Programminfos vom 03.12.2021 bis 09.12.2021

Geschenktips für Musikfreunde, Teil 2

„Weiß überhaupt jemand, was er seinen Lieben auf den Gabentisch legen soll? Niemand weiß das, gell?“ Dieses Zitat von Frau Direktor Bartels aus Loriots legendärem Sketch gilt vermutlich bis in alle Ewigkeit. Kaum zu glauben, aber traurig: Weihnachten steht schon wieder vor der Tür, und die bange Frage nach den Präsenten für die Verwandt- und Bekanntschaft stellt sich drängend, wie in jedem Jahr um diese Zeit. Aber nicht verzagen: Das FRK betätigt sich als Retter in der Not. Wir empfehlen zwar nicht, wie Frau Direktor Bartels, den „Familien-Originalbenutzer“, dafür aber umfassende CD-Pakete, über die sich insbesondere Musikfans freuen dürften.
Wie bereits in früheren Jahren, so stellen wir auch diesmal wieder eine Reihe repräsentativer CD-Boxen vor, die in den vergangenen 12 Monaten erschienen sind. In der zweiten von insgesamt fünf Sendungen sind dabei u.a. Fleetwood Mac, Jethro Tull, Tintern Abbey, UFO, Manfred Mann’s Earth Band, Bruce Springsteen, Truck Stop, Lynyrd Skynyrd, Three Dog Night, Arthur Browns Kingdom Come, Buzzcocks.

  • Sendetermine: „FRK spezial – Geschenktips für Musikfreunde 2020, Teil 2“, Freitag, 3. Dezember 2021, 22 Uhr

 

StadtLabor im Freien Radio Kassel: Architektinnen im Sozialismus

Monotone Bauten aus grauem Beton als Kulisse eines tristen Alltags – ein stereotypes Bild der Architektur im Sozialismus. Dass auch hier große Bauten geschaffen wurden, wissen nur wenige. Dass an vielen Bauten Frauen beteiligt waren: noch weniger. Das Forschungsprojekt „Zweite Welt, Zweites Geschlecht: Frauen und Architektur im Sozialismus“ an der Universität Kassel soll das nun ändern.
Das StadtLabor "experimentiert" mit Prof. Dr. Alla Vronskaya, die das Forschungsprojekt leitet.

  • Sendetermin: „Stadtlabor“, Donnerstag, 9. Dezember 2021, 21 Uhr

Programminfos vom 26.12.2021 bis 01.12.2021

Geschenktips für Musikfreunde, Teil 1

„Weiß überhaupt jemand, was er seinen Lieben auf den Gabentisch legen soll? Niemand weiß das, gell?“ Dieses Zitat von Frau Direktor Bartels aus Loriots legendärem Sketch gilt vermutlich bis in alle Ewigkeit. Kaum zu glauben, aber traurig: Weihnachten steht schon wieder vor der Tür, und die bange Frage nach den Präsenten für die Verwandt- und Bekanntschaft stellt sich drängend, wie in jedem Jahr um diese Zeit. Aber nicht verzagen: Das FRK betätigt sich als Retter in der Not. Wir empfehlen zwar nicht, wie Frau Direktor Bartels, den „Familien-Originalbenutzer“, dafür aber umfassende CD-Pakete, über die sich insbesondere Musikfans freuen dürften.

Wie bereits in früheren Jahren, so stellen wir auch diesmal wieder eine Reihe repräsentativer CD-Boxen vor, die in den vergangenen 12 Monaten erschienen sind. In der ersten von insgesamt fünf Sendungen sind dabei u.a. die Replacements, Edgar Broughton Band, Help Yourself, Mudhoney, White Plains, Elvis, Black Sabbath und die Stones.

  • Sendetermine: „FRK spezial – Geschenktips für Musikfreunde 2020, Teil 1“, Freitag, 26. November 2021, 22 Uhr

 

Make Rave, not Hate – Lichtmeile

Das ist das originär für die Mannheimer Lichtmeile geplante DJ-Set von Make Rave, not Hate. Die Veranstaltung musste auf Grund des Fortschritts der Covid-19-Pandemie leider abgesagt werden. Unsere Mission ist es allerdings euch weiterhin mit elektronischer Musik zu beschallen. Und es ist die Mission der Reihe Make Rave, not Hate, Liebe und Rave zu verteilen. Damit alles drei in Zukunft wieder möglich ist, empfehlen wir sich gegen Covid-19 zu impfen, weil nur damit wieder Spaß und Gesundheit für jeden Kulturfreund möglich sind.

  • Sendetermin: „Frei hoch zwei“, Dienstag, 30. November 2021, 19 Uhr

 

The Roaring Twenties

US-Jazz und -Hotdance auf Brunswick, Folge 1/ 4

Erneut greifen wir in die schier unendliche Plattenkiste mit US-Aufnahmen.
In der Zeit nach dem gewonnenen I. Weltkrieg war in den Vereinigten Staaten 1919 die Prohibition ausgerufen worden; Alkohol konnte man bis 1933 legal keinen mehr erwerben. Trotzdem oder gerade darum herrschte besonders in den USA die Tanzwut, die auch in sog. „Flüsterkneipen“ ausgelebt wurde, in denen das organisierte Verbrechen mit dem nun „heißen“ Stoff schwunghaften Handel trieb und traumhafte Schwarzgelderlöse erzielte. Der Jazz war 1917 als neue musikalische Stilrichtung hinzugekommen und entwickelte sich sprunghaft weiter. Dem trugen die Plattenfirmen Rechnung und bedienten den scheinbar ins Unendliche wachsenden Käufermarkt. Der Börsenkrach vom Oktober 1929 beendete die goldenen 20er.
Genau aus dieser Zeitspanne stellen wir Ihnen in insgesamt vier Sendungen, die in loser Folge gebracht werden sollen, Aufnahmen für die US-Firma Brunswick vor.
Diese Firma, die es heute noch gibt und die sich wieder auf ihre Ursprünge, nämlich Billardzubehör, besonnen hat und keine Schallplatten mehr herstellt, hatte für ihre Billardkugeln in Zelluloidabkömmlingen einen Ersatz für das teure Elfenbein gefunden. Hierüber war man zur Schallplatte gekommen, deren Entstehung ja auch auf einem Formpreßverfahren beruht.
In den 20er Jahren war eins der Hauptstandbeine der Brunswick-Schallplatte der Sektor Jazz und Hotdance.

Durchs Programm begleitet Sie Peter Michael.

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 1. Dezember 2021, 21 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 2. Dezember, 13 Uhr
     

Programminfo für den 21.11.2021

Totgesagte leben länger

Paul Abraham

Die Operette ist tot. Macht nichts - wer will schon Anneliese Rothenberger mit saccharinsüß schmachtenden Geigenwäldern im Hintergrund hören?
Nichts von dem, was hier oben steht, stimmt.
Wirklich tot ist die Operette nicht, sie taucht auch in den letzten siebzig Jahren doch immer wieder auf den Spielplänen der Theater auf.
Daß sie aber nicht wahrgenommen wird, wie es ihr gebührt, macht schon etwas, denn keineswegs besteht die Operettenliteratur aus schwülstigen, streicherselig untermalten Koloraturgesängen. Im Gegenteil, in ihrer großen Zeit war die Operette jung, frech, unkonventionell und immer am Puls der Zeit, nahm sie neue musikalische Einflüsse wie etwa Ragtime und später Jazz auf und transformierte sie in eine dem damaligen Publikum verständliche Form. Dabei war sie nie simpel, so wie es Unterhaltungsmusik heute oft ist, sondern oft raffiniert ausgearbeitet, ungewöhnliche musikalische Einfälle verarbeitend, für die Darbietenden musikalische Herausforderung und Spielspaß zugleich.
Nebenbei: Auch Künstler wie Anneliese Rothenberger waren musikalisch durchaus nicht so hinterrangig, wie sie in den heute üblichen satirisch-ironischen Rückblicken gern dargestellt werden. Plattenfirmen und Fernsehen gaben allerdings dem Publikum, was es wollte (bzw. das, wovon sie glaubten, daß das Publikum es wolle). Über die Güte dieser Ansprüche wird sich allerdings wenig satirisch ausgelassen ...
Am Staatstheater Kassel erlebten wir im letzten Jahrzehnt recht gute Wiederaufnahmen von Operettenstoffen, aber demnächst findet auch in Darmstadt wieder einmal eine Wiederbelebung der Operette statt, die aus Fachkreisen mit viel Vorschußlorbeeren bedacht wird ob ihrer Rückbesinnung auf das eigentliche Wesen der Operette. Das ist Anlaß für unsere Sendung. Das Staatstheater Darmstadt bringt nämlich im November (Premiere war am 5.11., weitere Aufführungen [ohne Gewähr] am 27.11., 03.12, 10.12., 19.12.,22.12.,31.12.) die Operette „Ball im Savoy“ auf die Bühne. Sie ist das letzte große Werk eines Komponisten (Uraufführung: 23. Dezember 1932), dessen Schaffen in Deutschland ein Paradebeispiel für die und gleichzeitig ein Abgesang auf die große Zeit der Operette ist.
Es handelt sich, der Kenner wird es am Titel festgestellt haben, um den ungarischen Komponisten Paul Abraham (in ungarischer Schreibweise Abráhám Pál).
Nur gut fünf Wochen nach der Premiere erfolgte die Machtergreifung der Nationalsozialisten. Abraham, der Jude war, floh zunächst nach Österreich. Zu seinem Schicksal, seinem Auf- und Verglühen am deutschen Operettenhimmel unter den damaligen Zeitumständen ließe sich noch sehr viel mehr sagen - dazu noch einiges in der Sendung.
Die Aufnahme des „Balls im Savoy“ in den Darmstädter Spielplan war Anlaß für diese Sendung, in der wir Lieder aus Abrahams früheren Operetten und Tonfilmen in zeitgenössischen Plattenaufnahmen vorstellen - dirigiert vom Komponisten selbst und mit den Sängern der Originalbestzungen.
Der Eindruck, den Sie vermutlich auch hier gewinnen werden, unterscheidet sich hoffentlich deutlich von der oben angerissenen heutigen Wahrnehmung dessen, was Operette ist und sein kann.

Durch eine Stunde wiederzuentdeckender (die obenstehenden Zuschreibungen wiederholen wir hier nicht, Sie können sie dort nachlesen) Musik begleitet Sie Thomas Sosna.

Wir wiederholen die Sendung vom 20. Oktober an dieser Stelle, weil wir erfahren mußten, daß durch einen technischen Fehler bei der Ausstrahlung nicht alle Hörer in den Genuß ungestörten Empfangs kommen konnten. Wir bitten dies zu entschuldigen.

  • Sendetermin: „Tanzparkett extra“, Sonntag, 21. November 2021, 17 Uhr
  • Wiederholung: Montag, 22. November, 9 Uhr

Programminfos vom 13.11.2021 bis 17.11.2021

Billie & Belina - zwei Musikdokumentationen beim diesjährigen Dokumentarfilm-Festival.

James Erskines Meisterwerk BILLIE setzt der Jazz- und Bluessängerin Billie Holiday endlich ein würdiges, cineastisches Denkmal. Kein schauspielerisches Double à la Diana Ross oder Sandra Day, sondern BILLIE pur. Die Entstehungsgeschichte des Films ist (auch) ein Krimi.
Die wenig bekannte jüdische Sängerin BELINA wurde vom Filmemacher Marc Boettcher (wieder)-entdeckt. Die Deutschlandpremiere des Films findet in Kassel und im Beisein des Regisseurs statt!
Zu beiden Filmen sind umfangreiche Soundtracks erschienen. Das ist eine sinnvolle Ergänzung, weil die Songs in den Movies leider selten vollständig zu genießen sind. Ich hatte das Vergnügen mir BILLIE & BELINA schon vor dem Kinostart anschauen zu dürfen und stelle sie im Freien Radio Kassel mit ganz vielen O-Tönen vor. Ins Kino müsst ihr aber schon selber gehen. Lohnt sich.  Am Mikrophon: Ralf Wenzel.
Podcast zum Nachhören gibt’s auf meinem Blog: http://ralfs-radio-blog.blogspot.com

  • Sendetermin: „Magic Moments spezial“, Samstag, 13. November 2021, 19 Uhr
  • Wiederholung: Sonntag, 14. November 2021, 11 Uhr

 

Audioguide für den Stadtwald von Immenhausen

Ein weiterer Audioguide wurde produziert zusammen mit der 5b der Freiherr vom Stein Schule in Immenhausen. Die Schülerinnen und Schüler stellen ihre Beiträge selber vor, unteranderem geht es um 2 Teiche, Umwelt, Vögel und andere Tiere, die auch fliegen können.

  • Sendetermin: „Kinderradio“, Sonntag, 14. November 2021, 16 Uhr

 

Vergöttert und verjagt - Max Hansen

Neue Folgen zum 60. Todestag (2/2)

Der Titel „Vergöttert und verjagt“ ist nicht auf unserm Mist gewachsen. So heißt eine seit über 30 Jahren in der Plattensammlerzeitschrift „Fox auf 78“ laufende Artikelreihe über Künstler, die durch den Nationalsozialismus gezwungen waren, Deutschland zu verlassen. Aber passender kann man’s wohl nicht ausdrücken ...
Diese Reihe wurde 1986 in der zweiten Nummer der Zeitschrift mit einem Beitrag über Max Hansen eröffnet. Auch wir würdigten diesen Künstler im Jahre 2005 in zwei Sendungen. Zu seinem 60. Todestag haben wir nun zwei neue Folgen nachgelegt, deren erste am 7. November lief. Einige Notizen zu Biographie und Werdegang Hansens finden Sie daher im Eintrag von letzter Woche (siehe „Programminfo“).
Geboren wurde Hansen am 22.12.1897 in Mannheim als Sohn der dänischen Schauspielerin Eva Haller. Am 12. oder am 13.11.1961 - hierzu existieren widersprüchliche Angaben - starb er in Kopenhagen.
Max Hansen hinterließ etliche der schönsten Kleinkunstplatten der Weimarer Republik, von denen wir Ihnen am zweiten „Tanzparkett-extra“-Termin zu seinem 60. Todestag eine Auswahl präsentieren wollen, die die Zeit vom Grammophon-Engagement bis zum Beginn seiner Wirkungszeit in Österreich umfaßt (1928 bis 1934). Eine Rundschau auf seine weiteren österreichischen und seine skandinavischen Platten sowie seine Nachkriegsaufnahmen soll nach Möglichkeit später einmal in einer weiteren Sendung unternommen werden.
Durchs Programm führt Thomas Sosna.

  • Sendetermin Teil 2: „Tanzparkett extra“, Sonntag, 14. November 2021, 17 Uhr
  • Wiederholung: Montag, 15. November 2021, 9 Uhr

 

Flucht aus dem grauen Alltag

Swing und Blues auf Bluebird, 1935 bis 1940

Anfang der 30er schuf sich die Victor eine preiswerte Untermarke, die Bluebird. Das geschah, um den Anschluß an den von der Weltwirtschaftskrise geschwächten Käufermarkt nicht zu verlieren. Auch andere alteingesessene Firmen brachten preiswerte Unteretiketten heraus, um der neuerstandenen Konkurrenz, vor allem dem aus bankrottgegangenen Kleinfirmen zusammengestoppelten ARC-Konzern, Paroli zu bieten. Diese und andere Billiglabel zielten mit Kampfpreisen auf die letzten im Geldbeutel der Amerikaner verbliebenen Nickels und Dimes.
Musikalisch sind aber die wenigsten dieser so entstandenen Platten zweitrangig - im Gegenteil. Sie boten der verarmenden Bevölkerung wenigstens ein wenig abwechslung im grauen Alltag.
Die Bluebird wurde bis in den II. Weltkrieg hinein weitergeführt und dann eingestellt. Waren bis dahin auch Victor-Matrizen als Zweitverwertung auf Bluebird erschienen, so kamen nun etliche als weiterhin interessant befundene Bluebird-Matrizen auf dem Hauptetikett Victor heraus. In den 50er Jahren wurde die Bluebird als preiswerte Serie vor allem für den Rhythm-and-Blues- und den Rock-‘n‘-Roll-Sektor wiederbelebt.
In der Zeit aber, die wir behandeln wollen, gab der Swing den Ton an - von New York bis ins letzte Provinznest. So sind auch Territory-Aufnahmen in der Sendung enthalten, die in San Antonio, Texas, entstanden.
Auch der Blues hatte stets seine Freunde - in modernisiertem Gewand wurde in dieser Zeit auch er weiterhin auf Wachs gebannt.
Freuen sie sich auf eine Zeitreise in die Swingära, die Peter Michael mit Ihnen unternimmt.

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 17. November 2021, 21 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 18. November 2021, 13 Uhr

Programminfo vom 05.11.2021 bis 09.11.2021

Zehn Jahre Enttarnung des „NSU“ – viele Fragen bleiben offen

Im November 2011, also vor zehn Jahren, erschütterte die Enttarnung des Terror-Trios „Nationalsozialistischer Untergrund“ (von dem man inzwischen weiß, daß es mehr als nur ein Trio war) die Republik. Schlagartig wurde klar, daß hinter der geheimnisvollen Mordserie, die seit Anfang des Jahrtausends für Unruhe gesorgt hatte, rechtsradikale Motive steckten. Seither steht das Thema immer wieder im Blickpunkt der Öffentlichkeit, und trotz diverser Untersuchungsausschüsse und Gerichtsverfahren verstärkt sich der Eindruck, daß die Hintergründe der Anschlagsserie bis heute nicht vollständig geklärt sind. Schon kurz nach dem November 2011 meldeten viele Experten, Historiker, Politiker und sonstige Interessierte Zweifel an der Korrektheit der offiziellen Verlautbarungen an. Besonders die Rolle der Geheimdienste ist bis heute unklar. Der Autor und Journalist Wolf Wetzel hat bereits 2013 ein Buch zur möglichen Rolle des Verfassungsschutzes im NSU-Komplex vorgelegt und zu diesem Thema auch einen Vortrag im Kulturzentrum Schlachthof hier in Kassel gehalten – im April 2013, kurz vor Beginn des großen NSU-Prozesses in München. Wir nehmen diesen historischen Mitschnitt erneut ins Programm, um den damaligen Stand der Debatte zu dokumentieren. Inzwischen weiß man naturgemäß mehr – aber vieles, was damals im Ungewissen lag,  beschäftigt bis heute die Experten und die Öffentlichkeit.
Außerdem in der Sendung: Am Zürcher Schauspielhaus wird eine Neuinterpretation von Shakespeares „Macbeth“ gezeigt – wir rezensieren die Aufführung.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 5. November 2021, 18 Uhr

 

Vergöttert und verjagt - Max Hansen

2 neue Folgen zum 60. Todestag

Der Titel „Vergöttert und verjagt“ ist nicht auf unserm Mist gewachsen. So heißt eine seit über 30 Jahren in der Plattensammlerzeitschrift „Fox auf 78“ laufende Artikelreihe über Künstler, die durch den Nationalsozialismus gezwungen waren, Deutschland zu verlassen.
Aber passender kann man’s wohl nicht ausdrücken ...
Diese Reihe wurde 1986 in der zweiten Nummer der Zeitschrift mit einem Beitrag über Max Hansen eröffnet. Auch wir würdigten diesen Künstler im Jahre 2005 in zwei Sendungen. Zu seinem 60. Todestag legen wir nun zwei neue Folgen nach.

Künstlerisch wie geographisch kann Hansen ein bewegtes Leben vorweisen. Geboren am 22.12.1897 in Mannheim „auf der Durchreise“ als Sohn der dänischen Schauspielerin Eva Haller, wuchs er in München bei Pflegeeltern auf. Als „kleiner Caruso“ präsentiert (er war vierzehn, wurde aber als elfjähriges Wunderkind vermarktet), zog es ihn bald zum Theater. Als Siebzehnjähriger brannte er mit einer skandinavischen Truppe ins Heimatland seiner Mutter durch. Sein Glück, denn so entging er dem Schicksal vieler Altersgenossen, als Kanonenfutter in den Schützengräben Frankreichs verheizt zu werden. Er drehte erste Filme, wodurch Franz Léhar auf ihn aufmerksam wurde, der ihn 1919 nach Wien holte. Nun begann sein kometenhafter Aufstieg. 1920 wechselte Hansen nach Berlin, wo er in der Operette „Gräfin Mariza“ im Metropoltheater ein fulminantes Debüt hinlegte. Berlin, damals neben Paris Unterhaltungshauptstadt des Kontinents, empfing Hansen mit offenen Armen. Operette, Theater, Revuen, Film, Funk und nicht zuletzt das Brettl - er war 1924 Mitbegründer des „Kabaretts der Komiker“ - machten ihn in weitesten Kreisen populär. Auch als Komponist, Textdichter und Drehbuchautor reüssierte „Mäxchen“ - wie er wegen seines noch lange jugendlichen Aussehens allgemein genannt wurde - sehr bald. Schon 1922 hatte er mit Plattenaufnahmen begonnen. Zunächst war er als Operettentenor, dann als anonymer Refrainsänger auf Tagesschlagern zu hören, bald jedoch namentlich als Sänger auf dem Etikett erwähnt - und schließlich als Hauptkünstler. Hansen war schnell ein nicht mehr wegzudenkender Bestandteil der Berliner Künstlerszene geworden. Er engagierte sich auch gesellschaftlich - sein in Künstlerkreisen damals sprichwörtlich gewordenes gutes Herz machte ihn nur noch populärer. Seine Weihnachtseinladungen, die auch stets jenen Künstlern galten, die es nicht in die vordersten Reihen geschafft hatten oder gar in Not geraten waren, waren im Berliner Gesellschaftsleben Treffpunkte allerersten Ranges. Aus seiner Abneigung gegen den aufkeimenden Nationalsozialismus machte er schon in den 20er Jahren keinen Hehl, im Privaten ebensowenig wie auf der Bühne oder auf seinen Platten. Ein Beispiel ist in unserer Sendefolge enthalten („War’n Sie schon mal in mich verliebt?“).
Diese Haltung den sauertöpfischen Nazis gegenüber sollte nicht ohne Folgen bleiben. 1933 mußte selbst ein Max Hansen bemerken, was die Stunde geschlagen hatte. Nach wie vor waren seine Auftritte und Filme gut besucht. Doch am 8. September ’33 wurde die Premiere seiner Filmkomödie „Das häßliche Mädchen“ von eierwerfender SA gestört. Hansen wurde von den Nazis als Jude diffamiert. Ironischerweise sollte sich später herausstellen, daß sein Vater tatsächlich jüdischer Abstammung war, doch weder Hansen selbst noch die Nationalsozialisten wußten damals etwas davon. Entsprechende Anwürfe neidischer Konkurrenten oder haßerfüllter Parteibonzen waren allerdings schon vor 1933, aber besonders kurz nach der Machtergreifung durchaus üblich und trafen auch andere Künstler. Wenn auch der Rest des Publikums an jenem Abend ermutigend Beifall spendete, als „Mäxchen“ und seine Kollegen sich davon nicht beirren ließen, und die Zeitungen - trotz beginnender Gleichschaltung - seine Tätigkeit noch immer wohlwollend kommentierten, zog er die Konsequenz und bestieg nach dem Abdrehen seines (passend betitelten) letzten deutschen Films „Glückliche Reise“ den Nachtzug, um „zu Gastspielen“ nach Wien zu fahren.
Dort und in Skandinavien drehte er weiter Filme, die zunächst sogar in Deutschland noch aufgeführt wurden. Auch seine in der Emigration eingesungenen Platten kamen zunächst noch in die deutschen Musikgeschäfte. Doch langsam, aber sicher wurde es in Deutschland schließlich still um ihn. Seine Filme verschwanden aus den Spielplänen der Kinos, die vorhandenen Platten veralteten und wurden aus den Katalogen gestrichen, neue Platten und Filme erschienen irgendwann nicht mehr, die Zeitungen brachten keine launigen Bilder und Berichte mehr - der eben noch enthusiastisch gefeierte Star wurde, wie das nun einmal im Filmgeschäft ist, durch neue Leinwandgrößen ersetzt.

In Österreich war er wiederum ein gefragter Revuestar, der schließlich an der Seite der neuen schwedischen Sensation Zarah Leander wahre Triumphe in Benatzkys Singspiel „Axel an der Himmelstür“ feierte. 1938 war auch diese trügerische Ruhephase zu Ende. Hansen floh nach Dänemark. 1941 bekam Gustaf Gründgens den Auftrag, ihn aus dem inzwischen von Deutschland besetzten Land nach Berlin zurückzuholen. Seine Popularität war offenbar immer noch nicht ganz erloschen, das Ausland kannte ihn ohnehin - so versprach sich das NS-Regime vermutlich von einer Mitwirkung Hansens in deutschen Filmen eine gewisse Internationalität, die im Hinblick auf den schwere Devisen einbringenden Filmexport von Vorteil sein würde. Hansen fuhr nach Berlin, sagte zu, gab jedoch vor, vorher noch einen Vertrag für einen Dreh in Schweden erfüllen zu müssen. Nach Vertragserfüllung dort, so seine Zusage, würde er auch wieder in Berlin filmen. So gelangten er und seine Familie an Ausreisevisa ins neutrale Schweden, wo sie bis Kriegsende blieben.
Danach war er in der Schweiz, in Holland und den USA engagiert. Schließlich führten ihn Tourneen auch wieder nach Österreich und Deutschland. Auch einige Platten nahm er hier noch auf. Am 12. oder am 13.11.1961 - hierzu existieren widersprüchliche Angaben - starb er in Kopenhagen.
Max Hansen hinterließ etliche der schönsten Kleinkunstplatten der Weimarer Republik, von denen wir Ihnen an zwei „Tanzparkett-extra“-Terminen eine Auswahl präsentieren wollen. Dabei streifen wir auch in einigen Aufnahmen seinen Werdegang vom Operettenbuffo zum Kabarettchansonnier.

Durchs Programm führt Thomas Sosna.

  • Sendetermin (Teil 1): „Tanzparkett extra“, Sonntag, 7. November 2021, 17 - 18 Uhr • Wiederholung: Montag, 8. November, 9 Uhr
  • Teil 2: „Tanzparkett extra“, Sonntag, 14. November 2021, 17 - 18 Uhr • Wiederholung: Montag, 15. November, 9 Uhr

 

Steuerpolitik für mehr soziale Gerechtigkeit

Die Steuerpolitik der letzten Jahrzehnte hat die Reichen entlastet und alle anderen verstärkt belastet. In der Folge hat die Einkommens- und Vermögens-Ungleichheit stark zugenommen. Soziale Gerechtigkeit erfordert eine radikale Umkehr. Wir können uns die vielen Reichen, die kaum Steuern zahlen, nicht mehr leisten. Besteuerung nach dem Prinzip der Leistungsfähigkeit und der Kampf gegen Steuerhinterziehung und Steuervermeidung stehen auf der Tagesordnung. Daran hat sich die Steuerpolitik für eine soziale und nachhaltige Gesellschaft auszurichten.
Referent: Alfred Eibl (Attac)
Mitschnitt der Online-Veranstaltung vom 25.10.2021

  • Sendetermin: „attac-Radio“,  Dienstag, 9. November 2021, 21 Uhr

Programminfos vom 29.10.2021 bis 03.11.2021

Goodbye Angela – Kabarett aus 16 Jahren Merkel-Kanzlerschaft

Man kann es sich noch nicht so recht vorstellen, aber die Ära Merkel geht ja nun wohl endgültig zu Ende (wenn nicht noch etwas dazwischenkommt). Nicht nur die Politik wird dann auf die ewige Kanzlerin verzichten müssen, sondern auch das Kabarett. Über Jahrzehnte war „diese Frau“ (Zitat Edmund Stoiber) ein fester Bestandteil unzähliger Kabarettprogramme – auch solcher, die bei uns im FRK im Rahmen von „Kabarett live“ ausgestrahlt wurden. Klar, daß wir sie würdig verabschieden – mit einer kleinen Reihe. Wir blicken zurück auf 16 Jahre Merkel-Kanzlerschaft und wollen uns erinnern, wie die führenden Polit-Kabarettisten der Nation über die Jahre mit der Regierungschefin umgegangen sind.
Heute bringen wir eine Aufzeichnung aus dem Jahr 2011. Damals war Hagen Rether in Vellmar zu Gast. Er galt – und gilt bis heute – als einer der bissigsten und scharfzüngigsten politischen Kabarettisten. „Liebe“ – so betitelt Hagen Rether seit Jahren sein Bühnenprogramm. Allerdings sind Herz, Schmerz und Zweisamkeit nicht unbedingt das Hauptthema der kabarettistischen Texte, mit denen der Mann mit dem Zopf seine inzwischen sehr zahlreichen Zuschauer erfreut. Hagen Rether gehört vielmehr seit Jahren zu den schärfsten politischen Kabarettisten, der seine teils heftige Kritik an den gesellschaftlichen und politischen Zuständen mit entspannter Klaviermusik garniert. Seine Programme ändern sich permanent – wie jeder gute Polit-Kabarettist baut er aktuelle Entwicklungen und Ereignisse kurzfristig in seine Bühnentexte ein. Berühmt geworden ist er auch für die teils extreme Länge seine Auftritte, die oft bis nach Mitternacht dauern. Damals, in Vellmar beim „Sommer im Park“, ließ er aber Gnade walten und beschränkte die reine Spielzeit auf zweieinhalb Stunden.

  • Sendetermin: „Kabarett live“, Freitag, 29. Oktober 2021, 22 Uhr

 

40 Jahre „Almost Blue“, Folge 2

Groß war die Aufregung im Herbst 1981: Ein neues Elvis-Costello-Album war angekündigt – und zwar eine Country-LP! Ausgerechnet einer der angesagtesten, von Presse und Publikum am höchsten geschätzten Vertreter der neueren Musikszene sollte sich mit der erzkonservativen, reaktionären Country Music befassen wollen? Kaum zu glauben – und als das Album dann erschien, fielen die Reaktionen entsprechend aus: Abscheu und Entsetzen, panischer Schrecken erfaßte die Fachwelt.
Versetzen wir uns für einen Moment in die damalige Zeit zurück: Die Musikszene befand sich im Umbruch, die „alten Helden“ aus den 60ern und 70ern hatten weitgehend ausgedient, neue Stile wie Punk und New Wave gaben den Ton an. Elvis Costello, der „Buddy Holly des Punk“, gehörte zu den Vorreitern der neuen Welle. Seine Alben, die seit 1977 erschienen waren, wurden von der Kritik gefeiert und von den Fans geliebt. Sein gelegentlich rüdes, unangepaßtes Verhalten trug entscheidend zu seiner Reputation als „Rebell“ bei. Vor allem aber war von Anfang an klar, daß man es hier mit einem extrem talentierten Songschreiber und Sänger zu tun hatte, dessen Phantasie und Kreativität keine Grenzen kannten. Und ausgerechnet dieser Hoffnungsträger des modernen Pop veröffentlichte nun eine komplette LP mit traditionellen Country-Songs aus den 50er und 60er Jahren, die er noch dazu im Country-Mekka Nashville aufnahm. Zum Verständnis: Country galt damals unter jungen Leuten als absolut „uncool“; wer sich als Fan von Johnny Cash oder Hank Williams outete, wurde ausgelacht. Erst im Lauf der Zeit erkannten auch die Rockfans und die Punk-Jünger, daß Country eben mehr ist als tränenziehende Schnulzen und jodelnde Cowboys – und heute gelten die Altvorderen der Country-Szene allgemein als musikalische Götter. Elvis Costellos Album „Almost Blue“ hat damals nicht unwesentlich zu dieser Entwicklung beigetragen.
Zum 40. Geburtstag zeichnen wir in drei Folgen der „Country Classics“ die Entstehungsgeschichte der Platte nach. Wir hören, wie sich Elvis Costellos Verhältnis zur Country Music im Lauf der Zeit entwickelt hat und präsentieren in der heutigen zweiten Folge neben den Songs vom Album natürlich auch die Originale – u.a. von Webb Pierce, Merle Haggard und Emmylou Harris.

  • Sendetermin: „Country Classics“, Samstag, 16. Oktober 2021, 18 Uhr

 

Ich küsse Ihre Hand, Madame

Zum 125. Geburtstag von Ralph Erwin

Wäre nicht der Schlagertitel aus unserer Überschrift, würde vermutlich fast gar nichts mehr an Ralph Erwins Leben und Wirken erinnern. Zumindest diese Zeile, die aus der Feder des Textdichters Fritz Rotter stammt, dürfte wohl durch eine Vielzahl von Versionen und Parodien (u.a. Peter Zadeks Film „Ich bin ein Elefant, Madame“) den meisten Menschen deutscher Zunge auch über 90 Jahre nach ihrer Entstehung noch heute bekannt sein. Die Melodie dazu lieferte Ralph Erwin. Ähnlich populär war der Schlager in Frankreich, doch dort dürfte ihn „J’ai ma combine“ noch übertreffen - ebenfalls von Ralph Erwin komponiert.
Geboren am 31. Oktober 1896 im damals österreichischen Bielitz (heute Bielsko-Biala in Polen) unter dem Namen Erwin Vogl, wuchs der Sohn eines Musikers schon als Kind in seinen späteren Beruf hinein - mit elf Jahren leitete er das Schulorchester. Der Matura folgte 1915 die Meldung als Kriegsfreiwilliger zur k.u.k. Armee. Schwer verwundet kehrte Vogl 1918 aus dem Felde zurück und verdiente sich nun als Bar-, Kabarett- und Kaffeehausmusiker sein Studium der Musikgeschichte und der Philosophie. Erste Kompositionen, zu denen er in der Anfangszeit auch die Texte meist selbst schrieb, brachte er als „Harry Wright“ heraus. Sein Verleger riet ihm zum deutschen Pseudonym Ralph Erwin, das schnell Bekanntheit erlangen sollte. Nach einigen Jahren als Komponist und Texter in Österreich siedelte er 1927 nach Berlin über, wo seine Karriere richtig in Fahrt kam. Tagesschlager, Operette, Revue - und als er aufkam, auch der Tonfilm - waren die Betätigungsfelder des erfolgreichen Künstlers. Er war auch auf Platten zu hören, meist als Begleiter am Klavier, doch gibt es auch eine kleine Serie von Aufnahmen mit Erwin als Sänger. Zu über vierzig Tonfilmen lieferte er die Schlager. Dabei arbeitete er 1930 nicht nur an deutsch-französischen Gemeinschaftsproduktionen (es war üblich, fremdsprachige Versionen von Filmen mit Stars des Partnerlandes zu besetzen, weil die Synchronisation z.T. noch erhebliche Schwierigkeiten bereitete), sondern auch für ausschließlich französische Filme, nachdem seine heute in Deutschland wohl bekannteste Komposititon „Ich küsse Ihre Hand, Madame“ 1928 auch in Frankreich ein Treffer geworden war.
Nach Frankreich floh er 1933 auch, als die Machtergreifung der NSDAP erfolgt war - er war jüdischer Abstammung und sah nun keine Möglichkeit mehr, weiter in Deutschland zu leben. Er blieb für den französischen Film tätig und wohnte in Paris. Nach Einmarsch der Deutschen Wehrmacht wurde er ins Internierungslager Beaune-la-Rolande verschleppt und von dort ins Konzentrationslager Drancy verbracht. Seiner Frau gelang es, ihn zu befreien. Nun mußte er versteckt leben, flog aber auf. Ein Gendarm rettete ihn vor neuerlicher Deportation, doch da das neue Versteck in unmittelbarer Nähe des Lagers Beaune-la-Rolande lag, traf ihn bei einem Angriff auf das Lager eine Kugel. An den Folgen des dabei erlittenen Bauchschusses starb Erwin am 15. Mai 1943 in Beaune-la-Rolande.
Wir bringen eine Auswahl an Ralph-Erwin-Kompositionen aus seinem produktivsten Schaffensjahrzehnt (1922 bis 1932). Durchs Programm führt Thomas Sosna.

  • Sendetermin: „Tanzparkett extra“, Sonntag, 31. Oktober 2021, 17 Uhr
  • Wiederholung: Montag, 1. November 2021, 9 Uhr

 

Laßt uns über Gretchen reden! „Faust I“ in Jena

Es ist immer noch DER Klassiker auf den deutschen Bühnen: Goethes „Faust I“ mit der im Zentrum stehenden „Gretchentragödie“. Doch wie gut ist die eigentlich vor dem Hintergrund der brandaktuellen Fragestellung nach der Rolle der Frau in der Gesellschaft gealtert?
Das Jenaer Studierendentheater „tHeater Zink“ hat sich mit Goethes Text beschäftigt. Herausgekommen ist dabei eine viel gelobte Inszenierung, die im Oktober vier Mal vor ausverkauftem Haus gezeigt wurde. Nachdem der Vorhang nun endgültig gefallen ist, unterhalten sich der Regisseur Lukas Gräfe und der Mephisto-Darsteller Torben Bunzenthal über das abgeschlossene Projekt: Darf man „Faust“ heute überhaupt noch spielen? Wie gestaltet sich die Arbeit in der Freien Theaterszene Jena?

  • Sendetermin: „Zwischenzeit“, Dienstag, 2. November 2021, 19 Uhr

 

Foxtrott, Charleston & Co.

Modetänze der 20er Jahre

Der letzte Schrei ist, in der Mode wie bei allem andern, immer nur der vorletzte. Kaum ist etwas etabliert, wird, um es volkstümlich auszudrücken, die nächste Sau durchs Dorf getrieben. Das ist auch heute in vielen Bereichen noch so. In der Musik allerdings eher weniger - da laufen durchaus ein halbes Jahrzehnt lang immer dieselben fünfzehn Platten rund um die Uhr stündlich wieder in den Autofahrerwellen. Je nun ...
In den 20er Jahren war das anders - alles, was der Plattensammler sich heute über Jahre, wenn nicht Jahrzehnte hinweg erschließen muß, betrommelte das Publikum in nicht endenwollendem Stakkato innerhalb einer ganz kurzen Periode. Mit dem vom gleichnamigen Tanzlehrer als Bühnentanz (wie etliche später folgende Stile) geschaffenen Fox begann der hektische Reigen der Modetänze schon in den 10er Jahren, aber so richtig in Fahrt kam die Sache nach dem I. Weltkrieg. Basierend auf dem Foxtrott, kam zunächst der Shimmy auf, dann der Charleston, der heute wohl als Inbegriff des Tanzes in den 20ern gelten kann, es folgte der Black Bottom, dann waren lateinamerikanische Rhythmen en vogue, zunächst der Paso doble, dann der in den 20ern auf Kuba entstandene Rumba, der aber schon in die 30er Jahre gehört - er war ab 1931 der (vor)letzte Schrei.
Auch erfolglose Versuche zur Etablierung neuer Schritte gab es natürlich, so wie zu fast allen Zeiten. Haben Sie schon etwas vom Fivestep gehört? Ähnlich erging es dem „Deta“, was als Abkürzung für „Deutschen Tanz“ stand. (Nach dem II. Weltkrieg war in der DDR dem Lipsi ein ähnlicher Mißerfolg beschieden.)
Gehalten haben sich neben dem Foxtrott und den schon vorher etablierten Tänzen Walzer und Tango die lateinamerikanischen Rhythmen. Alles weitere ist im Abgrund der Zeit versunken, wenn auch im Rahmen diverser Nostalgiewellen immer wieder einmal alte „Schinken“, um einen etwas respektlosen Ausdruck zu verwenden, ausgegraben werden, so wie in der jungen Swingszene der Lindyhop.
Unternehmen Sie mit Thomas Sosna am Mikrophon eine spannende Zeitreise durch die wilden 20er!

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 3. November 2021, 21 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 4. Novemder 2021, 13 Uhr

Programminfo für den 24.10.2021

Wenn ich mir was wünschen dürfte

Zum 125. Geburtstag von Friedrich Hollaender (2. Folge und Schluß)

Aus Klein Fritze, der schon mit viereinhalb Jahren den Vater mit einer ersten Eigenkomposition überrascht hatte (Sie werden sich an die Anekdote dazu aus der ersten Sendung erinnern), war mittlerweile einer der Stars der blühenden Berliner Revue- und Kabarettwelt geworden. In dieser Zeit kamen auch gesellschaftliche Mißstände als Thema auf die Bühne, und Hollaender war einer von etlichen Autoren, die auch diesen Teil des Zeitgeistes messerscharf erfaßt hatten. In den Kreisen, die von den herrschenden Zuständen profitierten oder profitieren wollten, schuf er sich damit keine Freunde ...
Doch zunächst dürfte er den Gipfelpunkt seines Ruhms erreicht haben - mit den Kompositionen zu Sternbergs „Blauem Engel“. Für diesen Film schrieb er Marlene Dietrich, mit der er auch Chansons aufnahm, die Hauptschlager auf den Leib. Neben Kabarettnummern und Revueeinlagen komponierte und textete er viele Filmschlager, trat auch selbst in Filmen auf und war Pianist bei einer der heißesten deutschen Kapellen jener Tage, den Weintraubs Syncopators, die er zumindest für die Schallplatte nominell auch leitete („Friedrich Hollaender und seine Jazzsymphoniker“).
Ende 1932, Anfang 1933 führte er bei dem Film „Ich und die Kaiserin“ sogar Regie. Es sollte sein letzter deutscher Film werden. Verhaßt war Hollaender bei Reaktionären und den immer stärker werdenden Nazis nicht nur seiner Arbeit wegen (offenbar stand er auf deren schwarzer Liste recht weit oben), sondern auch seiner Herkunft. Als Jude ging er kurz nach der Machtergreifung der NSDAP, nachdem er offen bedroht worden war, ins Exil. Nach einem Jahr Paris folgte 1934 der Sprung nach Hollywood. Im Gegensatz zu vielen andern Emigranten vermochte er sich dort trotz einer schwierigen Anlaufphase zu etablieren.
Endgültig kehrte Hollaender erst 1955 nach Deutschland zurück und arbeitete in München als Kabarett- und Revuekomponist. Auch für den Film war er weiterhin tätig, so schrieb er die Musik zu dem Fimlustspiel „Das Wirtshaus im Spessart“ und trat als Hotelkapellmeister in Billy Wilders Ost-West-Komödie „Eins, zwei, drei“ auf - eine Filmrolle, in der ihn wohl auch mancher Jüngere gesehen haben mag, ohne zu wissen, wessen Bild da über die Leinwand flimmerte.
1960 wurde ihm das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse verliehen, daneben erhielt er mehrere Filmpreise.
Der am 18. Oktober 1896 in London geborene Hollaender starb am 18. Januar 1976 in München, wo er auf dem Ostfriedhof beerdigt wurde.
Auch durch die zweite Ausgabe führt Thomas Sosna.

  • Sendetermin: „Tanzparkett extra“, Sonntag, 24. Oktober 2021, 17 Uhr
  • Wiederholung: Montag, 25. Oktober 2021, 9 Uhr

Programminfos vom 15.10.2021 bis 21.10.2021

Goodbye Angela – Kabarett aus 16 Jahren Merkel-Kanzlerschaft

Man kann es sich noch nicht so recht vorstellen, aber die Ära Merkel geht ja nun wohl endgültig zu Ende (wenn nicht noch etwas dazwischenkommt). Nicht nur die Politik wird dann auf die ewige Kanzlerin verzichten müssen, sondern auch das Kabarett. Über Jahrzehnte war „diese Frau“ (Zitat Edmund Stoiber) ein fester Bestandteil unzähliger Kabarettprogramme – auch solcher, die bei uns im FRK im Rahmen von „Kabarett live“ ausgestrahlt wurden. Klar, daß wir sie würdig verabschieden – mit einer kleinen Reihe. Wir blicken zurück auf 16 Jahre Merkel-Kanzlerschaft und wollen uns erinnern, wie die führenden Polit-Kabarettisten der Nation über die Jahre mit der Regierungschefin umgegangen sind.
Heute bringen wir eine Aufzeichnung aus dem Jahr 2011. Damals war Georg Schramm in Vellmar zu Gast. Er galt – und gilt bis heute – als einer der bissigsten und scharfzüngigsten politischen Kabarettisten. Mit seinem Bühnenpersonal wie dem renitenten, einarmigen Rabatz-Rentner Dombrowski, dem Oberstleutnant Sanftleben und dem Alt-Sozialdemokraten August hat Georg Schramm Kabarettgeschichte geschrieben – kaum jemand hat auf deutschen Bühnen einen derartigen Furor entwickelt, niemand hat die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse dermaßen gnadenlos und treffend seziert wie der studierte Psychologe Georg Schramm. Leider hat er bereits vor einiger Zeit seine Kabarett-Tätigkeit weitgehend eingestellt – neue Programme und Tourneen gibt’s keine mehr; bestenfalls zu besonderen Anlässen tritt Schramm noch auf. Glücklicherweise haben wir aber die Aufzeichnungen. Im Mai 2011 war er in Vellmar beim „Sommer im Park“ zu Gast. Klar, daß die Kanzlerin, die damals mit der FDP zusammen regierte, in seinem Programm eine prominente Rolle einnimmt …

  • Sendetermin: „Kabarett live“, Freitag, 15. Oktober 2021, 22 Uhr

 

40 Jahre „Almost Blue“

Groß war die Aufregung im Herbst 1981: Ein neues Elvis-Costello-Album war angekündigt – und zwar eine Country-LP! Ausgerechnet einer der angesagtesten, von Presse und Publikum am höchsten geschätzten Vertreter der neueren Musikszene sollte sich mit der erzkonservativen, reaktionären Country Music befassen wollen? Kaum zu glauben – und als das Album dann erschien, fielen die Reaktionen entsprechend aus: Abscheu und Entsetzen, panischer Schrecken erfaßte die Fachwelt.
Versetzen wir uns für einen Moment in die damalige Zeit zurück: Die Musikszene befand sich im Umbruch, die „alten Helden“ aus den 60ern und 70ern hatten weitgehend ausgedient, neue Stile wie Punk und New Wave gaben den Ton an. Elvis Costello, der „Buddy Holly des Punk“, gehörte zu den Vorreitern der neuen Welle. Seine Alben, die seit 1977 erschienen waren, wurden von der Kritik gefeiert und von den Fans geliebt. Sein gelegentlich rüdes, unangepaßtes Verhalten trug entscheidend zu seiner Reputation als „Rebell“ bei. Vor allem aber war von Anfang an klar, daß man es hier mit einem extrem talentierten Songschreiber und Sänger zu tun hatte, dessen Phantasie und Kreativität keine Grenzen kannten. Und ausgerechnet dieser Hoffnungsträger des modernen Pop veröffentlichte nun eine komplette LP mit traditionellen Country-Songs aus den 50er und 60er Jahren, die er noch dazu im Country-Mekka Nashville aufnahm. Zum Verständnis: Country galt damals unter jungen Leuten als absolut „uncool“; wer sich als Fan von Johnny Cash oder Hank Williams outete, wurde ausgelacht. Erst im Lauf der Zeit erkannten auch die Rockfans und die Punk-Jünger, daß Country eben mehr ist als tränenziehende Schnulzen und jodelnde Cowboys – und heute gelten die Altvorderen der Country-Szene allgemein als musikalische Götter. Elvis Costellos Album „Almost Blue“ hat damals nicht unwesentlich zu dieser Entwicklung beigetragen.
Zum 40. Geburtstag zeichnen wir in drei Folgen der „Country Classics“ die Entstehungsgeschichte der Platte nach. Wir hören, wie sich Elvis Costellos Verhältnis zur Country Music im Lauf der Zeit entwickelt hat und präsentieren neben den Songs vom Album natürlich auch die Originale – u.a. von George Jones, Hank Williams und Charlie Rich.

  • Sendetermin: „Country Classics“, Samstag, 16. Oktober 2021, 18 Uhr

 

Sondersendung über die Band „Frontm3n“

Vor einigen Jahren war der Name „Frontm3n“ noch komplett unbekannt. Doch Anfang 2016 trat diese Band - bestehend aus Pete Lincoln (bekannt von The Sweet und Sailor), Peter Howarth (bekannt von The Hollies) und Mick Wilson (bekannt von 10cc) - erstmalig auf, und die Redaktion Handmade vom FRK hatte die Ehre, dabei zu sein. Seither verfolgen wir den Werdegang der drei Herren. Live bieten sie unfassbar tolle Akustikversionen der Hits ihrer o.g. Herkunftsbands und auch Solo-Material. Dazu haben sich inzwischen auch viele Eigenkompositionen der Band gesellt. Getroffen haben sich die drei Sänger in den 90er Jahren, als sie alle zusammen in der Band von Sir Cliff Richard arbeiteten. Seither sind sie befreundet, und die Idee für „Frontm3n“ entstand vor einigen Jahren. Nach ersten kleinen Konzerten folgten größere Hallen, längere Tourneen, eine erste Live-DVD und unter anderem ein Auftritt in Berlin am Brandenburger Tor zum Jahreswechsel 2017/2018, der auch im TV übertragen wurde. Die Fangemeinde wächst stetig, und somit war auch das erste eigene Album nicht weit. Im November 2018 erschien ihr Album "All For One", auf dem neben einigen bekannten Hits der o.g. Bands, aus denen die „Frontm3n“ stammen, auch eigene Eigenkompositionen enthalten waren. Anfang 2020 wurde ihr Doppel-Live-Album „Up Close – Live 2020“ aufgenommen, das auch als DVD und Blu-Ray erhältlich ist. Und nun, im Oktober 2021, erscheint das brandneue Album „Enjoy The Ride“, auf dem erstmalig 12 komplett eigene Kompositionen enthalten sind.
In der „Langen Rille“ gibt es einen Querschnitt durch die Klangvielfalt dieser Band mit jeder Menge eigener Titel und auch Live-Impressionen aus den letzten Jahren. Darüber hinaus gibt es in der Sendung auch ein Interview mit Pete Lincoln, der einige zusätzliche Informationen zur Band und dem neuen Album „Enjoy The Ride“ gibt.

  • Sendetermin: „Die Lange Rille“, Samstag, 16. Oktober 2021, 21 Uhr,
  • Wiederholung: Sonntag, 17. Oktober 2021, 13 Uhr

 

Wenn ich mir was wünschen dürfte

Zum 125. Geburtstag von Friedrich Hollaender (2 Folgen)

Söhne berühmter Väter haben es nicht immer leicht im Leben. Zu oft wird das Talent an dem des Vaters gemessen - oder es heißt gleich, bloß der Name mache die Musik.
Das hätte Friedrich Hollaender auch passieren können - immerhin war sein Vater der prominente Komponist, Pianist, Musikprofessor und Dirigent Victor Hollaender („Die Kirschen in Nachbars Garten“).
Doch Klein Fritze, am 18. Oktober 1896 in London geboren, wo sein Vater gerade an der Royal Opera Comique engagiert war, besaß selbst Talent genug. Schon mit viereinhalb Jahren überraschte er den Vater mit einer ersten Eigenkomposition (die Anekdote dazu hören Sie in Hollaenders eigenen Worten in der Sendung). Es folgten Privatunterricht sowie Studium am Sternschen Konservatorium - bei keinem Geringeren als Engelbert Humperdinck, der dort Victor Hollaenders Kollege war.
Über Fronttheaterauftritte im Westen gelangte er vom ernsten Fach endgültig zur Unterhaltungsmusik, dem Genre seines Vaters. Nach dem Kriege gründete er zusammen mit etlichen Größen der Szene (u.a.Tucholsky) ein Kabarett. Hier lernte er seine erste Frau kennen, die Diseuse Blandine Ebinger, mit der er als Klavierbegleiter auftrat und Platten aufnahm. In Charlottenburg hatte er mit dem „Tingel-Tangel“ eine eigene Bühne. In den Fußstapfen seines Vaters wandelnd, schrieb Friedrich Hollaender Revuen, die den Geist der 20er Jahre treffend spiegelten.
Schon für den Stummfilm, aber erst recht, als der Tonfilm aufkam, wurde Hollaender ein gefragter Filmkomponist - naheliegend, nachdem er schon in seiner Studienzeit im Kino als Pianist gearbeitet hatte und ihm nachgerühmt wurde, daß er ohne vorheriges Einstudieren das Wesen eines Films musikalisch passend erfassen könne.
Den Gipfelpunkt seines Ruhms dürfte er mit den Kompositionen zu Sternbergs „Blauem Engel“ erreicht haben, für den er Marlene Dietrich, mit der er auch Chansons aufnahm, die Hauptschlager auf den Leib schrieb. Dazu kommen wir am Ende der ersten und am Anfang der zweiten Ausgabe, die am 24.Oktober ausgestrahlt wird.
Er schrieb viele Filmschlager, trat auch selbst in Filmen auf und war Pianist bei einer der heißesten deutschen Kapellen jener Tage, den Weintraubs Syncopators, die er zumindest für die Schallplatte nominell auch leitete („Friedrich Hollaender und seine Jazzsymphoniker“).
Ende 1932, Anfang 1933 führte er bei dem Film „Ich und die Kaiserin“ sogar Regie. Es sollte sein letzter deutscher Film werden. Kurz nach der Machtergreifung der NSDAP ging er als Jude, nachdem er offen bedroht worden war, ins Exil. Nach einem Jahr Paris folgte 1934 der Sprung nach Hollywood. Im Gegensatz zu vielen andern Emigranten vermochte er sich dort trotz einer schwierigen Anlaufphase zu etablieren.
Endgültig kehrte Hollaender erst 1955 nach Deutschland zurück und arbeitete in München als Kabarett- und Revuekomponist. Auch für den Film war er weiterhin tätig, so schrieb er die Musik zu dem Fimlustspiel „Das Wirtshaus im Spessart“ und trat als Hotelkapellmeister in Billy Wilders Ost-West-Komödie „Eins, zwei, drei“ auf - eine Filmrolle, in der ihn wohl auch mancher Jüngere gesehen haben mag, ohne zu wissen, wessen Bild da über die Leinwand flimmerte.

1960 wurde ihm das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse verliehen, daneben erhielt er mehrere Filmpreise.
Hollaender starb am 18. Januar 1976 in München, wo er auf dem Ostfriedhof auch beerdigt wurde.

Durch die zwei Ausgaben führt Thomas Sosna.

  • Sendetermin: Folge 1: „Tanzparkett extra“, Sonntag, 17. Oktober 2021, 17 Uhr
  • Wiederholung: Montag, 18. Oktober, 9 Uhr
  • Folge 2: „Tanzparkett extra“, Sonntag, 24. Oktober 2021, 17 Uhr
  • Wiederholung: Montag, 25. Oktober, 9 Uhr

 

Totgesagte leben länger

Paul Abraham

Die Operette ist tot. Macht nichts - wer will schon Anneliese Rothenberger mit saccharinsüß schmachtenden Geigenwäldern im Hintergrund hören?
Nichts von dem, was hier oben steht, stimmt.
Wirklich tot ist die Operette nicht, sie taucht auch in den letzten siebzig Jahren doch immer wieder auf den Spielplänen der Theater auf.
Daß sie aber nicht wahrgenommen wird, wie es ihr gebührt, macht schon etwas, denn keineswegs besteht die Operettenliteratur aus schwülstigen, streicherselig untermalten Koloraturgesängen. Im Gegenteil, in ihrer großen Zeit war die Operette jung, frech, unkonventionell und immer am Puls der Zeit, nahm sie neue musikalische Einflüsse wie etwa Ragtime und später Jazz auf und transformierte sie in eine dem damaligen Publikum verständliche Form. Dabei war sie nie simpel, so wie es Unterhaltungsmusik heute oft ist, sondern oft raffiniert ausgearbeitet, ungewöhnliche musikalische Einfälle verarbeitend, für die Darbietenden musikalische Herausforderung und Spielspaß zugleich.
Nebenbei: Auch Künstler wie Anneliese Rothenberger waren musikalisch durchaus nicht so hinterrangig, wie sie in den heute üblichen satirisch-ironischen Rückblicken gern dargestellt werden. Plattenfirmen und Fernsehen gaben allerdings dem Publikum, was es wollte (bzw. das, wovon sie glaubten, daß das Publikum es wolle). Über die Güte dieser Ansprüche wird sich allerdings wenig satirisch ausgelassen ...
Am Staatstheater Kassel erlebten wir im letzten Jahrzehnt recht gute Wiederaufnahmen von Operettenstoffen, aber demnächst findet auch in Darmstadt wieder einmal eine Wiederbelebung der Operette statt, die aus Fachkreisen mit viel Vorschußlorbeeren bedacht wird ob ihrer Rückbesinnung auf das eigentliche Wesen der Operette. Das ist Anlaß für unsere Sendung. Das Staatstheater Darmstadt bringt nämlich (Premiere am 5. November) die Operette „Ball im Savoy“ auf die Bühne. Sie ist das letzte große Werk (Uraufführung: 23. Dezember 1932) eines Komponisten, dessen Schaffen in Deutschland ein Paradebeispiel für die und gleichzeitig ein Abgesang auf die große Zeit der Operette ist.
Es handelt sich, der Kenner wird es am Titel festgestellt haben, um den ungarischen Komponisten Paul Abraham (in ungarischer Schreibweise Abráhám Pál).
Nur gut fünf Wochen nach der Premiere erfolgte die Machtergreifung der Nationalsozialisten. Abraham, der Jude war, floh zunächst nach Österreich. Zu seinem Schicksal, seinem Auf- und Verglühen am deutschen Operettenhimmel unter den damaligen Zeitumständen ließe sich noch sehr viel mehr sagen - dazu noch einiges in der Sendung.
Die Aufnahme des „Balls im Savoy“ in den Darmstädter Spielplan war Anlaß für diese Sendung, in der wir Lieder aus Abrahams früheren Operetten in zeitgenössischen Plattenaufnahmen vorstellen - dirigiert vom Komponisten selbst und mit den Sängern der Originalbestzungen.
Der Eindruck, den Sie vermutlich auch hier gewinnen werden, unterscheidet sich hoffentlich deutlich von der oben angerissenen heutigen Wahrnehmung dessen, was Operette ist und sein kann.
Durch eine Stunde wiederzuentdeckender (die obenstehenden Zuschreibungen wiederholen wir hier nicht, Sie können sie dort nachlesen) Musik begleitet Sie Thomas Sosna.

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 20. Oktober 2021, 21 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 21. Oktober 2021, 13 Uhr

 

Programminfo für den 09.10.2021

Sondersendung über Sänger/Komponist Pete Lincoln

Heute bringt das FRK im Rahmen von „Die Lange Rille“ nochmals die dreistündige Sondersendung über Sänger und Komponist Pete Lincoln aus England - ursprünglich gesendet im Mai 2020. Pete Lincoln ist aktuell sowohl als Solokünstler als auch als Mitglieder der Band FRONTM3N unterwegs, und er hat bereits mit unzähligen namhaften Künstlern Studio und Bühne geteilt. Von 1996 bis 2006 war er Sänger bei Sailor, danach von 2006 bis Mai 2019 Sänger bei The Sweet. Ansonsten hat er im Laufe seiner Karriere als Gitarrist und Sänger mit namhaften Künstlern wie z.B. Sir Cliff Richard, Tina Turner, Shakin' Stevens oder Dannii Minogue zusammengearbeitet.
Aus der Zeit bei Cliff Richard entstand eine gute Freundschaft mit zwei Musiker-Kollegen, mit denen Pete vor knapp vier Jahren sein neustes Projekt namens „FRONTM3N“ an den Start gebracht hat. Die Band besteht aus ihm, Peter Howarth (bekannt von The Hollies) und Mick Wilson (bekannt von 10cc). Die drei bringen zusammen einzigartige Akustikversionen der Hits von The Sweet, den Hollies und 10 CC und noch vieles mehr auf die Bühne, dazu kommen eigene Songs mit dem ganz speziellen FRONTM3N-Charme.
Auch solo hat Pete einiges zu bieten, denn da hat er mit „Under Cover“, „Soul Searching“ und „Heartbeat“ bereits drei Soloalben herausgebracht. Solo kann man ihn bei seinen Konzerten als menschliche Jukebox erleben, der auf Zuruf mit Gitarre so gut wie alles singen kann.
In der Langen Rille bringen wir euch daher einen dreistündigen Querschnitt durch das weit gefächerte Talent von Pete mit seinen verschiedenen musikalischen Projekten von Sailor über The Sweet über FRONTM3N sowie seine Solo-Titel und noch einige Überraschungen. Darüber hinaus kommt natürlich auch der Künstler selbst zu Wort und erklärt einiges zu FRONTM3N, lustigen Höhepunkten seiner Musikkarriere und zur aktuellen Situation.

  • Sendetermin: „Die Lange Rille“, Samstag, 9. Oktober 2021, 21 Uhr,
  • Wiederholung: Sonntag, 10. Oktober 2021, 13 Uhr.       

Programminfo vom 01.10.2021 bis 07.10.2021

Zum Tod von Alan Lancaster

Aus seiner eigenen Band geworfen werden? Alan Lancaster ist das passiert: Als Status Quo 1986 nach längerer Pause wieder ins Studio gingen, um ein neues Album aufzunehmen, wurde der nach Australien ausgewanderte Bandgründer und Bassist Lancaster nicht mehr zu den Sessions eingeladen. Man hatte sich über die Jahre entzweit, der Rest der Band wollte ihn schlicht und einfach nicht mehr dabei haben – auch ein von ihm angestrengter Prozeß gegen seine ehemaligen Kollegen um die Namenrechte brachte nicht den gewünschten Erfolg. Status Quo gibt es heute immer noch (wenn auch in anderer Besetzung); Alan Lancaster ist am vergangenen Sonntag mit 72 Jahren gestorben.
Er war innerhalb der Band der lockere, sympathische Kumpeltyp, Liebling der Fans und der einzig echte “Rocker“ bei Status Quo. Die legendäre britische Heavy-Boogie-Band, die mit ihrem patentierten Sound über Jahrzehnte Erfolge feierte, wandelte souverän an der Grenze zwischen hartem Rock und eingängigen Pop-Melodien. Immer wieder gelang es ihnen, die beiden musikalischen Pole zu verschmelzen und daraus erfolgreiche Single-Hits zu basteln. Alan Lancaster, der gemeinsam mit Francis Rossi 1962 die Vorgänger-Band von Status Quo gegründet hatte, präferierte eindeutig den klassischen, harten Boogie-Rock – mit den Pop-Exkursionen der späteren Jahre konnte er sich nie so recht anfreunden. Die von ihm komponierten und gesungenen Quo-Songs waren immer eher von der härteren Sorte. Seit Beginn der 80er Jahre gab es zunehmend Unstimmigkeiten innerhalb der Gruppe – man war sich über die musikalische Ausrichtung nicht einig, Alkohol und Drogen taten ein übriges. 1986 waren die Gemeinsamkeiten restlos aufgebraucht, man ging getrennte Wege (siehe oben). Erst 2013 kam es zu einer Wiedervereinigung der klassischen Bandbesetzung. Man absolvierte eine Reihe von gemeinsamen Konzerten, obwohl Alan Lancaster damals bereits unheilbar an Multipler Sklerose erkrankt war. Anläßlich seines Todes zeichnen wir in der heutigen Sendung seine Karriere bei Status Quo nach – mit Schwerpunk auf den von ihm verfaßten Songs.

  • Sendertermin: „Themenwechsel“, Freitag, 1. Oktober 2021, 18 Uhr

 

The Return Of Kabarett

Seit eineinhalb Jahren gab’s in unserer Sendereihe „Kabarett live“ aus bekannten Gründen kein aktuelles Kabarettprogramm mehr – insofern ist das heute eine geradezu historische Sendung. Klar, daß wir zum Einstieg einen der ganz Großen des politischen Kabaretts im Programm haben: Arnulf Rating fegt wieder über die Bühnen der Republik. Er gilt als einer der wortgewaltigsten, originellsten und schlagfertigsten Politkabarettisten Deutschlands. Er wurde mit den wichtigsten Kabarettpreisen ausgezeichnet, u.a. mit dem Hessischen Kabarettpreis für sein Lebenswerk. In allen einschlägigen Kabarettsendungen des deutschen Fernsehens ist er zu sehen, aber live vor Publikum aufzutreten ist seine Leidenschaft. Das tut er gern mit anderen Kollegen, zum Beispiel jährlich bei seinem legendären Politischen Aschermittwoch in Berlin. Doch Arnulf Rating solo zu erleben ist noch einmal etwas ganz Besonderes. Da ist er unschlagbar in seinem Element. Das ist unterhaltsam, abwechslungsreich und erfrischend politisch unkorrekt. Am Tag vor der Bundestagswahl war er im „Piazza“ in Vellmar zu Gast und hat sein aktuelles Programm präsentiert - natürlich auch wieder mit einer neuen Folge seiner Parade-Nummer „Rating liest BILD“.

  • Sendetermin: „Kabarett live“, Freitag, 1. Oktober 2021, 22 Uhr

 

Emmylou Harris live in Nashville

Die 80er Jahre waren für Emmylou Harris eine höchst erfolgreiche Zeit: Ihr Album „The Ballad Of Sally Rose“ wurde als Country-Liederzyklus gefeiert, und gemeinsam mit ihren Kolleginnen Dolly Parton und Linda Ronstadt betrieb die ungekrönte Country-Queen zeitweise das kommerziell enorm ertragreiche „Trio“-Projekt. Gegen Ende des Jahrzehnts besann sich Emmylou dann aber wieder auf ihre Wurzeln in der traditionellen Country Music und scharte eine Reihe prominenter Bluegrass-Musiker um sich, mit denen sie als „Emmylou Harris And The Nash Ramblers“ auf Tournee ging. Kürzlich ist nun ein Live-Mitschnitt dieses Ensembles wieder aufgetaucht, der 1990 in Nashville entstand. Wir senden Auszüge aus diesem historischen Konzert, das Emmylou und ihre Band in absoluter Höchstform präsentiert.

  • Sendetermin: „Country Classics“, Samstag, 2. Oktober 2021, 18 Uhr

Programminfos vom 17.09.2021 bis 23.09.2021

Hartz IV und die Parteien

Heute hören wir den zweiten Teil unserer kleinen Feature-Podcast-Reihe zum Thema Hartz IV. Im Mittelpunkt stehen diesmal die Pläne, die die Parteien in Sachen Sozialpolitik haben – im Wahlkampf spielt dieses Thema merkwürdigerweise nur eine untergeordnete Rolle. Und nach der in dieser Woche verkündeten Erhöhung der Fördersätze um ganze 3 Euro monatlich scheint es eher unwahrscheinlich, daß die Politik ihre restriktive Gangart grundlegend ändern wird. Das „Zwischenfunken“-Feature ist unter dem Titel „Wie wir leben, da guckt keiner hin“ auch als Podcast abrufbar.
Im zweiten Teil der Sendung feiern wir Hank Williams zu seinem 98. Geburtstag. Gut, das ist jetzt nicht direkt ein rundes Jubiläum, aber da der Geburtstag diesmal genau auf unseren heutigen Sendetermin fällt, wollen wir den „Shakespeare der Country Music“ ausgiebig würdigen – schließlich haben wir es hier mit einem der großartigsten und einflußreichsten Songschreiber aller Zeiten zu tun, der nicht nur durch seinen frühen Tod (er starb bereits 1953 mit 29 Jahren) zur Legende wurde. Heute beschränken wir uns mit den Jubelarien zunächst auf eine Stunde – aber in zwei Jahren, zum runden Jubiläum, werden wir natürlich mindesten eine Radio-Festwoche präsentieren.

  • Sendertermin: „Themenwechsel“, Freitag, 17. September 2021, 18 Uhr

 

Zum Tod von Doktor Stratmann

Ruhrpott-Comedy ist immer noch „in“ – Künstler wie Herbert Knebel füllen seit Jahren die Hallen und Zelte, nicht nur in Nordrhein-Westfalen. „Tegtmeiers Erben“ begeistern mit ihrer ansteckenden Fröhlichkeit die Kabarett- und Comedy-Fans selbst in den hintersten Winkeln der Republik.
Zu den prominentesten Vertretern dieses speziellen Gattung zählt auch Doktor Stratmann, der als leibhaftiger Mediziner seit Mitte der 90er Jahre seine Profession auf die Kabarettbühne gebracht und dabei seine Berufskollegen oft heftig durch den Kakao gezogen hat. Mit seiner Kunstfigur „Jupp“ erlangte er Kultstatus und füllte in seiner Heimat an Rhein und Ruhr selbst die größten Hallen. Schon vor einiger Zeit hat sich Ludger Stratmann (so sein bürgerlicher Name) von der Bühne zurückgezogen, nun ist er mit 73 Jahren gestorben. Wir erinnern an ihn und senden einen Mitschnitt von 2004, als Doktor Stratmann beim „Sommer im Park“ das Zelt in Vellmar in Begeisterung versetzte.

  • Sendetermin: „Kabarett live“, Freitag, 17. September 2021, 22 Uhr

 

Zum Tod von Don Everly: Country-Rock mit den Everly Brothers

Sicher, die Everly Brothers waren eigentlich immer irgendwie „country“. Sie entstammten einer Südstaaten-Musikerfamilie, die schon in den 40er und 50er Jahren auf diversen Country-Radiostationen zu hören war, und auch die beiden Brüder Don und Phil durften bereits in Kindertagen ans Mikro und ihren später weltberühmten zweistimmigen Harmoniegesang zum besten geben. Auch mit Beginn ihrer großen Karriere hatten die beiden Goldkehlchen deutlich mehr Bezüge zur Country Music als zum Rock’n’Roll, dem sie aus marktstrategischen Gründen offiziell zugerechnet wurden. Ihre musikalischen Wurzeln lagen ganz eindeutig im klassischen Close-Harmony-Gesang von Country-Pionieren wie den Blue Sky Boys oder den Louvin Brothers.
Nach mehreren Jahren des Erfolgs und nach etlichen Mega-Hits wie „Bye Bye Love“ oder „All I Have To Do Is Dream“ war die ganz große Ära der Everlys ab etwa Mitte der 60er Jahre vorbei – sie wurden, wie so viele ihrer amerikanischen Kollegen, von der britischen Beat-Invasion förmlich hinweggefegt. In dieser Situation besannen sich Don und Phil Everly ihrer musikalischen Wurzeln und wandten sich wieder stärker der Country Music zu. Drei der Alben, die zwischen 1966 und 1968 erschienen sind und die eine Brücke zwischen traditionellen Country-Klängen und dem psychedelischen Rock der 60er schlagen, wurden jüngst im Rahmen einer Dreifach-CD wiederveröffentlicht. Wir stellen die Edition vor.
(Anläßlich des Todes von Don Everly nehmen wir diese Sendung aus dem Jahr 2020 erneut ins Programm.)

