückt bekam.
Wie immer, wenn etwas erfolgreich läuft, rief das Neider auf den Plan, und diese Neider waren bald straff organisiert. Schon ab 1930 saßen im preußischen Parlament Abgeordnete der NSDAP, die mit dem „unmännlichen Gejaule“ und dem „zersetzenden“ Gesangsstil von Gruppen wie den Comedian Harmonists aufräumen wollten. Offenbar zogen diese Kreise solch „kulturbolschewistischer Niggermusik“ lieber urgermanische Grunzlaute vor.
Noch überwog aber die Zustimmung - die Gruppe brauchte keine Reklame mehr: Eine kleine Pressenotiz mit den Auftrittsdaten reichte, um binnen kurzer Zeit die Säle restlos auszuverkaufen. Noch verkauften sich die Platten wie warme Semmeln.
Noch spielte es keine Rolle, daß drei der sechs Mitglieder Juden waren - das jedoch sollte sich bald ändern. Nach dem 30. Januar ‘33 wehte endgültig ein anderer Wind in der Kulturpolitik.
Doch dazu mehr im dritten Teil, der - passenderweise - am 31.01. folgen wird.

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 17. Januar 2018, 21-22 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 18. Januar 2018, 13 Uhr

 

Stefan Zweigs „Schachnovelle“

Der Fachbereich Literaturwissenschaft der Kasseler Uni bietet in diesem Semester eine Veranstaltungsreihe zu den „Klassikern der österreichischen Literatur“ an. Neben zeitgenössischen Autoren wie Arno Geiger und Daniel Kehlmann werden auch Schriftsteller aus der glorreichen Vergangenheit behandelt – von Stifter über Canetti bis hin zu Werfel oder Meyrink.
In der heutigen Sendung ist ein Vortrag von Dr. Sascha Kiefer (Saarbrücken) über Stefan Zweigs legendäre „Schachnovelle“ zu hören. Zweig schrieb sein wohl berühmtestes Werk 1942, als er sein Heimatland bereits auf der Flucht vor den Nazis verlassen hatte. Die Geschichte um die beiden Schach-Genies, die sich während einer Schiffsreise am Schachbrett duellieren, kann als Allegorie auf die damaligen politischen Verhältnisse in Europa gedeutet werden. Aber auch andere Interpretationen sind möglich – Sascha Kiefer stellt einige vor.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 19. Januar 2018, 18 Uhr

 

Philipp Weber: No. 5 – Ich liebe ihn!

Philipp Webers neues Kabarettprogramm ist ein feuriger Schutzwall gegen jegliche Versuche der Manipulation. Eine heitere Gebrauchsanweisung für den freien Willen, selbstverständlich wie immer webermäßig lustig. Frei nach Immanuel Kant: „Habe den Mut, dich deines Zwerchfells zu bedienen“.

  • Sendetermin: „Kabarett live“, Freitag, 19. Januar 2018, 22 Uhr

 

Gesangsgruppen im Stile der Revelers

A-cappella-Gesangsgruppen, Folge 2 (Wdh. von 1998)

Schon vor fast 20 Jahren befaßte sich das Tanzparkett (im Gefolge der Verfilmung der Geschichte der Comedian Harmonists als Spielhandlung) in zwei Sendungen mit anderen Kopisten der Revelers (und auch der Comedian Harmonists).
Die Comedian Harmonists wurden damals nicht behandelt, weil nach dem großen Erfolg des Spielfilms von Josef Vilsmaier deren Platten tatsächlich immer wieder auch im „großen“ Rundfunk erklangen.
Diese Zeiten sind nun aber vorbei; daher würdigen wir mit einer Sendefolge am Tanzparkett-Hauptsendeplatz (Mittwoch 21 Uhr, Wdh. Donnerstag 13 Uhr) das 90. Jubiläum der Comedian Harmonists.
Daher bot sich die Wiederholung der zwei älteren Sendungen mit Gesangsgruppen am Sonntagnachmittag an.
Nachdem wir in der ersten Folge zwei Gruppen, den Abels und den Melody Gents, breiten Raum gelassen hatten, warfen wir am 04.11.98 einen Rundblick auf etliche der in den 30er und frühen 40er Jahren in Berlin bei der Plattenindustrie tätigen a-cappella-Gruppen.
Dabei sollten uns auch die Abels und ihre Nachfolgegruppen in Gestalt der Five Songs, der Kardosch-Sänger und des Schuricke-Terzetts wiederbegegnen.
Weiterhin hören Sie die Humoresk Melodios (und später die - was 1998 allerdings noch nicht klar war - aus ihnen hervorgegangenen Gesang-Melodios oder nur Melodios, die ebenso wie Schuricke und sein Terzett dem Revelers-Ideal bis 1943 treu bleiben sollten), dann die schon in der ersten Sendung kurz vorgestellten „Vier Wedding-Boys“ bzw. „Vier Richters“, mit Edmund Fritz’s Singing Babies und dem Radio-Quartett auch zwei Damengruppen - und ferner das damals recht populäre, heute aber praktisch vergessene Heyn-Quartett.
Das Thema a-cappella-Gruppen bleibt auch am Hauptsendeplatz der Reihe „Tanzparkett“ weiter spannend. Freuen Sie sich nach dem für den 31.01. vorgesehenen dritten Teil mit den Comedian Harmonists auf eine Ausgabe unserer Unterreihe „Der unbekannte Nachbar“ mit polnischen Aufnahmen - hier wird auch der Chor Dana vorkommen, der mit den Comedian Harmonists in einer Liga spielte und sie sogar im Berliner Varieté Wintergarten einmal vertrat.
Weitere Platten dieser Art werden wir nach Möglichkeit in unsere weiteren Sendefolgen aufnehmen, so auch Aufnahmen mit den Comedian-Harmonists-Nachfolgegruppen Meistersextett und Comedy Harmonists. Etwaige Sendetermine werden bekanntgegeben.

  • Sendetermin: „Tanzparkett extra“, Sonntag, 21. Januar 2018, 17-18 Uhr
  • Wiederholung: Montag, 22. Januar 2018, 9 Uhr

 

Time to dance - Sweet Soul Music, Teil 3

Heute bringen wie die zweite Folge eines Dreiteilers, der auf peppige Soundmanier an die späten 60er und frühen 70er erinnert – an eine Zeit, als endlich auch etliche schwarze KünstlerInnen ihren längst überfälligen Durchbruch in die internationalen Charts fanden. Zur musikhistorischen Vorgeschichte, zu Gospel und Rhythm’n’Blues, hören wir einiges in diesen Folgen; außerdem über wichtige Labels, ihre Manager - und all die unglaublich talentierten KünstlerInnen, die mit ihren explosiven Sounds gleichzeitig an die politischen Hintergründe erinnerten und gar eine Bewegung, ein Civil Rights Movement, musikalisch mit-perpetuierten. Die historische Pendelbewegung brachte damals aufstrebende KünstlerInnen als Superstars hervor.
Mit dabei sind alle wichtigen Interpreten der Soul-Ära - von Arthur Conley, Ike & Tina Turner, Ray Charles über Aretha Franklin, Wilson Pickett, Nina Simone, James Brown und Sam Cooke bis Percy Sledge, Martha Reeves u.v.a.  So, get on the dance floor - it´s Soul Music time again.

  • Sendetermin: “Lonesome Traveler”, Sonntag, 21. Januar 2018, 19 Uhr

Programminfos vom 11.01.2018 bis 18.01.2018

Heimatlieder

Das Institut für Sprachen gestaltet mit Teilnehmern aus aller Welt eine bunte Musikshow im Freien Radio Kassel. In dieser Sendungsreihe laden wir die Zuhörer  zu einer musikalischen Reise in ferne Länder ein. Die Sprachschüler präsentieren dabei populäre Songs ihres jeweiligen Landes und erzählen persönliche Geschichten, die sie mit den Liedern verbinden. Die Anekdoten wie auch die Lieder reichen von lustigen Erzählungen aus dem Alltag bis zu nostalgischen Erinnerungen aus der eigene Kindheit. Eine berührende und unterhaltsame Hörstunde ist garantiert!

  • Sendetermin: „Heimatlieder“, Freitag, 12. Januar 2018, 17 Uhr

 

Frieden auf der koreanischen Halbinsel?

Unerfreuliche Nachrichten erreichen uns immer wieder aus Nordkorea: Armut, Hunger, Unterdrückung, eine diktatorische Regierung mit einem fetten, kleinen Lausbub an der Spitze, der gern mit Atombomben spielt und gelegentlich unliebsame Anverwandte hinrichten läßt. Hinzu kommt der seit Jahrzehnten andauernde Konflikt mit dem Nachbarn Südkorea – eine dauerhafte friedliche Lösung scheint nicht möglich. Schon gar nicht, seit in den USA ein mindestens ebenso fetter, kleiner und dazu noch dementer Lausbub die Rolle des Präsidenten spielt.
Aber wie kam es zu der augenblicklichen Situation? Sind die Verhältnisse tatsächlich so klar, daß eine eindeutige Zuschreibung „Südkorea – gut, Nordkorea – böse“ möglich ist? Prof. Rainer Werning, Politologe und Südostasien-Experte, erläuterte im Rahmen seines Vortrags beim Friedensratschlag 2017 die Lage – jenseits der im Westen üblicherweise veröffentlichten Meinung.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 12. Januar 2018, 18 Uhr

 

Blues Guitar Trendsetter: T - Bone Walker

Den derzeitigen Entwicklungen in dieser Welt mal wieder angemessen, bringen wir heute eine Erinnerung an einen sogenannten klassischen Blues-Mann der Alten Schule. T-Bone Walker (*1910 Linden/TX, +1975 Los Angeles) war ein Innovator der elektrifizierten Blues-Gitarre und der ultimativen Bühnenshow der 40/50er Jahre. Er ist eine personifizierte Säule des  R & B  und des Rock & Roll außerdem. "Mr. Stormy Monday" Walker war in Bezug auf Songwriting und Gitarrentechnik ein Trendsetter für viele folgende Adepten - der bekannteste ist sicherlich Clarence "Gatemouth" Brown. Aber auch Chuck Berry und Jimi Hendrix haben bei ihn "abgekupfert". Great sounds guaranteed!

  • Sendetermin: „Long Distance Call“, Samstag, 13. Januar 2018, 18 Uhr

 

Gesangsgruppen im Stile der Revelers

A-cappella-Gesangsgruppen, Folge 1 (Wdh. von 1998) 

Schon vor fast 20 Jahren befaßte sich das Tanzparkett (im Gefolge der Verfilmung der Geschichte der Comedian Harmonists als Spielhandlung) in zwei Sendungen mit anderen Kopisten der Revelers (und auch der Comedian Harmonists).
 
Die Comedian Harmonists wurden damals nicht behandelt, weil nach dem großen Erfolg des Spielfilms von Josef Vilsmaier deren Platten tatsächlich immer wieder auch im "großen" Rundfunk erklangen.
Diese Zeiten sind nun aber vorbei; daher würdigen wir mit einer Sendefolge am Tanzparkett-Hauptsendeplatz (Mittwoch 21 Uhr, Wdh. Donnerstag 13 Uhr) das 90. Jubiläum der Comedian Harmonists.
 
Daher bot sich die Wiederholung der zwei älteren Sendungen mit Gesangsgruppen am Sonntagnachmittag an.
 
In der ersten Folge stellten wir 1998 die Abels vor, eine Revelers-Kopistengruppe, die sich etwa zeitgleich mit den Comedian Harmonists gegründet hatte und am Anfang durchaus auf Augenhöhe mit ihnen war.
Personelle Änderungen und verschiedene andere Einflüsse ließen die Abels unter immer anderen Bezeichungen (Abels Sänger, Five Songs, Kardosch-Sänger, Spree-Revellers) und in wechselnden Zusammensetzungen mit neuer Leitung auftreten, so daß das Publikum sie aus den Augen verlor, obwohl Nachfolgegruppen bis 1943 existierten und auftraten - zuletzt als das heute noch bekannte Schuricke-Terzett, das letztlich das Gesangsideal der Revelers in Deutschland bis ins fünfte Kriegsjahr hochhielt.
 
Im zweiten Teil der Sendung stellen wir die Melody Gents vor - eine Studiogruppe der Lindström-Schallplatte, über die recht wenig bekannt ist.
Von der Lindström-Hauptmarke Odeon waren die Comedian Harmonists zur Electrola gewechselt. Die Lindström zog also in der Phase des größten Erfolgs der Comedian Harmonists die Melody Gents aus dem Hut - allerdings nur für das preiswerte Gloria-Etikett.
Die Melody Gents traten oft mit Orchesterbegleitung vors Mikrophon, und das Niveau entsprach im Gegensatz zu dem der Abels nicht ganz dem der Comedian Harmonists, die nur in Ausnahmefällen als Refraingruppe auf Platten zu hören waren, sondern sich ganz auf ihre Stimmen und ihren Pianisten verließen.
Das Repertoire überschnitt sich gleichwohl; die Lindström versuchte eben wenigstens ein paar Krümel vom großen Kuchen des A-cappella-Plattenmarktes zu erhaschen, nachdem sie die größten Stars dieses Sektors in Deutschland hatte ziehen lassen ...

  • Sendetermin: „Tanzparkett extra“ , Sonntag, 14.01.18, 17-18 Uhr
  • Wiederholung: Montag, 15.01.18, 9 Uhr

 

Time to dance - Sweet Soul Music, Teil 2

Heute bringen wie die zweite Folge eines Dreiteilers, der auf peppige Soundmanier an die späten 60er und frühen 70er erinnert – an eine Zeit, als endlich auch etliche schwarze KünstlerInnen ihren längst überfälligen Durchbruch in die internationalen Charts fanden. Zur musikhistorischen Vorgeschichte, zu Gospel und Rhythm’n’Blues, hören wir einiges in diesen Folgen; außerdem über wichtige Labels, ihre Manager - und all die unglaublich talentierten KünstlerInnen, die mit ihren explosiven Sounds gleichzeitig an die politischen Hintergründe erinnerten und gar eine Bewegung, ein Civil Rights Movement, musikalisch mit-perpetuierten. Die historische Pendelbewegung brachte damals aufstrebende KünstlerInnen als Superstars hervor.
Mit dabei sind alle wichtigen Interpreten der Soul-Ära - von Arthur Conley, Ike & Tina Turner, Ray Charles über Aretha Franklin, Wilson Pickett, Nina Simone, James Brown und Sam Cooke bis Percy Sledge, Martha Reeves u.v.a.  So, get on the dance floor - it´s Soul Music time again.

  • Sendetermin: “Lonesome Traveler”, Sonntag, 14. Januar 2018, 19 Uhr

 

Das Label Stoned Wave

In der zweiten Januarausgabe von frei hoch² präsentiert euch der neue Moderator Ulf Kramer einige Tracks von Stoned Wave. Definitiv schräger Sound. Aber nicht nur. Ein Kurzmix sowie gezielte Infos runden die Stunde áuf und ab.

  • Sendetermin: „Frei hoch zwei“, Dienstag, 16. Januar 2018, 19 Uhr



Gesangsgruppen im Stile der Revelers

 

90 Jahre Comedian Harmonists (2)

Den Comedian Harmonists widmen wir aus Anlaß des 90. Gründungsjubiläums am 29.12. (und nicht, wie durch einen Tippfehler zu lesen war, am 27.!) eine Reihe über Gesangsgruppen im Stile der Revelers, in deren Nachfolge auch sie standen. In der zweiten Folge beleuchten wir die große Zeit der Comedian Harmonists, die Jahre zwischen 1931 und 1933.
Die große Wirtschaftskrise hatte die Welt im Würgegriff - gediegene Unterhaltung war gefragter denn je. Während die Schlangen an den Arbeitsämtern kilometerlang wurden, suchten diejenigen, die noch Arbeit und Geld hatten, Ablenkung.
Die Comedian Harmonists gehörten schon gut zwei Jahre nach ihrer Gründung zu den ganz Großen, gingen auf Tourneen bis nach Amerika und Australien, drehten Filme, verkauften Platten - und versteuerten pro Kopf und Jahr etwa 50.000 RM - in einer Zeit, in der ein Arbeiter im Monat etwa 200 RM heimtrug und ein erfolgreicher Schallplatten-Studiosänger fünf Mark pro Aufnahme in die Hand gedrückt bekam.
Wie immer, wenn etwas erfolgreich läuft, rief das Neider auf den Plan, und diese Neider waren bald straff organisiert. Schon ab 1930 saßen im preußischen Parlament Abgeordnete der NSDAP, die mit dem „unmännlichen Gejaule“ und dem „zersetzenden“ Gesangsstil von Gruppen wie den Comedian Harmonists aufräumen wollten. Offenbar zogen diese Kreise solch „kulturbolschewistischer Niggermusik“ lieber urgermanische Grunzlaute vor.
Noch überwog aber die Zustimmung - die Gruppe brauchte keine Reklame mehr: Eine kleine Pressenotiz mit den Auftrittsdaten reichte, um binnen kurzer Zeit die Säle restlos auszuverkaufen. Noch verkauften sich die Platten wie warme Semmeln.
Noch spielte es keine Rolle, daß drei der sechs Mitglieder Juden waren - das jedoch sollte sich bald ändern. Nach dem 30. Januar ‘33 wehte endgültig ein anderer Wind in der Kulturpolitik.
Doch dazu mehr im dritten Teil, der - passenderweise - am 31.01. folgen wird.

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 17. Januar 2018, 21-22 Uhr

Wiederholung: Donnerstag, 18. Januar 2018, 13 Uhr

Programminfos vom 04.01.2018 bis 11.01.2018

Heimatlieder

Das Institut für Sprachen gestaltet mit Teilnehmern aus aller Welt eine bunte Musikshow im Freien Radio Kassel. In dieser Sendungsreihe laden wir die Zuhörer  zu einer musikalischen Reise in ferne Länder ein. Die Sprachschüler präsentieren dabei populäre Songs ihres jeweiligen Landes und erzählen persönliche Geschichten, die sie mit den Liedern verbinden. Die Anekdoten wie auch die Lieder reichen von lustigen Erzählungen aus dem Alltag bis zu nostalgischen Erinnerungen aus der eigene Kindheit. Eine berührende und unterhaltsame Hörstunde ist garantiert!

  • Sendetermin: „Heimatlieder“, Freitag, 5. Januar 2018, 17 Uhr

 

Friedensratschlag 2017

Ein Jahr nach der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten stand dieses Thema natürlich auch auf der Tagesordnung des traditionellen Friedenratschlags, der – wie seit Jahren üblich – auch 2017 wieder Anfang Dezember in der Kasseler Ing.-Schule stattfand. Aber es ging bei der zweitägigen Fachkonferenz auch um andere weltpolitische Fragen – internationale Konflikte, mit denen sich die Friedensbewegung befassen muß, gibt es ja zur Zeit mehr als genug. Heute senden wir Ausschnitte aus der Auftaktveranstaltung sowie aus der Abschlußveranstaltung des Ratschlags.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 5. Januar 2018, 18 Uhr

 

Christoph Sieber live

„Christoph Sieber ist die Stimme des jungen Kabaretts.“ So die Jury des Deutschen Kleinkunstpreises bei der Verleihung im Februar 2015.
Der gebürtige Schwabe präsentiert mit „Hoffnungslos optimistisch“ sein fünftes Soloprogramm und führt vor, wie Kabarett heute begeistern kann. Mit großer Leidenschaft und einer gehörigen Portion Empörung spielt hier einer gegen die bestehenden Zustände an. Sieber singt, tanzt, flüstert und brüllt an gegen Verschwendung, Trägheit und schreckt auch nicht davor zurück, den Zuschauer in die Verantwortung zu nehmen. Er fokussiert sich dabei längst nicht mehr auf die Marionetten des Berliner Polittheaters, sondern viel mehr auf die Strippenzieher und Lobbyisten im Hintergrund.

  • Sendetermin: „Kabarett live“, Freitag, 5. Januar 2018, 22 Uhr

 

Time to dance - Sweet Soul Music, Teil 2

Heute bringen wie die zweite Folge eines Dreiteilers, der auf peppige Soundmanier an die späten 60er und frühen 70er erinnert – an eine Zeit, als endlich auch etliche schwarze KünstlerInnen ihren längst überfälligen Durchbruch in die internationalen Charts fanden. Zur musikhistorischen Vorgeschichte, zu Gospel und Rhythm’n’Blues, hören wir einiges in diesen Folgen; außerdem über wichtige Labels, ihre Manager - und all die unglaublich talentierten KünstlerInnen, die mit ihren explosiven Sounds gleichzeitig an die politischen Hintergründe erinnerten und gar eine Bewegung, ein Civil Rights Movement, musikalisch mit-perpetuierten. Die historische Pendelbewegung brachte damals aufstrebende KünstlerInnen als Superstars hervor.
Mit dabei sind alle wichtigen Interpreten der Soul-Ära - von Arthur Conley, Ike & Tina Turner, Ray Charles über Aretha Franklin, Wilson Pickett, Nina Simone, James Brown und Sam Cooke bis Percy Sledge, Martha Reeves u.v.a.  So, get on the dance floor - it´s Soul Music time again.

  • Sendetermin: “Lonesome Traveler”, Sonntag, 7. Januar 2018, 19 Uhr

Programminfos vom 28.12.2017 bis 04.01.2018

Das Blue Horizon-Label aus London, Teil 4

Heute bringen wir weitere Blues-Klassikertitel, die unter Ägide des legendären Produzenten Mike Vernon während der Spät60er-Jahre herauskamen. Unglaublich klingen bis heute all die frühen aufstrebenden Bands, die aus dieser Soundschmiede hervorkame - von den jungen Fleetwood Mac bis zu Stan Webb´s Chicken Shack. Die Briten lieferten gekonnte Versionen ihrer großen Chicago-Vorbilder. Und bei Blue Horizon fanden gleichzeitig in den USA unterschätzte, bereits vergessene Blues-Originale wie Otis Spann, Champion Jack Dupree und Eddie Boyd auf die richtige Durchstartlinie.

  • Sendetermin: „Long Distance Call“, Samstag, 30. Dezember 2017, 18 Uhr

 

David Qualey, Mike Auldridge

Heute gilt es einen der feinsten aktuellen Akustik-Gitarristen, die in Deutschland leben und arbeiten, zu zelebrieren. David Qualey (geboren am 30. Dezember 1947 in Salem/Oregon) kam Mitte der 1970er Jahre nach Europa - und blieb in Deutschland. Der sympathische, umgangsfreundliche Künstler hat eine weltweite Musikliebhabergemeinschaft. Er lebt, quasi ums Eck von hier, im Weserbergland und blickt auf eine lange Reihe exquisiter Alben zurück; davon etliche Perlen, die er für das Northeimer Stockfisch-Label eingespielt hat. David wird als Vertreter des sogenannten Fingerstyle bezeichnet, auch wenn er sich selbst von dieser Bezeichnung distanziert, da sie lediglich die Spieltechnik, nicht jedoch die Stilistik der Musik beschreibe. Und tatsächlich hat er fantastische Folk- und Pop-Bearbeitungen vorgelegt, klassische Titel eingespielt, die Beatles und James Taylor auf seine Art interpretiert und sich auch an deutschem Kirchengesangrepertoire sowie an Weihnachtsliedern instrumental aufs Allerfeinste versucht. Seine Platten sind zeitlos schöne Preziosen, seine Auftritte unvergeßliche Erlebnisse.
Bekannte Stücke von ihm sind „Santa Cruz“ sowie seine freie Bearbeitung der Bach-Komposition „Jesu, Joy Of Man's Desiring“. In seinen Büchern mit Spielstücken wie „Only For Guitar“ finden sich weitere Gitarrenstücke, wie zum Beispiel „Opus 20“. Als Komponist der Gegenwart für klassische Gitarre werden seine Werke in den deutschen Musikschulen und Musikhochschulen akzeptiert und unterrichtet. Sie eignen sich für fortgeschrittenere Gitarristen. Herzlichen Glückwunsch, David Qualey. Alles Gute, sagt der Lonesome Traveler Wolf Silaff. Und bleib gesund.
In der zweiten Hälfte dieser Langen Rille geht es anschließend ebenfalls um akustische Gitarrensounds eines amerikanischen Künstlers - Mike Auldridge, die Neuzeit-Dobro-Legende. Der großartige Slide-Spezialist von der Ostküste der USA hat die Spielweisen im Country/Bluegrass/Newgrass auf ein neues Level gehoben. Er hat von Traditionalisten wie Josh Graves, Shot Jackson und Tut Taylor gelernt, mit ihnen gejammt und daneben die legendäre Band Seldom Scene mitbegründet. Deren Platten sind erstklassige Beispiele für die Entwicklung von Folk-Ursprüngen zu eigenständigem Neuem - bis hin zur sogenannten Newgrass-Richtung. Gospelmusik, Blues und swingende Country-Musik entwickelten begabte Kollegen wie die Country Gentlemen und er zu einem Blend, der internationales Publikum elektrisiert. Die genannten Musiker/innen (er arbeitete auch mit Emmylou Harris und Lyle Lovett) hatten in Mike Auldridge ein verlässliches, kreatives und innovatives Bandmitglied. Der sympathisch-freundliche Ostküstenmann mit dem diffizilen Instrument wurde am 30. Dezember 1938 geboren - gestorben ist er nach langer Krankheit einen Tag vor seinem 74. Geburtstag, am 29. Dezember 2012 in Maryland. Farewell, Mike - your exceptionel sounds will linger on.

  • Sendetermin: “Die Lange Rille”, Samstag, 30. Dezember 2017, 21 Uhr

 

Hawaiian Swing in Europe

Hawaii als Interessenssphäre (und lange später schließlich Bundesstaat) der USA rückte Ende des 19. Jahrhunderts in den Blickpunkt der Nordamerikaner und der Europäer.
Exotische Phanasien von idyllischen, unverdorbenen Südseeparadiesen waren und blieben en vogue. Man interessierte sich auch für das wohl am leichtesten aus einer in eine andere Gesellschaft zu verpflanzende Gebiet, nämlich die Musik.
Dieses Interesse ging in beide Richtungen - nachdem Hawaiimusik in Amerika und Europa populär geworden war (den wohl bekanntesten Schlager des Genres, Aloha Oe, hatte sogar die letzte hawaiianische Königin Liliuokalani geschrieben), nahmen die hawaiianischen Musiker Ragtime- und später Jazzeinflüsse in ihr Schaffen auf.
So bildete sich ein neuer Stil heraus, der sogar innovatorisch wirkte - der breite Einsatz der elektrisch verstärkten Gitarre, der heute Grundbestandteil der meisten populären Musikstile ist, nahm neben der Country-Musik hier seinen Anfang.
In dieser Ausgabe hören Sie eine Auswahl an europäischen Aufnahmen. Diese entstanden in den 30er und vor allem der 40er Jahren in London, Berlin, Den Haag und Hilversum, sowohl mit einheimischen Musikern als auch mit Hawaiianern auf Europatournee.
Durch die Sendung begleitet Sie Peter K. Michael.
 
Plattenmarken: Co - Columbia, De - Decca, Po - Polydor, Te -Telefunken. Andere Marken ausgeschrieben. In spitzen Klammern Matrizennummer, dahinter Bestellnummer und Aufnahmedatum.
 
Wir bringen:
 
Joop Carlquist’s Kahula’s Hawaiians [sic]
 -Fascinating rhythm (Gershwin, vermutl. arr. Sol Hoogli) <25948> Te A 10345 Berlin, 28.6.41
 -Farewell Blues (Mares-Rappolo) <25953> Te A 10346 Berlin, 28.6.41
 -12th Street Rag (Bowman Summer) <25950> Te A 10347 Berlin, 28.6.41
 
The Kilauea’s Hawai Orchestra [sic]
 -Sweet Sue (Harris-Youmans) <GTB-CAH 160>
 -Honolulu (Warren-Kahn-Boegman) <GTB-CAH 158> Po 11536 Den Haag, Dez. ‘39
 
M-A-U-I Eilanders
 -Minnehaha (o.A.) <AM 790>
 -40+ (de Willigen) <AM 789> De M 32049 Hilversum, Mai ‘42
 
 -Dans-Colege (=College Swing) (Barendse) <AM 759>
 -Schön, daß du wieder bei mir bist (K. u. G. Wehner) <AM 761> De M 32037 Hilversum, Feb. ‘42
 
Felix Mendelssohn and his Hawaiian Serenaders
 -I Got Rhythm (Gershwin) <CA 18195>
 -In The Mood (Garland-Razaf) <CA 18194-1> Co FB 2667 London, 28.10.40
 
Roland Peachey
 -Goodbye Blues (McHugh-Fields-Johnson) <DR.8134-2>
 -China Boy (Winfree-Boutelje) <DR.8135-2> London 632 London, Jan./ Feb. ’44
 
Felix Mendelssohn and his Hawaiian Serenaders
 -Tiger Rag (La Rocca) <CA 18067-1> Co FB 2494 London, 07.12.40
 -Limehouse Blues (Braham) <CE 10266-2> Pa F 1642 London, ca. Jan. ‘40
 
Hawaiian-Solist Walter Kaluna mit Begleitorchester
 -Aloha, beloved (Long u. Canfield) <24245> Te A 10051
 -Waikiki (Henry Kalililmai) <N.N.> Te A 10052
 -By By Blues [sic] (Auf Wiederseh’n, Hawai) (Handy) <24246> Te A 10052 Berlin, 06.5.39

  • Sendetermin: „Tanzparkett spezial“, Sonntag, 31. Dezember 2017, 17 Uhr

 

Time to dance - Sweet Soul Music

Heute starten wir einen Dreiteiler, der auf peppige Soundmanier an die späten 60er und frühen 70er erinnert – an eine Zeit, als endlich auch etliche schwarze KünstlerInnen ihren längst überfälligen Durchbruch in die internationalen Charts fanden. Zur musikhistorischen Vorgeschichte, zu Gospel und Rhythm’n’Blues, hören wir einiges in diesen Folgen; außerdem über wichtige Labels, ihre Manager - und all die unglaublich talentierten KünstlerInnen, die mit ihren explosiven Sounds gleichzeitig an die politischen Hintergründe erinnerten und gar eine Bewegung, ein Civil Rights Movement, musikalisch mit-perpetuierten. Die historische Pendelbewegung brachte damals aufstrebende KünstlerInnen als Superstars hervor.
Mit dabei sind alle wichtigen Interpreten der Soul-Ära - von Arthur Conley, Ike & Tina Turner, Ray Charles über Aretha Franklin, Wilson Pickett, Nina Simone, James Brown und Sam Cooke bis Percy Sledge, Martha Reeves u.v.a.  So, get on the dance floor - it´s Soul Music time again.

  • Sendetermin: “Lonesome Traveler”, Sonntag, 31. Dezember 2018, 19 Uhr

 

Radio for One oder der 20. Geburtstag

Das Freie Radio Kassel beendet das aktuelle und begrüßt das neue Jahr "wie jedes Jahr" mit einer Silvestershow. In diesem Jahr wird zugleich der 20. Geburtstag des für lange Zeit einzigen Radios in und aus Kassel gefeiert. In Anlehnung an einen anderen Klassiker der Silvesternacht steht diese Show daher unter dem Motto "Radio for One oder der 20. Geburtstag". Neben der Silvestershow gibt es Rückblenden, Interviews und Anekdoten aus 20 Jahren FRK.
Wer zum Jubiläum oder zum neuen Jahr Musikwünsche oder Grüße in den Äther schicken möchte, kann dies unter Telefon 0561-57 80 64 oder per Twitter @FreiesRadioKS tun.

  • Sendetermin: „Radio For One oder Der 20. Geburtstag“, Sonntag, 31. Dezember 2017, 20 Uhr

 

Sechs Regenschirme für den Winter

In der ersten Ausgabe des neues Jahres stellt frei² den deutschen Künstler Six Umbrellas aka. Thomas Bartz vor. Er macht tanzbare, aber vom Sound her ungewöhnliche elektronische Musik. Und da Silvester erst zwei Tage zurück liegt, kann man auch gleich weiter rocken mit dem Album Ad Astra.

  • Sendetermin: „Frei hoch zwei“, Dienstag, 2. Januar 2018, 19 Uhr

 

Gesangsgruppen im Stile der Revelers, Folge 3

90 Jahre Comedian Harmonists (1)

Am 27.12.1927, nachdem Harry Frommermann am 18.12. ein Inserat im Berliner Lokal-Anzeiger aufgegeben hatte, stand die Besetzung der Comedian Harmonists fest.
Diese Gründung ist also jetzt ziemlich genau 90 Jahre her.
Sie bildet den Anlaß für unsere Reihe über Gesangsformationen, die dem US-Vorbild „The Revelers“ nacheiferten, einer Gruppe, die ab 1925 durch ihre Platten international für Furore gesorgt hatte, weil sie Jazz und Chorgesang in vorher nie gehörter Weise zusammengebracht hatte. Entsprechend führten die Comedian Harmonists in der ersten Zeit auf den Plattenetiketten den Beinamen „Die deutschen Revelers“ .
Über das Schicksal der Comedian Harmonists, das eng mit der Zeitgeschichte Deutschlands verknüpft war, ist viel geschrieben worden. So existieren mehrere Biographien und eine Diskographie; auch gibt es einen hervorragenden zweiteiligen Dokumentarfilm und einen leider etwas geschichtsverzerrenden Spielfilm.
Im Bewußtsein der Plattenhörer sind die Comedian Harmonists - und damit der von den Revelers geprägte Vortragsstil - auch seit den Wiederveröffentlichungen der 50er Jahre durchaus lebendig geblieben; durch den erwähnten Spielfilm von 1997 fanden sie auch in weiteren Kreisen wieder mehr Beachtung.
Auch die Kleinkunstbühne widmet sich seither wieder häufiger dem Genre des a-cappella- bzw. Close-Harmony-Gesangs.
Dem wollen wir mit vorerst zwei Sendungen Rechnung tragen; weitere Ausgaben mit anderen Gruppen - nicht nur aus Deutschland - sind ebenfalls in Vorbereitung

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 3. Januar 2018, 21-22 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 4. Januar 2018, 13 Uhr

Programminfos vom 21.12.2017 bis 24.12.2017

Gesangsgruppen im Stile der Revelers - Das große Vorbild (2)

Die Comedian Harmonists, die wohl bis heute bekanntesten und beliebtesten deutschen Kopisten der Revelers, wurden am 27.12.1927 gegründet - das ist nun bald genau 90 Jahre her. Um dieses Datum werden sich daher einige „Tanzparkett“-Ausgaben der nächsten Zeit ranken. Die US-amerikanischen Revelers hatten sich bereits Ende der 10er Jahre als Shannon Four gegründet. Mit der Verbindung von technisch perfektem Satzgesang und Jazz ergründeten sie musikalisches Neuland. Sie waren das große Vorbild der Comedian Harmonists - wie das vieler anderer Gesangsquartette und -quintette rund um den Erdball. Darum haben auch wir am vorigen Sendetermin mit den Revelers begonnen. Die zweite Folge hat Aufnahmen der Revelers für die Victor, die Brunswick und die Columbia aus den Jahren 1926 bis 1931 zum Inhalt. In jedem Falle erwartet Sie im Verlauf der Reihe eine (Wieder-)Begegnung mit Platten der Revelers, der Comedian Harmonists sowie weiterer europäischer Gesangsgruppen. Lassen Sie sich überraschen!

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 20. Dezember 2017, 21-22 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 21. Dezember 2017, 13 Uhr

 

Die Nazis und die Intellektuellen – Die Chefs der Kasseler Gestapo

Nazis und Intellektuelle? Wie paßt das zusammen? Noch immer herrscht die Meinung vor, die Nationalsozialisten seien in erster Linie verkrachte Existenzen gewesen, die sich mit gewaltbereiten Schlägern und anderen primitiven Menschen zusammengetan haben, um die Macht zu erobern, Dies ist bestenfalls die halbe Wahrheit.
Die meisten führenden Nationalsozialisten waren keine gescheiterten Existenzen, sondern Akademiker aus gutem Hause. Viele SS-Männer hatten einen Doktortitel. Die Studentenschaft stand schon vor 1933 mehrheitlich hinter Hitler, und dieser Trend setzte sich fort. Nach Hitlers Machtübernahme sind es in vielen Bereichen junge intellektuelle Nationalsozialisten, die die entscheidenden Positionen besetzen.
1933 strömten viele Akademiker in die NSDAP. Viele aus Opportunismus, etliche aber auch aus Überzeugung. Schon bald nach Hitlers Machtübernahme werden die Verfolgungsbehörden - Gestapo, Kripo und später das Reichssicherheitshauptamt - von jungen Intellektuellen geführt, die fanatische Nationalsozialisten waren.
Auch die Kasseler Gestapo wurde von hochgebildeten Männern aus bürgerlichen Familien geleitet. Alle hatten Abitur und einen Universitätsabschluß, etliche einen Doktortitel. In der Gesamtbevölkerung hatten 5% Abitur, 12% einen Realschulabschluß und 83% den Hauptschulabschluß. Auch in Kassel wurde somit der Verfolgungsapparat von einer Bildungselite geführt. Wer waren diese Männer, wie führten sie die Kasseler Gestapo, welchen Anteil hatten sie am Holocaust, und was geschah mit Ihnen nach dem Krieg? Dr. Gunnar Richter, Leiter der Gedenkstätte Breitenau, gab in seinen Vortrag auf diese Fragen Antworten.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 22. Dezember 2017, 18 Uhr

 

Weihnachtliches mit Tresenlesen und Jürgen von Manger

Das Fernsehen bringt alljährlich „Heiligabend bei Familie Heinz Becker“ und „Dinner For One“ – im FRK gibt’s traditionell Kabarettistisches mit Tresenlesen und Jürgen von Manger. So auch zum Jahresausklang 2017.
Mitte der 90er Jahre brachten Frank Goosen und Jochen Malmsheimer, die damals noch als Kabarett-Duo „Tresenlesen“ gemeinsam unterwegs waren, das Programm „Rohes Fest“ heraus. Weihnachten einmal anders: Witzige, skurrile, teilweise auch böse Geschichten um das „Fest der Liebe“, verfaßt von Satire-Größen wie Hanns Dieter Hüsch und Robert Gernhardt. Goosen und Malmsheimer präsentieren die Texte in ihrer ganz eigenen, höchst komischen Art – unter anderem Klassiker wie „Die Falle“, „Die Bescherung“ oder „Ein Weihnachtsmann auf Abwegen“. Ein Vergnügen der besonderen Art, nicht nur für Weihnachts-Phobiker!
Über Jürgen von Manger alias Adolf Tegtmeier muß nicht mehr viel erzählt werden: Er ist laut Umfragen auch viele Jahre nach seinem Ableben immer noch der beliebteste Kabarettist hierzulande; erst vor einiger Zeit erschienen seine Fernseh-Klassiker „Tegtmeier“ und „Geheimagent Tegtmeier“ auf DVD. In der Sendung gibt’s – jeweils im Wechsel mit den Weihnachtsgeschichten von Tresenlesen – Aufnahmen von Jürgen von Manger aus den 70er und frühen 80er Jahren.

  • Sendetermin: „Weihnachtliches mit Tresenlesen und Jürgen von Manger“, Samstag, 23. Dezember 2017, 22 Uhr

 

Richard Dobson (+ 16. Dezember 2017), Jerry Jeff Walker

Das Leben ist schräg und schön, aber auch knallhart und ungerecht. Kurz vor dem vorgeblichen "Fest der Liebe" reißt es nun auch den "Hemingway der Country Music" aus diesem Leben. Richard Dobson, Singer/Songwriter mit angenehmer Erzählstimme aus Tyler/Texas, ist 75jährig in der Vorwoche gestorben. Er hat Qualität bewiesen, wie die Musikproduzenten und Labelbosse sagen - gerade so wie der Newcomer Jamey Johnson aus der vorigen Folge mit seinem absolut lobenswerten Hank Cochran-Tribute Album.
Bei Dobson ging´s allerdings in der umgekehrten Reihenfolge - er schrieb´s, andere coverten seine Stücke mit großer Begeisterung. Die Reihe langt von Johnny Cash und Guy Clark bis Rodney Crowell, Steve Young, David Allan Coe, Townes Van Zandt, Nancy Griffith, der Charlie Daniels Band, Steve Earle, Debbie Brooks und anderen. Kollege John Prine bezeichnete Richard Dobson als den besten Songwriter in Nashville. Seine Titel hatten übrigens bedeutungsvolle Wirkung im Filmklassiker "Heartworn Highways" (1981), einer gelungenen Skizze zur Entwicklung der damaligen Outlaw-Szene.
In dieser Folge hören wir eine kleine Handvoll Richard Dobson-Songs aus dem Album "One Bar Town" (1994/Brambus Records). Einfach, schlicht, geradeaus - zugleich tiefen- und hintersinnig. Stil und Stimme sind etwa vergleichbar mit Jim Rooney und Peter Rowan. Gelegentlich ist ein mexikanischer Touch festzustellen.  Wieder einer weniger aus der alten Garde.
Damit es nicht allzu trübe abgehen mag, bringen wir in dieser Weihnachtsfolge  Schräges und Festliches vom immer noch aktiven Outlaw Jerry Jeff Walker. Wie wär´s mit einer augenzwinkernden "Christmas Gonzo Style"-Hörprobe, gefolgt von einem ebenso schrägen musikalischen Rückblick in die klassischen Texas Outlaw-Zeiten: "Walker´s Collectibles" (1974) - ein Klassiker in der Sammlung (tolles Cover). Schöne Weihnachten, alle zusammen. Take it easy, but take it. Love And Peace, y´all.

  • Sendetermin: “Lonesome Traveler”, Sonntag, 24. Dezember 2017, 19 Uhr

Programminfos vom 15.12.2017 bis 21.12.2017

SHAKE! Hommage zum 50. Todestag von Otis Redding

Sam Cooke, der Soul Crooner, ist schon 1964 gestorben. Little Richard vor ein paar Tagen 85 Jahre alt geworden. Was das miteinander zu tun hat? Beide haben „Big O“ (Otis Redding) inspiriert. Sanfte Balladen und wilde Bühnenshows. Otis ist nur 26 Jahre alt geworden als er vom Himmel fiel. Das war 1967, am 10. Dezember. Anlass genug, an die großartigen Songs zu erinnern, von denen nur der letzte und unvollendete („Sittin‘ On The Dock Of The Bay“) bei der breiten Mehrheit im medialen Gedächtnis geblieben ist. Reddings wahrer Zauber erwachte erst auf der Bühne zum Leben, wo ein reißender Strom von Emotionen, Gestik und Identifikation zum Ausbruch kam. Legendär sein Live-Auftritt beim Monterey-Pop-Festival 1967, kurze Zeit bevor er starb.
„Pain In My Heart“ oder „That’s How Strong My Love Is“, haben sich die Rolling Stones bei ihm abgeschaut. Und umgekehrt, gehört „Satisfaction“ aus der Kehle von Otis Redding, zum Besten was Keith Richard je gehört hat. Ach so, das berühmte Pfeifen auf „Sittin‘ On The Dock Of The Bay“ ist gar nicht von Otis Redding. Weshalb auch die krude Ursprungsversion zu hören sein wird und ein Interview über die Entstehung des Songs mit Steve Cropper (dem Co-Autoren und Gitarristen). Frühwerke und Unveröffentlichtes stehen auf dem Sendezettel. Und Balladen, wie das unsterbliche „I’ve Been Loving You Too Long”. Auch jede Menge sadness: “I’ve God Dreams To Remember”. Und wenn die Zeit noch reicht, noch eine apokalyptische; deutsch gesungene Coverversion von Mr. Pitiful: Sie nannten mich Prinz Eisenherz. Mal sehen …

  • Sendetermin: „Magic Moments“, Mittwoch, 13. Dezember 2017, 21 Uhr
  • Wiederholung am Donnerstag, 14. Dezember 2017, 13 Uhr.

Die Sendung kann später als podcast auf meinem Radio-Blog nachgehört werden:

 

Kultur in der Klosterkirche

Studiogast: Nicola Uphoff-Watschong, Kulturplanerin

Hoch im Norden von Nordhessen liegt die malerische Klosterkirche Lippoldsberg. Um sie zu beleben, sind Tourismus und Gemeindeleben wichtige Grundpfeiler des Angebots, doch ebenso geht es natürlich um die
Kultur. Mit Konzerten, Bilderausstellungen, Lesungen, Theateraufführungen und Open-Air-Kino möchte die Klosterkirche mit ihren Spielorten ein Kulturzentrum mit Ausstrahlung in die Region sein. Welche
Anforderungen die Kulturarbeit an solch einen altehrwürdigen Ort bietet, erzählt Nicola Uphoff-Watschong. Sie engagierte sich für die Kulturplanung der Klosterkirche.

  • Sendetermin: „Resonanz. Neues aus Musik und Kultur“, Mittwoch, 13. Dezember 2017, 22 Uhr

 

The Old School strikes back: Zydeco Music / Blue Horizon Records

Passend zum schmuddeligen Vorweihnachtswetter begeben wir uns in dieser Folge lieber in die fiebrig-heißen Swamps von Louisiana und lassen uns musikalisch Chili-scharf und Akkordeon-feurig von echten Connaisseurs des Genres heiß auf Touren bringen. Wir hören Zydeco-Tracks aus der Swamp Music-Reihe des famosen Trikont-Labels aus München (Glückwunsch zum 50.!) mit Clifton Chenier, John Delafose und Boozoo Chavis - musikhistorische Raritäten aus den 70er und 80er Jahren mit wahrlich peppiger Direktansprache. Und zugleich Blues pur: "Ma femme m´a quitte - Mon coeur fait mal ..."
Auch die Brit-Blues-Reihe über das Meilenstein-setzende Blue Horizon Label aus London wird heute fortgesetzt. Die frühen Fleetwood Mac, die ihre Karriere unter der Ägide des legendären Blue-Horizon-Produzenten begonnen haben, stehen diesmal im Vordergrund.

  • Sendetermin: “Long Distance Call”; Samstag, 16. Dezember 2017, 18 Uhr

 

Sendereihe „Der unbekannte Nachbar“

Polnische Tanzplatten der Nachkriegszeit - Jan Cajmer, Folge 2

An den letzten Sonntagen brachten wir im „Tanzparkett extra“ die ersten Teile einer kleinen Reihe mit polnischen Jazz- und Tanzplatten der Nachkriegszeit. Nun setzen wir dieses Thema mit einer zweiten Sendung über das Warschauer Rundfunktanzorchester unter Jan Cajmer fort.
Die Nachwirkungen des Krieges waren langsam überstanden.
Im Gegensatz zu anderen von Deutschland besetzten Ländern wie Belgien, Frankreich, Holland, Dänemark oder der Tschechoslowakei war in Polen sofort nach Kriegsausbruch die Plattenindustrie stillgelegt worden. Erst Ende 1945 hatten nach über sechsjähriger Unterbrechung wieder Plattenaufnahmen stattgefunden - oft unter improvisierten Bedingungen.
Davon war in den nun wieder „richtig“ ausgestatteten Studios kaum noch etwas zu merken, außer an personellen Lücken. Einige bekannte polnische Musiker hatten den Krieg nicht überlebt, einige waren rechtzeitig emigriert - und nun entzogen sich weitere Künstler den Segnungen des real existierenden Sozialismus.
So auch Jan Cajmer, der 1957 nach Israel auswanderte, um von dort in die Schweiz zu ziehen.
In den 50er Jahren, die wir heute behandeln (eher eine Ausnahme im „Tanzparkett“), leitete Jan Cajmer weiterhin das polnische Rundfunktanzorchester. Sie hören Platten aus der Zeit von 1951 bis 1956 - also ein Jahr vor Cajmers Emigration.

  • Sendetermin: „Tanzparkett extra“, Sonntag, 17. Dezember 2017, 17-18 Uhr.
  • Wiederholung: Montag, 18. Dezember 2017, 9 Uhr.

 

Lost & Found: Jamey Johnson "Living for a Song"

Der Lonesome Traveler war lange Zeit gefrustet. Er konnte eines seiner feinsten Neuzeit-Countryalben nicht wiederfinden. Die Platte war in den Bergen von Vinyl und Plastiksilberlingen irgendwann irgendwie plötzlich verschwunden, falsch einsortiert. Aber nun ist sie wieder da (danke, Rainer!).
Es handelt sich um ein fantastisches Hank Cochran-Tributealbum, das der mittlerweile zum Szene-Star avancierte Newcomers Jamey Johnson 2012 mit seiner markanten Stimme eingespielt hat. Er nahm sich die unvergessenen Klassikertitel mit illustren KollegInnen aus der Nashville-Szene mit viel Gefühl zu Brust: "I Fall to Pieces", "Make the World go away", "I´d fight the World", "The Eagle", "Love makes a Fool of Us All".
Der hierzulande mittlerweile fast vergessene Hank Cochran (+ 2010) hat uns in den 60er und 70er Jahren eine Reihe echter Hit-Ohrwürmer hinterlassen. Jamey Johnson hat 16 dieser Preziosen unter dem Arbeitstitel "Living for a Song" zusammengefasst, allesamt mit traumhaften BegleiterInnen eingespielt: Willie, Hag, Emmylou, Leon Russell, Elvis Costello, Asleep at the Wheel, Ray Price, George Strait, Kris Kristofferson, Lee Ann Womack, Vince Gill, Alison Krauss und andere. Begleitet wurde er von den Top Hands der Sessionmusikergarde (von Mickey Raphael/harp über "Cowboy" Eddie Long bis Robby Turner/steel). Den Titelsong des Albums hat Jamey Johnson gar mit seinem Idol Hank Cochran gemeinsam eingespielt. Ein Waylon-Hit ist übrigens auch mit dabei: "The Eagle". Klasse.

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 17. Dezember 2017, 19 Uhr

 

Das Netlabel »Quantum Bit«

In der Dezember-Ausgabe des Magazins für freie Musik stellen wir das Netlabel Quantum Bit vor. Das Repertoire umfasst viele verschiedene Genres an Musik – und so zaubern wir eine besinnliche Musikmischung für
die Adventszeit.

  • Sendetermin: „Frei hoch zwei“, Dienstag, 19. Dezember 2017, 19 Uhr

 

Gesangsgruppen im Stile der Revelers - Das große Vorbild (2)

Die Comedian Harmonists, die wohl bis heute bekanntesten und beliebtesten deutschen Kopisten der Revelers, wurden am 27.12.1927 gegründet - das ist nun bald genau 90 Jahre her.
Um dieses Datum werden sich daher einige „Tanzparkett“-Ausgaben der nächsten Zeit ranken.
Die US-amerikanischen Revelers hatten sich bereits Ende der 10er Jahre als Shannon Four gegründet. Mit der Verbindung von technisch perfektem Satzgesang und Jazz ergründeten sie musikalisches Neuland.
Sie waren das große Vorbild der Comedian Harmonists - wie das vieler anderer Gesangsquartette und -quintette rund um den Erdball.
Darum haben auch wir am vorigen Sendetermin mit den Revelers begonnen.
Die zweite Folge hat Aufnahmen der Revelers für die Victor, die Brunswick und die Columbia aus den Jahren 1926 bis 1931 zum Inhalt.
In jedem Falle erwartet Sie im Verlauf der Reihe eine (Wieder-)Begegnung mit Platten der Revelers, der Comedian Harmonists sowie weiterer europäischer Gesangsgruppen. Lassen Sie sich überraschen!

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 20. Dezember 2017, 21-22 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 21. Dezember 2017, 13 Uhr

Programminfos vom 07.12.2017 bis 14.12.2017

Gesangsgruppen im Stile der Revelers

Die Comedian Harmonists wurden am 27.12.1927 gegründet - das ist nun bald genau 90 Jahre her.
Um dieses Datum werden sich daher einige „Tanzparkett“-Ausgaben der nächsten Zeit ranken.
Das große Vorbild der Comedian Harmonists - wie das vieler anderer Gesangsquartette und -quintette - waren die US-amerikanischen Revelers, die sich bereits Ende der 10er Jahre als Shannon Four gegründet hatten und mit der Verbindung von technisch perfektem Satzgesang und Jazz musikalisches Neuland ergründeten.
Darum wollen auch wir mit den Revelers beginnen.
Die erste Folge hat frühe elektrische Aufnahmen der Revelers für die Victor und die Columbia zum Inhalt.
In welcher Abfolge die Reihe fortgesetzt werden soll, steht bislang nicht genau fest, da für eine Sendung genau am Jubiläumstermin Programmplätze getauscht werden müßten.
In jedem Falle erwartet Sie ein Wiederhören mit Platten der Revelers, der Comedian Harmonists sowie weiterer europäischer Gesangsgruppen. Lassen Sie sich überraschen!

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 6. Dezember 2017, 21-22 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 7. Dezember 2017, 13 Uhr

 

Geschenktips für Musikfreunde, Teil 3

„Weiß überhaupt jemand, was er seinen Lieben auf den Gabentisch legen soll? Niemand weiß das, gell?“ Dieses Zitat von Frau Direktor Bartels aus Loriots legendärem Sketch gilt vermutlich bis in alle Ewigkeit. Kaum zu glauben, aber traurig: Weihnachten steht schon wieder vor der Tür, und die bange Frage nach den Präsenten für die Verwandt- und Bekanntschaft stellt sich drängend, wie in jedem Jahr um diese Zeit. Aber nicht verzagen: Das FRK betätigt sich als Retter in der Not. Wir empfehlen zwar nicht, wie Frau Direktor Bartels, den „Familien-Originalbenutzer“, dafür aber umfassende CD-Pakete, über die sich insbesondere Musikfans freuen dürften.
Wie bereits in früheren Jahren, so stellen wir auch diesmal wieder eine Reihe repräsentativer CD-Boxen vor, die in den vergangenen 12 Monaten erschienen sind. In der dritten von insgesamt fünf Sendungen sind u.a. dabei: Ramones, Bob Marley, Cream, Nick Cave, The Skids, Pentangle, The Beatles, Freddy Quinn.

  • Sendetermine: „FRK spezial – Geschenktips für Musikfreunde 2017, Teil 3“, Freitag, 8. Dezember 2017, 22 Uhr

 

Die Faszination der Rock’n‘Roll-"Originale": Chuck, Fats, Jerry Lee und Little Richard

Heute geht’s in der „Langen Rille“ rückwärts zu den Größen des Rock’n’Roll der 50er Jahre: Chuck Berry ist in diesem bald vergangenen Jahr im März 90jährig gestorben. Der großartige Boogie-"Fat Man" aus New Orleans verließ uns am 24. Oktober 2017. Der "Killer" Jerry Lee Lewis ist erstaunlicherweise noch am Leben - und äußert sich nach wie vor mit großen krassen Sprüchen. Und der Aller-Schrillste der alten Garde, Little Richard, ist in dieser Woche 85 (!!) geworden. Still alive, too. Wow, congratulations.
Der Lonesome Traveler Wolf Silaff möchte euch die Vorweihnachts-Plage mit dieser Folge etwas musikalisch versüßen. Just to make it a little more comfortable - drei Stunden Originalsounds vom Feinsten. Inklusive Erinnerung an The "Big O" - Roy Orbison, die große Stimme des Genres. Der ist am 6. Dezember 1988 von uns gegangen. Only The Lonely ... yeah.

  • Sendetermin: „Die Lange Rille“, Samstag, 9. Dezember 2017, 21 Uhr

 

Sendereihe „Der unbekannte Nachbar“ - Polnische Tanzplatten der Nachkriegszeit, Folge 3: Das Orchester Jan Cajmer.

Nachdem wir an den letzten beiden Sonntagen im „Tanzparkett extra“ den ersten und zweiten Teil einer kleinen Reihe mit polnischen Jazz- und Tanzplatten der Nachkriegszeit brachten, setzen wir dieses Thema nun mit einer Sendung über ein einzelnes Orchester fort. Es handelt sich um die Jazzband von Jan Cajmer.
Schwerpunkt wird eine Aufnahmesitzung vom 18.10.1948 in Warschau sein.
Im Gegensatz zu anderen von Deutschland besetzten Ländern wie Belgien, Frankreich, Holland, Dänemark oder der Tschechoslowakei wurde in Polen sofort nach Kriegsausbruch die Plattenindustrie stillgelegt. Erst Ende 1945 fanden nach über sechsjähriger Unterbrechung wieder Plattenaufnahmen statt - oft unter improvisierten Bedingungen in schlecht gedämpften Sälen und offenbar mangels anderer Möglichkeiten teilweise mit Amateurmaschinen oder zumindest stark herabgekommenem Industriegerät. Der Abzug der Wehrmacht hatte auch hier nur verbrannte Erde zurückgelassen.
Immerhin hatten, so wie die beiden Hauptakteure unserer heutigen Ausgabe auch, etliche bekannte polnische Musiker den Krieg überlebt - wer nicht aus politischen oder rassischen Gründen hatte fliehen müssen oder gar ermordet worden war, hatte in der schweren Zeit sein Auskommen gehabt, da das Publikum mangels Rundfunks und Platten auf Orchesterauftritte angewiesen war, wenn es Musik hören wollte. Natürlich gab es auch junge, neue Musiker, die, begeistert von der neuen Freiheit (die nicht lange währen sollte, denn bald zog die kommunistische Führung die kulturellen Daumenschrauben an), auch neueste amerikanische Klänge im Repertoire hatten. Daneben gab es - wie auch in Deutschland - Kapellen, die stilistisch an die Vorkriegszeit anknüpften, vielleicht, weil sie es nicht besser wußten und konnten (und auch weil das Publikum offenbar nicht immer das Neueste hören wollte) oder in einem Zwischenstil der Kriegszeit steckengeblieben waren. Auch Schlager aus dieser Zeit, die natürlich trotz aller Widrigkeiten auch in Polen bekannt geworden waren, tauchen immer wieder auf polnischen Nachkriegsplatten auf.

  • Sendetermin: „Tanzparkett extra“, Sonntag, 10. Dezember 2017, 17-18 Uhr.
  • Wiederholung: Montag, 11. Dezember 2017, 9 Uhr.

 

Neues und fast ganz Neues: Tipps für den bescheidenen Gabentisch

Wenn es um gute interessante Musik und neue Klänge geht, kaufen manche Leute  gern Gesamtausgaben, Komplettreihen oder Box-Sets. Nun gut, wenn man´s braucht ...  Macht sich ja, auch optisch, ganz geil im Sammlerregal, gell. Für die eher schmalen Geldbörsen (schließlich ist alles ja nur Geschäft) präsentieren wir diesmal ein paar Weihnachtskleingeschenke-Tipps sozusagen. Der Lonesome Traveler setzt wiederum auf Regionales. Zum Beispiel mit echten aufregenden Newcomern aus der Herkules-Stadt (der wurde soeben 300 - Glückwunsch, bleib schön sicher stehen) sowie mit Klasse-Musikern, die unter dem mittlerweile anerkannten Namen "Dark Vatter & sinne Combo" durchs Nordhessische "traveln". Und gelegentlich noch weiter. Sie spielen Rockabilly Music im ehrenwerten Stil von Johnny Cash, Carl Perkins und Eddie Cochran, schräg und angenehm, im besten lokalen Idiom, dem "Kasselänerischen". Ihren soeben erschienen neuen Silberling haben der Vatter, ´s Nine und die gestandenen Begleiter (die Kussengs Judy, Olli und Kusseng T.) nach dem positiven Motto der legendären Carter Family "Uf der Sonnensiede" benannt. Lokal, witzig, ächt zum Midddegaagen - Klasse Mucke, unbedingt empfehlenswert. Erhältlich in jedem gutsortierten Kasseler Plattenladen ...
Überregionales kommt aus Irland ("A terrible Beauty" - Heinrich Böll und Leon & Jill Uris haben es famos beschrieben und bebildert). Auch dort wird weihnachtlich geträumt. Stockfisch Records hat einen weiteren Newcomer von der Grünen Insel entdeckt: Brian Flanagan ("Where Dreams Are Made"), einen jungen Singer/Songwriter mit milder markanter Stimme aus Dublin (Baile Átha Cliath). Der interessante Künstler verbindet auf sehr feine Art gesungene Geschichten aus seinem Leben mit geträumten "Tales". Begleitet wird er von exzellenten Folkmusikern wie Ian Melrose, Lutz Möller, Hans-Jörg Mauksch u.a.  

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 10. Dezember 2017, 19 Uhr

 

SHAKE!

Hommage zum 50. Todestag von Otis Redding

Sam Cooke, der Soul Crooner, ist schon 1964 gestorben. Little Richard vor ein paar Tagen 85 Jahre alt geworden. Was das miteinander zu tun hat? Beide haben „Big O“ (Otis Redding) inspiriert. Sanfte Balladen und wilde Bühnenshows. Otis ist nur 26 Jahre alt geworden als er vom Himmel fiel. Das war 1967, am 10. Dezember. Anlass genug, an die großartigen Songs zu erinnern, von denen nur der letzte und unvollendete („Sittin‘ On The Dock Of The Bay“) bei der breiten Mehrheit im medialen Gedächtnis geblieben ist. Reddings wahrer Zauber erwachte erst auf der Bühne zum Leben, wo ein reißender Strom von Emotionen, Gestik und Identifikation zum Ausbruch kam. Legendär sein Live-Auftritt beim Monterey-Pop-Festival 1967, kurze Zeit bevor er starb.
„Pain In My Heart“ oder „That’s How Strong My Love Is“, haben sich die Rolling Stones bei ihm abgeschaut. Und umgekehrt, gehört „Satisfaction“ aus der Kehle von Otis Redding, zum Besten was Keith Richard je gehört hat. Ach so, das berühmte Pfeifen auf „Sittin‘ On The Dock Of The Bay“ ist gar nicht von Otis Redding. Weshalb auch die krude Ursprungsversion zu hören sein wird und ein Interview über die Entstehung des Songs mit Steve Cropper (dem Co-Autoren und Gitarristen). Frühwerke und Unveröffentlichtes stehen auf dem Sendezettel. Und Balladen, wie das unsterbliche „I’ve Been Loving You Too Long”. Auch jede Menge sadness: “I’ve God Dreams To Remember”. Und wenn die Zeit noch reicht, noch eine apokalyptische; deutsch gesungene Coverversion von Mr. Pitiful: Sie nannten mich Prinz Eisenherz. Mal sehen …

  • Sendetermin: „Magic Moments“, Mittwoch, 13. Dezember 2017, 21 Uhr
  • Wiederholung am Donnerstag, 14. Dezember 2017, 13 Uhr.

Die Sendung kann später als podcast auf meinem Radio-Blog nachgehört werden:




Kultur in der Klosterkirche

 

Studiogast: Nicola Uphoff-Watschong, Kulturplanerin

Hoch im Norden von Nordhessen liegt die malerische Klosterkirche Lippoldsberg. Um sie zu beleben, sind Tourismus und Gemeindeleben wichtige Grundpfeiler des Angebots, doch ebenso geht es natürlich um die Kultur. Mit Konzerten, Bilderausstellungen, Lesungen, Theateraufführungen und Open-Air-Kino möchte die Klosterkirche mit ihren Spielorten ein Kulturzentrum mit Ausstrahlung in die Region sein. Welche Anforderungen die Kulturarbeit an solch einen altehrwürdigen Ort bietet, erzählt Nicola Uphoff-Watschong. Sie engagierte sich für die Kulturplanung der Klosterkirche.

  • Sendetermin: „Resonanz. Neues aus Musik und Kultur“, Mittwoch, 13. Dezember 2017, 22 Uhr

Programminfos vom 01.12.2017 bis 07.12.2017

Die Nazis und die Intellektuellen

Nazis und Intellektuelle? Wie paßt das zusammen? Noch immer herrscht die Meinung vor, die Nationalsozialisten seien in erster Linie verkrachte Existenzen gewesen, die sich mit gewaltbereiten Schlägern und anderen primitiven Menschen zusammengetan haben, um die Macht zu erobern, Dies ist bestenfalls die halbe Wahrheit.
Die meisten führenden Nationalsozialisten waren keine gescheiterten Existenzen, sondern Akademiker aus gutem Hause. Viele SS-Männer hatten einen Doktortitel. Die Studentenschaft stand schon vor 1933 mehrheitlich hinter Hitler, und dieser Trend setzte sich fort. Nach Hitlers Machtübernahme sind es in vielen Bereichen junge intellektuelle Nationalsozialisten, die die entscheidenden Positionen besetzen.
1933 strömten viele Akademiker in die NSDAP. Viele aus Opportunismus, etliche aber auch aus Überzeugung. Schon bald nach Hitlers Machtübernahme werden die Verfolgungsbehörden - Gestapo, Kripo und später das Reichssicherheitshauptamt - von jungen Intellektuellen geführt, die fanatische Nationalsozialisten waren. Gleichzeitig existierte noch die alte Ministerialbürokratie. In der Wannseekonferenz vom 20. Januar 1942 trafen Vertreter beider Gruppen aufeinander. Die Vernichtung der europäischen Juden hatte bereits begonnen. Die SS nutzte diese Konferenz, um die Ministerien darüber zu informieren und die weiteren „Aktionen“ zu besprechen.
Wer waren die Teilnehmer dieser Konferenz? Wie standen sie zu dem Vorhaben, die europäischen Juden zu vernichten? Gab es Widerstände seitens der Ministerialbürokratie angesichts dieser ungeheuren Vorgänge?
Prof. Dr. Jens Flemming erörterte diese (und weitere) Fragen in seinem VHS-Vortrag.
Außerdem stellen wir den jüngst erschienenen „Stadtplan der Erinnerungen“ vor, der als wichtiger Beitrag zur Erinnerungskultur durch die Stadt Kassel herausgegeben wurde. Die Karte ist das Ergebnis der Zusammenarbeit des Vereins Stolpersteine in Kassel e.V. und des städtischen Amts Vermessung und Geoinformation. „In Kassel ist das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus seit vielen Jahren gelebte Wirklichkeit. Deshalb bin ich sehr dankbar für diese Initiative, die erstmals eine kartographische Übersicht der Erinnerungsorte in Kassel ermöglicht“, erklärt Oberbürgermeister Christian Geselle. „Die Verbrechen der NS-Zeit sind uns stets Mahnung, um jeder Form von Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus und Intoleranz entschieden entgegenzutreten und uns für ein friedliches Miteinander in unserer Stadt einzusetzen."
Im Stadtplan der Erinnerung sind 67 Orte von Mahnmalen, Gedenktafeln und Gedenksteinen in der Stadt Kassel aufgeführt. Einer der bekanntesten Orte ist das Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus am Murhardpark. Gedenktafeln befinden sich unter anderem an der Synagoge, am Aschrottbrunnen und im Staatstheater. Sie erinnern an die Opfer des Nationalsozialismus ebenso wie Gedenksteine, Gräberfelder und Ehrengräber auf Kasseler Friedhöfen. Daneben sind auch zehn Kunstwerke im öffentlichen Raum aufgeführt.
Weiterer wesentlicher Inhalt des „Stadtplans der Erinnerung“ ist die Darstellung der bisher im Stadtgebiet verlegten „Stolpersteine“ des Künstlers Gunter Demnig. Mit im Boden verlegten Gedenksteinen soll an das Schicksal der Menschen erinnert werden, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. Die Stadtverordnetenversammlung hatte am 7. November 2011 einstimmig beschlossen, das europaweite Projekt Stolpersteine auch in Kassel zu verwirklichen.
In Kassel wird das Projekt Stolpersteine vom Verein Stolpersteine in Kassel e.V. organisiert. Seit 2011 wurden mehr als 150 Steine im öffentlichen Raum realisiert. Diese Steine werden jeweils vor dem letzten freigewählten Wohnsitz der betroffenen Menschen meist im Gehweg verlegt. Im Rahmen des Projektes Stolpersteine sind auch zukünftig an weiteren Orten kleine Gedenktafeln geplant. Dazu recherchieren Mitglieder des Vereins in Archiven und Bibliotheken, um das Schicksal weiterer Opfer des Nationalsozialismus aufzuklären. Wichtiges Element der Arbeit des Vereins ist die Kontaktaufnahme zu Nachfahren der Opfer.
„Auch mit dem neuen Stadtplan engagiert sich die Stadt Kassel für die Erinnerungskultur und das Stolperstein-Projekt“, so Stadtbaurat Christof Nolda. Bei der Umsetzung der Initiative des Vereins Stolpersteine für den Stadtplan der Erinnerung sei die Stadtverwaltung in vielfältiger Weise behilflich, unter anderem durch das Zukunftsbüro. Das Straßenverkehrs- und Tiefbauamt bietet Unterstützung bei der Verlegung der Stolpersteine. Das Amt Vermessung und Geoinformation ist für die Kartenbearbeitung und das Layout des Stadtplans verantwortlich, es hat auch die Lage der Stolpersteine seit mehreren Jahren in einem Kataster erfasst. Dabei wurden im Rahmen von Ausbildungsprojekten alle Stolpersteine von den angehenden Geomatikerinnen und Geomatiker vermessungstechnisch erfasst und dokumentiert.
Die redaktionellen Recherchen sowie die Finanzierung des Drucks hat der Verein übernommen. Die gefaltete Karte im Maßstab 1:20.000 wird gegen eine Schutzgebühr von 50 Cent abgegeben. Erhältlich ist der Plan im Kundenzentrum Geodaten in der Sickingenstraße 7, beim Kundenservice im Kasseler Rathaus sowie den folgenden Verkaufsstellen: Verein Stolpersteine in Kassel, Stadtmuseum, Stadtarchiv, Gedenkstätte Breitenau, Sara-Nussbaum-Zentrum für jüdisches Leben, Tourist-Information, Buchhandlung am Bebelplatz sowie Buchhandlung Hühn. Eine geografische Übersicht über die in der Stadt verlegten Stolpersteine gibt es auch als Online-Karte und kann im Geoportal der Stadt Kassel aufgerufen werden.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 1. Dezember 2017, 18 Uhr

 

Britischer Bluesrock der Spät-60er: The Rolling Stones und John Mayall

Der Lonesome Traveler Wolf Silaff hat es dieser Tage mal wieder mit den aufregenden 1968ern und den Folgejahren. Gute Güte - ein halbes Jahrhundert ist das her! Politisch und gesellschaftlich waren das unruhige Zeiten, "Aufbruch" und kreatives Neues waren angesagt. So auch in der Rockmusik. Die Beatles waren immer noch die Superstars. Elvis´ Stern ging in den Sinkflug – die großen Zeiten des Rock & Roll waren vorbei. Auf der anderen Seite unseres geplagten Globus waren nun die Bühnenlichter für Bob Dylan, Frank Zappa, Jerry Garcia und Lou Reed gesetzt.
Die "neuen" Rolling Stones gingen ebenfalls mal wieder eigene Wege. Aus ihrer finanziellen Krise hatten sie sich damals clever wieder berappelt - und begaben sich von nun an in den internationalen Jet Set. Zu Beginn der 70er Jahre wurde eines ihrer Neuprodukte anfangs von den Kritikern in der Luft zerrissen und später zum Kultalbum erklärt - "Exile on Main Street". Daran wird in der Sonntag-Folge wieder-erinnert. Dieses Doppelalbum beinhaltet eine (weitere) Reminiszenz der Stones an ihre Blues-Wurzeln.
Ein weiterer interessanter Brit-Künstler, der sich intensiv mit der Blues-Historie beschäftigt, war bereits seit jenen Tagen der eigenwillige John Mayall. Der kam aus der gleichen Schule wie einige Stones-Mitglieder. Die Mentoren waren seinerzeit Alexis Korner und Cyril Davies im ehemaligen Crawdaddy Blues Club in Richmond/Surrey bzw. Marquee Club in Soho. Mayall brachte schon früh Mitmusiker auf die richtige Erfolgsschiene. Bestes Beispiel war wohl Eric Clapton. Nach Auflösung seiner Bluesbreakers im Sommer 1968 ging er zu Blues-Studienzwecken in die USA. Schnell angetan war er von Kalifornien, bald hatte er dort prominente Freunde gefunden. So die legendären Kollegen von Canned Heat. Im Laurel Canyon fand John Mayall kreative Ruhe - und die passenden musikalischen Begleiter. In kongenialer Kooperation mit dem Gitarristen Mick Taylor (Nachfolger von Brian Jones bei den Stones), Stephen Allen (bass) und Colin Allen (percussion) entstanden die Aufnahmen für ein Blues-Klassikeralbum der Spätsechziger: "Blues from Laurel Canyon". Auch Peter Green (frühe Fleetwood Mac) half aus. Anregung zu einigen Brit-Blues Titeln erfuhr Mayall von/beim Canned Heat-Mastermind Bob "The Bear" Hite. John Mayall lebte einen Sommer lang mit den damals international erfolgreichen Blues-Rockern. Im Kellergeschoss von Hites Farmhaus lernte Mayall die ungeheuerliche Plattensammlung (Schellack und Vinyl) des Gastgebers kennen - und wie später, auch Eurem geschätzten Moderator fiel die Kinnlade herunter.

  • Sendetermine: „Long Distance Call“, Samstag, 2. Dezember 2017, 18 Uhr
  • „Lonesome Traveler“, Sonntag, 3. Dezember 2017, 19 Uhr

 

Geschenktips für Musikfreunde, Teil 1 und 2

„Weiß überhaupt jemand, was er seinen Lieben auf den Gabentisch legen soll? Niemand weiß das, gell?“ Dieses Zitat von Frau Direktor Bartels aus Loriots legendärem Sketch gilt vermutlich bis in alle Ewigkeit. Kaum zu glauben, aber traurig: Weihnachten steht schon wieder vor der Tür, und die bange Frage nach den Präsenten für die Verwandt- und Bekanntschaft stellt sich drängend, wie in jedem Jahr um diese Zeit. Aber nicht verzagen: Das FRK betätigt sich als Retter in der Not. Wir empfehlen zwar nicht, wie Frau Direktor Bartels, den „Familien-Originalbenutzer“, dafür aber umfassende CD-Pakete, über die sich insbesondere Musikfans freuen dürften.
Wie bereits in früheren Jahren, so stellen wir auch diesmal wieder eine Reihe repräsentativer CD-Boxen vor, die in den vergangenen 12 Monaten erschienen sind. In den ersten beiden von insgesamt fünf Sendungen sind dabei u.a. Dr. John, Status Quo, Grand Funk Railroad, Colosseum, Fairport Convention, The Verve, Van Morrison, The Who, The Jam, Doctors Of Madness, Vibrators, Chris Spedding, R.E.M., Middle Of The Road, Mungo Jerry, Little River Band, Queen, The Sweet.

Sendetermine:

„FRK spezial – Geschenktips für Musikfreunde 2017:

  • Teil 1“, Freitag, 1. Dezember 2017, 22 Uhr
  • Teil 2: Samstag, 2. Dezember 2017, 21 Uhr

 

Sendereihe „Der unbekannte Nachbar“ - Polnische Tanzplatten der Nachkriegszeit, Folge 2

Nachdem wir letzten Sonntag im „Tanzparkett extra“ den ersten Teil einer kleinen Reihe mit polnischen Jazz- und Tanzplatten der Nachkriegszeit brachten, setzen wir dieses Thema nun mit einer Sendung über ein einzelnes Orchester fort. Es handelt sich um die Jazzband des Trompeters Franciszek Górkiewicz und des Altsaxophonisten Juliusz Skowronski.
Schwerpunkt wird eine Aufnahmesitzung vom 18.10.1948 in Warschau sein.
Im Gegensatz zu anderen von Deutschland besetzten Ländern wie Belgien, Frankreich, Holland, Dänemark oder der Tschechoslowakei wurde in Polen sofort nach Kriegsausbruch die Plattenindustrie stillgelegt. Erst Ende 1945 fanden nach über sechsjähriger Unterbrechung wieder Plattenaufnahmen statt - oft unter improvisierten Bedingungen in schlecht gedämpften Sälen und offenbar mangels anderer Möglichkeiten teilweise mit Amateurmaschinen oder zumindest stark herabgekommenem Industriegerät. Der Abzug der Wehrmacht hatte auch hier nur verbrannte Erde zurückgelassen.
Immerhin hatten, so wie die beiden Hauptakteure unserer heutigen Ausgabe auch, etliche bekannte polnische Musiker den Krieg überlebt - wer nicht aus politischen oder rassischen Gründen hatte fliehen müssen oder gar ermordet worden war, hatte in der schweren Zeit sein Auskommen gehabt, da das Publikum mangels Rundfunks und Platten auf Orchesterauftritte angewiesen war, wenn es Musik hören wollte. Natürlich gab es auch junge, neue Musiker, die, begeistert von der neuen Freiheit (die nicht lange währen sollte, denn bald zog die kommunistische Führung die kulturellen Daumenschrauben an), auch neueste amerikanische Klänge im Repertoire hatten. Daneben gab es - wie auch in Deutschland - Kapellen, die stilistisch an die Vorkriegszeit anknüpften, vielleicht, weil sie es nicht besser wußten und konnten (und auch weil das Publikum offenbar nicht immer das Neueste hören wollte) oder in einem Zwischenstil der Kriegszeit steckengeblieben waren. Auch Schlager aus dieser Zeit, die natürlich trotz aller Widrigkeiten auch in Polen bekannt geworden waren, tauchen immer wieder auf polnischen Nachkriegsplatten auf.

  • Sendetermin: „Tanzparkett extra“, Sonntag, 3. Dezember 2017, 17-18 Uhr.
  • Wiederholung: Montag, 4. Dezember 2017, 9 Uhr.

 

Gesangsgruppen im Stile der Revelers

Die Comedian Harmonists wurden am 27.12.1927 gegründet - das ist nun bald genau 90 Jahre her.
Um dieses Datum werden sich daher einige „Tanzparkett“-Ausgaben der nächsten Zeit ranken.
Das große Vorbild der Comedian Harmonists - wie das vieler anderer Gesangsquartette und -quintette - waren die US-amerikanischen Revelers, die sich bereits Ende der 10er Jahre als Shannon Four gegründet hatten und mit der Verbindung von technisch perfektem Satzgesang und Jazz musikalisches Neuland ergründeten.
Darum wollen auch wir mit den Revelers beginnen.
Die erste Folge hat frühe elektrische Aufnahmen der Revelers für die Victor und die Columbia zum Inhalt.
In welcher Abfolge die Reihe fortgesetzt werden soll, steht bislang nicht genau fest, da für eine Sendung genau am Jubiläumstermin Programmplätze getauscht werden müßten.
In jedem Falle erwartet Sie ein Wiederhören mit Platten der Revelers, der Comedian Harmonists sowie weiterer europäischer Gesangsgruppen. Lassen Sie sich überraschen!

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 6. Dezember 2017, 21-22 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 7. Dezember 2017, 13 Uhr

 

 

Programminfos vom 23.11.2017 bis 30.11.2017

Britische Herrenkleinkunstaufnahmen, Folge 2

Die Tanzmusik des 20. Jahrhunderts (und im speziellen der Jazz) wird seit etwa 80 Jahren systematisch beschrieben, eingeordnet und wissenschaftlich behandelt. Stiefmütterlich dagegen gingen Forscher und Plattensammler lange Zeit mit der sogenannten „Kleinkunst“, also Chanson-, Humoristen-, Kabarett- und Vortragsaufnahmen u. dergl., um. Sie wurde jahrzehntelang als zweitrangig abgetan, eben als „klein“ angesehen.
Forschungen, wie sie auf dem Gebiet des Jazz z.B. von Brian Rust und Horst H. Lange seit den 50er Jahren angestellt wurden, als viele Zeitzeugen noch lebten und im Musikgeschäft tätig waren, fanden erst mit Verzögerung statt. Viele Quellen und Berichterstatter aus erster Hand waren in den 80er Jahren nicht mehr greifbar, als eine breitere Beschäftigung mit der großen Zeit der kleinen Bühne, der Kleinkunstszene der Zwischenkriegszeit, einsetzte.
Umgekehrt tauchten auch verloren geglaubte Quellen in jener Zeit oder später wieder auf, die zuverlässiger waren als verblaßte Erinnerungen damals beteiligter Musiker - Aufnahmebücher verschiedener Plattenfirmen, die in den 50er Jahren wohl ins Altpapier hätten wandern sollen und von Plattenfans geborgen wurden.
Jedenfalls hat sich vor allem in den letzten 25 Jahren die Beschäftigung mit der Kleinkunst etabliert und ist auch aus der Schellacksammlerszene, wenn man von einer solchen sprechen mag, nicht mehr wegzudenken. Auch in den Sammlungen der Tanzparkett-Redakteure findet sich nicht nur Jazz, und auch der Anspruch unserer Sendung umfaßt die Kleinkunst von Anfang an.
Nicht nur in Deutschland gab es eine bunte Kleinkunstszene, auch im europäischen Ausland blühten die Kakteen der Brettlbühne.
Das wollen wir mit dieser und der kommenden Sendung unter Beweis stellen. Wir bringen Ihnen eine Auswahl an Kleinkunstaufnahmen von der Insel.
Die Vortragenden in den ersten beiden Folgen sind Herren, britische Damen-Kleinkunstplatten wollen wir bei späterer Gelegenheit als Fortsetzung senden.
Durch das Programm begleitet Sie Thomas Sosna.

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 22. November 2017, 21 - 22 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 23. November 2017, 13 Uhr

 

Die Nazis und die Intellektuellen

Nazis und Intellektuelle? Wie paßt das zusammen? Noch immer herrscht die Meinung vor, die Nationalsozialisten seien in erster Linie verkrachte Existenzen gewesen, die sich mit gewaltbereiten Schlägern und anderen primitiven Menschen zusammengetan haben, um die Macht zu erobern, Dies ist bestenfalls die halbe Wahrheit.
Die meisten führenden Nationalsozialisten waren keine gescheiterten Existenzen, sondern Akademiker aus gutem Hause. Viele SS-Männer hatten einen Doktortitel. Die Studentenschaft stand schon vor 1933 mehrheitlich hinter Hitler, und dieser Trend setzte sich fort. Nach Hitlers Machtübernahme sind es in vielen Bereichen junge intellektuelle Nationalsozialisten, die die entscheidenden Positionen besetzen.
Viele akademisch gebildete Deutsche wurden vom Nationalsozialismus angezogen. Ein Beispiel ist eine Gruppe von rechten Intellektuellen, die lose miteinander verbunden waren und deren politische Haltung man als „Konservative Revolution“ bezeichnet. Nicht alle ihre Vertreter gingen zu den Nationalsozialisten, ihre Anschauungen waren denen des NS allerdings sehr ähnlich. Man bekämpfte die Demokratie und den Liberalismus, und häufig war auch Antisemitismus mit im Spiel. Edgar Julius Jung, Carl Schmitt, Ernst Jünger und Oswald Spengler sind nur einige Vertreter dieser Richtung. Ihre Schriften waren zum Teil weit verbreitet. Was waren die Ziele dieser Autoren? Was hatten sie mit den Nationalsozialisten gemein? Kann man sie als intellektuelle Wegbereiter Hitlers bezeichnen? Prof. Dr,. Jens Flemming, ehemals Dozent an der Uni Kassel, befaßte sich in einem VHS-Vortrag mit der Thematik.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 24. November 2017, 18 Uhr

 

A Lazy Sunday Afternoon: Small Faces & Humble Pie

The Small Faces, die legendäre britische Band um den kleinen charismatischen Frontmann Stevie Marriott, tauchten bereits ab Mitte der 1960er in den Pop-Charts auf und wurden auch in Deutschland recht populär. Ihre große Zeit fiel in den Übergang von Pop zu Blues-Rock und Psychedelic-Experimentellem. Auch in Kassel kamen damals hippe Diskotheken auf; gegen Ende der Dekade wurde in den Szene-Läden dann auch zunehmend mehr Crossover gespielt - Hauptsache abgefahren tanzbar.
Steve Marriott ging damals, zusammen mit Peter Frampton, zu Humble Pie. Sie spielten britischen Blues-Rock und hatten Hits wie "Natural Born Boogie" oder "Alabama '69". Aus der britischen Club- und College-Subwelt waren die Spätstarter von May Blitz mit (leider) nur geringem Output dabei. Aber ihr "Smokin´ the day away" lief ab 1970 in der damaligen Wehlheider "Hacienda" (heute "Fiasko") quasi in Endlosschleife. Fleetwood Mac nehmen uns final mit ihrem unvergessenen "Albatross" (1968) auf den musikalischen Abflug aus dieser Folge.

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 26. November 2017, 19 Uhr

Programminfos vom 16.11.2017 bis 23.11.2017

Der Stachel der Psychoanalyse – heute!?

Gemeinsam mit dem Psychoanalytiker Eckhard Bär experimentiert das StadtLabor-Team zu Fragen heutiger Behandlungsformen psycho-sozialen Leidens in Verbindung mit der psychoanalytischen Theorie und Praxis, die auf Sigmund Freud und auf Jaques Lacan zurückgeht.

  • Sendetermin: „Stadtlabor“, Donnerstag, 16. November 2017, 21 Uhr

 

40 Jahre Deutscher Herbst – Der Baader-Meinhof-Komplex

Stefan Aust, Gründer von Spiegel TV und langjähriger Chefredakteur des Nachrichtenmagazins DER SPIEGEL, ist heute Herausgeber der Welt. Zuvor war Aust unter anderem Mitarbeiter des NDR, vor allem für Panorama und später Mitinhaber des Fernsehsenders N24. Er ist Autor zahlreicher Bücher. Der „Baader Meinhof Komplex“, erstmals 1985 erschienen, gilt als »Klassiker« (Frankfurter Allgemeine Zeitung). Stefan Austs Buch ist keine Anklageschrift und nicht das Plädoyer eines Verteidigers, es ist auch kein Urteil, weder in juristischer noch in moralischer Hinsicht. Es soll ein Protokoll sein, eine Chronik der Ereignisse vom Juni 1967, als der Student Benno Ohnesorg von einem Polizisten erschossen wurde, bis zum „Deutschen Herbst“ 1977, der Entführung und späteren Ermordung des Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer, der Entführung und Befreiung der Passagiere und Besatzungsmitglieder der Lufthansa-Maschine „Landshut“ und den Selbstmorden im Hochsicherheitstrakt von Stammheim. Detaillierter und brisanter denn je: Eine Fülle neuer Fakten, die zu einem großen Teil erst durch Austs akribische Recherchen ans Tageslicht kommen, macht diese Neuausgabe möglich und notwendig. Neben neuem Fotomaterial wertet der Autor eine Vielzahl neu aufgefundener und erst heute freigegebener Ermittlungsakten sowie private Aufzeichnungen und Aussagen von Zeitzeugen aus.
Im Rahmen einer Veranstaltung des Literarischen Zentrums Göttingen stellte Stefan Aust die Neuausgabe seines Buchs im Alten Rathaus Göttingen vor. Wir senden einen Mitschnitt.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 17. November 2017, 18 Uhr

 

Blues like Midnite

Das muß man sich vorstellen: Da kommt so ein "Alt-Rock & Roller" und spielt dir auf seine Greisentage den Blues auf seinem Honky Tonk Piano. Schräg, aber wahr - die Rede ist vom "Killer". Jerry Lee Lewis ist mittlerweile 82 Jahre alt, nicht mehr so ganz frisch - aber die Tasten herbe malträtieren, das kann er immer noch.
Er hat kürzlich ein vorzügliches Album veröffentlicht, unter dem beziehungsreichen Titel "Rock & Roll Time" (2014 / Label Vanguard-Caroline). Superbe Titel von Kris Kristofferson und gut erhitzte vom seligen Chuck Berry sind mit dabei, außerdem einer von Bob Dylan ("Stepchild"). Jerry Lee ließ sich reihum gekonnt von Prominenz an verschiedenen Instrumenten begleiten (Keith Richards, Neil Young, Ron Wood, Robbie Robertson, Shelby Lynne, Nils Lofgren, Jim Keltner u.a.). It´s true, cats - diese Scheibe ist ein Hit!
Und bemerkenswert: Mehr als die Hälfte des gut hörbaren Materials kommt in herrlich dreckiger Blues-Manier daher. Das gibt heiße Ohren. Übrigens, den obigen Titel für diese Ausgabe unseres Bluesmagazins hat der gute Jerry Lee Lewis bei einem ganz alten Folk/Country/Blues/Jodelsong des legendären Jimmie Rodgers entliehen und überarbeitet - den unvergessenen Blue Yodel # 6 („Midnight turning Day Blues“) von 1930. Man könnte diese Folge alternativ auch überschreiben als "I have been fighting like a lion - but it looks I´m gonna lose."
Abgerundet wird das Programm von solch illustren Könnern wie Marcia Ball (eine ebenbürtige Blues- & Boogie-Pianistin) aus der Austin/TX-Szene, LeRoy Parnell, J.J. & The Shuffle Kings aus Bremen. Und zum Schluß schicken uns dann die Ober-Outlaws Waylon & Willie auf die "Nowhere Road". So now, let´s travel.

  • Sendetermin: „Long Distance Call“, Samstag, 18. November 2017, 18 Uhr

 

Remembering Fats Domino

Fats Domino ("The Fat Man") ist am 24. Oktober 2017 in seiner Heimatstadt New Orleans 89jährig gestorben. Damit verliert die Rock & Roll-Gemeinde einen weiteren, einen der letzten Giganten der Rockmusik. Nur mal einige Ohrwurmtitel: "Blueberry Hill", "Blue Monday", "I´m Walking", "Ain´t That A Shame", "Hello Josephine", "Jambalaya" ...
Antoine "Fats" Domino war sicherlich einer der besten Boogie-Pianisten der 1950/60er Jahre. Außerdem war er einer der ersten Künstler, die den Rock & Roll auf die Erfolgsschiene gesetzt haben. Er war lange vor Elvis da, hat die R & B-Vorläufer der 40er Jahre kräftig inhaliert und anschließend in seinem individuellen Stil weitergeprägt. Fats spielte seinen ganz spezifischen Klang, der bis in die Gegenwart hohen Wiedererkennungswert behalten hat. Und er half mit seiner gut tanzbaren Boogie-betonten Musik Rassenschranken in vielen Köpfen einzureißen.
In einer vergleichsweise kurzen großartigen Erfolgsphase, immerhin zwei Dekaden, verkaufte der freundlich-lebhafte rundliche Mann mit der markanten Brikettschädelfrisur mehr als 110 Millionen Platten. Er tourte um die Welt, hat auch in Deutschland eine große Fan-Gemeinde. Seine Star-Club-Auftritte in Hamburg sind unvergessen. Und gar hier in Kassel und Baunatal hat er erinnerungswürdige Konzerte gespielt. Junggebliebene Fans (Harald Wöhlbier, Gerd Möller) aus der hiesigen Szene kommen in dieser Folge zu Wort und berichten von ihrer Bekanntschaft zum unvergessenen Künstler.
Fakt ist realistischerweise, daß aus der alten Garde der Rock & Roll-Giganten eigentlich nur noch "The Killer" Jerry Lee Lewis und der wilde Mann aus Macon/Georgia, "Little" Richard (Penniman), übrig sind. Auch diese beiden Durchgeknallten werden in der heutigen Ausgabe ans Mikro gelassen. Übrigens, Little Richard kann dieser Tage seinen 85. Geburtstag feiern. Selbstredend bietet Moderator Wolf Silaff in einer nächsten Langen Rille ein weiteres Special (bitte unser Wochenprogramm beachten). 

Sendetermin;: „Die Lange Rille“, Samstag, 18. November 2017, 21 Uhr

 

Die Schatten werden wieder länger: Best of The Shadows

Hatten wir soeben einen weiteren tragischen Rock & Roll-Todesfall zu vermelden - Fats "The Fat Man" Domino ist am 24. Oktober von uns gegangen - , so bleiben nicht mehr allzuviele aus der Alten Garde übrig, Jerry Lee "The Killer" Lewis - und "Little Richard" Penniman. Alle drei waren unglaubliche Tasten-Virtuosen. Die Zeit ihrer großen Hits fiel in die "Übergangsjahre" - die elektrifizierte Gitarre eroberte sich gegen Ende der 1950er die Hauptrolle des klassischen Rock & Roll-Instruments.
So denn, diesmal gibt’s in der Sendung ein Stündchen 1960er Rock & Roll Instrumentalsounds. Der Lonesome Traveler erinnert an die ehemalige Begleitband des "britischen Elvis" Cliff Richard. Die nannten sich The Shadows und gingen in die Rock-Annalen als anerkannte Sound-Profis der Nach-Rock & Roll-Periode ein. Hank Marvin, ein Buddy Holly-Fan durch und durch - übrigens auch optisch im gesamten damaligen Auftritt  - war einer der großen Könner auf der Fender Stratocaster-Gitarre. Mit seinen Kollegen hat er nach der Trennung von Cliff Richard musikalische Meilensteine und echte Ohrwürmer eingespielt.

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 19. November 2017, 19 Uhr

 

Open Music Mix Association: Es wird frisch

Mit einem Temperatursturz hat sich der Winter bereits angekündigt, es wird kalt, oder wie man auch sagt: Es wird frisch. Deshalb serviert frei² in dieser Ausgabe der Open Music Mix Association frische Musik aus dem heißen Ofen für die Ohren. Alles Weitere sind nur Spekulatius.

  • Sendetermin: „Frei hoch zwei“, Dienstag, 21. November 2017, 19 Uhr

 

Britische Herrenkleinkunstaufnahmen, Folge 2

Die Tanzmusik des 20. Jahrhunderts (und im speziellen der Jazz) wird seit etwa 80 Jahren systematisch beschrieben, eingeordnet und wissenschaftlich behandelt. Stiefmütterlich dagegen gingen Forscher und Plattensammler lange Zeit mit der sogenannten „Kleinkunst“, also Chanson-, Humoristen-, Kabarett- und Vortragsaufnahmen u. dergl., um. Sie wurde jahrzehntelang als zweitrangig abgetan, eben als „klein“ angesehen.
Forschungen, wie sie auf dem Gebiet des Jazz z.B. von Brian Rust und Horst H. Lange seit den 50er Jahren angestellt wurden, als viele Zeitzeugen noch lebten und im Musikgeschäft tätig waren, fanden erst mit Verzögerung statt. Viele Quellen und Berichterstatter aus erster Hand waren in den 80er Jahren nicht mehr greifbar, als eine breitere Beschäftigung mit der großen Zeit der kleinen Bühne, der Kleinkunstszene der Zwischenkriegszeit, einsetzte.
Umgekehrt tauchten auch verloren geglaubte Quellen in jener Zeit oder später wieder auf, die zuverlässiger waren als verblaßte Erinnerungen damals beteiligter Musiker - Aufnahmebücher verschiedener Plattenfirmen, die in den 50er Jahren wohl ins Altpapier hätten wandern sollen und von Plattenfans geborgen wurden.
Jedenfalls hat sich vor allem in den letzten 25 Jahren die Beschäftigung mit der Kleinkunst etabliert und ist auch aus der Schellacksammlerszene, wenn man von einer solchen sprechen mag, nicht mehr wegzudenken. Auch in den Sammlungen der Tanzparkett-Redakteure findet sich nicht nur Jazz, und auch der Anspruch unserer Sendung umfaßt die Kleinkunst von Anfang an.
Nicht nur in Deutschland gab es eine bunte Kleinkunstszene, auch im europäischen Ausland blühten die Kakteen der Brettlbühne.
Das wollen wir mit dieser und der kommenden Sendung unter Beweis stellen. Wir bringen Ihnen eine Auswahl an Kleinkunstaufnahmen von der Insel.
Die Vortragenden in den ersten beiden Folgen sind Herren, britische Damen-Kleinkunstplatten wollen wir bei späterer Gelegenheit als Fortsetzung senden.
Durch das Programm begleitet Sie Thomas Sosna.

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 22. November 2017, 21 - 22 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 23. November 2017, 13 Uhr

Programminfos vom 09.11.2017 bis 16.11.2017

Britische Herrenkleinkunstaufnahmen, Folge 1

Die Tanzmusik des 20. Jahrhunderts (und im speziellen der Jazz) wird seit etwa 80 Jahren systematisch beschrieben, eingeordnet und wissenschaftlich behandelt. Stiefmütterlich dagegen gingen Forscher und Plattensammler lange Zeit mit der sogenannten „Kleinkunst“, also Chanson-, Humoristen-, Kabarett- und Vortragsaufnahmen u. dergl., um. Sie wurde jahrzehntelang als zweitrangig abgetan, eben als „klein“ angesehen.
Forschungen, wie sie auf dem Gebiet des Jazz z.B. von Brian Rust und Horst H. Lange seit den 50er Jahren angestellt wurden, als viele Zeitzeugen noch lebten und im Musikgeschäft tätig waren, fanden erst mit Verzögerung statt. Viele Quellen und Berichterstatter aus erster Hand waren in den 80er Jahren nicht mehr greifbar, als eine breitere Beschäftigung mit der großen Zeit der kleinen Bühne, der Kleinkunstszene der Zwischenkriegszeit, einsetzte.
Umgekehrt tauchten auch verloren geglaubte Quellen in jener Zeit oder später wieder auf, die zuverlässiger waren als verblaßte Erinnerungen damals beteiligter Musiker - Aufnahmebücher verschiedener Plattenfirmen, die in den 50er Jahren wohl ins Altpapier hätten wandern sollen und von Plattenfans geborgen wurden.
Jedenfalls hat sich vor allem in den letzten 25 Jahren die Beschäftigung mit der Kleinkunst etabliert und ist auch aus der Schellacksammlerszene, wenn man von einer solchen sprechen mag, nicht mehr wegzudenken. Auch in den Sammlungen der Tanzparkett-Redakteure findet sich nicht nur Jazz, und auch der Anspruch unserer Sendung umfaßt die Kleinkunst von Anfang an.
Nicht nur in Deutschland gab es eine bunte Kleinkunstszene, auch im europäischen Ausland blühten die Kakteen der Brettlbühne.
Das wollen wir mit dieser und der kommenden Sendung unter Beweis stellen. Wir bringen Ihnen eine Auswahl an Kleinkunstaufnahmen von der Insel.
Die Vortragenden in den ersten beiden Folgen sind Herren, britische Damen-Kleinkunstplatten wollen wir bei späterer Gelegenheit als Fortsetzung senden.
Durch das Programm begleitet Sie Thomas Sosna.

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 8. November 2017, 21 - 22 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 9. November 2017, 13 Uhr

 

Gedenken an die Pogrome von 1938

Die sogenannte Reichspogromnacht jährt sich in diesem Jahr zum 79. Mal. Sie fand in Kassel bereits zwei Tage früher als im übrigen Deutschland statt, nämlich am 7. November 1938. In dieser Woche fand im Bürgersaal im Kasseler Rathaus eine Gedenkfeier mit der Schauspielerin Heidi de Vries statt. Unter dem Titel „Unfreiwillig in die Welt hinaus“ las sie aus Lebenserinnerungen emigrierter jüdischer Mitbürger. Wir senden Auszüge.
Außerdem im Programm: Vorstellung des neuen Bildbands „Alt-Kassel – Bilder, die Geschichte erzählen“.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 11. November 2017, 18 Uhr

 

Neues Altes vom „Paganini der Abschweifungen“

Als Autor, Kolumnist, Übersetzer, Hörbuchsprecher und Schauspieler war Harry Rowohlt allgemein bekannt – aber vor allem gehörte er auch im fortgeschrittenen Alter zu den herausragenden Bühnenkünstlern; er war einer der grandiosesten Entertainer, die in deutschen Theatern und Kabaretts zu erleben waren. Seine exzessiven „Lesungen“ arteten regelmäßig in höchst unterhaltsame Improvisations- und Erzählabende aus. Gelesen wurde eigentlich nur manchmal – die meiste Zeit erzählte Harry Rowohlt urkomische Geschichten und Anekdoten, die ihm scheinbar gerade erst einfielen und die er oft selbst erlebt hatte. Mit einem geradezu unheimlichen Gespür für punktgenau gesetzte Pointen und mit brillantem Wortwitz begeisterte Harry sein Publikum immer wieder – teils über mehrere Stunden; wer zu einer Rowohlt-Lesung ging, mußte Zeit mitbringen.
Zu Kassel hatte Harry Rowohlt ein ganz besonderes Verhältnis: Viele Jahre saß er in der Jury des Kasseler Literaturpreises für grotesken Humor. Auch live war er in den vergangenen Jahren oft hier zu erleben. Seit seinem plötzlichen Tod 2015 sind mehrere Archivmitschnitte und Lesungen auf CD erschienen. Nun hat der Tiamat-Verlag eine neue Doppel-CD vorgelegt – und diese besteht tatsächlich zur Hälfte aus Aufnahmen, die wir fürs Freie Radio in Kassel und Vellmar mitgeschnitten haben! Wir stellen die CD vor.

  • Sendetermin: „Kabarett live“, Freitag, 11. November 2017, 22 Uhr

 

"They call(ed) me The Fat Man": Zum Tod von "Fats" Domino (+ 24.10.2017)

Er war bereits Jahre vor Elvis da und anfangs eigentlich nur regional bekannt. Aber als 22-Jähriger landete er 1950 nicht nur seinen ersten Million-Seller(!) im Rhythm & Blues-Bereich. Mit seinem selbstironischen "Call me The Fat Man" erreichte er ein Riesenpublikum, das sich im damaligen Wohlstands-Amerika rassenübergreifend mit solcherlei Textzeilen offensichtlich ganz gut identifizieren konnte - "Fats" Domino, der Mann mit der Brikettschädelfrisur auf dem Weg nach oben.
Bis zu dem Zeitpunkt hatte sich der gutbeleibte, schwarze, humorvolle Mann als Boogie Woogie-Klavierspieler in den Nachtklubs von New Orleans für 3 Dollar die Woche irgendwie durchgeschlagen. Der ehemalige Duke-Ellington-Trompeter Dave Bartholomew entdeckte Antoine "Fats" Domino, Jr. in der Mardi Gras-Szene der einst aufregend-quirligen Stadt im Mississippi-Delta. Eine Sternstunde des Rock & Roll - eine zehnjährige kreative Phase des temperamentvollen Entertainers begründete die große Zeit des Labels Imperial Records.
Aber erst Jahre später würden der junge Elvis und der ebenfalls ältere Chuck Berry musikalisch und Show-mäßig Rassenschranken in den Köpfen und Herzen vieler Amerikaner einreißen. Rock & Roll was here to stay. Fats Domino hat im Laufe seiner langen Karriere nicht allzu viel an seinem Stil verändert - er war einfach nur international erfolgreich. Sein Ohrwurm "Blueberry Hill" war bei weitem nicht alles - selbst "King" Elvis lieferte eine sehr schöne Coverversion des Songs ab. Bereits während der 50/60er führten seinen Tourneen Fats um die ganze Welt - von der West Coast nach New York, von London bis nach Japan. Und auch in der BRD flippten R & R-Liebhaber aus - vom Hamburger Star-Club bis in die Kasseler Stadthalle. Augen-/Ohrenzeuge Wolf Silaff widmet "Fats" diese Folge. Der Tasten-Künstler mit der einprägsamen Bariton-Stimme verkaufte mehr als 110 Millionen Platten und wurde sowohl in die Rock & Roll Hall of Fame wie auch in die Blues Hall of Fame aufgenommen.
Fat Man Domino dies at 89 - farewell, Fats Domino. Von den Meilenstein-setzenden Boogie-Rock & Rollern bleiben nach Fats nun noch Little Richard und Jerry Lee Lewis. Ein verdammt guter Grund auch, diese Kollegen auf diesem Sendeplatz mal wieder in Erinnerung zu bringen. So, stay tuned, cats ...

  • Sendetermin: “Lonesome Traveler”, Sonntag, 12. November 2017, 19 Uhr

Programminfos vom 03.11.2017 bis 09.11.2017

Handmade spezial – Zum Todestag von „Cap K“ Karsten Wagner

16 Jahre moderierte Karsten Wagner, den alle nur „Cap K“ nannten, im Freien Radio die Musikshow „Handmade“ und machte sie zu einer der beliebtesten Sendungen unseres kleinen Lokalradios. Vor einem Jahr starb unser Freund und Kollege Karsten im Alter von 53 Jahren. Trotz seiner schweren Krankheit blieb er bis zum Schluß dem FRK treu und ließ seine Fans nicht im Stich – noch bis wenige Wochen vor seinem Tod saß er am Mikro. Zum ersten Todestag möchten wir mit einer Spezialausgabe von „Handmade“ an ihn erinnern – mit Musik, die er gern mochte, aber auch mit Geschichten und Anekdoten aus seiner langjährigen Radio-Tätigkeit sowie mit Ausschnitten aus historischen „Handmade“-Sendungen.

  • Sendetermin: „Handmade spezial“, Mittwoch, 1. November 2017, 19 Uhr

 

Wie klingt Heimat? – Heimatlieder, Folge 2

Das Institut für Sprachen gestaltet mit Teilnehmern aus aller Welt eine bunte Musikshow im Freien Radio Kassel. In drei Folgen lädt die einstündige Sendung "Heimatlieder" den Zuhörer ein zu einer musikalischen Reise in ferne Länder. Die Sprachschüler präsentieren dabei populäre Songs ihres jeweiligen Landes und erzählen persönliche Geschichten, die sie mit den Liedern verbinden. Die Anekdoten wie auch die Lieder reichen von lustigen Erzählungen aus dem Alltag bis zu nostalgischen Erinnerungen aus der eigene Kindheit.
Eine berührende und unterhaltsame Hörstunde ist garantiert! Die letzten Folge strahlt das FRK in der nächsten Woche auf diesem Sendeplatz aus.

  • Sendetermin: „Heimatlieder, Folge 2“, Freitag, 3. November 2017, 17 Uhr

 

Brownies, Brownies, Brownies ...

In der letzten Folge hat sich der Moderator versprochen. In einer Namenserwähnung wurde der legendäre R & B - Shouter Roy Brown ("There´s gonna be good rockin´ tonight“), ein genuiner Rock & Roll-Wegbereiter, genannt. Ooops, sorry! Gemeint war  tatsächlich der mittlerweile ebenfalls allseits hoch anerkannte "Git-Steeler" Junior Brown, der gegenwärtig, unterstützt von seiner ebenfalls gitarrenversierten Ehefrau Tanja Rae Brown, die Clubs in Austin/TX zum Rocken bringt. Anyway, keine Amnäsie -  eher kleiner erinnernder Gruß von Sigmund Freud ...
Das Ganze wird nun aber zurechtgerückt. Beide (3) Browns kommen in dieser Ausgabe unseres Blues-Magazins selbstredend, spielend und singend zu ihren demokratischen Aufführungsrechten: Neben einigen R & B-Standards in gewohnt aufrüttelnder Shouter-Attitüde wird Roy Brown ganz nostalgisch mit einigen Werken aus den späten 40ern und frühen 50ern zu hören sein: "Mr. Hound Dog´s in Town!"
Anschließend bringen wir Musik des phänomenalen Junior Brown aus der Neuzeit - mit einigen Rock & Roll-Steel Guitar-Spirenzien, die instrumental derart aufregend-und schräg daherkommen, daß doch noch etwas Hoffnung in die Wiederbeatmung besteht. Dabei werden fast vergessene Country/Blues/Trucker- und R & R Hämmer in die Gegenwart transportiert und von Junior Brown auf seinem sehr speziellen Instrument zurechtgedrechselt, seiner "Git-Steel. Das ist wahrlich echte Handwerkerkunst!    
Um das Faß zum Überlaufen zu bringen, bedarf es an genau dieser Stelle nur noch des dritten in dieser illustren Runde - den unvergessenen Clarence "Gatemouth" Brown. What do you say - ein sympathischer Schwerenöter (grad so wie Chuck Berry), der als Multiinstrumentalist den genialen, unbedingt anhörenswerten Crossover von Blues, Swing, Gospel, Cajun und Rock & Roll problemlos und humorvoll-lässig gelebt hat (+ 2005). Ein ebenso authentischer wie nahbar-sympathischer Klasse-Musiker, der zu Beginn seiner eigenen Karriere einstmals seinen Mentor T-Bone Walker rechts liegen lassen hatte. Der Lonesome Traveler hat ihn mal "backstage" getroffen - zum Glück war "Gate" da bereits nicht mehr Deputy Sheriff. Great guy. Enjoy - just listen.

  • Sendetermin: „Long Distance Call“, Samstag, 4. November 2017, 18 Uhr

 

"They call(ed) me The Fat Man": Zum Tod von "Fats" Domino (+ 24.10.2017)

Er war bereits Jahre vor Elvis da und anfangs eigentlich nur regional bekannt. Aber als 22-Jähriger landete er 1950 nicht nur seinen ersten Million-Seller(!) im Rhythm & Blues-Bereich. Mit seinem selbstironischen "Call me The Fat Man" erreichte er ein Riesenpublikum, das sich im damaligen Wohlstands-Amerika rassenübergreifend mit solcherlei Textzeilen offensichtlich ganz gut identifizieren konnte - "Fats" Domino, der Mann mit der Brikettschädelfrisur auf dem Weg nach oben.
Bis zu dem Zeitpunkt hatte sich der gutbeleibte, schwarze, humorvolle Mann als Boogie Woogie-Klavierspieler in den Nachtklubs von New Orleans für 3 Dollar die Woche irgendwie durchgeschlagen. Der ehemalige Duke-Ellington-Trompeter Dave Bartholomew entdeckte Antoine "Fats" Domino, Jr. in der Mardi Gras-Szene der einst aufregend-quirligen Stadt im Mississippi-Delta. Eine Sternstunde des Rock & Roll - eine zehnjährige kreative Phase des temperamentvollen Entertainers begründete die große Zeit des Labels Imperial Records.
Aber erst Jahre später würden der junge Elvis und der ebenfalls ältere Chuck Berry musikalisch und Show-mäßig Rassenschranken in den Köpfen und Herzen vieler Amerikaner einreißen. Rock & Roll was here to stay. Fats Domino hat im Laufe seiner langen Karriere nicht allzu viel an seinem Stil verändert - er war einfach nur international erfolgreich. Sein Ohrwurm "Blueberry Hill" war bei weitem nicht alles - selbst "King" Elvis lieferte eine sehr schöne Coverversion des Songs ab. Bereits während der 50/60er führten seinen Tourneen Fats um die ganze Welt - von der West Coast nach New York, von London bis nach Japan. Und auch in der BRD flippten R & R-Liebhaber aus - vom Hamburger Star-Club bis in die Kasseler Stadthalle. Augen-/Ohrenzeuge Wolf Silaff widmet "Fats" diese Folge. Der Tasten-Künstler mit der einprägsamen Bariton-Stimme verkaufte mehr als 110 Millionen Platten und wurde sowohl in die Rock & Roll Hall of Fame wie auch in die Blues Hall of Fame aufgenommen.
Fat Man Domino dies at 89 - farewell, Fats Domino. Von den Meilenstein-setzenden Boogie-Rock & Rollern bleiben nach Fats nun noch Little Richard und Jerry Lee Lewis. Ein verdammt guter Grund auch, diese Kollegen auf diesem Sendeplatz mal wieder in Erinnerung zu bringen. So, stay tuned, cats ...

  • Sendetermin: “Lonesome Traveler”, Sonntag, 5. November 2017, 19 Uhr

 

Britische Herrenkleinkunstaufnahmen, Folge 1

Die Tanzmusik des 20. Jahrhunderts (und im speziellen der Jazz) wird seit etwa 80 Jahren systematisch beschrieben, eingeordnet und wissenschaftlich behandelt. Stiefmütterlich dagegen gingen Forscher und Plattensammler lange Zeit mit der sogenannten „Kleinkunst“, also Chanson-, Humoristen-, Kabarett- und Vortragsaufnahmen u. dergl., um. Sie wurde jahrzehntelang als zweitrangig abgetan, eben als „klein“ angesehen.
Forschungen, wie sie auf dem Gebiet des Jazz z.B. von Brian Rust und Horst H. Lange seit den 50er Jahren angestellt wurden, als viele Zeitzeugen noch lebten und im Musikgeschäft tätig waren, fanden erst mit Verzögerung statt. Viele Quellen und Berichterstatter aus erster Hand waren in den 80er Jahren nicht mehr greifbar, als eine breitere Beschäftigung mit der großen Zeit der kleinen Bühne, der Kleinkunstszene der Zwischenkriegszeit, einsetzte.
Umgekehrt tauchten auch verloren geglaubte Quellen in jener Zeit oder später wieder auf, die zuverlässiger waren als verblaßte Erinnerungen damals beteiligter Musiker - Aufnahmebücher verschiedener Plattenfirmen, die in den 50er Jahren wohl ins Altpapier hätten wandern sollen und von Plattenfans geborgen wurden.
Jedenfalls hat sich vor allem in den letzten 25 Jahren die Beschäftigung mit der Kleinkunst etabliert und ist auch aus der Schellacksammlerszene, wenn man von einer solchen sprechen mag, nicht mehr wegzudenken. Auch in den Sammlungen der Tanzparkett-Redakteure findet sich nicht nur Jazz, und auch der Anspruch unserer Sendung umfaßt die Kleinkunst von Anfang an.
Nicht nur in Deutschland gab es eine bunte Kleinkunstszene, auch im europäischen Ausland blühten die Kakteen der Brettlbühne.
Das wollen wir mit dieser und der kommenden Sendung unter Beweis stellen. Wir bringen Ihnen eine Auswahl an Kleinkunstaufnahmen von der Insel.
Die Vortragenden in den ersten beiden Folgen sind Herren, britische Damen-Kleinkunstplatten wollen wir bei späterer Gelegenheit als Fortsetzung senden.
Durch das Programm begleitet Sie Thomas Sosna.

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 8. November 2017, 21 - 22 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 9. November 2017, 13 Uhr

Programminfos vom 26.10.2017 bis 02.11.2017

Wie klingt Heimat? – Heimatlieder, Folge 1

Das Institut für Sprachen gestaltet mit Teilnehmern aus aller Welt eine bunte Musikshow im Freien Radio Kassel. In drei Folgen lädt die einstündige Sendung "Heimatlieder" den Zuhörer ein zu einer musikalischen Reise in ferne Länder. Die Sprachschüler präsentieren dabei populäre Songs ihres jeweiligen Landes und erzählen persönliche Geschichten, die sie mit den Liedern verbinden. Die Anekdoten wie auch die Lieder reichen von lustigen Erzählungen aus dem Alltag bis zu nostalgischen Erinnerungen aus der eigene Kindheit.
Eine berührende und unterhaltsame Hörstunde ist garantiert! Die weiteren Folgen strahlt das FRK in den nächsten Wochen jeweils auf diesem Sendeplatz aus.

  • Sendetermin: „Heimatlieder, Folge 1“, Freitag, 27. Oktober 2017, 17 Uhr

 

Hintergründe zum Beuys-Projekt „7000 Eichen“

Die documenta 14 ist Geschichte – unter viel medialem Blitz und Donner ging die Weltkunstschau vor wenigen Wochen zu Ende, die Kritiker überzogen sie mit Häme und Abscheu, das mögliche Defizit sorgte für Unmut und Ärger, das „gesunde Volksempfinden“ sah sich bestätigt in seiner Ablehnung gegenüber der „modernen Kunst“ im allgemeinen und der documenta im besonderen. Aber man sollte bei all der Aufregung nicht vergessen: Schon immer sorgte die documenta für Zoff und Aufruhr, und auch Projekte, die heute als Klassiker der zeitgenössischen Kunst gelten, stießen anfangs auf Unverständnis und Ablehnung. Bestes Beispiel: Die „7000 Eichen“ von Joseph Beuys, die heute fest zum Stadtbild gehören, waren 1982 Anlaß für tumultartige Proteste der einheimischen Bevölkerung. Volker Schäfer, ehemaliger Kulturdezernent der Stadt Kassel und heute Vorsitzender der Stiftung „7000 Eichen“, erläuterte in einem Vortrag die ebenso wechselvolle wie spannende Geschichte dieses monumentalen Kunstwerks, das wie kaum ein anderes für oft konfliktbeladene Verbindung zwischen Stadt und documenta steht.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 27. Oktober 2017, 18 Uhr

 

Die Country-Aufnahmen von Freddy Quinn

Wie jetzt – DER Freddy? Der mit „Junge, komm bald wieder“ und mit „Brennend heißer Wüstensand“? Und was soll der mit Country zu tun haben? Einiges. Tatsächlich gehörte Freddy hierzulande zu den Country-Pionieren, weil er bereits in der 50er Jahren Western-Songs eindeutschte und das teutonische Publikum mit Stücken von Ernest Tubb, Hank Williams und Johnny Cash bekannt machte. Später ging er nach Nashville, um dort Platten aufzunehmen, und in den 70er und 80er Jahren löste er mit seiner regelmäßig ausgestrahlten ZDF-Show „It’s Country Time“ den größten (und bislang einzigen) Country-Boom in Deutschland aus. Während seiner gesamten Karriere hat Freddy aus seiner Liebe zur Country Music nie einen Hehl gemacht, und er hat sowohl bei den Konzerten als auch auf seinen Platten immer wieder auf Country-Songmaterial zurückgegriffen. Kürzlich ist eine CD-Box erschienen, in der die meisten seiner Country-Alben versammelt sind – wir stellen die Edition vor.

  • Sendetermin: „Country Classics“, Samstag, 28. Oktober 2017, 18 Uhr

 

Das Edgar Knecht-Trio: Weltklasse Jazz aus der nordhessischen Metropole Kassel

Die Lebendigkeit von Jazz und Weltmusik und die Raffinesse klassischer Kompositionsweisen mit der Tiefe und Klarheit alter Volksliedmelodien zu verbinden - das an sich war mit dem Debütalbum "Good Morning Lilofee" (2010 / Ozella Music) schon etwas ganz Besonderes, das die internationale Jazz-Szene frappiert aufhören ließ. Es war der Beginn einer internationalen Karriere von erstklassigen Musikern aus unserer dOCUMENTA-Stadt.
„Vielleicht war Jazz schon lange nicht mehr so originell und anregend“ schwärmt die Kritik über Edgar Knecht. „Was sich da vor uns ausbreitet an Musik, ist schlichtweg grandios“, schreibt das Jazzpodium, und die Frankfurter Allgemeine Zeitung meint: „Eine solche Musik hat die Welt wohl noch nicht gehört“. Und tatsächlich gelingt dem deutschen Pianisten gemeinsam mit Bassist Rolf Denecke und den Schlagzeugern Stephan Emig und Tobias Schulte etwas, was man so noch nicht erlebt hat.
Aber für Edgar Knecht und seine Mitmusiker war das noch lange nicht alles. Nach einem ebenfalls hoch gelobten zweiten Album "Dance On Deep Waters" (2013 / o-tone music) kam dann eine musikalisch-menschliche Begegnung der besonderen Art. Es geht um den Klavierspieler auf der zerbombten Innenstadtstraße von Jarmuk (Damaskus/Syrien) - Aeham Ahmad. Das erschütternde und zugleich aufrüttelnde Pressefoto ging um den Globus. Auf ihrem neuen gemeinsamen Silberling "Keys To Friendship" machen Edgar Knecht und seine Kollegen in einem aktuellen Weltzustandszusammenhang ein faszinierendes gelungenes Freundschafts- und Solidaritätsprojekt hörbar, erlebbar - zusammen mit Aeham Ahmad. Eines, das kürzlich im Kasseler Opernhaus mit Standing Ovations verstanden wurde. Auch dieser Silberling ist in der neuen Ausgabe der „Langen Rille“ in voller Länge zu hören. Moderation: Wolf Silaff.
Zum Ausklang der dreistündigen Folge wird auch der unglaubliche Gitarrist David Qualey nochmal zu hören sein. Ein Amerikaner, der in Deutschland "hängenblieb", lebt quasi "ums Eck" im Weserbergland. Ein international hochgeschätzter Handwerker, Komponist und Lehrer. Drei Stunden Musik vom Feinsten. Welcome beim FRK 105.8.

  • Sendetermin: „Die Lange Rille“, Samstag, 28. Oktober 2017, 21 Uhr

 

Tanzparkett vor 20 Jahren: Boots and his Buddies - Eine schwarze Territory-Band aus San Antonio, Texas.

Ja, Sie lesen richtig: 20 Jahre gibt es inzwischen das Freie Radio Kassel, 20 Jahre gibt es auch die Sendereihe „Tanzparkett“, die sich seither hauptsächlich mit Tanzmusik und Kleinkunst der 20er bis 40er Jahre befaßt.
Siehe auch den Artikel in der HNA vom 2.9. (Stadtausgabe) bzw. 5.9.17.
Wir widmeten der aus San Antonio/Texas stammenden Band Boots and his Buddies im Herbst 1997 eine Ausgabe „Tanzparkett“.
Die allererste Folge der Reihe „Tanzparkett“ ist unwiederbringlich dahin, der Kontrollmitschnitt wurde seinerzeit vor Ende der Aufbewahrungsfrist gelöscht, und an einen Mitschnitt fürs private Archiv hatten wir im Wirbel des Geschehens gar nicht gedacht.
Die nächsten Ausgaben klangen uns beim Abhören der erhaltenen Archivkopien doch noch allzusehr nach „Gehversuchen“, aber zur Wiederholung späterer Sendungen (wie der heute zu hörenden) konnten wir uns durchringen.
Wir sind gespannt auf etwaige Hörerreaktionen …vielleicht haben Sie damals die erste Ausgabe am 18.6.97 mitgeschnitten und haben die Kassette noch?
Ach so: Wundern Sie sich nicht über den badewannenartigen Raumklang bei den Ansagen und die streckenweise noch recht hölzerne und unsichere Moderation - das gehörte zum Freien Radio in der Anfangszeit fast unvermeidlich dazu. Wir sendeten die ersten zwei Jahre immer noch hörbar von einer Baustelle.
Wenn Sie miterleben wollen, wie wir einst begonnen haben, schalten Sie uns ein!

  • Sendetermin: „Tanzparkett extra“, Sonntag, 29. Oktober 2017, 17-18 Uhr
  • Wiederholung: Montag, 30. Oktober 2017, 9 Uhr

 

Mit Dark Vatter & sinner Combo geht´s endlich wieder uff de "Sonnensiede"!

Nach drei Jahren endlich wieder ein neues Dark-Vatter-Album! Und was für eines! Vatters umtriebige Combo legt hier 13 neue Stücke vor, die stilistisch nicht nur den klassischen "Gaageschnuddenrockenroll" bedienen, für den die Band in der Region bekannt ist. Ungehobelter Kneipenblues ist hier ebenso zu hören wie zwei- bis dreistimmig gesungene Oldtime-Countrynummern. Instrumentalstücke präsentieren gekonnte Musikmanöver der bestens eingespielten Band. Ninne Soleil singt eine herzanrührende Soulballade und steht dem Vatter in schönen Duetten zur Seite. Und natürlich kommen Rockabilly und Rock & Roll auch nicht zu kurz. Jedes Lied erzählt eine Geschichte – lustig, ernst, skurril, romantisch, nachdenklich, aber immer typisch Dark Vatter. Das macht Spaß auf CD, aber noch mehr Spaß auf der Bühne! Auf der großen Releaseparty im Reiss-Ballsaal (im Hotel Reiss am Samstag, 4.11.2017, 20 Uhr, Werner-Hilpert-Str. 24) spielen Dark Vatter un sinne Combo das komplette neue Album „Sonnensiede“ plus einige unverzichtbare Dark-Vatter-Klassiker. Also, nix wie hinne! Der Lonesome Traveler stellt den neuen Silberling schon mal gerne in der heutigen Folge vor. Außerdem gibt’s Musik der Kasseler Country-Rocker Bronson, die das Konzert eröffnen werden – und die traditionell eng mit dem Freien Radio verbunden sind.

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 29. Oktober 2017, 19 Uhr

 

Handmade spezial – Zum Todestag von „Cap K“ Karsten Wagner

16 Jahre moderierte Karsten Wagner, den alle nur „Cap K“ nannten, im Freien Radio die Musikshow „Handmade“ und machte sie zu einer der beliebtesten Sendungen unseres kleinen Lokalradios. Vor einem Jahr starb unser Freund und Kollege Karsten im Alter von 53 Jahren. Trotz seiner schweren Krankheit blieb er bis zum Schluß dem FRK treu und ließ seine Fans nicht im Stich – noch bis wenige Wochen vor seinem Tod saß er am Mikro. Zum ersten Todestag möchten wir mit einer Spezialausgabe von „Handmade“ an ihn erinnern – mit Musik, die er gern mochte, aber auch mit Geschichten und Anekdoten aus seiner langjährigen Radio-Tätigkeit sowie mit Ausschnitten aus historischen „Handmade“-Sendungen.

  • Sendetermin: „Handmade spezial“, Mittwoch, 1. November 2017, 19 Uhr

Programminfos vom 20.10.2017 bis 26.10.2017

Wir Wochenendrebellen

Jason, geboren 2005, ist Autist und seit seinem sechsten Lebensjahr mit seinem Vater unterwegs in den Fußballstadien Deutschlands und des benachbarten Auslands.
Sollte es ursprünglich nur darum gehen, dem Jungen einen Lieblings-Fußballverein zu suchen, bekamen ihre Touren nach und nach eine tiefere Bedeutung.
Das StadtLabor experimentiert mit Mirco von Juterczenka, Jasons Vater und Autor des Buches „Wir Wochenendrebellen“ sowie Betreiber des mit dem Grimme-Online- Award ausgezeichneten Blogs „Der Wochenendrebell“.

  • Sendetermin: „Stadtlabor“, Donnerstag, 19. Oktober 2017, 21 Uhr

 

Die Arbeit ist erledigt

Unter diesem Titel erschien 1978 eine LP, zusammengestellt von Axel Knapp / Detlev Michelers / Werner Sünkenberg (Radio Bremen), veröffentlicht im Oktober 1978 bei Trikont-Unsere Stimme. Aus 8 Stunden Mitschnitten von Nachrichten, Reportagen, Durchsagen und Korrespondentenberichten wurden die Ereignisse und Hintergründe zusammengeschnitten zu einer Schallplatte mit 55 Minuten Länge. Es dauerte vom 7.September bis zum 19. Oktober 1977.
Trikont-Chef Achim Bergmann hat dieses lange verschollene historische Dokument kürzlich wieder zugänglich gemacht und schreibt dazu:
“Ein Meilenstein auf dem Gebiet der dokumentarischen Schallplatte” – sozusagen ein Podcast vor seiner Erfindung. Während des ganzen Deutschen Herbstes 1977 war die Person Hanns Martin Schleyer nicht existent. Er war auf eine Wertgröße zusammengeschrumpft: für die einen als Pfand für die allerdings sehr konkrete Freiheit der Gefangenen der RAF, für die anderen als Preis für die nicht minder konkrete Ordnung der Herrschaft. Erst angesichts seiner sterblichen Hülle wurden zumindest die Hüllen seiner gesellschaftlichen Existenz öffentlich gemacht: Seine Geschichte als SS-Scherge und sein Wirken in der Besatzung im Osten. Und seine Kontinuität als “Boss der Bosse” in der Nachkriegszeit.
“Was wäre geschehen, wenn die Entführer die Person Schleyer freigelassen hätten! Befangen in der Imitation der von ihnen angegriffenen Macht, hatten sie diese Größe nicht. Sie haben die Unperson zurückgegeben, indem sie die Person vernichteten. Sie haben ihre Niederlage selbst vollstreckt” (Zeitschrift Autonomie).
Die Erschütterung über die Militarisierung des Widerstands war überall, die zunehmende Verzweiflung hinter dem wahnhaften Tun einer ‘Roten Armee’ (!) lag offen. Der Chef des BKA  Herold sagte später:
“Terrorismusbekämpfung muß auch bedeuten, unter der Oberfläche des Vordergründigen dem Terrorismus die Schubkräfte und Anreize zu nehmen, die ihn auslösen oder begleiten.”
Aber: Zwei Jahre zuvor hatte einer aus dem eher anarchistischen Untergrund, der ‘Bewegung 2. Juni’, aus der Illegalität heraus einen sehr persönlichen Erfahrungsbericht über den ‘bewaffneten Kampf’ geschrieben: “Bommi Baumann – Wie Alles Anfing”. Ein junger Berliner erzählte die Geschichte seiner Radikalisierung und zog daraus den Schluß, daß die zunehmende, zwangsmäßige Militarisierung des Untergrunds das Gegenteil von dem wurde, was sie sich erhofft hatten. Das Buch, das daraus entstand und bei Trikont erschien, war zuallererst an seine Freunde aus der Bewegung gerichtet:
“Freunde, werft die Knarren weg!”
Das Gerücht über die geplante Veröffentlichung verbreitete sich in den Bewegungen und vor allem dem Umfeld der RAF, und Trikont bekam einen Haufen Besuch, der uns das Projekt auszureden versuchte. Aber wir wußten aus eigenen Erfahrungen, wie wichtig das Buch war. Der Herbst 77 wurde dafür die fürchterliche Bestätigung.
Das Buch wurde sofort in einer großen Staatsaktion verboten und beschlagnahmt, der Verlag wurde in langen Prozessen bedroht. Auch die Herrschaften aus der Herrschaft brauchten offensichtlich noch schlimmere Erfahrungen.
Aber die Reaktion  kam aus der Zivilgesellschaft. Über 300 Leute, darunter Bekannte wie Böll, Enzensberger und viele andere, wollten eine Diskussion über das Verbote des Buches. Sie gaben gemeinsam mit dem Trikont eine illegale Neu-Auflage von “Wie Alles Anfing” heraus. Spätestens zwei Jahre später wußten wir, wie fürchterlich vorausgeahnte Wahrheiten sein können.“ Soweit Achim Bergmann.
Wir dokumentieren 40 Jahre nach dem „Deutschen Herbst“ die LP in voller Länge und stellen ergänzend die CD „Die Stammheim-Bänder – Baader-Meinhof vor Gericht“ mit Originalaufnahmen aus dem großen RAF-Prozeß 1976/77 vor. Außerdem gibt’s Musik aus der kürzlich erschienenen und heftig umstrittenen David-Bowie-Box „A New Career In A New Town“, die Bowies „Berliner Jahre“ abdeckt.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 20. Oktober 2017, 18 Uhr

 

Hard times, really: "Cryin´ Days"

Das Motto der heutigen Sendung entstammt einem Titel von Big Bill Morganfield, dem Sohn des legendären Muddy Waters. Well, die Gitarre fällt bekanntlich nicht allzu weit vom Koffer auf die Bühne ...  Big Bill steht mittlerweile sicher in den großen Schuhen seines prominenten Vaters, der Blues-Ikone. Big Bill Morganfield trägt die Fackel in bekannter Chicago-Manier weiter. Bei den heute hier zu hörenden Aufnahmen wurde er im Studio von etlichen Mitgliedern der früheren Muddy Waters Blues Band begleitet: Pinetop Perkins und Willie "Big Eyes" Smith sind mit dabei, außerdem Bob Margolin und der Harp-Spezi Paul Oscher. Das prägt genau den Sound, den der Sohnemann seit Jugendtagen in seinen erinnernden Blues-Ohren hat.
Wie es sich für einen anständigen Blues-Hurrikan gehört, beginnt das Ganze erst einmal mit einem sich aufbauenden fetzigen Geschehen, das von den Großen Seen aus Chicago, der Windy City am Lake Michigan kommend, weiter auf der Tornado Alley in den Süden wandert und sich druckmäßig verstärkt. Aus Texas stammend, wird der unglaubliche Junior Brown mit seiner "git-steel" recht ordentlich heißen Dampf ablassen. Die Austin-Szene tobt, sobald der Mann mit dem großen Stetson zusammen mit seiner Frau Tanya Rae Brown die Bühne betritt. Aus den Blackland-Sümpfen von Arkansas hat sich der freundliche Hüne Sleepy LaBeef über das alte SUN-Studio den Weg nach ganz oben erspielt. Er ist immer noch dabei und erschlägt dich mit seiner kräftigen Baritonstimme. Viel Blues aus dem Hillbilly-Bereich - Johnny Cash und Carl Perkins lassen grüßen. Das weiß auch der moderne Rockabilly Brian Setzer zu schätzen - und setzt Blues-Thematisches in dieser Folge ziemlich "authentisch" mit ein.

  • Sendetermin: „Long Distance Call“, Samstag, 21. Oktober 2017, 18 Uhr

 

Swing und Tanzmusik der 30er und 40er Jahre aus Schweden, Folge 3/ 2017

Dieses Jahr gab es im „Tanzparkett“ einen kleinen Schwerpunkt mit skandinavischen Platten überhaupt und schwedischen im besonderen.
Die ausgeprägte Musikalität, die von jeher auch in der Folklore zum Ausdruck kommt, prädestinierte die nordischen Länder zum Aufbau einer vielseitigen Jazz- und Tanzmusikszene, die heute ihrerseits schon längst zur dortigen musikalischen Tradition gehört.
Während große Teile Europas ab Mitte der 30er Jahre ins Chaos der deutschen Expansionsgelüste rutschten, lebte man in Schweden durchgehend geradezu auf einer Insel der Glückseligkeit, einer Art Arche Noah. „Noah von heute“ heißt passenderweise auch ein vor einigen Jahren in einer unserer Sendungen gebrachter schwedischer Jazztitel. Dieses Gefühl zieht fast unmerklich auch durch die andern Plattenaufnahmen. Selbst in jenen Jahren, in denen woanders die schwarzen Wolken des Krieges aufzogen, kannte man Diktatur, Krieg und Elend nur aus der Wochenschau oder schlimmstenfalls aus den Erzählungen von Flüchtlingen. Ab und zu verdunkelte man übungshalber die Stadtbeleuchtung, hatte dabei aber stets die neuesten US-Schlager im Ohr. Entsprechend frisch und lebensfroh wirken die Aufnahmen, gleich ob importiert oder „Eigengewächse“.
Weitere Sendungen zum Thema Skandinavien befinden sich in Vorbereitung - soweit nicht noch in diesem Jahr, bringen wir diese Folgen 2018 - am Hauptsendeplatz Mittwoch 21 Uhr (vierzehntäglich; Wdh. jeweils Donnerstag 13 Uhr).

  • Sendetermin: „Tanzparkett extra“, Sonntag, 22. Oktober 2017, 17-18 Uhr
  • Wiederholung: Montag, 23. Oktober 2017, 9 Uhr

 

Der "Nelson Mandela der nordamerikanischen Indigenen":  Leonard Peltier, Teil 2

Heute bringen wir die zweite Folge eines musikalischen Hinweises auf eine interessante Veranstaltung in Kassel, die Stichworte und Musik zur gegenwärtigen Situation der sogenannten "Indianer" Nordamerikas bietet. Hierzulande werden sie zumeist als `trouble maker´ in mehr oder minder schlechten Western Movies vorgeführt - oder als gute edle Wilde, je nach individuellem Welt- und Menschenbild. Über die Realität der gehaßten und geliebten Protagonisten, ihre Geschichte (ein weiterer Völkermord) und über den aktuellen politischen Umgang mit den Übriggebliebenen ist hierzulande leider recht wenig abrufbar.
 
Dazu verweist der Lonesome Traveler gerne auf die folgende Info-Veranstaltung:
 
Dienstag, 24. Oktober 2017, 19 Uhr:

"Ein Leben für die Freiheit – Leonard Peltier und der indianische Widerstand"
Stories, Songs und Bilder aus dem indianischen Amerika von heute im Café Buch-Oase, Germaniastr. 14 in Kassel-West.
Michael Koch - Autor, Menschenrechtler, Erziehungswissenschaftler – lädt zu einer Reise durch das indianische Amerika und den American Dream ein. Doch dieser Traum ist für die Native Americans in den USA eher ein fortlaufender, scheinbar nicht endender Albtraum von Völkermord und Kolonialisierung, Armut und Ausgrenzung. Für die indianischen Bürger- und Menschenrechtsaktivisten bedeutet dies erneute Kriminalisierung, Verfolgung und Vernichtung.
Und für den seit über 41 Jahren in den Hochsicherheits- und Isolationstrakten der American Gulags inhaftierten indianischen Aktivisten Leonard Peltier ist dies der Albtraum eines der größten amerikanischen Justizskandale im 20. und 21. Jahrhundert. Michael Koch präsentiert im Rahmen seiner Lesereise Hintergründe zur Person und Situation Peltiers, zu den Gründen seiner Inhaftierung, zur Völkermordgeschichte an den Native Americans und auch zu aktuellen Entwicklungen im indianischen Amerika und des indigenen Widerstands in einem Mix aus freiem Vortrag, Lesung, Livemusik, Slide- und Videoshow und spontan eingebauten Anekdoten.
 
Der Lonesome Traveler Wolf Silaff begleitet in dieser Folge die Veranstaltung mit dazugehöriger Musik im Freien Radio Kassel - von Buffy St. Marie über Willie Dunn, Floyd Red Crow Westerman bis zu Robert Mirabal, Mitch Walking Elk, Peter LaFarge, Jimmy Carl Black u.a. (Trikont, München).
 
"Indians, Indians, Indians ...
Let me tell you about Indians : There´s Hollywood Indians,
there´s Fry Bread Eatin´Indians, There´s Wanna-Be Indians,
there´s fat, skinny, blond Indians.
Let me tell you about Indians :
Some are stoic Indians, Indians that ride a horse,
Indians that ride Indians, some are long-haired beautiful Indians.
Some are radical Free-Leonard-Peltier-Indians,
some of them Just-Don´t-Give-A-Dam-Indians,
frankly I like the type of Indians that always Agree-To-Be-Always-Last-On-Display-Indians.
Indians, Indians, Indians - type of like Partying-To-Get-Drunk Indians,
types that like to fight other Indians, Types that like to fight, fight, fight, go to a powwow,
see them in their beautiful regalia , wicked smile, Glint-In-Their-Eyes-Indians."  
(Robert Mirabal)

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 22. Oktober 2017, 19 Uhr

 

The Jazz Age - US-Jazz und -Hotdance der 20er Jahre, Folge 5/ 2017

Wieder einmal ist in unserer Sendung der Jazz der „Roaring Twenties“ das Leitmotiv.
Wie an dieser Stelle schon öfter gesagt, verbreitete sich der Jazz nach 1917 schnell in den ganzen USA, nachdem die ersten Platten der Original Dixieland Jazz Band für Furore gesorgt hatten. Am Anfang stand auf den Etiketten noch „Jass“, aber weil die jungen Plattenkäufer in einem Anflug von Collegehumor oft und gerne das „J“ auskratzten, änderten die Plattenfirmen im in weiten Teilen (bis heute ...) immer noch prüd-frömmelnden Amerika den Begriff bald in „Jazz“ um. Damit war eine Bezeichnung geboren, die bis heute nichts von ihrer Strahlkraft verloren hat.
In den 20er Jahren herrschen zunächst noch die vom alten Jazz stammenden Kleingruppen vor, die Bigbands beginnen sich erst zu etablieren. Noch ist der Ton recht rauh, von der später so bezeichneten Stromlinienform des kommenden Swingstils nichts zu merken. Allerdings hat, dies eins der Hauptmerkmale des damals in voller Blüte stehenden Chicago-Stils, bereits die Solistik die alte Kollektivimprovisation abgelöst, weisen auch und gerade dadurch die Einspielungen im Vergleich zu den nur wenige Jahre älteren doch schon eine gewisse Abgeklärtheit auf.
Platten verkaufen sich wie warme Semmeln, denn im Amerika der Zeit vor dem schwarzen Freitag herrscht scheinbar ungebremste Prosperität. Man ist Siegermacht des Weltkriegs und lebt aus dem Vollen - das ganze Land ist in hektischer Betriebsamkeit. In ihrem Gefolge, dem puritanischen Alkoholverbot der Prohibitionsjahre zum Trotz, greift die große Tanz- und Amüsierwut um sich. Die Musik jener Zeit und ihrer Jugend ist der Jazz. Diese Zeit wird darum als „Jazz Age“, als Jazz-Zeitalter bezeichnet.
Die Wirtschaftskrise ändert daran - vorerst - nicht viel. Die Amerikaner bleiben anfangs noch optimistisch, und die Musik unterstützt - vorerst - durch ein „Weiter so“ diese Stimmung. Man würde schon bald wieder auf die Beine kommen … welch ein Irrtum! Das sollte endgültig noch bis zum Eintritt der USA in den II. Weltkrieg dauern. Aber das kann zum Zeitpunkt des Börsenkrachs Ende 1929 und in der ersten Zeit danach noch niemand ahnen. Die „Great Depression“ spiegelte sich dann allerdings bis zum Aufkommen des Swingstils auch in der Musik - das haben wir mit der Wiederholung von drei Folgen hierzu an unserem Sendeplatz „Tanzparkett extra“ am Sonntag um 17 Uhr (Wdh. Mo. 9 Uhr) gerade gezeigt.
Doch nun lassen Sie sich am Mittwochabend mit einer Auswahl an Platten bekannter wie vergessener Orchester von Peter K. Michael erneut eine Stunde lang in die Vorswingzeit entführen!

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 25. Oktober 2017, 21-22 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 26. Oktober 2017, 13 Uhr

Programminfos vom 06.10.2017 bis 11.10.2017

Preserving Memories

Begleitend zur documenta 14 in Kassel fand das Projekt „Preserving Memories - Bewahrung der Erinnerungen“ statt.
Gezeigt wurde die Ausstellung „Europäischer Widerstand gegen den Nazismus 1922-1945" über den antifaschistischen Widerstand in verschiedenen Ländern Europas. Beteiligt an der Ausstellung waren das nationale belgische Institut der Veteranen und Opfer des Krieges (IV-INIG) und die Internationale Föderation der Widerstandskämpfer (FIR) - Bund der Antifaschisten. Unterstützung leisteten das nationale Widerstandsmuseum (Belgien), ONAC (Frankreich), ANPI (Italien), NIOD (Niederlande), das Nationalarchiv des Großherzogtums Luxemburg sowie Veteranenverbänden aus verschiedenen Ländern. Verbunden mit der Ausstellung waren Gespräche mit Zeitzeugen der antifaschistischen Bewegung aus Deutschland, Italien und Rußland, aus der Tschechischen Republik und den Niederlanden.
Lesungen aus Erinnerungsberichten, die zeigen, wie Widerstand entstanden ist, aus Empörung und Ablehnung politischer und rassischer Verfolgung, Verteidigung der nationalen Unabhängigkeit, Eintreten für religiöse oder politische Überzeugung sowie als Solidarität mit Verfolgten, ergänzen das Programm. Die Ausstellung war bis Mitte September in der VHS zu sehen.
Das FRK zeichnete die Begleitveranstaltungen auf und wird sie in den nächsten Wochen ausstrahlen. Heute hören wir den Vortrag von Wolf Stötzel, dessen Vater im Widerstand war und über lange Jahre von den Nationalsozialisten verfolgt wurde.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 6. Oktober 2017, 18 Uhr

 

Magic Moments spezial: Nachtschicht

22.00 Uhr: Bunte „Magic Moments“-Mischung.
23.00 Uhr: Gespräch mit Robert Redweik zu seinem aktuellen Album "Dein Vegas"
24.00 Uhr: Erinnerungen an Chris Roberts, Daliah Lavi, Gunter Gabriel und Joy Fleming, die uns leider viel zu früh verlassen haben
01.00 Uhr: Musik von „starken Frauen“.
02.00 Uhr: Musikalische Erinnerungen an den Sommer
03.00 Uhr: Mehr als nur ein Lied von Christina Rommel, UIte Freudenberg und Mathias Reim
04.00 Uhr: Neue Alben von Philipp Dittberner u,a.
05.00 Uhr: Bunte Mischung, mit Liedern aus Musicals u.a.

  • Sendetermin: „Magic Moments spezial“, Freitag, 6. Oktober 2017, 22 Uhr

 

Zum Tod von Don Williams und Tom Petty

Der freundliche Hüne aus Texas (The Gentle Giant), der mit der einschmeichelnden, leicht melancholischen Stimme, ist gestorben: Don Williams. Er ist stolze 78 Jahre alt geworden und blickte auf eine beeindruckende Karriere mit einer ganzen Reihe von Klassiker-Alben und No. 1 Chart-Hits dies- und jenseits des Atlantik zurück. Angenehme Umgangsformen auf der Bühne wie im Privaten - in Großbritannien lieben sie ihn noch heute. Der hatte einfach Stil. Und in Deutschland (West und Ost) kennen zahlreiche Country Music-Liebhaber ihn seit den 1970er Jahren. Der Lonesome Traveler widmet Don Williams ein kleines Erinnerungs-Special mit sozusagen 20 Greatest Hits.
Aber damit nicht genug. Ein weiterer Untoter ist ebenfalls mit dabei an diesem Abend. Der große Merle Haggard, ein echter "Outlaw", hat uns bereits vor zwei Jahren verlassen. Kurz vor seinem endgültigen Abschied von der Musikbühne hatte er noch ein wunderbares Album zusammen mit Willie Nelson aus dem Ärmel geschüttelt. Auf "Django And Jimmie" huldigten sie gemeinsam ihren musikalischen Vorbildern. Einen Monat nach Willies 82. Geburtstag (yeah, time flies) haben sie in entspannter Atmosphäre ein weiteres Klassiker-Album produziert, das ob seiner intensiven Qualität überzeugt. Eingespielt wurden Duette, Soloaufnahmen, Neuaufnahmen eigener Titel - und eine Dylan-Coverversion, die es einem freudig-erregt den Rücken runterlaufen läßt: "Don´t think twice". Selbstverständlich ist auch der Man In Black irgendwie auch immer noch dabei - unterstützt vom legendären Bobby Bare verneigen sie sich: "Missing Ol´Johnny Cash". Cash ist selbstverständlich höchstselbst mit dabei in dieser Folge. Außerdem im Programm: "Willie & Asleep at the Wheel" (auch Bob Wills läßt kurz grüßen) und der Brite Eric Clapton, der neben J.J. Cale eben auch den eingangs erwähnten Don Williams sehr verehrt. Und mit dessen "Tulsa Time" eröffnet der Erich denn auch diese Folge.
Noch einen Todesfall gilt es zu erwähnen: Tom Petty hat’s erwischt. Am Montag dieser Woche starb der „All American Boy“ im Alter von 66 Jahren. Klar, daß wir ihn im FRK ausführlich würdigen werden – beispielsweise heute in der „Langen Rille“

  • Sendetermin: „Die Lange Rille“, Samstag, 7. Oktober 2017, 21 Uhr

 

The Jazz Age - US-Jazz und -Hotdance der 20er Jahre, Folge 4/ 2017

Auch in dieser Sendung ist das Leitmotiv der Jazz der „Roaring Twenties“.
Lassen Sie sich mit einer Auswahl an Platten bekannter wie vergessener Orchester von Peter K. Michael eine Stunde lang in die Vorswingzeit entführen.

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 11. Oktober 2017, 21-22 Uhr

Programminfos vom 27.09.2017 bis 04.10.2017

Jazz und Tanzmusik aus Italien, Folge 9

In der neunten Folge unserer kleinen Reihe bringen wir wieder Tanzmusik und Jazz aus Italien aus den 30er und 40er Jahren. Am Mikrophon: Thomas Sonsna.

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 27. September 2017, 21 Uhr

 

Country time again – Zum Tod von Don Williams

Vorschau auf das Konzert von Edgar Knecht in Kassel

Das hat natürlich einen guten, äh pardon, traurigen Grund. Der freundliche Hüne aus Texas (The Gentle Giant), der mit der einschmeichelnden, leicht melancholischen Stimme, ist gestorben: Don Williams. Er ist stolze 78 Jahre alt geworden und blickte auf eine beeindruckende Karriere mit einer ganzen Reihe von Klassiker-Alben und No. 1 Chart-Hits dies- und jenseits des Atlantik zurück. Angenehme Umgangsformen auf der Bühne wie im Privaten - in Großbritannien lieben sie ihn noch heute. Der hatte einfach Stil. Und in Deutschland (West und Ost) kennen zahlreiche Country Music-Liebhaber ihn seit den 1970er Jahren. Der Lonesome Traveler widmet Don Williams ein kleines Erinnerungs-Special mit sozusagen 20 Greatest Hits.
Aber damit nicht genug. Ein weiterer Untoter ist ebenfalls mit dabei an diesem Abend. Der große Merle Haggard, ein echter "Outlaw", hat uns bereits vor zwei Jahren verlassen. Kurz vor seinem endgültigen Abschied von der Musikbühne hatte er noch ein wunderbares Album zusammen mit Willie Nelson aus dem Ärmel geschüttelt. Auf "Django And Jimmie" huldigten sie gemeinsam ihren musikalischen Vorbildern. Einen Monat nach Willies 82. Geburtstag (yeah, time flies) haben sie in entspannter Atmosphäre ein weiteres Klassiker-Album produziert, das ob seiner intensiven Qualität überzeugt. Eingespielt wurden Duette, Soloaufnahmen, Neuaufnahmen eigener Titel - und eine Dylan-Coverversion, die es einem freudig-erregt den Rücken runterlaufen läßt: "Don´t think twice". Selbstverständlich ist auch der Man In Black irgendwie auch immer noch dabei - unterstützt vom legendären Bobby Bare verneigen sie sich: "Missing Ol´Johnny Cash". Cash ist selbstverständlich höchstselbst mit dabei in dieser Folge. Außerdem im Programm: "Willie & Asleep at the Wheel" (auch Bob Wills läßt kurz grüßen) und der Brite Eric Clapton, der neben J.J. Cale eben auch den eingangs erwähnten Don Williams sehr verehrt. Und mit dessen "Tulsa Time" eröffnet der Erich denn auch diese Folge.
In freudvoller Erwartung auf ein anstehendes Konzert-Highlight in unserer dOCUMENTA-Stadt bringen wir abschließend eindrucksvolle Piano-Klänge von Edgar Knecht, dem Star-Tastenmann von hier, eingespielt mit seinen aufregenden Begleitern Rolf Denecke (Bass) und Tobias Schulte (Perkussion), allesamt echte Könner. Diesmal arbeiten sie wieder zusammen mit dem dem syrischen Musiker Aeham Ahmad - der "Klavierspieler aus den Trümmern von Jarmuk". Sie haben in dieser Besetzung ein Album eingespielt. Der Titel "Keys to Friendship" ist Programm und zugleich die aktuelle CD-Produktion. Das Konzert unter gleichem Titel wird stattfinden am "Tag der deutschen Einheit" - Dienstag, 3. Oktober 2014, ab 19.30 Uhr im Opernhaus Kassel. (Veranstalter: Theaterstübchen Kassel). Danke Euch allen. Edgar, Aeham, Rolf und Tobi. Und Markus Knierim.
Salām, Selam - uns allen. Give peace a chance. You too, Mr. Trump.

  • Sendetermin: „Die Lange Rille“, Samstag, 30. September 2017, 21 Uhr

 

Liederbestenliste Oktober 2017

Seit 1984 erstellt die Jury der Liederbestenliste monatlich eine ’Hitparade’ des deutschsprachigen Liedes. Jede(r) der 20 Jurorinnen und Juroren aus der Schweiz, Österreich, Belgien und Deutschland nennt monatlich sieben Lieder, denen er oder sie möglichst viele HörerInnen wünscht. Punkte werden nur für einzelne Titel vergeben, nicht für ein gesamtes Album. Aus der Addition ergibt sich die Monatsliste, die das Freie Radio Kassel einmal im Monat präsentiert. Wer es diesmal unter die besten 20 dieser etwas anderen Hitparade geschafft hat, erfahren Hörerinnen und Hörer in dieser Ausgabe von Liederleute, dem Magazin für Musik und Politik. Am Mikrofon: Dieter Kindl (Juror der Liederbestenliste)

  • Sendetermine: „Liederleute“, Dienstag, 3. Oktober 2017, 20.00 Uhr
  • Wiederholung Mittwoch, 4. Oktober 2017, 12.00 Uhr

 

Musigg für Jung u Alt

Als Schtärneföifi 1995 begannen Songs für Kinder zu spielen, hat niemand damit gerechnet, dass sich aus dem spontan entstandenen Projekt eine langjährige Zusammenarbeit entwickeln würde. Vor Kurzem ist ihr inzwischen elftes Album «Dräckigi Händ» erschienen. Wir stellen das Album vor. Ebenso wie «Urchig», bei dem «Büezer» auf «Chrampfer» trifft. Für seine neue CD hat sich Rocksänger Gölä mit Jodelclubs zusammengetan - das Ergebnis klingt sehr spannend. Außerdem haben wir noch Aktuelles aus der Schweizer Musikszene zu vermelden. Am Mikrofon: Trudi Kindl.

  • Sendetermine: „Kreuzweise“, Dienstag, 3. Oktober 2017, 21.00 Uhr
  • Wiederholung: Mittwoch, 4. Oktober 2017, 13.00 Uhr

Programminfos vom 22.09.2017 bis 27.09.2017

Eine Welt - gespaltene Welt

Hearing mit Bundestagskandidaten für die Region Kassel.
Unsere Gesellschaft steht unter zunehmendem Druck: Der Zusammenhalt bröckelt, die Lebens-wirklichkeiten von Armen und Reichen driften trotz guter Wirtschaftsdaten auseinander. Die immer noch starke Migration nach Deutschland stellt die Gesellschaft vor neue Herausforderungen. Trotz vielfältiger Integrationsbemühungen ist das Verhältnis der Bevölkerung zu Migrantinnen und Migranten vielerorts von Ängsten und Zweifeln bestimmt.
Gleichzeitig befindet sich die öffentliche Diskussionskultur im Umbruch. Sog. „Fake News" tauchen in der Debatte auf. Die Kraft von Fakten und Argumenten scheint zu sinken. Hetz- und Hass-Posts feiern Konjunktur.
Im Rahmen einer Veranstaltung in der Lutherkirche fragte das Sozialpolitische Forum nach:
Wie ist die wirtschaftliche Spannung von Fachkräftemangel einerseits und prekärer Arbeit andererseits aufzulösen?
Was macht unsere kulturelle Identität aus? Welche gesellschaftlichen Leitbilder brauchen wir heute?
Was sind die Schritte zu einer klimafreundlichen Gesellschaft? Wie lässt sich die Ungleichheit in und zwischen den Staaten verringern?
Kurz vor der Bundestagswahl senden wir einen Mitschnitt der Veranstaltung des Evangelischen Forums Kassel vom 31. August 2017 mit den Kasseler Bundestagskandidaten.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 22. September 2017, 18 Uhr

 

Inland – Blues aus Bayern und aus Kassel

Die Folge wird vom Texaner Terry Lee Hale eröffnet. Anschließend geht‘s dann ab ins Bayernland: Gampe ist "Am Boden zerstört". Die ganze Tragik hilft ihm (Reinhard Vinzenz Gampe) sein Begleitmusiker Ewert van Wal zu ertragen. Wir hören eher stille Songs, sparsame Gitarrensounds, thematisch weit gefächert, aber auch schräge Geschichten und feinsinnige Beobachtungen aus dem richtigen Leben, mit dem sprichwörtlichen Blues-Faktor: "Koana mog mi", "Verbrennts mi", "Wenns soweit is", "I stirb analog". Tja - "Wias is", so isses: "Huba Luba!" (so der abgefahrene Albumtitel). Eine aktuelle Neuerscheinung aus München (Trikont).
Unbedingt hörenswert ist auch das knackige Trio "Andreas Diehlmann Band" aus der dOCUMENTA-Stadt Kassel. Auf ihrem neuen Album mit dem Titel ADB widmen sich die Musiker dem straighten Blues-Rock der etwas härteren Sorte. Gekonnt spannen sie einen musikalischen Bogen in der Tradition von Freddie King über Jimi Hendrix bis hin zu ZZ Top. Dabei stehen die Eigenkompositionen der Band im Mittelpunkt. Seit 2016 arbeitet Andreas Diehlmann, unterstützt von Volker Zeller am Bass und Tom Bonn an den Drums, am Sound des neuen Powertrios. Zuvor tourte er einige Jahre in der Band der amerikanischen Bluessängerin Sydney Ellis durch Europa.

  • Sendetermin: „Long Distance Call“, Samstag, 23. September 2017, 18 Uhr

 

Zum Tod von Grant Hart

Schon wieder müssen wir die “Lange Rille” in ein akustisches Mausoleum umfunktionieren. Nach dem „schwarzen Jahr“ 2016 mit zahllosen Todesfällen im Bereich der Musik schien es zunächst so, als ob sich 2017 diesbezüglich etwas zurückhalten würde. Inzwischen muß man aber auch in diesem Jahr bereits auf eine ganze Reihe prominenter Abgänge zurückblicken – von Chuck Berry bis Gregg Allman und von Holger Czukay bis Glen Campbell, Walter Becker und Don Williams. Der neueste Eintrag in die Totenliste betrifft jemanden, der zumindest vom Alter her eigentlich noch gar nicht dran gewesen wäre: Grant Hart, Schlagzeuger und Songschreiber der Hardcore-Legende Hüsker Dü, starb mit gerade mal 56 Jahren an Krebs.
Hüsker Dü waren wohl die einflußreichste amerikanische Band der 80er Jahre. Ihre Mischung aus brachialem Hardcore-Punk und himmlischen Pop-Melodien bereitete den Weg für die Metal- und Grunge-Szene der 90er und darüber hinaus. Bis heute bezeichnen viele jüngere Bands aus der etwas härteren Abteilung das Trio aus Minneapolis als wichtigen Einfluß; die Hüsker-Alben zählen zu den absoluten Klassikern. Grant Hart war Drummer der Band, bestritt aber – als musikalischer Gegenpol zu Gitarrist Bob Mould – auch einen Großteil des Songwriting. Sein Gespür für klassische, von den Beatles und Byrds beeinflußte Popsongs war die perfekte Ergänzung zum aggressiven, weißglühenden Gitarrensound, der charakteristisch für Hüsker Dü war. Auch nach dem Ende der Band 1988 hat Grant Hart eine Reihe wunderbarer Solo-Alben vorgelegt, die leider nie den verdienten kommerziellen Erfolg hatten. In der heutigen Sendung würdigen wir Grant Hart mit seinen besten und wichtigsten Songs – sowohl aus der Zeit mit Hüsker Dü als auch aus seiner Solo-Karriere

  • Sendetermin: „Die Lange Rille“, Samstag, 23. September 2017, 21 Uhr

 

Open Music Mix Association

frei² meldet sich zurück mit der Open Music Mix Association. Das ist
eine Stunde freie Musik im DJ-Mix. Es wird dieses Mal herbstlich
elektronisch zugehen.

  • Sendetermin: „Frei hoch zwei“, Dienstag, 26. September 2017, 19 Uhr

 

Jazz und Tanzmusik aus Italien, Folge 9

In der neunten Folge unserer kleinen Reihe bringen wir wieder Tanzmusik und Jazz aus Italien aus den 30er und 40er Jahren. Am Mikrophon: Thomas Sonsna.

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 27. September 2017, 21 Uhr

Programminfo vom 14.09.2017 bis 21.09.2017

Liebe

„Liebe“ – so betitelt Hagen Rether seit Jahren sein Bühnenprogramm. Allerdings sind Herz, Schmerz und Zweisamkeit nicht unbedingt das Hauptthema der kabarettistischen Texte, mit denen der Mann mit dem Zopf seine inzwischen sehr zahlreichen Zuschauer erfreut. Hagen Rether gehört vielmehr seit Jahren zu den schärfsten und bissigsten politischen Kabarettisten, der seine teils heftige Kritik an den gesellschaftlichen und politischen Zuständen mit entspannter Klaviermusik garniert. Seine Programme ändern sich permanent – wie jeder gute Polit-Kabarettist baut er aktuelle Entwicklungen und Ereignisse kurzfristig in seine Bühnentexte ein. Berühmt geworden ist er auch für die teils extreme Länge seine Auftritte, die oft bis nach Mitternacht dauern. Auch in Vellmar beim „Sommer im Park“ betrug die reine Spielzeit mehr als drei Stunden, weshalb wir die Ausstrahlung des Programms auf zwei Folgen von „Kabarett live“ verteilen. Nachdem die erste Halbzeit kürzlich lief, folgt heute der zweite Teil.

  • Sendetermin: „Kabarett live“, Freitag, 15. September 2017, 22 Uhr

 

Janis Joplin - Hippie Times: Dope, Sex and Cheap Thrills

In diesem Monat vor 50 Jahren, im September 1967, erschien ihr quasi- Debütalbum "Big Brother & The Holding Company featuring Janis Joplin" - interessanterweise bei einem noch nicht so bekannten Label, mit dem witzigen Namen "Mainstream Records".
"All of a sudden, someone threw me in front of this rock and roll band.
And I decided then and there that was it.
I never wanted to do anything else."   (Janis Joplin)
Das Jubiläum dieses Album bildet den Anlaß für die heutige Ausgabe der Langen Rille. Auch für Moderator Wolf Silaff waren die ersten Platten von Janis - wie auch die von Jimi Hendrix - eine Art "Erleuchtung", nach Elvis, Chuck, Jerry Lee und Little Richard. Ab 1967/68 wurde dann bekanntlich so einiges ganz anders ... weltweit, von der West Coast über New York bis Paris. Im Jahre 1968 erschien dann Janis´ Album "Cheap Thrills", das man getrost als ihren internationalen Durchbruch bezeichnen kann. Aber dann starben sie wie die Fliegen und trafen sich im Club 27 wieder: Brian Jones, Jimi Hendrix, Jim Morrison, Kurt Cobain - und eben auch Janis. Zu hören sind in dieser Ausgabe die erwähnten Klassiker-Alben sowie "Pearl". Letztere Veröffentlichung sollte Janis nicht mehr miterleben. Die "First Lady of Rock & Roll" sah also auch nicht ihren größten Hit "Me and Bobby McGee" an der Spitze der US- Charts. Janis Joplin starb den Drogentod am 4. Oktober 1970 in Los Angeles. Der Autor ihres Hits, Kris Kristofferson, war zum Abschied dabei. Zweihundert ausgewählte Freunde sollten testamentsgemäß die letzten Dollars der Künstlerin versaufen - und anschließen ihre Asche in einer Pazifikbucht vor dem Marin County den Wellen übergeben.

  • Sendetermin: „Die Lange Rille“, Samstag, 16. September 2017, 21 Uhr

 

Sänger/Komponist Eric Martin (Mr. Big)

Eric Martin ist ein US-amerikanischer Sänger, Musiker und Komponist. Er ist als Solokünstler aktiv, ist aber am bekanntesten in seiner Rolle als Sänger der Hadrock-Band Mr Big, für die er u.a. deren größten Hit „To Be With You“ geschrieben hat. Darüber hinaus ist er noch an vielen weiteren musikalischen Projekten beteiligt, wie z.B. am japanischen Projekt TMG oder dem All-Star-Projekt Avantasia des deutschen Metal-Sängers Tobias Sammet, an dem neben Eric Martin viele weitere internationale Künstler mitwirken.
In „Handmade“ widmen wir uns in einer dreistündigen Sonderausgabe hauptsächlich den Soloprojekten von Eric Martin, an denen er vor und während Mr. Big gearbeitet hat, um euch die volle Bandbreite dieses Ausnahmesängers und –komponisten zu zeigen. Dies reicht von seinen ganz frühen Werken aus den 80er Jahren – beginnend mit der Eric Martin Band und seinen nachfolgenden Solo-Werken - bis heute und umfasst auch all seine Solo-Alben „Eric Martin (1985), „I’m Only Fooling Myself“ (1987), „Somewhere In The Middle“ (1998), „I’m Going Sane“ (2002), „Pure“ (2003) und „Destroy All Monsters“ (2004) und mehr. Auch seine Werke mit Avantasia, TMG und ein paar Impressionen mit Mr. Big werden zu hören sein; außerdem Raritäten seiner japanischen CD-Reihe „Mr. Vocalist“ bzw. „Mr. Rock Vocalist“.
Darüber hinaus gibt es ein ausführliches Interview mit Eric Martin, für das er sich netterweise, trotz der aktuellen Album-Promotion und weltweiten Mr. Big-Tour, Zeit genommen hat. Vielen Dank hierfür an ihn. Thank you very much for your interview, Eric!
Hierfür gibt es ausnahmsweise an den folgenden beiden Sendeterminen keine „Handmade Classics“ Ausgaben mit Cap K, sondern stattdessen einen früheren Start für „Handmade“, da diese Eric Martin-Sonderausgabe ursprünglich schon im vergangenen Jahr mit Cap K als dreistündiges Special geplant war. Viel Spaß dabei!

  • Sendetermin: „Handmade“, Mittwoch, 20. September 2017, 19 bis 21 Uhr

Programminfos vom 07.09.2017 bis 14.09.2017

Debatte zur Relevanz der documenta-Kunst

Die Netzwerkplattform „MedienMittwoch” aus Frankfurt diskutierte im
Kulturbahnhof Kassel zur documenta 14 und zu Joseph Beuys. Die Teilnehmer setzten sich mit der Wirkung und der Schlagkraft, die Kunstprojekte in der Gesellschaft haben und beanspruchen, auseinander. Bei einer Podiumsdiskussion im Kulturbahnhof sprachen die freie Kuratorin Juliane von Herz aus Frankfurt, die Kritikerin Dorothee Baer-Bogenschütz aus Wiesbaden und der Regisseur Andres Veiel („Black Box BRD”, „Wer wenn nicht wir”, „BEUYS”) über die Bedeutung von Kunst und Kunstwerken insbesondere im öffentlichen Raum, deren aufklärende
oder politische Wirkung, sowie über ihre Eindrücke zu der aktuellen 14. Ausgabe der documenta.
Andres Veiel hat im Mai den Dokumentarfilm „BEUYS“ in die Kinos gebracht, in dem die Auftritte des großen deutschen Künstlers in Kassel und die „7000 Eichen“ eine zentrale Rolle spielen. Der extrem vielseitige und politisch aktive Kunst-Provokateur hat damit auf der documenta 7 ein partizipatives, nachhaltiges Werk geschaffen. Filmemacher Andres Veiel hat in seinem Dokumentarfilm überraschende Facetten von Joseph Beuys zusammengetragen. Der Film gehörte zum Begleitprogramm der documenta in Athen und ist zur Zeit in den deutschen Kinos, u.a. im Bali-Kino,
Kassel zu sehen.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 8. September 2017, 18 Uhr

 

Janis Joplin - Hippie Times: Dope, Sex and Cheap Thrills

In diesem Monat vor 50 Jahren, im September 1967, erschien ihr quasi- Debütalbum "Big Brother & The Holding Company featuring Janis Joplin" - interessanterweise bei einem noch nicht so bekannten Label, mit dem witzigen Namen "Mainstream Records".
"All of a sudden, someone threw me in front of this rock and roll band.
And I decided then and there that was it.
I never wanted to do anything else."   (Janis Joplin)
Das Jubiläum dieses Album bildet den Anlaß für die heutige Ausgabe der Langen Rille. Auch für Moderator Wolf Silaff waren die ersten Platten von Janis - wie auch die von Jimi Hendrix - eine Art "Erleuchtung", nach Elvis, Chuck, Jerry Lee und Little Richard. Ab 1967/68 wurde dann bekanntlich so einiges ganz anders ... weltweit, von der West Coast über New York bis Paris. Im Jahre 1968 erschien dann Janis´ Album "Cheap Thrills", das man getrost als ihren internationalen Durchbruch bezeichnen kann. Aber dann starben sie wie die Fliegen und trafen sich im Club 27 wieder: Brian Jones, Jimi Hendrix, Jim Morrison, Kurt Cobain - und eben auch Janis. Zu hören sind in dieser Ausgabe die erwähnten Klassiker-Alben sowie "Pearl". Letztere Veröffentlichung sollte Janis nicht mehr miterleben. Die "First Lady of Rock & Roll" sah also auch nicht ihren größten Hit "Me and Bobby McGee" an der Spitze der US- Charts. Janis Joplin starb den Drogentod am 4. Oktober 1970 in Los Angeles. Der Autor ihres Hits, Kris Kristofferson, war zum Abschied dabei. Zweihundert ausgewählte Freunde sollten testamentsgemäß die letzten Dollars der Künstlerin versaufen - und anschließen ihre Asche in einer Pazifikbucht vor dem Marin County den Wellen übergeben.

  • Sendetermin: „Die Lange Rille“, Samstag, 9. September 2017, 21 Uhr

 

Tanzparkett vor 20 Jahren: Django Reinhardt und das Quintette du Hot Club de France

Ja, Sie lesen richtig: 20 Jahre gibt es inzwischen das Freie Radio Kassel, 20 Jahre gibt es auch die Sendereihe „Tanzparkett“, die sich seither hauptsächlich mit Tanzmusik und Kleinkunst der 20er bis 40er Jahre befaßt.
Siehe auch den Artikel in der HNA vom 02.9. (Stadtausgabe) bzw. 05.9.17.
Zur Tanzmusik gehörte in jener (aus dieser Sicht glücklichen!) Ära auch der Jazz.
Europäische Jazzinnovatoren waren die Männer um den Gitarristen Django Reinhardt in Paris.
Wir widmeten ihnen am 13. August 97 die fünfte Folge „Tanzparkett“.
Die allererste Folge ist unwiederbringlich dahin, der Kontrollmitschnitt wurde seinerzeit vor Ende der Aufbewahrungsfrist  gelöscht, und an einen Mitschnitt fürs private Archiv hatten wir im Wirbel des Geschehens gar nicht gedacht.
Die nächsten Ausgaben klangen uns beim Abhören der erhaltenen Archivkopien doch noch allzusehr nach „Gehversuchen“, aber zur Wiederholung von Nummer 5 konnten wir uns durchringen.
Wir sind gespannt auf etwaige Hörerreaktionen …vielleicht haben Sie damals die erste Ausgabe am 18.6.97 mitgeschnitten und haben die Kassette noch?
Ach so: Wundern Sie sich nicht über den badewannenartigen Raumklang bei den Ansagen und die streckenweise noch recht hölzerne und unsichere Moderation - das gehörte zum Freien Radio in der Anfangszeit fast unvermeidlich dazu. Wir sendeten die ersten zwei Jahre immer noch hörbar von einer Baustelle.
Wenn Sie miterleben wollen, wie wir einst begonnen haben, schalten Sie uns ein!

  • Sendetermin: „Tanzparkett extra“, Sonntag, 10. September 2017, 17-18 Uhr
  • Wiederholung: Montag, 11. September 2017, 9 Uhr

 

The Treniers: It Rocks! It Rolls! It Swings!

Diesmal bringt der „Lonesome Traveler“ keine weitere Doo Wop-Folge im klassischen Sinne. Die Treniers, eine US-amerikanische Vokalgruppe der späten 40er/frühen 50er Jahre, ließ es ebenfalls lange vor Elvis schon recht flott abgehen. Der später oft als Rock & Roll-"Erfinder" titulierte Bill Haley war ein Bewunderer der Gruppe. Er hatte schnell erkannt, daß die Treniers eine faszinierende Kombination aus großartiger Musik und rasanter Bühnenshow-Darbietung unter die Leute brachten. Zu der Zeit experimentierten Haley und seine Saddlemen noch mit Country, Honky Tonk und Swingmusik. Genau betrachtet waren die Treniers im weiten Feld zwischen Rhythm and Blues, Swing und Pop anzusiedeln. Aber sie verstanden auch den Jazz - und sind in entsprechenden Lexika ebenso zu finden. Die 1947 gegründete Formation The Treniers wurde von den Zwillingen Cliff und Claude Trenier geleitet. Begleitet wurden sie vom Orchester des Pianisten Gene Gilbeaux mit dem Saxophonisten Don Hill, dem Bassisten Shifty Henry, dem später James (Jimmy) Johnson folgte, und dem Schlagzeuger Henry „Tucker“ Green. Später gehörten der Gruppe auch weitere Brüder wie Milt und Skip Trenier an.
Seit den 1940er Jahren traten sie mit einer Mischung aus Swing und frühem Rock & Roll auf. Auch "Jump Blues" im Stile der damals populären Mills Brothers wurde von ihnen übernommen. Bekannte Songs waren die Begriffe „rock“ und „roll“ enthaltenden Titel „Rocking on Sunday Night“, „It Rocks! It Rolls! It Swings!“ oder „Rockin' Is Our Bizness“, der eine Version von Jimmie Luncefords „Rhythm Is Our Business“ aus den 1930er Jahren war (die Trenier-Zwillinge hatten ihre Karriere in der Lunceford-Band begonnen). Die Formation war auch für ihre humoristischen Songeinlagen und ihre Bühnenakrobatik bekannt, was die Shows späterer Rock'n'Roll-Gruppen vorwegnahm; ihre Bühnenauftritte beeinflussten etwa The Shadows. Heutzutage wären wahrscheinlich rasant-pfiffige Video-Clips und YouTube das für die Treniers angemessene Medium. Während ihrer großen Zeit spielten sie Aufnahmen für das Okeh-Label sowie für Mercury und RCA Victor ein. Ihr Auftritt in der von Dean Martin (+ 1995) und dem vor zwei Wochen verstorbenen Jerry Lewis geleiteten Show „Colgate Comedy Hour“ im Jahr 1954 war eine der ersten Gelegenheiten, Rock'n'Roll im Fernsehen zu sehen. Bei der Tanzeinlage traten Dean Martin und Jerry Lewis mit den Brüdern auf und versuchten sich scherzhaft als Jazzmusiker (ha ha, harr!). Danach wirkte die Formation in den 1950er Jahren noch in einer Reihe legendärer Musikfilme mit, wie "The Girl Can´t Help It" und "Don´t Knock The Rock" - echte Klassiker.

  • Sendetermin: “Lonesome Traveler“, Sonntag, 10. September 2017, 19 Uhr

 

Nachtkonzerte in Rothenditmold; Studiogäste: Michael Kravtchin, Peer Schlechta

Nachts sind alle Katzen grau? Von wegen! Nicht nur Radiomacher, auch Künstler nutzen die dunklen Stunden oft als Quelle für Inspiration, Konzentration und Kreativität. Diesen Umstand macht sich auch die Reihe „Nachtkonzerte“ in der evangelischen Kirche Rothenditmold zunutze, die vom Pianisten Michael Kravtchin und dem Organisten Peer Schlechta organisiert wird. In der Sendung sprechen wir über die Entstehung der Konzertreihe, bisherige und kommende musikalische Höhepunkte und die Frage, welche besonderen Auswirkungen die Nacht auf das Konzerterlebnis hat. www.kravtchin.de
In der zweiten Stunde spielen wir Musik von der Debüt-CD des Holzbläserensembles "Variation5", das sich aus Preisträgern des international berühmten ARD-Musikwettbewerbs zusammensetzt.

  • Sendetermin: „Resonanz“, Mittwoch, 13. September 2017, 22 Uhr

 

The Jazz Age - US-Jazz und -Hotdance der 20er Jahre, Folge 4/ 2017

In dieser Sendung ist das Leitmotiv einmal mehr der Jazz der „Roaring Twenties“.
Wir schöpfen wieder aus dem nicht endenwollenden und -sollenden Strom an Aufnahmen, die man inzwischen rund 90 Jahre nach ihrer Entstehung immer noch (wieder-)entdecken kann.
Lassen Sie sich mit einer Auswahl an Platten bekannter wie vergessener Orchester von Peter K. Michael eine Stunde lang in die Vorswingzeit entführen.

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 13. September 2017, 21-22 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 14. September 2017, 13 Uhr

Programminfos vom 31.08.2017 bis 07.09.2017

Henry Hall und das BBC-Tanzorchester, Folge 2 (1934-1936)

Von 1928 bis 1932 wurde das Tanzorchester des Britischen Rundfunks, der British Broadcasting Corporation, kurz BBC, von dem Pianisten Jack Payne geleitet. Dieser Formation haben wir inzwischen sieben Folgen „Tanzparkett“ gewidmet, eine achte und letzte soll folgen.
Da wird es Zeit, sich zwischendurch mit Paynes Nachfolger zu befassen, einem Kapellmeister, der es, wie Payne auch schon, nicht nur in England zu Ruhm und Ehren brachte, sondern durch die Rundfunkübertragungen und durch zahlreiche Plattenaufnahmen in ganz Europa und darüber hinaus.
Der Mann, um den es geht, hieß Henry Hall (02.5.1898, Packham/ London - 28.10.1989 Eastbourne/ Sussex).
Mit dem Anfang 1932 angetretenen Engagement bei der BBC übernahm die bisherige Kapelle des Hotels Gleneagles auch den daran gekoppelten Exklusivvertrag mit der Columbia Graphophone Co., die für ihre Platten ein weltweites Vertriebsnetz besaß.
Gute Voraussetzungen für eine steile Karriere des Orchesters, die auch folgen sollte, nachdem sie bis dahin eher dahingedümpelt war. Henry Hall hatte sich nach seinem Wehrdienst offenbar mehr schlecht als recht als Kapellmeister verschiedener Orchester einer Bahn-Hotelkette durchgeschlagen. Das Engagement im schottischen Hotel Gleneagles, für das er mit seinem Orchester Rundfunkwerbung treiben sollte - die Band nahm für die damals noch neue unabhängige Decca-Schallplatte auf - führte schließlich zu seiner Entdeckung durch die BBC.
Am 02. März 1932 wurde nach ersten Tests und einer Vier-Schlager-Platte die erste reguläre Industrieplatte eingespielt.
Im Gegensatz zu seinem Vorgänger Payne, aus dessen Kapelle später mehrere englische Bandleader hervorgehen sollten, wies Halls Personal keine derartigen Kräfte auf. Gleichwohl lieferte es solide, gefällig und sehr tanzbar arrangierte, handwerklich saubere Tanzmusik mit vereinzelten Hotambitionen - allerdings deutlich weniger als bei Payne.
Dies entsprach durchaus dem Zeitgeschmack, nicht nur in England, und so wurde die Kapelle auch im Ausland gerne gehört und wohl vor allem nach ihrem Ausscheiden als Rundfunktanzorchester für Tourneen und Einzelauftritte gebucht. Sogar in Berlin spielte das Orchester - nach Lange [1] von Januar bis Februar 1939 in der „Scala“ als Ersatz für das ebenfalls englische Jack-Hylton-Orchester, zur Freude der Kritik, die die Kapelle gnädig beurteilte - und zum Gram der deutschen Hotfans , denn Hyltons Band war erheblich stärker jazzorientiert. Auch der alte Jazzfan Lange läßt kaum ein gutes Haar an der Kapelle: „So steif, wie Henry Hall als Persönlichkeit war, spielte seine Band und sang seine hübsche Sängerin Molly Morelle: ein Tanzorchester von Format, mehr nicht.“ [1] Nach andern Angaben gab es auch schon im Jahre 1938 Auftritte in Berlin, bei denen die englische Presse monierte, daß man auf Darbietungen von Schlagern jüdischer Komponisten verzichtet habe, obwohl diese noch nicht verboten gewesen seien.
Selbst in der Sowjetunion wurden Platten von Henry Hall herausgebracht, um den Anfang der 30er auch dort vorhandenen Hunger nach moderner westlicher Tanzmusik zu stillen - als „Schwarzkopien“, d.h. Pressungen unautorisierter, aber technisch hervorragender Umschnitte, welche die sowjetische Plattenindustrie in dieser Zeit auch von etlichen deutschen Aufnahmen anfertigte. Der Redaktion liegt z.B. ein solcher Umschnitt des in der Sendung gebrachten Titels „Oh, Johanna“ vor.
Bei der BBC, bei der er seine Truppe auch das erste reguläre englische Fernsehorchester darstellte, blieb Henry Hall bis 1937, um dann - wie schon sein Vorgänger Jack Payne - mit dem gesamten Personal dem Rundfunk den Rücken zu kehren. Nun unternahm er auf eigene Rechnung Tourneen, wie schon erwähnt, auch nach Deutschland.
Im Kriege spielte die Kapelle zur Truppenbetreuung vor alliierten Soldaten.
Hall kehrte schließlich als Gastgeber einer Radio- und späteren Fernsehsendung („Henry Hall’s Guest Night“) zur BBC zurück, wo er auch die Moderation der Sendereihe „Face The Music“ übernahm.
Er verfaßte in der Nachkriegszeit seine Autobiographie.
Am 28.10.1989 starb er in Eastbourne im Alter von 91 Jahren.

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 30. August 2017, 21 - 22 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 31. August 2017, 13 Uhr

 

Gesprächsrunde der Bundestagskandidaten

Die Bundestagwahl naht unaufhörlich, und auch wenn es manchmal nicht so aussieht: Ein Wahlkampf findet statt. Zwar halten sich die Spitzenkandidaten der großen Parteien mit gegenseitigen Angriffen diesmal ein wenig zurück, aber auf lokaler Ebene geht’s teilweise heftig zur Sache. Auch in Kassel fanden (und finden) etliche Diskussionsveranstaltungen mit den Wahlkreiskandidaten statt. Wir dokumentieren heute die Debatte, die kürzlich auf Einladung der Europa-Union in der Kasseler Volkshochschule über die Bühne ging. Leider waren nicht alle Kandidaten, die im Wahlkreis Kassel antreten, eingeladen – aber die anwesenden Vertreter der großen Parteien lieferten sich zeitweise einen sehr angeregten Schlagabtausch.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 1. September 2017, 18 Uhr

 

Liebe

„Liebe“ – so betitelt Hagen Rether seit Jahren sein Bühnenprogramm. Allerdings sind Herz, Schmerz und Zweisamkeit nicht unbedingt das Hauptthema der kabarettistischen Texte, mit denen der Mann mit dem Zopf seine inzwischen sehr zahlreichen Zuschauer erfreut. Hagen Rether gehört vielmehr seit Jahren zu den schärfsten und bissigsten politischen Kabarettisten, der seine teils heftige Kritik an den gesellschaftlichen und politischen Zuständen mit entspannter Klaviermusik garniert. Seine Programme ändern sich permanent – wie jeder gute Polit-Kabarettist baut er aktuelle Entwicklungen und Ereignisse kurzfristig in seine Bühnentexte ein. Berühmt geworden ist er auch für die teils extreme Länge seine Auftritte, die oft bis nach Mitternacht dauern. Auch in Vellmar beim „Sommer im Park“ betrug die reine Spielzeit mehr als drei Stunden, weshalb wir die Ausstrahlung des Programms auf zwei Folgen von „Kabarett live“ verteilen.

  • Sendetermin: „Kabarett live“, Freitag, 1. September 2017, 22 Uhr 

 

Still on the road - anyway the wind blows ...

Und nicht nur der Lonesome Traveler. In dieser Folge treffen wir auf illustre musikalische Wegbegleiter. Beispielsweise auf J.J. Cale (+ 2013) und Eric Clapton; die beiden sind "on the road to Escondido". Aus der hiesigen Region mit dabei ist auch Klaus Adamaschek mit seinem Musikprojekt "Shiregreen". Die werden übrigens dieser Tage mal wieder in Kassel zu erleben sein: Montag, 4. September 2017 ab 19.30 Uhr im Theaterstübchen in der Jordanstraße. Sie bieten in Trio-Formation den zweiten Teil ihrer "Sechs Monate im Westen der USA"-Trails Bilderkonzertreihe. Zu hören und zu sehen: 600 großartige Bilder auf der Großbildleinwand. Die unbedingt sehenswerten Aufnahmen stammen von Angelika Adamaschek, einer passionierten Fotografin (Merian Reiseführer, Spiegel.online). Die beiden waren ein halbes Jahr lang im Camper unterwegs im Westen Nordamerikas (wow!), zwischen quirligen Städten und einsamen Naturreservaten, streckenweise entlang der legendären alten Route 66 - traumhafte und wehmütige Bildeindrücke. Viele selbstgeschriebene Musiktitel, irgendwo zwischen Folk, Country und "Outlaw"-Songwriting, begleiten und hintermalen das Ganze. Rausschmeißer dieser Ausgabe: der J.J. Cale-Klassiker "Call me The Breeze" in der Raketen-Version der legendären Lynyrd Skynyrd von 1974. 

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 3. September 2017, 19 Uhr

 

Liederbestenliste September 2017

Seit 1984 erstellt die Jury der Liederbestenliste monatlich eine ’Hitparade’ des deutschsprachigen Liedes. Jede(r) der 20 Jurorinnen und Juroren aus der Schweiz, Österreich, Belgien und Deutschland nennt monatlich sieben Lieder, denen er oder sie möglichst viele HörerInnen wünscht. Punkte werden nur für einzelne Titel vergeben, nicht für ein gesamtes Album. Aus der Addition ergibt sich die Monatsliste, die das Freie Radio Kassel einmal im Monat präsentiert. Wer es diesmal unter die besten 20 dieser etwas anderen Hitparade geschafft hat, erfahren Hörerinnen und Hörer in dieser Ausgabe von Liederleute, dem Magazin für Musik und Politik. Am Mikrofon: Dieter Kindl (Juror der Liederbestenliste)

  • Sendetermine: „Liederleute“, Dienstag, 5. September 2017, 20.00 Uhr
  • Wiederholung: Mittwoch, 6. September 2017, 12.00 Uhr

 

Das tönt gut

Unterschiedlichere Klänge könnte es wohl kaum in einer Sendung geben: Da hätten wir zum einen den Engadiner Singer-Songschreiber Curdin Nicolay, dessen Lieder auf rätoromanisch daherkommen. Ebenfalls in seiner Muttersprache singt Florian Schneider - seine Chansons erklingen im Oberbaselbieter Dialekt. Und zu guter Letzt hätten wir noch den Züricher Julian Pollina alias Faber, der derzeit in vielen Feuilletons für Furore sorgt. Wir stellen die aktuellen Alben der drei Künstler in dieser Ausgabe von "Kreuzweise", dem Schweizer Musikmagazin vor. Am Mikrofon: Trudi Kindl.

  • Sendetermine: “Kreuzweise”, Dienstag, 5. September 2017, 21.00 Uhr
  • Wiederholung: Mittwoch, 6. September 2017, 13.00 Uhr

Programminfos vom 23.08.2017 bis 31.08.2017

Handmade-Sonderausgabe zu Pete Lincoln

Pete Lincoln – Sänger und Komponist aus England – ist seit 2006 der aktuelle Sänger der Rocklegende The Sweet. Aber auch solo ist er erfolgreich unterwegs, und er hat bereits mit unzähligen namhaften Künstlern Studio und Bühne geteilt. Vor seiner Zeit bei The Sweet war Pete von 1996 bis 2006 Sänger bei Sailor. Ansonsten hat er im Laufe seiner Karriere als Gitarrist und Sänger mit namhaften Künstlern wie z.B. Sir Cliff Richard, Tina Turner, Shakin' Stevens oder Dannii Minogue zusammengearbeitet.
Aus der Zeit bei Cliff Richard entstand eine gute Freundschaft mit zwei Musiker-Kollegen, mit denen Pete nun ein neues Projekt namens „Frontm3n“ an den Start gebracht hat. Die Band besteht aus ihm, Peter Howarth (aktueller Sänger der Hollies) und Mick Wilson (aktueller Sänger von 10 CC). Die drei bringen zusammen einzigartige Akustikversionen der Hits von The Sweet, den Hollies und 10 CC und noch vieles mehr auf die Bühne.
Auch solo hat Pete einiges zu bieten, denn da hat er nach „Under Cover“ und „Soul Searching“ im letzten Jahr sein drittes eigenes Album „Heartbeat“ herausgebracht.
In Handmade bringen wir euch daher einen einstündigen Querschnitt durch Petes verschiedene musikalische Projekte von Sailor über The Sweet über Frontm3n sowie seine Solo-Titel.
Vor der Sonderausgabe von Handmade über diesen tollen Künstler wiederholen wir darüber hinaus ab 19 Uhr noch eine Stunde unseres ersten Specials über Pete Lincoln aus 2011 inklusive Interview in den „Handmade Classics“, moderiert von Cap K.

  • Sendetermine: „Handmade Classics“, Mittwoch, 23. August 2017, 19 Uhr
  • „Handmade“, Mittwoch, 23. August 2017, 20 Uhr

 

Neue Saison im Staatstheater

Traditionell führen die Vertreter der Kasseler Volksbühne e.V. jeweils zu Beginn der neuen Spielzeit des Kasseler Staatstheaters im Rahmen einer Sendung des Offenen Kanals Interviews mit den zuständigen Theater-Mitarbeitern, in denen der Spielplan der kommenden Saison vorgestellt wird. Gesprächspartner der Volksbühnen-Vorsitzenden Jürgen Fechner und Knut Hoffmann waren diesmal Operndirektorin Dr. Ursula Benzing, Schauspieldramaturg Michael Volk sowie der neue Generalmusikdirektor und Chefdirigent Francesco Angelico.
Wir übernehmen die Sendung von den Kollegen des Offenen Kanals.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 25. August 2017, 18 Uhr

 

Blue Horizon Records, Teil 2

Blue Horizon Records wurde Mitte der 1960er Jahre in London von Mike Vernon gegründet. Es war das bedeutendste Label der britischen Bluesszene und veröffentlichte neben englischen Künstlern auch Alben von amerikanischen Blueskünstlern. Ein Lizenz- und Vertriebsvertrag mit CBS wurde abgeschlossen, und einige Alben amerikanischer Künstler wurden auf Lizenzbasis herausgegeben, aber Mike Vernon produzierte auch viele eigene Aufnahmen. Darunter Künstler und Gruppen, die in der Folge ganz groß herauskommen würden - von Fleetwood Mac über Eric Clapton & John Mayall bis zu Stan Webb´s Chicken Shack. 1971 stellte das Label die Produktion ein, seine Veröffentlichungen sind heute rare Sammlerstücke. Ab und zu kam es zu Wiederveröffentlichungen auf Sire Records und Line Records, doch erst in den 2000ern remasterte Mike Vernon die Aufnahmen und machte sie so Bluesenthusiasten wieder zugänglich.

  • Sendetermin: „Long Distance Call“, Samstag, 26. August 2017, 18 Uhr

 

Liederjan - 40 Jahre unterwegs

Liederjan, die drei von der Spaßtankstelle (Jörg Ermisch, Hanne Balzer und Philip Omlor), schreiten zur Tat, nehmen in bewährter Weise Alltagserscheinungen und sich selbst auf die Schippe und setzen unverdrossen die Singende Säge in den Niederungen des Zeitgeistwaldes an. Mancher wird sich fragen: Was machen die Drei denn eigentlich? Ist es Folk, Chanson, Kabarett, Comedy oder Dummtüch? Es ist ein bißchen von allem, eben Liederjan.
Durch den Tod von Anselm Noffke im Dezember 2003 verlor die Gruppe drei Jahre nach ihrem 25-jährigen Bühnenjubiläum einen ihrer beiden verbliebenen Gründer. Auf seinen Wunsch und den seiner damaligen Mitspieler machte Liederjan aber weiter. Den Platz Anselm Noffkes in dem Trio nahm mit Hanne Balzer zum ersten Mal in der Geschichte der Gruppe eine Frau ein, so daß die vorher aufgekommene scherzhafte Bezeichnung „Älteste Boygroup Deutschlands“ ihre Grundlage verlor.
Die drei haben sich schon vor vielen Jahren ihr eigenes Genre erfunden und erhielten für diese ganz eigene Mischung unter Anderem den "Deutschen Kleinkunstpreis“. Liederjan hat sich im Jahr 2015 in den Jubiläumsreigen eingefügt: Elvis wäre 80 und Frank Sinatra sogar 100 Jahre alt geworden (von Heintjes 60. Geburtstag wollen wir lieber schweigen), und Liederjan ist seit 40 Jahren auf den deutschen Bühnen unterwegs.
Nach wie vor bedient sich die Gruppe aus einem (fast) unerschöpflichen Fundus von Zupf-, Streich-, Blas- und Tasteninstrumenten, von Tuba und Akkordeon über Waldzither, Ukulele und Harmonium bis zu Saxophon, Konzertina und Singender Säge. Aber sie können auch ohne! Ihr á capella-Gesang läßt - wenn sie z.B. ein knappes Dutzend Volkslieder zu einem 3 Minuten-Stück verarbeiten, oder einen Werbespot aus dem 17. Jahrhundert singen - manchen 100 Mann-Chor vor Neid erblassen.
Die Themen im aktuellen Programm reichen von 40 Jahren auf der Bühne, Pleiten und Bosheiten, bis zum Frieden mitten im Krieg; von Castingshows und deren Folgeerscheinungen über den Tod auf verlorenem Posten bis hin zu Wunschträumen und tröstlichen Aussichten. Dazu präsentiert Liederjan zur Zeit als besonderes Schmankerl Ausschnitte aus ihrem Wilhelm-Busch-Programm: “Eins, zwei, drei im Sauseschritt“. Das trainiert die Lachmuskeln und wärmt das Herz.
Am Samstag, dem 2.9.2017 um 19 Uhr wird das legendäre, genial-schräge Trio im KulturSaal des Café Buch-Oase, Germaniastr. 14, in Kassel-West auftreten. Moderator Wolf Silaff kann einen Besuch nur dringend empfehlen.
In dieser Ausgabe der Langen Rille werden frühere Erfolgsalben von Liederjan in Erinnerung gebracht: "Mädchen, Meister, Mönche" (1978), "Klammheimliche Hits der frühen Achtziger" (1990), "Die Wirrtuosen" (1996).

  • Sendetermin: „Die Lange Rille“, Samstag, 26. August 2017, 21 Uhr

 

Tanzmusik und Jazz aus Skandinavien, Folge 2/ 2017

Dieses Jahr gibt es im „Tanzparkett“ einen kleinen Schwerpunkt mit skandinavischen Platten überhaupt und schwedischen im besonderen.
Die ausgeprägte Musikalität, die von jeher auch in der Folklore zum Ausdruck kommt, prädestinierte die nordischen Länder zum Aufbau einer vielseitigen Jazz- und Tanzmusikszene, die heute ihrerseits schon längst zur dortigen musikalischen Tradition gehört.
Weitere Sendungen zum Thema Skandinavien befinden sich in Vorbereitung.

  • Sendetermin: „Tanzparkett extra“, Sonntag, 27. August 2017, 17 - 18 Uhr
  • Wiederholung: Montag, 28. August, 9 Uhr

 

"Let´s go to the Hop" - Doo Wop aus den 50ern, Teil 2

Mit oben genanntem Hit von Danny & The Juniors beginnt der Lonesome Traveler diese Folge, einer ABC/Paramount-Single von Dezember 1957, die es damals bis auf Platz 1 der amerikanischen Pop- und zugleich Rhythm & Blues-Charts geschafft hatte - ein echter Ohrwurm! Die große Zeit von Rockabilly und dem "echten" Rock & Roll ging gegen Ende der 1950er so allmählich vorüber. Gleichzeitig wurde die Doo Wop-Music bei den Kids immer populärer, eine Stilrichtung, die erstmals schwarze und weiße Künstler und schwarzes und weißes Publikum zusammengebracht hat. Etliche schwarze Doo Wop-Gruppen waren übrigens schon lange vor dem vor nunmehr 40 Jahren verstorbenen "King" Elvis da. Die gut tanzbare Musik hatte wahrlich zündende Wirkung.
Für ein kurzes Stündchen lebt in dieser Sendung eine Rock & Roll-Dekade akustisch wieder auf. Mehrstimmige Satzgesänge (Boy & Girl Groups), großartige Instrumentalparts, unvergessene KünstlerInnen und sogenannte Eintagsfliegen, schräge Texte plus Nonsens-Silben - zur Literatur ganzer Generationen erhoben. Doo Wop-Klassiker eben. Mit dabei sind diesmal: The Tokens, The Shirelles, Bobby Vee, Maurice Williams & The Zodiacs u.v.a.

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 27. August 2017, 19 Uhr

 

Neues vom Musiktaxi

In der Sendung gibts ein XXL-Interview mit Saltatio Mortis. Wir reden darüber, warum sich die ganze Band darum streitet, wer Sänger Alea fürs Video eine Flasche über den Schädel ziehen darf, das eine Partei aus dem rechten Spektrum den Song "Wachstum über alles" ungefragt für den Wahlkampf verwendet hat - und übers Essen.

  • Sendetermin: „Musiktaxi“, Montag, 28. August 2017, 17 Uhr

 

 

Joker Smile aus Neuruppin


In der September-Ausgabe von frei² wird die Neuruppiner Band Joker Smile vorgestellt. Während diese mehr Richtung Alternative Punk geht, war die Vorgängerband Casket Kidz mit düstererem Horrorpunk unterwegs. Musik beider Bands wird es zu hören und wir haben die Musiker interviewt.

  • Sendetermin: „Frei hoch zwei“, Dienstag, 29. August 2017, 19 Uhr

 

In Töne gekleidet - Lieder über die Mode

"Der Rock ist ein Gebrauchswert, der ein besonderes Bedürfnis befriedigt. Um ihn hervorzubringen, bedarf es einer bestimmten Art produktiver Tätigkeit. Sie ist bestimmt durch ihren Zweck, Operationsweise, Gegenstand, Mittel und Resultat”, schrieb Karl Marx vor 150 Jahren im »Kapital«.
In dieser Sendung geht es aber nicht nur um den Rock - nein, es geht auch um Kleider, Hosen, Schuhe und vieles mehr. Gaby Vallentin aus Leipzig navigiert die geneigte Hörerschaft musikalisch sehr vielfältig durch alle Fallstricke und Tücken der Mode.

  • Sendetermin: „Liederleute“, Dienstag, 29. August 2017, 20 Uhr

 

Henry Hall und das BBC-Tanzorchester, Folge  (1934-1936)

Von 1928 bis 1932 wurde das Tanzorchester des Britischen Rundfunks, der British Broadcasting Corporation, kurz BBC, von dem Pianisten Jack Payne geleitet. Dieser Formation haben wir inzwischen sieben Folgen „Tanzparkett“ gewidmet, eine achte und letzte soll folgen.
Da wird es Zeit, sich zwischendurch mit Paynes Nachfolger zu befassen, einem Kapellmeister, der es, wie Payne auch schon, nicht nur in England zu Ruhm und Ehren brachte, sondern durch die Rundfunkübertragungen und durch zahlreiche Plattenaufnahmen in ganz Europa und darüber hinaus.
Der Mann, um den es geht, hieß Henry Hall (02.5.1898, Packham/ London - 28.10.1989 Eastbourne/ Sussex).
Mit dem Anfang 1932 angetretenen Engagement bei der BBC übernahm die bisherige Kapelle des Hotels Gleneagles auch den daran gekoppelten Exklusivvertrag mit der Columbia Graphophone Co., die für ihre Platten ein weltweites Vertriebsnetz besaß.
Gute Voraussetzungen für eine steile Karriere des Orchesters, die auch folgen sollte, nachdem sie bis dahin eher dahingedümpelt war. Henry Hall hatte sich nach seinem Wehrdienst offenbar mehr schlecht als recht als Kapellmeister verschiedener Orchester einer Bahn-Hotelkette durchgeschlagen. Das Engagement im schottischen Hotel Gleneagles, für das er mit seinem Orchester Rundfunkwerbung treiben sollte - die Band nahm für die damals noch neue unabhängige Decca-Schallplatte auf - führte schließlich zu seiner Entdeckung durch die BBC.
Am 02. März 1932 wurde nach ersten Tests und einer Vier-Schlager-Platte die erste reguläre Industrieplatte eingespielt.
Im Gegensatz zu seinem Vorgänger Payne, aus dessen Kapelle später mehrere englische Bandleader hervorgehen sollten, wies Halls Personal keine derartigen Kräfte auf. Gleichwohl lieferte es solide, gefällig und sehr tanzbar arrangierte, handwerklich saubere Tanzmusik mit vereinzelten Hotambitionen - allerdings deutlich weniger als bei Payne.
Dies entsprach durchaus dem Zeitgeschmack, nicht nur in England, und so wurde die Kapelle auch im Ausland gerne gehört und wohl vor allem nach ihrem Ausscheiden als Rundfunktanzorchester für Tourneen und Einzelauftritte gebucht. Sogar in Berlin spielte das Orchester - nach Lange [1] von Januar bis Februar 1939 in der „Scala“ als Ersatz für das ebenfalls englische Jack-Hylton-Orchester, zur Freude der Kritik, die die Kapelle gnädig beurteilte - und zum Gram der deutschen Hotfans , denn Hyltons Band war erheblich stärker jazzorientiert. Auch der alte Jazzfan Lange läßt kaum ein gutes Haar an der Kapelle: „So steif, wie Henry Hall als Persönlichkeit war, spielte seine Band und sang seine hübsche Sängerin Molly Morelle: ein Tanzorchester von Format, mehr nicht.“ [1] Nach andern Angaben gab es auch schon im Jahre 1938 Auftritte in Berlin, bei denen die englische Presse monierte, daß man auf Darbietungen von Schlagern jüdischer Komponisten verzichtet habe, obwohl diese noch nicht verboten gewesen seien.
Selbst in der Sowjetunion wurden Platten von Henry Hall herausgebracht, um den Anfang der 30er auch dort vorhandenen Hunger nach moderner westlicher Tanzmusik zu stillen - als „Schwarzkopien“, d.h. Pressungen unautorisierter, aber technisch hervorragender Umschnitte, welche die sowjetische Plattenindustrie in dieser Zeit auch von etlichen deutschen Aufnahmen anfertigte. Der Redaktion liegt z.B. ein solcher Umschnitt des in der Sendung gebrachten Titels „Oh, Johanna“ vor.
Bei der BBC, bei der er seine Truppe auch das erste reguläre englische Fernsehorchester darstellte, blieb Henry Hall bis 1937, um dann - wie schon sein Vorgänger Jack Payne - mit dem gesamten Personal dem Rundfunk den Rücken zu kehren. Nun unternahm er auf eigene Rechnung Tourneen, wie schon erwähnt, auch nach Deutschland.
Im Kriege spielte die Kapelle zur Truppenbetreuung vor alliierten Soldaten.
Hall kehrte schließlich als Gastgeber einer Radio- und späteren Fernsehsendung („Henry Hall’s Guest Night“) zur BBC zurück, wo er auch die Moderation der Sendereihe „Face The Music“ übernahm.
Er verfaßte in der Nachkriegszeit seine Autobiographie.
Am 28.10.1989 starb er in Eastbourne im Alter von 91 Jahren.

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 30. August 2017, 21 - 22 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 31. August 2017, 13 Uhr

 

 

Programminfos vom 16.08.2017 bis 23.08.2017

Henry Hall und das BBC-Tanzorchester, Folge 1 (1932-1933)

Von 1928 bis 1932 wurde das Tanzorchester des Britischen Rundfunks, der British Broadcasting Corporation, kurz BBC, von dem Pianisten Jack Payne geleitet. Dieser Formation haben wir inzwischen sieben Folgen „Tanzparkett“ gewidmet, eine achte und letzte soll folgen.
Da wird es Zeit, sich zwischendurch mit Paynes Nachfolger zu befassen, einem Kapellmeister, der es, wie Payne auch schon, nicht nur in England zu Ruhm und Ehren brachte, sondern durch die Rundfunkübertragungen und durch zahlreiche Plattenaufnahmen in ganz Europa und darüber hinaus.
Der Mann, um den es geht, hieß Henry Hall (02.5.1898, Packham/ London - 28.10.1989 Eastbourne/ Sussex).
Mit dem Anfang 1932 angetretenen Engagement bei der BBC übernahm die bisherige Kapelle des Hotels Gleneagles auch den daran gekoppelten Exklusivvertrag mit der Columbia Graphophone Co., die für ihre Platten ein weltweites Vertriebsnetz besaß.
Gute Voraussetzungen für eine steile Karriere des Orchesters, die auch folgen sollte, nachdem sie bis dahin eher dahingedümpelt war. Henry Hall hatte sich nach seinem Wehrdienst offenbar mehr schlecht als recht als Kapellmeister verschiedener Orchester einer Bahn-Hotelkette durchgeschlagen. Das Engagement im schottischen Hotel Gleneagles, für das er mit seinem Orchester Rundfunkwerbung treiben sollte - die Band nahm für die damals noch neue unabhängige Decca-Schallplatte auf - führte schließlich zu seiner Entdeckung durch die BBC.
Am 02. März 1932 wurde nach ersten Tests und einer Vier-Schlager-Platte die erste reguläre Industrieplatte eingespielt.
Im Gegensatz zu seinem Vorgänger Payne, aus dessen Kapelle später mehrere englische Bandleader hervorgehen sollten, wies Halls Personal keine derartigen Kräfte auf. Gleichwohl lieferte es solide, gefällig und sehr tanzbar arrangierte, handwerklich saubere Tanzmusik mit vereinzelten Hotambitionen - allerdings deutlich weniger als bei Payne.
Dies entsprach durchaus dem Zeitgeschmack, nicht nur in England, und so wurde die Kapelle auch im Ausland gerne gehört und wohl vor allem nach ihrem Ausscheiden als Rundfunktanzorchester für Tourneen und Einzelauftritte gebucht. Sogar in Berlin spielte das Orchester - nach Lange [1] von Januar bis Februar 1939 in der „Scala“ als Ersatz für das ebenfalls englische Jack-Hylton-Orchester, zur Freude der Kritik, die die Kapelle gnädig beurteilte - und zum Gram der deutschen Hotfans , denn Hyltons Band war erheblich stärker jazzorientiert. Auch der alte Jazzfan Lange läßt kaum ein gutes Haar an der Kapelle: „So steif, wie Henry Hall als Persönlichkeit war, spielte seine Band und sang seine hübsche Sängerin Molly Morelle: ein Tanzorchester von Format, mehr nicht.“ [1] Nach andern Angaben gab es auch schon im Jahre 1938 Auftritte in Berlin, bei denen die englische Presse monierte, daß man auf Darbietungen von Schlagern jüdischer Komponisten verzichtet habe, obwohl diese noch nicht verboten gewesen seien.
Selbst in der Sowjetunion wurden Platten von Henry Hall herausgebracht, um den Anfang der 30er auch dort vorhandenen Hunger nach moderner westlicher Tanzmusik zu stillen - als „Schwarzkopien“, d.h. Pressungen unautorisierter, aber technisch hervorragender Umschnitte, welche die sowjetische Plattenindustrie in dieser Zeit auch von etlichen deutschen Aufnahmen anfertigte. Der Redaktion liegt z.B. ein solcher Umschnitt des in der Sendung gebrachten Titels „Oh, Johanna“ vor.
Bei der BBC, bei der er seine Truppe auch das erste reguläre englische Fernsehorchester darstellte, blieb Henry Hall bis 1937, um dann - wie schon sein Vorgänger Jack Payne - mit dem gesamten Personal dem Rundfunk den Rücken zu kehren. Nun unternahm er auf eigene Rechnung Tourneen, wie schon erwähnt, auch nach Deutschland.
Im Kriege spielte die Kapelle zur Truppenbetreuung vor alliierten Soldaten.
Hall kehrte schließlich als Gastgeber einer Radio- und späteren Fernsehsendung („Henry Hall’s Guest Night“) zur BBC zurück, wo er auch die Moderation der Sendereihe „Face The Music“ übernahm.
Er verfaßte in der Nachkriegszeit seine Autobiographie.
Am 28.10.1989 starb er in Eastbourne im Alter von 91 Jahren.

Besetzung (Stand Januar ’33, kleine Abweichungen in früheren/ späteren Sitzungen möglich) [2]:

Henry Hall (ld, arr), Frank Wilson, Arthur Williams (tp), Bill Mulraney, Eric Tann (tb), Burton Gillis (cl, as, voc, arr), Freddie Williams (cl, as), Eddie Cromar (cl, as, bars), Jack Halsall (cl, ts), Joseph Hitchenor, Cyril Hellier (vn), Jack Phillips (p), George Dickinson (g), Theo Farrar (bb, sb), Len Bermon (dr) .

Angezogene Literatur:
[1] Lange, Horst H.: Jazz in Deutschland, Colloquium-Verlag, Berlin 1966, S. 93
[2] Rust, Brian & Forbes, Sandy: British Dance Bands On Record 1911 to 1945, General Gramophone Publications Ltd., 1987

Sämtliche Platten in dieser Sendung sind in London aufgenommen und auf Columbia (Co) erschienen. Nach Titel und Komponistenangabe folgt in spitzen Klammern die Matrizennummer, nach dem Aufnahmedatum die Bestellnummer.

Eine weitere Sendung mit späteren Aufnahmen können Sie in zwei Wochen hören.

Note to English-speaking listeners:
All titles contained in this edition were recorded in London and appeared on the Columbia label (Co). After title and credits matrix No. in acute brackets, order No. follows recording date (German scheme DD.MM.YY).
In a fortnight, you may hear a second edition covering later records.

Sänger/ vocalists (voc): LA - Les Allen, VR - Val Rosing, ? - unbekannt/ unknown, weitere Sänger ausgeschrieben/ names of further vocalists given in full text.

Wir bringen/ This broadcast will contain:

Songs That Are Old Live Forever (Warick - Wallace) <CA 12466>
VR voc 02.3.32 Co CB 430

Hush, Hush, Hush, Here Comes The Bogey Man (Lowton - Benson) <CA 13048-1>
Teddy Bears‘ Picnic (Kennedy - Bratton) <CA 13051-1>
VR voc 28.9.32 Co F.B. 2816

Dreaming (Bud Flanagan) <CA 13212-2>
Chesney Allen, Bud Flanagan voc 04.11.32 Co CB 539

Lying In The Hay (Robert - Pepper/ Mireille) <CA 13249-1>
LA, 2x ? voc 19.11.32 Co CB 539

Wanderer (Bud Flanagan) <CA 13255-1>
Chesney Allen, Bud Flanagan voc 26.11.32 Co DM 1681

Always In My Heart (Turk - Coots) <CA 13256-1>
LA voc 26.11.32 Co DM.1681

Just An Echo In The Valley (Woods - Campbell - Connelly) <CA 13295-1>
LA voc 20.12.32 Co CB 544

Put A Little Springtime In The Winter Of Their Lives (Flanagan - T. Knox) <CA 13495-1>
LA voc 14.3.33 Co DV 1059

Sweep (Furber - Ellis) <CA 13710-1>
You Don’t Understand (Furber - Ellis) <13711-1>
LA voc 14.6.33 Co DW 4172

Oh, Johanna (Lawrance) <CA 13799-1>
LA, 2x ? voc 15.7.33 Co DM.1799

Everybody Loves My Marguerite (Woods - Campbell - Connelly) <CA 13800-1>
LA voc 15.7.33 Co DM.1799

The Wedding Of Mickey Mouse (Pola - Vienna) <CA 13952-1>
LA voc; LA, Burton Gillis, Phyllis Robins talking 25.9.33 Co DM.1823

It’s The Talk Of The Town (Symes - Neiburg - Lewinson) <CA 13953-1>
Phyllis Robins voc 25.9.33 Co DM.1823

Who’s Afraid Of The Big Bad Wolf? (Curchill - Ronelli) <CA 14060-1>
(Tonfilm: Drei kleine Schweinchen)
LA, ? voc 16.10.33 Co DM.1814

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 16. August 2017, 21 - 22 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 17. August 2017, 13 Uhr

 

Verloren im Netz?

Die Ausstellung der caricatura 7 »Systemfehler« wird flankiert von einer Gesprächsreihe, in der Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Journalismus und Kultur aufeinandertreffen. Der extra 3-Redakteur Jesko Friedrich und der Medienjournalist Stefan Niggemeier diskutierten über die Unterscheidung von Fake News und Satire im Netz. Jesko Friedrich ist vor allem durch seine Rolle des »Johannes Schlüter« in der NDR-Satire-Show »extra 3« einem großen Publikum bekannt. Stefan Niggemeier gründete 2004 »BILDblog.de« und betreibt seit 2016 den Blog »Übermedien.de«. Die Moderation der Veranstaltung, die in der Weinkirche stattfand, übernahm der Autor und Kunstkritiker Rudolf Schmitz.
Außerdem in der Sendung: Gespräch mit Susanne Holbein, unabhängige Kasseler Direktkandidatin für die Bundestagswahl.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 18. August 2017, 18 Uhr

 

Zum Tod von Glen Campbell

Und wieder gilt es, im Rahmen der „Country Classics“ eines legendären Künstlers zu gedenken. Allerdings: Ob man bei Glen Campbell tatsächlich von einem Country-Interpreten sprechen kann – darüber ließe sich lange streiten. Bekannt wurde er Ende der 60er Jahre mit großorchestralen Edel-Pop-Songs wie „By The Time I Get To Phoenix“, „Wichita Lineman“ oder „Galveston“, allesamt aus der Feder des höchst talentierten Songschreibers Jimmy Webb. Von „Country“ im eigentlichen Sinne konnte damals sicherlich noch keine Rede sein – aber im Lauf der 70er Jahre näherte sich Glen Campbell dem Genre immer weiter an, und Welthits wie „Rhinestone Cowboy“ oder „Sunflower“ lassen sich zumindest unter „Country-Pop“ einsortieren. Wir würdigen den speziell in Amerika extrem populären Sänger, Gitarristen und Entertainer, der kürzlich mit 81 Jahren starb, in einer Sonderausgabe der „Country Classics“.

  • Sendetermin: „Country Classics“, Samstag, 19. August 2017, 18 Uhr

 

"Peace In The Valley" - Zum 40. Todestag von Elvis Presley

"Elvis lebt" - so titelt die deutsche Ausgabe der Musikzeitschrift ROLLING STONE in diesem Monat. Ein toller 70er Jahre-Schnappschuss des "King" ziert die Titelseite. Sie erinnern an den tragischen Tod von Elvis vor vierzig Jahren - und genau das tut auch Moderator Wolf Silaff in dieser Ausgabe der Langen Rille. Mit dabei werden die frühen RCA-Alben von 1956 bis 1958 sein, außerdem Klassiker aus der SUN-Phase. Dort hatte Elvis den musikalischen Grundstein zu seiner unglaublichen Karriere gelegt. Der Labelchef Sam Philipps war damals naiv genug, den jungen Künstler für schlappe 35.000 Dollar an das Major Label zu verhökern.
Das Ende des Rock & Roll war damit eingeläutet - danach eröffnete uns, quasi "ferngesteuert" durch seinen schlitzohrigen Manager Parker, der Publikumsliebling eine universelle Pop-Galaxie. Diese existiert immer noch und erweitert sich permanent. Elvis´ Todestag läßt nicht nur dem Moderator mannigfache Erinnerungen an den 16. August 1977 hochkommen. In der Dreistundensendung wird auch nochmal an die musikalische Vorgeschichte des "King of Rock & Roll" erinnert. Eines der Zauberwörter dazu ist sicherlich die Gospelmusik, mit der ein religiös erzogener Countryboy Elvis Aaron in der Südstaaten-heimischen Community musikalisch sozialisiert und großgeworden ist.
Zitat aus der genannten Titelstory:  Elvis - eines der reichsten, wundersamsten musikalischen Lebenswerke, die die Popkultur überhaupt hervorgebracht hat. John Lennon hat den berühmten Satz gesagt: "Before Elvis, there was nothing!" In gewisser Weise muss man sagen:  He did it all!

  • Sendetermin: „Die Lange Rille“, Samstag, 19. August 2017, 21 Uhr

 

Steve Earle: "Terraplane"

Irgendwie hatte der Mann dann, grad so wie sein früherer Kumpel Townes Van Zandt, "die Faxen echt dicke ...". Nach all seinen genial-schrägen musikalischen Gehversuchen, diversen Nervenzusammenbrüchen, einem halben Dutzend Scheidungen und mindestens ebensovielen verkorksten Ehen, hat er es dann deutlich gespürt - er hat den Blues. Und den ganz großen Weltschmerz außerdem. "Hell, everybody´s sick of all my f---ing happy songs anyway.", so Steve Earle in den Liner Notes zu seinem vorletzten Album "Terraplane" (2015), das in dieser Folge zu hören sein wird. Treu geblieben ist er sich trotz alledem. Ein echter musikalischer "Outlaw" - grad so wie Waylon Jennings seinerzeit; und auch wie Billy Joe Shaver und Jerry Jeff Walker. Er macht halt einfach "sein Ding" - diesmal in ruppigen Blues-Akkorden. Der Vorgänger der soeben erschienenen Neuproduktion "So You Wanna Be An Outlaw" ist ein echtes Blues-Album. 

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 20. August, 19 Uhr

 

Tanzmusik und Jazz aus Skandinavien, Folge 1/2017

Dieses Jahr gibt es im „Tanzparkett“ einen kleinen Schwerpunkt mit skandinavischen Platten überhaupt und schwedischen im besonderen.
Die ausgeprägte Musikalität, die von jeher auch in der Folklore zum Ausdruck kommt, prädestinierte die nordischen Länder zum Aufbau einer vielseitigen Jazz- und Tanzmusikszene, die heute ihrerseits schon längst zur dortigen musikalischen Tradition gehört.
Wir wiederholen am Sonntag im „Tanzparkett extra“ die Sendung, mit der wir am 26. April die Skandinavienreihe 2017 eröffneten.
Weitere Sendungen zum Thema Skandinavien befinden sich in Vorbereitung.

  • Sendetermin: „Tanzparkett extra“, Sonntag, 20. August 2017, 17 - 18 Uhr
  • Wiederholung: Montag, 21. August 2017, 9 Uhr

 

Handmade-Sonderausgabe zu Pete Lincoln

Pete Lincoln – Sänger und Komponist aus England – ist seit 2006 der aktuelle Sänger der Rocklegende The Sweet. Aber auch solo ist er erfolgreich unterwegs, und er hat bereits mit unzähligen namhaften Künstlern Studio und Bühne geteilt. Vor seiner Zeit bei The Sweet war Pete von 1996 bis 2006 Sänger bei Sailor. Ansonsten hat er im Laufe seiner Karriere als Gitarrist und Sänger mit namhaften Künstlern wie z.B. Sir Cliff Richard, Tina Turner, Shakin' Stevens oder Dannii Minogue zusammengearbeitet.
Aus der Zeit bei Cliff Richard entstand eine gute Freundschaft mit zwei Musiker-Kollegen, mit denen Pete nun ein neues Projekt namens „Frontm3n“ an den Start gebracht hat. Die Band besteht aus ihm, Peter Howarth (aktueller Sänger der Hollies) und Mick Wilson (aktueller Sänger von 10 CC). Die drei bringen zusammen einzigartige Akustikversionen der Hits von The Sweet, den Hollies und 10 CC und noch vieles mehr auf die Bühne.
Auch solo hat Pete einiges zu bieten, denn da hat er nach „Under Cover“ und „Soul Searching“ im letzten Jahr sein drittes eigenes Album „Heartbeat“ herausgebracht.
In Handmade bringen wir euch daher einen einstündigen Querschnitt durch Petes verschiedene musikalische Projekte von Sailor über The Sweet über Frontm3n sowie seine Solo-Titel.
Vor der Sonderausgabe von Handmade über diesen tollen Künstler wiederholen wir darüber hinaus ab 19 Uhr noch eine Stunde unseres ersten Specials über Pete Lincoln aus 2011 inklusive Interview in den „Handmade Classics“, moderiert von Cap K.

  • Sendetermine: „Handmade Classics“, Mittwoch, 23. August 2017, 19 Uhr
  • „Handmade“, Mittwoch, 23. August 2017, 20 Uhr

Programminfos vom 11.08.2017 bis 17.08.2017

Preserving Memories

Begleitend zur documenta 14 in Kassel findet das Projekt „Preserving Memories - Bewahrung der Erinnerungen“ statt.
Gezeigt wird die Ausstellung „Europäischer Widerstand gegen den Nazismus 1922-1945" über den antifaschistischen Widerstand in verschiedenen Ländern Europas. Beteiligt an der Ausstellung waren das nationale belgische Institut der Veteranen und Opfer des Krieges (IV-INIG) und die Internationale Föderation der Widerstandskämpfer (FIR) - Bund der Antifaschisten. Unterstützung leisteten das nationale Widerstandsmuseum (Belgien), ONAC (Frankreich), ANPI (Italien), NIOD (Niederlande), das Nationalarchiv des Großherzogtums Luxemburg sowie Veteranenverbänden aus verschiedenen Ländern. Verbunden mit der Ausstellung sind Gespräche mit Zeitzeugen der antifaschistischen Bewegung aus Deutschland, Italien und Russland, aus der Tschechischen Republik und den Niederlanden.
Lesungen aus Erinnerungsberichten, die zeigen, wie Widerstand entstanden ist, aus Empörung und Ablehnung politischer und rassischer Verfolgung, Verteidigung der nationalen Unabhängigkeit, Eintreten für religiöse oder politische Überzeugung sowie als Solidarität mit Verfolgten, ergänzen das Programm. Die Ausstellung ist noch bis Mitte September in der VHS zu sehen.
Das FRK zeichnet die Begleitveranstaltungen auf und wird sie in den nächsten Wochen ausstrahlen. Heute hören wir Auszüge aus den Memoiren des Kasseler Widerstandskämpfers Peter Gingold, gelesen von Ulrich Schneider und Silvia Gingold.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 11. August 2017, 18 Uhr

 

Von der Anstalt auf die Bühne

Inzwischen gehört er zu den Megastars des deutschen Kabaretts: Spätestens seit er als Direktor und Chefarzt der „Anstalt“ gemeinsam mit seinem Lieblingspatienten Georg Schramm, später dann mit dem „Kommunikationsbeauftragten“ Frank Markus Barwasser monatlich im ZDF den politischen Zustand der Republik sezierte, ist er in die erste Liga des Entertainment aufgestiegen – und auch sein Rückzug aus der Anstalt tat seiner Popularität keinen Abbruch.
Urban Priol füllt bei seinen Auftritten inzwischen die größten Hallen – auch in Nordhessen: Seine Vorstellung in Vellmar war Monate im voraus ausverkauft. Und das Publikum bekommt wirklich etwas geboten: Drei Stunden läßt Urban Priol ein wahres Gag-Feuerwerk los, die politische „Elite“ wird gnadenlos aufs Korn genommen, die Zuschauer haben kaum Gelegenheit zum Luftholen. Urban Priol live ist ein Erlebnis der ganz besonderen Art, und wir sind guter Hoffnung, daß er uns Nordhessen auch weiterhin regelmäßig mit seinen Auftritten beglücken wird!