  • Sendetermin: „Country Classics“, Samstag, 18. September 2021, 18 Uhr

 

Immer an der Wand lang

Der Alkoholgenuß (und seine Folgen) auf Schallplatte, 1906 bis 1936

Dies vorweg: Keinesfalls wollen wir die Gefahren des Alkoholkonsums kleinreden oder gar zur Unmäßigkeit in dieser Angelegenheit anstiften. Ohne Frage ist Alkohol am falschen Platze und zur falschen Zeit eine Geißel der Menschheit.

Anderseits genießt diese Menschheit, um in Stimmung zu kommen oder aus kultischen Gründen (manchmal geht beides Hand in Hand), seit wohl 5.000 Jahren oder länger den vergorenen Saft verschiedenster Früchte. In vielen Gegenden war zudem Wein lange Zeit erheblich weniger gesundheitsgefährdend als das erhältliche, durch Verunreinigungen, Krankheitserreger oder Parasiten verdorbene Wasser. Wie der Lateiner sagt: Abusus non tollit usum - der Mißbrauch hebt den geordneten Gebrauch nicht auf.

Und hat nicht von jeher der - wohlgemerkt gelegentliche bzw. unabsichtliche, natürlich nicht der krankhafte - Mißbrauch seine komischen Seiten? Zumindest für den Beobachter aus sicherer Entfernung ...

Dies wußten auch die Komponisten, Textdichter und Schallplattenkünstler im ersten guten Drittel des 20. Jahrhunderts.

Schließlich sind auch die aktuellen Zeiten durchaus dazu angetan, gelegentlich ein wenig tiefer ins Glas zu blicken als üblich ...

In der aktuellen Ausgabe bringen wir Ihnen Schlager rund ums „gute Tröpfchen“, aufgenommen von der Kaiserzeit bis ins Olympiajahr 1936.

Durchdie Ausgabe begleitet Sie Thomas Sosna.

  • Sendetermin: „Tanzparkett extra“, Sonntag, 19. September 2021, 17 Uhr
  • Wiederholung: Montag, 20. September, 9 Uhr

 

Über Pferde, Revolutionen und Schnitte: Sergej Eisensteins Theorie der Montage

Der Russe Sergej M. Eisenstein (1898 - 1948) war nicht nur einer der größten Filmemacher des 20. Jahrhunderts, sondern auch ein einflussreicher Filmtheoretiker. Dabei beschäftigen sich seine Gedanken hauptsächlich mit einem Thema: der „Montage“. Was es damit auf sich ha,t besprechen wir in dieser Folge von Kinoglas. Herausarbeiten wollen wir dabei u.a., inwiefern man Eisensteins Theorie politisch verstehen muss und weshalb er so einflussreich war. Neben seinen Texten widmen wir uns hauptsächlich seinem Film „Panzerkreuzer Potemkin“ von 1925.

  • Sendetermin: „Kinoglas“, Dienstag, 21. September 2021, 18 Uhr

 

Ich brauch‘ Zigaretten, ich brauch‘ rotes Licht ...

Zum 70. Todestag von Engelbert Milde
 
Der Schauspieler, Vortragskünstler, Pianist, Komponist und Textdichter Engelbert Milde, geboren am 16. Juni 1885 in Breslau, starb am 21. September 1951 in Berlin, also vor ziemlich genau 70 Jahren. (Andere Quellen nennen den 21. Mai 1951.)
 
Nachdem er zunächst den Schauspielerberuf ergriffen hatte, in dem er 1904 am Leipziger Krystall-Palast debütieren sollte, zog es ihn nach einem Engagenment am Kölner Millowitsch-Theater aufs Brettl, wo er seine wahre Berufung fand. Schon 1910 war er mit der großen Nummer „Tela + Pathi“ ein Begriff in der Varietészene.
 
1914 wurde er Direktor der Engelbert-Milde-Künstlerspiele am Weißen Hirsch in Dresden, später ebendort in der Zentral-Theater-Passage in der Prager Straße. Im Kurort Bad Kudowa in der Nähe seiner Heimatstadt Breslau rief er die Kurhauskünstlerspiele ins Leben. Er trat in allen namhaften Kabaretts seiner Zeit auf, ebenso am Funk. Dabei bevorzugte Milde kleine, intime Bühnen mit unmittelbarem Kontakt zum Publikum.
 
Oft reichten die Texte der von ihm vorgetragenen Couplets ins Frivole, was im reizvollen Kontrast zu seinem gutbürgerlichen Äußeren gestanden haben muß - gebracht wurden sie von einem untersetzten, soignierten Herrn mit Seitenscheitel und mit einem Monokel im linken Auge. Nicht ohne Grund wurde seine 1922 erstmals auf Platte erschienene Eigenkomposition „Ich brauch‘ Zigaretten, ich brauch‘ rotes Licht ...“ zu seinem Markenzeichen, das ihn die ganze Karriere hindurch begleiten und das er in etlichen Versionen aufnehmen sollte.
 
Am 1. Juli 1944 konnte er sein vierzigstes Bühnenjubiläum feiern, auch wenn er in dieser Zeit nicht mehr so prominent in Erscheinung trat wie noch fünfzehn Jahre vorher. Er schrieb weiter Kabarettnummern, so machte u.a. Hilde Seipp Plattenaufnahmen mit Chansons aus seiner Feder.
Sein fünfzigstes Jubiläum sollte er nicht mehr erleben - mit nur 66 Jahren starb er in Berlin.
 
Wie soviele Vertreter der gerade zwischen den Weltkriegen in hoher Blüte stehenden deutschen Kleinkunst ist auch Engelbert Milde heute weitgehend vergessenen. Wir würdigen ihn mit einer Auswahl seiner zahlreich eingesungenen Schallplatten der 20er Jahre, seiner wohl größten Zeit.
 
Durch die Sendung begleitet Sie Thomas Sosna.

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 22. September 2021, 21 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 23.September, 13 Uhr

Programminfos vom 09.09.2021 bis 14.09.2021

Hartz IV – Konzept mit Zukunft?

Vor fast 20 Jahren erschütterte die damalige rot-grüne Bundesregierung unter SPD-Kanzler Schröder (und unter tatkräftiger Mithilfe des Finanzministers Hans Eichel) die Republik mit der sogenannten „Agenda 2010“, einer Reform der Sozialsysteme, die das Ziel hatte, mehr Menschen in Arbeit zu bringen und die öffentlichen Kassen zu entlasten. Ob dies tatsächlich gelungen ist, wer davon profitiert hat und wer welchen Preis dafür bezahlt hat, darüber gehen die Meinungen bis heute weit auseinander. Einen hohen Preis zahlte definitiv die SPD: Ihr Absturz in den letzten Jahren (der auch durch die aktuellen Umfragewerte nicht kompensiert wird) geht zu einem beträchtlichen Teil auf die damaligen Maßnahmen zurück. Im Rahmen einer Podcast-Reihe hat sich unser Kollege Simon Kiebel mit den Folgen und den Auswirkungen von Hartz IV vor allem für die Betroffenen beschäftigt – wir senden heute den ersten Teil.
Außerdem in der Sendung: Bericht über eine Rechtsextremismus-Ausstellung in Jena, die u.a. von Experten aus Kassel zusammengestellt wurde, sowie kritische Anmerkungen zum „Comeback“ von ABBA.
Musikalisch begleitet uns der legendäre jamaikanische Produzent und Komponist Lee „Scratch“ Perry, Mitbegründer von Reggae und Dub, der in der vergangenen Woche mit 85 Jahren gestorben ist.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 10. September 2021, 18 Uhr

 

Zum Tod von Don Everly: Country-Rock mit den Everly Brothers

Sicher, die Everly Brothers waren eigentlich immer irgendwie „country“. Sie entstammten einer Südstaaten-Musikerfamilie, die schon in den 40er und 50er Jahren auf diversen Country-Radiostationen zu hören war, und auch die beiden Brüder Don und Phil durften bereits in Kindertagen ans Mikro und ihren später weltberühmten zweistimmigen Harmoniegesang zum besten geben. Auch mit Beginn ihrer großen Karriere hatten die beiden Goldkehlchen deutlich mehr Bezüge zur Country Music als zum Rock’n’Roll, dem sie aus marktstrategischen Gründen offiziell zugerechnet wurden. Ihre musikalischen Wurzeln lagen ganz eindeutig im klassischen Close-Harmony-Gesang von Country-Pionieren wie den Blue Sky Boys oder den Louvin Brothers.
Nach mehreren Jahren des Erfolgs und nach etlichen Mega-Hits wie „Bye Bye Love“ oder „All I Have To Do Is Dream“ war die ganz große Ära der Everlys ab etwa Mitte der 60er Jahre vorbei – sie wurden, wie so viele ihrer amerikanischen Kollegen, von der britischen Beat-Invasion förmlich hinweggefegt. In dieser Situation besannen sich Don und Phil Everly ihrer musikalischen Wurzeln und wandten sich wieder stärker der Country Music zu. Drei der Alben, die zwischen 1966 und 1968 erschienen sind und die eine Brücke zwischen traditionellen Country-Klängen und dem psychedelischen Rock der 60er schlagen, wurden jüngst im Rahmen einer Dreifach-CD wiederveröffentlicht. Wir stellen die Edition vor.
(Anläßlich des Todes von Don Everly nehmen wir diese Sendung aus dem Jahr 2020 erneut ins Programm.)

  • Sendetermin: „Country Classics“, Samstag, 11. September 2021, 18 Uhr

 

Der unbekannte Nachbar - Tanzmusik und Kleinkunst aus Polen

Zum 60. Todestag von Tadeusz Faliszewski, Folge 2/2

In unserer Tanzparkett-Unterreihe „Der unbekannte Nachbar“ mit polnischen Aufnahmen der Schellack-Ära geht es erneut um Tadeusz Faliszewski, der am 2. September 1961 in Chicago verstarb, also vor recht genau 60 Jahren.
Am 20. Oktober - nach unterschiedlichen Quellen - 1893 oder 1898 in Zywiec, dem damaligen Saybusch (Österreich-Ungarn) als Sohn polnischer Eltern geboren, nahm er nach dem Schulbesuch in Lemberg am I. Weltkrieg und am polnisch-sowjetischen Krieg teil.
Sein Bühnendebüt hatte er 1922. Ab 1927 war er auf Schallplatten zu hören, zunächst als Solosänger, später auch als Mitglied im „Chor Warsa“ des Komponisten und Orchesterleiters Henryk Wars. Bis zur allmählichen Ablösung seiner Generation durch jüngere Sänger wie etwa Mieczyslaw Fogg stand er in höchster Publikumsgunst. Noch 1937 errang er bei einem Rundfunkwettbewerb den dritten Platz hinter Fogg und Stefan Witas.
Auch den II. Weltkrieg machte der als Reserveoffizier ausgeschiedene Sänger mit. Er geriet in deutsche Gefangenschaft und war von 1940 bis Kriegsende Häftling im Konzentrationslager Mauthausen.
Hernach wanderte er über England in die USA aus, konnte aber an seine Vorkriegskarriere nicht mehr anknüpfen - trotz des recht großen polnischstämmigen Bevölkerungsanteils in und um Chicago. Ebendort verstarb er, wie oben gesagt, am 2. September 1961.
Anknüpfend an den ersten Teil vom vorigen Sonntag, bringen wir im zweiten Teil für den polnischen Marktführer „Syrena Electro“ und dessen Unteretikett „Melodja“ eingesungene Platten aus der Zeit von 1931 bis kurz vor Kriegsbeginn. Am Schluß werden wir noch zu Faliszewskis Zeit im Exil kommen - die letzte Platte, die wir vorstellen wollen, wurde für das Emigranten-Etikett „Polonia“ aufgenommen, vermutlich 1957 in London. Hier ist Faliszewskis Stimme bereits hörbar gealtert.
Durchs Programm begleitet Sie Thomas Sosna.

  • Sendetermin: „Tanzparkett extra“, Sonntag, 12. September 2021, 17 Uhr
  • Wiederholung: Montag, 13. September 2021, 9 Uhr

 

 

 

 


Kann der Green (New) Deal das Klima retten?

Die Welt befindet sich in einer sich zuspitzenden Umwelt- und Sozialkrise.
Die ökologische Krise: Starkregen in Deutschland; verheerende Brände im Mittelmeerraum, in den USA und Sibirien; Auftauen der Permafrostböden, ...
Die soziale Krise: 2018 wuchs das Vermögen der Milliardäre um 12 Prozent an, das sind 2,5 Milliarden US-Dollar am Tag. Das Vermögen der ärmeren Hälfte der Weltbevölkerung sank im gleichen Zeitraum um 11 Prozent. In den armen Ländern entstehen immer wieder neue Virusvarianten von COVID-19.
Weltweit werden Vorschläge diskutiert, wie der Kapitalismus ökologischer und sozialer gemacht werden kann. Bernie Sanders (USA), die EU, Bündnis90/Die Grünen u.a. legten unter dem Namen „Green (New) Deal“ Konzepte zum sozial-ökologischen Umbau des Kapitalismus vor.
Der Referent Bruno Kern von der „Initiative Ökosozialismus“ stellt die Grundgedanken des Green New Deals vor und zeigt anschließend, dass der GND die ökologische und soziale Krise der Welt nicht beenden kann. Seine aktuelle Veröffentlichung: "Das Märchen vom grünen Wachstum, Plädoyer für eine solidarische und nachhaltige Gesellschaft“; Rotpunkt-Verlag
Mitschnitt der Veranstaltung von DGB Dortmund und Attac Dortmund vom 23.8.2021

Sendetermin: „attac-Radio“, Dienstag, 14. September 2021, 21 Uhr

 

Programminfos vom 03.09.2021 bis 08.09.2021

Zweimal Museum, einmal Charlie

Heute begibt sich der „Themenwechsel“ mal wieder ins Museum: Zwei aktuelle Ausstellungen in Berlin haben wir besucht, von denen zumindest eine deutliche Bezüge zu Kassel hat. Im Deutschen Historischen Museum läuft seit einigen Wochen eine Schau, die sich mit der Geschichte der documenta befaßt. Dabei wird auch die Frage gestellt, inwieweit es nach dem Krieg – und seit der ersten documenta 1955 – tatsächliche einen Neuanfang im Kunstbetrieb gab oder ob nicht zumindest im personellen Bereich gewisse Kontinuitäten zu verzeichnen sind. Inzwischen ist ja bekannt, daß einige der documenta-Begründer bereits während des Dritten Reichs in Amt und Würden waren und daß sich die Prägungen aus dieser Zeit auch durchaus auf ihre Arbeit in der jungen Bundesrepublik auswirkten. Wir haben die Ausstellung besucht und berichten.
Ebenfalls in Berlin ist kürzlich – nach langer Bauzeit und verbunden mit beträchtlichen Kosten – das wiederaufgebaute Stadtschloß eröffnet worden, welches nun das sogenannte „Humboldtforum“ beherbergt. Auch hier kann man einige interessante Ausstellungen besichtigen – unter anderem geht es um die Geschichte der Nutzung von Elfenbein.
Schließlich widmen wir uns in der Sendung der Frage, welche Musik denn die Spitzenkandidaten der Parteien, die zur anstehenden Bundestagswahl antreten, bevorzugen. Und natürlich würdigen wir Charlie Watts, den kürzlich verstorbenen Schlagzeuger der Stones.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 3. September 2021, 18 Uhr

 

Goodbye Angela – Kabarett aus 16 Jahren Merkel-Kanzlerschaft

Man kann es sich noch nicht so recht vorstellen, aber die Ära Merkel geht in diesem Herbst tatsächlich zu Ende (wenn nicht noch etwas dazwischenkommt). Nicht nur die Politik wird dann auf die ewige Kanzlerin verzichten müssen, sondern auch das Kabarett. Über Jahrzehnte war „diese Frau“ (Zitat Edmund Stoiber) ein fester Bestandteil unzähliger Kabarettprogramme – auch solcher, die bei uns im FRK im Rahmen von „Kabarett live“ ausgestrahlt wurden. Klar, daß wir sie würdig verabschieden – mit einer kleinen Reihe. Wir blicken zurück auf 16 Jahre Merkel-Kanzlerschaft und wollen uns erinnern, wie die führenden Polit-Kabarettisten der Nation über die Jahre mit der Regierungschefin umgegangen sind.
Heute bringen wir eine Aufzeichnung aus dem Jahr 2010. Damals war Wilfried Schmickler in Vellmar zu Gast. Er galt – und gilt bis heute – als einer der bissigsten und scharfzüngigsten politischen Kabarettisten. Bekannt wurde er als Mitglied des Kölner „3gestirns“, bevor er als Solo-Kabarettist durchstartete und vor allem durch seine Fernsehauftritte (z.B. bei den „Mitternachtsspitzen“) große Popularität erlangte. Im März 2010 war er in Vellmar zu Gast, kurz nach der (ersten) Wiederwahl von Angela Merkel. Klar, daß die Kanzlerin in seinem Programm eine prominente Rolle einnimmt …..

  • Sendetermin: „Kabarett live“, Freitag, 3. September 2021, 22 Uhr

 

Die Wurzeln der Everly Brothers

Kürzlich starb mit Don Everly die zweite Hälfte des berühmten Brüderpaars, das mit seinen himmlischen Gesangsharmonien ganze Generationen von Fans verzückte und Legionen von Musikern geprägt hat. Kaum eine Band, die in den vergangenen 60 Jahren mit mehrstimmigem Satzgesang gearbeitet hat, war nicht in der einen oder anderen Form durch den Stil von Don und Phil Everly geprägt – die Beatles und Simon & Garfunkel sind hier nur die berühmtesten Namen. Aber auch die Everlys hatten natürlich ihre Vorbilder – und denen zollten sie bereits 1958, also kurz nach Beginn ihrer Weltkarriere, Tribut: Auf ihrem Album „Songs Our Daddy Taught Us“ interpretieren sie alte Country- und Folk-Standards, Western-Songs und Pop-Schlager aus früheren Jahrzehnten – die Musik also, mit der sie aufgewachsen sind und die ihre eigene musikalische Entwicklung geprägt hat. In Erinnerung an den jüngst im Alter von 84 Jahren verstorbenen Don Everly (Bruder Phil starb bereits 2014) stellen wir dieses wegweisende Album heute ausführlich vor – und wir hören natürlich auch die Originale der Songs.

  • Sendetermin: „Country Classics“, Samstag, 4. September 2021, 18 Uhr

 

Der unbekannte Nachbar - Tanzmusik und Kleinkunst aus Polen

Zum 60. Todestag von Tadeusz Faliszewski, Folge 1/2

In unserer Tanzparkett-Unterreihe „Der unbekannte Nachbar“ mit polnischen Aufnahmen der Schellack-Ära geht es diesmal um einen der beliebtesten polnischen Sänger der Vorkriegszeit.

Es handelt sich um Tadeusz Faliszewski, der am 2. September 1961 in Chicago verstarb, also vor recht genau 60 Jahren.

Am 20. Oktober - nach unterschiedlichen Quellen - 1893 oder 1898 in Zywiec, dem damaligen Saybusch (Österreich-Ungarn) als Sohn polnischer Eltern geboren, nahm er am I. Weltkrieg teil.

Sein Bühnendebüt hatte er 1922. Ab 1927 war er auf Schallplatten zu hören, zunächst als Solosänger, später auch als Mitglied im „Chor Warsa“ des Komponisten und Orchesterleiters Henryk Wars. Bis zur allmählichen Ablösung seiner Generation durch jüngere Sänger wie etwa Mieczyslaw Fogg stand er in höchster Publikumsgunst. Noch 1937 errang er bei einem Rundfunkwettbewerb den dritten Platz hinter Fogg und Stefan Witas.

Auch den II. Weltkrieg machte der als Reserveoffizier ausgeschiedene Sänger mit. Er geriet in deutsche Gefangenschaft und war von 1940 bis Kriegsende Häftling im Konzentrationslager Mauthausen.

Hernach wanderte er über England in die USA aus, konnte aber an seine Vorkriegskarriere nicht mehr anknüpfen - trotz des recht großen polnischstämmigen Bevölkerungsanteils in und um Chicago. Ebendort verstarb er, wie oben gesagt, am 2. September 1961.

Im ersten Teil bringen wir Platten aus der Zeit von Anfang 1929, als das elektrische Aufnahmeverfahren auch von den in Polen einheimischen Firmen eingeführt wurde, bis Anfang 1931. Zunächst sang Faliszewski meist zu Klavier- und Geigenbegleitung, bald aber auch mit größeren Ensembles.

Aufnahmen der späteren Vorkriegsjahre sollen im 2. Teil am kommenden Sonntag folgen.
Durchs Programm begleitet Sie Thomas Sosna.

  • Sendetermin: „Tanzparkett extra“, Sonntag, 5. September 2021, 17 Uhr
  • Wiederholung:Montag, 6. September, 9 Uhr

 

Delikatessen der besonderen Art

Heuschrecken, Maden, Milben oder auch Würmer – was uns Mitteleuropäer eher abschreckt, kommt anderswo in den Kochtopf und auf den Tisch. Das Disgusting Food Museum präsentiert Lebensmittel aus aller Herren Länder, die man in unserer westlichen Kultur vermutlich nicht unbedingt als Delikatessen bezeichnen würde (außer vielleicht in sündhaft teuren Edel-Restaurants). Aber man muß sich tatsächlich mit dem unangenehmen Gedanken anfreunden, daß diverse Arten von Ungeziefer anderen Kulturen als Nahrungsmittel dienen – welche genau, das erfährt man in dem Berliner Museum, das für ganz besonders Wagemutige auch ein Probesortiment ungewöhnlicher Leckereien bereithält. Die Zwischenzeit-Redaktion hat sich mutig ans Werk gemacht und im Anschluß an den Museumsbesuch einige der Spezialitäten verkostet – ob sich der eine oder andere Magen bei dieser Gelegenheit umgedreht hat, werdet ihr in der Sendung erfahren.

  • Sendetermin: „Zwischenzeit“, Dienstag, 7. September 2021, 18 Uhr

 

Supafeed-Retrospektive Teil 3

In dieser Ausgabe von frei² gibt es noch einmal einen Teil der Supafeed-Retrospektive, mit dem dann in Richtung einer Sendenacht im Freien Radio Kassel vorgearbeitet wird.

  • Sendetermin: „Frei hoch zwei“, Dienstag, 7. September 2021, 19 Uhr

 

Der mit der Gitarre

Es gibt wohl keinen wie ihn in der deutschen Musiklandschaft. Seit den 1980er Jahren hat der gebürtige Walsumer und Wahlberliner bei etlichen Produktionen anderer Musiker mitgewirkt, ob nun als Instrumentalist, Songschreiber, Komponist oder Arrangeur. Klaus Lage zählt dazu, Albert Mangelsdorff und André Herzberg, Ulla Meinecke und Annett Louisan, Wiglaf Droste, Axel Prahl und ganz lange Zeit Stoppok. Hinzu kommen etliche eigene Veröffentlichungen. Nun wird "der mit der Gitarre", der auch an den Tasten eine gute Figur macht, fünfundsechzig. Wenn das kein Anlass für ein Portrait ist!

  • Sendetermin: „Liederleute“, Dienstag, 7. September 2021, 20.00 Uhr
  • Wiederholung: Mittwoch, 8. September 2021, 12.00 Uhr

 

Charlie Watts - Teil 2. Ein Special in zwei Teilen.

Charlie Watts; vielen bekannt als Drummer der Rolling Stones, war seit den 1980er-Jahren festes Mitglied einiger Jazz-Formationen und ist leider am 24.8.2021 verstorben. Er galt als einer der besten Schlagzeuger unserer Zeit und als der „Gentleman des Rock“; außerdem war er wahrscheinlich auch einer bestgekleideten Rockmusiker aller Zeiten! Er war das Herz und die Mitte der Rolling Stones.
Aber heute gibt es Jazz vom Feinsten; mit Charlie Watts.
Playlist ab ca. 20 Uhr.

Playlist: https://open.spotify.com/playlist/6IumoBMXiYcXWMGtF7OVar

https://www.jazzcafe.info

  • Sendetermin: „Jazzcafe“, Mittwoch, 8. September 2021, 20 Uhr

 

US-Jazz 1931 - 1946

In dieser Sendung beginnen wir mit einer Platte aus dem Jahre 1931 in der Vorswingzeit. Wenn wir aber auch zeitlich bis zum Jahre 1946 kommen, werden wir dem damals aktuellen Bebop nicht begegnen, da wir uns stilistisch auf Platten beschränken, die den älteren Klangidealen bis zum Swing treu bleiben bzw. diese im Rahmen des Dixieland-Revivals wieder neu heraufbeschwören.

Neben Größen des Jazz, die auch heute noch bekannt sind, wie z.B. der gleich auf der ersten Platte zu hörende Cab Calloway, den vielleicht auch jüngere Hörer aus dem Film „Blues Brothers“ kennen, bringen wir auch Platten weniger bekannter Orchester.

So tauchen in dieser Ausgabe wieder einmal die New Orleans Rhythm Boys des (auch wirklich aus New Orleans stammenden!) Kreolen Joseph Robechaux aus der Versenkung auf - eine Jazzband, die nach leider nur zwei Aufnahmesitzungen mit insgesamt 26 Plattenseiten (wovon die vier der zweiten Sitzung auch noch unveröffentlicht blieben) für uns Heutige, denen nur die Platten bleiben, wieder von der Bildfläche verschwand.

Es folgt eine Platte mit Red Norvo, einem Xylophonisten und Vibraphonisten, der auch auf die europäischen Jazzer stilbildend wirkte. Nicht nur er war auch außerhalb Amerikas beliebt - auch der in dieser Sendung von ihm gebrachte Filmschlager war ein Welthit.

An der Entwicklung der moderneren Jazzstile sollte die nächste Truppe nicht ganz unbeteiligt bleiben - sie wirkte Anfang der 40er in „Minton's Playhouse“ in New York an der Entstehung des Bebop mit. Der Tenorsaxophonist Bud Freeman nahm in dieser Zeit für das kleine Etikett „Commodore“ auf, das vom New Yorker Plattenhändler Milt Gabler ins Leben gerufen worden war, der auch Musik nach seiner eigenen Vorstellung verkaufen wollte. Hier, im Jahre 1939, hören wir Freeman mit seinem „Summa Cum Laude Orchestra“ noch eher traditionelle Töne für die Untermarke „Bluebird“ der Victor Record Co. einspielen.

Anschließend stellen wir den Pianosolisten Billy Kyle vor. Auch ihn nahmen sich sicher einige europäische Klavierspieler zum Vorbild, wenn man einmal seine Aufnahmen mit denen vergleicht, die einige Zeit später z.B. auch in Deutschland herauskamen.

Ina Ray Hutton hatte in den 30er Jahren eine Damenkapelle geleitet - ganz so, wie man es aus dem Film „Manche mögen's heiß“ kennt. Größere Erfolge hatte die talentierte Sängerin allerdings etwas später als zwar weniger begabte Dirigentin, aber gute Managerin einer aus Herren (allesamt unbekannten jungen Musikern, die aber ganz offensichtlich einiges von ihrem Beruf verstanden!) bestehenden Swingband, mit der sie in den 40er Jahren in den USA auftrat.

Bob Zurke ist Jazzfans kein Unbekannter - er war Pianist bei den für Decca aufnehmenden Bob Cats von Bing Crosbys Bruder Bob - und galt als große weiße Jazzhoffnung. Unter eigenem Namen arbeitete er für die Victor. Wir hören den 1944 im Alter von gerade einmal 32 Jahren viel zu früh an einer Lungenentzündung Verstorbenen mit zwei Aufnahmen seiner Delta Rhythm Band.

Rex Irving's Modern Men Of Music zeigen uns, was sie im Jahre 1940 für modern hielten. Die Kapelle war eine Truppe, deren Leiter nur als Pseudonym exisiterte. Sein richtiger Name ist Irving Riskin, er war nebenbei der Pianist der Band. Im modischen Swingtempo bringt sie mit „The Acrobat“ einen alten Klassiker, der, als Walzer gespielt, heute noch als Standard zur Zirkusmusik gehört, während der „Babushka Hop“ ganz offensichtlich den geglückten Übergang vieler Osteuropäer aus der Alten in die Neue Welt illustriert.

Anschließend unternimmt Phil Harris mit uns eine musikalische Zeitreise vom Blues über den Ragtime bis hin zur Swing-Jamsession des Jahres 1937.

Gleichsam die Umkehrung dieser Fahrt erleben wir auf der letzten Platte: Hier finden wir die obenerwähnte Rückbesinnung auf den alten Stil in einer Zeit, in der sich langsam, aber unaufhaltsam der Abschied von Tanzbarkeit und Tonalität im Jazz schon ankündigte. In die US-Provinz, für die der Ortsname Oshkosh durchaus symbolisch steht, entführen uns die Oshkosh Serenaders des Kornettisten Bob Anderson zum guten Schluß mit zwei Nachkriegsaufnahmen, die keine sein wollen. Sie entstanden in Hollywood für das unabhängige Etikett Jump.

Matrizennummern in spitzen Klammern; nach Aufnahmeort und -datum Bestellnummer der Platte.
Abkürzungen der Plattenmarken: BB - Bluebird, De - Decca, Od - Odeon, OK - OKeh, Vic - Victor, Voc - Vocalion. Alle übrigen Marken ausgeschrieben.

Note to English-speaking listeners:
Matrix No.s in acute brackets, recording place and time in ordinary brackets, according to German scheme DD.MM.YY, after this record label and order No.
Abbreviations of record companies as shown in the German text above, all other labels are given in full.

Durch unsere Sendung begleitet Sie Peter Michael.
Wir bringen:

Cab Calloway
Farewell Blues (Schoebel) <> (voc. CC)
Mood Indigo (Ellington) <> (NY, 09.3.31)

Joseph Robechaux and his New Orleans Rhythm Boys
After Me The Sun Goes Down (Robechaux) (voc. Alfred Guishard or Walter Williams)
<13860-2> (NY, 23.8.33) Voc 2610 A

Red Norvo (voc. Trio)
Polly Wolly Doodle (Clare - de Sylva) <60301 A> (NY, 06.01.36)
The Wedding Of Jack And Jill (Coots - Gillespie - Grunauer) <60318 A> (NY, 08.01.36) Od 283.014

Bud Freeman and his Summa Cum Laude Orchestra
I Found A New Baby (Palmer - Williams) <->
Easy To Get (Gowans - Freeman) <-> BB 10370 (NY, 19.7.39)

Billy Kyle (piano) with Rhythm Accompaniment (Dave Barbour, g; Martin Kaplan, sb; O'Neill Spencer, d)
Between Sets (Kyle) <65628 A>
Fishin' Up A Date (Kyle) <65629 A> De 2470 (NY ,23.5.39)

Ina Ray Hutton and her Orchestra
Nobody's Sweetheart (Kahn - Erdman - Meyers - Schoebel) <30876-2>
Back In Your Own Backyard (Al Jolson - Rose - Dreyer) <30877-2> OK 6380 (NY 16.7.41)

Bob Zurke and his Delta Rhythm Band
Somebody Told Me (Gordon - Nemo) (voc. Evelyn Poe) <043995-2>
Holy Smoke (Mercer - Marsh) (voc. Gus Ehrman) <043998-1> (NY, 15.12.39) Vic 26446

Rex Irving's Modern Men Of Music
The Acrobat (-) <1336> (NY, Feb. 40)
Babushka Hop (-) <1568> (NY, Apr. 40) Elite 5035

Phil Harris and his Orchestra
Jammin' (Coslow) (voc. Phil Harris) <LA 1324-B> (LA, 31.3.37) Voc 3533

Bob Anderson's Oshkosh Serenaders
September In The Rain (Dubin - Warren) <RL 8794>
I'm Gonna Sit Right Down And Write Myself A Letter (Young - Ahlert) <RL 8793> (Hollywood, 06.7.46) Jump 17

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 8. September 2021, 21 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 9. September, 13 Uhr

Programminfo für den 31.08.2021

Der mit der Gitarre.

Es gibt wohl keinen wie ihn in der deutschen Musiklandschaft. Seit den 1980er Jahren hat der gebürtige Walsumer und Wahlberliner bei etlichen Produktionen anderer Musiker mitgewirkt, ob nun als Instrumentalist, Songschreiber, Komponist oder Arrangeur. Klaus Lage zählt dazu, Albert Mangelsdorff und André Herzberg, Ulla Meinecke und Annett Louisan, Wiglaf Droste, Axel Prahl und ganz lange Zeit Stoppok. Hinzu kommen etliche eigene Veröffentlichungen. Nun wird "der mit der Gitarre", der auch an den Tasten eine gute Figur macht, fünfundsechzig. Wenn das kein Anlass für ein Portrait ist!

  • Sendetermin: „Liederleute“, Dienstag, 31. August 2021, 20.00 Uhr
  • Wiederholung: Mittwoch, 1. September 2021, 12.00 Uhr

Programminfos vom 22.08.2021 bis 25.08.2021

Zum 80. Todestag von Austin Egen

Vor allem Ende der 20er Jahre war der Sänger, Pianist und Komponist Austin Egen aus der deutschen Kleinkunstszene nicht wegzudenken. Nicht nur eigene Plattenaufnahmen, wie wir sie in dieser Sendung vorstellen, machten ihn populär, denn darüber hinaus ist er Urheber mehrerer Dutzend bekannter Schlager.
Bisher nahm man an, er sei Amerikaner deutsch-österreichisch-holländischer Herkunft gewesen und mit seiner Mutter bei deren Rückkehr nach Europa mit hierher eingewandert.
Die neueste Forschung ergibt nun ein anderes Bild: Egen ist nicht in Milwaukee als Austin Guy Monroe Egen geboren, sondern am 28. März 1897 in Graz als August Guido Maria Meyer. Er war der Sohn einer österreichischen Schauspielerin und eines deutschen Theaterdirektors. Nachdem er mit der Muter 1911, hier unter dem Nachnamen Meyer-Eigen, nach Amerika ausgewandert war, wohin sein Vater, August Meyer-Eigen, 1912 nachzog, erschleicht er sich mehr oder minder die US-Staatsbürgerschaft - mit Hilfe falscher Angaben der Mutter, hauptsächlich wohl, um den deutschfeindlichen Anwandlungen der Amerikaner nach Kriegseintritt der USA zu entgehen. Er wurde zur US-Luftwaffe eingezogen und in Texas stationiert. Zum Einsatz kam er nicht. Nach Kriegsende bereiste er unter Beibehaltung seiner US-Staatsbürgerschaft als Kaufmann Europa, kehrte aber zunächst wieder in die USA zurück. 1922 kam er, diesmal endgültig, nach Europa zurück und versuchte sein Glück zunächst in Wien, wo er der Gesellschaft der Autoren, Komponisten und Musikverleger (AKM) beitrat. Hierbei gab er zu seiner Herkunft eine selbstgestrickte Legende als US-Amerikaner an. Später, von 1924 bis 1932 lebte er in Berlin.
Ungeachtet der Wirren um seine Herkunft brachte er aus Amerika hervorragende englische Sprachkenntnisse und das musikalische Stilempfinden der Zeit mit, das er zunächst als Pianist z.B. in der Jazzband von Eric Borchard nutzbringend anwenden konnte. Für die kleine Plattenfirma Acme spielte er Klaviersoli ein, wobei er sich auch als sich selbst begleitender Sänger betätigte. Für das damals noch angewandte akustische Aufnahmeverfahren waren dieser Stil und vor allem Egens Stimme allerdings eher ungeeignet.
Sein Durchbruch als Schallplattenkünstler kam mit seinem Engagement bei der Electrola, dem deutschen Ableger der englischen His Master’s Voice. Diese 1926 ins Leben gerufene Firma nahm in Deutschland von Anfang an elektrisch auf, während die Konkurrenz sich noch in der Umstellungsphase befand. Egen war ab 1927 für die Electrola aktiv.
Nach zwei Aufnahmen für Acme wird daher auch die ganze Sendung ausschließlich Electrola-Aufnahmen enthalten.
1932 ging der Roehr-Verlag, bei dem Egen als Komponist unter Vertrag stand und in dem er seit 1928 als Geschäftsführer tätig gewesen war, bankrott. Egen zog nun in die Heimat seiner Mutter, das österreichische Frohnleiten. 1933 reiste er ein letztes Mal nach Berlin, um als Refrainsänger bei der Kristall-Schallplatte zu wirken, wie schon einige Zeit zuvor.
Auch in Wien machte Egen noch Plattenaufnahmen, allerdings war es im Vergleich zu Berlin mit seiner großen Popularität vorbei. Wie schon in der letzten Berliner Zeit fungierte er als bloßer Refrainsänger, besonders für das Orchester Heinz Sandauer. Eigene Kompositionen fehlten nun im Repertoire
Am 18. August 1941 starb Austin Egen, erst 44 Jahre alt, an seinem Wohnort Frohnleiten an Leberzirrhose - ein tragisches, aber typisches Musikerschicksal jener Zeit, denn der anstrengende Lebenswandel und das feierfreudige Umfeld führten auch etliche seiner Kollegen in den Alkoholismus.
 
Was Austin Egen uns an Plattenaufnahmen hinterlassen hat, zählt ganz gewiß zu den Schätzen aus dem großen Repertoire der Kleinkunstplatten der Weimarer Republik.
Durch die Sendung begleitet Sie Thomas Sosna.

  • Sendetermin: „Tanzparkett extra“, Sonntag, 22. August 2021, 17 Uhr
  • Wiederholung: Montag, 23. August 2021, 9 Uhr

 

SUPAFEED Every Day

Nach einem eigenen DJ-Set Ende Juni 2021 featured frei² dieses Mal den ersten so genannten SUPAMIX von 2008 im Rahmen seiner SUPAFEED-Retrospektive. Dieses Set wurde im Juli 2008 vom SUPAFEED-Künstler Da Pickup Artists veröffentlicht und enthält deep-housige Klänge der Künstler Levelheads, Morgenklang, Steve Gerano und Steffen Baldo. Die 15 Veröffentlichungen des ehemaligen Netlabels sind im Internet Archive zu finden, frei² stellt dazu einen Kurzlink zur
Verfügung: https://freihoch2.de/www.supafeed.net

  • Sendetermin: „Frei hoch zwei“, Dienstag, 24. August 2021, 19 Uhr

 

The Jazz Age

California-Ramblers-Kleingruppen der 20er Jahre

Ein bekanntes großes Jazzorchester, eine der frühen Bigbands, waren die California Ramblers. Sie existierten von 1921 bis in die frühen 30er Jahre und bestanden aus lauter erstklassigen Solisten.
Doch der Jazz war in seinen frühen Jahren eine Angelegenheit von zumeist Fünfer- oder Siebenergruppen gewesen, und dies bot mehr Freiraum für Improvisation als ein größerer Klangkörper, der im Vergleich straffer geführt werden mußte. Auch das Publikum schätzte weiterhin diese Kleingruppen, vor allem natürlich die frühen Jazzfans, aber auch die Tänzer, die zu heißeren Rhythmen, als eine Bigband sie damals bot, eine Sohle aufs Parkett legen wollten. So kam es, daß fast jedes Orchester, das sich in den 20er Jahren zur Bigband hinentwickelte, weiterhin „Ableger“ im Kleingruppenformat unterhielt.
Die California Ramblers, ein vielbeschäftigtes Studioorchester, das unter diversesten Pseudonymen auf fast allen Plattenmarken der Zeit zu hören war, machten da keine Ausnahme.
Diese Kleingruppen unterschiedlicher Größe firmierten z.B. als Varsity Eight, University Six, Goofus Five und unter etlichen andern Bezeichnungen. Einen charakteristischen, eigenen „Sound“ weisen jedoch alle Aufnahmen auf, nicht zuletzt durch die stete Präsenz des hochkarätigen Baßsaxophonisten Adrian Rollini.
Wir bringen Platten der Jahre 1923 bis 1927.
Durch die Sendung geleitet Sie Peter Michael.

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 25. August 2021, 21 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 26. August 2021, 13 Uhr

 

Programminfo für den 13.08.2021

50 Jahre „All Things Must Pass”

Eigentlich sind es fast schon 51 Jahre – das legendäre Dreifach-Album erschien im November 1970. Mit etwas Verspätung wurde jetzt eine Neuausgabe des Meisterwerks von George Harrison veröffentlicht – eine Box mit insgesamt 5 CDs und einer Blueray, die wir heute in der Sendung ausführlich vorstellen.
George galt immer als der „stille Beatle“, der sich ein wenig im Hintergrund hielt und – als Jüngster in der Gruppe – von den „Bandleadern“ Lennon und McCartney nie so ganz als gleichberechtigter Partner akzeptiert wurde. So durfte er zu den Beatles-Alben jeweils nur eine oder zwei Kompositionen beisteuern; viele von ihm verfaßte Songs wurden von den Bandkollegen abgelehnt. So kam es, daß George nach dem Ende der Gruppe im Frühjahr 1970 auf eine beachtliche Zahl an unveröffentlichten Songs zurückgreifen konnte. Daraus entstand im Lauf des Sommers und Herbstes im Studio (mit Hilfe prominenter Freunde wie Eric Clapton, Ringo Starr oder Dave Mason) unter der Regie von Produzenten-Legende Phil Spector ein opulentes Dreifach-Album, das zu einem gigantischen Erfolg wurde – es erreichte sowohl in England als auch in den USA die Spitze der Charts und verkaufte sich millionenfach. Zur Überraschung der Fans und Fachleute – niemand hatte damit gerechnet, daß ausgerechnet George von allen vier Beatles den besten Start in die Solokarriere hinlegen würde. Die ausgekoppelte Single „My Sweet Lord“ geriet zu einem absoluten Pop-Klassiker und war eine der meistverkauften Platten der damaligen Zeit.  
Nun also erscheint das Werk in einer opulenten CD-Box, die neben einer Neuabmischung des Originalalbums auch etliche unveröffentlichte Aufnahmen aus den damaligen Studiosessions enthält – hauptsächlich Demo-Versionen und Alternative-Takes der Stücke vom Album, aber auch einige Songs, die vorher weitgehend unbekannt waren. Wir hören etliche der Aufnahmen und zeichnen die Entstehungsgeschichte des Albums nach.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 13. August 2021, 18 Uhr

 

Programminfos für den 06.08.2021 und 11.08.2021

50 Jahre „Concert For Bangla Desh”

Als “Mutter aller Benefiz-Konzerte“ gilt die Veranstaltung, die vor ziemlich genau 50 Jahren für weltweite Aufmerksamkeit sorgte. Eigentlich waren es zwei Konzerte, die am 1. August 1971 über die Bühne des Madison Square Garden in New York gingen. Der Ticket Vorverkauf lief dermaßen gut, daß man sich entschloß, am gleichen Tag ein weiteres Konzert in der 20.000 Besucher fassenden Halle anzubieten. Beide Shows waren in kürzester Zeit ausverkauft.
Kein Wunder: Auf der Bühne standen mit Eric Clapton, Bob Dylan, Ringo Starr, Leon Russell, Billy Preston und weiteren Top-Musikanten einige der populärsten Rockstars der damaligen Zeit. Und George Harrison, der das Mega-Event auf die Beine gestellt hatte, war natürlich auch dabei – ebenso wie Ravi Shankar, der berühmte indische Sitar-Virtuose, der George auf die katastrophale Situation der Bevölkerung in Bangla Desh aufmerksam gemacht hatte. Sie alle traten kostenlos auf, um für die Einwohner des von Flutwellen und Bürgerkrieg gebeutelten Landes in Ostasien Hilfsgelder zu organisieren. Das Konzert wurde zu einem gigantischen Erfolg; im Lauf der Jahre wurden durch Eintrittsgelder, Plattenverkäufe und Filmrechte etliche Millionen Dollar für den „guten Zweck“ eingespielt. Wir hören heute in der Sendung Mitschnitte dieser legendären Veranstaltung und erfahren einiges über ihre Entstehung und Wirkung sowie über die beteiligten Musiker.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 6. August 2021, 18 Uhr

 

The Jazz Age

Jazz und Hotdance der Jahre 1925 - 1931 auf Columbia-Untermarken, Folge 1/ 2021

Die in der kommenden Ausgabe gebrachten Platten erschienen auf Untermarken der Columbia, z.B. Harmony, Velvet Tone oder Diva.
Die Columbia verwendete hier ihre erst 1923 neubeschaffte akustische Aufnahmeapparatur noch bis ins Jahr 1929 weiter, nachdem die Hauptmarke Columbia bereits in der ersten Hälfte des Jahres 1925 als eines der ersten großen Etiketten in Amerika auf das elektrische Verfahren umgestellt werden war.
Die Platten wurden billiger angeboten als die unter der Hauptmarke erscheinenden. Die Tatsache, daß die Aufnahmen bereits bei Erscheinen technisch veraltet waren, dürfte die angepeilte Käuferschicht kalt gelassen haben, da sie wohl zumeist eher ältere oder einfachere Abspielgeräte besaß. Womöglich gab es auch Käufer, denen der Klang der neuen elektrischen Aufnahmen zu „spitz“ war, da sie sich über Jahrzehnte an den Trichterklang gewöhnt hatten. Für diese These spricht ein durchaus ähnliches Phänomen aus späterer Zeit. Auch bei Einführung des UKW-Rundfunks blieben etliche Hörer auch auf dem neuen Gerät mit UKW-Teil beim Mittelwellenempfang - oder stellten beim UKW-Hören die Klangblende auf „dunkel“.
Musikalisch sind aber die Aufnahmen ein Spiegel ihrer Zeit, des „Jazz Age“ oder eben der „Roaring Twenties“. Bekannte Tanzorchester, die auch auf der Hauptmarke zu hören waren, spielten hier teilweise unter Pseudonym. Aber die „Pseudonymitis“ grassierte in fast allen Plattenfabriken der 20er ohnehin, um dem Käufer ein größeres Repertoire vorzugaukeln.
1929 war das letzte „akustische“ Jahr in den Columbia-Studios, danach wollte man auch den Käufern der preiswerten Platten wohl nicht mehr das bisherige, im direkten Vergleich doch eingeschränkte Klangbild zumuten - oder es war schlicht unrentabel und schwierig geworden, ein Studio völlig abweichend von den nun üblichen Bedingungen zu betreiben, auf die sich auch die Musiker inzwischen umgestellt hatten.
Sie hören Platten der Jahre 1925 bis 1931, also auch elektrische Aufnahmen, die aber musikalisch noch in die Vorswingzeit, eben das Jazz Age, gehören. Bis die Columbia im Laufe der Wirtschaftskrise ihr Programm straffen mußte, erschienen die preiswerten Unteretiketten weiter.
Durchs Programm führt Peter Michael.

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 11. August 2021, 21 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 12. August 2021, 13 Uhr

Programminfo für den 25.07.2021 und 28.07.2021

The Jazz Age

Jazz und Hotdance der Jahre 1925 - 1931 auf Columbia-Untermarken, Folge 1/ 2021

Die in der kommenden Ausgabe gebrachten Platten erschienen auf Untermarken der Columbia, z.B. Harmony, Velvet Tone oder Diva.
Die Columbia verwendete hier ihre erst 1923 neubeschaffte akustische Aufnahmeapparatur noch bis ins Jahr 1929 weiter, nachdem die Hauptmarke Columbia bereits in der ersten Hälfte des Jahres 1925 als eines der ersten großen Etiketten in Amerika auf das elektrische Verfahren umgestellt werden war.
Die Platten wurden billiger angeboten als die unter der Hauptmarke erscheinenden. Die Tatsache, daß die Aufnahmen bereits bei Erscheinen technisch veraltet waren, dürfte die angepeilte Käuferschicht kalt gelassen haben, da sie wohl zumeist eher ältere oder einfachere Abspielgeräte besaß. Womöglich gab es auch Käufer, denen der Klang der neuen elektrischen Aufnahmen zu „spitz“ war, da sie sich über Jahrzehnte an den Trichterklang gewöhnt hatten. Für diese These spricht ein durchaus ähnliches Phänomen aus späterer Zeit. Auch bei Einführung des UKW-Rundfunks blieben etliche Hörer auch auf dem neuen Gerät mit UKW-Teil beim Mittelwellenempfang - oder stellten beim UKW-Hören die Klangblende auf „dunkel“.
Musikalisch sind aber die Aufnahmen ein Spiegel ihrer Zeit, des „Jazz Age“ oder eben der „Roaring Twenties“. Bekannte Tanzorchester, die auch auf der Hauptmarke zu hören waren, spielten hier teilweise unter Pseudonym. Aber die „Pseudonymitis“ grassierte in fast allen Plattenfabriken der 20er ohnehin, um dem Käufer ein größeres Repertoire vorzugaukeln.
1929 war das letzte „akustische“ Jahr in den Columbia-Studios, danach wollte man auch den Käufern der preiswerten Platten wohl nicht mehr das bisherige, im direkten Vergleich doch eingeschränkte Klangbild zumuten - oder es war schlicht unrentabel und schwierig geworden, ein Studio völlig abweichend von den nun üblichen Bedingungen zu betreiben, auf die sich auch die Musiker inzwischen umgestellt hatten.
Sie hören Platten der Jahre 1925 bis 1931, also auch elektrische Aufnahmen, die aber musikalisch noch in die Vorswingzeit, eben das Jazz Age, gehören. Bis die Columbia im Laufe der Wirtschaftskrise ihr Programm straffen mußte, erschienen die preiswerten Unteretiketten weiter.
Durchs Programm führt Peter Michael.

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 28. Juli 2021, 21 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 29. Juli 2021, 13 Uhr

 

Hawaiian Swing in Europe

Hawaii als Interessenssphäre (und lange später schließlich Bundesstaat) der USA rückte Ende des 19. Jahrhunderts in den Blickpunkt der Nordamerikaner und der Europäer. Exotische Phanasien von idyllischen, unverdorbenen Südseeparadiesen waren und blieben en vogue. Man interessierte sich auch für das wohl am leichtesten aus einer in eine andere Gesellschaft zu verpflanzende Gebiet, nämlich die Musik.

Dieses Interesse ging in beide Richtungen - nachdem Hawaiimusik in Amerika und Europa populär geworden war (den wohl bekanntesten Schlager des Genres, Aloha Oe, hatte sogar die letzte hawaiianische Königin Liliuokalani geschrieben), nahmen die hawaiianischen Musiker Ragtime- und später Jazzeinflüsse in ihr Schaffen auf.

So bildete sich ein neuer Stil heraus, der sogar innovatorisch wirkte - der breite Einsatz der elektrisch verstärkten Gitarre, der heute Grundbestandteil der meisten populären Musikstile ist, nahm zeitgleich auch in der Country-Musik, aber vor allem hier seinen Anfang.

In dieser Ausgabe hören Sie eine Auswahl an europäischen Aufnahmen. Diese entstanden z.T.  bereits in den 30ern, vor allem aber Anfang der 40er Jahre in London, Berlin, Den Haag und Hilversum, sowohl mit einheimischen Musikern als auch mit Hawaiianern auf Europatournee.

Durch die Sendung begleitet Sie Peter K. Michael.

Plattenmarken: Co - Columbia, De - Decca, Po - Polydor, Te -Telefunken. Andere Marken ausgeschrieben. In spitzen Klammern Matrizennummer, dahinter Bestellnummer sowie Aufnahmeort und -datum.

Wir bringen:

Joop Carlquist’s Kahula’s Hawaiians [sic]
-Fascinating rhythm (Gershwin, vermutl. arr. Sol Hoogli) <25948> Te A 10345 Berlin, 28.6.41
-Farewell Blues (Mares-Rappolo) <25953> Te A 10346 Berlin, 28.6.41
-12th Street Rag (Bowman Summer) <25950> Te A 10347 Berlin, 28.6.41

The Kilauea’s Hawai Orchestra [sic]
-Sweet Sue (Harris-Youmans) <GTB-CAH 160>
-Honolulu (Warren-Kahn-Boegman) <GTB-CAH 158> Po 11536 Den Haag, Dez. ‘39

M-A-U-I Eilanders
-Minnehaha (o.A.) <AM 790>
-40+ (de Willigen) <AM 789> De M 32049 Hilversum, Mai ‘42

-Dans-Colege (= College Swing) (Barendse) <AM 759>
-Schön, daß du wieder bei mir bist (K. u. G. Wehner) <AM 761> De M 32037 Hilversum, Feb. ‘42

Felix Mendelssohn and his Hawaiian Serenaders
-I Got Rhythm (Gershwin) <CA 18195>
-In The Mood (Garland-Razaf) <CA 18194-1> Co FB 2667 London, 28.10.40

Roland Peachey
-Goodbye Blues (McHugh-Fields-Johnson) <DR.8134-2>
-China Boy (Winfree-Boutelje) <DR.8135-2> London 632 London, Jan./ Feb. ’44

Felix Mendelssohn and his Hawaiian Serenaders
-Tiger Rag (La Rocca) <CA 18067-1> Co FB 2494 London, 07.12.40
-Limehouse Blues (Braham) <CE 10266-2> Parlophone F 1642 London, ca. Jan. ‘40

Hawaiian-Solist Walter Kaluna mit Begleitorchester
-Aloha, beloved (Long u. Canfield) <24245> Te A 10051
-Waikiki (Henry Kalililmai) <N.N.> Te A 10052
-By By Blues [sic] (Auf Wiederseh’n, Hawai) (Handy) <24246> Te A 10052 Berlin, 06.5.39

  • Sendetermin: „Tanzparkett extra“, Sonntag, 25. Juli 2021, 17 Uhr
  • Wiederholung: Montag, 26. Juli, 9 Uhr.

Programminfos vom 16.07.2021 bis 20.07.2021

Vor dem Trichter - aus der Frühzeit der Tonaufzeichnung

Im Plattenstudio ist eine ganze Batterie Mikros aufgestellt, die an ein riesiges Mischpult angeschlossen sind, so daß die Aufnahme jedem Außenstehenden als reines Hexenwerk anmuten muß. Mehrere Wochen wird daran gefeilt, bis alles „im Kasten“ ist. Dann schließt sich die Nachbearbeitung an, und „schon“ nach zwei Jahren ist die neue Platte fertig.
Dieses Bild bietet sich dem Musikinteressierten heute.
Doch das war nicht immer so. Als das Mikrophon aufkam, war die Schallaufzeichnung schon fast fünfzig Jahre alt, und zunächst war meist ein einziges Mikrophon Dreh- und Angelpunkt des Studios. Nachbearbeitet wurde nichts, einfach deshalb, weil es nicht möglich war. Denn weiterhin entstanden die Aufnahmen, wie es heute so schön heißt, „in Echtzeit“.
Was aber war in den Jahrzehnten vor dem Mikrophon?
So wie ab etwa 1925 das Mikro, war von 1877 bis dahin ein großer, alles zu verschlucken scheinender Schlund Zentrum des Studios und Ziel der entstehenden Töne: der Trichter.
Er führte zur Membran der Aufzeichnungsapparatur, d.h. die Schallenergie trieb direkt den Schneidstichel an, der die Tonspur in die Wachsmatrize (Walze oder Platte) ritzte. Daher rührt der bis heute für Aufnahmen gebräuchliche Begriff des „Schneidens“. Die so gewonnene Tonaufzeichnung war entweder fertig (die frühen Walzen waren direkt abgespielte Unikate!), war bei den Walzen später Mutterwalze für mechanische Umschnitte oder diente zur Herstellung von Guß- oder Preßmatrizen.
Im Studio zu Gast bei Thomas Sosna von der FRK-Redaktion „Tanzparkett“, die sich mit historischen Tonträgern befaßt, ist der Hannoveraner Experte Oliver Bargmann, der schon seit seiner Kindheit geradezu besessen ist von der Frühzeit der Tonaufzeichnung - und der inzwischen auch selbst Walzenaufnahmen in historischer Praxis anfertigt.
Bargmann erläutert in dieser Stunde die Vielfalt und den experimentellen Charakter der frühen Aufnahmen. Man betrat damals technisches und künstlerisches Neuland und mußte erst - ohne jede Vorerfahrung - lernen, was sich wie auf welchen Tonträger überhaupt aufnehmen ließ.
Unsere Sendung ist gewürzt mit einigen Klangbeispielen von Platten der Jahre 1896 bis 1915.

  • Sendetermin: „Tanzparkett spezial; Aussprache - Fachleute vor dem Mikrophon“, Freitag, 16. Juli 2021, 17 Uhr
  • Wiederholung: Samstag, 17. Juli 2021, 9 Uhr

 

Zum Tod von Esther Bejarano und John Lawton

Sie war zweifellos eine der prominentesten Auschwitz-Überlebenden – aber sie war viel mehr: Musikerin, Autorin, politische Aktivistin und unermüdliche Warnerin vor den Gefahren von Faschismus und Rechtsextremismus. Ihr bewegtes Leben spiegelt die vielschichtigen Entwicklungen des 20. Jahrhunderts – und immer spielte auch die Musik eine wichtige Rolle für sie. Ihre Mitgliedschaft im Mädchen-Orchester in Auschwitz rettete ihr das Leben, sie war später als Sängerin tätig und stand bis ins hohe Alter mit der Kölner Band „Microphone Mafia“ auf der Bühne. Im Jahr 2018 war Esther Bejarano mit der „Microphone Mafia“ in der Kasseler Lutherkirche zu Gast – wir senden aus Anlaß ihres Todes Auszüge aus der Veranstaltung.
Außerdem erinnern wir in der Sendung an den kürzlich verstorbenen John Lawton, der als Sänger bei Uriah Heep, bei Lucifers Friend und bei den Les Humphries Singers besonders in Deutschland viele Fans hatte.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 16. Juli 2021, 18 Uhr

 

Esther Bejarano - vom Mädchenorchester in Auschwitz zur Rapperin

Am frühen Morgen des 10. Juli 2021 ist Esther Bejarano im Alter von 96 Jahren nach kurzer, schwerer Krankheit von uns gegangen. Sie war eine mutige und unerschütterliche Frau, Überlebende der Konzentrationslager Auschwitz und Ravensbrück, Antifaschistin, Vorsitzende des Auschwitz-Komitees und Ehrenpräsidentin der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten, Sängerin, Zeugin der Zeit.
Aus diesem traurigen Anlass wiederholen wir einen Beitrag, den wir 2009 zu ihrem 85. Geburtstages ausgestrahlt haben.

  • Sendetermin: „Liederleute - Das Magazin für Musik und Politik“/„Kreuzweise - Das Schweizer Musikmagazin“; Dienstag, 20. Juli 2021, 20.00 Uhr
  • Wiederholung: Mittwoch, 21. Juli 2021, 12.00 Uhr

 

Programminfos vom 09.07.2021 bis 14.07.2021

Abschluß der Lesereihe „Väter. Mütter. Kinder“

Wir beschließen heute die kleine Lesereihe, die das Evangelische Forum unter der Federführung von Susanne Jakubczyk und Friederun Gutmann konzipiert und organisiert hat. Das Prinzip: Schauspieler des Kasseler Staatstheaters lesen Texte prominenter Autoren.
Drei bekannte Stimmen der europäischen Literatur kommen in den ausgewählten Erzählungen von Vätern, Müttern und Kindern zu Wort. In Einsamkeit und Gemeinsamkeit scheinen sie den Lauf der Welt demonstrieren zu wollen.
Kinder unterschiedlichen Alters stehen im Mittelpunkt der Erzählungen. Sie leiden an Gefühlen der Demütigung durch Erwachsene, was in der Folge zu Selbsthaß, Boshaftigkeit und Zerstörungswut führt. Ihnen gegenüber stehen die mit sich selbst beschäftigten Erwachsenen einer Wohlstandsgesellschaft. Neben dem Verständnis für das Verhalten der Kinder stellt sich zunehmend ein vorsichtiges Verstehenwollen gegen-über den Motiven von Müttern und Vätern ein.
Am 13. Mai soll einem Strafrechtsprofessor als Krönung seiner Laufbahn die Ehrendoktorwürde verliehen werden. Durch einen tödlichen Schuß auf seinen Laudator befreit er sich von dem „Schwindel seiner Biographie“. Als Angeklagter unternimmt er in einem Brief an den Staatsanwalt den Versuch einer Erklärung seiner Tat. (Erschienen im Band „Leib und Leben“.)
Der Autor
Adolf Muschg (*13.5.1934 Zollikon, Schweiz) unterrichtete als preisgekrönter Essayist, Romancier und Literaturprofessor an der Zürcher Eidgenössischen TH, war Dozent an verschiedenen internationalen Universitäten, 2003-06 Präsident der Akademie der Künste Berlin, 2010-17 Senat der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Er arbeitete an der Schweizer Bundesverfassung mit und kandidierte für die Sozialdemokraten.
Der Schauspieler
Bernd Hölscher ist seit der Spielzeit 2010-11 Ensemblemitglied am Staatstheater Kassel. Seit einigen Jahren wirkt er in Film- und Fernsehproduktionen mit und wurde aktuell zum zweiten Mal für den Deutschen Schauspielpreis nominiert.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 9. Juli 2021, 18 Uhr

 

Goodbye Angela – Kabarett aus 16 Jahren Merkel-Kanzlerschaft

Man kann es sich noch nicht so recht vorstellen, aber die Ära Merkel geht in diesem Herbst tatsächlich zu Ende (wenn nicht noch etwas dazwischenkommt). Nicht nur die Politik wird dann auf die ewige Kanzlerin verzichten müssen, sondern auch das Kabarett. Über Jahrzehnte war „diese Frau“ (Zitat Edmund Stoiber) ein fester Bestandteil unzähliger Kabarettprogramme – auch solcher, die bei uns im FRK im Rahmen von „Kabarett live“ ausgestrahlt wurden. Klar, daß wir sie würdig verabschieden – mit einer kleinen Reihe. Wir blicken zurück auf 16 Jahre Merkel-Kanzlerschaft und wollen uns erinnern, wie die führenden Polit-Kabarettisten der Nation über die Jahre mit der Regierungschefin umgegangen sind.
Heute bringen wir eine Aufzeichnung aus dem Jahr 2008. Damals war Dieter Hildebrandt beim „Sommer im Park“ in Vellmar zu Gast. Er galt – und gilt über seinen Tod hinaus – als DER Polit-Kabarettist in Deutschland. Niemand hat das Kabarett derart nachhaltig geprägt wie er, niemand hat bereits seit den 50er und 60er Jahren durch mediale Dauer-Präsenz eine vergleichbare Popularität erreicht. Sein Stil, seine ganz besondere Sprechweise und seine scharfen, präzisen Analysen haben ihn zum unerreichten Vorbild ganzer Kabarettisten-Generationen gemacht. Als er 2013 starb, verlor das Kabarett seinen wichtigsten Protagonisten – ersetzen konnte ihn keiner. Um so erfreulicher, daß wir auf Mitschnitte seiner Auftritte zurückgreifen können. So auf den, den wir heute im Programm haben: 2008, drei Jahre nach der Amtsübernahme von Kanzlerin Merkel, sezierte Hildebrandt ebenso gnadenlos wie vergnüglich die politische Situation im Lande.

  • Sendetermin: „Kabarett live“, Freitag, 9. Juli 2021, 22 Uhr

 

Radio ist mehr als Musik

Entstanden sind viele schöne und bunte Beiträge: Frankreich, Asterix und Wildschweine. Wir gehen mit Jules Verne auf Tour und schauen auf die Geschichte der Eisenbahn - oder auf die des Lamborghini. Sportlich wird es auch beim Parkour, süß mit den Wellensittichen, interessant mit den Edelsteinen und musikalisch mit Popmusik aus Südkorea.
Also dürfte für jeden und jede etwas dabei sein!

  • Sendetermin: „Kinderradio“, Sonntag, 11. Juli 2021, 16 Uhr

 

Eine Frau mit Pfiff

Zum 100. Geburtstag von Ilse Werner

Am 11. Juli 2021 wäre Ilse Werner 100 Jahre alt geworden.

Geboren war sie als Ilse Still in Batavia. Im Zuge der Wirtschaftskrise kehrten ihre Eltern 1931 nach Europa zurück, zunächst nach Deutschland, woher ihre Mutter stammte; der Vater war Holländer. Sie besuchte das Gymnasium. 1934 zog die Familie nach Wien. Dort erhielt sie bei Max Reinhardt ihre Schauspielausbildung. Den Mädchennamen ihrer Mutter verwandte sie als Künstlernamen.

Nach ihrem 1937 erfolgten Theaterdebüt drehte sie 1938 noch einen Film unter österreichischer Regie. Dann kam der „Anschluß“. Die Ufa nahm sie unter Vertrag, der erste Film dort war der Propagandastreifen „Wunschkonzert“ - ein großer Publikumserfolg.

1940 hörte Werner Bochmann Ilse Werner hinter der Bühne pfeifen - eine Todsünde unter den abergläubischen Leiten „vom Bau“. Doch er pfiff darauf und brachte sie zur Lindströmgesellschaft, für deren Plattenmarke Odeon sie bis Kriegsende tätig war. Nicht nur Filmschlager, sondern auch andere Titel sang und pfiff sie ein.

Es folgten weitere Filme, darunter „Wir machen Musik“ (Regie: Helmut Käutner, 1942), ihr wohl „amerikanischster“ Streifen aus dem „III. Reich“. Er bringt die nach klassischen Hollywood-Motiven der 30er Jahre konstruierte Story eines jungen Komponisten, der im ernsten Fach nicht reüssiert, sondern erst mit einer Swingband Erfolg hat. Auch die von Ilse Werner und ihren Kollegen hier gesungenen und gepfiffenen Filmschlager sind ausnahmslos leicht „umgestrickte“ US-Hits.

Ihr heute bekanntester Film dürfte „Große Freiheit Nr.7“ von Helmut Käutner sein (1944).

Nach dem Kriege von den Alliierten mit Berufsverbot belegt, arbeitete sie als Synchronsprecherin, bis sie 1948 wieder filmte (Geheimnisvolle Tiefe, Regie: G.W.Pabst).

Sie hatte 1947 einen US-amerikanischen Journalisten geheiratet, trennte sich aber 1952 von ihm und kehrte in die Bundesrepublik zurück, wo sie 1954 den Komponisten Josef Niessen heiratete. Diese Ehe wurde 1966 geschieden. An ihre alten Erfolge als Filmschauspielerin konnte sie nicht mehr anknüpfen; als Sängerin und Kunstpfeiferin blieb sie aber weiter im Blickfeld des Publikums, sang in Musicals und nahm auch weiter Platten auf. 1960 hatte sie ein Comeback mit dem Titel „Baciare“.

Sie war nun fast nur noch auf der Musicalbühne tätig und trat auch im Fernsehen auf. Im Zuge der Nostalgiewelle der 70er und 80er Jahre sah man sie verstärkt in Talkshows, wo sie immer einige ihrer Zugnummern pfeifend und singend vortragen mußte. Auf der Bühne und im Plattenstudio stand sie noch 2002 bzw. 2004.

Trotzdem hatte sie, als sie am 8. August 2005 in Lübeck verstarb, die letzte Zeit ihres Daseins in einem dortigen Altersheim verarmt und zurückgezogen gefristet.

Durchs Programm führt Michael Rolf.

  • Sendetermin: „Tanzparkett extra“, Sonntag, 11.Juli 2021
  • Wiederholung: Montag, 12.Juli, 9 Uhr

 

Jazz, Blues und Hotdance auf Columbia, Folge 2/2021

Auch für die zweite Folge unserer kleine Reihe gilt das zur ersten Gesagte: Verbindendes Element ist, daß die Aufnahmen noch in der Vorswingzeit entstanden, dem sogenannten Jazz Age - in dieser Ausgabe handelt es sich um Platten aus den Jahren 1919 bis 1926 -, und daß sie für die US-Columbia, einen der beiden Schallplattenpioniere, eingespielt wurden.
Auch für diese Ausgabe haben wir eine Auswahl an Platten verschiedenster Künstler zusammengestellt.
Durchs Programm führt Peter Michael.

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 14. Juli 2021, 21 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 15. Juli 2021, 13 Uhr

 

Was macht Macht? - Ein Projekt im Rahmen des Rundgangs der Klasse für „Intermediale Fotografie“

Was macht Macht eigentlich? In welchen Machtverhältnissen und Strukturen leben wir, und wie zeigen und reproduzieren sich diese? Welchen Machtverhältnissen sind wir durch den kapitalistischen Markt, Architektur, das Internet und die sozialen Medien, Sexualität, Religion, moderne Technik und selbst die Gewohnheit ausgesetzt?
Diese Fragen und noch mehr wollen wir diskutieren. Ob wir Antworten darauf finden, ist nicht gewiß, primär geht es um das Sichtbar- und Bewußt-Machen von Strukturen, die wir uns selbst geschaffen haben. Macht ist nicht naturgegeben. Macht ist gemacht von Menschen und den sozialen Verhältnissen, in denen sie leben.
Gespickt wird das Programm von musikalischen Perlen, die unsere Fragen unterstreichen und möglicherweise beantworten sollen.