  • Sendetermin: „Kabarett live“, Freitag, 11. August 2017, 22 Uhr

 

"Divided we´re through" - Erinnerung an Waylon Jennings

Waylon Arnold Jennings (* 15. Juni 1937 in Littlefield/Texas) war ein US-amerikanischer Countrysänger und -musiker. Er war neben Willie Nelson der erfolgreichste Sänger der sogenannten Outlaw-Bewegung - und wäre in diesem Sommer 80 geworden. Sein Nickname war Waymore. Waylon stammte aus eher ärmlichen Verhältnissen, war "auf dem Lande" großgeworden und hat wahrhaftig noch auf den Baumwollfeldern malocht, war also ein echter Countryboy. Seine Mutter Lorena Bea hatte ihm das Gitarrenspiel beigebracht.
1954 folgte der Umzug nach Lubbock/TX und der Einstieg als Baßmann in die Band des legendären Buddy Holly. Eine wahrhaft tragische Begegnung ("The Day The Music Died" / Februar 1959) - und zugleich der Beginn des Aufstiegs von Waylon Jennings zu einem der ganz großen "Outlaws" ab den 1970er Jahren. Über den Umweg Nashville und die Begegnung mit dem unvergessenen Profi Chet Atkins würde Waylon mit seiner Band The Waylors die Country- und Rockszene gewaltig aufmischen.
Seine Forderungen nach eigenen Produktionsbedingungen und Freiheit im Umgang mit seinem favorisierten Musikmaterial konnte er glücklicherweise durchsetzen. Die Freundschaft zu ebenfalls eigensinnigen Kollegen wie Willie Nelson, Johnny Cash, Billy Joe Shaver und Jerry Jeff Walker setzte sie allesamt auf eine ganz neue, spannende Musikschiene. Nicht lange brauchte es, bis auch der legendäre Kris Kristofferson dazu zählte. Als "Highwaymen" schrieben sie ein neues Kapitel Musikgeschichte - echte Neuzeit-Troubadoure.
Waylon Jennings, der mit der fantastischen Sängerin Jessi Colter verheiratet war, veröffentlichte ab den 70er Jahren reihenweise Klassiker-Alben im Genre "Outlaw Music", auf denen Country und Rock aufs Allerfeinste miteinander verbunden waren. Damit erreichte er ein riesiges Publikum. "Stubborn Rednecks" und "Freaky Hippies" gleichermaßen empfinden sich seitdem weltweit wie in einer mentalen Community vereint.
"I ain´t living long like this" (Rodney Crowell). Leider kam es für Waylon dann genauso - Drogenprobleme, Ups and Downs, Krankheiten. Gesundheitliche Probleme zwangen Jennings 1997 zur Aufgabe seiner Tourneen. Im Jahre 2001 mußte ihm infolge von Diabetes ein Fuß amputiert werden. Im selben Jahr wurde er in die Country Music Hall of Fame aufgenommen. Waylon Jennings starb am 13. Februar 2002 im Alter von 64 Jahren in seinem Haus in Chandler, Arizona. Farewell, Waylon Jennings - and thank you.

  • Sendetermin: „Die Lange Rille“, Samstag, 12. August 2017, 21 Uhr

 

Jazz und Tanzmusik aus dem Reich des roten Zaren

Die Sowjetunion der Stalin-Ära ist sicher kein Land, das man als Außenstehender auf den ersten Blick mit dem Jazz in Verbindung bringt.
Noch bis nach dem zweiten Weltkrieg gab es keine einzige Fabrik, die Saxophone fertigte. Altbestände und Schwarzimporte mußten herhalten - schon letzteres war nicht ganz ungefährlich
Einflußreiche Persönlichkeiten wie der Nationaldichter Maxim Gorki verdammten den Jazz als unsowjetisch, als für den neuen Menschentyp des klassenbewußten Sowjetarbeiters unpassende „Musik für die Dicken“, die „ein kupfernes Schwein grunzt“, wie es in einer beißenden Polemik gegen den Jazz aus den 20er Jahren hieß.
Von den Launen des Diktators Stalin ganz zu schweigen ... Der duldete mal den Jazz mehr oder minder, ließ mal sämtliche Zügel fallen (zumal in der Zeit des Kriegsbündnisses mit den USA) und förderte ihn gar, um ihn dann in echt sowjetbürokratischer Wetterwendischkeit wieder samt den ausführenden Künstlern als Auswuchs kapitalistisch-imperialistischer Gesinnung zu brandmarken und die spärlich vorhandenen Notenblätter zu Fahrscheinen in den Gulag umzuwidmen.
Solche Achterbahnfahrten waren keine sonderlich guten Voraussetzungen für Jazzer - es brauchte einigen Mut, wollte man sich dieser Musikrichtung widmen.
Und doch: Es hat in Stalins Sowjetunion Jazz und jazzbeeinflußte Tanzmusik gegeben - auch auf Schallplatte.
So wurden zeitweise auch Umschnitte ausländischer, zumal englischer, aber auch deutscher Tanzplatten gepreßt und in den Handel gebracht (in dieser Sendung nicht enthalten), die den sowjetischen Künstlern als Vorbilder für ihr eigenes Schaffen dienen konnten. Auch westliche, „moderne“ Notenblätter und Arrangements wurden von einer eigens geschaffenen Kommission ins Land geholt. Schließlich brachte, wie schon angeführt, der offiziell geförderte Kontakt zum Bündnispartner USA im Kriege neue Impulse.
Eine Auswahl sowjetischer Aufnahmen des ungefähren Zeitraums von 1934 bis 1948 (genaue Angaben zu den Aufnahmedaten sind leider nicht immer möglich) hören Sie in dieser Sendung.
Diese Platten belegen, daß es in Moskau oder Leningrad weder an Begeisterung noch an Talent für die neue amerikanische Musik fehlte.
Viel gibt es wohl auf diesem Gebiete noch zu erkunden und zu entdecken ...

Durchs Programm führt Peter Michael.

Wir bringen:

Alexander-Warlamow-Jazzband
Dixie Lee <6243-1>
Na Karnawale (She's A Latin From Manhattan) <6424-4> SSSR G-0431/ 0432
Leningrad, 21.01.38

Alexander Tsfasman und sein Orchester
Neudatschnoje swidanja (Unglückliches Rendezvous)<5924-2> USSR G-0137
Moskau, 11.10.37
Wesolji wjätscher (Fröhlicher Abend) <13863> USSR G-410
vermutl. Moskau, ca. 1944

Alexander-Warlamow-Jazzband
Sweet Sue <6408-2> Taschkentskiji Sawod G-0430
Leningrad, 21.01.38

Viktor Knuschewitzki und sein Orchester
Ukrotitel smeji (The Snake Charmer) (Powell) <8913-2> USSR G-2362 Daten?

Alexander Tsfasman und sein Orchester
Bistriji tanetz (Schneller Tanz) (auch veröffentlicht als Swuki dschasa [Jazzklänge]) <6376-4> Rischskiji Sawod G-0386
Moskau, 08.01.38

Orch. Adi Rosner, Gesangstrio
1001 takt w ritme (1001 Takt im Rhythmus) (Rosner - Markewitsch) <13142-6> USSR G-1446
Moskau, 1945/ 46

Orch. Jakow Borissowitsch Skomorowski
Moja krasawitza (Bei mir bist du schön) (Secunda) <10115-3> USSR G-87
Blues (Ferkelmann) <10112-6> USSR G-88 Moskau, 31.01.40

Alexander Tsfasman und sein Orchester
Gesang Iwan Schmelew
Ti moja (Little Girl) (Henry) <13564-3> USSR G-190
Gesang Rushena Sikora
Swjesdniji swjät (Sternenwelt) (Slanow - Sharow) <13563-3> SSSR G-190 Daten?

Leonid Utjessow, Gesang Edith Utjessowa
Posmotri, posmotri! (Schau, schau!) (Sharkowski - Winnikow, Arr. G. Using) <9150-4> SSSR G-2636
Moskau, 05.6.39

Alexander Tsfasman und sein Orchester
Kaskad /Waterfall (Wasserfall) (Tsfasman) <14215-3> USSR G-684
Intermezzo (Tsfasman) <14214-6> USSR G-683 Daten?

Orch. Jakow Borissowitsch Skomorowski
I Saw Stars (Ja widjel swiesdi) <5761-1>
Shadows In The Moonlight (Lunnije teni) <5762-1> USSR LG-1476 27.6.37, Ort? evtl. Leningrad

Estradenorchester Ferdinand Krisch
Bimbambulla (May) <G309-1> USSR G-0325 Moskau? 1937/38

  • Sendetermin: „Tanzparkett extra“, Sonntag, 13. August 2017, 17 - 18 Uhr
  • Wiederholung: Montag, 14. August 2017, 9 Uhr

 

Steve Earle - "So You Wannabe An Outlaw"

Back to the roots - so könnte man das Thema der heutigen Sendung umschreiben. "So You Wannabe An Outlaw" heißt das neue Album von Steve Earle, das im Juli erschienen ist. Unterstützt wird der US-amerikanische Alternative-Country-Sänger darauf wieder von seiner langjährigen Band The Dukes, bestehend aus Gitarrist Chris Masterson, dem Geiger Eleanor Whitmore, Bassist Kelly Looney sowie den neuen Mitgliedern, Schlagzeuger Brad Pemberton und Pedal-Steel-Gitarrist Ricky Ray Jackson (der kann´s).
Wohlgemerkt: der Lonesome Traveler macht auch hier keine Ausnahme in Hinblick auf seine bereits getätigten Aussagen, keinerlei aktuelle Country Music aus Nashville Music City USA mehr in seinen Programmen zu spielen, solange Mr. Trump da drüben herumspukt. Steve Earle spielt in einer anderen Liga. He is the Outlaw guy. Love it or leave it.
Für die Aufnahmen zum neuen Album verschlug es Steve Earle & The Dukes zum ersten Mal nach Texas, genauer genommen in die Arlyn Studios in Austin. Er selbst stammt ja bekanntlich aus Virginia. Um die Produktion kümmerte sich Richard Bennett. Als weitere Gäste begrüßte Earle außerdem ein paar hochkarätige Kollegen im Studio: Willie Nelson (sic), Johnny Bush und Miranda Lambert sind in jeweils einem Song von »So You Wannabe An Outlaw« zu hören.
Ein gutes Dutzend Songs, mit denen der Musiker zu seinen musikalischen Wurzeln und rauen Outlaw-Country-Tagen zurückkehrt. Unbedingt hörenswert. Sogenannte Musikfachkritiker :  "Wo die ganze Alternative Country-Szene langsam etwas zahnlos wird, hat das alte Raubein Earle umso mehr Platz für seinen derben Squaredance." (stereoplay, August 2017)

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 13. August 2017, 19 Uhr

 

Tschou zäme, es isch schön gsy! - Zum Tod von Polo Hofer

The Jetmen, The Pop Tales, Rumpelstilz, SchmetterDing, Schmetterband - über ein Viertel Jahrhundert Schweizer Musik- und Kulturgeschichte. Vor allem ein Name verbindet diese Bands: Polo Hofer - Sänger, Entertainer, Schlagzeuger, Perkussionist, Maler, Dichter, Veranstalter, Schauspieler...  Am 22. Juli ist der Erfinder des Mundartrock gestorben. In unserer Spezial-Ausgabe blicken wir zurück auf Leben und Werk des Musikers, der über fünf Jahrzehnte auf den Schweizer Bühnen unterwegs war. Am Mikrofon: Trudi Kindl

  • Sendetermine: „Kreuzweise extra“, Dienstag, 15. August 2017, 20.00 Uhr
  • Wiederholung: Mittwoch, 16. August 2017, 12.00 Uhr

 

Henry Hall und das BBC-Tanzorchester, Folge 1 (1932-1933)

Von 1928 bis 1932 wurde das Tanzorchester des Britischen Rundfunks, der British Broadcasting Corporation, kurz BBC, von dem Pianisten Jack Payne geleitet. Dieser Formation haben wir inzwischen sieben Folgen „Tanzparkett“ gewidmet, eine achte und letzte soll folgen.
Da wird es Zeit, sich zwischendurch mit Paynes Nachfolger zu befassen, einem Kapellmeister, der es, wie Payne auch schon, nicht nur in England zu Ruhm und Ehren brachte, sondern durch die Rundfunkübertragungen und durch zahlreiche Plattenaufnahmen in ganz Europa und darüber hinaus.
Der Mann, um den es geht, hieß Henry Hall (02.5.1898, Packham/ London - 28.10.1989 Eastbourne/ Sussex).
Mit dem Anfang 1932 angetretenen Engagement bei der BBC übernahm die bisherige Kapelle des Hotels Gleneagles auch den daran gekoppelten Exklusivvertrag mit der Columbia Graphophone Co., die für ihre Platten ein weltweites Vertriebsnetz besaß.
Gute Voraussetzungen für eine steile Karriere des Orchesters, die auch folgen sollte, nachdem sie bis dahin eher dahingedümpelt war. Henry Hall hatte sich nach seinem Wehrdienst offenbar mehr schlecht als recht als Kapellmeister verschiedener Orchester einer Bahn-Hotelkette durchgeschlagen. Das Engagement im schottischen Hotel Gleneagles, für das er mit seinem Orchester Rundfunkwerbung treiben sollte - die Band nahm für die damals noch neue unabhängige Decca-Schallplatte auf - führte schließlich zu seiner Entdeckung durch die BBC.
Am 02. März 1932 wurde nach ersten Tests und einer Vier-Schlager-Platte die erste reguläre Industrieplatte eingespielt.
Im Gegensatz zu seinem Vorgänger Payne, aus dessen Kapelle später mehrere englische Bandleader hervorgehen sollten, wies Halls Personal keine derartigen Kräfte auf. Gleichwohl lieferte es solide, gefällig und sehr tanzbar arrangierte, handwerklich saubere Tanzmusik mit vereinzelten Hotambitionen - allerdings deutlich weniger als bei Payne.
Dies entsprach durchaus dem Zeitgeschmack, nicht nur in England, und so wurde die Kapelle auch im Ausland gerne gehört und wohl vor allem nach ihrem Ausscheiden als Rundfunktanzorchester für Tourneen und Einzelauftritte gebucht. Sogar in Berlin spielte das Orchester - nach Lange [1] von Januar bis Februar 1939 in der „Scala“ als Ersatz für das ebenfalls englische Jack-Hylton-Orchester, zur Freude der Kritik, die die Kapelle gnädig beurteilte - und zum Gram der deutschen Hotfans , denn Hyltons Band war erheblich stärker jazzorientiert. Auch der alte Jazzfan Lange läßt kaum ein gutes Haar an der Kapelle: „So steif, wie Henry Hall als Persönlichkeit war, spielte seine Band und sang seine hübsche Sängerin Molly Morelle: ein Tanzorchester von Format, mehr nicht.“ [1] Nach andern Angaben gab es auch schon im Jahre 1938 Auftritte in Berlin, bei denen die englische Presse monierte, daß man auf Darbietungen von Schlagern jüdischer Komponisten verzichtet habe, obwohl diese noch nicht verboten gewesen seien.
Selbst in der Sowjetunion wurden Platten von Henry Hall herausgebracht, um den Anfang der 30er auch dort vorhandenen Hunger nach moderner westlicher Tanzmusik zu stillen - als „Schwarzkopien“, d.h. Pressungen unautorisierter, aber technisch hervorragender Umschnitte, welche die sowjetische Plattenindustrie in dieser Zeit auch von etlichen deutschen Aufnahmen anfertigte. Der Redaktion liegt z.B. ein solcher Umschnitt des in der Sendung gebrachten Titels „Oh, Johanna“ vor.
Bei der BBC, bei der er seine Truppe auch das erste reguläre englische Fernsehorchester darstellte, blieb Henry Hall bis 1937, um dann - wie schon sein Vorgänger Jack Payne - mit dem gesamten Personal dem Rundfunk den Rücken zu kehren. Nun unternahm er auf eigene Rechnung Tourneen, wie schon erwähnt, auch nach Deutschland.
Im Kriege spielte die Kapelle zur Truppenbetreuung vor alliierten Soldaten.
Hall kehrte schließlich als Gastgeber einer Radio- und späteren Fernsehsendung („Henry Hall’s Guest Night“) zur BBC zurück, wo er auch die Moderation der Sendereihe „Face The Music“ übernahm.
Er verfaßte in der Nachkriegszeit seine Autobiographie.
Am 28.10.1989 starb er in Eastbourne im Alter von 91 Jahren.

Besetzung (Stand Januar ’33, kleine Abweichungen in früheren/ späteren Sitzungen möglich) [2]:

Henry Hall (ld, arr), Frank Wilson, Arthur Williams (tp), Bill Mulraney, Eric Tann (tb), Burton Gillis (cl, as, voc, arr), Freddie Williams (cl, as), Eddie Cromar (cl, as, bars), Jack Halsall (cl, ts), Joseph Hitchenor, Cyril Hellier (vn), Jack Phillips (p), George Dickinson (g), Theo Farrar (bb, sb), Len Bermon (dr) .

Angezogene Literatur:
[1] Lange, Horst H.: Jazz in Deutschland, Colloquium-Verlag, Berlin 1966, S. 93
[2] Rust, Brian & Forbes, Sandy: British Dance Bands On Record 1911 to 1945, General Gramophone Publications Ltd., 1987

Sämtliche Platten in dieser Sendung sind in London aufgenommen und auf Columbia (Co) erschienen. Nach Titel und Komponistenangabe folgt in spitzen Klammern die Matrizennummer, nach dem Aufnahmedatum die Bestellnummer.

Eine weitere Sendung mit späteren Aufnahmen können Sie in zwei Wochen hören.

Note to English-speaking listeners:
All titles contained in this edition were recorded in London and appeared on the Columbia label (Co). After title and credits matrix No. in acute brackets, order No. follows recording date (German scheme DD.MM.YY).
In a fortnight, you may hear a second edition covering later records.

Sänger/ vocalists (voc): LA - Les Allen, VR - Val Rosing, ? - unbekannt/ unknown, weitere Sänger ausgeschrieben/ names of further vocalists given in full text.

Wir bringen/ This broadcast will contain:

Songs That Are Old Live Forever (Warick - Wallace) <CA 12466>
VR voc 02.3.32 Co CB 430

Hush, Hush, Hush, Here Comes The Bogey Man (Lowton - Benson) <CA 13048-1>
Teddy Bears‘ Picnic (Kennedy - Bratton) <CA 13051-1>
VR voc 28.9.32 Co F.B. 2816

Dreaming (Bud Flanagan) <CA 13212-2>
Chesney Allen, Bud Flanagan voc 04.11.32 Co CB 539

Lying In The Hay (Robert - Pepper/ Mireille) <CA 13249-1>
LA, 2x ? voc 19.11.32 Co CB 539

Wanderer (Bud Flanagan) <CA 13255-1>
Chesney Allen, Bud Flanagan voc 26.11.32 Co DM 1681

Always In My Heart (Turk - Coots) <CA 13256-1>
LA voc 26.11.32 Co DM.1681

Just An Echo In The Valley (Woods - Campbell - Connelly) <CA 13295-1>
LA voc 20.12.32 Co CB 544

Put A Little Springtime In The Winter Of Their Lives (Flanagan - T. Knox) <CA 13495-1>
LA voc 14.3.33 Co DV 1059

Sweep (Furber - Ellis) <CA 13710-1>
You Don’t Understand (Furber - Ellis) <13711-1>
LA voc 14.6.33 Co DW 4172

Oh, Johanna (Lawrance) <CA 13799-1>
LA, 2x ? voc 15.7.33 Co DM.1799

Everybody Loves My Marguerite (Woods - Campbell - Connelly) <CA 13800-1>
LA voc 15.7.33 Co DM.1799

The Wedding Of Mickey Mouse (Pola - Vienna) <CA 13952-1>
LA voc; LA, Burton Gillis, Phyllis Robins talking 25.9.33 Co DM.1823

It’s The Talk Of The Town (Symes - Neiburg - Lewinson) <CA 13953-1>
Phyllis Robins voc 25.9.33 Co DM.1823

Who’s Afraid Of The Big Bad Wolf? (Curchill - Ronelli) <CA 14060-1>
(Tonfilm: Drei kleine Schweinchen)
LA, ? voc 16.10.33 Co DM.1814

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 16. August 2017, 21 - 22 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 17. August 2017, 13 Uhr

Programminfos vom 03.08.2017 bis 10.08.2017

The Jazz Age - US-Jazz und -Hotdance der 20er Jahre, Folge 3/ 2017

Auch in dieser Sendung ist das Leitmotiv der Jazz der „Roaring Twenties“.
Lassen Sie sich mit einer Auswahl an Platten bekannter wie vergessener Orchester von Peter K. Michael eine Stunde lang in die Vorswingzeit entführen.

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 2. August 2017, 21-22 Uhr

 

Preserving Memories

Begleitend zur documenta 14 in Kassel findet das Projekt „Preserving Memories - Bewahrung der Erinnerungen“ statt.
Gezeigt wird die Ausstellung „Europäischer Widerstand gegen den Nazismus 1922-1945" über den antifaschistischen Widerstand in verschiedenen Ländern Europas. Beteiligt an der Ausstellung waren das nationale belgische Institut der Veteranen und Opfer des Krieges (IV-INIG) und die Internationale Föderation der Widerstandskämpfer (FIR) - Bund der Antifaschisten. Unterstützung leisteten das nationale Widerstandsmuseum (Belgien), ONAC (Frankreich), ANPI (Italien), NIOD (Niederlande), das Nationalarchiv des Großherzogtums Luxemburg sowie Veteranenverbänden aus verschiedenen Ländern. Verbunden mit der Ausstellung sind Gespräche mit Zeitzeugen der antifaschistischen Bewegung aus Deutschland, Italien und Russland, aus der Tschechischen Republik und den Niederlanden.
Lesungen aus Erinnerungsberichten, die zeigen, wie Widerstand entstanden ist, aus Empörung und Ablehnung politischer und rassischer Verfolgung, Verteidigung der nationalen Unabhängigkeit, Eintreten für religiöse oder politische Überzeugung sowie als Solidarität mit Verfolgten, ergänzen das Programm. Die Ausstellung ist noch bis Mitte September in der VHS zu sehen.
Das FRK zeichnet die Begleitveranstaltungen auf und wird sie in den nächsten Wochen ausstrahlen. Heute hören wir Auszüge aus den Memoiren des Kasseler Widerstandskämpfers Peter Gingold, gelesen von Ulrich Schneider und Silvia Gingold.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 4. August 2017, 18 Uhr

 

British Jazz and Hot-Dance Music (Folge 3)

Wie versprochen, bringen wir, soweit noch vorhanden, auch weiter „Überläufer“ aus dem alten Funkhaus. Auch wenn unser Umzug schon eine Weile her ist, und die Produktion der heutigen Sendung noch länger, ist diese äußerst hörenswert.
Seit März 2008 lag sie, auf Vorrat produziert, in unserem Regal, machte den Umzug mit, um 2015 bei Durchsicht alter Akten, Aufzeichnungen und Mitschnitte wieder aus der Versenkung aufzutauchen.
Das hätte nicht sein müssen, wenn in Kassel ein anderer Umgang mit der Salzmannfabrik gepflegt würde, jenem einzigartigen Baudenkmal der Industriekultur, welches nicht nur das Freie Radio Kassel vor drei Jahren für immer verlassen mußte. Einer der größten Stahlbetonbauten seiner Zeit auf dem Kontinent, eine Ikone der Industriearchitektur, steht nun als Ruine da, sinnlos teilabgerissen und anschließend von Vandalen verwüstet, schutzlos dem Verfall preisgegeben und vermutlich auf den Abriß wartend.
Leider ist das kein Einzelfall - siehe Hallenbad Ost usw.
Kassel und der Denkmalschutz - ein leidiges Thema!
Aber die Genesis ist eigentlich nicht interessant - weitaus wichtiger ist der Inhalt der nun von uns wiederholten Folge:
Es handelt sich um die dritte Folge der Reihe „British Jazz and Hotdance“, aus der wir damals nur die ersten beiden Folgen gesendet haben, und in der Sendung stellen wir Londoner Jazzbands sowie Tanzorchester mit Hot- und Jazzambitionen vor.
England war als erstes europäisches Land mit dem Jazz in Berührung gekommen - durch den Weltkrieg, in dem die US-Truppen ab 1917 mitkämpften. Die Soldaten brachten, wie später auch, im Marschgepäck die neuesten Platten mit - auch solche mit den ersten Aufnahmen jener neuen Musik, die in ihrem Mutterland für Furore sorgte. Bald nach Kriegsende gingen die Begründer des Jazz, die Männer der Original Dixieland Jazz Band, in England auf Tournee und wurden begeistert empfangen.
Recht bald hatten auch die englischen Orchester begriffen, worauf es im Jazz ankommt.
Dies zeigt unsere Sendung mit Aufnahmen aus den Jahren 1925-31.

Durch die Sendung begleitet Sie Peter K. Michael.
Alle Aufnahmen entstanden in London.

Wir bringen:

Fred Elizalde and his Music
- Stomp Your Feet
- Clarinet Marmalade
August/ September ‘27

The Gilt-Edged Four (Max Goldberg (tp, mellophone), Al Starita (as, bs), Van Philips (as), Sid Bright (p), Len Fillis (g, bj), Max Bacon (dr))
- Piccadilly Strut
04. Dezember ‘25

Spike Hughes and his Decca-Dents (Spike Hughes (sb, ld), Sylvester Ahola (tp), Philip Bushell (as),  Stan Andrews (vn), Eddie Carroll (p), Leslie Smith (g), Val Rosing (dr, voc))
- Crazy Feet (voc VR)
- It’s Unanimouns Now (voc VR)
12. März ‘30

Lloyd Shakespeare and his Band
- All By Yourself In The Moonlight (unknown voc) Dezember ‘28
- You’re In My Heart (unknown voc) Januar ‘29

Arthur Lally and his Millionairs
- Just A Crazy Song (voc Arthur Lally)
01. September ‘31

The Savoy Hotel Orpheans, dir. Debroy Somers
- Nobody Knows What A Red-Head Mama Can Do 15. April ‘25
dir. Carroll Gibbons
- Wladiwostok 15. Juli ’27

The Savoy Havana Band
- When My Sugar Walks Down The Street (voc Ramon Newton)
21. April `25

Ronnie Munro and his Orchestra (Etikett: Buddy Rose)
- My Girl’s Fine And Dandy (voc Eddie Collis)
16. März `27

Stan Greening
-What’s Her Name? Maria! 11. August ‘27
(Etikett: Lido Dance Orchestra)
-I Ain’t Got Nobody (voc Eddie Morris) 07. Dezember ‘27

The Star Syncopators, dir. Charles “Wag“ Abbey
- Hello ‘tucky!
Juli ’25

Al Starita and the Kit-Kat Band
- Delirium
03. Juni ‘27

Percival Mackey’s Band
- Mousie (Mausi) (voc Charles Penrose, Kay Connor)
23. September ’31

  • Sendetermin: „Tanzparkett spezial“, Sonntag, 6. August 2017, 17-18 Uhr
  • Wiederholung: Montag, 7. August 2017, 9 Uhr

 

"Let´s go to the Hop" - Doo Wop aus den 50ern

Mit dem "Travelin´ Man" und Ricky Nelson beginnt der Lonesome Traveler diese Folge; eine Imperial-Single, die es 1961 bis auf Platz 1 der amerikanischen Hot 100 geschafft hat - ein echter Ohrwurm. Mit dem echten Rock & Roll hingegen ging‘s um ungefähr diese Zeit so langsam bergab. Sind wir nicht alle irgendwie "travelling" in dieser Welt, in diesen Zeiten?! Reisende, Touristen, Flüchtlinge, Getriebene und Verfolgte, Asylanten? Vor irgendwas, aus welchem Grunde auch immer. Und Gründe gibt´s genug - auch für School Kids, Teenager und Grownups, jeweils unterschiedlich angetrieben. Und für Liebende sowieso.
Genau darum geht´s zumeist in der sogenannten Doo Wop-Music, einem
Rock & Roll-Musikstil der 1950er Jahre, der damals in den USA äußerst populär war. Eine Stilrichtung, die erstmals schwarze und weiße Künstler und schwarzes und weißes Publikum zusammengebracht hat. Etliche schwarze Doo Wop-Gruppen waren schon lange vor Elvis da. Der vor nunmehr 40 Jahren gestorbene "King" (unsere Specials beachten!) hatte die Bands als junges Kerlchen des nachts im R & B-Radio und später in Clubs und beim „Highschool Hop“ gehört. Die tanzbare Musik hatte wahrlich zündende Wirkung.
Für ein kurzes Stündchen läßt der Lonesome Traveler Wolf Silaff eine Rock & Roll-Dekade akustisch wieder aufleben. Mehrstimmige Satzgesänge (Boy & Girl Groups), großartige Instrumentalparts, unvergessene KünstlerInnen und sogenannte Eintagsfliegen. Schräge Texte plus Nonsens-Silben - zur Literatur ganzer Generationen erhoben. Doo Wop-Klassiker eben. Mit dabei sind diesmal: Ricky Nelson, Little Richard, Danny & The Juniors, Buddy Holly, Ritchie Valens, Dion & The Belmonts, The Chiffons, Little Eva, The Fleetwoods, Lesley Gore, Ben E. King, Barbara Lewis, Del Shannon u.v.a. 

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 6. August 2017, 19 Uhr

 

Liederbestenliste August 2017

Seit 1984 erstellt die Jury der Liederbestenliste monatlich eine ’Hitparade’ des deutschsprachigen Liedes. Jede(r) der 20 Jurorinnen und Juroren aus der Schweiz, Österreich, Belgien und Deutschland nennt monatlich sieben Lieder, denen er oder sie möglichst viele HörerInnen wünscht. Punkte werden nur für einzelne Titel vergeben, nicht für ein gesamtes Album. Aus der Addition ergibt sich die Monatsliste, die das Freie Radio Kassel einmal im Monat präsentiert. Wer es diesmal unter die besten 20 dieser etwas anderen Hitparade geschafft hat, erfahren Hörerinnen und Hörer in dieser Ausgabe von Liederleute, dem Magazin für Musik und Politik. Am Mikrofon: Dieter Kindl (Juror der Liederbestenliste)

  • Sendetermine: “Liederleute”, Dienstag, 8. August 2017, 20.00 Uhr 
  • Wiederholung Mittwoch, 9. August 2017, 12.00 Uhr

Programminfos von 27.07.2017 bis 03.08.2017

Frieden auf der koreanischen Halbinsel?

Unerfreuliche Nachrichten erreichen uns immer wieder aus Nordkorea: Armut, Hunger, Unterdrückung, eine diktatorische Regierung mit einem fetten, kleinen Lausbub an der Spitze, der gern mit Atombomben spielt und gelegentlich unliebsame Anverwandte hinrichten läßt. Hinzu kommt der seit Jahrzehnten andauernde Konflikt mit dem Nachbarn Südkorea – eine dauerhafte friedliche Lösung scheint nicht möglich.
Aber wie kam es zu der augenblicklichen Situation? Sind die Verhältnisse tatsächlich so klar, daß eine eindeutige Zuschreibung „Südkorea – gut, Nordkorea – böse“ möglich ist? Prof. Rainer Werning, Politologe und Südostasien-Experte, erläuterte im Rahmen seines Vortrags beim Friedensratschlag 2016 die Lage – jenseits der im Westen üblicherweise veröffentlichten Meinung.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 28. Juli 2017, 18 Uhr

 

Britischer Blues-Rock aus dem Hühnerstall: Stan  Webb´s  Chicken  Shack

Chicken Shack, eine legendäre britische Blues-Rock-Band aus London, ist seit Mitte der 1960er Jahre dabei (grad so wie die ebenfalls legendären Pretty Things). Der Mann im Zentrum: Stan „The Man“ Webb, ein Ausnahmegitarrist der alten Schule. 1964 formierte er seine erste Band Sounds of Blue, in der neben anderen Christine Perfect (danach bei Fleetwood Mac), Andy Silvester und Chris Wood (später bei Traffic) mitspielten. 1967 entstand daraus Chicken Shack.
1974 löste Webb Chicken Shack auf und spielte zunächst bei Savoy Brown, bevor er eine neue Band namens Broken Glass zusammenstellte, die allerdings nur für ein einziges Studioalbum zusammen blieb. Webb brachte eine neue Version von Chicken Shack auf die Beine, die in wechselnden Besetzungen und mit einigen Unterbrechungen (1982 etwa gab es die kurzlebige Band Stan Webb's Speedway) bis heute aktiv ist. In dieser Folge hören wir einige wegweisende Aufnahmen aus den Anfangsjahren von Chicken Shack; tolle Einspielungen, die der ebenso legendäre Produzent Mike Vernon für sein Blue Horizon Records-Label unter Dach und Fach brachte. Ein wichtiges Kapitel britischer Blues-Geschichte.

  • Sendetermin: „Long Distance Call“, Samstag, 29. Juli 2017, 18 Uhr

 

Frank Zappa: "Cruising with Ruben & The Jets"

Ein "Alt-68er" erinnert sich des damaligen wilden Sommers. Natürlich spielen hängengebliebene musikalische Eindrücke da eine exorbitante Rolle. Hier kommt man keinesfalls an Frank Zappa mit seinen Mothers und an dem herrlich-schrägen Projekte dieses Musikgenies unter dem oben genannten Titel vorbei.   
"Cruising with Ruben & the Jets" ist ein Musikalbum von Frank Zappa und den Mothers of Invention. Es erschien 1968 auf dem Verve-Label und wird dem Doo Wop zugerechnet, einem Musikstil, der in den 1950er-Jahren in Amerika populär war und den Zappa sehr schätzte. "Cruising with Ruben & the Jets" war das vierte Album der Mothers of Invention. Frank Zappa – geboren 1940 und mit der Doo-Wop-Musik der 1950er-Jahre aufgewachsen – liebte und sammelte Schallplatten dieses Genres. Einige seiner ersten Kompositionen wie zum Beispiel „Memories of El Monte“ waren Doo-Wop-Songs. „Cruising with Ruben & the Jets“ ist eine Sammlung dieser Musik, wobei Zappa fast alle Stücke komponierte. Für unerfahrene Hörer klingen Lieder wie „Cheap Thrills“, „Deseri“ und „Jelly Roll Gum Drop“ wie durchschnittliche Doo-Wop-Songs. Genaueres Hinhören deckt dagegen ungewöhnliche Akkordfortschreitungen, Strawinsky-Zitate und die banal-komischen Texte auf – all das verpackt in vierstimmigen Gesang und lineare Dreierakkorde auf dem Klavier. Einige Stücke vom Debüt-Album Freak Out! (1966) wurden neu arrangiert, aber auch altes Material aus der Zeit vor den Mothers wurde für das Album aufbereitet.
Anyway, viele Zappa-Fans waren damals irritiert. Sie hatten geglaubt, Zappa wolle die Doo-Wop-Musik verulken. Tatsächlich würden wir später alle begreifen, es war Zappas Liebeserklärung an solcherlei Art von Musik. Und auch das Plattencover inklusive der folgenden Einleitung sind documenta-würdiges Kunstgebilde an sich:
"This is an album of greasy love songs and cretin simplicity. We made it because we really like this kind of music (just a bunch of old men with rock & roll clothes on sitting around the studio, mumbling about the good old days). Ten years from now you´ll be sitting around with your friends someplace doing the same things if there´s anything left to sit on." Nun - soviel dazu. Unbedingt erforschenswert sind auch Zappas Frisieranleitungen "How to comb & set a Jellyroll" bzw. die Bop-Tanzanleitung fürs stilgerechte Verhalten auf dem Parkett ... Genial.

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 30. Juli 2017, 19 Uhr

 

Was ist Heimat?

Der Begriff Heimat verweist zumeist auf eine Beziehung zwischen Mensch und Raum. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird er auf den Ort angewendet, in den ein Mensch hineingeboren wird und in dem die frühesten Sozialisationserlebnisse stattfinden, die zunächst Identität, Charakter, Mentalität, Einstellungen und Weltauffassungen prägen. [Quelle: Wikipedia]
Was aber, wenn man fern der Heimat lebt? Fast jeder achte Schweizer wohnt im Ausland. Auch in der Region rund um Kassel haben sich etliche Eidgenossen niedergelassen. Eine davon ist Trudi Kindl, die sich anlässlich des Schweizer Nationalfeiertags am 1. August auf die musikalische Spurensuche zum Thema Heimat begeben hat.

  • Sendetermine: „Kreuzweise“, Dienstag, 1. August 2017, 20.00 Uhr
  • Wiederholung: Mittwoch, 2. August 2017, 12.00 Uhr

 

The Jazz Age - US-Jazz und - Hotdance der 20er Jahre, Folge 3/ 2017

Auch in dieser Sendung ist das Leitmotiv der Jazz der „Roaring Twenties“.
Lassen Sie sich mit einer Auswahl an Platten bekannter wie vergessener Orchester von Peter K. Michael eine Stunde lang in die Vorswingzeit entführen.

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 2. August 2017, 21-22 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 3. August, 13 Uhr

Programminfos vom 21.07.2017 bis 23.07.2017

Schluß mit lustig – Aktuelle Satire aus der Türkei in der Caricatura

Die Kabinettausstellung ergänzt die rund 200 gezeigten Arbeiten der „caricatura 7“ um weitere 70 Zeichnungen türkischer Kolleginnen und Kollegen, die für die Istanbuler Satiremagazine LeMan und Uykusuz zeichnen sowie als freie Karikaturistinnen und Karikaturisten in der Türkei arbeiten. Die Kabinettausstellung reiht sich in die thematische Auseinandersetzung der Künstlerinnen und Künstler der „caricatura 7“ ein und gibt einen Überblick über die gesellschaftspolitischen Diskurse am Bosporus.
Die 46 prominenten Cartoonistinnen und Cartoonisten aus der Türkei positionieren sich mit ihren Arbeiten für Pressefreiheit und zeigen, wie originell, künstlerisch und progressiv in der Türkei zeichnerisch gearbeitet wird. Die Ausstellung präsentiert komprimiert die neuesten Arbeiten der zeichnerischen Avantgarde am Bosporus. Sie zeigt, wie künstlerische Arbeit in der aktuellen Lage in der Türkei möglich oder unmöglich ist und beschreibt, welcher Bild-Codes sich Satiriker bedienen, um weiterhin veröffentlicht werden zu können. Die Ausstellung ist zweisprachig (Türkisch/Deutsch) aufgebaut.
Die Türkei verfügt über eine lange Satire-Tradition, in der die Istanbuler Magazine eine zentrale Rolle einnehmen. Auch in der aktuellen Lage sind sie mehr als nur ein Seismograph für politische und gesellschaftliche Entwicklungen, sie sind auch Berichterstatter in unruhigen Zeiten, die jedoch, wie Kuratorin Sabine Küper-Büsch bemerkt, „im Unterschied zu den Kollegen von Charlie Hebdo und Teilen der deutschen Satire das Spiel mit politischen Unkorrektheiten“ vermeiden. Die Auswahl für die Ausstellung zeigt „Arbeiten aus dem Bereich der politischen Karikatur und des Comics, auch einzelne Illustrationen politischen Inhaltes sind dabei. Thematischer Fokus ist die aktuelle politische Situation“, so die Kuratorin.
Die Caricatura Galerie pflegt bereits seit einigen Jahren Kontakt zu den Kollegen in Istanbul und hat kurzerhand die Türkei zum Gastland der »caricatura 7« erklärt.
Die Ausstellung startet in dieser Woche und dauert bis Ende August – wir berichten von der Eröffnung.
Außerdem in der Sendung: die Vorstellung eines neuen, englischsprachigen Buchs über die Geschichte der documenta. Im Rahmen der Buchpräsentation in der Buchhandlung Vietor gaben Verleger Klaus Siebenhaar und Kulturjournalist Werner Fritsch einen ebenso unterhaltsamen wie informativen Überblick über mehr als 60 Jahre documenta.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 21. Juli 2017, 18 Uhr

 

Bill Mockridge live

Vielen ist er hauptsächlich durch die „Lindenstraße“ oder als Vater des Comedians Luke Mockridge bekannt. Aber der aus Kanada stammende, seit Jahrzehnten in Bonn ansässige Bill Mockridge ist vor allem ein hervorragender Kabarettist und Entertainer, der sich in seinen Bühnenprogrammen immer wieder auch mit dem Thema Alter befaßt. Kein Wunder: Er hat inzwischen selbst schon die 70 erreicht und weiß daher, wovon er redet.

  • Sendetermin: „Kabarett live“, Freitag, 21. Juli 2017, 22 Uhr

 

Banda Internationale, Hannes Wader

In dieser Folge der „Langen Rille“ hören wir wieder komplette Alben. Da wäre zum einen die Neuerscheinung "Kimlik" (Trikont).  
KIMLIK, ein Begriff, den jeder, der über die Türkei geflohen ist, kennt. Es heißt soviel wie Identität und ist der türkische Ausweis, den leider nicht jeder Flüchtling dort bekommt. Die Zahl derer, die weder einen Ausweis und somit auch keine Gesundheitsabsicherung, noch eine Arbeitserlaubnis haben, dürfte in der Türkei bei einer Million Menschen liegen. 15 Jahre machte die Brassband „Banda Comunale“ in Dresden Musik, ehe sie sich 2015 entschied, in Zukunft als „Banda Internationale“ gemeinsam mit geflüchteten Musikern aus dem Raum Dresden auf der Bühne zu stehen:
„Unsere musikalischen Themen finden wir weltweit und beziehen uns dabei auf die unterschiedlichen Musiken vermeintlich fremder Länder und Völker. Unser Repertoire enthält zum großen Teil Musik aus den Krisenregionen der Welt: Nordafrika, Balkan, Naher Osten, Kolumbien, West-, Ost- und Zentralafrika, Osteuropa. Als mittlerweile fast 20köpfiges Kollektiv haben wir ein großes, gemeinsames Ziel: Heimatmusik, ganz egal wo diese Heimat ist oder war, neu zu interpretieren, Herzen zu öffnen, Vorurteile und Ressentiments abzubauen und zur Verständigung zwischen neuen und alten Sachsen, Deutschen und Europäern beizutragen.
Zwei Themen haben die Stadt Dresden und damit auch uns in den letzten beiden Jahren besonders bewegt und aufgebracht: Zum einen die fremdenfeindlichen PEGIDA-Spaziergänge, zum anderen das Schicksal der vielen geflüchteten Menschen, die auch in Dresden Schutz suchen. Nach über 40 Konzerten gegen PEGIDA, gegen „Nein-zum-Heim“-Initiativen und auf der anderen Seite für geflüchtete Menschen in Erstaufnahmeeinrichtungen in Dresden und Umgebung haben wir beschlossen, einen Schritt weiter zu gehen:
2015 starteten wir mit geflüchteten Musikern in unserer Stadt das Projekt “Banda Internationale“, welches wir auch dieses Jahr als feste Band fortsetzen werden. Neben dem “100. Deutschen Katholikentag” in Leipzig, den “Sächsischen Kulturtagen” in Wroclaw und dem „Heimatsound Festival“ in Oberammergau waren noch das „Kunstfest“ in Weimar, die “Jüdischen Achava Festspiele” im thüringischen Landtag oder das “Morgenland Festival” in Osnabrück auf unserer offiziellen Konzertliste. Deutlich wichtiger war und ist uns allerdings, an Orten wie Freital (gemeinsam mit Smudo und Laut gegen Nazis), Bautzen oder Plauen zu spielen, die seit Monaten als Synonyme für öffentlich ausgetragene Fremdenfeindlichkeit und rechtsextreme Übergriffe gelten. Hier sehen wir auch in Zukunft unser wichtigstes Betätigungsfeld: von nun an in doppelter Besetzung gegen Rechtsextremismus, Vorurteile und Ausgrenzung gemeinsam Musik zu machen, nicht nur in Sachsen und nicht nur in Deutschland. Neben Konzerten und Demonstrationen oder Benefizveranstaltungen werden wir uns auch weiterhin neuen Projekten und Workshops zuwenden, die an Schulen und soziokulturellen Jugendinitiativen stattfinden werden.“  (Banda Internationale).

Und zum anderen, mit besten Glückwünschen an den großen deutschen Liedermacher Hannes Wader zum 75., gibt’s dessen frühen Alben "7 Lieder“ (1972), "Ich hatte mir noch so viel vorgenommen" (1971) und "Hannes Wader ... singt" (Debütalbum 1969). Ohrwürmer und Biografisches.

  • Sendetermin: „Die Lange Rille“, Samstag, 22. Juli 2017, 21 Uhr

 

The Swamp Fox: Tony Joe White

Eine weiteres Geburtstagskind an diesem Sonntag ist Tony Joe White, der soulige Kratzstimmenbariton aus Louisiana (*23. Juli 1943 in Oak Grove / LA). Berühmt geworden ist er als Singer/Songwriter spätestens durch seine "Polk Salad Annie" aus den 70er Jahren. Aber auch "Rainy Night in Georgia" und "Soul Francisco" waren erfolgreich - und wurden von etlichen Großen des Pop-Geschäfts gecovert (Elvis, Ray Charles, Tina Turner, Brook Benton). Durch seine soulige Vortragsweise gepaart mit raffiniert funky angerissenen Gitarrensounds wurde der Künstler bekannt. Seinen markanten Erzählstil nennen sie seitdem "Swamp Rock". In dieser Folge gibt’s einiges aus den Warner-Archiven, Tony Joe White-Material aus den 1970er Jahren.

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 23. Juli 2017, 19 Uhr

 

Das Orchester Ilja Livschakoff

Der letzte Hauskapellmeister der Weimarer Republik bei der Grammophon war der Geiger Ilja Livschakoff.
Geboren am 15.November 1903 im russischen Jekaterinodar, studierte er das Violinspiel in Warschau.
1927 kam er nach Berlin und gründete ein Orchester, mit dem er bis 1932 im Hotel Bristol zu hören war. Bei der Grammophon war er ab Ende der 20er Jahre angestellt.
Auch nach der Machtübernahme der NSDAP änderte sich daran nichts, obwohl auch Livschakoff, wie seine Vorgänger und Kollegen bei der Grammophon, Jude war. Als Ausländer unterlag er zunächst nicht den für Reichsbürger jüdischer Herkunft geltenden Beschränkungen. Selbst die Erschwernisse, denen die deutschen Juden nach Erlaß der Nürnberger Rassegesetze von 1935 ausgesetzt waren, gingen zunächst an Livschakoff vorüber.
Erst 1937, als er sich in Karlsbad aufhielt, wurde ihm die Rückreise nach Deutschland verweigert.
(Diese Erkenntnisse sind recht neu, früher nahmen viele Forscher und Plattensammler an, Livschakoff sei Bulgare gewesen, so wie z.B. Ari Leschnikoff, der erste Tenor der Comedian Harmonists, der bis zum Kriege in Deutschland auftrat.)
Im Pseudonymdschungel der Plattenindustrie der Vorkriegszeit finden wir Livschakoff unter dem Decknamen „Fred Marley“ wieder, ein weiteres Pseudonym, nämlich „Harry Hiller“, teilte er sich auf den Plattenetiketten mit Paul Godwin.
Als die deutschen Behörden Livschakoff nicht wieder ins Land ließen, ging er nach Argentinien und fungierte weiter als Kapellmeister, wie etliche seiner Berliner Kollegen, die in Deutschland keine Zukunft mehr hatten. Er trat in Kaffeehäusern auf.
Am 10. Juni 1990 starb er in Buenos Aires.
Durch die Sendung begleitet Sie Thomas A. Sosna.

Wir bringen:

Du bist das süßeste Mädel der Welt
(Werner Richard Heymann)
(a.d. Tonf. „Liebeswalzer“)
Refraingesang: Helmuth Wernicke
ca. Jan. ’30

In der Heinzelmännchen-Bar
(Willy Rosen)
ca. April ’30

Zu jeder Liebe gehört ein Gläschen Wein
(Michael Krausz - Bruno Hardt-Warden)
(a.d. Tonf. „Die Lindenwirtin“)
Refraingesang: vermutl. Walter Jurmann
ca. August ’30

Im Weißen Rößl
(Ralph Benatzky)
a.d. gleichnam. Optte.
Refraingesang: Rolf Sandor
ca. Nov. 30

Es kommt der Tag, wo Rosen glüh’n
(Robert Stolz)
a.d. Optte. „Peppina“
ca. Dez. ‘30

Wenn der Wind weht
(a.d.Tonf. “Bomben auf Monte Carlo”)
(W. R. Heymann)
Refraingesang: Leo Monosson

Das ist die Liebe der Matrosen
(a.d.Tonf. “Bomben auf Monte Carlo”)
(W. R. Heymann)
Refraingesang: „Die Parker“
ca. August ‘31

Ab hier unter Pseudonym „Fred Marley“

Das gibt’s nur einmal
(W. R. Heymann)
(a.d. Tonf. „Der Kongreß tanzt“)
Refraingesang: Grete Freund u. Alfred Strauß

Überlandpartie
(Hermann Leopoldi - Wauwau [Theodor Waldau])
Refraingesang: Grete Freund u. Alfred Strauß

Wenn der Frühling kommt ins Land
(Jurmann - Bernauer - Österreicher)
(a.d. Tonf. „Hirsekorn greift ein“; österr. Verleihtitel: „Ausflug ins Leben“)
Refraingesang: Alfred Strauß
ca. Oktober ’31

Schlaf‘, mein Liebling (Goodnight Sweetheart)
(Ray Noble)
Refraingesang: Marcel Klass
ca. Nov. ‘31

Kind, du brauchst nicht weinen
(Hans May - Kurt Schwabach)
(a.d. Tonf. „Der Draufgänger“)
Du bist das Liebste
(Emmerich Kalman - Ernst Wehlisch - Kurt Schanzer)
(a.d. Tonf. „Ronny“)
ca. November ‘31
Refraingesang: Leo Monosson

Ein Lied aus meiner Heimat
(Walter Jurmann - Dr. Bronislaw Kaper - Fritz Rotter)
(a.d. Tonf. „Melodie der Liebe”)
Refraingesang: Leo Monosson
18. Mai ‘32

Ich hab’ ein großes Heimweh
(a.d. Tonf. „Der Prinz v. Arkadien“)
(Robert Stolz - Walter Reisch)

Einmal möcht‘ ich keine Sorgen haben
(a.d. gleichn. Tonf.)
(Mischa Spoliansky - Max Kolpe)
ca. August ‘32
Refraingesang: Leo Monosson

Wer hat euch erdacht, ihr schönen Frau’n?
(Emmerich Kalman)
(a.d. Operettenverfilmung „Gräfin Mariza“)
Refraingesang: Leo Monosson

  • Sendetermin: „Tanzparkett extra“, Sonntag, 23. Juli 2017, 17 - 18 Uhr
  • Wiederholung: Montag, 24. Juli 2017, 9 Uhr

 

Vorstellung des neuen Albums „Defying Gravity“ von Mr. Big

Die Hardrock Band MR. BIG aus den USA wurde in 1989 gegründet und ist hauptsächlich durch ihre Hits wie „To Be With You“, „Just Take My Heart“ oder „Wild World“ aus den 90er Jahren bekannt. Nach einigen Jahren Pause tat sich die Originalbesetzung der Band um Sänger Eric Martin, Gitarrist Paul Gilbert, Bassist Billy Sheehan und Schlagzeuger Pat Torpey in 2009 wieder zusammen und legte ein erfolgreiches Comeback hin. Mit „Defying Gravity“ bringen sie nun im Juli 2017 ihr neuntes Studioalbum auf den Markt – das dritte Album seit der Reunion. Unterstützt werden die vier Ausnahmemusiker hierauf an den Drums von Matt Star, nachdem Pat vor einigen Jahren mit Parkinson diagnostiziert wurde und seinem Job nicht mehr im vollen Umfang nachkommen kann. Matt spielte daher den Großteil der Songs auf dem aktuellen Album ein, doch dennoch ist Pat immer mit an Bord, sei es an den Percussions oder den Backing Vocals. Auf den diesjährigen Tour sind MR. BIG daher ebenfalls zu fünft unterwegs, was die große gegenseitige Unterstützung und Freundschaft innerhalb der Band belegt.  
Die Songs auf „Defying Gravity“ zeigen alles von der obligatorischen Ballade zu Rock mit mitreißendem Groove. Die Stimme von Eric Martin ist und bleibt unvergleichbar, und das Talent von Paul und Billy an ihren Instrumenten zurecht weltweit bekannt. Das Album wurde in nur sechs Tagen eingespielt und zeigt einen beeindruckenden Querschnitt durch die Leidenschaft, Kreativität und das Talent aller beteiligten Musiker.
Das Album wurde am 21.07.2017 auf dem Label „Frontiers Records“ veröffentlicht.
Die Album-Vorstellung gibt es in Handmade.

  • Sendetermin: "Handmade", Mittwoch, 26. Juli 2017, 20 Uhr

Programminfos vom 13.07.2017 bis 16.07.2017

Brennpunkt Medien und Recht

Die rasanten Entwicklungen unseres digitalen Zeitalters stellen das Recht – insbesondere das Medienrecht – vor immer neue Herausforderungen und rufen neuartige juristische Streitfragen hervor. Die Realitäten im Netz erschüttern nicht nur das bisherige Urheberrecht und hinterfragen unser sicher geglaubtes Jugendschutzsystem, sie gefährden auch die informationelle Selbstbestimmung und verändern Grundlagen der Demokratie. Eine Gesellschaft muss klären, wie sie diese Veränderungen aufnimmt und welche rechtlichen Grenzen sie setzt.
Die Veranstaltungsreihe „Brennpunkt Medien und Recht“ soll dazu einen Beitrag leisten, der über rechtswissenschaftliche Kreise hinaus wirkt. Die Reihe wird getragen von der Hessischen Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien (LPR Hessen), der Universität Kassel, der Juristischen Gesellschaft zu Kassel und dem Institut für Europäisches Medienrecht (EMR). Unter dem Titel „Meinungsmacht – Algorithmen, Bots, Trolle, Lückenpresse, Fake News“ fand Mitte Mai im Rahmen der Reihe an der Uni Kassel ein Symposium statt.
Nach den Vorträgen von Prof. Dr. Dieter Dörr sowie von Prof. Dr. Ulrich Teusch, die in der letzten Woche ausgestrahlt wurden, senden wir heute die anschließende Podiumsdiskussion.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 14. Juli 2017, 18 Uhr

 

Everyday I have the Blues: Little Willie Littlefield / W.C. Clark

Der „Long Distance Call“ befaßt sich heute mit zwei recht unterschiedlichen US-Künstler aus Austin/Texas. Was sie eint ist die musikalische Herkunft aus ihren lokalen Kirchengospelchören. Der eine, Little Willie Littlefield, ist ein echtes altes Boogie-As, ein aufregender Pianist mit dem echten R & B - Aroma der 50er und mit Klasse-Begleitern. Willie wurde vom Produzenten des damals wichtigen Labels Modern Records, Jules Bihari, 1949 entdeckt - der Beginn einer aufregenden Karriere, die der Künstler in Los Angeles fortsetzte.   
Der andere ist ein längst zur Texas-Soul-Legende avancierter Gitarrist, Sänger und Stückeschreiber aus der Hauptstadt des Lone Star State. Aus Austin stammt W.C. Clark, der mit ebenfalls tollen Mitmusikern aus der Südstaaten-Szene druckvoll auf die Tube tritt. Seit den 60er Jahren nennen sie ihn dort den "Godfather of Austin Blues". Clark blickt auf eine lange Reihe großartiger Shows mit James Brown, den Drei Großen Kings (Albert, B.B. & Freddie), mit Sam & Dave, Elvin Bishop und Bobby "Blue" Bland zurück.

  • Sendetermin: „Long Distance Call“, Samstag, 15. Juli 2017, 18 Uhr

 

Zum Tod von Chris Roberts

Er war der „Schlagerguru“ der 70er Jahre, die Galionsfigur der Goldenen Ära des deutschen Schlagers, der ungekrönte König der Hitparade. Kein Sänger wird in vergleichbarem Maße mit der großen Zeit des deutschen Schlagers identifiziert wie Chris Roberts, keiner konnte auf ähnliche Erfolge in der berühmt-berüchtigten „ZDF-Hitparade“ zurückblicken. Er war der Liebling der Teenager und der Schwiegermütter, er galt als sympathisch, bodenständig und umgänglich, aber auch als perfekter Showgeschäfts-Profi. Seine Hits wie „Du kannst nicht immer 17 sein“, „Die Maschen der Mädchen“ oder „Hab Sonne im Herzen“ gehören zu den Klassikern der Epoche und zieren bis heute das Programm eines jeden Oldie-Senders. Aber nur wenige wissen, daß Chris Roberts als Beat-Schlagzeuger angefangen hat und daß er auf seinen Alben immer wieder auch Coverversionen englischer und amerikanischer Pop-Hits untergebracht hat. Seine Karriere verlief wellenförmig – Phasen großer Popularität folgten immer wieder auch Zeiten, in denen es nicht sonderlich gut lief. In den letzten Jahren machte er vor allem durch Boulevard-Themen auf sich aufmerksam – Trennung von der Ehefrau, Konkurs, Ermittlungen wegen Steuerhinterziehung, schließlich durch seine der Öffentlichkeit lange verheimlichte Krankheit und durch seinen überraschenden Tod am 2. Juli.
Wir würdigen den Schlager-Titan mit einer dreistündigen „Langen Rille“ und befassen uns ausführlich mit der wichtigsten Phase seiner Karriere, also mit den frühen und mittleren 70er Jahren.

  • Sendetermin: „Die Lange Rille“, Samstag, 15. Juli 2017, 21 Uhr

 

Auf musikalischer Spurensuche mit Götz Alsmann

Götz Alsmann wird dieser Tage 60, was man ihm aber nicht ansieht. Er ist ein deutscher Musiker, Moderator, Entertainer - und Musikwissenschaftler. Alsmann wurde besonders durch seine TV-Shows "Zimmer frei" und "Alsmanns Nachtmusik" als Fernsehpromi bekannt. Mit permanent im 50er-Jahre-Look gestylten Outfit (nie ohne Krawatte, nie in Jeans) und dazugehöriger Tollenfrisur moderierte er die Sendungen pfiffig-schräg und auch in Gesprächen mit seinen zahlreichen Gästen leicht musikpädagogisch angehaucht daherkommend, aber nie ohne eine gewisse ironische Attitüde. So ganz allgemein könnte man sagen: Der Mann wandelt auf den gleichen Rock & Roll-musikhistorischen Spuren wie der Lonesome Traveler. Neben toller Musikdarbietung standen die Sendefolgen auch für konstant hohe Einschaltquoten. Der Entertainer hat nicht nur bei etlichen TV-Anstalten Programm gemacht. Seit 1985 bietet er auch als Radiomoderator regelmäßige Sendungen im WDR zu Jazz, Schlager und Chanson. Und zwischendurch tourt er mit seiner eigenen Band.
Sein Musikwissenschaftsstudium schloss er übrigens 1985 in seiner Heimatstadt Münster mit der Promotion zum Dr. phil. ab. Titel der Dissertation: "Nichts als Krach : Die unabhängigen Schallplattenfirmen und die Entwicklung der amerikanischen populären Musik 1943 - 1963". Aus diesem interessanten Band (Verlag Musikzeitschrift Spex) erfährt man nicht nur vieles zu allseits bekannten und unbekannten Musikereignissen und Künstlern, sondern wird mit auf eine Art Zeitreise durch die Dekaden von Schellack und Vinyl genommen. Anhand einiger beschriebener Zusammenhänge wird der Lonesome Traveler in dieser Folge Musik einiger Labels wie Aladdin, Bluebird, Imperial, King, Okeh, Vocalion, Columbia und anderer vorstellen. Vielen Dank für die gut aufbereitete Quellenarbeit, Götz Alsmann - und herzlichen Glückwunsch zum runden Geburtstag. (Wolf Silaff)

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 16. Juli 2017, 19 Uhr

Programminfos vom 07.07.2017 bis 13.07.2017

Brennpunkt Medien und Recht

Die rasanten Entwicklungen unseres digitalen Zeitalters stellen das Recht – insbesondere das Medienrecht – vor immer neue Herausforderungen und rufen neuartige juristische Streitfragen hervor. Die Realitäten im Netz erschüttern nicht nur das bisherige Urheberrecht und hinterfragen unser sicher geglaubtes Jugendschutzsystem, sie gefährden auch die informationelle Selbstbestimmung und verändern Grundlagen der Demokratie. Eine Gesellschaft muss klären, wie sie diese Veränderungen aufnimmt und welche rechtlichen Grenzen sie setzt.
Die Veranstaltungsreihe „Brennpunkt Medien und Recht“ soll dazu einen Beitrag leisten, der über rechtswissenschaftliche Kreise hinaus wirkt. Die Reihe wird getragen von der Hessischen Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien (LPR Hessen), der Universität Kassel, der Juristischen Gesellschaft zu Kassel und dem Institut für Europäisches Medienrecht (EMR). Unter dem Titel „Meinungsmacht – Algorithmen, Bots, Trolle, Lückenpresse, Fake News“ fand Mitte Mai im Rahmen der Reihe an der Uni Kassel ein Symposium statt. Wir senden heute die Vorträge von Prof. Dr. Dieter Dörr (Direktor des Mainzer Medieninstituts, Uni Mainz) sowie von Prof. Dr. Ulrich Teusch (Politikwissenschaftler).

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 7. Juli 2017, 18 Uhr

 

Bevor der Messias kommt

Glaubt man an die drei führenden Religionen, kommt eines Tages der Messias und rettet die Welt, die Menschheit, die Religion, den Gott und das Abendland vor dem Bösen. Aber wie kriegen wir es hin, daß der Messias es bis nach Europa schafft?
Vielleicht kann er ja wieder übers Wasser laufen und gelangt so vom Nahen Osten über das Mittelmeer bis nach Lampedusa. Welche Vorbereitungen müssen wir treffen? Sind wir denn schon so weit, ihn zu empfangen?
Diese und andere religiöse Fragen erörtert der Kabarettist Aydin Isik in seinem aktuellen Programm.

  • Sendertermin: „Kabarett live“, Freitag, 7. Juli 2017, 22 Uhr

 

Zum Tod von Gunter Gabriel

Vielen galt er einfach nur als peinlich: Ein Vollpfosten und intellektueller Tiefflieger, den schon lange niemand mehr richtig ernst nimmt und der höchstens noch als Witzfigur taugt; ein abgetakelter Schlagersänger, dessen große Zeit Jahrzehnte zurückliegt und der bestenfalls durch Auftritte in drittklassigen Rabatz-Shows des Unterschichtenfernsehens oder durch dumme Sprüche auf sich aufmerksam macht.
Mag sein, daß man mit diesen Zuschreibungen nicht ganz falsch liegt – Tatsache ist aber auch, daß Gunter Gabriel zu den profiliertesten, eigenständigsten und originellsten deutschen Songschreibern und Sängern der letzten Jahrzehnte zählt. Mit seinen Liedern, die sich im Grenzbereich zwischen Schlager, Chanson und Country bewegen, sprach er ein breites Publikum an, er schuf praktisch im Alleingang ein neues Genre und legte das Fundament für eine weitverbreitete Country-Begeisterung, die in Deutschland in den 70er und 80er Jahren den Erfolg von Künstlern wie Tom Astor oder Truck Stop erst möglich machte. Seine schnörkellosen, originellen Texte gingen teilweise in die Umgangssprache ein, er wurde zum Rollenmodell für viele Underdogs und Verlierer, aber auch zur Trucker-Ikone und zum Frauenheld. Den Erfolgen und dem Ruhm folgte der tiefe Fall – Alkoholismus, Steuerschulden, Konkurs, gesundheitliche Probleme. Trotz allem blieb sich Gunter treu, Aufgeben kam für ihn nicht in Frage. Wie sein Idol und Freund Johnny Cash hielt er durch, so lange es ging – bis in die jüngste Zeit stand er immer wieder auf der Bühne. Kurz vor seinem 75. Geburtstag stürzte Gunter Gabriel schwer; er starb wenige Tage später an den Folgen. Wir würdigen ihn in einer Sondersendung.

  • Sendetermin: „Country Classics“, Samstag, 8. Juli 2017, 18 Uhr

 

qrew On Air

Am Samstag, 8. Juli, ab 20 Uhr sind wir wieder im Freien Radio Kassel zu hören. Wie alle 4 Wochen gestaltet die qrew im Rahmen von „LILI“ (Libertäre Information lokaler Initiativen) eine Sendung zu Themen, die uns bewegen.
Diesmal beschäftigen wir uns mit dem Thema: Trans*feindlichkeit. Da trans*Personen spezifischen Diskriminierungen ausgesetzt sind – und das nicht nur im Alltag, sondern auch in queerfeministischer und linker Szene, setzen wir uns in der kommenden Folge mit verschiedenen Perspektiven und Ebenen Rund um das Thema Trans*feindlichkeit auseinander.
Dafür gibt es sowohl Erklärungen einiger wichtiger Begriffe im Kontext von trans*, als auch Gespräche über unterschiede Ausdrucksformen von Trans*feindlichkeit. Thematisiert werden im Rahmen dessen u. a. die Verbindung von Trans*feindlichkeit und Heteronormativität, Trans*feindlichkeit in (queer-)feministischen Szenen und die Verinnerlichung von erlebter Diskriminierung und Abwertung.

  • Sendetermin: „Libertäre Informationen lokaler Initiativen“ , Samstag, 8. Juli 2017, 20 Uhr

 

Die Hausorchester der Deutschen Grammophon, Folge 5: Ben Berlin

Ben Berlin, der dritte Hauskapellmeister der Grammophon, hatte wohl von allen dort fest beschäftigten Orchesterleitern die meisten Jazzambitionen.
Geboren wurde er in Estland unter dem Namen Hermann Bick.
Von 1928 bis 1931 stand er bei der Deutschen Grammophon als festangestellter Kapellmeister unter Vertrag.
Im Gegensatz zu den drei andern Hauskapellmeistern, die Geiger waren, war sein Instrument das Klavier. Er galt als guter Jazzpianist, der auch von Horst H. Lange in seinem Standardwerk „Jazz in Deutschland“ (Colloquium-Verlag, Berlin, 1966) lobend herausgestellt wird. Lange bedauert allerdings die große Zahl seiner kommerziellen Aufnahmen von Tagesschlagern - von reinem Jazz konnte allerdings selbst in den jazzverrückten 20er Jahren nur eine Handvoll Glücklicher ihr Leben bestreiten. Jedenfalls spricht auch die Orchesterbesetzung für ernsthafte Jazzambitionen: Der Formation gehörten hervorragende Solisten an, so z.B. Louis de Vries (tp), Robby Zillner und Henry van den Bossche (tb), Franz Thon, Paul Romby, Teddy Kline und Billy Barton (cl, saxes), Jack de Vries und René Weiß (bb), Charlie Schäfer (dr) und Kurt Engel (xyl).
Im Streichersatz findet sich interessanterweise der bekannte Refrainsänger Leo Monosson wieder.
Sein musikalischer Werdegang führte Hermann Bick, der am 23.9.1896 in Reval (heute Tallin) in Estland zur Welt kam, schon als Kind Klavierunterricht erhielt und bereits als Jugendlicher als Pianist tätig war, nach seinem Schulabschluß 1913 ans St. Petersburger Konservatorium, das er 1919 als Doktor mit drei Diplomen verließ - in den Fächern Klavierspiel, Komposition und Dirigat.
Am Konservatorium lernte er vermutlich auch seine spätere Frau Vera kennen, die ebenfalls Klavierspiel und Komposition studierte. Bis Mitte der 20er Jahre trat das Ehepaar zusammen bei klassischen Konzerten auf und brachte auch eigene Kompositionen zum Vortrag.
1925 folgte der Umzug nach Berlin. Weil die Karriere im klassischen Fach nur schleppend vorwärtsging, wandte sich Dr. Bick der modernen Tanz- und Unterhaltungsmusik zu, deren Mekka damals Berlin war. Ab 1926 war er als Pianist und Arrangeur bei der Vox-Schallplatte beschäftigt, avancierte zum künstlerischen Direktor und begleitete häufig den Geiger Georges Boulanger, dessen Plattenaufnahmen er auch orchestrierte. Etwa im Juli 1928 wechselte er mit einem neugegründeten Orchester zur Grammophon, für die er vorher schon Klaviereinspielungen gemacht hatte, und legte sich den Künstlernamen „Ben Berlin“ zu. Zwischen 1929 und 1931 war das Orchester die Formation in den Reihen der Grammophon-Hauskapellen, die am meisten vom Jazz verstand und umsetzen konnte. Selbst unter allen deutschen Tanzorchestern dürfte die Kapelle in dieser Zeit, in der das Publikum (auch schon  zur Ablenkung von der Wirtschaftskrise) eher gebändigte Tanzorchesterklänge als Hotnummern verlangte, einen vorderen Rang eingenommen haben, was den Jazz angeht. Neben wenigen deutschen Konkurrenten konnten wohl nur ausländische Orchester, die in Deutschland gastierten, Ben Berlin in dieser Hinsicht das Wasser reichen.
Ben Berlins Vertrag mit der Grammophon wurde in der Wirtschaftskrise 1931 nicht verlängert. Kurz vor dem Ende seiner Tätigkeit dort nahm das Orchester noch Filmschlager auf, die es auch beim Auftritt im Film selbst („Ihre Majestät, die Liebe“, 1931) vorgetragen hatte. Einen davon bringen wir zum Abschluß der Sendung, gleichzeitig eine der letzten von Ben Berlin für die Grammophon eingespielten Platten.

1933 verließ Ben Berlin Deutschland - er war Jude, so wie seine Vorgänger als Hauskapellmeister bei der Grammophon auch. Über Holland und Österreich ging er nach Paris, 1935 gelang ihm der Sprung über den Ärmelkanal. Die BBC, der Britische Rundfunk in London, stellte ihn als Leiter für Musiksendungen an. Auch als Komponist betätigte er sich in England weiter, allerdings unter seinem richtigen Namen. 1944 starb er in England.
In der Sendung hören Sie einen Querschnitt durch das Schaffen von Ben Berlin als Grammophon-Hauskapellmeister.
Auch in dieser Ausgabe haben Sie die Gelegenheit, zwei Versionen desselben Titels im Vergleich zu studieren: Den Tonfilmschlager „Bin kein Hauptmann, bin kein großes Tier“ nahm das Orchester mehrfach, instrumental und mit unterschiedlichem Refraingesang, auf. Wir stellen zwei Fassungen gegenüber, die auch einen Blick auf die Aufnahmetechnik der damaligen Zeit erlauben.

Durch die Sendung begleitet Sie Thomas A. Sosna.

Wir bringen:

Ohne Tränen gibt’s keine Liebe
Meine drei Cousinen
Refraingesang: Two Jazzers
ca. April ‘29

Broadway Melody
The Wedding Of The Painted Doll
ca. Juli’29

Liebling, wie ist dein Name, die Adresse und dein Telephon?
Wenn ich die blonde Inge
Refraingesang: unbekannt
ca. August ’29

Sieben Sterne hat der große Bär (Abraham)
a.d. Tonfilm „Melodie des Herzens“
ca. Januar ‘30

Bin kein Hauptmann, bin kein großes Tier (Abraham)
a.d. Tonfilm „Melodie des Herzens“
(instrumental)
ca. Januar ‘30

Bin kein Hauptmann, bin kein großes Tier (Abraham)
a.d. Tonfilm „Melodie des Herzens“
Refraingesang: Two Jazzers
ca. Januar ‘30

Ich bin die fesche Lola (Hollaender)
a.d. Tonfilm „Der blaue Engel“
Refraingesang: Frieda Weber-Fleßburg
ca. Februar ‘30

Veronika, der Lenz ist da (Rotter - Jurmann)
Ein Solitär in schlanken Frauenhänden
Refraingesang: John Hendrik
ca. März ‘30

Hallo, du süße Frau (W. R. Heymann)
Ein Freund, ein guter Freund (W. R. Heymann)
a.d. Tonfilm „Die drei von der Tankstelle“
Refraingesang: Leo Monosson
ca. August ‘30

Liebling, mein Herz läßt dich grüßen (W. R. Heymann)
Erst kommt ein großes Fragezeichen (W. R. Heymann)
a.d. Tonfilm „Die drei von der Tankstelle“
Refraingesang: Leo Monosson
ca. August ‘30

Ich denk’ an Mädi die ganze Nacht
a.d. Tonfilm „Ihre Majestät, die Liebe“
Dezember ‘30 oder Januar ‘31

Aufnahmeort sämtlicher Platten ist Berlin.

  • Sendetermin: „Tanzparkett extra“, Sonntag, 9. Juli 2017, 17 - 18 Uhr
  • Wiederholung: Montag, 10. Juli 2017, 9 Uhr

 

Ganz Neues und bedingt Frisches: Georg Ringsgwandl ist "Woanders"

Dieser Tage bot der rockende Kardiologe aus Oberbayern in Vellmar wieder einen tollen Auftritt im Sommer-Kulturzelt im Park. Tosender Beifall für Georg Ringsgwandl und seine Klasse-Truppe. Vorgestellt hatten sie das neue Programm "Woanders". Wie meistens: schräge Texte aus dem richtigen Münchener Alltagsleben und exzellent gespielte Musik. Eür die, die nicht dabei sein konnten - hier das komplette Album über den Äther direkt in eure gute Stube. Eingespielt übrigens im Wohnzimmer der Band mit ausschließlich unverstärkten Instrumenten. Diese Folge wird gerahmt mit einigen Titeln aus Ringsgwandls Frühwerk.

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 9. Juli 2017, 19 Uhr

 

Resonanz - Neues aus Musik und Kultur

Studiogast: Marcus Schwarz, Pianist

Vor 150 Jahren wurde Scott Joplin (1868-1917) geboren, der berühmteste afroamerikanische Ragtime-Komponist, der schon zu seinen Lebzeiten als „King of Ragtime“ galt. Aus diesem Anlass hat der Pianist Marcus Schwarz ein Programm zusammengestellt, das Höhepunkte aus dem Werk des großen Komponisten präsentiert, darüber hinaus aber auch seinen afroamerikanischen musikalischen Nachfolgern gewidmet ist. In Resonanz erzählt er über seine persönliche Verbindung zu diesem besonderen Komponisten und zu seiner Musik. In der zweiten Stunde stellen wir die spannende Debüt-CD eines jungen Holzbläser-Ensembles vor, das sich aus Preisträgern des ARD-Musikwettbewerbs zusammensetzt.

  • Sendetermin: „Resonanz“, Mittwoch, 12. Juli 2017, 22 Uhr

Programminfos vom 30.06.2017 bis 05.07.2017

Was erwartet Kassel vom neuen Kulturdezernat?

Die Einrichtung eines Kulturdezernats ist Anlaß genug für eine Debatte der Zivilgesellschaft über die Bedeutung der Kulturpolitik und der Kulturverwaltung für die Stadt Kassel vor dem Hintergrund ihrer kulturpolitischen Aufgaben und Ziele.
Es geht um die Zukunft der documenta, des documenta Archivs und die Einrichtung, Errichtung und Entwicklung des documenta-Instituts in Zusammenarbeit mit dem Land und um eine effiziente Kulturhauptstadtbewerbung. Es gilt, die ganze Breite
der Kasseler kulturellen Institutionen und Initiativen zu fördern, mit den Kulturen der Zuwanderer in einen produktiven Dialog zu treten sowie die weitere Entwicklung der Kulturwirtschaft entschieden voran zu bringen, vor allem um die Chancen dieses
Wirtschaftszweiges für die Stadt zu nutzen.
Da die kulturelle Stadtentwicklung neben einem guten Städtebau mehr als andere Politikfelder geeignet ist, das Image der Stadt zu prägen, verdient die Kulturpolitik die besondere Aufmerksamkeit der Stadtgesellschaft. Daß für alle diese Aufgaben ein
eigenes Dezernat geschaffen werden soll, stellt ein eminent wichtiges Vorhaben dar, das weit über Kassel hinaus großer Aufmerksamkeit sicher sein kann.
Der Verein „Kulturnetz Kassel e.V.“ veranstaltete zu diesem Thema eine Diskussion im Kulturbahnhof, die wir auszugsweise senden.

Begrüßung: Elfriede Huber-Söllner, Vorstand KulturNetz Kassel e.V.
Moderation: Reinhart Richter, Osnabrück, Kulturberater
Podium: Peter Matthias Gaede, Hamburg, Journalist
Prof. Dr. Siegfried Hummel, ehem. Kulturdezernent in Osnabrück
Christine Knüppel, Geschäftsführerin Kulturzentrum Schlachthof
Dr. Volker Rattemeyer, ehm. Direktor Museum Wiesbaden
Ulrich Spengler, Geschäftsführer IHK Kassel-Marburg

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 30. Juni 2017, 18 Uhr

 

Erinnerung an Thomas Phleps (1955 - 2017)

Mit Bestürzung und Trauer erinnern die Blues-Lautsprecher vom Freien Radio in dieser Magazin-Folge an einen der profiliertesten Kasseler Rock-Musiker. Multiinstrumentalist, R & B-Experte, Hochschullehrer, Nachwuchsförderer und Ausnahmegitarrist Thomas Phleps ist am 5. Juni 2017 gestorben. Sein Wirken, besonders in der Szene der dOCUMENTA-Stadt, soll in dieser Sendung nochmal hörbar gemacht werden. Unter dem leicht schrägen Bandnamen BEAT THAT CHICKEN hatte die Kasseler Formation eine Klasse CD-Produktion vorgelegt. Ein kleines Bigband-Projekt :
 
Thomas Phleps (guitar),
Heidi Winter (vocals),
Kurt Sogel (vocals, harp),
Thomas Schneider (piano, organ),
Markus Frei-Hauenschild (bass),
Christian Svenson (drums)
&
The Chicken Horns :
Detlef Landeck (trombone),
Thomas Müller (trumpet),
Rolf Rasch (saxes),
Peter Zingrebe (saxes)
 
Der ausgesprochen soul-bluesige Silberling erschien seinerzeit bei Moon Sound Records unter dem trefflichen Titel "Sold Out" und wurde im Musik-Bunker in der Kasseler Innenstadt eingespielt. Fetzig, rauh und knarzig, mit dem echtem Shouter-Gespür und wahrlich druckvoll-knackigem Gebläse präsentiert - grad so wie bei den diversen Live-Auftritten, beispielsweise im ausverkauften Theaterstübchen, aber auch in der ehemaligen Kulturfabrik Salzmann.
Wir hören R & B-Covers von Willie Dixon, Johnny Guitar Watson, Joe Louis Walker - aber auch Stücke, die Thomas komponiert hatte: "Sold My Soul" (mit Heidi Winter) und "Ain´t Gonna Sing No More". Farewell, Thomas Phleps. Du fehlst.

  • Sendetermin: “Long Distance Call”, Samstag, 1. Juli 2017, 18 Uhr

 

Summer Holiday

So ist die kommende Tanzparkettfolge nach ihrem ersten Musiktitel überschrieben. Das soll aber nicht heißen, daß wir uns ins Sommerloch oder in den Grönlandurlaub verabschieden - auch wenn zu dieser Jahreszeit oft nicht viel anderes übrigbleibt ...
Wir stellen Ihnen in dieser Ausgabe wieder einmal einige US-Jazzbands der 30er Jahre vor. Die Platten stammen, je nach Orchester, aus der frühen bzw. klassischen Swingzeit oder gerade noch aus der letzten Übergangszeit vom alten Jazz zum Swing - und sind gerade deshalb im Vergleich der einzelnen Orchester untereinander und der Aufnahmedaten sehr aufschlußreich, was die musikalischen Entwicklungen und Strömungen jener Zeit angeht.
Mit dabei sind der einarmige Trompeter und Sänger Wingy Manone, weiter die heute zu unrecht etwas vergessene Sängerin und Pianistin Cleo Brown, die hier den Ausnahmeschlagzeuger und Musik-Innovator Vic Berton in ihrem Personal hat, ferner das außerhalb seiner Wirkungsstätte San Antonio, Texas, immerhin einer Stadt von der Größe Frankfurts am Main, fast unbekannte Orchester „Boots and his Buddies“, geleitet von Drummer Boots Douglas, weiterhin Joe Haymes, der vor Jahren in zwei Sendungen von uns gewürdigt wurde, dann der Trompeter und Sänger Henry “Red“ Allen, darauf Lil Armstrong, Exfrau des gleichnamigen Sängers und Trompeters Louis und selbst Sängerin und Pianistin, hier aber nicht selbst am Klavier, sondern als von einem weißen Orchester begleitete reine Sängerin zu hören, darüber hinaus eine Kleingruppe aus dem Isham-Jones-Orchester, die hier schon vom Klarinettisten, Altsaxophonisten und Sänger Woody Herman geleitet wird, erneut eine Wingy-Manone-Gruppe, nämlich die New Orleans Rhythm Kings - und schließlich die Alabama Jug Band, die am Ende unserer Sendung zwei Jazz-Evergreens bringt.

Durchs Programm begleitet Sie Peter Michael.

Wir bringen:

Wingy Manone and his Orchestra
Summer Holiday
No Regrets
NY, 01.7.36

Cleo Brown
You’re My Fever
Breakin‘ In A Pair Of Shoes
LA, 20.11.35

Boots and his Buddies
Rose Room
San Antonio, TX, 14.8.35

Joe Haymes and his Orchestra
I Wish I Could Shimmy Like My Sister Kate
That’s A Plenty
NY, 27.7.36

Henry “Red“ Allen and his Orchestra
Get Rhythm In Your Feet
Body And Soul
NY, 29.4.35

Lil Armstrong and her Swing Orchestra
Let’s Get Happy Together
Happy Today, Sad Tomorrow
NY, 02.,02.38

Isham Jones and his Orchestra
Tormented
Take It Easy
???

The New Orleans Rhythm Kings
Ostrich Walk
Original Dixieland One-Step
NY, 26.9.34

Alabama Jug Band
My Gal Sal NY, 05.9.34
Somebody Stole My Gal NY, 03.10.34

  • Sendetermin: “Tanzparkett extra”, Sonntag, 2. Juli 2017, 17 - 18 Uhr
  • Wiederholung: Montag, 3. Juli 2017, 9 Uhr

 

 

Zum 80. Todestag George Gershwins


Über den am 26. September 1898 in Brooklyn geborenen und am 11. Juli 1937 in Hollywood verstorbenen Komponisten, Pianisten und Dirigenten George Gershwin ließe sich viel schreiben.

Das unterlassen wir aber und wollen lieber Aufnahmen  verschiedener Kompositionen seiner Musical-Evergreens, die das Flair der „Roaring Twenties“ vermitteln, für sich (und für ihn) sprechen lassen.

Auch zwei  Pianosoli, die er höchstpersönlich in der fühelektrischen Aufnahmephase bei Columbia ins Mikrophon spielte, wollen wir Ihnen nicht vorenthalten.

Durchs Programm begleitet Sie Thomas Sosna.

Anmerkungen zur Diskographie:
M. - Musical, T. - Text
In spitzen Klammern Matrizennummer, dahinter Marke, Bestellnummer, Aufnahmeort und -datum.

Wir bringen:

Harry A. Yerkes‘ Orchestra
- Swanee (M. Demi-Tasse/ Sinbad) (T. Irving Caesar) <AM 5405>   Aeolian-Vocalion X 9020   NY, Jan. ‘20

Paul Whiteman and his Orchestra
- South Sea Isles (M. George White’s Scandals 1921) <25476>   Zonophone 3328    NY, 30.8.21
- I’ll Build A Stairway To Paradise (M. George White’s Scandals 1922) <A 26748>   His Master's Voice B 1518   NY, 09.01.22
- Somebody Loves Me (M. George White’s Scandals 1924) <30380-4>   Victor 19414   NY, 11.7.24
- Fascinating Rhythm <B-31554>
- Oh, Lady Be Good <B-31555> (M. Lady, Be Good)   Victor 19551   NY, 29.12.24
- That Certain Feeling (M. Tip-Toes) <A 34177>   Disque Gramophone K-3328   NY, 24.12.25

The Singing Sophomores
- Sweet And Low Down (M. Tip-Toes) (T. Ira Gershwin)  <W 141585/ 22734>   Columbia 4081   NY, 01.02.26

“Charlie’s Orchestra” (Stan Greening, voc. Lionel Tothery)
- Looking For A Boy (M. Tip-Toes) (Etikett: Ich suche einen Mann) <E 266/ DC 266>   Nimbus 1046   London, 07.10.26

Vincent Rizzo and his Hotel Sylvania Orchestra
- Do-Do-Do <W 40725 A/ S 80217>
- Clap Yo’ Hands! (M. Oh! Kay!) (T. Ira Gershwin) <W 40725 B/ S 80218>   Odeon O-4002   NY, Aug. ‘26

George Gershwin

Someone To Watch Over Me <W 142925-3>    Columbia 812-D   NY, 08.11.26
Maybe <W 142932-1>    Columbia 812-D   NY, 12.11.26

The Clicquot Club Eskimos (Harry-Reser-Gruppe), voc. Tom Stacks
- My One And Only (M. Funny Face) <W 145271-2>   Columbia 5107  NY, 05.12.27

 Maurice Chevalier, Orch. Pierre Changnon
- S’Wonderful (M. Funny Face) <WL 1256-1>   Columbia D2031   Paris, Jul./ Aug. ‘28

Sophie Tucker, Ted Shapiro and Orchestra
- The Man I Love (M. Strike Up The Band) <W 400137 B>   Parlophone R 3181   NY, 09.3.28
 
Al Jolson
- Liza (M. Show Girl) (T. Kahn, Gershwin) <o.Nr.>   Brunswick 5002   ?NY, 25.7.29

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 05. Juli 2017, 21 - 22 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 06. Juli 2017, 13 Uhr

 

 

Programminfos vom 23.06.2017 bis 28.06.2017

Sondersendung zum Tod von Dirk Schwarze - Freies Radio würdigt den documenta-Experten

Dirk Schwarze, Journalist, Autor und langjähriger HNA-Kulturredakteur, starb in der vergangenen Woche im Alter von 75 Jahren. Das Freie Radio sendet aus diesem Anlaß die Aufzeichnung eines Interviews, in dem Dirk Schwarze seine persönlichen documenta-Erfahrungen schilderte. Außerdem ist ein Vortrag zu hören, den er im Mai 2015 in der Kasseler Universität im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Kassel 4.0 - Stadt der Transformationen" hielt. Titel des Vortrags: "documenta trifft Alternativkultur - Die Kulturstadt Kassel".

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 23. Juni 2017, 18 Uhr

 

Die Hausorchester der Deutschen Grammophon, Folge 4; Paul Godwin (3/3)

Willkommen zu einer neuen und vorerst letzten Folge über den 1902 in Sosnowitz geborenen und 1982 in Driebergen/ Holland verstorbenen Vielaufnehmer Paul Godwin.
Zu dieser Sendung ist zu sagen, daß hier eine Platte vorkommt, für die das am Schluß der Ausführungen zu den letzten Paul-Godwin-Sendungen Gesagte gilt: Der Titel „Mein Mädel ist nur eine Verkäuferin“ aus Dr. Ralph Benatzkys Operette „Meine Schwester und ich“, etwa im März 1930 aufgenommen, erschien zur Premiere der Verfilmung („Ihre Durchlaucht, die Verkäuferin“) im November 1933 erneut - nun aber mit der neutralen Bezeichnung „Grammophon-Tanzorchester“ auf dem Etikett.
Kapellmeister Godwin und Sänger Leo Monosson galten, da beide Juden waren, zu dieser Zeit schon als unerwünscht - und waren bereits vor den Nazis aus Deutschland geflohen.
Weitere Einzelheiten zu Paul Godwins Biographie und der Repertoiregestaltung der Grammophon entnehmen Sie bitte den Einträgen zu den vorangegangenen Sendungen.

Durch die Sendung begleitet Sie Thomas A. Sosna.

Wir bringen:

Verzeih‘ mir und sei wieder gut!
Refraingesang: Leo Monosson
März ‘29

Du lieber Herrgott, schick‘ mir doch ein kleines Mädel
Refraingesang: Heinz Wernicke
ca. März ‘29

Baby Gaby und die Spieluhr (Eric Plessow)
Für einen Fliederstrauß darfst du mich küssen
ca. Mai ‘29

Blutrote Rosen (Hünemeyer - Krönkemeyer)
Sweet Sue, Just You (Ob du glücklich bist, wenn mein Mund dich küßt)
ca. Juli ‘29

Grüß‘ mir mein Hawaii
Refraingesang: Leo Monosson
ca. Februar ‘30

Du bist das süßeste Mädel der Welt (W. R. Heymann)
a.d. Tonfilm „Liebeswalzer“
Refraingesang: Leo Monosson
ca. Februar ‘30

Mein Mädel ist nur eine Verkäuferin (Benatzky)
a.d. Operette „Meine Schwester und ich“
Refraingesang: Leo Monosson
ca. März’30

Ja so ein Mädel, ungarisches Mädel (Paul Abraham)
a.d. Operette „Viktoria und ihr Husar“
Refraingesang: Leo Monosson
ca. Juli ‘30

C’est pas comme ça (Ohne Liebe ist das Leben wie ein Auto ohne Benzin) (Moretti)
a.d. Tonfilm „Sous les toits de Paris”
ca. August ’30

Bei Fräulein Lisbeth im Parterre
Ach Otto, Otto!
Refraingesang: Rolf Sandor
ca. November ’30

Eine Liebelei, so nebenbei (Hollaender)
a.d. Tonfilm „Einbrecher“
Refraingesang: Rolf Sandor
ca. November ’30

Du hast mir heimlich die Liebe ins Haus gebracht (W. R. Heymann)
a.d. Tonfilm „Ihre Hoheit befiehlt“
Refraingesang: Leo Monosson
ca. Januar ‘31

Mein lieber Schatz, bist du aus Spanien?
Refrenggesang: Leo Monosson
ca. Februar ‘31

Ich hab’ ein Diwanpüppchen, genau wie du (Abraham)
a.d. Operette „Blume von Hawaii“
Refraingesang: Leo Monosson
ca. August ‘31

Aufnahmeort aller Platten ist Berlin.

In der nächsten Folge am 02. Juli werden wir voraussichtlich wieder etwas für die Swingfans unter unseren Hörern bringen.
Die Fortsetzung unserer Reihe über die Grammophon-Hausorchester ist für den 09. Juli geplant. Dort wollen wir Ben Berlin vorstellen.

  • Sendetermin: „Tanzparkett spezial“, Sonntag, 25. Juni 2017, 17 - 18 Uhr
  • Wiederholung: Montag, 26. Juni 2017, 9 Uhr

 

„Chuck“ - Das neue und letzte Album der Legende Chuck Berry

Er beeinflusste die Rolling Stones, die Beatles, Bruce Springsteen und wahrscheinlich noch Tausende andere Künstler: Chuck Berry, auch als "Prime Minister of Rock & Roll" betitelt. Am 18. März 2017 verstarb der legendäre Sänger, Gitarrist und Komponist. Allerdings hinterlässt er der Welt noch ein brandneues Album. Ganz einfach »Chuck« heißt die Platte, die der Rock’n’Roll-Wegbereiter seiner Frau Themetta »Toddy« Berry, mit der er seit 68 Jahren verheiratet war, widmete. Es ist das erste neue Studioalbum von Chuck Berry seit sage und schreibe 38 Jahren. Immer wieder nahm Berry dafür im Laufe der letzten 25 Jahre Songs auf. Zehn davon schafften es letztendlich auf »Chuck«. Unterstützung erhielt er dabei im Studio von seiner Liveband »The Blueberry Hill Band«, bestehend aus Robert Lohr (Piano), Jimmy Marsala (Bass) und Keith Robinson (Schlagzeug). Außerdem wirkten seine Kinder Charles Berry Jr. (Gitarre) und Ingrid Berry (Mundharmonika) am Album sowie Nathaniel Rateliff (Gitarre) und Tom Morello (Gitarre) am Song »Big Boys« mit. Der erschien bereits kurz nach Chuck Berrys Tod als erste Singleauskopplung von »Chuck«. Der erste neue Berry-Song seit 40 Jahren handelt von einem Teenager, der all die Dinge tun möchte, die die Erwachsenen machen. Ein weiteres Highlight auf dem neuen Album ist der Song »Lady B. Goode«, mit dem der Musiker an seinen wohl bekanntesten Hit »Johnny B. Goode« aus dem Jahr 1957 anknüpft. Ein weiterer Beweis, warum er zu den wichtigsten R & B-Künstlern aller Zeiten gehört: »Chuck« heißt das neue und letzte Album der Legende Chuck Berry - "Mr. Rock & Roll". Unzählige Fans und Musikerkollegen haben lange darauf gewartet. Farewell, Chuck Berry. And thanks so much!

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 25. Juni 2017, 19 Uhr

 

Handmade Classics - Die Anfänge von „Handmade“ mit Cap K

In den nächsten beiden Ausgaben der "Handmade Classics" mit unserem leider in 2016 verstorbenen Moderator Karsten „Cap K“ Wagner zeigen wir euch wie alles begann. Es gibt die allererste Sendung überhaupt – sozusagen Sendung null – aus dem August 2000, die eigentlich ein einmaliges Special über Karstens Lieblingsband Sailor sein sollte. Daraus entstand schließlich ab Januar 2001 „Handmade“. Die erste richtige Ausgabe unter diesem Titel wiederholen wir ebenfalls in den „Handmade Classics“. Die beiden Zeitreisen zum Beginn der Show-Geschichte von und mit Cap K gibt es am 28. Juni und am 12. Juli 2017 jeweils ab 19 Uhr.

  • Sendetermin: "Handmade Classics", Mittwoch, 28. Juni 2017, 19 Uhr

Programminfos vom 17.06.2017 bis 18.06.2017

Tragen Kasseler Waschbären rote Schuhe ... ?

Diese Folge eröffnen unsere Regionalmatadoren im heimischen Idiom: Dark Vatter und sinne Combo beschreiben aufs Allerauthentische (und zwar 100%ig = hunnerdbrozenndich) die Vorteile und Besonderheiten und auch Probleme unserer nordhessischen kleinen Großstadt Kassel. Immerhin findet, wie sich längst bereits international herumgesprochen hat, ab sofort auch die kulturelle Großbaustelle dOCUMENTA 14 an vielen spannenden Orten im Stadtgebiet statt. Grad so wie Janoschs Tigerenten auf der Fulle zahlreiche Menschen, große und kleine, überregionale und internationale, regelmäßig an die Stadtregion um das Zentrum locken, so machen wir vom Freien Radio auch musikalisch auf spannende laufende d14-Projekte aufmerksam.
Da wäre beispielsweise die aufregende "Whispering Campaign" des renommierten Pope.L aus Chicago zu nennen, die flüsternderweise direkt aus dem Freien Radio Kassel berichtet. Vor Ort mit dem Künstler kurz eingestimmt, schicken zahlreiche Laien-RadiomacherInnen-Stimmen über einen monatelangen Zyklus Spannendes um die ganze Welt (über Radioätherwellen wie auch über das Internet). Individuelle Kassel-Short Stories inklusive. Geflüstert, this is real audio.
Dark Vatter un sinne Kollägen eröffnen mit ihrem GaaggeschnuddenRockenRoll standesgemäß mit dem "sprechenden Waschbären ... " (eine echte Nordhessen-Ballade) und anderen schrägen Songs die Sendung - und den erwähnten Kunst Event.
Ihnen folgt ein ziemlich anderer spezieller Künstler aus dem bayerischen Oberland: Georg Ringsgwandl, der singende Kardiologe aus Bad Reichenhall. Ja, er taucht endlich auch wieder hier in der Region mit seiner Klasse-Kapelle auf - gleich um die Ecke in Vellmar: "Sommer Im Park" am Samstag, 29. Juni 2017 (Ticket sichern!).
Mit seiner aktuellen Produktion "Woanders" zeigt auch er auf allerfeinste die sogenannte Lokalbezogenheit auf - die intime Vorstellung des neuen Albums reicht bis ins eigene schlichte Wohnzimmer. Aus dem Klappentext, dem sogenannten “Waschzettel“ sei nur so viel verraten: "Da gab es diese Idee, ein Album mit unverstärkten Instrumenten im Wohnzimmer aufzunehmen. Zusammen in einem Raum, Hausmusik, kammermusikalisch miteinander schrammelnd. Nun ist das Einfache oft schwierig, und es brauchte ein paar Konzerte, bis der Klang von Ringsgwandl und Band so abgehangen war, wie es ihnen vorschwebte. Rock und Funk in Zimmerlautstärke. Gibt es den Klangreichtum natürlicher Instrumente und gleichzeitig eine schwarze Rhythmik? Gibt es. Woanders. Von Ringsgwandl und Band an sechs Tagen 2016 aufgenommen, in einer Münchener Altbauwohnung und so leise spielend, daß sich kein Nachbar beklagte. Große Liedermacherkunst, großer Blues. - Keiner kann dir sagen, wo das Paradies ist, nur ER weiß es, aber ER wohnt definitiv WOANDERS ... So betitelt das Album, das heute hier nochmal vorgestellt wird - und so eben auch betitelt Ringsgwandls Programm im Kulturzelt in Vellmar. Wird sicher wieder so eines dieser Highlights (wir werden berichten).
Die dreistündige Sendung wird in der anderen Hälfte durch einen der großen britischen Folkies der vergangenen Dekaden abgerundet: der selige Ewen Carruthers (+ 2010 in Yorkshire) erinnert nochmal mit wunderschönen Gitarrensounds und tiefgründigen Texten an die kreative Periode seines leider viel zu kurzen Lebens. Stockfisch Records aus Northeim hatte unter Günter Paulers Ägide zwei akustisch wertvolle Preziosen herausgebracht: Carruthers letzte Einspielungen, begleitet u.a. von Chris Jones, unter dem Titel "One Red Shoe". Unbedingt hörenswert.
Abschließend wird auch die neue Produktion des Eric Pfeil zu hören sein. Spannender Titel:  "13 Wohnzimmer". Macht neugierig, gell. Die Platte ist ein  gewagtes künstlerisches Projekt - eine musikalische
Reise durch die Wohnwirklichkeit eines Landes. Das gab es noch nie,
ein Album, ausschließlich in fremden Wohnzimmern entstanden. (Trikont, München)

  • Sendetermin: „Die Lange Rille“, Samstag, 17. Juni 2017, 21 Uhr

 

„Chuck“ - Das neue und letzte Album der Legende Chuck Berry

Er beeinflusste die Rolling Stones, die Beatles, Bruce Springsteen und wahrscheinlich noch Tausende andere Künstler: Chuck Berry, auch als "Prime Minister of Rock & Roll" betitelt. Am 18. März 2017 verstarb der legendäre Sänger, Gitarrist und Komponist. Allerdings hinterlässt er der Welt noch ein brandneues Album. Ganz einfach »Chuck« heißt die Platte, die der Rock’n’Roll-Wegbereiter seiner Frau Themetta »Toddy« Berry, mit der er seit 68 Jahren verheiratet war, widmete. Es ist das erste neue Studioalbum von Chuck Berry seit sage und schreibe 38 Jahren. Immer wieder nahm Berry dafür im Laufe der letzten 25 Jahre Songs auf. Zehn davon schafften es letztendlich auf »Chuck«. Unterstützung erhielt er dabei im Studio von seiner Liveband »The Blueberry Hill Band«, bestehend aus Robert Lohr (Piano), Jimmy Marsala (Bass) und Keith Robinson (Schlagzeug). Außerdem wirkten seine Kinder Charles Berry Jr. (Gitarre) und Ingrid Berry (Mundharmonika) am Album sowie Nathaniel Rateliff (Gitarre) und Tom Morello (Gitarre) am Song »Big Boys« mit. Der erschien bereits kurz nach Chuck Berrys Tod als erste Singleauskopplung von »Chuck«. Der erste neue Berry-Song seit 40 Jahren handelt von einem Teenager, der all die Dinge tun möchte, die die Erwachsenen machen. Ein weiteres Highlight auf dem neuen Album ist der Song »Lady B. Goode«, mit dem der Musiker an seinen wohl bekanntesten Hit »Johnny B. Goode« aus dem Jahr 1957 anknüpft. Ein weiterer Beweis, warum er zu den wichtigsten R & B-Künstlern aller Zeiten gehört: »Chuck« heißt das neue und letzte Album der Legende Chuck Berry - "Mr. Rock & Roll". Unzählige Fans und Musikerkollegen haben lange darauf gewartet. Farewell, Chuck Berry. And thanks so much!

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 18. Juni 2017, 19 Uhr

Programminfos vom 08.06.2017 bis 15.06.2017

Swing und Tanzmusik der 30er und 40er Jahre aus Schweden, Folge 4/ 2017

Dieses Jahr gibt es im „Tanzparkett“ einen kleinen Schwerpunkt mit skandinavischen Platten überhaupt und schwedischen im besonderen.
Die ausgeprägte Musikalität, die von jeher auch in der Folklore zum Ausdruck kommt, prädestinierte die nordischen Länder zum Aufbau einer vielseitigen Jazz- und Tanzmusikszene, die heute ihrerseits schon längst zur dortigen musikalischen Tradition gehört.
Das Augenmerk unserer vierten Sendung in diesem Jahr liegt auf der Swingzeit.
Während der Rest Europas ins Chaos der deutschen Expansionsgelüste rutschte, lebte man in Schweden geradezu auf einer Insel der Glückseligkeit, einer Art Arche Noah („Noah von heute“ heißt passenderweise auch ein vor einigen Jahren in einer unserer Sendungen gebrachter schwedischer Jazztitel).
Diktatur, Krieg und Elend kannte man nur aus der Wochenschau oder schlimmstenfalls aus den Erzählungen von Flüchtlingen. Ab und zu verdunkelte man übungshalber die Stadtbeleuchtung, hatte dabei aber stets die neuesten US-Schlager im Ohr.
Entsprechend frisch und lebensfroh wirken die Aufnahmen, gleich ob importiert oder „Eigengewächse“.
Weitere Sendungen zum Thema Skandinavien befinden sich in Vorbereitung.

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 7. Juni 2017, 21-22 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 8. Juni 2017, 13 Uhr

 

Schulradio der Friedrich-List-Schule, Teil 2

Erste Sendung des FLS-Schulradios. Für den jährlich stattfindenden Sprachentag haben die Integrationsklassen (InteA) der Friedrich-List-Schule eine Radiosendung produziert. Sie stellen sich sowohl in Deutsch als auch in ihrer Landessprache vor und spielen ihre Lieblingslieder. Zudem haben sie Schülerinnen und Schüler auf dem Schulhof interviewt. Es geht um den Sprachentag, Lieblingssongs und Musikwünsche.

  • Sendetermin: “FLS-Schulradio”, Freitag, 9. Juni 2017, 17 Uhr

 

Vorschau auf das Zeltfestival „Sommer im Park“ in Vellmar

Sommerzeit – Festivalzeit. Allerorten werden Zelte aufgebaut, Scheunen hergerichtet und Bühnen gezimmert, um auch während der Ferienzeit den Daheimgebliebenen künstlerische Highlights präsentieren zu können – und natürlich auch, um den jeweiligen Kommunen etwas kulturellen Glanz zu verpassen. Das „Sommer im Park“-Festival in Vellmar gehört seit Jahren zu den renommiertesten und bestbesuchten Veranstaltungsreihen dieser Art in Nordhessen. Und wie in jedem Jahr, so werden wir auch 2017 gemeinsam mit Pia Bluhm, der Organisatorin des Festivals, das Programm im FRK vorstellen.
Die prominentesten Veranstaltungen – u.a. Urban Priol und Torsten Sträter – sind bereits ausverkauft. Allerdings gibt es in diesem Jahr noch viel mehr an Interessantem und Spannendem aus den Bereichen Kleinkunst, Comedy und Musik zu entdecken. Unter anderem sind dabei: Frieda Braun, Eure Mütter, Maybebop, Jochen Malmsheimer, Vince Ebert, Wolfgang Ambros, die Lokalmatadore Louis On The Run sowie etliche weitere Künstler.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 9. Juni 2017, 18 Uhr

 

 

LILI: "Die qrew - Female* und Feminist* Punkrock"

Wie alle 4 Wochen gestaltet die qrew im Rahmen von „LILI“ (Libertäre Information lokaler Initiativen) eine Sendung zu Themen, die uns bewegen.

Diesmal beschäftigen wir uns mit dem Thema: Female* und Feminist* Punkrock.
Musik und insbesondere auch Punkrock ist meist männlich dominiert. Deswegen möchten wir in LiLi Female* Punk einen Raum bieten. Neben toller Musik gibt es eine kurze geschichtliche Einführung über die Riot Grrrls, und auch über feministischen Punk außerhalb der Riot Grrrl-Bewegung. Außerdem erwarten euch, wie jede Folge, News und Termine aus der Region.  Also hört rein!

  • Sendetermin: "LILI", Samstag 10.06., 20 Uhr
  • Wiederholung: Sonntag 11.06., 12 Uhr

 

Die Hausorchester der Deutschen Grammophon

Folge 3: Paul Godwin (2/3)

Mit dieser Sendung setzen wir die Wiederholung unserer kleinen Reihe fort, in der wir die vier Hausorchester der Deutschen Grammophon von kurz nach dem ersten Weltkrieg bis (in einem Falle) noch nach dem Ende der Weimarer Republik präsentieren.
Als erstes Orchester hatten wir das von Efim Schachmeister vorgestellt. Im weiteren Verlauf der Reihe werden wir noch den Ensembles von Hermann „Ben Berlin“ Bick und Ilja Livschakoff begegnen.
In dieser und einer weiteren Sendung geht es, wie schon in der letzten auch, um die zweite Kapelle, die bei der Deutschen Grammophon fest engagiert war. Für das sich ständig verbreiternde Repertoire der Firma spielten die Hausorchester von Salonmusik, Operetteneinlagen und leichter Klassik über Tagesschlager bis hin zu zeitgemäß angejazzter Tanzmusik alles ein, wonach die Plattenkäufer verlangten.
Da offenbar der Grammophon ein Hausorchester nicht reichte, um das Repertoire so stark zu erweitern, wie es die tanzwütigen 20er Jahre forderten, engagierte man eben eine zweite Kapelle fest für Plattenaufnahmen. Dies sollte sich nach Überwindung der Inflation 1924 bezahlt machen, denn zumindest für die Plattenfirmen galt bis Ausbruch der Weltwirtschaftskrise angesichts von Verkaufsziffern in Millionenhöhe der Begriff der „goldenen“ 20er Jahre voll und ganz.
Es handelt sich um das Orchester von Paul Godwin.
Godwin wurde als Kind polnischer Juden am 28.3.1902 im oberschlesischen, zu Rußland gehörenden Sosnowitz (heute Sosnowiec/ Polen) unter dem Namen Pinchas (auch Pinkas) Goldfein geboren. Wie sein späterer Kollege bei der Grammophon, Efim Schachmeister, war auch er Geiger. Seine Ausbildung erhielt er zunächst in Warschau bei dem Geiger und Komponisten Stanislaw Barczewicz, später in Wien und bei Jenö Hubay in Budapest. Ende 1920 schrieb er sich in Berlin an der Hochschule für Musik ein, um bei dem Violinvirtuosen Willy Heß zu studieren.
1922 gründete er ein Orchester, das ein Jahr später von der Grammophon unter Vertrag genommen wurde.
Godwin war ein ausgesprochener Vielaufnehmer. Das sichert ihm in Plattensammlerkreisen - trotz seiner späteren fast völligen Vergessenheit beim deutschen Plattenkäufer - meist einen relativ breiten Platz im Plattenschrank, auch wenn seine letzten Aufnahmen für die Grammophon mehr als 80 Jahre zurückliegen. Wie oben schon angesprochen, stellen seine wie auch Schachmeisters Platten einen Querschnitt durch die Tagesproduktion einer großen Plattenfirma der 20er und frühen 30er Jahre dar. Wie Schachmeister saß auch er fest in allen musikalischen Sätteln, konnte klassische Stücke ebenso selbstverständlich einspielen wie Salonmusik und Tagesschlager, darunter viele der in jener Zeit besonders populären Blödelschlager, von denen auch wir einige vorstellen werden. Auch sein Personal wies wegen der verschiedenen Anforderungen zeitweise sehr versierte Jazzmusiker auf, die natürlich teilweise in den verschiedenen Hausorchestern mitwirkten.
Um zu zeigen, daß das Orchester nicht einfach immer dieselbe Routine abwickelte, boten wir Ihnen in der ersten Folge einen interessanten Vergleich: Den Titel „Zwei rote Rosen, ein zarter Kuß“ konnten Sie zweimal hintereinander hören -  einmal mit unbekanntem Refrainsänger in einer Aufnahme vom September ’27, danach mit Carl de Vogt vom November ’27. Diese Aufnahmen kamen beide unter derselben Bestellnummer und mit derselben Rückseite heraus. Vermutlich war die Matrize des damals äußerst populären Schlagers bei Herstellung weiterer Preßmatrizen zerstört worden, so daß eine Neuaufnahme erforderlich wurde, wollte man ihn im Repertoire behalten. Die großen Unterschiede beider Versionen sprechen dafür, daß das Orchester auch auf der Bühne abwechslungsreich geklungen haben muß und nie „nach Schema F“ auftrat. In der heutigen Zeit, wo gewisse Musikfans meutern, wenn ihre heiß verehrte Rockband auf der Bühne anders klingt als auf dem mitlerweile 30 Jahre alten Album, inzwischen beinahe eine merkwürdige Vorstellung ...
Die Wirtschaftskrise überstand Godwins Exklusivvertrag mit der Grammophon zunächst unbeschadet, nachdem sein Kollege Efim Schachmeister ab 1930 nicht mehr für die Grammophon, sondern für andere, kleinere Firmen aufnahm. Als Jude teilte Godwin mit Schachmeister aber eine Weichenstellung im Lebensweg, nämlich die Emigration. Godwin nahm die letzten Platten für die Grammophon Anfang 1933 auf, denn bald nach der Machtergreifung der NSDAP 1933 floh er vor der braunen Schreckensherrschaft nach Holland. Dort wurde er vor allem als klassischer Geiger bekannt. Die deutsche Besatzung und den Krieg überlebte er, da er eine, wie es in der Sprache des III. Reichs hieß, „arische“ Ehefrau hatte, so daß er nicht deportiert und ermordet, sondern als Zwangsarbeiter beschäftigt wurde.
Das deutsche Publikum vergaß ihn schnell, weil seine Platten nach 1933 fast sofort aus den Regalen der Plattengeschäfte verschwanden - er galt in erster Linie als Tanzmusiker, seine Tagesschlager von gestern aber waren nicht mehr aktuell, neue kamen nach seiner Emigration natürlich nicht mehr heraus, und die klassischen Aufnahmen wurden nach und nach durch Platten „arischer“ Künstler ersetzt - oder aber seine Platten erschienen mit einer neutralen Orchesterbezeichung auf dem Etikett noch einige Zeit weiter. Daß dahinter Paul Godwin steckte, nahm aber der damalige Plattenkäufer nicht wahr.
Soweit sind wir aber in dieser Ausgabe noch nicht - sie kündet von Paul Godwins großer Zeit im blühenden Tanzmusikgeschehen der wilden 20er.