  • Sendetermin: „Was macht Macht“; Mittwoch, 14. Juli 2021, 22 Uhr

 

Programminfos vom 02.07.2021 bis 07.07.2021

Väter. Mütter. Kinder

Unter diesem Titel setzen wir heute die Lesereihe fort, die das Evangelische Forum unter der Federführung von Susanne Jakubczyk und Friederun Gutmann konzipiert und organisiert hat. Das Prinzip: Schauspieler des Kasseler Staatstheaters lesen Texte prominenter Autoren.
Drei bekannte Stimmen der europäischen Literatur kommen in den ausgewählten Erzählungen von Vätern, Müttern und Kindern zu Wort. In Einsamkeit und Gemeinsamkeit scheinen sie den Lauf der Welt demonstrieren zu wollen.
Kinder unterschiedlichen Alters stehen im Mittelpunkt der Erzählungen. Sie leiden an Gefühlen der Demütigung durch Erwachsene, was in der Folge zu Selbsthaß, Boshaftigkeit und Zerstörungswut führt. Ihnen gegenüber stehen die mit sich selbst beschäftigten Erwachsenen einer Wohlstandsgesellschaft. Neben dem Verständnis für das Verhalten der Kinder stellt sich zunehmend ein vorsichtiges Verstehenwollen gegen-über den Motiven von Müttern und Vätern ein.
In der Erzählung „Berliner Grau“ von Péter Nádas versucht sich der junge Ich-Erzähler mit Hilfe der Fantasie in die schwer vorstellbare Vergangenheit hineinzu-versetzen. Die Älteren haben sie vor Augen, im Fotoalbum und in der Erinnerung.
In „Kindergesellschaft“ spielt die Fortsetzung der Vergangenheit in die Gegenwart am Beispiel eines Kindergeburtstages hinein. Auf erschreckende Weise gefallen sich die Kleinen in der Ausübung von Macht, Unterdrückung und Unterwerfung und liefern so ein Spiegelbild der Erwachsenenwelt, das altbekannte faschistische Züge trägt. (Erschienen im Band „Minotaurus“.)
Der Autor
Péter Nádas (*1942 Budapest). Sein erster Roman wurde in Ungarn aufgrund der Zensur erst Jahre nach der Vollendung publiziert. Sein „Buch der Erinnerung“ wurde mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung.
Der Schauspieler
Tim Czerwonatis ist nach Engagements am Theater der Künste Zürich, dem Schauspielhaus Zürich und dem Theater für Niedersachsen in Hildesheim seit der Spielzeit 2018/19 Ensemblemitglied am Staatstheater Kassel, wo er 2020 den Nachwuchspreis der Fördergesellschaft erhielt
Außerdem in der Sendung: Erinnerungen an Jim Morrison, der vor 50 Jahren starb.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 2. Juli 2021, 18 Uhr

 

Goodbye Angela – Kabarett aus 16 Jahren Merkel-Kanzlerschaft

Man kann es sich noch nicht so recht vorstellen, aber die Ära Merkel geht in diesem Herbst tatsächlich zu Ende (wenn nicht noch etwas dazwischenkommt). Nicht nur die Politik wird dann auf die ewige Kanzlerin verzichten müssen, sondern auch das Kabarett. Über Jahrzehnte war „diese Frau“ (Zitat Edmund Stoiber) ein fester Bestandteil unzähliger Kabarettprogramme – auch solcher, die bei uns im FRK im Rahmen von „Kabarett live“ ausgestrahlt wurden. Klar, daß wir sie würdig verabschieden – mit einer kleinen Reihe. Wir blicken zurück auf 16 Jahre Merkel-Kanzlerschaft und wollen uns erinnern, wie die führenden Polit-Kabarettisten der Nation über die Jahre mit der Regierungschefin umgegangen sind.
Heute bringen wir eine Aufzeichnung aus dem Jahr 2007. Thomas Reis, einer der großen Sprachartisten der deutschen Kabarettszene (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Trainer des VFL Bochum), beschäftigte sich mit der Frage, ob es denn noch ein Leben über 40 gibt. Zwar spielt die Kanzlerin (und die Politik generell) in diesem Programm nur eine sehr untergeordnete Rolle; trotzdem werden wir als Zuhörer an die gesellschaftliche Lage und an den Geist der damaligen Zeit erinnert – immerhin war Frau Merkel damals schon seit zwei Jahren im Amt.

  • Sendetermin: „Kabarett live“, Freitag, 2. Juli 2021, 22 Uhr

 

Medien machen Schule

Medien machen Schule: Radio aus der Langenbergschule in Baunatal
Die 4b mit ihrer Klassenlehrerin Frau Göttlich hat viele Themen zusammengetragen, eine vielfältige Sendung - wie die Kinder selbst. Die einen beschäftigen sich mehr mit der Natur, andere stellen Rezepte vor, auch aus ihren Heimatländern und andere berichten über ihre Aktivitäten und sportlichen Hobbies.

  • Sendetermin: „Kinderradio“, Sonntag, 4. Juli 2021, 16 Uhr

 

Das Handmade-Live-Festival

Live-Konzerte und Festivals sind aufgrund der aktuellen Lage ja leider immer noch ein Problem, deshalb sendet „Handmade“ euch zumindest eine Stunde lang pure Live-Freude über die FRK Frequenz in die Radioempfangsgeräte. Einige Hits und Raritäten warten auf euch – es schauen unter anderem The Police, Phil Collins, Blackmore’s Night, The Winery Dogs, The Hooters, Albert Hammond oder auch Sailor und noch viele weitere Künstler auf der Bühne vorbei.

  • Sendezeit: „Handmade“, Mittwoch, 7. Juli .2021, 20-21 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 8. Juli 2021, 12-13 Uhr

Programminfos vom 25.06.2021 bis 30.06.2021

Väter. Mütter. Kinder

Unter diesem Titel beginnt heute eine neue Reihe, die das Evangelische Forum unter der Federführung von Susanne Jakubczyk und Friederun Gutmann konzipiert und organisiert hat. Das Prinzip: Schauspieler des Kasseler Staatstheaters lesen Texte prominenter Autoren. Heute starten wir die dreiteilige Reihe, die in den folgenden beiden Wochen jeweils im „Themenwechsel“ fortgesetzt wird.
Drei prominente Stimmen der europäischen Literatur kommen in den ausgewählten Erzählungen von Vätern, Müttern und Kindern zu Wort. In Einsamkeit und Gemeinsamkeit scheinen sie den Lauf der Welt demonstrieren zu wollen.
Kinder unterschiedlichen Alters stehen im Mittelpunkt der Erzählungen. Sie leiden an Gefühlen der Demütigung durch Erwachsene, was in der Folge zu Selbsthaß, Boshaftigkeit und Zerstörungswut führt. Ihnen gegenüber stehen die mit sich selbst beschäftigten Erwachsenen einer Wohlstandsgesellschaft. Neben dem Verständnis für das Verhalten der Kinder stellt sich zunehmend ein vorsichtiges Verstehenwollen gegen-über den Motiven von Müttern und Vätern ein.
„Zorn“ ist eine von sieben Erzählungen aus dem Band „Lässliche Todsünden“. Eva Menasse forscht in der heutigen Gesellschaft nach archaischen Mustern. Sie spürt den sieben Todsünden nach und findet Trägheit, Gefräßigkeit, Wollust und Hochmut, Neid, Habgier und Zorn in den Taten ihrer weltlichen Protagonisten. Hinter den Fassaden, da, wo die Sünden sind, steckt der menschliche Kern. Sie schaut hellwach auf die großen gesellschaftlichen Untiefen unserer Zeit mit einer seltenen Mischung aus Scharfsinn, Streitlust, Humor und europäischem Bewußtsein.
Die Autorin Eva Menasse (*1970 Wien) begann als Journalistin und debütierte im Jahr 2005 mit dem Familienroman „Vienna“. Es folgten Romane und Erzählungen, die vielfach ausgezeichnet wurden. Sie betätigt sich zunehmend auch als Essayistin und erhielt dafür 2019 den Ludwig-Börne-Preis.
Die Schauspielerin Christina Weiser gehört seit der Spielzeit 2004-05 zum Ensemble des Staatstheaters Kassel. 2016 wurde sie mit dem Volksbühne-Preis geehrt. Für ihre Darstellung der Gayle/Laura in Nina Raines Stück „Konsens“ wurde sie von „Theater heute“ als beste Schauspielerin des Jahres nominiert.
Außerdem in der Sendung: Betrachtungen zum Dokumentarfilm über den Liedermacher Gerhard Gundermann.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 25. Juni 2021, 18 Uhr

 

Medien machen Schule

Medien machen Schule: Radio aus der Langenbergschule in Baunatal. Es wird bunt - lecker und sehr aktiv. Die Schülerinnen und Schüler der 4d mit der Klassenlehrerin Frau Deppe haben diese Woche im Unterricht Leckereien, Sport- und Ausflugstipps vorbereitet, und - momentan auch sehr wichtig – sie erzählen etwas zum Thema Sonnenschutz.

  • Sendetermin: „Kinderradio“, Sonntag, 27. Juni 2021, 16 Uhr

 

Berlinale 2021, Zweiter Teil

Die Redaktion „Kinoglas“ hat in den letzten Wochen fleißig gearbeitet: Mehrere Dutzend Filme der diesjährigen Berlinale wurden gewissenhaft gesichtet und auf Herz und Nieren geprüft. In der zweiten von zwei Folgen werden euch Torben und Lukas u.a. den marxistischen Vampirfilm  „Blutsauger“ (Julian Radlmaier) näher bringen – eines der Highlights des Festivalprogramms. Außerdem geht es um die Kästner-Verfilmung „Fabian“ (Dominik Graf) sowie um diverse Episodenfilme wie etwa „Wheel Of Fortune And Fantasy“ (Hamaguchi Ryusuke). Fast alle dieser Filme werden demnächst auch im echten Kino zu sehen sein – so denn die Seuche will.

  • Sendetermin: „Kinoglas“, Dienstag, 29. Juni 2021, 18 Uhr

 

Jazz, Blues und Hotdance auf Columbia, Folge 1/2021

Nachdem wir unsere Reihe über den aus Kassel stammenden Kapellmeister Bernard Etté am 16. Juni mit dem zwölften Teil beendet haben, widmen wir uns in der kommenden Sendung und weiteren, in loser Reihung gebrachten Folgen einigen (nicht nur) seiner Vorbilder aus den USA.
Verbindendes Element ist, daß die Aufnahmen in den 20er und frühen 30er Jahren, also noch in der Vorswingzeit, für die US-Columbia, einen der beiden Schallplattenpioniere, entstanden. Wie schon mehrmals im Laufe der Zeit geschehen, haben wir eine Auswahl an Platten verschiedenster Künstler zusammengestellt.

Durchs Programm führt Peter Michael.

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 30. Juni 2021, 21 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 1. Juli 2021, 13 Uhr

 

Programminfos vom 18.06.2021 bis 21.06.2021

EM und Berlinale, Joseph und Paul

Eine inhaltlich vielfältige Sendung präsentieren euch die Macher des „Themenwechsels“ heute – und es ist noch lange nicht sicher, ob nicht noch weitere Beiträge hinzukommen. Im Zentrum steht eine neue Inszenierung des Kasseler Staatstheaters, dessen „Aktion Beuys“ am Donnerstag Premiere hatte und über die unser Theater-Experte ausführlich berichten wird. Hinzu kommt eine weitere Filmrezension von der diesjährigen Berlinale – und der besprochene Doku-Streifen hat sogar etwas mit Nordhessen zu tun. Klar, daß wir uns auch (in einem Expertengespräch) mit der eher holprig gestarteten EM befassen werden. Den musikalischen Teil der Sendung übernimmt heute Paul McCartney – zu seinem 79. Geburtstag feiern wir ihn und spielen Musik aus einem seiner berühmtesten Solo-Alben, das 2021 auch schon 50 Jahre alt wird.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 18. Juni 2021, 18 Uhr

 

Autokorso und Radiosendung zum Jahrestag des Anschlags auf den Kasseler Minicar-Fahrer Efe

Am 21.6.2020, also genau vor einem Jahr, überlebte Efe einen rassistischen Mordversuch. Während seiner Arbeitszeit als Minicar-Fahrer wurde Efe von einem Kunden mit dem Messer in den Hals gestochen, nachdem der Täter ihn rassistisch beleidigt hatte. Der Täter wurde nach einem Jahr und detaillierten Hinweisen immer noch nicht gefaßt.
Am Jahrestag wird in Form eines Auto- und Fahrradkorsos sowie mit einer Radiosendung im FRK an das Attentat auf Efe erinnert. Am Montag um 16 Uhr startet der Korso am Halitplatz in der Nordstadt; die Radiosendung beginnt um 16 Uhr 10 und dauert bis 17 Uhr (möglicherweise auch länger).

  • Sendetermin: „FRK spezial“, Montag, 21. Juni 2021, 16 Uhr 10

Programminfos vom 10.06.2021 bis 17.06.2021

Die EM startet – und niemanden interessiert’s

Normalerweise befassen wir uns im „Themenwechsel“ nicht unbedingt mit hochkommerzialisierten Mainstream-Events, aber diesmal machen wir eine Ausnahme. Vor allem aus Mitleid – die anstehende EM scheint kaum jemanden wirklich zu interessieren. Keine Spur von der national unterfütterten Fußball-Begeisterung früherer Jahre, keine Fahnen in den Fenstern und an den Autos, keine Deutschland-Trikots auf den Straßen und Schulhöfen, keine „EM-Sondereditionen“ aller möglichen Produkte. Selbst das traditionelle „Kicker-Sonderheft“ verkauft sich nach Aussagen von Kioskbetreibern nur schleppend. Woran liegt’s, daß das Fußballfieber sich dieses Jahr im Volk nicht so recht ausbreiten mag? Vermutlich weniger an den infektionsbedingten Einschränkungen, sondern vielmehr an den bescheidenen Aussichten der deutschen Elf – die Ergebnisse der vergangenen beiden Turniere und der Spiele in letzter Zeit verheißen nichts Gutes. Wir werden uns also mit der EM befassen – wenn es sonst schon keiner tut. Außerdem wird die Berlinale nochmals Thema der Sendung sein.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 11. Juni 2021, 18 Uhr

 

Goodbye Angela – vielleicht geht sie nach Hollywood

Man kann es sich noch nicht so recht vorstellen, aber die Ära Merkel geht in diesem Herbst tatsächlich zu Ende (wenn nicht noch etwas dazwischenkommt). Nicht nur die Politik wird dann auf die ewige Kanzlerin verzichten müssen, sondern auch das Kabarett. Über Jahrzehnte war „diese Frau“ (Zitat Edmund Stoiber) ein fester Bestandteil unzähliger Kabarettprogramme – auch solcher, die bei uns im Rahmen von „Kabarett live“ ausgestrahlt wurden. Klar, daß wir sie würdig verabschieden – mit einer kleinen Reihe, die in dieser Woche in die zweite Runde geht. Wir blicken zurück auf 16 Jahre Merkel-Kanzlerschaft und wollen uns erinnern, wie die führenden Polit-Kabarettisten der Nation über die Jahre mit der Regierungschefin umgegangen sind. In den nächsten Monaten senden wir in „Kabarett live“ Mitschnitte aus unserem Archiv – und zwar jeweils einen aus jedem Jahr Merkel-Kanzlerschaft (jedenfalls ungefähr). Natürlich ging es in den Programmen auch um andere aktuelle Themen, aber die „Königin der Raute“ spielt doch immer eine gewichtige Rolle.
Im zweiten Teil unserer Reihe hören wir das Programm „Angie Goes Hollywood“ von Reiner Kröhnert, das bereits kurz nach Merkels Amtsübernahme 2005 Premiere hatte. Reiner Kröhnert, einer der besten und unterhaltsamsten Parodisten und Stimmenimitatoren des deutschen Kabaretts, bringt eine ganze Anzahl prominenter Zeitgenossen auf die Bühne und versammelt sie in einer virtuellen Talkshow. Wir begegnen u.a. Friedrich Merz, Otto Graf Lambsdorff, Erich Honecker, Werner Herzog, Klaus Kinski, Peter Hinze, Boris Becker, Erich Böhme und natürlich Angela Merkel – allesamt gesprochen von Reiner Kröhnert. Und ob Angie am Ende tatsächlich in Hollywood landet, werden wir dann auch noch erfahren.

  • Sendetermin: „Kabarett live“, Freitag, 11. Juni 2021, 22 Uhr

 

Esther Ofarim wird 80 –

Sings Like A Bird On The Wire

Tatsächlich, die jüdische und charismatische Jahrhundertstimme singt noch, auch mit beinahe 80 Jahren. Im Juli steht sie zweimal nahe Hamburg (da lebt sie) auf der Bühne. Auch in Tel Aviv (Israel – ihre Heimat) gibt sie im August zwei Konzerte. Karten gibt’s keine mehr, aber eine Hommage, anläßlich ihres runden Geburtstages, im Freien Radio Kassel.
Klar, „Morning Of My Life“, die Bee-Gees-Komposition und auch ihr Klassiker, „Cinderella Rockefella“, damals mit ihrem Ehemann Abi aufgenommen, wurden Welterfolge und dürfen nicht fehlen.
Im Mittelpunkt der Sendung steht Esther Ofarims Solokarriere, die wunderbaren Interpretationen von Leonard Cohen, Blood, Sweat & Tears und Beatles-Songs. Auch jazzige Raritäten, tolle Live-Aufnahmen (u.a. mit Paul Kuhn) und Kinderlieder stehen auf dem Programm.
Esther Ofarim, eine Chanteuse von gestern, die die Öffentlichkeit scheut, keine Interviews gibt (auch mir nicht) und Talk-Shows meidet.
Am Mikrophon: Ralf Wenzel
Mehr Infos, den Radio-Flyer und später auch den podcast zum Nachhören gibt’s auf meinem Blog:
https://ralfs-radio-blog.blogspot.com

  • Sendetermin: „Magic Moments spezial“; Samstag, 12. Juni 2021, 19 Uhr
  • Wiederholung Sonntag, 13. Juni 2021, 11 Uhr

 

Ein Kasseler Junge macht Karriere

Das Tanzorchester Bernard Etté, Folge 12 und Schluß

Mit dieser Ausgabe beschließen wir unsere Reihe über den Kasseler Jungen Bernhard Ette, der als Tanzkapellmeister Bernard Etté europaweite Berühmtheit erlangte.
Am 13. September 1898 in Kassel geboren, ebenda am Spohrschen Konservatorium als Geiger ausgebildet, was er mit Auftritten in Kasseler Weinstuben und Kinos finanziert hatte, war er über die Provinz nach Berlin und dort 1923 zur Schallplatte und zum Funk gelangt.
Die Chronik seiner Karriere setzen wir diesmal im Jahre 1939 fort. Von der Stern-Platte über die Vox und die Kristall war Etté zur Carl-Lindström-AG gelangt, dort veröffentlichte er zunächst auf dem preiswerten Unteretikett Gloria; am Beginn der in dieser Folge behandelten Zeitspanne nahm er für die Lindström-Hauptmarke Odeon auf. Das Engagement bei diesem Konzern endete jedoch Anfang 1939 aus unbekannten Gründen. Etwa ein Jahr nahm Etté keine Platten auf; dann engagierte ihn Repertoirechef Herbert Grenzebach für eine Sitzung bei der Telefunkenplatte. Bei den dort aufgenommenen vier US-Titeln sollte es allerdings bleiben, ein fester Abschluß kam nicht zustande. Das geschah später im selben Jahr, als Ettés großes Schauorchester von Otto Stahmanns Babelsberger Tempo-Schallplattenfabrik unter Vertrag genommen wurde. Ab September 1940 stand das Orchester vor dem Mikrophon des unabhängigen Etiketts.
Die letzten Aufnahmen Ettés für die Tempo entstanden bereits Ende 1941, was nicht an der Plattenfirma liegt - andere Orchester nahmen dort buchstäblich bis in die letzten Wochen des Krieges hinein auf. Etté spielte auf Tourneen, auch zur Truppenbetreuung, was vermutlich lukrativer war als gelegentliche Plattenaufnahmen es gewesen wären.
Auch nach Kriegsende war er nicht unter den ersten Orchesterleitern, die wieder Platten einspielten, als die Industrie 1946 langsam wieder auf die Beine kam.
Erst Anfang 1950 sah er wieder ein Plattenstudio von innen. In zwei Sitzungen für die Deutsche Austroton, Ableger einer österreichischen Nachkriegsneugründung, nahm Etté einige Platten auf, darunter Neueinspielungen alter Erfolge.
Dies war Ettés Schwanengesang auf Schallplatte. Obwohl das Orchester weiterbestand und sogar Auslandstourneen unternahm, erfolgten keine weiteren Einspielungen mehr.
Der Abstieg kündigte sich an. Da Etté musikalisch keine Konzessionen an den ab Anfang der 50er Jahre seichter werdenden Publikumsgeschmack machen wollte, sollte er die große Popularität und die damit verbundenen großen Einkünfte der Vorkriegs- und Kriegszeit nie wieder erreichen.
Noch 1957 sah ihn das Publikum z.B. in Leipzig und Luxemburg, doch im selben Jahre mußte er die Kapelle auf fünf Mann verkleinern. 1961 löste er, gesundheitlich angeschlagen, sein Orchester auf. 1966 starb seine Frau, am 26. September 1973 starb auch Etté, und zwar im Altersheim zum Schwan in Mühldorf am Inn. Der Mann, der von seinen Tantiemen einst ein Rittergut in Ostpreußen und einen Horch Pullmann hatte erwerben können, besaß am Schluß außer seiner Geige keinen halben Kleiderschrank voll an persönlicher Habe mehr.
Was bleibt, sind Ettés Platten. Die Allgemeinheit hat diesen großen Sohn der Stadt Kassel leider weitgehend vergessen. Diesem Umstand abzuhelfen war uns ein langgehegter Wunsch, den wir uns mit unserer zwölfteiligen Sendefolge hoffentlich ein wenig erfüllt haben.
Diese Ausgabe bringt Platten von Januar 1939 bis Anfang 1950.
Durchs Programm führt Peter Michael.

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 16. Juni 2021, 21 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 17. Juni 2021, 13 Uhr

Programminfos von 04.06.2021 bis 08.06.2021

Zum Tod von Rusty Young

Neben den Eagles und Crosby, Stills And Nash gehören Poco zu den legendären Vertretern des Country Rock, jener Kombination aus traditioneller Country Music und zeitgenössischem Rock, die in den 70er Jahren für große Begeisterung und für beträchtliche Umsätze sorgte. Poco waren allerdings kommerziell nie so erfolgreich wie ihre berühmten Kollegen – sie galten eher als Kritikerlieblinge, die hervorragende Alben produzierten, jedoch ohne jemals in die allererste Liga der führenden US-Rockbands aufzusteigen. Prägend für den Sound von Poco war – neben dem mehrstimmigen Satzgesang – vor allem die Steelgitarre von Rusty Young, dem einzigen Bandmitglied, das der Gruppe dauerhaft treu blieb und mehr als 50 Jahre das musikalische Zentrum von Poco bildete. Nun ist Rusty Young im Alter von 75 gestorben – wir erinnern an ihn.
Außerdem in der Sendung: Rückblick auf die Berlinale, ausführliche Besprechungen u.a. der Filme „Fabian“ und „Censor“.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 4. Juni 2021, 18 Uhr

 

Wirtschaftliche Hintergründe beim Bau der A 44 - Auf das Lossetal rollt eine gewaltige LKW-Karawane zu

An der A 44 wird schon Jahrzehnte gebaut, Widerstand dagegen gibt es ebenso lange. Die Kosten steigen inzwischen ins Astronomische. Bis zum 26. Juli können beim Regierungspräsidium Kassel Einwendungen gegen den Bau des Abschnitts der A 44 zwischen Kassel-Ost und Helsa-Ost erhoben werden, vorausgesetzt man/frau ist davon PERSÖNLICH betroffen. In dem Interview mit Richard Kallok (Kaufungen), seit jeher in verschiedenen Initiativen gegen den Neubau der A44 engagiert, gehen wir Fragen nach, die NICHT in die Schublade „persönliche Betroffenheit“ passen:
- Warum wird so hartnäckig am Bau der A 44 festgehalten? Welche Interessen stecken dahinter? Wer profitiert davon?
- Welche Bedeutung hat die A 44 – und ähnliche Verkehrsprojekte – für Deutschland, bzw. die EU?
- Wie sieht es aus mit den Interessen der deutschen Bauindustrie?
- Warum werden Industriebereiche in das östliche Randgebiet der EU verschoben?
- Welche Rolle spielt dabei die Autoindustrie?
- Wie sehen die Menschen, die in diesen Bereichen arbeiten, diese Konkurrenzsituation? Hier Verlust von Arbeitsplätzen, dort (Polen, Tschechien, Ungarn) Gewinn?
- Welche Umwelt- und Klimabelastungen in diesen Ländern am östlichen Rand der EU entstehen durch solche Projekte?

  • Sendetermin: „attac-Radio“, Dienstag, 8. Juni 2021, 21 Uhr

 

Programminfos vom 28.05.2021 bis 02.06.2021

Kabarett ohne Angela – geht das überhaupt?

Man kann es sich noch nicht so recht vorstellen, aber die Ära Merkel geht in diesem Herbst tatsächlich zu Ende (wenn nicht noch etwas dazwischenkommt). Nicht nur die Politik wird dann auf die ewige Kanzlerin verzichten müssen, sondern auch das Kabarett. Über Jahrzehnte war „diese Frau“ (Zitat Edmund Stoiber) ein fester Bestandteil unzähliger Kabarettprogramme – auch solcher, die bei uns im Rahmen von „Kabarett live“ ausgestrahlt wurden. Klar, daß wir sie würdig verabschieden – mit einer kleinen Reihe, die in dieser Woche startet. Wir blicken zurück auf 16 Jahre Merkel-Kanzlerschaft und wollen uns erinnern, wie die führenden Polit-Kabarettisten der Nation über die Jahre mit der Regierungschefin umgegangen sind. In den nächsten Monaten senden wir in „Kabarett live“ Mitschnitte aus unserem Archiv – und zwar jeweils einen aus jedem Jahr Merkel-Kanzlerschaft (jedenfalls ungefähr). Natürlich ging es in den Programmen auch um andere aktuelle Themen, aber die „Königin der Raute“ spielt doch immer eine gewichtige Rolle. Den Anfang macht Urban Priol mit seinem Rückblick auf 2006 – das erste komplette Jahr der „Ära Merkel“.

  • Sendetermin: „Kabarett live“, Freitag, 28. Mai 2021, 22 Uhr

 

Das gibt’s nur einmal, das kommt nicht wieder

Sondersendung zum 60. Todestag von Werner Richard Heymann

„,Sie kennen mich nicht, aber Sie haben schon viel von mir gehört‘, so hat er sich, als er nach dem Zweiten Weltkrieg aus dem amerikanischen Exil nach Deutschland zurückgekehrt war, gern vorgestellt und dann am Klavier seine Schlager gespielt, die bis heute fast jeder kennt: ,Das gibt’s nur einmal, das kommt nicht wieder‘, ,Ein Freund, ein guter Freund‘, ,Das ist die Liebe der Matrosen‘. Werner Richard Heymann, 1896 in Königsberg geboren, 1961 in München gestorben, war bis zu seiner Emigration der erfolgreichste Filmkomponist der UFA.“
Das schreibt Werner Richard Heymanns Tochter, Elisabeth Trautwein-Heymann, in einem Artikel über ihren Vater.
Wenig gibt es hinzuzufügen - Heymanns Melodien waren - und sind es z.T. noch heute oder heute wieder - in aller Munde.
W.R. Heymann starb am 30. Mai 1961, also vor genau 60 Jahren - Anlaß zur Ausstrahlung unserer Sondersendung über ihn.
Über seinen Aufstieg vom Schlager- und Kabarettkomponisten und Filmmusiker zum Generalmusikdirektor der UFA-Produktion und die durch die nationalsozialistische „Machtergreifung“ erzwungene Emigration erfahren Sie am Sonntagnachmittag bzw. Montagmorgen mehr. Seinen Werdegang illustrieren wir mit Platten der Jahre 1926 bis Dezember 1932.
Heymanns Titelzeile „Das gibt’s nur einmal, das kommt nicht wieder“ paßt auch auf die damalige Weltgeltung Babelsbergs als zweitwichtigste Filmstadt direkt hinter Hollywood ...
Durchs Programm führt Thomas Sosna.

  • Sendetermin: „Tanzparkett extra“, Sonntag, 30. Mai 2021, 17 Uhr
  • Wiederholung: Montag, 31. Mai 2021, 9 Uhr

 

Neues vom kleinen grünen Würfel

Vor fünf Jahren hat frei² das erste Mal Musik des Netlabels »Der kleine grüne Würfel« vorgestellt. In dieser Zeit sind einige neue EPs und Alben veröffentlicht worden, von denen drei Thema dieser Sendung sind – sowie eine Single der Punkband »Die Leere im Kern deiner Hoffnung«: 2020 (Langweilig). Dass dem nicht so ist, beweisen Marco Trovatello, Erich Schall und Dominik Vogel.

  • Sendetermin: „Frei hoch zwei“, Dienstag, 1. Juni 2021, 19 Uhr

 

Ein Kasseler Junge macht Karriere

Das Tanzorchester Bernard Etté, Folge 11

Immer noch war Etté beim Lindströmkonzern beschäftigt; seine Aufnhamen erschienen nach wie vor auf der Untermarke Gloria.
Nachdem Etté in den 20er Jahren durchaus Jazzambitionen vorzuweisen gehabt hatte, gab er sich, dem Zeitgeist entsprechend, Mitte der 30er etwas zahmer - eine Entwicklung, die, wie aus den Ausführungen zu den vorigen Sendungen hervorgeht, nicht auf Deutschland beschränkt und somit nicht allein dem NS-Regime geschuldet war, aber durch dessen Kulturpolitik natürlich noch forciert wurde. Hierzu hören Sie einen Werbetext aus dem Europa-Unterhaltungsstätten-Magazin. (Wie in der letzten Sendung gesagt, war Etté nach seinem Auftritt zur Eröffnung des Palmengartens auf dem Europahaus dort auch fest engagiert).
Nach wie vor waren Filmschlager ein beliebtes Genre. Einer dieser Schlager stellt ein damals brandneues Medium vor, das dem Film aber erst rund zwanzig Jahre später ernsthaft Konkurrenz machen sollte, nämlich das Fernsehen. Deutschland hatte im März 1935, als erstes Land überhaupt, einen regelmäßigen Programmdienst begonnen, der allerdings im Gegensatz zum rund anderthalb Jahre später, im November 1936, gestarteten britischen Fernsehbetrieb noch keinen endgültigen technischen Stand aufwies und nur in und um Berlin zu empfangen war - und das nur von einer Handvoll Technikenthusiasten und Krösussen. Aber auch wenn die allermeisten Berliner nur in öffentlichen Fernsehstuben in den Genuß per Funk übertragener bewegter Bilder kamen, erlebte in dieser Zeit das Fernsehen durch die in Berlin stattfindenden Olympischen Spiele größtes Publikumsinteresse. Dies versuchten offensichtlich auch die Filmkomponisten zu nutzen. Weitere Filmschlager, die Etté in dieser Zeit aufnahm, waren damals und sind z.T. auch heute noch recht populär. Auch Internationales findet sich nach wie vor im Repertoire.
In dieser Ausgabe hören Sie Platten aus dem Zeitraum vom 28. Januar 1936 bis zum 3. Dezember 1937.
Durchs Programm begleitet Sie Peter Michael.

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 2. Juni 2021, 21 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 3. Juni 2021, 13 Uhr

Programminfos vom 21.05.2021 bis 23.05.2021

Dylan wird 80 – das Freie Radio würdigt den MEISTER

Zu Bob Dylans 80. Geburtstag am Pfingstmontag präsentiert das Freie Radio Kassel ein umfangreiches Jubiläumsprogramm. Insgesamt 20 Stunden, verteilt auf drei Nächte, wird der wohl einflußreichste Musiker der vergangenen Jahrzehnte ausführlich gewürdigt. Los geht’s in der Nacht von Pfingstsamstag auf Pfingstsonntag um Mitternacht mit Aufnahmen vom inzwischen legendären Dylan-Kongreß, der 2006 an der Frankfurter Uni stattfand. Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen beleuchteten damals Leben und Werk des gefeierten Song-Poeten unter verschiedenen Gesichtspunkten – wir senden einige der Vorträge.
In der folgenden Nacht (Pfingstsonntag auf Pfingstmontag, ebenfalls ab Mitternacht) geht es um den politischen Liedermacher Dylan. Auch wenn man tatsächlich nur einen überschaubaren Teil seiner Werke - insbesondere solche aus der Frühphase - als „Protestsongs“ bezeichnen kann, so hat er sich doch auch später immer wieder in der einen oder anderen Form mit politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen befaßt. Die Sendung präsentiert zahlreiche Beispiele und beleuchtet im Interview mit Dylan-Experte Thomas Waldherr die Einflüsse schwarzer Musik und Kultur auf das Werk des Jubilars.
Den Abschluß der Feierlichkeiten bildet in der Nacht von Dienstag, 25. Mai auf Mittwoch, 26. Mai, die „Lange Nacht über Dylans surrealistische Songpoesie“, die sich schwerpunktmäßig mit den poetischen, teils abstrakten Liedern der mittleren 60er Jahre beschäftigt – mit jenen Werken also, die Dylan 2016 den Literaturnobelpreis einbrachten.
Als Prolog zu den Feierlichkeiten befassen wir uns in der aktuellen Ausgabe der Sendung „Themenwechsel“ mit neuen Büchern zum Thema Dylan.

  • Sendetermine: „Themenwechsel“, Freitag, 21. Mai 2021, 18 Uhr
  • „Lange Nacht“, Samstag, 22. Mai 2021, 24 Uhr
  • „Lange Nacht“, Sonntag, 23. Mai 2021, 24 Uhr
  • „Lange Nacht“, Dienstag, 25. Mai 2021, 24 Uhr

 

Gedenkveranstaltung zum Jahrestag zur Bücherverbrennung

Im Mai 1933 loderten in vielen deutschen Städten die Scheiterhaufen: Vor allem NS-Studentengruppen verbrannten öffentlich Bücher, die die neuen Machthaber für „undeutsch“, „zersetzend“ oder „anmaßend“ hielten. Joseph Goebbels, der bei einer solchen Veranstaltung in Berlin dabei war, verkündete in seiner Rede, das “Zeitalter eines überspitzen jüdischen Intellektualismus“ sei nun zu Ende.
Auch auf dem Kasseler Friedrichsplatz fand damals eine Bücherverbrennung statt – mutmaßlich an die 30.000 Menschen wohnten dem bizarren Schauspiel bei. Um an die Autoren, deren Werke damals den Flammen zum Opfer fielen, zu erinnern, veranstalten Gerd und Birgitt Möller seit vielen Jahren hier in Kassel Gedenkveranstaltungen, bei denen aus den damals verbotenen Büchern gelesen wird. Pandemiebedingt kann die Veranstaltung dieses Jahr nicht, wie üblich, öffentlich vor dem Fridericianum stattfinden. Ersatzweise wurden die Lesungen im Offenen Kanal aufgezeichnet – wir senden einen Mitschnitt.
Angesichts der zunehmenden Bedrohungen der Pressefreiheit und Angriffen auf Journalisten und Politiker durch Rechtsextremisten und sog. "Corona-Leugner" (u.a. am 20. März in Kassel) und in Anbetracht des weiter ansteigenden Antisemitismus wird diesmal an Journalisten erinnert, die in Kassel gewirkt haben oder hier geboren wurden. Es waren nicht nur Carl von Ossietzky, Kurt Tucholsky, Theodor Wolff und Georg Bernhard, die von den Nazis verfolgt bzw. ermordet wurden, sondern es traf auch Journalisten hier in Kassel, also direkt vor Ort, die vertrieben oder in den Selbstmord getrieben wurden. So soll an Richard Hauschildt erinnert werden, einen deutschen Journalisten und sozialdemokratischen Parlamentarier, Stadtverordneter  in Kassel von 1918 bis 1924.
Auf Carl Mertens (radikaler Pazifist, in Kassel geboren) wird man durch die Lektüre von Ödön v. Horvats Stück "Sladek oder die Schwarze Armee" aufmerksam.
Mit der Erinnerung an den Journalisten Sigmund Dispeker soll wieder einmal eines Geflüchteten und seines Schicksals gedacht werden. Er flüchtete im März 1933 mit seiner Frau und dem damals dreijährigem Sohn über Frankreich und Spanien nach Haifa.
Das Schicksal von Paul Heidelbach wurde in verschiedenen HNA-Artikeln beschrieben; er ging in die "innere Emigration" nach Grifte.
Eines eint alle vier Personen - sie wurden durch die Nationalsozialisten verfolgt. Mit Lesungen aus ihren Texten soll an sie erinnert werden.
Für die musikalische Umrahmung sorgt Elena Padva.

  • Sendetermin: „FRK spezial“, Sonntag, 23. Mai 2021, 18 Uhr

Programminfos vom 14.05.2021 bis 19.05.2021

Vorstellung Beuyslabor Kassel 2021

Am 12. Mai 2021 wäre Joseph Beuys hundert Jahre alt geworden. Noch immer gilt er als einer der einflußreichsten Künstler der Gegenwart, nicht zuletzt aufgrund seines breit gefaßten und transdisziplinären Kunstverständnisses. Insbesondere seine ökologischen Visionen, Diskurse über politische Beteiligung und die Relevanz von Kultur für die Gesellschaft und ihre Transformationsprozesse sind heute unvermindert aktuell.
Die Stadt Kassel und der Künstler Beuys, der sieben Mal auf der documenta ausstellte, sind bis heute eng miteinander verbunden. Erstmals nahm Joseph Beuys an der documenta 3 im Jahr 1964 teil, bei der Zeichnungen des jungen Künstlers zu sehen waren. Bis zum Ende seines Lebens war Joseph Beuys an jeder weiteren documenta-Ausstellung beteiligt. Seine Arbeiten waren zudem posthum 1987 (d8) und 1992 (d9) ausgestellt. Die "Free International University" (d6) und das Kunstwerk "7000 Eichen – Stadtverwaldung statt Stadtverwaltung" (d7) wirken bis heute in der Stadt Kassel nach und leben in zahlreichen Institutionen sowie im Stadtbild weiter.
Das „Beuyslabor Kassel 2021“ beleuchtet diese besondere Beziehung und die Bedeutung von Beuys für aktuelle künstlerische und gesellschaftliche Fragestellungen mit einer eigens dafür konzipierten Reihe von Ausstellungen, Veranstaltungen, Tagungen, Publikationen, Performances und Aktionen.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 14. Mai 2021, 18 Uhr

 

Audiostadtrundgang "Queer in Nordhessen"

Im unregelmäßigen Rhythmus besprechen wir politische Themen, die uns bewegen, im Freien Radio Kassel im Rahmen der Sendung “LILI - Libertäre Informationen lokaler Initiativen“.
Diesmal geht es um den Audiostadtrundgang "Queer in Nordhessen"
Durch Kassel spazieren und auf dem eigenen Player der Vielfalt queeren Erlebens lauschen: In Form von Geschichten, Interviews, Gedichten oder Musik erzählen queere Personen aus Kassel und Umgebung von ihren Erfahrungen. Am Sonntag, dem 23. Mai, feiert der Stadtrundgang zum Anhören Premiere. In der Sendung spricht die qrew vorab mit einer Person aus der Orga über die Idee, Ziele und Wünsche des Audiorundgangs. Außerdem gibt es erste Teaser zu hören.

  • Sendetermin:; „LiLi“, Samstag, 15. Mai 2021, 20 Uhr

 

Kein Brexit!

British Swing, Folge 3

Wir setzen unsere Reihe mit Swing von der Insel fort.
Hervorzuheben in dieser Sendungist eine Platte mit dem Geraldo Swing Septet, einer „Band in der Band“ des großen Tanzorchesters „Geraldo“ (Gerald Bright).
Was hier 1941 geboten wurde, sucht in Europa in dieser Zeit seinesgleichen. Hören und urteilen Sie selbst!
Durch Programm führt Peter Michael.

  • Sendetermin: „Tanzparkett extra“, Sonntag, 16. Mai 2021, 17 Uhr
  • Wiederholung: Montag, 17. Mai 2021, 9 Uhr

 

Ein Kasseler Junge macht Karriere

Das Tanzorchester Bernard Etté, Folge 10

Die Karriere des am 13.9.98 geborenen Kasseler Jungen Bernhard Ette, der als Bernard Etté bekannt werden sollte, hatte ihn von Auftritten als Geiger in Kasseler Weinstuben und Kinos, mit denen er sein Musikstudium bezahlte, durch die deutsche Provinz nach Berlin geführt, wo er 1923 eine erste Schallplattensitzung für die Star-Record/ Stern-Platte absolvierte. Noch im selben Jahr kam er zur Vox-Schallplatte, die im Vox-Haus in Berlin den ersten kommerziellen Rundfunksender Deutschlands mitbetrieb - Grundstein für eine europaweite Popularität des Orchesters.
Mit der Pleite der Vox 1929 kam Etté zur aus deren Konkursmasse heraus gegründeten Kristall, die ihn bis 1932 beschäftigen sollte.
Ende 1933 fand er in der Carl-Lindström-AG, einer der alteingesessenen großen deutschen Plattenfirmen, einen neuen Vertragspartner für Plattenaufnahmen. Dort sollte er, zunächst auf dem Billigetikett Gloria, dann auf der Hauptmarke Odeon, bis 1939 bleiben, um nach einem 1940 auf vier Plattenseiten festgehaltenen Intermezzo bei der Telefunkenplatte schließlich 1941 bei Otto Stahmanns Tempo-Schallplattenfabrik - heute würde man einen solchen Betrieb wohl als „Independent-Label“ bezeichnen - in Babelsberg anzuheuern. Dieses Engagement dauerte bis Kriegsende.
1949/ 50 nahm Etté noch einige wenige Platten für die frischgegründete Deutsche Austrophon mit ihrer Marke Austroton auf. Dann kam seine Tätigkeit für die Schallplatte zum Erliegen. Mit seinem großen Schauorchester war er jedoch noch bis weit in die 50er Jahre hinein auf Tournee, im Bundesgebiet wie im westlichen Ausland, so etwa in Luxemburg, aber auch in der DDR, wo er offensichtlich auch immer noch Fans hatte.
Doch schon Ende der 50er, Anfang der 60er Jahre war die Zeit der jazzbeeinflußten großen Tanzkapellen erkennbar vorbei. Etté mußte seine Truppe erheblich verkleinern. Wegen einer schweren Erkrankung gab er 1961 sein Berufsmusikerdasein auf. Die letzten Jahre verbrachte er verarmt in einem Altersheim in Mühldorf am Inn, wo 1966 seine Frau starb. Hiernach verließ ihn endgültig der Lebensmut.
Am 26. September 1973 starb auch er dort, einsam und vergessen - einer der ehedem größten und bestbezahlten Stars, den die deutsche Schallplatte aufzuweisen hatte. So gut hatte er verdient, daß er als vermeintlich sichere Geldanlage ein ostpreußisches Rittergut erworben hatte und im Horch Pullmann, einem der damals teuersten Luxusautos, über die Straßen Europas gefahren war. Die Folgen des Krieges hatten davon nichts übriggelassen - zu diesem Niveau sollte sich Etté nie wieder aufschwingen. Zum Schluß besaß er außer seiner Geige nicht einmal mehr soviel, daß auch nur ein Kleiderschrank damit voll gewesen wäre ...
Doch in dieser Sendung sind wir in seiner dritten Hochphase nach dem Vox- und dem Kristall-Engagement. Noch immer war Ettés Name so zugkräftig, daß die für die Gloria eingespielten Platten sich trotz der Wirtschaftskrise blendend verkauften (1934 war das schlechteste Jahr in der Geschichte der deutschen Schallplattenindustrie).
Am 1. Dezember 1935 spielte das Orchester zur Eröffnung des Palmengartens auf dem Dach des Europahauses - ein Ereignis ersten Ranges. Denn dabei handelte es sich um einen 2000 Gäste fassenden Gastronomie-Großbetrieb der gehobenen Klasse, dessen Glasdach bei schönem Wetter weggeschwenkt werden konnte, um die Besucher unter freiem Himmel soupieren zu lassen. Hier war die Kapelle in der Folgezeit fest engagiert - und nahm sogar auch Platten dort auf, was auf den späteren Odeon-Etiketten teilweise vermerkt ist.
In dieser Folge bringen wir Platten aus dem Zeitraum vom 20. Februar 1934 bis 28. Januar 1936.
Typisch für diese Zeit sind deutsche und internationale Filmschlager, Tanzplatten für ein nach wie vor amüsierhungriges Publikum, Exotisches wie der damals moderne Carioca, Novelty-Foxtrotts und natürlich Tagesschlager.
Durchs Programm führt Peter Michael.

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 19. Mai 2021, 21 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 20. Mai 2021, 13 Uhr

Programminfo für den 09.05.2021

Sondersendung zum Muttertag

Das Verhältnis zu ihr ist nicht immer einfach. Sie ist die wichtigste Bezugsperson in der ersten Lebenszeit - und oft weit darüber hinaus. Wenn sie fehlt oder ihrem Kind nicht geben kann, was es braucht, ist das bitter.
Die Rede ist, Sie ahnen es am zweiten Sonntag im Mai, von der Mutter - hier bei uns in ihrer Abbildung in der Unterhaltungsmusik der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Da ist man freilich auch  schnell beim Kitsch. Wie die Künstler das nicht immer unproblematische Verhältnis umgesetzt haben, können Sie in einer Stunde mit Plattenaufnahmen von 1914 bis 1941 hören.
In diese Zeit fallen zwei Kriege, die auch eine umwälzende Rolle im Verhältnis zwischen Müttern und vor allem Söhnen gespielt haben. So deutlich, wie der Eingriff eines jeden Krieges in die Familien gleich auf unserer ersten Platte herauskommt, war es im II. Weltkrieg nicht mehr möglich, gewisse Themen anzusprechen. Sonst hätte schnell der Freifahrtschein ins Lager oder zur Frontbewährung gewinkt ...
Dabei hatte erst die NSDAP den Muttertag als Feiertag in Deutschland eingeführt - eine von vielen Maßnahmen zur Verschleierung ihrer wahren Absichten, die doch an anderer Stelle ganz klar und offen ausgesprochen wurden.
Aber das soll heute nicht Hauptthema sein - sondern eine Verbeugung vor allen Müttern.
Durchs Programm führt Thomas Sosna.

  • Sendetermin: „Tanzparkett extra“, Sonntag, 9. Mai 2021, 17 Uhr
  • Wiederholung: Montag, 10. Mai 2021, 9 Uhr

Programminfo vom 30.04.2021 bis 05.05.2021

RIP: Christa Ludwig und Les McKeown

Das Schicksal, die Vorsehung, der Herrgott oder der Zufall – wer auch immer dafür zuständig ist, hat uns letzte Woche innerhalb weniger Tage zwei prominente Todesfälle beschert, die beide im Bereich Musik zu verorten sind. Auch wenn die  betroffenen Künstler musikalisch weit voneinander entfernt liegen, so wollen wir sie doch beide in der heutigen „Themenwechsel“-Sendung würdigen. Christa Ludwig war eine der führenden Mezzosopranistinnen des 20. Jahrhunderts, gleichrangig mit Operndiven wie Maria Callas, als Liedsängerin unerreicht. Sie starb mit 93 – wir hören sie in einer historischen Aufzeichnung von Gustav Mahlers „Lied von der Erde“. Damit erinnern wir auch an zwei weitere Helden der E-Musik: Fritz Wunderlich, der an dieser Aufnahme ebenfalls beteiligt war, starb vor fast 55 Jahren. Und Mahlers Todestag jährt sich im Mai zum 110. mal.
Von den lichten Gipfeln der Hochkultur in die Niederungen der Pop-Unterhaltung: Die Bay City Rollers galten in den 70er Jahren vielen als „schlechteste Band der Welt“, für Millionen (meist weibliche) Teenager waren sie jedoch absolute Helden. Sie waren DIE Teenie-Band schlechthin, die größte und erfolgreichste Boyband aller Zeiten, die Rollenmodelle für alles, was in diesem Bereich nach ihnen kam. Und der beliebteste Roller war Sänger Les McKeown, der nun im Alter von 65 Jahren verstorben ist. Noch bis in die letzten Jahre war er auf Tournee und präsentierte in Oldie-Veranstaltungen vor seinen alten Fans die Hits von damals. Auch an ihn erinnern wir – natürlich mit unvergänglichen Rollers-Schlagern wie „Bye Bye Baby“, „Shang-A-Lang“ oder „Yesterday’s Hero“.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 30. April 2021, 18 Uhr

 

Kabarett beim Open Flair

Auch in diesem Jahr: Kein „Sommer im Park“ in Vellmar, kein Kulturzelt Wolfhagen, möglicherweise auch kein Open Fair (oder doch?). Kabarettfreunde sind weiterhin auf die Mitschnitte aus vergangenen Tagen angewiesen, wenn sie ihre Helden live vor Publikum erleben wollen. Glücklicherweise ist das Archiv des FRK prall gefüllt mit zahlreichen Aufzeichnungen von Kabarett-Veranstaltungen aus den letzten Jahren. Heute gehen wir zurück ins Jahr 2013 – damals waren beim Open Flair in Eschwege unter anderen Torsten Sträter und Uwe Steimle zu Gast. Die Kollegen von Rundfunk Meißner haben die Auftritte mitgeschnitten – wir senden sie heute.

  • Sendetermin: „Kabarett live“, Freitag, 30. April 2021, 22 Uhr

 

Kein Brexit!

British Swing, Folge 2

Auch für diese Sendung gilt das zur letzten Gesagte.
Am nächsten Sonntag erwartet Sie an diesem Programmplatz eine Sondersendung aus aktuellem Anlaß.
Mit „British Swing“ soll es in der Woche darauf weitergehen.

  • Sendetermin: „Tanzparkett extra“, Sonntag, 2. Mai 2021, 17 Uhr
  • Wiederholung: Montag, 3. Mai 2021, 9 Uhr

 

Eine Reise zu den Anfängen des Kinos

Am 28.12.1895 kam es zur "ersten" Kinovorführung der Weltgeschichte. Schnell verbreitete sich das neue Medium. Doch es unterschied sich noch stark von dem, was heute viele unter Kino verstehen...
In der zweiten Folge des Podcasts "Kinoglas" begeben wir uns auf eine Reise zu den Anfängen des Kinos. Dabei begegnen uns die Gebrüder Lumiere und George Melies, jeweils Pioniere und wegweisende Gestalten der Filmgeschichte. Außerdem präsentieren wir u.a. mit Tom Gunning und seinem Text "Das Kino der Attraktionen" aktuelle Positionen der Filmgeschichtsschreibung. Denn erst seit den 1980ern gibt es in der Filmwissenschaft die verbreitete Tendenz, das "Frühe Kino" nicht mehr als Vorstufe zum Hollywoodkino zu verstehen, sondern als eine eigenständige filmhistorische Epoche.

  • Sendetermin: „Kinoglas“, Dienstag, 4. Mai 2021, 18 Uhr

 

More Cyberpunk

Wie bereits vor zwei Wochen auf freihoch2.de angekündigt, wird es im Mai bei frei² „cyberpunkig“: Wir stellen »Das Synthikat« vor – ein Cyberpunk-Duo mit Phant (ph4nt), dessen Musik wir bereits in der Märzausgabe gehört haben.

  • Sendetermin: „Frei hoch zwei“, Dienstag, 4. Mai 2021, 19 Uhr

 

Ein Kasseler Junge macht Karriere

Das Tanzorchester Bernard Etté, Folge 9

Auch in der kommenden Ausgabe widmen wir uns wieder dem Kasseler Jungen Bernhard Ette, der das erste Jahrzehnt seiner Karriere hindurch unter dem „hugenottisierenden“ Künstlernamen Bernard Etté auftrat - bis das NS-Regime das sogenannte Decknamenverbot erließ. Wie soviele NS-Bestimmungen traf dieser Erlaß nicht alle unter Pseudonym arbeitenden Musiker gleichermaßen.
Doch traf er viele - der Komponist Jim Cowler beispielsweise firmiert ab 1934 wieder unter dem bürgerlichen Namen Herbert Noack, nachdem er es ein Jahr lang als „Jim Kauler“ versucht hatte, der Restbestand der „Comedian Harmonists“ mußte sich 1935 die Bezeichnung „Meistersextett“ zulegen, die „Fidelios“ hießen erst „Humoresk-Melodios“ und später nur noch „Melodios“, um nur einige zu nennen. Umgekehrt ging vieles durch, wenn es nicht bekannt oder zu offensichtlich war - der populäre Peter Igelhoff hieß in Wahrheit Rudolf August Ordnung, Michael Jary war als Max Jarczyk geboren - usw. Waren die Künstler dem Regime genehm, wurden ohnehin beide Augen zugedrückt. So hieß der Blut-und-Boden-Komponist Herms Niel in Wahrheit Hermann Nielebock ...
Aber das soll an dieser Stelle reichen, und noch befinden wir uns in einer Zeit, in der die Künstler andere Sorgen hatten als ein Decknamenverbot. In der Wirtschafstkrise ging es zunehmend um die Wurst. Selbst berühmte Kapellmeister wie z.B. Julian Fuhs mußten ihre Orchester aufgeben und versuchten nun ihr Dasein auf andere Weise zu fristen. Fuhs eröffnete eine Bar in Berlin.
Bernard Etté hatte das Glück, in der Kristall eine Firma gefunden zu haben, die mit ihren preiswerten Platten auch in der Krise weiterhin ein breites Publikum ansprach. In jenen Jahren kam seine Plattenkarriere zunächst erst richtig in Fahrt - er zählte zu den bestbezahlten Tanzkapellmeistern Deutschlands.
Doch der Vertrag mit der Kristall wurde im Januar 1932 nicht verlängert. Ob daran allein die Wirtschaftskrise schuld war, ist nicht bekannt. Etté tat dies jedoch keinen allzugroßen Abbruch - er ging für anderthalb Jahre auf Tournee. Vielleicht wollte er auch die Freiheit dafür haben, weil er sich von einer großen Tournee durch Deutschland und angrenzende Länder mit einem europaweit bekannten großen Schauorchester noch größeren Erfolg versprach als von Plattenaufnahmen und Auftritten in und um Berlin - wir wissen es nicht.
Im Jahre 1933 jedenfalls kam er zum Lindström-Konzern. Entsprechend der Markteinordnung der Kristall-Schallplatte engagierte ihn die Lindström für ihr Billigetikett Gloria. Doch in der zweiten Hälfte der 30er Jahre rückte er auf die Hauptmarke Odeon auf, deren Platten deutlich teurer und damit prestigeträchtiger waren. Das wird in den weiteren Folgen dieser Reihe behandelt werden.
In dieser Ausgabe bringen wir Platten, die zwischen September 1931 und Februar 1934 für die Kristall bzw. die Gloria eingespielt wurden.
Durchs Programm führt Peter Michael.

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 5. Mai 2021, 21 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 6. Mai 2021, 13 Uhr

Programminfo für den 25.04.2021

Kein Brexit!

British Swing, Folge 1

In einer kleinen Reihe widmeten wir uns vor etlichen Jahren Swingaufnahmen, die nicht aus dem Mutterland dieser Musik, den USA, stammten, sondern von der mit ähnlicher Zunge sprechenden Insel. Auch musikalisch verstehen sich die beiden Länder durchaus, wie Sie hören werden.
Schneller als die andern Europäer hatten die Engländer begriffen, was Jazz sei - kein Wunder, denn die Pioniere des Jazz, die Mannen der Original Dixieland Jazz Band, traten schon bald nach dem I. Weltkrieg dort auf, erregten Begeisterung und riefen Musiker auf den Plan, die in ihren Fußstapfen zu wandeln begannen.
Der Blick blieb auch in der Swingära nach Amerika gerichtet, aber natürlich wurde Musik mit eigener englischer Note gespielt - und etliche britische Kapellen wurden drüben für so gut befunden, daß ihre Platten auch in Amerika erschienen. Einige Kapellmeister fuhren sogar über den großen Teich, um sich dem amerikanischen Publikum in persona zu präsentieren.
Doch die Hauptsache für uns heutige Swingfans sind natürlich die Platten, von denen es abertausende zu entdecken gibt. Fangen wir doch einfach damit an!
Durch die Sendung führt Peter Michael.

Sendetermin: „Tanzparkett extra“, Sonntag, 25. April 2012, 17 Uhr

Wiederholung: Montag, 26. April 2021, 9 Uhr

 

Programminfos vom 09.04.2021 bis 15.04.2021

Kabarett beim Open Flair

Die Kabarettszene befindet sich leider immer noch weitgehend im Lockdown-Schlaf; Live-Veranstaltungen sind vorläufig nicht möglich. Glücklicherweise sitzt das Freie Radio auf einem umfangreichen Archivbestand an Mitschnitten, die in den letzten Jahren entstanden sind, bisher aber nicht ausgestrahlt wurden. Heute blicken wir zurück ins Jahr 2013, als im Rahmen des Kabarettprogramms beim Open Flair in Eschwege mehrere Kabarettisten und Comedians aus dem Westen der Republik auftraten. Dazu zählt auch Bernd Gieseking, der zwar als DER Kasseler Kabarettist schlechthin gilt, tatsächlich aber aus Westfalen stammt. Fritz Eckenga und Ralf Husmann sind ebenfalls echte Gewächse aus der Gegend zwischen Rhein und Ruhr – sie präsentierten damals beim Open Flair gemeinsam mit Bernd Gieseking sozusagen einen nordrhein-westfälischen Nachmittag.
Eher aus dem Südwesten der Republik, nämlich aus Stuttgart, stammt Marc-Uwe Kling, der inzwischen durch seine „Känguruh-Chroniken“ zu einem der Top-Stars der Comedy-Szene aufgestiegen ist. Auch er war 2013 beim Open Flair live zu Gast. Die Veranstaltungen wurden damals von den Kollegen von Rundfunk Meißner/Eschwege mitgeschnitten – wir senden Auszüge.

  • Sendetermin: „Kabarett live“, Freitag, 9. April 2021, 22 Uhr

 

The Duke’s Bands in the Band - Solisten des Orchesters Duke Ellington als Bandleader

Folge 3: Barney Bigard and his Jazzopaters/ and his Orchestra

Edward Kennedy „Duke“ Ellington kann wohl mit Fug und Recht als einer der einfluß- und erfolgreichsten Orchesterchefs des Jazz gelten. Stilprägend und innovatorisch über mehrere Epochen, Pianist, Komponist, Arrangeur, ein musikalischer Perfektionist, aber trotzdem kein Korinthenkacker, was den Umgang mit seinen Leuten anging. Schon sein teilweise über Jahrzehnte konstantes Personal spricht dafür.
Im Gegensatz zu manch andern Bandleadern, die aus Konkurrenzneid niemanden, schon gar keine Musiker aus dem eigenen Orchester, auf Augenhöhe neben sich dulden mochten, hatte die überragende Figur Ellington das nie notwendig. Vielmehr ließ der Chef etlichen Musikern den Freiraum, sich (und heiße Platten) unter eigenem Namen zu produzieren - und wirkte dabei wie selbstverständlich auf den Aufnahmen als Pianist mit.
In den ersten beiden Folgen unserer kleinen Reihe brachten wir bereits einige Schallplatten des Sopran- und Altsaxophonisten John Cornelius „Johnny“ Hodges.
Diesmal stellen wir Ihnen im „Tanzparkett extra“ einen weiteren Solisten aus dem Duke-Ellington-Orchester in seiner Eigenschaft als Leiter einer Jazzkapelle vor, nämlich den Klarinettisten Barney Bigard.
In dieser Folge geht es um Platten, die für die Marken Variety, Vocalion und OKeh eingespielt wurden.
Durch die Sendung begleitet Sie Peter Michael.

  • Sendetermin: „Tanzparkett extra“, Sonntag, 11. April 2021,17 Uhr
  • Wiederholung: Montag, 12. April 2021, 9 Uhr

 

GrenzenLOS - Eine Hörcollage

52 Menschen aus Deutschland und dem Ausland waren daran beteiligt mit 127 Audiodateien, die Martin Speicher in den vergangenen Wochen zu diesem Stück zusammengestellt hat.
Mit "GrenzenLOS" entstand eine Hörcollage, die die Vielgestaltigkeit menschlicher Klänge konfrontiert mit der erbarmungslosen Technik einer Festung Europa. Seien es Fundstücke aus der natürlichen oder technischen Umwelt, herkömmliche oder  traditionelle Instrumente, Texte oder Mediensamples - sie alle wurden von Menschen aus Deutschland, aber auch aus dem Ausland für diese Arbeit zur Verfügung gestellt und repräsentieren einen kleinen Ausschnitt der riesigen Bandbreite menschlicher Möglichkeiten und Kreativität.

  • Sendetermin: „Fangschalltung“, Montag, 12. April 2021, 20 Uhr

 

Von der Not, nicht mehr wachsen zu dürfen

Die ökologische Krise wird nur im Übergang zu einer Postwachstumsökonomie anzugehen sein. Dieser Übergang aber kann nur ein Ausgang aus dem Kapitalismus sein, der bei Strafe seines und unseres Untergangs wachsen muß. Der Aus- und Übergang muß deshalb auch und gerade im globalen Norden gesucht und gefunden werden: "Wenn die Menschheit überleben soll, müssen die Industrieländer ihren Verbrauch schrumpfen." (Ulrike Herrmann)
Wir senden den Mitschnitt ihres Vortrags von der Konferenz "Die (Re)Konstruktion der Welt. Hilfe. Solidarität. Politik." von medico International,13.2.2021.

  • Sendetermin: „attac-Radio“, Dienstag, 13. April 2021, 21 Uhr

 

Das Album „Lean Into It“ von Mr. Big ist 30 geworden

Heute gibt es ausnahmsweise anstelle der „Handmade Classics“ eine Sonderausgabe zum 30. Jubiläum des Mr. Big-Albums „Lean Into It“. Das zweite Studioalbum der US-amerikanischen Hardrock-Band ist das erfolgreichste Album der Gruppe und enthält den größten Single-Erfolg „To Be With You“.
Die Band ist nicht nur für diesen Hit, sondern auch für ihre außergewöhnlichen Albumcover bekannt. So ist auf „Lean Into It“ ein Foto des spektakulären Eisenbahnunfalls am Gare Montparnasse in Paris im Oktober 1895 zu sehen, auf dem ein Zug versehentlich den Bahnsteig überfahren und danach die Glaswand des Bahnhofsgebäudes durchbrochen hatte.
Die Bandmitglieder Eric Martin (Gesang), Billy Sheehan (Bass), Paul Gilbert (Gitarre) und Pat Torpey (Schlagzeug) schafften mit diesem Album in 1991 den internationalen Durchbruch. Das Album wurde von Kevin Elson produziert. Der erste Song des Albums ist bis heute ein beeindruckender Live-Titel bei Mr. Big-Konzerten, denn „Daddy, Brother, Lover, Little Boy“, was den Untertitel „The Electric Drill Song“ bekam, zeichnet sich dadurch aus, dass im Mittelteil Bassist Billy Sheehan und Gitarrist Paul Gilbert ihre Instrumente jeweils mit einem Akkubohrer der Marke Makita spielen.
Die spätere Hit-Single „To Be With You“ war ebenfalls auf dem Album enthalten, die Gruppe erreichte damit weltweit die Top 10, in Deutschland, der Schweiz, Österreich und den USA erreichte der Titel jeweils Platz eins der Charts. Auch die danach veröffentlichte Single „Just Take My Heart“  konnte sich in den Charts behaupten.
„Lean Into It“ erreichte in Deutschland Platz 9 der Albumcharts. In den USA kletterte es auf Platz 15 der Billboard 200 und hielt sich 38 Wochen in der Hitliste.
In dieser „Handmade“ Sonderausgabe bringen wir euch das gesamte Album mit allen 11 Songs sowie einige Infos dazu und auch einen kleinen Gruß von Sänger Eric Martin an die Hörer.

  • Sendetermin: „Handmade spezial“, Mittwoch 14. April 2021, 19- 20 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 15. April 2021, 11-12 Uhr

 

Handmade Spezial: Städtereise

Aktuell ist das Reisen ja leider immer noch sehr eingeschränkt, so daß wir dies stattdessen heute in „Handmade“ einfach einmal auf die musikalische Art machen werden. Es gibt eine Städtereise um die ganze Welt, zu der wir euch gern einladen möchten. Also alle Mann an Bord und viel Vergnügen mit der „Handmade“ Städtereise (Teil 1).

  • Sendetermin: „Handmade spezial“, Mittwoch 14. April 2021, 20- 21 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 15. April 2021, 12-13 Uhr

Programminfos vom 04.04.2021 bis 07.04.2021

The Duke’s Bands in the Band - Solisten des Orchesters Duke Ellington als Bandleader

Folge 1: Johnny Hodges (Teil 2 / 2)

Edward Kennedy „Duke“ Ellington kann wohl mit Fug und Recht  als einer der einfluß- und erfolgreichsten Orchesterchefs des Jazz gelten. Stilprägend und innovatorisch über mehrere Epochen, Pianist, Komponist, Arrangeur, ein musikalischer Perfektionist, aber trotzdem kein Korinthenkacker, was den Umgang mit seinen Leuten anging. Schon sein teilweise über Jahrzehnte konstantes Personal spricht dafür.
Im Gegensatz zu manch andern Bandleadern, die aus Konkurrenzneid niemanden, schon gar keine Musiker aus dem eigenen Orchester, auf Augenhöhe neben sich dulden mochten, hatte die überragende Figur Ellington das nie notwendig. Vielmehr ließ der Chef etlichen Musikern den Freiraum, sich (und heiße Platten) unter eigenem Namen zu produzieren - und wirkte dabei wie selbstverständlich auf den Aufnahmen als Pianist mit.
Vorderhand zwei Bands aus dem Duke-Ellington-Orchester haben wir Ihnen 2018 im „Tanzparkett“ vorgestellt, nämlich den Klarinettisten Barney Bigard und den Sopran- und Altsaxophonisten John Cornelius „Johnny“ Hodges, mit dem wir die Wiederholung dieser kleinen Reihe am Sonntagnachmittagssendeplatz „Tanzparkett extra“ beginnen.
Johnny Hodges (* 25.7.06 Cambridge/ Mass., + 11.5.70 New York) war von 1928 bis Ende der 40er festes Orchestermitglied beim Duke, um nach einer bis 1955 dauernden Phase anderer Engagements erneut dem Orchester beizutreten.
Hodges wird zu den zehn wichtigsten Saxophonisten des Jazz von Ende der 20er Jahre bis zum Ausklang der Swingzeit gezählt. Wie z.B. auch Lester Young und Coleman Hawkins wurde er auf seinem Instrument zu einem Vorbild für viele Musiker, vor allem in der Blüte des Swingstils. Wesentliche Anregungen hatte er allerdings schon in der Vorswingzeit von einem seiner Kollegen, nämlich dem Sopransaxophonisten Sidney Bechet, erhalten.
In der zweiten Folge mit Johnny Hodges geht es zunächst weiter um Platten, die für die Marke Vocalion eingespielt wurden. Die Firma, die zum ARC-Konzern gehörte, wurde bei dessen Zerschlagung 1938 an das Columbia Broadcasting System verkauft. 1940 stellte die Columbia das Vocalion-Etikett ein und wiederbelebte als preiswerte Serie das Jahre vorher vom Markt genommene Etikett „OKeh Records“. Aufnahmen aus einem gewissen Zeitraum erschienen unter beiden Etiketten.
Anschließend wechselte Hodges zur Victor, für die in dieser Zeit auch sein Chef Ellington vor dem Mikrophon stand. Hodges' Platten erschienen in den USA auf dem preiswerten Victor-Unteretikett Bluebird. Unsere Sendung bringt Aufnahmen, die bis zum „recording ban“, dem großen Aufnahmestreik der US-Musiker, entstanden.
Durch die Sendung begleitet Sie Peter Michael.

  • Sendetermin: „Tanzparkett extra“, Sonntag, 4. April 2021, 17 Uhr
  • Wiederholung: Montag, 5. April 2021, 9 Uhr

 

Musiktaxi mit viel neuer Musik zu Ostern

Chrissy hat diesmal viel neue Musik für euch - unter anderem von den Kombinaten, Aloa Input und Monobo Son. Dazu gibts Neuigkeiten vom Open Flair Festival und von Saltatio Mortis, denn Urgestein und Drummer Lasterbalk der Lästerliche verläßt die Bühne. Wieso, weshalb - das alles gibts in dieser Ausgabe vom Musiktaxi.

  • Sendetermin: „Musiktaxi“, Montag, 5. April 2021, 17 Uhr

 

Deep Dub

Was wie der Laut eines Vogels klingt, sind vielmehr elektronische Klänge:
Deep House und Dub von den Netlabels »Ryoku« und »Cyan Music« begrüßen den Frühling in deinem Freien Radio.

  • Sendetermin: „Frei hoch zwei“, Dienstag, 6. April 2021, 19 Uhr

 

Programminfo für den 28.03.2021

The Duke’s Bands in the Band - Solisten des Orchesters Duke Ellington als Bandleader

Folge 1: Johnny Hodges (Teil 1 / 2)

Edward Kennedy „Duke“ Ellington kann wohl mit Fug und Recht  als einer der einfluß- und erfolgreichsten Orchesterchefs des Jazz gelten. Stilprägend und innovatorisch über mehrere Epochen, Pianist, Komponist, Arrangeur, ein musikalischer Perfektionist, aber trotzdem kein Korinthenkacker, was den Umgang mit seinen Leuten anging. Schon sein teilweise über Jahrzehnte konstantes Personal spricht dafür.
Im Gegensatz zu manch andern Bandleadern, die aus Konkurrenzneid niemanden, schon gar keine Musiker aus dem eigenen Orchester, auf Augenhöhe neben sich dulden mochten, hatte die überragende Figur Ellington das nie notwendig. Vielmehr ließ der Chef etlichen Musikern den Freiraum, sich (und heiße Platten) unter eigenem Namen zu produzieren - und wirkte dabei wie selbstverständlich auf den Aufnahmen als Pianist mit.
Vorderhand zwei Bands aus dem Duke-Ellington-Orchester haben wir Ihnen 2018 im „Tanzparkett“ vorgestellt, nämlich den Klarinettisten Barney Bigard und den Sopran- und Altsaxophonisten John Cornelius „Johnny“ Hodges, mit dem wir die Wiederholung dieser kleinen Reihe am Sonntagnachmittagssendeplatz „Tanzparkett extra“ beginnen.
Johnny Hodges (* 25.7.06 Cambridge/ Mass., + 11.5.70 New York) war von 1928 bis Ende der 40er festes Orchestermitglied beim Duke, um nach einer bis 1955 dauernden Phase anderer Engagements erneut dem Orchester beizutreten.
Hodges wird zu den zehn wichtigsten Saxophonisten des Jazz von Ende der 20er Jahre bis zum Ausklang der Swingzeit gezählt. Wie z.B. auch Lester Young und Coleman Hawkins wurde er auf seinem Instrument zu einem Vorbild für viele Musiker, vor allem in der Blüte des Swingstils. Wesentliche Anregungen hatte er allerdings schon in der Vorswingzeit von einem seiner Kollegen, nämlich dem Sopransaxophonisten Sidney Bechet, erhalten.
In der ersten Folge mit Johnny Hodges geht es um Platten, die für die Marke Vocalion eingespielt wurden.
Durch die Sendung begleitet Sie Peter Michael.

  • Sendetermin: „Tanzparkett extra“, Sonntag, 28. März 2021, 17 Uhr
  • Wiederholung: Montag, 29. März 2021, 9 Uhr

 

Programminfos vom 19.03.2021 bis 24.03.2021

Volker Pispers geht in Rente

Gern hätte man gehört, was Volker Pispers zu all den politischen und gesellschaftlichen Verwerfungen der letzten fünf Jahre zu sagen gehabt hätte, zur sogenannten „Flüchtlingskrise“ und zum Brexit, zu Trump und zu Merz, zur Pandemie und zu „Me Too“. Wir werden es nie erfahren – Volker Pispers hat sich bereits 2015 von der Bühne zurückgezogen. Zunächst nur auf Probe, seit kurzem aber endgültig. Per Meldung auf seiner Webseite verkündete er seine Verrentung als Kabarettist und seinen Rückzug aus der Öffentlichkeit. Im Gegensatz zu Georg Schramm, der sich ja nach dem offiziellen Ende seiner Kabarett-Laufbahn bei besonderen Anlässen immer mal wieder zu Wort meldet, steht bei Volker Pispers zu befürchten, daß er es ernst meint mit dem Rückzug. Schade- Volker Pispers war einer den konsequentesten und schärfsten Beobachter, die das deutsche Kabarett in den letzten Jahrzehnten zu bieten hatte. Auf ihn treffen all die Beschreibungen, mit denen man politische Kabarettisten gern charakterisiert, tatsächlich uneingeschränkt zu: Er ist unbequem und scharfzüngig, geht heftig mit dem politischen Personal ins Gericht, scheut keine Auseinandersetzung und übt massive Kritik an den politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Zuständen. In seinen Programmen gab es immer auch einiges zu lernen – seine Analysen basierten auf verifizierten Daten und Fakten; selbst seine Gegner konnten ihm keine inhaltlichen Fehler nachweisen. Auch wenn er die Regierenden und Mächtigen immer gnadenlos zerpflückt hat: Mit den rechtslastigen Protestbewegungen der letzten Zeit hat er nichts am Hut. In seiner Rücktrittserklärung distanziert er sich klar von sogenannten Querdenkern, Reichsbürgern, Covid-Leugnern, Impfgegnern, AFD-Verstehern und Verschwörungstheoretikern aller Art.

  • Sendetermin: „Kabarett live“, Freitag, 19. März 2021, 22 Uhr

 

We Are Here, We Speak Up

Die Kasseler Gruppe "We are here, we speak up!" trifft sich wieder im Radio. Mona und Idris werden uns von ihrer Medienerfahrung in Syrien und Deutschland berichten. Sie sind neu in unserer Redaktion und seit
Januar dabei.

  • Sendetermin: Montag, 22. März 2021, 18 Uhr

 

Kinoglas. Überlegungen zum Film

Was ist Film? Wie beeinflußt er unsere Gesellschaft? In einer neuen Sendereihe widmet sich das Freie Radio dieser immer wieder gern gestellten Frage. Unter verschiedenen Aspekten wollen wir die Filmwissenschaft beleuchten und die unterschiedlichen Facetten von Filmtheorie und Filmhistorie erörtern – von den Anfängen um 1895 bis in die Gegenwart. Dabei sollen jeweils bestimmte Themenkomplexe im Mittelpunkt der einzelnen Sendungen stehen und mittels prägender Filmtheorien und beispielhaft ausgewählter Filmwerke vorgestellt werden. Dabei lassen wir uns vom Motto des berühmten Filmwissenschaftlers Siegfried Kracauer leiten: „Der Filmkritiker ist immer auch Gesellschaftskritiker“.
In der ersten Folge befassen wir uns mit Walter Benjamins Aufsatz „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“. Walter Benjamin beobachtete 1935 besorgt die Propagandafilme in Nazi-Deutschland und forderte statt einer „Ästhetisierung der Politik“ eine „Politisierung der Kunst“. Außerdem stellte er die grundsätzliche Frage, inwiefern die Entwicklung des Mediums Film Auswirkungen auf die Kunst im allgemeinen hatte.

  • Sendetermin: “Kinoglas”; Dienstag, 23. März 2021, 18 Uhr

 

Daft Sound – Third Punk

Frei² hat diese Woche die Sendungen »Make Rave, not Hate« zu Gast, die zwei musikalische Punkte der jüngeren Vergangenheit zusammenführt: das letzte physische Konzert vor der Pandemie – The Third Sound im Alten Volksbad in Mannheim – und die Auflösung von Daft Punk. Die Auswahl der Titel spiegelt einerseits die Situation der Musik in der Pandemie wider, andererseits „ist immer noch die Musik da“ und damit gibt es einen optimistischen Blick in die Zukunft: Von The Third Sound stammen die Alben »The Third Sound of Destruction & Creation« sowie »All Tomorrow's Shadows«, von Daft Punk »Musique Vol. 1, 1993 - 2005«.

  • Sendetermin: „Frei hoch zwei“, Dienstag, 23. März 2021, 19 Uhr

 

Ein Kasseler Junge macht Karriere

Das Tanzorchester Bernard Etté, Folge 8

In der inzwischen achten Ausgabe, in der wir uns mit dem 1898 in Kassel als Bernhard Ette geborenen und 1973 in Mühldorf am Inn verstorbenen Geiger und Kapellmeister Bernard Etté befassen, behandeln wir den ungefähren Zeitraum von August 1930 bis Juni 1931. Ganz genau datierte Unterlagen stehen leider nicht immer zur Verfügung.
In diesem Abschnitt seiner Schallplattenkarriere war Etté nach wie vor bei der Deutschen Crystalate mit ihrer Hauptmarke Kristall unter Vertrag. Begonnen hatte er seine Laufbahn als Plattenstar im Jahre 1923 mit einer Sitzung bei Star-Record bzw. der Stern-Platte (beide Bezeichnungen waren auf den Etiketten zu finden), um noch im selben Jahr zur Vox-Schallplatte zu wechseln. Diese betrieb ab Oktober 1923 auch den ersten kommerziellen Rundfunksender Deutschlands mit. Bei der Vox sollte er bis zu deren Bankrott Anfang 1929 bleiben.
Die mit englischem Kapital ausgestattete Crystalate hatte im Verlaufe des Jahres 1929 Teile der Vox aus deren Konkursmasse übernommen, nicht nur Matrizen, sondern auch Personal - so auch die Kapelle Etté. Mit ihren sehr preiswert angebotenen Platten kam diese Neugründung vielen Plattenkäufern in der sich langsam verschärfenden Wirtschaftskrise gerade recht, und viele Aufnahmen waren überaus populär. Etté gehörte daher in den 30er Jahren zu den bestbezahlten Orchesterchefs in Deutschland.
Hinzu kamen Tourneen durch ganz Deutschland, Engagements als Hoteltanzorchester, Filmaufnahmen und nicht zuletzt Rundfunkauftritte, die trotz der bereits erreichten Aufnahmegüte der Schallplatte zu dieser Zeit stets live gesendet wurden. (Im Funk wurden auch damals schon Schallplatten gespielt, die aber immer als solche angesagt wurden - zu dieser Zeit noch unter Nennung des Titels, des Orchesters, der Plattenmarke und sogar der Bestellnummer.)
Sehr typisch für diese Zeit sind Tonfilm-, Revue- und Operettenschlager. Revue und Operette erlebten ihre letzte große Blüte, der Tonfilm hingegen war der letzte Schrei. Der Ausstoß an Filmen aus den wohl Dutzenden Babelsberger Filmateliers war atemberaubend. Da zu jedem Film meist mehrere Schlager gehörten, war die Anzahl der Kompositionen für dieses neue Genre entsprechend.
Einige davon wurden so bekannt, daß buchstäblich noch vor dreißig Jahren, also immerhin rund sechzig Jahre nach ihrer Entstehung, fast jeder Schulbub sie pfeifen konnte. Viele andere sind in der Vergessenheit versunken, wie so viele der Filme aus dieser - kurze Zeit später von Hitler, verächtlich durch die Nase schnaubend, „Systemzeit“ genannten - Epoche. Ganz genauso erging es den damals wie zu allen Zeiten komponierten und aufgenommenen Tagesschlagern, die auch zu Ettés Geschäft gehörten.
Auf diese einstündige klingende Entdeckungsreise in die beginnende Endphase der Weimarer Republik begleiten Sie Peter Michael und Thomas Sosna.

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 24. März 2021, 21 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 25. März 2021, 13 Uhr

Programminfo für den 12.03.2021

Zum 150. Geburtstag von Rosa Luxemburg

Was geschah in Deutschland, als sich im November 1918 die militärische Niederlage nicht länger leugnen ließ? Als alles möglich schien – eine Revolution des Proletariats ebenso wie eine Diktatur des Militärs? Döblins vierbändiges Monumentalwerk entstand in den Jahren 1937 bis 1943, auf der Flucht vor den Nationalsozialisten. Im vierten Teil entwirft Döblin ein Porträt der Revolutionäre Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg. Ihr politisches Scheitern und ihr gewaltsamer Tod stehen für den mißglückten Versuch, eine deutsche sozialistische Utopie zu verwirklichen.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 12. März 2021, 18 Uhr

Programminfos vom 07.03.2021 bis 11.03.2021

US-Swing (Folge 6/ 2018)

Smallbands auf Decca

In der heutigen Ausgabe unserer Swingreihe geht es um US-amerikanische Kleingruppen der 30er und beginnenden 40er Jahre, die für die US-Plattenfirma Decca aufnahmen. Den Anfang machen drei Platten, die unter Leitung des jazzverrückten Ex-Jockeys Red McKenzie entstanden. In den 20er Jahren war er über seine Begeisterung für Jazzgesang und Kammblasen (ein Instrument beherrschte er keins) in die Jazzszene gekommen und schaffte in den 30er Jahren auch den Übergang zum neuen Swingstil. Es handelt sich bei den hier zu hörenden „Rhythm Kings“ um Pick-up-Bands, also für Studioaufnahmen jeweils „zusammentelephonierte“ Gruppen (to pick up [the receiver] = [den Hörer] abnehmen, d.h. ins Studio kam, wer an den Apparat ging und Zeit hatte, als der Produzent eine Kapelle für diese Aufnahme zusammenstellen wollte).
 
Ebenso regelmäßig für die Decca im Plattenstudio war der Sänger Dick Robertson. Er sah sich weniger als Schlagersänger denn als Jazzman und legte folglich stets Wert auf solistisch orientierte Begleitbands.
 
Wiederum mit drei Platten vertreten ist Bob Howard, dem wir vor längerer Zeit schon eigene Ausgaben gewidmet haben. Howard war, wenn man so will, in stilistischer Hinsicht eine Antwort auf den bei der Victor beschäftigten und damals rasend populären Jazzpianisten, Sänger und Entertainer Thomas „Fats“ Waller, allerdings ohne Klavier zu spielen. Das erledigte ein Studiomusiker. Auf der zweiten Platte wird Howard vom kompletten Riley-Farley-Orchester aus dem „Onyx Club“ in Manhattan begleitet. Auch die dritte wartet mit prominentemPersonal auf, allerdings in zwei unterschiedlichen Besetzungen auf Vorder-und Rückseite.
 
Nicht zu verwechseln mit der ebenfalls für Decca aufnehmenden gleichnamigen holländischen Bigband sind die Ramblers, die wir zum Abschluß der Sendung präsentieren. Nukleus der Band ist der Hammondorganist Bob Hamilton. Elektrische Orgeln waren zu jener Zeit brandneu, und etliche Jazzer versuchten sich an ihnen. In der Besetzung sind mit Teddy Bunn (g, voc) und O’Neill Spencer (dr, voc) zwei Solisten, die sonst mit dem wohl prominentesten Hammondorgelspieler jener Tage zusammenarbeiteten, nämlich Milt Herth, der ebenfalls bei der Decca unter Vertrag war. Der Pianist ist hier nicht James P. Johnson, sondern Billy Kyle. Die Ramblers nahmen in einer Sitzung am 28.4.39 in New York lediglich vier Titel auf, die wir Ihnen komplett vorstellen.

Durchs Programm begleitet Sie Peter K. Michael

  • Sendetermin: „Tanzparkett extra“, Sonntag, 07. März 2021, 17 Uhr
  • Wiederholung: Montag, 08. März 2021, 9 Uhr

 

Was ist eigentlich „Ravepunk“?

Die Band Systemabsturz, die vor einem Jahr ihr Debüt hatte und dann auch bei frei² vorgestellt worden ist, hat in letzter Zeit neue Titel veröffentlicht hat, die sie unter anderem als Ravepunk bezeichnen. Eine kurze Recherche hat noch mehr Musik dieses Genres zu Tage gefördert – die in dieser Ausgabe von frei² zu hören ist.

  • Sendetermin: „Frei hoch zwei“, Dienstag, 9. März 2021, 19 Uhr

 

Ein Kasseler Junge macht Karriere

Das Tanzorchester Bernard Etté, Folge 7

In dieser Folge begleiten wir Bernard Ettés Werdegang durch den Zeitraum von Ende 1929 bis August 1930, als das Orchester bei der von der Deutschen Crystalate herausgegebenen Kristall-Schallplatte unter Vertrag stand. Diese hatte die Konkursmasse der Vox teilweise übernommen, die bis Anfang 1929 Ettés Arbeitgeber gewesen war. Auch die Kapelle Etté gehörte zum „Erbe“ der Vox bei Kristall.
 
Wie schon in der letzten Folge gesagt, gibt Etté im Oktober 1929 ein längeres Gastpiel im „Trocadero“ in Hamburg. Danach erfolgt ein umfangreicher Personalwechsel im Orchester. Die Besetzung ist international, nun vorherrschend mit Solisten aus Frankreich und den Beneluxstaaten. Im Vergleich zu den Vorjahren nimmt seine Konzerttätigkeit deutlich zu. Bis dahin war seine Truppe außerhalb des Plattenstudios mehr am Funk und als Berliner Hoteltanzkapelle tätig gewesen. Das Trocadero wird bald eine seiner bevorzugten Gastspieladressen. Dort trifft er 1930 Jack Hylton, jenen englischen Kapellmeister, der wie Etté den US-Amerikaner Paul Whiteman als großes Vorbild hat. Auch in seiner Heimatstadt Kassel spielt Etté in dieser Zeit.
 
Noch darf Etté bei der Kristall „hotten“, auch wenn die gedrückte Stimmung der Wirtschaftskrise langsam stärker spürbar wird - noch wollen die Plattenkäufer durchaus heiße Rhythmen, und die Plattenfirmen geben ihnen, was sie wollen. Ettés Klangbild ist, wie erwähnt, immer noch von amerikanischen und auch englischen Vorbildern geprägt, und die Solisten aus vieler Herren Länder tragen ihr Teil dazu bei. So ist eine „Errungenschaft“ in Ettés Orchester der belgische Trompeter Gus Deloof, der später in der Swingzeit unter eigenem Namen mit packenden Plattenaufnahmen von sich reden machen wird.
 
Doch im Laufe der nächsten Zeit ändert sich der Publikumsgeschmack ins Konservative. Etwas „experimentelle“ Klänge, wie die Vox und die frühe Kristall sie durchaus gepflegt hatten, werden nun eher zur Ausnahme.
 
Tonfilmschlager spielen nach dem überwältigenden Siegeszug des Tonfilms eine tragende Rolle im Repertoire der Plattenfirmen. Die Kristall macht da keine Ausnahme, und so kommen auch in dieser Folge mehrere Tonfilmschlager. Eine hinkünftig für die Kristall und auch das Genre des Tonfilmschlagers charakteristische Stimme, die in dieser Sendung auftaucht, ist die des Kristall-Studiosängers Kurt Mühlhardt.
 
Wie die Vox vorher - wie aber auch fast alle andern deutschen Firmen - exportiert die Kristall viele ihrer Matrizen bzw. veröffentlicht sie in den Ländern, in denen sie weitere Filialen unterhält, zum einen für spezielle Auslandsserien, aber auch oft in international verwertbaren Instrumentalfassungen. Frankreich ist hier einer der Hauptabsatzmärkte, französische Pressungen von Etté-Matrizen sind daher noch heute relativ stark vertreten.
Hier zahlt sich ganz offenbar Ettés Vergangenheit bei der Vox noch immer gut aus. Seine Kapelle war außer als Platten-Hausorchester vor allem als erstes reguläres Rundfunktanz- und -unterhaltungsorchester („Rundfunk-Jazz-Kapelle“) Deutschlands aktiv und genießt durch die vielen Ausstrahlungen der Funkstunde Berlin europaweite Bekanntheit.

Durchs Programm führen Peter Michael und Thomas Sosna.

  • Sendetermin: „Tanzparkett“,  Mittwoch, 10. März 2021, 21 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 11. März, 13 Uhr

Programminfo für den 28.02.2021

US-Swing (Folge 7/ 2018): Ben Pollack and his Orchestra

In der heutigen Ausgabe unserer Swingreihe geht es um eine Band, die schon aus den 20ern bekannt ist. Damals war das Orchester des Schlagzeugers Ben Pollack, um das es heute geht, ein „Durchlauferhitzer“ für junge Talente - hier verdienten, um nur einige zu nennen, Benny Goodman, Jack Teagarden, Glenn Miller und die Dorseys ihre ersten Sporen.

In der Swingzeit angekommen, wollte oder konnte Pollack keine solche Vielzahl an Prominenten mehr in seinen Reihen halten. Trotzdem bot die Kapelle ansprechende Swingmusik. Zu den bekannteren Sidemen gehören immerhin der alte Jazz-Haudegen Muggsy Spanier am Kornett, der sich später selbständig machte und zeitweise durch Andy Secrest ersetzt wurde. Auch Secrest war durchaus ein Begriff, weil er schon in den 20ern bei Paul Whiteman regelmäßig für den großen Bix Beiderbecke eingesprungen war, wenn dieser wieder einmal in der Trinkerheilanstalt gelandet war. Ebenso mit dabei war der später in der Revivalszene recht beliebte Posaunist Joe Yukl.

Auch eine Band in der Band gab es, die Pick-A-Rib Boys. Sie musizierten mit kleiner Besetzung im zeitgemäß modernisierten Dixielandstil, ähnlich wie in dieser Zeit z.B. die Wingy-Manone-Gruppen oder andere reguläre oder aus großen Orchestern ausgekoppelte Smallbands auch.
Hier saß der Chef wieder selbst am Schlagzeug, während er bei der großen Besetzung in vornehmer Zurückhaltung nur den Taktstock schwang.

Die Platten der heutigen Ausgabe entstanden für die US-Decca im Zeitraum von August ‘37 bis August ’38, also auf dem Zenit der Swingära.

Durchs Programm begleitet Sie Peter K. Michael

  • Sendetermin: „Tanzparkett extra“, Sonntag, 28. Februar 2021, 17 Uhr
  • Wiederholung: Montag, 01. März, 9 Uhr

Programminfos vom 19.02.2021 bis 25.02.2021

Pionier des Jazz-Rock

Neben Keith Jarrett, Joe Zawinul und Herbie Hancock gehörte Chick Corea zu den großen Pianisten im Grenzbereich zwischen Jazz und Rock. Er war von 1968 bis 1970 Mitglied in der legendären Band von Miles Davis und prägte den Sound des Ensembles mit seinem E-Piano-Spiel. Später wurde Chick Corea mit seiner Band „Return To Forever“ zu einem der Pioniere der sogenannten „Fusion“-Musik, einer in den 70er und 80er Jahren sehr populären Mischung aus Jazz, Funk, Soul und Pop. Aber im Laufe seiner fast 60 Jahre währenden Karriere hat sich Chick Corea auch auf viele weitere musikalische Felder begeben, bis hin zur Klassik.
Anläßlich seines Todes würdigen wir den Tastenzauberer in mehreren Sendungen. Dabei wollen wir versuchen, die unterschiedlichen Aspekte seiner Karriere zu beleuchten.

  • Sendetermine: „Themenwechsel“, Freitag, 19. Februar 2021, 18 Uhr
  • „Jazzcafe“, Mittwoch, 24. Februar 2021, 19 Uhr

 

US-Bigband-Swing (Wiederholung von Folge 2/2020)

Wir swingen wieder - swingen Sie mit:  
Mit dabei sind Benny Carter, Shep Fields and his New Music, Paul Whiteman, Dolly Dawn and her Dawn Patrol, Vincent Lopez and his Suave Swing Orchestra, Abe Lyman and his Californians, Charlie Barnet and his Glen Island Casino Orchestra, Les Brown and his Duke Blue Devils sowie Gene Krupa and his Orchestra.
Die in dieser Ausgabe von uns gebrachten Platten wurden zwischen 1935 und 1941 eingespielt.
Am Mikrophon: Peter Michael.

  • Sendetermin: „Tanzparkett extra“, Sonntag, 21. Februar 2021, 17 Uhr
  • Wiederholung: Montag, 22. Februar 2021, 9 Uhr

 

Ein Kasseler Junge macht Karriere - Das Tanzorchester Bernard Etté, Folge 6

Nach Abschluß unserer Reihe über einen seiner größten Konkurrenten, den ebenfalls als Geiger ausgebildeten Orchesterchef Dajos Bela alias Leo Holzmann, wollen wir uns wieder mit dem Kasseler Jungen Bernhard Ette beschäftigen. Bis 1933 schrieb er unter der „hugenottisierenden“ Bezeichnung Bernard Etté und danach unter seinem Klarnamen ein wichtiges Stück deutscher Schallplatten- und Rundfunkgeschichte.
Noch befinden wir uns zeitlich in den „goldenen“ 20er Jahren - viele kleine und große Plattenfirmen sind nach der 1924 geglückten Konsolidierung der Währung in Deutschland im Geschäft. Vorderhand bietet der Markt gute Chancen für die etablierten Plattenfirmen, aber auch für Neugründungen und Importe im Ausland gepreßter Platten. Bernard Etté ist weiter seiner Plattenfirma Vox treu, die ihn zu Ruhm und Ehren in ganz Europa geführt hat, denn seine Kapelle ist das erste reguläre deutsche Rundfunktanz- und -unterhaltungsorchester, das im Voxhaus vor dem Mikrophon der Berliner Funkstunde steht, deren Welle 400 europaweit zu hören ist.
Um noch einmal das Thema der abrupten Zäsur von 1933 aufzugreifen, das wir in der letzten „Tanzparkett“-Ausgabe am Beispiel Dajos Belas abgehandelt haben: Im Verlaufe der Etté-Reihe werden wir natürlich auch in jene Zeit kommen, in der es für Künstler wie Dajos Bela aus rassepolitischen Gründen, wie es damals so unschön hieß, keine Zukunft mehr in Deutschland geben konnte.
Man kann nur spekulieren, wie die musikalische Entwicklung in Deutschland weitergegangen wäre, hätten Orchester wie eben die von Bela oder z.B. auch Marek Weber, Efim Schachmeister, Hermann von Stachow - die Liste ließe sich fortsetzen - den Übergang zur Swingzeit an ihrer bisherigen Wirkungsstätte erleben können. Der musikalischen Entwicklung hätte ihr Verbleib gewiß keinen Abbruch getan ...
Fest steht aber, daß Etté, wie die meisten wichtigen nach 1933 in Deutschland verbliebenen Orchester, diesen Übergang schaffte, was wir in den späteren Folgen illustrieren wollen.
Doch, wie gesagt, zumindest zu Beginn der Sendung sind wir, soweit es sie überhaupt gab, in den glücklichen Jahren der Weimarer Republik.
 
Seit 1923 war Bernard Etté bei der Vox unter Vertrag gewesen. Das war auch Ende 1927 noch so, als die ersten Platten dieser Sendung entstanden. Doch es sollte sich ändern.
Anfang 1929, also noch vor Ausbruch der Weltwirtschaftskrise, war die Vox endgültig in finanzielle Schieflage geraten und mußte Konkurs anmelden, so wie später im Verlauf der Krise etliche andere Plattenfirmen. Mitbesitzer Otto Klung tat dies allerdings so geschickt, daß er sich aus der Konkursmasse ein großes Schallplattenhaus in Berlin aufbauen konnte, das Televox-Haus. In der Swingära brachte es auch eine Reihe mit Eigenaufnahmen heraus - unter Verwendung des alten Vox-Firmenzeichens, des sprechenden Kopfes. Aber das ist eine andere Geschichte, die eigene Sendungen wert wäre.
Nun trat die englische Crystalate auf den Plan und übernahm den Matrizenstock, um bis zum Aufbau eines neuen, eigenen Repertoires erst einmal weiterhin noch aktuelle Aufnahmen herausbringen zu können. Auch viele der Vox-Künstler, darunter Etté, fanden sich nun auf der Lohnliste der Neugründung wieder. Mit äußerst preiswert unter der Marke „Kristall“ angebotenen Platten faßte die Crystalate so auf dem deutschen Markt Fuß. (Im Laufe der Weltwirtschaftskrise suchte der Mutterkonzern auch auf der Insel sein Heil in dieser Methode und ersetzte sein teures „Imperial“-Etikett durch das preiswerte Label „Rex“.) Von Berlin ausgehend, erschloß man auch weitere Länder des Kontinents, zum Teil mit eigenen Filialen, so daß wie bisher Ettés durch den Funk erreichte Bekanntheit in Europa Käufer anzog.
Die letzte Platte Ettés in unserer Sendung, die noch auf Vox herauskam, wurde im Oktober oder November 1928 eingespielt. In der Umstellungszeit war Ettés Orchester auf Deutschlandtournee und im Urlaub; im Sommer 1929 begann es, nun unter Crystalate-Ägide, wieder mit Einspielungen.
Die goldenen Zwanziger waren nun bald passé. Im Zuge der Wirtschaftskrise wurde der Publikumsgeschmack konservativer. Dem trug schließlich auch die Kristall Rechnung. Doch zunächst konnte Etté noch „weiterjazzen“ wie vorher bei der Vox.
Im Oktober 1929 gab Etté ein längeres Gastpiel im „Trocadero“ in Hamburg. Danach erfolgte ein umfangreicher Personalwechsel im Orchester. Die Besetzung war international, nun vorherrschend mit Solisten aus Frankreich und den Beneluxstaaten.
Ende 1929 entstand die letzte Platte dieser Ausgabe.
Durchs Programm führen Peter Michael und Thomas Sosna.

  • Sendetermin: „Tanzparkett“,  Mittwoch, 24. Februar 2021, 21 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 25. Februar 2021, 13 Uhr

Programminfos vom 12. und 14.02.2021

Gestern im Heute - Aktuelle Herausforderungen der historisch-politischen Bildungsarbeit

Die Gedenkstätte Breitenau und die Bildungsstätte Anne Frank präsentieren eine Veranstaltungsreihe, deren einzelne Beiträge im Freien Radio Kassel ausgestrahlt werden. Die Reihe endet in dieser Woche mit der Diskussionsveranstaltung „Diversity in der historisch-politischen Bildungsarbeit“. Teilnehmen werden Deborah Krieg (Bildungsstätte Anne Frank) und Eren Yildirim Yetkin (Universität Koblenz); die Moderation übernimmt Dr. Ann Katrin Düben (Gedenkstätte Breitenau)..
Vom „Vogelschiß“ bis zum „Mahnmal der Schande“: Äußerungen, die den Nationalsozialismus verharmlosen, werden seit einigen Jahren immer häufiger auch öffentlich gemacht. Was steckt hinter geschichtsrevisionistischen Positionen und welche politischen Ziele verfolgen Menschen, die den Holocaust bagatellisieren und Verschwörungsmythen verbreiten? Wie kann die nationalsozialistische Vergangenheit Deutschlands in der gegenwärtigen Migrationsgesellschaft sinnvoll thematisiert werden? Und welche Rolle spielt historisch-politische Bildungsarbeit dabei? Diese Fragen stehen im Fokus der Veranstaltungsreihe.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 12. Februar 2021, 18 Uhr

 

Degenhardt-Abend mit Andreas Rebers

Der Kabarettist Andreas Rebers nimmt sich der Degenhardt-Texte in ihrer ganzen Dichte und monströsen Poesie liebevoll an und führt uns auf eine Reise aus seiner Kindheit im „Kleinen Kaukasus“ bis in die Gegenwart, in der die „Schreckenskammer der Deutschen Provinz“ mit den Protagonisten der „Neuen Rechten“ scheinbar wieder lebendig geworden ist. Die Lieder und Texte, die zu hören sind, weisen eine beklemmende Aktualität zur Gegenwart auf. Nur daß die Kriege nicht mehr so weit weg sind. War es in den 60er Jahren der Vietnamkrieg, der die Menschen auf die Boote und in die Flucht trieb, ist es heute der Nahe Osten, in dem Gewalt und Vertreibung zum Alltag gehören und die privilegierte westliche Gesellschaft herausfordern.
Andreas Rebers, der Mann mit dem Akkordeon, zählt seit vielen Jahren zur ersten Liga der deutschen Polit-Kabarettisten. Nun hat er ein komplettes Programm den Songs des wohl einflußreichsten politischen Liedermachers gewidmet: Franz Josef Degenhardt gilt seit den 60er Jahren als Prototyp des meinungsstarken, sprachlich brillanten Polit-Barden, dessen Werk inzwischen mehrere Generationen junger Musiker und Dichter geprägt hat und an dem sich aufgrund seiner politischen Haltung bis heute die Geister scheiden. In diesem Jahr gibt’s doppelten Grund, an Degenhardt zu erinnern: Der zehnte Todestag und der 90. Geburtstag stehen im Herbst 2021 an. Andreas Rebers startet die Feierlichkeiten mit seinem Degenhardt-Programm, das noch kurz vor dem ersten „Lockdown“ im März 2020 live in Berlin aufgezeichnet wurde.

  • Sendetermin: „Kabarett live“, Freitag, 12. Februar 2021, 22 Uhr

 

Lichtblicke in Zeiten der Pandemie

Diesmal spricht die qrew in der Sendung „LiLi“ darüber, was uns und anderen (in Zeiten von Corona) gut tut. Special thanks an alle, die bei der erwähnten kleinen Umfrage zum Thema mitgewirkt haben! Auch diesmal machen wir aufmerksam auf den geplanten queeren Audiorundgang. Bei Fragen wendet euch gerne an die qrew. Den Abschluß unserer zweistündigen Sendung macht ein kleiner Musikblock.
Als zusätzlicher Hinweis:
Fühlst du dich von der Coronakrise belastet?
Das Institut für Psychologie der Universität Kassel hat eine Beratungshotline ins Leben gerufen. Montag und Freitag von 10 bis 14 Uhr und Dienstag und Donnerstag von 14 bis 18 Uhr. Beraten werdet ihr von Master-Studierenden der Psychologie unter professioneller psychotherapeutischer Anleitung. Das Gespräch ist natürlich vertraulich.
Corona-Beratungs-Hotline:

0561 – 804-2882

  • Sendetermin: „LiLi“; Samstag, 13. Februar 2021, 19 Uhr

 

US-Bigband-Swing (Wiederholung von Folge 1/2020)

Wir swingen wieder - swingen Sie mit:  Sie hören in dieser Ausgabe das Casa Loma Orchestra, Larry Clinton, Ben Pollack, Louis Russell, Taft Jordan and the Mob, Glenn Miller und seine erste Band, Victor Young und Bobby Sherwood.
 
Der Aufnahmezeitraum erstreckt sich diesmal von der Vorswingzeit (1932), als es schon progressive Orchester gab, die das Kommende vorwegnahmen, bis 1942, also in die Abenddämmerung der klassischen Swingära, schon nach dem Eintritt der USA in den Krieg. Kurz darauf streikte die US-Musikergewerkschaft, und die Musikszene änderte sich komplett.
 
Am Mikrophon: Peter Michael.

  • Sendetermin:“Tanzparkett extra“, Sonntag, 14. Februar 2021, 17 Uhr
  • Wiederholung: Montag, 15. Februar, 9 Uhr

Programminfos vom 05.02.2021 bis 10.02.2021

Die Weimarer Republik - Deutschlands erste Demokratie.

Am 6. Februar jährt sich der Zusammentritt der verfassunggebenden Nationalversammlung in Weimar – eine Sternstunde und Wegmarke in der deutschen Demokratiegeschichte – zum 102. Mal. Diesen Tag, den Tag der Weimarer Republik, nimmt der Weimarer Republik e.V. zum Anlaß, um den politischen und gesellschaftlichen Neubeginn des Jahres 1919 zu feiern. Damals herrschte Aufbruchsstimmung, viele Menschen verbanden mit der Demokratie die Hoffnung auf bessere Zeiten, auch wenn dies nicht lange hielt. Einige der damaligen Probleme sind zudem erstaunlich aktuell. Aus dieser Vergangenheit lassen sich wertvolle Lehren ziehen.
Unter dieser Prämisse diskutieren Dr. Ulrike Lorenz, Kunsthistorikerin und Präsidentin der Klassik Stiftung Weimar, und Prof. Dr. Michael Dreyer, Professor für Politische Theorie und Ideengeschichte an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Beide tauschen sich zu Geschichte, Politik und Kultur zwischen der Weimarer Republik und der aktuellen Gegenwart aus, diskutieren Kontroverses und bringen neue Erkenntnisse ans Licht.
Wie im vorigen Jahr sind alle Interessierten, Engagierten und Neugierigen zu den Feierlichkeiten eingeladen. In diesem Jahr entspannt von zu Hause aus, gerne mit einem Glas zum Anstoßen: Denn es gibt die Online-Jubiläumsshow mit Kurzimpulsen, Lesungen, Schauspiel und Musik am Samstag, dem 6.2.2021, um 20:15 Uhr mit Live-Schalten u.a. nach Berlin, Hamburg, München, Leipzig und Koblenz. Die Show dauert ca. 90 Minuten, findet live auf Zoom statt und ist öffentlich für alle zugänglich.
Zoom Link unter www.weimarer-republik.net

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 5. Februar 2021, 18 Uhr

 

Sendung des Mädchenhauses Kassel

Zum 6. Februar, dem „Internationalen Tag Null-Toleranz gegenüber weiblicher Genitalverstümmelung“ führt das Mädchenhaus Kassel ein Gespräch mit Doktorandin Khulud Sharif-Ali, Bildungswissenschaftlerin und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin I.A. Dabei geht es um die Situation von Refugee Women im allgemeinen, Fluchterfahrungen, FGM, Alltag in Deutschland, Hürden bei der Integration und Empowerment.

  • Sendetermin: „FRK spezial“, Samstag, 6. Februar 2021, 20 Uhr

 

Henry Hall und das BBC-Tanzorchester, Folge 2 (1933-1934)

Von 1928 bis 1932 wurde das Tanzorchester des Britischen Rundfunks, der British Broadcasting Corporation, kurz BBC, von dem Pianisten Jack Payne geleitet. Dieser Formation haben wir inzwischen sieben Folgen „Tanzparkett“ gewidmet, eine achte und letzte soll folgen. Da wurde es Zeit, sich zwischendurch mit Paynes Nachfolger zu befassen, einem Kapellmeister, der es, wie Payne auch schon, nicht nur in England zu Ruhm und Ehren brachte, sondern durch die Rundfunkübertragungen und zahlreiche Plattenaufnahmen in ganz Europa und darüber hinaus. Der Mann, um den es geht, hieß Henry Hall (02.5.1898, Packham/ London - 28.10.1989 Eastbourne/ Sussex).
Mit dem Anfang 1932 angetretenen Engagement bei der BBC übernahm die bisherige Kapelle des Hotels Gleneagles auch den daran gekoppelten Exklusivvertrag mit der Columbia Graphophone Co., die für ihre Platten ein weltweites Vertriebsnetz besaß. Gute Voraussetzungen für eine steile Karriere des Orchesters, die auch folgen sollte, nachdem sie bis dahin eher dahingedümpelt war. Henry Hall hatte sich nach seinem Wehrdienst offenbar mehr schlecht als recht als Kapellmeister verschiedener Orchester einer Bahn-Hotelkette durchgeschlagen. Das Engagement im schottischen Hotel Gleneagles, für das er mit seinem Orchester Rundfunkwerbung treiben sollte - die Band nahm für die damals noch neue unabhängige Decca-Schallplatte auf - führte schließlich zu seiner Entdeckung durch die BBC.
Am 2. März 1932 wurde nach ersten Tests und einer Vier-Schlager-Platte die erste reguläre Industrieplatte eingespielt. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger Payne, aus dessen Kapelle später mehrere englische Bandleader hervorgehen sollten, wies Halls Personal keine derartigen Kräfte auf. Gleichwohl lieferte es solide, gefällig und sehr tanzbar arrangierte, handwerklich saubere Tanzmusik mit vereinzelten Hotambitionen - allerdings deutlich weniger als bei Payne. Dies entsprach durchaus dem Zeitgeschmack, nicht nur in England, und so wurde die Kapelle auch im Ausland gerne gehört und wohl vor allem nach ihrem Ausscheiden als Rundfunktanzorchester für Tourneen und Einzelauftritte gebucht.
Sogar in Berlin spielte das Orchester - nach Lange [1] von Januar bis Februar 1939 in der „Scala“ als Ersatz für das ebenfalls englische Jack-Hylton-Orchester, zur Freude der Kritik, die die Kapelle gnädig beurteilte - und zum Gram der deutschen Hotfans, denn Hyltons Band war erheblich stärker jazzorientiert. Auch der alte Jazzfan Lange läßt kaum ein gutes Haar an der Kapelle: „So steif, wie Henry Hall als Persönlichkeit war, spielte seine Band und sang seine hübsche Sängerin Molly Morelle: ein Tanzorchester von Format, mehr nicht.“ [1] Nach anderen Angaben trat die Kapelle bereits im Jahre 1938 in Berlin auf, wobei jedoch die englische Presse monierte, man habe, obwohl diese noch nicht verboten gewesen seien, auf Darbietungen von Schlagern jüdischer Komponisten verzichtet.
Selbst in der Sowjetunion wurden Platten von Henry Hall herausgebracht, um den Anfang der 30er auch dort vorhandenen Hunger nach moderner westlicher Tanzmusik zu stillen - als „Schwarzkopien“, d.h. Pressungen unautorisierter, aber technisch hervorragender Umschnitte, welche die sowjetische Plattenindustrie in dieser Zeit auch von etlichen deutschen Aufnahmen anfertigte. Der Redaktion liegt z.B. ein solcher Umschnitt des in der Sendung von Originalpressung gebrachten Titels „Oh, Johanna“ vor. Bei der BBC, bei der seine Truppe auch das erste reguläre englische Fernsehorchester darstellte, blieb Henry Hall bis 1937, um dann - wie schon sein Vorgänger Jack Payne - mit dem gesamten Personal dem Funk den Rücken zu kehren. Nun unternahm er auf eigene Rechnung Tourneen, wie schon erwähnt, auch nach Deutschland.
Im Kriege spielte die Kapelle zur Truppenbetreuung vor alliierten Soldaten. Hall kehrte schließlich als Gastgeber einer Radio- und späteren Fernsehsendung („Henry Hall’s Guest Night“) zur BBC zurück, wo er auch die Moderation der Sendereihe „Face The Music“ übernahm. Er verfaßte in der Nachkriegszeit seine Autobiographie. Am 28.10.1989 starb er in Eastbourne im Alter von 91 Jahren.

  • Sendetermin: „Tanzparkett extra“, Sonntag, 31. Januar 2021, 17 Uhr
  • Wiederholung: Montag, 1. Februar 2021, 9 Uhr

 

Social Media, schrille Leute und Sitzkonzerte - Musiktaxi mit Monobo Son:

Mehr als 50 Minuten haben Manuel Winbeck von Monobo Son und Chrissy im neusten Interview gequatscht - einen ersten Ausschnitt gabs ja schon. Jetzt legen wir nach: Welche Erkenntnisse helfen Manu durch die Corona-Zeit? Wie geht er mit der geballten Nachrichtenflut zum Thema um? Und was ist für ihn und seine Band in diesen Zeiten besser: Sitzkonzerte oder Livestream-Gigs? Das alles gibt‘s in dieser Ausgabe vom Musiktaxi.

  • Sendetermin: „Musiktaxi“, Montag, 8. Februar 2021, 17 Uhr

 

Old School New School – eine elektronische Zeitreise

frei² unternimmt diesen Monat mit zwei Veröffentlichungen zweier Labels und Künstler eine musikalische Zeitreise in der elektronischen Musik. Dabei werden die beide Veröffentlichungen, zwischen denen exakt 20 Jahre liegen, passend zusammengeführt:
- Baradit Disco3 vom Netlabel epa sonidos stammt aus dem Jahr 2000 und wurde 2020 remastered veröffentlicht.
- Bahía Gris wurde 2020 beim Netlabel Modismo veröffentlicht.
Das ist die Old School New School technoider Klänge.

  • Sendetermin: „Frei hoch zwei“, Dienstag, 9. Februar 2021, 19 Uhr

 

Das Orchester Dajos Bela, Folge 14

Ende (nicht nur) einer Karriere

Mit der vierzehnten Folge beenden wir unsere Reihe über den wohl produktivsten Kapellmeister, der je in Deutschland auf Schallplatten zu hören war.
Dajos Bela, bürgerlich Leo Holzmann oder Golzmann, 1897 in Kiew geboren und 1978 in La Falda, Argentinien, verstorben, war ab 1920 für die Lindströmgesellschaft in Berlin als Hausorchesterleiter und Violinist tätig. Vom „Vielaufnehmer“ Bela sind mehr als 11.000 Aufnahmen nachweisbar, die er in den dreizehn Jahren seiner Karriere in Deutschland hinterließ. Wohl jeder Schallplattensammler, der sich mit dem auch im „Tanzparkett“ betrachteten Zeitraum befaßt, besitzt etliche Aufnahmen dieser Formation.
In bisher dreizehn Folgen zeigten wir den Weg Belas von der Salonkapelle zum jazzbeeinflußten semisymphonischen Tanzorchester à la Paul Whiteman.
In dieser vorläufig letzten Folge bringen wir Platten aus der Zeit von März 1932 bis August 1933.
Inzwischen sechs Millionen Arbeitslose standen an den Stempelstellen Schlange um eine almosengleiche Unterstützung. Reichskanzler Brüning, der am 30. Mai 1932 zurücktrat, hatte bis dahin vor allem mit Notverordnungen des Reichspräsidenten Hindenburg regiert (109 an der Zahl), da auf normalem Wege eingebrachte Gesetze kaum noch mehrheitsfähig waren (in Brünings Amtszeit traten nur 29 neue Gesetze in Kraft).
Im Juni 1932 wurde Franz von Papen, ein ehemaliger Berufsoffizier und Abgeordneter im Preußischen Landtag, von Hindenburg zum Reichskanzler ernannt. Seine Amtszeit sollte nur ein halbes Jahr dauern, doch brachte sie weitere wesentliche „Sargnägel“ für die Weimarer Republik. Im sogenannten „Preußenschlag“ entmachtete von Papen die SPD-geführte Regierung des Freistaats Preußen - weder dem Föderalismus noch Demokratie erwies er damit einen Dienst.
Ab Juli 1932 war der Reichstag dominiert von zwei gegensätzlichen Parteien, die aber beide vereint waren im Streben nach Abschaffung des demokratischen Systems: KPD und NSDAP. Man spekulierte bereits, ob der nächste Reichskanzler Hitler oder Thälmann heißen würde.
Nachdem von Papen im Dezember 1932 gestürzt worden war, schlug er den letzten Nagel in den Sarg der deutschen Demokratie: Mit Hitler handelte er eine Koalitionsvereinbarung zwischen der nationalkonservativen DNVP und der NSDAP aus. Mit dieser Regierung glaubte von Papen die Nationalsozialisten „einrahmen“ zu können. Sie konstituierte sich am 30. Januar 1933 (sog. „Machtergreifung“). Franz von Papen selbst übernahm im Kabinett Hitler das Amt des Vizekanzlers, wurde aber rasch entmachtet.
Nun kam nicht nur für entschiedene Gegner der Nationalsozialisten, sondern vor allem für viele Künstler jüdischer Herkunft die Karriere in Deutschland zu einem jähen Ende. Zwar, blieben manche noch in Deutschland, entweder weil sie hofften, der „Spuk“ würde genauso schnell Geschichte sein wie viele der Vorgängerregierungen - oder weil sie sich ein Leben und Arbeiten außerhalb des deutschen Sprach- und Kulturraumes nicht vorstellen konnten.
Doch den hellsichtigen unter ihnen war schnell klar, daß ihre Zukunft nun nicht mehr im früheren Land der Dichter und Denker liegen würde. Wer, wie etwa der Komponist Friedrich Hollaender, schon offen bedroht worden war, wußte, was die Stunde geschlagen hatte und nahm zwecks Antritt einer „Tournee“ den Nachtzug in ein Nachbarland.
Auch Dajos Bela ging diesen Weg. Ob er sich selbst dazu entschlossen hatte oder seine Repertoireleiter ihn aus der Schußlinie nahmen, ist nicht klar. Bald stand jedoch fest, daß es keine Rückkehr nach Berlin geben sollte. So trat er in Holland, Frankreich, England und Österreich auf. Dort war er, so wie vorher in Deutschland, 1935 auch noch einmal mit seinem Orchester im Film zu sehen. Er hatte das Glück, für einen internationalen Konzern tätig zu sein. Schon als sie noch selbständig gewesen war, hatte die Lindström Aufnahmestudios und Preßwerke in ganz Europa und in Übersee besessen. Belas letzte Berliner Sitzung hatte im April 1933 stattgefunden. Seine Plattenfirma ermöglichte ihm nun das Arbeiten im Pariser Odeon-Studio. Die letzte Platte dieser Sendung ist dort eingespielt, und zwar im August 1933.
1935 schiffte sich Bela nach Argentinien ein, um dort ein Rundfunkengagement anzutreten. Bald nahm er auch wieder - für die örtliche Lindström-Filiale - Platten auf und trat weiterhin am Funk sowie in Kaffeehäusern auf. Dank so erspielter auskömmlicher Gagen konnte er mehreren jüdischen Kollegen aus Europa zur Flucht vor der Ermordung im Konzentrationslager verhelfen. Er wurde selbst Betreiber eines Cafés, in dem er ebenfalls auftrat. Als nach dem Kriege die Kaffeehauskultur auch in Argentinien verfiel, verdingte sich seine Kapelle als Bordorchester auf Kreuzfahrtschiffen.
Ein letztes Mal sah er Berlin wieder, als der Senat ihn eingeladen hatte, um ihn zu ehren.
Zwei Wochen vor seinem 81. Geburtstag starb Bela im argentinischen La Falda, wo er zur Erholung weilte.
Durch das Programm begleitet Sie Thomas Sosna.

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 10. Februar 2021, 21 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 11. Februar 2021, 13 Uhr

 

Du spinnst wohl?! - Spinnen und Spinnräder in der Musikgeschichte

Die aktuelle Folge dreht sich ganz ums Spinnrad. Denn in der klassischen Musik ist das surrende Handwerk ein beliebtes Thema. Die rotierende Bewegung ließ sich schon immer gut in Musik verwandeln. Und auch von der seelischen, romantischen Seite hatte das Spinnrad stets so etwas wie einen kleinen Magneten eingebaut, der Musikerinnen und Musiker aller Couleur in den Bann zog - von Franz Schubert, Camille Saint-Saëns und Antonín Dvořák bis zu Arvo Pärt und sogar Nina Hagen. Also: Jetzt geht's rund!
Moderation: Felix Werthschulte

  • Sendetermin: „Resonanz“, Mittwoch, 10. Februar 2021, 22 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 11. Februar 2021, 14 Uhr

 

Programminfos vom 29.01.2021 bis 31.01.2021

Holocaust-Gedenkkonzert

Entartete Musik – Musik und Rezitation mit Werken ver|rückter Künstler

Pia Viola Buchert, Mezzosopran; Maria Waloschek, Piano;

Christian Kleinert, Rezitation

„Entartete Musik“ – mit diesem Begriff wurden im Naziregime all jene Werke der musikalischen Moderne des 20. Jahrhunderts gebrandmarkt, die nicht der Ideologie des Nationalsozialismus entsprachen. Zu den verbotenen Klängen zählten insbesondere atonale Musik, jiddische Musik sowie Swing- und Jazzmusik aus Amerika. Aufführungen dieser Werke wurden unterbunden und Komponistinnen und Komponisten praktisch mundtot gemacht.  
Die beispiellose Verfolgungskampagne gipfelte in der Ausstellung „Entartete Musik“, die von Hans Severus Ziegler, NSDAP-Funktionär und damaliger Intendant des Weimarer Staatstheaters, organisiert worden war.
Nach dem Ende des zweiten Weltkriegs gab es zunächst existentielle Aufgaben zu bewältigen. Eine Rückbesinnung an verbannte, „entartete“ Künstlerinnen und Künstler und eine Wiederaufnahme deren Werke fanden nur schleppend und in geringem Ausmaß statt.  
Auf unterschiedlichste Art und Weise spiegelt das Schaffen „entarteter“ Komponisten Stimmungen und Schicksale eines von zwei Weltkriegen geprägten 20. Jahrhunderts wieder. Amerikanische, auf die damals neuartige Jazzmusik zurückzuführenden Einflüsse sind hierbei ebenso zu entdecken wie jüdische Folklore und avantgardistische Wendungen. Es handelt sich demnach keinesfalls um atonale, „schräge“ Musik, sondern vielmehr um Musik, die auf vielschichtige Art und Weise Bilder und Stimmungen einer ereignisreichen Zeit widerspiegelt.
Pia Buchert (Mezzosopran), Maria Waloschek (Klavier) und Christian Kleinert (Rezitation) lassen in ihrem Konzertprogramm mit Werken u.a. von Hindemith, Gershwin und Eisler und Texten von u.a. Bertolt Brecht, Otto Julius Bierbaum und Theodor Storm diese vergessene Musik wieder aufleben.
Da das traditionelle Gedenkkonzert zum 27. Januar in diesem Jahr nicht vor Publikum stattfinden kann, wurde die Veranstaltung in der Lutherkirche aufgezeichnet und wird im Offenen Kanal sowie im Freien Radio gesendet. Veranstalter sind das Evangelische Forum Kassel, die Gedenkstätte Breitenau, das Sara-Nußbaum-Zentrum, die Katholische Kirche Kassel und Nordhessen, die Gesellschaft für Christlich-jüdische Zusammenarbeit, der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, die Deutsch-Israelische Gesellschaft, der Verein „Gegen Vergessen – Für Demokratie“ sowie die Kasseler Volkshochschule. Unterstützt wird das Konzert durch die Kasseler Sparkasse und die Evangelische Kirche Kurhessen-Waldeck.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 29. Januar 2021, 18 Uhr

 

Henry Hall und das BBC-Tanzorchester, Folge 1 (1932-1933)

Von 1928 bis 1932 wurde das Tanzorchester des Britischen Rundfunks, der British Broadcasting Corporation, kurz BBC, von dem Pianisten Jack Payne geleitet. Dieser Formation haben wir inzwischen sieben Folgen „Tanzparkett“ gewidmet, eine achte und letzte soll folgen. Da wurde es Zeit, sich zwischendurch mit Paynes Nachfolger zu befassen, einem Kapellmeister, der es, wie Payne auch schon, nicht nur in England zu Ruhm und Ehren brachte, sondern durch die Rundfunkübertragungen und zahlreiche Plattenaufnahmen in ganz Europa und darüber hinaus. Der Mann, um den es geht, hieß Henry Hall (02.5.1898, Packham/ London - 28.10.1989 Eastbourne/ Sussex).
Mit dem Anfang 1932 angetretenen Engagement bei der BBC übernahm die bisherige Kapelle des Hotels Gleneagles auch den daran gekoppelten Exklusivvertrag mit der Columbia Graphophone Co., die für ihre Platten ein weltweites Vertriebsnetz besaß. Gute Voraussetzungen für eine steile Karriere des Orchesters, die auch folgen sollte, nachdem sie bis dahin eher dahingedümpelt war. Henry Hall hatte sich nach seinem Wehrdienst offenbar mehr schlecht als recht als Kapellmeister verschiedener Orchester einer Bahn-Hotelkette durchgeschlagen. Das Engagement im schottischen Hotel Gleneagles, für das er mit seinem Orchester Rundfunkwerbung treiben sollte - die Band nahm für die damals noch neue unabhängige Decca-Schallplatte auf - führte schließlich zu seiner Entdeckung durch die BBC.
Am 2. März 1932 wurde nach ersten Tests und einer Vier-Schlager-Platte die erste reguläre Industrieplatte eingespielt. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger Payne, aus dessen Kapelle später mehrere englische Bandleader hervorgehen sollten, wies Halls Personal keine derartigen Kräfte auf. Gleichwohl lieferte es solide, gefällig und sehr tanzbar arrangierte, handwerklich saubere Tanzmusik mit vereinzelten Hotambitionen - allerdings deutlich weniger als bei Payne. Dies entsprach durchaus dem Zeitgeschmack, nicht nur in England, und so wurde die Kapelle auch im Ausland gerne gehört und wohl vor allem nach ihrem Ausscheiden als Rundfunktanzorchester für Tourneen und Einzelauftritte gebucht.
Sogar in Berlin spielte das Orchester - nach Lange [1] von Januar bis Februar 1939 in der „Scala“ als Ersatz für das ebenfalls englische Jack-Hylton-Orchester, zur Freude der Kritik, die die Kapelle gnädig beurteilte - und zum Gram der deutschen Hotfans, denn Hyltons Band war erheblich stärker jazzorientiert. Auch der alte Jazzfan Lange läßt kaum ein gutes Haar an der Kapelle: „So steif, wie Henry Hall als Persönlichkeit war, spielte seine Band und sang seine hübsche Sängerin Molly Morelle: ein Tanzorchester von Format, mehr nicht.“ [1] Nach anderen Angaben trat die Kapelle bereits im Jahre 1938 in Berlin auf, wobei jedoch die englische Presse monierte, man habe, obwohl diese noch nicht verboten gewesen seien, auf Darbietungen von Schlagern jüdischer Komponisten verzichtet.
Selbst in der Sowjetunion wurden Platten von Henry Hall herausgebracht, um den Anfang der 30er auch dort vorhandenen Hunger nach moderner westlicher Tanzmusik zu stillen - als „Schwarzkopien“, d.h. Pressungen unautorisierter, aber technisch hervorragender Umschnitte, welche die sowjetische Plattenindustrie in dieser Zeit auch von etlichen deutschen Aufnahmen anfertigte. Der Redaktion liegt z.B. ein solcher Umschnitt des in der Sendung von Originalpressung gebrachten Titels „Oh, Johanna“ vor. Bei der BBC, bei der seine Truppe auch das erste reguläre englische Fernsehorchester darstellte, blieb Henry Hall bis 1937, um dann - wie schon sein Vorgänger Jack Payne - mit dem gesamten Personal dem Funk den Rücken zu kehren. Nun unternahm er auf eigene Rechnung Tourneen, wie schon erwähnt, auch nach Deutschland.
Im Kriege spielte die Kapelle zur Truppenbetreuung vor alliierten Soldaten. Hall kehrte schließlich als Gastgeber einer Radio- und späteren Fernsehsendung („Henry Hall’s Guest Night“) zur BBC zurück, wo er auch die Moderation der Sendereihe „Face The Music“ übernahm. Er verfaßte in der Nachkriegszeit seine Autobiographie. Am 28.10.1989 starb er in Eastbourne im Alter von 91 Jahren.
Besetzung [2] (Stand Januar ’33, kleine Abweichungen in früheren/ späteren Sitzungen möglich): Henry Hall (ld, arr), Frank Wilson, Arthur Williams (tp), Bill Mulraney, Eric Tann (tb), Burton Gillis (cl, as, voc, arr), Freddie Williams (cl, as), Eddie Cromar (cl, as, bars), Jack Halsall (cl, ts), Joseph Hitchenor, Cyril Hellier (vn), Jack Phillips (p), George Dickinson (g),
Theo Farrar (bb, sb), Len Bermon (dr).
Angezogene Literatur: [1] Lange, Horst H.: Jazz in Deutschland, Colloquium-Verlag, Berlin 1966,S. 93; [2] Rust, Brian & Forbes, Sandy: British Dance Bands On Record 1911 to 1945, General Gramophone Publications Ltd., 1987
Sämtliche Platten in dieser Sendung sind in London aufgenommen und auf Columbia (Co) erschienen. Nach Titel und Komponistenangabe folgt in spitzen Klammern die Matrizennummer, nach dem Aufnahmedatum die Bestellnummer.Eine weitere Sendung mit späteren Aufnahmen können Sie nächste Woche hören.
Note to English-speaking listeners: All titles contained in this edition were recorded in London and appeared on the Columbia label (Co). After title and credits matrix No. in acute brackets, order No. follows recording date (German scheme DD.MM.YY). In a week, you may hear a second edition covering later records.
Sänger/ vocalists (voc): LA - Les Allen, VR - Val Rosing, ? - unbekannt/ unknown, weitere Sänger ausgeschrieben/ names of further vocalists given in full text.
Wir bringen/ This broadcast will contain:
Songs That Are Old Live Forever (Warick - Wallace) <CA 12466> VR voc 02.3.32 Co CB 430
Hush, Hush, Hush, Here Comes The Bogey Man (Lowton -Benson) <CA 13048-1>
Teddy Bears‘ Picnic (Kennedy - Bratton) <CA 13051-1> VR voc 28.9.32 Co F.B. 2816
Dreaming (Bud Flanagan) <CA 13212-2> Chesney Allen, Bud Flanagan voc 4.11.32 Co CB 539
Lying In The Hay (Robert - Pepper/ Mireille) <CA 13249-1> LA, 2x ? voc 19.11.32 Co CB 539
Wanderer (Bud Flanagan) <CA 13255-1> Chesney Allen, Bud Flanagan voc 26.11.32 Co DM 1681
Always In My Heart (Turk - Coots) <CA 13256-1> LA voc 26.11.32 Co DM.1681
Just An Echo In The Valley (Woods - Campbell - Connelly) <CA 13295-1> LA voc 20.12.32 Co CB 544
Put A Little Springtime In The Winter Of Their Lives (Flanagan - T. Knox) <CA 13495-1> LA voc 14.3.33 Co DV 1059
Sweep (Furber -Ellis) <CA 13710-1>You Don’t Understand (Furber - Ellis) <13711-1> LA voc 14.6.33 Co DW 4172
Oh, Johanna (Lawrance) <CA 13799-1> LA, 2x ? voc 15.7.33 Co DM.1799
Everybody Loves My Marguerite (Woods - Campbell - Connelly) <CA 13800-1> LA voc 15.7.33 Co DM.1799
The Wedding Of Mickey Mouse (Pola - Vienna) <CA 13952-1> LA voc; LA, Burton Gillis, Phyllis Robins talking 25.9.33 Co DM.1823
It’s The Talk Of The Town (Symes - Neiburg - Lewinson) <CA 13953-1> Phyllis Robins voc 25.9.33 Co DM.1823
Who’s Afraid Of The Big Bad Wolf? (Curchill - Ronelli) <CA 14060-1> (Tonfilm: Drei kleine Schweinchen) LA, ? voc 16.10.33 Co DM.1814

  • Sendetermin: „Tanzparkett extra“, Sonntag, 31. Januar 2021, 17 Uhr
  • Wiederholung: Montag, 1. Februar 2021, 9 Uhr

 

Don´t you step on my blue suede shoes

Heute geht es um Rock’n’Roll-Originale. Und es geht, in Erinnerung an den unglückseligen Carl Perkins, auch geneologisch betrachtet, um dazugehörige schwarze und weiße ungezügelte wilde Geschwister der Musikgroßfamilie. Um Wegbereiter, denen ein separates Label "Rockabilly" angeheftet wurde. Solche wie Arthur "Big Boy" Crudup, B.B. King, Fats Domino und auch SUN-Kollegen wie Jerry Lee Lewis (der sich selbstbewußt den streitbaren Zusatz "The Killer", mehr oder minder verständlicherweise, anhängen ließ) und Johnny Cash.

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 31. Januar 2021, 19 Uhr

 

Programminfos vom 22.01.2021 bis 28.01.2021

Neujahrsansprache des OB

Die “überflüssigste Veranstaltung des Jahres“ – so nannte die HNA kürzlich den traditionsreichen Neujahrsempfang, der alljährlich im Januar zahlreiche Bürgerinnen und Bürger ins Kasseler Rathaus zieht. Ob dem tatsächlich so ist, hängt sicherlich von den individuellen Interessen ab. In diesem Jahr fällt das Event bekanntlich aus – aber der Kasseler Oberbürgermeister Christian Geselle hat es sich dennoch nicht nehmen lassen, seine Neujahrsansprache ersatzweise auf Band zu sprechen. Wir senden den Mitschnitt.
Im zweiten Teil der Sendung erinnern wir an Phil Spector, den wohl prominentesten und einflussreichsten Musikproduzenten überhaupt. Der umstrittene, psychisch labile und unberechenbare Platten-Tycoon, der die letzten Jahre seines Lebens wegen Mordes hinter Gittern verbringen musste, ist in der vergangenen Woche im Alter von 81 Jahren vermutlich an Covid 19 gestorben.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 22. Januar 2021, 18 Uhr

 

Konrad Beikircher zum 75.

Seit Jahrzehnten gilt Konrad Beikircher als DER Chronist des Rheinlandes: In zahllosen Kabarettprogrammen, Radiosendungen, Artikeln und Büchern hat er sich auf höchst unterhaltsame Weise mit der Mentalität und der Sprache des gemeinen Rheinländers beschäftigt und ist dabei immer wieder auf interessante Erkenntnisse gestoßen. Konrad Beikircher stammt ursprünglich aus Südtirol, aber er lebt bereits seit den 60er Jahren im Rheinland und hat sich inzwischen längst zum „Ehren-Rheinländer“ entwickelt. Nun wurde er 75 Jahre alt – wir würdigen ihn mit Ausschnitten aus seiner legendären „Rheinischen Trilogie“, einer Reihe von Kabarettprogrammen zum Thema Rheinland, die vor über 25 Jahren gestartet wurde und die statt der ursprünglich geplanten drei Teile mittlerweile mehr als 10 Folgen umfasst.

  • Sendetermin: „Kabarett live“, Freitag, 22. Januar 2021, 22 Uhr

 

ATTENTION! Don´t catch a Dyin´ Flu: Gitarrist Duke Robillard

Leider immer noch während der unseligen Corona-Zeiten:  Heute folgt der zweite Teil der kleinen Reihe mit großartigen Blues-Rock-Swing-Gitarristen, sozusagen Asse unter sich. Mit dabei sind der ungekrönte König des Rockabilly Carl Perkins, der Blues-Rock-Überflieger Eric Clapton, der Room Full Of Blues-Mitgründer Duke Robillard, und - aus Rio de Janeiro - die Band "Black Cadillac". Enjoy, Blues Lovers  and Afficionados ...

Sendetermin: „Long Distance Call“, Samstag, 23. Januar 2021, 18 Uhr

 

US-Swing der klassischen Phase, Folge 2/2016

Wieder einmal widmet sich „Tanzparkett extra “ der klassischen Swingzeit in der Wiederholung einer Sendung von 2016. Eine Auswahl von Platten verschiedener Orchester aus dem Höhepunkt dieser Stilrichtung können Sie als zweite Ausgabe einer Folge vom Sommer 2016 in „unserer“ Stunde am Sonntagnachmittag bzw. Montagmorgen hören.
Durch die Sendung begleitet Sie Peter Michael.
Note to English-speaking listeners:
Again, we will be dealing with the classical Swing Era, repeating the second part of  a 2016 double issue. You may hear a selection of records made by orchestras from the heyday of Swing in "our" hour on Sunday afternoon and/ or Monday morning respectively.
Your host will be Peter K. Michael.

  • Sendetermin: „Tanzparkett extra“, Sonntag, 24. Januar 2021, 17 Uhr
  • Wiederholung: Montag, 25. Januar 2021, 9 Uhr

 

Don´t you step on my blue suede shoes

Heute geht es um Rock’n’Roll-Originale. Und es geht, in Erinnerung an den unglückseligen Carl Perkins, auch geneologisch betrachtet, um dazugehörige schwarze und weiße ungezügelte wilde Geschwister der Musikgroßfamilie. Um Wegbereiter, denen ein separates Label "Rockabilly" angeheftet wurde. Solche wie Arthur "Big Boy" Crudup, B.B. King, Fats Domino und auch SUN-Kollegen wie Jerry Lee Lewis (der sich selbstbewußt den streitbaren Zusatz "The Killer", mehr oder minder verständlicherweise, anhängen ließ) und Johnny Cash.

  • Sendetermin: „Lonesome Trasveler“, Sonntag, 24. Januar 2021, 19 Uhr

 

Willkommen in 2021

Im Neujahrsempfang im Musiktaxi schauen wir mal, was das neue Jahr so bringt - und schon gebracht hat. Das alles natürlich mit dem passenden Soundtrack.

  • Sendetermin: „Musiktaxi“, Montag, 25. Januar 2021, 17 Uhr

 

Das Orchester Dajos Bela, Folge 13

Freier Fall

Erneut setzen wir unsere Reihe über den wohl produktivsten Kapellmeister fort, der je in Deutschland auf Schallplatten zu hören war.
Dajos Bela, bürgerlich Leo Holzmann oder Golzmann, 1897 in Kiew geboren und 1978 in La Falda, Argentinien, verstorben, war ab 1920 für die Lindströmgesellschaft in Berlin als Hausorchesterleiter und Violinist tätig. Vom „Vielaufnehmer“ Bela sind mehr als 11.000 Aufnahmen nachweisbar, die er in den dreizehn Jahren seiner Karriere in Deutschland hinterließ. Wohl jeder Schallplattensammler, der sich mit dem auch im „Tanzparkett“ betrachteten Zeitraum befaßt, besitzt etliche Aufnahmen dieser Formation.
In bisher zwölf Folgen zeigten wir den Weg Belas von der Salonkapelle zum jazzbeeinflußten semisymphonischen Tanzorchester à la Paul Whiteman.
In dieser Folge bringen wir Platten aus der Zeit von Juni 1931 bis März 1932. Noch immer bestimmt der Tonfilmschlager recht weitgehend das Tagesgeschäft der deutschen Plattenfirmen.
Wie in Amerika auch, bahnen sich, da einige Firmen in die Pleite zu rutschen beginnen, Konzentrationen am Plattenmarkt an. Die Lindström spürt das durch den Zuwachs an Künstlern und Matrizen aus den Studios der Homophon-Werke mit deren Hauptmarke Homocord. Im Jahr vorher hatte die Carl-Lindström-AG diese Gesellschaft erworben. Deshalb hören wir in dieser Folge die erste Aufnahme des früheren Homocord-Studiosängers Luigi Bernauer mit dem Orchester Dajos Bela. Die zunächst als Lindström-Untermarke weitergeführte Homocord wird 1932 fallengelassen.
Allerdings wurde bereits im März 1931 die Lindström ihrerseits von der englischen His Master’s Voice geschluckt, die durch die gleichfalls erfolgte Fusion mit der Columbia zum EMI-Konzern wurde. Carl Lindström mußte den Verkauf seines Lebenswerks noch miterleben; er starb im Dezember 1932.
Doch der Plattenkäufer merkte, abgesehen vom Verschwinden einiger altvertrauter Etiketten, wenig davon. Dies betraf im Zuge der Krise Marken wie Artiphon, die erst 1929 gegründete Ultraphon, die allerdings als Telefunkenplatte 1932 wiedererstand, sowie die mit ihr verbandelten anderen Marken im Küchenmeister-Claus-Konzern wie etwa Adler oder Clausophon.
Wie schon gesagt, waren Filmschlager besonders populär, aber vor allem auch Operetteneinlagen, denn es war die letzte wirklich große Zeit der Operettenbühne. So bringen wir z.B. in dieser Ausgabe Nummern aus der „Blume von Hawaii“ von Paul Abraham oder aus Benatzkys „Weißem Rößl“. Natürlich auch gefragt waren Tagesschlager und Tanzmusik aller Art. All diese Marktsegmente bediente die Lindström mit Dajos Bela nach wie vor reichlich.
Moden in der Tanzmusik kamen und gingen, wie zu allen Zeiten. War kurz zuvor noch der Paso doble der letzte Schrei gewesen, so war 1931 die von der Zuckerinsel Kuba auch nach Europa geschwappte Rumbawelle auf ihrem ersten Höhepunkt.
Die Zeiten wurden nicht besser. Nun wurden Platten, Kino, Revue und Operette noch mehr zur Ablenkung von der Wirklichkeit. Als die erste Platte unserer heutigen Ausgabe aufgenommen wurde, hatte gerade die Österreichische Creditanstalt ihre Zahlungsunfähigkeit erklärt, was schrittweise eine Bankenkrise in ganz Europa auslöste. Reichskanzler Brüning verkündete drastische Sparmaßnahmen und wandte sich gegen die Fortführung der Reparationszahlungen an die Siegermächte, womit er sich im Reichstag den Rücken nach rechts freihalten wollte. Doch dies wurde in Finanzkreisen als Bankrotterklärung des Deutschen Reiches aufgefaßt und führte zum Abspringen ausländischer Kreditgeber. Das Hoover-Moratorium, das dies verhindern wollte, konnte aufgrund französischer Störmanöver trotz seines Inkrafttretens im Juli 1931 nicht zur Auswirkung kommen. Die Reichsbank verlor ab Juni 1931 in wenigen Wochen durch Abzug ausländischer Einlagen über die Hälfte ihres Goldes und ihrer flüssigen Devisen. Durch die Pleite der Danat (Darmstädter und Nationalbank) war das Vertrauen der Deutschen in die Banken dahin. Als die Sparer versuchten, sich ihre Guthaben in bar auszahlen zu lassen, führte das endgültig zur Bankenkrise. Die Verhältnisse wurden immer unübersichtlicher. Der freie Fall ins Chaos hatte begonnen.
Wohin die Entwicklung mündete, ist bekannt. Dajos Bela war Jude und verließ Deutschland 1933, wie viele andere seiner Kollegen aus der Weimarer Zeit auch, für die ein Verbleib nach Machtantritt der NSDAP unmöglich geworden war. Ein künstlerischer Aderlaß, der in der deutschen Musik, auf Bühne und Leinwand bis weit in die Nachkriegszeit spürbar bleiben sollte. Die letzte Zeit Belas in Deutschland und der Beginn seiner Emigration werden Thema der vierzehnten und voraussichtlich letzten Folge über ihn sein, die wir im Laufe des Jahres bringen werden.
Durch das Programm begleitet Sie Thomas Sosna.