Die dritte Folge über Paul Godwin strahlen wir am 25.Juni aus.

In der kommenden Woche steht wieder etwas für die Swingfreunde auf dem Programm: The unknown Bigbands, Folge 2.

Durch das Programm führt Thomas A. Sosna.
Wir bringen:

In Omsk, in Tomsk, in Astrachan (Willy Rosen - Kurt Robitschek)
Refraingesang: Franz Baumann
ca. Februar ‘28

Es liegt in der Luft (Mischa Spoliansky - Marcellus Schiffer)
Refraingesang: unbekannt
Ca. Februar/ März ‘28

Riff Song
Es war doch Liebe
ca. März/ April ’28

Pierrot, komm‘, trag‘ mich nach Haus‘ (Robert Stolz)
a.d. Operette „Eine einzige Nacht“ / „Operette einer einzigen Nacht“ ?????
ca. März/ April ’28

Ja, ja, die Frau’n sind meine schwache Seite (Austin Egen)
ca. April ’28

Eine schöne weiße Chrysantheme (Willy Rosen)
Kokolores (Jim Cowler - Fritz Rotter)
Refraingesang: Franz Baumann
ca. April ’28

Souvenirs (Ein bißchen Seligkeit)
Dew-dew-dewy Day
April/ Mai ’28

Liebe und Trompetenblasen
Ein Schwips, ein Schwipschen
Refraingesang: Robert Koppel
ca. Juni ’28

Wer weiß, ob deine Augen lügen? (Hermann Krome)
Ich will von der Lilly nichts wissen (Austin Egen - Kurt Schwabach)
Refraingesang: Robert Koppel
ca. September ’28

Kanonensong (Kurt Weill)
aus der „Dreigroschenoper“ von Bertolt Brecht
ca. Oktober ’28

Rosen, flammend rote Rosen (Robert Stolz)
Am schönsten ist meine Heimat (I still love You)
Refraingesang: Leo Monosson
ca. Januar ’29

  • Sendetermin: „Tanzparkett spezial“, Sonntag, 11. Juni 2017, 17-18 Uhr
  • Wiederholung: Montag, 12. Juni 2017, 9 Uhr.

 

Vanishing Southern Rock? - Zum Tod von Gregg Allman, Teil 2

Die Allman Brothers galten seit den 1970er Jahren als die Mitbegründer eines anschließend international mit der Bezeichnung „Southern Rock“ oder auch „Südstaaten-Rock“ verknüpften Sounds, der sich aus Rock, Blues und Country speiste. Einzelne Ohrwürmer-Klassiker und viele unvergessene Live-Auftritte der legendären Band aus Macon/Georgia haben seitdem ihre ganz eigene Marke hinterlassen. Die langgezogenen Gitarren- und melodischen Gesangsparts des unglaublichen musikalischen Sextetts um die Brüder Duane und Gregg Allman standen lange Zeit für Dixie-formulierte Sounds und eine gewisse Südstaaten-Attitüde (ähnlich wie bei Lynyrd Skynyrd). Sie standen aber aber auch für die Anti-Vietnamkriegseinstellung so vieler Kids und Aktivisten der damaligen Zeit. Auch in damaligen deutschen Wohngemeinschaften sind die Alben der Southern Rocker, trotz aller anfänglichen Skepsis gegenüber der regionalen (und konservativ eingeschätzten) Herkunft nach mehrmaligem intensiven Verständnishinhören ziemlich bald zu Dauerbrennern geworden ...
Die Allman Brothers Band, gegründet 1969, bestand ursprünglich aus Duane Allman (Gitarre), Gregg Allman (Gesang, Keyboard), Dickey Betts (Gitarre), Berry Oakley (Bass), Butch Trucks (Schlagzeug) und Jai Johanny „Jaimoe“ Johanson (Percussion). Die eigentlichen Allman-Brüder, Duane und Gregg, spielten zuvor in verschiedenen Gruppen, u. a. den Escorts, den Allman Joys und zuletzt Hour Glass. Als Hour Glass ihren Plattenvertrag verloren, gründete Duane die Allman Brothers Band. 1969 brachten sie ihr gelobtes, aber wenig beachtetes erstes Album heraus, „The Allman Brothers Band“. Das zweite Album „Idlewild South“ (1970) war bereits ein Achtungserfolg. Das dritte Album „At Fillmore East“ (1971) brachte den endgültigen Durchbruch. Wenig später starb Duane Allman an den Folgen eines Motorradunfalls. Die Band beendete das mit Duane begonnene Album „Eat a Peach“. Chuck Leavell (Piano) wurde in die Band aufgenommen. Nach der Veröffentlichung von „Eat a Peach“ starb auch Berry Oakley durch einen Motorradunfall, nicht weit von der Stelle, an der Duane verunglückt war. Lamar Williams ersetzte Oakley. Das nächste Album „Brothers and Sisters“ erschien 1973. Es enthielt die heute bekanntesten Hits der Band, „Ramblin' Man“ und das Instrumentalstück „Jessica“.
Aufgrund persönlicher Differenzen driftete die Band auseinander. Gregg Allman und Dickey Betts starteten Solokarrieren. Gregg heiratete Cher, und das gleich zweimal. Drogenmissbrauch forderte seinen Tribut. 1975 entstand das Album „Win, Lose or Draw“, im selben Jahr wurde außerdem noch das Kompilationsalbum „The Road Goes On Forever“ veröffentlicht. Im Mai 1976 kam das Ende der Band, nachdem Gregg Allman in einem Drogenverfahren gegen einen Bandmitarbeiter ausgesagt hatte. Leavell, Johanson und Williams gründeten Sea Level, während Betts an seiner Solokarriere arbeitete. Es erschien mit „Wipe the Windows, Check the Oil, Dollar Gas“ ein Livealbum, welches auch bisher unveröffentlichtes Material brachte. 1978 gab es eine Wiedervereinigung der Band ohne Chuck Leavell und Lamar Williams, aber mit Dan Toler (Gitarre) als neuem Mitglied. 1979 kam das Album „Enlightened Rogues“ heraus. Aber bereits 1982 brach die Gruppe erneut auseinander. Am 27. Mai 2017 ist nun der großartige Singer/Songwriter und Tastenmann Gregory Lenoir Allman 69jährig in Savannah/Georgia gestorben. In dieser Folge hören wir Auszüge aus dem Klassiker "Eat a Peach". 

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 11. Juni 2017, 19 Uhr

Programminfos vom 01.06.2017 bis 10.06.2017

Schulradio der Friedrich-List-Schule, Teil 1

Erste Sendung des FLS-Schulradios. Für den jährlich stattfindenden Sprachentag haben die Integrationsklassen (InteA) der Friedrich-List-Schule eine Radiosendung produziert. Sie stellen sich sowohl in Deutsch als auch in ihrer Landessprache vor und spielen ihre Lieblingslieder. Zudem haben sie Schülerinnen, Schüler sowie eine Lehrkraft auf dem Schulhof interviewt. Es geht um den Sprachentag, Lieblingssongs und Musikwünsche.

  • Sendetermin: “FLS-Schulradio”, Freitag, 2. Juni 2017, 17 Uhr

 

Tim Hardin: "I just call to say we´re through ..."

So eine Ansage ... Mann, das  i s t  der  Blues! Auch wenn Tim Hardin seinerzeit oftmals mit der weißen Folk Szene des Greenwich Village in Verbindung gebracht wurde und mit seinen wunderschönen zeitlosen Songs wie "If I were a carpenter", "Reason to believe", "Hang on to a dream" oder "Lady came from Baltimore" noch wesentlich mehr erhoffen ließ - er war ein weißer Bluesmann, grad so wie Hank Williams, den Hardin übrigens ebenfalls sehr verehrt hat. Er hat wahrlich tolle Songs komponiert, durch eine gewisse atmosphärische Sparsamkeit Wirkungseffekte der besonderen Art geschaffen. Und er hat den Blues gespielt. Aus den Spät-60ern hören wir eine kleine Auswahl von und mit Tim Hardin: "How time flies ..."

  • Sendetermin: „Long Distance Call“, Samstag, 3. Juni 2017, 18 Uhr

 

The unknown Bigbands, Folge 1

Bevor Sie in der nächsten Woche eine weitere Folge über die Hausorchester der Deutschen Grammophon aus der Weimarer Republik hören können, entführen wir Sie einmal mehr in die USA der Swingzeit.
In dieser und einer weiteren, zwei Wochen später zur Sendung vorgesehenen Folge stellen wir Ihnen in der Wiederholung einer „Tanzparkett“-Ausgabe von 2009 heute praktisch vergessene Bigbands der 30er Jahre vor, die alle vom großen Kuchen der Swingwelle mitnaschen wollten.
Am 11.6. geht es weiter mit der zweiten Folge über das zweite Hausorchester der Grammophon, das von dem „Vielaufnehmer“ Pinkas „Paul Godwin“ Goldfein geleitet wurde (die erste Folge lief am 28.5.).

  • Sendetermin: „Tanzparkett extra“, Sonntag, 4. Juni 2017, 17-18 Uhr
  • Wiederholung: Montag, 5. Juni 2017, 9 Uhr

 

Vanishing Southern Rock? - Zum Tod von Gregg Allman

Die Allman Brothers galten seit den 1970er Jahren als die Mitbegründer eines anschließend international mit der Bezeichnung „Southern Rock“ oder auch „Südstaaten-Rock“ verknüpften Sounds, der sich aus Rock, Blues und Country speiste. Einzelne Ohrwürmer-Klassiker und viele unvergessene Live-Auftritte der legendären Band aus Macon/Georgia haben seitdem ihre ganz eigene Marke hinterlassen. Die langgezogenen Gitarren- und melodischen Gesangsparts des unglaublichen musikalischen Sextetts um die Brüder Duane und Gregg Allman standen lange Zeit für Dixie-formulierte Sounds und eine gewisse Südstaaten-Attitüde (ähnlich wie bei Lynyrd Skynyrd). Sie standen aber aber auch für die Anti-Vietnamkriegseinstellung so vieler Kids und Aktivisten der damaligen Zeit. Auch in damaligen deutschen Wohngemeinschaften sind die Alben der Southern Rocker, trotz aller anfänglichen Skepsis gegenüber der regionalen (und konservativ eingeschätzten) Herkunft nach mehrmaligem intensiven Verständnishinhören ziemlich bald zu Dauerbrennern geworden ...
Die Allman Brothers Band, gegründet 1969, bestand ursprünglich aus Duane Allman (Gitarre), Gregg Allman (Gesang, Keyboard), Dickey Betts (Gitarre), Berry Oakley (Bass), Butch Trucks (Schlagzeug) und Jai Johanny „Jaimoe“ Johanson (Percussion). Die eigentlichen Allman-Brüder, Duane und Gregg, spielten zuvor in verschiedenen Gruppen, u. a. den Escorts, den Allman Joys und zuletzt Hour Glass. Als Hour Glass ihren Plattenvertrag verloren, gründete Duane die Allman Brothers Band. 1969 brachten sie ihr gelobtes, aber wenig beachtetes erstes Album heraus, „The Allman Brothers Band“. Das zweite Album „Idlewild South“ (1970) war bereits ein Achtungserfolg. Das dritte Album „At Fillmore East“ (1971) brachte den endgültigen Durchbruch. Wenig später starb Duane Allman an den Folgen eines Motorradunfalls. Die Band beendete das mit Duane begonnene Album „Eat a Peach“. Chuck Leavell (Piano) wurde in die Band aufgenommen. Nach der Veröffentlichung von „Eat a Peach“ starb auch Berry Oakley durch einen Motorradunfall, nicht weit von der Stelle, an der Duane verunglückt war. Lamar Williams ersetzte Oakley. Das nächste Album „Brothers and Sisters“ erschien 1973. Es enthielt die heute bekanntesten Hits der Band, „Ramblin' Man“ und das Instrumentalstück „Jessica“.
Aufgrund persönlicher Differenzen driftete die Band auseinander. Gregg Allman und Dickey Betts starteten Solokarrieren. Gregg heiratete Cher, und das gleich zweimal. Drogenmissbrauch forderte seinen Tribut. 1975 entstand das Album „Win, Lose or Draw“, im selben Jahr wurde außerdem noch das Kompilationsalbum „The Road Goes On Forever“ veröffentlicht. Im Mai 1976 kam das Ende der Band, nachdem Gregg Allman in einem Drogenverfahren gegen einen Bandmitarbeiter ausgesagt hatte. Leavell, Johanson und Williams gründeten Sea Level, während Betts an seiner Solokarriere arbeitete. Es erschien mit „Wipe the Windows, Check the Oil, Dollar Gas“ ein Livealbum, welches auch bisher unveröffentlichtes Material brachte. 1978 gab es eine Wiedervereinigung der Band ohne Chuck Leavell und Lamar Williams, aber mit Dan Toler (Gitarre) als neuem Mitglied. 1979 kam das Album „Enlightened Rogues“ heraus. Aber bereits 1982 brach die Gruppe erneut auseinander. Am 27. Mai 2017 ist nun der großartige Singer/Songwriter und Tastenmann Gregory Lenoir Allman 69jährig in Savannah/Georgia gestorben. In dieser Folge hören wir eine Kompilation der bekanntesten Songs der Band; in der nächsten dann Auszüge aus "Eat a Peach". 

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 4. Juni 2017, 19 Uhr

 

Swing und Tanzmusik der 30er und 40er Jahre aus Schweden, Folge 4/ 2017

Dieses Jahr gibt es im „Tanzparkett“ einen kleinen Schwerpunkt mit skandinavischen Platten überhaupt und schwedischen im besonderen.
Die ausgeprägte Musikalität, die von jeher auch in der Folklore zum Ausdruck kommt, prädestinierte die nordischen Länder zum Aufbau einer vielseitigen Jazz- und Tanzmusikszene, die heute ihrerseits schon längst zur dortigen musikalischen Tradition gehört.
Das Augenmerk unserer vierten Sendung in diesem Jahr liegt auf der Swingzeit.
Während der Rest Europas ins Chaos der deutschen Expansionsgelüste rutschte, lebte man in Schweden geradezu auf einer Insel der Glückseligkeit, einer Art Arche Noah („Noah von heute“ heißt passenderweise auch ein vor einigen Jahren in einer unserer Sendungen gebrachter schwedischer Jazztitel).
Diktatur, Krieg und Elend kannte man nur aus der Wochenschau oder schlimmstenfalls aus den Erzählungen von Flüchtlingen. Ab und zu verdunkelte man übungshalber die Stadtbeleuchtung, hatte dabei aber stets die neuesten US-Schlager im Ohr.
Entsprechend frisch und lebensfroh wirken die Aufnahmen, gleich ob importiert oder „Eigengewächse“.
Weitere Sendungen zum Thema Skandinavien befinden sich in Vorbereitung.

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 7. Juni 2017, 21-22 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 8. Juni 2017, 13 Uhr

 

LILI: "Die qrew - Female* und Feminist* Punkrock"

Wie alle 4 Wochen gestaltet die qrew im Rahmen von „LILI“ (Libertäre Information lokaler Initiativen) eine Sendung zu Themen, die uns bewegen.

Diesmal beschäftigen wir uns mit dem Thema: Female* und Feminist* Punkrock.
Musik und insbesondere auch Punkrock ist meist männlich dominiert. Deswegen möchten wir in LiLi Female* Punk einen Raum bieten. Neben toller Musik gibt es eine kurze geschichtliche Einführung über die Riot Grrrls, und auch über feministischen Punk außerhalb der Riot Grrrl-Bewegung. Außerdem erwarten euch, wie jede Folge, News und Termine aus der Region.  Also hört rein!

  • Sendetermin: "LILI", Samstag 10.06., 20 Uhr
  • Wiederholung: Sonntag 11.06., 12 Uhr

Programminfos von 25.05.2017 bis 01.06.2017

Bürgerversammlung zur Netzreform

Seit längerer Zeit wird in Kassel heftig über die geplante Liniennetzreform der KVG diskutiert. Die städtische Verkehrsgesellschaft will sparen und plant daher eine Reihe von Maßnahmen, die den öffentlichen Nahverkehr effizienter,  bedarfsgerechter und vor allem kostengünstiger gestalten sollen. Allerdings stößt das Vorhaben auf teils erbitterten Widerstand der Nutzer: Etliche Angebote sollen ausgedünnt werden oder ganz entfallen; Haltestellen werden nicht mehr bedient, Buslinien werden zu bestimmten Zeiten von Anruf-Sammeltaxis übernommen, einige Gebiete können hinkünftig nicht mehr mit dem ÖPNV erreicht werden. Obwohl die KVG ihre ursprünglichen Pläne inzwischen teilweise entschärft hat, laufen immer noch zahlreiche Kunden Sturm gegen die Sparmaßnahmen; auch Ortsbeiräte schließen sich den Protesten an. Ob das Vorhaben umgesetzt wird, entscheidet letztlich die Stadtverordnetenversammlung. Aber auch hier ist Widerstand zu erwarten.
Am Montag dieser Woche fand im Rathaus die bereits vor längerem angekündigte Bürgerversammlung zur Netzreform statt. Neben Verkehrsdezernent Christof Nolda und Stadtkämmerer Christian Geselle waren auch Vertreter der KVG anwesend und stellten sich den Fragen und der Kritik der Zuhörer. Wir senden Auszüge aus der Veranstaltung.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 26. Mai 2017, 18 Uhr

 

Truck Stop in den 70ern

40 Jahre ist es her, daß die Hamburger Band Truck Stop von englischen auf deutschsprachige Songs umstellte – und damit den Grundstein für ihre bis heute anhaltende Karriere als erfolgreichste deutsche Country-Band legte. Hits wie „Der wilde wilde Westen“ und „Ich möcht so gern Dave Dudley hörn“ zählen zu den Klassikern des Deutsch-Country; die frühen deutschsprachigen LPs wurden Bestseller und lösten hierzulande einen regelrechten Country-Boom aus. Leider sind die legendären Aufnahmen aus den späten 70er und frühen 80er Jahren bisher größtenteils nicht auf CD erhältlich gewesen. Nun aber hat sich die Plattenfirma doch noch erbarmt und eine 3-CD-Edition mit Songs aus dieser Ära herausgebracht (wenn auch eine ordnungsgemäße CD-Ausgabe der kompletten Originalalben weiterhin aussteht). Wir stellen die Box vor und schwelgen in Erinnerungen an die große Zeit der „Elbe-Cowboys“, als Country plötzlich auch in Deutschland hoffähig wurde und ein breites Publikum ansprach – zumindest zeitweise. Folge 2 unseres Specials im Rahmen der „Country Classics“ befaßt sich mit den beiden LPs „Bitte recht freundlich“ (1979) und „Truck Stop“ (1980). Außerdem geht’s um die legendäre Teilnahme der Gruppe am deutschen „Granz Prix“-Vorentscheid mit „Take It Easy, altes Haus“, um die große Deutschland-Tournee mit Dave Dudley sowie um die Verbindung zwischen Truck Stop (und Country Music allgemein) mit der Trucker-Szene.

  • Sendetermin: „Country Classics“, Samstag, 27. Mai 2017, 18 Uhr

 

Ray Davies, Kinks, Flock: "Schoolboys in Disgrace"

Ist es denn ein Wunder - auch diese Folge beginnt mit altbekannten Chuck Berry-Titeln. Passend zum Musikbusiness gibt‘s "Too much monkey business", gefolgt von der "Beautiful Delilah". Nein, nicht vom seligen Mr. Rock & Roll, sondern von den guten alten Kinks aus Muswell Hill, Nord-London (GB). Diese Ausgabe ist sozusagen dreischichtig:
Zuerst hören wir die klassischen Mitt-60er Kinks mit einigen Ohrwürmern, die bereits andeutungsweise in Richtung Prä-Punk deuten. Es folgen einige Tracks aus dem brandneuen Album des Masterminds Ray Davies, "Americana". Eine feine Scheibe, da Ray sich musikalisch gekonnt mit seinen individuellen USA-Erfahrungen auseinandersetzt. Und sie sind, wie könnte es anders sein, bunt, schräg, melancholisch-philosophisch und widersprüchlich (wie das ganze verdammte schöne Land mit all diesen weird people).
Als Rausschmeisser werden The Flock, ein leider viel zu kurzlebiges Früh-70er Rock-Jazz-Fusion-Projekt aus Chicago, sich mit "Tired of waiting for you" vor den legendären Kinks verneigen. Die Klasse-Band hatte ein wahnsinniges künstlerisches Potential. Erinnert sei nur an den Teufelsgeiger Jerry Goodman. So now, tell "The Truth".

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 28. Mai 2017, 19 Uhr

 

Grenzgänger

'Und weil der Mensch ein Mensch ist' - eine audible Sendung über die gleichnamige CD der Gruppe 'Die Grenzgänger'. Richy Thorstensen stellt die CD nicht nur als musikalisches Konzeptalbum vor, sondern liest auch die Begleittexte aus dem Booklet. Er möchte damit auch sehbehinderten Zuhörern die Möglichkeit geben, die CD näher kennenzulernen. Das Werk der Grenzgänger beinhaltet Lieder und Texte Inhaftierter der Konzentrationslager im Dritten Reich. Trauer, Angst, aber auch Hoffnung und sogar Humor sind in den Stücken gleichermaßen vereint.

  • Sendetermin: „Liederleute“, Dienstag, 30. Mai 2017, 20 Uhr

100 Protestsongs für 100 Tage documenta.

Susan Hillers Kunstwerk auf der d13 - Die Gedanken sind frei!

[Repeat]

Vor fast 5 Jahren, bei der letzten documenta (der dreizehnten), hat mich besonders die Klanginstallation Susan Hillers "Die Gedanken sind frei" fasziniert. Und weil die Songs leider nichts, aber auch gar nichts an Aktualität verloren haben und weil Bemerkenswertes auch in Erinnerung gerufen werden darf, wird meine Sendung aus dem August 2012, auch auf mancherlei Wunsch hin, am Mittwoch, 31. Mai 2017 - 21 Uhr, nochmals ausgestrahlt.
Die Gedanken sind frei! So hat Susan Hiller ihre Klanginstallation genannt, die es auf der d13 in der Neuen Galerie und an vier weiteren Standorten zu sehen gab. Entdeckungslustige konnten damals 100 Protest- und Folksongs mit Tiefgang aus funkelnagelneuen Wurlitzer CD-Musikboxen lauschen. Das Song-Spektrum folgte den Vorlieben der mehr als siebzigjährigen Künstlerin. Ein unvollständiges Archiv.  „Die Gedanken sind frei“, dieses alte deutsche Volkslied, gesungen von Pete Seeger mit deutscher Titelzeile, feiert die Freiheit des Gewissens und bildet die verbindende Klammer für Hillers Songauswahl. Zu hören gab es Lieder aus dem spanischen Bürgerkrieg (Ernst Busch), Balladen gegen die Lynchjustiz weißer Rassisten (Billie Holiday), Hymnen der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung (Bob Dylan) und des kubanischen (Carlos Puebla) und chilenischen Befreiungskampfes (Victor Jara). Lieder des Aufstandes im Warschauer Ghetto und anderer, entlegener Kulturen.
Dazu kommt Popmusik, die Kontrapunkt zu den Rhythmen des sogenannten modernen Lebens sein will und ist. Songs von John Lennon, Edwin Starr, Johnny Cash, Leonard Cohen, Tom Waits, den Sex Pistols und Ry Cooder – subversive Statements gegen das Vergessen und Aufgeben.
Die amerikanische und in England lebende Künstlerin Susan Hiller hat einen wunderbaren Soundtrack geschaffen. Kunst zum drüber Reden und Nachdenken an kommunikativen Orten. Fünfzehn Songs und deren Hintergründe, sowie der Mitschnitt eines aktuellen Gesprächs mit Susan Hiller aus dem Deutschlandradio sind im Freien Radio zu hören und machen hoffentlich Lust auf mehr (das Song-Book, mit allen Texten und sehenswerten Illustrationen ist bei der Edition Mouse Publishing erschienen und heute noch im Buchhandel erhältlich, Anm. d.V.).
Moderation: Ralf Wenzel (Kontakt: radiowelt@arcor.de). Wer die Sendung verpasst, sie später noch einmal nachhören will, kann das auf meinem Blog tun:
http://ralfs-radio-blog.blogspot.de (dort findet ihr auch schöne Coverabbildungen einiger Songs aus der Sendung und den Original-Flyer).

  • Sendetermin: „Magic Moments“, Mittwoch, 31. Mai 2017, 21 Uhr
  • Wiederholung Donnerstag, 1. Juni 2017, 13 Uhr

Programminfos vom 17.05.2017 bis 25.05.2017

Staatstheater im Gespräch: GMD Patrik Ringborg und die Macher der Produktionen „Elektra“ und „Die Orestie“

Seit zehn Jahren ist Patrik Ringborg Generalmusikdirektor (GMD) am Staatstheater Kassel. Zum Ende dieser Spielzeit wird er nun das Haus verlassen, um mehr Zeit für seine Engagements in Schweden und in anderen Ländern zu haben. Mit Opern wie „Die Frau ohne Schatten“, „Die tote Stadt“, etlichen Wagner-Werken und aktuell „Elektra“ hat Patrik Ringborg als GMD auch überregional für Aufsehen gesorgt. Darüber hinaus hat er die Kasseler Konzertszene entscheidend mitgeprägt und mit den Open-Air-Konzerten in der Karlsaue eine Reihe ins Leben gerufen, die auch eine große Öffentlichkeit jenseits des Stammpublikums von Oper und Konzert angezogen hat.
In der Reihe „Resonanzboden“ im Opernfoyer erzählte Patrik Ringborg im Gespräch mit Dr. Christiana Nobach und Hansgeorg Kling von den Besonderheiten seiner Arbeit.
Die Reihe „Resonanzboden“ wird von der Fördergesellschaft Staatstheater Kassel e. V. veranstaltet und ermöglicht es Theaterinteressierten, Hintergründe zu erfahren und mit Mitarbeitern und Ensemblemitgliedern ins Gespräch zu kommen.
Das Staatstheater Kassel hat mit »Die Orestie« und »Elektra« derzeit zwei Produktionen im Spielplan, die sich mit dem gleichen großen antiken Stoff aus unterschiedlichen Blickwinkeln und Epochen beschäftigen. In beiden Werken stellt sich die Frage: Ist Klytämnestra, die ihren Gatten erschlägt, eine heimtückische Mörderin – oder hat sie gute Gründe? Beide Werke eröffnen dazu  sehr unterschiedliche Perspektiven.
Aus diesem Grund lud das Staatstheater zu einer Gesprächsrunde mit Ulrike Schneider (Klytämnestra in »Elektra«), Christina Weiser (Klytaimestra in »Die Orestie«), Markus Dietz (Regie»Elektra«) und Johanna Wehner (Regie »Die Orestie«)  ins Opernfoyer ein. Werner Fritsch (Leiter der Kulturredaktion der HNA) moderierte den Abend.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 19. Mai 2017, 18 Uhr

 

Different Shades of Blue(s)

Diesmal gehen wir wieder zurück in die 60/70s: Kaum hatte vor ziemlich genau 50 Jahren Jimi Hendrix mit seiner kleinen Combo das Album "Are You Experienced?“, einen Jahrhundertmeilenstein, auf die Plattenteller und Stereoanlagen der damaligen Hipster gebracht, da war auch schon klar: Der Hendrix ist eigentlich ein echter Blueser! Seine Einspielung "Red House" ist das Vorzeige-Hörstück für klassisch strukturierten Urban Blues überhaupt. Der Titel bildet den Opener zur heutigen Folge in unserem Blues-Magazin.
Es folgt ein kleines ABC zum Sujet. Da hätten wir als nächstes die legendären Animals des ebenfalls legendären Eric Burdon. Die begannen zu Anfang der 60er Jahre im nordenglischen Newcastle eindrucksvoll mit gekonnten Coverversionen ihrer Chicago-Vorbilder Chuck Berry, Jimmy Reed und John Lee Hooker.
Und wenn schon wieder vom R & B-Godfather Chuck Berry (+ März 2017) die Rede ist, so wird auch er höchstpersönlich in diesem Stündchen nochmal seine geliebte ES 335 zu unser aller Frommen und Freude erklingen lassen.
Und dann waren da noch in Kalifornien die unvergessenen Canned Heat. Sie lieferten außer den großen Hits "On the Road again" und "Going up the Country" auch ganze tolle Alben voll mit schierem Blues und Boogie ab und waren große, würdige und leidenschaftliche Verehrer der Ahnen - John Lee Hooker, Robert Johnson, Jimmy Reed, Willie Dixon, Muddy Waters und Jay McShann. Genug der Worte. Just listen!

  • Sendetermin: „Long Distance Call“, Samstag, 20. Mai 2017, 18 Uhr

 

Gitarrist Chris Jones - und die Zitronen Püppis

Diese Lange Rille beinhaltet ziemlich viele akustische Gitarrenklänge der besonders feinen Art. Mir dabei sind die Komplettalben "Roadhouses & Automobiles" (2003), "Moonstruck" (2000) sowie "No looking back" aus den 90ern - allesamt tolle Einspielungen des Ausnahmegitarristen Chris Jones, aufgenommen im legendären Studio des Günter Pauler in Northeim (Stockfisch Records). Chris Jones war ein äußerst viel-saitiger Gitarrero aus Nevada; er mischte gekonnt Stile zwischen Folk, Blues, und Country, schrieb viele eigene Texte und Stücke, kollaborierte mit vielen europäischen Kollegen aus der hiesigen Folk-Szene. 2005 ist Chris in Deutschland gestorben.
Abgerundet wird diese Folge mit den leicht schrägen Zitronen Püppis aus dem Bayernland. Sie berichten eindrucksvoll von "Bambis Rache" - eine Neuerscheinung aus dem Hause Trikont, München. Zitronen Püppies ist angeblich die kurz-knackige sprachliche Fusion von Punk und Hippies. Gemunkelt wird allerdings auch, dass es darum ging, nicht auch noch den hundertsten bayerisch klingenden Bandnamen unter die Leute zu bringen. Das ist der Band definitiv gelungen. Hier geht es übrigens nicht um rosa Barbiepuppen oder rehäugig-hauchende Schmollmund-Mädels - die Zitronen Püppies sind drei Jungs aus dem Bayerischen Wald.
Was Johannes M. Haslinger (Gitarre und Gesang), Florian Seemann (Bass und Gesang) und Alexander Lange (Schlagzeug) hier vorlegen, sind kompakte Pop-Rock-Songs. Und dass die Zitronen Püppies dabei ihre punkigen Anfänge nicht verleugnen (es gibt die Band immerhin schon seit 10 Jahren), macht die Sache nur besser. Mit Sicherheit lässt sich auch noch das eine oder andere kleine Hippie-Gitarren-Riff in einem der Songs finden - auch gut, schadet überhaupt nicht, im Gegenteil.
Dass sich die Texte fast ausschließlich um die weibliche Seite des Universums drehen, bei denen mit den Klischees des jeweils anderen Geschlechts jongliert und gespielt wird, ist noch so eine Besonderheit dieser Zitronen-Püppies-Songs. Und ob das dann in bayerisch oder hochdeutsch passiert, ist wirklich völlig egal.
Eine nicht unwichtige Information am Rande: „Bambis Rache“ ist laut Überlieferung ein Ausruf, den der Jäger tätigt, wenn er einen Wilderer auf frischer Tat ertappt. Bei versehentlicher Erlegung dieses Wilderers wird dann bei Gratulation zum Treffer mit „Bambis Dank“ geantwortet. Zurückzuführen sei dieser ganze Ablauf auf die Vermutung der Jägerschaft, dass Bambis Mutter nicht von einem Amtsjäger, sondern von einem Wilderer erschossen wurde. So zumindest wurde uns das von der Band schriftlich mitgeteilt. Allerdings soll es auch schon den einen oder anderen Rehkitz-Esser gegeben haben, den Bambis Rache in Form einer sehr zähen Keule ereilte.
Zum Schluss noch ein persönlicher Gruß der Band:
„Widerspenstig, punkig, selbstironisch, gemixt mit provokanten Brüchen. Man darf sich also auf Tonträger und auf Konzerte freuen, bei denen nicht nur Musik auf Instrumenten gemacht wird, sondern auch Texte gesungen werden. Unglaublich aber wahr. Ihre Zitronen Püppies.“

  • Sendetermin: „Die Lange Rille“, Samstag, 20. Mai 2017, 21 Uhr

 

Medien machen Schule aus der Grundschule Bossental.

Das sind die Themen: Mobbing, Klassenfahrt, Arnold Hupe der Weihnachtsmann und natürlich auch was zur documenta.
Weil das alles aber noch nicht genug ist, wird es auch einen Beitrag mit einem Telefoninterview mit den Lochis geben. Also einschalten!

  • Sendetermin: „Kinderradio“, Sonntag, 21. Mai 2017, 16 Uhr

 

Der unbekannte Nachbar - polnische Tanzplatten der Vorkriegszeit, Folgen 4 und 5

In einer neuen Folge präsentieren wir im Tanzparkett wieder eine Auswahl der in Deutschland praktisch unbekannten polnischen Tanzmusikaufnahmen der  Jahre vor dem II. Weltkrieg.
Für sie gilt das für die vierte Folge bereits Gesagte: Die Platten zeigen eine Musikszene, die sich hinter denen der übrigen europäischen Länder nicht zu verstecken brauchte.
In den Sendungen hören Sie Weltschlager angloamerikanischer und deutscher Provenienz, aber auch polnische Schöpfungen, die, wären sie in Berlin, London oder New York komponiert worden, wohl auch international ähnlichen Erfolg gehabt hätten wie so nur in Polen ...
Vom Klangbild erinnern auch die Kapellen oft durchaus an englische oder sogar amerikanische Vorbilder, wenn auch manchmal - aber durchaus nicht immer - mit ein paar Jahren Verspätung. Aber das war in jenen Jahren nicht nur in Polen so!
Durch die Sendungen führt Thomas A. Sosna.

Wir bringen am Sonntag in der Wiederholung:

TO Ignacy Melodyst
Siadaj Pan (Ain’t She Sweet?) (Milton Ager) <344>
Mary Lou (Robison) <345> Pathé 4033, 1928

TO Henryk Gold
Czy Pani Marta jest grzechu warta (Wenn zwei Blondinen ... ) (Fred Raymond) <19804>
Ol‘ Man River (Jerome Kern) <19805> SyE 6259, 1929

Gdy zakwita bzy (a.d. Revue „Warszawa w kwiatach“) (Artur Gold) <20214> SyE 6337, 1930

Nie jestem wielki (Bin kein Hauptmann, bin kein großes Tier ...) (Paul Abraham) <20868-2> SyE 6499, 1930

Nikt tylko ty (Nobody But You) (Edwards) (a.d. Tonf. „Hollywood Revue of 1929“) <21517> SyE 6685, Ende 30

Odeon-Orchester u. Ltg. v. Henryk Wars, RG „Duet Dana“ (Mieczyslaw Fogg u. Tadeusz Bogdanowicz)
Pod samowarem (Fanny Gordon - Andrzej W?ast) (a.d. Revue „Podrósz na Ksiesyc“ [Die Reise auf den Mond]) <Wo 956-2> Od O.236214, 1931
RG Mieczyslaw Fogg
Moja Mama (Meine Mama ist aus Yokohama) (Paul Abraham -Waclaw Rapacki) <Wo 974> Od O.236214, 1931

TO Henryk Gold, RG Eugeniusz Bodo
Okey! (Henryk Wars - Emanuel Schlechter - Konrad Tom) <WJ 590>
Ach, Ludwiko! (Ach, Luise!) (Ralph Benatzky - Julian Tuwim) <WJ 595> Co DM.1906, 1934

Rach-Ciach-Ciach (Werner R. Heymann - E. Schlechter) <WJ-643> Co DM.1945, Ende 34

TO der Syrena-Record u. unbekannter Ltg., RG Eugeniusz Bodo
Pan General mocno spi (The General’s Fast Asleep) (Kennedy - N.N.) <27128> SyE 9666, ca. April 36

Syrena-TO u. Ltg. v. Henryk Wars, RG Adam Aston
Panienka na prowincji (H. Wars - Marian Hemar) <27448> SyE 8732, ca. Sept. 36

Syrena-TO u. Ltg. v. Ivo Wesby, RG Adam Aston
Mów serce (Herz, du kennst meine Sehnsucht) (a.d. Tonf. „Schloß in Flandern“) (Grothe - Brok) <27794> SyE 8813, ca. Februar 37

Syrena-TO u. Ltg. v. Henryk Wars, RG Adam Aston
Sex Appeal (H. Wars - E. Schlechter) <28206> SyE 9893, ca. April 37

Erläuterungen:
TO: Tanzorchester, RG: Refraingesang
In spitzen Klammern: Matrizennummer, dahinter (bzw. bei Vorstellung beider Seiten und gleicher Bestellnummer nur in unterer Zeile): Bestellnummer der Platte, dahinter Aufnahmedatum, soweit bekannt.
Plattenfirmen: Co - Columbia, Od - Odeon, Pathé - Pathé, SyE - Syrena Electro Record
Aufnahmeort sämtlicher Platten ist Warschau.
Wir wiederholen diese Sendung an unserem Extra-Sendeplatz am Sonntagnachmittag, weil es am kommenden regulären Sendetermin (Mittwoch 21 Uhr, Wh. Donnerstag 13 Uhr) eine fünfte Stunde „Tanzparkett“ mit neuen polnischen Platten aus unseren Sammlungen zu hören gibt.
Die Fortsetzung unserer Reihe über die Hausorchester der Deutschen Grammophon hören Sie am Sonntag, dem 28.5. um 17 Uhr.

Sendetermine:

  • Folge 4: „Tanzparkett extra“, Sonntag, 21. Mai 2017, 17 - 18 Uhr
  • Wiederholung: Montag, 22. Mai 2017, 9 Uhr
  • Folge 5: „Tanzparkett“, Mittwoch,  24.Mai.2017,21 - 22 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 25. Mai 2017, 13 Uhr

 

"In the Court of the Crimson King"

Diesmal bietet der Lonesome Traveler einen Meilenstein des sogenannten Progressive Rock der 1970er Jahre: "In the Court of the Crimson King" ist das Debütalbum der britischen Band King Crimson und gilt als stilprägend für das Genre. Die Musik des im Oktober 1969 bei Island Records bzw. Atlantic Records veröffentlichten Albums unterschied sich wesentlich vom musikalischen Mainstream der damaligen Zeit. Es zeichnet sich durch häufigen Mellotron-Einsatz, lange und virtuose Instrumentalteile, rhythmische und harmonische Komplexität sowie surreale Texte aus. King Crimson wurde 1968 von Robert Fripp und Michael Giles gegründet und besteht genau betrachtet bis heute in wechselnden Formationen – mit Fripp als Vordenker.
Im Laufe ihres fast 50-jährigen Bestehens hat die Band immer wieder ihre Wandlungsfähigkeit unter Beweis gestellt, indem sie verschiedene, auch neu aufkommende Musikstile konstruktiv in ihr Musikkonzept einarbeitete. Sie zeigte sich dabei sehr experimentierfreudig und beharrte nicht auf erprobten Erfolgsrezepten. Der ganz große kommerzielle Erfolg, den andere Progressive-Rock-Bands wie Genesis, Pink Floyd oder Emerson, Lake and Palmer hatten, blieb jedoch bei King Crimson aus. Ein guter Teil der Geschichte von King Crimson ist geprägt durch den ständigen Austausch von Mitgliedern. Einzig Robert Fripp verbleibt als konstantes Mitglied, obwohl er sich laut eigenen Aussagen nicht als Bandleiter fühlt. Und: Das markante Plattencover mit dem surrealen Konterfei ist eine Zierde in der Sammlung.  Der lieben Nostalgie geschuldet der Opener zu dieser Folge: The Nice.

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 21. Mai 2017, 19 Uhr




Programminfos vom 11.05.2017 bis 18.05.2017

Der Titan – Gerhard Polt zum 75.

Als „Kabarett-Titan“ wird Gerhard Polt gelegentlich bezeichnet. Wohl mir Recht: Er gehört seit Jahren zu den absoluten Mega-Stars der deutschen Kabarett-Szene. Zu seinem 75. Geburtstag in dieser Woche wurde er allerorten groß gefeiert – auch das Freie Radio Kassel widmet ihm eine ausführliche Sondersendung.
Leider beschränkten sich die Gratulanten aus Presse, Funk und Fernsehen weitgehend auf die Erwähnung und Würdigung der allgemein bekannten Polt Klassiker, von „Nikolausi“ bis „Mei Ling“, von der „Anni“ bis zum „Erwin“. So grandios diese – teils über 30 Jahre alten – Kabinettstückchen auch sind: Gerhard Polt war auf der Bühne immer am besten, und er wurde in den letzten Jahren ständig besser, mit und ohne Biermösl Blosn. Daher wollen wir uns in dieser Geburtstags-Ausgabe von „Kabarett live“ dem Bühnen-Entertainer Gerhard Polt widmen. Wir bringen einige seiner allergrößten Live-Nummern, von denen er etliche bis heute im Repertoire hat: Der „CSU-Sammler“ ist ebenso dabei wie die „menschliche Sau“, der „Weber Max“ oder der „Nobelpreisträger“; ebenso wie Stücke aus seinen aktuelleren Programmen.

  • Sendetermin: „Kabarett live“, Freitag, 12. Mai 2017, 22 Uhr

 

Truck Stop in den 70ern

40 Jahre ist es her, daß die Hamburger Band Truck Stop von englischen auf deutschsprachige Songs umstellte – und damit den Grundstein für ihre bis heute anhaltende Karriere als erfolgreichste deutsche Country-Band legte. Hits wie „Der wilde wilde Westen“ und „Ich möcht so gern Dave Dudley hörn“ zählen zu den Klassikern des Deutsch-Country; die frühen deutschsprachigen LPs wurden Bestseller und lösten hierzulande einen regelrechten Country-Boom aus. Leider sind die legendären Aufnahmen aus den späten 70er und frühen 80er Jahren bisher größtenteils nicht auf CD erhältlich gewesen. Nun aber hat sich die Plattenfirma doch noch erbarmt und eine 3-CD-Edition mit Songs aus dieser Ära herausgebracht (wenn auch eine ordnungsgemäße CD-Ausgabe der kompletten Originalalben weiterhin aussteht). Wir stellen die Box vor und schwelgen in Erinnerungen an die große Zeit der „Elbe-Cowboys“, als Country plötzlich auch in Deutschland hoffähig wurde und ein breites Publikum ansprach – zumindest zeitweise. Folge 1 unseres Specials im Rahmen der „Country Classics“ befaßt sich mit den ersten beiden deutschsprachigen Truck-Stop-LPs „Zu Hause“ (1977) und „Auf Achse“ (1978).

  • Sendetermin: „Country Classics“, Samstag, 13. Mai 2017, 18 Uhr

 

 

Die Hausorchester der Deutschen Grammophon

Folge 1: Efim Schachmeister

Mit dieser Sendung starteten wir vor einigen Jahren eine kleine Reihe, in der wir die vier Hausorchester der Deutschen Grammophon von kurz nach dem ersten Weltkrieg bis (in einem Falle) noch nach dem Ende der Weimarer Republik vorstellten. An unserem Extra-Sendeplatz am Sonntagnachmittag können Sie diese Sendungen nun nochmals hören.
Im weiteren Verlauf der Reihe wandten wir den Blick auf die Ensembles von Pinkas „Paul Godwin“ Goldfein, Hermann „Ben Berlin“ Bick und Ilja Livschakoff.
Für das ständig erweiterte Repertoire der Deutschen Grammophon spielten die Hausorchester von Salonmusik und Operetteneinlagen über Tagesschlager bis hin zu zeitgemäß angejazzter Tanzmusik alles ein, wonach die Plattenkäufer verlangten.
Wir beginnen in dieser Sendung mit der ersten Kapelle, die bei dieser Firma ab 1921 fest engagiert war.

Es handelt sich um das Orchester von Efim Schachmeister.

Schachmeister wurde als Kind rumänischer Juden am 22.7.1894 in Kiew geboren. Von 1910 bis 1913 studierte er das Geigenspiel am Sternschen Konservatorium in Berlin und war ab 1915 Mitglied der Zigeunerkapelle Popescu. 1921 wurde er von der Grammophon als Leiter der Hauskapelle engagiert, daneben spielte er mit seinem Orchester zum Tanz in so vornehmen Lokalen wie dem Hotel Excelsior oder der Barberina auf, auch war er zum „Schwof“, wie die Berliner sagten, im Palais de Danse und dem Pavillon Mascotte zu hören.
Seine stark vom rumänischen Stil geprägte Spielweise war virtuos, mit ausgeprägten Handvibrati selbst in den obersten Lagen des Instruments, ein Markenzeichen, an dem man ihn auch auf anonym eingespielten Aufnahmen zumeist zweifelsfrei erkennt.
Wegen der obengenannten verschiedenartigsten Anforderungen, die das Tagesgeschäft - hierzu gehörten auch jazzige Tagesschlager und die neuesten US-Nummern -an die Kapelle stellte, befanden sich in ihren Reihen zeitweise so versierte Jazzmusiker wie Louis de Vries (tp), Henri van den Bossche (tb), Adam Gelbtrunk (p) und Mike Danzi (bj).
Schachmeisters Zusammenarbeit mit der Grammophon endete im Jahre 1930. Er nahm fortan für die kleineren Firmen Ultraphon und Pallas auf.
Nach der Machtergreifung der NSDAP 1933 emigrierte er nach Buenos Aires, wo er am 6.10.1944 im Alter von nur 50 Jahren starb.

Durch das Programm führt Thomas A. Sosna.

In spitzen Klammern: Matritzennummer, Gr ... : Bestellnummer

Wir bringen:

California, here I come (Jolson)
ca. Juni 24

Am Abend, am Abend (Fred Raymond)
März 26
Gr 20462 <308 bf>

Alaska (Scotto)
März 27
Gr 20890

Pharaon (Alchansky)
ca. April 27
Gr 20906

Wenn die liebe Tante mit dem guten Onkel (Hirsch - Müller - Förster)
Refraingesang Fritz Berger, Sept. 27 Gr 21101 <1188 bk>

Wenn im Frühling die Bäume blühn ()
Man schenkt sich Rosen, wenn man verliebt ist (Egen - Doelle - Rotter) Gr 21178
Süß ist das Geheimnis unserer Liebe ()
Refraingesang Carl de Vogt, ca. Dez. 27

Hoppla, wir tanzen! (Potpourri, Zusammenstellung: Geisler)
Refraingesang Carl de Vogt, ca. Dez. 27 Gr 19759

Baby mine (Carlo de Fries)
Ice-Cream (Johnson - Moll - King)
März 28

Ja, bei den Hottentotten (Fall - Beda)
Refraingesang Robert Koppel, Mai 28
Gr 21473

Rose-Marie (Friml)
ca. Sept. 28
Gr 21767 <755 bn IV>

Ramona (Blues) (Wayne)
ca. Sept. 28
Gr 21841

Stotterer-Fox (Weiß - Herz)
Refraingesang Helmuth Wernicke, ca. April 30
Gr 22928

Aufnahmeort aller Platten ist Berlin.

  • Sendetermin: „Tanzparkett extra“, Sonntag, 14. Mai 2017, 17-18 Uhr
  • Wiederholung: Montag, 15. Mai 2017, 9 Uhr

 

50 Jahre Jimi Hendrix - "Are you experienced ... ?!"

So, are you?! Gute Güte, ein halbes Jahrhundert ist das nun schon her, als unseren noch grünen unerfahrenen Ohren solcherlei Sounds den Eingang in die dahinterliegenden Hirnschalenregionen aufs allerkreativste stimulierten. Und genau da gibt´s wahrhaftig noch ganz andere Welten. Good Lord - das war ein Erweckungserlebnis!
Das Album war noch gar nicht in allen damals öffentlich zugänglichen Ländern der Welt käuflich zu erwerben, da war die Vinyl-Scheibe schon "Kult" und stand hier und dort gar ganz fix auf dem Index, grad so wie die zahllosen Bücher weltweit, die nun zentrales Thema der aktuellen dOCUMENTA 14 sind. Die Erstveröffentlichung des Hendrix-Klassikers datiert vom 12. Mai 1967 (Polydor (D) # 825 416). So - here we go: In dieser Folge hören wir erinnerungshalber nochmal das Original im Freien Radio, plus einige Bonus Tracks. Der Vollständigkeit halber: Diesmal ohne Jingle und ohne Moderation - der Lonesome Traveler möchte damit eben auch die kulturhistorische Wichtigkeit dieses Albums unterstreichen.
Jimi wurde bei diesen Aufnamen begleitet von Noel Redding (bs) und Mitch Mitchell (dr). Die Experience war eine künstlich und nicht ganz ohne Druck erzeugte Konstellation des damaligen Hendrix-Managers Chas Chandler, der als (auch guter) Bassist bei den legendären Animals des Eric Burdon begonnen hatte.
Die Scheibe hat, wie Elvis Presley und Chuck Berry (ein paar Tage früher), die Welt verändert. Musikalisch, kulturell-gesellschaftlich und trendmäßig formte sie den "Life Style" der westlich orientierten Hälfte der Menschheit. Jimi Hendrix, der elektrifizierte große Bluesmann mit seiner weißen links-gedrehten Fender Stratocaster und mit seiner abgefahrenen Spielweise und experimentell-mutigen Effekt-Spielereien hat Türen geöffnet. Mit seinen frühen Aufnahmen hat Jimi vorbildhafte musikalische Meilensteine gesetzt. Er war zugleich ein genialer Künstler und eine mehrschichtig ausgenutzte Persönlichkeit. Mit keinem anderen Rock-Künstler wurde posthum soviel Schindluder getrieben wie mit Jimi Hendrix. In den Jahren nach seinem frühen Tode (18. September 1970 in London – gerade mal 27jährig) offenbarte sich das makabre Kalkül des Rockbusiness auf gerade perverse Weise, vergleichbar nur mit "King" Elvis ...
Trotz seines kurzen Lebens gilt Jimi Hendrix als einer der einflußreichsten Musiker und Gitarristen überhaupt. In der Liste der "100 größten Gitarristen aller Zeiten" des Musikfachblatts ROLLING STONE rangiert Jimi Hendrix bis heute auf Platz 1.

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 14. Mai 2017, 19 Uhr

Programminfos vom 04.05.2017 bis 10.05.2017

Ist die Demokratie in Gefahr?

Diese Frage stellt sich in letzter Zeit immer wieder – angesichts populistischer Strömungen, gesellschaftlicher Spaltung und allgemeiner Politikverdrossenheit kann man in der Tat befürchten, daß die Demokratie als Staatsform zunehmend an Attraktivität verliert. Wolfgang Thierse, Ex-DDR-Bürgerrechtler, langjähriger Bundestagspräsident und immer noch einer der bekanntesten deutschen Politiker, äußerte sich anläßlich einer Veranstaltung des Kulturforums der Sozialdemokratie Kassel zu Gegenwart und Zukunft der Demokratie. Wir senden eine Aufzeichnung aus der „Kirche im Hof“.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 5. Mai 2017, 18 Uhr

 

Neuerscheinungen aus den Bereichen Akustik-Folk, Singer/Songwriter, Fun-Pop-Punk aus Bayern.

In dieser Ausgabe sind spannende Neuveröffentlichungen zu hören - so die sanfte Sängerin Chantal Acda aus den Niederlanden. Ihr neuer Silberling "Bounce Back" (Glitterhouse Records) verzaubert mit spannenden Texten und relaxten Sounds. Tolle Stimme. Die junge Künstlerin verfügt bereits über einen gewissen Kultstatus.
Vom renommierten Stockfisch-Label aus Northeim gibt es ganz aktuell eine superbe Zusammenstellung der britischen Gitarrenlegende Allan Taylor. Auf "Behind The Mix" sind etliche aufregende frühere Kooperationen mit Folkies wie Derroll Adams und Alex Campbell in allerfeinster Soundqualität vertreten.
Aus dem Bayerischen Wald kommt hingegen ganz Frisches & Poppiges: die jungen Zitronen Püppies lassen es mit "Bambis Rache" leicht schrill und punkig abgehen. Die abgefahrenen, herrlich schrägen Texte im bayrischen Idiom sind dennoch auch in unseren Breitengraden gelegentlich durchaus verständlich.
Moderation : "Lonesome Traveler" Wolf Silaff.

  • Sendetermin: “Die Lange Rille”, Samstag, 6. Mai 2017, 21 Uhr

 

The Rolling Stones got "Sticky Fingers"

Das am 23. April 1971 - also vor genau 46 Jahren - veröffentlichte Album „Sticky Fingers“ stellt einen Wendepunkt in der Geschichte der Stones dar, weil es das erste Album der Band ist, welches sie nach der Trennung von Decca Records unter ihrem eigenen Plattenlabel Rolling Stones Records veröffentlichten. Auf diesem Album taucht auch zum ersten Mal das berühmte Zungenlogo auf, das sich die Stones extra vom Designer John Pasche hatten entwerfen lassen und das seit diesem Zeitpunkt alle Veröffentlichungen der Band ziert (eingetr. Warenzeichen). Besonders auffällig für die damalige Zeit war das Plattencover, das von niemand geringerem als Andy Warhol gestaltet wurde. Ihr wißt schon, das berühmte Jeanshosen-Cover mit dem Reißverschluß.
Zahlreiche Gastmusiker wirkten bei den Aufnahmen mit, so zum Beispiel Billy Preston, Nicky Hopkins, der altbewährte Ian Stewart, auch Legende Ry Cooder und Bobby Keys. Außerdem war es das erste komplette Studioalbum, bei dem der junge Mick Taylor (ex-John Mayall´s Bluesbreakers) nach dem tragischen Tod des Brian Jones (Juli 1969) mitwirkte. Die Band wurde damals unter seinem Einfluß endlich wieder etwas bluesiger. Viele der enthaltenen Stücke sind heute Rock-Klassiker. Ohrwürmer wie "Brown Sugar", "Wild Horses" - und das zeitlos gute/schlimme "Sister Morphine". Sticky Fingers - ein `must have´ in der Sammlung.

  • Sendetermin: “Lonesome Traveler”, Sonntag, 7. Mai 2017, 19 Uhr

 

The Jazz Age - US-Jazz und -Hotdance der 20er Jahre, Folge 1/ 2017

Auch in dieser Sendung ist das Leitmotiv der Jazz der „Roaring Twenties“.
Lassen Sie sich mit einer Auswahl an Platten bekannter wie vergessener Orchester von Peter K. Michael eine Stunde lang in die Vorswingzeit entführen

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 10. Mai 2017, 21-22 Uhr

 

Studiogast: Christian Bulwien

Christian Bulwien bezeichnet sich selbst als "preussisch-keltische" Mischung. Als Schauspieler ist er regelmäßig am Theater im Centrum, in der Kasseler Komödie und im Schlachthof engagiert, übernahm am tic bereits über zwei Dutzend Rollen. Mit der grünen Insel Irland verbindet ihn nicht nur familäre Wurzeln, sondern auch eine innige Liebe, die immer wieder Eingang in sein literarisches uSchaffen findet. In Resonanz erzählt er, wie das genau vor sich geht. www.christianbulwien.com.

  • Sendetermin: „Resonanz“, Mittwoch, 10. Mai 2017, 22 Uhr

Programminfos vom 28.04.2017 bis 30.04.2017

Faust- ein Frühkapitalist?

„Faust- ein Frühkapitalist?“ – diese Frage diskutierten die Linke-Politikerin Sahra Wagenknecht und der Goethe-Kenner Manfred Osten am 26. Januar 2017 an der Universität Kassel.
Sahra Wagenknecht studierte Philosophie und Neuere Deutsche Literatur an der Friedrich-Schiller-Universität Jena und der Humboldt-Universität zu Berlin. Im September 1996 erwarb sie in Groningen den akademischen Grad Magistra Artium mit einer Arbeit über „die Hegelkritik des jungen Marx“. Ihre Promotion im Fach Volkswirtschaftslehre erlangte sie an der Technischen Universität Chemnitz.
Manfred Osten ist Autor und Kulturhistoriker. Er studierte Rechtswissenschaften, Philosophie, Musikwissenschaften und Literatur in Hamburg und München, sowie Internationales Recht in Luxemburg. Seine Promotion schloss er 1969 in Köln ab. Osten war unter anderem von 1995 bis 2004 als Generalsekretär der Alexander von Humboldt-Stiftung tätig.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 28. April 2017, 18 Uhr

 

Si Cranstoun: „Old School“

Die richtige Musik kann an einem schlechten Tag die Rettung sein. Man kann vom Pech verfolgt, von Gott verlassen oder einfach nur am Ende sein - aber es ist schlichtweg unmöglich, deprimiert zu bleiben, wenn Si Cranstouns neues Album Old School läuft. In einer monotonen Schwarz-Weiß-Welt ist dieses Album geradezu eine Farbexplosion, die dich deine Sorgen vergessen läßt und dich unweigerlich zum Tanzen bringt. „Ich hatte das Gefühl, es ist an der Zeit für eine richtige Retro-Platte“, sagt der er in London geborene Musiker. „Ich empfehle euch das Album bereits am Morgen zu hören, um richtig wach zu werden – und dann noch einmal am Abend, um richtig abzuschalten!“
Si wurde von The Express bereits „King of Vintage“ genannt und darf sich über die Unterstützung von einflußreichen DJs wie Terry Wogan und Chris Evans freuen. Das im August 2016 bei Ruf Records veröffentlichte Album „Old School“ legt nun noch einmal nach – wie gewohnt inspiriert von Größen wie Jackie Wilson, Sam Cooke und Big Joe Turner. „Mein Musikgeschmack“, erzählt Si, „das sind die 40er, 50er und 60er!“
Das ehrenwerte Kollegium der „Old School“  :
Si Cranstoun – Vocals, Guitar, Bass, Keys
Mez Clough – Drums
Stewart Panaman – Bass
Dan Faulkner & Drew Davies – Sax
Jon Radford – Trumpet
Patrick Hayes – Trombone
Neil Casey & Paddy Milner – Piano
Simon Picton & Jay Gipson – Guitar

  • Sendetermin: „Long Distance Call“, Samstag, 29. April 2017, 18 Uhr

 

USA-Tonfilmschlager von ihren Originalinterpreten, Folge 3

Wir bringen am 30.4.2017 die Wiederholung der dritten Folge „Tanzparkett“ mit Schallplattenaufnahmen US-amerikanischer Tonfilmschlager, gesungen von den Schauspielern, die auch auf der Leinwand mit der Interpretation dieser Titel zu erleben waren.
Anfang 2011 konnten Sie bereits zwei Folgen hören. Da nun unsere Plattensammlungen in der Zwischenzeit wieder „Zuwachs“ bekamen, sendeten wir am 23.11.2016 die dritte Ausgabe der Reihe, die wir heute wiederholen.
Der Tonfilm, obwohl in seiner endgültigen Form eine deutsche Erfindung, die schon 1922 öffentlich vorgestellt worden war, trat erst ab 1927 seinen weltweiten Siegeszug an - nun von Hollywood ausgehend.
1927 fing es, wie in der letzten Folge vor zwei Wochen gehört, mit dem „Jazzsänger“ (“The Jazz Singer“) an, der in Deutschland zunächst noch stumm zu sehen war, da man sich über die Patentrechte nicht einig wurde. Erst der „Singende Narr“ (“The Singing Fool“) brachte hierzulande den Durchbruch.
Das Kino und sein Programm allerdings veränderten sich mit dem erneuerten Medium radikal, und vor allem mit der Internationalität des Stummfilms war es vorbei.
Aber das ist eher am Rande Thema unserer Sendungen - vielmehr sind es jene teils vergessenen, teils aber unsterblichen Melodien, die der frühe Tonfilm aus Hollywood der Welt schenkte.
Durchs Programm führt Thomas A. Sosna.

  • Sendetermin: „Tanzparkett extra“, Sonntag, 30. April 2017, 17 - 18 Uhr
  • Wiederholung: Montag, 1. Mai 2017, 9 Uhr.

 

Shotgun Willie – Still On The Road

Irgend ein verdammter Nerd streute dieser Tage im Internet die Nachricht, die Musiklegende Willie Nelson sei gestorben. That´s pure bullshit! Eine weitere Fake News, nix sonst! Ganz im Gegentum - Willie kann an diesem Wochenende seinen 84. Geburtstag begehen. Er tut das mit Familie, FreundInnen und seiner Tour-Band auf dem berühmten Stagecoach Festival in Indio/Kalifornien. Da wird das Publikum sicher wieder ausflippen. Willie ist dieser Wochen auf einer weiteren Cross Country-Tournee (Kalifornien, Nevada, Arizona, Dakota, Nebraska, Minnesota und weitere).  Und der Unabhängigkeitstag am 4. Juli wird wiederum ganz traditionell bunt und schräg mit zahlreichen weiteren Musik-Promis in Austin/Texas zelebriert (check : willienelson.com). In dieser Folge hören wir ein frühes, zeitlos gutes Album: "Shotgun Willie" von 1973; entstanden kurze Zeit vor seinem phänomenalen Durchbruch in der amerikanischen Musikkultur. The rest is history. All the best, Willie! (*29. April 1933).

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 30. April 2017, 19 Uhr

Programminfos vom 21.04.2017 bis 23.04.2017

Malwida von Meysenbug zum 200. Geburtstag

Schriftstellerin, Frauenrechtlerin, Europäerin, Pazifistin – Malwida von Meysenbug war eine vielseitig begabte Vertreterin des 19. Jahrhunderts und gehört bis heute zu den wichtigsten und prominentesten Kasseler Persönlichkeiten. Ihr Leben und Wirken ist eng mit den politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen ihrer Zeit verknüpft; sie gilt bis heute als Wegbereiterin und Pionierin sowohl der Frauenrechtsbewegung als auch des europäischen Gedankens. Im letzten Herbst feierte man ihren 200. Geburtstag. Aus diesem Anlaß organisierte die in Kassel ansässige Meysenbug-Gesellschaft einen Festakt, in dessen Mittelpunkt ein Vortrag von Dr. Marlis Wilde-Stockmeyer sowie eine Lesung der Schauspielerin Heidi de Vries aus den Memoiren der Malwida von Meysenbug standen.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 21. April 2017, 18 Uhr

 

Si Cranstoun: „Old School“

Die richtige Musik kann an einem schlechten Tag die Rettung sein. Man kann vom Pech verfolgt, von Gott verlassen oder einfach nur am Ende sein - aber es ist schlichtweg unmöglich, deprimiert zu bleiben, wenn Si Cranstouns neues Album Old School läuft. In einer monotonen Schwarz-Weiß-Welt ist dieses Album geradezu eine Farbexplosion, die dich deine Sorgen vergessen läßt und dich unweigerlich zum Tanzen bringt. „Ich hatte das Gefühl, es ist an der Zeit für eine richtige Retro-Platte“, sagt der er in London geborene Musiker. „Ich empfehle euch das Album bereits am Morgen zu hören, um richtig wach zu werden – und dann noch einmal am Abend, um richtig abzuschalten!“
Si wurde von The Express bereits „King of Vintage“ genannt und darf sich über die Unterstützung von einflußreichen DJs wie Terry Wogan und Chris Evans freuen. Das im August 2016 bei Ruf Records veröffentlichte Album „Old School“ legt nun noch einmal nach – wie gewohnt inspiriert von Größen wie Jackie Wilson, Sam Cooke und Big Joe Turner. „Mein Musikgeschmack“, erzählt Si, „das sind die 40er, 50er und 60er!“
Das ehrenwerte Kollegium der „Old School“  :
Si Cranstoun – Vocals, Guitar, Bass, Keys
Mez Clough – Drums
Stewart Panaman – Bass
Dan Faulkner & Drew Davies – Sax
Jon Radford – Trumpet
Patrick Hayes – Trombone
Neil Casey & Paddy Milner – Piano
Simon Picton & Jay Gipson – Guitar

  • Sendetermin: „Long Distance Call“, Samstag, 22. April 2017, 18 Uhr

 

Ella 100 – Birthday Special

Mein Puls beginnt zu rasen, wenn Miss Fitzgerald anfängt zu scatten.
Eigentlich gehe ich meiner Radioleidenschaft an Mittwochabenden, ab 21 Uhr, bei Magic Moments nach. Das Format dauert 60 Minuten, was in der Regel ausreicht, um ein musikalisches Thema oder ein Portrait gebührend rüber zu bringen. Aber es muss Ausnahmen geben!
Am Dienstag nächster Woche; 25. April vor 100 Jahren, wurde Ella Fitzgerald geboren. Der 1996 gestorbenen Jahrhundertsängerin und Ausnahmeerscheinung mit phänomenaler Stimme wurden etliche Grammys verliehen und zahlreiche Huldigungen zu Teil. Aber mit Worten ist ihr Talent, sind ihre Gaben nur unzureichend zu würdigen. Nieder zu knien wäre eine Möglichkeit.
Fast jeder Radiosender feiert das Ereignis. ARTE lässt uns filmisch gleich mehrfach am Schaffen Ellas teilhaben, und im Netz gibt es sogar eine spezielle Jubiläumsseite.
Ist da, fragt sich also, noch etwas zu erzählen, was nicht sowieso schon vielerorts gesagt oder geschrieben wurde? Vielleicht mittels eines sehr subjektiven Zugangs oder durch die, den eigenen Vorlieben folgende und nicht immer mainstreamverdächtige Musikauswahl. Ohne jeden Anspruch auf Vollständigkeit, den Puristen zum Trotz. Abseitige, seltene und im Dunklen schmachtende Aufnahmen werden zu hören sein. Auch Twist und Persiflagen. Ganz viel Liveaufnahmen, immer wieder tanzbares und wundervolle Balladen. Mit Bebop und der Musik der Beatles. Mit Stevie Wonder, Louis Armstrong, Dizzy Gillespie, Frank Sinatra, Louis Jordan und mit Tribute-Songs: „We all love Ella – you are the sunshine of my life“. Wie heißt es so kühlschrankkalt: ich hoffe Ihr Interesse geweckt zu haben.
Moderation: Ralf Wenzel.
Noch mehr Infos, den vorzeigbaren Flyer und später die Gelegenheit, die verpasste (nicht doch!) Sendung nachzuhören, findet ihr auf meinem Radio-Blog unter http://ralfs-radio-blog.blogspot.de.

  • Sendetermin: “Die Lange Rille”, Samstag, 22. April 2017, 21 Uhr
  • Wiederholung: Sonntag, 23. April 2017, 13 Uhr

 

The Rolling Stones got "Sticky Fingers"

Das am 23. April 1971 - also vor genau 46 Jahren - veröffentlichte Album „Sticky Fingers“ stellt einen Wendepunkt in der Geschichte der Stones dar, weil es das erste Album der Band ist, welches sie nach der Trennung von Decca Records unter ihrem eigenen Plattenlabel Rolling Stones Records veröffentlichten. Auf diesem Album taucht auch zum ersten Mal das berühmte Zungenlogo auf, das sich die Stones extra vom Designer John Pasche hatten entwerfen lassen und das seit diesem Zeitpunkt alle Veröffentlichungen der Band ziert (eingetr. Warenzeichen). Besonders auffällig für die damalige Zeit war das Plattencover, das von niemand geringerem als Andy Warhol gestaltet wurde. Ihr wißt schon, das berühmte Jeanshosen-Cover mit dem Reißverschluß.
Zahlreiche Gastmusiker wirkten bei den Aufnahmen mit, so zum Beispiel Billy Preston, Nicky Hopkins, der altbewährte Ian Stewart, auch Legende Ry Cooder und Bobby Keys. Außerdem war es das erste komplette Studioalbum, bei dem der junge Mick Taylor (ex-John Mayall´s Bluesbreakers) nach dem tragischen Tod des Brian Jones (Juli 1969) mitwirkte. Die Band wurde damals unter seinem Einfluß endlich wieder etwas bluesiger. Viele der enthaltenen Stücke sind heute Rock-Klassiker. Ohrwürmer wie "Brown Sugar", "Wild Horses" - und das zeitlos gute/schlimme "Sister Morphine". Sticky Fingers - ein `must have´ in der Sammlung. Zu Beginn dieser Ausgabe gibt’s noch einige Bonus-Tracks zum "Exile on Main Street"-Album der vorigen Folge.

  • Sendetermin: “Lonesome Traveler”, Sonntag, 23. April 2017, 19 Uhr

Programminfos vom 13.04.2017 bis 20.04.2017

Wie klingt Heimat?

Das Institut für Sprachen gestaltet mit Teilnehmern aus aller Welt eine bunte Musikshow im Freien Radio Kassel. In drei Folgen lädt die einstündige Sendung "Wie klingt Heimat?" den Zuhörer ein zu einer musikalischen Reise in ferne Länder. Die Sprachschüler präsentieren dabei populäre Songs ihres jeweiligen Landes und erzählen persönliche Geschichten, die sie mit den Liedern verbinden. Die Anekdoten, wie auch die Lieder reichen von lustigen Erzählungen aus dem Alltag bis zu nostalgischen Erinnerungen aus der eigene Kindheit.
Eine berührende und unterhaltsame Hörstunde ist garantiert! Die weiteren Folgen strahlt das FRK in den nächsten Wochen jeweils auf diesem Sendeplatz aus.

  • Sendetermin: „Wie klingt Heimat, Folge 1“, Freitag, 14. April 2017, 17 Uhr

 

Europa zwischen Trump, Putin und China

Flüchtlinge, Populisten, Brexit, Griechenland, Nahostkonflikt, Steuerflucht, Rußland, Ukraine, Handelsabkommen, Klimaschutz – die EU hat einiges zu tun. Die politische und wirtschaftliche Lage wird schwieriger, die Probleme werden komplexer, der Gegenwind nimmt zu. Immer mehr Bewohner des Kontinents zweifeln an der Sinnhaftigkeit des Europa-Gedankens, nationalistische Bestrebungen und Isolationismus werden stärker. Was also ist zu tun, um das „Projekt Europa“ dauerhaft mehrheitsfähig und fit für die Zukunft zu machen?
Hans Eichel, ehemaliger hessischer Ministerpräsident, Ex-Bundesfinanzminister sowie langjähriger Kasseler Oberbürgermeister, gab im Rahmen einer Veranstaltung der Europa-Union Kassel und des Evangelischen Forums einen Überblick über die aktuelle Situation und erläuterte, welche Handlungsoptionen die europäischen Regierungen seiner Ansicht nach in den verschiedenen Politikbereichen haben.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 14. April 2017, 18 Uhr

 

The Rolling Stones: "Exile on Main Street" - Die Melancholie des amerikanischen Traums

Der legendäre Fotoband "The Americans" (1958) des Schweizer Fotografen Robert Frank wird aktuell in einer überabeiteten filmischen Kinoversion ("Don‘t blink!") der Laura Israel in den Kulturmedien überschwänglich besprochen. Nun, warum auch nicht. Der Klassiker von 2015 hatte es wirklich in sich - amerikanische Gesellschaft zerlegt in schwarz-weiße Segmente aus dem richtigen normalen Alltagsleben einer tatsächlich vielschichtigen und zugleich bunten Betrachtungs- und Zeigweise, die die Vorzüge der Fotografie auf wahrlich gekonnte Art eindrucksvoll hervorhebt. Und der 92jährige Fotograf und Filmemacher Robert Frank ist noch immer ein penibler Augenmensch, einer mit hintersinnigem Humor. Cineasten bezeichnen ihn als Begründer des Independent-Films. Der Film von Laura Israel wurde bereits bei einigen Filmfestivals ausgezeichnet.
Sogenannte Musikexperten und Kritiker bezeichnen schon seit Jahren das Rolling Stones-Doppelalbum "Exile on Main Street" von 1972 als eines der besten der "größten Rock & Roll Band aller Zeiten". Well OK, es ist ein Klassiker in der Sammlung. Aber fast jede/r hebt einen anderen Bedeutungszusammmenhang hervor - der Lonesome Traveler beispielsweise den Blues-Aspekt. Das Album enthält eine Reihe klassischer Jagger/Richards-Kompositionen und einige abgekupferte Titelversionen, bei denen sich Jagger & Co. mal nicht auf die originale Urheberschaft herablassen wollten, sie benannten sie schlicht "Traditionals".
In dieser Folge des „Lonesome Traveler“ hören wir das genannte Album in fast vollständiger Länge. Mittlerweile liegen natürlich aufgepeppte Fassungen mit zusätzlichen Bonustracks vor. Die "abgemilderte" Covergestaltung besteht übrigens aus Robert-Frank-Fotoabzügen. Seine filmischen Begleitaufnahmen während der 1972er US-Tour der Stones verbot hingegen das Management. Mick Jagger befürchtete, danach würde die Band nie wieder ein Einreisevisum in die Staaten bekommen. Erschreckend aktuell.

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 16. April 2017, 19 Uhr

Programminfos vom 05.04.2017 bis 12.04.2017

The Winery Dogs

Heute gibt es bei „Handmade“ ein Special zur US-amerikanischen Band The Winery Dogs. Die in 2011 gegründete Hardrock Band besteht aus Richie Kotzen (Gesang, Gitarre), Billy Sheehan (Bass) und Mike Portnoy (Drums). Alle drei Musiker waren und sind zusätzlich zu diesem gemeinsamen Projekt auch noch solo und in anderen Bands aktiv. Mike Portnoy war Gründungsmitglied von Dream Theatre. Billy Sheehan ist Bassist bei Mr. Big und war früher u.a. in der Band von David Lee Roth. Richie Kotzen, der ebenfalls einige Jahre bei Mr. Big war, ist als Solokünstler bekannt und veröffentlicht im Frühjahr 2017 sein neustes Soloalbum.
Als The Winery Dogs haben die drei Ausnahmekünstler bisher zwei Alben herausgebracht: „The Winery Dogs“ in 2013 und „Hot Streak“ in 2015. Von beiden Alben wird es bei „Handmade“ einige Titel zu hören geben.

  • Sendetermin: „Handmade“, Mittwoch, 5. April 2017, 20 Uhr

 

Madeline zu Gast bei Magic Moments

Am 24.3.2017 hat Madeline ihr Debüt-Album: "Wir sind ewig" veröffentlicht. Produziert von Willy Klüter, der hochdekorierten Münchener Produzentenlegende, lädt das Album mit einem Dutzend ebenso aufwendig wie feinfühlig arrangierter Songs zu einer gleichsam vielschichtigen wie stilsicheren Klangreise zwischen modernen Schlagern und sensiblem Pop. Und ein erstes Highlight daraus macht sich jetzt bereits auf den Weg in die Hitlisten im Land: "24/7", die neue Single.

  • Sendetermin: „Magic Moments“, Mittwoch, 5. April 2017, 21 Uhr

 

Hatte der Nationalsozialismus auch gute Seiten?

„Es war nicht alles schlecht – schließlich hat Hitler die Autobahnen gebaut und die Arbeitslosigkeit beseitigt. Und die Jugend wußte, wo sie hingehört.“ Diese und ähnliche Aussagen konnte und kann man immer noch hören, wenn es um die Beurteilung des Nationalsozialismus geht. Hatte dieses System also auch gute Seiten? Prof. Dr. Wolfgang Benz, einer der renommiertesten Historiker, ging dieser Frage in seinem VHS-Vortrag nach.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 7. April 2017, 18 Uhr

 

Jürgen Becker: Volksbegehren – Die Kulturgeschichte der Fortpflanzung

Blattläuse haben es leicht. Wenn ihnen nach Fortpflanzung zumute ist, gebären die Lausmädels ohne Zutun eines Lausbuben bis zu zehn Töchter am Tag. Sie müssen nicht fragen:„Zu mir oder zu dir?“ Sie fragen:,,Zu mir oder zu mir?" So einfach kann das Leben sein. Doch etwas muss ja dran sein am Sex.
Jedenfalls hat sich der Austausch von Körperflüssigkeiten zwecks Fortpflanzung bei 99% der Tierarten durchgesetzt. Geschlechtliche Fortpflanzung findet man gar bei Obstbäumen, Topfpflanzen, Ziersträuchern und in Blumenrabatten, wenn darin Herren- und Damenkegelclubs des Nachts bei ihren feucht-lustvollen Ausflügen übereinander herfallen. Wir sind Tiere und werden es immer bleiben. Daran erinnert uns der Sex, weshalb er so beunruhigend, aufwühlend, elektrisierend, schockierend, bedrohlich und so angenehm ist.
„Mitternachtsspitzen“ sind im gleichnamigen Film mit Doris Day und John Garvin Dessous, und so wagt der Moderator derselben einen kabarettistischen Beischlaf mit dem Eros, dem wohl mächtigsten aller Götter. Jürgen Becker bittet zum Blick durchs Schlüsselloch. Das Publikum darf sich beim Liebesspiel mit Worten aufs angenehmste gekitzelt fühlen und beim Anblick von hundert erotischen Meisterwerken in Deckung bleiben - und spürt dabei geflissentlich, daß schöne Schenkel nicht nur im Bett betören. Gelegentlich darf man sich auch darauf klopfen.

  • Sendetermin: „Kabarett live“, Freitag, 7. April 2017, 22 Uhr

 

Farewell, Chuck Berry

St. Louis: Die Fans von "Mr. Rock & Roll" bekommen an diesem Aprilwochenende die Chance, ihrem Idol die letzte Ehre zu erweisen.
Denn wie die Familie des verstorbenen Musikers in einem Statement gegenüber der Associated Press verlauten ließ, wird am 9. April im "Pageant Club" in St. Louis eine öffentliche Übertragung der Beerdigung ausgestrahlt. Joe Edwards, Besitzer des Clubs und langjähriger Freund von Chuck Berry, fügte noch hinzu, daß der Sänger in einem offenen Sarg liegen wird, um so den Fans eine Chance zu geben, ihr Idol ein letztes Mal zu sehen.
Übrigens: Am 16. Juni erscheint Chuck Berrys letztes Album "Chuck", an dem er sozusagen seit Dekaden gearbeitet hatte - eine musikalische Erinnerung an seine Frau Themetta. Er hatte sie immer "Toddy" genannt. Selbstredend legt der Lonesome Traveler auch in dieser Folge nochmal Scheiben von "Uncle Chuck" auf. Diesmal welche mit dem echten Blues-Touch - am Tage seiner Beerdigung in seinem Heimatort Wentzville bei St. Louis/Missouri. Go to Rock & Roll Heaven, Chuck.

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 9. April 2017, 19 Uhr

 

US-Smallband-Swing, Folge 2/ 2017

Und wieder tauchen wir am Mittwochabend eine Stunde lang ein in die Swingära, in die Zeit, in der die damals neueste Jazzspielart auf riesiges Publikumsinteresse traf.
Hören Sie Aufnahmen aus dem Mutterland dieser Musik - mit bekannten und unbekannten Kleingruppen der „Swinging 30s“.
Diskographische Angaben: In spitzen Klammern Matrizennummer, dahinter Aufnahmeort und -datum, Plattenmarke und Bestellnummer.
Aufnahmeorte: NY - New York, LA - Los Angeles
Plattenmarken: BB - Bluebird (USA), Br - Brunswick (D), Col - Columbia (USA) De- Decca (USA), Vic - Victor (USA), Voc - Vocalion (USA), andere Marken ausgeschrieben.
 
Durchs Programm begleitet Sie Peter K. Michael.
 
In dieser Sendung hören Sie:
 
The Mound City Blue Blowers (Red McKenzie)
On Treasure Island (Burke - Leslie) <C 0139 A> NY, 08.11.35 Montgomery Ward 5001
 
Red McKenzie and his Rhythm Kings
I Don’t Know Your Name, But You’re Beautiful (Irving Cesar - Sammy Lerner) <60446 A>
Don’t Count Your Kisses Before You’re Kissed (Ralph Freed - Harry Stride - Bernard Maltin) <60444 A> NY, 05.02.36 De 721
 
Frankie Newton
The World Is Waiting For The Sunrise (Lockhardt - Seitz) <->
Rosetta (Hines - Woods) <-> NY, 13.01.39 BB B-10176
 
Zutty and his Band
(I Would Do) Anything For You (Hill-Williams-Hopkins) <9879-A>
Clarinet Marmalade (o.A.) [Shields-Ragas] <9884-A> Ch, 27.3.35 De 432
 
Bob Howard and his Boys
On Revival Day (Andy Razaf) <64349-A>
Sweet Emmalina, My Gal (Creamer - Layton) <64345-A> NY, 26.7.38 De 2263
 
Frank Froeba and his Swing Band
There’ll Be A Great Day In The Mornin’ (Hill - Mills) <Co 18445-1>
The Music Goes Round and Around (Hodgson - Farley - Riley) <Co 18444-1> NY, 24.12.35 Col 3110
 
Sidney Bechet and his Orchestra, voc. Two Fish Mongers
Hold Tight (Want Some Sea Food, Mama) <M925-2-4>
Jungke Drums (Bechet - Singleton) <M926-1-4> NY, 16.11.38 Voc v4537
 
Midge Williams and her Jazz Jesters
The Greatest Mistake In My Life (Netson) <M684>
Good Night, Angel (Magidson - Wrubel) <M685> NY, 23.11.37 Voc v3961
 
Lionel Hampton and his Orchestra, voc. Lionel Hampton
Fiddle Diddle (Lionel Hampton - Harry Goodman) <25868> Ch, 11.10.38
Don’t Be That Way (Sampson - Benny Goodman, arr. Sampson) <18338>  NY, 18.01.38 Vic 26173

Im ersten Teil am 29. März brachten wir:

Original Dixieland Jazz Band
Drop A Nickel In The Slot (Young - Ahlert) <019681-1>
Jezebel (Mercer - Warren) <019683-1> NY, 18.02.38 BB B-7454
 
Tito and his Swingtette
Stuff And Things (Guidotti) <->
Atmosphere (Guidotti) <-> NY, 22.11.38 BB B-10066
 
Teddy Wilson Quartet
Honeysuckle Rose (Waller - Razaf) <LA 1431 A>
Ain’t Misbehavin’ (Razaf - Waller - Brooks) <LA 1408 C> LA, 05.9.37 Br A 81362
 
Art Tatum and his Swingsters
With Plenty Of Money And You (Warren - Dubin) <DLA 725 A>
I’ve Got My Love To Keep Me Warm (Berlin) >DLA 727 A> LA, 26.02.37 De 1198
 
Lionel Hampton
I’m On My Way From You (Burley - Hampton) <04291-1>
Haven’t Named It Yet (Hampton - Christian) <04292-1> NY, 12.10.39 Vic 26476
 
Toots Mondello
Louisiana (Razaf - Schafer - Johnson) <US-1099-2>
St. Louis Gal (Robinson) <US-1098-1> NY, Nov. 39 Varsity 8118
 
Lil Armstrong and her Swing Orchestra
Born To Swing (Lil and Avon [sic] ?= Lil Armstrong?) <61945 A>
Bluer Than Blue (Lil and Avon [sic] ?= Lil Armstrong?) <61947 A> NY, 15.4.37 De 1299
 
Joe Marsala and his Chicagoans, voc Jack LeMaire
Woo-woo (Marsala - LeMaire - Franklin) <M780-1>
Jim-Jam Stomp (Marsala) <M782-1> NY, 16.3.38 Voc 4116
 
The Mound City Blue Blowers (Red McKenzie)
Red Sails In The Sunset (Williams - Grósz - Kennedy) <C 0137 A>
On Treasure Island (Burke - Leslie) <C 0139 A> NY, 08.11.35 Montgomery Ward 5001
(ausgeblendet)

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 12.4.17, 21-22 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 13.4.17, 13 Uhr

 

Daniel Holzhauser, Bariton im Ensemble des Staatstheaters, zu Gast bei „Resonanz“

Wären die Wege anders verlaufen, Daniel Holzhauser wäre nach seinem Jurastudium vielleicht ein junger, aufstrebender Anwalt geworden. Oder aber er würde, im Anschluss an seinen Auftritt in einer bekannten Castingshow, als Superstar durch Deutschland touren. Vielleicht wäre der 27-Jährige auch seiner süddeutschen Heimat treu geblieben und  jüngster Leiter des bayerischen Landesjugendchores geworden, dem er viel Erfahrung und Spaß an der Musik verdankt. Doch nichts dergleichen: Daniel Holzhauser gehört seit der Spielzeit 2016/17 zum Ensemble des Staatstheaters Kassel. In diesem Monat ist der Bariton in der Premiere von Charles Gounods „Roméo et Juliette“ zu sehen. Warum sein Weg nach Kassel geführt hat und wie er es hier findet, erzählt der Bariton in der aktuellen Ausgabe von Resonanz. In der zweiten Stunde brilliert dann der Pianist Florian Uhlig mit seiner neuen Aufnahme von Maurice Ravels hoch virtuosem „Konzert für die linke Hand“.

  • Sendetermin: „Resonanz – Neues aus Musik und Kultur“, Mittwoch, 12. April 2017, 22 Uhr

Programminfos vom 31.03.2017 bis 05.04.2017

Shiregreen im Theaterstübchen

Seit vielen Jahren betreibt der Sänger, Songschreiber und Gitarrist Klaus Adamaschek das Projekt „Shiregreen“. Etliche Alben wurden inzwischen veröffentlicht – die Musik an der Grenze zwischen Folk, Country und klassischem Singer/Songwritertum hat im Laufe der Zeit viele Freunde gefunden.
Das neue Werk von Klaus Adamaschek und Shiregreen ist ein Doppelalbum geworden, bestehend aus je einer Platte mit englischen („Earthbound Songs“) und deutschsprachigen („Traumwandler“) Liedern. Am Montag, 3. April 2017, werden Shiregreen die neuen Songs im Theaterstübchen live vorstellen. Vorher waren Klaus Adamaschek und sein Sohn Paul (ebenfalls Mitglied bei Shiregreen) im FRK-Studio zu Gast und haben einige der aktuellen Stücke live präsentiert.

  • Sendetermin: „FRK live“, Freitag, 31. März 2017, 17 Uhr

 

Chuck Berry Memorial Weekend

Fast alle großen deutschen Tageszeitungen vermeldeten Chucks Ableben auf der Titelseite. Den originellsten Einfall hatten diesbezüglich wieder mal die Kollegen von der TAZ: Sie zeigten ein Live-Foto von Chuck Berry und klebten ihm den Kopf von Martin Schulz auf. Darunter, leicht abgewandelt, das Zitat aus „Johnny B. Goode“: „Go, Martin, Go!“. Am gleichen Wochenende, an dem Chuck Berry im Alter von 90 Jahren starb, wurde Martin Schulz mit 100 Prozent Zustimmung zum SPD-Chef gewählt, und beide Top-Themen wurden auf diese Weise journalistisch-kabarettistisch zusammengeführt. Allerdings ist den TAZ-Experten ein peinlicher Fehler unterlaufen: Statt der Textzeilen aus Chucks 50er-Jahre-Klassiker „Carol“ druckte man versehentlich ein Zitat aus der Smokie-Schnulze „Oh Carol“ von 1978 – das kommt davon, wenn man sich auf die Google-Suche verläßt.
Uns wird beim „Chuck Berry Memorial Weekend“ im FRK hoffentlich kein derartiger Patzer unterlaufen (wir verlassen uns ja auch nicht auf Google, jedenfalls nicht ausschließlich). In vier Sendungen würdigen wir den Großmeister des Rock’n’Roll, der mit seinen Songs, seinem Gitarrenstil und seiner Live-Präsenz die Populärmusik entscheidend mitbestimmt hat und bis heute prägt. Der Einfluß des Mannes aus St. Louis, der seine Karriere 1955 im für damalige Rockstar-Verhältnisse biblischen Alter von fast 30 Jahren startete, kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Er gehört – ähnlich wie etwa Miles Davis oder Bob Dylan - zu den wenigen Künstlern, ohne die die Musikgeschichte der letzten 60 Jahre grundlegend anders verlaufen wäre. Legionen von Musikern haben seine Stücke gecovert, seine Gitarrenlicks und seine Songstrukturen bilden bis heute die Essenz der Pop- und Rockmusik, seine Texte erschlossen der Pop-Lyrik völlig neue Dimensionen. Bis in die aktuelle Soul- und HipHop-Szene ist sein Einfluß zu spüren, etliche Künstler auch der jüngeren Generationen berufen sich auf ihn. Ohne Übertreibung kann man ihn als den Johann Sebastian Bach der Populärmusik bezeichnen.
Es versteht sich, daß wir den Großmeister des Rock’n’Roll im Freien Radio ausführlich würdigen. An diesem Wochenende nehmen wir uns reichlich Zeit, um auch die weniger bekannten Seiten des genialen Songschreibers zu beleuchten. Los geht’s am Freitag im „Themenwechsel“ – wir präsentieren Berry-Coverversionen aus verschiedenen Phasen und unterschiedlichen musikalischen Genres. Dabei sind sowohl große Stars wie Tom Petty und Emmylou Harris als auch (zumindest in Deutschland) weniger prominenten Künstler wie Conway Twitty und Marty Robbins; außerdem merkwürdige Gestalten, die man in diesem Zusammenhang nicht unbedingt vermuten würde: Christian Anders und Roy Black!
Im „Long Distance Call“ gibt’s Aufnahmen, die Chuck Berry als einen exzellenten Blues-Interpreten ausweisen – kein Wunder, schließlich kam er ursprünglich vom Blues und war beim berühmten Chess-Label unter Vertrag, bei dem auch die Platten legendärer Blues-Größen wie Howlin‘ Wolf und Muddy Waters erschienen.
Die „Lange Rille“ widmet sich den Aufnahmen, die Chuck Ende der 60er Jahre für Mercury Records gemacht hat – Alben wie „Chuck in Memphis“ und „Concerto B. Goode“ gibt’s in voller Länge zu hören. Abgerundet wird unser Berry-Gedenk-Wochenende mit dem „Lonesome Traveler“, der – neben den Originalen – Coverversionen u.a. der Beatles, Stones und Pretty Things präsentiert.

Sendetermine:

  • „Themenwechsel“, Freitag, 31. März 2017, 18 Uhr
  • „Long Distance Call“, Samstag, 1. April 2017, 18 Uhr (Achtung! Neue Sendezeit!)
  • „Die Lange Rille“, Samstag, 1. April 2017, 21 Uhr
  • „Lonesome Traveler“, Sonntag, 2. April 2017, 19 Uhr

 

Start für Medien machen Schule

Die Astrid-Lindgren Schule in Heiligenrode hat sich in ihrer Projektwoche mit dem Thema Radio-befaßt. Die 4b und 4c haben Beiträge und viele Hörspiele produziert.
Hierbei gibt es Spannung, Überraschung, Tiergeschichten und einen ganz sportlichen Beitrag. Die Moderation der Sendung übernehmen auch die Kinder.
Die nächste Sendung von Medien Machen Schule gibt es am 23. April

  • Sendetermin: „Kinderradio“, Sonntag, 2. April 2017, 16 Uhr

 

The Winery Dogs

Heute gibt es bei „Handmade“ ein Special zur US-amerikanischen Band The Winery Dogs. Die in 2011 gegründete Hardrock Band besteht aus Richie Kotzen (Gesang, Gitarre), Billy Sheehan (Bass) und Mike Portnoy (Drums). Alle drei Musiker waren und sind zusätzlich zu diesem gemeinsamen Projekt auch noch solo und in anderen Bands aktiv. Mike Portnoy war Gründungsmitglied von Dream Theatre. Billy Sheehan ist Bassist bei Mr. Big und war früher u.a. in der Band von David Lee Roth. Richie Kotzen, der ebenfalls einige Jahre bei Mr. Big war, ist als Solokünstler bekannt und veröffentlicht im Frühjahr 2017 sein neustes Soloalbum.
Als The Winery Dogs haben die drei Ausnahmekünstler bisher zwei Alben herausgebracht: „The Winery Dogs“ in 2013 und „Hot Streak“ in 2015. Von beiden Alben wird es bei „Handmade“ einige Titel zu hören geben.

  • Sendetermin: „Handmade“, Mittwoch, 5. April 2017, 20 Uhr

 

Madeline zu Gast bei Magic Moments

Am 24.3.2017 hat Madeline ihr Debüt-Album: "Wir sind ewig" veröffentlicht. Produziert von Willy Klüter, der hochdekorierten Münchener Produzentenlegende, lädt das Album mit einem Dutzend ebenso aufwendig wie feinfühlig arrangierter Songs zu einer gleichsam vielschichtigen wie stilsicheren Klangreise zwischen modernen Schlagern und sensiblem Pop. Und ein erstes Highlight daraus macht sich jetzt bereits auf den Weg in die Hitlisten im Land: "24/7", die neue Single.

  • Sendetermin: „Magic Moments“, Mittwoch, 5. April 2017, 21 Uhr

Programminfos vom 24.03.2017 bis 30.03.2017

13. Politisch-kabarettistischer Aschermittwoch in Berlin

Mittlerweile schon eine Tradition in der Hauptstadt: Der Politische Aschermittwoch der scharfen Zungen. Geschliffen und pointiert. Parteiübergreifend und lobbyfrei finden sich seit Jahren führende Akteure der Nation aus Kabarett, Satire und Polemik zur großen Festveranstaltung in der Arena in Berlin-Treptow zusammen: Der Politische Aschermittwoch wird den Parteien und der Provinz entrissen.
Dieses Jahr waren dabei: Wilfried Schmickler, Nessi Tausendschön, Nico Semsrott, Florian Schroeder und Urban Priol. Moderation: Arnulf Rating.

  • Sendetermin: „Kabarett live“, Freitag, 24. März 2017, 22 Uhr

 

Mean old World  - In Memoriam Chuck Berry und James Cotton

Gleich zwei große Blues-Künstler sind in der Vorwoche von den Bühnen dieser Welt abgetreten. James Cotton, der großartige Blues Harp-Spieler (u.a. Muddy Waters Band) ist am 16. März gestorben.
Und nur zwei Tage später, am 18. März 2017, hat Chuck "Mr. Rock & Roll" Berry neunzigjährig (!) seine große rote Gibson ES 335 Gitarre für immer aus der Hand gegeben; freiwillig hätte er das ganz sicher nicht getan. Er ist bis vor kurzem immer noch aufgetreten, Respekt! Und ganz großen Respekt vor seiner musikalischen und textlichen Leistung insgesamt - der sympathisch-spritzige Entertainer hat mindestens zwei Generationen weltweit gezeigt, wo der Hammer hängt. "Mr. Rock & Roll" hat seit den 1950er Jahren unvergessliche Musik-Ohrwürmer kreiert, Trends gesetzt und den amerikanischen Lifestyle mitformuliert. Viele von uns habens übernommen. Seine musikalischen Ideen haben, besonders ab den 60er Jahren, ganz neue Akzente auf Schienen gesetzt, die man/frau sich bis dahin gar nicht vorstellen konnte (Beatles, Rolling Stones, Kinks, Yardbirds, Van Morrison, Led Zeppelin usw.)          
Aber es gibt offensichtlich eine Macht, die größer ist als alles, was wir uns auch nur ansatzweise vorstellen können. Farewell, you both great guys. Die beiden haben uns kleinen unwichtigen Kreaturen ein gar mächtiges musikalisches Vermächtnis hinterlassen. James Cotton hat mit seiner jammernd-klageheulenden Harmonikaspielweise dem modernen Blues ein ganz spezielles Klanggesicht gegeben. Und über Charles Anderson "Chuck" Berry erübrigt sich wohl weiteres. Er war so etwas wie der "Übervater" der ganzen Rock & Roll-Hype seit den 1950er Jahren, ein unglaublicher Gitarrist und Stückeschreiber  - und ein Klasse Showmann sowieso. Sein Blues-Vorbild war übrigens der ebenfalls unvergessene "Muddy Waters" Morganfield. Beide haben den Ruf der "Blues-Hauptstadt" Chicago, Illinois sozusagen perpetuiert und international bekannt gemacht. Muddy Waters‘ Grab (+1983) befindet sich nicht allzu viele Meilen von der Windy City entfernt. Sein Grabstein soll sich bewegt haben, als die Kunde von Chucks Tod um die Welt ging. Aus Graceland hingegen wurden von "King" Elvis keine weiteren Vorfälle bekannt. "Uncle" Chuck wird wohl in Wentzville/Missouri beigesetzt werden, schätzt der Lonesome Traveler.

  • Sendetermin: „Long Distance Call“, Samstag, 25. März 2017, 19 Uhr

 

München über Berlin bis Chicago: "Weltmusik"  -  Todesfall inklusive

Unser aktuelles Tonträgerangebot der Woche reicht von einer faszinierenden Brass Band-Neuerscheinung (Trikont, München) unter dem temporeichen Projektnamen Express Brass Band (zwei Dutzend Klassemusiker aus verschiedenen Ländern und Kontinenten). Auch der Albumtitel läßt sofort aufmerken - "Pluto kein Planet". Kleiner Vorabhinweis: Es handelt sich nicht um die populäre Comicfigur. Soviel dazu, ansonsten: explosiv-spritzige Blechblasmusiksounds der extra schrägen Kategorie.
Selbstverständlich haben wir noch etwas mehr aus der bayerischen Musikzentrale im Angebot, z.B. Hasemanns Töchter und die bereits kultigen Zwirbeldirn aus dem Alpenvorland. Klasse-Musikideen, gekonnt eingespielt. Sodann wird es hurtig über den großen Teich nach Chicago gehen. Von dort aus erreichte dieser Tage Blues- und Rock & Roll-Fans in aller Welt die traurige Kunde: CHUCK BERRY DIES AT 90! An dieser Stelle sparen wir uns weitere Ausführungen dazu. Too bad, too sad. Von und mit "Mr. Rock & Roll" hören wir in dieser Folge der „Langen Rille“ etliche originale Chess-Aufnahmen aus drei Dekaden - zur pietätvoll-respektvollen Erinnerung. Farewell, Charles Edward Anderson "Chuck" Berry. (* 18. Oktober 1926 / + 18. März 2017,  St. Louis, Missouri)

  • Sendetermin: “Die Lange Rille”, Samstag, 25. März 2017, 21 Uhr

 

Der Schwarze Samstag 2017: "Mr. Rock & Roll" Chuck Berry ist tot

Am Tag, als der "King of Rock´n Roll" Elvis Presley starb (16. August 1977), dachte die Hälfte der schockierten Menschheit, jetzt bleibt gleich die Welt stehen. Am vergangenen Samstag, als der "Prime Minister of Rock´n Roll" Chuck Berry starb, wunderte sich die andere Hälfte der Menschheit, warum der neue US-Präsident plötzlich so viel Schwachsinn brabbelt. Die aktuelle Nachricht hatte wahrscheinlich eine frappante Schock-Einwirkung auf den Präsi. Tatsächlich verhält es sich aber so, daß im amerikanischen Show-Biz zumeist letztendlich die Hautfarbe über Erfolg oder Mißerfolg mitentscheidet - und "Uncle Chuck" hatte nun mal leider die "falsche". Das ist natürlich Bullshit! Jedenfalls wandelt es sich so langsam ...
Chuck Berry war in jedem Falle einer der großartigsten R & B-Künstler aller Zeiten. Stolze 90 Jahre alt isser geworden und hat bis ins hohe Alter die legendäre Gibson ES 335-Gitarre nicht aus der Hand gegeben. Er war ein liebenswerter Schwerenöter, ein absolut sympathischer Zeremonienmeister der Unterhaltungsindustrie - und zugleich ein vorzüglicher Kurzgeschichtenerzähler bester musikalischer Klasse. Er war in der Lage, seine sofort verständlichen emotionalen Momentaufnahmen in Rock & Roll-Teenagersprache in Texte und infektiöse Musikform umzuwandeln und live auf der Bühne explodieren zu lassen. Chuck hat ein ganz wichtiges Kapitel Musikhistorie geschrieben und bebildert, und zwar in seiner ganz individuellen Handschrift. Er hat einen Meilenstein in der Geschichte gesetzt. Und zugleich hat endlich mal ein "Schwarzer" einen "weißen" US-Präsidenten im internationalen Frisuren-Contest auf den hintersten Platz verwiesen. Nach dem 50er Jahre-Elvis gab es bekanntermaßen keinen international bedeutsamen Sangeskünstler mit vergleichbar akkuratem Frisurendesign. Außer Dr. Georg Ringsgwandel vielleicht. Nun ja, der kommt aber auch aus Bayern, gell oder ...
Farewell, Onkel Chuck. Hail! Hail! Rock ´n’ Roll!

  • Sendetermin: “Lonesome Traveler”, Sonntag, 26. März 2017, 19 Uhr

 

Vergessene Geschichte - Berufsverbote

Vor 45 Jahren beschlossen die Ministerpräsidenten der Bundesländer unter dem Vorsitz von Bundeskanzler Willy Brandt am 28. Januar 1972 den sogenannten Radikalenerlass. Mehr als 3,5 Millionen Menschen wurden der Regelanfrage beim 'Verfassungsschutz' unterzogen - viele, fast ausschließlich aus dem linken Spektrum, erhielten Berufsverbote und wurden in der Folge aus dem Öffentlichen Dienst entfernt bzw. ihre Bewerbungen wurden abgelehnt. Willy Brandt nannte Jahre später den Radikalenerlass einen "Irrtum“.
Noch immer gibt er Anlass, darüber nachzudenken, wieweit Bespitzelungen und Berufsverbote Einschüchterung und Duckmäusertum zur Folge hatten und wie diese auf die nachfolgenden Generationen und ihr politisches Engagement bis heute wirken. Am Mikrofon: Dieter Kindl.

  • Sendetermine: „Liederleute“, Dienstag, 28. März 2017, 20.00 Uhr
  • Wiederholung: Mittwoch, 29. März 2017, 12.00 Uhr

Programminfos vom 17.03.2017 bis 23.03.2017

Figgy Duff: "After the Tempest" (1988) - Canadian Folk Rock from the Maritimes

Nein, keine weitere aktuelle Wettermeldung von der amerikanischen Ostküste. Das bißchen Blizzard-Alarm der Vorwoche ist bereits vergessen. Glücklicherweise is ja nich allzuviel Schlimmes passiert. Lediglich Angie Merkels Landung bei der Anreise zu Donald The Trump mußte halt ein bisserl genauer koordiniert werden ... Normalerweise kriegen die Pro´s dort das schon immer wieder irgendwie hin. Das "After the Tempest" im Titel bezieht sich eher auf William Shakespeare.
Von der kanadischen Atlantikküste kamen seinerzeit auch die schon fast kultigen Celtic Folk-Rocker Figgy Duff aus Neufundland - und dort gibt es auch richtiges Wetter, aber hallo. In der vorigen Ausgabe haben wir ihr tolles Debütalbum gehört - ein Meilenstein. Heute folgt der interessante Nachfolger obigen Titels von 1988, in Toronto eingespielt. Die Klasse-Band hatte sich erweitert, nunmehr mit Derek Pelley am Bass und perfekt passendem Gesang.
Diese Folge wird wiederum abgerundet mit einigen Songs der kanadischen Folk-Legende Stan Rogers. Ein Kerl wie ein Fels in der Küstenbrandung, und ausgestattet mit genau einer solchen umwerfenden Bariton-Stimme. Leider hat auch ihn ein Buddy-Holly-ähnliches Schicksal ereilt. Gerade auf dem Weg zur musikalischen Highlight-Erfahrung seiner Karriere, starb er1983 bei einem tragischen Flugzeugabsturz auf dem Weg von Dallas nach Toronto/Ontario. In Nordamerika ist Stan Rogers eine Folk-Legende - jedes Jahr veranstalten sie dort in den Maritimes, den Ostküsten-Provinzen, ein Stan-Fest. Die besten Folkies aus Kanada und den USA geben sich dort ein "Stelldichein". Auch Bob Dylan und Jerry Jeff Walker wurden bereits gesichtet.

  • Sendetermin: “Lonesome Traveler”, 19. März 2017, 19 Uhr

 

Karens Liste

Im Januar 2016 nahm Karen Sophie Thorstensen die Tätigkeit als Jurorin der Liederbestenliste auf. Im Laufe des zurückliegenden Jahres kamen einige CDs von bekannten und unbekannten Liedermacherinnen und Liedermachern bei ihr an, und sie hatte manchmal die Qual der Wahl, denn jeden Monat darf sie nur 7 Lieder werten. Und es gab erstaunlich viel Schönes dabei.
Also beschloss sie, in ihrer Sendung eine sehr subjektive Auswahl der schönsten Lieder zu präsentieren, die ihr im 2016 zugeschickt wurden. Die Sendung dauert etwa zwei Stunden, Material aber hätte es für mindestens zwei Weitere gegeben. Für treue Hörerinnen und Hörer der Sendung des Kollegen Dieter Kindl wird es sicher ein Wiederhören mit bekannten Liedern aus den Top 20 der Liederbestenliste geben, aber auch unbekanntere Titel, die nicht so weit kamen, werden gespielt. Dabei sind u. a. Bart/Roemer, Weniger Egli, Danny Dziuk und noch viele andere.
Am Mikrofon: Karen Sophie Thorstensen.

  • Sendetermin: „Liederleute“, Dienstag, 21. März 2017, 20 Uhr

Programminfos vom 09.03.2017 bis 16.03.2017

Große Pläne für Kassel 1919 bis 1949 - Projekte zu Stadtentwicklung und Städtebau

Große Teile der Altstadt Kassels wurden im 2. Weltkrieg zerstört. Der Neuaufbau orientierte sich an den Plänen für eine autogerechte Stadt. Gerne erinnert man sich in der Öffentlichkeit an ein nostalgisch verklärtes Alt-Kassel, ohne dabei zu bedenken, daß die Stadt Kassel auch ohne die Zerstörungen im Krieg Gegenstand weitreichender räumlichen (Stadt-) Planungen gewesen ist, die den politischen Willen der Verantwortlichen auf kommunaler und überregionaler Ebene für die Stadtentwicklung zeigen. Diese Pläne dokumentiert das neue Buch von Folckert Lüken-Isberner. Es wird die Stadtplanungsgeschichte Kassels (und seines Umlandes) von der Weimarer Zeit bis in den Beginn der 50er Jahre dokumentiert und erläutert, mit der Fokussierung auf die Großplanungen, auf Zukunftsentwürfe und Visionen. So wird dargestellt, welche Visionen eines „Groß-Kassel der Zukunft“ in den 20er Jahren diskutiert wurden, welche Vorstellungen von Stadt in der NS-Ära für die „Gauhauptstadt Kassel“ entwickelt wurden, welche Pläne unmittelbar nach den Bombenzerstörungen noch während des Krieges entstanden für die „Wiederaufbaustadt Kassel“ und welche Ideen die „Neue Stadt auf altem Grund“ in der Nachkriegszeit ausmachten.
Fast ausnahmslos trifft man bei allen Entwürfen auf einen beabsichtigten rigorosen Umgang mit der historischen, der gewachsenen Stadt Kassel, der auf Beseitigung, radikale Veränderung oder Zerstörung von bestehendem Gebautem und dem tradierten Stadtgrundriss basiert. Die Begründungen für so grundlegende Zäsuren waren je nach den politischen Rahmenbedingungen verschieden. Sie reichten von der paneuropäischen, stadthygienischen, der gegliederten, aufgelockerten Stadt über die luftschutzgerechte, der an den Zielen einer Staatspartei orientierten, bis zur technisch-funktionalen, einfach „modernen“ Stadt.
Autor Folckert Lüken-Isberner ist heute bei Moderator Klaus Schaake zu Gast im „Stadtlabor“.

  • Sendetermin: „Stadtlabor“, Donnerstag, 9. März 2017, 21 Uhr

 

Fing der Stalinismus schon mit Lenin an?

Vor 100 Jahren hat mit der Russischen Revolution ein neues Kapitel der Weltgeschichte begonnen. War es der vielversprechende Beginn eines neuen sozialistischen Zeitalters? Oder waren schon zu Beginn unter Lenin jene menschenverachtenden Methoden zu erkennen, die später unter Stalin zum Mord an Millionen Menschen führten?
Prof. Dr. Jens Flemming, Historiker und emeritierter Professor an der Kasseler Uni, zeigte in seinem VHS-Vortrag die Kontinuitäten und die Brüche in der Entwicklung von Lenins Revolution zu Stalins Schreckensherrschaft auf.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 10. März 2017, 18 Uhr

 

Gegendarstellung

Nach seinem Auftritt beim „Sommer im Park“-Festival 2015 in Vellmar schrieb die Zeitung, Max Uthoff sei derzeit der beste Kabarettist Deutschlands. Nun, das ist sicherlich Geschmackssache, und man könnte gewiß noch drei oder vier andere Künstler nennen, die diesen Ehrentitel verdient hätten. Tatsache bleibt aber, daß Max Uthoff seit einiger Zeit zur absoluten Spitzengruppe und zu den herausragenden Vertretern des politischen Kabaretts zählt. Spätestens seit er als Chef der „Anstalt“ im ZDF bundesweite Berühmtheit erlangte, muß man ihn zu den führenden Protagonisten und zu den Hoffnungsträgern der jüngeren Kabarett-Generation rechnen. Und er ist der lebende Beweis dafür, daß das politische Kabarett nach dem Abgang diverser alter Helden wie Hildebrandt und Pachl (unfreiwillig) oder Schramm und Pispers (freiwillig) keineswegs am Ende ist. Ganz im Gegenteil: Mit seinem neuen Liveprogramm „Gegendarstellung“ führt Max Uthoff das Kabarett in ganz neue Gefilde, ohne sich komplett von den Traditionen zu lösen. Selten hat man in letzter Zeit auf einer Bühne derart deutliche Worte und solch klare Statements gehört wie in diesem Programm. Uthoff klärt auf und agitiert, er unterhält und polemisiert, er informiert und amüsiert – er tut also genau das, was man von gutem Kabarett erwartet. Daß es dabei nicht immer lustig zu geht und daß dem Zuhörer gelegentlich das Lachen im Halse stecken bleibt, liegt allerdings nicht an Max Uthoff, sondern vielmehr an den politischen und gesellschaftlichen Zuständen, die er beschreibt.