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 27. Januar 2021, 21 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 28. Januar 2021, 13 Uhr

 

Die lange „Handmade“-Nacht zum 20. Sendungsjubiläum im FRK

Im Januar feiert die Sendung „Handmade“ im Freien Radio Kassel ihren 20. Geburtstag. Ins Leben gerufen und über 16 Jahre lang moderiert wurde sie von Karsten Wagner alias „Cap K“. Dieser hatte sich bereits als Kind sehr für Musik interessiert und zusammen mit seinem besten Freund regelmäßig Radiomoderator gespielt. Als Karsten im Jahr 2000 dann Informationen über das FRK entdeckte, wuchs in ihm der Wunsch, dort einmal einen echten Moderationsversuch zu starten. Das Thema war schnell gefunden: zusammen mit seiner Schwester Katrin gab es eine Sondersendung über die gemeinsame Lieblingsband Sailor (bekannt von „Girls Girls Girls“, „A Glass Of Champagne“ usw.). Auf die erste Sondersendung folgte ein paar Wochen später eine Weitere. Im Januar 2001 begann Karsten dann schließlich mit der von nun an wöchentlichen Sendung namens „Handmade“. Das Motto: Es gibt so viel gute Musik, es muss sie nur jemand spielen. Handgespielte Lieder, Raritäten, lustige Konzertgeschichten und Interviews waren von da an jeden Mittwochabend im FRK auf 105,8 MHz zu hören – anfangs einstündig, später zwei- und dann auch oft dreistündig.
Karstens Tod im Oktober 2016 hinterließ eine Lücke, die nicht zu schließen war. Seine Schwester Katrin, die mit ihm gemeinsam zahllose Konzerte besucht und auch etliche Sendungen bestritten hatte, ist seitdem jedoch jeden zweiten Mittwochabend mit „Handmade“ zu hören und bringt weiterhin in seinem Sinne handgemachte Musik, bunt gemischt durch alle möglichen Stilrichtungen und Jahrzehnte.  
Besonderer Dank gilt hierbei Karstens FRK-Wegbegleitern Frank Weißenborn und Andreas Werner Gerner, ohne die es dieses Jubiläum und den vielen musikalischen Spaß nicht geben würde.  
Die beiden Sonderausgaben zur Feier des Geburtstags, die in den vergangenen Wochen schon in „Handmade“ liefen, werden nun nochmal mit einigem zusätzlichen Material in der langen „Handmade“ Nacht vereint. Solltet ihr also etwas verpasst haben oder noch einmal hinein hören möchten, könnt ihr das in der Nacht von Donnerstag, 28. Januar ab Mitternacht bis Freitag, 29. Januar, 6:00 Uhr tun.
Hier gibt es dann nochmal jede Menge Musik, Konzertgeschichten, Grußbotschaften, Studiogäste und Ausschnitte der interessantesten Interviews aus den vergangenen 20 Jahren.  
Mit dabei in Interviewausschnitten sind u.a. von Sailor drei der Originalmitglieder Georg Kajanus, Grant Serpell und Phil Pickett, Eric Martin von Mr. Big, Achim Reichel, Candice Night von Blackmore’s Night, Pete Lincoln von FRONTM3N, Kai Havaii und Stefan Kleinkrieg von Extrabreit, Christina Lux, Herwig Mitteregger, Mike Gerhold, Anna Katharina Kränzlein von Schandmaul, Musical-Komponist Rob Alderton und noch viel mehr.

  • Sendetermin: „Lange Nacht“, Donnerstag, 28. Januar 2021, 24 Uhr

Programminfo 16.01.2021 bis 17.01.2021

Qrew on Air

Im unregelmäßigen Rhythmus bespricht die qrew politische Themen, die uns bewegen, im Rahmen der Sendung “LILI - Libertäre Informationen lokaler Initiativen“.
Diesmal bringen wir eine Buchbesprechung. Wieder von zu Hause (und deswegen nicht immer mit der besten Tonqualität), sprechen wir in der heutigen Sendung über das Buch "Scham umarmen. Wie mit Privilegien und Diskriminierungen umgehen?" von Sannik Ben Dehler sowie über unsere eigenen Erfahrungen und Umgänge mit Scham.
Außerdem machen wir auf das für Frühjahr 2021 geplante Projekt "Queer in Nordhessen?! – Erfahrungen hörbar machen" aufmerksam: https://qrewkassel.noblogs.org/post/2020/12/27/aufruf-queer-in-nordhessen-erfahrungen-hoerbar-machen/

  • Sendetermin: „LiLi“, Samstag, 16. Januar 2021, 20 Uhr

 

Zarte Frauenstimmen und ein toter Cowboy

Unsere Dreistundensendung im Überblick: Tolle Musik aus den Frühsechzigern mit Little Eva. Ihr großer Hit 1962: "Llllloco-Motion". Damals begann auch in Deutschland die Twist-Welle, und in der Kasseler Stadthalle wurden die legendären Twist-Battles ausgetragen. Bands und Fans kamen aus ganz Westdeutschland dafür angereist - Kassel als Musikmetropole (noch bevor die  dOCUMENTA das internationale Kulturereignis wurde)!
Die fantastische Carole King aus New York ist mit gleich zwei Komplettalben vertreten: „Pearls – Songs Of Goffin And King“ von 1980 sowie „Simple Things“ von 1981. Sie schrieb seinerzeit unter dem international bekannten Logo "Goffin / King" nicht nur für Little Eva zahlreiche Songs (Gerry Goffin war Caroles Ehemann, Little Eva ihre Babysitterin). Die beiden verfaßten übrigens auch für das großartige Byrds-Album „The Notorious Byrd Brothers“ (1967) die Titel „Going Back“ sowie den Antikriegssong "Wasn´t born to follow", der später auch für den „Easy Rider“-Soundtrack verwendet wurde.
Auch Country-Pop-Sänger Kenny Rogers meldet sich in dieser Folge nochmal zu Wort. Runde 60 Jahre war der populäre Sänger, Songwriter und Schauspieler aktiv. Zu Lebzeiten bereits hat er weit über 100 Millionen Tonträger verkauft und zählte zu den erfolgreichsten Sängern weltweit. Von ihm hören wir eine kleine Auswahl, "Ruby, don´t take your love to town" u.v.a.  Kenny Rogers ist im Frühjahr 2020 gestorben.

  • Sendetermin: “Die Lange Rille”, Samstag, 16. Januar 2021, 21 Uhr

 

US-Swing der klassischen Phase, Folge 1/ 2016

Wieder einmal widmet sich „Tanzparkett extra “ der klassischen Swingzeit in der Wiederholung einer Sendung vom Juli 2016. Eine Auswahl von Platten verschiedener Orchester aus dem Höhepunkt dieser Stilrichtung können Sie als erste von zwei Ausgaben in „unserer“ Stunde am Sonntagnachmittagabend bzw. Montagmorgen hören. Zweiter Teil folgt!
Durch die Sendung begleitet Sie Peter Michael.
Note to English-speaking listeners:
Again, we will be dealing with the classical Swing Era, repeating a July 2016 issue. You may hear a selection of records made by orchestras from the heyday of Swing in "our" hour on Sunday afternoon and/ or Monday morning respectively. A second part will follow.
Your host will be Peter K. Michael.

  • Sendetermin: „Tanzparkett extra“, Sonntag, 17. Januar 2021, 17 Uhr
  • Wiederholung: Montag, 18. Januar 2021, 9 Uhr

 

Smokey Joe´s Café - Rockabilly/Rock & Roll

Kennt noch jemand "Dick Brave & The Backbeats" aus Soest/Westfalen? Dick Brave  alias "Sasha" war früher mal ´ne große Pop-Nummer. Irgendwann entlang seines kurvenreichen Karriereweges hat der junge Mann sein Herz für den originalen Rock & Roll der 50er Jahre wieder-entdeckt. Und dieser Umstand ließ sein gut durchblutetes Herz so hoch schlagen, daß er sich seinen Traum von einer eigenen Rockabilly-Band kurzfristig mit alten Musikkumpels verwirklichte - so richtig mit originalem Equipment, Klasse Gitarren, altem Caddy und Nostalgieklamotten. Die erste Scheibe "Dick This!" (2003) sorgte ganz fix für Furore in der deutschen Szene und beim tanzbegeistertem Publikum. Die Band war auch in Kassel und auf Einladung unserer Kollegin Christine Helmeke (The "Rockabilly Queen") hier aus dem FRK (damals noch in der legendären Kulturfabrik Salzmann) über den regionalen Äther zu hören. In dieser Folge bringen wir nochmal einige ihrer Tracks sowie etliche Originale der dargebotenen Coverversionen. Interessante Vergleiche!
Mit dabei sind die Coasters, Eddie Cochran u.a.

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 17. Januar 2021, 19 Uhr

Programminfos vom 08.01.2021 bis 13.01.2021

Ortsvorsteher im Gespräch

Aus 23 Stadtteilen besteht Kassel – und jeder Stadtteil hat einen eigenen Ortsbeirat, der jeweils von einem Ortsvorsteher bzw. einer Ortsvorsteherin geleitet wird. Auch wenn gelegentlich über die Frage debattiert wird, ob die Ortsbeiräte (als ehrenamtlich besetzte Gremien) tatsächlich größeren Einfluß auf die politischen Entscheidungen der Stadt haben, so fungieren die Beiräte dennoch als wichtige Ansprechpartner für Bürgerinnen und Bürger und als Schnittstelle zwischen dem jeweiligen Stadtteil und der „großen“ Politik im Rathaus.
Klaus Schaake, Moderator der FRK-Sendungen „Stadtlabor“ und „Viaje Radial“, hat sich vorgenommen, für seinen neuen Podcast „Stadtteilzeit“ sämtliche 23 Kasseler Ortsvorsteher zu befragen. Heute sind dabei: Hans Roth (Rothenditmold), Helmut Alex (Süsterfeld-Helleböhn).
Außerdem in der Sendung: Rezension des Romans „Ein Mann der Kunst“ von Kristof Magnusson.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 8. Januar 2021, 18 Uhr

 

Tilt 2020

Aus der „Anstalt“ des ZDF ist er schon lange ausgeschieden – trotzdem gehört Urban Priol weiterhin zu den führenden politischen Kabarettisten. Neben seinen umjubelten Auftritten mit dem jeweils aktuellen Bühnenprogramm präsentiert Priol seit vielen Jahren seinen kabarettistischen Jahresrückblick „Tilt“, in dem er mit scharfem Blick auf die Ereignisse des jeweils zurückliegenden Jahres schaut. Mitleid mit dem politischen Personal kennt er dabei nicht – gnadenlos seziert er die Zustände im Land (und außerhalb) und überschüttet die Verantwortlichen mit satirischem Spott und teils bösartiger Häme – aber immer extrem witzig und auf hohem sprachlichen Niveau. Und auch sein Rückblick auf das Jahr 2020 belegt: Nach Dieter Hildebrandts Tod und Georg Schramms und Volker Pispers‘ Rückzug von der Bühne ist Urban Priol einer der wenigen verbliebenen wahren Kabarett-Titanen, die wir in Deutschland noch haben. Leider konnte der Meister der scharfen Zunge seinen Jahresrückblick diesmal nicht vor Publikum spielen – aber zumindest gibt’s eine Studioaufzeichnung.

  • Sendetermin: „Kabarett live“, Freitag, 8. Januar 2021, 22 Uhr

 

Nicht nur in Corona-Zeiten: Be Careful With A Fool!

Schwierige Zeiten, schlechter Start ins neue Jahr: Der Corona-Lockdown geht auch an uns Radiomachern nicht spurlos vorüber. Also, das Aufnahmestudio gründlich gelüftet, die Ärmel hochgekrempelt (noch ist´s erlaubt), und ausgewählt gute Mucke gesendet!
 Im Blues-Magazin sind heute mit dabei u.a. die originalen Canned Heat, die Multitalente "Gatemouth" Brown, Bonnie Raitt, Anson Funderburgh & Sam Myers, Tracy Nelson, der Titelgeber Johnny Winter u.a.  Plus seltene Gäste: Aus Rio de Janeiro/Brasilien die Band "Black Cadillac". Auch die Wegbereiter des frühen Chess-Labels Jimmy Rogers und Muddy Waters aus Chicago sind zu hören, genauso wie Duke Robillard (Roomful of Blues). Genau aufgemerkt und richtig hingehört - und schon sieht die gegenwärtige Situation gleich ganz anders aus ... 

  • Sendetermin: „Long Distance Call“, Samstag, 9, Januar 2021, 18 Uhr

 

Ain´t Got Nothing To Lose: Bobby Bare / Kenny Rogers

Die fast Blues-mäßig klingende Zeile ist das Titelstück eines Albumklassikers von Bobby Bare aus dem Jahre 1982. Sein stotternder Karrierebeginn während der 60er Jahre führte ihn u.a. mit Novelty-Songs wie dem "All American Boy", "Numbers", "Tequila Sheila", dem Klassiker "Green green Grass of Home" und "What if, Daddy" nach ganz oben. Im Lauf der Jahre hat der Künstler mit Klasse-Songwritern wie Shel Silverstein, Kris Kristofferson, Ian Tyson, Tompall Glaser, Guy Clark und Billy Joe Shaver zusammengearbeitet.
In der Welt der großen Country-Stars konnte er sich die Hände schütteln mit einem ebenfalls unvergessenen Superstar des Genres - Kenny Rogers. Der wiederum ist im Frühjahr des Vorjahrs gestorben (+ 20. März 2020). So now let´s hear it - we all are looking forward.

  • Sendetermin: “Die Lange Rille”, Samstag, 9. Januar 2021, 21 Uhr

 

And The Winner Is: Bobby Bare 

Erstaunlich, der Künstler (gleicher Geburtsjahrgang wie Elvis) mischt sich immer noch mal wieder mit ein. Bobby Bare blickt auf eine lange Liste von Erfolgen zurück. Er konnte zahlreiche Charts-Notierungen verzeichnen und lieferte tolle Country-Alben ab (siehe aktuelle "Lange Rille").
In dieser Folge bringen wir eine lockere Reihe etlicher seiner Ohrwürmer. Mit dabei: "Detroit City", "500 Miles Away From Home", "Miller´s Cave", "All American Boy", "Marie Laveau", "Streets of Baltimore", "The Jogger", "The Winner" u.a.m.  

  • Sendetermin: “Lonesome Traveler”, Soinntag, 10. Januar 2021, 19 Uhr

 

Interview mit Bruno Kern zu seinem Buch "Das Märchen vom grünen Wachstum"

Bruno Kern plädiert für eine solidarische und nachhaltige Gesellschaft. Er hinterfragt den "green new deal" und fordert eine industrielle Abrüstung, die die kapitalistische Wirtschaft durch eine öko-sozialistische ersetzt. Eindringlich warnt er vor den Grenzen marktkonformer Lösungen für die Zangengriffskrise aus Klimakollaps und Erschöpfung der Energie- und Rohstoff-Ressourcen. Die Kapazitäten der alternativen Energiequellen werden nicht ausreichen, den heutigen Bedarf zu decken. Wie schaffen wir eine solidarische Gesellschaft, die mit wesentlich weniger Ressourcen auskommt?

  • Sendetermin: „attac-Radio“, Dienstag, 12. Januar 2021, 21-22 Uhr

 

Aufschwung

"Aufschwung" steht als Titel über der ersten Sendung des neuen Jahres.
Der Titel eines ziemlich bekannten Klavierstücks von Robert Schumann aus den "Fantasiestücken" ist heutzutage eher ein optimistische Vision als
Realität: Die Musikwelt, und mit ihr auch die Klassik-Szene, ist durch Corona arg gebeutelt, wenn nicht an vielen Orten existenziell bedroht.
Um so mehr kann man sich immer wieder bewusst machen, bei allen Widrigkeiten nie den Optimismus zu verlieren.
Weitere fröhliche Werke in dieser Sendung stammen von so elaboriert humorvollen Komponisten wie Johann Sebastian Bach, Ludwig van Beethoven, Eric Idle und Antonín Dvořák. Dessen 9. Symphonie mal wieder hervorzukramen, hat noch einen anderen Grund: 2021 ist Dvořák-Jahr! Am 8. September vor 180 Jahren erblickte der großartige romantische Komponist das Licht der Welt. Es ist noch ein bisschen hin bis zur großen Feier, aber wir fangen einfach schon einmal an!

  • Sendetermin: „Resonanz“, Mittwoch, 13. Januar 2021, 22.00 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 14. Januar 2021, 14.00 Uhr

 

Das Orchester Dajos Bela, Folge 12

Scheinbare Normalität

Nach längerer Pause - die letzte Ausgabe lief am 22.April 2020 - setzen wir nun unsere Reihe über den wohl produktivsten Kapellmeister fort, der je in Deutschland auf Schallplatten zu hören war.
Dajos Bela, bürgerlich Leo Holzmann oder Golzmann, 1897 in Kiew geboren und 1978 in La Falda, Argentinien, verstorben, war ab 1920 für die Lindströmgesellschaft in Berlin als Hausorchesterleiter und Violinist tätig. Vom „Vielaufnehmer“ Bela sind mehr als 11.000 Aufnahmen nachweisbar, die er in den dreizehn Jahren seiner Karriere in Deutschland hinterließ. Wohl jeder Schallplattensammler, der sich mit dem auch im „Tanzparkett“ betrachteten Zeitraum befaßt, besitzt etliche Aufnahmen dieser Formation.
In bisher elf Folgen zeigten wir den Weg Belas von der Salonkapelle zum jazzbeeinflußten semisymphonischen Tanzorchester à la Paul Whiteman.
In dieser Folge behandeln wir den Zeitraum von August 1930 bis bis Juni 1931.
Trotz der nun immer stärker spürbaren Wirtschaftskrise waren es immer noch gar keine so schlechten Zeiten für die Schallplattenfirmen - zumindest im Vergleich zu den Jahren, die noch kommen sollten; den Tiefpunkt durchlief die deutsche Plattenindustrie erst 1934.
Also ging in den Aufnahmestudios noch fast alles seinen gewohnten Gang. Nur wenige Orchester, so z.B. das von Efim Schachmeister bei der Lindström-Konkurrenzfirma Grammophon, dessen Vertrag Ende 1930 nicht mehr verlängert wurde, merkten schon direkt etwas von der Krise.
Sowohl für den Inlandsmarkt als auch für den Export wurde bei den deutschen Plattenfirmen fleißig aufgenommen. Die Sendung bringt dafür verschiedene Beispiele. Der Tonfilmschlager stand hoch im Kurs - im Kino konnte man zumindest für einige Zeit die immer trüber werdende Wirklichkeit für einen Pfennigbetrag draußen vor der Tür lassen. Einige Filme aus jener Zeit sind heute noch allbekannt, so z.B. die Komödie „Die Drei von der Tankstelle“, aus der wir mehrere Versionen der Hauptschlager spielen. Viele andere Filme, obwohl künstlerisch oft anspruchsvoller, sind dagegen heute aus verschiedenen Gründen vergessen. Die Tonfilmproduktion der Weimarer Republik war rastlos und zahlenmäßig aus heutiger Sicht ungeheuerlich. Babelsberg war - nach Hollywood - zweitwichtigste Filmstadt der Welt.
Bis zum Frühjahr 1931 funktionierte immerhin in Europa das Bankwesen noch einigermaßen normal. Die deutschen Banken gerieten im Juli 1931 in die Krise, also in der Zeit, die wir mit der 13. Folge unserer Dajos-Bela-Reihe abdecken wollen. Die Arbeitslosenzahl in Deutschland allerdings hatte sich gegenüber dem Stand der guten Zeiten der 20er Jahre etwa verdreifacht und lag Anfang 1930 bei etwa 3,5 Millionen. Dies führte man zunächst auf saisonale Schwankungen zurück, was sich aber als falsch erweisen sollte, denn auch im Sommer zeigte sich keine Besserung der Lage. Am Jahresende schließlich waren 5 Millionen Deutsche ohne Beschäftigung. Die Sparpolitik der Regierung Brüning, die ab dem 31. März 1930 Deutschlands Geschicke lenkte, half der Wirtschaft nicht auf die Beine.
Wer aber noch Arbeit und Geld hatte, kaufte sich - getreu dem Motto „Jetzt erst recht!“ - weiterhin neue Platten. Der Schlager konnte noch stets als Instrument zur Erzeugung des Anscheins von Normalität dienen, selbst später im Kriege.
Doch noch sind wir nicht soweit. Was noch kommen sollte und wohin die Auswirkungen der Krise und der Weltpolitik viele Künstler in den nächsten Jahren verschlagen würden, konnte noch niemand ahnen. Dajos Belas Weg führte nach 1933 über Paris bis nach Argentinien, wo er wieder für seine alte Plattenfirma aufnahm und ein Café betrieb, in dem er auch auftrat.
Das wird allerdings Thema der abschließenden Folge sein.
In dieser Ausgabe hören Sie, wie schon gesagt, Dajos Bela mit einer Auswahl an Tages- und Tonfilmschlagern aus den letzten „goldenen“ Jahren der deutschen Schallplattenindustrie.
Durchs Programm begleitet Sie Thomas Sosna.

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 13. Januar 2021, 21 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 14. Januar 2021, 13 Uhr

 

Neue Nachtprogramme

Ja, es wurde wieder mal Zeit: Nach etlichen Monaten ändert das FRK zum Jahreswechsel seine Nachtprogramme. Wie immer, so gibt’s auch in der neuen Saison wieder hauptsächlich ausführliche Musik-Specials zu bestimmten Künstlern oder Epochen zu hören. Dabei sind diesmal u.a. die Talking Heads, Canned Heat oder auch die legendäre Jazzrock-Combo Weather Report. Außerdem gibt’s zwei neue Folgen aus der beliebten Reihe „A Young Person’s Guide“ zu hören, in deren Mittelpunkt John Lennon und Yoko Ono bzw. Pink Floyd stehen.

  • Sendetermine „Nachtprogramm“, jeweils täglich ab Mitternacht bzw. montags und freitags ab 1 Uhr

Programminfos vom 31.13.2020 bis 07.01.2021

Vor 100 Jahren - Die Schlager des Jahres 1920

Das Jahr 2020 geht zu Ende. Was es uns gebracht hat ... davon schweigen wir lieber.
Aber auch vor 100 Jahren war nicht alles Gold, was glänzte. Der Sieg im Weltkrieg war für Amerika, England und Frankreich überschattet von den Nachwehen der Spanischen Grippe, die im Vorjahr gewütet und Millionen Tote gefordert hatte und deren dritte Welle im Frühjahr 1920 in den USA vor allem vielen Jüngeren das Leben gekostet hatte. In Deutschland gewann nach dem verlorenen Krieg die Inflation mehr und mehr an Schrecken. So besaß die Mark 1920 nur noch ein Zehntel des Wertes gegenüber dem Dollar wie ein Jahr vorher. Doch das Schlimmste sollte in den kommenden drei Jahren erst noch folgen.
Trotzdem - oder gerade deshalb - wollte das Publikum nicht auf Musik, Tanz und Schlager verzichten.
Wir stellen Ihnen eine Auswahl der großen Schlager des Jahres 1920 in einer zweistündigen Sendung zum Jahresabschluß vor.
Es begleitet Sie Thomas Sosna am Mikrophon.

  • Sendetermin: „Tanzparkett extra“, Donnerstag, 31. Dezember 2020, 20-22 Uhr
  • Wiederholung: Freitag, 1. Januar 2021, 12-14 Uhr

 

Resonanzboden - Regieassistenten am Staatstheater Kassel stellen sich vor

Zur 150. Ausgabe der verdienstvollen Reihe „Resonanzboden“ lud die Fördergesellschaft Staatstheater Kassel e.V. im Oktober 2020 ins Opernfoyer – damals waren öffentliche Veranstaltungen zumindest unter bestimmten Bedingungen noch zugelassen. Die Veranstaltungsreihe ermöglicht dem Publikum regelmäßig Einblicke in unterschiedlichste Arbeitsbereiche des Theaters und den Austausch mit Künstlern und Mitarbeitern. Im Gespräch mit Hansgeorg Kling von der Fördergesellschaft stellen sich diesmal die Regieassistenten Lieselotte Reich (Musiktheater) und Thomas Wittkop (Schauspiel) vor. In der ersten „Themenwechsel“-Sendung des Jahres 2021 senden wir einen Mitschnitt.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 1. Januar 2021, 18 Uhr

 

CD-Tips für Musikfreunde, Teil 2

Wie bereits in früheren Jahren, so haben wir auch diesmal wieder über mehrere Sendungen eine Reihe repräsentativer CD-Boxen vorgestellt, die in den vergangenen 12 Monaten erschienen sind und die sich bestens als Weihnachtsgeschenke eignen. Zwar ist das Fest nun vorbei – aber es gibt noch reichlich großartige Editionen, die unbedingt vorgestellt werden müssen und für die man möglicherweise das Weihnachtsgeld nutzen kann. Mit dabei sind diesmal: u.a. Iron Butterfly, Trees, Divine Comedy, UFO, Racing Cars, Focus.

  • Sendetermine: „FRK spezial – CD-Tips für Musikfreunde, Teil 2“, Freitag, 1. Januar 2021, 22 Uhr

 

Tanzmusik und Jazz aus Skandinavien (Wh. v. 2017)

2017 gab es im „Tanzparkett“ einen kleinen Schwerpunkt mit skandinavischen Platten.
Die ausgeprägte Musikalität, die von jeher auch in der Folklore zum Ausdruck kommt, prädestinierte die nordischen Länder zum Aufbau einer vielseitigen Jazz-und Tanzmusikszene, die heute ihrerseits schon längst zur dortigen musikalischen Tradition gehört.
Durchs Programm führt Peter Michael.

  • Sendetermin: „Tanzparkett extra“, Sonntag, 3. Januar 2021, 17 Uhr
  • Wiederholung: Montag, 4. Januar 2021, 9 Uhr

 

Das Jubiläum – 20 Jahre “Handmade”

Im Januar feiert die Sendung „Handmade“ im Freien Radio Kassel ihren 20. Geburtstag. Ins Leben gerufen und über 16 Jahre lang moderiert wurde sie von Karsten Wagner alias „Cap K“. Er hatte sich bereits als Kind sehr für Musik interessiert und zusammen mit seinem besten Freund regelmäßig Radiomoderator gespielt. Als Karsten im Jahr 2000 dann Informationen über das FRK entdeckte, wuchs in ihm der Wunsch, dort einmal einen echten Moderationsversuch zu starten. Das Thema war schnell gefunden: Zusammen mit seiner Schwester Katrin gab es eine Sondersendung über die gemeinsame Lieblingsband Sailor (bekannt von „Girls Girls Girls“, „A Glass Of Champagne“ usw.). Auf die erste Sondersendung folgte ein paar Wochen später eine weitere. Im Januar 2001 begann Karsten dann schließlich mit der von nun an wöchentlichen Sendung namens „Handmade“. Das Motto: Es gibt so viel gute Musik, es muß sie nur jemand spielen. Handgespielte Lieder, Raritäten, lustige Konzertgeschichten und Interviews waren von da an jeden Mittwochabend im FRK auf 105,8 MHz zu hören – anfangs einstündig, später zwei- und dann auch oft dreistündig.
Karstens Tod im Oktober 2016 hinterließ eine Lücke, die nicht zu schließen war. Seine Schwester Katrin, die mit ihm gemeinsam zahllose Konzerte besucht und auch etliche Sendungen bestritten hatte, ist seitdem jedoch jeden zweiten Mittwochabend mit „Handmade“ zu hören und bringt weiterhin in seinem Sinne handgemachte Musik, bunt gemischt durch alle möglichen Stilrichtungen und Jahrzehnte.  
Besonderer Dank gilt hierbei Karstens FRK-Wegbegleitern Frank Weißenborn und Andreas Werner Gerner, ohne die es dieses Jubiläum und den vielen musikalischen Spaß nicht geben würde.  
Am 6. Januar und am 20. Januar 2021, 19 bis 21 Uhr, wird es anläßlich des 20. Jubiläums von „Handmade“ jeweils eine zweistündige Sonderausgabe geben, in der der Sendungsgeburtstag gebührend gefeiert wird. Hierzu gibt es jede Menge Musik, Konzertgeschichten, Grußbotschaften, Studiogäste und Ausschnitte der interessantesten Interviews aus den vergangenen 20 Jahren.  
Mit dabei in Interviewausschnitten u.a. von Sailor drei der Originalmitglieder Georg Kajanus, Grant Serpell und Phil Pickett, Eric Martin von Mr. Big, Achim Reichel, Candice Night von Blackmore’s Night, Pete Lincoln von FRONTM3N, Kai Havaii und Stefan Kleinkrieg von Extrabreit, Christina Lux, Herwig Mitteregger, Mike Gerhold, Anna Katharina Kränzlein von Schandmaul, Musical-Komponist Rob Alderton und noch viele mehr.

  • Sendetermine: „Handmade – Das Jubiläum, Teil 1“: Mittwoch, 6. Januar 2021, 19-21 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 7. Januar 2021, 11-13 Uhr
  • Teil 2: Mittwoch, 20. Januar 2021, 19-21 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 21. Januar 2021, 11-13 Uhr

Programminfos von 25.12.2020 bis 31.12.2020

Advent, Advent, das Radio brennt

Alina ist noch nicht in Weihnachtsstimmung – das wollen wir schnellstens ändern! Wie? Keine Ahnung – aber laßt euch überraschen, wenn Frank mal wieder eine Currywurst „Stufe 8“ vorm Mikrophon verspeist (dieses Jahr selbstgemacht und nicht, wie üblich, vom Weihnachtsmarkt), Christian Weihnachts-Fake-News seziert und Torben versucht, beim Absingen der bekannten Weihnachtslieder den richtigen Ton zu treffen.
PS: Vielleicht schaffen wir’s diesmal, das Radio wirklich abzufackeln – ansonsten müßt ihr diese Sendung im nächsten Jahr wieder ertragen!

  • Sendetermin „Advent, Advent, das Radio brennt“, Sonntag, 25. Dezember 2020, 18 Uhr

 

CD-Tips für Musikfreunde, Teil 1

Wie bereits in früheren Jahren, so haben wir auch diesmal wieder über mehrere Sendungen eine Reihe repräsentativer CD-Boxen vorgestellt, die in den vergangenen 12 Monaten erschienen sind und die sich bestens als Weihnachtsgeschenke eignen. Zwar ist das Fest nun vorbei – aber es gibt noch reichlich großartige Editionen, die unbedingt vorgestellt werden müssen und für die man möglicherweise das Weihnachtsgeld nutzen kann. Mit dabei sind diesmal: u.a. Kinks, Drones, Immaculate Fools, Shakin’ Stevens, Free Design, Bob Marley.

  • Sendetermine: „FRK spezial – CD-Tips für Musikfreunde, Teil 1“, Freitag, 25. Dezember 2020, 22 Uhr

 

It´s a Blue(s) Christmas

Wie leider bereits seit längerem absehbar: Weihnachtssendungen in Radio und Fernsehen fallen in diesem Jahr eher trübe aus - und nicht nur aufgrund der aktuellen Wetterlage. Nicht so im Freien Radio Kassel – bei uns gibt’s keinen „Radio-Lockdown“, und unsere Moderatoren verfallen auch nicht in düstere Melancholie; eher im Gegenteil..
Auch im „Long Distance Call“ gibt‘s Sounds aus dem eher warmen Süden, dem "good ole sunny South". Sie könnten die Stimmung aufhellen, aufmuntern mit relaxten entspannten Klängen. Diese Folge eröffnet der Gitarristen-Superstar Jimi Hendrix mit einem Blues-Klassiker, "Red House" (1967) - eine kleine Erinnerung an den großen Blues-Mann, der vor 50 Jahren gestorben ist.  
Einige hintersinnige und schräge Songs sind außerdem mit dabei - so von Stefan Grossman, Tony Joe White (dem "Swamp Fox"), dem Armenier Leon Redbone aus Toronto/Canada und auch von der "Queen of Soul", Aretha Franklin.
Und immer schön gesund bleiben, gell.

  • Sendetermin: „Long Distance Call“, Samstag, 26. Dezember 2020, 18 Uhr

 

Tanzmusik und Jazz aus Skandinavien (2017)

2017 gab es im „Tanzparkett“ einen kleinen Schwerpunkt mit skandinavischen Platten.
Die ausgeprägte Musikalität, die von jeher auch in der Folklore zum Ausdruck kommt, prädestinierte die nordischen Länder zum Aufbau einer vielseitigen Jazz-und Tanzmusikszene, die heute ihrerseits schon längst zur dortigen musikalischen Tradition gehört.
Durchs Programm führt Peter Michael.

  • Sendetermin: „Tanzparkett extra“, Sonntag, 27. Dezember 2020, 17 Uhr
  • Wiederholung: Montag, 28. Dezember 2020, 9 Uhr

 

Inbetween Times - Werner Lämmerhirt

Dieser ganze Kram da draußen nervt. Graues Wetter, Corona-Pest, gestreßte vermummte Leute allenthalben. Wie soll das alles enden? Mit gut gespielter Gitarrenmusik zum Jahresausklang eventuell. Einer, der das wirklich gut drauf hatte, war der selige Werner Lämmerhirt. Der ist nun leider auch nicht mehr - gestorben im Oktober 2016 (nicht an Corona). Ein früher Gitarren-Meister der Picking-Technik in Deutschland.  
Werner Lämmerhirt war ein Folkie der ersten Stunden - kongenialer Begleiter für Hannes Wader während der 1970er Jahre, und etliche andere. Er hat unter seinem Namen erst etwas später begonnen, Platten zu veröffentlichen. Die meisten (aus seinem umfangreichen Katalog) blieben keine Insider-Scheiben. Den Anfang machten die Alben für das feine Stockfisch-Label aus Northeim. Auch auf den damals angesagten Festivals und internationalen Kulturveranstaltungen war Werner für Gitarren-Freaks das Highlight. In dieser Folge bringen wir einen kurzen akustischen Rückblick auf sein umfangreiches Schaffen (1. Teil  =  "Inbetween Times" / Stockfisch Reords, 1992).

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 27. Dezember 2020, 19 Uhr

 

Krippenspiel 2.0 oder: Weihnachtslieder auch mal anders

Weihnachtsmusik, das ist mehr als „Last Christmas“ oder das Weihnachtsoratorium.  Weihnachtsmusik kann still und getragen, aber auch fröhlich und laut oder feierlich und ein bisschen „schnulzig“ daherkommen. Sie kann klassisch oder modern sein und vielleicht auch ein bisschen folkig? Auch der Humor sollte nicht zu kurz kommen, und schließlich gibt es noch die Künstler, die das eine oder andere auch mal kritisch hinterfragen. Um all das wird es in der Weihnachtssendung der „Liederleute“ gehen. Es gibt viel gesungenes, aber auch das eine oder andere Instrumentalstück. Am Mikrophon begleitet Sie Claudia Gerike, die diese Sendung auch zusammengestellt hat.

  • Sendetermin: „Liederleute“, Dienstag, 29. Dezember 2020, 20–22 Uhr
  • Wiederholung: Mittwoch. 30. Dezember 2020 12–14 Uhr.

 

Jazz und Tanzmusik aus Italien, Folge 10

In der zehnten Folge unserer kleinen Reihe bringen wir wieder Tanzmusik und Jazz aus Italien aus den 30er und 40er Jahren. Am Mikrophon: Peter Michael.

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 30. Dezember 2020, 21 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 31. Dezember 2020, 13 Uhr

 

Vor 100 Jahren - Die Schlager des Jahres 1920

Das Jahr 2020 geht zu Ende. Was es uns gebracht hat ... davon schweigen wir lieber.
Aber auch vor 100 Jahren war nicht alles Gold, was glänzte. Der Sieg im Weltkrieg war für Amerika, England und Frankreich überschattet von den Nachwehen der Spanischen Grippe, die im Vorjahr gewütet und Millionen Tote gefordert hatte und deren dritte Welle im Frühjahr 1920 in den USA vor allem vielen Jüngeren das Leben gekostet hatte. In Deutschland gewann nach dem verlorenen Krieg die Inflation mehr und mehr an Schrecken. So besaß die Mark 1920 nur noch ein Zehntel des Wertes gegenüber dem Dollar wie ein Jahr vorher. Doch das Schlimmste sollte in den kommenden drei Jahren erst noch folgen.
Trotzdem - oder gerade deshalb - wollte das Publikum nicht auf Musik, Tanz und Schlager verzichten.
Wir stellen Ihnen eine Auswahl der großen Schlager des Jahres 1920 in einer zweistündigen Sendung zum Jahresabschluß vor.
Es begleitet Sie Thomas Sosna am Mikrophon.

  • Sendetermin: „Tanzparkett extra“, Donnerstag, 31. Dezember 2020, 20-22 Uhr
  • Wiederholung: Freitag, 1. Januar 2021, 12-14 Uhr

Programminfos vom 18.12.2020 bis 24.12.2020

Tim Czerwonatis liest Terézia Mora

In der zweiten Lesung im Rahmen der Reihe "Bekannte Stimmen. Schauspieler*innen des Staatstheaters gehen on air" liest Tim Czerwonatis die Erzählung "Stille.mich.Nacht" von Terézia Mora (erschienen 1999 im Rowohlt-Verlag).
In der Erzählung der Büchnerpreisträgerin Terézia Mora geht es um Grenzerfahrungen im doppelten Sinne. Selbst aus dem ungarisch-österreichischen Grenzgebiet stammend erzählt die Autorin eindringlich vom Überlebenskampf in dieser Region. Eine Weihnachtsgeschichte anderer Art.
Redaktion: Friederun Gutmann, Susanne Jakubczyk
Ton und Technik: Torben Bunzenthal
In Kooperation mit: Evangelisches Forum Kassel

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 18. Dezember 2020, 18 Uhr

 

Geschenktips für Musikfreunde, Teile 5 und 6

Wie bereits in früheren Jahren, so stellen wir auch diesmal wieder eine Reihe repräsentativer CD-Boxen vor, die in den vergangenen 12 Monaten erschienen sind und die sich bestens als Weihnachtsgeschenke eignen. In der fünften und der sechsten von insgesamt acht Sendungen sind dabei u.a. Ars Nova, Iggy Pop, Tremeloes, Elton John, King Crimson, Buzzcocks, July, Thin Lizzy, David Bowie, Hank Williams, Henry Cow, Elvis, Rhinoceros, Steve Wynn, Day Of Phoenix, Boys, Tom Petty.

  • Sendetermine: „FRK spezial – Geschenktips für Musikfreunde, Teile 5 und 6“, Freitag, 11. Dezember 2020, 22 Uhr
  • Samstag, 12. Dezember 2020, 20 Uhr

 

Jazz und Tanzmusik aus Schweden, Folge 5/ 2017

In dieser Ausgabe geht es um das schwedische Plattenetikett Sonora, genauer um dessen Tanzmusik- und Jazzproduktion der 30er und 40er Jahre.
Erik Ljungberg gründete es 1932 als inländische Marke, die mit den bis dahin am schwedischen Markt vorherrschenden Konzernen aus Deutschland (Lindström, Deutsche Grammophon) sowie England (His Master's Voice, Columbia) in Konkurrenz treten sollte. Im Zuge der Umstellung auf das elektrische Verfahren und spätestens durch die auch in Schweden spürbare Wirtschaftskrise war die heimische Schallplattenfabrikation praktisch zum Erliegen gekommen. Entsprechend wurden die Platten der neuen schwedischen Firma („Sonora - die schwedische Platte“) auch beworben. So konnte man in Anzeigen und auch auf den Hüllen u.a. lesen: „Unterstütze die schwedische Industrie“, „Schwedische Leitung“, „Gib schwedischen Arbeitern Arbeit“.
Kurioserweise preßte Ljungberg mangels eigener Aufnahmen zunächst Platten nach aus Deutschland adoptierten Artiphon-Matrizen, ging aber, sobald die Studios eingerichtet waren, zu Eigenproduktionen über.
Trotz der mit erkennbarem Nationalpathos aufgenommenen Fertigung war das Repertoire bald international, denn auch die bei Sonora unter Vertrag genommenen schwedischen Künstler spielten natürlich die aktuellen (vornehmlich englischen und amerikanischen) Weltschlager ein.
Für den auch in Schweden von allen modern gesinnten Tänzern und Musikfreunden begeistert aufgenommenen Swing gab Sonora schließlich eine eigene Serie heraus. Hier waren auch internationale Solisten zu hören, die während Gastspielen in Schweden bei Sonora „fremdgingen“.
Während eine Platte der etablierten Konzerne 3,50 Kronen kostete, rief die Sonora für eine Platte zunächst 2, später, wie auch auf den Hüllen zu lesen, sogar nur 1,65 Kronen auf und unterbot so die Konkurrenz deutlich, ganz so, wie etliche der in der Wirtschaftskrise neugegründeten US-Kleinetiketten es mit den „Platzhirschen“ auch taten. So wurde Sonora schnell zu einer festen Größe auf dem schwedischen Markt. Auch Matrizenaustausch mit dem Ausland, vornehmlich mit den andern Ländern Skandinaviens, fand statt.
1946 machte sich Helge Roundquist, bis dahin Aufnahmeleiter und Repertoirechef der Sonora, mit einer eigenen Marke, Cupol, selbständig. Er nahm etliche populäre Künstler mit auf das neue Etikett. Damit begann für Ljungberg der Niedergang, noch unterstützt durch den zeitbedingten Mangel an Schellack. 1958 endete die Schellackära in den meisten Ländern Westeuropas. Im selben Jahr starb Ljungberg. Sonora wurde an den Philips-Konzern verkauft, dessen Plattensparte in der Polygram und schließlich in der Universal Music aufging. Der alte Name Sonora tauchte noch hin und wieder auf LPs und später CDs mit Wiederveröffentlichungen alter Platten auf.
Die Fabrikationsunterlagen der Sonora scheinen zumindest teilweise erhalten zu sein, denn zu den meisten Platten findet man recht genaue Aufnahme- oder zumindest Ausgabedaten.
Durch die Sendung führt Peter Michael.

  • Sendetermin: „Tanzparkett extra“, Sonntag, 20. Dezember 2020, 17 Uhr
  • Wiederholung: Montag, 21. Dezember 2020, 9 Uhr

 

Christmas Time - Soul Time

Rechtzeitig zum mehr oder weniger besinnlichen Weihnachtsfest bringt uns Musik aus dem Herzen, aus der Seele in die passende Stimmung. "Sweet Soul Music" läßt uns gar die aktuelle Corona-Pest für ein bewegtes/bewegendes Stündchen lang vergessen. Gerahmt wird diese Folge von herzerwärmenden Sounds aus dem schwül-warmen Süden mit "Rainy Night in Georgia", einem Blues Titel des "Swamp Fox" Tony Joe White (+ 2018), der den schwarzen R & B-Sänger Brook Benton während der 70er Jahre berühmt gemacht hat. Bereits in diesem Stück zeigt sich die musikalische Verwandtschaft von Blues und Rock (und später auch in den Pop-Sphären). Außerdem mit dabei in dieser Runde sind die schwarzen und weißen Schwestern und Brüder Aretha Franklin, Otis Redding, Percy Sledge, Irma Thomas, Arthur Conley, Sam & Dave, Wilson Picket, Fontella Bass u.a.   
BLACK LIVES MATTER!

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 20. Dezember 2020, 19 Uhr

 

UNTERHOLZ live im FRK

Martin Speicher        Saxophone
Sven Krug            Kontrabaß
Steffen Moddrow        Schlagzeug

Mit seiner Musik greift das Trio UNTERHOLZ die Bezüge zur afro-amerikanischen Musiktradition des Jazz auf, wie er sich als selbstbewusste Äußerung seit den 60er Jahren entwickelte.
Auf der Basis eigener Kompositionen verbinden die Musiker subtile musikalische Poesie mit hochenergetischer Ausdruckskraft.  Dem gemeinsam gestalteten Spielprozess fehlt jede standardisierte Vorhersehbarkeit, wodurch die permanente Interaktion der drei Musiker ihre innovative Frische erhält.

Martin Speicher       Saxophon, Klarinette
Musikstudium in Saarbrücken und Gießen, arbeitet in verschiedenen Ensembles mit den Schwerpunkten improvisierte Musik, Neue Musik und zeitgenössischem Jazz. Er ist Mitbegründer des GIESSEN IMPROVISERS POOLS und der Kooperative "OHRENKRATZER" in Kassel.  Im Laufe der Jahre kam es zu intensiven Begegnungen und regelmäßigen gemeinsamen Arbeiten mit etlichen Vertretern der Neuen Improvisierten Musik wie des Jazz.
www.martinspeicher.net

Sven Krug    Kontrabaß
Studium am Institut für Jazz an der Hochschule für Musik in Weimar.
Arbeitet seither als freiberuflicher Musiker auch in eigenen Gruppen.
Sein Motto, entliehen von Toru Takemitsu: " Es sollte keine Trennung zwischen
Jazzimprovisation und geschriebener Musik geben."
www.sven-krug.de

Steffen Moddrow   Schlagzeug
studierte Schlagwerk an der Musikakademie Kassel.
Seine Wurzeln liegen im Bereich der musikalischen Performance, des
Punk und zappaoider Bereiche bis hin zum Jazz.
Vielfältige Theatermusikproduktionen (z.B. zu "Der Trafikant" nach Seethaler) gehen auf sein Konto.
www.moddrow.de

  • Sendetermin: „Fangschalltung“, Montag, 21. Dezember 2020, 20 Uhr

 

Lange Weihnachtsausgabe „Handmade“ am 23. und 24.12.2020

Während wir langsam aber sicher auf das 20. Jubiläum von „Handmade“ zusteuern, das im Januar gebührend gefeiert wird, können sich die FRK-Hörer am 23. und 24. Dezember auf die lange Weihnachtsausgabe der Sendung freuen. Wie immer gibt es neben einigen Klassikern vor allem Titel, die in anderen Sendern nicht laufen. Freut euch also auf Raritäten, Neuvorstellungen und einen bunt-gemischten Weihnachtsteller mit Liedern von Status Quo, Sailor, Blackmore’s Night, The Brian Setzer Orchestra, Max Raabe und das Palast Orchester, Billy Idol, Eric Martin, The Sweet, Achim Reichel, The Fortunes, Middle Of The Road, Harpo, Smokie, Tom Petty, Chris Andrews, Showaddywaddy und noch vielem mehr.
Die Redaktion „Handmade“ wünscht schöne Weihnachten!

Sendetermin: „Handmade“, Mittwoch, 23. Dezember 2020, 19-21 Uhr

Wiederholung Donnerstag, 24. Dezember 2020, 11-13 Uhr

Programminfos vom 10.12.2020 bis 17.12.2020

100 Jahre Radio in Deutschland

Der offizielle Unterhaltungsrundfunk begann in Deutschland 1923. In drei Jahren werden also die großen Feiern zum hundertsten Radiojubiläum stattfinden.
Doch schon drei Jahre vorher begann das, was wir als Radio kennen - als Eigeninitiative von Postbeamten, die in ihrer Freizeit unentgeltlich den laufenden Versuchsbetrieb für die beteiligten Funker etwas freundlicher gestalten wollten und kurz vor Weihnachten 1920 erstmals ein kleines Konzert übertrugen - ohne Segen oder gar Weisung von höherer Stelle.
Kein großer Künstler, sondern der technische Leiter der Hauptfunkstelle Königs Wusterhausen, Erich Schwarzkopf, war die treibende Kraft hinter diesem ersten deutschen Radiokonzert, dem bis 1926 noch viele weitere folgen sollten.
In dieser Tradition sehen sich auch Teile der heute bestehenden Freien Radios in Deutschland. Unser technischer Leiter Michael Rolf faßt deshalb zum 100. Jubiläum der ersten deutschen Radiosendung in einem Kurzbeitrag die Geschichte der Königs Wusterhausener Sonntagskonzerte zusammen.
Außerdem in der Sendung: Interview mit „Students For Future“ zu den Protestaktionen gegen die A 49.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 11. Dezember 2020, 18 Uhr

 

Geschenktips für Musikfreunde, Teil 4

Wie bereits in früheren Jahren, so stellen wir auch diesmal wieder eine Reihe repräsentativer CD-Boxen vor, die in den vergangenen 12 Monaten erschienen sind und die sich bestens als Weihnachtsgeschenke eignen. In der vierten von insgesamt sieben Sendungen sind dabei u.a. von Barclay James Harvest, Michael Rother, Frank Zappa, Kursaal Flyers, Renaissance, Cream, John Prine, Bob Mould.

  • Sendetermine: „FRK spezial – Geschenktips für Musikfreunde 2020, Teil 4“, Freitag, 11. Dezember 2020, 22 Uhr

 

Swing und Tanzmusik der 30er und 40er Jahre aus Schweden, Folge 4/ 2017

2017 gab es im „Tanzparkett“ einen kleinen Schwerpunkt mit skandinavischen Platten überhaupt und schwedischen im besonderen.
Die ausgeprägte Musikalität, die von jeher auch in der Folklore zum Ausdruck kommt, prädestinierte die nordischen Länder zum Aufbau einer vielseitigen Jazz- und Tanzmusikszene, die heute ihrerseits schon längst zur dortigen musikalischen Tradition gehört.
Das Augenmerk unserer vierten Sendung im Jahre 2017 lag auf der Swingzeit.
Während der Rest Europas ins Chaos der deutschen Expansionsgelüste rutschte, lebte man in Schweden geradezu auf einer Insel der Glückseligkeit, einer Art Arche Noah („Noah von heute“ heißt passenderweise auch ein vor einigen Jahren in einer unserer Sendungen gebrachter schwedischer Jazztitel).
Diktatur, Krieg und Elend kannte man nur aus der Wochenschau oder schlimmstenfalls aus den Erzählungen von Flüchtlingen. Ab und zu verdunkelte man übungshalber die Stadtbeleuchtung, hatte dabei aber stets die neuesten US-Schlager im Ohr.
Entsprechend frisch und lebensfroh wirken die Aufnahmen, gleich ob importiert oder „Eigengewächse“.

  • Sendetermin: „Tanzparkett extra“, Sonntag, 13. Dezember 2020, 17 Uhr
  • Wiederholung: Montag, 14. Dezember 2020, 9 Uhr

 

Give Peace A Chance – Erinnerungen an John Lennon und Otis Redding

Einer der größten musikalischen Geister des 20. Jahrhunderts wurde vor genau 40 Jahren ermordet: John Lennon, ein vielseitiger Künstler mit weltweiter Bedeutung, das einstige Mastermind hinter den phänomenalen Beatles seit den 1960er Jahren.
John Lennon wurde am 8. Dezember 1980 vor seinem damaligen New Yorker Wohnsitz, dem legendären Dakota Building ("Rosemarie´s Baby"/Polanski-Film von 1968) von Mark David Chapman erschossen. Der fanatische Psychopath hatte sein Beatles-Idol wenige Stunden zuvor noch um ein Autogramm gebeten - und es erhalten.
Die Nachricht vom gewaltsamen Tod des John Lennon war in der internationalen Öffentlichkeit grad so schockierend angekommen wie seinerzeit beim ebenfalls tragischen Ableben des "King" Elvis Presley 1977.  
John Lennon war leidenschaftlicher Rock & Roller, ausgefuchster Musiker und Songschreiber, vielseitiger Friedensaktivist - und ein "Querdenker" im positiven Sinne.

Ein Lennon/Ono-Zitat:
WAR IS OVER!
If You Want It ...
Happy Christmas from John & Yoko
R.I.P.  John Lennon  
 
Außerdem in dieser Folge: Erinnerung an den King of Soul Music, Otis Redding. Er kam bei einem Flugzeugabsturz am 10. Dezember 1967 bei Madison in Wisconsin ums Leben. Er stand vor einer internationalen Karriere.

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 13. Dezember 2020, 18 Uhr

 

Frei hoch zwei goes Classic

frei² spielt seit ein paar Jahren regelmäßig in der Dezember-Ausgabe klassische Musik. Diese Tradition greifen wir auch 2020 wieder auf.

  • Sendetermin: „Frei hoch zwei“, Dienstag, 15. Dezember 2020, 19 Uhr

 

Immer an der Wand lang - Der Alkoholgenuß (und seine Folgen) auf Schallplatte, 1906 bis 1936

Dies vorweg: Keinesfalls wollen wir die Gefahren des Alkoholkonsums kleinreden oder gar zur Unmäßigkeit in dieser Angelegenheit anstiften. Ohne Frage ist Alkohol am falschen Platze und zur falschen Zeit eine Geißel der Menschheit.
Anderseits genießt diese Menschheit, um in Stimmung zu kommen oder aus kultischen Gründen (manchmal geht beides Hand in Hand), seit wohl 5.000 Jahren oder länger den vergorenen Saft verschiedenster Früchte. In vielen Gegenden war zudem Wein lange Zeit erheblich weniger gesundheitsgefährdend als das erhältliche, durch Verunreinigungen, Krankheitserreger oder Parasiten verdorbene Wasser. Wie der Lateiner sagt: Abusus non tollit usum - der Mißbrauch hebt den geordneten Gebrauch nicht auf.
Und hat nicht von jeher der - wohlgemerkt gelegentliche bzw. unabsichtliche, natürlich nicht der krankhafte - Mißbrauch seine komischen Seiten? Zumindest für den Beobachter aus sicherer Entfernung ...
Dies wußten auch die Komponisten, Textdichter und Schallplattenkünstler im ersten guten Drittel des 20. Jahrhunderts. Schließlich sind auch die aktuellen Zeiten durchaus dazu angetan, gelegentlich ein wenig tiefer ins Glas zu blicken als üblich ...
In der aktuellen Ausgabe bringen wir Ihnen Schlager rund ums „gute Tröpfchen“, aufgenommen von der Kaiserzeit bis ins Olympiajahr 1936.
Durchs Programm führt Thomas Sosna.

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 16. Dezember 2020, 21 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 17. Dezember 2020, 13 Uhr

Programminfos vom 04.12.2020 bis 10.12.2020

Ein Kasseler Junge macht Karriere

Das Tanzorchester Bernard Etté, Folge 5

Weiter geht es mit Aufnahmen, die Bernard Etté für die Vox einspielte. Die erste Platte dieser Folge wurde im Dezember 1926 mit dem Refrainsänger Max Kuttner aufgenommen, danach wechseln wir ins Jahr 1927.
Für Etté begann jenes Jahr mit einem Engagement im Hotel Esplanade am Potsdamer Platz. Dieser ehemalige Ort des mondänen Berliner Nachtlebens wurde durch die bei der Neubebauung in den 90er Jahren durchgeführte Verschiebung des ehemals zu dem im Kriege zerstörten Hotel gehörenden Kaisersaals auch in jüngerer Zeit noch einmal durch die Presse bekannt.
Auch bestritt das Orchester in jenen Tagen im Voxhaus drei Radioprogramme pro Woche, so daß es geradezu omnipräsent gewesen sein muß.
Schließlich brachte das Jahr 1927 dem Orchester und vor allem seinem Leiter die Mitwirkung in dem schon zu einer vorigen Sendung erwähnten Film „Berlin. Die Sinfonie der Großstadt“ von Walter Ruttmann und damit weitere Aufmerksamkeit des Publikums.
Eine Aufnahmesitzung im Januar lieferte u.a. zwei US-Titel, von denen zumindest der erste, Zez Confreys Komposition „Dizzy Fingers“, bis heute zum Standardrepertoire vor allem von Klaviervirtuosen gehört. Heute weniger bekannt ist der Titel „Turkish Towel“, und der danach gebrachte deutsche Schlager „Süß ist die kleine Lisa“ ist heute vergessen.
Im Februar, wiederum mit Max Kuttner als Sänger, entstand eine weitere Nummer mit Türkeibezug, nämlich das von Katscher und Beda komponierte „In Konstantinopel“, das deutlich der damals grassierenden Charleston-Mode huldigt.
Auch Operettenschlager standen, ob verjazzt oder nicht, beim Publikum damals hoch im Kurs. Aus Lehars „Zarewitsch“ stammt die von Etté in Jazzbearbeitung gebrachte Einlage „Heut‘ abend komm‘ ich zu dir“. Dies zeigt einmal mehr, daß weder Publikum noch Orchester damals größere Berührungsängste vor unterschiedlichen Genres hatten - und die deutschen Tanzkapellen gar nicht so schlecht waren, wie es schon wenig später die reinen Jazzfans oft darstellten - im ungerechten Vergleich mit englischen und US-amerikanischen Formationen, die frühere und bessere Entfaltungsmöglichkeiten gehabt hatten.
„In My Gondola“ von Harry Warren, ein weiterer US-Schlager, wurde in derselben Sitzung im Mai 1927 aufgenommen wie die „nach Amerika schielende“ deutsche Komposition „Hollywood“ von Friedrich W. Rust.
Im selben Monat reiste Etté, wie schon 1924, erneut in die USA, um Musiker aus dem Mutterland des Jazz zu engagieren. In der Besetzungsliste der nachfolgenden Zeit finden sich entsprechend auch neue US-Solisten. Auch als Refrainsänger konnten nun englisch vortragende Muttersprachler vors Mikrophon treten - ein entscheidender Vorteil gegenüber den meisten deutschen Konkurrenten Ettés, die solche Leute nicht auf ihrer Lohnliste hatten. Im Juli 1927 entstand auch eine Spitzenplatte mit diesem Personal, die gleich zwei US-Titel bringt, nämlich „Sam, The Old Accordion Man“ und „Rosy Cheeks“. Das Orchester ist hier entschieden auf Augenhöhe mit amerikanischen Kapellen. Abweichend von den gängigen diskographischen Angaben halten wir hier nach Hörvergleichen eher Billy Williams für den Sänger auf beiden Titeln.
Berlin war ein Mekka für Revuen, und diese waren vor Einführung des Tonfilms wohl „die“ fesselnde Abendunterhaltung für weite Publikumskreise. Aus der Haller-Revue „Wann und wo?“ stammt der wiederum von Max Kuttner gesungene Schlager „Onkel Müller hat ‘nen Triller“.
Was in Berlin die Revuen waren, waren am Broadway und anderswo in Amerika die Musicals. Aus dem gleichnamigen Musical stammt der populäre Titel „Rio Rita“; im Anschluß hören Sie einen weiteren - nicht ganz so populären, aber dennoch auch in Deutschkland in etlichen Versionen aufgenommenen - US-Schlager: „Banana’s Slide“.
Max Kuttner sang in einer weiteren Sitzung im September 1927 erneut auf zwei bekannten Titeln: „Heut‘ war ich bei der Frieda“, einem leicht frivolen und sehr typischen 20er-Jahre-Schlager, der entsprechend fähigen Kapellen schon im Arrangement Raum für ansprechende Jazzsolistik bot (auch auf Platten anderer Orchester wird hier z.T. improvisiert) sowie „Du und ich, ich und du“.
Zum Abschluß dieser Ausgabe bringen wir aus der Operette „Eine Frau von Format“ den von Michael Krausz komponierten, sehr amerikanisch anmutenden Schlager „My Baby, My Boy“. Das Jahr 1927 werden wir erst in der nächsten Folge mit Bernard Etté verlassen.
Durch die Sendung begleiten Sie Peter Michael und Thomas Sosna.

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 2. Dezember 2020, 21 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 3. Dezember 2020, 13 Uhr

 

Ortsvorsteher im Gespräch/Zukunft der Arebeit

Aus 23 Stadtteilen besteht Kassel – und jeder Stadtteil hat einen eigenen Ortsbeirat, der jeweils von einem Ortsvorsteher bzw. einer Ortsvorsteherin geleitet wird. Auch wenn gelegentlich über die Frage debattiert wird, ob die Ortsbeiräte (als ehrenamtlich besetzte Gremien) tatsächlich größeren Einfluß auf die politischen Entscheidungen der Stadt haben, so fungieren die Beiräte dennoch als wichtige Ansprechpartner für Bürgerinnen und Bürger und als Schnittstelle zwischen dem jeweiligen Stadtteil und der „großen“ Politik im Rathaus.
Klaus Schaake, Moderator der FRK-Sendungen „Stadtlabor“ und „Viaje Radial“, hat sich vorgenommen, für seinen neuen Podcast „Stadtteilzeit“ sämtliche 23 Kasseler Ortsvorsteher zu befragen. Die Reihe wird fortgesetzt mit Vera Wilmes (Brasselsberg) und Volker Zeidler (Bettenhausen) – wir senden die Interviews.
Wie gut ist die Region Kassel angesichts der strukturellen Veränderungen in den wichtigsten Branchen aufgestellt? Welche Chancen bieten sich, welche Risiken birgt die Abhängigkeit von der Mobilitätswirtschaft? Diesen und weiteren Fragen gehen der Arbeitswissenschaftler Dr. Michael Lacher und der ehemalige Kasseler Oberbürgermeister Wolframn Bremeier in einer Sendereihe des Offenen Kanals nach. Zum Auftakt unter dem Motto „Automobilindustrie am Scheideweg“ äußert sich Carsten Bätzold, Betriebsratschef bei VW in Baunatal, im Gespräch mit Wolfram Bremeier. Wir senden einen Mitschnitt.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 4. Dezember 2020, 18 Uhr

 

Geschenktips für Musikfreunde, Teil 3

Wie bereits in früheren Jahren, so stellen wir auch diesmal wieder eine Reihe repräsentativer CD-Boxen vor, die in den vergangenen 12 Monaten erschienen sind und die sich bestens als Weihnachtsgeschenke eignen. In der dritten von insgesamt sieben Sendungen sind dabei u.a. Wilco, John Lennon, Allman Brothers, Fleetwood Mac, Jim Capaldi, Lou Reed und Jason Crest.

  • Sendetermine: „FRK spezial – Geschenktips für Musikfreunde 2020, Teil 3“, Freitag, 4. Dezember 2020, 22 Uhr

 

qrew Kassel goes Freies Radio Kassel

Diesmal haben auch wir uns online getroffen. Wir erzählen von der neuen Ausgabe der Zeitschrift Queerulantin, Erfahrungen im Umgang mit diskriminierende Äußerungen und Feedback im Podcast und einem  digitalen Konzertabend mit dem Kabarett-Musik-Duo Suchtpotenzial. Im unregelmäßigen Rhythmus besprechen wir politische Themen, die uns bewegen, im Freien Radio Kassel im Rahmen der Sendung “LILI”, Libertäre Informationen lokaler Initiativen.

  • Sendetermin: „LiLi“, Samstag, 5. Dezember 2020, 20 Uhr

 

Midnight To Six Men - Das Ende der Pretty Things

Eine der vorzüglichsten und zugleich ruppigsten R & B-Bands aus dem U.K. hat ihren Sendebetrieb eingestellt. Die Pretty Things aus London werden auch keine Neuerscheinungen mehr ankündigen - geht wohl schlecht ohne den charismatischen Frontmann Phil May. Der Sänger und Harpspieler ist im Frühjahr auf wahrlich tragische Weise aus dieser Welt gegangen. Nach einem Fahrradunfall (sic!) und der anschließenden Hüft-OP konnten sie ihn nur noch tot vom Tisch tragen. If that ain´t Rock & Roll!
Das FRK hingegen wird den Betrieb noch lange nicht einstellen. Und Lonesome Traveler Wolf Silaff wird die Klasse-Mucke der Pretty Things noch lange von Zeit zu Zeit über den Äther schicken (ein "Fan"?). Der Moderator durfte die schrägen bösen Buben aus der Londoner Rock-Szene noch während ihrer "Hoch-Zeit" Mitte der 60er Jahre erleben und persönlich kennenlernen. Das begann währen der wilden Star-Club Zeiten auf der Hamburger Reeperbahn. Damals waren die Nächte noch wirklich lang - und "Action" war angesagt, allenthalben.   
Stolz darauf, dort einen Ur-Rolling-Stone persönlich zu treffen, waren wir alle in der Clique aus Kassel. Abends ging es fix nach Hamburg, am nächsten Morgen war man wieder zurück in der Herkules-Stadt, nach der erwähnten Action - unsere Art der "Erweckung". Das war schon verdammt aufregend - die Krönung waren die Pretties live im pickepackevollen Star-Club, Bambule inklusive! Tja, die Vergangenheit und die Musik - ein weiteres Buch bzw. einen Film wert ...
Den Star-Club gibt es schon lange nicht mehr. Achim von den Rattles hatte sich noch sehr bemüht. It´s over & out. Aber Phil May und Dick Taylor haben uns ein akustisches Vermächtnis hinterlassen, voll mit Reminiszenzen an die frühen Chicago-Vorbilder. Gut so. Feines Teil: Die CD "Bare As Bone, Bright As Blood" (Madfish, 2020). Kurz vor Phils Tod haben sie das Album fertiggestellt. In Erinnerung senden wir die Platte heute in voller Länge. Farewell, Phil May. Keep it going, you survivors. All the best to Dick Taylor and the boys, sez The Lonesome Traveler.

  • Sendetermin: “Die Lange Rille”, Samstag, 5. Dezember 2020, 21 Uhr

 

Swing und Tanzmusik der 30er und 40er Jahre aus Schweden, Folge 3/ 2017

2017 gab es im „Tanzparkett“ einen kleinen Schwerpunkt mit skandinavischen Platten überhaupt und schwedischen im besonderen. Die ausgeprägte Musikalität, die von jeher auch in der Folklore zum Ausdruck kommt, prädestinierte die nordischen Länder zum Aufbau einer vielseitigen Jazz-und Tanzmusikszene, die heute ihrerseits schon längst zur dortigen musikalischen Tradition gehört.
Während große Teile Europas ab Mitte der 30er Jahre ins Chaos der deutschen Expansionsgelüste rutschten, lebte man in Schweden durchgehend geradezu auf einer Insel der Glückseligkeit, einer Art Arche Noah. „Noah von heute“ heißt passenderweise auch ein vor einigen Jahren in einer unserer Sendungen gebrachter schwedischer Jazztitel. Dieses Gefühl zieht fast unmerklich auch durch die andern Plattenaufnahmen. Selbst in jenen Jahren, in denen woanders die schwarzen Wolken des Krieges aufzogen, kannte man Diktatur, Krieg und Elend nur aus der Wochenschau oder schlimmstenfalls aus den Erzählungen von Flüchtlingen. Ab und zu verdunkelte man übungshalber die Stadtbeleuchtung, hatte dabei aber stets die neuesten US-Schlager im Ohr. Entsprechend frisch und lebensfroh wirken die Titel, gleich ob importiert oder „Eigengewächse“.

  • Sendetermin: „Tanzparkett extra“, Sonntag, 6. Dezember 2020, 17 Uhr
  • Wiederholung: Montag, 7. Dezember 2020, 9 Uhr

 

Dark Vatter & sinne Combo: "Uff´n Schobben" - und endlich widder bessere Zieden!

Wahrlich keine Unbekannten auf den Bühnen Nordhessens sind Dark Vatter un sinne Combo. Hier paaren sich die Südstaaten mit Nordhessen, hier wird der Rock´n´Roll endlich auch in unseren Breiten heimisch. In der klassischen Besetzung mit Schlagzeug, Kontrabaß, akustischer und elektrischer Gitarre feiert die Band den ehrlichen, kantigen Sound des frühen Country und Rockabilly. Vatters Straßenpoesie zeichnet dazu ein sehr klares Bild des Lebens in der Region. So ergibt sich eine radikal regionale Musik ohne jede Volkstümelei und ein völlig neuer erdiger Musikstil : der Gaageschnuddenrockenroll.  
Und genau in diesem spannenden Genre melden sich der Vatter & seine Mitspieler ganz aktuell in schwierigen Veranstaltungszeiten mit einer neuen CD-Produktion wieder. Dark Vatter denkt positiv und meint "es kommen widder bessere Zieden!". Mäh sin schon alle sähr gespannt jetze ...  Dann gehn wir doch mal kurz in diesem Radiostündchen rüber zum Vatter mit sinner Combo - "Uff´n Schobben", gell. So heißt ihr drittes Album, und es erscheint pünktlich zum zehnjährigen Bandbestehen - Glückwunsch! Des Vatters Bandmitglieder sind´s Nina Soleil (ebenfalls Gesang, und Waschbrett), der Kusseng Olli (Bass), Kusseng T. (Schlagzeug) und der Kusseng Judy an der zweiten Gitarre. Na, das kann ja heiter werden …

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 6. Dezember 2020, 19 Uhr

 

Programminfos vom 27.11.2020 bis 03.11.2020

100 Jahre Kapp-Putsch

Die Weimarer Republik war nur etwas über ein Jahr alt, als im März 1920 rechtsradikale Freikorps auf Berlin marschierten und die demokratische Regierung für abgesetzt erklärten.
Wer waren die Putschisten? Welche rechtsextremen Terrorakte gab es damals außerdem? Welchen Einfluß hatten diese Ereignisse auf den Nationalsozialismus? Prof. Jens Flemming gab im Rahmen seines VHS-Vortrags Antworten auf diese und weitere Fragen.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 27. November 2020, 18 Uhr

 

Geschenktips für Musikfreunde, Teil 2

„Weiß überhaupt jemand, was er seinen Lieben auf den Gabentisch legen soll? Niemand weiß das, gell?“ Dieses Zitat von Frau Direktor Bartels aus Loriots legendärem Sketch gilt vermutlich bis in alle Ewigkeit. Kaum zu glauben, aber traurig: Weihnachten steht schon wieder vor der Tür, und die bange Frage nach den Präsenten für die Verwandt- und Bekanntschaft stellt sich drängend, wie in jedem Jahr um diese Zeit. Aber nicht verzagen: Das FRK betätigt sich als Retter in der Not. Wir empfehlen zwar nicht, wie Frau Direktor Bartels, den „Familien-Originalbenutzer“, dafür aber umfassende CD-Pakete, über die sich insbesondere Musikfans freuen dürften.
Wie bereits in früheren Jahren, so stellen wir auch diesmal wieder eine Reihe repräsentativer CD-Boxen vor, die in den vergangenen 12 Monaten erschienen sind. In der zweiten von insgesamt sechs Sendungen sind dabei u.a. Replacements, Dire Straits, Tocotronic, Charlie Daniels, Animals, Everly Brothers, Pale Saints, Procol Harum und Solomon Burke.

  • Sendetermine: „FRK spezial – Geschenktips für Musikfreunde 2020, Teil 2“, Freitag, 27. November 2020, 22 Uhr

 

Haven´t Got The Blues (Yet)

Die positive Titelaussage stammt nicht vom Moderator Wolf Silaff, sondern vom ´longtime companion´ in Sachen Songwriting mit dem sprichwörtlichen Augenzwinkern, mit geradezu intellektuellem Wortwitz und genialer Erzählerkompetenz - von Loudon Wainwright III. Der schräge Vogel geistert bereits seit den 1970er Jahren durch die Szene, hat eine lange Reihe mehr oder minder erfolgreicher Alben (allesamt in vorzüglicher Qualität) vorgelegt, und ist "live" der absolute Alleinunterhalter. Bei seinen neueren Albumproduktionen hat er gelegentlich befreundete MusikerkollegInnen mit ins Studio locken können. So für das 2014 entstandene Studioalbum obigen Titels u.a. Chaim Tannenbaum (Mandoline, Harmonika), das Allroundtalent David Mansfield (Gitarre, Mandoline, Drums & Perkussion, Roksichord, Mandocello, National Slide, Violine, Banjo, Harmonium, Sitar, Ukulele u.a.m.), Tony Trischka am Banjo sowie den schottischen Folkie Michael Marra. Tochter Martha Wainwright (aus der Ehe mit Kate McGarriggle) ist auch dabei.
In dieser Folge sind zudem aufregende schwarze KollegInnen wie Aretha Franklin, Otis Redding und Hound Dog Taylor mit dabei - Black Lives Matter! Zu hören sind außerdem ein junger Donovan Leitch aus Glasgow/SCO und die Blues- & Boogie-Barden von den frühen Canned Heat.

  • Sendetermin: „Long Distance Call“, Samstag, 28. November 2020, 18 Uhr

 

"Heard you more than (just) one time ..."

Jazz. Folk. Chanson. Klassik - und das alles in einer Sendung? Geht das? Ja, geht. Das gibt es im Freien Radio Kassel am Samstagabend, in der dreistündigen Sendung "Die Lange Rille". So denn an diesem Wochenende, ab 21 Uhr: Zeitlos gute und schöne Sounds in der oben erwähnten Bandbreite.
Der im Oktober verstorbene Singer/Songwriter aus Austin/Texas, Jerry Jeff Walker, hat sich vor Jahren einen Traum erfüllt. Herausgekommen ist eine Liebhaber-Jazz-Scheibe des legendären Folk- und Countryrockers. Der Mann hat wesentlich mehr als `nur´ den Ohrwurm-Hit "Mr. Bojangles" und eine Reihe feinster Singer/Songwriter- Alben mit Countrytouch hinterlassen, beispielsweise ein "Jerry Jeff Jazz"-Album (2003, Tried & True Music) - ein ruhiges, feines Teil.
Danach hören wir einige Künstler mit echtem Regionalbezug: Carolina Stefani und Edgar Knecht, beide aus Kassel. Carolina Stefani präsentiert ihre Songs mehrsprachig mit südeuropäischem Background, mit traumhaft schöner Stimme. Zu hören ist Carolinas Debütalbum "Rose. Mauve. Bleu." (Sundance Records). Edgar Knechts Musik kommt eher akademisch daher und steckt zugleich voller kreativer Lieder-Ideen. Er präsentiert jazzige Versionen von traditionell Bekanntem aus dem großen deutschen Liederbuch; Volkslieder im schönsten Gegenwartsgewand ("Good Morning, Lilofee", ozella music 2009).   
Figgy Duff, eine legendäre Folktruppe von der Ostküste Kanadas, benannt nach einem traditionellen beliebten Pudding, brachte seit den Spät-70ern Folksounds in altem und neuem Gewand in die Studios und auf die Bühnen der damals angesagten Festivals. Es ging den vielsaitigen Klassemusikern um die Bewahrung alten Liedgutes und die Förderung des einheimischen Singer/Songwriter-Nachwuchses in den eher vergessenen Ostküstenregionen des riesigen Landes. Zudem kümmerten sie sich um die Befreiung der "Newfies", die vom Image her den Ostfriesen hierzulande vergleichbar sind: Küste, Torf, Moder, Fischdunst undso. So viel Vergleichbares, so viel Wahres - und so viel Mythos: Seeleute, Küstenmackers, Schiffbau, Bootsbau, Fischfang; gefährliches Küstenleben, harte Bedingungen. Bei Neufundfland/Labrador muß man womöglich auch noch mit vorbeisegelnden Eisbergen und Walen im Naturzustand rechnen. Wo mal Zwischenlandungen für Transkontinentalflüge angesagt waren, und wo weiter draußen einst die "Titanic" sank, da haben sich musikalische Traditionen lange gehalten. Die hatten die früheren Einwanderer mitgebracht. Irisches, Schottisches, Skandinavisches, Deutsches. Ougenweide, Steeleye Span, Lindisfarne, Malicorne und wie sie alle hießen, lassen  aus den 70/80ern grüßen.
Aus Chicago kommt Branford Marsalis, ein jüngeres Mitglied der riesigen Marsalis Familie. Die Kids haben zu ihrer Zeit in der Kirche den schwarzen Gospel gelernt - und zuhause bei den älteren Geschwistern die Musik des Teufels, Blues und Jazz. Der legendäre amerikanische Saxofonist, Komponist und Bandleader Branford Marsalis gilt völlig zu Recht als einer der wichtigsten Instrumentalisten des zeitgenössischen Jazz. Sein unverkennbares Saxophonspiel wurde bereits drei Mal mit einem Grammy ausgezeichnet, zahlreiche seiner Kompositionen wurden für Awards nominiert. Sein Branford-Marsalis-Quartet gilt ihm dabei seit drei Jahrzehnten als zuverlässige Quelle für neue kreative Energie. In dieser Folge hören wir einen seiner Klassiker - das Album "I Heard You Twice For The First Time" von 1992. 

  • Sendetermin: “Die Lange Rille”, Samstag, 28. November 2020, 21 Uhr

 

Dark Vatter & sinne Combo: "Uff´n Schobben" - und endlich widder bessere Zieden!

Wahrlich keine Unbekannten auf den Bühnen Nordhessens sind Dark Vatter un sinne Combo. Hier paaren sich die Südstaaten mit Nordhessen, hier wird der Rock´n´Roll endlich auch in unseren Breiten heimisch. In der klassischen Besetzung mit Schlagzeug, Kontrabaß, akustischer und elektrischer Gitarre feiert die Band den ehrlichen, kantigen Sound des frühen Country und Rockabilly. Vatters Straßenpoesie zeichnet dazu ein sehr klares Bild des Lebens in der Region. So ergibt sich eine radikal regionale Musik ohne jede Volkstümelei und ein völlig neuer erdiger Musikstil : der Gaageschnuddenrockenroll.  
Und genau in diesem spannenden Genre melden sich der Vatter & seine Mitspieler ganz aktuell in schwierigen Veranstaltungszeiten mit einer neuen CD-Produktion wieder. Dark Vatter denkt positiv und meint "es kommen widder bessere Zieden!". Mäh sin schon alle sähr gespannt jetze ...  Dann gehn wir doch mal kurz in diesem Radiostündchen rüber zum Vatter mit sinner Combo - "Uff´n Schobben", gell. So heißt ihr drittes Album, und es erscheint pünktlich zum zehnjährigen Bandbestehen - Glückwunsch! Des Vatters Bandmitglieder sind´s Nina Soleil (ebenfalls Gesang, und Waschbrett), der Kusseng Olli (Bass), Kusseng T. (Schlagzeug) und der Kusseng Judy an der zweiten Gitarre. Na, das kann ja heiter werden ...

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 29. November 2020, 19 Uhr

 

Shout, Sister, Shout

From Spirituals to Swing – Sister Rosetta Tharpe

Die Swing- und Gospelsängerin Rosetta Tharpe darf man einen Geheimtipp nennen. Und doch haben fast alle Lindy Hop Tanzende schon einmal zu ihrer Hymne die Hüften geschwungen:  Shout, Sister, Shout  (begleitet von der Big Band Lucky Millinders). Von der beeindruckenden Lebensgeschichte dieser Gitarrenevangelistin des 20. Jahrhunderts (*1915, †1973) war ich vor vielen Jahren und nach der Lektüre von Gayle F. Walds Biographie (USA 2006, leider gibt es keine deutsche Übersetzung) so begeistert, das ich die Geschichte On Air erzählte. Meine Radiosendung hat stolze 14 Jahre (!) auf dem Buckel. Eric Burdon übernahm damals die Begrüßung. Bob Dylan (in seiner Theme Time Radio Hour) und Louis Jordan erklären, warum sie von Sister Rosetta so begeistert sind.  Auch im Kino-Highlight  "Die fabelhafte Welt der Amélie" war sie zu hören und zu sehen. In der durch Lockdown-Maßnahmen erzwungen tanzfreien Zeit kann es nicht schaden, sich mit einem so spannenden, wie tragischen Musikerleben zu beschäftigen und daraus auch Inspiration für das geliebte Hobby zu ziehen. The Untold Story of Sister Rosetta Tharpe, so die headline meiner alten Radiosendung, hat über die Jahre ein paar neue Facetten dazu bekommen.
2018 hat der Südwestdeutsche Rundfunk (SWR) mit einer verstaubten Wiederentdeckung aus dem Jazz-Archiv verblüfft. Sister Rosetta Tharpe stand nämlich 1958 auf einer deutschen Bühne – in der Stuttgarter Liederhalle. Begleitet wurde sie von einer kleinen Jazzcombo unter Leitung des Pianisten Horst Jankowski (Schwarzwaldfahrt). Die Aufnahmen gehören nicht unbedingt zu ihren musikalischen Sternstunden. Zu brav und salonhaft agieren die deutschen Jazzgrößen. Klaus Wunderlich saß an der elektronischen Orgel. Der Funke wollte einfach nicht überspringen. Nicht uninteressant waren die Reaktionen der schreibenden Zunft. Das „Jazz-Podium“ fand wohlwollende Worte, bemühte aber rassistische Klischees: "Jede Bewegung, jedes Mienenspiel unterstreicht den stark gefühlsmäßigen Gehalt der Musik, und wer wüsste nicht um die angeborene mimische Begabung, die dem Neger zu eigen ist". Und sonst? In 2008 hat der Govenor des US-Bundesstaates Pennsylvania den 11. Januar zum Rosetta Tharpe Day proklamiert (to honor the gospel music legend). In 2011 entstand ein BBC-Dokumentarfilm über Sister Rosetta. Daraus gibt es Interviewpassagen mit Rosettas Biographin Gayle F. Wald zu hören. Der Film bietet auch reichliches Anschauungsmaterial über Rosettas Rolle als einflussreiche Wegbereiterin des Rock’n’Roll. Am Mikrophon: Ralf Wenzel (aktualisierte Wiederholung der Erstausstrahlung vom Oktober 2006).
Montag, 30.11.2020, 18 Uhr,

  • Sendetermin: „Magic Moments spezial“, Montag, 30. November 2020, 18 Uhr

 

Netwaves für den Lockdown

Das Netlabel Netwaves hat zwar eine lange, aber bislang nur schwach ausgeprägte Geschichte mit frei²: Nach einem DJ-Set im Jahr 2010 haben wir erst dieses Jahr wieder das Label zum Netlabel Day gespielt. Heute präsentieren wir eine der aktuellen „Lockdown Editionen“ von Netwaves: [nws.bpm071] closing time. Damit wünscht frei² nicht nur eine gute Unterhaltung, sondern auch eine gute und gesunde Zeit mit Abstand zu Hause und vergesst nicht eure lokalen und favorisierten Künstler zu unterstützen!

  • Sendetermin: „Frei hoch zwei“, Dienstag, 1. Dezember 2020, 19 Uhr

 

Ein Kasseler Junge macht Karriere

Das Tanzorchester Bernard Etté, Folge 5

Weiter geht es mit Aufnahmen, die Bernard Etté für die Vox einspielte. Die erste Platte dieser Folge wurde im Dezember 1926 mit dem Refrainsänger Max Kuttner aufgenommen, danach wechseln wir ins Jahr 1927.
Für Etté begann jenes Jahr mit einem Engagement im Hotel Esplanade am Potsdamer Platz. Dieser ehemalige Ort des mondänen Berliner Nachtlebens wurde durch die bei der Neubebauung in den 90er Jahren durchgeführte Verschiebung des ehemals zu dem im Kriege zerstörten Hotel gehörenden Kaisersaals auch in jüngerer Zeit noch einmal durch die Presse bekannt.
Auch bestritt das Orchester in jenen Tagen im Voxhaus drei Radioprogramme pro Woche, so daß es geradezu omnipräsent gewesen sein muß.
Schließlich brachte das Jahr 1927 dem Orchester und vor allem seinem Leiter die Mitwirkung in dem schon zu einer vorigen Sendung erwähnten Film „Berlin. Die Sinfonie der Großstadt“ von Walter Ruttmann und damit weitere Aufmerksamkeit des Publikums.
Eine Aufnahmesitzung im Januar lieferte u.a. zwei US-Titel, von denen zumindest der erste, Zez Confreys Komposition „Dizzy Fingers“, bis heute zum Standardrepertoire vor allem von Klaviervirtuosen gehört. Heute weniger bekannt ist der Titel „Turkish Towel“, und der danach gebrachte deutsche Schlager „Süß ist die kleine Lisa“ ist heute vergessen.
Im Februar, wiederum mit Max Kuttner als Sänger, entstand eine weitere Nummer mit Türkeibezug, nämlich das von Katscher und Beda komponierte „In Konstantinopel“, das deutlich der damals grassierenden Charleston-Mode huldigt.
Auch Operettenschlager standen, ob verjazzt oder nicht, beim Publikum damals hoch im Kurs. Aus Lehars „Zarewitsch“ stammt die von Etté in Jazzbearbeitung gebrachte Einlage „Heut‘ abend komm‘ ich zu dir“. Dies zeigt einmal mehr, daß weder Publikum noch Orchester damals größere Berührungsängste vor unterschiedlichen Genres hatten - und die deutschen Tanzkapellen gar nicht so schlecht waren, wie es schon wenig später die reinen Jazzfans oft darstellten - im ungerechten Vergleich mit englischen und US-amerikanischen Formationen, die frühere und bessere Entfaltungsmöglichkeiten gehabt hatten.
„In My Gondola“ von Harry Warren, ein weiterer US-Schlager, wurde in derselben Sitzung im Mai 1927 aufgenommen wie die „nach Amerika schielende“ deutsche Komposition „Hollywood“ von Friedrich W. Rust.
Im selben Monat reiste Etté, wie schon 1924, erneut in die USA, um Musiker aus dem Mutterland des Jazz zu engagieren. In der Besetzungsliste der nachfolgenden Zeit finden sich entsprechend auch neue US-Solisten. Auch als Refrainsänger konnten nun englisch vortragende Muttersprachler vors Mikrophon treten - ein entscheidender Vorteil gegenüber den meisten deutschen Konkurrenten Ettés, die solche Leute nicht auf ihrer Lohnliste hatten. Im Juli 1927 entstand auch eine Spitzenplatte mit diesem Personal, die gleich zwei US-Titel bringt, nämlich „Sam, The Old Accordion Man“ und „Rosy Cheeks“. Das Orchester ist hier entschieden auf Augenhöhe mit amerikanischen Kapellen. Abweichend von den gängigen diskographischen Angaben halten wir hier nach Hörvergleichen eher Billy Williams für den Sänger auf beiden Titeln.
Berlin war ein Mekka für Revuen, und diese waren vor Einführung des Tonfilms wohl „die“ fesselnde Abendunterhaltung für weite Publikumskreise. Aus der Haller-Revue „Wann und wo?“ stammt der wiederum von Max Kuttner gesungene Schlager „Onkel Müller hat ‘nen Triller“.
Was in Berlin die Revuen waren, waren am Broadway und anderswo in Amerika die Musicals. Aus dem gleichnamigen Musical stammt der populäre Titel „Rio Rita“; im Anschluß hören Sie einen weiteren - nicht ganz so populären, aber dennoch auch in Deutschkland in etlichen Versionen aufgenommenen - US-Schlager: „Banana’s Slide“.
Max Kuttner sang in einer weiteren Sitzung im September 1927 erneut auf zwei bekannten Titeln: „Heut‘ war ich bei der Frieda“, einem leicht frivolen und sehr typischen 20er-Jahre-Schlager, der entsprechend fähigen Kapellen schon im Arrangement Raum für ansprechende Jazzsolistik bot (auch auf Platten anderer Orchester wird hier z.T. improvisiert) sowie „Du und ich, ich und du“.
Zum Abschluß dieser Ausgabe bringen wir aus der Operette „Eine Frau von Format“ den von Michael Krausz komponierten, sehr amerikanisch anmutenden Schlager „My Baby, My Boy“. Das Jahr 1927 werden wir erst in der nächsten Folge mit Bernard Etté verlassen.
Durch die Sendung begleiten Sie Peter Michael und Thomas Sosna.

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 2. Dezember 2020, 21 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 3. Dezember 2020, 13 Uhr

Programminfos für den 20.11.2020

Gespräch zum Volkstrauertag; Zum Tod von Guntram Vesper

Anläßlich des Volkstrauertags am 15. November 2020 führte Thomas Ewald, langjähriger Bereichsleiter für Politik und Geschichte an der Kasseler Volkshochschule, ein Gespräch mit Frau Dr. Bettina Dodenhoeft vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Thema war das Kriegsende vor 75 Jahren und seine vielfältigen bis heute wirksamen Folgen. Eigentlich hätte die Veranstaltung vor Publikum im Rathaus stattfinden sollen – das dies nicht möglich war, wurde das Gespräch aufgezeichnet. Wir senden den Mitschnitt.
Guntram Vesper gehörte seit vielen Jahren zu den renommierten deutschen Schriftstellern. Seine Romane und Erzählungen werden von Kritik und Publikum gleichermaßen geschätzt. Daß er als Einwohner Göttingens auch eine ganz besondere Beziehung zu Kassel hatte, versteht sich von selbst. Anfang der 90er Jahre hatte Guntram Vesper die Grimm-Professur an der Kasseler Universität inne; seine damaligen Vorlesungen im Eulensaal der Murhard-Bibliothek, bei denen es u.a. auch um die von ihm sehr geschätzte Gattung des Hörspiels ging, sind noch in guter Erinnerung.
Im Frühjahr 2016 erfuhr Guntram Vespers literarische Arbeit eine ganz besondere Würdigung: Sein Roman „Frohburg“ wurde mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet. Der umfangreiche, teils autobiographische Text wurde von der Kritik hochgelobt und entwickelte sich zu einem Bestseller. Im Juni 2016 war Guntram Vesper in der Buchhandlung Vietor in Kassel zu Gast und las aus „Frohburg“. Aus Anlaß seines Todes im Oktober 2020 nehmen wir den Mitschnitt der Lesung nochmals ins Programm.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 20. November 2020, 18 Uhr

 

Geschenktips für Musikfreunde, Teil 1

„Weiß überhaupt jemand, was er seinen Lieben auf den Gabentisch legen soll? Niemand weiß das, gell?“ Dieses Zitat von Frau Direktor Bartels aus Loriots legendärem Sketch gilt vermutlich bis in alle Ewigkeit. Kaum zu glauben, aber traurig: Weihnachten steht schon wieder vor der Tür, und die bange Frage nach den Präsenten für die Verwandt- und Bekanntschaft stellt sich drängend, wie in jedem Jahr um diese Zeit. Aber nicht verzagen: Das FRK betätigt sich als Retter in der Not. Wir empfehlen zwar nicht, wie Frau Direktor Bartels, den „Familien-Originalbenutzer“, dafür aber umfassende CD-Pakete, über die sich insbesondere Musikfans freuen dürften.
Wie bereits in früheren Jahren, so stellen wir auch diesmal wieder eine Reihe repräsentativer CD-Boxen vor, die in den vergangenen 12 Monaten erschienen sind. In der ersten von insgesamt sechs Sendungen sind dabei u.a. Joni Mitchell, Prince, Hoyt Axton, Status Quo, Richard Thompson, Black Sabbath und die Stones.

  • Sendetermine: „FRK spezial – Geschenktips für Musikfreunde 2020, Teil 1“, Freitag, 20. November 2020, 22 Uhr

Programminfos vom 13.11.2020 bis 18.11.2020

Gestern im Heute - Aktuelle Herausforderungen der historisch-politischen  Bildungsarbeit

Die Gedenkstätte Breitenau und die Bildungsstätte Anne Frank präsentieren eine Veranstaltungsreihe, deren einzelne Beiträge im Freien Radio ausgestrahlt werden. Die Reihe wird in dieser Woche fortgesetzt mit der  Vortrags/Diskussionsveranstaltung „Der erzählte Antisemitismus. Zum Umgang mit antisemitischen Verschwörungserzählungen“ mit Julian Timm (Gustav-Stresemann-Gymnasium, Bad Wildungen) und Tami Rickert (Bildungsstätte Anne Frank).
Vom „Vogelschiß“ bis zum „Mahnmal der Schade“: Äußerungen, die den Nationalsozialismus verharmlosen, werden seit einigen Jahren immer häufiger auch öffentlich gemacht. Was steckt hinter geschichtsrevisionistischen Positionen und welche politischen Ziele verfolgen Menschen, die den Holocaust bagatellisieren und Verschwörungsmythen verbreiten? Wie kann die nationalsozialistische Vergangenheit Deutschlands in der gegenwärtigen Migrationsgesellschaft sinnvoll thematisiert werden? Und welche Rolle spielt historisch-politische Bildungsarbeit dabei? Diese Fragen stehen im Fokus der Veranstaltungsreihe.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 13. November 2020, 18 Uhr

 

Midnight To Six Men - Das Ende der Pretty Things

Eine der vorzüglichsten und zugleich ruppigsten R & B-Bands aus dem U.K. hat ihren Sendebetrieb eingestellt. Die Pretty Things aus London werden auch keine Neuerscheinungen mehr ankündigen - geht wohl schlecht ohne den charismatischen Frontmann Phil May. Der Sänger und Harpspieler ist im Frühjahr auf wahrlich tragische Weise aus dieser Welt gegangen. Nach einem Fahrradunfall (sic!) und der anschließenden Hüft-OP konnten sie ihn nur noch tot vom Tisch tragen. If that ain´t Rock & Roll!
Das FRK hingegen wird den Betrieb noch lange nicht einstellen. Und Lonesome Traveler Wolf Silaff wird die Klasse-Mucke der Pretty Things noch lange von Zeit zu Zeit über den Äther schicken (ein "Fan"?). Der Moderator durfte die schrägen bösen Buben aus der Londoner Rock-Szene noch während ihrer "Hoch-Zeit" Mitte der 60er Jahre erleben und persönlich kennenlernen. Das begann währen der wilden Star-Club Zeiten auf der Hamburger Reeperbahn. Damals waren die Nächte noch wirklich lang - und "Action" war angesagt, allenthalben.   
Stolz darauf, dort einen Ur-Rolling-Stone persönlich zu treffen, waren wir alle in der Clique aus Kassel. Abends ging es fix nach Hamburg, am nächsten Morgen war man wieder zurück in der Herkules-Stadt, nach der erwähnten Action - unsere Art der "Erweckung". Das war schon verdammt aufregend - die Krönung waren die Pretties live im pickepackevollen Star-Club, Bambule inklusive! Tja, die Vergangenheit und die Musik - ein weiteres Buch bzw. einen Film wert ...
Den Star-Club gibt es schon lange nicht mehr. Achim von den Rattles hatte sich noch sehr bemüht. It´s over & out. Aber Phil May und Dick Taylor haben uns ein akustisches Vermächtnis hinterlassen, voll mit Reminiszenzen an die frühen Chicago-Vorbilder. Gut so. Feines Teil: Die CD "Bare As Bone, Bright As Blood" (Madfish, 2020). Kurz vor Phils Tod haben sie das Album fertiggestellt. In Erinnerung senden wir die Platte heute in voller Länge. Farewell, Phil May. Keep it going, you survivors. All the best to Dick Taylor and the boys, sez The Lonesome Traveler.

  • Sendetermin: “Long Distance Call”, Samstag, 14. November 2020, 18 Uhr

 

Comes A Time - Neil Young zum 75.

Vielleicht kommt ja nun bald die Zeit - "The Times" (aktueller Albumtitel, 2020) - wo die Dinge sich bessern? Themen wie Frieden, Ökologie (deren Bedeutung zunehmend mehr Menschen begreifen), und daß Geld und individueller Reichtum doch nicht das Maß aller Dinge sind. Wie geht das alles zusammen? Der Protagonist dieser Folge, unser aktuelles Geburtstagskind, macht sich schon seit langem Gedanken über solcherlei Fragestellungen. Ein Mann macht sich so seine Gedanken - Neil Young heißt er. Und der wird auch nicht jünger: Nu isser 75!
Neil Young wurde am 12. November 1945 in Toronto/Kanada geboren. Bereits zu Beginn seiner großen Karriere während der 70er Jahre hat er mit Freunden und Mitmusikerkollegen einzelne solcher Aspekte aufgegriffen und textmäßig in zahlreiche Songs mit Ohrwurmcharakter gepackt - und über weite Strecken große Erfolge weltweit feiern können (Buffalo Springfield / CSN & Y). Und, wie beispielsweise Bob Dylan, ist er einer der bedeutsamen Impulsgeber für die vielen (selbst-)denkenden Köpfe im internationalen Publikum.  
Damals, während der 1970er Jahre, verstanden Neil Young viele zuerst einmal als Folkmusiker und Songwriter. Als er während der 80/90er seinen Sound radikal veränderte und mit speziell aufgeblasener Gitarren-Bühnen(Licht)-Show vor Riesenpublikum auftrat, hatten sie auch gleich einen Namen parat. Neil Young - The Godfather of Grunge. In dieser Folge bringen wir ältere Titel von Neil Young aus seinen 1970/80er Alben. Der großartige Kanadier hat diese Klassiker mit seiner Band Crazy Horse eingespielt. Schönes Wiederhören!

  • Sendetermin: “Lonesome Traveler”, Sonntag, 15. November 2020, 19 Uhr

 

Liederbestenliste | November 2020

In der ersten Stunde stellen wir die Ergebnisse der renommierten Liederbestenliste vor. Neben den Top 20 werden auch die Lieder gespielt, die in diesem Monat neu dabei sind. Am Mikrofon: Dieter Kindl.

  • Sendetermine: „Liederleute“, Dienstag, 17. November 2020 um 20.00 Uhr
  • Wiederholung: Mittwoch, 18. November 2020 um 12.00 Uhr

 

 

Die Guten sterben immer zu früh

Im Alter von nur 67 Jahren ist der Liedermacher Fred Ape überraschend verstorben. Der Dortmunder war bekannt als Musiker und Moderator, sowie als langjähriger Programmchef des Kleinkunsttheaters Cabaret Queue in Dortmund-Hörde. Über 40 Jahre lang war der Gitarrist und Sänger mit seiner Musik auf den Bühnen in ganz Deutschland unterwegs.  Am Mikrofon: Dieter Kindl.

  • Sendetermine: „Liederleute“, Dienstag, 17. November 2020 um 21.00 Uhr
  • Wiederholung: Mittwoch, 18. November 2020 um 13.00 Uhr

 

Ein kurzes Comeback

Zum 70. Todestag von Al Jolson, Folge 3

Am 23. Oktober 1950 starb der am 26. Mai 1886 geborene Al Jolson - Anlaß für unsere keine Reihe im „Tanzparkett“, die wir mit dieser Folge beenden.
Wie schon in unseren ersten zwei Sendungen über ihn erwähnt, hatte Al Jolson, obwohl ein Star - seit dem Sprung zum Tonfilm, den er mitkreierte, sogar Weltstar - nach 1932 kein Plattenstudio mehr betreten. Am Funk und weiterhin im Film fand er allerdings noch immer Beschäftigung.
Nach Eintritt der USA in den II. Weltkrieg war Jolson bei der Truppenbetreuung tätig. Das verschaffte ihm neue Bekanntheit auch unter dem jüngeren Publikum, da, wie in jedem Krieg, das Gros der Soldaten aus blutjungen Männern bestand.
Auf einer Fronttournee steckte sich Jolson mit der Malaria an. Ohnehin seit der Jugend an Atemwegserkrankungen leidend, konnte er der Krankheit so wenig Widerstand entgegensetzen, daß ihm schließlich ein Lungenflügel entfernt werden mußte. Trotzdem begann er im Jahre 1945 nach dreizehn Jahren Pause wieder mit Plattenaufnahmen. Seine Stimme hatte sich nach der schweren Operation deutlich ins Dunklere verändert, was aber von der Kritik lobend aufgenommen wurde.
Nun konnte man ihn auf Platten auch im Duett mit einem seiner Epigonen, nämlich Bing Crosby, hören, ebenso mit den Mills Brothers, einem äußerst populären schwarzen Quartett. Auch aus dieser Tatsache (wie schon aus der als Hommage an den großen Paul Robeson gedachten Jolson-Aufnahme von „Ol‘ Man River“ aus der Vorkriegszeit) läßt sich schließen, daß Jolson seine Blackface-Auftritte der 10er Jahre keineswegs in rassistischer Manier betrieben, sondern diese auch von schwarzen Künstlern dargebotene Kleinkunstform als populäres Stilmittel auf der Bühne angewandt hatte.
Trotz seiner Behinderung meldete sich Jolson 1950 auch im gerade ausgebrochenen Koreakrieg wieder zur Truppenbetreuung. Selbst eine Lungenentzündung konnte ihn nicht davon abbringen, seine Engagements abzuspulen - 42 Auftritte innerhalb einer Woche.
Nach einer kurzen Erholungspause flog er am 23. Oktober 1950 zu einem Rundfunkauftritt nach San Francisco. Er fühlte sich unwohl und konsultierte im Verlaufe des Tages mehrere Ärzte, die aber nichts fanden. Bei der letzten Visite plauderte er noch heiter mit den Medizinern, als er sich plötzlich im Hotelbett aufrichtete und ausrief: „Oh, I’m going!“ („O, ich gehe!“). Damit beendete ein Herzinfarkt Jolsons 39jährige Karriere als professioneller Unterhaltungskünstler - und sein Leben.
Noch am selben Abend legte der Broadway, New Yorks große Theatermeile, eine zehnminütige Schweigepause ein. Alle Lichter wurden gelöscht; selbst der Straßenverkehr ruhte zum Gedenken an einen der größten Stars, den die Vereinigten Staaten je erlebt hatten.
Wir bringen in dieser Folge Platten aus der Zeit von August 1945 bis Mai 1949.
Durch die Sendung führt Thomas Sosna.

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 18. November 2020, 21 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 19. November 2020, 13 Uhr

Programminfos vom 06.11.2020 bis 10.11.2020

Literatur im FRK

Das Evangelische Forum beginnt seine neue Reihe "Bekannte Stimmen. Schauspielerinnen und Schauspieler des Staatstheaters gehen on air " mit zwei Erzählungen des großen Europäers Eduard von Keyserling (1855-1918), der feinste Stimmungen in der Natur und in den zwischenmenschlichen Beziehungen in einer atmosphärisch unvergleichlichen Sprache einzufangen wußte.
Die Schauspielerin Christina Weiser liest die Erzählungen "Landpartie" und "Vollmond".
Redaktion: Friederun Gutmann, Susanne Jakubczyk
Ton und Technik: Torben Bunzenthal

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 6. November 2020, 18 Uhr

 

Liederleute – Highlights aus 20 Jahren Liedertage

So richtig trifft es den Titel der Sendung eigentlich nicht. Denn in diesem Jahr hätte es eigentlich die 23. Liedertage geben sollen. Allerdings wären es für den Liederleute e.V. tatsächlich die 20. gewesen. Das kleine Festival findet alljährlich im November in Boltenhagen an der Ostsee statt und widmet sich immer einem bestimmten Thema in Vorträgen, Hörstunden und Konzerten. So kann man hier Wissenswertes z.B. über die Liederszene oder Musik aus anderen Ländern oder vorgetragenes zum Zeitgeschehen erfahren. Und wer nicht nur zuhören möchte kann sich auch an Workshops oder der sehr beliebten offenen Bühne selbst mit einbringen.
Richy Thorstensen vom Verein Liederleute präsentiert aus den vergangen Liedertagen Musik von Künstlern, die bei den bisherigen Liedertagen schon zu Gast waren und dort aufgetreten sind. Vielleicht ist die Sendung damit auch ein kleines Trostpflaster für diejenigen, die sich schon sehr auf dieses kleine Festival gefreut haben, aber auch interessant für jene, die von diesem Event bisher noch nichts gehört haben.
Moderation Richy Thorstensen

  • Sendetermin: „Liederleute spezial“, Samstag, 7. November 2020, 21.00 Uhr

 

US-Swing auf Vocalion

In den 30er Jahren existierte das 1916 gegründete Vocalion-Etikett als Untermarke der ARC (American Record Corporation) weiter, die im Verlauf der Weltwirtschaftskrise die Namensrechte etlicher Kleinetiketten aus deren Konkursmasse gekauft hatte.
Im Gegensatz zu vielen anderen ARC-Untermarken, die unter verschiedenen Pseudonymen Aufnahmen weniger ARC-Hauskapellen brachten, behielt die Vocalion ein durchaus markantes Profil, was die Swingmusik anging. Das wollen wir in dieser Ausgabe einmal mehr unter Beweis stellen.
Sie hören Platten der Orchester von Jack Jenny, Lennie Hayton, Dick Porter, Clarence Williams und Wingy Manone.
Als die ARC 1938 an die wiedergegründete Columbia verkauft wurde, behielt diese das Etikett zunächst bei, um es im Jahre 1940 zu „beerdigen“ und die Platten in weiterlaufender Numerierung auf dem ebenfalls wiederbelebten OKeh-Label herauszubringen.
Die Aufnahmen dieser Sendung stammen aus dem Zeitraum von Dezember 1933 bis Februar 1940.
Durchs Programm führt Peter Michael.

  • Sendetermin: „Tanzparkett extra“, Sonntag, 8. November 2020, 17 Uhr
  • Wiederholung: Montag, 9. November 2020, 9 Uhr

 

Kurskorrektur oder Systemfrage? - Welche Wirtschaftsordnung braucht die grüne Transformation?

Online-Diskussion mit Sebastian Dullien, Wissenschaftlicher Direktor des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung, Ulrike Herrmann, Journalistin und Wirtschaftskorrespondentin bei der Tageszeitung taz, und Michael Hüther, Direktor und Mitglied des Präsidiums des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft.

  • Sendetermin: „attac-Radio“, Dienstag, 10. November 2020, 21 Uhr

Programminfos vom 30.10.2020 bis 04.11.2020

Ausstellung in der VHS zu 30 Jahren Wiedervereinigung

„Umbruch Ost. Lebenswelten im Wandel“ widmet sich dem Alltag der deutschen Einheit seit 1990. Die Ausstellung zeigt Bilder und Texte zur Geschichte der deutschen Einheit.
Im Zentrum der Ausstellung stehen die Umbruchserfahrungen der Ostdeutschen, deren Lebenswelten sich mit der Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 grundlegend veränderten.
Auf 20 Tafeln mit Bildern und Texten werden die Erwartungen und das Vertrauen, das die Ostdeutschen mit der Wiedervereinigung verbunden hatten, thematisiert. Sie rufen die innerdeutsche Solidarität und Hilfsbereitschaft in Erinnerung, die die Anfangszeit prägten. Die Schau erzählt von den Neuanfängen und Aufbrüchen, wie auch vom Willen, die SED-Diktatur aufzuarbeiten. Sie dokumentiert die Verzweiflung, die mit dem wirtschaftlichen Zusammenbruch und dem Anstieg der Arbeitslosigkeit einherging, und die Verlusterfahrungen und Ängste, die die 1990er Jahre in Ostdeutschland prägten. Themen sind die Gleichzeitigkeit von Sanierung und Rückbau der ostdeutschen Städte, die Situation der Frauen und Familien, eine Jugendkultur zwischen Techno, Punk und Rechtsradikalismus. Themen sind Ressentiments, bis hin zu politischer Gewalt, aber auch die Frage nach Identitätsstiftern, das Miteinander mit den östlichen Nachbarn, der Aufbau Ost und seine Ergebnisse wie auch die neuen gesellschaftlichen Spaltungen, die in den letzten Jahren zu verzeichnen waren.
Zwischen Elbe und Oder markiert das Jahr 1990 den Beginn eines lange währenden Umbruchs, der bis heute andauert. Der Landkreis Kassel, seine Städte und Gemeinden sind in vielfältiger Weise durch diese Veränderungen berührt. Die Kontakte zu Orten und Landkreisen in Thüringen waren u.a. wichtige Bausteine einer deutsch-deutschen Annäherung im Alltagsleben der Bürgerinnen und Bürger.
Autor der Ausstellung ist der Historiker und Publizist Dr. Stefan Wolle. Herausgeber sind die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und der Beauftragte der Bundesregierung für die neuen Bundesländer. Wir senden Auszüge aus der Eröffnungsveranstaltung.
Im Zusammenhang mit der Ausstellung stand auch das Projekt „Wissensrouten“, das die VHS in Kooperation mit dem Freien Radio durchgeführt hat und in dessen Rahmen verschiedene Audiobeiträge entstanden sind, die sich ebenfalls mit dem Thema Wiedervereinigung befassen. In der Sendung sind einige der Beiträge (u.a. Interviews mit Zeitzeugen) zu hören.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 30. Oktober 2020, 18 Uhr

 

"Mean old world"

Yeah, that´s what we have: Heute ist laut Kalender "Reformationstag" - und hier im FRK gibt‘s eine neue Blues-Sendung. Nun, wir werden die Kirche(n) nicht reformieren. Obwohl sie augenscheinlich so etwas gebrauchen könnten (wie auch unter so mancher vorgehaltener Soutane gemunkelt werden soll ...). Eher erinnern wir im Blues-Zusammmenhang an etwas "Schräges" - wie beispielsweise Gospelmusik, die sich im übrigen nicht nur im sog. "Bible Belt" des Südens großer Beliebtheit erfreut. Heute hören wir eher Blues-rockige Klänge mir Rev. Aubrey Ghent (herausgegeben vom feinen Arhoolie-Label aus Kalifornien).
Ansonsten haben wir auch weiterhin die eher weltlichen Typen im Angebot. Als da wären der schwarze Rock & Roller No. 1, Chuck Berry, mit dem Titelsong der heutigen Sendung (London 1972); der konnte auch Blues. Gefolgt vom Blues-"Vadd/ter" Muddy Waters - he was a "King Bee" (1981), produziert vom seligen Johnny Winter. Sein Bruder Edgar hat mit seiner famosen White Trash-Truppe eine unglaubliche Version des Loudermilk-Klassikers "Tobacco Road" live eingespielt (1972, Perle in der Sammlung). Doch nun zu den Geburtstagskindern: Chris Farlowe (80) sagt uns die Zeit an – seine Version des Stones-Klassikers "Out of time" aus den 60ern ist zeitlos gut. Und Altrocker Jerry Lee Lewis weiß bereits mit nunmehr 85: "I´ll never get out of this world alive" (Hank Williams). Smart guy.

  • Sendetermin: „Long Distance Call“, Samstag, 31. Oktober 2020, 18 Uhr 

 

The Life and Times of Jerry Jeff Walker  

In etlichen Internet-Nachschlagewerken bezeichnen sie Jerry Jeff Walker zuerst einmal als "Countrymusiker". Das ist jedoch nur knapp die halbe Wahrheit. Der "Gypsy Songman" war mehr als das. Und diese vielseitige Künstlerpersönlichkeit einzig auf seinen Erfolgshit "Mr. Bojangles" (1968) zu reduzieren, ist auch nicht angemessen. Der Singer/Songwriter und gleichzeitig aufregende Livebühnen-"Pro" war auch ausgebuffter Studio-Albummusiker von der durchaus sensiblen Sorte, was seine Songthemen anging.
In der Texas-Musikszene war er über ein Vierteljahrhundert lang das augenzwinkernde Rauhbein mit dem Herzen am rechten Fleck. Neben beinhartem Country-Rock lag ihm auch das präzise Beschreiben von Charakteren, Umständen und Situationen in feinen ruhigeren Folk-Geschichten. Und das durchaus nachhaltig, im Sinne von denkwürdigen Ohrwürmern.
Der sympathische Storyteller Jerry Jeff Walker ist tot. Er ist seinem langen Krebsleiden am 23. Oktober 2020 in Austin/TX 78jährig erlegen.
Farewell, Jerry Jeff: Your lifelong journey has now come to an end. We remember you and your timeless songs. Great music that will last. Thank you, "Scamp".
Die “Lange Rille” am Samstag bringt Auszüge aus seinen Elektra-Sessions (1978/79) sowie die kompletten Alben "It´s a good night for singin´" (1976), "Contrary to ordinary" (1978) und das fantastische "Navajo Rug" von 1991.
Beim „Lonesome Traveler“ am Sonntag sind interessante Atco/Vanguard-Folkaufnahmen aus den frühen 1970ern zu hören, plus "Jerry Jeff Jazz" (2003) und "Scamp" von 1996, die auf seinem Label Tried & True erschienen sind.

  • Sendetermine: „Die Lange Rille“, Samstag, 31. Oktober 2020, 21 Uhr
  • „Lonesome Traveler“, Sonntag, 1. November 2020, 19 Uhr

 

Die Starfrosch-Discographie

Unsere Kollegen von Starfrosch produzieren seit einiger Zeit wieder vermehrt Musik, die u.a. bei Bandcamp zu finden ist. Mittlerweile hat sich dort eine komplette Discographie angesammelt, die wir in der Sendung vorstellen.

  • Sendetermin: „Frei hoch zwei“, Dienstag, 3. November 2020, 19 Uhr

 

Liederleute – Das Magazin für Musik und Politik

„Rauchzeichen über dem Reservat – kleiner Einblick in die Vielfalt zeitgenössischer, indigener Musik“. So nannte Günther Klößinger seinen anlässlich der Liedertage 2013 gehaltenen Vortrag über Musikentwicklungen indianischen Ursprungs. Der Liederleute e.V. präsentiert diesen Vortrag in einer leicht gekürzten Aufnahme und möchte damit an seinen viel zu früh verstorbenen Mitstreiter erinnern. Um die Musik ranken sich natürlich auch verschiedene Geschichten, die Günther Klößinger hier vorgetragen hat. Einigen Zuhörern des FRK wird er noch aus den Sendungen „Wanderzirkus Weltklang“ oder mit den mit den „Dreien von der Funkstelle“ aus der Reihe „Tonkost“ in Erinnerung sein.
Moderation: Richy Thorstensen

  • Sendetermin: „Liederleute spezial“, Dienstag, 3. November 2020, 20 Uhr
  • Wiederholung: Mittwoch, 4. November 2020, 12 Uhr

 

Platten des ersten Tonfilmstars

Zum 70. Todestag von Al Jolson, Folge 2

Al Jolson starb als Weltstar - am 23. Oktober 1950 im Alter von 64 Jahren in San Francisco.
Geboren worden war er am 26. Mai 1886 - noch in der „Alten Welt“, nämlich im heute litauischen und damals russischen Srednik - als Asa Joelson. Seine Eltern wanderten mit ihm 1894 in die USA aus.
Seine Mutter starb bald darauf, der Vater heiratete erneut, was schließlich Jolson und seinen Bruder veranlaßte, das Elternhaus zu verlassen und eigene Wege zu gehen. Ganz dem amerikanischen Klischee entsprechend, schlug er sich nach New York durch, wo er, zeitweise auf der Straße oder im Waisenhaus lebend, als Schuhputzer seinen Lebensunterhalt bestritt - und als Sänger.
1911 hatte er damit seinen Durchbruch - ihm gelang der Sprung auf die Minstrel- und Vaudevillebühne. Hier machte er mit Blackface-Nummern, d.h. Auftritten mit schwarzgefärbtem Gesicht (wie es damals in Deutschland hieß, als „Negerimitator“) Furore. Diese Art der Darbietung war in jener Zeit durchaus nicht unbedingt rassistisch gemeint - selbst schwarze Künstler wandten dieses Stilmittel zur Steigerung des optischen Effekts an.
Seit Ende 1911 ist Jolson auch schon auch auf Schallplatten zu hören gewesen. Viele der von ihm gebrachten Melodien wurden erst durch seinen Vortrag auf Bühne und Platte zum Schlager, so daß er sich bei vielen Titeln als Miturheber eintragen ließ.
All dies brachte allerdings eher lokale Berühmtheit - in Europa oder anderswo außerhalb der Vereinigten Staaten wurde er zunächst nicht wahrgenommen. Dem Massenpublikum der ganzen Welt bekannt wurde er erst durch seine Rolle im von den Warner Brothers nach dem Vitaphone-Verfahren gedrehten ersten abendfüllenden Tonfilm (wenn man es ganz genau nimmt, war er nur teilweise synchron vertont) „The Jazz Singer“, der 1927 in die US-Kinos kam. Mit diesem Film sollte sich die ganze Welt des Kinos völlig verändern - eben auch für Jolson als ersten Star des neuen Mediums Tonfilm.
Dieser Erfolg löste die Mode des Tonfilmschlagers aus, und jahrzehntelang - in „Bollywood“ bis heute - ging es im Tonfilm nicht ohne Schlager. Nicht nur aus heutiger Sicht wirken der Film und viele nachfolgende und an seinen Erfolg anknüpfenwollende Zelluloidwerke in weiten Teilen kitschig. Die Kritik monierte bald darauf das Verschwinden des expressionistischen Stummfilms - oft zugunsten um Gesangseinlagen herumgebauter seichter Liebesspielchen.
Doch bei genauerem Hinsehen hat Jolsons Spiel etwas zutiefst Berührendes, selbst in den Szenen, die den Film zu dem ausgesprochenen „tear-jerker“ machen, der er ist. Das kommt daher, daß die Handlung Jolsons wirklichem Leben teilweise frappierend ähnelt, ohne daß dies beabsichtigt gewesen wäre. Er wußte also genau, was er da spielte, und vermutlich dürften die von ihm dargestellten Gefühlswechselbäder zumindest teilweise echt gewesen sein.
Auch sängerisch wirkte Jolson jahrzehntelang als Vorbild weiter - Platten- und Bühnenstars wie Bing Crosby und Elvis Presley, aber auch noch Rock- und Popgrößen wie Mick Jagger und gar Michael Jackson bekannten sich zu Jolson als Vorbild für ihren Gesangsstil.
In der zweiten Folge präsentieren wir Ihnen eine Auswahl an Jolsons Platten aus der Zeit von 1925 bis zum Dezember 1932, seinem vorläufigen Karriereende bei der Schallplatte. Wie etliche andere Künstler wurde Jolson ein Opfer der Wirtschaftskrise, die in den USA derartige Ausmaße annahm, daß selbst ein Star wie er fast anderthalb Jahrzehnte lang keinen Fuß mehr in ein Plattenstudio setzte. 1930 drehte Jolson nach dem ‘29er Erfolgsfilm „Say It With Songs“ zwei weitere Filme, doch dann schlug auch hier die Krise zu - zwei Jahre filmte er nicht mehr, erst 1933 folgte wieder ein neuer Dreh. Sein Stern sank, sein Gesangsstil war in die Jahre gekommen. Jüngere Sänger, die Jolson als Vorbild hatten, seinen Stil aber modernisierten, feierten nun Erfolge, so z.B. der schon genannte Bing Crosby oder Russ Columbo. Immerhin sah man Al Jolson weiter auf der Leinwand.
Durch Auftritte bei der Truppenbetreuung gewann Jolson im Kriege wieder ein jüngeres Publikum, so daß er nach Kriegsende wieder für Schallplattensitzungen gebucht wurde und ein kurzes Comeback hatte - bis zu seinem Tode im Oktober 1950. Das aber soll Thema der dritten Folge sein.
Durchs Programm begleitet Sie Thomas Sosna.

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 3. November 2020, 21 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 4. November 2020, 13 Uhr
     

 

Programminfos vom 23.10.2020 bis 29.10.2020

Gestern im Heute - Aktuelle  Herausforderungen der historisch-politischen  Bildungsarbeit

Die Gedenkstätte Breitenau und die Bildungsstätte Anne FRrank präsentieren eine Veranstaltungsreihe, deren einzelne Beiträge im Freien Radio ausgestrahlt werden. Die Reihe startet 8n dieser Woche mit dem Vortrag „Man muß uns jetzt diese zwölf Jahre nicht mehr vorhalten - Zur Bedeutung von „Geschichte“ im aktuellen Rechtspopulismus“ des Historikers Michael Sturm (Villa ten Hompel).
Vom „Vogelschiß“ bis zum „Mahnmal der Schade“: Äußerungen, die den Nationalsozialismus verharmlosen, werden seit einigen Jahren immer häufiger auch öffentlich gemacht. Was steckt hinter geschichtsrevisionistischen Positionen und welche politischen Ziele verfolgen Menschen, die den Holocaust bagatellisieren und Verschwörungsmythen verbreiten? Wie kann die nationalsozialistische Vergangenheit Deutschlands in der gegenwärtigen Migrationsgesellschaft sinnvoll thematisiert werden? Und welche Rolle spielt historisch-politische Bildungsarbeit dabei? Diese Fragen stehen im Fokus der Veranstaltungsreihe.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 23. Oktober 2020, 18 Uhr

 

Herbert Feuerstein – Nachruf auf mich selbst

Wer wüßte nicht gern, was die Nachwelt nach seinem Ableben über ihn sagt und denkt? Auch der Wunsch, am eigenen Begräbnis teilnehmen zu dürfen, ist sicherlich weit verbreitet – Mark Twain hat eine solche Situation im „Huckleberry Finn“ wunderbar beschrieben. Herbert Feuerstein war dieses Vergnügen zwar nicht vergönnt, aber er hatte immerhin die Möglichkeit, seinen Nachruhm noch zu Lebzeiten zu beeinflussen: Schon vor einigen Jahren produzierte er einen „Nachruf auf mich selbst“, ein zweistündiges autobiographisches Feature, das jetzt, nach seinem Tod, der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde.
Wer in den 70er und 80er Jahren seine Jugendzeit erleben durfte, der erinnert sich an MAD (falls nicht, hat er seine Jugendzeit schlichtweg verschlafen). Die Mischung aus Satiremagazin und pubertärem Witzblatt verkaufte sich damals millionenfach, wurde vornehmlich während langweiliger Unterrichtsstunden unter der Schulbank gelesen und prägte den Sprachgebrauch der Jugendlichen über mehrere Generationen. Herbert Feuerstein war der Chefredakteur der deutschen MAD-Ausgabe; auf ihn gehen Begriffe wie „würg“, „lechz“ oder „gähn“ zurück, seine Übersetzungen der amerikanischen Ursprungstexte standen den Originalen in nichts nach. Später erlange er bundesweite Fernseh-Popularität als Sidekick und Co-Autor von Harald Schmidt. Aber Herbert Feuerstein war ein Multitalent, seine Aktivitäten sind kaum zu überschauen. Nun ist er mit 83 Jahren gestorben – wir erinnern an ihn mit seinem eigenen Nachruf, außerdem mit einer Lesung aus seiner höchst vergnüglichen Autobiographie.

  • Sendetermin: „Kabarett live“, Freitag, 23. Oktober 2020, 22 Uhr

 

Kassel-Archäologie

Zum 30. Todestag von René Olfen

Wer war er, dieser René Olfen, dem immerhin das Stadtmuseum eine eigene Ausstellung gewidmet hat und der dem Freien Radio Kassel das Pausenzeichen „geliefert“ hat?
Das sonst so allwissende Internet schweigt sich noch immer weitgehend aus, abgesehen von einer kryptischen und teilweise falsch beantworteten Suchanfrage nach Olfens bekanntester Komposition „Grüß‘ mir die Heimat mit dem Herkules“, einem Eintrag zu einer Neuaufnahme des Titels von durch Kasseler Musiker sowie einigen Treffern bei der Suche auf Musikplattformen und einem Plakat mit einer Abbildung Olfens als Tänzer.
Geboren ist René Olfen 1898, aber nicht, wie sich’s eigentlich gehört hätte, in Kassel, sondern in Marburg als Sohn eines Lokomotivführers - unter dem Namen Heinrich Schmidt. Zum erstenmal tritt er in den 20er Jahren ins Licht der Bühnenscheinwerfer und der Öffentlichkeit - als „bester russischer Sturmwindtänzer“, der auch im noch stummen Kino als Pausenakt zu erleben ist. Olfen war dafür sogar bei der Ufa angestellt. Vermutlich schon in dieser Zeit, vielleicht angeregt durch seine Bühnenauftritte als Tänzer, beginnt er auch als Kabarettist zu arbeiten. In seinen Liedtexten verwendete Formulierungen legen einen gewissen Bildungsgrad nahe, den auch ein Kabarettist gut brauchen kann.
Die ersten Plattenaufnahmen dürften um 1932 entstanden sein (Firmenunterlagen der Firma Tonographie stehen leider vorderhand nicht zur Verfügung, so daß hier geschätzt werden mußte). Olfens innere Heimat muß in jenen Tagen schon Kassel gewesen sein. Er sang und spielte für die „Tono“ die Urversion des Liedes „Grüß‘ mir die Heimat mit dem Herkules“ ein, ferner einen für die begrenzte Spielzeit der damaligen Normalschallplatte „mundgerecht“ gestutzten „Auszug aus: Tannenkinderchen“, so das Etikett. Den Akzent auf René Olfens „e“ unterschlägt das Plattenetikett hier.
Die Absatzzahlen scheinen immerhin die kleine, sonst meist Lohnaufnahmen für Kaufhaus- und Abonnementsetiketten und Werbeplatten herstellende Berliner Firma dazu bewogen zu haben, wiederum auf eigenem Etikett eine Orchesterversion des „Herkules“ nachzulegen. Zum Einsatz kam hier die (aus dem Berliner „Haus Vaterland“ und von den Etiketten der Homophon-Marken her besser unter ihren ungarisch-exotischen Pseudonymen „Arpad Varosz“ und „Jenö Fesca“) bekannte Kapelle Willi Metschke mit dem vielbeschäftigten Studiosänger Paul Dorn (auch Hagedorn). Hier fehlt bei der Komponistenangabe der Akzent auf dem „e“ nicht, und auch die Rückseite wartet mit einem Olfen-Titel auf („Spiel‘, Spielmann, mir ein Liedchen von Sizilien“), der in Olfens eigener Einspielung bisher nicht aufzufinden war.
Nach diesen zwei Platten (und einer in neuerer Zeit in Sammlerkreisen erwähnten Erstversion der Legionärsballade „Wüsten-Chöre“, die uns aber derzeit nicht vorliegt), verliert sich nicht nur die diskographische Spur Olfens zunächst.
Wo und wie er den II. Weltkrieg verbrachte, war bisher nicht in Erfahrung zu bringen.
Bald nachher, vermutlich schon kurz nach der Währungsreform, stand er wieder für die Schallplatte vor dem Mikrophon, diesmal nicht für ein unabhängiges Etikett, sondern für die Telefunkenplatte - allerdings nur für deren Werbeabteilung, die „Telefunken-Werbestimme“. Hier sang er in Eigenregie erneut den „Herkules“ sowie die schon genannten „Wüsten-Chöre“ ein. Dies dürfte dadurch zu erklären sein, daß die Telefunkenleute wohl kaum mit einer Kostendeckung durch den Verkauf von Platten eines außerhalb der Region Kassel unbekannten Kabarettisten rechneten, der inzwischen auch nicht mehr der Jüngste war. Vermutlich hat also Olfen die Produktion selbst finanziert und eben bei der auch nach dem Kriege noch bestehenden Werbestimme als Lohnaufnahme in Auftrag gegeben. Wie bereits bei den Tonographie-Aufnahmen handelt es sich um eine 25-cm-Normalplatte aus Schellackmasse (78 U/min). Von ihr existieren allerdings mindestens zwei Preßauflagen, was doch für eine gewisse Verbreitung spricht.
Wiederum bei der Telefunken-Werbestimme erschien Ende der 50er Jahre, also noch einmal rund ein Jahrzehnt später, eine kleine Reihe mit Kassel-Aufnahmen, nun dem mittlerweile fortgeschrittenen Stand der Technik entsprechend, auf 45er Vinylplatten mit 17 cm Durchmesser.
In dieser Serie ist auch der „Herkules“ enthalten, allerdings mit einer völlig veränderten Melodie. Warum René Olfen sich zu letzterem Schritt entschloß, ist nicht klar - die alte Melodie ist erheblich eingängiger. Lag es vielleicht an einem durch das Älterwerden inzwischen reduzierten Stimmumfang? Dagegen spricht aber  die in hoher Tonlage gesummte Einleitung. Wollte am Ende der ewige Eigenbrötler Olfen damit dem bis über die Schmerzgrenze hinaus volksliedhaft-kitschigen Zeitgeist der 50er Jahre eine Neufassung mit stärkerer Abstraktion entgegensetzen? Nachvollziehbar erscheint die Änderung kaum, vor allem dann nicht, wenn man die ältere Fassung kennt.
Verständlicher ist da schon die Textänderung in „Tannenkinderchen“. Konnte Olfen vor 1933 noch unbekümmert von „Vaterland“ singen, hatte dieses Wort 1959 einen tausendjährigen bitter-braunen Beigeschmack, so daß er es durch „du heiliges Land“ ersetzte. Kleinere Textkorrekturen haben sich, vermutlich über die Jahre, ähnlich wie beim „Herkules“ aus der besseren Singbarkeit, der Nutzung von Wiedererkennungseffekten ergeben (vgl. Erstfassung Olfen: „Grüß‘ mir das Denkmal auf dem Friedrichsplatz ...“ bzw. „Mein deutscher Kamerad im Reisedreß ...“ - Fassung Metschke bereits kurze Zeit später: „Grüß‘ mir den Druselturm, den Friedrichsplatz ... “/ „Mein deutscher Kamerad, bist du ein Hess‘ ... “) Olfen behielt in den späteren Fassungen beide Änderungen bei. Auch die schönere Abfolge von Stab-, Binnen- und Endreimen mag Abwandlungen ergeben haben (vgl. z.B. alte Fassung: „zu Fuß ging ich den weiten Weg/ bis an den kleinen Wiesensteg/ vor meinem Vaterhaus“ gegen neue Fassung „zu Fuß wüßt‘ ich den Riesenweg/ bis an den kleinen Wiesensteg ... “). Auch hier erfolgten geringfügige Änderungen der Melodie - von einer vollständigen Neufassung kann aber keine Rede sein. Vielleicht sind sie wirklich René Olfens inzwischen gealterter Stimme geschuldet, mit der wir den eigensinnigen Künstler auf den mit einem kuriosen Hinweis markierten Platten hören können:
„Klangblende auf ,hell‘ stellen“, sind die Hüllen gestempelt - und auf einem Etikett heißt es: „Platte wurde auf Wunsch des Urhebers ohne die üblichen Klangverschönerungs-Tricks unter rauschenden Bäumen aufgenommen“. Daß zu diesen „Tricks“ auch die spätestens mit der 45er-Technik endgültig eingeführte schnittechnisch bedingte Höhenanhebung gehörte, die bei der Wiedergabe das lästige Nadelgeräusch erheblich vermindern hilft, wollte sich Olfen vermutlich nicht sagen lassen. Daher klingen heute die Platten entweder dumpf - oder neigen, befolgt man den Ratschlag, stärker als üblich zum Knistern. Und was die damaligen Plattenkäufer ohne den Hinweis wohl über das Hintergundrauschen auf den modernen Singles gedacht hätten ...?
Ob Olfen nach dieser kleinen Plattenserie noch Aufnahmen machte, ist bisher nicht bekannt.
Er lebte bis zu seinem Tode am 21. Oktober 1990 in einem Gartenhaus in der Kasseler Nordstadt, von der Öffentlichkeit völlig vergessen und zurückgezogen, begleitet nur von wenigen treuen Freunden (zum engsten Kreis gehörte Werner Baus, der damals in Kassel ansässige bekannte Fachmann für mechanische Musikinstrumente) und seinen Hunden.
Man sollte René Olfen ein seiner würdiges Denkmal setzen. Ein kleiner Ansatz hierzu ist unsere Sendung - eine leicht überarbeitete Wiederholung der Tanzparkett-/ Magic-Moments-Sonderausgabe zu seinem 20. Todestag.
Durchs Programm begleitet Sie Michael Rolf.

  • Sendetermin: „Tanzparkett extra“, Sonntag, 25. Oktober 2020, 17 Uhr
  • Wiederholung: Montag, 26.Oktober 2020, 9 Uhr

 

Programminfos für den 20.10.2020 und 21.10.2020

Zwei Seelen ...

... wohnen in seiner Brust: als Sohn einer österreichischen Mutter und eines Schweizer Vaters wuchs er zunächst in Biel auf. Einige Jahre nach dem Tod seines Vaters wurde er in ein Internat nach Klagenfurt geschickt; später zog seine Familie dorthin nach. In den frühen 1980er-Jahren kam er in die Schweiz zurück und spielte in verschiedenen Berner Musikgruppen, unter anderem bei Hunger & Trunk, Caduta Massi und Andreas Flückiger & Die Alpinisten. 1989 gründete er mit Balts Nill die Band Stiller Has und prägte die Berner und die Schweizer Mundart-Szene nachhaltig. Im Laufe der Zeit  hat die Band 12 Studio- und 3 Live-Alben veröffentlicht. Anlässlich seines 65. Geburtstages wollen wir Endo Anaconda, den "Mastermind" der Band, im Portrait vorstellen. Am Mikrofon: Trudi Kindl.

  • Sendetermine: „Kreuzweise“, Dienstag, 20. Oktober 2020, 20.00 Uhr
  • Wiederholung: Mittwoch, 21. Oktober 2020, 12.00 Uhr

 

Platten des ersten Tonfilmstars

Zum 70. Todestag von Al Jolson, Folge 1

Al Jolson starb als Weltstar - am 23. Oktober 1950 im Alter von 64 Jahren in San Francisco.
Geboren worden war er am 26. Mai 1886 - noch in der „Alten Welt“, nämlich im heute litauischen und damals russischen Srednik - als Asa Joelson. Seine Eltern wanderten mit ihm 1894 in die USA aus.
Seine Mutter starb bald darauf, der Vater heiratete erneut, was schließlich Jolson und seinen Bruder veranlaßte, das Elternhaus zu verlassen und eigene Wege zu gehen. Ganz dem amerikanischen Klischee entsprechend, schlug er sich nach New York durch, wo er, zeitweise auf der Straße oder im Waisenhaus lebend, als Schuhputzer seinen Lebensunterhalt bestritt - und als Sänger.
1911 hatte er damit seinen Durchbruch - ihm gelang der Sprung auf die Minstrel- und Vaudevillebühne. Hier machte er mit Blackface-Nummern, d.h. Auftritten mit schwarzgefärbtem Gesicht (wie es damals in Deutschland hieß, als „Negerimitator“) Furore. Diese Art der Darbietung war in jener Zeit durchaus nicht unbedingt rassistisch gemeint - selbst schwarze Künstler wandten dieses Stilmittel zur Steigerung des optischen Effekts an.
Seit Ende 1911 ist Jolson auch schon auch auf Schallplatten zu hören gewesen. Viele der von ihm gebrachten Melodien wurden erst durch seinen Vortrag auf Bühne und Platte zum Schlager, so daß er sich bei vielen Titeln als Miturheber eintragen ließ.
All dies brachte allerdings eher lokale Berühmtheit - in Europa oder anderswo außerhalb der Vereinigten Staaten wurde er zunächst nicht wahrgenommen. Dem Massenpublikum der ganzen Welt bekannt wurde er erst durch seine Rolle im von den Warner Brothers nach dem Vitaphone-Verfahren gedrehten ersten abendfüllenden Tonfilm (wenn man es ganz genau nimmt, war er nur teilweise synchron vertont) „The Jazz Singer“, der 1927 in die US-Kinos kam. Mit diesem Film sollte sich die ganze Welt des Kinos völlig verändern.
Auch sängerisch wirkte Jolson jahrzehntelang als Vorbild weiter - Sänger wie Bing Crosby und Elvis Presley, aber auch noch Rock- und Popstars wie Mick Jagger und gar Michael Jackson bekannten sich zu Jolson als Vorbild für ihren Gesangsstil.
In der ersten Folge präsentieren wir Ihnen eine Auswahl an Jolsons Platten aus den Jahren 1916 bis 1925. In voraussichtlich zwei weiteren Folgen werden wir uns mit seiner weiteren Karriere sowie seinem Comeback nach dem II. Weltkrieg befassen, das allerdings nur kurz währen sollte, da Jolson eben schon 1950 starb.
Durchs Programm begleitet Sie Thomas Sosna.

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 21. Oktober 2020, 21 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 22. Oktober 2020, 13 Uhr

 

Programminfo für den 09.10.2020

Heinz Bude und die Dezentrale im Interview

Der Standort des geplanten documenta-Instituts steht immer noch nicht fest – aber immerhin hat man bereits den Gründungsdirektor engagiert: Prof. Heinz Bude, Star-Soziologe und Wissenschafts-Promi, langjähriger Dozent an der Kasseler Universität, wird das Institut zumindest in der Anfangsphase führen. Zur Standortfrage äußert er sich nicht, aber im Interview mit Klaus Schaake erläuterte er erste Ideen und Konzepte für die inhaltliche Gestaltung.
Im zweiten Teil der Sendung stellt Johannes Paul in seinem Podcast „Kulturnapf“ den Kasseler Kulturförderverein „Die Dezentrale“ vor.
Außerdem in der Sendung: Erinnerungen an John Lennon zum 80. Geburtstag.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 9. Oktober 2020, 18 Uhr

 

Schweizer Kabarett in Nordhessen

Lisa Catena stammt aus der Schweiz, wie an ihrem Akzent unschwer zu erkennen ist. Gnädigerweise spielt sie ihre Programme hierzulande jedoch auf Hochdeutsch – so auch im vorletzten Jahr, als sie in Vellmar im „Piazza“ zu Gast war. 2019 ist Lisa Catena, die auch als Musikerin und Moderatorin bekannt ist, mit dem Förderpreis zum Deutschen Kabarettpreis ausgezeichnet worden.

  • Sendetermin: „Kabarett live“, Freitag, 9. Oktober 2020, 22 Uhr

Programminfos vom 03.10.2020 bis 07.10.2020

Davon haben wir nichts gewußt

Was wußten die Deutschen vom Holocaust, von der systematischen Ermordung der europäischen Juden? Die meisten Zeitgenossen erklärten, davon nichts geahnt zu haben. Aber kann man diese Behauptung aufrechterhalten? Wußten die Deutschen viel mehr, als sie nach dem Krieg zugaben? Der VHS-Vortrag von Prof. Jens Flemming gibt anhand neuer Forschungsergebnisse Antworten auf diese und weitere Fragen.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 2. Oktober 2020, 18 Uhr

 

Where ya goin´ with that bottle in your hand, Janis ...

Die 50. Todestage häufen sich. Hatten wir kürzlich noch Jimi Hendrix, der Gitarristenlegende, hinterhergetrauert, so sei nun also auch an die unvergessene Blues-Rock-Röhre Janis Joplin erinnert. Beide Künstler waren echte Blues People. Hatte Jimi neue Maßstäbe in Sachen E-Gitarrenpicking, hochauflösendem Technik-Brimborium und entsprechender Bearbeitung gesetzt, so hat Janis ihre Einsamkeit, ihr Mißverstandensein und ihre Wut mit naturgegebener Stimme mal fein angedeutet, mal mit Power herausgeschrien. Janis hat uns am 4. Oktober 1970 verlassen.
Farewell, Sister J.J. - we´re all traveling the same direction. Hope to meet you at the end of the rainbow.

  • Sendetermine: „Long Distance Call“, Samstag, 3. Oktober 2020, 18 Uhr
  • “Lonesome Traveler”, Sonntag, 4. Oktober 2020, 19 Uhr  
     

 

Zwei Seelen ...

... wohnen in seiner Brust: als Sohn einer österreichischen Mutter und eines Schweizer Vaters wuchs er zunächst in Biel auf. Einige Jahre nach dem Tod seines Vaters wurde er in ein Internat nach Klagenfurt geschickt; später zog seine Familie dorthin nach. In den frühen 1980er-Jahren kam er in die Schweiz zurück und spielte in verschiedenen Berner Musikgruppen, unter anderem bei Hunger & Trunk, Caduta Massi und Andreas Flückiger & Die Alpinisten. 1989 gründete er mit Balts Nill die Band Stiller Has und prägte die Berner und die Schweizer Mundart-Szene nachhaltig. Im Laufe der Zeit  hat die Band 12 Studio- und 3 Live-Alben veröffentlicht. Anlässlich seines 65. Geburtstages wollen wir Endo Anaconda, den "Mastermind" der Band, im Portrait vorstellen. Am Mikrofon: Trudi Kindl.

  • Sendetermine: „Kreuzweise“, Dienstag, 6. Oktober 2020, 20.00 Uhr
  • Wiederholung: Mittwoch, 7.Oktober 2020, 12.00 Uhr

 

 


Bernard Etté und sein Tanzorchester, Folge 4: 1926

Auch in dieser Ausgabe der Sendereihe „Tanzparkett“ befassen wir uns wieder mit dem Kasseler Jungen Bernard Etté (bürgerlich: Bernhard Ette). Nach seinem Weg aus Kassel durch die Provinz nach Berlin, seinem Schallplattendebüt bei Star-Record und dem noch im selben Jahre 1923 erfolgten Wechsel zur Vox ist er nun, drei Jahre danach, zum Rundfunk- und Plattenstar aufgestiegen und gefragt bei Konzerten und in gehobenen Tanzlokalen. Er zählt zu den Musikern, die in Deutschland die höchsten Gagen bekommen - wohl nicht ganz zu unrecht. Er ist einer der ersten Kapellmeister, die begriffen haben, wie man dem deutschen Publikum den immer noch neuen und ungewohnten Jazz schmackhaft machen kann. Auf meterhohen Leuchtreklamen wirbt die Vox mit seinem zugkräftigen Namen, wie man z.B. in Walter Ruttmanns Film „Berlin - die Sinfonie der Großstadt“ (1927) sehen kann.
1926 ging die Vox, wie alle großen Schallplattenfabriken in Deutschland, zum elektrischen Aufnahmeverfahren über. Vermutlich war dieser Schritt ähnlich radikal wie vor einigen Jahren der Übergang zum  Digitalverfahren in der Tontechnik - wenn nicht noch radikaler. Vieles im Studioalltag änderte sich nun für die Musiker. Siehe dazu unsere Anmerkungen im Programmarchiv unter Dajos Bela.
Etté war, wie die Hauskapellmeister der konkurrierenden Plattenfirmen, ein „Vielaufnehmer“. Aberhunderte Platteneinspielungen lieferte er in seinen Jahren bei der Vox ab, obwohl er in erster Linie Tanzmusik einspielte und nicht, wie etwa der schon erwähnte Dajos Bela bei der Lindström oder Marek Weber bei der Electrola, alle Genres damals nachgefragter Musik von der Tanzmusik bis zur leichten Klassik bedienen mußte.
Daher umspannt unsere Ausgabe diesmal nur das Jahr 1926 - von der Einführung des elektrischen Verfahrens im Mai bis zum Dezember.
Durchs Programm begleiten Sie Peter Michael und Thomas Sosna.

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 7. Oktober 2020, 21 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 8. Oktober 2020, 13 Uhr

 

 

Programminfo für den 25.09.2020

Die Bürde des weisen Mannes

Nach seinem ersten, mit 11 Kabarettpreisen ausgezeichneten Programm „Gedanken! Los!“ wurde René Sydow von der Presse als der „am lautesten geflüsterte Geheimtip“ des politischen Kabaretts bezeichnet. Mit seinem zweiten Solo löste er dieses Versprechen ein und präsentierte uns ein Programm über den Irrsinn in der Politik. Er nahm sich Minister, Medienmacher und andere Mitglieder des organisierten (V)Erbrechens vor. In seinem dritten Soloprogramm geht der Träger des Deutschen Kabarettpreises etwas weniger laut, aber umso intensiver der Frage nach, was uns zum Menschen macht: Bildung? Wahlrecht? Oder doch nur freies WLAN? Warum wird die Welt nicht klüger, wenn der Zugang zu Wissen noch nie so leicht war? Warum verarmen Menschen, bei all dem Reichtum der Welt? Woher kommen Haß, Fanatismus und Turbo-Abi? Wer ist schuld an diesem Elend? Und wer trägt eigentlich die Bürde des weisen Mannes?
Zum Schreien traurig und schockierend lustig. Dunkel und hoffnungsvoll. Politisches
Kabarett auf der Höhe der Zeit. Im Februar 2019 präsentierte Rolf Sydow sein Programm im „Piazza“ in Vellmar.