  • Sendetermin: „Kabarett live“, Freitag, 10. März 2017, 22 Uhr

 

Blues und Rock mit ordentlich Gebläse: Fabulous Thunderbirds / Clarence "Gatemouth" Brown

Die Fab T-Birds, mitgegründet von Stevie Ray Vaughns älterem Bruder Jimmie und dem Frontmann Kim Wilson, gaben während der 80er Jahre auf ihren Klassikeralben  so richtig Gas. Die coolen Typen boten besten harten und schrägen Overdrive aus R & B und Rock & Roll. Wilsons markante Shouter-Stimme und seine scharf-heulende Harp-Spielweise wurden zum Markenzeichen, neben Jimmies sägendem Stratocaster-Sound. Unforgettable!
Ebenfalls unvergessen: Clarence, genannt "Gatemouth", Brown (+2005). Einst, während der Mid-50s, war er gelehriger Eleve des legendären T-Bone Walker, im Laufe seiner langen Karriere wurde er selbst zum Vorbild vieler R & B-Musiker und Bands. Der geniale und humorvolle Multiinstrumentalist meldete sich ebenfalls während 1980er Jahre mit einer ganze Reihe von brillianten Alben beim wichtigen Alligator-Label des Bruce Iglauer aus Chicago mit Rückblicken auf die swingenden Frühzeiten nochmal zu Wort – die Platten sind Klassiker in der Sammlung. "Okie Dokie Stomp" von 1982 beinhaltet großartige Aufnahmen mit druckvoller Blechbläser-Sektion, eine kleine Big Band. Ansteckend-swingende Sounds, geradeso wie die zündenden Auftritte von Gate.

  • Sendetermin: “Long Distance Call”, Samstag, 11. März 2017, 19 Uhr

 

"Mal so - eher akustisch ...": Werner Lämmerhirt, Christian Kjellvander

In dieser Ausgabe hören wir Aufnahmen, die beim Stockfisch-Label neu erschienen sind; außerdem bereits gut abgelagertes Ton-Material für aufmerksame offene Ohren. Da wäre zum einen die soeben erschienene CD mit Christian Kjellvander. Der Skandinavier aus dem Selbstholzbaubastlerland "Sverige" mit texanischer (!) Jugendprägung ging als halbwegs Erwachsener aus Houston zurück ins Land seiner blonden Ahnen und scheuen Elche, um fortan, mitgeprägt von Szene-Einflüssen eines Townes Van Zandt, eines Steve Earle und gar eines Guy Clark, zur erfolgversprechenden Singer/Songwriter-Nachfolgegeneration diesseits des Atlantiks aufzurücken. Sein nun erschienenes "Solo Live"-Album ist eine eher ruhige Perle, interessante Texte und Geschichten, locker und entspannt vor kleinem Publikum eingespielt.
Neben dem genannten Album gibt’s auch noch einiges vom deutschen Fingerstyle-Spezialisten Werner Lämmerhirt, der die Gitarristen-Szene leider im Oktober des Vorjahres für immer verlassen hat. Frühe Aufnahmen und "Inbetween Times" von 1992 in voller Länge ebenso dabei wie spannende Aufnahmen aus seinem letzten Werk "Eine halbe Ewigkeit", kurz vor seinem Tode bei/mit den Stockfischen eingespielt.

  • Sendetermin: „Die Lange Rille“, Samstag, 11. März 2017, 21 Uhr

 

Figgy Duff: "Now I´m 64" - Celtic Rock from Newfoundland/Canada

Aus leider gegebenem Anlass erinnert sich der Lonesome Traveler mal wieder gerne seiner aufregend-spannenden Trips nach Kanada. Ein wahrlich bleibender musikalischer Eindruck war sicherlich die Folk Rock-Band Figgy Duff aus St. Johns (Mile #1 des Trans Canada Highway). Figgy Duff ist ein klassisches regionales Pudding-Rezept (sehr lecker!); in diesem Falle aber ein origineller Name für eine Klasse-Band. Das ursprüngliche Quartett um Noel Dinn und die tolle Sängerin Pamela Morgan, Mandolinist Dave Panting und Geoff Butler (button accordion) machte ab den frühen 80er Jahren progressive Folk Music auch in Nordamerika populär. Mit irisch-schottisch-walisisch-bretonischen Hintergründen kam es damals zum Celtic Music Revival.
In Songauswahl, spielerischem Können und spürbarer "back to the roots"-Einstellung standen die Figgy Duff damals Ougenweide (BRD), Steeleye Span (GB) und Malicorne (F) auf der anderen Atlantikseite in nichts nach. Während gefeierter Europa-Tourneen wurden sie auch in Großbritannien, Holland und Frankreich von den damaligen Folk-Fans begeistert aufgenommen. In dieser Ausgabe hören wir ihr komplettes Debütalbum von 1980 - eine zeitlose Preziose. Toll geschilderte Balladen aus längst vergangenen Zeiten, herzerwärmende Liebesgeschichten, schöne Landschaftsbeschreibungen und tragisch-nostalgische Erzählungen der Fischer direkt vom herben Nordatlantik. Und zum traditionellen Neufundland-Frühstück gibt’s die Eier zum Steak, natürlich "green-side up" (der Ostfriesen-Witz läßt grüßen ... )

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 12. März 2017, 19 Uhr

 

Vergessene Geschichte - Berufsverbote

Vor 45 Jahren beschlossen die Ministerpräsidenten der Bundesländer unter dem Vorsitz von Bundeskanzler Willy Brandt am 28. Januar 1972 den sogenannten Radikalenerlass. Mehr als 3,5 Millionen Menschen wurden der Regelanfrage beim 'Verfassungsschutz' unterzogen - viele, fast ausschließlich aus dem linken Spektrum, erhielten Berufsverbote und wurden in der Folge aus dem Öffentlichen Dienst entfernt bzw. ihre Bewerbungen wurden abgelehnt. Willy Brandt nannte Jahre später den Radikalenerlass einen "Irrtum“.
Noch immer gibt er Anlass, darüber nachzudenken, wieweit Bespitzelungen und Berufsverbote Einschüchterung und Duckmäusertum zur Folge hatten und wie diese auf die nachfolgenden Generationen und ihr politisches Engagement bis heute wirken. Am Mikrofon: Dieter Kindl.

  • Sendetermine: „Liederleute“, Dienstag, 14. März 2017, 20.00 Uhr
  • Wiederholung: Mittwoch, 15. März 2017, 12.00 Uhr

 

attac-Radio im März

-  Interview mit dem Linken-Politiker Scholz über die Plenardebatte im EU-Parlament zu CETA, die Folgen und weitere ähnlich gelagerte Abkommen, sowie über die Proteste vor dem Parlament.
Gespaltene SozialdemokratInnen wieder einmal entscheidend Am Tag vor der Abstimmung gaben die drei linkeren Fraktionen Pressekonferenzen und erklärten ihre Positionierung zu CETA. - Schuldenkrise und Landraub in Griechenland Die Menschen in Griechenland leiden weiterhin unter den Sparmaßnahmen. Zu  diesen Maßnahmen gehört beispielsweise die Privatisierung von öffentlichem Eigentum. Zur Zeit droht zum wiederholten Mal eine Privatisierung der zwei größten Wasserwerke, was vermutlich steigende
Wasserpreise und damit eine erheblich schlechtere Versorgung der Menschen mit Wasser zur Folge hätte. Ein öffentliches Eigentum, das bereits im großen Stil privatisiert wurde, ist Land. Land, das sich in öffentlicher Hand befand, wurde seit 2010 zu großen Teilen verkauft und für Großprojekte in den Bereichen Energiegewinnung, Immobilienentwicklung und Tourismus erschlossen. Mit diesem Landraub hat sich der griechische Professor  Costis Hadjimichalis beschäftigt, nämlich in seinem Buch "Schuldenkrise und Landraub in Griechenland". Übersetzt wurde das Buch von Celine Spieker - heute hören wir ein Interview mit ihr.

- Deutschland profitiert von der Griechenlandkrise
Das  „Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle“(IWH) hat eine Studie veröffentlicht, in der in dürren Zahlen eine Tatsache benannt wird, die noch keinen Eingang in die bundesdeutschen Massenmedien gefunden hat: Deutschland profitiert von der sogenannten Griechenlandkrise. Interview mit Prof. Dr. Reint E. Gropp, einem Mitverfasser

- Demonstrationen in 30 spanischen Städten gegen die Festung Europa
Interview mit Ralf Streck über die existierenden Solidaritäts-Strukturen in Spanien, welche diese Mobilisierung ermöglichten.

  • Sendetermin: „attac-Radio“, Dienstag, 14. März 2017, 21 Uhr

Programminfos vom 03.03.2017 bis 09.03.2017

Kurz vor der OB-Wahl

Am Sonntag schreiten die Kasseler Bürger zur Urne und bestimmen, wer demnächst als Nachfolger von Bertram Hilgen ins OB-Büro im Rathaus einziehen und den Posten des Kasseler Oberbürgermeisters übernehmen wird. Für alle Unentschlossenen gibt es die Möglichkeit, die Kandidaten noch einmal genauer kennenzulernen – zumindest akustisch: Wir senden den Mitschnitt einer Veranstaltung des Paritätischen Wohlfahrtsverbands, in der die Kandidaten Christian Geselle (SPD), Dominique Kalb (CDU), Murat Cakir (Kasseler Linke), Eva Koch (B90/Die Grünen) und Bernd Hoppe (Freie Wähler) befragt wurden und die Gelegenheit hatten, sich und ihr Wahlprogramm vorzustellen. Moderiert wurde die Veranstaltung, die im Presseraum des Auestadions stattfand, von Rosa-Maria Hamacher und Christian Woltering.
Außerdem im Programm: Interview mit OB-Kandidat Matthias Spindler, dem Geheimfavoriten bei der Wahl, der an o.g. Veranstaltung aus Termingründen nicht teilnehmen konnte.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 3. März 2017, 18 Uhr

 

Gegendarstellung

Nach seinem Auftritt beim „Sommer im Park“-Festival 2015 in Vellmar schrieb die Zeitung, Max Uthoff sei derzeit der beste Kabarettist Deutschlands. Nun, das ist sicherlich Geschmackssache, und man könnte gewiß noch drei oder vier andere Künstler nennen, die diesen Ehrentitel verdient hätten. Tatsache bleibt aber, daß Max Uthoff seit einiger Zeit zur absoluten Spitzengruppe und zu den herausragenden Vertretern des politischen Kabaretts zählt. Spätestens seit er als Chef der „Anstalt“ im ZDF bundesweite Berühmtheit erlangte, muß man ihn zu den führenden Protagonisten und zu den Hoffnungsträgern der jüngeren Kabarett-Generation rechnen. Und er ist der lebende Beweis dafür, daß das politische Kabarett nach dem Abgang diverser alter Helden wie Hildebrandt und Pachl (unfreiwillig) oder Schramm und Pispers (freiwillig) keineswegs am Ende ist. Ganz im Gegenteil: Mit seinem neuen Liveprogramm „Gegendarstellung“ führt Max Uthoff das Kabarett in ganz neue Gefilde, ohne sich komplett von den Traditionen zu lösen. Selten hat man in letzter Zeit auf einer Bühne derart deutliche Worte und solch klare Statements gehört wie in diesem Programm. Uthoff klärt auf und agitiert, er unterhält und polemisiert, er informiert und amüsiert – er tut also genau das, was man von gutem Kabarett erwartet. Daß es dabei nicht immer lustig zu geht und daß dem Zuhörer gelegentlich das Lachen im Halse stecken bleibt, liegt allerdings nicht an Max Uthoff, sondern vielmehr an den politischen und gesellschaftlichen Zuständen, die er beschreibt.

  • Sendetermin: „Kabarett live“, Freitag, 3. März 2017, 22 Uhr

 

"Tutti Frutti" & Co - Rock & Roll Heroes, Teil 3

Heute präsentiert der „Lonesome Traveler“ wiederum echte 1950er Klassiker: Vom oben zitierten Little Richard über Gene Vincent ("Be-Bop-A-Lula") bis Eddie Cochran ("C´mon everybody / Summertime Blues") - reihenweise Standards der kurzen Rock & Roll-Jahre zwischen 1956 bis 1959. Etliche zeitlos gute Ohrwürmer und auch ein paar Raritäten der damaligen großartigen Künstler sind mit dabei - all die herrlich-schrägen Nonsens-Zitate inklusive. Auch diesmal spielen die frühen Beatles aus Liverpool einen passenden musikalischen Rahmen dazu. Sie waren glühende Bewunderer ihrer amerikanischen Vorbilder. "Words of Love" haben sie in ihrer ganz eigenen Version des legendären Buddy Holly-Songs bereits 1964 auf einem ihrer tollen Alben eingespielt - das war kurz vor dem Richtungswechsel in die damals neue Pop-Orientierung eines "Sgt. Pepper". Anyway - hatten die frühen Beatles über ihre Rock & Roll-Vorlieben mit sehr treffenden Beispielen an die Klassiker erinnert, so wird der selige John Lennon das Ganze mit seinem Chuck-Berry-Symbolsong "Sweet Little Sixteen" beenden. Die Hammer-Aufnahme stammt aus Lennons "Rock´n Roll"-Tributealbum von 1975. Da hatten sich die Beatles längst voneinander getrennt. Und den klassischen Rock & Roll gab´s da bereits auch nicht mehr. Hey, hey, hey - A Bama Lama, A Rama Lama Lu ...

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 5. März 2017, 19 Uhr

 

Liederbestenliste März 2017

Seit 1984 erstellt die Jury der Liederbestenliste monatlich eine ’Hitparade’ des deutschsprachigen Liedes. Jede(r) der 20 Jurorinnen und Juroren aus der Schweiz, Österreich, Belgien und Deutschland nennt monatlich sieben Lieder, denen er oder sie möglichst viele HörerInnen wünscht. Punkte werden nur für einzelne Titel vergeben, nicht für ein gesamtes Album. Aus der Addition ergibt sich die Monatsliste, die das Freie Radio Kassel einmal im Monat präsentiert. Wer es diesmal unter die besten 20 dieser etwas anderen Hitparade geschafft hat, erfahren Hörerinnen und Hörer in dieser Ausgabe von Liederleute, dem Magazin für Musik und Politik. Am Mikrofon: Dieter Kindl (Juror der Liederbestenliste).

  • Sendetermine: „Liederleute“, Dienstag, 7. März 2017, 20.00 Uhr
  • Wiederholung: Mittwoch, 8. März 2017, 12.00 Uhr

 

Horn mal neun

Ein klassisches Konzert mit einer äußerst ungewöhnlichen Besetzung fand Anfang des Jahres im Opernfoyer des Staatstheaters statt: Ein Ensemble aus neun (!) Hornisten unternahm eine musikalische Zeitreise von der Barockzeit bis zum Filmmusik-Komponisten Ennio Morricone - getragen von viel Engagement und vor allem Spaß an der Musik. In der Übertragung des Mitschnitts vom 16. Januar ist das Konzert nun in "Resonanz" noch einmal zu hören. Mitwirkende: Markus Brenner, Victoria Hauer, Michael Hintze, Joachim Pfannschmidt, Susanne Lorenz, Johanna Mix, Kartini Suharto-Martin, Ricardo Silva, Gillian Williams.

  • Sendetermin: „Resonanz“, Mittwoch, 8. März 2017, 22 Uhr

 

Große Pläne für Kassel 1919 bis 1949 - Projekte zu Stadtentwicklung und Städtebau

Große Teile der Altstadt Kassels wurden im 2. Weltkrieg zerstört. Der Neuaufbau orientierte sich an den Plänen für eine autogerechte Stadt. Gerne erinnert man sich in der Öffentlichkeit an ein nostalgisch verklärtes Alt-Kassel, ohne dabei zu bedenken, daß die Stadt Kassel auch ohne die Zerstörungen im Krieg Gegenstand weitreichender räumlichen (Stadt-) Planungen gewesen ist, die den politischen Willen der Verantwortlichen auf kommunaler und überregionaler Ebene für die Stadtentwicklung zeigen. Diese Pläne dokumentiert das neue Buch von Folckert Lüken-Isberner. Es wird die Stadtplanungsgeschichte Kassels (und seines Umlandes) von der Weimarer Zeit bis in den Beginn der 50er Jahre dokumentiert und erläutert, mit der Fokussierung auf die Großplanungen, auf Zukunftsentwürfe und Visionen. So wird dargestellt, welche Visionen eines „Groß-Kassel der Zukunft“ in den 20er Jahren diskutiert wurden, welche Vorstellungen von Stadt in der NS-Ära für die „Gauhauptstadt Kassel“ entwickelt wurden, welche Pläne unmittelbar nach den Bombenzerstörungen noch während des Krieges entstanden für die „Wiederaufbaustadt Kassel“ und welche Ideen die „Neue Stadt auf altem Grund“ in der Nachkriegszeit ausmachten.
Fast ausnahmslos trifft man bei allen Entwürfen auf einen beabsichtigten rigorosen Umgang mit der historischen, der gewachsenen Stadt Kassel, der auf Beseitigung, radikale Veränderung oder Zerstörung von bestehendem Gebautem und dem tradierten Stadtgrundriss basiert. Die Begründungen für so grundlegende Zäsuren waren je nach den politischen Rahmenbedingungen verschieden. Sie reichten von der paneuropäischen, stadthygienischen, der gegliederten, aufgelockerten Stadt über die luftschutzgerechte, der an den Zielen einer Staatspartei orientierten, bis zur technisch-funktionalen, einfach „modernen“ Stadt.
Autor Folckert Lüken-Isberner ist heute bei Moderator Klaus Schaake zu Gast im „Stadtlabor“.

  • Sendetermin: „Stadtlabor“, Donnerstag, 9. März 2017, 21 Uhr

Programminfos vom 23.02.2017 bis 02.03.2017

Ökologische Landwirtschaft ON AIR

Bei diesem Radiofeature handelt es sich um eine Mischung aus Hörspiel und Dokumentation. Dieses Feature soll eine Einstiegssendung zum Thema Ökologische Landwirtschaft sein. Die Intention dieser Sendung ist es, den Menschen ein Grundverständnis zu vermitteln. Dazu zählt der Rückblick zu den Ursprüngen der Landwirtschaft hin zur Entwicklung der gesetzlich geregelten ökologischen Landwirtschaft. Es werden verschiedene Protagonisten zu Worte kommen: Konsumenten, Produzenten, Professoren und weitere, die die mannigfaltigen Aspekte dieses Sektors gegenwärtig und zukünftig mitgestalten. Auch die ökologische Landwirtschaft befindet sich in einem aktiven Prozeß, der in Zukunft noch auf viele Probleme und Herausforderungen reagieren muß, eben nicht nur in Deutschland, sondern auch global.
Produziert von Studenten der Uni Kassel, Standort Witzenhausen.

  • Sendetermin: „Ökologische Landwirtschaft on Air“, Freitag, 24. Februar 2017, 17 Uhr

 

Should I Stay Or Should I Go?

Heute hören wir die Beiträge, die im Rahmen des Hochschulprojekts „Should I Stay Or Should I Go?“ entstanden sind. Außerdem gibt’s weitere Beiträge vom „Argentinien“-Seminar der Kasseler Uni, u.a. zu argentinischer Kultur und zum Fußball in Argentinien.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 24. Februar 2017, 18 Uhr

 

Dollar´s got the Blues: Clarence "Gatemouth" Brown

Tja, Leute - in den USA geht‘s ganz offensichtlich bergab. No doubt. Momentan versucht Mr. T (nein, nicht der Professor) das Steuer irgendwie zu betätigen. Der Kurs hingegen ist jedoch Captain "The Donald" noch nicht so ganz klar ...  Der unglaubliche Multiinstrumentalist Clarence "Gatemouth" Brown hat eben das schon vor etlichen Jahren herausgefunden - und mal so ganz nebenbei einen Klasse-Titel zu diesem Thema entwickelt, und zwar verdammt witzig-spritzig und zugleich ironisch-komisch (siehe oben). Der schwarze Bluesmusiker hatte es wirklich drauf, er ist längst Legende. Gate beherrschte nicht nur Instrumente, er kannte sich außerdem in Stilen und Spielformen aus. Durch einen eher skurrilen Zufall (?!) als Ersatzmann für den unvergessenen R & B - Trendsetter T-Bone Walker gelang Clarence Brown ein fulminanter Start ins Musikbusiness der 1950er Jahre (Peacock Records). Von da an war nix mehr nur "Stormy Monday Blues"!  
Clarence "Gatemouth" Browns Auftritte waren immer ein Erlebnis, egal ob in Blues Clubs, auf Festivals oder im jazzigen Montreux. Berührungsängste kannte er übrigens auch nicht (schließlich war er zwischenzeitlich mal Deputy Sheriff in New Mexico!), und er teilte die Bühne gelegentlich mit illustren KollegInnen. Etliche weiße Blues-Rocker wie Canned Heat oder Tracy Nelson waren stolz, von ihm "on stage" geladen zu werden. Leider hat der berüchtigte Wirbelsturm "Katrina" 2005 in New Orleans auch "Gatemouth" Brown übel zugesetzt, er starb im Katastrophenjahr. Echten Blues-/Swing-/Rock-/Cajun-/Bluegrass-/Country-/Jazz-/Calypso-Afficionados bleibt er unvergessen. In dieser Folge hören wir seine tolle Swing-Scheibe "American Music - Texas Style" von 1999, eine kleine Bigband-Perle. Sie beinhaltet u.a. Gates Versionen etlicher Duke Ellington-, Charlie Parker-, Jay McShann- und Percy Mayfield-Klassiker. In New Orleans und Bogalusa mit einer Garde von echten Swing-Jazzern total relaxed eingespielte Studioaufnahmen, die einen wünschen lassen, mit dabei sein zu können. Dynamite!! That´s all we need ...

  • Sendetermin: „Long Distance Call“, Samstag, 25. Februar 2017, 19 Uhr

 

Honey don´t - Everybody´s trying to be my baby

Die zweite Rock & Roll Klassiker-Folge eröffnen wiederum die frühen Beatles mit ihren 1964er-Versionen echter SUN-Vorbilder. Eines ihrer Idole war Carl Perkins, der ungekrönte "King of Rockabilly Music". Von dem stammen die im Titel genannten Stücke, echte Meilensteine. "Mr. Blue Suede Shoes" Carl Perkins stand zeitlebens im Schatten seines Freundes und Konkurrenten Elvis Presley. Schade irgendwie - er verfügte ebenfalls über unglaubliche Fähigkeiten. Leider hatte er etliche Male in seinem Leben die schlechteren Karten. Dennoch bleibt er als Klasse-Gitarrist in guter Erinnerung - im Gegensatz zum "King" konnte er außerdem verdammt gute Songs komponieren. Das hatten auch die Beatles erkannt.
Eine andere Rockabilly-Ikone war/ist sicherlich Wanda Jackson aus Oklahoma. Sie hatte als eine der ersten frühen wilden weißen Frauen auf den Rock & Roll-Bühnen zuhause in den Staaten nicht unbedingt die besten Chancen - das prüde 50er-Amerika hielt vorsichtshalber Abstand von ihr. Sie feierte ihren größten Charts-Erfolge in Übersee, in Japan und Europa. Hierzulande schlug 1960 ihr Feten-Knaller "Let´s have a party" ein wie eine Bombe. Auf Anraten ihres Freundes Elvis Presley war sie während der Spät-50er von Country- und Gospelmusik zum Rock & Roll gewechselt. Mit ihrer ausdrucksstarken Gesangsstimme und einer aufregenden Bühnenpräsenz gelang ihr eine spannende Karriere: sie ist die "Queen of Rockabilly Music" - no doubt. Und sie singt immer noch. Diese Stimme - oh boy!
Ein weiterer (echter) Überlebender des ganzen Rock & Roll Hype (Stand KW 07/17) ist sicherlich "The Fat Man" Fats Domino. Er wird weltweit mit dem sogenannten New Orleans-Style in Verbindung gebracht. Sein selbstbezogener, leicht ironischer Song "They call me The Fat Man" von 1950 machte ihn ganz fix weltbekannt. Der Boogie-Pianist Domino gilt neben Chuck Berry und Little Richard als der wichtigste schwarze Wegbereiter der Rock & Roll Music. Der lebenslustige Typ setzte mit Stücken wie "Blueberry Hill", "Jambalaya" und "I´m walkin´" weitere Meilensteine. Nach dem furchtbaren Tornado "Katrina" im Jahre 2005 kursierten in seiner Heimatstadt New Orleans/Louisiana Gerüchte, daß der Künstler das Ganze nicht überlebt hätte ... Glücklicherweise tauchte das Schwergewicht doch wieder auf. Sein Zuhause und seine Goldenen Schallplatten - alles futsch. Mit Little Richard zusammen (zu hören in der nächsten Folge) spielte Fats Domino kurze Zeit später Benefiz-Konzerte für andere Betroffene in New Orleans. Ihre erste große Spende (auch durch internationale Hilfe) ging in den Aufbau von neuen Kinderspielplätzen in der alten Rhythm & Blues-Metropole.

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 26. Februar 2017, 19 Uhr

 

Frisches Netaudio für den Frühling

frei² – Das Magazin für freie Musik im Freien Radio Kassel – meldet sich ein bisschen zurück und bringt gleich frische Musik für den hereinbrechenden Frühling mit. Ganz neu und bislang noch nicht in der Sendung vorgestellt ist das Netlabel monoKraK aus der Schweiz. Deren elektronischer Podcast steht in der aktuellen Episode unter dem Titel Floating Mind, was auch eine sehr zutreffende Beschreibung des Stils ist.
Außerdem in dieser Sendung: Eine kurze Information über die Zukunft von frei² – denn es geht weiter, nur ein wenig anders.

  • Sendetermin: „Frei hoch zwei“, Dienstag, 28. Februar 2017, 19 Uhr

 

Austropop in Tot-Weiss-Tot

Humor ist eine ernste Sache. Insbesondere in der fünften Jahreszeit. Dass es auch anders geht, beweisen unsere Nachbarn in Österreich. Im Jahre 2000 veröffentlichte Klaus Eberhartinger mit seinen Gruftgranaten ein Album, das sich auf kabarettistische Weise mit der Situation des Austropops und seiner medialen Rezeption beschäftigt. Zwischen Steinhäger, Tequila & Slibowitz und Morschi Danzer, Rainhard Fencheltee & Wolfgang Schwamm-Boss sind auch deutliche politische Statements zu hören. Am Mikrofon: Dieter Kindl.

  • Sendetermine: „Liederleute“, Dienstag, 28. Februar 2017, 20.00 Uhr
  • Wiederholung: Mittwoch, 1. März 2017 12.00 Uhr

 

100 Jahre Jazz auf Schallplatte - Die Original Dixieland Jazz Band, Folge 3

Was blieb von der Original Dixieland Jazz Band?

Ende 1922, Anfang 1923 nahm die ODJB noch vier Seiten für OKeh auf, dann löste sie sich auf.
Nick LaRocca hatte gesundheitliche Probleme und wollte sich nicht länger dem erheblichen Streß des Musikgeschäfts aussetzen. Er ging heim nach New Orleans und führte ein Baugeschäft.
Auch die andern Mitglieder gingen zurück in bürgerliche Berufe - alle außer dem Drummer Tony Sbarbaro.
Er sollte in den 30er Jahren die Wiederbelebung der Band betreiben - zunächst mit zuengagierten anderen Musikern, die für die Vocalion im Jahre 1935 vier Titel einspielten.
Das Klangbild gemahnte allerdings weniger an die ersten ODJB-Einspielungen, sondern eher an zeitgenössische Wingy-Manone- oder Red-McKenzie-Gruppen.
Zwanzig Jahre Jazz - die gab es vor 80 Jahren zu feiern, und die Victor Co. erinnerte sich der Pioniere. Man machte Nick LaRocca ein Angebot, seine alte Truppe für neue Aufnahmen  zusammenzurufen.
Für die zweite Karriere kam die alte Kernbesetzung unter (zumindest vorübergehender) Aufgabe der bürgerlichen Existenz wieder zusammen. LaRocca leitete also wieder vom Kornett aus, Eddie Edwards blies die Posaune, Larry Shields die Klarinette, J.Russell Robinson spielte das Piano, Tony Sbarbaro trommelte.
Um dem Zeitgeschmack Rechnung zu tragen, wurde die Truppe zu einer Bigband im Swingstil ergänzt, die im Oktober 1936 in New York vors Mikrophon der Victor trat und auf den Etiketten als „Nick LaRocca and the Original Dixieland Jazz Band“ firmierte.
Mit der alten ODJB hatte das nicht viel zu tun - bei den Aufnahmen kamen ansprechende, zeittypische Swingplatten heraus. Die Oldtimer hatten immerhin bewiesen, daß sie auch jetzt noch mithalten konnten.
Parallel entschied man sich aber auch zur Einspielung einiger Titel in Ursprungsbesetzung und sehr genau getroffenem altem Stil - kurioserweise hieß die originale Kleingruppe aber nun „Original Dixieland Five“.
Erneut von Gesundheitsproblemem geplagt, wie schon Anfang der 20er Jahre, ging Nick LaRocca wiederum nach New Orleans ins Baugewerbe zurück. Einige der übrigen Bandmitglieder blieben unter dem alten Namen Original Dixieland Jazz Band unter bloßer Leitung von Eddie Edwards zusammen und holten Sharkey Bonano als Kornettisten ins Boot, die Posaune spielte nun Bud Scott, als Pianist war, wie schon einmal vorübergehend in der „Urzeit“, der von den Original Memphis Five bekannte Frank Signorelli tätig. Artie Shapiro schlug, ein Novum bei der kleinen Besetzung, den Baß, Tony Sbarbaro behielt den Schlagzeugerstuhl. 1938 spielte diese Besetzung sechs Titel für Bluebird, das preiswerte Unteretikett der Victor Co., ein.
Auch hier handelte es sich wieder um zeitgemäßen Dixieland-Swing à la Wingy Manone.
1946 stellten Sbarbaro und Edwards, der nun wieder selbst die Posaune spielte, noch einmal eine Band für Plattenaufnahmen zusammen - 30 Jahre nach Gründung der ersten Original Dixieland Jass Band.
Was als Vermächtnis der ODJB bleibt, ist das Verdienst, der Entwicklung der populären Musik des 20. Jahrhunderts den wohl bedeutendsten Impuls gegeben zu haben.

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 1. März 2017, 21-22 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 2. März 2017, 13 Uhr

Programminfos vom 17.02.2017 bis 22.02.2017

Studierende der Uni Kassel produzieren Radiobeiträge zu Argentinien

Studierende am Fachbereich Romanistik der Kasseler Universität haben im laufenden Wintersemester Radiobeiträge zum Thema "Argentinien" produziert. Das Projekt, das von Dozentin Beate Möller geleitet wurde, fand in Kooperation mit dem Freien Radio statt. Die Ergebnisse des Seminars werden am Freitag im Rahmen des  "Themenwechsels" im Freien Radio ausgestrahlt.
Folgende Themen werden in den Beiträgen behandelt: Wir entdecken Argentinien; Tourismus, Geschichte und Natur in Argentinien; Argentinische Kultur; Die Mütter der Verschwundenen; Auf den Spuren von Jorge Luis Borges - ein Hörspiel.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 17. Februar 2017, 18 Uhr

 

Audioguides aus Oberkaufungen

Im Januar waren Kinder der Ernst-Abbe-Schule in Oberkaufungen fleißig und haben zu Themen rund um die Stiftskirche Beiträge erstellt.Es geht nicht nur um Martin Luther, auch ein echter Ritter und ein Apotheker wurden befragt.

In der Sendung werden die MacherInnen auch live dabei sein.

  • Sendetermin: „Kinderradio“, Sonntag, 19. Februar 2017, 16 Uhr

 

Tanzparkett extra - Teddy Hill and his NBC Orchestra

Diese Sendung ist der heute beinahe vergessenen Band des schwarzen Tenorsaxophonisten, Sängers und Orchesterleiters Teddy Hill gewidmet. Bereits seit den frühen 30er Jahren spielte die Band im Savoy Ballroom in New York und griff sehr bald den aufkommenden Swingstil auf. Durch Teddy Hills Gespür für Tempi und sein geschicktes Eingehen auf die Tänzer war die Kapelle beim tanzenden Publikum äußerst beliebt.  Sie nahm für die Vocalion und später die Victor bzw. deren Unteretikett Bluebird auf, einige Platten erschienen auch in Europa.
 
Das Orchester bekam sogar einen Vertrag bei der NBC, so daß es in den USA landesweit im Rundfunk zu hören war. Entsprechend nannte es sich in dieser Zeit auch Teddy Hill and his NBC Orchestra. Unter den Starsolisten der Elf-Mann-Kapelle, die ihr Personal lange konstant halten konnte, was für ihre Qualität spricht, waren ab 1937  Chu Berry und Dizzie Gillespie. Trotzdem sind die Platten heute recht selten, so daß wir am Schluß der Sendung noch Aufnahmen mit Willie Bryant und der Mills‘ Blue Rhythm Band bringen müssen.
 
1940 löste Hill die Band auf und übernahm „Minton’s Playhouse“, jenen New Yorker Club, der wenig später nicht zuletzt dank Dizzie Gillespie zur Wiege des Bebop werden sollte. Am 19. Mai 2006 wurde übrigens dieses Etablissement nach rund 30 Jahren Leerstand als Jazzclub wiedereröffnet.

Die in dieser Folge gebrachten Platten wurden 1936 und 1937 aufgenommen.

  • Sendetermin: „Tanzparkett extra“, Sonntag, 19.02.17, 17 Uhr
  • Wiederholung: Montag, 20.02.17, 9 Uhr

 

Honey don´t - Everybody´s trying to be my baby

Die zweite Rock & Roll Klassiker-Folge eröffnen wiederum die frühen Beatles mit ihren 1964er-Versionen echter SUN-Vorbilder. Eines ihrer Idole war Carl Perkins, der ungekrönte "King of Rockabilly Music". Von dem stammen die im Titel genannten Stücke, echte Meilensteine. "Mr. Blue Suede Shoes" Carl Perkins stand zeitlebens im Schatten seines Freundes und Konkurrenten Elvis Presley. Schade irgendwie - er verfügte ebenfalls über unglaubliche Fähigkeiten. Leider hatte er etliche Male in seinem Leben die schlechteren Karten. Dennoch bleibt er als Klasse-Gitarrist in guter Erinnerung - im Gegensatz zum "King" konnte er außerdem verdammt gute Songs komponieren. Das hatten auch die Beatles erkannt.
Eine andere Rockabilly-Ikone war/ist sicherlich Wanda Jackson aus Oklahoma. Sie hatte als eine der ersten frühen wilden weißen Frauen auf den Rock & Roll-Bühnen zuhause in den Staaten nicht unbedingt die besten Chancen - das prüde 50er-Amerika hielt vorsichtshalber Abstand von ihr. Sie feierte ihren größten Charts-Erfolge in Übersee, in Japan und Europa. Hierzulande schlug 1960 ihr Feten-Knaller "Let´s have a party" ein wie eine Bombe. Auf Anraten ihres Freundes Elvis Presley war sie während der Spät-50er von Country- und Gospelmusik zum Rock & Roll gewechselt. Mit ihrer ausdrucksstarken Gesangsstimme und einer aufregenden Bühnenpräsenz gelang ihr eine spannende Karriere: sie ist die "Queen of Rockabilly Music" - no doubt. Und sie singt immer noch. Diese Stimme - oh boy!
Ein weiterer (echter) Überlebender des ganzen Rock & Roll Hype (Stand KW 07/17) ist sicherlich "The Fat Man" Fats Domino. Er wird weltweit mit dem sogenannten New Orleans-Style in Verbindung gebracht. Sein selbstbezogener, leicht ironischer Song "They call me The Fat Man" von 1950 machte ihn ganz fix weltbekannt. Der Boogie-Pianist Domino gilt neben Chuck Berry und Little Richard als der wichtigste schwarze Wegbereiter der Rock & Roll Music. Der lebenslustige Typ setzte mit Stücken wie "Blueberry Hill", "Jambalaya" und "I´m walkin´" weitere Meilensteine. Nach dem furchtbaren Tornado "Katrina" im Jahre 2005 kursierten in seiner Heimatstadt New Orleans/Louisiana Gerüchte, daß der Künstler das Ganze nicht überlebt hätte ... Glücklicherweise tauchte das Schwergewicht doch wieder auf. Sein Zuhause und seine Goldenen Schallplatten - alles futsch. Mit Little Richard zusammen (zu hören in der nächsten Folge) spielte Fats Domino kurze Zeit später Benefiz-Konzerte für andere Betroffene in New Orleans. Ihre erste große Spende (auch durch internationale Hilfe) ging in den Aufbau von neuen Kinderspielplätzen in der alten Rhythm & Blues-Metropole.

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 19. Februar 2017, 19 Uhr

 

Esther Filly

ihrer Musik vereinen sich Elemente aus Soul, Motown, Dance, Blues, ein bisschen Jazz….Ob auf Englisch oder Deutsch gesungen, Esther Filly verleiht ihrer Musik ihre absolut unnachahmliche Contra-Alt Stimme, soulig, kraftvoll und markant. Ihr Wiedererkennungswert, ihre Bühnenpräsenz, ehrliche Lebensfreude und unendliche Power machen aus ihr das, was sie ist: Eine herzliche Freaky Souldiva der Neuzeit, mit einer großartigen Stimme und Persönlichkeit - „einzig aber niemals artig“, „extra aber niemals ordinär". Wir stellen die sympathische Künstlerin in unserer Reihe "Liederleute zu Gast bei Liederleute" vor. Am Mikrofon: Andrea Eberl.

  • Sendetermine: „Liederleute“, Dienstag, 21. Februar 2017, 20.00 Uhr
  • Wiederholung: Mittwoch, 22. Februar 2017, 12.00 Uhr

Programminfos vom 10.02.2017 bis 16.02.2017

Das Recht auf ein gutes Leben – neue Töne aus Lateinamerika

Eine Begegnung mit Alberto Acosta und Grupo Sal.

Der 3. Dezember des vergangenen Jahres war ein Tag der lokalen und regionalen Vernetzung für das Gute Leben in Kassel und der Region. Die Veranstaltung kombinierte Workshops an der Universität Kassel, Vorträge und Musik zum Thema. Den Tag krönte eine Konzertlesung mit dem Titel "Das Recht auf ein Gutes Leben – Neue Töne aus Lateinamerika – Eine Begegnung mit Alberto Acosta und Grupo Sal". Inspiriert von indianischen, afrikanischen und europäischen Wurzeln und von den neuesten Entwicklungen der pulsierenden Metropolen, präsentierte Grupo Sal virtuos und leidenschaftlich eine eigenständige Interpretation lateinamerikanischer Musik. Zusammen mit Alberto Acosta, 2008 Präsident der verfassunggebenden Versammlung Ecuadors und einer der führenden Intellektuellen Lateinamerikas, begaben sich die Musiker zusammen mit ihrem Publikum auf eine spannende Entdeckungsreise.
Wir senden einen Mitschnitt der Konzertlesung, die im Kulturbahnhof.stattfand.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 10. Februar 2017, 18 Uhr

 

Entscheidet euch!

Im Zeitalter der Selbstoptimierung muß alles perfekt sein: der Job, das Aussehen, der Partner, die Freizeit. Wir googeln, bis der Arzt kommt, weil wir glauben, daß es noch bessere Möglichkeiten geben könnte. „Nur wer alle Optionen kennt, kann optimale Entscheidungen treffen" ist das Mantra unserer Zeit. „Das ist ein Trugschluß“, weiß Florian Schroeder.
Schroeder teilt uns ein in Optimierer und Gelassene, zeigt, warum Kant mit Katzenberger überfordert gewesen wäre und verrät uns die ultimative Formel, mit der wir herausfinden können, wie lange unsere Partnerschaft noch hält. Das sollte sich keiner entgehen lassen.
Trotz ausgeprägter Rechts-Links-Schwäche: Schroeder weiß, wo's langgeht. Er ist der Sebastian Vettel unter den Führerscheinlosen, seine Show ist ein politisch-philosophisch-psychologisches Gutachten für Intellektuelle und die, die sich einmal so fühlen möchten. Wenn Spaßbremsen Vollgas geben, ist es Zeit, einen Gang runterzuschalten. Zuschauen, entspannen, nachdenken.
Florian Schroeder hat sein aktuelles Programm „Entscheidet euch!“ im letzten Jahr beim „Sommer im Park“ in Vellmar gespielt – wir senden die Aufzeichnung.

  • Sendetermin: „Kabarett live“, Freitag, 10. Februar 2017, 22 Uhr

 

Erinnerung an Werner Lämmerhirt

Der Ausnahmegitarrist aus Berlin (*1949) galt als Wegbereiter der Fingerstyle-Technik. Er wirkte in den 1970er Jahren als Studiomusiker an Aufnahmen von Hannes Wader mit und begleitete ihn auf Tourneen. Sein virtuoses Gitarrenspiel orientierte sich am US-amerikanischen Country Blues. Vom legendären "Mississippi John" Hurt hatten wir in vorigen Folgen einiges vorgestellt; er war eines der Lämmerhirt-Vorbilder. Von derartigen Einflüssen waren die ersten tollen Alben des Künstlers geprägt. Erschienen sind sie ab den 70er Jahren beim renommierten Stockfisch-Label aus Northeim.
Ein weiteres Charakteristikum war seine rauchige Gesangsstimme. 1975 nahm er unter anderem mit den Gitarristen Klaus Weiland und Sammy Vomàčka ein vielbeachtetes Session-Album auf. Im Laufe der Jahre entstanden etliche musikalische Projekte mit anderen Musikern wie Peter Ratzenbeck, Peter Finger, Colin Wilkie und Wizz Jones. Während er auf den frühen Alben meist englischsprachige Songs auswählte oder selber schrieb, präsentierte Lämmerhirt auf seinen späteren Alben eigene deutschsprachige Lieder. Werner Lämmerhirt ist nach längerer Krankheit im Oktober 2016 gestorben. Er hat die deutsche Fingerpicking-Landschaft beeinflußt wie kaum ein anderer Gitarrist.
In dieser Ausgabe hören wir etliche Titel aus seinem letzten Album "... eine halbe Ewigkeit", erschienen (ebenfalls bei Stockfisch) wenige Wochen vor seinem Tode. In den 45 Jahren seiner Solokarriere wurde Werner Lämmerhirt von einem breiten Publikum mit Begeisterung aufgenommen - und er prägte Generationen von Gitarristen. Seine tollen Alben gehören in die Folk- und Gitarristen-Sammlung. Farewell, Werner.
Eröffnet wird die heutige Folge übrigens vom amerikanischen Songwriter John Prine aus Chicago mit dem "Bear Creek Blues", einem Klassiker des A.P. Carter (1930er Jahre/The Carter Family).

  • Sendetermin: „Long Distance Call“, Samstag, 11. Februar 2017, 19 Uhr

 

Rock’n’Roll-Classics im Dreierpack

Der „Lonesome Traveler“ präsentiert in drei Sendefolgen jeweils drei (bzw. vier) Rock’n‘Roll-Klassiker - von Elvis und Chuck Berry über Fats Domino, Carl Perkins und Little Richard bis Buddy Holly, Wanda Jackson und Gene Vincent. John Lennon hat es seinerzeit glasklar formuliert: "Wenn ihr dem Rock & Roll einen anderen Namen geben wolltet, so müßte er Chuck Berry heißen." Genau so ist es.
Logischerweise beginnt also diese Miniserie mit "Mr. Rock & Roll" himself. Der ist mittlerweile neunzig - und tritt gelegentlich noch mit seiner riesigen roten Gibson Gitarre in seinem eigenen "Blueberry Hill"-Club auf. Respekt, Respekt! Diese Folge eröffnet "Uncle Chuck" Berry standesgemäß mit seinem Riesen-Ohrwurmhit "Sweet Little Sixteen" vom Dezember 1957 (Chess Records) - ein echter Symbolsong. Nun, das war sicherlich nicht die Geburtsstunde des Rock & Roll - der hatte seine ersten Wurzeltriebe bereits seit den Spät-1940er Jahren vorgelegt, mit Rhythm & Blues, Country und Swing ...
Mit dem langersehnten Aufblitzen des Super Nova-Knalls Elvis Presley ("The King") nahm der mächtige Musikhistorien-Dampfer unter dem Bugnamen "Rock & Roll" dann ab 1955 so richtig Fahrt auf. Ein kurzzeitig gültiger musikalischer Qualitätsbegriff ging damals um die ganze Welt - und veränderte sie, in Ost und West.
Klasse Musiker/Innen wie die oben genannten und gewiefte Songschreibertypen begründeten in Memphis, Chicago, New York und Los Angeles eine bis in die Gegenwart nachwirkende Pop-Industrie, die nicht zuletzt Lifestyle und Bewußtsein eines großen Teils der Menschheit beeinfluß(t)en. 
Diese Klassiker-Zusammenstellung beinhaltet neben vielen Originalaufnahmen auch etliche alternative Takes. So beispielsweise einige Aufnahmen mit Elvis, die Mitte der 50er eingespielt waren, allerdings erst lange nach seinem Tode (1977) veröffentlicht wurden (sog. Essentials); sozusagen im spannenden Vergleichstest - mit positiv überraschenden Ergebnissen. Alternative Chess-Aufnahmen gibt’s auch von und mit Chuck Berry - final abgerundet vom eingangs erwähnten John Lennon. Enjoy.

  • Folge 1: Elvis, Chuck Berry, Jerry Lee Lewis (diese Woche)
  • Folge 2: Carl Perkins, Wanda Jackson, Fats Domino (nächste Woche)
  • Folge 3: Buddy Holly, Little Richard, Gene Vincent, Eddie Cochran (übernächste Woche)
  • Sendetermin: “Lonesome Traveler”, Sonntag, 12. Februar 2017, 19 Uhr

 

Attac-Radio

- Entscheidung über CETA im EU-Parlament am 15. Februar
Interview mit dem Europaabgeordneten Joachim Schuster von der SPD
- Interview mit Dierk Hirschel, Chefökonom ver.di
zu Freihandelsabkommen TiSA und CETA
- Trump könnte TTIP weiterhin wollen
TALK mit Pia Eberhardt (CEO)
- Was haben wir mit Donald Trump zu erwarten? Welche Auswirkungen wird Trump auf die Innenpolitik, die Ökonomie und die Außenpolitik der USA haben? Was haben wir mit ihm zu erwarten? Wie sind die Widerstandskräfte in den USA einzuschätzen?
Interview mit Conrad Schuhler, Institut für sozial-ökologische Wirtschaftsforschung (isw)

  • Sendetermin: „attac-Radio“, Dienstag, 14. Februar 2017, 21 Uhr

 

100 Jahre Jazz auf Schallplatten - die Original Dixieland Jazz Band (ODJB), Folge 2 von 3

Jazz ...
die Musik des 20. Jahrhunderts, die Kulturleistung Amerikas im 20. Jahrhundert. Ob man will oder nicht, man kommt an ihr nicht vorbei. Seit nunmehr 100 Jahren. Sie ist Ausgangspunkt fast aller Stile, die später kommen sollten. An ihr scheiden sich seit damals die Geister.
Mythen, Halbwahrheiten, Lügen kursieren über die Entstehung des Jazz. Ein New Orleans wird heute heraufbeschworen, das es so nicht gab, der Jazz als von den Weißen den Schwarzen gestohlene und kommerzialisierte Kunstform idealisiert.
Klar ist, daß der Jazz ab den frühen 20er Jahren den Blues, jene ureigene Musik der Schwarzen Amerikas, absorbiert hat, sich die Stile, die Einflüsse vereinigten zu dem, was man seither als die verschiedenen Spielarten des Jazz kennt. Was aber vorher war, was die eigentliche Keimzelle des Jazz ist, liegt für die meisten, für Jazzfans wie Musiker, im Dunkel der Geschichte.
Es wird ein sagenhafter Urjazz, angeblich in New Orleans von farbigen Musikern geschaffen, als Stammvater der späteren Jazzmusik in die Zeit um 1890 oder gar schon 1880 oder auch erst um 1900 hineingeheimnißt.
Jedenfalls ist die erste Jazzplatte überhaupt im Jahre 1917 aufgenommen. Mit der Priorität gibt es nur insofern kleine Schwierigkeiten, als die Eintragungen in den Aufnahmebüchern offenbar nicht eindeutig sind. Am 30. Januar 1917 stand die Original Dixieland Jass Band (so die damalige Schreibweise) im New Yorker Columbia-Studio vor dem Aufnahmetrichter und spielte die Titel „Darktown Strutters‘ Ball“ und „Indiana“ ein. Die Aufnahmen wurden zurückgehalten, weil sie den Repertoireleuten von der technischen Qualität her mißfielen - und offenbar im Vergleich zum bisherigen Ragtime zu wild erschienen.
Die Band wechselte zur Konkurrenz, dem Marktführer Victor. Dieser gab die am 09. Februar 1917 (nach anderen Quellen am 26. desselben Monats) aufgenommenen Titel „Livery Stable Blues“ und „Dixie Jass Band One-Step“ heraus - die erste veröffentlichte Jazzplatte!
Dies ist der „Urknall“ des Jazz - und Anlaß unserer kleinen Reihe zum 100. Jubiläum dieser Musikrichtung.
Der Millionenerfolg dieser Veröffentlichung ließ die Columbialeute nicht ruhen - man brachte die zunächst auf Eis gelegte Platte nun doch heraus. Wie oben angeschnitten, gibt es allerdings von dieser Geschichte zwei Versionen, nämlich einmal die, daß die schon vorhandenen Matrizen verwandt wurden, zum andern die von einer Wiederholung der Aufnahme zu einem späteren Zeitpunkt. Genaue Belege hierüber gibt es offenbar nicht mehr.
Aber das ist letztlich eine Fußnote der Jazzgeschichte - größere Kreise zog eine ganz andere Entwicklung:
Nick LaRocca, Kornettist und Mitbegründer der aus New Orleans stammenden ODJB, war in den 50er Jahren die wilden und obskuren Behauptungen leid, die über den frühen Jazz kursierten.
Seine Einlassungen führten zu einer Kontroverse, die in den 50er und 60er Jahren die Jazzwelt erfaßte - von den Kritikern über die Musiker bis zum Publikum. Die Wogen der Empörung schlugen hoch. Rassismusvorwürfe standen im Raum. Wissenschaftlich exakt aber setzten sich die wenigsten Beteiligten mit der Fragestellung auseinander, woher denn nun der Jazz wirklich komme ...
Bis heute ist das Kennzeichen des Jazz die Improvisation, und Improvisationen sind wohl so alt wie die Musik selbst. Die Kollektivimprovisation aber, die Hauptmerkmal des frühen Jazz ist, beansprucht LaRocca als seine ureigene Idee. 1916 kam er darauf, verwirklichte das Konzept mit seiner Band. Er spielte die Leitstimme auf dem Kornett, die Band folgte, darum herumimprovisierend.
War das seine Idee? Fest steht eins: Derartiges ist auf Platten aus der Zeit vor der ODJB schlichtweg nicht zu finden! Unweigerlich stellt man das fest beim Abhören von Schallkonserven aus der Zeit vor 1920. Nur haben das offensichtlich die wenigsten Kritiker und Fachleute je getan, die Fans, denen die alten Archive nicht ohne weiteres zugänglich waren, natürlich noch weniger.
Aber welche Sprache sprechen nüchterne Betrachtungen jenseits der Mythen?
Schwarzen, so eine oft kolportierte Behauptung, sei aus Rassismus der Zugang zu den Schallplattenstudios verwehrt worden, so daß es Jazzaufnahmen schwarzer Kapellen erst nach dem I. Weltkrieg habe geben können. Ist das wahr? Man sehe sich die Plattenkataloge der Ragtimezeit vor dem Kriege an! Tausende Platten schwarzer Künstler sind dort verzeichnet, von Ragtimemusikern und Kleinkünstlern (Vaudeville) gleichermaßen. Damit fällt dieses Argument. Hätte es vor der ODJB andere Jazzbands gegeben, wären von ihnen - einerlei, ob sie schwarzes oder weißes Personal gehabt hätten - sicherlich Aufnahmen erschienen, zumal die erste veröffentlichte Jazzplatte wie eine Bombe einschlug, ein Geschäft, das sich wohl keine Band und keine Plattenfirma hätte entgehen lassen.
Selbst in den frühen Jazzjahren aktive Musiker, die noch Mitte der 30er Jahre ganz offenbar wahrheitsgemäß angegeben hatten, wie sie zum Jazz gekommen und wer ihre Vorbilder und Lehrmeister gewesen waren, lassen sich plötzlich, seit dem Oldtime-Revival der 40er Jahre, Aussagen in den Mund legen, die im genauen Gegensatz zu ihren Interviews der Vor-Revival-Zeit stehen. Das gilt selbst für Louis Armstrong, also für einen der in weitesten Kreisen wohl bekanntesten schwarzen Jazzmusiker überhaupt, geboren und aufgewachsen in New Orleans (!), der noch 1936 in seiner Autobiographie „Swing That Music“ klipp und klar sagt, daß er seine erste Begegnung mit dem Jazz der ODJB verdankte.
Im Jahre 1917 - seine Chefs rauften sich ob des nach nur einer Platte von ihnen selbst verschuldeten Weggangs der ODJB von ihrer Plattenfirma und des sensationellen Erfolgs der Truppe beim Konkurrenten Victor die Haare - mußte der Columbia-Talentsucher Ralph Peer nach wochenlanger Suche schließlich nach New York kabeln: „No jazz bands in New Orleans“. Er fand keine Jazzorchester, die er hätte engagieren können - weil es schlicht keine gab. Dabei war zu jener Zeit das bis heute so glorifizierte Vergnügungsviertel Storyville, angebliche Brutstätte des frühen Jazz, noch nicht geschlossen. Weiße wie schwarze Orchester spielten dort Ragtime, das war es gewesen, was er dort bis zum Überdruß gehört hatte, spielten Polka, Mazurka, eben die zeitgenössischen Gesellschaftstänze - aber keinen Jazz. Keinen einzigen in Jazzmanier improvisierten Ton, sondern nur feste Arrangements. Solche Kapellen konnte man aber auch direkt aus der New Yorker Musikszene ins Studio holen.
Die ersten Jazzversuche schwarzer Bands vor 1919 klingen auch wie (oft mäßige) Kopien des Vorbilds ODJB. Selbst dann, wenn damals schon als Bluesgrößen zu bezeichnende Musiker wie der von der Columbia als „Notnagel“ engagierte W.C. Handy und andere Vertreter seiner Zunft mit ihren Bands vor dem Trichter stehen. So eifert auch Wilbur Sweatman, ein ebenfalls von der Columbia engagierter schwarzer Bandleader, wenn er auch seine Sache schon besser macht, erkennbar dem Vorbild ODJB nach. Bei anderen Plattenfirmen prangt stolz die Bezeichnung „Jazz“ auf dem Etikett, gespielt wird aber durchnotierter Ragtime, wie er auch zehn, zwölf Jahre vorher schon auf Wachs gebannt wurde.
Wann immer die musikalischen Fähigkeiten es hergeben, kopieren die - schwarzen wie weißen - Bands der Jahre 1917 bis 1920 unverhohlen den Stil der fünf Boys aus New Orleans ... Das schlägt die Brücke zu unserer Sendung: Die Schallplatte machte das in vielen Fällen erst möglich, bot sie doch Gelegenheit zum immer und immer wiederholten gehörmäßigen Studium von Arrangements, Spielweisen usw. - und vor allem der Improvisationen, die ohne Tonaufzeichnung praktisch nicht nachzuvollziehen gewesen wären - oder nur von den wenigen Musikern, die sehr schnell mitschreiben und gleichzeitig das Fluidum der Darbietung erfassen konnten.
Vollends zur Farce wird die Geschichte vom Jazz um 1900, wenn der schwarze Trompeter Buddy Bolden nach seiner „Ausgrabung“ aus einer Trinkerheilanstalt in den späten 20er Jahren aussagt, er habe vor dem I. Weltkrieg bewußt keine Jazzplatten eingespielt, damit niemand seinen neuen, großartigen Stil kopieren könne. In Armstrongs zweiter Autobiographie taucht plötzlich eben jener Buddy Bolden als großes Vorbild auf ... ein Schelm, wer Arges dabei denkt!
Positiver Rassismus? Kann nicht sein, was nicht sein darf?
Glaubhafter erscheinen uns da schon die Ergebnisse der jahrzehntelangen Forschung je eines deutschen und eines englischen Jazzfachmanns, Horst H. Lange und Brian Rust. Sie führten mit etlichen der Musiker von damals persönlich Interviews und hatten in ihren Sammlungen tausende, ja abertausende Schallplatten, mit deren Hilfe sie sich, im Gegensatz zu vielen „Experten“, die einer vom andern Un- und Halbwahrheiten aus den Mündern geld- und geltungssüchtiger Musikagenten und ihrer willfährigen Schützlinge abschrieben, selbst ein Bild gemacht hatten, was es an frühem Jazz - und Nicht-Jazz! - gegeben hatte. Der oben schon angeführte Louis Armstrong höchstpersönlich bekannte im Interview mit Horst H. Lange, er habe später über seine Frühzeit gelogen, um den Publikumserwartungen der 40er Jahre zu entsprechen. Nick LaRocca führte mit Lange etliche Gespräche, zu denen Lange weitere Quellenforschung betrieb, deren Ergebnisse in seine Bücher eingingen.
All das untermauert Nick LaRoccas Ansprüche.
Wer von den vielen andern späteren Kritikern hat soviel Platten aus der Frühzeit des Jazz abgehört wie Rust und Lange? Wie schon gesagt, offenbar die wenigsten. Obwohl (oder gerade weil?) zu Standards im Oldtime- und Revivaljazz geworden, und das bis heute, ja, schon in den unmittelbar der „Jazz-Urzeit“ folgenden Stilepochen immer wieder im neuen zeitgemäßen Gewand dargeboten und nie vergessen, wurden die Urversionen spätestens von der oft intellektuell hochtrabenden und dünkelhaften Kritik der 50er Jahre fast immer als wertlos, als unwesentlich abgetan. Diese Ablehnung hielt noch bis in die 70er Jahre an - und wurde nach 1968 obendrein noch mit allgemeiner Gesellschafts- und Kapitalismuskritik verbunden (kommerzielle Musik, also Musik, von der die Künstler etwa wirklich leben konnten, war nun als Stütze des Systems geradezu verdammenswert).
Gewiß eine Entwicklung innerhalb einer Zeitströmung!
Man maß auch alte Autos, Lokomotiven oder Radios an den neuesten Modellen, amüsierte sich auch über sie als Kuriositäten, statt sie als technische und handwerkliche Meisterleistungen vergangener Tage und Ausgangspunkt der aktuellen Entwicklung zu erkennen. Man riß die letzten vom Krieg verschonten historischen Gebäude für den Straßenausbau nieder, man verputzte guterhaltene Gründerzeitfassaden, nachdem man die Ornamente abgeschlagen hatte, man nagelte Eternitplatten auf Fachwerkhäuser, unter denen diese verfaulten. Man opferte schöne, umweltgerechte und zweckmäßige, in Jahrhunderten gewachsene alte Kulturlandschaften der Ödnis der Flurbereinigung. Man warf - und das alles im Zeichen des Fortschritts! - über Generationen vererbte Bauernmöbel ins Feuer, um sie durch Resopalschränke zu ersetzen ...
Welchen Stand sollte in dieser Zeit schon „Opas komische Musik“ haben? Das große Publikum hatte die ärgsten Kriegs- und Nachkriegswirren hinter sich, wollte inzwischen von wilder Musik aus wilden Zeiten ohnehin nur noch wenig oder am besten gar nichts mehr wissen, sondern hörte lieber seichte Schlager von südlicher Sonne - und lachte sich gehörig schief über Pseudo-Dixielandkapellen mit Strohhüten und angeklebten Kaiser-Wilhelm-Bärten. Viel besser war es damals überm großen Teich übrigens auch nicht ...
Verfemt als altmodisch, ja zickig (gegenüber den wenigen Musikern, die ihre „Urväter“ in jener Zeit schätzten und sich zu ihnen bekannten, ist in einem Pamphlet aus den 50ern sogar vom „peinlichen Erbe eines Nick LaRocca oder Red Nichols“ die Rede!), stets an den aus vierzig Jahren Jazzentwicklung hervorgegangenen damaligen Stilen gemessen, paßten die Ur- und Frühversionen der Jazzstandards vielen Nachgeborenen nicht in den Kram und wurden oft schlicht nicht zur Kenntnis genommen. Schon gar nicht als das, was sie waren, nämlich als die Schultern, auf denen die Entwicklung des Jazz stand und steht.
Für viele Jüngere fängt denn auch der Jazz allerfrühestens mit dem Bebop überhaupt erst an, und auch das nur mit dessen schrägsten, nur ja nicht irgendwie eingängigen oder dem Normalbürger noch halbwegs verständlichen Ausformungen. Daß aber dorthin eine stetige Entwicklung - vom Ragtime über den Jazz der ODJB und weiter - geführt hat, wird geflissentlich ignoriert. Schon der Swing gilt ihnen, weil - pfui! - tanzbar, sich dem Hörer, auch dem Nichtmusiker oder Nichtmusikexperten, erschließend, ihn gar gefühlsmäßig ansprechend, nicht als Jazzspielart ... Jazz ist seit Joachim Ernst Behrendt zum Hören und nur zum Hören da, zum Erfassen dessen über den Kopf, was andere nur mit dem Kopf ergrübelt haben. Schon wenn die Musik zum Fußwippen anregt, kann sie nicht gut sein ... Gar zum Tanzen? Himmel, nein! Tanzmusik ist kein Jazz. Punkt.
Schöne neue Welt!
Umgekehrt führte dies in Teilen des Publikums, das sich ja allzu hochfahrender Kritkermeinung gern entgegenstellt, zu einer nostalgischen, verzerrenden Verklärung des frühen Jazz. Auch und gerade unter jungen Amateurmusikern, die den Jazz, wie sie ihn sahen, in durchaus breiter Front weitertrugen. Nun griff die Legendenbildung aus den Kreisen der alten Jazzer richtig, die es eigentlich besser wußten ... Künstler wie Fans pflegten das Heimweh nach einem Storyville, in dem man natürlich nie gewesen war und in dem in Wirklichkeit nie eine Jazznote erklungen sein dürfte.
Verklärung und Verdrehung der Tatsachen setzten sich fort mit Anfeindungen gegen „falsche“ - weil weiße - Größen der Jazzgeschichte, von Paul Whiteman über das Casa Loma Orchestra bis zu Benny Goodman, seien sie auch noch so richtungweisend gewesen. Selbst kritiklose Übernahme antisemitischer Anwürfe aus dem Vokabelheft des III. Reichs gehörte zum guten Ton. Solch brauner Dreck kam dabei auch - und gerade! - immer wieder aus der linken Ecke geflogen ...
Damit wären wir bei wirklichem Rassismus gelandet - aber jetzt gehen wir schon weit über den Rahmen dieser Sendefolge hinaus!
Die gegensätzlichen Thesen von der Entstehung des Jazz jedenfalls sind und bleiben in der Welt.
Wundert einen das wirklich - angesichts der Tatsache, daß wir in einem hochtechnisierten und mittels Elektronenrechnern straff durchorganisierten Zeitalter leben, das gleichzeitig den verschiedensten völlig absurden Verschwörungstheorien huldigt?
Kurz und prägnant faßt jedenfalls Horst H. Lange in einer seiner wichtigsten Diskographien (Die deutsche „78er“ Discographie der Hot-Dance- und Jazz-Musik 1903-1958, Colloquium-Verlag Berlin, 2., erw. Auflage 1978) unter den Einträgen der in Deutschland veröffentlichten ODJB-Platten zusammen:
„Als die Original Dixieland Jazz Band im Jahre 1916 aus dem Ragtime den Jazz entwickelte und zum erstenmal präsentierte, begann das Zeitalter der modernen Hot-Dance-Musik und des Jazz. Eine Ära, die bis in die frühen 50er Jahre andauerte und erst durch die Rock-, Beat- und Free Jazz-Musik [sic] beendet wurde.“
Und hiermit laden wir Sie ein, mit uns ein Jubiläum zu begehen, ohne das es unsere Sendung in dieser Form wohl nicht gäbe - und (Lange zum Trotz, der offenbar Rock und Beat nicht als Jazznachfolger sah, obwohl sie fast immer Blues- und Jazzelemente enthalten) keinen Rock ’n‘ Roll, keinen Pop, wie wir ihn kennen ... und vieles andere auch nicht.

Durch die Sendung führt Peter K. Michael.

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 15. Februar 2017, 21-22 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 16. Februar 2017, 13 Uhr

Programminfos vom 03.02.2017 bis 09.02.2017

100 Jahre Jazz auf Schallplatten - die Original Dixieland Jass/ Jazz Band (ODJB), Folge 1 von 3

Jazz ...
die Musik des 20. Jahrhunderts, die Kulturleistung Amerikas im 20. Jahrhundert. Ob man will oder nicht, man kommt an ihr nicht vorbei. Seit nunmehr 100 Jahren. Sie ist Ausgangspunkt fast aller Stile, die später kommen sollten. An ihr scheiden sich seit damals die Geister.
Mythen, Halbwahrheiten, Lügen kursieren über die Entstehung des Jazz. Ein New Orleans wird heute heraufbeschworen, das es so nicht gab, der Jazz als von den Weißen den Schwarzen gestohlene und kommerzialisierte Kunstform idealisiert.
Klar ist, daß der Jazz ab den frühen 20er Jahren den Blues, jene ureigene Musik der Schwarzen Amerikas, absorbiert hat, sich die Stile, die Einflüsse vereinigten zu dem, was man seither als die verschiedenen Spielarten des Jazz kennt. Was aber vorher war, was die eigentliche Keimzelle des Jazz ist, liegt für die meisten, für Jazzfans wie Musiker, im Dunkel der Geschichte.
Es wird ein sagenhafter Urjazz, angeblich in New Orleans von farbigen Musikern geschaffen, als Stammvater der späteren Jazzmusik in die Zeit um 1890 oder gar schon 1880 oder auch erst um 1900 hineingeheimnißt.
Jedenfalls ist die erste Jazzplatte überhaupt im Jahre 1917 aufgenommen. Mit der Priorität gibt es nur insofern kleine Schwierigkeiten, als die Eintragungen in den Aufnahmebüchern offenbar nicht eindeutig sind. Am 30. Januar 1917 stand die Original Dixieland Jass Band (so die damalige Schreibweise) im New Yorker Columbia-Studio vor dem Aufnahmetrichter und spielte die Titel „Darktown Strutters‘ Ball“ und „Indiana“ ein. Die Aufnahmen wurden zurückgehalten, weil sie den Repertoireleuten von der technischen Qualität her mißfielen - und offenbar im Vergleich zum bisherigen Ragtime zu wild erschienen.
Die Band wechselte zur Konkurrenz, dem Marktführer Victor. Dieser gab die am 09. Februar 1917 (nach anderen Quellen am 26. desselben Monats) aufgenommenen Titel „Livery Stable Blues“ und „Dixie Jass Band One-Step“ heraus - die erste veröffentlichte Jazzplatte!
Dies ist der „Urknall“ des Jazz - und Anlaß unserer kleinen Reihe zum 100. Jubiläum dieser Musikrichtung.
Der Millionenerfolg dieser Veröffentlichung ließ die Columbialeute nicht ruhen - man brachte die zunächst auf Eis gelegte Platte nun doch heraus. Wie oben angeschnitten, gibt es allerdings von dieser Geschichte zwei Versionen, nämlich einmal die, daß die schon vorhandenen Matrizen verwandt wurden, zum andern die von einer Wiederholung der Aufnahme zu einem späteren Zeitpunkt. Genaue Belege hierüber gibt es offenbar nicht mehr.
Aber das ist letztlich eine Fußnote der Jazzgeschichte - größere Kreise zog eine ganz andere Entwicklung:
Nick LaRocca, Kornettist und Mitbegründer der aus New Orleans stammenden ODJB, war in den 50er Jahren die wilden und obskuren Behauptungen leid, die über den frühen Jazz kursierten.
Seine Einlassungen führten zu einer Kontroverse, die in den 50er und 60er Jahren die Jazzwelt erfaßte - von den Kritikern über die Musiker bis zum Publikum. Die Wogen der Empörung schlugen hoch. Rassismusvorwürfe standen im Raum. Wissenschaftlich exakt aber setzten sich die wenigsten Beteiligten mit der Fragestellung auseinander, woher denn nun der Jazz wirklich komme ...
Bis heute ist das Kennzeichen des Jazz die Improvisation, und Improvisationen sind wohl so alt wie die Musik selbst. Die Kollektivimprovisation aber, die Hauptmerkmal des frühen Jazz ist, beansprucht LaRocca als seine ureigene Idee. 1916 kam er darauf, verwirklichte das Konzept mit seiner Band. Er spielte die Leitstimme auf dem Kornett, die Band folgte, darum herumimprovisierend.
War das seine Idee? Fest steht eins: Derartiges ist auf Platten aus der Zeit vor der ODJB schlichtweg nicht zu finden! Unweigerlich stellt man das fest beim Abhören von Schallkonserven aus der Zeit vor 1920. Nur haben das offensichtlich die wenigsten Kritiker und Fachleute je getan, die Fans, denen die alten Archive nicht ohne weiteres zugänglich waren, natürlich noch weniger.
Aber welche Sprache sprechen nüchterne Betrachtungen jenseits der Mythen?
Schwarzen, so eine oft kolportierte Behauptung, sei aus Rassismus der Zugang zu den Schallplattenstudios verwehrt worden, so daß es Jazzaufnahmen schwarzer Kapellen erst nach dem I. Weltkrieg habe geben können. Ist das wahr? Man sehe sich die Plattenkataloge der Ragtimezeit vor dem Kriege an! Tausende Platten schwarzer Künstler sind dort verzeichnet, von Ragtimemusikern und Kleinkünstlern (Vaudeville) gleichermaßen. Damit fällt dieses Argument. Hätte es vor der ODJB andere Jazzbands gegeben, wären von ihnen - einerlei, ob sie schwarzes oder weißes Personal gehabt hätten - sicherlich Aufnahmen erschienen, zumal die erste veröffentlichte Jazzplatte wie eine Bombe einschlug, ein Geschäft, das sich wohl keine Band und keine Plattenfirma hätte entgehen lassen.
Selbst in den frühen Jazzjahren aktive Musiker, die noch Mitte der 30er Jahre ganz offenbar wahrheitsgemäß angegeben hatten, wie sie zum Jazz gekommen und wer ihre Vorbilder und Lehrmeister gewesen waren, lassen sich plötzlich, seit dem Oldtime-Revival der 40er Jahre, Aussagen in den Mund legen, die im genauen Gegensatz zu ihren Interviews der Vor-Revival-Zeit stehen. Das gilt selbst für Louis Armstrong, also für einen der in weitesten Kreisen wohl bekanntesten schwarzen Jazzmusiker überhaupt, geboren und aufgewachsen in New Orleans (!), der noch 1936 in seiner Autobiographie „Swing That Music“ klipp und klar sagt, daß er seine erste Begegnung mit dem Jazz der ODJB verdankte.
Im Jahre 1917 - seine Chefs rauften sich ob des nach nur einer Platte von ihnen selbst verschuldeten Weggangs der ODJB von ihrer Plattenfirma und des sensationellen Erfolgs der Truppe beim Konkurrenten Victor die Haare - mußte der Columbia-Talentsucher Ralph Peer nach wochenlanger Suche schließlich nach New York kabeln: „No jazz bands in New Orleans“. Er fand keine Jazzorchester, die er hätte engagieren können - weil es schlicht keine gab. Dabei war zu jener Zeit das bis heute so glorifizierte Vergnügungsviertel Storyville, angebliche Brutstätte des frühen Jazz, noch nicht geschlossen. Weiße wie schwarze Orchester spielten dort Ragtime, das war es gewesen, was er dort bis zum Überdruß gehört hatte, spielten Polka, Mazurka, eben die zeitgenössischen Gesellschaftstänze - aber keinen Jazz. Keinen einzigen in Jazzmanier improvisierten Ton, sondern nur feste Arrangements. Solche Kapellen konnte man aber auch direkt aus der New Yorker Musikszene ins Studio holen.
Die ersten Jazzversuche schwarzer Bands vor 1919 klingen auch wie (oft mäßige) Kopien des Vorbilds ODJB. Selbst dann, wenn damals schon als Bluesgrößen zu bezeichnende Musiker wie der von der Columbia als „Notnagel“ engagierte W.C. Handy und andere Vertreter seiner Zunft mit ihren Bands vor dem Trichter stehen. So eifert auch Wilbur Sweatman, ein ebenfalls von der Columbia engagierter schwarzer Bandleader, wenn er auch seine Sache schon besser macht, erkennbar dem Vorbild ODJB nach. Bei anderen Plattenfirmen prangt stolz die Bezeichnung „Jazz“ auf dem Etikett, gespielt wird aber durchnotierter Ragtime, wie er auch zehn, zwölf Jahre vorher schon auf Wachs gebannt wurde.
Wann immer die musikalischen Fähigkeiten es hergeben, kopieren die - schwarzen wie weißen - Bands der Jahre 1917 bis 1920 unverhohlen den Stil der fünf Boys aus New Orleans ... Das schlägt die Brücke zu unserer Sendung: Die Schallplatte machte das in vielen Fällen erst möglich, bot sie doch Gelegenheit zum immer und immer wiederholten gehörmäßigen Studium von Arrangements, Spielweisen usw. - und vor allem der Improvisationen, die ohne Tonaufzeichnung praktisch nicht nachzuvollziehen gewesen wären - oder nur von den wenigen Musikern, die sehr schnell mitschreiben und gleichzeitig das Fluidum der Darbietung erfassen konnten.
Vollends zur Farce wird die Geschichte vom Jazz um 1900, wenn der schwarze Trompeter Buddy Bolden nach seiner „Ausgrabung“ aus einer Trinkerheilanstalt in den späten 20er Jahren aussagt, er habe vor dem I. Weltkrieg bewußt keine Jazzplatten eingespielt, damit niemand seinen neuen, großartigen Stil kopieren könne. In Armstrongs zweiter Autobiographie taucht plötzlich eben jener Buddy Bolden als großes Vorbild auf ... ein Schelm, wer Arges dabei denkt!
Positiver Rassismus? Kann nicht sein, was nicht sein darf?
Glaubhafter erscheinen uns da schon die Ergebnisse der jahrzehntelangen Forschung je eines deutschen und eines englischen Jazzfachmanns, Horst H. Lange und Brian Rust. Sie führten mit etlichen der Musiker von damals persönlich Interviews und hatten in ihren Sammlungen tausende, ja abertausende Schallplatten, mit deren Hilfe sie sich, im Gegensatz zu vielen „Experten“, die einer vom andern Un- und Halbwahrheiten aus den Mündern geld- und geltungssüchtiger Musikagenten und ihrer willfährigen Schützlinge abschrieben, selbst ein Bild gemacht hatten, was es an frühem Jazz - und Nicht-Jazz! - gegeben hatte. Der oben schon angeführte Louis Armstrong höchstpersönlich bekannte im Interview mit Horst H. Lange, er habe später über seine Frühzeit gelogen, um den Publikumserwartungen der 40er Jahre zu entsprechen. Nick LaRocca führte mit Lange etliche Gespräche, zu denen Lange weitere Quellenforschung betrieb, deren Ergebnisse in seine Bücher eingingen.
All das untermauert Nick LaRoccas Ansprüche.
Wer von den vielen andern späteren Kritikern hat soviel Platten aus der Frühzeit des Jazz abgehört wie Rust und Lange? Wie schon gesagt, offenbar die wenigsten. Obwohl (oder gerade weil?) zu Standards im Oldtime- und Revivaljazz geworden, und das bis heute, ja, schon in den unmittelbar der „Jazz-Urzeit“ folgenden Stilepochen immer wieder im neuen zeitgemäßen Gewand dargeboten und nie vergessen, wurden die Urversionen spätestens von der oft intellektuell hochtrabenden und dünkelhaften Kritik der 50er Jahre fast immer als wertlos, als unwesentlich abgetan. Diese Ablehnung hielt noch bis in die 70er Jahre an - und wurde nach 1968 obendrein noch mit allgemeiner Gesellschafts- und Kapitalismuskritik verbunden (kommerzielle Musik, also Musik, von der die Künstler etwa wirklich leben konnten, war nun als Stütze des Systems geradezu verdammenswert).
Gewiß eine Entwicklung innerhalb einer Zeitströmung!
Man maß auch alte Autos, Lokomotiven oder Radios an den neuesten Modellen, amüsierte sich auch über sie als Kuriositäten, statt sie als technische und handwerkliche Meisterleistungen vergangener Tage und Ausgangspunkt der aktuellen Entwicklung zu erkennen. Man riß die letzten vom Krieg verschonten historischen Gebäude für den Straßenausbau nieder, man verputzte guterhaltene Gründerzeitfassaden, nachdem man die Ornamente abgeschlagen hatte, man nagelte Eternitplatten auf Fachwerkhäuser, unter denen diese verfaulten. Man opferte schöne, umweltgerechte und zweckmäßige, in Jahrhunderten gewachsene alte Kulturlandschaften der Ödnis der Flurbereinigung. Man warf - und das alles im Zeichen des Fortschritts! - über Generationen vererbte Bauernmöbel ins Feuer, um sie durch Resopalschränke zu ersetzen ...
Welchen Stand sollte in dieser Zeit schon „Opas komische Musik“ haben? Das große Publikum hatte die ärgsten Kriegs- und Nachkriegswirren hinter sich, wollte inzwischen von wilder Musik aus wilden Zeiten ohnehin nur noch wenig oder am besten gar nichts mehr wissen, sondern hörte lieber seichte Schlager von südlicher Sonne - und lachte sich gehörig schief über Pseudo-Dixielandkapellen mit Strohhüten und angeklebten Kaiser-Wilhelm-Bärten. Viel besser war es damals überm großen Teich übrigens auch nicht ...
Verfemt als altmodisch, ja zickig (gegenüber den wenigen Musikern, die ihre „Urväter“ in jener Zeit schätzten und sich zu ihnen bekannten, ist in einem Pamphlet aus den 50ern sogar vom „peinlichen Erbe eines Nick LaRocca oder Red Nichols“ die Rede!), stets an den aus vierzig Jahren Jazzentwicklung hervorgegangenen damaligen Stilen gemessen, paßten die Ur- und Frühversionen der Jazzstandards vielen Nachgeborenen nicht in den Kram und wurden oft schlicht nicht zur Kenntnis genommen. Schon gar nicht als das, was sie waren, nämlich als die Schultern, auf denen die Entwicklung des Jazz stand und steht.
Für viele Jüngere fängt denn auch der Jazz allerfrühestens mit dem Bebop überhaupt erst an, und auch das nur mit dessen schrägsten, nur ja nicht irgendwie eingängigen oder dem Normalbürger noch halbwegs verständlichen Ausformungen. Daß aber dorthin eine stetige Entwicklung - vom Ragtime über den Jazz der ODJB und weiter - geführt hat, wird geflissentlich ignoriert. Schon der Swing gilt ihnen, weil - pfui! - tanzbar, sich dem Hörer, auch dem Nichtmusiker oder Nichtmusikexperten, erschließend, ihn gar gefühlsmäßig ansprechend, nicht als Jazzspielart ... Jazz ist seit Joachim Ernst Behrendt zum Hören und nur zum Hören da, zum Erfassen dessen über den Kopf, was andere nur mit dem Kopf ergrübelt haben. Schon wenn die Musik zum Fußwippen anregt, kann sie nicht gut sein ... Gar zum Tanzen? Himmel, nein! Tanzmusik ist kein Jazz. Punkt.
Schöne neue Welt!
Umgekehrt führte dies in Teilen des Publikums, das sich ja allzu hochfahrender Kritkermeinung gern entgegenstellt, zu einer nostalgischen, verzerrenden Verklärung des frühen Jazz. Auch und gerade unter jungen Amateurmusikern, die den Jazz, wie sie ihn sahen, in durchaus breiter Front weitertrugen. Nun griff die Legendenbildung aus den Kreisen der alten Jazzer richtig, die es eigentlich besser wußten ... Künstler wie Fans pflegten das Heimweh nach einem Storyville, in dem man natürlich nie gewesen war und in dem in Wirklichkeit nie eine Jazznote erklungen sein dürfte.
Verklärung und Verdrehung der Tatsachen setzten sich fort mit Anfeindungen gegen „falsche“ - weil weiße - Größen der Jazzgeschichte, von Paul Whiteman über das Casa Loma Orchestra bis zu Benny Goodman, seien sie auch noch so richtungweisend gewesen. Selbst kritiklose Übernahme antisemitischer Anwürfe aus dem Vokabelheft des III. Reichs gehörte zum guten Ton. Solch brauner Dreck kam dabei auch - und gerade! - immer wieder aus der linken Ecke geflogen ...
Damit wären wir bei wirklichem Rassismus gelandet - aber jetzt gehen wir schon weit über den Rahmen dieser Sendefolge hinaus!
Die gegensätzlichen Thesen von der Entstehung des Jazz jedenfalls sind und bleiben in der Welt.
Wundert einen das wirklich - angesichts der Tatsache, daß wir in einem hochtechnisierten und mittels Elektronenrechnern straff durchorganisierten Zeitalter leben, das gleichzeitig den verschiedensten völlig absurden Verschwörungstheorien huldigt?
Kurz und prägnant faßt jedenfalls Horst H. Lange in einer seiner wichtigsten Diskographien (Die deutsche „78er“ Discographie der Hot-Dance- und Jazz-Musik 1903-1958, Colloquium-Verlag Berlin, 2., erw. Auflage 1978) unter den Einträgen der in Deutschland veröffentlichten ODJB-Platten zusammen:
„Als die Original Dixieland Jazz Band im Jahre 1916 aus dem Ragtime den Jazz entwickelte und zum erstenmal präsentierte, begann das Zeitalter der modernen Hot-Dance-Musik und des Jazz. Eine Ära, die bis in die frühen 50er Jahre andauerte und erst durch die Rock-, Beat- und Free Jazz-Musik [sic] beendet wurde.“
Und hiermit laden wir Sie ein, mit uns ein Jubiläum zu begehen, ohne das es unsere Sendung in dieser Form wohl nicht gäbe - und (Lange zum Trotz, der offenbar Rock und Beat nicht als Jazznachfolger sah, obwohl sie fast immer Blues- und Jazzelemente enthalten) keinen Rock ’n‘ Roll, keinen Pop, wie wir ihn kennen ... und vieles andere auch nicht.

Durch die Sendung führt Peter K. Michael.

Wir bringen in der ersten Folge:

- Livery Stable Blues (ODJB)
- Dixie Jass Band One-Step (ODJB)
- Darktown Strutters‘ Ball
- Indiana (Hanley)
- Ostrich Walk (ODJB)
- Look At ‘em Doin‘ It Now
- Ostrich Walk
- At The Jazz Band Ball
- Tiger Rag (LaRocca)
- Skeleton Jangle (LaRocca)
- Bluin‘ The Blues (Ragas)
- Sensation Rag
- Mournin‘ Blues
- Clarinet Marmalade Blues [sic] (Shields-Ragas)
 
Genauere diskographische Angaben folgen nach Möglichkeit.

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 1. Februar 2017, 21-22 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 2. Februar 2017, 13 Uhr

 

Jahresempfang der DIG

Die Deutsch-Israelische Gesellschaft Kassel ist seit inzwischen über 40 Jahren aktiv und fördert seither auf vielfältige Weise die Kontakte zwischen Deutschen und Israelis. Traditionell findet jeweils im Januar der Neujahrsempfang der DIG statt. In diesem Jahr konnte man den Vorsitzenden der deutsch-israelischen Parlamentariergruppe des Deutschen Bundestags, Volker Beck, als Festredner gewinnen.
Weitere Grußworte sprachen Oberbürgermeister Bertram Hilgen und die hessische Justizministerin Eva Kühne-Hörmann. Die Veranstaltung, die vom Vorsitzenden der Kasseler Arbeitsgruppe der DIG, Jürgen Menzel-Machemehl, moderiert und vom Duo Rhön/Beyer musikalisch umrahmt wurde, fand im Saal der Firma Plansecur statt.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 3. Februar 2017, 18 Uhr

 

Rock Against Racism, Folge 1

Rock Against Racism war eine 1976 ins Leben gerufene Kampagne, die das Ziel hatte, in Großbritannien ein Gegenwicht zu einer massiv ansteigenden Anzahl von rassistischen Übergriffen und Verbalattacken zu setzen. Auf von "RAR" organisierten Konzerten und Festivals traten dabei sehr oft Reggae- und Punkbands auf. Am Ende einer jeden Veranstaltung wurde dabei in Form einer Jamsession Geschlossenheit demostriert. Die erfolgreichste "RAR"-Veranstaltung war der im April 1978 veranstaltete Victoria Park Carnival:  Über 100000 Demonstranten marschierten vom Trafalgar Square aus quer durch das Londoner East End (dem Kerngebiet der ultrarechten National Front) zum Festivalort, dem Victoria Park.

  • Sendetermin: „Borderline extra“, Freitag, 3. Februar 2017, 20 Uhr

 

Zum Tod von Jaki Liebezeit

Er galt als einer der einflußreichsten Schlagzeuger überhaupt. Die Zahl seiner Jünger ist Legion und reicht stilistisch vom Rock und Jazz über New Wave, Techno und Hiphop bis zur aktuellen Elektronik und zur Weltmusik. Jaki Liebezeits extrem ökonomisches, präzises und exaktes Spiel entwickelte einen unwiderstehlichen, hypnotischen Groove, der die Schlagzeugtechnik geradezu revolutionierte. Mit zahllosen Künstlern hat er zusammengespielt – von Brian Eno bis Joachim Witt, von Depeche Mode bis Westernhagen. Vor allem aber war Jaki Liebezeit natürlich über viele Jahre das rhythmische Nervenzentrum von Can, dieser ebenso legendären wie wirkmächtigen Kölner Band, die heute einen geradezu mythischen Ruf genießt. Alben wie „Tago Mago“ oder „Future Days“ wurden entscheidend von Jaki Liebezeits berühmtem Sonor-Schlagzeug geprägt und zählen heute zu den klassischen Meisterwerken.
Am 22. Januar starb Jaki Liebezeit im Alter von 78 Jahren an einer Lungenentzündung. Wir würdigen ihn mit einem Drei-Stunden-Special im Rahmen der „Langen Rille“, die heute ihrem Namen alle Ehre macht: Etliche Stücke überschreiten deutlich die Grenze von 15 Minuten Spieldauer!

  • Sendetermin: „Die Lange Rille“, Samstag, 4. Februar 2017, 21 Uhr

 

John Prine - und kein Ende in Sicht: "Fair & Square" (2005)

Wie schön, der Songwriter´s Songwriter aus Chicago ist immer noch aktiv. Der Singing Mailman trägt mittlerweile keine Briefpost mehr im Großraum Chicago aus - dafür schreibt und komponiert er weiterhin äußerst kreativ. Und das ist gut so - Ideen hat der Mann! Aus zufälligen Alltagsbeobachtungen macht er in seiner ganz eigenen Schreibe eine musikalische Short Story. John Prine hat auch den kritisch-klaren Blick fürs Sozialpolitische nie verloren. Gelegentlich ergibt diese interessante Mischung gar Ohrwurm-geeignete kleine musikalische Kunstwerke. Während der 80er Jahre bezeichneten sie den Folksänger als "neuen Bob Dylan". Und genau seit jenen Jahren bezeichnet eben "der Meister" (Dylan) John Prine als einen seiner Favoriten. Ein schönes Beispiel ist sicherlich sein 15. Album, 2005 unter dem Titel "Fair & Square" beim eigenen Oh Boy-Label erschienen. John Prine hat dafür eine weitere Künstler-Auszeichnung erhalten – den "Grammy Award for Best Contemporary Folk Album". Respekt, John. Keep going on.

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 5. Februar 2017, 19 Uhr

Programminfos vom 26.01.2017 bis 02.02.2017

Neujahrsempfang der Stadt Kassel

„Kassel – Soziale Stadt“ - unter diesem Motto stand der traditionelle Neujahrsempfang, zu dem mehr als 1000 Gäste aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Stadtgesellschaft am vergangenen Samstag ins Rathaus kamen. Oberbürgermeister Bertram Hilgen stellte das Thema Sozialpolitik in den Mittelpunkt seiner Rede, äußerte sich in der letzten Neujahrsempfangs-Rede seiner Amtszeit aber natürlich auch zur aktuellen Fragen der Stadtpolitik. Auch Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier sprach unterschiedlichste Themen an und erläuterte in seiner Rede die getroffenen und noch anstehenden Maßnahmen von Stadt und Land.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 27. Januar 2017, 18 Uhr

 

Mr. Candyman: The Immortal Mississippi John Hurt

In dieser Ausgabe unseres Blues-Magazins hören wir erneut den  legendären "Mississippi John" Hurt – diesmal mit dem Album "The Immortal" von 1967. Ein wichtiges Kapitel der Blues Historie aus dem Süden der Staaten.
Mississippi John Hurt (*1892 im Carroll County/MS, aufgewachsen in Avalon) gehörte mit zu den zahlreichen interessanten MusikerInnen, die im Zusammenhang mit dem sogenannten Folk Revival während der 1960er Jahre in den USA wiederentdeckt wurden. Er war ein weiterer großartiger Gitarrist und Stückeschreiber, der vorher viel zu lange quasi vergessen war; grad so wie Bukka White, Lightning Hopkins und John Lee Hooker. Bei den Newport Folk & Blues Festivals (ab 1959) stand er, plötzlich hoch-verehrt, im ungewohnten Rampenlicht.
Und der damals noch junge Jerry Garcia gehörte, genauso wie Bob Dylan und Joan Baez, zu den vielen aufmerksamen Bewunderern. Kein Wunder: Titel wie der "Spike Driver´s Blues", "Stagg-O-Lee", "Candyman", "Make Me A Pallet On Your Floor", "Corinna, Corinna" und etliche andere wurden da bereits von zahllosen Adepten in der ein oder anderen Variante übernommen, sowohl im Folk als auch im Country/Bluegrass oder im Blues- und Rockbereich. Plötzlich genoss ein lange Zeit vergessener Künstler zumindest einen kurzen Ruhm seines Schaffens. Mississippi John Hurt war nicht verbittert - er hatte den Blues von Anfang an gelebt.
Seine 1920/1930er Folk/Country & Blues-Schallplattenaufnahmen (Okeh Records) haben nichts an Aktualität und Bedeutung in der US-Musikhistorie verloren. Die Leute lieb(t)en sein virtuoses Fingerpicking-Gitarrenspiel, die Fähigkeit, eine Basslinie und gleichzeitig Melodie- und Rhythmusbegleitung zu spielen. Und sein dabei immer irgendwie leicht und und freundlich wirkender Gesang tat ein übriges. Plus: dieses verschmitzte Lächeln - ein Charmeur allemal.
Während seiner letzten drei Lebensjahre konnte Mississippi John Hurt seine steigende Popularität endlich genießen. Er spielte nun in berühmten Clubs, den angesagten Coffee Houses, an Hochschulen und in Konzerthallen. Im November 1966 starb Hurt an den Folgen eines Herzinfarkts. Farewell, Mr. Candyman.     
Als kleine Ergänzung erinnern wir an den ebenfalls unvergessenen deutschen Fingerpicking Gitarren-Spezi Werner Lämmerhirt (+ Okt. 2016). Ja, auch deutsche MusikerInnen können den Blues kriegen (grad so wie Du und ich ...) - und auch verdammt gut spielen. Werner Lämmerhirt hatte sich nach intensivem Zuhören alles selbst angeeignet und einen sofort wiedererkannbaren Gitarrenstil entwickelt. Allseits bekannte Musikergrößen wie beispielsweise Hannes Wader hatten seine "John Hurt"-Spielweise gerne im Studio mit dabei. Sie kreierten Ohrwürmer-und Evergreens des "Mississippi John" neu (Respekt, John Smith Hurt).

  • Sendetermin: „Long Distance Call“, Samstag, 28. Januar 2017, 19 Uhr

 

It is Prine Time again

Mit einer wahrlich breitgespannten Themenvielfalt hat ein weiterhin aktueller John Prine seit den 1980er Jahren auf seine ganz eigene Art, das Songwriting auf eine hohe Stufe gehoben. Er verfaßte lyrische, gelegentlich herrlich schräge Texte für den Oberstufen-Englischunterricht oder die aktuellen "Bachelor"-Aspiranten. Aber das ist bei ihm längst nicht alles. Politisch engagierte und sozialkritische "topics" sind in seinem enormen Repertoire ebenso vertreten wie die individuellen emotionalen Herzensangelegenheiten seiner einzelnen Lied-Protagonisten. Er ist ein Singer/Songwriter, der Echtzeit-Geschichten zu beschreiben weiß. Selbst seine frühen Alben überzeugen auch heute noch. Der Bogen reicht von (längst zu Klassikern in den USA und in Kanada gediehenen) Songs wie "Sam Stone", "Illegal Smile", "Paradise" und "Angel from Montgomery" bis hin zu Country-Parodien wie "You never even called me by my name" oder - ganz aktuell - "People putting people down".
Sein Debütalbum ist von zeitloser Güte, noch immer ein Favorit des Moderators Wolf Silaff. Ein Muß in der Sammlung, ein Werk aus der Liste der Besten Alben aller Zeiten des Fachmagazins Rolling Stone.  John Prine hat in Amerika Preise und Auszeichnungen abgeräumt, zählt paradoxerweise gar zur Legion der Promis in der Nashville Hall of Fame. Na gut, Hank Williams ereilte das gleiche Schicksal - allerdings posthum.
In dieser Folge gibt’s Auszüge aus den Alben "Bruised Orange" (1978), "Pink Cadillac" (1979) und "Storm Windows" (1980), die gegen Ende der Vietnam-Kriegsjahre mit reihenweise befreundeten bekannten MusikerkollegInnen eingespielt wurden. Echte Titel-Preziosen sind darunter – aber nicht nur Folk, Rock & Roll oder Country-Geföntes ist mit dabei. Timeless.

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 29. Januar 2017

 

100 Jahre Jazz auf Schallplatten - die Original Dixieland Jass/ Jazz Band (ODJB), Folge 1 von 3

Jazz ...
die Musik des 20. Jahrhunderts, die Kulturleistung Amerikas im 20. Jahrhundert. Ob man will oder nicht, man kommt an ihr nicht vorbei. Seit nunmehr 100 Jahren. Sie ist Ausgangspunkt fast aller Stile, die später kommen sollten. An ihr scheiden sich seit damals die Geister.
Mythen, Halbwahrheiten, Lügen kursieren über die Entstehung des Jazz. Ein New Orleans wird heute heraufbeschworen, das es so nicht gab, der Jazz als von den Weißen den Schwarzen gestohlene und kommerzialisierte Kunstform idealisiert.
Klar ist, daß der Jazz ab den frühen 20er Jahren den Blues, jene ureigene Musik der Schwarzen Amerikas, absorbiert hat, sich die Stile, die Einflüsse vereinigten zu dem, was man seither als die verschiedenen Spielarten des Jazz kennt. Was aber vorher war, was die eigentliche Keimzelle des Jazz ist, liegt für die meisten, für Jazzfans wie Musiker, im Dunkel der Geschichte.
Es wird ein sagenhafter Urjazz, angeblich in New Orleans von farbigen Musikern geschaffen, als Stammvater der späteren Jazzmusik in die Zeit um 1890 oder gar schon 1880 oder auch erst um 1900 hineingeheimnißt.

Jedenfalls ist die erste Jazzplatte überhaupt im Jahre 1917 aufgenommen. Mit der Priorität gibt es nur insofern kleine Schwierigkeiten, als die Eintragungen in den Aufnahmebüchern offenbar nicht eindeutig sind. Am 30. Januar 1917 stand die Original Dixieland Jass Band (so die damalige Schreibweise) im New Yorker Columbia-Studio vor dem Aufnahmetrichter und spielte die Titel „Darktown Strutters‘ Ball“ und „Indiana“ ein. Die Aufnahmen wurden zurückgehalten, weil sie den Repertoireleuten von der technischen Qualität her mißfielen - und offenbar im Vergleich zum bisherigen Ragtime zu wild erschienen.
Die Band wechselte zur Konkurrenz, dem Marktführer Victor. Dieser gab die am 09. Februar 1917 (nach anderen Quellen am 26. desselben Monats) aufgenommenen Titel „Livery Stable Blues“ und „Dixie Jass Band One-Step“ heraus - die erste veröffentlichte Jazzplatte!
Dies ist der „Urknall“ des Jazz - und Anlaß unserer kleinen Reihe zum 100. Jubiläum dieser Musikrichtung.
Der Millionenerfolg dieser Veröffentlichung ließ die Columbialeute nicht ruhen - man brachte die zunächst auf Eis gelegte Platte nun doch heraus. Wie oben angeschnitten, gibt es allerdings von dieser Geschichte zwei Versionen, nämlich einmal die, daß die schon vorhandenen Matrizen verwandt wurden, zum andern die von einer Wiederholung der Aufnahme zu einem späteren Zeitpunkt. Genaue Belege hierüber gibt es offenbar nicht mehr.
Aber das ist letztlich eine Fußnote der Jazzgeschichte - größere Kreise zog eine ganz andere Entwicklung:
Nick LaRocca, Kornettist und Mitbegründer der aus New Orleans stammenden ODJB, war in den 50er Jahren die wilden und obskuren Behauptungen leid, die über den frühen Jazz kursierten.
Seine Einlassungen führten zu einer Kontroverse, die in den 50er und 60er Jahren die Jazzwelt erfaßte - von den Kritikern über die Musiker bis zum Publikum. Die Wogen der Empörung schlugen hoch. Rassismusvorwürfe standen im Raum. Wissenschaftlich exakt aber setzten sich die wenigsten Beteiligten mit der Fragestellung auseinander, woher denn nun der Jazz wirklich komme ...
Bis heute ist das Kennzeichen des Jazz die Improvisation, und Improvisationen sind wohl so alt wie die Musik selbst. Die Kollektivimprovisation aber, die Hauptmerkmal des frühen Jazz ist, beansprucht LaRocca als seine ureigene Idee. 1916 kam er darauf, verwirklichte das Konzept mit seiner Band. Er spielte die Leitstimme auf dem Kornett, die Band folgte, darum herumimprovisierend.
War das seine Idee? Fest steht eins: Derartiges ist auf Platten aus der Zeit vor der ODJB schlichtweg nicht zu finden! Unweigerlich stellt man das fest beim Abhören von Schallkonserven aus der Zeit vor 1920. Nur haben das offensichtlich die wenigsten Kritiker und Fachleute je getan, die Fans, denen die alten Archive nicht ohne weiteres zugänglich waren, natürlich noch weniger.
Aber welche Sprache sprechen nüchterne Betrachtungen jenseits der Mythen?
Schwarzen, so eine oft kolportierte Behauptung, sei aus Rassismus der Zugang zu den Schallplattenstudios verwehrt worden, so daß es Jazzaufnahmen schwarzer Kapellen erst nach dem I. Weltkrieg habe geben können. Ist das wahr? Man sehe sich die Plattenkataloge der Ragtimezeit vor dem Kriege an! Tausende Platten schwarzer Künstler sind dort verzeichnet, von Ragtimemusikern und Kleinkünstlern (Vaudeville) gleichermaßen. Damit fällt dieses Argument. Hätte es vor der ODJB andere Jazzbands gegeben, wären von ihnen - einerlei, ob sie schwarzes oder weißes Personal gehabt hätten - sicherlich Aufnahmen erschienen, zumal die erste veröffentlichte Jazzplatte wie eine Bombe einschlug, ein Geschäft, das sich wohl keine Band und keine Plattenfirma hätte entgehen lassen.
Selbst in den frühen Jazzjahren aktive Musiker, die noch Mitte der 30er Jahre ganz offenbar wahrheitsgemäß angegeben hatten, wie sie zum Jazz gekommen und wer ihre Vorbilder und Lehrmeister gewesen waren, lassen sich plötzlich, seit dem Oldtime-Revival der 40er Jahre, Aussagen in den Mund legen, die im genauen Gegensatz zu ihren Interviews der Vor-Revival-Zeit stehen. Das gilt selbst für Louis Armstrong, also für einen der in weitesten Kreisen wohl bekanntesten schwarzen Jazzmusiker überhaupt, geboren und aufgewachsen in New Orleans (!), der noch 1936 in seiner Autobiographie „Swing That Music“ klipp und klar sagt, daß er seine erste Begegnung mit dem Jazz der ODJB verdankte.
Im Jahre 1917 - seine Chefs rauften sich ob des nach nur einer Platte von ihnen selbst verschuldeten Weggangs der ODJB von ihrer Plattenfirma und des sensationellen Erfolgs der Truppe beim Konkurrenten Victor die Haare - mußte der Columbia-Talentsucher Ralph Peer nach wochenlanger Suche schließlich nach New York kabeln: „No jazz bands in New Orleans“. Er fand keine Jazzorchester, die er hätte engagieren können - weil es schlicht keine gab. Dabei war zu jener Zeit das bis heute so glorifizierte Vergnügungsviertel Storyville, angebliche Brutstätte des frühen Jazz, noch nicht geschlossen. Weiße wie schwarze Orchester spielten dort Ragtime, das war es gewesen, was er dort bis zum Überdruß gehört hatte, spielten Polka, Mazurka, eben die zeitgenössischen Gesellschaftstänze - aber keinen Jazz. Keinen einzigen in Jazzmanier improvisierten Ton, sondern nur feste Arrangements. Solche Kapellen konnte man aber auch direkt aus der New Yorker Musikszene ins Studio holen.
Die ersten Jazzversuche schwarzer Bands vor 1919 klingen auch wie (oft mäßige) Kopien des Vorbilds ODJB. Selbst dann, wenn damals schon als Bluesgrößen zu bezeichnende Musiker wie der von der Columbia als „Notnagel“ engagierte W.C. Handy und andere Vertreter seiner Zunft mit ihren Bands vor dem Trichter stehen. So eifert auch Wilbur Sweatman, ein ebenfalls von der Columbia engagierter schwarzer Bandleader, wenn er auch seine Sache schon besser macht, erkennbar dem Vorbild ODJB nach. Bei anderen Plattenfirmen prangt stolz die Bezeichnung „Jazz“ auf dem Etikett, gespielt wird aber durchnotierter Ragtime, wie er auch zehn, zwölf Jahre vorher schon auf Wachs gebannt wurde.
Wann immer die musikalischen Fähigkeiten es hergeben, kopieren die - schwarzen wie weißen - Bands der Jahre 1917 bis 1920 unverhohlen den Stil der fünf Boys aus New Orleans ... Das schlägt die Brücke zu unserer Sendung: Die Schallplatte machte das in vielen Fällen erst möglich, bot sie doch Gelegenheit zum immer und immer wiederholten gehörmäßigen Studium von Arrangements, Spielweisen usw. - und vor allem der Improvisationen, die ohne Tonaufzeichnung praktisch nicht nachzuvollziehen gewesen wären - oder nur von den wenigen Musikern, die sehr schnell mitschreiben und gleichzeitig das Fluidum der Darbietung erfassen konnten.
Vollends zur Farce wird die Geschichte vom Jazz um 1900, wenn der schwarze Trompeter Buddy Bolden nach seiner „Ausgrabung“ aus einer Trinkerheilanstalt in den späten 20er Jahren aussagt, er habe vor dem I. Weltkrieg bewußt keine Jazzplatten eingespielt, damit niemand seinen neuen, großartigen Stil kopieren könne. In Armstrongs zweiter Autobiographie taucht plötzlich eben jener Buddy Bolden als großes Vorbild auf ... ein Schelm, wer Arges dabei denkt!
Positiver Rassismus? Kann nicht sein, was nicht sein darf?
Glaubhafter erscheinen uns da schon die Ergebnisse der jahrzehntelangen Forschung je eines deutschen und eines englischen Jazzfachmanns, Horst H. Lange und Brian Rust. Sie führten mit etlichen der Musiker von damals persönlich Interviews und hatten in ihren Sammlungen tausende, ja abertausende Schallplatten, mit deren Hilfe sie sich, im Gegensatz zu vielen „Experten“, die einer vom andern Un- und Halbwahrheiten aus den Mündern geld- und geltungssüchtiger Musikagenten und ihrer willfährigen Schützlinge abschrieben, selbst ein Bild gemacht hatten, was es an frühem Jazz - und Nicht-Jazz! - gegeben hatte. Der oben schon angeführte Louis Armstrong höchstpersönlich bekannte im Interview mit Horst H. Lange, er habe später über seine Frühzeit gelogen, um den Publikumserwartungen der 40er Jahre zu entsprechen. Nick LaRocca führte mit Lange etliche Gespräche, zu denen Lange weitere Quellenforschung betrieb, deren Ergebnisse in seine Bücher eingingen.
All das untermauert Nick LaRoccas Ansprüche.
 
Wer von den vielen andern späteren Kritikern hat soviel Platten aus der Frühzeit des Jazz abgehört wie Rust und Lange? Wie schon gesagt, offenbar die wenigsten. Obwohl (oder gerade weil?) zu Standards im Oldtime- und Revivaljazz geworden, und das bis heute, ja, schon in den unmittelbar der „Jazz-Urzeit“ folgenden Stilepochen immer wieder im neuen zeitgemäßen Gewand dargeboten und nie vergessen, wurden die Urversionen spätestens von der oft intellektuell hochtrabenden und dünkelhaften Kritik der 50er Jahre fast immer als wertlos, als unwesentlich abgetan. Diese Ablehnung hielt noch bis in die 70er Jahre an - und wurde nach 1968 obendrein noch mit allgemeiner Gesellschafts- und Kapitalismuskritik verbunden (kommerzielle Musik, also Musik, von der die Künstler etwa wirklich leben konnten, war nun als Stütze des Systems geradezu verdammenswert).
Gewiß eine Entwicklung innerhalb einer Zeitströmung!
Man maß auch alte Autos, Lokomotiven oder Radios an den neuesten Modellen, amüsierte sich auch über sie als Kuriositäten, statt sie als technische und handwerkliche Meisterleistungen vergangener Tage und Ausgangspunkt der aktuellen Entwicklung zu erkennen. Man riß die letzten vom Krieg verschonten historischen Gebäude für den Straßenausbau nieder, man verputzte guterhaltene Gründerzeitfassaden, nachdem man die Ornamente abgeschlagen hatte, man nagelte Eternitplatten auf Fachwerkhäuser, unter denen diese verfaulten. Man opferte schöne, umweltgerechte und zweckmäßige, in Jahrhunderten gewachsene alte Kulturlandschaften der Ödnis der Flurbereinigung. Man warf - und das alles im Zeichen des Fortschritts! - über Generationen vererbte Bauernmöbel ins Feuer, um sie durch Resopalschränke zu ersetzen ...
Welchen Stand sollte in dieser Zeit schon „Opas komische Musik“ haben? Das große Publikum hatte die ärgsten Kriegs- und Nachkriegswirren hinter sich, wollte inzwischen von wilder Musik aus wilden Zeiten ohnehin nur noch wenig oder am besten gar nichts mehr wissen, sondern hörte lieber seichte Schlager von südlicher Sonne - und lachte sich gehörig schief über Pseudo-Dixielandkapellen mit Strohhüten und angeklebten Kaiser-Wilhelm-Bärten. Viel besser war es damals überm großen Teich übrigens auch nicht ...
Verfemt als altmodisch, ja zickig (gegenüber den wenigen Musikern, die ihre „Urväter“ in jener Zeit schätzten und sich zu ihnen bekannten, ist in einem Pamphlet aus den 50ern sogar vom „peinlichen Erbe eines Nick LaRocca oder Red Nichols“ die Rede!), stets an den aus vierzig Jahren Jazzentwicklung hervorgegangenen damaligen Stilen gemessen, paßten die Ur- und Frühversionen der Jazzstandards vielen Nachgeborenen nicht in den Kram und wurden oft schlicht nicht zur Kenntnis genommen. Schon gar nicht als das, was sie waren, nämlich als die Schultern, auf denen die Entwicklung des Jazz stand und steht.
Für viele Jüngere fängt denn auch der Jazz allerfrühestens mit dem Bebop überhaupt erst an, und auch das nur mit dessen schrägsten, nur ja nicht irgendwie eingängigen oder dem Normalbürger noch halbwegs verständlichen Ausformungen. Daß aber dorthin eine stetige Entwicklung - vom Ragtime über den Jazz der ODJB und weiter - geführt hat, wird geflissentlich ignoriert. Schon der Swing gilt ihnen, weil - pfui! - tanzbar, sich dem Hörer, auch dem Nichtmusiker oder Nichtmusikexperten, erschließend, ihn gar gefühlsmäßig ansprechend, nicht als Jazzspielart ... Jazz ist seit Joachim Ernst Behrendt zum Hören und nur zum Hören da, zum Erfassen dessen über den Kopf, was andere nur mit dem Kopf ergrübelt haben. Schon wenn die Musik zum Fußwippen anregt, kann sie nicht gut sein ... Gar zum Tanzen? Himmel, nein! Tanzmusik ist kein Jazz. Punkt.
Schöne neue Welt!
Umgekehrt führte dies in Teilen des Publikums, das sich ja allzu hochfahrender Kritkermeinung gern entgegenstellt, zu einer nostalgischen, verzerrenden Verklärung des frühen Jazz. Auch und gerade unter jungen Amateurmusikern, die den Jazz, wie sie ihn sahen, in durchaus breiter Front weitertrugen. Nun griff die Legendenbildung aus den Kreisen der alten Jazzer richtig, die es eigentlich besser wußten ... Künstler wie Fans pflegten das Heimweh nach einem Storyville, in dem man natürlich nie gewesen war und in dem in Wirklichkeit nie eine Jazznote erklungen sein dürfte.
Verklärung und Verdrehung der Tatsachen setzten sich fort mit Anfeindungen gegen „falsche“ - weil weiße - Größen der Jazzgeschichte, von Paul Whiteman über das Casa Loma Orchestra bis zu Benny Goodman, seien sie auch noch so richtungweisend gewesen. Selbst kritiklose Übernahme antisemitischer Anwürfe aus dem Vokabelheft des III. Reichs gehörte zum guten Ton. Solch brauner Dreck kam dabei auch - und gerade! - immer wieder aus der linken Ecke geflogen ...
Damit wären wir bei wirklichem Rassismus gelandet - aber jetzt gehen wir schon weit über den Rahmen dieser Sendefolge hinaus!
Die gegensätzlichen Thesen von der Entstehung des Jazz jedenfalls sind und bleiben in der Welt.
Wundert einen das wirklich - angesichts der Tatsache, daß wir in einem hochtechnisierten und mittels Elektronenrechnern straff durchorganisierten Zeitalter leben, das gleichzeitig den verschiedensten völlig absurden Verschwörungstheorien huldigt?
Kurz und prägnant faßt jedenfalls Horst H. Lange in einer seiner wichtigsten Diskographien (Die deutsche „78er“ Discographie der Hot-Dance- und Jazz-Musik 1903-1958, Colloquium-Verlag Berlin, 2., erw. Auflage 1978) unter den Einträgen der in Deutschland veröffentlichten ODJB-Platten zusammen:
„Als die Original Dixieland Jazz Band im Jahre 1916 aus dem Ragtime den Jazz entwickelte und zum erstenmal präsentierte, begann das Zeitalter der modernen Hot-Dance-Musik und des Jazz. Eine Ära, die bis in die frühen 50er Jahre andauerte und erst durch die Rock-, Beat- und Free Jazz-Musik [sic] beendet wurde.“
Und hiermit laden wir Sie ein, mit uns ein Jubiläum zu begehen, ohne das es unsere Sendung in dieser Form wohl nicht gäbe - und (Lange zum Trotz, der offenbar Rock und Beat nicht als Jazznachfolger sah, obwohl sie fast immer Blues- und Jazzelemente enthalten) keinen Rock ’n‘ Roll, keinen Pop, wie wir ihn kennen ... und vieles andere auch nicht.

Durch die Sendung führt Peter K. Michael.

Wir bringen in der ersten Folge:

- Livery Stable Blues (ODJB)
- Dixie Jass Band One-Step (ODJB)
- Darktown Strutters‘ Ball
- Indiana (Hanley)
- Ostrich Walk (ODJB)
- Look At ‘em Doin‘ It Now
- Ostrich Walk
- At The Jazz Band Ball
- Tiger Rag (LaRocca)
- Skeleton Jangle (LaRocca)
- Bluin‘ The Blues (Ragas)
- Sensation Rag
- Mournin‘ Blues
- Clarinet Marmalade Blues [sic] (Shields-Ragas)
 
Genauere diskographische Angaben folgen nach Möglichkeit.

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 1. Februar 2017, 21-22 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 2. Februar 2017, 13 Uhr

Programminfo für den 22.01.2016

John Prine: People puttin´ people down

In Ergänzung zur vorigen Folge hören wir diesmal einiges aus dem Jahre 2000. Damals hatte der großartige Singer/Songwriter John Prine aus Chicago eine kleine Auswahl seiner sicherlich eindrucksstärksten und aussagekräftigsten Polit-Songs aus den 80er Jahren nochmal neu eingespielt. Hintergrund waren die Streitereien mit den auf Chartserfolge und Profite orientierten Major Labels. Gnadenlos. John war clever genug, sein eigenes Label (Oh Boy Records) auf die Schiene zu setzen (gerade so wie Jerry Jeff Walker / Tried & True Music) und spielte ganz entspannt sein frühes Material mit eigens ausgesuchten Mitmusikern neu ein. Lange bekannte Prine-Klassiker erfuhren einen zweiten hochinteressanten Touch, gar einen neuen Sound. Spannend wie früher.

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 22. Januar 2017, 19 Uhr

Programminfos vom 13.01.2017 bis 15.01.2017

Friedensratschlag 2016

Einen Monat nach der Wahl von Donald Trump zum künftigen US-Präsidenten stand dieses Thema natürlich auch auf der Tagesordnung des traditionellen Friedenratschlags, der – wie seit Jahren üblich – auch 2016 wieder Anfang Dezember in der Kasseler Ing.-Schule stattfand. Aber es ging bei der zweitägigen Fachkonferenz auch um andere weltpolitische Fragen – internationale Konflikte, mit denen sich die Friedensbewegung befassen muß, gibt es ja zur Zeit mehr als genug. Heute senden wir die Auftaktveranstaltung des Ratschlags, u.a. mit Referaten von Dr. Erhard Crome, Konrad Ott und Sevim Dagdelen.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 13. Januar 2017, 18 Uhr

 

Bernd Giesekings Jahresrückblick 2016

Bernd Gieseking spielt seinen kabarettistischen Jahresrückblick inzwischen seit 23 Jahren auf zahllosen Bühnen. Die Veranstaltung ist mittlerweile Kult: In Kassel war der Saal im Kulturbahnhof auch diesmal wieder mehrere Tage hintereinander ausverkauft.

  • Sendetermin: „Kabarett live“, Freitag, 13. Januar 2017, 22 Uhr

 

Mr. Candyman: Mississippi John Hurt

Falls ein Musik-Wißbegieriger aus unserer Generation den ersten Track („Pay Day“) aus dem Album "Today!" (1966) von Mississippi John Hurt zum ersten Mal hört, könnte er ihn glatt mit dem ebenfalls legendären Jerry Garcia (u.a. The Grateful Dead) verwechseln. Ja, so isses. Und das ist kein Zufall ...
Mississippi John Hurt (*1892 im Carroll County/MS, aufgewachsen in Avalon) gehörte mit zu den zahlreichen interessanten MusikerInnen, die im Zusammenhang mit dem sogenannten Folk Revival während der 1960er Jahre in den USA wiederentdeckt wurden. Er war ein weiterer großartiger Gitarrist und Stückeschreiber, der vorher viel zu lange quasi vergessen war; grad so wie Bukka White, Lightning Hopkins und John Lee Hooker. Bei den Newport Folk & Blues Festivals (ab 1959) stand er, plötzlich hoch-verehrt, im ungewohnten Rampenlicht.
Und der damals noch junge Jerry Garcia gehörte, genauso wie Bob Dylan und Joan Baez, zu den vielen aufmerksamen Bewunderern. Kein Wunder: Titel wie der "Spike Driver´s Blues", "Stagg-O-Lee", "Candyman", "Make Me A Pallet On Your Floor", "Corinna, Corinna" und etliche andere wurden da bereits von zahllosen Adepten in der ein oder anderen Variante übernommen, sowohl im Folk als auch im Country/Bluegrass oder im Blues- und Rockbereich. Plötzlich genoss ein lange Zeit vergessener Künstler zumindest einen kurzen Ruhm seines Schaffens. Mississippi John Hurt war nicht verbittert - er hatte den Blues von Anfang an gelebt.
Seine 1920/1930er Folk/Country & Blues-Schallplattenaufnahmen (Okeh Records) haben nichts an Aktualität und Bedeutung in der US-Musikhistorie verloren. Die Leute lieb(t)en sein virtuoses Fingerpicking-Gitarrenspiel, die Fähigkeit, eine Basslinie und gleichzeitig Melodie- und Rhythmusbegleitung zu spielen. Und sein dabei immer irgendwie leicht und und freundlich wirkender Gesang tat ein übriges. Plus: dieses verschmitzte Lächeln - ein Charmeur allemal.
Während seiner letzten drei Lebensjahre konnte Mississippi John Hurt seine steigende Popularität endlich genießen. Er spielte nun in berühmten Clubs, den angesagten Coffee Houses, an Hochschulen und in Konzerthallen. Im November 1966 starb Hurt an den Folgen eines Herzinfarkts. Farewell, Mr. Candyman.

  • Sendetermin: „Long Distance Call“, Samstag, 14. Januar 2017, 19 Uhr

 

„Hallo, hallo, hier Radio Wien!“ (Folge 2)

So meldete sich der Sprecher der RAVAG (Radio-Verkehrs-AG) aus dem Wiener Studio zwischen 1924 und dem „Anschluß“ 1938.
In dieser Sendefolge bringen wir in zwei Teilen eine Rundschau auf die Wiener Kleinkunst- und Kabarettszene der späten 20er bis späten 40er Jahre - also auch aus der Zeit, in der Wien 1000 Jahre lang Hauptstadt der sog. „Ostmark“ war, und auch als es hinterher, allerdings erheblich lädiert, als Hauptstadt Österreichs wiedererstand.
Auch die RAVAG tauchte nach einem Schattendasein als Nebensender („Reichssender Wien“) der RRG (ab 1939 des Großdeutschen Rundfunks) im April 1945 wieder aus der Versenkung auf - in einem besetzten Österreich, zunächst unter sowjetischer Leitung, später der Republik unterstellt. 1958 schließlich ging sie endgültig im heute noch bestehenden ORF auf.
Was nicht wiederkam, nicht wiederkommen konnte, war die alte Kabarett- und Kleinkunstkultur des ehemaligen Vielvölkerstaates Österreich-Ungarn. Sie hatte im kleinen Rumpfstaat mit seiner nun viel zu großen Hauptstadt zwischen den Kriegen noch immer ein heftiges Nachglimmen gezeigt, das mit dem Anschluß Österreichs an das Deutsche Reich endgültig unter dem Knobelbecher ausgetreten wurde (von einzelnen letzten Funken in der Nachkriegszeit abgesehen). Ganz gemäß Friedrich Torbergs These, das alte Österreich sei nicht 1918, sondern erst 1938 untergegangen ...
Die Akteure dieser Szene, die sich zu einem guten Teil aus dem jüdischen Humor speiste - naheliegend in einem Staat, in dem sowohl jüdische Bauern wie jüdische Berufsoffiziere eine Selbstverständlichkeit waren und dessen Hauptstadt allein mehr als halbsoviel jüdische Einwohner hatte wie das gesamte viel größere Deutsche Reich - waren entsprechend oft Juden oder politisch bei den neuen Machthabern mißliebig. Sie emigrierten - wenn ihnen das Schicksal hold war, wie z.B. Hermann Leopoldi oder Armin Berg. Letzterer allerdings konnte nach dem Krieg nicht wirklich wieder in Wien Fuß fassen. Etliche wurden in Konzentrationslagern ermordet (wie Fritz Grünbaum, Franz Engel und manch andere weniger bekannte Kabarettisten). Ein Wiederanknüpfen an das Gewesene konnte es nach 1945 somit fast nicht geben - schließlich war auch der Großteil des Publikums, das diese Art des Humors feiner Beobachtung goutiert hatte, zusammen mit den Künstlern (man muß es wohl so drastisch formulieren!) ausgerottet worden - oder zwischen Schanghai, Kapstadt, Sydney und Hollywood in alle Winde zerstreut.
Aber auch die Zeit des Anschlusses, als nur „arische“ Künstler Platten produzieren durften, sparen wir nicht aus - auch hier gibt es eine Menge interessanter Aufnahmen zu entdecken, die sich im „Altreich“ doch nicht so verkauften wie in der nun „ostmärkischen“ Heimat der Darbietenden. In der zweiten Sendung kommen am Schluß auch noch Aufnahmen aus der unmittelbaren Nachkriegszeit.
Nur wenige führten nun die alte Tradition fort, unter ihnen, aus dem Exil zurückgekehrt, Hermann Leopoldi sowie auch Karl Farkas (Fritz Grünbaums ehemaliger Doppelconférence-Partner, der als letzter Verteter der alten Garde 1971 sozusagen auf der Bühne starb) und der erst jüngst verstorbene Georg Kreisler. Die beiden letzteren sind allerdings nicht in unseren Sendungen vertreten.
Hermann Leopoldi starb 1959 an einem Herzinfarkt - mit einem Vertrag für Fernsehaufnahmen in der Tasche. Ein Klavierhumorist der alten Garde im Fernsehen - das sollte wohl einfach nicht mehr sein ...
Die 50er Jahre im Wiener Kabarett (Kreisler, Qualtinger, Bronner, Jaggberg usw.) wären ein Thema für eigene Sendungen - hier soll es um die Zeit davor gehen.
Einige Nummern sind immer noch (oder wieder!) sehr aktuell - so in der ersten Sendung Armin Bergs „Abbau von Österreich“ oder „Sparsam muß man sein“ - oder in der zweiten Folge Franz Engel mit „Von was leben die Leut‘?“
Aus seinem gemeinhin bekannten und untrennbar mit ihm verbundenen Repertoire an betulichen Wienerliedern sticht Hans Mosers erste Platte heraus: „Der Dr. Lueger hat mir die Hand gereicht“.
Moser steht hier ganz in der Kabaretttradition, aus der er eigentlich stammt. Gallebitter zeichnet er am Beispiel eines kleinen Greißlers die Verarmung des Mittelstands nach dem I. Weltkrieg nach, die nicht unwesentlich mithalf auf dem Weg in die Diktatur. Auch dies - leider - nicht ohne aktuelle Bezüge. Ein Schelm, wer Arges dabei denkt ...
Freuen Sie sich auf eine spannende Stunde Radio Wien im „Tanzparkett extra“ (Folge 1 lief am 8.1.).


In der zweiten Sendung bringen wir (Matrizennummer der Aufnahme jeweils in spitzen Klammern, dahinter Bestellnummer der Platte):
 
Hermann Leopoldi
Zieh‘ dich wieder an, Josefin‘! (Katscher - Rebner) <BM 516-1>
Seit der Emil die Marie kennt (Hirschfeld - Farkas - Hirschfeld) <BW 1961> Electrola EG 1327
 
Franz Engel
Man soll mit Pollaks nicht verkehren (A.M. Werau - W. Saliger - Fr. Engel) >WHA 427>
Von was leben die Leute? (Werau - O. Kanitz - A. Kaps) <WHA 428> Columbia DV 924
 
Hans Moser
Der Dr. Lueger hat mir die Hand gereicht (Katscher - Geyer) (aus: Essig und Öl) <WHA 483> Columbia DV 1634
 
Franz Schier
Das ABC der großen Liebe (Frank Filip - Fr. Schier) <Ve 3174>
Eine Lady war einst in Tirol (Lang - Meder) <Ve 3170> Odeon O-26348
 
Hermann Leopoldi und Betja Milskaja
Liselott (Schwabach - Engel-Berger - Engel-Berger) <CW 230-2>
Jedermann (Waldau - Leopoldi) <OW 318-2> His Master’s Voice BA 299
 
Armin Berg mit Karl Inwald am Flügel
Da kann man sehn, wie heut‘ die Frau‘n sind (Werau - Taufstein) <Ve 2229>
Ich glaub‘, ich bin nicht ganz normal (Berg - Taufstein) <BW 2460-2> Parlophon B. 47167
 
Franz Schier, Doppelklavier Schmitz & Smart
Wenn ich in der Nacht nicht schlafen kann (Hans Lang - Peter Herz) <W 85304-1> Odeon  A.169812
 
Hermann Leopoldi und Betja Milskaja
Weißt du, was schön wär, Mariechen? (Leopoldi - Haller) <OVH 32-1>
Ich bleib‘ in Wien (Leopoldi - Spahn) <OWX 197-2> His Master’s Voice AM 3974
 
ohne Milskaja
Wenn der Ungar lustig ist (Leopoldi - Hofer - Salpeter) <OVH 329>
Powidltatschkerln (Leopoldi - Skutajan) <OVH 388> His Master’s Voice BA 703
 
Aufnahmeort sämtlicher Platten ist Wien.
Durchs Programm führt Peter Michael.

  • Sendetermin: „Tanzparkett extra“, Sonntag, 15. Jänner 2017, 17 Uhr
  • Wiederholung Montag, 16. Jänner 2017, 9 Uhr

 

John Prine: "Some Humans Ain´t Human ... "

Yo, some more news from a goofy world. Der Lonesome Traveler hatte es bereits angesagt: Solange das mit der künftigen US-Weiterregierungsweise und den dafür aktuell ausgehandelten Protagonisten so weiter geht, gibt´s auf just diesem Sendeplatz fürderhin keine aktuelle amerikanische Country Music mehr. Ende der Durchsage. Promise. That´s it.
Glücklicherweise versuchen nach wie vor klarer denkende aufgeklärte Menschen in Nordamerika dem soeben vorherrschenden Trend etwas entgegenzusetzen. Well, eine unbedingte Minderheit sind sie nicht! Ein guter Grund, einer Stimme, die nach wie vor gegen den Strom schwimmt - pardon: singt -, mal wieder aufmerksam zu lauschen. Wolf Silaffs Tip heute in diesem Zusammenhang lautet: John Prine. Ein US-Singer/Songwriter der Extraklasse aus Chicago, der es bereits seit über drei Dekaden mit seinen Stücken auf den sprichwörtlichen Punkt bringt, wahrlich punkt-genau das jeweilige Thema trifft und dabei mit geradezu schriftstellerischer Formulierkunst die Dinge kritisch und zugleich gut verständlich beschreibt. Er zitiert dabei ein bisserl seltener intellektuell die antiken Klassiker als Bob Dylan, dafür kultiviert er aber selbst hoch-pfiffig und gelegentlich augenzwinkernd seine ganz eigene Erzählweise. Einer, der wahrlich Spannung heraufzaubern kann.
In dieser Folge präsentieren wir eine kleine Prise aus neueren Album-Produktionen des fantastischen Künstlers ("Fair & Square"/"Lost Dogs & Mixed Blessings"/"The Missing Years"). By the way, auch die frühen Klasse-Alben von John Prine gehören seit den 1980er Jahren in die Sammlung! Der Lonesome Traveler hat etliche tolle Konzerte des Künstlers erlebt - und ist ihm (inkognito) gar einmal in Irland begegnet.

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 15. Januar 2017, 19 Uhr

Programminfos vom 06.01.2017 bis 11.01.2017

Tilt 2016

Aus der „Anstalt“ des ZDF ist er schon vor einiger Zeit ausgeschieden – trotzdem gehört Urban Priol weiterhin zu den führenden politischen Kabarettisten. Neben seinen umjubelten Auftritten mit dem jeweils aktuellen Bühnenprogramm präsentiert Priol seit vielen Jahren seinen kabarettistischen Jahresrückblick „Tilt“, in dem er mit scharfem Blick auf die Ereignisse des jeweils zurückliegenden Jahres schaut. Mitleid mit dem politischen Personal kennt er dabei nicht – gnadenlos seziert er die Zustände im Land (und außerhalb) und überschüttet die Verantwortlichen mit satirischem Spott und teils bösartiger Häme – aber immer extrem witzig und auf hohem sprachlichen Niveau. Und auch sein Rückblick auf das Jahr 2016 belegt: Nach Dieter Hildebrandts Tod und dem Rückzug von Georg Schramms und Volker Pispers von der Bühne ist Urban Priol einer der wenigen verbliebenen wahren Kabarett-Titanen, die wir in Deutschland noch haben.
Das Jahr 2016 war bekanntlich insgesamt ein höchst unerfreuliches: Brexit, Türkei, Syrien, Anschläge und Attentate, etliche prominente Abgänge (von Bowie über Castro bis Cohen); dazu EM-Aus im Halbfinale, Red Bull in der Bundesliga, neue Platte von Udo Lindenberg und viele weitere Katastrophen. Einziger Lichtblick: Der künftige US-Präsident verspricht viel Stoff für so manchen vergnüglichen Kabarettabend. Einen Vorgeschmack liefet Urban Priol in seinem Jahresrückblick – klar, daß auch dieses Thema umfassend gewürdigt wird!

  • Sendetermin: „Kabarett live“, Freitag, 6. Januar 2017, 22 Uhr

 

"I´ll never get out of this world alive": Hank Williams  -  Erinnerung an eine Musik-Ikone

Eigentlich müßig sich Gedanken zu machen, ob der unvergessene große US Song-Troubadour Hank Williams nicht auch einen ganz großen Nobel-Preis verdient hätte - abgesehen davon, daß die amerikanische Musik-Ikone Williams mit Sicherheit ebenfalls nicht zur Preisvergabe erschienen wäre, gerade so wie kürzlich Bob Dylan. Ist er doch unbestreitbar eine Singer/Songerwriter-Persönlichkeit von enormer Bedeutung - nicht nur in den streitbaren USA von heute (früher war´s da auch nicht viel besser).
Wirklich alt geworden ist der berühmte Künstler nicht, nicht mal 30. Er hat aber im Verlauf seiner aufregend-wilden und zugleich kurzen Karriere musikhistorische Meilensteine erster Güte gesetzt, mit großer und tiefer inhaltlicher Bedeutung, ausgestattet mit hohem melodiösem Wiedererkennungswert. Gerade so wie Dylan - allerdings vielleicht nicht ganz so intellektuell-belesen. Allerdings verpackte er weiße Blues-Geschichten in melodiös-eingängigen Zwei-Minuten-Songs, in vier Strophen allgemein verständlich erzählt, mit der legendären "Authentizität", die damals wie heute ein jeder verstand. Hank Williams hat noch immer Vorbildfunktion für Legionen von MusikerInnen und Songwritern. Sein Oeuvre dient zahllosen Musikern aus  unterschiedlichen Bereichen als Inspirationsquelle. Kam Bob Dylan aus dem industrieverseuchten Norden der Staaten, so stammte Hank Williams aus dem ruralen tiefen dünnbesiedelten Süden. Und eben dort hat er die regionale Folk-Musik schon viel früher als Robert Allen Zimmerman direkt (vor seiner Haustür quasi) tief inhaliert, das Gitarrenspiel beim schwarzen Schuhputzer "Tee Tot" auf der Straße erlernt.
Aus dem riesigen Aufnahmefundus des legendären Hank Williams hören wir zum Jahresausklang diesmal selten gespielte rare Titel, entnommen der aufwendig gestalteten 3-er CD Box "Hank Williams - Unrevealed" (Time Life / 2009). Enthalten sind Studioaufnahmen, sogenannte Radio Outtakes und Werbespots für "Mother´s Best" aus den frühen Radiosendungen, die damals, zu Beginn der 1950er Jahre, "live" in den Staaten ausgestrahlt wurden und die sehr populär waren. Die Songs wurden eingespielt mit Hanks exquisiten Mitmusikern, seinen Drifting Cowboys. Auch Aufnahmen mit seiner damaligen Frau Audrey sind dabei. Die Sendung ist eine nachträgliche Widmung an den weißen Bluesmann Hank Williams, der in der Silvesternacht 1952/53 unter bis heute nicht restlos aufgeklärten Umständen im Fond seines Cadillac auf der Nachtfahrt zu einer Show in Canton/Ohio gestorben ist. Eine geradezu mysteriöse Geschichte ... Drei Tage später wurde Hank Williams in Montgomery/Alabama zu Grabe getragen. 20.000 Menschen gaben ihm das letzte Geleit.

  • Sendetermin: „Die Lange Rille“, Samstag, 7. Januar 2017, 22 Uhr

 

„Hallo, hallo, hier Radio Wien!“

So meldete sich der Sprecher der RAVAG (Radio-Verkehrs-AG) aus dem Wiener Studio zwischen 1924 und dem „Anschluß“ 1938.
In dieser Sendefolge bringen wir in zwei Teilen eine Rundschau auf die Wiener Kleinkunst- und Kabarettszene der späten 20er bis späten 40er Jahre - also auch aus der Zeit, in der Wien 1000 Jahre lang Hauptstadt der sog. „Ostmark“ war, und auch als es hinterher, allerdings erheblich lädiert, als Hauptstadt Österreichs wiedererstand.
Auch die RAVAG tauchte nach einem Schattendasein als Nebensender („Reichssender Wien“) der RRG (ab 1939 des Großdeutschen Rundfunks) im April 1945 wieder aus der Versenkung auf - in einem besetzten Österreich, zunächst unter sowjetischer Leitung, später der Republik unterstellt. 1958 schließlich ging sie endgültig im heute noch bestehenden ORF auf.
Was nicht wiederkam, nicht wiederkommen konnte, war die alte Kabarett- und Kleinkunstkultur des ehemaligen Vielvölkerstaates Österreich-Ungarn. Sie hatte im kleinen Rumpfstaat mit seiner nun viel zu großen Hauptstadt zwischen den Kriegen noch immer ein heftiges Nachglimmen gezeigt, das mit dem Anschluß Österreichs an das Deutsche Reich endgültig unter dem Knobelbecher ausgetreten wurde (von einzelnen letzten Funken in der Nachkriegszeit abgesehen). Ganz gemäß Friedrich Torbergs These, das alte Österreich sei nicht 1918, sondern erst 1938 untergegangen ...
Die Akteure dieser Szene, die sich zu einem guten Teil aus dem jüdischen Humor speiste - naheliegend in einem Staat, in dem sowohl jüdische Bauern wie jüdische Berufsoffiziere eine Selbstverständlichkeit waren und dessen Hauptstadt allein mehr als halbsoviel jüdische Einwohner hatte wie das gesamte viel größere Deutsche Reich - waren entsprechend oft Juden oder politisch bei den neuen Machthabern mißliebig. Sie emigrierten - wenn ihnen das Schicksal hold war, wie z.B. Hermann Leopoldi oder Armin Berg. Letzterer allerdings konnte nach dem Krieg nicht wirklich wieder in Wien Fuß fassen. Etliche wurden in Konzentrationslagern ermordet (wie Fritz Grünbaum, Franz Engel und manch andere weniger bekannte Kabarettisten). Ein Wiederanknüpfen an das Gewesene konnte es nach 1945 somit fast nicht geben - schließlich war auch der Großteil des Publikums, das diese Art des Humors feiner Beobachtung goutiert hatte, zusammen mit den Künstlern (man muß es wohl so drastisch formulieren!) ausgerottet worden - oder zwischen Schanghai, Kapstadt, Sydney und Hollywood in alle Winde zerstreut.
Aber auch die Zeit des Anschlusses, als nur „arische“ Künstler Platten produzieren durften, sparen wir nicht aus - auch hier gibt es eine Menge interessanter Aufnahmen zu entdecken, die sich im „Altreich“ doch nicht so verkauften wie in der nun „ostmärkischen“ Heimat der Darbietenden. In der zweiten Sendung kommen am Schluß auch noch Aufnahmen aus der unmittelbaren Nachkriegszeit.
Nur wenige führten nun die alte Tradition fort, unter ihnen, aus dem Exil zurückgekehrt, Hermann Leopoldi sowie auch Karl Farkas (Fritz Grünbaums ehemaliger Doppelconférence-Partner, der als letzter Verteter der alten Garde 1971 sozusagen auf der Bühne starb) und der erst jüngst verstorbene Georg Kreisler. Die beiden letzteren sind allerdings nicht in unseren Sendungen vertreten.
Hermann Leopoldi starb 1959 an einem Herzinfarkt - mit einem Vertrag für Fernsehaufnahmen in der Tasche. Ein Klavierhumorist der alten Garde im Fernsehen - das sollte wohl einfach nicht mehr sein ...
Die 50er Jahre im Wiener Kabarett (Kreisler, Qualtinger, Bronner, Jaggberg usw.) wären ein Thema für eigene Sendungen - hier soll es um die Zeit davor gehen.
Einige Nummern sind immer noch (oder wieder!) sehr aktuell - so in der ersten Sendung Armin Bergs „Abbau von Österreich“ oder „Sparsam muß man sein“ - oder in der zweiten Folge Franz Engel mit „Von was leben die Leut‘?“
Aus seinem gemeinhin bekannten und untrennbar mit ihm verbundenen Repertoire an betulichen Wienerliedern sticht Hans Mosers erste Platte heraus: „Der Dr. Lueger hat mir die Hand gereicht“.
Moser steht hier ganz in der Kabaretttradition, aus der er eigentlich stammt. Gallebitter zeichnet er am Beispiel eines kleinen Greißlers die Verarmung des Mittelstands nach dem I. Weltkrieg nach, die nicht unwesentlich mithalf auf dem Weg in die Diktatur. Auch dies - leider - nicht ohne aktuelle Bezüge. Ein Schelm, wer Arges dabei denkt ...
Freuen Sie sich auf spannende zwei Stunden Radio Wien im „Tanzparkett extra“ (zweite Folge am 15.01).
 
In der ersten Sendung bringen wir:
 
Franz Engel und Fritz Wiesenthal
Hallo, hier Radio Wien (Teil 1 und 2) (Wiesenthal - Engel) Columbia DV 1185
 
Armin Berg mit Karl Inwald am Flügel
Abbau von Österreich (Peter Herz - Oscar Straus)
Sparsam muß man sein! (Louis Taufstein - A. W. Werau) Parlophon B 47 141
 
Wiener Boheme-Quartett
Babarabmbu (Peter Igelhoff)
Der Donaudampfschiffahrtsgesellschaftskapitän (Charles Loubé - Erich Meder)
 
Franz Schier
Der Seeräuber (Erich Meder - Hans Lang)
Einmal war ich auf der Insel Krk  (Erich Meder - Hans Lang) Odeon O-26 355
 
Franz Engel mit Otto Berkowitz am Klavier
Am Postschalter (Grünbaum - Werau)
In Paris, in Paris sind die Männer so süß (Moretti - Engel - Kaps) His Master’s Voice AM 3323
 
Hermann Leopoldi
In der Schweiz und in Tirol (Profes - Rotter -Stransky)
Im grünen Klee (Leopoldi - Beda) Electrola EG 1325
 
Hermann Leopoldi
Tonfilm-Potopurri 1. und 2. Teil (Leopoldi - Peter Herz) Electrola EG 1624
 
Jacques Rotter
In Nischni-Nowgorod (Fall - Beda) His Master’s Voice AM 604
 
Armin Berg
Wenn ein Fräulein ... (Dew-Dew-Dewy Day) (Sherman - Johnson - Louis Taufstein - Tobias) His Master’s Voice AM 1964

  • Sendetermin: „Tanzparkett extra“, Sonntag, 8. Jänner 2017, 17 Uhr
  • Wiederholung Montag, 9. Jänner 2017, 9 Uhr

 

Elvis und der Memphis Rock & Roll

Wenngleich an diesem Wochenende viele huldvoll seiner gedenken, so war "King" Elvis ganz und gar nicht der einzige großartige Musiker, der aus der früheren Blues Musikmetropole Memphis/Tennessee kam. Ab Ende der 1940er/Beginn der 1950er Jahre entwickelte sich die ehemalige Sklavenhandelsstadt und zugleich Baumwollbörse am Mississippi mit der Beale Street und ihren vielen Clubs und Bühnen zu einem zentralen Ort der Kreativität. Bereits am Beginn des 20. Jahrhunderts hatte der legendäre W.C. Handy dort einen Meilenstein der Musikhistorie gesetzt - "Beale Street Blues". Der Anteil der schwarzen Bevölkerung ist hier nach wie vor doppelt groß wie der der weißen. Im April 1968 wurde in der Südstaatenmetropole Dr. Martin Luther King ermordet. Memphis war/ist zugleich eine zentrale Adresse des amerikanischen Civil Rights Movement. Und den Radiosender WDIA kannte Elvis seit seinen Schultagen. Er hörte die großen schwarzen Meister des Rhythm & Blues, von Muddy Waters und B.B. King über Howling Wolf, Alberta Hunter, Aretha Franklin und John Lee Hooker bis Mississippi John Hurt und Rufus Thomas. In Erinnerung an den "King" anläßlich seines (eigentlichen) heutigen Geburtstages (*1935, Tupelo/Mississippi) hören wir einige seiner frühen SUN-Aufnahmen und auch etliches von anderen Trendsettern, die ebenfalls Memphis als ihre musikalische Heimat bezeichne(t)en.

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 8. Januar 2017, 19 Uhr

 

Welthandel und Fluchtursachen

Die öffentliche Kritik an TTIP und CETA, den geplanten
Freihandelsabkommen der Europäischen Union mit den USA und Kanada, ist
groß. Was die meisten Menschen hierzulande nicht wissen: Die EU zwingt
auch vielen anderen Ländern Freihandelsverträge auf. Vor zwei Jahren
haben die Staatschefs der Wirtschaftsgemeinschaft der Westafrikanischen        Staaten einem sogenannten Wirtschafts-Partnerschafts-Abkommen (Economic Partnership Agreement/EPA) zugestimmt, das sie nötigt, ihre Märkte für Importe zu öffnen und Konzernen Zugang zu ihren Rohstoffen zu gewähren. Dabei gibt es die begründete Befürchtung, daß die EPAs die Entwicklung der betroffenen Länder stark behindern und noch mehr Menschen in die Armut treiben werden.
Boniface Mabanza zeigte in seinem Vortrag, wie die Entwicklung des Welthandels dazu geführt hat, daß Menschen in ihren Ländern keine Perspektive mehr sehen.
Referent Dr. Boniface Mabanza ist Koordinator der Arbeitsstelle Südliches Afrika   (Heidelberg) und freiberuflicher Dozent für Entwicklungspolitik, aktiv in zahlreichen
Netzwerken der Afrikanischen Diaspora.

  • Sendetermin: „attac-Radio“, Dienstag, 10. Januar 2017, 21 Uhr

 

Zum Tod von Rick Parfitt

Er war der Blonde mit der weißen Gitarre, der Liebling der Status-Quo-Fans in aller Welt und derjenige, der mit seinen Boogie-Riffs den Sound der Band entscheidend prägte. Rick Parfitt stieß als letztes Mitglied der klassischen Besetzung zur Band – 1967 wurde er von seinem alten Kumpel Francis Rossi als Rhythmusgitarrist in die Gruppe geholt, der er fast 50 Jahre angehörte. Schnell etablierte er sich neben Rossi als zweiter Sänger und Fixpunkt innerhalb der Band, als kreatives Zentrum und als zentrale Figur der Quo-Bühnenshow. Auch als Quo-Songschreiber war er höchst erfolgreich; viele große Hits der legendären Kapelle gehen auf sein Konto, u.a. „Rain“, „Again And Again“ und das unverwüstliche „Whatever You Want“. Rick Parfitt war bis wenige Monate vor seinem Tod aktiv: Noch im Sommer 2016 absolvierte er mit der Band Konzerte, obwohl er seit Jahren an Herzproblemen litt. Am Heiligabend starb er im Alter von 68 Jahren – wir würdigen ihn in einer Sonderausgabe von „Handmade“, in der wir vor allem diejenigen Status-Quo-Songs zu Gehör bringen, an deren Entstehung Rick Parfitt als Komponist oder Sänger maßgeblich beteiligt war.

  • Sendetermin: „Handmade“, Mittwoch, 11. Januar 2017, 18 Uhr

Programminfos vom 30.12.2016 bis 05.01.2017

Verschollene Songs aus dem Bermudadreieck

Folge 841 – man sang deutsch

Auch 2016, im Zeitalter der online Streaming Dienste und des schnellen Vergessens gibt es sie noch. Songs, die scheinbar vom Erdboden verschwunden sind und an die sich wenige überhaupt noch erinnern (wollen oder können). Eine Rettungstat, speziell für die HörerInnen des Freien Radios, steht auf dem Programm. Entrissen der ewigen Dunkelheit ohne Moll und Dur. Eine Art musikalischer Gemischtwarenladen, jenseits von Schubladendenken und gutem Geschmack. Von seltsam bis tanzbar. Mit ganz viel Bum-Bum und skurriler Garantie – bis am Ende sogar das Pony lacht.
In den nicht immer nachvollziehbaren Gehirnwindungen unseres Moderators schlummern diese Obsessionen schon geraume Zeit. Rille um Rille. Deutsch gesungen, nicht immer akzentfrei und fast immer  „never released on CD“. Also echte Perlen, unkalkulierbare Attacken auf die Gehörgänge. Da wird ein Hexensüppchen angerührt oder Commander McLane (genau der, der aus dem Raumschiff Orion) kommt einem Orangendieb auf die Spur. Politpop vom 7000 Eichen Pflanzer oder ein Kasseler Hochschulguru (schon tot), der unbefriedigt blieb, Stones hin, Stones her. Phantastische Coverversionen, nicht nur von Leonard-Cohen-Songs, funkiges von Kommissar Stöver und das verruchte Lied vom Phantom aus Soho (Edgar Wallace). Braucht‘s wirklich noch mehr Argumente um den Einschaltknopf zu betätigen? Ganz nebenbei bringt Daisy Popcorn mit und eine Wildkatze schnurrt ständig um den aufgeregten Moderator herum. All das noch pünktlich zum 2016er Jahresendspurt. Livesendung.
Mehr Infos, ein paar hübsche, wie seltene Plattencover und später dann auch die Möglichkeit die verpaßte Sendung nachzuhören, gibt’s auf meinem Blog:

  • Sendetermin: „Magic Moments“, Mittwoch, 28. Dezember 2016, 21 Uhr

 

No World Order – Wie antisemitische Verschwörungsmythen die Welt verklären

Verschwörungserzählungen begleiten auch die aktuellen Krisen. „Lügenpresse“ und „Volksverräter“ sind die einschlägigen Begriffe, denen man auf Demonstrationen nicht nur rechtsextremer Bewegungen, in „alternativen“ Medien und den sogenannten „Sozialen Netzwerken“ begegnet. Die Anhängerinnen und Anhänger von Verschwörungsideologien und -mythen machen auf diese Weise deutlich, daß es sich bei den zugrundeliegenden Erzählungen eben nicht ausschließlich um Unterhaltung handelt, sondern ihnen der Wunsch nach der Vernichtung von Widersprüchen innewohnt. Jan Rathje von der Amadeu-Antonio-Stiftung stellte Funktionen und Ursachen von Verschwörungsideologien sowie gesellschaftliche Probleme, die aus ihnen erwachsen, zur Diskussion. Die Veranstaltung fand im Rahmen einer vom ASTA der Uni Kassel sowie dem Büdnis gegen Antisemitismus organisierten Ringvorlesung statt.
Außerdem in der Sendung: Bericht von der Eröffnung der Ausstellung „Dein Stadtmuseum“.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 30. Dezember 2016, 18 Uhr

 

"I´ll never get out of this world alive": Hank Williams  -  Erinnerung an eine Musik-Ikone

Eigentlich müßig sich Gedanken zu machen, ob der unvergessene große US Song-Troubadour Hank Williams nicht auch einen ganz großen Nobel-Preis verdient hätte - abgesehen davon, daß die amerikanische Musik-Ikone Williams mit Sicherheit ebenfalls nicht zur Preisvergabe erschienen wäre, gerade so wie kürzlich Bob Dylan. Ist er doch unbestreitbar eine Singer/Songerwriter-Persönlichkeit von enormer Bedeutung - nicht nur in den streitbaren USA von heute (früher war´s da auch nicht viel besser).
Wirklich alt geworden ist der berühmte Künstler nicht, nicht mal 30. Er hat aber im Verlauf seiner aufregend-wilden und zugleich kurzen Karriere musikhistorische Meilensteine erster Güte gesetzt, mit großer und tiefer inhaltlicher Bedeutung, ausgestattet mit hohem melodiösem Wiedererkennungswert. Gerade so wie Dylan - allerdings vielleicht nicht ganz so intellektuell-belesen. Allerdings verpackte er weiße Blues-Geschichten in melodiös-eingängigen Zwei-Minuten-Songs, in vier Strophen allgemein verständlich erzählt, mit der legendären "Authentizität", die damals wie heute ein jeder verstand. Hank Williams hat noch immer Vorbildfunktion für Legionen von MusikerInnen und Songwritern. Sein Oeuvre dient zahllosen Musikern aus  unterschiedlichen Bereichen als Inspirationsquelle. Kam Bob Dylan aus dem industrieverseuchten Norden der Staaten, so stammte Hank Williams aus dem ruralen tiefen dünnbesiedelten Süden. Und eben dort hat er die regionale Folk-Musik schon viel früher als Robert Allen Zimmerman direkt (vor seiner Haustür quasi) tief inhaliert, das Gitarrenspiel beim schwarzen Schuhputzer "Tee Tot" auf der Straße erlernt.
Aus dem riesigen Aufnahmefundus des legendären Hank Williams hören wir zum Jahresausklang diesmal selten gespielte rare Titel, entnommen der aufwendig gestalteten 3-er CD Box "Hank Williams - Unrevealed" (Time Life / 2009). Enthalten sind Studioaufnahmen, sogenannte Radio Outtakes und Werbespots für "Mother´s Best" aus den frühen Radiosendungen, die damals, zu Beginn der 1950er Jahre, "live" in den Staaten ausgestrahlt wurden und die sehr populär waren. Die Songs wurden eingespielt mit Hanks exquisiten Mitmusikern, seinen Drifting Cowboys. Auch Aufnahmen mit seiner damaligen Frau Audrey sind dabei. Die Sendung ist eine nachträgliche Widmung an den weißen Bluesmann Hank Williams, der in der Silvesternacht 1952/53 unter bis heute nicht restlos aufgeklärten Umständen im Fond seines Cadillac auf der Nachtfahrt zu einer Show in Canton/Ohio gestorben ist. Eine geradezu mysteriöse Geschichte ... Drei Tage später wurde Hank Williams in Montgomery/Alabama zu Grabe getragen. 20.000 Menschen gaben ihm das letzte Geleit.

  • Sendetermin: „Die Lange Rille“, Freitag, 30. Dezember 2016, 22 Uhr

 

Blues, Boogie & Swing: Zurück in vergangene Zeiten 

Die originalen Canned Heat (Spät 60er/Früh 70er) geben den Startschuß für eine echt swingende Folge unseres Blues-Magazins. Der Moderator dieser Sendung hatte vor gut einem halben Jahrhundert das große Glück, die enorme Schallplattensammlung des Heat-Sängers Robert (Bob "The Bear") Hite in Kalifornien betreten zu dürfen. Ein Erweckungs-Erlebnis der besonderen Art! Der schwergewichtige Bluesmusiker beherbergte in seinem Basement eine unglaublich riesige, gut sortierte Sammlung alter Schellacks und 45´s Singles.
Mit dabei ist diesmal so einiges von all dem. Aus den 40/50er Jahren hören wir einen kleinen Piano-Boogie-Auszug - von Meade Lux Lewis und Jimmy Yancey über Pete Johnson und Albert Ammons bis zu u.a. Tommy Dorsey, Lionel Hampton und Cab Calloway.

  • Sendetermin: „Long Distance Call“, Samstag, 30. Dezember 2016, 19 Uhr

 

FRK-Silvestershow – ☎ 0561/57 80 64

Das Jahr 2016 neigt sich dem Ende zu. Und damit ist es wieder Zeit für die traditionelle FRK-Silvestershow, in der das alte Jahr verabschiedet und das neue Jahr begrüßt wird. Der Übergang von 2016 auf 2017 wird moderiert von Sebastian Lenth (Jazzcafé) und Robert Bienert (frei²), die viel Musik für noch mehr Musikwünsche einpacken, um bis 6 Uhr am Neujahrsmorgen die FRK-Hörer erstklassig zu unterhalten. Daneben gibt es viel Show mit Wunderkerzen, Überraschungsgästen und Konfetti – für die Ohren.

Musikwünsche und Neujahrsgrüße erreichen die Moderation während der Sendung per Telefon, 0561 / 57 80 64, oder neuländisch per Twitter, @FreiesRadioKS.

  • Sendetermin: „Silvester im FRK“, Samstag, 31. Dezember 2016, 21 Uhr

 

Musik-Rückblick/Hörversuch Mittsechziger: "Where have all the good times gone?"

Interessante Frage - keine Frage!  Zum Jahresbeginn gibt‘s in dieser Folge einen kurzen nostalgischen Blick zurück in die Beat-Jahre damals in Deutschland.
Ein gutes halbes Jahrhundert ist das nun schon her, als Mitte der 60er Jahre auch der Rock & Roll nach Deutschland kam. Tatsächlich waren die klassischen Jahre mit US-weiten Erfolgen, unglaublichen Einzelkarrieren, Billboard Charts Hits und aufregenden regionalen Klängen heute eher vergessener KünstlerInnen gerade vorüber. Da schwappte eine Welle mit bis dahin hierzulande nicht gekannten Sounds aus Großbritannien herüber in die musikalisch immer noch unterversorgte damalige BRD - hier waren waren noch Schlagermusik und Hafenkonzert im Radio am Sonntagmorgen angesagt.
Aber mit Beginn der 60er Jahre änderte sich da so einiges. Kurz nachdem die Beatles und die Stones auch hierzulande reihenweise unter Schülern, Teens und Twens mit ihren so progressiven Schallplattenaufnahmen aus Großbritannien einen gewissen Hype ausgelöst hatten, waren Tür und Tor für einen riesigen neuen Musik-Markt geöffnet. Mit dem Taschengeld der Zielgruppe wurden gewaltige Profite eingefahren. Und das sehr bald auch mehrgleisig: Die Printmedien mit "Bravo" an der Spitze, und das gute alte Dampfradio – äh, pardon: transportable Kofferradios und klobige Tonbandgeräte wurden flächendeckend aktiviert. Aktuelle Kunst brachte Pop Art hervor. Die Kleidermode war da bereits ausdrücklich "poppig". Das Konzept wirkte sehr schnell und anhaltend. Der nächste Step war dann die Stereo-Musiktruhe im gediegenen Wohnzimmer und die glitzernde Auswahl-Jukebox in der Kneipe an der Ecke. Den sogenannten "Pressluft-Schuppen" in Hamburg, Berlin und München folgten logischerweise "Beat Club" aus Bremen im Fernsehen - und zum Abtanzen schon bald auch entsprechende populäre Lokalitäten in Stadt und Land.  
Diese 60er-Sendung erinnert an: The Shadows, die Kinks und Searchers, die Swinging Blue Jeans, an die Small Faces, Humble Pie und auch an Status Quo. Deutsche Vertreters des damals angesagten Musikmetiers: aus Hamburg die Rattles, aus Berlin die Rainbows. Und aus Kassel die frühen Petards. Friedliche Neujahrsmucke pur. Laßt´s krachen, aber gelassen. Und alles Gute zum neuen Jahr wünscht Euch Moderator Wolf Silaff.

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 1. Januar 2017, 19 Uhr

Programminfos vom 23.12.2016 bis 28.12.2016

Diskussionsrunde der Oberbürgermeisterkandidaten

2017 ist – wieder einmal – Wahljahr. Nicht nur über die Zusammensetzung des Bundestags wird entschieden, auch der Posten des Kasseler Oberbürgermeisters muß neu besetzt werden. Der derzeitige OB Bertram Hilgen tritt nach zwei Amtszeiten nicht erneut an – es wird also demnächst einen neuen „Bewohner“ des OB-Amtszimmers im Kasseler Rathaus geben. Der Wahlkampf ist bereits eröffnet, die ersten Plakate hängen, und auch eine öffentliche Veranstaltung mit den zur Wahl stehenden Kandidaten hat schon stattgefunden: Am Montag dieser Woche ging in der Kasseler Volkshochschule der erste verbale Schlagabtausch der vier Anwärter auf den OB-Posten über die Bühne. Im Rahmen einer Veranstaltung der Europa-Union diskutierten Murat Cakir (Linke), Eva Koch (Grüne), Dominique Kalb (CDU) und Christian Geselle (SPD) unter der Leitung von Prof. Hermann Heußner vorwiegend über europapolitische Fragen, soweit sie auch die kommunale Ebene betreffen. Die lebhafte Debatte wurde durch Anmerkungen und Fragen aus dem Publikum befeuert. Wir senden Auszüge.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 23. Dezember 2016, 18 Uhr

 

CD-Boxen für Musikfreunde

Nachdem wir in den letzten Wochen große, umfangreiche CD-Boxen als Weihnachtsgeschenktips vorgestellt hatten, gibt’s - passend zum Fest   weitere umfassende Editionen, die 2016 erschienen sind und in die man möglicherweise das Weihnachtsgeld investieren kann. Dabei sind u.a. Alex Harvey, Pink Floyd, Glitter Band, Ulrich Roski, Beach Boys und Elvis Presley.

  • Sendetermine: „FRK spezial – CD-Boxen für Musikfreunde“, Samstag, 24. Dezember 2016, 21 Uhr

 

It´s a Rock & Roll Christmas

Yo, zum großen Fest der "Christenheit" lassen mer‘s hier auch recht herzelisch knacken : "Rockin´ around the Christmas Tree". Könnte man/frau sagen ... oder eben abtanzen! Diesmal gibt’s also originale Sounds aus einem guten Vierteljahrhundert Rock & Roll-Historie, aus den klassischen 40/50/60er Jahren des vorigen Jahrtausends. Mit dabei: Chuck Berry, Brenda Lee, Johnny Cash, Patti Page, The Four Lovers, Hank Ballard & The Midnighters, Bobby Vee, The Penguins, Eartha Kitt, Jo Ann Campbell  u.v.a.  Und natürlich King Elvis (plus Verehrer Robert Gordon aus der Neuzeit). So, let´s have a mighty fine time & a good start into the upcoming New Year. Peace, everybody.

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 25. Dezember 2016, 19 Uhr

 

Verschollene Songs aus dem Bermudadreieck

Folge 841 – Man sang deutsch

Auch 2016, im Zeitalter der online Streaming Dienste und des schnellen Vergessens gibt es sie noch. Songs, die scheinbar vom Erdboden verschwunden sind und an die sich wenige überhaupt noch erinnern (wollen oder können). Eine Rettungstat, speziell für die HörerInnen des Freien Radios, steht auf dem Programm. Entrissen der ewigen Dunkelheit ohne Moll und Dur. Eine Art musikalischer Gemischtwarenladen, jenseits von Schubladendenken und gutem Geschmack. Von seltsam bis tanzbar. Mit ganz viel Bum-Bum und skurriler Garantie – bis am Ende sogar das Pony lacht.
In den nicht immer nachvollziehbaren Gehirnwindungen unseres Moderators schlummern diese Obsessionen schon geraume Zeit. Rille um Rille. Deutsch gesungen, nicht immer akzentfrei und fast immer  „never released on CD“. Also echte Perlen, unkalkulierbare Attacken auf die Gehörgänge. Da wird ein Hexensüppchen angerührt oder Commander McLane (genau der, der aus dem Raumschiff Orion) kommt einem Orangendieb auf die Spur. Politpop vom 7000 Eichen Pflanzer oder ein Kasseler Hochschulguru (schon tot), der unbefriedigt blieb, Stones hin, Stones her. Phantastische Coverversionen, nicht nur von Leonard-Cohen-Songs, funkiges von Kommissar Stöver und das verruchte Lied vom Phantom aus Soho (Edgar Wallace). Braucht‘s wirklich noch mehr Argumente um den Einschaltknopf zu betätigen? Ganz nebenbei bringt Daisy Popcorn mit und eine Wildkatze schnurrt ständig um den aufgeregten Moderator herum. All das noch pünktlich zum 2016er Jahresendspurt. Livesendung.
Mehr Infos, ein paar hübsche, wie seltene Plattencover und später dann auch die Möglichkeit die verpaßte Sendung nachzuhören, gibt’s auf meinem Blog:

  • Sendetermin: „Magic Moments“, Mittwoch, 28. Dezember 2016, 21 Uhr

Programminfos vom 17.12.2016 bis 20.12.2016

Blues, Boogie & Swing: Zurück in vergangene Zeiten

Die originalen Canned Heat (Spät 60er/Früh 70er) geben den Startschuß für eine echt swingende Folge unseres Blues-Magazins. Der Moderator dieser Sendung hatte vor gut einem halben Jahrhundert das große Glück, die enorme Schallplattensammlung des Heat-Sängers Robert (Bob "The Bear") Hite in Kalifornien betreten zu dürfen. Ein Erweckungs-Erlebnis der besonderen Art! Der schwergewichtige Bluesmusiker beherbergte in seinem Basement eine unglaublich riesige, gut sortierte Sammlung alter Schellacks und 45´s Singles.
Mit dabei ist diesmal so einiges von all dem. Aus den 40/50er Jahren hören wir einen kleinen Piano-Boogie-Auszug - von Meade Lux Lewis und Jimmy Yancey über Pete Johnson und Albert Ammons bis zu u.a. Tommy Dorsey, Lionel Hampton und Cab Calloway.

  • Sendetermin: „Long Distance Call“, Samstag, 17. Dezember 2016, 19 Uhr

 

Geschenktips für Musikfreunde, Teil 5

„Weiß überhaupt jemand, was er seinen Lieben auf den Gabentisch legen soll? Niemand weiß das, gell?“ Dieses Zitat von Frau Direktor Bartels aus Loriots legendärem Sketch gilt vermutlich bis in alle Ewigkeit. Kaum zu glauben, aber traurig: Weihnachten steht schon wieder vor der Tür, und die bange Frage nach den Präsenten für die Verwandt- und Bekanntschaft stellt sich drängend, wie in jedem Jahr um diese Zeit. Aber nicht verzagen: Das FRK betätigt sich als Retter in der Not. Wir empfehlen zwar nicht, wie Frau Direktor Bartels, den „Familien-Originalbenutzer“, dafür aber umfassende CD-Pakete, über die sich insbesondere Musikfans freuen dürften.
Wie bereits in früheren Jahren, so stellen wir auch diesmal wieder eine Reihe repräsentativer CD-Boxen vor, die in den vergangenen 12 Monaten erschienen sind. In der letzten von insgesamt fünf Sendungen sind dabei u.a. Black Sabbath, The Who, David Bowie, Quicksilver Messenger Service, The Verve, Big Star, The Band.

  • Sendetermine: „FRK spezial – Geschenktips für Musikfreunde“, Teil 5; Samstag, 17. Dezember 2016, 21 Uhr

 

It´s a Rock & Roll Christmas

Yo, zum großen Fest der "Christenheit" lassen mer‘s hier auch recht herzelisch knacken : "Rockin´ around the Christmas Tree". Könnte man/frau sagen ... oder eben abtanzen! Diesmal gibt’s also originale Sounds aus einem guten Vierteljahrhundert Rock & Roll-Historie, aus den klassischen 40/50/60er Jahren des vorigen Jahrtausends. Mit dabei: Chuck Berry, Brenda Lee, Johnny Cash, Patti Page, The Four Lovers, Hank Ballard & The Midnighters, Bobby Vee, The Penguins, Eartha Kitt, Jo Ann Campbell  u.v.a.  Und natürlich King Elvis (plus Verehrer Robert Gordon aus der Neuzeit). So, let´s have a mighty fine time & a good start into the upcoming New Year. Peace, everybody.

  • Sendetermin: „Lonesomde Traveler“, Sonntag, 18. Dezember 2016, 19 Uhr

 

Creating Future 2016

Jugendliche und junge Erwachsene aus Athen (Griechenland), Mulhouse (Frankreich), Poznan (Polen), Padova (Italien) und Kassel befassten sich  im Rahmen eines internationalen Tanz- und Theaterprojektes in Kassel im Sommer 2016 mit ihren Erfahrungen mit Macht und Ohnmacht und machten daraus Songs sowie Tanz- und Theaterszenen, die im Kasseler DOCK 4 der Öffentlichkeit präsentiert wurden. Kasseler TeilnehmerInnen berichten in der 60-minütigen Sendung von diesem Projekt des Kommunalen Jugendbildungswerks der Stadt Kassel.

  • Sendetermin: „Creating Future 2016“, Dienstag, 20. Dezember 2016, 18 Uhr

Programminfos vom 08.12.2016 bis 16.12.2016

Nachkriegskarrieren von NS-Tätern

Die Referenten des Reichssicherheitshauptamtes, die den Holocaust planten und durchführten, waren mehrheitlich junge Männer, die überdurchschnittlich gebildet waren: 100 % hatten Abitur, 60 % einen Universitätsabschluß und 30 % einen Doktortitel. (Zum Vergleich: In der Gesamtbevölkerung besuchten damals knapp 5 % der Schüler ein Gymnasium.) Prof. Dr. Michael Wildt, einer der wichtigsten NS-Forscher, hat sich mit dieser Tätergruppe intensiv beschäftigt. Sein Buch „Die Generation des Unbedingten“ ist mittlerweile ein Standardwerk. In seinem Vortrag in der Kasseler Volkshochschule erläuterte Michael Wildt die Bedeutung dieser Tätergruppe und ging der Frage nach, was die Betroffenen nach dem Krieg taten.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 9. Dezember 2016, 18 Uhr

 

Geschenktips für Musikfreunde, Teil 3 und 4

„Weiß überhaupt jemand, was er seinen Lieben auf den Gabentisch legen soll? Niemand weiß das, gell?“ Dieses Zitat von Frau Direktor Bartels aus Loriots legendärem Sketch gilt vermutlich bis in alle Ewigkeit. Kaum zu glauben, aber traurig: Weihnachten steht schon wieder vor der Tür, und die bange Frage nach den Präsenten für die Verwandt- und Bekanntschaft stellt sich drängend, wie in jedem Jahr um diese Zeit. Aber nicht verzagen: Das FRK betätigt sich als Retter in der Not. Wir empfehlen zwar nicht, wie Frau Direktor Bartels, den „Familien-Originalbenutzer“, dafür aber umfassende CD-Pakete, über die sich insbesondere Musikfans freuen dürften.
Wie bereits in früheren Jahren, so stellen wir auch diesmal wieder eine Reihe repräsentativer CD-Boxen vor, die in den vergangenen 12 Monaten erschienen sind. An diesem Wochenende gibt’s gleich zwei jeweils dreistündige Sendungen zu hören. In der dritten von insgesamt fünf Sendungen sind dabei u.a. Bachmann-Turner-Overdrive, Steve Hillage, R.E.M., Queen, Foghat, Paul Butterfield, Arthur Big Boy Crudup sowie Freddy Quinn. Teil 4 befaßt sich mit Veröffentlichungen u.a. von Bob Dylan, Cluster, Kris Kristofferson, Jethro Tull, Roy Orbison, Miles Davis, Van Morrison und Hawkwind. (Eine weitere Folge ist am kommenden Wochenende zu hören.)

Sendetermine: „FRK spezial – Geschenktips für Musikfreunde“

  • Teil 3: Freitag, 9. Dezember 2016, 22 Uhr
  • Teil 4: Samstag, 10. Dezember 2016, 21 Uhr

 

Tanzparkett-Sondersendungen zum 75. Jahrestag des Eintritts der USA in den II. Weltkrieg

Kann man Eintritt überhaupt sagen? Der japanische Angriff auf Pearl Harbor am 07.12.41 war quasi eine Einladung, eine Aufforderung zum ganz großen Totentanz. Und doch hätten sich die US-geführten Kampfhandlungen auf den pazifischen Schauplatz beschränken können - hätte nicht in Berlin ein größenwahnsinniger „Ostmärker“ den damals noch schlafenden Riesen USA vier Tage später per Kriegserklärung geweckt. Ohne vertragliche Verpflichtung dem Bündnispartner Japan gegenüber, wohlgemerkt.
Aber der Reihe nach:
Begonnen hatte alles gut zwei Jahre vorher in Good Old Europe. Um seine Vorstellung von der Neuordnung des Kontinents durchzusetzen, hatte Hitler am 01.9.39 Polen angegriffen. Die Garantiemächte England und Frankreich erklärten daraufhin am 03.9.39 Deutschland den Krieg. Bis es tatsächlich zu Kampfhandlungen kam, dauerte es allerdings noch eine Weile. An deren vorläufigem Ende stand Frankreich geschlagen da, und England bangte ernstlich um seinen Fortbestand. Aber in bester englischer Tradition behielt man seine „stiff upper lip“.
Der Ausgang schien noch lange ungewiß, selbst dann, als Hitler im Sommer 1941 offenbar in Napoleons Spuren wandeln wollte und seinen Bündnispartner Sowjetunion aus heiterem Himmel angriff.
Nach Kriegseintritt (da ist es nun doch wieder, das Wort) der USA kippte die Lage. Doch es sollte noch über drei Jahre dauern, bis die großgermanischen Eroberer in ihr eigenes Land zurückgedrängt und niedergerungen waren. Trümmerfelder blieben vom Tausendjährigen Reiche. Die USA waren unterdes auf den direkten Weg zur Weltmacht eingeschwenkt.
Der Weg dorthin war auf beiden Seiten mit Schallplatten gepflastert.
In bisher drei Sendungen befaßte sich die Sendereihe „Tanzparkett“ damit. So stellten wir 2007 in einer Doppelfolge, die das Kriegsgeschehen ungefähr nachzeichnete, deutsche wie auch alliierte Platten vor, die in erster Linie der Stärkung der Moral in der Zivilbevölkerung beider Seiten dienen sollten; letztes Jahr brachten wir eine reine US-Sendung - mit Platten, deren Themen von früher Antikriegshaltung über die Spionagefurcht, die Rationierung und den allgegenwärtigen Trennungsschmerz bis zu höhnischer Siegerpose dem zerstörten Japan gegenüber reichen.
Aus dem nun gegebenen Anlaß der 75. Wiederkehr jenes weltpolitischen Ereignisses wiederholen wir die Sendungen.
 
Klappentext zu Folge 3 (die Folgen 1 und 2 wurden in den vergangenen beiden Wochen ausgestrahlt)
American War Songs - US-Propagandaplatten aus dem II. Weltkrieg
75 Jahre liegt nun der Eintritt der USA in den zweiten Weltkrieg zurück.
Das Tanzparkett blickt aus diesem Anlaß auf die US-amerikanische Seite und bringt Propagandaplatten. Die brauchte Uncle Sam, um seine Leute auf den Eintritt in den Krieg in Europa einzustimmen - gelinde gesagt, denn zum Teil handelt es sich um Propaganda plattester Art, musikalisch zumeist im modischen Swing-Gewand, aber auch im Country-Stil.
Viele US-Amerikaner erinnerten sich noch mit Grauen an die Schlachtfelder in Frankreich gut zwanzig Jahre vorher, auf denen auch (je nach Quelle) 100.000 bis über 200.000 US-Boys für einen Krieg gefallen waren, mit dem ihr Land eigentlich nichts zu tun gehabt hatte. Nun war es wieder soweit - US-Präsident Roosevelt hatte am Tage nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor vom 07.12.41 die Kriegserklärung gegen Japan ausgesprochen. Ohne vertragliche Verpflichtung hierzu erklärte dessen größenwahnsinniger Bündnispartner Hitler am 11.12. seinerseits den USA den Krieg, getreu dem schon Kaiser Wilhelm II. zum Verhängnis gewordenen Motto „Viel‘ Feind‘, viel Ehr‘“.  Unwiderruflich und endgültig  war damit ein neuer Weltkrieg im Gang - und auch die Propagandamaschinerie in den USA lief sogleich mit Vollgas an.
Halt, auch einen Titel bringen wir zu Beginn, der sich gegen den Krieg wendet  - die große Ausnahme. Noch heute wird in Amerika zumindest schief angeschaut, wer den Sinn eines in Washington D.C. befohlenen Kriegs hinterfragt … Hämische Verhöhnung der tatsächlich oder vermeintlich besiegten Gegner ist dagegen damals wie heute in patriotischen Kreisen durchaus akzeptabel. Das beleuchtet die letzte Aufnahme dieser Ausgabe sehr eindrücklich ...
Durch die Sendung begleitet Sie Peter Michael.

  • Sendetermin: „Tanzparkett spezial“, Folge 3: US-amerikanische Propagandaplatten; Sonntag, 11. Dezember 2016, 17 Uhr
  • Wiederholung: Montag, 12. Dezember 2016, 9 Uhr

 

Vorweihnachtliches: Yo, seid´s ihr alle do ... ?

Diesmal wird‘s musik- und stiltechnisch weihnachtlich und recht bunt beim Lonesome Traveler. Passionierte Schlagzeuger legen auch heute noch respektvoll die trainierten Ohren an, wenn sie mal wieder frühere Aufnahmen von/mit dem legendären Billy Cobham hören. Genau der eröffnet diese Folge mit seinem zeitlosen Titel "A Funky Kind Of Thing" von 1975 aus dem Atlantic-Klassiker-Album "A Funky Thide of Sings". Damals öffnete er, begleitet von u.a. dem feinen Gitarristen John Scofield und den abgefahrenen Blechbläser-Brüdern Randy und Michael Brecker, die Türe zu Fusion/Jazz/Rock und Weltmusik. The rest is Jazz history ...
Doch dann von den Columbia Studios in San Francisco herüber ins Oberbayerische. Die Mitglieder der ebenfalls vielseitigen Biermösl Blosn waren lange Zeit kongeniale musikalische Handwerkerbegleiter auf den Kabarettbühnen des legendären Gerhard Polt. Er ist ein weiteres echtes bayerisches Original - "seid´s ihr alle do?". Von der Blosn hören wir einiges, bevor es in die heimische Region geht:
Aus unserer dOCUMENTA-Stadt Kassel stammt das fantastische Trio um den Ausnahmepianisten Edgar Knecht. Wir hören Tracks aus dem Debütalbum von 2010 "Good Morning Lilofee", das sie mittlerweile weltberühmt gemacht hat. Nach etlichen zugesprochenen Preisen, Auszeichnungen und weltweiten Tourneen gibt’s auch auch etwas aus dem anspruchsvollen Zweitsilberling "Dance On Deep Waters" (2013). Fine sounds guaranteed!

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 11. Dezember 2016, 19 Uhr

 

Lieder gegen Rechts

Die Friedensbewegung, die sich gegen NATO-Doppelbeschluß und die atomare Hochrüstung in Westeuropa richtete, führte unter anderem im Juni 1984 zur Gründung der Friedensliste, die im selben Jahr zu den Europawahlen und 1987 zu den Bundestagswahlen antrat.
Am 12. Dezember 1986 lud die Friedensliste zu einer Wahlveranstaltung ins Hermann-Schafft-Haus in Kassel ein. In unserer historischen Aufnahme stellen wir Ausschnitte aus dem Kulturprogramm vor. Mit dabei: die SDAJ-Songgruppe Kassel, der Kasseler DGB-Chor und die Gruppe Ohne Etikett. Moderation: Dieter Kindl

  • Sendetermine: „Liederleute“, Dienstag, 13. Dezember 2016, 20.00 Uhr
  • Wiederholung Mittwoch, 14. Dezember 2016, 12.00 Uhr

 

CETA und TISA – Debatten um die geplanten Freihandelsabkommen

Im Mai hatte Attac mit Unterstützung von DGB, KAB und BUND beim Stadtparlament eine Petition eingereicht, die eine Bürgerversammlung zu den Auswirkungen von CETA, dem Handelsabkommen zwischen EU und Kanada, auf die Wirtschaftsunternehmen der Stadt Kassel und die örtliche Kommunale Daseinsvorsorge forderte.
Im Eingabe-Ausschuß, der solche Petitionen diskutiert und eine Beschlußempfehlung für das Stadtparlament ausspricht, wurde die Petition in der Sitzung am 15. September abgelehnt. O-Ton Oberbürgermeister Hilgen:

"CETA ist noch nicht in Kraft und wir gackern nicht über ungelegte Eier". Bei der abschließenden Beratung im Kasseler Stadtparlament am 14. November war von diesem Argument nichts mehr zu hören. Der Sendebeitrag gibt die halbstündige Debatte wieder. TiSA: Privatisierung in allen Lebensbereichen

Schon wieder wurde lange im Geheimen gekungelt, die Verhandlungen sind sehr weit fortgeschritten. Bei dem Abkommen mit dem Namen TiSA (Trade in Services
Agreement) geht es um fast alles, was wir zum Leben brauchen: vom Trinkwasser bis zur Abfallentsorgung, vom Kindergarten bis zum Altersheim, von Post und Bank über Eisenbahn und Elektrizitätswerke bis zum Theater. Ein wesentliches Ziel ist es, die Privatisierung bisher öffentlicher Dienstleistungen
durch Konzerne noch weiter voranzutreiben. TiSA wird extrem weit reichen, die Gefahren für die öffentliche Daseinsvorsorge sind enorm. TiSA ist nach dem CETA-Handelsabkommen mit Kanada und dem noch nicht endgültig gescheiterten TTIP-Abkommen mit den USA ein weiterer skandalöser Versuch, die Macht privater Konzerne zu vergrößern. Auch TiSA soll einen völkerrechtlichen Rahmen schaffen, in dem die Politik unsere Zukunft nur noch im Sinne der Interessen der Konzerne gestalten kann. Es wäre der Ausverkauf der demokratischen Weiterentwicklung unseres Gemeinwesens.

  • Sendetermin: „attac-Radio“, Dienstag, 13. Dezember 2016, 21 Uhr

 

Wanderzirkus Weltklang - Der Abschied

Nachdem erst vor wenigen Wochen unser Kollege Karsten Wagner seiner schweren Krankheit erlegen ist, starb nun, am 13. November, völlig überraschend Günther Klößinger, lange Jahre Redakteur und Moderator der Sendungen „Wanderzirkus Weltklang“ und „Tonkost“. Ohne daß es vorher irgendwelche Anzeichen für gesundheitliche Probleme gegeben hätte, setzte sich offenbar in Günnis Körper eine bakterielle Infektion fest, die mehrere lebenswichtige Organe angegriffen hat. Die medizinischen Möglichkeiten reichten letzten Endes nicht aus, die Funktionsfähigkeit der Organe wiederherzustellen. Günni wurde 51 Jahre als und hinterläßt seine Frau und seine beiden kleinen Zwillinge. Viele von euch kennen ihn sicherlich: Er war ein höchst sympathischer und freundlicher Zeitgenosse, der mit seiner lockeren, humorvollen Art viele Freunde gewonnen hat. Neben seinen Aktivitäten als Radiomoderator war er auch als Märchenerzähler, Buchautor und Musiker tätig. Seine Begeisterung für die Musik und seine umfassenden Kenntnisse machten ihn zu einem regelrechten Glücksfall fürs Radio.
Wir sind tief betroffen und erschüttert über den Verlust von zwei geschätzten Kollegen und Freunden. Sowohl Günni als auch Karsten haben das Programm des FRK über Jahre mit ihren Sendungen bereichert und geprägt. Daß wir innerhalb kurzer Zeit von gleich zwei Trauerfällen betroffen sind, ist wohl einer der schicksalhaften Zufälle, wie es sie nun einmal hin und wieder gibt. Günni und Karsten hinterlassen schmerzlich empfundene Lücken, und wir werden beide mit Sicherheit nicht vergessen.
In einer Abschiedssendung von "Wanderzirkus Weltklang" hören wir noch einmal einige von Günnis Lieblingsliedern, u.a. von Pentangle, Fairport Convention und natürlich von Grobschnitt.

  • Sendetermin: "Wanderzirkus Weltklang", Donnerstag, 15. Dezember 2016, 19 Uhr
  • Wiederholung Weltklang: Freitag, 16. Dezember 2016, 11 Uhr

Programminfos vom 02.12.2016 bis 08.12.2016

Geschenktips für Musikfreunde, Teil 2

„Weiß überhaupt jemand, was er seinen Lieben auf den Gabentisch legen soll? Niemand weiß das, gell?“ Dieses Zitat von Frau Direktor Bartels aus Loriots legendärem Sketch gilt vermutlich bis in alle Ewigkeit. Kaum zu glauben, aber traurig: Weihnachten steht schon wieder vor der Tür, und die bange Frage nach den Präsenten für die Verwandt- und Bekanntschaft stellt sich drängend, wie in jedem Jahr um diese Zeit. Aber nicht verzagen: Das FRK betätigt sich als Retter in der Not. Wir empfehlen zwar nicht, wie Frau Direktor Bartels, den „Familien-Originalbenutzer“, dafür aber umfassende CD-Pakete, über die sich insbesondere Musikfans freuen dürften.
Wie bereits in früheren Jahren, so stellen wir auch diesmal wieder eine Reihe repräsentativer CD-Boxen vor, die in den vergangenen 12 Monaten erschienen sind. In der zweiten von insgesamt vier Sendungen sind dabei u.a. Emerson, Lake & Palmer, Paul McCartney, Commander Cody And The Lost Planet Airmen, die Kinks, die Turtles, Yes, Todd Rundgren, Graham Parker und Hot Tuna.

  • Sendetermin: „FRK spezial – Geschenktips für Musikfreunde, Teil 2“, Freitag, 2. Dezember 2016, 22 Uhr

 

Erinnerung an zwei Unvergessene: Rock & Roller Little Richard und Bluesmann Jimi Hendrix

Little Richard und Jimi Hendrix: Zwei großartige Musik-Artisten, die unterschiedlicher kaum sein konnten und die trotzdem so einiges verband. Little Richard war der Eckstein der Rock & Roll-Pyramide, mit seinen raketenartigen Boogie Woogie-Treibsätzen und der hysterisch herausgeschrieenen Short Form-Lyrik, die alle Kids sofort verstanden, sobald der Plattenteller auf Touren kam. Und das, obwohl das meiste perfekte Nonsens-Zeilen waren. "A wop bop a lula a whop bam boom", eben. Das war Mitte der 1950er Jahre, als King Elvis ebenfalls noch hart an sich feilte und kämmte, um den Rest der Welt mit seinen Ohrwurm-Hits heiß zu beglücken. Auch er versuchte sich (erfolgreich) an Little Richard-Songs. The rest is history.
Und der andere, Jimi Hendrix, hat als Gitarrist beim erwähnten Richard Penniman als Bandmitglied mit auf Club-Bühnen die Klamotten durchgeschwitzt. Das war, bevor er zur Ikone der 70/80er Jahre aufstieg und bevor er sein Handwerk auf ein bis dahin nicht gekanntes technisch-hochgezüchtetes und verfremdetes Level hob, das völlig neue Maßstäbe setzte. Beide ziemlich abgefahrenen Künstler haben Rock-Historie geschrieben, daran ist nix zu rütteln. Und beide haben nicht zuletzt durch wahrlich überzeugende "Performance" bleibende Spuren hinterlassen und für riesige Umsatzzahlen gesorgt.
Little Richard hat soeben seinen 84. Geburtstag feiern können, echt ´ne Leistung. Respekt. Und, Jahrestage hin oder her: Ende November 1942 wurde Jimi Hendrix geboren. Er wäre nun 74 - leider hat er diese schnöde Welt bereits im zarten Alter von 27 verlassen. By the way - Moderator Wolf Silaff hatte eine denk-/erinnerungswürdige Begegnung mit dem unvergessenen Bluesmusiker vier Tage vor dessen dramatischem Tod, mitten in London ...  The way life goes, yap. Get ready for: Die Lange Rille.

  • Sendetermin: „Die Lange Rille“, Samstag, 3. Dezember 2016, 21 Uhr 

 

Tanzparkett-Sondersendungen zum 75. Jahrestag des Eintritts der USA in den II. Weltkrieg

Kann man Eintritt überhaupt sagen? Der japanische Angriff auf Pearl Harbor am 07.12.41 war quasi eine Einladung, eine Aufforderung zum ganz großen Totentanz. Und doch hätten sich die US-geführten Kampfhandlungen auf den pazifischen Schauplatz beschränken können - hätte nicht in Berlin ein größenwahnsinniger „Ostmärker“ den damals noch schlafenden Riesen USA vier Tage später per Kriegserklärung geweckt. Ohne vertragliche Verpflichtung dem Bündnispartner Japan gegenüber, wohlgemerkt.
Aber der Reihe nach:
Begonnen hatte alles gut zwei Jahre vorher in Good Old Europe. Um seine Vorstellung von der Neuordnung des Kontinents durchzusetzen, hatte Hitler am 01.9.39 Polen angegriffen. Die Garantiemächte England und Frankreich erklärten daraufhin am 03.9.39 Deutschland den Krieg. Bis es tatsächlich zu Kampfhandlungen kam, dauerte es allerdings noch eine Weile. An deren vorläufigem Ende stand Frankreich geschlagen da, und England bangte ernstlich um seinen Fortbestand. Aber in bester englischer Tradition behielt man seine „stiff upper lip“.
Der Ausgang schien noch lange ungewiß, selbst dann, als Hitler im Sommer 1941 offenbar in Napoleons Spuren wandeln wollte und seinen Bündnispartner Sowjetunion aus heiterem Himmel angriff.
Nach Kriegseintritt (da ist es nun doch wieder, das Wort) der USA kippte die Lage. Doch es sollte noch über drei Jahre dauern, bis die großgermanischen Eroberer in ihr eigenes Land zurückgedrängt und niedergerungen waren. Trümmerfelder blieben vom Tausendjährigen Reiche. Die USA waren unterdes auf den direkten Weg zur Weltmacht eingeschwenkt.
Der Weg dorthin war auf beiden Seiten mit Schallplatten gepflastert.
In bisher drei Sendungen befaßte sich die Sendereihe „Tanzparkett“ damit. So stellten wir 2007 in einer Doppelfolge, die das Kriegsgeschehen ungefähr nachzeichnete, deutsche wie auch alliierte Platten vor, die in erster Linie der Stärkung der Moral in der Zivilbevölkerung beider Seiten dienen sollten; letztes Jahr brachten wir eine reine US-Sendung - mit Platten, deren Themen von früher Antikriegshaltung über die Spionagefurcht, die Rationierung und den allgegenwärtigen Trennungsschmerz bis zu höhnischer Siegerpose dem zerstörten Japan gegenüber reichen.
Aus dem nun gegebenen Anlaß der 75. Wiederkehr jenes weltpolitischen Ereignisses wiederholen wir die Sendungen.

Klappentexte zu den einzelnen Sendungen:

Folge 1 u. 2
Deutsche und alliierte Propagandaaufnahmen* aus dem Zweiten Weltkrieg
Am 11. Dezember jährt sich der Eintritt der USA in den II. Weltkrieg zum 75. Male.
An den drei kommenden Sonntagnachmittagen bis zu diesem Termin hören Sie in der Reihe „Tanzparkett extra“ die Wiederholung von drei Sendungen aus den Jahren 2007 und 2015, die damals einiges an Hörerinteresse und Zuschriften hervorriefen. Daher und wegen des etwas heiklen und daher vom „großen“ Rundfunk meist gemiedenen Themas (der inzwischen eingestellte Auslandsdienst des Italienischen Rundfunks brachte kurz vor uns einmal eine Nachtsendung ähnlichen Inhalts) sehen wir diese Folgen als zur Wiederholung besonders geeignet an.
Mit Aufnahmen von deutscher und alliierter Seite sowie Erläuterungen (zum Kriegsgeschehen und zu den Aufnahmen selbst) folgen die Sendungen ungefähr dem Kriegsverlauf (kleine zeitliche Sprünge sind enthalten), so daß sich unsere Hörer ein Bild machen können, wie in den jeweiligen Staaten die Bevölkerung bei Laune gehalten werden bzw. auf den Krieg eingestimmt werden sollte.
Platten mit direkter Kriegshetze gegen die Völker der jeweiligen Gegner enthalten die ersten beiden Sendungen nicht, sondern solche, die die militärische und politische Führung des Feindes verhöhnen (Lord Gort, Mussolini und nicht zuletzt Hitler sind Zielscheibe hier gebrachter Aufnahmen) - vor allem aber solche, die zur Aufrechterhaltung der Moral im Innern dienen sollten, zur Einstimmung auf die unvermeidlichen Unbilden eines Krieges.
Am Anfang überwiegen englische Platten, denn England trug zu dieser Zeit die Hauptlast des Krieges. Zunächst  gab man sich auf der Insel ob seiner „splendid isolation“ zuversichtlich und vertraute auf die französischen Schutzmaßnahmen (George Formby: „Imagine Me In The Maginot Line“) - die nach dem Beginn der Kampfhandlungen im Westen von der Wehrmacht schlicht umgangen wurden. Nun hieß es erst recht „keeping a stiff upper lip“, und entsprechend optimistisch klingen die Texte der Schallplatten.
Die Deutschen verspotteten die allzu überhebliche Siegesgewißheit des British Empire (Orch. Hanns Steinkopf: „Das Lied von der Siegfried-Linie“ - im Vergleich mit Orch. Bert Ambrose: „[We’re Gonna Hang Out] The Washing On The Siegfried Line“) und freuten sich über den Sieg von Dünkirchen - der keiner war, denn man hatte das britische Expeditionsheer über den Kanal entkommen lassen, statt es gefangenzusetzen. So konnten die über 300.000 Mann wieder in die Kriegshandlungen eingreifen, nachdem sie von den USA über das Leih- und Pachtgesetz wieder ausgerüstet und bewaffnet waren. Auch dies ist Gegenstand einer englischen Platte („Thanks Mr. Roosevelt“).
Die Verdunkelung ist auf beiden Seiten Thema (Jay Wilbur: „They Can’t Black Out The Moon“; Tommy Handley: „The Night That We Met In A Blackout“; Arne Hülphers: „Wenn die Lichter wieder scheinen“) - und am Schluß der zweiten Sendung sogar in einer Aufnahme des durch Vera Lynn in England populär gemachten „When The Lights Go On Again“ mit Sonja Sjöbeck, die im neutralen Schweden eingespielt wurde. Dort wurde allerdings nur gelegentlich übungshalber verdunkelt - im Gegensatz etwa zur ebenfalls neutralen Schweiz, die z.T. von deutschen Kohlelieferungen abhängig war und deshalb dem deutschen „Wunsch“ nach Verdunkelung der als Orientierungspunkte für alliierte Bomber bestens geeigneten Schweizer Städte (und der Stromknappheit) Rechnung tragen mußte.
Nicht nur die Verdunkelung, auch andere Alltagssorgen des Krieges, vor allem die Trennung, werden auf beiden Seiten thematisiert - oft in durchaus ähnlicher, aus heutiger Sicht zumeist kitschig-sentimentaler Weise, die aber genau den Nerv der Zeit traf. Als Beispiel hierfür bringen wir Erich Heyn mit „Tapfere kleine Soldatenfrau“ - vielen Hörern sicherlich bekannt durch die Parodie des Heimkehrers Beckmann aus Wolfgang Borcherts Nachkriegshörspiel „Draußen vor der Tür“, das seit Jahrzehnten zur Schullektüre zählt.
Außerdem hören Sie Helga Wille mit dem Titel „Brief aus der Heimat“ (auch bekannt als „Mach‘ dir um mich doch bitte keine Sorgen“), in dem eine deutsche Frau ausdrückt, was sie für ihren an der Front stehenden Mann empfindet - und daß sie keine Angst hat, weder um ihn noch um sich selbst. Im Vergleich dazu bringen wir das amerikanische „Hello Mom“ von Bing Crosby. Hier führt ein GI aus dem Ausbildungslager ein R-Gespräch mit der Mutter, um sie (und natürlich in erster Linie die Hörer der Platte) zu beruhigen: Gedanken an die netten Mädchen von daheim, der erste Alleinflug ist glatt verlaufen, das Essen gut, der Sold wurde erhöht ... na, Mutti, so schlimm wird es schon nicht werden! Viele glaubten daran bis zum Schluß nur zu gerne - auf beiden Seiten. Doch 55 Millionen Tote am Kriegsende sprachen eine ganz andere Sprache ...
Echte Kriegserfahrung dagegen spricht aus einer am 16.12.1942 in Berlin aufgenommenen Platte der Fronttheatertruppe „Die Eichkater“. Eine Seite bringt das „Feldpostlied“, das die Gefühle der auf Briefe von zu Hause wartenden Soldaten darstellt - allgemeingültig und zeitlos.
Die Rückseite hingegen hat es in sich: Relativ ungefiltert, bis hin zu reinem Defätismus, gibt sie die Einstellung der deutschen Landser zum Rußlandfeldzug wieder. Diese Tatsache jedoch entging der offenbar für Ironie und Hintersinn unempfänglichen NS-Zensur zunächst. Wer würde auch hinter dem „Lied der stolzen Division“ und dem Untertitel der Truppe „Zehn Kuriere aus Rschew“ eine beißende Glosse auf den Landseralltag an der Ostfront vermuten? So wurde die Platte wahrscheinlich ungeprüft durchgewinkt - hätte ein Beamter der Reichsmusikkammer diese Aufnahme abgehört, wäre sie wohl nie herausgekommen. Eine weitere Platte erschien etwas später noch bei Telefunken, eine dritte („Eichkater und die Entlausung“) wurde verboten - und vermutlich die Eichkater gleich mit.
Von Kriegsbegeisterung konnte auch auf US-Seite zumindest anfangs keine Rede sein. Noch von der Erfahrung geprägt, in Europa als „Doughboys“ für irgendwelche Länder verheizt oder verwundet zu werden, die kleiner waren als die meisten US-Bundesstaaten, in jenem Europa, das so weit überm Teich lag und von dem man so wenig wußte, mußten die US-Bürger erst zur Einsatzfreude „überredet“ werden. Dazu sollten, man kann es kaum anders bezeichnen, Machwerke wie „Ring The Bells For Uncle Sam“ dienen.
Die endgültige Überwindung der großen Wirtschaftskrise und der totale Sieg an allen Fronten, der den Aufstieg zur Supermacht bringen sollte, standen 1941 noch nicht im Kalender.
Genausowenig die Tatsache, daß die Völker, deren Befreiung vom Joch Hitlers das erklärte Ziel Englands und Frankreichs war, für die sie am 3. September 1939 Deutschland den Krieg erklärt hatten und für die ab Ende 1941 die USA nach Jahren mehr oder weniger inoffizieller Unterstützung als reguläre Kriegspartei mitfochten, nach 1945 für mehr als vierzig Jahre unter sowjetischer Herrschaft stehen würden.
Aber das wäre eher als Thema einer historisch-politischen Diskussionssendung geeignet ...
Durchs Programm führt Peter Michael.
*Die Sendungen dienen ausschließlich zum Zwecke der Forschung, Lehre und staatsbürgerlichen Aufklärung.

Folge 3
American War Songs - US-Propagandaplatten aus dem II. Weltkrieg
75 Jahre liegt nun der Eintritt der USA in den zweiten Weltkrieg zurück.
Das Tanzparkett blickt aus diesem Anlaß auf die US-amerikanische Seite und bringt Propagandaplatten. Die brauchte Uncle Sam, um seine Leute auf den Eintritt in den Krieg in Europa einzustimmen - gelinde gesagt, denn zum Teil handelt es sich um Propaganda plattester Art, musikalisch zumeist im modischen Swing-Gewand, aber auch im Country-Stil.
Viele US-Amerikaner erinnerten sich noch mit Grauen an die Schlachtfelder in Frankreich gut zwanzig Jahre vorher, auf denen auch (je nach Quelle) 100.000 bis über 200.000 US-Boys für einen Krieg gefallen waren, mit dem ihr Land eigentlich nichts zu tun gehabt hatte. Nun war es wieder soweit - US-Präsident Roosevelt hatte am Tage nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor vom 07.12.41 die Kriegserklärung gegen Japan ausgesprochen. Ohne vertragliche Verpflichtung hierzu erklärte dessen größenwahnsinniger Bündnispartner Hitler am 11.12. seinerseits den USA den Krieg, getreu dem schon Kaiser Wilhelm II. zum Verhängnis gewordenen Motto „Viel‘ Feind‘, viel Ehr‘“.  Unwiderruflich und endgültig  war damit ein neuer Weltkrieg im Gang - und auch die Propagandamaschinerie in den USA lief sogleich mit Vollgas an.
Halt, auch einen Titel bringen wir zu Beginn, der sich gegen den Krieg wendet  - die große Ausnahme. Noch heute wird in Amerika zumindest schief angeschaut, wer den Sinn eines in Washington D.C. befohlenen Kriegs hinterfragt … Hämische Verhöhnung der tatsächlich oder vermeintlich besiegten Gegner ist dagegen damals wie heute in patriotischen Kreisen durchaus akzeptabel. Das beleuchtet die letzte Aufnahme dieser Ausgabe sehr eindrücklich ...
Durch die Sendung begleitet Sie Peter Michael.

Sendetermine: „Tanzparkett spezial“

  • Folge 2: Deutsche und alliierte Propagandaplatten, Teil 2; Sonntag, 4. Dezember 2016, 17 Uhr, Wiederholung: Montag, 5. Dezember 2016, 9 Uhr
  • Folge 3: US-amerikanische Propagandaplatten; Sonntag, 11. Dezember 2016, 17 Uhr, Wiederholung: Montag, 12. Dezember 2016, 9 Uhr

 

Wir singen in die Deutsch´ Sprach ...

Yes, Mr. Trump - it´s Deutschstunde now (Teil 2)

Der amerikanische Stern befindet sich offensichtlich im Sinkflug. Hoffentlich wird das keine Bruchlandung; betroffen wären wir möglicherweise alle. Nicht nur für die Ökonomien, die Kriegs-Allianzen (wir leben ja bereits im 3. Weltkrieg!), die Kleinkredite für langverschuldete Wenigverdiener/Drei-Jobber, die großspurigen Boni-Empfänger unserer uns auslutschenden Banken, Versicherungen, Politik und Automobilkonzerne usw. Und im globalen Kampf der konkurrierenden Ideologien?
Nun ja, das könnte das Ende der geliebten Country-Musik hier im Radio bedeuten - vernetzt, hin oder her. Was tun?!? (Lenin). Tief betroffen erlebt ihr nun auch den tatsächlich Welt-offenen Lonesome Traveler - der Mann ist gerade ratlos, um nicht zu sagen, verwirrt. Autsch! Keine weitere US-CountryMachoMackerMucke fürderhin?!  -  It´s over, bud.
Macht grad keinen Spaß mehr - mal so richtig reflektiert. Auch wenn klar ist, daß da viel echt gewachsene Folk Musik im Hintergrund immer schon mit dabei war. An genau dieser Stelle besinnt sich der Lonesome Traveler Wolf Silaff auch mal wieder der deutschen/deutschsprachigen Hintergründe und Wurzeln amerikanischer Musikkultur. Bis eben hatte er noch einen geschätzten Folk Musik-orientierten versierten Radiokollegen mit an seiner Seite. Farewell, Günni. We all miss you, Günther Klößinger.
In dieser Folge gibt’s ausschließlich Lieder und Klänge in unserem eigenem Idiom. Mit dabei sind solche Poet-Individualisten wie Jan Koch aus Berlin, eine aktuelle junge spritzige Kapelle aus Oberammergau, Kofelgschroa, und auch der schräg-abgefahrene sympathische Klinikfacharzt Georg Ringsgwandl aus Garmisch-Partenkirchen. Der Kardiologe wird uns mal kurz die hoffentlich Heilende Hand aufs leidende Herzerl legen. Valentinesk, des ganze Gelump do ...  Jo, dankschön : Yes, we can do it, too.
And, Sir - der Schwerpunkt of this issue is on the Vorstellung des neuen Kofelgschroa-Silberlings „Baaz“ (Trikont, München) - got that, Mr. Trump?!

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 4. Dezember 2016, 19 Uhr

 

USA-Tonfilmschlager von ihren Originalinterpreten, Folge 4

Wir bringen am 7.12.2016 die vierte Folge „Tanzparkett“ mit Schallplattenaufnahmen US-amerikanischer Tonfilmschlager, gesungen von den Schauspielern, die auch auf der Leinwand mit der Interpretation dieser Titel zu erleben waren.
Anfang 2011 konnten Sie bereits zwei Folgen hören. Da nun unsere Plattensammlungen in der Zwischenzeit wieder „Zuwachs“ bekamen, sendeten wir bereits am 23.11.2016 die dritte Ausgabe der Reihe.
Der Tonfilm, obwohl in seiner endgültigen Form eine deutsche Erfindung, die schon 1922 öffentlich vorgestellt worden war, trat erst ab 1927 seinen weltweiten Siegeszug an - nun von Hollywood ausgehend.
1927 fing es, wie in der letzten Folge vor zwei Wochen gehört, mit dem „Jazzsänger“ (“The Jazz Singer“) an, der in Deutschland zunächst noch stumm zu sehen war, da man sich über die Patentrechte nicht einig wurde. Erst der „Singende Narr“ (“The Singing Fool“) brachte hierzulande den Durchbruch.
Das Kino und sein Programm allerdings veränderten sich mit dem erneuerten Medium radikal, und vor allem mit der Internationalität des Stummfilms war es vorbei.
Aber das ist eher am Rande Thema unserer Sendungen - vielmehr sind es jene teils vergessenen, teils aber unsterblichen Melodien, die der frühe Tonfilm aus Hollywood der Welt schenkte.
Durchs Programm führt Thomas A. Sosna.

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 7. Dezember 2016, 21 - 22 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 8. Dezember 2016, 13 Uhr.

Programminformationen vom 24.11.2016 bis 27.11.2016

Tanzparkett-Sondersendungen zum 75. Jahrestag des Eintritts der USA in den II. Weltkrieg

Kann man Eintritt überhaupt sagen? Der japanische Angriff auf Pearl Harbor am 07.12.41 war quasi eine Einladung, eine Aufforderung zum ganz großen Totentanz. Und doch hätten sich die US-geführten Kampfhandlungen auf den pazifischen Schauplatz beschränken können - hätte nicht in Berlin ein größenwahnsinniger „Ostmärker“ den damals noch schlafenden Riesen USA vier Tage später per Kriegserklärung geweckt. Ohne vertragliche Verpflichtung dem Bündnispartner Japan gegenüber, wohlgemerkt.
Aber der Reihe nach:
Begonnen hatte alles gut zwei Jahre vorher in Good Old Europe. Um seine Vorstellung von der Neuordnung des Kontinents durchzusetzen, hatte Hitler am 01.9.39 Polen angegriffen. Die Garantiemächte England und Frankreich erklärten daraufhin am 03.9.39 Deutschland den Krieg. Bis es tatsächlich zu Kampfhandlungen kam, dauerte es allerdings noch eine Weile. An deren vorläufigem Ende stand Frankreich geschlagen da, und England bangte ernstlich um seinen Fortbestand. Aber in bester englischer Tradition behielt man seine „stiff upper lip“.
Der Ausgang schien noch lange ungewiß, selbst dann, als Hitler im Sommer 1941 offenbar in Napoleons Spuren wandeln wollte und seinen Bündnispartner Sowjetunion aus heiterem Himmel angriff.
Nach Kriegseintritt (da ist es nun doch wieder, das Wort) der USA kippte die Lage. Doch es sollte noch über drei Jahre dauern, bis die großgermanischen Eroberer in ihr eigenes Land zurückgedrängt und niedergerungen waren. Trümmerfelder blieben vom Tausendjährigen Reiche. Die USA waren unterdes auf den direkten Weg zur Weltmacht eingeschwenkt.
Der Weg dorthin war auf beiden Seiten mit Schallplatten gepflastert.
In bisher drei Sendungen befaßte sich die Sendereihe „Tanzparkett“ damit. So stellten wir 2007 in einer Doppelfolge, die das Kriegsgeschehen ungefähr nachzeichnete, deutsche wie auch alliierte Platten vor, die in erster Linie der Stärkung der Moral in der Zivilbevölkerung beider Seiten dienen sollten; letztes Jahr brachten wir eine reine US-Sendung - mit Platten, deren Themen von früher Antikriegshaltung über die Spionagefurcht, die Rationierung und den allgegenwärtigen Trennungsschmerz bis zu höhnischer Siegerpose dem zerstörten Japan gegenüber reichen.
Aus dem nun gegebenen Anlaß der 75. Wiederkehr jenes weltpolitischen Ereignisses wiederholen wir die Sendungen.

Klappentexte zu den einzelnen Sendungen:

Folge 1 u. 2

Deutsche und alliierte Propagandaaufnahmen* aus dem Zweiten Weltkrieg
Am 11. Dezember jährt sich der Eintritt der USA in den II. Weltkrieg zum 75. Male.
An den drei kommenden Sonntagnachmittagen bis zu diesem Termin hören Sie in der Reihe „Tanzparkett extra“ die Wiederholung von drei Sendungen aus den Jahren 2007 und 2015, die damals einiges an Hörerinteresse und Zuschriften hervorriefen. Daher und wegen des etwas heiklen und daher vom „großen“ Rundfunk meist gemiedenen Themas (der inzwischen eingestellte Auslandsdienst des Italienischen Rundfunks brachte kurz vor uns einmal eine Nachtsendung ähnlichen Inhalts) sehen wir diese Folgen als zur Wiederholung besonders geeignet an.
Mit Aufnahmen von deutscher und alliierter Seite sowie Erläuterungen (zum Kriegsgeschehen und zu den Aufnahmen selbst) folgen die Sendungen ungefähr dem Kriegsverlauf (kleine zeitliche Sprünge sind enthalten), so daß sich unsere Hörer ein Bild machen können, wie in den jeweiligen Staaten die Bevölkerung bei Laune gehalten werden bzw. auf den Krieg eingestimmt werden sollte.
Platten mit direkter Kriegshetze gegen die Völker der jeweiligen Gegner enthalten die ersten beiden Sendung nicht, sondern solche, die die militärische und politische Führung des Feindes verhöhnen (Lord Gort, Mussolini und nicht zuletzt Hitler sind Zielscheibe hier gebrachter Aufnahmen) - vor allem aber solche, die zur Aufrechterhaltung der Moral im Innern dienen sollten, zur Einstimmung auf die unvermeidlichen Unbilden eines Krieges.
Am Anfang überwiegen englische Platten, denn England trug zu dieser Zeit die Hauptlast des Krieges. Zunächst  gab man sich auf der Insel ob seiner „splendid isolation“ zuversichtlich und vertraute auf die französischen Schutzmaßnahmen (George Formby: „Imagine Me In The Maginot Line“) - die nach dem Beginn der Kampfhandlungen im Westen von der Wehrmacht schlicht umgangen wurden. Nun hieß es erst recht „keeping a stiff upper lip“, und entsprechend optimistisch klingen die Texte der Schallplatten.
Die Deutschen verspotteten die allzu überhebliche Siegesgewißheit des British Empire (Orch. Hanns Steinkopf: „Das Lied von der Siegfried-Linie“ - im Vergleich mit Orch. Bert Ambrose: „[We’re Gonna Hang Out] The Washing On The Siegfried Line“) und freuten sich über den Sieg von Dünkirchen - der keiner war, denn man hatte das britische Expeditionsheer über den Kanal entkommen lassen, statt es gefangenzusetzen. So konnten die über 300.000 Mann wieder in die Kriegshandlungen eingreifen, nachdem sie von den USA über das Leih- und Pachtgesetz wieder ausgerüstet und bewaffnet waren. Auch dies ist Gegenstand einer englischen Platte („Thanks Mr. Roosevelt“).
Die Verdunkelung ist auf beiden Seiten Thema (Jay Wilbur: „They Can’t Black Out The Moon“; Tommy Handley: „The Night That We Met In A Blackout“; Arne Hülphers: „Wenn die Lichter wieder scheinen“) - und am Schluß der zweiten Sendung sogar in einer Aufnahme des durch Vera Lynn in England populär gemachten „When The Lights Go On Again“ mit Sonja Sjöbeck, die im neutralen Schweden eingespielt wurde. Dort wurde allerdings nur gelegentlich übungshalber verdunkelt - im Gegensatz etwa zur ebenfalls neutralen Schweiz, die z.T. von deutschen Kohlelieferungen abhängig war und deshalb dem deutschen „Wunsch“ nach Verdunkelung der als Orientierungspunkte für alliierte Bomber bestens geeigneten Schweizer Städte (und der Stromknappheit) Rechnung tragen mußte.
Nicht nur die Verdunkelung, auch andere Alltagssorgen des Krieges, vor allem die Trennung, werden auf beiden Seiten thematisiert - oft in durchaus ähnlicher, aus heutiger Sicht zumeist kitschig-sentimentaler Weise, die aber genau den Nerv der Zeit traf. Als Beispiel hierfür bringen wir Erich Heyn mit „Tapfere kleine Soldatenfrau“ - vielen Hörern sicherlich bekannt durch die Parodie des Heimkehrers Beckmann aus Wolfgang Borcherts Nachkriegshörspiel „Draußen vor der Tür“, das seit Jahrzehnten zur Schullektüre zählt.
Außerdem hören Sie Helga Wille mit dem Titel „Brief aus der Heimat“ (auch bekannt als „Mach‘ dir um mich doch bitte keine Sorgen“), in dem eine deutsche Frau ausdrückt, was sie für ihren an der Front stehenden Mann empfindet - und daß sie keine Angst hat, weder um ihn noch um sich selbst. Im Vergleich dazu bringen wir das amerikanische „Hello Mom“ von Bing Crosby. Hier führt ein GI aus dem Ausbildungslager ein R-Gespräch mit der Mutter, um sie (und natürlich in erster Linie die Hörer der Platte) zu beruhigen: Gedanken an die netten Mädchen von daheim, der erste Alleinflug ist glatt verlaufen, das Essen gut ... na, Mutti, so schlimm wird es schon nicht werden! Viele glaubten daran bis zum Schluß nur zu gerne - auf beiden Seiten. Doch 55 Millionen Tote am Kriegsende sprachen eine ganz andere Sprache ...
Echte Kriegserfahrung dagegen spricht aus einer am 16.12.1942 in Berlin aufgenommenen Platte der Fronttheatertruppe „Die Eichkater“. Eine Seite bringt das „Feldpostlied“, das die Gefühle der auf Briefe von zu Hause wartenden Soldaten darstellt - allgemeingültig und zeitlos.
Die Rückseite hingegen hat es in sich: Relativ ungefiltert, bis hin zu reinem Defätismus, gibt sie die Einstellung der deutschen Landser zum Rußlandfeldzug wieder. Diese Tatsache jedoch entging der offenbar für Ironie und Hintersinn unempfänglichen NS-Zensur zunächst. Wer würde auch hinter dem „Lied der stolzen Division“ und dem Untertitel der Truppe „Zehn Kuriere aus Rschew“ eine beißende Glosse auf den Landseralltag an der Ostfront vermuten? So wurde die Platte wahrscheinlich ungeprüft durchgewinkt - hätte ein Beamter der Reichsmusikkammer diese Aufnahme abgehört, wäre sie wohl nie herausgekommen. Eine weitere Platte erschien etwas später noch bei Telefunken, eine dritte („Eichkater und die Entlausung“) wurde verboten - und vermutlich die Eichkater gleich mit.
Von Kriegsbegeisterung konnte auch auf US-Seite zumindest anfangs keine Rede sein. Noch von der Erfahrung geprägt, in Europa als „Doughboys“ für irgendwelche Länder verheizt oder verwundet zu werden, die kleiner waren als die meisten US-Bundesstaaten, in jenem Europa, das so weit überm Teich lag und von dem man so wenig wußte, mußten die US-Bürger erst zur Einsatzfreude „überredet“ werden. Dazu sollten, man kann es kaum anders bezeichnen, Machwerke wie „Ring The Bells For Uncle Sam“ dienen.
Die endgültige Überwindung der großen Wirtschaftskrise und der totale Sieg an allen Fronten, der den Aufstieg zur Supermacht bringen sollte, standen 1941 noch nicht im Kalender.
Genausowenig die Tatsache, daß die Völker, deren Befreiung vom Joch Hitlers das erklärte Ziel Englands und Frankreichs war, für die sie am 3. September 1939 Deutschland den Krieg erklärt hatten und für die ab Ende 1941 die USA nach Jahren mehr oder weniger inoffizieller Unterstützung als reguläre Kriegspartei mitfochten, nach 1945 für mehr als vierzig Jahre unter sowjetischer Herrschaft stehen würden.
Aber das wäre eher als Thema einer historisch-politischen Diskussionssendung geeignet ...
Durchs Programm führt Peter Michael.
*Die Sendungen dienen ausschließlich zum Zwecke der Forschung, Lehre und staatsbürgerlichen Aufklärung.

Folge 3

American War Songs - US-Propagandaplatten aus dem II. Weltkrieg
75 Jahre liegt nun der Eintritt der USA in den zweiten Weltkrieg zurück.
Das Tanzparkett blickt aus diesem Anlaß auf die US-amerikanische Seite und bringt Propagandaplatten. Die brauchte Uncle Sam, um seine Leute auf den Eintritt in den Krieg in Europa einzustimmen - gelinde gesagt, denn zum Teil handelt es sich um Propaganda plattester Art, musikalisch zumeist im modischen Swing-Gewand, aber auch im Country-Stil.
Viele US-Amerikaner erinnerten sich noch mit Grauen an die Schlachtfelder in Frankreich gut zwanzig Jahre vorher, auf denen auch (je nach Quelle) 100.000 bis über 200.000 US-Boys für einen Krieg gefallen waren, mit dem ihr Land eigentlich nichts zu tun gehabt hatte. Nun war es wieder soweit - US-Präsident Roosevelt hatte am Tage nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor vom 07.12.41 die Kriegserklärung gegen Japan ausgesprochen. Ohne vertragliche Verpflichtung hierzu erklärte dessen größenwahnsinniger Bündnispartner Hitler am 11.12. seinerseits den USA den Krieg, getreu dem schon Kaiser Wilhelm II. zum Verhängnis gewordenen Motto „Viel‘ Feind‘, viel Ehr‘“.  Unwiderruflich und endgültig  war damit ein neuer Weltkrieg im Gang - und auch die Propagandamaschinerie in den USA lief sogleich mit Vollgas an.
Halt, auch einen Titel bringen wir zu Beginn, der sich gegen den Krieg wendet  - die große Ausnahme. Noch heute wird in Amerika zumindest schief angeschaut, wer den Sinn eines in Washington D.C. befohlenen Kriegs hinterfragt … Hämische Verhöhnung der tatsächlich oder vermeintlich besiegten Gegner ist dagegen damals wie heute in patriotischen Kreisen durchaus akzeptabel. Das beleuchtet die letzte Aufnahme dieser Ausgabe sehr eindrücklich ...
Durch die Sendung begleitet Sie Peter Michael.

Sendetermine: „Tanzparkett spezial“

  • Folge 1: Deutsche und alliierte Propagandaplatten, Teil 1; Sonntag, 27. November 16, 17 Uhr, Wiederholung: Montag, 28. November 2016, 9 Uhr
  • Folge 2: Deutsche und alliierte Propagandaplatten, Teil 2; Sonntag, 4. Dezember 2016, 17 Uhr, Wiederholung: Montag, 5. Dezember 2016, 9 Uhr
  • Folge 3: US-amerikanische Propagandaplatten; Sonntag, 11. Dezember 2016, 17 Uhr, Wiederholung: Montag, 12. Dezember 2016, 9 Uhr

 

Die Morde von Mechterstädt - Zur Geschichte rechtsradikaler Gewalt in Deutschland

Vielen ist heute nicht mehr bewußt, daß rechtsradikal motivierte Gewalt in Deutschland keine Erfindung der NS-Zeit ist. Schon lange vor 1933 sorgten nationalistisch und militaristisch orientierte Gruppen mit Angriffen auf Andersdenkende für Aufsehen.  
In der Nähe des Ortes Mechterstädt in Thüringen wurden 1920 fünfzehn Arbeiter von Marburger Studenten erschossen. In seinem Vortrag erläuterte Dr. Dietrich Heither die Vorgeschichte der Morde, die Tat selbst und den späteren Umgang damit.
Die Veranstaltung fand im Rahmen einer mehrteiligen Reihe im Wintersemester 2016 in der Kasseler Volkshochschule statt.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 25. November 2016, 18 Uhr

 

 

Wir singen in die Deutsch´ Sprach ...

Yes, Mr. Trump - it´s Deutschstunde now

Der amerikanische Stern befindet sich offensichtlich im Sinkflug. Hoffentlich wird das keine Bruchlandung; betroffen wären wir möglicherweise alle. Nicht nur für die Ökonomien, die Kriegs-Allianzen (wir leben ja bereits im 3. Weltkrieg!), die Kleinkredite für langverschuldete Wenigverdiener/Drei-Jobber, die großspurigen Boni-Empfänger unserer uns auslutschenden Banken, Versicherungen, Politik und Automobilkonzerne usw. Und im globalen Kampf der konkurrierenden Ideologien?
Nun ja, das könnte das Ende der geliebten Country-Musik hier im Radio bedeuten - vernetzt, hin oder her. Was tun?!? (Lenin). Tief betroffen erlebt ihr nun auch den tatsächlich Welt-offenen Lonesome Traveler - der Mann ist gerade ratlos, um nicht zu sagen, verwirrt. Autsch! Keine weitere US-CountryMachoMackerMucke fürderhin?!  -  It´s over, bud.
Macht grad keinen Spaß mehr - mal so richtig reflektiert. Auch wenn klar ist, daß da viel echt gewachsene Folk Musik im Hintergrund immer schon mit dabei war. An genau dieser Stelle besinnt sich der Lonesome Traveler Wolf Silaff auch mal wieder der deutschen/deutschsprachigen Hintergründe und Wurzeln amerikanischer Musikkultur. Bis eben hatte er noch einen geschätzten Folk Musik-orientierten versierten Radiokollegen mit an seiner Seite. Farewell, Günni. We all miss you, Günther Klößinger.
In dieser Folge gibt’s ausschließlich Lieder und Klänge in unserem eigenem Idiom. Mit dabei sind solche Poet-Individualisten wie Jan Koch aus Berlin, eine aktuelle junge spritzige Kapelle aus Oberammergau, Kofelgschroa, und auch der schräg-abgefahrene sympathische Klinikfacharzt Georg Ringsgwandl aus Garmisch-Partenkirchen. Der Kardiologe wird uns mal kurz die hoffentlich Heilende Hand aufs leidende Herzerl legen. Valentinesk, des ganze Gelump do ...  Jo, dankschön : Yes, we can do it, too - Mr. Trump.

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 27. November 2016, 19 Uhr

Programminfos vom 18.11.2016 bis 24.11.2016

Geschenktips für Musikfreunde, Teil 1

„Weiß überhaupt jemand, was er seinen Lieben auf den Gabentisch legen soll? Niemand weiß das, gell?“ Dieses Zitat von Frau Direktor Bartels aus Loriots legendärem Sketch gilt vermutlich bis in alle Ewigkeit. Kaum zu glauben, aber traurig: Weihnachten steht schon wieder vor der Tür, und die bange Frage nach den Präsenten für die Verwandt- und Bekanntschaft stellt sich drängend, wie in jedem Jahr um diese Zeit. Aber nicht verzagen: Das FRK betätigt sich als Retter in der Not. Wir empfehlen zwar nicht, wie Frau Direktor Bartels, den „Familien-Originalbenutzer“, dafür aber umfassende CD-Pakete, über die sich insbesondere Musikfans freuen dürften.
Wie bereits in früheren Jahren, so stellen wir auch diesmal wieder eine Reihe repräsentativer CD-Boxen vor, die in den vergangenen 12 Monaten erschienen sind. In der ersten von insgesamt vier Sendungen sind dabei u.a. Lou Reed, die Charlie Daniels Band, Tucky Buzzard, Led Zeppelin, die Stones, Fleetwood Mac und die Rubettes.

  • Sendetermin: „FRK spezial – Geschenktips für Musikfreunde, Teil 1“, Freitag, 18. November 2015, 22 Uhr

 

B.B. & Blues Shacks; Steppin´ Out; J.J. & Shuffle Kings

25 Jahre weltweit auf Tour, das sind mehr als 4000 Konzerte. Die BBs aus Hildesheim lieben ihre Musik und spielen den Blues so gekonnt, daß selbst die Amerikaner inzwischen den Hut vor dieser deutschen Band ziehen. Mit ihrer Mischung aus „Rhythm & Blues“ und einem Hauch „Sixties Soul“ haben sie sich eine Fangemeinde um den ganzen Globus erspielt.
B.B. & The Blues Shacks erhielten zahllose Auszeichnungen wie den „German Blues Award“ und den Titel „beste Bluesband Europas“ durch französische Musikredakteure. Ihre CD „Unique Taste“ wurde mit dem Preis der deutschen Schallplattenkritik prämiert. Sie stehen für großartige Live-Auftritte und haben sich so auch als Top-Act in Übersee etabliert. Sie spielten in Dubai, auf dem Doheny Festival in Los Angeles und vor Zehntausenden Besuchern beim Byron-Bay-Festival in Australien mit Künstlern wie Bob Dylan, B.B. King und Elvis Costello.
Frontmann Michael Arlt (vocal und harp) gehört längst zur ersten Liga europäischer Blues- und Soulsänger. Er ist zudem ein einzigartiger Entertainer. Sein Bruder Andreas Arlt ist ein eleganter Stilist und wird inzwischen als Weltklasse-Gitarrist gehandelt.
Mit Fabian Fritz an Klavier und Orgel konnte die Band ein weiteres Genie für den eigenständigen Sound verpflichten. Henning Hauerken (Kontrabass und E-Bass), sowie André Werkmeister (Schlagzeug) liefern den einzigartigen Drive und Groove, den man noch vom Konzert mit nach Hause nimmt. By the way:  B.B. & The Blues Shacks sind am Montag, 28. November, im Theaterstübchen Kassel zu erleben!
In dieser Folge unseres Bluesmagazins sind außerdem die ebenso knackigen BluesRocker J.J. & The Shuffle Kings aus der alten Hansestadt Bremen und aus unserer dOCUMENTA-Stadt die Local Heroes - die Steppin´ Out Blues Band mit dabei, die unglaublichen Macker um Hugo W. Scholz. Also - lass´n ma´s mal knacken, gell - sez Wolf Silaff.