  • Sendetermin: „Kabarett live“, Freitag, 25. September 2020, 22 Uhr

Programminfos vom 18.09.2020 bis 24.09.2020

Europäische Solidarität - Eine Freiwillige aus Frankreich berichtet über ihr Jahr in Kassel

Johanne-Laure aus Frankreich war für ein Jahr im Rahmen des Europäischen Solidaritätskorps in Kassel und hat in der Zirkusmanege von ZirkuTopia und im Haus der Jugend Erfahrungen in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen online wie offline gesammelt. „Frankreich und Deutschland sind Nachbarn und doch gibt es viele Unterschiede“, sagt sie. Impressionen aus ihrem Alltag in Kassel schildert sie in dieser 60 minütigen Sendung des Jugendbildungswerks Kassel: ungewohnte Herausforderungen in der Arbeit mit Jugendlichen,  Irritationen über ungewohnt kurze Mittagspausen, Eindrücke von umfangreicher Mülltrennung, vom Engagement junger Menschen für Klima und Umwelt und vom Freiwilligendienst in Zeiten von Corona. – Musik aus Frankreich gibt es auch in der Sendung.
Ein Beitrag des Jugendbildungswerks der Stadt Kassel.

  • Sendetermin: Freitag, 18.September 2020, 17.00 Uhr

 

Man lebt so oder so

Unter diesem Motto steht eine Sommerlesereihe des Evangelischen Forums Kassel, aus deren Programm wir in den letzten Wochen bereits Auszüge gesendet haben. Heute liest Jürgen Wink, Schauspieler am Staatstheater Kassel, die Erzählung "Sommernovelette" des österreichischen Schriftstellers Stefan Zweig (1881 – 1942). Seine Erzählungen machten Stefan Zweig zu einem der meist gelesenen Schriftsteller weltweit.
Außerdem in der Sendung: Vorschau auf das lange Jimi-Hendrix-Wochenende im FRK zum 50. Todestags des Wundergitarristen.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 18. September 2020, 18 Uhr

 

 

Zum 50. Todestag von Jimi Hendrix

Spät kommen wir – dafür aber um so heftiger: Der Todestag von Gitarren-Gott Hendrix jährte sich am 18. September zum 50. Mal. Eigentlich werden solche Gedenktage immer vorab begangen, aber da am vergangenen Samstag schon die Kollegen vom Deutschlandradio eine „Lange Hendrix-Nacht“ im Programm hatten, haben wir uns entschlossen, unsere Gedenkfeier auf das Wochenende nach dem Todestag zu verschieben. Allerdings: Im Gegensatz zum Deutschlandradio, das sich gerade mal drei Stunden Zeit nahm, umfaßt unser Hendrix-Wochenende insgesamt 20 Stunden. Weniger geht auch gar nicht – immerhin haben wir es mit dem wohl größten Gitarristen der Musikgeschichte zu tun.
Als Einstieg in unseren Gedenk-Marathon bringen wir am Samstag ab 20 Uhr ein rund vierstündiges Radio-Feature, das vor über 30 Jahren im amerikanischen Rundfunk lief. Die Sendung erzählt Jimis Leben und Karriere unter anderem anhand von Originaltönen, Interviews und teils seltenen Studio- und Konzertaufnahmen. Direkt im Anschluß, also ab Mitternacht, gibt’s die erste unserer beiden Hendrix-Nächte: Bis 6 Uhr morgens befassen wir uns mit seinen Studioaufnahmen – vor allem mit den klassischen Originalalben wie „Electric Ladyland“ und „Are You Experienced“. Aber auch Songs, die erst nach seinem Tod veröffentlicht wurden, sind zu hören. Als „Zugabe“ zur Langen Nacht gibt’s von 6 bis 8 Uhr den Mitschnitt des legendären Konzerts, das Jimi mit seiner „Experience“ Ende August 1970 beim Festival auf der Isle Of Wight spielte – drei Wochen vor seinem Tod.
Konzertaufnahmen stehen auch im Mittelpunkt des finalen Teils unseres Hendrix-Festivals: In der Nacht von Sonntag auf Montag gibt’s ab 0 Uhr acht Stunden lang  Live-Mitschnitte aus den verschiedenen Phasen seiner Karriere zu hören – sowohl mit seiner legendäre „Experience“ als Begleitband als auch mit der kurzlebigen „Band Of Gypsys“. Und natürlich bringen wir auch Jimis berühmtesten Auftritt, beim Woodstock-Festival im Sommer 1969.
Macht an diesem Wochenende zusammen runde 20 Stunden Hendrix im FRK. Muß das wirklich sein, ist das nicht ein wenig übertrieben? Klare Antwort: Selbstverständlich MUSS das sein – weniger wäre dem Gitarren-Genie nicht angemessen. 

  • Sendetermine: Samstag, 19. September 2020, 20 Uhr bis 24 Uhr
  • Samstag, 19. September 2020, 24 Uhr bis 8 Uhr
  • Sonntag, 20. September 2020, 24 Uhr bis 8 Uhr

 

Rosita Serrano - die chilenische Nachtigall

Aufnahmen für die Telefunkenplatte vor 1945, Folge 2

In zwei Sendungen würdigten wir vor 20 Jahren den Publikumsliebling Rosita Serrano (bürgerlich: Maria Martha Esther Aldunate del Campo, 10.6.1914 [wahrscheinlich 1912] - 06.4.1997). Als Tochter der im südamerikanisch-spanischen Kulturkreis bekannten und beliebten Koloratursopranistin Sofia del Campo war sie freilich nicht nur „mit einer Gitarre und großem Vertauen auf ihr Können“ nach Deutschland gekommen, wie es auf einer Plattenhülle der Telefunken zu lesen stand, aber ihr Können war ohne Frage erheblich. Spanisch, italienisch, deutsch, französisch und englisch singend, pfeifend, zum Orchester oder sich an der Gitarre selbst begleitend war sie zu hören.
 Lediglich beim Film fiel sie in Deutschland durch, auf Konzertpodium und Platte sowie auf der Theaterbühne war sie erfolgreich - sie spielte 1941 die Hauptrolle in „Anita und der Teufel“, einem, wenn auch nicht so bezeichneten, frühen deutschen Musical. Hinter der Bühne Kollegen gegenüber launisch, oft cholerisch, wußte sie im Rampenlicht immer, was sie ihrem Publikum schuldig war, verstand sie sich mit ihrer Mischung aus Exotik, Erotik (so bezeichnete z.B. einer ihrer Orchesterleiter, Peter Kreuder, die engen Hosen, die Rosita schon Ende der 30er trug, als „ans Skandalöse grenzend“), Komödiantentum und Perfektion im Auftritt blendend zu verkaufen. Auch am Funk erntete sie enormes Publikumsinteresse. Ihre Popularität führte sie bis ins „Wunschkonzert für die Wehrmacht“ des Großdeutschen Rundfunks.
Trotzdem blieb sie 1943 bei einer Tournee in Schweden, da sie in Deutschland verhaftet werde sollte. Die genauen Gründe sind unklar, vermutlich hatte sie jüdische Flüchtlinge mit Einnahmen aus ihren Konzerten unterstützt. Eine Platte aus Schweden aus dieser Zeit ist in Teil 2 enthalten.
Über die USA, wo sie 1948 Wohltätigkeitskonzerte zugunsten deutscher Kinder gegeben hatte, kehrte Rosita Serrano 1950 nach Deutschland zurück. Auch wenn sie 1951 in einem Interview in der Musikzeitschrift „Vier Viertel“ dankbar feststellte, daß sie dem deutschen Publikum alles verdanke - aus dem Munde einer ausländischen Künstlerin in dieser Zeit keine selbstverständliche Aussage - sank ihr Stern. Ihre Konzerte und Platten (sie nahm nun bei der Electrola auf) hatten bald das Publikumsinteresse verloren. Sie kam schließlich bei Kleinetiketten wie Bellaphon und Amati unter. Ein achtbarer Erfolg gelang ihr noch einmal 1961, als sie es mit einer Platte auf Platz 39 der deutschen Hitparade brachte.
Sie blieb unstet, heiratete nach Ägypten und lebte dort, zog vorübergehend auch nach Hollywood, wohnte zeitweise bei einem Verehrer in Gemünden/ Felda, den sie bis an ihr Lebensende jährlich besuchte, und war lange Zeit mit dem Kasseler Kinoplakatmaler Will Williams liiert, mit dem sie u.a. in Chile lebte. Nach der Trennung blieb sie in Chile, dort starb sie 1997 an einer Lungenerkrankung. Der acht oder zehn Jahre jüngere Will Williams starb 2015 in Kassel.
Diese zwei Folgen entstanden in Zusammenarbeit mit dem damals in Göttingen ansässigen Plattenfachmann Nils Mühlbrandt, der sich in dieser Zeit besonders mit dem Gebiet der Kleinkunst beschäftigte. Sie wurden am 6. und am 20. September 2000 ausgestrahlt.
Durch die Sendung führen Nils Mühlbrandt und Michael Rolf.

  • Sendetermin: „Tanzparkett vor 20 Jahren“, Sonntag, 20. September 2020, 17 Uhr
  • Wiederholung: Montag, 21. September 2020, 9 Uhr

 

Ein Kasseler Junge macht Karriere

Bernard Etté und sein Tanzorchester, Folge 3

Seit 1924 war Bernard Etté bestrebt, sein Orchester nach US-Vorbild zu einer Jazzband auszubauen. Dabei bevorzugte er gegenüber dem ursprünglichen, oft als zu rauh empfundenen Kleingruppenjazz der Frühzeit den gemäßigt-gebändigten semisymphonischen Stil à la Paul Whiteman, der größere Besetzungen erforderte. Somit kann man von einer Abkehr vom alten europäischen Salonstil in zwei Hinsichten sprechen.
Etté war damit den meisten seiner deutschen Konkurrenten stilistisch um etwa ein Jahr voraus. So verwendete Etté in dieser Zeit auch bereits bei Foxtrott-Arrangements im Special-Chorus den sog. Stop-Chorus, bei dem er die eigentlich vorgesehenen Instrumente der klassischen Salonbesetzung wie Flöte und Oboe meist schon durch typische Jazzinstrumente ersetzte. Trotzdem machte Etté auch hin und wieder Rückschritte und nahm in ebensolcher Salonbesetzung auf. Wir bringen zu Beginn der Sendung entsprechende Beispiele aus einer Aufnahmesitzung vom Spätsommer 1925. Möglich ist es hierbei durchaus, daß dem Talentsucher Etté seine amerikanischen Solisten von konkurrierenden Kapellmeistern wegengagiert worden waren - dies passierte ihm im Laufe der Zeit öfter, da die andern Orchesterchefs meist sehr viel besser und pünktlicher zahlten.
Anfang 1926 hatte Etté wieder einige US-Musiker in der Besetzung, die für die kommende Entwicklung des Jazz in Deutschland wichtig werden sollten. So hören Sie Howard MacFarlane an der Trompete, Billy Williams, den Sie schon aus der letzten Sendung kennen, am Altsax und last but not least am Banjo Mike Danzi. Dieser spielte von 1924 bis 1939 mit einer kurzen Unterbrechung in Berlin und ist auf über 16.000 Plattenseiten zu hören.
Im Verlaufe der Sendung kommen wir bis Mai 1926 und bleiben damit noch in der akustischen Aufnahmeära. Nachdem die Vox, wie in der letzten Sendung gesagt und durch eine der wenigen bereits damals auch in den Handel gebrachten Platten belegt, bereits 1924 im Laborversuch elektrisch aufgenommene Platten geschnitten hatte, blieb sie für die regulären Handelsplatten bis 1926 beim alten Verfahren - wie alle anderen großen deutschen Plattenfirmen auch.
Das hatte, wie an dieser Stelle schon öfter beschrieben, auch Auswirkungen auf Instrumentierung und Spielweise der Orchester. Näheres hierzu finden Sie in unserem Programmarchiv unter den Einträgen zu unserer in den letzten zwei Jahren gelaufenen Dajos-Bela-Reihe (die voraussichtlich auch demnächst fortgesetzt wird).
Weiteres Merkmal der in dieser Sendung behandelten Zeitspanne ist die feste Etablierung des Refraingesangs durch Einzelsänger. In der ersten Hälfte der 20er waren noch Instrumentalversionen vorherrschend gewesen. Wenn es Gesang gab, handelte es sich dabei meist um (aus aufnahmetechnischen Gründen oft schwerverständlichen) Duett- oder Terzettgesang. Nunmehr tritt ein klar und deutlich zu verstehender Sänger vor den Trichter. Doch noch geben in der Publikumsgunst der meist „tanzwütigen“ Plattenkäufer die Orchester den Ton an, nicht die Sänger.
Durchs Programm begleiten Sie Peter Michael und Thomas Sosna.

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 23. September 2020, 21 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 24. September, 13 Uhr

 

Programminfos vom 16.09.2020 bis 20.09.2020

Neues Live-Album der „Frontm3n“

Bereits ab 19:45 Uhr gibt es heute in Handmade nicht nur die wilde und bunte Musikmischung, die ihr von der Sendung kennt, sondern auch einen Einblick ins neue Live Doppel-Album/-DVD der FRONTM3N, die mit „Up Close – Live 2020“ eine Konzertaufnahme aus Januar 2020, aufgenommen im wunderschönen Admiralspalast in Berlin, auf den Markt gebracht haben, die zum Abschalten, Seele baumeln lassen und Genießen einlädt. Der Mitschnitt der drei Herren beinhaltet nicht nur die größten Hits ihrer bisherigen Bands (Pete Lincoln ist bekannt von The Sweet und Sailor, Mick Wilson von 10 CC und Peter Howarth von The Hollies), sondern auch noch FRONTM3N-eigene Kompositionen, die sich nahtlos ins Programm einfügen, und dies alles in außergewöhnlichen Akustikversionen. Zusätzlich gab es bei dieser Show auch noch zwei Special Guests, nämlich Eric Martin von MR. BIG, der auf „Up Close“ einige seiner größten Hits zusammen mit FRONTM3N zum Besten gibt ("To Be With You", "Wild World" etc.), ebenso wie Nevio Passaro (u.a. "Amore Per Sempre") und noch einige Überraschungen. In einige Ausschnitte dieses musikalischen Mitschnitts hören wir heute in Handmade hinein.

  • Sendetermin: Mittwoch, 16. September 2020, 19:45 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 17. September 2020, 11:45 Uhr

 

Rosita Serrano - die chilenische Nachtigall

Aufnahmen für die Telefunkenplatte vor 1945, Folge 1/2

In zwei Sendungen würdigten wir vor 20 Jahren den Publikumsliebling Rosita Serrano (bürgerlich: Maria Martha Esther Aldunate del Campo, 10.6.1914 [wahrscheinlich 1912] - 06.4.1997). Als Tochter der im südamerikanisch-spanischen Kulturkreis bekannten und beliebten Koloratursopranistin Sofia del Campo war sie freilich nicht „nur mit einer Gitarre und großem Vertrauen auf ihr Können“ nach Deutschland gekommen, wie es auf einer Plattenhülle der Telefunken sinngemäß zu lesen stand, aber ihr Können war ohne Frage erheblich. Spanisch, italienisch, deutsch, französisch und englisch singend, pfeifend, zum Orchester oder sich an der Gitarre selbst begleitend - so war sie zu hören.
Lediglich beim Film fiel sie in Deutschland durch, auf Konzertpodium und Platte sowie am Funk erntete sie enormes Publikumsinteresse. Ihre Popularität führte sie bis ins „Wunschkonzert für die Wehrmacht“ des Großdeutschen Rundfunks. Trotzdem blieb sie 1943 bei einer Tournee in Schweden, da sie Kenntnis davon erhielt, daß sie in Deutschland verhaftet werde sollte. Die genauen Gründe sind unklar, vermutlich hatte sie jüdische Flüchtlinge mit Einnahmen aus ihren Konzerten unterstützt. Eine Platte aus Schweden aus dieser Zeit ist in der Sendefolge (Teil 2) enthalten.
Nach dem Kriege kehrte sie über die USA nach Deutschland zurück, doch ihr Stern war inzwischen gesunken. Ihre Konzerte und Platten hatten das Publikumsinteresse weitgehend verloren. Ein achtbarer Erfolg gelang ihr noch einmal 1961, als sie es mit einer Platte auf Platz 39 der deutschen Hitparade brachte.
Sie wohnte zeitweise bei einem Verehrer in Gemünden/ Felda und war lange Zeit mit dem Kasseler Kinoplakatmaler Will Williams liiert, mit dem sie u.a. in Chile lebte. Nach der Trennung blieb sie in Chile, dort starb sie 1997 an einer Lungenerkrankung. Der acht oder zehn Jahre jüngere Will Williams starb 2015 in Kassel.
Diese zwei Folgen entstanden in Zusammenarbeit mit dem damals in Göttingen ansässigen Plattenfachmann Nils Mühlbrandt, der sich in dieser Zeit besonders auf dem Gebiet der Kleinkunst einen Namen erworben hatte. Sie wurden am 6. und am 20. September 2000 ausgestrahlt.
Durch die Sendungen führen Nils Mühlbrandt und Michael Rolf.
Letzterer war übrigens nach dieser Produktion längere Zeit nicht mehr als einer der Hauptsprecher in der Reihe „Tanzparkett“ zu hören, sondern wirkte ausschließlich in der Technik mit und übernahm allenfalls die Einsprache kurzer Zitate u. dergl.

  • Sendetermin: „Tanzparkett vor 20 Jahren“, Sonntag, 13. September 2020, 17 Uhr
  • Wiederholung: Montag, 14. September 2020, 9 Uhr
  • Zweite Folge am 20. September.

 

Programminfo vom 04.09.2020 bis 09.09.2020

documenta im Doppelpack

Der Standort, an dem das documenta-Institut gebaut werden soll, ist nach den jüngsten Entwicklungen wieder offen. Prof. Dr.-Ing. Uwe Altrock vom Fachbereich Architektur, Stadt- und Landschaftsplanung der Universität Kassel, Fachgebiet Stadterneuerung und Planungstheorie, analysiert im Gespräch mit Klaus Schaake den ursprünglich beschlossenen, nun aber durch die Stadtpolitik aufgegebenen Standort an der Oberen Karlsstraße, nimmt mögliche Vor- und Nachteile anderer Standorte in den Blick und spricht auch über die Notwendigkeit eines übergeordneten Stadtentwicklungskonzepts.
Im zweiten Teil der Sendung bringen wir einen Vortrag des documenta-Experten und Buchautors Christian Saehrendt, der auf Einladung des documenta-Archivs im letzten November im Fridericianum zu Gast war und in seinem Vortrag ein ebenso spannendes wie unterhaltsames Thema behandelte. Mit Harald Szeemanns documenta 5 etablierte sich 1972 das zukunftsweisende Format der „Thesenausstellung“: Kuratorinnen und Kuratoren wählen Kunstwerke aus, um eine kulturpolitische Aussage, eine zeitdiagnostische These aufzustellen. In der Regel gibt es dafür keine öffentlichen Ausschreibungen, vielmehr werden Künstlerinnen und Künstler aktiv und exklusiv durch die jeweilige Ausstellungsleitung kontaktiert und eingeladen. Dieses bis heute für documenta Ausstellungen und viele Biennalen wirksame Prinzip etablierte sich zu einem Zeitpunkt, als der „erweiterte Kunstbegriff“ und partizipative Kunst auf eine Ausdehnung und Demokratisierung des Kunstbetriebs hindeuteten.
Wer bewarb sich dennoch bei der documenta? Die Ahnungslosen, die Verzweifelten, die Dreisten? Oder diejenigen, die die neue Offenheit des Kunstbetriebs ernst nahmen? Christian Saehrendt gab einen Einblick in seine Recherchen.
Der Referent ist freier Kunsthistoriker und Autor zahlreicher Publikationen, darunter „Schneewittchen und der kopflose Kurator. Der Reiseführer für documenta-Besucher, Romantiker und Horrorfans“ (Köln 2017) oder „Ist das Kunst oder kann das weg? Vom wahren lAlert der Kunst“ (Köln 2016).

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 4. September 2020, 18 Uhr

 

Der unbekannte Nachbar - Tanzmusik und Kleinkunst aus Polen

Heute: Zum 30. Todestag von Mieczyslaw Fogg, Teil 2/2

In seiner Heimat ist der vor recht genau 30 Jahren, nämlich am 3. September 1990, verstorbene Sänger Mieczyslaw Fogg bis heute ein regelrecht kultisch verehrter Plattenstar. In Deutschland dürfte er den meisten Plattenfreunden und Radiohörern unbekannt sein, so wie viele seiner Landsleute.
Die Gründe dafür sind wohl auf verschiedenen Feldern zu suchen. Sicher spielt die allgemeine und bis heute anhaltende deutsche Wahrnehmung Polens als unterentwickeltes Land eine Rolle, sicher auch die Geschichte der Zeit nach dem I. Weltkrieg, in der sich die beiden Staaten um Land und Leute stritten; gewiß verstellen auch die 40 Jahre Sozialismus nach 1945 den Blick auf das Polen der Zwischenkriegszeit und seine Musikkultur.
Wie anders ist es da z.B. mit der Tschechoslowakei. Mögen einige der Rahmenbedingungen einander auch ähneln, so entbehren doch böhmische Musik und Wesensart der völligen Fremdheit, von der wohl die meisten Deutschen sich angeweht fühlen, wenn es um polnische Musik geht. Während tschechische Kompositionen und auch Platten immer wieder in Deutschland verlegt wurden und viele es zu großer Bekannt- und Beliebtheit brachten, ist die wohl einzige außerhalb Polens zum Schlager gewordene Komposition der von Jerzy Petersburski geschriebene Tango „O Donna Clara!“
Mit unserer in loser Folge gebrachten Reihe „Der unbekannte Nachbar“ wollen wir diesem Defizit ein wenig abhelfen - es gibt noch viele gute Platten zu entdecken.
Anlaß dieser und der folgenden Ausgabe ist der 30. Todestag des wohl größten polnischen Plattenstars seiner Zeit, der es in den 30er Jahren mit einer seiner Platten zu Verkaufsziffern jenseits der 100.000 und damit zum polnischen Vorkriegsrekord brachte.
Mieczyslaw Fogg, recte Fogiel, war der am 30. Mai 1901 in Warschau geborene Sohn eines Lokomotivführers und einer Ladenbesitzerin. Nach dem Wehrdienst als Freiwilliger im Sowjetisch-Polnischen Krieg sollte er nach dem Willen des Vaters eine Ingenieurlaufbahn bei der Polnischen Staatsbahn einschlagen, die er 1922 auch begann. Im selben Jahr entdeckte ihn ein Regisseur auf Talentsuche - als Sänger im Kirchenchor. Eine Gesangsausbildung an der Frederic-Chopin-Hochschule in Warschau folgte.
In Fahrt kam Foggs Karriere mit Gründung des Gesangsensembles „Chor Dana“ durch den Pianisten Wladyslaw „Dan“ Danilowski im Jahre 1928. Mit diesem Ensemble erfolgten ab 1929 Plattenaufnahmen, ab 1930 sang Fogg auch solistisch.
Das Jahr 1938 führte ihn als Solisten nach Amerika. Er unternahm eine ausgedehnte USA-Tournee, trat am Funk auf und sang Platten ein. 1939 trat er als erster Pole überhaupt im Fernsehen auf, nämlich bei der BBC in London.
Bei Kriegsbeginn sang er zunächst weiter; solange der polnische Rundfunk noch arbeiten konnte, vor dessen Mikrophon, dann vor Truppen der in Rückzugsgefechten vor den Deutschen zurückweichenden polnischen Armee. Weitere Auftritte vor Publikum unterließ er nach der Besetzung Polens durch die Wehrmacht sehr bald, da er unter der Beobachtung der Gestapo stand.
Statt dessen arbeitete er als Kellner und schloß sich der Heimatarmee an, um im Untergrund gegen die deutschen Besatzer zu kämpfen. Als Kämpfer war er am Warschauer Aufstand beteiligt und wurde mehrmals verwundet. Auch Konzerte gab er vor den Aufständischen. Mit falschen Papieren konnte Fogg etliche Juden aus seinem Freundeskreis vor der Ermordung durch die Deutschen retten und wurde dafür 1989, also noch zu seinen Lebzeiten, in Jad Waschem als Gerechter unter den Völkern geehrt.
Nach dem Kriege gründete er ein eigenes Schallplattenetikett, die Fogg Record. Die Platten wurden in seiner geräumigen Warschauer Wohnung aufgenommen, die den Krieg überstanden hatte. Seine Plattenfirma fiel jedoch bald der Enteignung durch die Kommunisten zum Opfer und wurde mit den anderen Neugründungen und den Resten der Vorkriegsfirmen zum staatlichen Muza-Konzern zusammengelegt, für den er daraufhin aufnahm. In der zweiten Folge bringen wir ein Potpourri seiner größten Erfolge, das über vier Plattenseiten geht und 1954 zu seinem 25. Schallplattenjubiläum aufgenommen wurde. Auf Tourneen, auch ins westliche Ausland, durfte Fogg weiterhin gehen, ferner blieb er weiterhin als Sänger für die Muza tätig - buchstäblich bis an sein Lebensende. Seine Popularität blieb daher auch bei den nachwachsenden Generationen polnischer Plattenkäufer ungebrochen.
Am 3. September 1990 starb er in seiner Geburtsstadt Warschau und hatte so immerhin den Anfang der neugewonnenen Freiheit seines Heimatlandes erleben können.
Wie oben bereits gesagt, widmen wir Mieczyslaw Fogg aus Anlaß der 30. Wiederkehr seines Todestages zwei Sendungen am Sonntagnachmittag. Der erste Teil über Foggs frühere Plattenjahre lief bereits am 30. August. In der heutigen zweiten Ausgabe kommen wir bis fast zum Ende der Schellackplattenzeit (die in Polen, wie in vielen Ostblockländern, allerdings ein paar Jahre länger währte als im Westen).

  • Sendetermin: „Tanzparkett extra“, Sonntag, 6. September 2020, 17 Uhr
  • Wiederholung: Montag, 7. September 2020, 9 Uhr

 

Beethoven und andere Helden der Musikgeschichte

In drei Episoden stellen Studierende der Musikakademie der Stadt Kassel „Louis Spohr“ bei uns im Programm Musik von Ludwig van Beethoven und anderen großen Komponisten der Klassik, Romantik und Moderne vor. Das trifft sich gut, denn in diesem Jahr wird Beethoven aus Anlass seines 250. Geburtstags groß gefeiert. In den Sendungen der Studierenden ist natürlich seine Musik zu hören. Auf dem Programm stehen aber auch viele andere spannende Werke, unter anderem von Robert Schumann, Dmitri Schostakowitsch oder Antonìn Dvořák. Die Produktionen sind das Ergebnis eines medienpraktischen Seminars unter Leitung von Felix Werthschulte. Moderation: Yuqi Zeng.

  • Sendetermin: Montag, 7. September 2020, 18 Uhr
  • Wiederholung: Dienstag, 8. September 2020, 10 Uhr

 

Ein Kasseler Junge macht Karriere

Bernard Etté und sein Tanzorchester, Folge 2

In der zweiten Folge über den zu seiner Zeit wohl bedeutendsten Musiker aus Kassel beginnen wir mit einem im Oktober 1924 für die Vox-Schallplatte eingespielten US-amerikanischen Titel, direkt danach folgt eine französische Komposition. Man gab sich also im Berlin des Herbstes 1924 ganz offensichtlich bewußt international.
Wie schon im Text zur ersten Folge erwähnt (für weitere Einzelheiten siehe dort), hatte Bernhard Ette, so sein bürgerlicher Name, sich im selben Jahr zum erstenmal in den USA „umgehört“ und dort auch Solisten für seine Kapelle engagiert.
In dieser Ausgabe dringen wir - angesichts der großen Anzahl an Platteneinspielungen Ettés - nur bis zum Sommer 1925 vor. Damit bleiben wir also in der akustischen Aufnahmeära, denn auch wenn die Vox als erste deutsche Firma in Laborversuchen schon 1924 elektrische Aufnahmen geschnitten hatte, blieb sie für die Plattenfertigung - wie alle großen Fabriken in Deutschland - noch bis 1926 beim alten mechanischen Verfahren.
Durchs Programm begleiten Sie Peter Michael und Thomas Sosna.

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 9. September 2020, 21 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 10. September 2020, 13 Uhr

Programminfos vom 28.08.2020 bis 06.09.2020

Erinnerungen an Christine Brückner und Ingomar von Kieseritzky

Heute gibt’s in „Kabarett live“ zwei Veranstaltungsmitschnitte vom Kasseler Komik-Kolloquium 2020, aufgenommen in der Stadtbibliothek bzw. im Museum für Sepulkralkultur.
Vor, nach, während, mit oder ohne Sex; wollen, können, dürfen - oder nicht: Das Thema ist spätestens seit #MeToo hochbrisant, wenn Frauen ihre Stimme erheben. Mit den eigens zu diesem Anlaß verfaßten »Ungehaltenen Reden« entwickeln die Schriftstellerinnen Nora Gomringer, Katja Lange-Müller und Stefanie Sargnagel auf neue und persönliche Weise eine Idee weiter, mit der die Kasseler Autorin Christine Brückner (1921-1996) in den 1980er Jahren für Furore sorgte.
Katja Lange-Müller, 1951 in der Hauptstadt der DDR geboren, schreibt gefeilte Wort- und ausschweifende Satzkunst mit feinem Sinn für Randfiguren, Trunkenheit und Verfall sowie scharfem Spott für ideologische Unterdrückung. 2005 wurde sie mit dem »Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor« ausgezeichnet.
Nora Gomringer, Deutsche und Schweizerin, Jahrgang 1980, ist eine virtuose Wort- und Vortragskünstlerin mit einem breiten Werk. Sie amüsiert und irritiert, liebt, schreibt, vertont, filmt, rezitiert, lehrt Poesie und arbeitet dabei gern mit Künstlern anderer Sparten zusammen. Stefanie Sargnagel, geboren 1986 in Wien, verblüffte mit Publikationen von Callcenter-Monologen und Facebook- Posts. Sie ist Autorin, Kabarettistin, Zeichnerin und Mitglied der feministischen »Burschenschaft Hysteria«.
Zwischen Obsession und Desaster - allerspätestens nach dem Sex ist Vergänglichkeit: »Wenn man jung ist, hat man einfach Sex, aber wenn man älter wird, weiß man immer, es könnte das letzte Mal sein,« so Kirsten Fuchs. Oder anders Thomas Kapielski: »Viel Haar und auch zwei Zähne sind längst mir bestattet. Ermattet hängen Backe und Sack.« Chrizzi Heinen läßt ein im Bad installiertes schwarzes Loch zum Kraftfeld für Liebe und Tod werden. Und der Erzähler von Ingomar von Kieseritzkys »Jenseitsbaedecker« wohnt seiner eigenen Beisetzung bei und dringt als Geist dabei noch einmal in und durch eine Verflossene. Jochen Krajewski, Sprecher und Gitarrist, wird diesen Text als Hommage an den im Mai 2019 verstorbenen Kieseritzky vortragen.
Heiner Boehncke von den Freunden und Förderern des Literaturlands Hessen führt durch den Abend.
Alle vier Autorinnen und Autoren des Abends wurden in Kassel ausgezeichnet: Ingomar von Kieseritzky 1999 und Thomas Kapieiski 2011 mit dem »Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor«, Kirsten Fuchs 2016 und Chrizzi Heinen 2020 mit dem »Förderpreis komische Literatur«. Ingomar von Kieseritzky (1944-2019) veröffentlichte seit 1968 Erzählprosa mit lockenden Titeln wie »Obsession. Ein Liebesfall«, »Das Buch der Desaster« oder »Traurige Therapeuten«. Daneben entstanden weit über 100 Hörspiele.
Thomas Kapieiski (*1951) schreibt, zeichnet und kritzelt, malt Ölschinken, fotografiert, filmt und musiziert. Seit 1976 erscheinen Romane, Gottesbeweise, Kunstkritik oder A- und Sophorismen.
Kirsten Fuchs (*1977) beherrscht mit ihrer Erzählkunst souverän das Komische zwischen Albernheit, Wortspiel, Situationskomik und Satire.
Chrizzi Heinen ist Autorin von Erzählprosa und Hörspielen, bildende Künstlerin, Kuratorin und promovierte Musikwissenschaftlerin.

  • Sendetermin: „Kabarett live“, Freitag, 28. August 2020, 22 Uhr

 

Der unbekannte Nachbar - Tanzmusik und Kleinkunst aus Polen

Heute: Zum 30. Todestag von Mieczyslaw Fogg, Teil 1/ 2

In seiner Heimat ist der vor recht genau 30 Jahren, nämlich am 3. September 1990, verstorbene Sänger Mieczyslaw Fogg bis heute ein regelrecht kultisch verehrter Plattenstar. In Deutschland dürfte er den meisten Plattenfreunden und Radiohörern unbekannt sein, so wie viele seiner Landsleute.
Die Gründe dafür sind wohl auf verschiedenen Feldern zu suchen. Sicher spielt die allgemeine und bis heute anhaltende deutsche Wahrnehmung Polens als unterentwickeltes Land eine Rolle, sicher auch die Geschichte der Zeit nach dem I. Weltkrieg, in der sich die beiden Staaten um Land und Leute stritten; gewiß verstellen auch die 40 Jahre Sozialismus nach 1945 den Blick auf das Polen der Zwischenkriegszeit und seine Musikkultur.
Wie anders ist es da z.B. mit der Tschechoslowakei. Mögen einige der Rahmenbedingungen einander auch ähneln, so entbehren doch böhmische Musik und Wesensart der völligen Fremdheit, von der wohl die meisten Deutschen sich angeweht fühlen, wenn es um polnische Musik geht. Während tschechische Kompositionen und auch Platten immer wieder in Deutschland verlegt wurden und viele es zu großer Bekannt- und Beliebtheit brachten, ist die wohl einzige außerhalb Polens zum Schlager gewordene Komposition der von Jerzy Petersburski geschriebene Tango „O Donna Clara!“
Mit unserer in loser Folge gebrachten Reihe „Der unbekannte Nachbar“ wollen wir diesem Defizit ein wenig abhelfen - es gibt noch viele gute Platten zu entdecken.
Anlaß dieser und der folgenden Ausgabe ist der 30. Todestag des wohl größten polnischen Plattenstars seiner Zeit, der es in den 30er Jahren mit einer seiner Platten zu Verkaufsziffern jenseits der 100.000 und damit zum polnischen Vorkriegsrekord brachte.
Mieczyslaw Fogg, recte Fogiel, war der am 30. Mai 1901 in Warschau geborene Sohn eines Lokomotivführers und einer Ladenbesitzerin. Nach dem Wehrdienst als Freiwilliger im Sowjetisch-Polnischen Krieg sollte er nach dem Willen des Vaters eine Ingenieurlaufbahn bei der Polnischen Staatsbahn einschlagen, die er 1922 auch begann. Im selben Jahr entdeckte ihn ein Regisseur auf Talentsuche - als Sänger im Kirchenchor. Eine Gesangsausbildung an der Frederic-Chopin-Hochschule in Warschau folgte.
In Fahrt kam Foggs Karriere mit Gründung des Gesangsensembles „Chor Dana“ durch den Pianisten Wladyslaw „Dan“ Danilowski im Jahre 1928. Mit diesem Ensemble erfolgten ab 1929 Plattenaufnahmen, ab 1930 sang Fogg auch solistisch.
Das Jahr 1938 führte ihn als Solisten nach Amerika. Er unternahm eine ausgedehnte USA-Tournee, trat am Funk auf und sang Platten ein. 1939 trat er als erster Pole überhaupt im Fernsehen auf, nämlich bei der BBC in London.
Bei Kriegsbeginn sang er zunächst weiter; solange der polnische Rundfunk noch arbeiten konnte, vor dessen Mikrophon, dann vor Truppen der in Rückzugsgefechten vor den Deutschen zurückweichenden polnischen Armee. Weitere Auftritte vor Publikum unterließ er nach der Besetzung Polens durch die Wehrmacht sehr bald, da er unter der Beobachtung der Gestapo stand.
Statt dessen arbeitete er als Kellner und schloß sich der Heimatarmee an, um im Untergrund gegen die deutschen Besatzer zu kämpfen. Als Kämpfer war er am Warschauer Aufstand beteiligt und wurde mehrmals verwundet. Auch Konzerte gab er vor den Aufständischen. Mit falschen Papieren konnte Fogg etliche Juden aus seinem Freundeskreis vor der Ermordung durch die Deutschen retten und wurde dafür 1989, also noch zu seinen Lebzeiten, in Jad Waschem als Gerechter unter den Völkern geehrt.
Nach dem Kriege gründete er ein eigenes Schallplattenetikett, die Fogg Record. Die Platten wurden in seiner geräumigen Warschauer Wohnung aufgenommen, die den Krieg überstanden hatte. Seine Plattenfirma fiel jedoch bald der Enteignung durch die Kommunisten zum Opfer und wurde mit den anderen Neugründungen und den Resten der Vorkriegsfirmen zum staatlichen Muza-Konzern zusammengelegt, für den er daraufhin aufnahm. In der zweiten Folge bringen wir ein Potpourri seiner größten Erfolge, das über vier Plattenseiten geht und 1954 zu seinem 25. Schallplattenjubiläum aufgenommen wurde. Auf Tourneen, auch ins westliche Ausland, durfte Fogg weiterhin gehen, ferner blieb er weiterhin als Sänger für die Muza tätig - buchstäblich bis an sein Lebensende. Seine Popularität blieb daher auch bei den nachwachsenden Generationen polnischer Plattenkäufer ungebrochen.
Am 3. September 1990 starb er in seiner Geburtsstadt Warschau und hatte so immerhin den Anfang der neugewonnenen Freiheit seines Heimatlandes erleben können.
Wie oben bereits gesagt, widmen wir Mieczyslaw Fogg aus Anlaß der 30. Wiederkehr seines Todestages zwei Sendungen am Sonntagnachmittag.

Teil 1:

  • Sendetermin: „Tanzparkett extra“, Sonntag, 30. August 2020, 17 Uhr
  • Wiederholung: Montag, 31. August 2020, 9 Uhr

 
Teil 2:

  • Sendetermin: „Tanzparkett extra“, Sonntag, 6. September 2020, 17 Uhr
  • Wiederholung: Montag, 7. September 2020, 9 Uhr

Programminfo vom 21.08.2020 bis 27.08.2020

Besuch beim Kolonialkritischen Stadtrundgang in Witzenhausen

Da, wo heute ein Teil der Uni Kassel ist, war früher die Kolonialschule Witzenhausen. Die "We are here, we speak up!"-Redaktionsgruppe war vor Ort und berichtet.

  • Sendetermin: „We Are Here, We Speak Up“; Freitag, 21. August 2020, 17 Uhr

 

Ortsvorsteher im Gespräch

Aus 23 Stadtteilen besteht Kassel – und jeder Stadtteil hat einen eigenen Ortsbeirat, der jeweils von einem Ortsvorsteher bzw. einer Ortsvorsteherin geleitet wird. Auch wenn gelegentlich über die Frage debattiert wird, ob die Ortsbeiräte (als ehrenamtlich besetzte Gremien) tatsächlich größeren Einfluß auf die politischen Entscheidungen der Stadt haben, so fungieren die Beiräte dennoch als wichtige Ansprechpartner für Bürgerinnen und Bürger und als Schnittstelle zwischen dem jeweiligen Stadtteil und der „großen“ Politik im Rathaus.
Klaus Schaake, Moderator der FRK-Sendungen „Stadtlabor“ und „Viaje Radial“, hat sich vorgenommen, für seinen neuen Podcast „Stadtteilzeit“ sämtliche 23 Kasseler Ortsvorsteher zu befragen. Heute spricht er mit Christian Unverzagt, Ortsvorsteher der Stadtteils Jungfernkopf.
Außerdem in der Sendung: Infos zum aktuellen Stand der Bauarbeiten zur Errichtung des Humboldtforums in Berlin.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 21. August 2020, 18 Uhr

 

Jimmy  Witherspoon  -  Gone with The Blues

Blues-, Gospel- und Jazz-Sänger Jimmy Witherspoon (geb. 8. August 1923 in Gurdon / Arkansas) zählt längst zu den Legenden in der internationalen Blues Community. Im Laufe seiner langen Karriere soll er an über 200 Alben beteiligt gewesen sein. Zu seinen Hits gehören “Blues Around the Clock”, “Some of My Best Friends are the Blues” und “Blue Spoon”. Und seine Fans nennen ihn noch heute schlicht „Spoon“. Bereits 1945 machte Witherspoon seine ersten Aufnahmen mit der Band von Jay McShann. Seinen ersten Hit unter eigenem Namen, „Ain't Nobody's Business“, den er mit McShanns Band einspielte, hatte er 1949 in den R&B-Charts. Es folgten 1950 die Hits „No Rollin' Blues“ und „Big Fine Girl“. Mitte der 1950er ließ der Erfolg nach, doch wurde das Album „Jimmy Witherspoon at the Monterey Jazz Festival 1959“ begeistert aufgenommen.
Witherspoon machte Aufnahmen und hatte Auftritte mit vielen Größen des Blues und Jazz, u. a. mit Ben Webster, Eric Burdon, Van Morrison, Count Basie, Alexis Korner, Earl Hines, Robben Ford, Bonnie Raitt und T-Bone Walker. Daneben trat er in einer Reihe von Kino- und TV-Filmen auf, z. B. „Georgia“ mit Jennifer Jason Leigh und „The Big Easy“. In den 1980ern wurde bei Witherspoon Krebs festgestellt. Nach einer Operation erholte er sich und kehrte auf die Bühne zurück. 1997 erhielt er für das Album „Live At The Mint“ eine Grammy-Nominierung. "Spoon" starb 1997 im Alter von 74 Jahren. 2008 wurde er in die Blues Hall of Fame aufgenommen. In dieser Magazinfolge hören wir das 1992 von Mike Vernon produzierte Album "The Blues, The Whole Blues and Nothing but The Blues" plus einen Querschnitt durch Spoons 60er/70er Blues- und Gospeleinspielungen.

  • Sendetermin: „Die Lange Rille“, Samstag, 22. August 2020, 21 Uhr

 

US-Smallband-Swing, Folge 2 (2017)

Und wieder tauchen wir am Sonntagnachmittag eine Stunde lang ein in die Swingära, in die Zeit, in der die damals neueste Jazzspielart auf riesiges Publikumsinteresse traf. Hören Sie Aufnahmen aus dem Mutterland dieser Musik - mit bekannten und unbekannten Kleingruppen der „Swinging 30s“.
Wie vor zwei Wochen versprochen, geht es mit der am Ende der dort gebrachten Sendung ausgeblendeten Platte weiter.
Diskographische Angaben: In spitzen Klammern Matrizennummer, dahinter Aufnahmeort und -datum, Plattenmarke und Bestellnummer.Aufnahmeorte: Ch -Chicago, LA -Los Angeles, NY -New York
Plattenmarken: BB - Bluebird (USA), Br - Brunswick (D), Col - Columbia (USA) De - Decca(USA), Vic - Victor (USA), Voc - Vocalion (USA), andere Marken ausgeschrieben.
Durchs Programm begleitet Sie Peter K. Michael.

In dieser Sendung hören Sie:
 
The Mound City Blue Blowers (Red McKenzie)
On Treasure Island (Burke - Leslie) <C 0139 A> NY, 08.11.35 Montgomery Ward 5001
 
Red McKenzie and his Rhythm Kings
I Don’t Know Your Name, But You’re Beautiful (Irving Cesar - Sammy Lerner) <60446 A>
Don’t Count Your Kisses Before You’re Kissed (Ralph Freed - Harry Stride - Bernard
Maltin) <60444 A> NY, 05.02.36 De 721
 
Frankie Newton
The World Is Waiting For The Sunrise (Lockhardt - Seitz) <->
Rosetta (Hines - Woods) <-> NY, 13.01.39 BB B-10176
 
Zutty and his Band
(I Would Do) Anything For You (Hill - Williams - Hopkins) <9879-A>
Clarinet Marmalade (o.A.) [Shields - Ragas] <9884-A> Ch, 27.3.35 De 432
 
Bob Howard and his Boys
On Revival Day (Andy Razaf) <64349-A>
Sweet Emmalina, My Gal (Creamer - Layton) <64345-A> NY, 26.7.38 De 2263
 
Frank Froeba and his Swing Band
There’ll Be A Great Day In The Mornin’ (Hill - Mills) <Co 18445-1>
The Music Goes Round and Around (Hodgson - Farley - Riley) <Co 18444-1> NY, 24.12.35 Col 3110
 
Sidney Bechet and his Orchestra, voc. Two Fish Mongers
Hold Tight (Want Some Sea Food, Mama) <M925-2-4>
Jungle Drums (Bechet - Singleton) <M926-1-4> NY, 16.11.38 Voc v4537
 
Midge Williams and her Jazz Jesters
The Greatest Mistake In My Life (Netson) <M684>
Good Night, Angel (Magidson - Wrubel) <M685> NY, 23.11.37 Voc v3961
 
Lionel Hampton and his Orchestra, voc. Lionel Hampton
Fiddle Diddle (Lionel Hampton - Harry Goodman) <25868>  Ch, 11.10.38
Don’t Be That Way (Sampson - Benny Goodman, arr. Sampson) <18338> NY, 18.01.38 Vic 26173

Vorankündigung:
Die zwei folgenden Sonntagsausgaben sollen in unserer Reihe „Der unbekannte Nachbar“ über polnische Platten dem 30.Todestag (03.September) des in Polen noch heute als Kultstar verehrten Mieczyslaw Fogg gewidmet sein.

  • Sendetermin: „Tanzparkett extra“, Sonntag, 23. August 2020, 17-18 Uhr
  • Wiederholung: Montag, 24. August 2020, 9 Uhr

 

Hamburg 1960 - Karrierestart der Beatles

Am 17. August 1960 spielten die frühen Beatles, damals noch zu fünft (ohne Ringo), ihr erstes Konzert auf der Bühne des "Indra". Eine Premiere, in deren Folge Musikgeschichte entstand. Der Bandname war noch ganz frisch, und sie begannen ohne eigenes Material, spielten die Rock & Roll-Hämmer von Chuck Berry, Little Richard und Gene Vincent nach. In dem leicht runtergekommenen Kiez-Schuppen auf der Reeperbahn hatten die Leute keine Ahnung, wer die rolligen jungen Kerle aus dem fernen grauen Liverpool waren - und was mal aus ihnen werden würde. Das "Indra" war damals eine eher ruppige Clubadresse unter vielen auf der Reeperbahn - "Mädels", Zuhälter, Rocker, Zocker und Gangster erzeugten eine ganz spezielle Atmosphäre. Und Kleinbürger von nah und fern kamen angereist, um mal zu schnuppern.   
In dieser Folge hören wir zur Erinnerung an den unspektakulären Beginn der legendären Beatles eine Handvoll ihrer frühen Singles plus das komplette "Rubber Soul"-Album von 1965. In einer früheren Folge hatten wir die sehr spezielle Bearbeitung des schönen "Norwegian Wood"-Songs durch den deutschen Kreativen R.A.M. Pietsch gehört. Das Original ist auf diesem Longplayer enthalten. Beatles time, once again.

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 23. August 2020, 19 Uhr 

 

Beethoven und andere Helden der Musikgeschichte

In drei Episoden stellen Studierende der Musikakademie der Stadt Kassel „Louis Spohr“ bei uns im Programm Musik von Ludwig van Beethoven und anderen großen Komponisten der Klassik, Romantik und Moderne vor. Das trifft sich gut, denn in diesem Jahr wird Beethoven aus Anlass seines 250. Geburtstags groß gefeiert. In den Sendungen der Studierenden ist natürlich seine Musik zu hören. Auf dem Programm stehen aber auch viele andere spannende Werke, unter anderem von Robert Schumann, Dmitri Schostakowitsch oder Antonìn Dvořák. Die Produktionen sind das Ergebnis eines medienpraktischen Seminars unter Leitung von Felix Werthschulte.
Moderation: Markus Gellrich.

  • Sendetermin: Montag, 24. August 2020, 18 Uhr
  • Wiederholung: Dienstag, 25. August 2020, 10 Uhr

 

US-Swing auf Vocalion

In den 30er Jahren existierte das 1916 gegründete Vocalion-Etikett als Untermarke der ARC (American Record Corporation) weiter, die im Verlauf der Weltwirtschaftskrise die Namensrechte etlicher Kleinetiketten aus deren Konkursmasse gekauft hatte.
Im Gegensatz zu vielen anderen ARC-Untermarken, die unter verschiedenen Pseudonymen Aufnahmen weniger ARC-Hauskapellen brachten, behielt die Vocalion ein durchaus markantes Profil, was die Swingmusik anging. Das wollen wir in dieser Ausgabe einmal mehr unter Beweis stellen.
Sie hören Platten der Orchester von Jack Jenny, Lennie Hayton, Dick Porter, Clarence Williams und Wingy Manone.
Als die ARC 1938 an die wiedergegründete Columbia verkauft wurde, behielt diese das Etikett zunächst bei, um es im Jahre 1940 zu „beerdigen“ und die Platten in weiterlaufender Numerierung auf dem ebenfalls wiederbelebten OKeh-Label herauszubringen.
Die Aufnahmen dieser Sendung stammen aus dem Zeitraum von Dezember 1933 bis Februar 1940.
Durchs Programm führt Peter Michael.

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 26. August 2020, 21 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 27. August 2020, 13 Uhr

Programminfos vom 14.08.2020 bis 17.08.2020

Prof. Heinz Bude wird Gründungsdirektor des geplanten documenta-Instituts

Das Land Hessen, die Stadt Kassel, die Universität und Kunsthochschule Kassel sowie die documenta und Museum Fridericianum gGmbH haben den renommierten Soziologen Prof. Dr. Heinz Bude zum Gründungsdirektor des documenta Instituts berufen. Zu Budes ersten Aufgaben gehören die Konkretisierung der inhaltlichen Programmatik sowie der Aufbau der internen und externen Organisationstrukturen des documenta Instituts, das gegründet von den vier Partnern als unabhängige wissenschaftliche Forschungseinrichtung entsteht.
Bude steht für eine zeitdiagnostisch aufgeschlossene Wissenschaft und ist mit Beiträgen zu den Problematiken sozialer Spaltung, regionaler Verödung und weltgesellschaftlicher Verwerfung hervorgetreten. Er wurde 2016 mit dem Preis der Deutschen Gesellschaft für Soziologie für herausragende Leistungen auf dem Gebiet der öffentlichen Wirksamkeit der Soziologie ausgezeichnet. Seit 2000 lehrt er Makrosoziologie an der Universität Kassel.
Im Rahmen einer Pressekonferenz, an der u.a. auch Oberbürgermeister Geselle und Uni-Präsident Finkeldey teilnahmen, wurde Prof. Heinz Bude als Gründungsdirektor des documenta-Instituts der Öffentlichkeit vorgestellt. Wir senden einen Mitschnitt der Veranstaltung.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 14. August 2020, 18 Uhr

 

Horch – ein Schrank geht durch die Nacht

Der Dichter, Zeichner, Mitbegründer der Neuen Frankfurter Schule und des Satiremagazins »Titanic«, Träger des Kasseler »Literaturpreises für grotesken Humor« und Erfinder des legendären Verses »Die schärfsten Kritiker der Elche / waren früher selber welche« - der große F. W. Bernstein verstarb im Dezember 2018. Drei seiner Freunde und Wegbegleiter ließen ihn hochleben. Sie erinnerten an sein faszinierendes Werk, jene unvergleichliche Mischung aus Text, Reim, Bild und Cartoon, aus Nonsens und Satire. Es war - ganz in seinem Sinne - ein grandioser Abend voller Unfug.
Pit Knorr und Bernd Eilert, ebenfalls Großelche der Neuen Frankfurter Schule und Väter der »Titanic« sowie neben vielem anderem Pointen-Erfinder für Otto Waalkes, trugen die witzigsten Texte, Bilder und Bildertexte ihres Freundes F.W. Bernstein vor. Und der Dichter, Komik-, Film- und Literaturexperte Christian Maintz erklärte dem Publikum, warum es dabei gelacht hat.
Die Veranstaltung fand im März 2020 im Rahmen des „Kasseler Komik-Kolloquiums“ in der Caricatura statt.

  • Sendetermin: „Kabarett live“, Freitag, 14. August 2020, 22 Uhr

 

One of "The Chosen Few" - Happy B-Day, Billy Joe Shaver! 

Ziemlich sicher kommt er an das Image vom vielbeschworenen Outlaw-Musiker heran - Billy Joe Shaver. David Allan Coe war vielleicht ebenfalls ganz nah dran – er war aber beim sauberen weißen Publikum ein eher umstrittener Künstler, der fast die Hälfte seiner Lebenszeit in Zuchthäusern und "Besserungsanstalten" verbrachte. Möglicherweise mögen ihn hingegen ein paar echte schwarze Bluesmacker.  
Anyway, Billy Joe Shaver hatte es von Anfang an nicht leicht. Quasi elternlos aufgewachsen, die Schule nur kurz gestreift, als gerade 17-Jähriger bereits erste herbe Erfahrungen in der Navy, Malocherjobs (inklusive zweifachem Fingerverlusts bei einem Arbeitsunfall im Sägewerk), zeitweise Rodeoreiter usw. - ein texanischer Blue-Collar-Typ, wie er im Buche steht bzw. in Filmen gezeigt wird.
Und genau so tritt er öffentlich in Erscheinung. Als eines Gewaltverbrechens Angeklagter mit dem wortkargen, näselnden breiten trockenen Texas-Slang kam er, dank der Fürsprache einiger populärer Musikkollegen (darunter Willie Nelson und der beliebte Hollywoodschauspieler Robert Duvall), knapp aus der leidigen Geschichte heraus.
Was aufmerksamen Beobachtern und vor allem Musikerkollegen erst ab den 70er Jahren auffiel und beeindruckte, war Billy Joe Shavers Songwriter-Talent. Dann aber richtig - er wurde schon bald gecovert.
Legende Johnny Cash erzählte, daß der Shaver-Song "I am just an old chunk of coal - but I´m going to be a diamond some day" ihn gerettet hätte, weil er das Lied während seines Alkoholentzugs jeden Morgen in seiner Zelle sang und dadurch wieder zu Mut und Zuversicht zurückfand. Not bad!
Waylon Jennings freundete sich mit Billy Joe an - und brachte 1973, ihm gewidmet, sein "Honky Tonk Heroes"-Album heraus (5 Jahre vor dem legendären "Waylon & Willie"-Millionseller). Eines seiner zeitlos besten - ein Klassiker!
Wie Jerry Jeff Walker, eines der früheren Rauhbeine in der texanischen Szene seit den 1970er Jahren, gehört Billy Joe Shaver zu den ganz großen Storytellern des Genres, der bestens zu formulieren weiß, ein Singer/Songwriter aus einer aussterbenden Spezies. Neben den üblichen anderen Verdächtigen aus den Upper Class-Gefilden von der Ostküste, wie Loudon Wainwright III oder eines genialen David Bromberg, bleibt Billy Joe Shaver seinen "Roots" treu. Der Künstler wurde auf den Tag genau heute im Jahre 1939 in Corsicana/Texas geboren. All the best, says The Lonesome Traveler.

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler”, Sonntag, 16. August 2020, 19 Uhr

 

Vor 40 Jahren starb „Bel Ami“ - Zur Erinnerung an Willi Forst

Wiener Charme pur - das war Willi Forst.

Doch täte man dem am 11. August 1980, also vor ziemlich genau 40 Jahren, in seiner Geburtsstadt Wien verstorbenen Künstler unrecht, wollte man ihn allein darauf reduzieren.
Seine Anfänge liegen in den Heurigenlokalen der Wiener Vorstadt, wo der am 7. April 1903 als Wilhelm Froß Geborene als Junge die dort auftretenden Kleinkünstler sieht und hört. Es zieht ihn zum Theater. Provinzengagements an den deutschsprachigen Bühnen Böhmens und Mährens (das erste schon 1919 in Teschen) führen geradeaus in die damaligen zwei Theaterhauptstädte deutscher Zunge - Berlin, wo er 1925 am Metropol-Theater zu sehen ist, und Wien, wo er 1926 am Carl-Theater auftritt.
Als Kinonarr fühlt er sich auch zum jungen Medium Film hingezogen und dreht ab 1920 in Wien, so 1927 an der Seite der damals noch unbekannten Marlene Dietrich in „Café Electric“. 1929 spielt er in London zusammen mit Fritz Kortner in einem frühen Tonfilm, „Atlantic“, der die Geschichte der „Titanic“ nachempfindet.
Auch seine erste Schallplatte bringt einen Tonfilmschlager. Dieses Genre sollte er ab Anfang der 30er Jahre nicht unwesentlich mitprägen.
Ab 1933 widmet Forst sich, nach Wien zurückgekehrt, auch der Regiearbeit und schreibt sich seine Filme auf den Leib, die er ab 1936 auch noch selbst produziert. Höhepunkt der Vorkriegskarriere ist 1939 „Bel Ami“.
Etliche weitere Filmlustspiele von und mit Forst entstanden, die heute noch sehenswert wären. Leider werden sie derzeit weder im Fernsehen noch in Kinomatineen gezeigt, wie es bis Anfang der 90er Jahre durchaus noch der Fall war.
Auch nach dem Anschluß Österreichs versucht Willi Forst, sich politisch sowenig wie möglich aus dem Fenster zu lehnen, was ihm auch für die damaligen Verhältnisse sehr weitgehend gelingt. Ein Besetzungsangebot für die Hauptrolle in Veit Harlans Film „Jud Süß“ lehnt er mehr als überdeutlich ab.
So kommt es, daß der nach Amerika emigrierte Carl Zuckmayer sich bei den Alliierten für Forst verwendet.
Forsts größter Regieerfolg der Nachkriegszeit wird 1951 die „Sünderin“ mit Hildegard Knef in der Hauptrolle. Mit in den späteren 50er Jahren gedrehten Wiederauflagen seiner Vorkriegserfolge reüssiert Forst nicht. 1957 verkündet er seinen vorläufigen Rückzug aus der Filmbranche. Es sollte ein endgültiger werden.
Die Sendung zum 40. Todestag von Willi Forst beginnen wir mit seiner allerersten Platte, die er noch für die Electrola aufnahm. Nach einer Zeit bei der Ultraphon kam er zum Lindströmkonzern, wo er bis Kriegsende blieb. Nach 1945 nahm er bei der Wiener Neugründung Austroton weitere Platten auf. Aus dieser Zeit bringen wir den Schlager „Steh‘ auf, liebes Wien“, der die Wiener zum Neuanfang nach der Zerstörung ihrer Stadt ermutigen will.
Durchs Programm begleitet Sie Thomas Sosna.

  • Sendetermin: „Tanzparkett extra“, Sonntag, 16. August 2020, 17 Uhr
  • Wiederholung: Montag, 17. August 2020, 9 Uhr

Programminfos vom 06.08.2020 bis 13.08.2020

Beethoven und andere Helden der Musikgeschichte

In drei Episoden stellen Studierende der Musikakademie der Stadt Kassel „Louis Spohr“ bei uns im Programm Musik von Ludwig van Beethoven und anderen großen Komponisten der Klassik, Romantik und Moderne vor. Das trifft sich gut, denn in diesem Jahr wird Beethoven aus Anlass seines 250. Geburtstags groß gefeiert. In den Sendungen der Studierenden ist natürlich seine Musik zu hören. Auf dem Programm stehen aber auch viele andere spannende Werke, unter anderem von Robert Schumann, Dmitri Schostakowitsch oder Antonìn Dvořák. Die Produktionen sind das Ergebnis eines medienpraktischen Seminars unter Leitung von Felix Werthschulte.

Moderation: Aziza Nazarova

  • Sendetermin: Montag, 10. August 2020, 18 Uhr
  • Wiederholung: Dienstag, 11. August 2020, 10 Uhr.

 

Ein Kasseler Junge macht Karriere

Bernard Etté und sein Tanzorchester, Folge 1

Schon von jeher gilt unser Interesse auch jener Musik der Schellackplattenzeit, die einen wie auch immer gearteten Bezug zu Kassel hat.
Das müssen keine Lieder über Kassel sein, von denen es auf die Schallplatte ohnehin nur wenige geschafft haben; von einigen weiteren sind uns nur Notenblätter bekannt.
Aber nicht nur Musik über Kassel gab es - auch einige Akteure der damaligen Zeit hatten einen besonderen Bezug zu unserer Stadt.
Das gilt insonderheit für den Geiger und Kapellmeister, den wir Ihnen in unserer bisher umfangreichsten Reihe über ein einzelnes Orchester in zwölf Folgen vorstellen wollen. Ein langgehegter Wunsch der „Tanzparkett“-Redaktion geht damit in Erfüllung.
Es handelt sich um einen Friseurssohn vom Königstor, der in Berlin (und über Platte und Funk in ganz Europa) bekannt werden sollte, nämlich Bernhard Ette, der auf Plattenetiketten vor 1933 als Bernard Etté firmierte und unter dieser Schreibweise zu großer Popularität gelangte.
Seine Geschichte (und damit die seiner Orchesterformationen) ist zugleich ein Spiegelbild der deutschen Tanzmusik der 20er bis 40er Jahre und ihrer Wahrnehmung in der Öffentlichkeit - sowie der Entwicklung des Rundfunks in Deutschland und der deutschen Plattenindustrie.
Der am 13. September 1898 in Kassel geborene Ette wurde ebenda am Louis-Spohr-Konservatorium als Geiger ausgebildet, was er u.a. mit Auftritten in Kasseler Weinstuben und als Stummfilmbegleiter finanzierte.
Er begann seine Schallplattenkarriere im Jahre 1923 auf dem Kleinetikett Star-Record, das, wie fast alle damaligen Plattenhersteller Deutschlands, in Berlin saß. Dieses Engagement beschränkte sich allerdings auf eine einzige Aufnahmesitzung unter seinem Namen.
Im Verlaufe des Jahres 1923 wechselte er zur Vox-Schallplatte, die ab November 1923 im Vox-Haus in Berlin auch den ersten kommerziellen Rundfunksender im Deutschen Reich betrieb. Durch seine dortige Verpflichtung als erster Rundfunkkapellmeister Deutschlands wurde er, da der Sender europaweit zu hören war, über die Grenzen hinaus bekannt. In den folgenden Jahren nahm er Hunderte von Platten für die Vox auf. Daneben war das Orchester im Laufe der Zeit in etlichen gehobenen Lokalen Berlins engagiert. Im Sommer 1924 unternahm Ette eine erste Amerikareise zum Studium der Jazzmusik in ihrem Mutterland. Ein Ergebnis war die Anstellung US-amerikanischer Solisten im Orchester, das er in Richtung des „gebändigten“, semisymphonischen Jazz à la Paul Whiteman zu entwickeln suchte. Mit dieser Stilrichtung hoffte Ette, nicht nur Tanzsäle, sondern vor allem auch Konzerthäuser zu füllen.
Erheblich „hotter“ spielte das Orchester 1927 für die Plattenfirma Tri-Ergon unter der Bezeichnung „The Jazz Kings“, hier allerdings ohne Leitung des Chefs. Deshalb sollen diese Platten einmal Thema einer eigenständigen Sendung sein und sind in unserer mit dieser Ausgabe beginnenden Reihe nicht enthalten.
Nach dem Bankrott der Vox Anfang 1929 kam Ette zur Deutschen Crystalate, einer mit englischem Kapital neugegründeten Firma, welche aus der Konkursmasse der Vox die Matrizen und auch einige der Künstler für ihre preiswerte Kristall-Schallplatte übernahm. Auch hier folgten weitere Einspielungen in erheblicher Anzahl.
Als sein Engagement dort endete, nahm ihn die Carl-Lindström-AG unter Vertrag, zunächst für ihr Billigetikett Gloria. Später rückte er zur Lindström-Hauptmarke Odeon auf. 1939 jedoch wurde sein Vertrag nicht mehr verlängert.
1940 finden sich vier von Ettes Orchester eingespielte Plattenseiten mit US-Titeln im Telefunken-Aufnahmebuch und -Katalog. Zu einem festen Abschluß mit der Telefunkenplatte kam es aber nicht.
1941 nahm ihn der unabhängige Produzent Otto Stahmann unter Vertrag, der in Potsdam-Babelsberg die Tempo-Schallplattenfabrik betrieb. Die aus dem Brillant-/ Brillant-Special-Etikett hervorgegangene Tempo-Schallplatte hatte ursprünglich den Kaufhausmarkt bedient, wurde aber im Kriege auch in normalen Plattenläden angeboten. Da sie buchstäblich bis in die letzten Tage des Krieges zu kaufen war, sind auch Ettes Tempo-Einspielungen entsprechend populär gewesen. Neben dem Tempo-Engagement spielte das Orchester zur Truppenbetreuung.
Nach Kriegsende kam Ette bei der deutschen Dependance der neuen österreichischen Plattenfirma Austroton unter. Obwohl er noch bis weit in die 50er Jahre hinein mit seinem Bühnenschauorchester auf Tournee war, so noch 1957 z.B. in Leipzig und Luxemburg, liegen seine letzten Plattenaufnahmen, eben für die Austroton, im Jahre 1950.
Nachdem er schließlich 1961 wegen einer Erkrankung seine musikalische Tätigkeit hatte aufgeben müssen, wurde es still um ihn. Am 26. September 1973 starb er, verarmt und vergessen, in einem Altersheim im bayerischen Mühldorf.
In der ersten Folge befassen wir uns mit seinen frühen Vox-Aufnahmen aus der Zeit von Herbst 1923 bis Herbst 1924.
Durchs Programm führen Peter Michael und Thomas Sosna.

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 12. August 2020, 21 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 13. August 2020, 13 Uhr

Programminfos vom 01.08.2020 bis 05.08.2020

Zum Tod von Peter Green

Wer den Namen Fleetwood Mac hört, denk normalerweise an die Mega-Band der 70er und 80er Jahre, an Pop-Klassiker wie „Go Your Own Way“ oder „Don’t Stop“, an millionenfach verkaufte Alben wie „Tusk“ oder „Rumors“. Mit diesen Erfolgen verbindet man natürlich auch die Namen der bekanntesten Gruppenmitglieder, also Christine McVie, Lindsay Buckingham und Stevie Nicks. Aber die Anfangszeit von Fleetwood Mac, also die späten 60er Jahre, wurden vor allem von Peter Green geprägt, dem Gründer und musikalischen Kopf der Band, der bereits 1970 wieder ausstieg, aber von den echten Mac-Fans bis heute verehrt wird. Der geniale Gitarrist, Blues-Experte und Verfasser solcher Hits wie „Albatross“ und „Black Magic Woman“ war eine schillernde Figur im Popgeschäft, der eine sehr wechselvolle und teils skurrile Karriere hinter sich brachte. Nun ist Peter Green im Alter von 73 Jahren gestorben – wir erinnern an ihn mit Musik auf den frühen Jahren von Fleetwood Mac.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 1. August 2020, 18 Uhr

 

Feministische Vollversammlung

Die qrew (http://qrew.blogsport.eu) informiert heute über die Feministische Vollversammlung, die am 9.8.2020 stattfinden wird. In der Sendung ist ein Mitschnitt der Veranstaltung zu hören, auf der die Idee für die Vollversammlung entstand.

  • Sendetermin: „LiLi“, Samstag, 1. August 2020, 20 Uhr

 

US-Smallband-Swing (Folge 1/ 2017)

Und wieder tauchen wir am Sonntagnachmittag eine Stunde lang ein in die Swingära, in die Zeit, in der die damals neueste Jazzspielart auf riesiges Publikumsinteresse traf.
Hören Sie Aufnahmen aus dem Mutterland dieser Musik - mit bekannten und unbekannten Kleingruppen der „Swinging 30s“. Diskographische Angaben: In spitzen Klammern Matrizennummer, dahinter Aufnahmeort und -datum, Plattenmarke und Bestellnummer.
 
Aufnahmeorte: NY - New York, LA - Los Angeles.
Plattenmarken: BB -Bluebird (USA), Br -Brunswick (D), Col - Columbia (USA), De - Decca (USA), Vic - Victor (USA), Voc - Vocalion (USA), andere Marken ausgeschrieben.
 