  • Sendetermin: „Long Distance Call“, Samstag, 19. November 2016, 19 Uhr

 

Jenes "unartikulierte Singen aus der Gurgel": Das  Jodeln

Wenngleich euer werter Moderator auch nur knapp die Zwischenprüfung zum Jodel-Diplom bei Professor von Bülow bestanden hat, muß er noch kräftig weiter üben. Das tut er eifrig, zumeist unter der Dusche (hinter zugezogenem Vorhange). Auch die Unterstützung der notorisch-wohlwollenden Prüfungs-Beisitzerin Frau Hoppenstedt vermochte per zugelassener heißer Milch mit Honig und Glücksklee-Blätterbeigabe leider nicht die angestrebte höhere Stufe zu erklimmen - äh pardon, zu erjodeln.
Nun verhält es sich doch so, daß es für den Lonesome Traveler mehrerer aufregender Reisen durch die "Terra Incognita" bis auf verschiedene heute noch existierende Kontinente, bis zu den ruppigen Cowboys hinter den Blauen Bergen, zu wild agierenden Indianerstämmen in den Canyons der Rocky Mountains, zu den Hirten-Nomaden in der westlichen Sahara, den Schamanen im tibetischen Himalaya-Hochland und auch in die tief eingeschneiten schweizerischen Alpentäler in unserer direkten europäischen Nachbarschaft bedurfte, um ein permanent wachsendes Kommunikationsbedürfnis in seiner gesamten Relevanz zu begreifen.
Das Jodeln. Eine durchaus ganz und gar musikalische Kommunikationsform. Eine Musikform ohne gesungene Worte, gar zumeist ohne existierendes Notenvokabular, ohne große Vorhang-Auf! Bühnendramatik, geschweige denn mit Hi-Tech vollgestopfte Aufnahmestudios oder modernster Super Audio-Klamotten. Ein großes weites stilles Tal genügt vollkommen ...  Man/Frau erkennt/erhört sofort: Eine äußerst diffizile Materie, das Ganze ... Besonders was die akademisch-korrekte erforderliche Grammatik anbelangt (siehe Loriot, a.a.O.). Und natürlich die ausgefeilte Modulation.
Nicht immer nur laut, aber immer sehr eindrucksvoll und immer das alte Vorurteil widerlegend, das Jodeln sei nur ein panalpines Phänomen. Ob in Amerika, Afrika, der Südsee oder in Osteuropa, in der Schweiz, in Österreich und Bayern ja sowieso, überall wird in unterschiedlicher Manier gejodelt.
Jeder, der den Kultfilm "Mars Attacks !" gesehen hat, erinnert sich daran, wie die üblen bunten Marsmenschen auf dem Weg zur Weltherrschaft nur durch einen kraftvollen Cowboy-Jodler von Slim Whitman gestoppt werden konnten. Der Sound zerschmettert die Helme der Eindringlinge, ihre Köpfe werden zu grünem Pudding - und die Welt ist mal wieder kurz vor knapp gerettet. Yap. Dass der nicht nur in den USA bekannte Countryjodler Jimmie Rodgers (1897-1933) in Nairobi als Heiliger verehrt wird, ist übrigens keine Filmlegende. Hingewiesen sei noch auf Vermutungen, dass beim amerikanischen Yodler Elemente von Indianergesängen zu finden sind.   
War das Jodeln in vielen Kulturen ursprünglich ein Verständigungsmittel über weite Distanzen, ein Wiegenlied oder ein Alarmruf , so entsteht momentan ein fast schon "urbanes Yodeln" - der städtische Jodler entwickelt sich quasi aus einer enormen Nachfrage an Jodel-interessierten Menschen. Denn ganz im Gegensatz zum schönen Singen erlaubt das Jodeln durchaus den ein oder anderen stimmlichen Schlenker. Und die Angst , als Falschsinger entlarvt zu werden, ist bei dieser Technik völlig überflüssig. Der kraftvolle Ruf von Lauten und Silben und der abrupte Wechsel der Stimmlagen zwischen Brust- und Kopfstimme macht es eben auch ungeübten SängerInnen möglich, sich mit Verve ins Zeug zu legen. Da der Jodler zudem ohne Text auskommt, funktioniert die Verständigung ganz ohne Sprache - eine ideale Kulturtechnik zur Vernetzung unterschiedlicher Kulturen also.
In dieser Folge wird die brandneue CD-Produktion "LAUT yodeln. fern-nah-weit." mit einigen echten internationalen Neuzeit-KönnerInnen von Moderator Wolf Silaff vorgestellt; außerdem die historisch fein aufbereitete Kompilation "American Yodeling, 1911-1946" (beide erschienen bei Trikont, München), also recht gegenwartsnahe Erklärungsversuche zu den aktuellen US-Präsidenten. Mr. Trump - you should listen to this. Abgerundet wird das vibrierende Thema durch Originalaufnahmen mit dem erwähnten "Yodeling Brakeman" Jimmie Rodgers.
Und bitte nicht vergessen: „Holleri du dödl di, diri diri dudl dö.“
Das Jodeldiplom - endlich etwas Eigenes! Danke, Frau Hoppenstedt.
Danke, Vicco von Bülow (Loriot). Genial.

  • Sendetermin: „Die Lange Rille“, Samstag, 19. November 2016, 21 Uhr

 

Steve Earle: The Revolution starts ... Now!

Schöne Vorstellung eigentlich. Aber irgendwie auch ein bisserl idealisierend. Die Zeiten sind anders. Jedenfalls ist „The Revolution Starts Now“ ein Song/Albumtitel (2004) des Singer/Songwriters Steve Earle. Er ist ein "unabhängiger Sozialist" im alternativen Roots Country/Rock-Geschäft der aktuellen Musikszene, ein vielsaitiger Typ aus Virginia und aus der Southeast-Texas-Szene um ursprünglich Townes Van Zandt, Waylon Jennings und Guy Clark. Ein begnadeter singender Nörgler mit einigen Liedern, die explizit sozial- und politikkritisch daherkommen. Der wuschelige Kerl hat mit einer Reihe von spannenden Alben in Amerika auf sich aufmerksam gemacht. Fearless Heart, Outlaw Poet - so nennen die Insider ihn, gerade so wie den abgefahrenen Öko-Punk T.C. Boyle in der heutigen US-Literaturszene.   
Begonnen hat Steve Earle schon vor 30 Jahren mit seinem Meilenstein-Album "Guitar Town", das seine musikalische Ankunft in Nashville bereits damals gut erzählte. So gut erzählte, daß das Major Label MCA ihn alsbald ausspie wie eine heiße Kartoffel. Sowohl Steve Earle als auch T.C. Boyle sind auch heute noch aktuell wie kaum andere. So you better beware, Mr. Trump. Übrigens ist soeben der berühmte Horror-Autor Stephen King wegen des Wahlsiegs von Donald Trump in den Social-Media-Streik getreten und scheint es ernst zu meinen. Also, mal kurz reinhören, was Steve Earle zum Thema sagt. Die vorerst letzte Freak Show is ja nun erstmal gelaufen mit der Wahl bei den Amis. What´s next?  

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 20. November 2016, 19 Uhr

Programminfo vom 10.11.2016 bis 17.11.2016

Nobel, nobel, Herr Zimmermann - Die Songs von Bob Dylan

„Der Literaturnobelpreis für Bob Dylan ist eine schöne Überraschung“ titelte die FAZ am 13. Oktober 2016, und damit hat sie den Kern der Sache getroffen. „Überraschung“ deshalb, weil erstmals kein Romancier, Dramatiker, Essayist und auch kein herkömmlicher Lyriker die weltweit renommierteste Auszeichnung der literarischen Welt einheimste, sondern eben ein Singer/Songwriter. „Schön“ deshalb, weil es die Popkultur deutlich aus der naserümpfenden U-Musikschublade zieht und damit anerkennt, dass eben auch die populäre Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts ihre Bedeutung und einen zeitweilig immensen Einfluss hat, und zwar über die reine Kunst hinaus.
Auf Dylan trifft das nachhaltig zu - seine Art der Poesie beeinflusste viele andere Künstler aus weit gefächerten Bereichen. Sie war von Anfang an politisch, wortgewaltig, bildreich und passte in kein Genre so richtig hinein.
Auch wenn er zum Rockstar mutierte, darf nicht vergessen werden, dass Bob Dylans Wurzeln in der Folkbewegung der späten 50er und frühen 60er Jahre zu finden sind und er damit in einer direkten Tradition einerseits ethnischer Klänge und andererseits von Sängern wie Woody Guthrie, Pete Seeger und gewissermaßen auch Johnny Cash steht. Doch Dylan zehrte nicht nur von einer lebendigen Musiktradition, er prägte sie auch nachhaltig. Das ist u.a. daran zu erkennen, dass die Zahl der Musiker, die Dylan-Songs in ihr Repertoire aufnahmen, Legion ist.
Anlässlich dieses bedeutsamen Literaturnobelpreises stellt Zirkusdirektor Günther Klößinger in der aktuellen Vorstellung von „Wanderzirkus Weltklang“ ausgewählte Coverversionen von Songs des Meisters vor. Dabei werden sich Musiker und Sänger unterschiedlichster Backgrounds ein fröhliches Stelldichein geben, um dem Literaten Robert Zimmermann, der sich für sein Pseudonym den Namen seines Lieblingsschriftstellers Dylan Thomas ausborgte, ihre ureigene Musikalität zur Seite zu stellen.
Natürlich stellt sich auch die Frage - kann irgendwas in Bob Dylans Karriere die aktuelle Würdigung noch toppen? Wo wird seine Reise den Künstler noch hinführen? Ich würde sagen: „The answer is blowing in the wind!“
Am Mikro: Günther Klößinger

  • Sendetermine: „Wanderzirkus Weltklang“, Donnerstag, 10. November 2016, 19 Uhr
  • Wiederholung Weltklang: Freitag, 11. November 2016, 11 Uhr

 

Eddie Cochran und Gene Vincent, Teil 2: Racing with the Devil

In Ergänzung zur vorigen Folge hören wir noch ein paar 50er Rock’n‘Roll-Klassiker von den beiden US-Symbolgestalten. Der junge Eddie Cochran konnte seinen gesamten Erfolg - die musikalischen Ohrwürmererfolge und seine Gitarristenvorbildfunktion für zahllose Adepten – gar nicht mehr miterleben. Nach der England-Tournee im April 1960 zusammen mit seinem Freund Gene Vincent riß ein schwerer Autounfall auf der A 4 die beiden gemeinsam ins Unglück. Eddie starb knapp 22-jährig in der Klinik in Bath. Den bereits seit Jahren gehbehinderten Gene Vincent erwischte es nochmals ganz schlimm; wenigstens überlebte er das Drama. Den Unfall nahm damals übrigens ein junger Polizist namens Dave Dee (Dave Dee, Dozy, Beaky, Mick & Tich) auf. Neben den beiden Rock’n‘Roll-Ikonen gibt’s diesmal auch wieder etwas aus der Junge Damen-Riege von damals. Mit dabei: Patsy Cline, Janis Martin, Wanda Jackson - und die TexMex-Amerikanerin Rosi Flores von heute. Yes, Mr. Trump - love it or leave it ...  Rock & Roll-Sounds vom Feinsten. Play it loud!

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 13. November 2016, 19 Uhr

Programminfos vom 04.11.2016 bis 10.11.2016

Noch immer unruhig

In diesem Jahr ist Theodor Bergmann 100 Jahre alt geworden. Er schreibt weiterhin Bücher, geht auf Demonstrationen und tritt bundesweit als Zeitzeuge an Schulen auf. Bergmann ist seiner politischen Haltung bis heute treu geblieben. Noch immer ist er ein kritischer Kommunist. Denn er positioniert sich jenseits von Sozialdemokratie und Realsozialismus. Zwei junge Gewerkschafter haben Theodor Bergmann im September dieses Jahres in seiner Stuttgarter Wohnung besucht. Sie befragten den 100jährigen zu politischen Brüchen und Kontinuitäten in seiner Biografie. Das FRK sendet am 4.November die abschließenden Teile. Die Auszüge behandeln insbesondere folgende Inhalte:
Teil 3: Mauerfall, Stalin, Frau Gretel und Reisen
Teil 4: Aufgaben der Gewerkschaften heute und Theos Aktivitäten

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 4. November 2016, 18 Uhr

 

Make Rave, not Hate surft

In dieser Ausgabe der Reihe »Make Rave, not Hate« werden zwei DJ-Sets vorgestellt, deren gemeinsame Verbindung der Surfsport (auf dem Wasser, nicht im Internet) darstellt. Das erste Set wurde bereits letztes Jahr in der FRK-Sendung frei² (freihoch2) gespielt und heißt »Wellenreiten im Zimmer« [*], mit Musik der Netlabels Zimmer Records und wavelike. Das zweite Set ist vom befreundeten DJ Patrice de la Croix aus Wilhelmshaven und ist ein »External Arts Guestmix«.

[*] http://freihoch2.de/2011/05/open-music-mix-association-wellenreiten-im-zimmer

  • Sendetermin: „Make Rave, not Hate“, Samstag, 5. November 2016, 16 Uhr

 

Blues & Country & Rock - how does that match? (Teil  2)

Very well. Yes, indeed - it fits. Den erneuten Beweis zur These liefert in dieser Folge Night Time Rambling Man Hank Williams III - den hat´s ganz schwer getroffen: "Lovesick, broke and driftin´...". Und mit "Trashville" rechnet der Alternate Country Guy mit der Music City USA und der Musikindustrie außerdem kritisch ab.
Den musikalischen Bogen zwischen den männlichen Kollegen schlagen in dieser Folge Elisabeth Cook aus der Nashville-East Szene (bunt-kreativer Stadtteil der Singer/Songwriter-Newcomer mit angenehm-relaxter Nachbarschaftsatmosphäre) und die großartige, vielsaitige Bonnie Raitt, seit den 70er Jahre bei Folk- und & Bluesfestivals mit dabei.
Und dann wäre da noch einer, ein echtes trouble child - Lee Roy Parnell aus Abilene/Texas; Country Sänger, Stückeschreiber und exzellenter Blues-Gitarrist:   Allesamt liefern Klasse-Sounds mit dem richtigen herben Blues Touch.

  • Sendetermin: “Long Distance Call”, Samstag, 5. November 2016, 19 Uhr

 

Rock & Roll!! C´mon everybody: Gene Vincent & Eddie Cochran

Heute haben wir eine kleine Erinnerung an zwei ganz große Rock & Roller der 1950er Jahre im Programm. Da wäre zum einen der unglaubliche Gitarrist Eddie Cochran aus Minnesota, der sich bereits seit seinem zwölften Lebensjahr mit dem Instrument aufs intensivste beschäftigt hatte. Er begann mit Bruder Hank als Hillbilly Duo. 1958 landete Eddie mit dem "Summertime Blues" einen Riesenhit. "Das erotischste aller Gitarrenriffs", so das Musikmagazin Crawdaddy - was wäre dem hinzuzufügen.
Sein Freund Gene Vincent, ein ehemaliger Mariner, hatte seinen Durchbruch mit einem anderen Ohrwurm aus eben dieser Zeit. "Be-bop-a-lula" von 1956 ging ebenfalls um die ganze Welt. Begleitet wurde Gene von exquisiten Mitmusikern, seinen "Blue Caps". Mit Cliff Gallup hatte der Rock & Roller ebenfalls einen echten Ausnahmegitarristen an seiner Seite. Ein Stündchen mit unvergessenen Rockabilly-Sounds ist garantiert. Die genannten Titel erwiesen sich als Szene-Hymnen.

  • Sendetermin: “Lonesome Traveler”, Sonntag, 6. November 2016, 19 Uhr

 

frei²-Classics: CODA Frühwerke

Um den nur noch wenige Wochen bestehenden „Durchhänger“ im Programm des Magazins für freie Musik zu überbrücken, werden einige ältere Sendungen wiederholt. Diese Woche gibt es die »CODA Frühwerke«, eine Sendung aus dem Oktober 2015 [#], zu hören. Das leider ehemalige Netlabel CODA brachte bis zu seinem Verschwinden 2014 fünf Jahre lang brilliante elektronische Musik der Genres Techno, Minimal und IDM heraus. Der Mix kann daher als Tribut an CODA verstanden werden.

[#] http://freihoch2.de/2015/10/omma-coda-fruehwerke

  • Sendetermin: „Frei hoch zwei“, Dienstag, 8. November 2016, 19 Uhr

 

Nobel, nobel, Herr Zimmermann - Die Songs von Bob Dylan

„Der Literaturnobelpreis für Bob Dylan ist eine schöne Überraschung“ titelte die FAZ am 13. Oktober 2016, und damit hat sie den Kern der Sache getroffen. „Überraschung“ deshalb, weil erstmals kein Romancier, Dramatiker, Essayist und auch kein herkömmlicher Lyriker die weltweit renommierteste Auszeichnung der literarischen Welt einheimste, sondern eben ein Singer/Songwriter. „Schön“ deshalb, weil es die Popkultur deutlich aus der naserümpfenden U-Musikschublade zieht und damit anerkennt, dass eben auch die populäre Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts ihre Bedeutung und einen zeitweilig immensen Einfluss hat, und zwar über die reine Kunst hinaus.
Auf Dylan trifft das nachhaltig zu - seine Art der Poesie beeinflusste viele andere Künstler aus weit gefächerten Bereichen. Sie war von Anfang an politisch, wortgewaltig, bildreich und passte in kein Genre so richtig hinein.
Auch wenn er zum Rockstar mutierte, darf nicht vergessen werden, dass Bob Dylans Wurzeln in der Folkbewegung der späten 50er und frühen 60er Jahre zu finden sind und er damit in einer direkten Tradition einerseits ethnischer Klänge und andererseits von Sängern wie Woody Guthrie, Pete Seeger und gewissermaßen auch Johnny Cash steht. Doch Dylan zehrte nicht nur von einer lebendigen Musiktradition, er prägte sie auch nachhaltig. Das ist u.a. daran zu erkennen, dass die Zahl der Musiker, die DylanSongs in ihr Repertoire aufnahmen, Legion ist.
Anlässlich dieses bedeutsamen Literaturnobelpreises stellt Zirkusdirektor Günther Klößinger in der aktuellen Vorstellung von „Wanderzirkus Weltklang“ ausgewählte Coverversionen von Songs des Meisters vor. Dabei werden sich Musiker und Sänger unterschiedlichster Backgrounds ein fröhliches Stelldichein geben, um dem Literaten Robert Zimmermann, der sich für sein Pseudonym den Namen seines Lieblingsschriftstellers Dylan Thomas ausborgte, ihre ureigene Musikalität zur Seite zu stellen.
Natürlich stellt sich auch die Frage - kann irgendwas in Bob Dylans Karriere die aktuelle Würdigung noch toppen? Wo wird seine Reise den Künstler noch hinführen? Ich würde sagen: „The answer is blowing in the wind!“
Am Mikro: Günther Klößinger

  • Sendetermine: „Wanderzirkus Weltklang“, Donnerstag, 10. November 2016, 19 Uhr
  • Wiederholung Weltklang: Freitag, 11. November 2016, 11 Uhr

Programminfos vom 28.10.2016 bis 30.10.2016

Nobel, nobel, Herr Zimmermann - Die Songs von Bob Dylan

„Der Literaturnobelpreis für Bob Dylan ist eine schöne Überraschung“ titelte die FAZ am 13. Oktober 2016, und damit hat sie den Kern der Sache getroffen. „Überraschung“ deshalb, weil erstmals kein Romancier, Dramatiker, Essayist und auch kein herkömmlicher Lyriker die weltweit renommierteste Auszeichnung der literarischen Welt einheimste, sondern eben ein Singer/Songwriter. „Schön“ deshalb, weil es die Popkultur deutlich aus der naserümpfenden U-Musikschublade zieht und damit anerkennt, dass eben auch die populäre Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts ihre Bedeutung und einen zeitweilig immensen Einfluss hat, und zwar über die reine Kunst hinaus.
Auf Dylan trifft das nachhaltig zu - seine Art der Poesie beeinflusste viele andere Künstler aus weit gefächerten Bereichen. Sie war von Anfang an politisch, wortgewaltig, bildreich und passte in kein Genre so richtig hinein.
Auch wenn er zum Rockstar mutierte, darf nicht vergessen werden, dass Bob Dylans Wurzeln in der Folkbewegung der späten 50er und frühen 60er Jahre zu finden sind und er damit in einer direkten Tradition einerseits ethnischer Klänge und andererseits von Sängern wie Woody Guthrie, Pete Seeger und gewissermaßen auch Johnny Cash steht. Doch Dylan zehrte nicht nur von einer lebendigen Musiktradition, er prägte sie auch nachhaltig. Das ist u.a. daran zu erkennen, dass die Zahl der Musiker, die DylanSongs in ihr Repertoire aufnahmen, Legion ist.
Anlässlich dieses bedeutsamen Literaturnobelpreises stellt Zirkusdirektor Günther Klößinger in der aktuellen Vorstellung von „Wanderzirkus Weltklang“ ausgewählte Coverversionen von Songs des Meisters vor. Dabei werden sich Musiker und Sänger unterschiedlichster Backgrounds ein fröhliches Stelldichein geben, um dem Literaten Robert Zimmermann, der sich für sein Pseudonym den Namen seines Lieblingsschriftstellers Dylan Thomas ausborgte, ihre ureigene Musikalität zur Seite zu stellen.
Natürlich stellt sich auch die Frage - kann irgendwas in Bob Dylans Karriere die aktuelle Würdigung noch toppen? Wo wird seine Reise den Künstler noch hinführen? Ich würde sagen: „The answer is blowing in the wind!“
Am Mikro: Günther Klößinger

  • Sendetermine: „Wanderzirkus Weltklang“, Donnerstag, 27. Oktober 2016, 19 Uhr
  • Wiederholung Weltklang: Freitag, 28. Oktober 2016, 11 Uhr

 

Ausstellung „Vita Dubia“ im Sepulkralmuseum

Um 1800 beginnt die Wissenschaft, die Eindeutigkeit des Todes in Zweifel zu ziehen. In ganz Europa haben Menschen Angst davor, lebendig begraben zu werden - bald entsteht eine regelrechte Hysterie um den „Scheintod“.
Die Ausstellung „vita dubia“ im Museum für Sepulkrakultur zeigt, wie Ärzte und Naturwissenschaftler die Grenze von Leben und Tod neu zu bestimmen suchten. Sie führten bizarre Experimente mit Elektrizität durch und bauten mechanische Rettungsapparate für Grab und Sarg. In eigens errichteten Leichenhäusern wartete man so lange auf Lebenszeichen der Aufgebahrten, bis Fäulnis Sicherheit über den Tod brachte.
Zur Eröffnung der Ausstellung las Petra Nagel literarische Texte zu den Themen „Scheintod“ und zu den Ängsten vorm lebendigen Begrabenwerden, die viele Menschen damals umtrieben. Zudem gab Museumsdirektor Gerold Eppler eine Einführung in die Ausstellung, die noch bis zum April 2017 zu sehen ist.
Eine weitere Ausstellung wurde jüngst im Kasseler DGB-Haus eröffnet. Hier geht es um die Geschichte der IG Metall, die in diesem Jahr ihr 125jähriges Bestehen feiert. Dr. Ulrich Schneider, Autor und Historiker, gab einen Überblick über die wechselvolle Entwicklung dieser traditionsreichen Institution,
Außerdem in der Sendung: Berichte von der Frankfurter Buchmesse, u.a. Vorstellung des documenta-Projekts „Parthenon der Bücher“, Interview zur Verleihung des Literaturnobelpreises an Bob Dylan.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 28. Oktober 2016, 18 Uhr

 

The Wagoneers aus Austin/Texas

Schon bemerkenswert: Da gab es vor zwei Dekaden eine Country/HonkyTonk/Cowboy/TexMex/Swing-Band, die schon mit ihren ersten beiden Alben so etwas wie einen regionalen Kult-Hype auslöste und die über einen glasklaren, straighten Klang verfügte. Sie boten gute, eingängige Instrumentalsounds, mal herb Country, mal am Mainstream orientierten Neuzeit- Honky Tonk. Monte Warden hatte kongeniale Kumpels in Austin um sich versammelt.  Die perfekt von Herb Alpert produzierten, eingängigen Songs wurden aufs Allerfeinste von Profis wie Kayton Roberts an der Pedal Steel Guitar auf die Wiedererkennungsebene gehoben. Die großartige Band legte bereits seit dem Debütalbum "Stout & High" von 1988 einen qualitativen Sprung aus der Alternative- Szene hin; ähnlich wie bereits in den 70ern die "Local Heroes" Asleep at the Wheel. Einen angenehmen Rockabilly-Touch steuerte der legenäre Sleepy LaBeef (Sun Records) aus Arkansas bei.
Aber: Leider gingen die Wagoneers bereits zu Beginn der 90er wieder auseinander. Die einflußreichen Radio-und TV-Anstalten ließen sie links liegen. Schade eigentlich. Erst im neuen Jahrtausend gab es Reunion-Konzerte. Sie waren übrigens beim ersten WxSW Festival mit dabei, später an der Opry und auch bei Austin City Limits. Außerdem sind sie Mitglieder der Austin Hall of Fame. Chet Flippo (Rolling Stone) nannte die Wagoneers "The greatest Honky-Tonk band that ever was”. Und der Austin Chronicle etikettierte sie als "The Fathers of Alt-Country and Americana". Bob Oermann (Music Row Magazine) griff tief in die Kiste: "The band that started the modern Texas Music scene. A mythic and legendary band.”   

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 30. Oktober 2016, 19 Uhr

Programminfos vom 19.10.2016 bis 27.10.2016

Brenda Boykin im Theaterstübchen – From Ellington to Elvis und noch viel mehr. Konzertvorschau bei Magic Moments.

Was Journalisten und die Verfasser von CD-Booklets so zu Papier bringen: Die authentischste und schöpferischste Jazzsängerin ihrer Generation / The Voice of Club de Belugas / Brenda macht nicht bloß Musik, sondern sie ist Musik / Kann mir jetzt jemand erklären warum diese Meisterin des Vocal Jazz, die in eine direkte Linie mit Sarah Vaughn, Ella Fitzgarald, Mahalia Jackson oder Nina Simone gehört, so unbekannt auf dem Musikmarkt ist?
Ich nicht.
Die heute beinah Sechzigjährige lebt seit 2004 in Wupperetal. Ja, in Wuppertal. Ihre musikalische Karriere nahm ihren Anfang in der North Oakland Missionary Baptist Church von Kalifornien. Sie stand beim Jazzfestival in Montreux (ausgezeichnet als beste Vocalistin) 2005 auf der Bühne und hat die halbe Welt bereist. Ihr Solo-Album Chocolate and Chilli “has been chosen by BBC among the best albums of the year 2008”. Auf vielen Lounge- und Burlesque-Samplern ist Sie Stammgast. Bei den Nu-Jazz und Elektro-Swing Projekten des Club des Belugas und von Jo-Jo-Effect steuert Sie das stimmliche Salz in der Suppe bei. 2014 wagte dieses Multitalent einen Ausflug ins Klassik-Genre, gab dem Münchner Rundfunkorchester eine, ihre Stimme und sang George Gershwin’s „I Got Rhythm“.
Ich freue mich auf den 24. Oktober, denn  da eröffnet Brenda Boykin die Blueswoche im Theaterstübchen. Im Mittelpunkt wird ihr neues Album „See Ya Later“, aufgenommen mit dem Jan Luley Trio, stehen. Dann wird sie mit dreckiger Saxophon-Stimme den Elvis Presley Song „Trouble“ zelebrieren ( „If you looking for trouble/You came to the right place“ - Wenn Du Streit suchst, bis Du hier gerade richtig). Ihre rockigen Cover-Versionen sind keine 2-Minuten-Stückchen wie im Original, bei Brenda und ihrem Trio entstehen daraus kleine Jazz-Opern. Im Duett mit dem Bass in Ellingtons „Mood Indigo“ zum Beispiel oder bei der Interpretation des Hank Williams Country-Klassikers „Jambalaya“. Beim Gig im Theaterstübchen wird Brenda Boykin vom renommierten Jan Luley Trio begleitet, bei dem Paul G. Ulrich, den swingendsten Bass Europas zupft, was er früher auch lange Jahre bei Paul Kuhn getan hat. Für das Konzert im Theaterstübchen gibt es noch Karten.
Durch die Sendung führt Ralf Wenzel.

  • Sendetermin: „Magic Moments“, Mittwoch, 19. Oktober 2016, 21 Uhr

 

Musikhistorische Jubiläen

Manchmal kommt eben scheinbar alles auf einmal: Die interessanten, spannenden und die wirklich wichtigen Dinge im Leben. So in dieser Woche: da wird Paul Simon 75, Chuck Berry 90, Wanda Jackson 79. Da stirbt Dario Fo just an jenem Tag, an dem der große Bob Dylan ebenfalls mit dem Literatur-Nobelpreis geweiht und gesalbt wird. Und der MEISTER ist bekanntermaßen bereits im Frühjahr 75 geworden. Da ondulieren wir doch alle recht herzlisch - allen Beteiligten die besten Glückwünsche. Das ganze ist ein geeigneter Anlaß, sie in einer speziellen Langen Rille zu würdigen. Auch das Freie Radio beteiligt sich gern an den Festivitäten.
Zu hören werden sein: die 30 berühmtesten Chess-Aufnahmen von und mit "Mr. Rock & Roll" Chuck Berry sowie Wanda Jackson (The Queen of Rockabilly Music) mit ihrem Tribute-Album "I Remember Elvis" von 2006. In ihren Linernotes heißt es: "Without the encouragement of Elvis, I may have never recorded Rock & Roll. So this Tribute is just my way of saying Thank You to a dear friend". Außerdem wird Moderator Wolf Silaff ganz nostalgisch die zeitlose gute Album-Perle "Nashville Skyline" von 1969 (u.a. mit Johnny Cash) laufen lassen; zudem einzelne Symbol-Ohrwürmer, die ganze Publikumsgenerationen einst mit sozialisierten. 

  • Sendetermin: „Die Lange Rille spezial“, Freitag, 21. Oktober 2016, 22 Uhr

 

Blues & Country & Rock - how does that match?

Very well. Yes, indeed - it fits. Den Beweis zur These liefern in dieser Folge : Samantha Fish, Bonnie Raitt und Tracy Nelson in der Damen-Liga. Und die Herren von der Ersatzbank: Gatemouth Brown und Roy Clark sowie Hound Dog Taylor mit seinen damaligen House Rockers.
In der Vorwoche ist mit dem Drummer Ted Harvey auch der letzte des legendären Trios von uns gegangen. House Rocker Ted ist am 6. Oktober 2016 in Chicago 85jährig eines natürlichen Todes gestorben. Das Fachblatt Rolling Stone bezeichnete, ganz zu Recht, Ted Harvey als den Schlagzeuger mit dem wahrlich unfehlbaren Blues-Shuffle-Beat unter all den vielen guten in der Blues-Hauptstadt. Seinen individuellen Sound bezeichneten sie als "live wire exuberance and hard-as-nails force... natural for partying, drinking and talking loud." Was wäre dem hinzuzufügen. Nun, außer Moderator Wolf Silaff klinkt endlich mal wieder einige Alligator Label-CDs von ihm ein.

  • Sendetermin: „Long Distance Call“, Samstag, 22. Oktober 2016, 19 Uhr

 

Mr. Personality meets Rattlesnake Daddy

Zwei Countrymusiker aus dem Süden der USA, die zu Beginn der 1950er Jahre die Schienen für den aufkommenden Rock & Roll mitgelegt hatten: Curtis Gordon aus Georgia und Jimmy Swan aus Alabama. Sie sind dem Mainstream-Publikum im Zusammenhang mit Rockabilly Music nicht unbedingt bekannt - aber musikalisch und textlich hatten die beiden es wirklich echt dicke hinter den Ohren und waren im übrigen zumeist vorbildlich gekleidet und frisiert - Tolle sitzt.
Jimmy Swan (1912-1994/eigentl. James Edgar Schwann, mit deutschen und indianischen Wurzeln) war noch mit der Musik eines Jimmie Rodgers groß geworden. Er war selbst Schuhputzer und Zeitungsausträger und gelangte über einen Radiosender-Talentwettbewerb bei WKBC zu lokalem Ruhm. In seiner frühen Band spielten wahrhaftig Hank Williams und Hank Locklin zu Beginn ihrer eigenen  Karriere noch mit. Die Honky Tonks im Southern Circuit von Alabama und Mississippi waren zur musikalischen Heimat des "Rattlesnake Daddy" geworden. Er war außerdem Diskjockey für Radiostationen und veröffentlichte mit seiner Band eine übersichtlichte Reihe von Singles für das Trumpet-Label. Seine erste Aufnahme auf Vinyl widmete er der Musiklegende Hank Williams - "The Last Letter" (komponiert von Frank Walker/MGM). Später machte er tolle Aufnahmen für Decca, JB und Big Howdy Records. Außerdem unternahm er politische Gehversuche während der 60/70er Jahre, allerdings erfolglos im Rattenrennen um den Gouverneurs-Posten. Dafür überlebte er einen Anschlag schlafend auf dem Rücksitz des Autos.
Curtis Gordon (1928-2008), auch genannt "Mr. Personality", spielte eine wichtige Rolle in der Entwicklung der Rockabilly Music und hatte eine erkleckliche Reihe von spannenden Singles vorzuweisen. Außerdem absolvierte er erfolgreiche Auftritte in der Grand Ole Opry, zusammen mit Ernest Tubb und Hank Snow. Seine frühen Vorbilder waren Jimmie Rodgers und Hank Thompson. Gordon wurde im Laufe seiner späteren Karriere auch in Europa bekannt und hatte eine treue Fangemeinde in England.   

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 23. Oktober 2016, 19 Uhr

 

Nobel, nobel, Herr Zimmermann - Die Songs von Bob Dylan

„Der Literaturnobelpreis für Bob Dylan ist eine schöne Überraschung“ titelte die FAZ am 13. Oktober 2016, und damit hat sie den Kern der Sache getroffen. „Überraschung“ deshalb, weil erstmals kein Romancier, Dramatiker, Essayist und auch kein herkömmlicher Lyriker die weltweit renommierteste Auszeichnung der literarischen Welt einheimste, sondern eben ein Singer/Songwriter. „Schön“ deshalb, weil es die Popkultur deutlich aus der naserümpfenden U-Musikschublade zieht und damit anerkennt, dass eben auch die populäre Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts ihre Bedeutung und einen zeitweilig immensen Einfluss hat, und zwar über die reine Kunst hinaus.
Auf Dylan trifft das nachhaltig zu - seine Art der Poesie beeinflusste viele andere Künstler aus weit gefächerten Bereichen. Sie war von Anfang an politisch, wortgewaltig, bildreich und passte in kein Genre so richtig hinein.
Auch wenn er zum Rockstar mutierte, darf nicht vergessen werden, dass Bob Dylans Wurzeln in der Folkbewegung der späten 50er und frühen 60er Jahre zu finden sind und er damit in einer direkten Tradition einerseits ethnischer Klänge und andererseits von Sängern wie Woody Guthrie, Pete Seeger und gewissermaßen auch Johnny Cash steht. Doch Dylan zehrte nicht nur von einer lebendigen Musiktradition, er prägte sie auch nachhaltig. Das ist u.a. daran zu erkennen, dass die Zahl der Musiker, die DylanSongs in ihr Repertoire aufnahmen, Legion ist.
Anlässlich dieses bedeutsamen Literaturnobelpreises stellt Zirkusdirektor Günther Klößinger in der aktuellen Vorstellung von „Wanderzirkus Weltklang“ ausgewählte Coverversionen von Songs des Meisters vor. Dabei werden sich Musiker und Sänger unterschiedlichster Backgrounds ein fröhliches Stelldichein geben, um dem Literaten Robert Zimmermann, der sich für sein Pseudonym den Namen seines Lieblingsschriftstellers Dylan Thomas ausborgte, ihre ureigene Musikalität zur Seite zu stellen.
Natürlich stellt sich auch die Frage - kann irgendwas in Bob Dylans Karriere die aktuelle Würdigung noch toppen? Wo wird seine Reise den Künstler noch hinführen? Ich würde sagen: „The answer is blowing in the wind!“
Am Mikro: Günther Klößinger

  • Sendetermine: „Wanderzirkus Weltklang“, Donnerstag, 27. Oktober 2016, 19 Uhr
  • Wiederholung Weltklang: Freitag, 28. Oktober 2016, 11 Uhr

Programminfos vom 13.10.2016 bis 19.10.2016

Plainsong - Americana made in England

Nachdem Sänger und Gitarrist Ian Matthews im Jahr 1969 die Erfolgsband Fairport Convention verlassen hatte, gründete er Matthews Soutern Comfort. Dieser Combo gelang mit dem Joni-Mitchell-Klassiker „Woodstock“ ein Welthit. Daneben veröffentlichte er zwei Soloalben. Nach dem Split von Matthews Southern Comfort gründete er mit Andy Roberts, ebenfalls ein singender Gitarrero von der Insel, die Gruppe Plainsong. Der Sound dieser Formation zeichnete sich durch mehrstimmigen Gesang á lá Crosby, Stills & Nash aus und konzentrierte sich auf vorwiegend akustische Gitarrensounds. Neben originalen Songs von Matthews und Roberts bedienten sich die musiker auch gerne bei Kompositionen anderer Künstler aus den Bereichen Folk und Country. Höchstwahrscheinlich waren Plainsong die amerikanischste aller Bands der britischen Folkrock-Szene.
Im Jahre 1972 veröffentlichten sie ihr Debutalbum, das Kritiker jubilieren ließ, aber leider kein riesiger Verkaufsschlager wurde. Das führte zu Unstimmigkeiten in der Band. Das zweite Album blieb unvollendet und Plainsong lösten sich auf.
Fast 20 Jahre später, genauer gesagt im Jahre 1991, trafen sich Roberts und Matthews in einem Pub, sprachen über die alten Zeiten und beschlossen, Plainsong nochmals ins Leben zu rufen. Seither hat die Gruppe einige Alben veröffentlicht, tourte um die ganze Welt und existiert, mit einigen kleineren Unterbrechungen und trotz der ein oder anderen Umbesetzung bis heute.
Am 14.10.2016 gastiert die aktuelle Inkarnation von Plainsong im Kasseler Kulturzentrum Schlachthof. Grund genug für Zirkusdirektor Günther Klößinger, eine kleine Retrospektive des Schaffens der britischen Americana-Spezialisten in der weltmusikalischen Manege des Freien Radio Kassel zu präsentieren …und jedem Freund handgemachter Musik auf höchstem Niveau den Besuch ihres nordhessischen Gastspiels nahezulegen.
Am Mikro: Günther Klößinger

  • Sendetermine: „Wanderzirkus Weltklang“, Donnerstag, 13. Oktober 2016, 19 Uhr
  • Wiederholung Weltklang: Freitag, 14. Oktober 2016, 11 Uhr

 

Noch immer unruhig

In diesem Jahr ist Theodor Bergmann 100 Jahre alt geworden. Er schreibt weiterhin Bücher, geht auf Demonstrationen und tritt bundesweit als Zeitzeuge an Schulen auf. Bergmann ist seiner politischen Haltung bis heute treu geblieben. Noch immer ist er ein kritischer Kommunist. Denn er positioniert sich jenseits von Sozialdemokratie und Realsozialismus. Zwei junge Gewerkschafter haben Theodor Bergmann im September dieses Jahres in seiner Stuttgarter Wohnung besucht. Sie befragten den 100jährigen zu politischen Brüchen und Kontinuitäten in seiner Biografie. Das FRK sendet am 14. Oktober die ersten beiden Teile - weitere folgen im November. Die Auszüge behandeln insbesondere folgende Inhalte:
Teil 1: Theos Brüder, 1920er Jahre, Nationalsozialismus, Exil,
           Rückkehr nach Deutschland 1946
Teil 2: Gewerkschaften nach 1945, 1968, Reformkommunismus
Teil 3: Mauerfall, Stalin, Frau Gretel und Reisen
Teil 4: Aufgaben der Gewerkschaften heute und Theos Aktivitäten

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 14. Oktober 2016, 18 Uhr

 

Fun in Español: El Vez, Freddy Fender & Sir Doug Sahm

Rock & Roll en Español – das ist der Arbeits- und Plattentitel einer in Mexico und im Südwesten der USA, in Kalifornien und Texas, recht populären schillernden Bühnengestalt namens El Vez. Die Vermutung, daß da einer auch weiterhin den "King" Elvis Presley sehr verehrt, ist nicht so weit hergeholt. Aber, wenn er auch ein bisserl stark so aussieht wie sein Idol - er ist kein weiterer von diesen lausigen "Impersonators", die zuhauf immer noch frei herumlaufen und versuchen, brillanten-behängten silberhaarigen Ladies in Las Vegas die Bucks aus den Croco-Handtäschchen zu locken. No no, Señor - dieser hier hat´s wirklich noch mit dem  Rock & Roll der Fünfziger und Sechziger. Von gibt’s in der Sendung ihm einiges zu hören - analog zum Elvis-Filmklamotten-Motto "Fun in Acapulco" (1963).
Und dann wäre da noch ein im TexMex-Musikklima hoch geehrter streitbarer Entertainer, den sie im Südwesten nicht vergessen haben - Freddy Fender. Ja, der nannte sich wirklich so, der selige Baldemar Huerta (gestorben am 14. Oktober 2006, also vor zehn Jahren) aus San Benito/Texas. Diese interessante Musikgestalt hatte es auch nicht immer leicht im Leben. Das begann schon mit seinem ersten großen Hit "Before the next teardrop falls" (says it all). Der im TexMex-Lager vor und hinter den Grenzzäunen zwischen Mexiko und den USA immer noch populäre Freddy Fender bestückt nach wie vor die Jukeboxes mit seinen Singles.
Den Begriff von moderner TexMex Music hat übrigens auch, als texanischen Versuch eines Gegenangriffs gegen die "British Invasion" während der 60er, ein gewisser Sir Douglas mitgeprägt. Doug Sahm war ein ein talentierter Ausnahmemusiker seit Kindheitsjahren. "Mendocino" wurde damals ein Welthit - TexMex Sound, produziert vom legendären Huey P. Meaux. Diesmal gibt’s also Ohrwürmer, die ein Lebensgefühl ausdrücken. Nicht zuletzt mit den Texas Tornados.

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 16. Oktober 2016, 19 Uhr

 

Brenda Boykin im Theaterstübchen – From Ellington to Elvis und noch viel mehr. Konzertvorschau bei Magic Moments.

Was Journalisten und die Verfasser von CD-Booklets so zu Papier bringen: Die authentischste und schöpferischste Jazzsängerin ihrer Generation / The Voice of Club de Belugas / Brenda macht nicht bloß Musik, sondern sie ist Musik / Kann mir jetzt jemand erklären warum diese Meisterin des Vocal Jazz, die in eine direkte Linie mit Sarah Vaughn, Ella Fitzgarald, Mahalia Jackson oder Nina Simone gehört, so unbekannt auf dem Musikmarkt ist?
Ich nicht.
Die heute beinah Sechzigjährige lebt seit 2004 in Wupperetal. Ja, in Wuppertal. Ihre musikalische Karriere nahm ihren Anfang in der North Oakland Missionary Baptist Church von Kalifornien. Sie stand beim Jazzfestival in Montreux (ausgezeichnet als beste Vocalistin) 2005 auf der Bühne und hat die halbe Welt bereist. Ihr Solo-Album Chocolate and Chilli “has been chosen by BBC among the best albums of the year 2008”. Auf vielen Lounge- und Burlesque-Samplern ist Sie Stammgast. Bei den Nu-Jazz und Elektro-Swing Projekten des Club des Belugas und von Jo-Jo-Effect steuert Sie das stimmliche Salz in der Suppe bei. 2014 wagte dieses Multitalent einen Ausflug ins Klassik-Genre, gab dem Münchner Rundfunkorchester eine, ihre Stimme und sang George Gershwin’s „I Got Rhythm“.
Ich freue mich auf den 24. Oktober, denn  da eröffnet Brenda Boykin die Blueswoche im Theaterstübchen. Im Mittelpunkt wird ihr neues Album „See Ya Later“, aufgenommen mit dem Jan Luley Trio, stehen. Dann wird sie mit dreckiger Saxophon-Stimme den Elvis Presley Song „Trouble“ zelebrieren ( „If you looking for trouble/You came to the right place“ - Wenn Du Streit suchst, bis Du hier gerade richtig). Ihre rockigen Cover-Versionen sind keine 2-Minuten-Stückchen wie im Original, bei Brenda und ihrem Trio entstehen daraus kleine Jazz-Opern. Im Duett mit dem Bass in Ellingtons „Mood Indigo“ zum Beispiel oder bei der Interpretation des Hank Williams Country-Klassikers „Jambalaya“. Beim Gig im Theaterstübchen wird Brenda Boykin vom renommierten Jan Luley Trio begleitet, bei dem Paul G. Ulrich, den swingendsten Bass Europas zupft, was er früher auch lange Jahre bei Paul Kuhn getan hat. Für das Konzert im Theaterstübchen gibt es noch Karten.
Durch die Sendung führt Ralf Wenzel.

  • Sendetermin: „Magic Moments“, Mittwoch, 19. Oktober 2016, 21 Uhr

Programminfos vom 08.10.2016 bis 13.10.2016

Chuck Berry & The Steve Miller Band: "Live at the Fillmore Auditorium" (1967)

Im Sommer 1967, als das "Sgt. Peppers"-Album der Beatles (auf ihrem Popularitätshöhepunkt) ein gänzlich neues Sound-Kapitel der Rockgeschichte einläutete, war es mit dem originären Rock & Roll eigentlich vorbei. Die großen Vorbilder der Beatles, Stones und Kinks - Chuck Berry, Carl Perkins, Bo Diddley, Little Richard u.a.m. - waren auf dem absteigenden Ast. Rock & Roll war out, jetzt waren Flower Power, Acid, Hippies und Pop Music angesagt.

Ein fit gebliebener aus der alten Garde ließ einfach nicht locker und besann sich, gegen den Trend, ganz bewußt seiner ursprünglichen musikalischen Sozialisation: Charles Edward Anderson, genannt "Chuck" Berry aus St. Louis/MO. Der ging mit seiner roten ES 335-Gibson weiterhin auf die Bühnen - und spielte wieder Blues, mit seinen geschickten Riesenpranken. Ebenso wie sein Vorbild Muddy Waters sollte es ihm auf längere Sicht gelingen, elektrifizierte Blues Music auch bei einem jüngeren "nachwachsenden" Rock-Publikum interessant und spannend zu machen.
In dieser Magazin-Folge hören wir das "Live at the Fillmore Auditorium"-Album, das Chuck, begleitet von der gerade aufstrebenden Steve Miller Band, im legendären Spielort in San Francisco eingespielt hat. Möglicherweise nicht die allerbesten Blues-Schallplattenaufnahmen des früheren Chess-Künstlers, in jedem Falle ein wichtiges Musikzeitdokument. Interessant zu hören, wie sich vorher unbekannte Musiker mit aufmerksamen Lauschern und viel Gefühl in eine ganze Reihe alter Standards hineinspielen. Mit dabei sind solche Klassiker wie Willie Dixons "Hoochie Coochie Man", Pete Chatmans "Everyday I have the Blues", Chuck Willis´ "C.C. Rider", Sonny Boy Williamsons "Good Morning Little Schoolgirl" - und natürlich Berrys "Wee Wee Hours". Ein geschickter Schachzug von Onkel Chuck, sich in den Dürrezeiten des Rock & Roll bei den Leuten in aktueller Form in Erinnerung zu halten. Moderator Wolf Silaff ist sich dessen sicher - das Album ist ein Muß in der Sammlung. Respekt vor diesem Mann: Während etliche seiner 50er Jahre Kollegen bereits das Handtuch geworfen hatten, stieg Chuck Berry weiterhin in den Ring. Go, beat `em Chuck!

  • Sendetermin: „Long Distance Call“, Samstag, 8. Oktober 2016, 19 Uhr

 

Classics, just for old times sake: ´57 Chevrolet - Rock & Roll Sounds

Heute - aus einer eher nostalgischen Tageslaune heraus - öffnet der Lonesome Traveler seine kleine Rock & Roll-Wundertüte für euch: Purer 50/60´s  Rock & Roll, lupenreiner Rockabilly, ein paar Schmusesongs - sämtlich wahrlich infektiöse Dance Songs. Naja, wirklich "Wundertüte" vielleicht doch nicht so ganz - jedenfalls allesamt echte Ohrwürmer. Aber, eben lange nicht mehr gehörte Preziosen von: Eddie Cochran, Little Richard, Buddy Holly, Wanda Jackson, Fats Domino, Billie Jo Spears, Gene Vincent.

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 9. Oktober 2016, 19 Uhr

 

Welthandel und Fluchtursachen

Die öffentliche Kritik an TTIP und CETA, den geplanten Freihandelsabkommen der Europäischen Union mit den USA und Kanada, ist groß. Was die meisten Menschen hierzulande nicht wissen: Die EU zwingt auch vielen anderen Ländern Freihandelsverträge auf. Vor zwei Jahren haben die Staatschefs der Wirtschaftsgemeinschaft der Westafrikanischen Staaten einem sogenannten Wirtschafts-Partnerschafts-Abkommen (Economic Partnership Agreement/EPA) zugestimmt, das sie nötigt, ihre Märkte für Importe zu öffnen und Konzernen Zugang zu ihren Rohstoffen zu gewähren. Dabei gibt es die begründete Befürchtung, daß die EPAs die Entwicklung der betroffenen Länder stark behindern und noch mehr Menschen in die Armut treiben werden. Boniface Mabanza zeigte in seinem Vortrag, wie die Entwicklung des Welthandels dazu geführt hat, daß Menschen in ihren Ländern keine Perspektive mehr sehen. Referent Dr. Boniface Mabanza ist Koordinator der Arbeitsstelle Südliches Afrika (Heidelberg) und freiberuflicher Dozent für Entwicklungspolitik, aktiv in zahlreichen Netzwerken der Afrikanischen Diaspora.

  • Sendetermin: „attac-Radio“, Dienstag, 11. Oktober 2016, 21 Uhr

 

Plainsong - Americana made in England

Nachdem Sänger und Gitarrist Ian Matthews im Jahr 1969 die Erfolgsband Fairport Convention verlassen hatte, gründete er Matthews Soutern Comfort. Dieser Combo gelang mit dem Joni-Mitchell-Klassiker „Woodstock“ ein Welthit. Daneben veröffentlichte er zwei Soloalben. Nach dem Split von Matthews Southern Comfort gründete er mit Andy Roberts, ebenfalls ein singender Gitarrero von der Insel, die Gruppe Plainsong. Der Sound dieser Formation zeichnete sich durch mehrstimmigen Gesang á lá Crosby, Stills & Nash aus und konzentrierte sich auf vorwiegend akustische Gitarrensounds. Neben originalen Songs von Matthews und Roberts bedienten sich die musiker auch gerne bei Kompositionen anderer Künstler aus den Bereichen Folk und Country. Höchstwahrscheinlich waren Plainsong die amerikanischste aller Bands der britischen Folkrock-Szene.
Im Jahre 1972 veröffentlichten sie ihr Debutalbum, das Kritiker jubilieren ließ, aber leider kein riesiger Verkaufsschlager wurde. Das führte zu Unstimmigkeiten in der Band. Das zweite Album blieb unvollendet und Plainsong lösten sich auf.
Fast 20 Jahre später, genauer gesagt im Jahre 1991, trafen sich Roberts und Matthews in einem Pub, sprachen über die alten Zeiten und beschlossen, Plainsong nochmals ins Leben zu rufen. Seither hat die Gruppe einige Alben veröffentlicht, tourte um die ganze Welt und existiert, mit einigen kleineren Unterbrechungen und trotz der ein oder anderen Umbesetzung bis heute.
Am 14.10.2016 gastiert die aktuelle Inkarnation von Plainsong im Kasseler Kulturzentrum Schlachthof. Grund genug für Zirkusdirektor Günther Klößinger, eine kleine Retrospektive des Schaffens der britischen Americana-Spezialisten in der weltmusikalischen Manege des Freien Radio Kassel zu präsentieren …und jedem Freund handgemachter Musik auf höchstem Niveau den Besuch ihres nordhessischen Gastspiels nahezulegen.
Am Mikro: Günther Klößinger

  • Sendetermine: „Wanderzirkus Weltklang“, Donnerstag, 13. Oktober 2016, 19 Uhr
  • Wiederholung Weltklang: Freitag, 14. Oktober 2016, 11 Uhr

Programminfo vom 28.09.2016 bis 02.10.2016

Fletcher Henderson - Pianist, Arrangeur, Bandleader

Aufnahmen aus den 20er Jahren

Schon vier Sendungen hat die Reihe „Tanzparkett“ dem Orchesterleiter Fletcher Henderson gewidmet. Das allerdings ist bereits etliche Jahre her. Inzwischen sind unsere Sammlungen wieder um einige Platten reicher, die wir Ihnen nicht vorenthalten wollen.
Bis auf eine, die für die Brunswick entstand, handelt es sich dabei um akustische Aufnahmen. Einige, weil sie vor der Einführung des elektrischen Aufnahmeverfahrens im Jahre 1925 entstanden, andere, obwohl neueren Datums, weil sie auf den preiswerten Columbia-Unteretiketten erschienen, die eine noch 1923 neubeschaffte akustische Aufnahmeapparatur amortisieren helfen sollten. Der musikalischen Qualität der Platten tut dieser technische Anachronismus jedoch keinen Abbruch.
Henderson gebührt das Verdienst, die erste Bigband des Jazz geleitet zu haben. Der frühe Jazz war eine Angelegenheit von Kleingruppen, meist fünf oder sieben Mann stark. Henderson erweiterte als erster Orchesterchef das Klangbild, indem er zusätzliche Instrumente und Musiker einsetzte.
Der studierte Chemiker Henderson hatte wegen seiner Hautfarbe keine Anstellung in seinem Fach gefunden. So begann der 1897 in Georgia geborene Schulrektorssohn in New York, seinem Studienort, eine Karriere als Pianist, die ihn zur Schallplatte führte, zunächst zum von Schwarzen für Schwarze geschaffenen Etikett Black Swan, dessen Repertoireleiter er wurde. Später war er für verschiedene Plattenfirmen im Studio tätig und trat im New Yorker „Club Alabam“ und später im „Roseland“ auf. Er durchlief und beeinflußte als Bandleader und Arrangeur die Entwicklung vom alten Jazz bis zum Swing. Nach Auflösung seiner festen Truppe im Jahre 1939 arbeitete er als Arrangeur und Pianist für Benny Goodman. Bis zu einem Schlaganfall im Jahre 1950, der eine weitere Berufsausübung vereitelte, absolvierte Henderson jedoch weiterhin Bühnenauftritte und Plattenaufnahmen. 1952 starb er in New York.
Unsere Sendung behandelt eine Auswahl seiner klassischen Aufnahmen der „wilden 20er“.
Durchs Programm begleitet Sie Peter K. Michael.

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 28. September 2016, 21 - 22 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 29.September 2016, 13 Uhr

 

Neues aus der Scheibenwelt - CD-Tipps im Herbst 2016

Totgesagte leben länger - trotz des anhaltenden Booms von Musikdownloads für Menschen, denen die Klangqualität eines Handys zum Musikgenuss ausreicht, glitzern doch noch immer frische Silberlinge im wunderbaren Universum des Weltklangs. Auch in diesem Herbst gibt es wieder viele Perlen zu entdecken, von denen Zirkusdirektor Günther Klößinger einige aus dunklen Tiefen des Ozeans globaler Klänge gefischt hat, um sie dem staunenden Publikum in der weltmusikalischen Manege des „Freien Radio Kassel“ zu präsentieren.
Folgt unserem Wanderzirkus also auf seinem Weg durch die funkelnde Welt silberner Scheiben voller wundersamer Klänge. Übrigens: Der Einsatz einer echten Stereoanlage lohnt sich bei dieser Musik in jedem Fall, und wenn schon ein Handy zum Einsatz kommen sollte, dann nur, um guten Freunden diese tollen CDs weiterzuempfehlen.
Am Mikro: Günther Klößinger

  • Sendetermine: „Wanderzirkus Weltklang“, Donnerstag, 28. September 2016, 19 Uhr
  • Wiederholung Weltklang: Freitag, 29. September 2016, 11 Uhr

 

Welthandel und Fluchtursachen

Die öffentliche Kritik an TTIP und CETA, den geplanten Freihandelsabkommen der Europäischen Union mit den USA und Kanada, ist groß. Was die meisten Menschen hierzulande nicht wissen: Die EU zwingt auch vielen anderen Ländern Freihandelsverträge auf. Vor zwei Jahren haben die Staatschefs der Wirtschaftsgemeinschaft der Westafrikanischen Staaten einem sogenannten Wirtschafts-Partnerschafts-Abkommen (Economic Partnership Agreement/EPA) zugestimmt, das sie nötigt, ihre Märkte für Importe zu öffnen und Konzernen Zugang zu ihren Rohstoffen zu gewähren. Dabei gibt es die begründete Befürchtung, daß die EPAs die Entwicklung der betroffenen Länder stark behindern und noch mehr Menschen in die Armut treiben werden.

Boniface Mabanza zeigte in seinem Vortrag, wie die Entwicklung des Welthandels dazu geführt hat, daß Menschen in ihren Ländern keine Perspektive mehr sehen. Referent Dr. Boniface Mabanza ist Koordinator der Arbeitsstelle Südliches Afrika   (Heidelberg) und freiberuflicher Dozent für Entwicklungspolitik, aktiv in zahlreichen Netzwerken der Afrikanischen Diaspora.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 30. September 2016, 18 Uhr

 

Nagelritz meets Embryo

Aus der alten Hansestadt Bremen gesegelt kommt Dirk Langer alias „Nagelritz“ nach Kassel. Er wird mit seinem modernen Seemannsgarn á la Joachim Ringelnatz mal wieder das Theaterstübchen-Publikum (am Donnerstag, 6. Oktober ab 20 Uhr, Jordanstr. 11) mit auf Große Fahrt abschleppen.
Am Vorabend bereits (Mi., 5. Oktober) begibt sich der singende Seebär mit Akkordeon und Gitarre auf Kneipentour durch Kassel - 5 Kurzauftritte in 5 Lokalitäten während der Komischen Nacht in der dOCUMENTA-Stadt. Von ihm hören wir in der Langen Rille die Alben "Nagelritz sing(k)t der Liebe auf den Grund" plus "Für meine verlassenen Bräute" - maritim-schräger Spaß ist garantiert.
Aus München (und dem Rest der Welt) kommt das seit 1969 aktive Musikkollektiv Embryo mit der aktuellen "it do"-Produktion (Trikont). "Real Krautrock based in Germany, connected worldwide" (Definition John Peel). Embryo ist nicht so sehr ein Musikstil, als vielmehr eine Haltung. Es geht um die ernsthafte Auseinandersetzung mit traditioneller Musik. Dahinter verbirgt sich ein soziales Anliegen: die Welt durch Musik zusammen zu bringen.

Diese Folge der Langen Rille wird die fantastische Kasseler Sängerin Carolina Stefani mit ihren ebenfalls internationalen Liedern umrahmen.
Moderation: Wolf Silaff (The Lonesome Traveler).

  • Sendetermin: „Die Lange Rille“, Samstag, 1. Oktober 2016, 21 Uhr    

 

"I sail my ship alone" - Zum Geburtstag von Jerry Lee Lewis

Der Meister aller bösen, weißen, alten Männer - so umschrieb DIE ZEIT anläßlich Jerry Lee Lewis´ Geburtstag den "Killer" im September des Vorjahres. Well, die Zeit sie rast - wir rocken mit: Auch dem diesjährigen Jubiläum des "Wild Man of Rock & Roll" gönnen wir gern eine weitere Sendung. Rock ’n’ Roll ist Religion, die Sünde ist auch ein Weg zu Gott: Jerry Lee Lewis feiert seinen 81. Geburtstag. Hören wir ihm einfach zu beim Singen am Klavier - eine Hymne an den Orpheus des White Trash. Eines seiner letzten großartigen Alben heißt "Mean Old Man" - und im Titelsong erläutert er, wie immer mit dem passenden Nachdruck: „Wenn ich wie ein fieser Alter aussehe, dann deshalb, weil ich einer bin.“ Jerry Lee Lewis bleibt sich und seinem Thema treu: Jerry Lee Lewis. Nun ja, und Gott. In der Reihenfolge. Wobei er manchmal nicht so genau weiß, wer wer ist.
White Trash ist er, aus dem tiefsten Louisiana, wo die Weißen die Schwarzen hassen, aber ihre Musik lieben, und umgekehrt. Jedenfalls war das in den 30/40er und 1950er-Jahren so - wo die Bibel unhinterfragbare Wahrheit ist und der Teufel in den heißen Nächten umhergeht und die Menschen zu Sex, Whiskey und Blues verführt. Wie sein Cousin Jimmy Swaggart sollte Lewis Prediger werden, flog aber aus dem Seminar, weil er eine Gospelhymne im Boogie-Woogie-Rhythmus spielte. „Heute spielen sie in den Kirchen alle so“, erzählte er seinem Biografen. „Der Unterschied ist: Ich weiß, daß ich für den Teufel spiele - die nicht.“ Happy Birthday, Jerry Lee, einer der letzten echten großen Rock & Roller. Ob der rund 10 Jahre ältere schwarze "Mr. Rock & Roll" Chuck Berry seinem mild-gehaßt-geliebten Kollegen wohl gratulieren wird ... We´ll see.
In dieser Folge erinnert Wolf Silaff gerne noch einmal an die wilden und großen, aber auch an die eher mittelprächtigen Zeiten des unglaublichen Künstler-Phänomens. Glücklicherweise hat der Moderator den furiosen Meister der schwarzen und weißen Tasten einige Male in seinem unsteten Leben "live" erlebt - unvergeßbare Auftritte in Europa und auch in Amerika! Neben den Alben von Elvis und Chuck  Berry war das dritte selbst vom Munde abgesparte, bei Heini Weber in der Wilhelmsstraße stolz erstandene, selbstverständlich das von Jerry Lee Lewis. Und dann kamen die ersten heimlichen Nachtfahrten (noch "minderjährig" - aber mit Tolle) nach Hamburg, auf die Reeperbahn in den Star-Club.

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 2. Oktober 2016, 19 Uhr

Programminfos vom 23.09.2016 bis 28.09.206

Chuck Berry & The Steve Miller Band: "Live at the Fillmore Auditorium" (1967)

Im Sommer 1967, als das "Sgt. Peppers"-Album der Beatles (auf ihrem Popularitätshöhepunkt) ein gänzlich neues Sound-Kapitel der Rockgeschichte einläutete, war es mit dem originären Rock & Roll eigentlich vorbei. Die großen Vorbilder der Beatles, Stones und Kinks - Chuck Berry, Carl Perkins, Bo Diddley, Little Richard u.a.m. - waren auf dem absteigenden Ast. Rock & Roll war out, jetzt waren Flower Power, Acid, Hippies und Pop Music angesagt.
Ein fit gebliebener aus der alten Garde ließ einfach nicht locker und besann sich, gegen den Trend, ganz bewußt seiner ursprünglichen musikalischen Sozialisation: Charles Edward Anderson, genannt "Chuck" Berry aus St. Louis/MO. Der ging mit seiner roten ES 335-Gibson weiterhin auf die Bühnen - und spielte wieder Blues, mit seinen geschickten Riesenpranken. Ebenso wie sein Vorbild Muddy Waters sollte es ihm auf längere Sicht gelingen, elektrifizierte Blues Music auch bei einem jüngeren "nachwachsenden" Rock-Publikum interessant und spannend zu machen.
In dieser Magazin-Folge hören wir das "Live at the Fillmore Auditorium"-Album, das Chuck, begleitet von der gerade aufstrebenden Steve Miller Band, im legendären Spielort in San Francisco eingespielt hat. Möglicherweise nicht die allerbesten Blues-Schallplattenaufnahmen des früheren Chess-Künstlers, in jedem Falle ein wichtiges Musikzeitdokument. Interessant zu hören, wie sich vorher unbekannte Musiker mit aufmerksamen Lauschern und viel Gefühl in eine ganze Reihe alter Standards hineinspielen. Mit dabei sind solche Klassiker wie Willie Dixons "Hoochie Coochie Man", Pete Chatmans "Everyday I have the Blues", Chuck Willis´ "C.C. Rider", Sonny Boy Williamsons "Good Morning Little Schoolgirl" - und natürlich Berrys "Wee Wee Hours". Ein geschickter Schachzug von Onkel Chuck, sich in den Dürrezeiten des Rock & Roll bei den Leuten in aktueller Form in Erinnerung zu halten. Moderator Wolf Silaff ist sich dessen sicher - das Album ist ein Muß in der Sammlung. Respekt vor diesem Mann: Während etliche seiner 50er Jahre Kollegen bereits das Handtuch geworfen hatten, stieg Chuck Berry weiterhin in den Ring. Go, beat `em Chuck!

  • Sendetermin: „Long Distance Call“, Samstag, 24. September 2016, 19 Uhr

 

"Masters of the Art" unter sich: David Bromberg und Loudon Wainwright III

Zwei wichtige Geburtstage haben wir dieser Tage im Hinterkopf. Beide obengenannten US-Künstler sind nun "over the hill" - wurden dieser Tage 70/71. Happy birthday, boys. David Bromberg wurde lange Zeit als "Serenader´s Sidekick" tituliert und fungierte ob seiner großartigen musikalischen Zuarbeit als kongenialer Studio-Partner bei unvergessenen Aufnahmen für Bob Dylan, Jerry Jeff Walker, Tom Paxton, Linda Ronstadt, George Harrison u.v.m. Heute nennen sie ihn "Godfather of Americana". Well, says it all. Ein Spitzen-Multiinstrumentalist.
Der andere Singer/Songwriter-Kollege ist auch schon fast so lange dabei; seit den Greenwich-Village-Folk-Days der Früh-1960er Jahre. Loudon Wainwright - keiner kann derart schräge, hintersinnige ironische und zugleich gefühlvoll-zugewandte kleine Geschichten aus unserem banalen Alltag erzählen wie er. Manchmal ist er gar der kleine sozialkritische Wadenbeißer. Das kann schon mal richtig weh-tun - die Kurve kriegt er zumeist, indem er die Hörer mit auf den Selbsterfahrungs-Trip bringt. Großartiges Songwriting.  
In dieser Folge präsentieren wir zwei Könner mit hintergründigem Humor und spielen wiederum Alben in voller Länge - eine kleine musikalische Retrospektive, moderiert von Wolf Silaff (The Lonesome Traveler).

  • Sendetermin: „Die Lange Rille“, Samstag, 24. September 2016, 21 Uhr

 

"In-Betweeners": Commander Cody, J. Geils Band, Steve Miller Band

Diesmal geht‘s um gleich drei Bands, denen so einiges gemein ist/war. Alle wurden 1967 gegründet, alle kreierten einen eigenen Sound, der sich aus jeweils unterschiedlichen Musik- und Stilrichtungen nährte. Sie brachten einige markante Ohrwürmer, die teilweise sogar Hits wurden, hervor und gingen, nach mittleren Erfolgsphasen, entweder wieder auseinander (konsequent wie die Beatles damals)  oder sie zerrieben sich nach unerträglichen Neuformierungen und Umbesetzungen selbst. Und: Alle waren sie letztlich West Coast-orientiert. Sunny California - here we come.
Da wäre zum einen die Steve Miller Band aus der Bierbrauerstadt Milwaukee/Wisconsin. Ihr wohl größter Hit war der Ohrwurm "The Joker" (1973). Sie hatten sich in ihrer Frühphase, den Jahren der großen Open Air-Festivals, durch gemeinsame Auftritte mit "Mr. Rock & Roll" Chuck Berry ganz gut ins Geschäft gebracht. Das gemeinsame Album "Live at Fillmore Auditorium" war seinerzeit ein Muß für die Sammlung. Die Band war auch gegen Ende der 70er Jahre noch aktuell, obwohl sie den Punk links liegen ließen. Und zu Beginn des Folgejahrzehnts waren ihre Sounds auch in Deutschland disco-kompatible Tanzklänge. Dem taten auch New Wave und Neue Deutsche Welle keinen Abbruch.
Blues- und Boogie-orientiert kam ab Beginn der 70er Jahre die J. Geils Band aus Worcester/Massachusetts daher. Die Mannen um Peter Wolf hatten ursprünglich als Akustik-Blueser begonnen, schlugen später rauhere Elektrotöne an und wurschtelten sich ab Beginn des Folgejahrzehnts so allmählich selber mit Pop-orientierten Platten herunter. Ihre frühen Alben hingegen lassen intelligenten Blues-Rock mit knochenhartem Biss hören.
Eine abgefahren-schräge Truppe mit Country- und Swing-Hintergrund hingegen stellte Commander Cody (George Frayne IV.) mit seinen Lost Planet Airmen aus Ann Arbor/Michigan dar. Sie verstanden es, als Spät-Hippies mit Cowboyhüten und Stiefeln auf den Live-Bühnen der Dekade absurde Trucker-Märchen und wilde Space-Comics aufs Genialste rüberzubringen. Übrigens, der Commander zeichnete auch für die zahlreichen prägnanten Plattencover verantwortlich. Er dirigierte (zumeist) souverän in unvergessenen Shows eine wildgewordene Meute erstklassiger Musiker. Sie verstanden es, Country Music mit dem richtigen Treat auch einem jüngerem Publikum schmackhaft zu machen. Ihre frühen Klasse-Alben : sind zeitlose Preziosen im Regal und auf dem Plattenteller.
Kleine Anmerkung: Die kalifornische Kult-Truppe um Jerry Garcia, The Grateful Dead, hatten sich bereits früher, ab 1965, zusammengerauft - und überlebten alle drei obengennanten Bands um Dekaden. Ihre nächtelangen Konzerte sind noch heute Legende. Auch von denen wird’s demnächst so einiges aus ihrem riesigen Repertoire auf diesem Sendeplatz zu hören geben. 

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 25. September 2016, 19 Uhr

 

 

Fletcher Henderson - Pianist, Arrangeur, Bandleader

Aufnahmen aus den 20er Jahren

Schon vier Sendungen hat die Reihe „Tanzparkett“ dem Orchesterleiter Fletcher Henderson gewidmet. Das allerdings ist bereits etliche Jahre her. Inzwischen sind unsere Sammlungen wieder um einige Platten reicher, die wir Ihnen nicht vorenthalten wollen.
Bis auf eine, die für die Brunswick entstand, handelt es sich dabei um akustische Aufnahmen. Einige, weil sie vor der Einführung des elektrischen Aufnahmeverfahrens im Jahre 1925 entstanden, andere, obwohl neueren Datums, weil sie auf den preiswerten Columbia-Unteretiketten erschienen, die eine noch 1923 neubeschaffte akustische Aufnahmeapparatur amortisieren helfen sollten. Der musikalischen Qualität der Platten tut dieser technische Anachronismus jedoch keinen Abbruch.
Henderson gebührt das Verdienst, die erste Bigband des Jazz geleitet zu haben. Der frühe Jazz war eine Angelegenheit von Kleingruppen, meist fünf oder sieben Mann stark. Henderson erweiterte als erster Orchesterchef das Klangbild, indem er zusätzliche Instrumente und Musiker einsetzte.
Der studierte Chemiker Henderson hatte wegen seiner Hautfarbe keine Anstellung in seinem Fach gefunden. So begann der 1897 in Georgia geborene Schulrektorssohn in New York, seinem Studienort, eine Karriere als Pianist, die ihn zur Schallplatte führte, zunächst zum von Schwarzen für Schwarze geschaffenen Etikett Black Swan, dessen Repertoireleiter er wurde. Später war er für verschiedene Plattenfirmen im Studio tätig und trat im New Yorker „Club Alabam“ und später im „Roseland“ auf. Er durchlief und beeinflußte als Bandleader und Arrangeur die Entwicklung vom alten Jazz bis zum Swing. Nach Auflösung seiner festen Truppe im Jahre 1939 arbeitete er als Arrangeur und Pianist für Benny Goodman. Bis zu einem Schlaganfall im Jahre 1950, der eine weitere Berufsausübung vereitelte, absolvierte Henderson jedoch weiterhin Bühnenauftritte und Plattenaufnahmen. 1952 starb er in New York.
Unsere Sendung behandelt eine Auswahl seiner klassischen Aufnahmen der „wilden 20er“.
Durchs Programm begleitet Sie Peter K. Michael.

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 28. September 2016, 21 - 22 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 29.September 2016, 13 Uhr

 

Neues aus der Scheibenwelt - CD-Tipps im Herbst 2016

Totgesagte leben länger - trotz des anhaltenden Booms von Musikdownloads für Menschen, denen die Klangqualität eines Handys zum Musikgenuss ausreicht, glitzern doch noch immer frische Silberlinge im wunderbaren Universum des Weltklangs. Auch in diesem Herbst gibt es wieder viele Perlen zu entdecken, von denen Zirkusdirektor Günther Klößinger einige aus dunklen Tiefen des Ozeans globaler Klänge gefischt hat, um sie dem staunenden Publikum in der weltmusikalischen Manege des „Freien Radio Kassel“ zu präsentieren.
Folgt unserem Wanderzirkus also auf seinem Weg durch die funkelnde Welt silberner Scheiben voller wundersamer Klänge. Übrigens: Der Einsatz einer echten Stereoanlage lohnt sich bei dieser Musik in jedem Fall, und wenn schon ein Handy zum Einsatz kommen sollte, dann nur, um guten Freunden diese tollen CDs weiterzuempfehlen.
Am Mikro: Günther Klößinger

  • Sendetermine: „Wanderzirkus Weltklang“, Donnerstag, 28. september 2016, 19 Uhr
  • Wiederholung Weltklang: Freitag, 29. September 2016, 11 Uhr

Programminfos vom 15.09.2016 bis 18.09.2016

Cropredy-Nachschlag: Blick zurück … nach vorn

Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus: Im nächsten Jahr feiert die dienstälteste britische Folkrockband, Fairport Convention, ihr 50jähriges Bestehen. Natürlich wird es auch bei ihrem ureigenen, selbst veranstalteten Festival in Cropredy ein höchst interessantes Jubiläumskonzert geben.
In der vorherigen Vorstellung des „Wanderzirkus Weltklang“ hatte Zirkusdirektor Günther Klößinger einen Blick auf das diesjährige Festivalprogramm geworfen. In Vorfreude auf das Großevent von 2017 werfen wir nun einen Blick auf die Halbzeit. 1992 zelebrierten Fairport Convention in Cropredy ihr „25th Anniversary Concert“ in würdigem Rahmen: Viele ehemalige Bandmitglieder und überraschende Gaststars solch illustrer Kollegen aus Combos wie All About Eve und Led Zeppelin stiegen mit den Gründervätern einer ganzen Musikrichtung auf die Bühne. Ein heißer Mix aus Klassikern und damals aktuellen Stücken des reichhaltigen Bandrepertoires erklang in Würdigung einer turbulenten Gruppengeschichte und dem Blick nach vorn, wenn z.B. Publikumsfavoriten wie „Matty Groves“ in überraschenden Neuinterpretationen ertönten.
Als das dazugehörige Live-Doppelalbum erschien, verpasste es dem Zirkusdirektor in spe solch eine Gänsehaut, dass ihm klar wurde: Da muss ich mal hin. Ein Entschluss mit Folgen für die Urlaubsplanung der kommenden Jahrzehnte…
In dieser Vorstellung der weltmusikalischen Manege des FRK präsentiert Günther Klößinger nun Höhepunkte dieses denkwürdigen, historisch wertvollen Konzerts.
Am Mikro: Günther Klößinger

  • Sendetermine: „Wanderzirkus Weltklang“, Donnerstag, 15. September 2016, 19 Uhr
  • Wiederholung Weltklang: Freitag,  16. September 2016, 11 Uhr

 

Die Zukunft des documenta-Archivs

Seit Jahren befindet sich das documenta-Archiv in einer schwierigen Situation: Sowohl räumlich als auch personell besteht dringender Handlungsbedarf, wenn die einzigartige und kulturhistorisch wertvolle Sammlung dauerhaft erhalten, weiterentwickelt und der Forschung zur Verfügung gestellt werden soll. Wie genau die entsprechenden Maßnahmen aussehen könnten – darüber gibt es noch keine Klarheit; die Entscheidungen fallen auf politischer Ebene. Die neue Leiterin des documenta-Archivs, Birgit Jooss, und die Geschätftsführerin der documenta-GmbH, Annette Kulenkampff, äußerten sich im Rahmen des SPD-Kulturforums im Fridericianum über den aktuellen Stand der Dinge und zum weiteren Vorgehen. Auch das geplante documenta-Forschungsinstitut war Thema der Gesprächsrunde, die von Rainer Hanemann moderiert wurde.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 16. September 2016, 18 Uhr

 

Axel Pätz: Chill mal!

Axel Pätz avancierte in den letzten Jahren zu einem Shooting-Star der deutschen Kabarett-Szene. Er etablierte sich nicht nur in TV-Sendungen, sondern wurde zudem mit Kabarett- und Kleinkunstpreisen überhäuft. Axel Pätz bespielt rastlos den deutschzüngigen Sprachraum und schildert mit klaren Worten und viel Musik seine erworbenen Erkenntnisse auf allen Gebieten des täglichen Lebens - von Evaluationsgesprächen unter Kleinkindern über das ausschweifende Nachtleben der Generation Ü 80 bis hin zu durch Genozid traumatisierten Bakterien unter dem Latexhandschuh einer Fleischfachverkäuferin.

  • Sendertermin: „Kabarett live“, Freitag, 16. September 2016, 22 Uhr

 

Singer/Songwriter David Bromberg

Seit den 1970er Jahren ist dieser Ausnahmekünstler schon mit dabei. Er hat nicht nur tolle abgefahrene Geschichten in eigene Songs geformt, sondern auch als favorisierter "sidekick", als gestandener Mitmusiker, reihenweise Künstlerkolleg/innen begleitet, sowohl im Studio als auch auf der Live-Bühne. Die Liste ist lang: sie reicht von Bob Dylan, Tom Paxton und Jerry Jeff Walker über Carly Simon und Bonnie Raitt bis zu Ringo Starr, Willie Nelson, Edie Brickell, Doug Sahm u.a.  Und die Liste seiner Alben ist ebenfalls lang - allesamt Perlen in der Sammlung. Seine Stilbandbreite reicht von Folk über Blues zu Rock & Roll und Country Swing. Davids spannende Art, die Songs rüberzubringen, ist das eine, seine sparsam-trockene, hinterfotzig-sartirische Erzählweise mit seinem schräg-lässigen Philly-Slang das andere. Das Metier gelernt hat David übrigens bei keinem Geringeren als dem seligen Reverend Gary Davis (Blind Gary Davis, 1896-1972). Etliche der oben genannten Künstler brauchte niemand zu überreden - sie haben sich teilweise auf angenehmste Art bei ihm revanchiert und seine Eigenproduktionen bereichert. Diesmal gibt’s in der „Langen Rille“ eine kleine Auswahl des hier so hochgelobten Ohren- und Hirnfutters quer durch vier Dekaden. David Bromberg wird in dieser Woche 71. Happy Birthday, David, von Moderator Wolf Silaff. Übrigens beschäftigt sich der Allrounder/Multiinstrumentalist Bromberg seit einiger Zeit überwiegend mit dem Bau und der Reparatur von Violinen und anderen Saiteninstrumenten. In Wilmington/Delaware ist sein Shop zu finden. Die Werkstatt ist so ganz nebenbei zum Treffpunkt von Musiker/innen geworden.

  • Sendetermin: „Die Lange Rille“, Samstag, 17. September 2016, 21 Uhr

 

Country-Singer/Songwriter-Mix 70s/80s

Im direkten Anschluß an die vorige Folge hören wir heute noch einmal etwas vom "Redheaded Stranger" Willie Nelson aus den Mittsiebziger Jahren, der großartigen Phase seines künstlerischen Durchbruchs. Endlich respektierten auch die großen Plattenbosse den schrägen Langzopf-Typen mit der knarzigen Stimme und seinem (scheinbar) unfertigen, an Django Reinhard orientierten Gitarrenspiel. Willies Tour als Klinkenputzer war vorbei, die "Outlaws" formierten sich und zogen durch den Lone Star State. Die Szene feierte einen unvergleichlichen Songwriter, reihenweise Klasse-Alben folgten. Solche genialen Typen nennt mal/frau wohl Überflieger. Willie ist längst so etwas wie eine amerikanische Musik-Ikone - er hat wahrlich eine Menge bewegt. Seine Country-Vorbilder hat er bei alledem nicht vergessen; in dieser Folge gibt‘s daher auch etwas von Lefty Frizzell und von Johnny Russell ("Act Naturally") sowie von Keith Whitley, der sich während der 80er auch mit Material von Frizzell und Sanger D. Shafer auseinandergesetzt hat. Willies Kumpel Jerry Jeff Walker darf da auch nicht fehlen. In dieser Folge hören wir einige Titel im Vergleichs-Test sozusagen, individuelle Einspielungen verschiedener Künstler (Cover-Versionen). Abgerundet wird die Sendung vom Universalgenie David Bromberg mit seinen nunmehr 70 Jahren. Früher war er ein gefragter "sidekick pardner" (für Bob Dylan, Jerry Jeff Walker, Carly Simon, Ringo Starr, Bonnie Raitt, Tom Paxton, Willie Nelson, Doug Sahm, Edie Brickell a.o.) - heute arbeitet er als Geigenbauer, der es gelassen angehen kann. Seine Songs, seine zahlreichen Alben sind ebenfalls allesamt echte Meisterstücke.

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 18. September 2016, 19 Uhr

Programminfos vom 07.09.2016 bis 15.09.2016

Sandra König bei „Handmade“

Heute gibt es in der Sendung „Handmade“ etwas noch nie dagewesenes: Eine Buchlesung.
Autorin Sandra König aus Nordhessen ist zu Gast im Studio und liest Passagen aus ihren Büchern. Gerade hat sie Ihr drittes Buch mit dem Titel "Blue Fighter Island" veröffentlicht. Da die Autorin sowie Cap K beide die See mögen, gibt es passenderweise in den Lesepausen entsprechende Musik. Wir wünschen viel Vergnügen bei dieser Ausgabe von „Handmade“!

  • Sendetermin: „Handmade“, Mittwoch, 7. September 2016, 18 Uhr

 

Wir mögen's bunt

Nachdem sich die 'Tonköstler' in den letzten Monaten mit lauter akustischen Schwarz-Weiss-Malereien herumplagen mussten, wird es nun Zeit, ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen. Und siehe da: Plötzlich erstrahlt alles in einer nie geahnten Farbvielfalt. Daraus haben die 'Drei von der Funkstelle' einen bunten Melodien-Strauss gebunden, den sie in der neuesten Ausgabe von Tonkost präsentieren.
Am Mikrofon: Günter Klößinger, Trudi Kindl & Dieter Kindl

  • Sendetermine: „Tonkost“, Donnerstag, 8. September 2016, 19.00 Uhr
  • Wiederholung Freitag, 9. September 2016, 11.00 Uhr

 

Zum Todestag von Holger Börner

Vor zehn Jahren verstarb der ehemalige Hessische Ministerpräsident und Ehrenbürger der Stadt Kassel, Holger Börner. Sein politisches Engagement in der Bundesrepublik, in Hessen und in seiner Heimatstadt Kassel wirkt bis in unsere Tage nach. Holger Börners Streben nach sozialer Gerechtigkeit, nach Demokratie, Solidarität und Teilhabe aller am Wohlstand ist vielen bis heute Vorbild geblieben.
Die Stadt Kassel erinnerte sich ihres Ehrenbürgers mit einer Festveranstaltung im Bürgersaal des Rathauses. Im Zentrum der Veranstaltung stand eine Gesprächsrunde zu Lebensstationen von Holger Börner. Teilnehmer waren: Franz Müntefering (ehem. Bundesgeschäftsführer SPD), Staatsminister a.D. Alfred Schmidt (FDP), Roland Schmidt (Friedrich-Ebert-Stiftung) und Gerhard Fenge, ein Weggefährte und Freund Börners. Moderiert wurde die Gesprächsrunde von Prof. Dr. Wolfgang Schroeder (Universität Kassel).
Neben Grußworten von Kassels Oberbürgermeister Bertram Hilgen und des stellvertretenden SPD-Bundesvorsitzenden Thorsten Schäfer-Gümbel waren auch eine Videobotschaft des Ministerpräsidenten Volker Bouffier und ein Ausschnitt aus dem Film „Der hessische Riese“, einem Portrait Holger Börners, Bestandteile der Gedenkfeier.
Außerdem in der Sendung: Grimmwelt-Direktorin Susanne Völker blickt auf das erfolgreiche erste Jahr des sowohl vom Publikum als auch von der Kritik gefeierten Museums zurück.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 9. September 2016, 18 Uhr

 

Magic Moments spezial: Die Lange Schlager Nacht

Eine Nacht des deutschen Schlagers präsentiert das FRK an diesem Wochenende – acht Stunden am Stück! Ab 22 Uhr wird „Magic Moments“-Moderator Thomas bis in die frühen Morgenstunden des Samstags Schlager und Artverwandtes aus mehreren Jahrzehnten vorstellen. Das Spektrum reicht dabei von Stimmungskanonen wie Jürgen Drews bis hin zu Liedermachern wie Reinhard Mey und Klaus Hoffmann. Dazu gibt’s ein Special über die bekanntesten deutschen Schlagerduos der 70er Jahre – Gelegenheit für ein Wiederhören u.a. mit Cindy & Bert, Nina & Mike oder Adam & Eve. Außerdem hören wir Interviews beispielsweise mit Linda Hesse, Christina Rommel und mit Cindy Berger, die als Teil des legendären Duos Cindy & Bert an ihren 2012 verstorbenen ehemaligen Gesangspartner Norbert Berger erinnert, der am 10. September 2016 70 Jahre alt würde.

  • Sendetermin: „Lange Schlager-Nacht“, Freitag, 9. September 2016, 22 Uhr

 

Chris Farlowe - "Out of Time"?? No way - aktuell wie nie!

Die Stimme von Chris Farlowe erregte erstmals Mitte der sechziger Jahre Aufmerksamkeit, als er mit dem von Mick Jagger produzierten Rolling-Stones-Song “Out of Time” Platz 1 sämtlicher Hitparaden in Europa eroberte. Damit wurde Chris zu einem der wichtigsten Blues- und Soulsänger dieser Zeit. Anfang der 60er gründete er mit dem Gitarrenvirtuosen Albert Lee und Tastenmann Dave Greenslade die Thunderbirds, zu denen auch später Carl Palmer gehörte. Bis 1963 arbeitete man als “Allnighter” in Ric Gunells “Flamingo Club” im Londoner Stadtteil Soho, und Farlowe wurde mit seiner Ausnahmestimme schnell eine feste Größe in Londons R&B Circuit.
Erste Singles der Thunderbirds für Decca und Columbia waren bald im Handel, doch erst mit “Out of Time” gelang Chris 1966 der ganz große Wurf. Es folgten weitere Hits wie “Yesterday‘s Papers”, “Handbags and Gladrags”, “Moanin ́” und “Satisfaction”. Die Band stürmte die Hauptstädte Europas und brach sämtliche Zuschauerrekorde. 1970 verließ Chris die Thunderbirds, um als Frontmann bei der Kult-Band Colosseum einzusteigen. Seine unnachahmlichen Blues-Arien fügten sich kongenial in den dramatischen Sound der Formation ein. Fast gleichzeitig mit der Trennung der Band kam noch ein Doppelalbum auf den Markt, das man sicherlich auch heute noch getrost als ein Juwel der Rockgeschichte bezeichnen kann: “Colosseum Live”, das kürzlich in einer erweiterten CD-Version erschien.
Anfang 1972 kam das Angebot von Atomic Rooster, einer Hardrock-Band mit Hammond-Orgel-Parallelen zu den Thunderbirds. Die Atomic-Rooster-Alben „Made in England“ und „Nice & Greasy“ bieten eine überzeugende Mischung aus solidem Rock und subtilen Funk- und Soulklängen, die Ober-Rooster Vincent Crane dem Sänger auf den Leib schrieb – etwa “People You Can ́t Trust“ oder „Stand By Me“. 1975 schaffte es das Reissue von Farlowes größtem Hit “Out of Time” erneut in die UK Charts. Chris schaltete schnell: Unterstützt u.a. von Maggie Bell und seinem Ex-Thunderbird Kollegen Albert Lee startete er eine triumphale Sommer-Tournee durch England. 1982 holte ihn Jimmy Page (Led Zeppelin) für die Filmmusik zu dem Charles-Bronson-Film “Death To Wish II”.
1985 und 88 folgten die Solo-Alben “Out Of The Blue” und “Born Again” und eine weitere Produktion mit Jimmy Page: “Outrider”. Seit Mitte der 80er ist Chris mit eigener Band auf Tour, übernimmt jedoch immer wieder gerne Gastangebote bei anderen Formationen – u.a. bei Van Morrison und den R&B Allstars mit den Deep- Purple-Mitgliedern Jon Lord und Ian Paice. Zwischen 2007 und 2012 tourte Farlowe mit der Hamburg Blues Band und Colosseum in Deutschland und dem angrenzenden Ausland. Anfang 1994 war Chris Farlowe Teil eines groß angelegten Colosseum-Comebacks: Die in Deutschland, Österreich und der Schweiz stattfindenden Reunion-Konzerte wurden für ein Live-Album aufgezeichnet, der Sänger überzeugte bei unvergessenen Kompositionen wie „Lost Angeles“ oder „Theme From An Imaginary Western“.
Zwischen 2003 und 2015 folgten neben diversen Festivals und CD Produktionen weitere Tourneen des Sextetts bis zum Abschiedskonzert der Supergroup um Jon Hiseman im Februar 2015 im legendären O2 Shepherd ́s Bush Empire in London. - Nun kommt Chris Falowe mit der Steven Beaker Band nach Kassel: Am Sonntag, 18. September, sind sie Theaterstüchen zu erleben. Nun aber ganz fix das Ticket gesichert!

  • Sendetermin: „Long Distance Call“, Samstag, 10. September 2016, 19 Uhr

 

Willie Nelson: "The Red Headed Stranger"

Das wichtigste Konzeptalbum in der Country- und Outlaw Music ist sicherlich die musikalische Geschichte vom Red Headed Stranger. Die Legende vom Priester da draußen im Westen, der im Affekt seine Frau und deren Geliebten umbringt und anschließend durch das Land irrt, ist ein zeitloser Klassiker. Er erschien 1975 bei der CBS und war, in Schallplattenrillen gepreßt, sozusagen der "offizielle Auftakt" zur Entwicklung des sogenannten Outlaw Movement. Etliche Freunde und Kollegen würden alsbald Willies Beispiel folgen; Waylon Jennings, Jerry Jeff Walker, Guy Clark, Billy Joe Shaver, David Allan Coe u.a. Für den Allrounder Nelson war es der Grundstein zu einer beispiellosen Künstler-Karriere. Und seit diesem Albumerfolg hat er auch den gleichlautenden Spitznamen weg.
Das Album machte Nelson zum gefeierten Superstar, einer von etlichen unter den nach künstlerischer Unabhängigkeit strebenden Musikern und Songwritern der Siebziger Jahre - und zugleich der international erfolgreichste. Es war Nelsons erstes Hit-Album, das Platz 1 der Billboard-Country-Album-Charts erreichte. Außerdem enthielt es mit "Blue Eyes Crying In The Rain" seine erste Nummer-1-Hit-Single. Das Album wurde von Country Music Television (in den Staaten eine Institution) im Jahr 2006 auf den ersten Platz ihrer Liste der 40 größten Country-Alben aller Zeiten gewählt. Und das Musikblatt Rolling Stone listete es auf der 184. Position ihrer Liste der 500 besten Alben aller Zeiten. Übrigens hatte Willies Kumpel Johnny Cash bereits ab den 60er Jahren ebenfalls eigene Konzeptalben vorgelegt („Ride This Train“ 1960, „Blood, Sweat and Tears“ 1963, „Bitter Tears“ 1964, „America“ 1972). Der Lonesome Traveler Wolf Silaff hatte sie bereits in unserer Sendereihe „Die Lange Rille“ vorgestellt.
Gegen Ende des lauschigen Stündchens mit Willie wird Moderator Wolf Silaff kurz an einen weiteren großartigen amerikanischen Songwriter erinnern - an Loudon Wainwright III. Der ist nämlich in dieser Woche 70 geworden. Happy Birthday, Loudon! Der Lonesome Traveler hatte das große Glück, diesen genialen Typen zu treffen und wird ihm selbstredend demnächst an dieser Stelle etwas mehr Sendezeit mit abgefahren-schrägen Topics widmen.

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 11. September 2016, 19 Uhr

 

Cropredy-Nachschlag: Blick zurück … nach vorn

Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus: Im nächsten Jahr feiert die dienstälteste britische Folkrockband, Fairport Convention, ihr 50jähriges Bestehen. Natürlich wird es auch bei ihrem ureigenen, selbst veranstalteten Festival in Cropredy ein höchst interessantes Jubiläumskonzert geben.
In der vorherigen Vorstellung des „Wanderzirkus Weltklang“ hatte Zirkusdirektor Günther Klößinger einen Blick auf das diesjährige Festivalprogramm geworfen. In Vorfreude auf das Großevent von 2017 werfen wir nun einen Blick auf die Halbzeit. 1992 zelebrierten Fairport Convention in Cropredy ihr „25th Anniversary Concert“ in würdigem Rahmen: Viele ehemalige Bandmitglieder und überraschende Gaststars solch illustrer Kollegen aus Combos wie All About Eve und Led Zeppelin stiegen mit den Gründervätern einer ganzen Musikrichtung auf die Bühne. Ein heißer Mix aus Klassikern und damals aktuellen Stücken des reichhaltigen Bandrepertoires erklang in Würdigung einer turbulenten Gruppengeschichte und dem Blick nach vorn, wenn z.B. Publikumsfavoriten wie „Matty Groves“ in überraschenden Neuinterpretationen ertönten.
Als das dazugehörige Live-Doppelalbum erschien, verpasste es dem Zirkusdirektor in spe solch eine Gänsehaut, dass ihm klar wurde: Da muss ich mal hin. Ein Entschluss mit Folgen für die Urlaubsplanung der kommenden Jahrzehnte…
In dieser Vorstellung der weltmusikalischen Manege des FRK präsentiert Günther Klößinger nun Höhepunkte dieses denkwürdigen, historisch wertvollen Konzerts.
Am Mikro: Günther Klößinger

  • Sendetermine: „Wanderzirkus Weltklang“, Donnerstag, 15. September 2016, 19 Uhr
  • Wiederholung Weltklang: Freitag,  16. September 2016, 11 Uhr

Programminfos vom 01.09.2016 bis 07.09.2016

Urgesteine, Pop-Ikonen und junge Wilde - Das Cropredy-Festival 2016

Auch im 49. Jahr ihres Bestehens ließ es sich die dienstälteste englische Folkrockband nicht nehmen, zu einem Festival der besonderen Art und Güte einzuladen. Und so versammelten sich ca. 18000 Freunde handgemachter Musik bei bestem Sommerwetter und ebensolcher Laune vor und auf der Bühne auf einer Viehweide im kleinen Dörfchen Cropredy/Oxfordshire.
Die musikalische Palette war bunt und breit gefächert - alte Hasen und junge Wilde des Folkrock gaben sich ein Stelldichein. Aber auch Singer/Songwriterkunst, Ska-orientierter Pop der 80er Jahre und hardrockender Hillbillysound verzauberte das Publikum.
Auch Zirkusdirektor Günther Klößinger ließ es sich wieder einmal nicht nehmen, dieser locker-folkigen Party eine Stippvisite abzustatten und anlässlich der neuesten Vorstellung in der weltmusikalischen Manege des Freien Radio Kassel über einige Highlights des Konzertprogramms zu berichten.
Am Mikro: Günther Klößinger

  • Sendetermine: „Wanderzirkus Weltklang“, Donnerstag, 1. September 2016, 19 Uhr
  • Wiederholung Weltklang: Freitag, 2. September 2016, 11 Uhr

 

Gedenkveranstaltung anläßlich des Jahrestages zur Bücherverbrennung

Der SPD-Ortsverein Altkassel veranstaltete unter dem Motto „Lesen gegen das Vergessen" im Mai 2016 auf dem Friedrichsplatz die inzwischen schon traditionelle  Gedenkveranstaltung zum Jahrestag der Bücherverbrennung durch die Nationalsozialisten.
Bereits vor und am 10. Mai 1933 wurden in vielen deutschen Städten die Werke jüdischer,  marxistischer und pazifistischer Autoren öffentlich verbrannt. In Kassel geschah dies erst am 19. Mai 1933. Schon in den Tagen zuvor waren damals Angehörige des „Nationalsozialistischen Studentenbundes" durch die Buchhandlungen und Leihbüchereien in Kassel gezogen, um anhand der „Schwarzen Listen" die geschmähten Bücher zu beschlagnahmen. Auch in den Regalen des Warenhauses Tietz wütenden die Kasseler Studenten. Am 19. Mai brachten sie dann die Bücher in Wäschekörben auf den Friedrichsplatz. Dort endeten diese Bücher dann auf einem Scheiterhaufen.
Die Nazis verpackten diese Aktionen in einen sogenannten „Kampf gegen Schmutz und Schund“, wobei die Bücherverbrennungen den Höhepunkt der „Aktion wider den undeutschen Geist" darstellten,
Während der diesjährigen Gedenkveranstaltung in Kassel lasen Schülerinnen und Schüler der Albert-Schweitzer-Schule Texte von Bertold Brecht, Georg Bernhard und Max Herrmann-Neisse. Birgitt Möller stellte Gedichte von Mascha Kaleko vor.
Die Themen Flucht und Leben im Exil, die aus den Texten sprechen, sollten auch auf die heutige Situation der Flüchtlinge aufmerksam machen.
Mit der Erinnerung an Georg Bernhard wurde auch der vielen Journalisten gedacht, die von den Nationalsozialisten zum Schweigen gebracht wurden. Damals, begleitet von den sogenannten „Feuersprüchen“, wurden Bücher verfemter Autoren ins Feuer geworfen. Dabei hieß es unter anderem: „Gegen volksfremden Journalismus demokratisch-jüdischer Prägung, für verantwortungsbewußte Mitarbeit am Werk des nationalen Aufbaus. Ich übergebe der Flamme die Schriften von Theodor Wolff und Georg Bernhard.“ Einen aktuelleren Bezug zur Gegenwart kann es, nach den Worten der Initiatoren der gedenkveranstaltung, Gerd und Birgitt Möller, nicht geben.
Die Veranstaltung wurde von Daniel Hofmann musikalisch umrahmt.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 2. September 2012, 18 Uhr

 

Willie Nelson: "The Red Headed Stranger"

Das wichtigste Konzeptalbum in der Country- und Outlaw Music ist sicherlich die musikalische Geschichte vom Red Headed Stranger. Die Legende vom Priester da draußen im Westen, der im Affekt seine Frau und deren Geliebten umbringt und anschließend durch das Land irrt, ist ein zeitloser Klassiker. Er erschien 1975 bei der CBS und war, in Schallplattenrillen gepreßt, sozusagen der "offizielle Auftakt" zur Entwicklung des sogenannten Outlaw Movement. Etliche Freunde und Kollegen würden alsbald Willies Beispiel folgen; Waylon Jennings, Jerry Jeff Walker, Guy Clark, Billy Joe Shaver, David Allan Coe u.a. Für den Allrounder Nelson war es der Grundstein zu einer beispiellosen Künstler-Karriere. Und seit diesem Albumerfolg hat er auch den gleichlautenden Spitznamen weg.
Das Album machte Nelson zum gefeierten Superstar, einer von etlichen unter den nach künstlerischer Unabhängigkeit strebenden Musikern und Songwritern der Siebziger Jahre - und zugleich der international erfolgreichste. Es war Nelsons erstes Hit-Album, das Platz 1 der Billboard-Country-Album-Charts erreichte. Außerdem enthielt es mit "Blue Eyes Crying In The Rain" seine erste Nummer-1-Hit-Single. Das Album wurde von Country Music Television (in den Staaten eine Institution) im Jahr 2006 auf den ersten Platz ihrer Liste der 40 größten Country-Alben aller Zeiten gewählt. Und das Musikblatt Rolling Stone listete es auf der 184. Position ihrer Liste der 500 besten Alben aller Zeiten. Übrigens hatte Willies Kumpel Johnny Cash bereits ab den 60er Jahren ebenfalls eigene Konzeptalben vorgelegt („Ride This Train“ 1960, „Blood, Sweat and Tears“ 1963, „Bitter Tears“ 1964, „America“ 1972). Der Lonesome Traveler Wolf Silaff hatte sie bereits in unserer Sendereihe „Die Lange Rille“ vorgestellt.

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 4. September 2016, 19 Uhr

 

Sandra König bei „Handmade“

Heute gibt es in der Sendung „Handmade“ etwas noch nie dagewesenes: Eine Buchlesung.
Autorin Sandra König aus Nordhessen ist zu Gast im Studio und liest Passagen aus ihren Büchern. Gerade hat sie Ihr drittes Buch mit dem Titel "Blue Fighter Island" veröffentlicht. Da die Autorin sowie Cap K beide die See mögen, gibt es passenderweise in den Lesepausen entsprechende Musik. Wir wünschen viel Vergnügen bei dieser Ausgabe von „Handmade“!

  • Sendetermin: „Handmade“, Mittwoch, 7. September 2016, 18 Uhr

Programminfos vom 24.08.2016 bis 01.09.2016

Calypso Craze - Weil Mama immer gern ein Gitarrensolo bringt, weil Papa ganz genau so wie Belafonte singt ..

Calypsomusik. Eine musikalische und nicht immer fröhliche Reise in die Karibik. Nach Trinidad und der Westindischen Inselwelt. Wir treffen den „King of Calypso“, Harry Belafonte, der diesen Titel so gar nicht mochte. Auch furchterregende Gestalten, die sich mit einem Augenzwinkern hinter ihren klangvollen Pseudonymen verstecken:  Atilla The Hun, Mighty Sparrow, The Lion, Macbeth The Great oder Lord Invader.  Letzterer hieß eigentlich Rupert Grant und sang schon 1944 „Rum & Coca Cola“. Der Song über die käufliche Liebe (Verwerfungen der Sexual-Ökonomie) der während des 2. Weltkrieges auf Trinidad stationierten US-Soldaten (working for the Yankee Dollar) , wurde textlich entschärft  und dann von den damals noch unbekannten Andrew Sisters aufgenommen und ein wahrer Million Seller.
Auch der Schauspieler Robert Mitchum erlag der Faszination des Calypso, den er bei  Dreharbeiten in Trinidad und Tobago kennen und lieben gelernt hatte. So sehr, dass er ein heute noch begehrtes und hinreißendes Album machte (Calypso – is like so, 1957, mit fake accent). Calypsoaufnahmen haben einen oft typischen Wortwitz, den doppelten Boden, das sogenannte double entendre (z.B. das oft gecoverte „Marry An Ugly woman“).
Nat King Cole, Ella Fitzgerald und Louis Jordan haben den Calypso, noch bevor es mit dem Rock’n’Roll so richtig losging, nach Amerika gebracht. Man mag es kaum glauben, aber die Calypsowelle schwappte Ende der 1950ziger Jahre auch bis nach Germany herüber. Die Adaptionen klingen skurril  („Mama kommt aus Kuba“ von Alice Babs zum Beispiel) und auch schon mal nach „Sarotti-Mohr“ und anderen Rassismen. Lust auf mehr? Dann steigt ein in‘s Banana Boat (Day-O) und schaltet euer Radio an.
Mehr Infos/Fotos und die Möglichkeit die Sendung nachzuhören findet ihr auf meinem Blog:
http://ralfs-radio-blog.blogspot.de [Idee und Moderation, Ralf Wenzel].

  • Sendetermin: „Magic Moments“, Mittwoch, 24. August 2016, 21 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 25. August 2016, 13 Uhr

 

Publikumsbeschimpfung

Dr. Peter Zudeick, freier Journalist und Korrespondent für mehrere Rundfunkanstalten und Zeitungsredaktionen, sorgte mit seinem Programm „Das Pressevolk, der große Lümmel - Von Abschreibern, Ranwanzern, Blendern und Besserwissern“ bei einer Veranstaltung der Friedrich-Ebert-Stigtung für einen unterhaltsamen Abend.
Beschimpfungen haben eine entlastende Wirkung und außerdem Tradition im Alltag sowie in der Politik. Beschimpfungen sind ungerechte Übertreibungen - sie bringen nichts, außer einem Quäntchen Wahrheit, über das man befreit lachen kann. Deswegen kommen nicht nur die Vertreterinnen und Vertreter der Presse selbst, sondern auch alle interessierten Bürgerinnen und Bürger in diesem satirischen Format auf ihre Kosten.
Die Aufzeichnung entstand im Südflügel der Kasseler Kulturbahnhofs.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 26. August 2016, 18 Uhr

 

Country Classics: „Gypsy Cowboy“ (1972)

Begonnen haben die New Riders Of The Purple Sage einst als eine Art „Ableger“ der Grateful Dead. Im Laufe der Zeit mauserten sie sich jedoch zu einer eigenständigen Band und gehörten in der frühen 70ern zur Speerspitze der amerikanischen Country-Rock-Bewegung. Das Debüt-Album von 1971 gilt als Klassiker des Genres, Songwriter und Leadsänger John Dawson zählt zu den legendären Gestalten der kalifornischen Musikszene.
Weniger bekannt ist die dritte LP der Band, die Ende 1972 unter dem Titel „Gypsy Cowboy“ erschien. Das Album verkaufte sich nur mäßig und warf keine Hit-Singles ab. Dennoch kann die Platte aus heutiger Sicht als Meisterwerk gelten, enthält sie doch eine ganze Reihe erstklassiger Kompositionen, die typisch für die Ära sind und eine perfekte Synthese aus psychedelisch angehauchtem West-Coast-Rock und traditionellen Country-Klängen bilden. Zudem bestand die Gruppe damals aus hochkarätigen Musikern, unter denen – neben John Dawson – besonders der virtuose Steelgitarrist Buddy Cage herausragt. Das Album bietet reichlich wunderbarste Melodien und perfekten Harmoniegesang – also genau das, was gemeinhin als „Cosmic American Music“ bezeichnet wird. Um so bedauerlicher, daß „Gypsy Cowboy“ bis heute ein Schattendasein in der Diskographie der New Riders fristet und immer noch von kommerziell erfolgreicheren Platten wie „Powerglide“ oder „Panama Red“ überstrahlt wird. Wir wollen das ändern und stellen die LP ausführlich vor.

  • Sendetermin: „Country Classics“, Samstag, 27. August 2016, 18 Uhr

 

Oberliga-Stars des Chess-Labels in London, Teil 2

Ein Vierteljahrhundert lang (1950 - 1975) war das Chess-Label aus Chicago der Cadillac unter den Blues-Experten. Gegründet und betrieben wurde die Firma von einem umtriebigen Immigranten-Brüderpaar aus Europa, Leonard und Philipp Chess aus dem früheren polnischen Galizien. Sie waren clevere Geschäftsleute mit einem guten Riecher für Neues. Aber nicht nur Blues wurde da in der Windy City gemacht, auch der Rock & Roll wurde von dort aus revolutionär befeuert. Von Chuck Berry über Willie Dixon, bis Bo Diddley und Howling Wolf reicht eine lange Künstlernamenliste von den 1950er Jahren bis in die Dekaden neuester technisch-aufgeblasener Musikproduktionen.
Einige der Genannten hatten gegen Ende der 60er Jahre ihre Bedeutung für ein weißes europäisches Publikum und etliche Musikadepten auf der britischen Insel verstanden. Und sie kamen als willkommene Gäste zu den Festivals, auch nach Deutschland. Einige gingen (gerne) in die Londoner Studios, um dort ziemlich hippe Sachen einzuspielen  - und ließen sich selbstredend von ihren mittlerweile prominenten Brit-Kollegen begleiten. So jammten denn beispielsweise Muddy Waters, Chuck Berry und auch Howling Wolf mit Jagger, Richards, Wyman, Watts, Clapton, Winwood, Gallagher, Beck und etlichen anderen. Herausgekommen sind echte Album-Klassiker. Auszüge aus eben diesen sind in dieser Folge zu hören.

  • Sendetermin: „Long Distance Call“, Samstag, 27. August 2016, 19 Uhr

 

Der Willie & Der Vatter: Der Outlaw und der Mundartdichter

Mit "Outlaw" ist in diesem speziellen Falle Willie Nelson gemeint, die amerikanische Musikerlegende aus Texas. Von ihm hören wir in dieser Folge ein - gemessen an den Verkaufszahlen - allgemein unterschätztes, aber dennoch bemerkenswertes Album von 2001, das die Meisterschaft des Songwriters Nelson unterstreicht: Zeitlos gute Country Music. Es erschien unter dem Titel "Me and the Drummer: Tales out of Luck". Die Platte wurde ohne Willies legendären Band-Schlagzeuger Paul English eingespielt. Ein zunächst irreführender Titel also. Das Album ist aber in jedem Fall ein herausragendes Werk, das ursprünglich als Internet-Special Offer geplant war und – in der erweitereten Version -  Video- und Bilddateien enthält. Inhaltlich handelt es sich um Willies Rückbesinnung auf seine 60erJahre-Erfahrungen - als seinerzeit komplett unter-schätzter Songwriter innerhalb der Nashville-Szene. Luck, Texas übrigens ist nicht nur eine wunderschöne Ortsnamenkreation, sondern auch eine Filmkulissse und ein Veranstaltungsort, eigens für den Film/Album "Red Headed Stranger" ins Hill Country außerhalb von Austin gebaut. Zeitweise lebt Willie dort, spielt Golf und lädt, auch nach den Tornado-Zerstörungen von 2014, immer mal wieder zu Festivals ein (SxSW /Luck Reunion). Im Frühjahr diesen Jahres ging der Fuchs mit über 30 Acts auf gleich zwei Live-Bühnen ab ...
Auf "Tales out of Luck" gelang Willie mit fantastischen Mitmusikern, den Offenders (u.a. Johnny Gimble, Floyd Domino, Dave Zettner, Johnny Bush), ein faszinierender Spagat zwischen Country Music und Blues. Neben echten Honky Tonkern und Country Tear-Jerkern gibt’s einige hörenswerte "weiße" Blues-Songs. Der absolute Reißer ist sicherlich der "Rainy Day Blues". Alle Texte stammen von Willie selbst.  Unglaublich, wie der frühere Pedal Steeler Jimmie Day den richtigen Touch da reinbringt - neben Willies knarzigem Gesang und seiner lässig-halbfertig ausformulierten Spielweise (Django-Style) auf seiner verschrammelten Martin N 20 Gitarre (namens "Trigger"!).
Wie schön: Auch in den nordhessisschen Breitengraden gibt es Leute mit ausgeprägtem Musikfeeling. Als humorgetriebenen Mundart-Kreativen bezeichnet Moderator Wolf Silaff den Dark Vatter (Timo Israng) aus Kassel. Als „Dark Vatter und sinne Combo“ bringen sie in bester Rockabilly-Manier regional-akute Themen auf ihren Platten und den unbedingt sehenswerten Auftritten wirklich gekonnt rüber. Kein Zweifel, so viel steht fest: Würde Willie Nelson dieses Regional-Idiom für sich übersetzen können - er hätte ebensoviel Spaß (fun) an der ganzen Angelegenheit wie Waschbär-echte (Raccoon-approved) Nordhessen ...  

  • Sendetermin: “Lonesome Traveler”, Sonntag, 28. August 2016, 19 Uhr

 

Vorläufige Abschiedssendung

Das Magazin für freie Musik tritt aus beruflichen Gründen des Moderators in eine vorläufige Sendepause. Die letzte Sendung vor dieser Pause findet am heutigen Dienstag statt.

  • Sendetermin: „Frei hoch zwei“, Dienstag, 30. August 2016, 19 Uhr

 

Cab Calloway, Folge 1/ 2016

Den Jazzfans unter unseren Hörern den 1907 geborenen Cab Calloway (eig. Cabell Calloway III.) vorzustellen, hieße wohl Eulen nach Athen tragen.
 
Aber auch vielen, die Jazz allenfalls am Rande interessiert, dürfte er bekannt sein - durch seinen Auftritt im Film „Blues Brothers“ von 1979. Als wären die fünf Bühnenjahrzehnte dazwischen nicht gewesen, ist er auf der Leinwand mit seinem wohl größten Hit, seiner Erkennungsmelodie „Minnie The Moocher“, zu erleben, immer noch mit dem von ihm geprägten Stil des Scatgesangs mit dem für ihn so typischen „Hidey Hidey Ho“.
 
Auch in der nun gebrachten Sendefolge (vor vielen Jahren gab es auf diesem Sendeplatz schon einmal zwei Ausgaben über Cab Calloway, die allerdings andere Platten enthielten) wollen wir sowohl die Seite des Jazzers als auch die des Showmans Calloway beleuchten. Wir beginnen am Anfang seiner Plattenkarriere, als er im Jahre 1930 die Band „The Missourians“ übernommen hatte.
 
Der aus einem Akademikerhaushalt stammende Calloway straffte die Organisation des Orchesters und wurde sein Aushängeschild.
 
Sein exzentrischer Gesang und ebensolche Tanzeinlagen wirkten - und wirken bis heute - auf Generationen von Künstlern als Vorbild. Die „Tanzparkett“-Redaktion konnte sich davon bei einem Konzertbesuch im Frühjahr mit eigenen Augen und Ohren überzeugen.
 
Seine Bühnenkarriere währte bis zu seinem Tod im Jahre 1994. Auch ein Redaktionsmitglied unserer Sendung durfte ihn noch Anfang der 90er als hochbetagten, aber keineswegs zahm gewordenen Künstler bei einer Deutschlandtournee erleben.
 
Durchs Programm begleitet Sie Peter K. Michael.
 
Ein zweiter Teil folgt - ob unmittelbar am nächsten „Tanzparkett“-Sendeplatz oder später, wird noch festgelegt.

  1. Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 31.8.16, 21-22 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 01.9.16, 13 Uhr

 

Urgesteine, Pop-Ikonen und junge Wilde - Das Cropredy-Festival 2016

Auch im 49. Jahr ihres Bestehens ließ es sich die dienstälteste englische Folkrockband nicht nehmen, zu einem Festival der besonderen Art und Güte einzuladen. Und so versammelten sich ca. 18000 Freunde handgemachter Musik bei bestem Sommerwetter und ebensolcher Laune vor und auf der Bühne auf einer Viehweide im kleinen Dörfchen Cropredy/Oxfordshire.
Die musikalische Palette war bunt und breit gefächert - alte Hasen und junge Wilde des Folkrock gaben sich ein Stelldichein. Aber auch Singer/Songwriterkunst, Ska-orientierter Pop der 80er Jahre und hardrockender Hillbillysound verzauberte das Publikum.
Auch Zirkusdirektor Günther Klößinger ließ es sich wieder einmal nicht nehmen, dieser locker-folkigen Party eine Stippvisite abzustatten und anlässlich der neuesten Vorstellung in der weltmusikalischen Manege des Freien Radio Kassel über einige Highlights des Konzertprogramms zu berichten.
Am Mikro: Günther Klößinger

  • Sendetermine: „Wanderzirkus Weltklang“, Donnerstag, 1. September 2016, 19 Uhr
  • Wiederholung Weltklang: Freitag, 2. September 2016, 11 Uhr

Programminfos vom 17.08.2016 bis 25.08.2016

Three from one

Heute greifen wir in der Radioshow „Handmade“ eine alte, liebgewonnene Tradition wieder auf - aus der Zeit, als das FRK noch aus der altehrwürdigen Salzmann Factory sendete.  Auf vielfache Nachfrage gibt es nun zum ersten Mal vom neuen Standort des FRK aus der Innenstadt in Kassel "3 from one". Zur Erinnerung: Es werden in der Sendung unter diesem Motto immer 3 Songs der Interpreten in Folge gespielt, um die Bandbreite ihres Schaffens zu verdeutlichen. Wir wünschen allen Hörerinnen und Hörern viel Vergnügen.

  • Sendetermin: „Handmade“, Mittwoch, 17. August 2016, 18 Uhr

 

US-Swing der klassischen Phase, Folge 2/ 2016

Wieder einmal widmet sich das „Tanzparkett“ der klassischen Swingzeit.
Eine Auswahl von Platten verschiedener Orchester aus dem Höhepunkt dieser Stilrichtung können Sie als zweite von zwei in diesem Sommer gebrachten Ausgaben in „unserer“ Stunde am Mittwochabend bzw. Donnerstagnachmittag hören.
Durch die Sendung begleitet Sie Peter Michael.
 
Note to English-speaking listeners:
 
Again, we will be dealing with the classical Swing Era.
In "our" hour on Wednesday evening and/ or Thursday afternoon respectively, you may hear this summer's second edition with a selection of records made by orchestras from the heyday of Swing.
Your host will be Peter K. Michael.

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 17. August 2016, 21-22 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 18. August 2016, 13 Uhr.

 

Einmal Bühne und zurück mit „Feelsaitig“ - Liedhandwerk und Folkrock aus Franken

„Feelsaitig“ - dieser Name war und ist Programm: Gefühlvolle Songs auf verschiedenen Saiteninstrumenten, ein breites Stilspektrum von Folk über Rock bis zu engagierten Liedermacher-Balladen. Diese Band aus der fränkischen Wagner-Hochburg Bayreuth stand über ein Vierteljahrhundert lang für handgemachte Musik auf hohem Niveau und mit einer Botschaft. Ein verwegener Hauch von „Love & Peace“ durchweht das Oeuvre der Mannen um Sandy Wolfrum und Robert Wachsmann und es verwundert nicht, dass eines ihrer Alben den Titel „Flower Power“ trägt.
Aber die Folkrockfranken, die in englischer, deutscher und fränkischer Sprache sangen, wären nicht „Feelsaitig“, wenn ihr Engagement nur Lippenbekenntnis wäre. Verschiedene Initiativen wie Benefizkonzerte für eine frei fließende Donau und Auftritte in Moskau noch lange vor der Wende zeugen von echtem Willen, nicht nur von Hoffnung zu singen, sondern sie auch zu verbreiten.
Seit dem Tod des Bassisten und Sängers Hanzi Scharrer treten Wolfrum und Wachsmann nur noch gelegentlich als „Feelsaitig auf“, jedoch sind beide weiterhin unermüdlich und unplugged unterwegs in Sachen Musik. Soeben erschien ein neues Soloalbum von Sandy Wolfrum und die Sonderedition der zweiten „Feelsaitig“-LP „Folkpickings“ zu deren dreißigstem Jubiläum. Grund genug, sich einmal ausführlicher mit dem Werk dieser vielschichtigen Saitencombo auseinanderzusetzen. Zirkusdirektor Günther Klößinger hat ein buntes Programm aus alten „Feelsaitig“-Klassikern zusammengetragen, aber auch einige verborgene Schätze gehoben und natürlich wirft er auch einen Blick auf das Soloschaffen der Herren Sandy Wolfrum und Robert Wachsmann.
Am Mikro: Günther Klößinger

  • Sendetermine: „Wanderzirkus Weltklang“, Donnerstag, 18. August 2016, 19 Uhr
  • Wiederholung Weltklang: Freitag, 19. August 2016, 11 Uhr

 

Literaturpreisträger zu Gast in Kassel

Guntram Vesper gehört seit vielen Jahren zu den renommierten deutschen Schriftstellern. Seine Romane und Erzählungen werden von Kritik und Publikum gleichermaßen geschätzt. Daß er als Einwohner Göttingens auch eine ganz bgresondere Beziehung zu Kassel hat, versteht sich von selbst. Anfang der 90er Jahre hatte Guntram Vesper die Grimm-Professur an der Kasseler Universität inne; seine damaligen Vorlesungen im Eulensaal der Murhard-Bibliothek, bei denen es u.a. auch um die von ihm sehr geschätzte Gattung des Hörspiels ging, sind noch in guter Erinnerung.
Im Frühjahr 2016 erfuhr Guntram Vespers literarische Arbeit eine ganz besondere Würdigung: Sein aktueller Roman „Frohburg“ wurde mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet. Der umfangreiche, teils autobiographische Text wurde von der Kritik hochgelobt und entwickelte sich zu einem Bestseller. Im Juni war Guntram Vesper in der Buchhandlung Vietor in Kassel zu Gast und las aus „Frohburg“.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 19. August 2016, 18 Uhr

 

Gefühlte 30

Sehr unangenehm kann es werden, wenn man beim Blick in den Ausweis urplötzlich feststellt, daß bei der Altersangabe demnächst eine 5 an der ersten Stelle steht. 50jährige – das sind gesetzte Politiker, etablierte Wirtschaftsbosse oder sonstige „seriöse“ Herren im grauen Zwirn und mit ebenso grauen Schläfen. Mit denen will man normalerweise nichts zu tun haben – schon gar nicht will man sie als Generationsgenossen akzeptieren. Man selbst fühlt sich noch jung und frisch, eher wie 25 oder 30 – zumindest im Kopf. Vielen fällt es schwer, sich darauf einzustellen, daß man die Lebensmitte überschritten hat und aus der „werberelevanten Zielgruppe“ herausgefallen ist.
Bernd Gieseking ist das vor einigen Jahren auch passiert. Aber statt zu lamentieren, hat der Kasseler Kabarettist (der jetzt in Dortmund wohnt) aus der auch für ihn gewöhnungsbedürftigen Situation ein abendfüllendes Programm gemacht. Daß dieses auch vormittagsfüllend sein kann, bewies Bernd Gieseking beim diesjährigen „Sommer im Park“-Festival in Vellmar, wo er im Ramen einer Matineeveranstaltung seinen Altersgenossen höchst amüsante Tips und Hinweise zum Umgang mit dem Eintritt in den Kreis der „Jungsenioren“ gab.

  • Sendetermin: „Kabarett live“, Freitag, 19. August 2016, 22 Uhr

 

 

50 Jahre „Revolver“

Wirft man in diesen Wochen einen Blick auf die Titelbilder aktueller Ausgaben der maßgeblichen Musikzeitschriften, so stellt man eine gewisse Übereinstimmung fest: Nahezu alle Blätter würdigen den 50. Geburtstag des Beatles-Albums „Revolver“, das als einer der Gipfelpunkte in der Geschichte der Populärmusik (im weitesten Sinne) gilt. Viele Listen mit den „besten Platten aller Zeiten“ führen „Revolver“ an der Spitze – und das zu Recht: Die Song-Kollektion beeindruckt durch eine enorme musikalische Vielfalt, durch die Originalität der Arrangemehts sowie durch eine bis heute unerreichte kompositorische Qualität. Nicht umsonst bezeichnete Stardirigent Leonard Bernstein schon in den 60er Jahren Lennon/McCartney als „die besten Liedkomponisten seit Schubert“.
„Revolver“ stand lange Zeit ein wenig im Schatten populärerer Beatles-Alben wie „Sgt. Pepper“ oder „Abbey Road“. Die Platte enthält mit „Yellow Submarine“ und „Eleanor Rigby“ lediglich zwei echte „Hits“, dafür einiges an sperrigem Songmaterial, das mit dem damals typischen Beatles-Sound wenig zu tun hatte. Songs wie „Love You To“ und „Tomorrow Never Knows“ wiesen weit in die Zukunft, andere wie „For No One“ oder „Here, There And Everywhere“ bedienten sich stilistisch bei klassischen und barocken Formen, während “I’m Only Sleeping” und “She Said She Said” den Psychedelik-Boom der Jahre 67/68 vorwegnahmen. Heute gilt das Album allgemein als Meisterstück der „Fab Four“, dessen Nachwirkungen auch in der aktuellen Musikszene zu spüren sind.
In der Sendung werden wir das Album und seine Entstehungs- und Wirkungsgeschichte ausführlich vorstellen. Diverse Coverversionen gibt es ebenfalls zu hören..

  • Sendetermin: „Die Lange Rille“, Samstag, 20. August 2016, 21 Uhr

 

Swing-Time: Wayne Hancock im Continental Club, Austin TX & Dark Vatter un sinne Combo - in Kassel

Wayne "The Train" Hancock ist ein ausgefuchster Country/Rockabilly-Gitarrist und zugleich witzig-schräger Leader seiner kleinen Combo. Diesmal hören wir einige Live-Tracks von ihm aus dem legendären Continental Club in Austin/Texas, aufgenommen im März 2003. Der Frontmann wurde damals begleitet von Paul Skelton (git), Dave Biller (git), Eddie Rivers (straight steel) und Rick Ramirez (upright bass). Gäste waren Dan Enriquez (bs), Bob "Texaco" Stafford (Posaune) und die Sängerin Rebecca Snow. Das Ganze kommt sehr relaxed-swingend daher. "Juke Joint Swing" nennt Hancock seine Musik. Das liegt sicherlich auch an den streckenweise-akustischen Gitarrensounds. Etliche seiner Honky Tonker erinnern sehr an den guten alten Hank Williams. "Wayne Hancock has more Hank Sr. in him than either I or Hank Williams Jr.  He is the real deal", so Hank Williams III. Da darf dann auch der "Flatland Boogie" nicht fehlen. Co-Produzent dieser Aufnahmen war damals übrigens der fantastische Pedal Steeler Lloyd Maines, ein Jerry Jeff Walker-Compadre, der auch die Dixie Chicks, Joe Ely u.a. unterstützt.
 
Falls es sowas wie einen hessisch-heimischen SwingBoogieRockabilly-Sound gibt (ja, gibt´s!), dann darf "Dark Vatter un sinne Combo" an dieser Stelle keinesfalls fehlen! Dark Vatter Timo Israng, mit sinne Gitarre un Gesang, macht es uns aber wirklich "Hunnerdbrozenndich!". Kusseng Judy (Schlaggitarre/Gesang), Kusseng Olli (Schlagbass), Kusseng T. (Schlagzeug) sind die musikalisch versierten Begleiter. Da bleibt kein Auge/Ohr trocken! Krönendes Schmankerl (geht auch mit Ahler Wurscht) ist die umwerfend coole Ninne Soleil. Nordhessisches Lebengefühl pur - also mal so Rock & Roll-mäßig interpretiert: Nu awer vähl Vergniejen biem Middeschallern! Is halt "Gaageschnuddenrockenroll", gell. Un nidd vergesse: Dark Vatters Mondschein Schnaps (Vol. 100%dich). Ein Spitzenprodukt - the real moonshine. Moderation: Wolf Silaff. Welcome everybody. Schalded moh rinn, Schorsch un Änne ...   

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 21. August 2016, 19 Uhr

 

Calypso Craze - Weil Mama immer gern ein Gitarrensolo bringt, weil Papa ganz genau so wie Belafonte singt ..

Calypsomusik. Eine musikalische und nicht immer fröhliche Reise in die Karibik. Nach Trinidad und der Westindischen Inselwelt. Wir treffen den „King of Calypso“, Harry Belafonte, der diesen Titel so gar nicht mochte. Auch furchterregende Gestalten, die sich mit einem Augenzwinkern hinter ihren klangvollen Pseudonymen verstecken:  Atilla The Hun, Mighty Sparrow, The Lion, Macbeth The Great oder Lord Invader.  Letzterer hieß eigentlich Rupert Grant und sang schon 1944 „Rum & Coca Cola“. Der Song über die käufliche Liebe (Verwerfungen der Sexual-Ökonomie) der während des 2. Weltkrieges auf Trinidad stationierten US-Soldaten (working for the Yankee Dollar) , wurde textlich entschärft  und dann von den damals noch unbekannten Andrew Sisters aufgenommen und ein wahrer Million Seller.
Auch der Schauspieler Robert Mitchum erlag der Faszination des Calypso, den er bei  Dreharbeiten in Trinidad und Tobago kennen und lieben gelernt hatte. So sehr, dass er ein heute noch begehrtes und hinreißendes Album machte (Calypso – is like so, 1957, mit fake accent). Calypsoaufnahmen haben einen oft typischen Wortwitz, den doppelten Boden, das sogenannte double entendre (z.B. das oft gecoverte „Marry An Ugly woman“).
Nat King Cole, Ella Fitzgerald und Louis Jordan haben den Calypso, noch bevor es mit dem Rock’n’Roll so richtig losging, nach Amerika gebracht. Man mag es kaum glauben, aber die Calypsowelle schwappte Ende der 1950ziger Jahre auch bis nach Germany herüber. Die Adaptionen klingen skurril  („Mama kommt aus Kuba“ von Alice Babs zum Beispiel) und auch schon mal nach „Sarotti-Mohr“ und anderen Rassismen. Lust auf mehr? Dann steigt ein in‘s Banana Boat (Day-O) und schaltet euer Radio an.
Mehr Infos/Fotos und die Möglichkeit die Sendung nachzuhören findet ihr auf meinem Blog:
http://ralfs-radio-blog.blogspot.de [Idee und Moderation, Ralf Wenzel].

  • Sendetermin: „Magic Moments“, Mittwoch, 24. August 2016, 21 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 25. August 2016, 13 Uhr

Programminfos vom 10.08.2016 bis 17.08.2016

Linda Hesse im Interview

Mit Linda ein Interview zu führen macht Spaß. Sie ist eine ernsthafte junge Frau, aber man kann mit ihr auch sehr herzhaft lachen. Ihre aktuelles Album, das dritte, hat den Titel "Sonnenkind", und man merkt im Gespräch sehr schnell, daß sie ein Sonnenkind ist. Für ihre neue Platte hat sie all ihr Licht und ihre Energie gebündelt. „Magic Moments“-Moderator Thomas sprach mit ihr über Liebesbriefe, eine Sommerwiese, über das Schicksal, über „Unser Lied“, und darüber, Dinge nicht einfach kaputt zu machen, Linda meint übrigens, sie singe keine Schlager sondern „Mucke“.

  • Sendetermin: „Magic Moments“, Mittwoch, 10. August 2016, 21 Uhr

 

50 Jahre „Revolver“

Wirft man in diesen Wochen einen Blick auf die Titelbilder aktueller Ausgaben der maßgeblichen Musikzeitschriften, so stellt man eine gewisse Übereinstimmung fest: Nahezu alle Blätter würdigen den 50. Geburtstag des Beatles-Albums „Revolver“, das als einer der Gipfelpunkte in der Geschichte der Populärmusik (im weitesten Sinne) gilt. Viele Listen mit den „besten Platten aller Zeiten“ führen „Revolver“ an der Spitze – und das zu Recht: Die Song-Kollektion beeindruckt durch eine enorme musikalische Vielfalt, durch die Originalität der Arrangemehts sowie durch eine bis heute unerreichte kompositorische Qualität. Nicht umsonst bezeichnete Stardirigent Leonard Bernstein schon in den 60er Jahren Lennon/McCartney als „die besten Liedkomponisten seit Schubert“.
„Revolver“ stand lange Zeit ein wenig im Schatten populärerer Beatles-Alben wie „Sgt. Pepper“ oder „Abbey Road“. Die Platte enthält mit „Yellow Submarine“ und „Eleanor Rigby“ lediglich zwei echte „Hits“, dafür einiges an sperrigem Songmaterial, das mit dem damals typischen Beatles-Sound wenig zu tun hatte. Songs wie „Love You To“ und „Tomorrow Never Knows“ wiesen weit in die Zukunft, andere wie „For No One“ oder „Here, There And Everywhere“ bedienten sich stilistisch bei klassischen und barocken Formen, während “I’m Only Sleeping” und “She Said She Said” den Psychedelik-Boom der Jahre 67/68 vorwegnahmen. Heute gilt das Album allgemein als Meisterstück der „Fab Four“, dessen Nachwirkungen auch in der aktuellen Musikszene zu spüren sind.
In der Sendung werden wir das Album und seine Entstehungs- und Wirkungsgeschichte ausführlich vorstellen. Diverse Coverversionen gibt es ebenfalls zu hören..
Außerdem in der Sendung: Vorschau auf die Kasseler Museumsnacht am 3. September.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 12. August 2016, 18 Uhr

 

Oberliga-Stars des Chess-Labels in London

Ein Vierteljahrhundert lang (1950 - 1975) war das Chess-Label aus Chicago der Cadillac unter den Blues-Experten. Gegründet und betrieben wurde die Firma von einem umtriebigen Immigranten-Brüderpaar aus Europa, Leonard und Philipp Chess aus dem früheren polnischen Galizien. Sie waren clevere Geschäftsleute mit einem guten Riecher für Neues. Aber nicht nur Blues wurde da in der Windy City gemacht, auch der Rock & Roll wurde von dort aus revolutionär befeuert. Von Chuck Berry über Willie Dixon, bis Bo Diddley und Howling Wolf reicht eine lange Künstlernamenliste von den 1950er Jahren bis in die Dekaden neuester technisch-aufgeblasener Musikproduktionen.
Einige der Genannten hatten gegen Ende der 60er Jahre ihre Bedeutung für ein weißes europäisches Publikum und etliche Musikadepten auf der britischen Insel verstanden. Und sie kamen als willkommene Gäste zu den Festivals, auch nach Deutschland. Einige gingen (gerne) in die Londoner Studios, um dort ziemlich hippe Sachen einzuspielen  - und ließen sich selbstredend von ihren mittlerweile prominenten Brit-Kollegen begleiten. So jammten denn beispielsweise Muddy Waters, Chuck Berry und auch Howling Wolf mit Jagger, Richards, Wyman, Watts, Clapton, Winwood, Gallagher, Beck und etlichen anderen. Herausgekommen sind echte Album-Klassiker. Auszüge aus eben diesen sind in dieser Folge zu hören.

  • Sendetermin: „Long Distance Call“, Samstag, 13. August 2016, 19 Uhr

 

Beyond the Marin County Line – The New Riders Of The Purple Sage

Heute blicken wir zurück in die Siebziger Jahre und befassen uns mit weiteren Country-Rock-Originalen. Diesmal ist einiges aus den Klassiker-Alben der New Riders Of The Purple Sage zu hören - Tracks aus "The Adventures of Panama Red" (1973) und "Powerglide" (1972). Die New Riders waren – in weitestem Sinne – ein Musikprojekt des unvergessenen Jerry Garcia von den ebenfalls legendären Grateful Dead. Begonnen hatte das Ganze im kalifornischen Marin County bei San Francisco. Damals spielten die New Riders noch als Vorgruppe in den nächtelangen Konzerten der Dead. Außerdem hören wir in dieser Folge auch einiges von den Good Old Boys, einem weiteren Garcia-Projekt. Die spielten 1975 zwar keinen Country Rock, lieferten dafür aber astreine Bluegrass Music ab (if that ain´t Country ...). Begleitet wurden damals David Nelson und Frank Wakefield von zwei Bluegrass-Legenden, Chubby Wise (Fiddle) und Don Reno (Banjo). Die exzellente Scheibe "Pistol Packin´Mama" stellt einen echten Neuzeit-Bluegrass Klassiker dar - und geht richtig gut & schräg ab!

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 14. August 2016, 19 Uhr

 

Three from one

Heute greifen wir in der Radioshow „Handmade“ eine alte, liebgewonnene Tradition wieder auf - aus der Zeit, als das FRK noch aus der altehrwürdigen Salzmann Factory sendete.  Auf vielfache Nachfrage gibt es nun zum ersten Mal vom neuen Standort des FRK aus der Innenstadt in Kassel "3 from one". Zur Erinnerung: Es werden in der Sendung unter diesem Motto immer 3 Songs der Interpreten in Folge gespielt, um die Bandbreite ihres Schaffens zu verdeutlichen. Wir wünschen allen Hörerinnen und Hörern viel Vergnügen.

  • Sendetermin: „Handmade“, Mittwoch, 17. August 2016, 18 Uhr

 

US-Swing der klassischen Phase, Folge 2/ 2016

Wieder einmal widmet sich das „Tanzparkett“ der klassischen Swingzeit.
Eine Auswahl von Platten verschiedener Orchester aus dem Höhepunkt dieser Stilrichtung können Sie als zweite von zwei in diesem Sommer gebrachten Ausgaben in „unserer“ Stunde am Mittwochabend bzw. Donnerstagnachmittag hören.
Durch die Sendung begleitet Sie Peter Michael.
 
Note to English-speaking listeners:
 
Again, we will be dealing with the classical Swing Era.
In "our" hour on Wednesday evening and/ or Thursday afternoon respectively, you may hear this summer's second edition with a selection of records made by orchestras from the heyday of Swing.
Your host will be Peter K. Michael.

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 17. August 2016, 21-22 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 18. August 2016, 13 Uhr.

 

Einmal Bühne und zurück mit „Feelsaitig“ - Liedhandwerk und Folkrock aus Franken

„Feelsaitig“ - dieser Name war und ist Programm: Gefühlvolle Songs auf verschiedenen Saiteninstrumenten, ein breites Stilspektrum von Folk über Rock bis zu engagierten Liedermacher-Balladen. Diese Band aus der fränkischen Wagner-Hochburg Bayreuth stand über ein Vierteljahrhundert lang für handgemachte Musik auf hohem Niveau und mit einer Botschaft. Ein verwegener Hauch von „Love & Peace“ durchweht das Oeuvre der Mannen um Sandy Wolfrum und Robert Wachsmann und es verwundert nicht, dass eines ihrer Alben den Titel „Flower Power“ trägt.
Aber die Folkrockfranken, die in englischer, deutscher und fränkischer Sprache sangen, wären nicht „Feelsaitig“, wenn ihr Engagement nur Lippenbekenntnis wäre. Verschiedene Initiativen wie Benefizkonzerte für eine frei fließende Donau und Auftritte in Moskau noch lange vor der Wende zeugen von echtem Willen, nicht nur von Hoffnung zu singen, sondern sie auch zu verbreiten.
Seit dem Tod des Bassisten und Sängers Hanzi Scharrer treten Wolfrum und Wachsmann nur noch gelegentlich als „Feelsaitig auf“, jedoch sind beide weiterhin unermüdlich und unplugged unterwegs in Sachen Musik. Soeben erschien ein neues Soloalbum von Sandy Wolfrum und die Sonderedition der zweiten „Feelsaitig“-LP „Folkpickings“ zu deren dreißigstem Jubiläum. Grund genug, sich einmal ausführlicher mit dem Werk dieser vielschichtigen Saitencombo auseinanderzusetzen. Zirkusdirektor Günther Klößinger hat ein buntes Programm aus alten „Feelsaitig“-Klassikern zusammengetragen, aber auch einige verborgene Schätze gehoben und natürlich wirft er auch einen Blick auf das Soloschaffen der Herren Sandy Wolfrum und Robert Wachsmann.
Am Mikro: Günther Klößinger

  • Sendetermine: „Wanderzirkus Weltklang“, Donnerstag, 18. August 2016, 19 Uhr
  • Wiederholung Weltklang: Freitag, 19. August 2016, 11 Uhr

Programminfos vom 03.08.2016 bis 10.08.2016

Zum 50. Todestag von R. A. Dvorský

Am 2. August jährt sich zum 50. Male der Tod des in der Zwischenkriegszeit wohl bedeutendsten und bekanntesten tschechoslowakischen Orchesterleiters, Sängers, Komponisten, Arrangeurs, Musikverlegers und Schauspielers. Er wurde auch der Gentleman der tschechischen Tanzmusik genannt.
Am 24. März 1899 im ostböhmischen Dvu°r Králové/ Königinhof als Sohn eines städtischen Beamten unter dem Namen Rudolf Antonin geboren, galt er als Wunderkind, das bereits im Kindergartenalter die ersten Auftritte absolvierte. Mit fünf Jahren spielte er Geige, ein Jahr später kam das Klavier dazu, schließlich noch Akkordeon und Gitarre. Man sagte ihm später nach, daß er praktisch alle in einem großen Unterhaltungsorchester vorkommenden Instrumente beherrscht haben soll. Den Künstlernamen Dvorský legte er sich als Ableitung aus der tschechischen Bezeichnung seiner Heimatstadt zu.
Da die Musik zu allen Zeiten ein unsicheres Pflaster war, übte er nach Abschluß der Grund- und Oberschule in mehreren Firmen den Beruf eines Buchhalters aus, trat aber weiter in der Gegend um seine Heimatstadt, nun vorwiegend als Pianist, in verschiedenen Kapellen, als Begleiter für Laientheatertruppen und bei Tanzveranstaltungen auf.
Seine erste große Stunde schlug 1918, als das Prager Kabarett „Rote Sieben“ in Königinhof gastierte und der Pianist ausfiel. Dvorský, damals bereits eine lokale Größe, sprang ein.
Schon im folgenden Jahr fand er sich in Prag wieder - der Kabarettdirektor, begeistert von dem „Ersatz“ aus der Provinz, hatte ihn engagiert.
In den 20er Jahren war Dvorský mit mehreren eigenen Kapellen in Prager Kabaretts und Tanzcafés engagiert. Dazu gehörten auch vornehme Häuser, in denen das gehobene Bürgertum verkehrte.
Bereits in dieser Zeit komponierte er erfolgreiche Nummern, die sogar von ausländischen Kapellen ins Repertoire genommen und für die Schallplatte eingespielt wurden, z.B. von Londoner Tanzorchestern wie Jack Hylton oder dem Mayfair Dance Orchestra.
Sein Schallplattendebüt gab er als Sänger, zunächst in Berlin für die kleine Firma Menzenhauer und Schmidt, die die Kalliope-Schallplatte herausgab. Dabei wurde er von Personal des Sam-Baskini-Orchesters begleitet. Die Aufnahmen wurden von der Esta in Prag übernommen.
1929 gründete er die Melody Boys, die in Prag für die Esta und die Odeon erste Platten aufnahmen - und schließlich für die Ultraphon, bei der er fortan bleiben sollte.
Wie damals (nicht nur, aber in der Tschechoslowakei wohl besonders) üblich, brachte das Orchester Musik aus fast allen populären Genres, vom Jazz und später Swing (oder zumindest der davon beeinflußten Tanzmusik) über die Begleitung von Kleinkunstvorträgen und die in Böhmen noch heute äußerst beliebten Polkas und Walzer bis hin zu Märschen.
Dvorský war in der Unterhaltungsbranche der 30er und frühen 40er Jahre gut im Geschäft.
Er leitete sein Orchester, das zu Konzerten und Tanzveranstaltungen, auf Platten, am Rundfunk und im Film spielte. Zudem setzte er, wie schon bei seinen frühen Plattenaufnahmen, seine ansprechende Gesangsstimme ein. Er trat als ein gutaussehender Mann, dem die Bühne nicht fremd war, sogar selbst als Filmschauspieler auf. Ferner besaß er einen Musikverlag, in dem er nicht nur seine eigenen Nummern herausbrachte, sondern viele in der Tschechoslowakei überaus populäre Kompositionen. Endlich war er Anteilseigner der marktbeherrschenden Plattenfirma Ultraphon, bei der seit den frühen 30er Jahren auch seine Platten erschienen.
Die deutsche Besetzung der sog. „Resttschechei“ im Jahre 1939 änderte an all dem wenig. Im Gegenteil, denn nun erweiterte sich seine Popularität noch auf Deutschland. Die Telefunkenplatte, 1932 aus der deutschen Ultraphon hervorgegangen und seitdem Mutterkonzern der tschechischen Ultraphon, ließ ab 1941 in Prag öfter Aufnahmen für den deutschen Markt einspielen und entwickeln. Dvorský und die - wenn man so will -  tschechische Ausgabe der Andrews Sisters, das Allan-Terzett, sangen dafür in mehreren Sitzungen etliche Titel auf deutsch ein. Beispiele sind in unserer Sendung enthalten.
Auf dem Zenit des Erfolges bog R. A. Dvorskýs Lebensweg jäh um. 1944 mußte er das Orchester auflösen, denn nun forderten die Jahrzehnte des nervenzehrenden Bühnenschaubetriebs und der Auftritte in der stickigen, rauchgeschwängerten Luft von Bars und Nachtklubs ihren Tribut. Dvorský war an Lungentuberkulose erkrankt und mußte die folgenden Jahre bis 1946 in Kliniken und Sanatorien zubringen. Eine völlige Wiederherstellung seiner Gesundheit gelang den Ärzten dennoch nicht.
Im Eiswinter 1947 starb sein Sohn Miroslav, Dirigent und große Hoffnung des Vaters, an einer Lungenentzündung.
Dies sollte nicht der letzte schwere Schicksalsschlag bleiben.
Nach dem kommunistischen Putsch von 1948 wurde die Tschechoslowakei wohl am radikalsten und schnellsten von allen Staaten in der Einflußsphäre Moskaus auf Linie gebracht. Dazu gehörte die sofortige und praktisch restlose Zerschlagung der Privatwirtschaft.
R. A. Dvorskýs Verlag wurde enteignet, woraufhin ihm die Mills Music Inc., die seine Auslandsrechte vertrat, den Vertrag kündigte, so daß die Tantiemen ausblieben.
Auch die Ultraphon wurde mit ihrer vorher schärfsten Konkurrentin ESTA und den Überresten der ausländischen Plattenfirmen zwangsvereinigt und zum nun einzigen tschechoslowakischen Plattenkonzern Supraphon verstaatlicht. Damit waren Dvorskýs Anteile über Nacht zu wertlosem Papier geworden.
1950 schließlich sah er keine Möglichkeit mehr, in der „neuen“ sozialistischen Tschechoslowakei sein Auskommen zu finden. Mit Freunden, die im II. Weltkrieg in der Royal Air Force gedient hatten, besprach er Fluchtpläne. Jedoch gab es offensichtlich nicht nur Freunde in diesem Kreis. Noch bevor an eine Ausführung zu denken war, wurde R. A. Dvorský von der tschechoslowakischen Geheimpolizei verhaftet. Aus den Mühlen des stalinistischen Terrorsystems gab es für ihn keinen Ausweg. 1953 wurde Dvorský u.a. wegen versuchten Hochverrats zu fünf Jahren verurteilt; die Betätigung in seinem Berufsfeld wurde ihm untersagt. Aufgrund seiner angegriffenen Gesundheit, die sich in der Haft natürlich nicht besserte, wurde er allerdings 1956 vorzeitig entlassen.
Hernach richtete er einen Bittbrief an den tschechoslowakischen Staatspräsidenten, woraufhin ihm 1957 eine erneute Berufsausübung im Musikgeschäft gestattet wurde.
Er ging wieder auf Tourneen und nahm noch einmal elf Plattenseiten für die Supraphon auf.
Für den Tschechoslowakischen Rundfunk diktierte er von 1962 bis 1964 seine Erinnerungen auf Band.
Mit gerade einmal 67 Jahren starb R. A. Dvorský am 02. August 1966 in Prag, und sein vorzeitiger Tod war sicher auch eine Spätfolge seiner Erkrankung und der Haftbedingungen in den Gefängnissen der Stalinzeit.
Seine letzte Ruhestätte fand er auf dem Friedhof seiner Heimatstadt Dvu°r Králové.
Sein Grab ist bis heute erhalten, geziert von einer Bronzeplastik seines Kopfes, die in Richtung seines Lieblingsberges blickt. Auch ist sein Geburtshaus durch eine Tafel gekennzeichnet.
Im „Prager Frühling“ 1968 wurde er posthum voll rehabilitiert.
Wir bringen zu R. A. Dvorskýs fünfzigstem Todestag die Wiederholung einer Sendung von 2007, in der wir einen kleinen Überblick über sein Schaffen auf dem Gebiet der modernen Tanzmusik der 30er und 40er Jahre geben.
 
Wir bringen:
-Ein Lied, ein Kuß, ein Mädel
-Lambeth Walk voc RAD
-Hrály Dudy voc RAD
-Rad si pískam voc RAD
-Fakir voc RAD & chor
-Dlouhy je mesic
-So wird’s nie wieder sein voc Allan-3
-So tanzt nur die Katja voc Allan-3
-Pergamino voc RAD & Allan-3
-Conchinella voc RAD & Allan-3
-Peter, Peter, wo warst du heute nacht? voc RAD & Allan-3
-Hm-hm, du bist so zauberhaft voc RAD & Allan-3
-Von mir aus kann’s regnen voc Allan-3
-Wer verliebt ist, braucht Musik voc Allan-3
-Für ein süßes Mädel voc RAD & Allan-3
-Das Froschkonzert voc Allan-3
-Budes mou voc RAD & Allanový Sestry

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 3. August 2016, 21-22 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 4. August 2016, 13 Uhr

 

Die Welt ist ein Kino - und hier sind die Soundtracks

Schon immer übte das Kino eine gewaltige Faszination auf die Menschen aus. Doch schon in den Tagen, da die Bilder noch laufen lernten, stellte man bald fest, dass die emotional kongeniale Verbindung für das Publikum im Zusammenspiel von bewegter Cinematographie und Musik besteht. So wurden zu Zeiten der ersten Kinos Filme von Pianisten oder zeitweise von ganzen Orchestern live begleitet.
Auch nach dem Siegeszug des Tonfilms blieb Musik ein wichtiges Gestaltungsmerkmal der Filmkunst. Was wäre „Alexis Sorbas“ ohne die stimmungsvollen Kompositionen von Mikis Theodorakis, die Italowestern von Sergio Leone ohne Ennio Morricones dramatische Soundtracks oder …oder …oder.
Um Land und Leute eines Handlungsortes auch musikalisch zu porträtieren finden oftmals ethnische Klänge Eingang in die Soundtracks - und da kommt der Weltklang ins Spiel. Zirkusdirektor Günther Klößinger lädt ein zu einer filmisch-musikalischen Reise um den Globus und präsentiert anlässlich der aktuellen Vorstellung in der Weltmusikalischen Manege des „Freien Radio Kassel“ ausgewählte Kinomelodien. Dabei werden sowohl populäre Klassiker des Genres zu hören sein wie auch Perlen, die eher im Verborgenen schimmern. Also - Licht aus, Film ab und bitte nicht zu laut mit dem Popcorn knuspern.
Am Mikro: Günther Klößinger

  • Sendetermine: „Wanderzirkus Weltklang“, Donnertstag, 4. August 2016, 19 Uhr
  • Wiederholung Weltklang: Freitag, 5. August 2016, 11 Uhr

 

70 Jahre Hessen

2016 wird das 70jährige Bestehen des Bundeslands Hessen überall groß gefeiert. Das Jubiläum war auch Anlaß für eine Diskussionsveranstaltung, die kürzlich im Gießhaus auf dem Gelände der Kasseler Universität stattfand. Eingeladen waren der ehemalige Kasseler Oberbürgermeister und Ex-Ministerpräsident Hans Eichel (SPD) sowie der frühere Hessische Justizminister Christean Wagner (CDU). Unter der Moderation von Prof. Wolfgang Schroeder vom Fachbereich Politikwissenschaft der Uni Kassel tauschten die beiden politischen Urgesteine ihre Erfahrungen aus, die sie in Jahrzenten im Politikbetrieb sammeln durften. Schwerpunkt des Gesprächs war, dem Anlaß entsprechend, die Entwicklung im Bundesland Hessen, die die inzwischen verrenteten Polit-Haudegen an entscheidenden Stellen mitgeprägt haben. Zu Beginn der Veranstaltung lieferte Prof. Schroeder einen Überblick über den Weg Hessens vom „Land der Gegensätze zur neuen Einheit“. Daß auch die bis heute bestehenden kulturellen Unterschiede zwischen Nord- und Südhessen zur Sprache kamen, versteht sich von selbst.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 5. August 2016, 18 Uhr

 

Highwaymen live

Unter dem Gruppennamen „Highwaymen“ taten sich Mitte der 80er Jahre vier der größten Stars der amerikanischen Musikszene zusammen: Johnny Cash, Waylon Jennings, Kris Kristofferson und Willie Nelson. Drei LPs veröffentlichte das prominente Quartett in Laufe der folgenden zehn Jahre, mehrere erfolgreiche Tourneen wurden absolviert. Da die vier Country-Legenden natürlich in erster Linie mit ihren jeweiligen Solo-Karrieren beschäftigt waren, konnte das „Highwaymen“-Projekt immer nur dann laufen, wenn die entsprechenden zeitlichen Freiräume zur Verfügung standen. 1990 war der Mega-Vierer in den USA auf Tour, um das Album „Highwaymen 2“ zu promoten. Einige der Konzerte wurden mitgeschnitten, und vor wenigen Wochen erschien eine DVD/CD-Edition mit einer kompletten Konzertaufzeichnung von damals. Die gibt’s heute in der „Langen Rille“ zu hören – ergänzt durch Studioaufnahmen der „Highwaymen“, die nach dem Tod von Waylon Jennings und Johnny Cash 2002/2003 auch schon Geschichte sind.

  • Sendetermin: „Die Lange Rille“, Samstag, 6. August 2016, 21 Uhr

 

 

Steuerflucht, CETA und neue Bankenkrisen: Die soziale Schieflage der EU; Interview mit Sven Giegold, Mitglied des Europäischen Parlaments (Die Grünen)


Der EU entgehen pro Jahr schätzungsweise 1.000 Milliarden Euro an Steuergeldern aufgrund von Steuerflucht und Schattenwirtschaft – genug um damit sämtliche EU-Staatshaushalte zu sanieren. Unternehmen wie Ikea, Amazon und McDonald's zahlen dank Steueroasen wie Luxemburg fast keine Steuern. Während EU-Kommission und Bundesregierung Mitgliedsländern wie Griechenland Lohnsenkungen, Privatisierungen und
Mehrwertsteuererhöhungen ufzwingen, haben sie sich bei der Bekämpfung von Steuerflucht wenig engagiert.In dieser Sendung geht es außerdem um das Freihandelsabkommen CETA zwischen der EU und Kanada, die
Zukunft der EU nach dem Brexit und die Bankenkrise in Italien.
(Kontext-TV, 19. Juli 2016)

  • Sendetermin: „attac-Radio“, Dienstag, 9. August 2016, 19 Uhr

 

Linda Hesse im Interview

Mit Linda ein Interview zu führen macht Spaß. Sie ist eine ernsthafte junge Frau, aber man kann mit ihr auch sehr herzhaft lachen. Ihre aktuelles Album, das dritte, hat den Titel "Sonnenkind", und man merkt im Gespräch sehr schnell, daß sie ein Sonnenkind ist. Für ihre neue Platte hat sie all ihr Licht und ihre Energie gebündelt. „Magic Moments“-Moderator Thomas sprach mit ihr über Liebesbriefe, eine Sommerwiese, über das Schicksal, über „Unser Lied“, und darüber, Dinge nicht einfach kaputt zu machen, Linda meint übrigens, sie singe keine Schlager sondern „Mucke“.

  • Sendetermin: „Magic Moments“, Mittwoch, 10. August 2016, 21 Uhr

Programminfos 25.07.2016 bis 05.08.2016

Putschversuch in der Türkei

War der Putsch inszeniert? Wieso verlief die Aktion dermaßen dilettantisch? Was steckt tatsächlich dahinter? Wie wird die türkische Regierung die Situation zur Zementierung ihrer Macht nutzen? Welche Rolle spielen Europa, die NATO, die USA und Rußland?
All diese Fragen (und noch einige mehr) erörterte Türkei-Experte Murat Cakir von der Rosa-Luxemburg-Stiftung in seinem Vortrag, den er wenige Tage nach dem gescheiterten Putschversuch im Cafe Buch-Oase in Kassel hielt.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 29. Juli 2016, 18 Uhr

 

Oberliga-Stars des Chess-Labels in London

Ein Vierteljahrhundert lang (1950 - 1975) war das Chess-Label aus Chicago der Cadillac unter den Blues-Experten. Gegründet und betrieben wurde die Firma von einem umtriebigen Immigranten-Brüderpaar aus Europa, Leonard und Philipp Chess aus dem früheren polnischen Galizien. Sie waren clevere Geschäftsleute mit einem guten Riecher für Neues. Aber nicht nur Blues wurde da in der Windy City gemacht, auch der Rock & Roll wurde von dort aus revolutionär befeuert. Von Chuck Berry über Willie Dixon, bis Bo Diddley und Howling Wolf reicht eine lange Künstlernamenliste von den 1950er Jahren bis in die Dekaden neuester technisch-aufgeblasener Musikproduktionen.
Einige der Genannten hatten gegen Ende der 60er Jahre ihre Bedeutung für ein weißes europäisches Publikum und etliche Musikadepten auf der britischen Insel verstanden. Und sie kamen als willkommene Gäste zu den Festivals, auch nach Deutschland. Einige gingen (gerne) in die Londoner Studios, um dort ziemlich hippe Sachen einzuspielen  - und ließen sich selbstredend von ihren mittlerweile prominenten Brit-Kollegen begleiten. So jammten denn beispielsweise Muddy Waters, Chuck Berry und auch Howling Wolf mit Jagger, Richards, Wyman, Watts, Clapton, Winwood, Gallagher, Beck und etlichen anderen. Herausgekommen sind echte Album-Klassiker. Auszüge aus eben diesen sind in dieser Folge zu hören.

  • Sendetermin: „Long Distance Call“, Samstag, 30. Juli 2016, 19 Uhr

 

A Rock & Roll-Medley

Dem Lonesome Traveler ist es aktuell ein echtes Bedürfnis, sich diesmal bei seinen geschätzten StammhörerInnen für ihre Treue und geteilte Musikleidenschaft zu bedanken. So, it´s Rock & Roll time again! Wir hören frühe Single-Hits von „King“ Elvis ("Don´t be cruel"/"Lawdy Miss Clawdy"/”My Baby left me" u.a.) sowie die genial den Originalen angepaßten Coverversionen von Neuzeit-Rocker Robert Gordon. Der durchgeknallte Rockabilly mit der beeindruckenden Baritonstimme wurde während der letzten Jahre vom englischen Ausnahmegitarristen Chris Spedding begleitet. Unter dem Arbeitstitel "The Voice meets The Guitar" haben die beiden, unterstützt von Elvis´ originaler Vokalgruppe, den Jordanaires, ein wahrlich erstaunliches Album rausgehauen, daß es einem nur so heiß und kalt den Rücken runterläuft. Geht bis runter in die Beine - rock & roll it!
Sozusagen in Ergänzung zur „Long Distance Call“-Bluesfolge von Vortag ("Chess-Legenden in London") ist auch der "Killer" Jerry Lee Lewis mit einigen Tracks aus seinem Meilenstein-Doppelalbum von 1973 dabei, das ebenfalls in der britischen Musikschaltzentrale London eingespielt wurde. Damalige Mitarbeiter waren Rory Gallagher, Peter Frampton, Albert Lee, Kenny Lovelace, Delaney Bramlett, Alvin Lee, Klaus Voormann u.a.  Wer konnte seinerzeit dorten wem das Wasser reichen? Chuck? Oder Jerry Lee? Anyway: Rockalbum-Klassiker allesamt.
Moderation: Wolf Silaff. Thank you, folks.

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 31. Juli 2016, 19 Uhr

 

Zum Tod von Alan Vega

Obwohl Alan Vega vielleicht nicht zu den prominentesten Stars im Musikgeschäft gehörte, war er doch ein Mann mit Einfluß – und zwar mit gewaltigem Einfluß: Zahllose Musiker aus den Bereichen New Wave, Punk, Techno und Elektronik berufen sich auf die Pionierarbeit des amerikanischen Duos Suicide, dessen eine Hälfte Alan Vega war. Mit seiner durchdringenden Stimme, seinem einzigartigen Gesangsstil und den apokalyptischen Texten beeindruckte er Generationen junger Bands. Gemeinsam mit seinem Kollegen Martin Rev produzierte Vega akustische Horrorvisionen, unterlegt lediglich mit elektronisch verfremdeten Keyboard-Sounds und Beats aus der Rhythmusmaschine. Suicide waren eine der ersten Bands, die ausschließlich elektronisches Instrumentarium einsetzten und damit – ähnlich wie Kraftwerk in Europa – den Boden für die Entwicklung der sythetischen und digitalen Klangerzeugung bereiteten. Wurden sie damals, in den 70er Jahren, noch vom Publikum angefeindet und bei Konzerten teilweise von der Bühne gejagt, so sind sie heute Klassiker, ihre wenigen Alben gelten als als visionäre Meisterwerke. Alan Vega starb kürzlich im Alter von 78 Jahren – wir würdigen den vielseitigen Künstler, der auch als Maler und Bildhauer tätig war.

  • Sendetermin: „FRK spezial“, Dienstag, 2. August 2016, 18 Uhr

 

Liederbestenliste, Ausgabe August 2016

Seit 1984 erstellt die Jury der Liederbestenliste monatlich eine ’Hitparade’ des deutschsprachigen Liedes. Jede(r) der 20 Jurorinnen und Juroren aus der Schweiz, Österreich, Belgien und Deutschland nennt monatlich sieben Lieder, denen er oder sie möglichst viele HörerInnen wünscht. Punkte werden nur für einzelne Titel vergeben, nicht für ein gesamtes Album. Aus der Addition ergibt sich die Monatsliste, die das Freie Radio Kassel einmal im Monat präsentiert. Wer es diesmal unter die besten 20 dieser etwas anderen Hitparade geschafft hat, erfahren Hörerinnen und Hörer in dieser Ausgabe von Liederleute, dem Magazin für Musik und Politik. Am Mikrofon: Dieter Kindl (Juror der Liederbestenliste).

  • Sendetermine: „Liederleute“, Dienstag, 2. August 2016, 20.00 Uhr
  • Wiederholung: Mittwoch, 3. August 2016, 12.00 Uhr

 

 

Nur ein Verseschmied?


Er war für die Schweizer Musikszene von großer Bedeutung und hat sie bis heute geprägt. 1972 ist der Berner Liedermacher bei einem Autounfall tödlich verünglückt. Seither ist in der Schweiz viel über ihn geschrieben, gesagt und nachgedacht worden. Und man hat ihn gewürdigt: Mani Matter, den Rechtsgelehrten, den Verseschmied, den Philosophen, den Dichter, den Menschen. Zuerst kurz nach dem Unfall, aus direkter Betroffenheit und Trauer. Später aus der Distanz und mit der Neugierde neuer Generationen. Das Freie Radio Kassel wird sich mit ihm und seinen Liedern den ganzen August über beschäftigen. In der ersten Sendung gibt es zunächst einmal ein Portait des Chansonniers zu hören. Am Mikrofon: Trudi & Dieter Kindl.

  • Sendetermine: „Kreuzweise“, Dienstag, 2. August 2016, 21.00 Uhr
  • Wiederholung: Mittwoch, 3. August 2016, 13.00 Uhr

 

Zum 50. Todestag von R. A. Dvorský

Am 2. August jährt sich zum 50. Male der Tod des in der Zwischenkriegszeit wohl bedeutendsten und bekanntesten tschechoslowakischen Orchesterleiters, Sängers, Komponisten, Arrangeurs, Musikverlegers und Schauspielers. Er wurde auch der Gentleman der tschechischen Tanzmusik genannt.
Am 24. März 1899 im ostböhmischen Dvu°r Králové/ Königinhof als Sohn eines städtischen Beamten unter dem Namen Rudolf Antonin geboren, galt er als Wunderkind, das bereits im Kindergartenalter die ersten Auftritte absolvierte. Mit fünf Jahren spielte er Geige, ein Jahr später kam das Klavier dazu, schließlich noch Akkordeon und Gitarre. Man sagte ihm später nach, daß er praktisch alle in einem großen Unterhaltungsorchester vorkommenden Instrumente beherrscht haben soll. Den Künstlernamen Dvorský legte er sich als Ableitung aus der tschechischen Bezeichnung seiner Heimatstadt zu.
Da die Musik zu allen Zeiten ein unsicheres Pflaster war, übte er nach Abschluß der Grund- und Oberschule in mehreren Firmen den Beruf eines Buchhalters aus, trat aber weiter in der Gegend um seine Heimatstadt, nun vorwiegend als Pianist, in verschiedenen Kapellen, als Begleiter für Laientheatertruppen und bei Tanzveranstaltungen auf.
Seine erste große Stunde schlug 1918, als das Prager Kabarett „Rote Sieben“ in Königinhof gastierte und der Pianist ausfiel. Dvorský, damals bereits eine lokale Größe, sprang ein.
Schon im folgenden Jahr fand er sich in Prag wieder - der Kabarettdirektor, begeistert von dem „Ersatz“ aus der Provinz, hatte ihn engagiert.
In den 20er Jahren war Dvorský mit mehreren eigenen Kapellen in Prager Kabaretts und Tanzcafés engagiert. Dazu gehörten auch vornehme Häuser, in denen das gehobene Bürgertum verkehrte.
Bereits in dieser Zeit komponierte er erfolgreiche Nummern, die sogar von ausländischen Kapellen ins Repertoire genommen und für die Schallplatte eingespielt wurden, z.B. von Londoner Tanzorchestern wie Jack Hylton oder dem Mayfair Dance Orchestra.
Sein Schallplattendebüt gab er als Sänger, zunächst in Berlin für die kleine Firma Menzenhauer und Schmidt, die die Kalliope-Schallplatte herausgab. Dabei wurde er von Personal des Sam-Baskini-Orchesters begleitet. Die Aufnahmen wurden von der Esta in Prag übernommen.
1929 gründete er die Melody Boys, die in Prag für die Esta und die Odeon erste Platten aufnahmen - und schließlich für die Ultraphon, bei der er fortan bleiben sollte.
Wie damals (nicht nur, aber in der Tschechoslowakei wohl besonders) üblich, brachte das Orchester Musik aus fast allen populären Genres, vom Jazz und später Swing (oder zumindest der davon beeinflußten Tanzmusik) über die Begleitung von Kleinkunstvorträgen und die in Böhmen noch heute äußerst beliebten Polkas und Walzer bis hin zu Märschen.
Dvorský war in der Unterhaltungsbranche der 30er und frühen 40er Jahre gut im Geschäft.
Er leitete sein Orchester, das zu Konzerten und Tanzveranstaltungen, auf Platten, am Rundfunk und im Film spielte. Zudem setzte er, wie schon bei seinen frühen Plattenaufnahmen, seine ansprechende Gesangsstimme ein. Er trat als ein gutaussehender Mann, dem die Bühne nicht fremd war, sogar selbst als Filmschauspieler auf. Ferner besaß er einen Musikverlag, in dem er nicht nur seine eigenen Nummern herausbrachte, sondern viele in der Tschechoslowakei überaus populäre Kompositionen. Endlich war er Anteilseigner der marktbeherrschenden Plattenfirma Ultraphon, bei der seit den frühen 30er Jahren auch seine Platten erschienen.
Die deutsche Besetzung der sog. „Resttschechei“ im Jahre 1939 änderte an all dem wenig. Im Gegenteil, denn nun erweiterte sich seine Popularität noch auf Deutschland. Die Telefunkenplatte, 1932 aus der deutschen Ultraphon hervorgegangen und seitdem Mutterkonzern der tschechischen Ultraphon, ließ ab 1941 in Prag öfter Aufnahmen für den deutschen Markt einspielen und entwickeln. Dvorský und die - wenn man so will -  tschechische Ausgabe der Andrews Sisters, das Allan-Terzett, sangen dafür in mehreren Sitzungen etliche Titel auf deutsch ein. Beispiele sind in unserer Sendung enthalten.
Auf dem Zenit des Erfolges bog R. A. Dvorskýs Lebensweg jäh um. 1944 mußte er das Orchester auflösen, denn nun forderten die Jahrzehnte des nervenzehrenden Bühnenschaubetriebs und der Auftritte in der stickigen, rauchgeschwängerten Luft von Bars und Nachtklubs ihren Tribut. Dvorský war an Lungentuberkulose erkrankt und mußte die folgenden Jahre bis 1946 in Kliniken und Sanatorien zubringen. Eine völlige Wiederherstellung seiner Gesundheit gelang den Ärzten dennoch nicht.
Im Eiswinter 1947 starb sein Sohn Miroslav, Dirigent und große Hoffnung des Vaters, an einer Lungenentzündung.
Dies sollte nicht der letzte schwere Schicksalsschlag bleiben.
Nach dem kommunistischen Putsch von 1948 wurde die Tschechoslowakei wohl am radikalsten und schnellsten von allen Staaten in der Einflußsphäre Moskaus auf Linie gebracht. Dazu gehörte die sofortige und praktisch restlose Zerschlagung der Privatwirtschaft.
R. A. Dvorskýs Verlag wurde enteignet, woraufhin ihm die Mills Music Inc., die seine Auslandsrechte vertrat, den Vertrag kündigte, so daß die Tantiemen ausblieben.
Auch die Ultraphon wurde mit ihrer vorher schärfsten Konkurrentin ESTA und den Überresten der ausländischen Plattenfirmen zwangsvereinigt und zum nun einzigen tschechoslowakischen Plattenkonzern Supraphon verstaatlicht. Damit waren Dvorskýs Anteile über Nacht zu wertlosem Papier geworden.
1950 schließlich sah er keine Möglichkeit mehr, in der „neuen“ sozialistischen Tschechoslowakei sein Auskommen zu finden. Mit Freunden, die im II. Weltkrieg in der Royal Air Force gedient hatten, besprach er Fluchtpläne. Jedoch gab es offensichtlich nicht nur Freunde in diesem Kreis. Noch bevor an eine Ausführung zu denken war, wurde R. A. Dvorský von der tschechoslowakischen Geheimpolizei verhaftet. Aus den Mühlen des stalinistischen Terrorsystems gab es für ihn keinen Ausweg. 1953 wurde Dvorský u.a. wegen versuchten Hochverrats zu fünf Jahren verurteilt; die Betätigung in seinem Berufsfeld wurde ihm untersagt. Aufgrund seiner angegriffenen Gesundheit, die sich in der Haft natürlich nicht besserte, wurde er allerdings 1956 vorzeitig entlassen.
Hernach richtete er einen Bittbrief an den tschechoslowakischen Staatspräsidenten, woraufhin ihm 1957 eine erneute Berufsausübung im Musikgeschäft gestattet wurde.
Er ging wieder auf Tourneen und nahm noch einmal elf Plattenseiten für die Supraphon auf.
Für den Tschechoslowakischen Rundfunk diktierte er von 1962 bis 1964 seine Erinnerungen auf Band.
Mit gerade einmal 67 Jahren starb R. A. Dvorský am 02. August 1966 in Prag, und sein vorzeitiger Tod war sicher auch eine Spätfolge seiner Erkrankung und der Haftbedingungen in den Gefängnissen der Stalinzeit.
Seine letzte Ruhestätte fand er auf dem Friedhof seiner Heimatstadt Dvu°r Králové.
Sein Grab ist bis heute erhalten, geziert von einer Bronzeplastik seines Kopfes, die in Richtung seines Lieblingsberges blickt. Auch ist sein Geburtshaus durch eine Tafel gekennzeichnet.
Im „Prager Frühling“ 1968 wurde er posthum voll rehabilitiert.
Wir bringen zu R. A. Dvorskýs fünfzigstem Todestag die Wiederholung einer Sendung von 2007, in der wir einen kleinen Überblick über sein Schaffen auf dem Gebiet der modernen Tanzmusik der 30er und 40er Jahre geben.
 
Wir bringen:
-Ein Lied, ein Kuß, ein Mädel
-Lambeth Walk voc RAD
-Hrály Dudy voc RAD
-Rad si pískam voc RAD
-Fakir voc RAD & chor
-Dlouhy je mesic
-So wird’s nie wieder sein voc Allan-3
-So tanzt nur die Katja voc Allan-3
-Pergamino voc RAD & Allan-3
-Conchinella voc RAD & Allan-3
-Peter, Peter, wo warst du heute nacht? voc RAD & Allan-3
-Hm-hm, du bist so zauberhaft voc RAD & Allan-3
-Von mir aus kann’s regnen voc Allan-3
-Wer verliebt ist, braucht Musik voc Allan-3
-Für ein süßes Mädel voc RAD & Allan-3
-Das Froschkonzert voc Allan-3
-Budes mou voc RAD & Allanový Sestry

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 3. August 2016, 21-22 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 4. August 2016, 13 Uhr

 

Die Welt ist ein Kino - und hier sind die Soundtracks

Schon immer übte das Kino eine gewaltige Faszination auf die Menschen aus. Doch schon in den Tagen, da die Bilder noch laufen lernten, stellte man bald fest, dass die emotional kongeniale Verbindung für das Publikum im Zusammenspiel von bewegter Cinematographie und Musik besteht. So wurden zu Zeiten der ersten Kinos Filme von Pianisten oder zeitweise von ganzen Orchestern live begleitet.
Auch nach dem Siegeszug des Tonfilms blieb Musik ein wichtiges Gestaltungsmerkmal der Filmkunst. Was wäre „Alexis Sorbas“ ohne die stimmungsvollen Kompositionen von Mikis Theodorakis, die Italowestern von Sergio Leone ohne Ennio Morricones dramatische Soundtracks oder …oder …oder.
Um Land und Leute eines Handlungsortes auch musikalisch zu porträtieren finden oftmals ethnische Klänge Eingang in die Soundtracks - und da kommt der Weltklang ins Spiel. Zirkusdirektor Günther Klößinger lädt ein zu einer filmisch-musikalischen Reise um den Globus und präsentiert anlässlich der aktuellen Vorstellung in der Weltmusikalischen Manege des „Freien Radio Kassel“ ausgewählte Kinomelodien. Dabei werden sowohl populäre Klassiker des Genres zu hören sein wie auch Perlen, die eher im Verborgenen schimmern. Also - Licht aus, Film ab und bitte nicht zu laut mit dem Popcorn knuspern.
Am Mikro: Günther Klößinger

  • Sendetermine: „Wanderzirkus Weltklang“, Donnertstag, 4. August 2016, 19 Uhr
  • Wiederholung Weltklang: Freitag, 5. August 2016, 11 Uhr

Programminfos vom 20.07.2016 bis 24.07.2016

US-Swing der klassischen Phase, Folge 1/ 2016

Wieder einmal widmet sich das „Tanzparkett“ der klassischen Swingzeit.
Eine Auswahl von Platten verschiedener Orchester aus dem Höhepunkt dieser Stilrichtung können Sie als erste von zwei Ausgaben in „unserer“ Stunde am Mittwochabend bzw. Donnerstagnachmittag hören.
Durch die Sendung begleitet Sie Peter Michael.
Plattenliste folgt.
 
Note to English-speaking listeners:
 
Again, we will be dealing with the classical Swing Era.
You may hear a selection of records made by orchestras from the heyday of Swing in "our" hour on Wednesday evening and/ or Thursday afternoon respectively. A second part will be broadcast on July, 20th.
Your host will be Peter K. Michael.
Playlist follows.

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 20. Juli 2016, 21-22 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 21. Juli 2016, 13 Uhr.
  • Der zweite Teil folgt am 17. August.
    Am 03. August hören Sie eine Sendung zum 50. Todestag von R. A. Dvorský.

 

Fado - portugiesische Schicksalsklänge in Moll

Der Fado ist einer der populärsten Musikstile aus Portugal. Da die Lieder des Genres stets von Weltschmerz und Sehnsucht durchweht sind, nennt man ihn zuweilen auch den „portugiesischen Blues“. Genauer betrachtet haben die Schicksalsklänge aus Lissabon und anderen Zentren des Fado nur oberflächlich etwas mit der rauhen Düsterromantik aus Amerika gemein, mal abgesehen von der Neigung zu tiefen Gefühlen.
Der Blues lebt oft von einer rauhen Melodik in Dur, stellt die traurige Realität in spröden, einfachen Worten dar. Fado ist Poesie, ohne Themen wie soziale Schieflagen auszusparen. Zudem ist hier wesentlich häufiger Moll angesagt..
Dennoch gibt es eine Gemeinsamkeit, und diese ist entscheidend: Sowohl der Blues als auch der Fado sind mehr als nur folkloristisch-populäre Musikgenres. Beide vermitteln eine Lebenseinstellung. Den Fado spielt man nicht, man lebt ihn.
Die aktuelle Ausgabe von „Wanderzirkus Weltklang“ taucht ein in die sehnsuchtsvolle Welt portugiesischer Liedkultur und präsentiert sowohl viele Klassiker als auch zeitgenössische Vertreter und Vertreterinnen dieser schicksalshaften Musik.
Am Mikro: Günther Klößinger

  • Sendetermine: „Wanderzirkus Weltklang“, Donnerstag, 21. Juli 2016, 19 Uhr
  • Wiederholung Weltklang: Freitag, 22. Juli 2016, 11 Uhr

 

Kalter Krieg einst und heute

Zum Thema „Europa vor einem neuen Kalten Krieg? - Historische Erfahrungen und aktuelle Situation“ referierte der Politikwissenschaftler und Amerikanist Prof. Dr. Bernd Greiner an der Herderschule vor interessierten Schülern, Lehrern und Gästen. Prof. Dr. Bernd Greiner formulierte als Autor der momentan in der Herderschule gezeigten Ausstellung „Der Kalte Krieg. Ursachen – Geschichte – Folgen“, das Ziel der Ausstellung sei nicht nur die Bilanzierung historischer Ereignisse, sondern auch durch Vermittlung neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse, eine differenziertere Betrachtung aktueller politischer Entwicklungen in der breiten Öffentlichkeit zu erreichen. Der „hemdsärmeligen“ Behauptung, wir befänden uns in einem neuen Kalten Krieg, könne so entgegengewirkt werden. Er vertrat die Auffassung, dass die heutigen Konflikte nicht mit dem Kalten Krieg vergleichbar sind, der von 1947 – 1990 die Welt beherrschte. Die künftigen Auseinandersetzungen in der Weltpolitik werden nicht mehr unbedingt um Rohstoffe und Energiegewinnung ausgetragen, in den nächsten Jahren wird man sich mit Kommunikationsformen und dem „Cyberwar“ befassen. Prof. Dr. Greiner sieht die deutsche Forschung zum Kalten Krieg im Rückstand beispielsweise gegenüber der Geschichtswissenschaft in angelsächsischen Ländern. Daher unterstützt das von ihm geleitete Berliner Kolleg Kalter Krieg jedes Jahr zwei Studierende, die ihren Studienschwerpunkt auf den kalten Krieg legen, mit einem Stipendium. Im Anschluss an Prof. Dr.Greiners Vortrag entwickelte sich eine angeregte Diskussion mit dem Publikum, das sich als gut informiert und politisch engagiert zeigte.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 22. Juli 2016, 18 Uhr

 

Searchin´ for a Rainbow – Country Rock aus den 70ern

„Searching For A Rainbow“ war ein Albumtitel der legendären Marshall Tucker Band aus Spartanburg/South Carolina. Aus dieser LP von 1975 hören wir heute einige interessante Titel. Die Mittsiebziger-Platten der famosen Truppe waren damals ganz fix Publikumslieblinge. Auch als Live-Band erspielten sich die Gebrüder Toy & Tommy Caldwell mit ihren Kollegen ein guten Ruf. Ganz groß kamen sie bei Festivals zusammen mit den Allman Brothers heraus. Gleiches gilt für ein Musikprojekt, das anfangs nicht unbedingt mit Band-Intentionen begonnen hatte. Die Ozark Mountain Daredevils jammten mit unbändiger Spielfreude im New Bijou Theatre in Springfield/Missouri - und wurden prompt vom ebenfalls legendären Produzenten John Hammond entdeckt. Sie schrieben eine Reihe toller tiefgehender Songs. The rest is history ... In der heutigen Folge gibt’s einige Highlights aus den Erfolgsalben von damals.

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 24. Juli 2016, 19 Uhr

Programminfos vom 14.04.2016 bis 22.07.2016

Schwarzhören ...

... war vor vier Wochen. Nach den ganzen Schwarzmalereien in der letzten Ausgabe von Tonkost soll es diesmal um die positiven Seiten des Lebens gehen. Die Drei von der Funkstelle haben sich abermals auf die Suche begeben und etliche musikalische Novitäten getreu dem Motto "Guns 'n' vice" (zu Deutsch: Ganz in Weiss) gefunden. Hoffen wir, dass es den Moderatoren auch diesmal nicht zu bunt wird. Am Mikrofon: Günther Klößinger, Trudi & Dieter Kindl.

  • Sendetermine: „Tonkost“, Donnerstag, 14. Juli 2016, 19 Uhr
  • Wiederholung: Freitag, 15. Juli 2016, 11 Uhr

 

Theaterspielzeit 2015/16 – Rückschau und Ausblick mit dem Intendanten

In der letzten Veranstaltung der traditionsreichen Reihe „Resonanzboden“ in dieser Spielzeit beantwortete Staatstheater-Intendant Thomas Bockelmann im Opernfoyer Fragen zur noch laufenden und gibt einen Ausblick auf die kommende Spielzeit.
Außerdem in der Sendung: Die Landtagsabgeordnete der Linken, Marjana Schott, äußert sich zur aktuellen Situation des Problem-Flugplatzes Kassel-Calden.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 15. Juli 2016, 18 Uhr

 

I shot the Sheriff ....

Fatal, was zur Zeit in den USA passiert: Tatsächlich aber werden im Lande der Freien und Gerechten beinahe täglich in irgendeinem Bundesstaat schwarze BürgerInnen erschossen. Das Massaker von Dallas/Texas ist nur die Spitze des Eisbergs. Übrigens wurde in dieser Metropole vor einem halben Jahrhundert ein damals hoffnungsvoller US-Präsident ebenfalls erschossen: John F. Kennedy ( + November 1963). Diskriminierung und Gewalt sind allgegenwärtig - offen oder verdeckt. Die Gewalt ist in den Köpfen vieler - in einer Großmacht-Nation, in der es mehr Waffen in Privatbesitz als Einwohner gibt.
Es wird wahrscheinlich kein einziges Menschenleben retten, aber zur Ablenkung quasi (bevor wir alle abdrehen): in diesem Stündchen hören wir einige schwer Blues-getränkte Tracks. Es geht auf zum Crossroads-Bluesfestival. Mit dabei sind der oben zitierte Eric Clapton (den guten Bob Marley gibt´s diesmal auf einem anderen Sendeplatz bei uns) und auch sein musikalischer Ideengeber Robert Johnson mit legendären Aufnahmen von 1936/37 aus San Antonio und Dallas; außerdem "modernere" Aufnahmen mit Muddy Waters und T-Bone Walker.
Nicht vergessen: Auch in diesem unseren Lande/Europa gibt es latenten und offenen Rassismus. Ideologische Alltagsprobleme, Konservativismus und nationalistisch Verbrämtes. Neben geistiger Brandstiftung - im wahrsten Sinne. "Nieder die Waffen - die Hände gereicht!" - so einst Kurt Tucholsky. Was wäre dem hinzuzufügen ...

  • Sendetermin: „Long Distance Call“, Samstag, 16. Juli 2016, 19 Uhr

 

King of Dieselbilly: Bill Kirchen

I got a statue of Elvis on the dashboard of this ole truck
I´ve got a red bandana hanging out my pocket for luck
I got Hank on the stereo, Bill Mack on the radio
I am an oldfashioned gear-jamming Hillbilly truck driving man . . .

(aus “Hillbilly Truck Driving Man”, Bill Kirchen, vom Album "Tied To The Wheel", 2012)

Kürzlich hörten wir auf diesem Sendeplatz als Country-Rock-Ableger noch Trucker-Geföntes vom durchgeknallten Commander Cody und seinen im Weltall verschollenen, verlorengegangen Planeten-Piloten, einer im wahrsten Sinne fantastischen Truppe. Ihre ´70er Alben sind das Kernstück einer anständigen Country-Rock-Sammlung. Heute nun folgen Sound-schwerpunktmäßig einige echte Reißer aus der Neuzeit. Der Fender-Telecaster-Experte mit der eigenen Handschrift, Bill Kirchen, verpaßte damals neben dem rasanten Boogie-Pianofiasko des Commanders George Frayne so etlichen Ohrwurm-Tracks dieser Band den echten "treat". Und die anderen Kollegen waren auch nicht ohne - allen voran der Pedal-Steeler Bill Black. Auch er wird hier nochmal zu hören sein. Und zwar, wenn Bill Kirchen aus der Nachfolgezeit der legendären Skandal-Truppe musikalisch berichtet. Und es geht ihm ähnlich wie dem Lonesome Traveler Wolf Silaff: Looking at the world through a windshield.
P.S.  Die Härte ist Kirchens Version des früheren "Hot Rod"-Klassikers: Billyboy baut alle wichtigen Gitarrenriffs der großen Rock & Roll-Vorbilder in ein unglaubliches Live-Medley  ein. Chuck Berry, Marty Robbins, Roy Orbison, Elvis, Chet Atkins und Merle Travis u.a. lassen auch schön grüßen. Unbelievable.

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 17. Juli 2016, 19 Uhr

 

US-Swing der klassischen Phase, Folge 1/ 2016

Wieder einmal widmet sich das „Tanzparkett“ der klassischen Swingzeit.
Eine Auswahl von Platten verschiedener Orchester aus dem Höhepunkt dieser Stilrichtung können Sie als erste von zwei Ausgaben in „unserer“ Stunde am Mittwochabend bzw. Donnerstagnachmittag hören.
Durch die Sendung begleitet Sie Peter Michael.
Plattenliste folgt.
 
Note to English-speaking listeners:
 
Again, we will be dealing with the classical Swing Era.
You may hear a selection of records made by orchestras from the heyday of Swing in "our" hour on Wednesday evening and/ or Thursday afternoon respectively. A second part will be broadcast on July, 20th.
Your host will be Peter K. Michael.
Playlist follows.

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 20. Juli 2016, 21-22 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 21. Juli 2016, 13 Uhr.
  • Der zweite Teil folgt am 17. August.
    Am 03. August hören Sie eine Sendung zum 50. Todestag von R. A. Dvorský.

 

Fado - portugiesische Schicksalsklänge in Moll

Der Fado ist einer der populärsten Musikstile aus Portugal. Da die Lieder des Genres stets von Weltschmerz und Sehnsucht durchweht sind, nennt man ihn zuweilen auch den „portugiesischen Blues“. Genauer betrachtet haben die Schicksalsklänge aus Lissabon und anderen Zentren des Fado nur oberflächlich etwas mit der rauhen Düsterromantik aus Amerika gemein, mal abgesehen von der Neigung zu tiefen Gefühlen.
Der Blues lebt oft von einer rauhen Melodik in Dur, stellt die traurige Realität in spröden, einfachen Worten dar. Fado ist Poesie, ohne Themen wie soziale Schieflagen auszusparen. Zudem ist hier wesentlich häufiger Moll angesagt..
Dennoch gibt es eine Gemeinsamkeit, und diese ist entscheidend: Sowohl der Blues als auch der Fado sind mehr als nur folkloristisch-populäre Musikgenres. Beide vermitteln eine Lebenseinstellung. Den Fado spielt man nicht, man lebt ihn.
Die aktuelle Ausgabe von „Wanderzirkus Weltklang“ taucht ein in die sehnsuchtsvolle Welt portugiesischer Liedkultur und präsentiert sowohl viele Klassiker als auch zeitgenössische Vertreter und Vertreterinnen dieser schicksalshaften Musik.
Am Mikro: Günther Klößinger

  • Sendetermine: „Wanderzirkus Weltklang“, Donnerstag, 21. Juli 2016, 19 Uhr
  • Wiederholung Weltklang: Freitag, 22. Juli 2016, 11 Uhr

Programminfo für den 08.07.2016 bis 10.07.2016

Die Welt zu Gast in der RudOLDIEStadt - Höhepunkte aus 25 Jahren TFF

Dereinst trafen sich die zwei größten Literaten der deutschen Sprache in einem kleinen Städtchen an der Saale. Schnell sprang der künstlerische Funke zwischen Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller über und eine der fruchtbarsten Kollaborationen zweier genialer Denker und Dichter nahm ihren Lauf. Ein wenig scheint sich jene Aufbruchsstimmung bis heute in Rudolstadt gehalten zu haben, wobei sie sich von der Literatur zur Musik verschob, denn am Fuße der malerischen Heideggsburg findet seit mehr als einem Vierteljahrhundert das größte Festival für Folk- und Weltmusik statt, das Deutschland je gesehen hat.
In diesem Jahr werden mehr als 300 Konzerte mit mehr als 1000 Beteiligten auf über 20 Bühnen vom 07.07. bis zum 10.07. die Saalestadt zum Schwingen, Singen und Tanzen bringen.
In den letzten Minuten, bevor „Element of Crime“ das diesjährige Konzertprogramm eröffnen, bietet Zirkusdirektor Günther Klößinger einen vergnüglichen Rückblick auf ein Vierteljahrhundert Folk- und Weltmusik in Rudolstadt. Livemitschnitte aus vergangenen Festivaltagen - ein Trost für die Daheimgebliebenen oder (onlinetauglichen Smart-, I- und anderen -phones sei Dank) als Einstimmung für jene, die bereits vor Ort sind und dem Startschuss für das aktuelle Großevent entgegenfiebern. Und natürlich dokumentiert solch eine leicht nostalgische Rückschau auch die Entwicklung des Festivals vom eher beschaulichen Anfang bis zum flirrenden Hier und Jetzt. Vertrautes und Klassiker werden neben beinahe schon vergessenen Klangperlen stehen. Und vielleicht lässt sich der ein oder andere Kurzentschlossene durch diesen bunten Reigen auch noch ermutigen, auf die Schnelle zu packen, um sein Zelt an den Gestaden der Saale aufzuschlagen.

Am Mikro: Günther Klößinger

  • Sendetermine: „Wanderzirkus Weltklang“, Donnerstag, 7. Juli 2016, 19 Uhr
  • Wiederholung Weltklang: Freitag, 8. Juli 2016, 11 Uhr

 

Die Fluchtverursacher

Niemand flieht ohne Grund. Krieg, hoffnungslose Armut, politische Verfolgung: Das sind seit je zentrale Ursachen, die Menschen auf die Flucht treiben. Kriege, Armut und Verfolgung entstehen allerdings nicht von selbst. Afghanistan, Irak, Syrien: In den Ländern, aus denen gegenwärtig die meisten Flüchtlinge kommen, führen die westlichen Mächte - auch Deutschland - direkt oder verdeckt Krieg, teilweise schon seit Jahrzehnten. Andere Länder vor allem in Afrika, aus deren bitterer Armut immer mehr Menschen zu entkommen suchen, sind von den europäischen Staaten erst kolonial, dann postkolonial ausgebeutet worden; sie hatten kaum je eine Chance auf eine eigenständige Entwicklung zu mehr Wohlstand. Weil die globale Mächtekonkurrenz stärker wird, besteht Grund zur Befürchtung, daß Kriege und Ausbeutung und damit die Fluchtursachen noch zunehmen. Die Bundesrepublik mischt in der Mächtekonkurrenz mit: Man habe vor, "die globale Ordnung aktiv mitzugestalten", heißt es im künftigen Weißbuch der Bundeswehr. Der deutsche
Beitrag zur Schaffung von Fluchtursachen ist Gegenstand des Vortrags von Jörg Kronauer, der am 29.6. im Cafe Buch-Oase stattfand.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 8. Juli 2016, 18 Uhr

 

Scotty Moore ist gestorben: "The Guitar that changed the World"

Unter dem Arbeitstitel "Going back to Memphis" beginnt diese Folge mit einem Instrumental aus den 90er Jahren. Zusammen im Studio waren damals, 1997, in Gedenken an den "King", die früheren musikalischen Wegbegleiter des legendären Elvis Presley und eine erlesene Clique von internationalen Rockstars (u.a. Keith Richards, Jeff Beck, Joe Louis Walker, The Band, Joe Ely), die als Musiker nicht nur Elvis, sondern auch seinen Gitarristen Scotty Moore verehrten. An der Produktion von "All The King´s Men" war auch der früheren Elvis-Drummer D.J. Fontana beteiligt. Der einstige Bassist Bill Black (+ 1965) lag da, wie Elvis, bereits unter der Erde.
"Blues stay away from me" - das war im Dezember 1954 die einzige Aufnahme, die bei SUN Records in Memphis/Tennessee und in den Rock-Annalen unter dem Namen des Künstlers gelistet war. Der legendäre Gitarrist Scotty Moore wurde damals von seinem Kumpel Bill Black am Bass und von Johnny Bernero an den Drums begleitet. Und: ein gewisser Elvis Presley war verhalten im Hintergrund gesangsmäßig zu vernehmen - "off mike". Das Ganze geht über in eine Art Medley zu "How do you think I feel". Anyway, Scotty Moore wurde seit dieser Zeit wichtigster musikalischer Begleiter des "King" Elvis Presley. Der Beginn einer neuen Zeitrechnung, yessir! Eine ganz andere Musik eroberte von nun an die Welt! Ein neues Lebensgefühl prägte die kommenden Generationen nach dem Zweiten Weltkrieg. Ohne Scotty Moore wäre Elvis niemals so groß rausgekommen - behauptet keck der Lonesome Traveler Wolf Silaff. Scotty Moore ist am 28. Juni 2016 in Nashville gestorben. Er wurde 84 Jahre alt. Farewell, go to Rock & Roll Heaven, Scotty ... Your place surely is right next to The King (and Chuck Berry ...).
Damals, am 5. Juli 1954, nutzten Elvis Presley, Scotty Moore und Bassist Bill Black eine Aufnahmepause in den Sun-Studios in Memphis, um sich an einer aufgepeppten Version von Arthur Crudups „That’s All Right“ zu versuchen. Danach sollte die Gitarre nie mehr die gleiche sein: Moores prägnante, aggressive Läufe verschmolzen Country-Picking und Blues-Phrasierungen zu einer neuen instrumentalen Sprache. Seine Gitarrenarbeit ist so präsent, daß man leicht vergißt, daß die Aufnahme ohne Schlagzeuger stattfand.
Die wahre Geschichte geht so: Scotty Moore war zumeist der Handwerker im Hintergrund, quasi im Schatten des King. Er hat tatsächlich bei allen frühen Rock & Roll-Hits von Elvis die alles entscheidende Gitarre gespielt, zumeist eine Gibson ES-295. Damals war Moore so etwas wie die rechte Hand des King, sowohl als Mitmusiker als anfänglich auch der Manager. Ohne ihn kein "Jailhouse Rock", kein "Heartbreak Hotel" und keine "Blue Suede Shoes", "Hound Dog" - kein "That´s alright, Mama". Und selbst die in einem einzigen Take (!) eingespielte Vision des Amerikanischen Traums, der "Mystery Train"  (SUN # 223), wäre ohne Scotty undenkbar. Seit über einem halben Jahrhundert ist dieser Titel, neben Carl Perkins´ "Blue Suede Shoes", so etwas wie die Internationale Hymne der Rockabillies - weltweit.
Das Musikmagazin Rolling Stone listet Scotty Moore auf Platz # 29 der 100 besten Gitarristen aller Zeiten. „Er ist offen für alles“, sagte damals der SUN-Labelchef / & Produzent Sam Phillips über Elvis’ Gitarristen. Sein Spiel auf Elvis’ Debütsingle, das bei der ersten Session mit dem künftigen King als harmloses Herumalbern begann, öffnete in der Tat einige Pforten innerhalb der sogenannten U-Musik. Selbst wenn Moore nur die 18 Sun-Aufnahmen abgeliefert hätte – darunter „Mystery Train“ und „Good Rockin‘ Tonight“ –, wäre sein Platz in der Musikgeschichte gesichert gewesen. Doch er spielte weiter für und mit Elvis, bis zum fulminanten 1968er „Comeback Special“. Damals kehrte der zum Popstar mutierte Elvis Presley noch einmal zu seinen Wurzeln zurück. „Alle wollten sie wie Elvis sein“, sagt Keith Richards. „Ich wollte immer Scotty sein.“

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 10. Juli 2016, 19 Uhr

Programminfo für den 01.07.2016 bis 08.07.2016

„Haben wir den Mut, unsere Stadt neu zu denken?“ - Informationsabend zur Kulturhauptstadtbewerbung 2025

„Warum wollen wir es noch einmal versuchen und welche Chancen haben wir, welche Möglichkeiten birgt eine Bewerbung als Kulturhauptstadt Europas 2025 für Kassel?“ Diese Fragestellungen standen im Mittelpunkt der ersten Veranstaltung zu einer möglichen Bewerbung, die in der Documenta-Halle am Donnerstag, 23. Juni, auf großes Interesse gestoßen ist. An dem heißen Sommerabend waren rund 250 Bürgerinnen und Bürger der Einladung der Stadt gefolgt, um sich über das Thema zu informieren und die möglichen Aspekte zu erörtern. Es zeigte sich: Es wird in der Stadt viel darüber nachgedacht, seitdem Oberbürgermeister Bertram Hilgen beim Jahresempfang 2015 das Thema Kulturhauptstadtbewerbung angesprochen hatte.
„Es sind die jungen Menschen, die neue Entwicklungen aufgreifen. Hören wir ihren Pulsschlag?“
In Kassel habe sich in den vergangenen Jahren viel getan, vom Welterbe Bergpark über die GRIMMWELT Kassel bis hin zum geplanten documenta-Institut, das auf einem guten Weg sei, stellte Oberbürgermeister und Kulturdezernent Bertram Hilgen in seinem Eingangsstatement fest. Kritisch merkte er aber auch an "Wir müssen die freie Szene stärker fördern, als wir es in den vergangene Jahren getan haben. Sie benötigt Platz, um sich zu entfalten zu können.“ Der Platz werde jedoch weniger in einer Stadt, die sich wirtschaftlich so dynamisch entwickele, wie es Kassel getan habe. Hilgen: "Das müssen wir ausgleichen."
Für die Bewerbung als Kulturhauptstadt brauche Kassel einen Stadtentwicklungsprozeß mit europäischem Charakter. Dabei bedeute Stadtentwicklung nicht nur bauen, sondern eine Entwicklung der Stadtgesellschaft. Für den Oberbürgermeister steht fest: „Dafür brauchen wir ein eigenständiges Kulturdezernat als Verankerung in der politischen Spitze des Rathauses.“
„Kultur ist nicht Unterhaltung, Kultur ist die Auseinandersetzung über gesellschaftliche Fragen mit anderen Mitteln“
„Kulturhauptstadt zu sein ist ein Prozeß, es ist kein Produkt; Kulturhauptstadt zu sein ist die Möglichkeit, eine Stadt durchzurütteln, sich selbst in Frage zu stellen und zu erkunden; es ist die Fragestellung, wo kommen wir her, wo wollen wir hin; Kulturhauptstadt zu sein ist die Möglichkeit, die eigene Bildsprache auf den Kopf zu stellen.“ Über seine Erfahrungen mit und in Kulturhauptstädten referierte Dr. Ulrich Fuchs, der Mitglied der EU-Jury zur Auswahl aktueller und künftiger europäischer Kulturhauptstädte ist. Er war Projektleiter im Team zur Vorbereitung der Bewerbung Bremens zur Kulturhauptstadt Europas 2010, stellvertretender Intendant und Leiter der Projektentwicklung für die Kulturhauptstadt Linz 2009 sowie stellvertretender Intendant der Kulturhauptstadt Marseille-Provence 2013.
Es gehe nicht um ein Festival, es gehe um umfassende städtische Entwicklungsprozesse und -projekte, für die Kultur einen Motor darstelle, der Beschleunigungscharakter habe, sagte Fuchs. Kulturhauptstadt zu sein sei damit ein umfassender Stadtentwicklungsprozeß, er könne eine Psychotherapie für die Stadt sein, die Möglichkeit sich selbst in Frage zu stellen und zu erkunden, sich darüber bewußt zu werden, was gut ist und was man besser machen könne.
„Haben wir den Mut, unsere Stadt neu zu denken?“
Eine Gesprächsrunde mit Oberbürgermeister Bertram Hilgen, dem ehemaligen Präsidenten der Universität Kassel und Präsident der Akademie für Raumforschung und Landesplanung, Rolf Dieter Postlep, sowie Martina Bramkamp, Professorin an der Kunsthochschule Kassel, reflektierte die Chancen und Risiken einer Bewerbung, die im Anschluss mit dem Publikum diskutiert werden. Stillstand ist Rückschritt, war sich das Podium einig; durch eine Kulturhauptstadtbewerbung könnten Leitbilder und Visionen für die 2020er Jahre entwickeln werden.
Moderiert wurde der Abend von der Hamburger Filmproduzentin Heike Wiehle-Timm, gebürtige Kasselerin und als Mitglied des Kassel-Beirats ihrer Heimatstadt eng verbunden.
Wir senden den Mitschnitt vom 23. Juni 2016 aus der Documenta-Halle.

Hintergrund

Erst im Herbst 2016 soll die Stadtverordnetenversammlung entscheiden, ob Kassel sich erneut um den Titel bewerben wird, den die Europäische Union im Jahr 2025 zum vierten Mal in der Geschichte der Initiative an eine deutsche Stadt verleiht. Intern sind bereits viele Vorabreiten geleistet worden, ist ein intensiver Arbeitsprozeß in Gang gekommen, für den viele Stimmen und Meinungen eingefangen worden sind. Um eine fundierte Grundlage zu haben, hat die Stadt eine Kulturlandschaftsanalyse beauftragt.
Die Europäische Union verleiht seit 1985 jährlich den Titel "Kulturhauptstadt Europas" ("European City of Culture") und zeichnet damit Städte aus, die durch ihr kulturelles und kreatives Potential herausstechen und es gleichzeitig verstehen, Europa in seiner Vielfalt sowie kulturellen Einheit zu repräsentieren.
Im Jahr 2025 wird zum vierten Mal in der Geschichte der Initiative Deutschland einen Vertreter stellen. Der Titel hierfür wird im Jahr 2018 ausgeschrieben und im Jahr 2020 beschieden. In den aktuell geltenden Regularien wird das Programm auch als ein Motor für langfristige Stadtentwicklungsprojekte verstanden und eine erkennbare Nachhaltigkeit im Bewerbungskonzept der einzelnen Städte/Regionen gefordert.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 1. Juli 2016, 18 Uhr

 

Einer flog übers Ordnungsamt

Werner Koczwara ist seit vielen Jahren auf Deutschlands Kabarettbühnen unterwegs. Sein neues Programm „Einer flog übers Ordnungsamt“ ist die Fortsetzung des enorm erfolgreichen, von ihm erfundenen Justiz-Kabaretts, das ihn zu einem der profiliertesten und originellsten Komödianten hierzulande gemacht hat.
Obwohl: „Hierzulande“ stimmt vielleicht nicht ganz – Werner Koczwara stammt aus Schwaben, und das ist bekanntlich ein ganz eigener Menschenschlag. Aus seiner Herkunft macht er kein Geheimnis, im Gegenteil: Der deutlich hörbare schwäbische Akzent ist ein wichtiger Bestandteil seines kabarettistischen Konzepts und trägt, treffsicher eingesetzt, enorm zur komischen Wirkung bei.
Werner Koczwara, der auch als Autor u.a. für Dieter Hallervorden und Harald Schmidt arbeitete, wurde durch seine „juristischen“ Kabarettprogramme bekannt, mit denen er der Jurisprudenz ein für allemal das Stigma des trockenen, drögen und absolut humorlosen Winkeladvokatentums nahm. Er grub in den verstaubten Gesetzestexten und Urteilsbegründungen nach komisch-grotesken Perlen – und wurde fündig. Er stieß auf unglaublich witzige Formulierungen, auf skurrile Vorschriften und viel unfreiwillige Komik. Die Kabarettprogramme, die er um diese sprachlichen Kabinettstücke bastelte, trugen Titel wie „Am achten Tag schuf Gott den Rechtsanwalt“, „Tyrannosaurus Recht“ oder „War Jesus rechtsschutzversichert?“ und bereiteten dem geneigten Publikum großes Vergnügen – insbesondere Juristen gehören seit Jahren zu Koczwaras treuesten Fans.

  • Sendetermin: „Kabarett live“, Freitag, 1. Juli 2016, 22 Uhr



Feel so bad. Blues.

Blues-Daddy Muddy Waters ist tot (+1983). Elvis tot, schon lange (+1977). Und nun auch noch "Schimmi", der deutsche Schauspieler Götz George, der schnodderige Kommissar Schimanski aus der „Tatort“-Serie, der einst eine Lieblingsvokabel der Deutschen geadelt und, genauso wie sich selbst, zum Kult erhoben hat: "Scheiße". Er ist am 19. Juni 2016 gestorben. Ciao auch Bud Spencer - hau drauf, Carlo Pedersoli! Mann/Frau, da kannste echt den Blues kriegen! Was hilft, eventuell?! Sounds vom Feinsten natürlich. Neuzeit-Blues - "Schwarz" & "Weiß". Diesmal erinnert die umwerfende Folk/R & B-Sängerin Tracy Nelson an einen der großen Chicago Blues-Meister von damals, an Jimmy Reed. Den Titel (siehe oben) für diese Folge hat sie allerdings von Little Milton übernommen, der war einst bei Sun Records, Memphis/TN. Das Original stammte 1953 von Chuck Willis (heute hier zu hören).
Mit dabei ist auch der talentierte Sohn des seligen Muddy Waters, "Big Bill" Morganfield. Der spielt ebenfalls eine herrlich ruppige Bluesrock-Gitarre. Luther "Guitar Junior" Johnson mit seinen damaligen Magic Rockers braucht sich nicht dahinter zu verstecken. George Thorogood & seine Destroyers lassen es hingegen Slide-mäßig, passend zur aktuellen Jahreszeit, hochtemperiert und schräg-abgefahren vibrieren. Von denen gibt‘s frühe 80er-Aufnahmen (entdeckt vom feinen Rounder Label) zu hören. Believe it or not: Diese Folge eröffnet der erwähnte "King" Elvis Presley! "Feel so bad" vom Frühjahr 1961 schaffte es in seiner Version bis in die Billboard Charts. Und verabschieden wird uns für heute der "Killer" Jerry Lee Lewis mit Johnny Cashs "Folsom Prison Blues".

  • Sendetermin: „Long Distance Call“, Samstag, 2. Juli 2016, 19 Uhr



Country Rock - Die nächste Folge

In den vorigen Folgen hörten wir frühe Klassiker-Alben des Country-Rock-Genres. Die Bezeichnung begann sich ab Beginn der 1970er Jahre durchzusetzen. Im Laufe dieser Dekade erweiterte sich der Begriff um teils regionale Sounds, etwa um den  Bakersfield Sound, um Midwest mit den Ozark Mountain Daredevils, um den Southern Rock a la Marshall Tucker Band, Charlie Daniels Band und Lynyrd Skynyrd oder auch um den Swamp Rock von Tony Joe White. Zudem wurden beispielsweise Swing- und Boogie-Einflüsse integriert.
Folgend den großmäuligen Trucker- (Macker-)Attitüden aus dem Bereich der an Bedeutung verlierenden Country Music aus dem Radio, übernahmen einige ausgefuchste Rock-Experten solcherlei Ideen in ihr Repertoire - und brachten es auf die Bühnen, ohne deshalb wie platte Imitatoren zu klingen. Sie hatten durchaus ihren eigenen ansteckend-witzigen "Drive" und ihren originellen Sound. Beispiele sind  : Commander Cody & his Lost Planet Airmen (mit Bill Kirchen, dem ruppigen Telecaster-Spezi) und Asleep at the Wheel (Ray Benson & Co). Die kamen ohne die großen Western Swing-Vorbilder wie Bob Wills, Tex Williams und Hank Thompson nicht aus. Auch von ihnen sind in der Sendung einige infektiöse Beispiele dabei.

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 3. Juli 2016, 19 Uhr

 

 

Wie klingt eigentlich ein Tukan?

Nein, das ist keine Fangfrage für Ornithologen, sondern eine Frage an Netlabel-Liebhaber: Seit 2004 veröffentlicht das englische Label Toucan Music House, Trance und Chillout. Neben über 300 EPs und 9 LPs bis dato wird jedes „Geschäftsjahr“ des Labels seit 2007 auch mit einem Mix abgeschlossen. Um aber auf die Ausgangsfrage zurück zu kommen: frei² stellt in der kommenden Ausgabe das Netlabel Toucan Music vor.

  • Sendetermin: „Frei hoch zwei“, Dienstag, 5. Juli 2016, 19 Uhr

 

Working Songs & Maverick Ballads

Seit Jahren sind Klage- und Protestlieder dem Schweizer Duo Dodo Hug & Efisio Contini ein Anliegen. Neu geht es auch um Themen wie Migration, Ausbeutung oder Kinderarbeit. Lösungen haben wir zwar keine, aber Musik und Poesie sind immer und überall - auch Hoffnung.
Auf ihrem neuen Album "Sorriso Clandestino" präsentieren die beiden in engagierter und geistreicher Weise sowohl europäische, nord- und südamerikanische Songs und Covers, wie auch neue, eigene Lieder. Mal frech, aufmüpfig, temperamentvoll oder melancholisch-trotzig, dann wieder scharfsinnig und entlarvend, mit Sinn für subtilen Humor. Sie erzählen vom Leben und Schicksal der Arbeiterklasse von der Industrialisierung bis heute. Wir stellen das Album ausführlich vor.
Am Mikrofon: Trudi Kindl.

  • Sendetermine: „Kreuzweise“, Dienstag, 5. Juli 2016, 21.00 Uhr
  • Wiederholung: Mittwoch, 6. Juli 2016, 13.00 Uhr

 

US-Swing der klassischen Phase, Folge 1/ 2016

Wieder einmal widmet sich das „Tanzparkett“ der klassischen Swingzeit.
Eine Auswahl von Platten verschiedener Orchester aus dem Höhepunkt dieser Stilrichtung können Sie als erste von zwei Ausgaben in „unserer“ Stunde am Mittwochabend bzw. Donnerstagnachmittag hören.
Durch die Sendung begleitet Sie Peter Michael.
Plattenliste folgt.
 
Note to English-speaking listeners:
Again, we will be dealing with the classical Swing Era.
You may hear a selection of records made by orchestras from the heyday of Swing in "our" hour on Wednesday evening and/ or Thursday afternoon respectively. A second part will be broadcast on July, 20th.
Your host will be Peter K. Michael.
Playlist follows.

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 6. Juli 2016, 21-22 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 07. Juli 2016, 13 Uhr.

 

Der zweite Teil folgt am 20. Juli.

Die Welt zu Gast in der RudOLDIEStadt - Höhepunkte aus 25 Jahren TFF
Dereinst trafen sich die zwei größten Literaten der deutschen Sprache in einem kleinen Städtchen an der Saale. Schnell sprang der künstlerische Funke zwischen Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller über und eine der fruchtbarsten Kollaborationen zweier genialer Denker und Dichter nahm ihren Lauf. Ein wenig scheint sich jene Aufbruchsstimmung bis heute in Rudolstadt gehalten zu haben, wobei sie sich von der Literatur zur Musik verschob, denn am Fuße der malerischen Heideggsburg findet seit mehr als einem Vierteljahrhundert das größte Festival für Folk- und Weltmusik statt, das Deutschland je gesehen hat.
In diesem Jahr werden mehr als 300 Konzerte mit mehr als 1000 Beteiligten auf über 20 Bühnen vom 07.07. bis zum 10.07. die Saalestadt zum Schwingen, Singen und Tanzen bringen.
In den letzten Minuten, bevor „Element of Crime“ das diesjährige Konzertprogramm eröffnen, bietet Zirkusdirektor Günther Klößinger einen vergnüglichen Rückblick auf ein Vierteljahrhundert Folk- und Weltmusik in Rudolstadt. Livemitschnitte aus vergangenen Festivaltagen - ein Trost für die Daheimgebliebenen oder (onlinetauglichen Smart-, I- und anderen -phones sei Dank) als Einstimmung für jene, die bereits vor Ort sind und dem Startschuss für das aktuelle Großevent entgegenfiebern. Und natürlich dokumentiert solch eine leicht nostalgische Rückschau auch die Entwicklung des Festivals vom eher beschaulichen Anfang bis zum flirrenden Hier und Jetzt. Vertrautes und Klassiker werden neben beinahe schon vergessenen Klangperlen stehen. Und vielleicht lässt sich der ein oder andere Kurzentschlossene durch diesen bunten Reigen auch noch ermutigen, auf die Schnelle zu packen, um sein Zelt an den Gestaden der Saale aufzuschlagen.
Am Mikro: Günther Klößinger

  • Sendetermine: „Wanderzirkus Weltklang“, Donnerstag, 7. Juli 2016, 19 Uhr
  • Wiederholung Weltklang: Freitag, 8. Juli 2016, 11 Uhr

Programminfo für den 23.06.2016 bis 30.06.2016

Die Welt zu Gast in Rudolstadt - Festivalvorschau 2016

Dereinst trafen sich die zwei größten Literaten der deutschen Sprache in einem kleinen Städtchen an der Saale. Schnell sprang der künstlerische Funke zwischen Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller über und eine der fruchtbarsten Kollaborationen zweier genialer Denker und Dichter nahm ihren Lauf. Ein wenig scheint sich jene Aufbruchsstimmung bis heute in Rudolstadt gehalten zu haben, wobei sie sich von der Literatur zur Musik verschob, denn am Fuße der malerischen Heideggsburg findet seit mehr als einem Vierteljahrhundert das größte Festival für Folk- und Weltmusik statt, das Deutschland je gesehen hat.
In diesem Jahr werden mehr als 300 Konzerte mit mehr als 1000 Beteiligten auf über 20 Bühnen vom 07.07. bis zum 10.07. die Saalestadt zum Schwingen, Singen und Tanzen bringen. Zirkusdirektor Günther Klößinger wagt einen ersten Ausblick auf das Programm, das die Musikbegeisterten und Tanzwütigen dabei erwarten wird. Welcher Tanz ist der dieses Jahres, welches Instrument wird als „magisch“ geadelt und welche Konzerthighlights werden von den Bühnen schallen?
Erste Antworten auf diese drängenden Fragen erfährt der geneigte Folk- und Weltmusikfreund in der aktuellen Vorstellung in unserer globalen Manege.
Am Mikro: Günther Klößinger

  • Sendetermine: „Wanderzirkus Weltklang“, Donnerstag, 23. Juni 2016, 19 Uhr
  • Wiederholung Weltklang: Freitag, 24. Juni 2016, 11 Uhr

 

Vorschau auf das Zeltfestival „Sommer im Park“ in Vellmar

Sommerzeit – Festivalzeit. Allerorten werden Zelte aufgebaut, Scheunen hergerichtet und Bühnen gezimmert, um auch während der Ferienzeit den Daheimgebliebenen künstlerische Highlights präsentieren zu können – und natürlich auch, um den jeweiligen Kommunen etwas kulturellen Glanz zu verpassen. Das „Sommer im Park“-Festival in Vellmar gehört seit Jahren zu den renommiertesten und bestbesuchten Veranstaltungsreihen dieser Art in Nordhessen. Und wie in jedem Jahr, so werden wir auch 2016 gemeinsam mit Gerhard Klenner und Pia Bluhm, den Organisatoren des Festivals, das Programm im FRK vorstellen.
Die prominentesten Veranstaltungen – u.a. Element Of Crime und Konstantin Wecker – sind bereits fast ausverkauft. Allerdings gibt es in diesem Jahr noch viel mehr an Interessantem und Spannendem aus den Bereichen Kleinkunst, Comedy und Musik zu entdecken. Unter anderem sind dabei: Frieda Braun, Florian Schröder, Gustav Peter Wöhler, Heissmann & Rassau, Bodo Wartke, Sistergold, Die Feisten, die Lokalmatadore Dark Vatter und Bernd Gieseking sowie etliche weitere Künstler.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 24. Juni 2016, 18 Uhr

 

Einer flog übers Ordnungsamt

Werner Koczwara ist seit vielen Jahren auf Deutschlands Kabarettbühnen unterwegs. Sein neues Programm „Einer flog übers Ordnungsamt“ ist die Fortsetzung des enorm erfolgreichen, von ihm erfundenen Justiz-Kabaretts, das ihn zu einem der profiliertesten und originellsten Komödianten hierzulande gemacht hat.
Obwohl: „Hierzulande“ stimmt vielleicht nicht ganz – Werner Koczwara stammt aus Schwaben, und das ist bekanntlich ein ganz eigener Menschenschlag. Aus seiner Herkunft macht er kein Geheimnis, im Gegenteil: Der deutlich hörbare schwäbische Akzent ist ein wichtiger Bestandteil seines kabarettistischen Konzepts und trägt, treffsicher eingesetzt, enorm zur komischen Wirkung bei.
Werner Koczwara, der auch als Autor u.a. für Dieter Hallervorden und Harald Schmidt arbeitete, wurde durch seine „juristischen“ Kabarettprogramme bekannt, mit denen er der Jurisprudenz ein für allemal das Stigma des trockenen, drögen und absolut humorlosen Winkeladvokatentums nahm. Er grub in den verstaubten Gesetzestexten und Urteilsbegründungen nach komisch-grotesken Perlen – und wurde fündig. Er stieß auf unglaublich witzige Formulierungen, auf skurrile Vorschriften und viel unfreiwillige Komik. Die Kabarettprogramme, die er um diese sprachlichen Kabinettstücke bastelte, trugen Titel wie „Am achten Tag schuf Gott den Rechtsanwalt“, „Tyrannosaurus Recht“ oder „War Jesus rechtsschutzversichert?“ und bereiteten dem geneigten Publikum großes Vergnügen – insbesondere Juristen gehören seit Jahren zu Koczwaras treuesten Fans.

  • Sendetermin: „Kabarett live“, Freitag, 24. Juli 2016, 22 Uhr

 

Countryrock: Blue Ridge Ranger(s)

Nach dem fantastischen "Bakersfield Bound"-Album der Ausnahmemusiker Chris Hillman, Herb Pedersen und Jay Dee Maness hatten wir in der letzten Folge auch einige Tracks vom legendären John Fogerty (ex-CCR) gehört, der 1973 sein erstes Solo-Album vorlegte. Mit "The Blue Ridge Rangers" brillierte er im musikalischen Alleingang: neben seinem Gesang spielte er alle Instrumente selbst!
In der Nachfolge der klassischen CCR-Alben, die damals bereits von Country und Swamp-Rock beeinflußt waren und sich millionenfach verkauften, hören wir heute Ausschnitte aus "The Blue Ridge Rangers Rides Again" (wortspielerische Andeutung) von 2009 - also schlappe 33 Jahre nach dem Erstling. Ganz im Gegensatz zu Fogertys populärem Countryrock-Vorgänger handelt es sich hierbei eher um eine Art von "Nachbearbeitungen" von etwas weniger roots-orientiertem Material. Fogerty schlägt hier den Bogen zu Mainstream-Poppigem (z.B. Delaney Bramletts "Never Ending Song of Love" oder Ricky Nelsons "Garden Party"). Und trotzdem - das hat was. John Fogerty beherrscht seine Country-Mucken liebevoll-leidenschaftlich, auch wenn er sich auf John Denver ("Back Home Again") und Buck Owens besinnt. Seine Stimme macht´s.
Diesmal hatte er, nach seinem früheren musikalischen Alleingang von`73, illustre Kollegen mit ins Studio geladen, u.a. Buddy Miller (git), Kenny Aronof (dr/perc), Greg Leisz (steel/dobro/mand) - und da isser wieder: Herb Pedersen.  Der Hammer ist "Haunted House" in einer Klasse-Version, ein fast vergessenes R & B-Original, ursprünglich von Robert (Bob) L. Geddins, einem leider wenig beachteten schwarzen Blues-Mann, hierzulande nahezu unbekannt. Er konnte unglaubliche haarsträubende Stories in Songs formen und schlug sich sich als verhinderter Labelmacher/Produzent durch. Der Rockabilly Gene Simmons (aus Tupelo/MS, und gefördert von Elvis) machte den Titel 1964 populär, verschwand danach wieder in der Versenkung. Und auch der "Killer" Jerry Lee Lewis hat sich Mitte der 70er den Titel mal zur Brust genommen ("Southern Roots"-Album), ebenso Country-Superstar John Anderson. So, this time - it´s John Fogerty. Dig it. Abgerundet wird das Ganze diesmal mit einigen rockigen Tracks aus der Compilation "Creedence Country".

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 26. Juni 2016, 19 Uhr  

 

Talkrunde zur Hochschulwahl

Das Campusradio im Freien Radio Kassel präsentiert am kommenden Dienstag ab 18 Uhr eine zweistündige Gesprächsrunde zu den anstehenden Hochschulwahlen. Gäste im Funkhaus des FRK sind Vertreter der zur Wahl stehenden Listen. Sie werden Fragen zu den jeweiligen Programmen und zu aktuellen hochschulpolitischen Fragen beantworten.

  • Sendetermin: „Campusradio“, Dienstag, 28. Juni 2016, 18 Uhr

Live-Stream.

192 kBit/s
128 kBit/s