Durchs Programm begleitet Sie Peter K. Michael.
In dieser Sendung hören Sie:
 
Original Dixieland Jazz Band
Drop A Nickel In The Slot (Young - Ahlert) <019681-1>
Jezebel (Mercer - Warren) <019683-1> NY, 18.02.38 BB B-7454
 
Tito and his Swingtette
Stuff And Things (Guidotti) <->
Atmosphere (Guidotti) <-> NY, 22.11.38 BB B-10066
 
Teddy Wilson Quartet
Honeysuckle Rose (Waller -Razaf) <LA 1431 A>
Ain’t Misbehavin’ (Razaf - Waller - Brooks) <LA 1408 C> LA, 05.9.37 Br A 81362
 
Art Tatum and his Swingsters
With Plenty Of Money And You (Warren - Dubin) <DLA725 A>
I’ve Got My Love To Keep Me Warm (Berlin) >DLA 727 A> LA, 26.02.37 De 1198
 
Lionel Hampton
I’m On My Way From You (Burley - Hampton) <04291-1>
Haven’t Named It Yet (Hampton - Christian) <04292-1> NY, 12.10.39 Vic 26476
 
Toots Mondello
Louisiana (Razaf - Schafer - Johnson) <US-1099-2>
St. Louis Gal (Robinson) <US-1098-1> NY, Nov. 39 Varsity 8118
 
Lil Armstrong and her Swing Orchestra
Born To Swing (Lil and Avon [sic] ? =  Lil Armstrong?) <61945 A>
Bluer Than Blue (Lil and Avon [sic] ? =  Lil Armstrong?) <61947 A> NY, 15.4.37 De 1299
 
Joe Marsala and his Chicagoans, voc Jack LeMaire
Woo-woo (Marsala - LeMaire - Franklin) <M780-1>
Jim-Jam Stomp (Marsala) <M782-1> NY, 16.3.38 Voc 4116
 
The Mound City Blue Blowers (Red McKenzie)
Red Sails In The Sunset (Williams - Grosz - Kennedy) <C 0137 A>
On Treasure Island (Burke - Leslie) <C 0139 A> NY, 08.11.35 Montgomery Ward 5001 (ausgeblendet)

  • Sendetermin: „Tanzparkett extra“, Sonntag, 2. August 2020, 17 Uhr
  • Wiederholung: Montag, 3. August 2020, 9 Uhr

 

Manfred Maurenbrecher live in Kassel …

… das kommt nicht häufig vor und in Corona-Zeiten ist das noch sensationeller als vorher. Ich freue mich auf den Live Gig am Samstag, 8. August (20.30 Uhr), im Kupferhammer, der Ersatzspielstätte der Salzmann-Factory. Und weil die Zuschauerkapazität begrenzt ist (hoffentlich wird’s ein Klappstuhlkonzert im Freien), gibt es schon ein paar Tage vorher eine Radio-Preview.
Nur soviel: er hockte vor dem Klavier, gewundener Rücken, den Kopf seitwärts zu uns gedreht, und seine Hände schlugen von schräg unten auf die Tasten ein. Eine Bogenbewegung, ein Krakenkampf. Er kroch in dieses heilige Instrument, als wäre er allein mit ihm, als hätten wir hier nichts zu suchen, und er hatte so wenig Respekt vor ihm wie Johnny Rotten vor dem Papst. Es sah mörderisch aus. So erinnerte sich Herwig Mitteregger von der Band Spliff an seine erste Begegnung mit Manfred Maurenbrecher. Er wird zum Geheimtip auf Lebenszeit“ (FAZ, 1992) und tauscht den großen Ruhm für ein Leben voller Würdigungen, echten Kultcharakter und eingeschworene Fans ein. 1991 gewinnt er den Deutschen Kleinkunstpreis, 1998 den Liederpreis des Südwestfunks. Konstantin Wecker zieht den Hut: „Unprätentiös und versponnen, musikalisch von bewundernswerter Schlichtheit, die ihm hierzulande keiner nachmacht“. Zuletzt drei Mal in Folge mit dem Preis der deutschen Schallplattenkritik gewürdigt und kein Ende: die Alben no go (2013), Rotes Tuch (2015) und flüchtig (2017) gewinnen allesamt den Preis der Deutschen Schallplattenkritik und sorgen für neue Schwärmereien. Das Lied Kiewer Runde erhält zudem den Liederpreis der Liederbestenliste.
Maurenbrecher führt die Liederbestenliste im April 2020 mit Jetzt auf einmal geht´s an.
Die CD „Inneres Ausland“ ist auch Album des Monats. Eine Reise in undiplomatisches Gebiet. Manchmal ist das Zeugs, das wir uns ausdenken, klüger als wir selbst.
Am Mikrophon: Ralf Wenzel.

  • Sendetermin: „Magic Moments“, Mittwoch, 5. August 2020, 21 Uhr.

Programminfos vom 23.07.2020 bis 30.07.2020

StadtLabor im Freien Radio Kassel: Afrodeutsche & Schwarze Menschen in Nordhessen

Um sich gegenseitig zu empowern, einen Austausch anzuregen und solidarische Netzwerke zu entwickeln, gründete sich die Initiative "SIDE BY SIDE".
Über Projekte innerhalb des Netzwerks hinaus streben die Initiatorinnen auch gemeinsam mit nicht-Schwarzen Menschen und Institutionen,  Projekte an, um ein besseres Miteinander innerhalb unserer Gesellschaft zu fördern.

Wie sich das gestalten könnte, dazu "experimentieren" SIDE BY SIDE-Mitglieder im StadtLabor.

  • Sendetermin: Donnerstag, 23. Juli, 21 bis 22 Uhr
  • Wiederholung: Freitag 24. Juli, 13 Uhr

 

Bücher für den Sommer

Im Rahmen der Sendung “LILI - Libertäre Informationen lokaler Initiativen“ der Gruppe qrew Kassel (http://qrew.blogsport.eu) stellen wir euch ein paar Bücher vor. Die Ferien auf Balkonien, an der Fulle oder sonst wo können kommen – interessanter Lesestoff liegt bereit!

  • Sendetermin: „LiLi“, Samstag, 25. Juli 2020, 20 Uhr

 

Tanzparkett vor 20 Jahren

Rundfunkfolien von Radio Hilversum, 1943

Auf einem französischen Dorfflohmarkt fand unser Kollege im Jahr 2000 einen kleinen Stapel 30-cm-Glas-Gelatine-Schallfolien, die er interessiert mitnahm.
Unter Überklebern mit französischen Phantasietiteln fand sich die wahre Herkunft dieser Folien, nämlich das von der damaligen deutschen Besatzungsmacht kontrollierte und als NS-Propagandasender betriebene Radio Hilversum in Holland.
Wie die Aufnahmen nach Frankreich kamen, bleibt rätselhaft.
Radio Hilversum II wurde am 13. März 1941 in den Propagandasender „Nederlandsche Omroep“ umgewandelt, der Holland mit NS-Propaganda berieseln sollte. Am 01. Juli 1943 wurde die Station der Senderkette des deutschen Europasenders angeschlossen und machte nun als Sender „Calais II“ englischsprachige Propaganda für Großbritannien. Um einen weltläufigen Eindruck zu machen und die Hörer, die auf der Skala einen interessanten Sender suchten, zu halten, wurde Swingmusik auf internationalem Niveau geboten. Dazu wurden die Spitzen-Swingbands der holländischen Szene „engagiert“.
Da das 1941 beim Reichsrundfunk eingeführte Tonband erst nach und nach an den Sendern im von Deutschland besetzten Europa zum Einsatz kam (in Hilversum 1944), wurden im Jahre 1943 noch in bewährter Manier Folien geschnitten, zumindest von den Zwischenmusiken, die zur Übernahme der Sendungen von Radio Luxemburg dienten.
Weitere derartige Aufnahmen auf Folien aus dieser Zeit sind auch in der diskographischen Literatur erwähnt.
Durch die Sendung begleiten Sie Peter Michael und Michael Rolf.
Erstausstrahlung: 26. Juli 2000.

  • Sendetermin: „Tanzparkett extra“, Sonntag, 26. Juli 2020, 17 Uhr
  • Wiederholung: Montag, 27.Juli 2020, 9 Uhr

 

Die Corona-Varianten der Festivals

In dieser Ausgabe vom Musiktaxi reden wir über die Corona-Varianten, die sich einige Festivals haben einfallen lassen, um doch nicht komplett auszufallen. Wir schauen mal, was Wacken, Summer Breeze und auch das Open Flair geplant haben, was sie voneinander unterscheidet und was ihre Stärken und Schwächen sind. Außerdem erzählt uns Alexander Feiertag, der Geschäftsführer vom Arbeitskreis Open Flair, im Interview, vor welche Herausforderungen die Corona-Situation die Festivalmacher stellt. Dazu gibts jede Menge gute Musik. Schaltet rein:

  • Sendetermin: „Musiktaxi“, Montag, 27. Juli 2020, 17 Uhr

 

Die Savoy Orpheans, Folge 3

Wie schon in den ersten zwei Folgen erwähnt, kehrte im Oktober 1931 Carroll Gibbons, erneut zum Orchesterleiter gekürt, mit den Savoy Orpheans zur Columbia zurück, von der die Orpheans ziemlich genau sieben Jahre zuvor zur konkurrierenden HMV gegangen waren.
Wie zuvor bereits mehrfach geschehen, wechselte hiermit nicht nur die Leitung, sondern es gab auch weitere Änderungen im Personal.
Die ganzen 30er Jahre hindurch blieben sowohl das Orchester wie auch dessen Chef als Solopianist der Columbia treu. Zahlreiche Platten, die sich recht ordentlich verkauften, erschienen auch bei der deutschen Columbia. In der zweiten Hälfte der 30er fungierte das Orchester oft auch als Begleitband für Kleinkunstaufnahmen, so z.B. für die Sängerin Hildegarde.
In dieser Ausgabe geht es um Aufnahmen der Jahre 1931 und 1932.
Durch die Folge führt Thomas Sosna.

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 29. Juli 2020 , 21 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 30.Juli 2020, 13 Uhr

 

Programminfos von 17.07.2020 bis 23.07.2020

Man lebt so oder so - Eine Sommerlesereihe des Evangelischen Forums Kassel

Christina Weiser liest die beiden Erzählungen “Das neue Haus“ und „Der Verlobte“ von Elizabeth Bowen (1899 - 1973) aus dem Band „Sommernacht“.
Die anglo-irische Schriftstellerin Elizabeth Dorothea Cole Bowen hinterließ zahlreiche Erzählungen, Romane, Essays und eine Autobiografie. Sie stand dem Kreis um Virginia Woolf nahe und gehört zu den wichtigsten Schriftstellerinnen ihres Jahrhunderts. Sie ist berühmt für ihre virtuos gestaltete Prosa und gilt als Meisterin der Dialoge. Bowen erhielt zweimal die Ehrendoktorwürde für Literatur.
Ton und Technik: Torben Bunzenthal, Freies Radio Kassel
Redaktion: Friederun Gutmann und Susanne Jakubczyk
Übersetzt von: Sigrid Ruschmeier
Lesung mit freundlicher Genehmigung von Curtis Brown, London, und Anoukh Foerg Literary Agency, München

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 17. Juli 2020, 18 Uhr

 

Johnny Cashs „Mercury Recordings“

Im zweiten Teil unser Vorstellung der „Mercury Recordings“, die Johnny Cash in den späten 80ern einspielte, befassen wir uns mit den Alben „Boom Chicka Boom“ (1990) und „The Mystery Of Life“ (1991) sowie mit dem Projekt „Classic Cash“, für das er 1988 einige seiner alten Hits neu aufnahm. Dieser Teil seiner Karriere gehört nicht unbedingt zu den besonders geschätzten Phasen im Werk des „Man In Black“. Neben seiner legendäre Frühzeit bei Sun Records, neben der klassischen Ära bei Columbia Records und neben dem gefeierten Spätwerk geht die relativ kurze Zeit, die Cash Ende der 80er Jahre beim Label Mercury Records zugebracht hat, zumeist unter. Fans und Kritiker sind sich einig, daß die Platten, die in diesen Jahren erschienen, nicht unbedingt zu den Meisterwerken des Country-Titanen zählen. Aber ist dieses Urteil rückblickend immer noch haltbar? Jetzt kann man sich endlich ausgiebig mit diesen Aufnahmen beschäftigen: Eine kürzlich erschienene CD-Box versammelt erstmals die kompletten Mercury-Alben, die jahrelang nicht greifbar waren und teilweise noch nie auf CD erschienen sind. Wir stellen die Box in der Sendung vor und versuchen herauszufinden, ob der etwas zweifelhafte Ruf, den diese Songs seit 30 Jahren genießen, heute immer noch berechtigt ist.

  • Sendetermin: „Country Classics“, Samstag, 18. Juli 2020, 18 Uhr

 

StadtLabor im Freien Radio Kassel: Afrodeutsche & Schwarze Menschen in Nordhessen

Um sich gegenseitig zu empowern, einen Austausch anzuregen und solidarische Netzwerke zu entwickeln, gründete sich die Initiative "SIDE BY SIDE".
Über Projekte innerhalb des Netzwerks hinaus streben die Initiatorinnen auch gemeinsam mit nicht-Schwarzen Menschen und Institutionen,  Projekte an, um ein besseres Miteinander innerhalb unserer Gesellschaft zu fördern.

Wie sich das gestalten könnte, dazu "experimentieren" SIDE BY SIDE-Mitglieder im StadtLabor.

  • Sendetermin: Donnerstag, 23. Juli, 21 bis 22 Uhr
  • Wiederholung: Freitag 24. Juli, 13 Uhr

Programminfos vom 10.07.2020 bis 16.07.2020

Man lebt so oder so - Eine Sommerlesereihe des Evangelischen Forums Kassel

Jürgen Wink liest die beiden Kurzgeschichten „Schuhe“ und „Schiffe“ von O. Henry aus dem Erzählband „Meistererzählungen“.
Der unter dem Pseudonym O. Henry bekannt gewordene amerikanische Schriftsteller hieß eigentlich William Sydney Porter (1862 - 1910). Er hatte eine Stelle als Journalist der New York World inne und gehörte zu den bestbezahlten Schriftstellern der USA. O. Henry beherrschte die Gattung der Short Story perfekt und gilt als Wegbereiter der modernen Kurzprosa.
1918 stiftete die American Society of Art & Sciences den bis heute verliehenen O. Henry Memorial Award für die jährlich beste Kurzgeschichte.
Ton und Technik: Torben Bunzenthal, Freies Radio Kassel
Redaktion: Friederun Gutmann und Susanne Jakubczyk
Übersetzt von: Christine Hoeppner
Lesung mit freundlicher Genehmigung des Aufbau Verlags, Berlin.
Außerdem in der Sendung: Interview des Podcasts „Kulturnapf“ mit Mitgliedern des Vereins „Schwarts e.V.“ zur Kasseler Gothic-Szene.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 10. Juli 2020, 18 Uhr

 

Hank und die Shakers spielen Ennio Morricone

Der Anlaß dieser Wiederholung unserer Sendung „Wir stellen vor“ vom Januar 2019 ist ein trauriger, nämlich das Ableben des Maestros am 6. Juli in Rom im Alter von 91 Jahren.
Zur Zeit der Entstehung und Präsentation dieses Albums befand er sich 90jährig auf Abschiedstournee rund um die Welt.
Die Kasseler Formation Hank und die Shakers widmete dem Altmeister ihre erste Vinyl-LP. Was, nach einem Pressetext der Kapelle, als „Spinnerei“ begann, wuchs sich zu einem musikalisch interessanten und gelungenen Versuch aus.
Dabei galt es, die zumeist riesigen Orchesterarrangements Morricones (der allerdings, wenn es für die im Film zu erzeugende Atmosphäre gefragt war, ebenso selbstverständlich auch für kleine Ensembles komponierte; Beispiele sind auf der Platte und in der Sendung enthalten) auf eine Besetzung in Combostärke „einzudampfen“. Dieses Wagnis meisterte Frontmann Hank Ockmonic, den wir in der Studiositzung und im Sendesaal als Multiinstrumentalisten und Sänger hören können, vornehmlich aber an Gitarre und Klarinette.
Wohl keinem zweiten Filmkomponisten gelang es wie Ennio Morricone, eine derartige Übereinstimmung von Bild und Musik auf gleichem künstlerischem Niveau zu erreichen. Gerade deshalb steht die Musik auch ohne Filmbild für sich als vollwertiges Ganzes.
Den Geist dieser Kompositionen eingefangen und auf Salonstärke verdichtet zu haben, ist das Verdienst der Kasseler Musiker rund um Hank Ockmonic.
Hank und die Shakers muß man in Kassel eigentlich nicht vorstellen - seit mehr als einem Jahrzehnt ist diese Formation in verschiedenen Besetzungen nun schon auf den Kasseler Bühnen zu erleben.
Die musikalische Bandbreite der Mitglieder reicht dabei vom Punkrock über den Comboswing bis hin zum klassischen Gesang. Beste Voraussetzungen also, immer wieder für eine Überraschung gut zu sein ….
Seit etlichen Jahren steht die Band auch immer wieder im Plattenstudio vor dem Mikrophon - es werden auch „richtige“ Schallplatten bespielt, nicht nur schnöde CDs. Ganz so, wie es der von Hank Ockmonic und seiner Truppe gepflegten Musik entspricht.
Souverän hat Frontmann, Sänger, Gitarrist, Klarinettist und in diesem Falle nicht Komponist, sondern Arrangeur (und „nebenbei“ auch Schöpfer der Hüllengraphik) Hank Ockmonic die ganz verschiedenen Stimmungen und Klangbilder, die Morricones Filmmusik zu erzeugen vermag, auf eine Besetzung aus neun Musikern und dreizehn Instrumenten übertragen.
Die Albumbesetzung bestand aus Hank Ockmonic (Gesang, Klarinette, Framus Sorella, Fender Telecaster, Mandoline, Höfner-Elektrobaß, Klavier, Hammond B100, Perkussion), Anna Palupski (Sopran), Natasha Pandazieva (Mezzosopran), Yana Krasutzkaya (Violine), Liliya Gilmanova (Tasten), Michael Fubel (Kontrabaß), Steffen Knoop (Schlagzeug), Kathy Freiboth (Tuba), Timo Färber (Schlagzeug).
Was im Projektstadium zunächst sogar von der Band selbst als bloße „Spinnerei“ angesehen wurde, hatte schließlich das angesprochene Album zum Ergebnis. Am 26. Januar 2019 stellten Hank und die Shakers die neue Platte mit einem Konzert im großen Saal des Freien Radios Kassel der Öffentlichkeit vor. Einen Querschnitt durch dieses Konzert nebst kurzer Vorstellung der Band sowie weitere Titel von der LP können Sie in unserer Sendung hören.
Die Platte ist in den einschlägigen Kasseler Geschäften zu haben - oder direkt von den Shakers zu beziehen.

  • Sendetermin: „Wir stellen vor“, Samstag, 11. Juli 2020, 19 Uhr
  • Wiederholung: Sonntag, 12. Juli 2020, 11 Uhr

 

Die Savoy Orpheans, Folge 1 - Ausstrahlung der berichtigten Fassung

Bei der Sendung des ersten Teils unserer Reihe über die Savoy Orpheans am 16. Juni wurde versehentlich eine Arbeitsfassung eingesetzt, in der statt zweier vorgesehener Titel, nämlich eines Potpourris aus der Operette „Rose-Marie“ von Rudolf Friml und des allbekannten Charlestons von James P. Johnson, zwei Titel aus der zweiten Folge liefen. Die richtige Fassung bringen wir daher am Sonntagssendeplatz als Einstimmung auf Folge 2 am Hauptsendeplatz „Tanzparkett“ am darauffolgenden Mittwoch.
Synonym für ein großes, weltläufiges Hotel steht u.a. das Londoner „Savoy“. Ein entsprechend anspruchsvolles, in jeder Hinsicht verwöhntes Publikum war und ist daher die Klientel des Hauses.
Auch musikalisch kam dies in den 20er und 30er Jahren zum Ausdruck. Neben der schon einige Zeit etablierten Savoy Havana Band, die einen der Säle bespielte und zu der wir in einer andern Sendefolge auch kommen wollen, wurden im Laufe der 20er Jahre noch andere Kapellen engagiert. Eine weitere feste Besetzung des Hauses waren die Savoy Orpheans. Dieser Formation widmen wir voraussichtlich drei Sendungen im „Tanzparkett“.
Nicht nur bei den Hotelgästen waren die Kapellen beliebt, sondern auch bei den Schallplattenkäufern, denn sie boten Aufnahmen ansprechender, moderner Tanzmusik mit Hotsolistik.
Wir beginnen im Februar 1924, als die Orpheans noch von Debroy Somers geleitet wurden. Der spätere Chef der Savoy Orpheans, Carroll Gibbons, dessen Name einigen Hörern sicher noch von den auch in Deutschland recht viel gekauften Platten der Kapelle aus den 30er Jahren geläufig sein dürfte, ist hier schon als Pianist dabei.
Die Savoy Orpheans hatten einen Exklusivvertrag bei der englischen Columbia. Sie spielten jedoch auch Platten für His Master’s Voice ein - allerdings unter dem Pseudonym „The Romaine Orchestra“, denn sonst hätten die Columbialeute den lukrativen Vertrag gekündigt. Doch schließlich unterbreitete die HMV ein noch besseres Angebot, denn ab Oktober 1924 findet sich die Band nur noch auf diesem Etikett - unter dem richtigen Orchesternamen.
Im ersten Teil kommen wir bis in die frühelektrische Aufnahmephase. Die ersten uns vorliegenden elektrischen HMV-Aufnahmen mit den Orpheans entstanden am 7. Juli 1925 im Studio des Preßwerks der HMV in Hayes, Middlesex.
Durch die Sendung begleitet Sie Thomas Sosna.

  • Sendetermin: „Tanzparkett extra“, Sonntag, 12. Juli 2020, 17 Uhr
  • Wiederholung: Montag, 13. Juli 2020, 9 Uhr

 

Ein europäisches Lieferkettengesetz und die Rolle der Deutschen Ratspräsidentschaft

Diskussion mit Didier Reynders (EU-Justizkommissar), Maria Flachsbarth  (Parlamentarische Staatssekretärin, Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung), Sven Giegold und Anna Cavazzini, (Grüne Fraktion im Europaparlament) und weiteren Expert/-innen von NGOs und Wirtschaft am 11.6.2020. Verbindliche Regeln entlang der Lieferketten fordern viele Akteure in der Zivilgesellschaft schon lange. EU-Justizkommissar Didier Reynders kündigte vor kurzem einen Vorschlag für ein europäisches Lieferkettengesetz in 2021 an. Eine solche gesetzliche Regelung würde sicherstellen, daß Unternehmen
Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörungen in ihren Lieferketten präventiv begegnen und Verstöße geahndet werden können.

Ein Lieferkettengesetz wird auch auf deutscher Ebene benötigt und diskutiert. Seit Anfang Juli 2020 hat Deutschland die EU-Ratspräsidentschaft inne. Wie sieht die Initiative der EU-Kommission aus? Wie könnte
die Bundesregierung das Thema nachhaltiger Lieferketten in der Ratspräsidentschaft voranbringen?

  • Sendetermin: „attac-Radio“, Dienstag, 14. Juli 2020, 21 Uhr

 

Only Vinyl – Die 500. Sendung

Moderator Mathias Welp: Warum ich noch immer auflege – und dabei auflebe!

„Mit 66 Jahren fängt das Leben bekanntlich erst an. Für die meisten Radiomoderatoren hört es aber spätestens dann schon auf. Pech gehabt? Nein. Einfach nochmal anfangen! Alles von vorn? Wie bitte? Im Ernst?
Zwei EMT-Plattenteller, rechts und links, zwei alte Bandmaschinen, zwei Jingleplayer.
Los geht’s! So wie früher, in den analogen 70ern?
Ja, ganz genau so!
Ich rieche förmlich noch die Studioluft bei SR1 Europawelle Saar, da sendete ich abends. Bei Südfunk Stuttgart (früher SDR3) machte ich Frühsendungen - immer meinen Vinyl-koffer dabei. Das ist fast 45 Jahre her. Die Zeiten sind nicht besser geworden und das Radio leider auch nicht.
Für Axel Springer war ich zwei Sommer lang in Italien: Radio Adria hieß der Urlaubssender ohne Ledercouch im Vestibül, ohne Kasino, Fuhrpark, Pförtner.
Dafür hinterließen die Strandgäste ihren Sand im Mischpult. Eine harte Schule. Aber es hat Spaß gemacht, vielleicht soviel wie 40 Jahre Verlags- und Fernseharbeit zusammen, die noch folgen sollten.
Damals, Anfang der 80er, schrieb ich im Playboy eine kecke Glosse: „Macht endlich Dampf im Radio!“
Motto: Schafft die Intendanten ab, ich mach´s alleine.
So verkrustet schien dem jungen Heißsporn damals das ausschließlich öffentlich-rechtliche Programm. Die Privatisierung des Hörfunks stand bevor. Endlich: Pionierzeit. Der damalige Hörfunkdirektor des NDR, Prof. Wolfgang Jäger ging auf die Palme. Wie recht er hatte.
Denn dreißig Jahre später wissen wir es besser. Die  ARD-Sender waren kein Beamtenfunk, sondern nur recht durchdachtes Einschaltradio, das nur ein paar Lockerungsübungen brauchte.
Dann kam es zur Erbsünde der Durchhörbarkeit. Den ganzen Tag dieselbe Musikfarbe – letztlich ein Diktat der Werbung, die sicherer auf  Kundschaft zielen will.
Was haben nun viele Hundert Privatstationen und Web-Radios gebracht? Volle Werbeblöcke, gute Umsätze. Und obercoole Phrasenstrippen, die in gestelztem Jungjargon schon morgens auf den Nerv gehen („Noch dreimal schlafen bis zum Wochenende“, „Gestern war Mädelsabend“, „Likest Du diese App?“) - und diese Brillanz auch noch in Stereo, also paarweise. Leider wird die Sorge oft mitübertragen, nicht allzu witzig zu sein. Hörer könnten immerhin abspringen.
Aber Geschmackssache. Millionen lassen sich geduldig amüsieren, keine Frage: „Ich wünsche Ihnen viel Spaß“ bis „ich hoffe, es hat Ihnen Spaß gemacht“ – da ist der Spaß dann jedenfalls für mich vorbei.
Dafür braucht es die Privaten nicht. Das konnte die ARD sogar schon in den 50ern, als meine Hörerlebnisse noch ungetrübt begannen.
Das Ärgerlichste aber  liegt  noch  ganz  woanders:  In  der mangelnden Vielfalt. „Die 80er, 90er und das Beste von heute“ tönt es strategisch von allen Wellen oder „Ihre Lieblingshits – genau meins“.
Solches Geclaime verrät Mainstream, also den Einheitsbrei, wie aufregend!
Warum nicht zwischendurch mal „deins“? Es schreit nach Regelverletzern, nach Radioleuten, die gegen den Strom schwimmen. Nach Sendungen mit Kanten und Ecken, die nach etwas riechen und schmecken. Mit Comedy auf allen Frequenzen  ist es kaum getan.
Auch viele Sprecher variieren in ihrer überschlagenden Fröhlichkeit kaum noch. Wohl weil die Sender inflationiert sind. Aus einigen Dutzend Mikrofon-Persönlichkeiten wurden abertausende meist anbiedernde Radiostimmen, die ihr „Produkt Sender“ zu verkaufen haben.  
Prominente Matadore, die es so gesehen früher leichter hatten, sind abgetreten: Fred Metzler, Hans Karl Schmidt (Atze), Elmar Gunsch, Sexauer und Heck. Achim Graul ist im Ruhestand. Hoffentlich hören wir von Thomas Gottschalk, Carlo von Tiedemann oder Werner Reinke noch lange was. Stimmen, denen man folgt, auch wenn die sich kaum um was bemühen.
Hier geht es nicht um Spartenradio, das funktioniert. Die ARD-Sender haben ihr breites Angebot von Info und Kultur, Klassik, Schlager und Pop-Rock hervorragend aufgefächert.
Gemeint sind große AC-Wellen für die breiten Massen, seien sie öffentlich-rechtlich oder rein kommerziell. Was macht den Unterschied?
Bei den Privaten sind es ein paar Gewinnspiele mehr, weil sie allein von Werbung leben müssen, das ist verständlich.
Playlists, die -wenn überhaupt- gerade mal an ein paar Hundert Titel stoßen, rotieren die Charts der Neuerscheinungen oder Oldies rauf und runter. Bei Jugendwellen glaubt man sogar, der Vorrat passte auf eine CD. Fehlanzeige für den, der auch mal die Pogues, Steely Dan oder Boz Scaggs erwartet. Schon solche bekannten Namen hat kaum ein Studiorechner auf dem Schirm, geschweige denn King Crimson, Alexis Korner oder Anne Clark.
„Nicht gängig genug“, sagt die Musikredaktion? Hallo! Was nicht läuft, kann auch nicht gefallen! Felix Jaehn und Rita Ora, die Bee Gees und Elton John sollen ja – aber bitte im Mix mit Ausreißern, die leider fehlen und somit Sendungen zum Mitsingen riskieren. Wie sagte mir doch mal der legendäre HR-Unterhaltungschef Hanns Verres: „Wir sollten nicht nur spielen, was die Hörer hören wollen, sondern auch das, was sie hören sollten!“ Das hat nichts mit Bevormundung zu tun, aber mit Angebot.
So. Was will er nun eigentlich anders machen, der „oberschlaue alte Vinyl-Matz“ mit seinen Plattenspielen? Gewiss hat er einen anspruchsvollen Mix aus Pop und Rock, Punk, Folk und Country auf den Tellern, manchmal klingt es sogar jazzig. Die Moderation vrecht knackig, wenn´s geht, mit uralten Jingles und Overtalks über den Intros. Eben old-school AFN- und BFBS/BFN-Style. Und bitte: Überraschungen im Programmablauf. Ich weiß selbst nie, wie der endet. Schnelle Sendungen gerne, solange noch Stimme und Birne mitmachen.  
Nicht jedermanns Ding, ich bitte um Nachsicht. Aber genau hier liegt die Chance von kleinen Lokal- und Regionalsendern, teils mit offenem Bürgerzugang: Ausbruch auf der ganzen Linie. Keine Werbung, kein Formatzwang oder Quotendruck. Media-Analysen lassen ehrenamtliche Radiomacher kalt. Die sind nicht werberelevant. Die Hörertelefone klingeln trotzdem.
Die „Plattenspiele mit Matze – Only Vinyl“ kochen gerade 500 mal, zugegeben auch nur mit Wasser. Gerne mit kleinen Stolpersteinen, die dann hoffentlich zu spontanen Geschichtchen werden, persönlichen Erinnerungen rund um die Vinylplatte. Ich liebe sogar Patzer, sie sollten nur nicht abgegriffen sein. Radio hat mein Leben infiziert. Genesung bleibt recht unwahrscheinlich.“

  • Sendetermin: „Only Vinyl“, Dienstag, 14. Juli 2020, 22 Uhr

 

Die Savoy Orpheans, Folge 2

Im Juli 1925 war die englische His Master‘s Voice (HMV) zum elektrischen Aufnahmeverfahren übergegangen - ein Jahr vor den meisten deutschen Plattenfirmen.
Die neue Technik bot den Orchestern neue Entfaltungsmöglichkeiten, denn nun war es nicht mehr nötig, Arrangements, Orchesteraufstellung, Instrumentierung und Spielweise auf die Unzulänglichkeiten der mechanisch-akustischen Aufnahmeapparatur abzustimmen. Zwar forderte auch die Aufnahme über das Mikrophon den Orchestern Änderungen gegenüber dem normalen Konzert- oder Tanzsaalbetrieb ab, doch weit weniger als bisher.
Ab der Aufnahmesitzung vom 19. April 1926 leitet nicht mehr Debroy Somers die Savoy Orpheans, sondern der Geiger Ramon Newton, denn Somers nahm nun mit einer eigenen Tanzkapelle für die Columbia auf. Noch im selben Jahr übernahm allerdings der Pianist der Band, Carroll Gibbons, den Dirigentenstab. Newton wurde ersetzt und gleichzeitig der Streichersatz auf drei Mann erweitert. Von ihnen dürfte Sydney Kyte am interessantesten sein, der später ebenfalls ein eigenes Orchester leiten sollte. Auch die übrige Besetzung wurde unter Gibbons‘ Leitung  recht weitgehend geändert.
Nach einer kurzen Interimszeit mit zwei anderen Leitern und weiteren Besetzungsumstellungen  übernahm Gibbons erneut das Orchester und sollte nun die Fäden bis in die 30er Jahre in der Hand behalten.
Anscheinend zur eingehenden Erprobung der neuen Apparatur fanden etliche Aufnahmesitzungen der Orpheans über einen längeren Zeitraum hinweg im Studio des Preßwerks der HMV in Hayes, Middlesex, statt. So war es leichter, Testpressungen (oder ggf. unter Zerstörung derselben auch Originalmatrizen) abzuhören und unmittelbar Änderungen an den Aufnahmebedingungen vorzunehmen und Erfahrungen im Umgang mit dem neuen Verfahren zu sammeln. Bald spielte die Band auch wieder Aufnahmen im Londoner Studio ein. Um in öffentlichen Musiksälen wie der Small Queen‘s Hall Platten aufzunehmen, ließ die HMV sich obendrein in London Postleitungen von dort zum Studio schalten. Dieses Verfahren wurde z.B. auch von ihrer Berliner Tochterfirma Electrola angewandt.
1928 endete die Tätigkeit der Orpheans für die HMV; im Januar jenes Jahres aufgenommene Tests bleiben unveröffentlicht. Nach einer Kontinentaltournee mit der alten Besetzung, wobei das Orchester im März ‘28 auch in Berlin auftrat und für die Homocord Einspielungen mit Billy Barton als Gastmusiker an Klarinette und Saxophon machte, schloß Gibbons einen Vertrag mit dem Kleinetikett Dominion.
Im Oktober 1931 kehrte Gibbons mit den Savoy Orpheans zur Columbia zurück, von der die Orpheans ziemlich genau sieben Jahre zuvor zur HMV gewechselt waren, jedoch wiederum mit anderem Personal. Dies wird Thema einer weiteren Folge sein.
Durch die Folge führt Thomas Sosna.

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 15. Juli 2020, 21 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 16. Juli 2020, 13 Uhr

Prgramminfo für den 04.07.2020

Johnny Cashs „Mercury Recordings“

Ganz klar: Am Nationalfeiertag der USA kann in einer Country-Sendung natürlich nur DIE amerikanische Ikone schlechthin laufen – Johnny Cash höchstpersönlich. Allerdings: Der Teil seiner Karriere, den wir heute unter die Lupe nehmen wollen, gehört nicht unbedingt zu den besonders geschätzten Phasen im Werk des „Man In Black“. Neben seiner legendäre Frühzeit bei Sun Records, neben der klassischen Ära bei Columbia Records und neben dem gefeierten Spätwerk geht die relativ kurze Zeit, die Cash Ende der 80er Jahre beim Label Mercury Records zugebracht hat, zumeist unter. Fans und Kritiker sind sich einig, daß die Platten, die in diesen Jahren erschienen, nicht unbedingt zu den Meisterwerken des Country-Titanen zählen. Aber ist dieses Urteil rückblickend immer noch haltbar? Jetzt kann man sich endlich ausgiebig mit diesen Aufnahmen beschäftigen: Eine kürzlich erschienene CD-Box versammelt erstmals die kompletten Mercury-Alben, die jahrelang nicht greifbar waren und teilweise noch nie auf CD erschienen sind. Wir stellen die Box in der Sendung vor und versuchen herauszufinden, ob der etwas zweifelhafte Ruf, den diese Songs seit 30 Jahren genießen, heute immer noch berechtigt ist.

  • Sendetermin: „Country Classics“, Samstag, 4. Juli 2020, 18 Uhr

Programminfos vom 26.06.2020 bis 01.07.2020

Theaterspielzeit 2019/20 – Rückschau und Ausblick mit dem Intendanten

In der letzten Veranstaltung der traditionsreichen Reihe „Resonanzboden“ in dieser Saison beantwortete Staatstheater-Intendant Thomas Bockelmann im Opernfoyer Fragen zur noch laufenden und gab einen Ausblick auf die kommende Spielzeit. Natürlich stand insbesondere die Situation des Theaters in Virus-Zeiten im Mittelpunkt. Wie genau sich Thomas Bockelmanns letztes Jahr als Intendant gestalten wird, hängt in erster Linie davon ab, was in der neuen Spielzeit, die im September startet, unter gesundheitlichen Aspekten möglich ist und was nicht. Der langjährige Theaterchef blickt aber optimistisch in die Zukunft, wie er im Gespräch mit dem Staatstheater-Förderverein erläuterte.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 26. Juni 2020, 18 Uhr

 

US-Bigband-Swing, Folge 1

Wir swingen wieder - swingen Sie mit:  Sie hören in dieser Ausgabe das Casa Loma Orchestra, Larry Clinton, Ben Pollack, Louis Russell, Taft Jordan and the Mob, Glenn Miller und seine erste Band, Victor Young und Bobby Sherwood.
Der Aufnahmezeitraum erstreckt sich diesmal von der Vorswingzeit (1932), als es schon progressive Orchester gab, die das Kommende vorwegnahmen, bis 1942, also in die Abenddämmerung der klassischen Swingära, schon nach dem Eintritt der USA in den Krieg. Kurz darauf streikte die US-Musikergewerkschaft, und die Musikszene änderte sich komplett.
Am Mikrophon: Peter Michael.

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 1. Juli 2020, 21 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 2. Juli 2020, 13 Uhr

Programminformation für den 21.06.2020

Zum Tode von Vera Lynn

Am 18.Juni starb im biblischen Alter von 103 Jahren die britische Schlagersängerin Vera Lynn.
Ihre Funk- und Plattenkarriere begann die am 20. März 1917 in East Ham, Essex, als Vera Margaret Welch geborene Sängerin in den 30er Jahren. Der Künstlername Lynn war der Mädchenname ihrer Großmutter. Man hörte sie zunächst als Refrainsängerin bei verschiedenen Londoner Kapellen. Fest engagiert war sie ab 1937 bei Bert Ambrose. Zum Liebling der Nation wurde sie durch ihren 1939 erstmals aufgenommenen Titel „We’ll Meet Again“, der wie kaum ein anderer die Hoffnung der Briten auf ein Wiedersehen mit ihren Lieben ausdrückte - gleichsam ein englisches Pendant zum deutschen Chanson „Lili Marlen“. Auftritte in Rüstungsbetrieben und an den Fronten festigten Lynns Popularität.
Nach der Fortsetzung ihrer Karriere durch die 50er Jahre hindurch neigte Vera Lynns musikalisches Interesse in den 60ern mehr zum Jazz als zum Schlager (für die nun aktuelle Beatmusik war sie zu alt), doch blieb ihre Popularität trotz der Abkehr des Massenpublikums vom Jazz ungebrochen, da sie einen wesentlichen moralischen Beitrag zum Sieg der Briten im Kriege geleistet hatte. 1969 wurde sie in den Order of the British Empire aufgenommen und 1975 von Königin Elisabeth II. geadelt.
2009 nahm sie ein Album auf, das Platz 1 in der englischen Hitparade erreichte und ihr damit den Eintrag als älteste lebende Sängerin mit einem Top-20-Album sicherte. 2014 folgte noch eine CD; zu ihrem 100. Geburtstag wurde 2017 ein weiteres Album mit einer Neuauflage älterer Aufnahmen herausgegeben, das in England auf Platz 3 kam. Um Spenden für die Opfer der Corona-Pandemie zu erzielen, sang sie noch im April 2020 erneut „We’ll Meet Again“ ein, hier im Duett mit Katherine Jenkins.
Dame Vera Lynn starb am 18. Juni 2020 in ihrem Haus in Ditchling, East Sussex.
Wir bringen Ihnen eine Auswahl an Platten von Vera Lynn vom Beginn ihrer Karriere bis in die Nachkriegszeit.
Am Mikrophon: Thomas Sosna.

  • Sendetermin: „Tanzparkett extra“, Sonntag, 21. Juni 2020, 17 Uhr
  • Wiederholung: Montag, 22. Juni, 9 Uhr

Programminfos vom 17.06.2020 bis 19.06.2020

Die Savoy Orpheans, Folge 1

Synonym für ein großes, weltläufiges Hotel steht u.a. das Londoner „Savoy“. Ein entsprechend anspruchsvolles, in jeder Hinsicht verwöhntes Publikum war und ist daher die Klientel des Hauses.
Auch musikalisch kam dies in den 20er und 30er Jahren zum Ausdruck. Neben der schon einige Zeit  etablierten Savoy Havana Band, die einen der Säle bespielte und zu der wir in einer andern Sendefolge auch kommen wollen, wurden im Laufe der 20er Jahre noch andere Kapellen engagiert. Eine weitere feste Besetzung des Hauses waren die Savoy Orpheans. Dieser Formation widmen wir voraussichtlich drei Sendungen im „Tanzparkett“.
Nicht nur bei den Hotelgästen waren die Kapellen beliebt, sondern auch bei den Schallplattenkäufern, denn sie boten Aufnahmen ansprechender, moderner Tanzmusik mit Hotsolistik.
Wir beginnen im Februar 1924, als die Orpheans noch von Debroy Somers geleitet wurden. Der spätere Chef der Savoy Orpheans, Carroll Gibbons, dessen Name einigen Hörern sicher noch von den auch in Deutschland recht viel gekauften Platten der Kapelle aus den 30er Jahren geläufig sein dürfte, ist hier schon als Pianist dabei.
Die Savoy Orpheans hatten einen Exklusivvertrag bei der englischen Columbia. Sie spielten jedoch auch Platten für His Master’s Voice ein - allerdings unter dem Pseudonym „The Romaine Orchestra“, denn sonst hätten die Columbialeute den lukrativen Vertrag gekündigt. Doch schließlich  unterbreitete die HMV ein noch besseres Angebot, denn ab Oktober 1924 findet sich die Band nur noch auf diesem Etikett - unter dem richtigen Orchesternamen.
Im ersten Teil kommen wir bis in die frühelektrische Aufnahmephase. Die ersten uns vorliegenden elektrischen HMV-Aufnahmen mit den Orpheans entstanden im Juli 1925.
Durch die Sendung begleitet Sie Thomas Sosna.

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 17. Juni 2020, 21 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 18. Juni 2020, 13 Uhr

 

Ortsvorsteher im Gespräch

Aus 23 Stadtteilen besteht Kassel – und jeder Stadtteil hat einen eigenen Ortsbeirat, der jeweils von einem Ortsvorsteher bzw. einer Ortsvorsteherin geleitet wird. Auch wenn gelegentlich über die Frage debattiert wird, ob die Ortsbeiräte (als ehrenamtlich besetzte Gremien) tatsächlich größeren Einfluß auf die politischen Entscheidungen der Stadt haben, so fungieren die Beiräte dennoch als wichtige Ansprechpartner für Bürgerinnen und Bürger und als Schnittstelle zwischen dem jeweiligen Stadtteil und der „großen“ Politik im Rathaus.
Klaus Schaake, Moderator der FRK-Sendungen „Stadtlabor“ und „Viaje Radial“, hat sich vorgenommen, für seinen neuen Podcast „Stadtteilzeit“ sämtliche 23 Kasseler Ortsvorsteher zu befragen. Den Anfang machen Sabine Wurst (Mitte), Steffen Müller (Südstadt) und Kerstin Saric (Südstadt) – wir senden die Interviews.

Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 19. Juni 2020, 18 Uhr

 

Bernd und Hardy live

Ein Kabarettist und Bestsellerautor feiert Jubiläum: Seit 25 Jahren ist Bernd Gieseking mit „Ab dafür! – der satirische Jahresrückblick“ auf den Bühnen der Republik unterwegs. Und nun kommt dieses Jubiläum auf die Bühne: Gieseking blickte beim „Sommer im Park 2019“ in Vellmar mit seinen besten Texten zurück auf 25 Jahre Bundesrepublik Deutschland mit ihren Parteispenden, Skandalen und Jubiläen, von Kohl bis Merkules, von Dolly dem Klon-Schaf bis zum Rinderwahnsinn, vom Ende der D-Mark bis zum Neuen Markt, vom Atomausstieg bis zum Insektensterben: eine satirische Tour de Force.
Natürlich war Konfusion dabei, der ostwestfälische Weise: „Das Schöne am Erinnern ist, es hilft gegen das Vergessen!“
Aus Giesekings Stammkneipe, der Fischlounge, standen Wirt Herbert und Karl parat, der Dichter, der noch nie über einen Zweizeiler hinaus gekommen ist: „Die NSA lauscht in der Nacht – was Merkel vor dem Frühstück macht.“
Für Vellmar konnte Bernd Gieseking einen tollen Gast gewinnen: Hardy EL Kurdi begleitete den Abend mit Kommentaren, Randbemerkungen und historischen Auskünften aller Art.
Satire und Komik, Kommentar und Nonsens über den alltäglichen Wahnsinn: all das ist „Ab dafür! Deluxe“. Eine rasante Achterbahnfahrt voller Sprachwitz, präsentiert vom Meister und Urvater des satirischen Jahresrückblicks: Bernd Gieseking.
Gast: Hardy El Kurdi

  • Sendetermin: „Kabarett live“, Freitag, 19. Juni 2020, 22 Uhr

Programminfos vom 12.06.2020 bis 18.06.2020

König des Glam Rock – Zum Tod von Steve Priest

Sie waren DIE Teenager-Attraktion der frühen 70er Jahre: Acht Nummer-1.-Hits konnten die Sweet zwischen 1971 und 1975 in den deutschen Verkaufscharts verbuchen, dreimal wurden sie von den Lesern der BRAVO als „beste Band des Jahres“ mit dem „Goldenen Otto“ ausgezeichnet. Die vier Glam-Rocker aus Britannien begeisterten ihr zumeist jugendliches Publikum mit eingängigen, einfach gestrickten Hits vom Fließband – „Little Willy“, „Wig Wam Bam“, „Blockbuster“ oder „Ballroom Blitz“ sind nur einige der Schlager irgendwo zwischen Bubblegum-Pop und Hardrock, mit denen die Band damals monatelang die Radiowellen verstopfte. Nun ist Steve Priest, Mitbegründer und Bassist von The Sweet, im Alter von 72 Jahren gestorben – Sänger Brian Connolly und Schlagzeuger Mick Tucker weilen schon lange nicht mehr unter den Lebenden, so daß mit Gitarrist Andy Scott jetzt nur noch ein Mitglied der legendären Band übrig ist. Steve Priest war der heimliche Star der Gruppe, ein Publikumsliebling, der mit seiner Bühnenshow und seinem exzentrischen Outfit für viel Aufmerksamkeit sorgte. So trat er etwa in einer Weihnachtssendung des britischen Fernsehens als schwuler SS-Mann mit Uniform, Hakenkreuzbinde und dick geschminkt auf. Als Bassist prägte er den Sound der Band – besonders in den späteren Jahren, als sich The Sweet stärker dem Hardrock zuwandten. Wir erinnern in dieser Spezialausgabe des „Themenwechsels“ an Steve Priest und an die goldene Ära des Glam Rock.
Außerdem stellen wir eine neue Clint-Eastwood-Biographie vor – der Schauspieler und Regisseur wurde kürzlich 90, denkt aber offenbar noch lange nicht ans Aufhören.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 12. Juni 2020, 18 Uhr

 

Johnny Dyer - "Shake it!"

Johnny Dyer war, obgleich eher ein Geheimtipp unter den hiesigen Bluesliebhabern, ein äußerst eindrucksvoller Harpspieler seit den 60er Jahren. Er spielte mit Jimmy Reed, J.B. Hutto und Jimmy Rogers zusammen, war gefragter Sidekick bei großen Festivals. Auf Schallplattenaufnahmen tauchte er leider eher selten auf. Die Zusammenarbeit mit dem Blues-Rock-Gitarristen Rick Holmstrom holte ihn während der 90er Jahre aus der Versenkung. Sie wurden gefragte Acts bei Festivals und machten gemeinsam auch Platten. In dieser Folge zu hören: "Shake it!" (1995 / Black Top Records, New Orleans)

  • Sendetermin: “Long Distance Call”, Samstag, 13. Juni 2020, 18 Uhr

 

Black Bands of the 30s

Wir swingen wieder  - swingen Sie mit!
Diesmal auf dem Plattenteller: Die Orchester von Claude Hopkins, „Hot Lips“ Page, James P. Johnson, Earl Hines, Harlan Leonard, Andy Kirk und Harlan Lattimore bzw. Don Redman.
Am Mikrophon: Peter Michael.

  • Sendetermin: „Tanzparkett extra“, Sonntag, 14. Juni 2020, 17 Uhr
  • Wiederholung: Montag, 15. Juni 2020, 9 Uhr

 

R.A.M. Pietsch - "Norwegian Wood"

Aha, es dreht sich diesmal um die Beatles. Sie können Zeiten wie diese sicherlich stimmungsmäßig um so einiges aufhellen. Wer jedoch ist bzw. war R.A.M. Pietsch??  Lange wurde über dieses Pseudonym gerätselt. Klingt spannend - ist es aber nicht wirklich. Rainer Pietsch, geboren 1944, war eher im Hintergrund in den damals angesagten Aufnahmestudios in München als Arrangeur, Tonsetzer, Produzent und Schlagermacher recht fleißig. Die 1970/80er waren seine große Zeit: Michael Holm und die damals gefragte Amanda Lear hatten ihm so einiges zu verdanken. Und er schrieb auch das Orchester-Arrangement für das Titelstück von Freddie Mercurys erster Soloplatte ("Mr. Bad Guy"). Eine gewisse Berühmtheit erlangte Pietsch 1975 beim ESC (damals noch Grand Prix) in Zusammenhang mit Joy Fleming.
Der Lonesome Traveler wurde bei der Cover-Gestaltung der erwähnten "Norwegian Wood"-Ausgabe neugierig. Sie stammt von niemand geringerem als dem Berliner Urgestein Klaus Voormann, der seinerzeit die wilden 60er Kiez-Jahre der Beatles in Hamburg begleitet hatte. Sie waren befreundet; Klaus Voormann ist der Künstler, der ihr legendäres "Revolver"-Albumcover 1966 gestaltet hat - und der in der Folge zum gefragten Bassisten aufstieg: Manfred Mann, John Lennon, Lou Reed, Carly Simon, Randy Newman, B.B. King u.a.  Pietsch hat übrigens später auch der Neuen Deutschen Welle wirkungsvolle Impulse gegeben - Trio, Marius Müller-Westernhagen, Nena, Heinz Rudolf Kunze usw. Klaus Voormann blieb den Beatles freundschaftlich verbunden. Er lebte etliche Jahre in Los Angeles, heute am Starnberger See. Ein vielseitiger Künstler - seine "Norwegian Wood"-Version ist ein echter Hin-Hörer.
Diese Folge ist der Auftakt zu einer lockeren 60/70er Oldie-Reihe, die auch in der dreistündigen Langversion als Samstags-"Lange Rille" jeweils ab 21 Uhr hier gesendet wird. Die frühen Kinks, die im Windschatten der sog. British Invasion segelten, werden den Reigen eröffnen.

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 14. Juni 2020, 22 Uhr

 

Live aus dem Funkhaus: SPEICHER/WOLF/SCHIPPER

Martin Speicher       Saxophone, Klarinette
Georg Wolf               Kontrabass
Jörn Schipper          Schlagzeug

Zeitenbedingt findet das Konzert leider unter Ausschluß der Öffentlichkeit vor Ort statt. Aber man kann die Übertragung im Radio genießen.

  • Sendetermin: „Fangschalltung“, Montag, 15. Juni 2020, 20 Uhr

 

Die Savoy Orpheans, Folge 1

Synonym für ein großes, weltläufiges Hotel steht u.a. das Londoner „Savoy“. Ein entsprechend anspruchsvolles, in jeder Hinsicht verwöhntes Publikum war und ist daher die Klientel des Hauses.
Auch musikalisch kam dies in den 20er und 30er Jahren zum Ausdruck. Neben der schon einige Zeit  etablierten Savoy Havana Band, die einen der Säle bespielte und zu der wir in einer andern Sendefolge auch kommen wollen, wurden im Laufe der 20er Jahre noch andere Kapellen engagiert. Eine weitere feste Besetzung des Hauses waren die Savoy Orpheans. Dieser Formation widmen wir voraussichtlich drei Sendungen im „Tanzparkett“.
Nicht nur bei den Hotelgästen waren die Kapellen beliebt, sondern auch bei den Schallplattenkäufern, denn sie boten Aufnahmen ansprechender, moderner Tanzmusik mit Hotsolistik.
Wir beginnen im Februar 1924, als die Orpheans noch von Debroy Somers geleitet wurden. Der spätere Chef der Savoy Orpheans, Carroll Gibbons, dessen Name einigen Hörern sicher noch von den auch in Deutschland recht viel gekauften Platten der Kapelle aus den 30er Jahren geläufig sein dürfte, ist hier schon als Pianist dabei.
Die Savoy Orpheans hatten einen Exklusivvertrag bei der englischen Columbia. Sie spielten jedoch auch Platten für His Master’s Voice ein - allerdings unter dem Pseudonym „The Romaine Orchestra“, denn sonst hätten die Columbialeute den lukrativen Vertrag gekündigt. Doch schließlich  unterbreitete die HMV ein noch besseres Angebot, denn ab Oktober 1924 findet sich die Band nur noch auf diesem Etikett - unter dem richtigen Orchesternamen.
Im ersten Teil kommen wir bis in die frühelektrische Aufnahmephase. Die ersten uns vorliegenden elektrischen HMV-Aufnahmen mit den Orpheans entstanden im Juli 1925.
Durch die Sendung begleitet Sie Thomas Sosna.

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 17. Juni 2020, 21 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 18. Juni 2020, 13 Uhr

 

Programminfos vom 05.06.2020 bis 07.06.2020

Marcel zum 100.

Er war der Liebling aller Stimmenimitatoren und Kabarettisten; seine charakteristische Sprechweise war legendär. Unter den Autoren war er gefürchtet – seine meinungsstarke, oft ätzende Kritik konnte Karrieren befördern oder auch vernichten. Kein deutscher Literaturkritiker war jemals so einflußreich und populär wie Marcel Reich-Ranicki – bis heute gilt er als Prototyp des engagierten Rezensenten. Aber sein Bekanntheitsgrad reichte weit über die Literaturszene hinaus; durch seine zahllosen Fernsehauftritte (u.a. im „Literarischen Quartett“) war er einem Millionenpublikum bekannt und erreichte auch Menschen, die nie in ihrem Leben ein Buch in die Hand genommen haben.
1999 veröffentlichte der 2013 verstorbene Reich-Ranicki seine Autobiographie, in der er seine bewegte Geschichte als polnisch-deutscher Jude während der NS-Zeit ebenso schildert wie seine spätere Karriere als Kritiker und Zeitungsredakteur. Das Buch wurde zum Bestseller; Reich-Ranicki stellte seine Memoiren bei zahlreichen Lesungen vor. Auch in Kassel war er zu Gast: Auf Einladung der (inzwischen geschlossenen) Buchhandlung Lometsch las er im Oktober 1999 im vollbesetzten Anthroposophischen Zentrum. Aus Anlaß seines 100. Geburtstags in dieser Woche senden wir noch einmal den historischen Mitschnitt.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 5. Juni 2020, 18 Uhr

 

Martin Frank – Schwarzhumoriges Kabarett aus Passau

Das nennt man wohl einen „Sensationserfolg“: Bei der Verleihung des Hessischen Kabarettpreises im Frühjahr 2019, die in der Kulturhalle Niedervellmar stattfand, spielte Martin Frank innerhalb von 20 Minuten die Konkurrenz regelrecht an die Wand. Das Publikum begeisterte sich für den Wortwitz und den schwarzen Humor des bayrischen Kabarettisten – und wenige Monate später stand er solo auf der Bühne des Piazza, um sein komplettes Programm zu spielen. Der Laden war voll, die Zuschauer amüsierten sich köstlich. Wir senden heute den Mitschnitt.
Martin Frank wurde 1992 in Hutthurm (Lkrs. Passau) geboren. Aufgewachsen auf dem elterlichen Bauernhof, absolvierte er 2009 eine Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten und anschließend eine Weiterbildung zum Standesbeamten. Künstlerisch tobte er sich mit Klavierunterricht, Kirchenchor und Volkstheater auf der Heimatbühne seit seinem 12. Lebensjahr aus.
Schnell wurde ihm klar, daß er sich mehr und mehr der Kunst widmen möchte. Er absolvierte eine Ausbildung zum Kirchenorganisten und schloß sich dem Jugendclub des Stadttheaters Passau an.
Im Alter von 16 Jahren stellte er sich zum ersten Mal mit selbstverfaßten Texten auf die Bühne. Mit 21 setzte er alles auf eine Karte und kündigte seinen Job im Standesamt, holte sein Abitur nach und sprach an der Schauspielschule Zerboni in München vor. Trotz seines massiven Sprachfehlers (bairischer Dialekt) wurde er aufgenommen und schloß seine Schauspielausbildung 2017 nach drei Jahren erfolgreich ab.
Während dieser Zeit war der Bühnendrang jedoch so groß, daß er im Oktober 2015 sein erstes Soloprogramm "Alles ein bißchen anders – Vom Land in d’Stadt" im ausverkauften Münchner Schlachthof (es war allerdings der kleinste verfügbare Raum) präsentierte. Das sehr autobiografische Programm stieß auf große Resonanz und wurde mehrfach ausgezeichnet.
Nach der Schauspielschule folgte ein erstes Theaterengagement im Münchner Lustspielhaus, dort spielt er bis heute die Titelrolle in "Siegfried – Götterschweiß und Heldenblut" unter der Regie von Gabi Rothmüller. Das Stück steht bis auf weiteres im Spielplan. Außerdem ist er seit Dezember 2017 regelmäßig als Außenreporter bei „Schleichfernsehen“ im BR Fernsehen zu sehen.
Im März 2018 erschien dann sein zweites Soloprogramm „Es kommt wie’s kommt!“. Ebenfalls 2018 wurde er mit dem Bayerischen Kabarettpreis in der Kategorie Senkrechtstarter ausgezeichnet. Auch jenseits des Weißwurstäquators findet man den Niederbayern amüsant und überreichte ihm 2019 den „Prix Pantheon“ in Bonn, sowie den Publikums- und Jurypreis des Großen Kleinkunstfestivals in Berlin.
Seit Januar 2020 hört man Martin wöchentlich als Comedian auf Antenne Bayern. Außerdem erschien im Januar im Rowohlt-Verlag sein erstes Buch „Der famose Freistaat – Bayern verstehen für Anfänger und Fortgeschrittene“, das er zusammen mit seiner großartigen Kollegin Franziska Wanninger geschrieben hat.

  • Sendetermin: „Kabarett live“, Freitag, 5. Juni 2020, 22 Uhr

 

Der "Mark Twain" der amerikanischen Songwriter - John Prine (+ 7. April 2020)

In Erinnerung an einen Lifetime Friend hören wir heute Klassikeralben aus den 70ern wie "Common Sense" (1975), "Bruised Orange" (1978) und "Pink Cadillac" (1979) in voller Länge; außerdem Duett-Alben aus der Neuzeit: "In Spite of Ourselves" (1999) und die mit dem seligen Folk- und Bluegrass-Urgestein Mac Wiseman aufgenommene LP "Standard Songs for Average People" von 2007.
Zitat Grammy-Preisträger John Prine : "In meinen Songs versuche ich, durch die Augen anderer Leute zu blicken. Ich möchte den Zuhörern eher ein Gefühl als eine Botschaft übermitteln".

  • Sendetermin: „Die Lange Rille“, Samstag, 6. Juni 2020, 21 Uhr

 

Britische Herrenkleinkunstaufnahmen, Folge 2

Die Tanzmusik des 20. Jahrhunderts (und im speziellen der Jazz) wird seit über 80 Jahren systematisch beschrieben, eingeordnet und wissenschaftlich behandelt (eins der ersten Jazzbücher erschien bereits 1926 in Deutschland).
Stiefmütterlich dagegen gingen Forscher und Plattensammler lange Zeit mit der sogenannten „Kleinkunst“, also Chanson-, Humoristen-, Kabarett- und Vortragsaufnahmen u. dergl., um. Sie wurde jahrzehntelang als zweitrangig abgetan, eben als „klein“ angesehen.
Forschungen, wie sie auf dem Gebiet des Jazz z.B. von Brian Rust und Horst H. Lange seit den 50er Jahren angestellt wurden, als viele Zeitzeugen noch lebten und im Musikgeschäft tätig waren, fanden erst mit Verzögerung statt.
Viele Quellen und Berichterstatter aus erster Hand waren in den 80er Jahren nicht mehr greifbar, als eine breitere Beschäftigung mit der großen Zeit der kleinen Bühne, der Kleinkunstszene der Zwischenkriegszeit, einsetzte.
Umgekehrt tauchten in jener Zeit oder später auch verloren geglaubte Dokumente wieder auf, die zuverlässiger waren als verblaßte und durch die Zeitläufte verfälschte Erinnerungen damals beteiligter Musiker. So kamen z.B. Aufnahmebücher verschiedener Plattenfirmen wieder ans Tageslicht, die in den 50er Jahren wohl ins Altpapier hätten wandern sollen und von Plattensammlern geborgen worden waren.
Jedenfalls hat sich, seit 1991 nach buchstäblich jahrzehntelanger Recherche als erstes großes Register Berthold Leimbachs Buch „Tondokumente der Kleinkunst und ihre Interpreten (1898-1945)“ erschien, die Beschäftigung zumindest mit der deutschen Kleinkunst endgültig etabliert. Aus der Schellacksammlerszene, wenn man von einer solchen sprechen mag, ist sie nicht mehr wegzudenken. Auch in den Sammlungen der Tanzparkett-Redakteure finden sich nicht nur Hotdance und Jazz, und der Anspruch unserer Sendung umfaßt die Kleinkunst von Anfang an.
Nicht nur in Deutschland gab es eine bunte Kleinkunstszene, auch im europäischen Ausland blühten die Kakteen der Brettlbühne. Das wollen wir auch mit dieser zweiten Sendung mit englischen Kleinkunstaufnahmen unter Beweis stellen.
Achten Sie übrigens bei dieser Gelegenheit einmal auf den Einfluß, den der US-Amerikaner Whispering Jack Smith auf den Vortragsstil der Kleinkunstbühnen und -platten hatte. Kürzlich präsentierten wir anläßlich seines 70. Todestages in der Hauptsendung am Mittwochabend eine Auswahl seiner Platten.
Sein Vorbild bewirkte zumindest bei einigen Vortragenden eine Abkehr vom opernhaft lauten, sälefüllenden Bühnengesang hin zum intim „geflüsterten“, aufs feinste nuancierten Vortrag für die kleine, illustre Runde. Besonders deutlich wird das in dieser Sendung an den zu Beginn gebrachten Aufnahmen mit Ronald Frankau.
Durch das Programm begleitet Sie Thomas Sosna.

  • Sendetermin: „Tanzparkett extra“, Sonntag, 7. Juni 2020, 17 Uhr
  • Wiederholung: Montag, 8. Juni 2020, 9 Uhr

 

Steve Earle Plays Guy Clark

Vor vier Jahren starb Country-Ikone und Singer-Songwriter Guy Clark. Mit »Guy« widmete Steve Earle seinem musikalischen Weggefährten, Bandkollegen, Freund und Mentor 2019 ein besonderes Album. 16 Stücke hat er dafür aufgenommen. Mit dabei sind Klassiker wie »Desperados Waiting For A Train« und »LA Freeway«. Eine erste Singleauskopplung gab es vorab mit dem Song »Dublin Blues«.
Unterstützt wird Earle auf »Guy« zum wiederholten Mal von The Dukes: Kelley Looney (Bass), Chris Masterson (Gitarre), Eleanor Whitmore (Geige), Ricky Ray Jackson (Pedal-Steel-Gitarre) und Brad Pemberton (Schlagzeug/Perkussion).
Außerdem gibt es Gastbeiträge von Emmylou Harris, Rodney Crowell, Terry Allen, Jerry Jeff Walker und Mickey Raphael.

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 7. Juni 2020, 19 Uhr

 

Programminfos vom 28.05.2020 bis 04.06.2020

Gedenken an Walter Lübcke

Vor einem Jahr, am 2.Juni 2019, wurde der Kasseler Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke auf seiner Terrasse zu mitternächtlicher Stunde von einem mutmaßlichen Rechtsterroristen erschossen. Die juristische Aufarbeitung der Tat ist in vollem Gange, das Strafverfahren soll demnächst eröffnet werden. Eigentlich waren zum Jahrestag mehrere Gedenkveranstaltungen geplant, die nun allerdings nicht durchgeführt werden können. Das Freie Radio sendet daher nochmals Auszüge aus der Großkundgebung, die letztes Jahr wenige Wochen nach dem Mord stattfand. An die 10.000 Menschen versammelten sich damals vor dem Regierungspräsidium und gaben unter dem Motto „Zusammen sind wir stark“ ihrer Ablehnung rechtsextremer Gewalt Ausdruck. Unter anderem sprachen die Hessische Justizministerin Eva Kühne-Hörmann und Staatstheater-Intendant Thomas Bockelmann.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 29. Mai 2020, 18 Uhr

 

Der Frühling auf Schellack

„Sagt mal, wollt Ihr dieses Jahr gar nicht ... ?“
Eigentlich wollten wir nicht.
Andererseits gäbe es - an allem ist nur der Frühling schuld - ohne diese Sendung unsern Sonntagnachmittagssendeplatz „Tanzparkett extra“ gar nicht.
Deshalb bringen wir nun doch wie (fast) jedes Jahr im Frühling wieder unsere Tanzparkett-Frühlingssendung, damit Eddy Walis und Raimund Geßner die „Rosen, die uns der Mai bringt“ nun auf den letzten Drücker doch noch pünktlich abliefern können. Daß die Jahresrechnung für die Wartezeit zur Überprüfung der dreisten Behauptung „Es wird in hundert Jahren wieder so ein Frühling sein“ nun nicht mehr stimmt ... sei’s drum! Es ist ja schließlich eine Wiederholung.
Thomas Sosna läßt als Ihr Begleiter die musikalischen Frühlingssträuße erblühen.
Auf ausdrücklichen Hörerwunsch also:

  • Sendetermin: „Tanzparkett extra“, Pfingstsonntag, 31. Mai 2020, 17 Uhr
  • Wiederholung: Pfingstmontag, 1. Juni 2020, 9 Uhr

 

Steve Earle  -  "The Ghosts of West Virginia"

Ein seit Jahren streitbarer Singer/Songwriter, Steve Earle aus Virginia, hatte schon immer ein Faible auch für Theaterbühnen. Das Theaterautorenteam Jessica Blank und Erik Jensen machte Earle mit ihrem Stück über das "Upper Big Branch Mine Disaster" von 2010 bekannt, das in der Erde West Virginias 27 Minenarbeiter schlagartig ihre Leben unter Tage kostete. Steve Earle, der "leftist populist" aus den Appalachen, war genau der richtige Typ, die passende Coal Country Music dafür zu entwerfen. Herausgekommen ist ein weiteres die Hintergründe vielseitig ausleuchtendes Americana-Album, das auch die schäbige Rückseite des Goldenen Amerikanischen Dollars zeigt. America great again?! Please don´t you forget about your own struggling People, Mister.
Spannende Mischung aus Bluegrass, Country und Rock: Steve Earle mit seiner langjährigen Tourband The Dukes. Herbe Texte, herbe Mucke. Nicht allzu häufig im US Countryradio zu hören. Bei uns schon - eine brandaktuelle Scheibe.

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 31. Mai 2020, 19 Uhr

 

Rassismus erkennen und benennen

„Woher kommst du?“  - Beginnt mit einer solchen Frage bereits Rassismus? In der heutigen Ausgabe der Sendung „Zwischenzeit“ sprechen Expertinnen aus Kassel und Frankfurt darüber, was Rassismus ist, wie er sich im Alltag zeigt und was er auslöst. Zu Gast sind: Saba-Nur Cheema, die Leiterin des pädagogischen Teams der Bildungsstätte Anne Frank; Selvet Elevliv als Vertreterin von BENGI e.V. , einer migrantischen Selbstorganisationen aus Kassel; und Ruth Hunstock, die Initiatorin der Initiative „Afrodeutsche und schwarze Menschen in Nordhessen“. Moderiert wird die Sendung von Maria Seip, der Leiterin der Kasseler Zweigstelle der Bildungsstätte Anne Frank.

  • Sendetermin: „Zwischenzeit“, Dienstag, 2. Mai 2020, 18 Uhr

 

US-Smallband-Swing der 30er Jahre, Folge 2/ 2020

Das ist einmal mehr Thema im „Tanzparkett“.
Eine Stunde Musik aus der Zeit, in der die damals aktuelle Spielart des Jazz rund um die Welt auf fruchtbaren Boden fiel - nie wieder fand eine neue Stilrichtung des Jazz eine derartige Verbreitung und Beliebtheit beim allgemeinen Publikum.
Richtig in Fahrt kam der Swing ab 1934/ 35, aber die Richtung, in die die musikalische Entwicklung gehen sollte, wurde erkennbar schon etwas eher eingeschlagen. Anfang der 40er Jahre, nicht zuletzt durch den US-Musikerstreik und den Eintritt der USA in den II. Weltkrieg, veränderte sich der Publikumsgeschmack: Bald standen die Sänger im Vordergund des Interesses, nicht länger die Orchester.
Wir bringen in dieser Folge Platten aus der Zeit von 1933 bis 1941, also vom Beginn bis zur „Abenddämmerung“ der klassischen Swingära.
Zu hören sind in dieser Sendung das Quintett von Edgar Hayes (1937), Wingy Manone (1938), The Gotham Stompers mit der Sängerin Ivie Anderson (1937), Benny Goodman, der hier Billie Holiday auf ihrer ersten Platte begleitet (1933), Joe Marsala (1941), Red Norvo mit zwei unterschiedlichen Besetzungen in seinem „Swing Octet“ (1935), Riley-Farley and their Orchestra (1936) sowie Red McKenzie, der hier von den Six Spirits of Rhythm begleitet wird (1934). Durchs Programm führt Peter Michael.

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 3. Juni 2020, 21 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 4. Juni 2020, 13 Uhr

 

Programminfos vom 24.05.2020 bis 28.05.2020

Deutsche Studenten 1918-1968

Gemeinhin wird das Bild revoltierender Studenten mit den internationalen – und linksorientierten – Studentenunruhen gegen Ende der 60er Jahre assoziiert. Doch in der deutschen Hochschulgeschichte gab es mehrere und sehr unterschiedliche studentische Bewegungen. Wenig bekannt ist z.B. die bedeutende nationalsozialistische Studentenschaft, die schon 1931 die Mehrheit an den deutschen Universitäten hatte. Der VHS-Vortrag von Dr. Peter Chroust schildert, wie sich die politische Ausrichtung der deutschen Studentenschaft zwischen 1918 und 1968 immer wieder verändert hat.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 22. Mai 2020, 18 Uhr

 

Hirn für alle

Oft hört man Sätze wie „Hätte ich nur mehr Geld!“ oder „Wäre ich nur schöner!“, aber kaum jemand wünscht sich „Ich wäre gern schlauer!“
Mein Haus! Mein Auto! Mein Boot! Das sind die Prioritäten unserer Zeit, aber wo bleibt der Traum vom Eigenhirn? Doch warum auch? Für viele Menschen ist das eigene Gehirn längst so überflüssig geworden wie das Grundgesetz für die CSU. Unser Denken haben wir outgesourct und lassen es von Fake News, von Populisten oder tausend Apps auf dem Smartphone erledigen.
Nicht nur unsere Autos, auch unsere Hirne scheinen über eine Abschaltautomatik zu verfügen. Und gibt es nicht genug ermutigende Beispiele aus Wirtschaft und Politik, die zeigen, daß überdurchschnittliche Intelligenz auf dem Weg an die Spitze eher hinderlich sein kann? Oder wie sonst läßt sich erklären, daß Insassen einer geschlossenen Abteilung im Vergleich zum amerikanischen Präsidenten erschreckend normal wirken?
Und auch im Land von Kant und Hegel fällt den meisten Menschen beim Begriff Aufklärung höchstens noch Dr. Sommer von der BRAVO ein. Dabei wäre es höchste Zeit, eine neue Ära der Vernunft einzuläuten.
„Hirn für alle“ ist ein Rundumschlag durch Politik und Gesellschaft – ein Abend für jeden, der gern selber denkt oder es einfach mal wieder ausprobieren möchte. Aber Vorsicht: Denken ist wie Sex! Wenn man mal damit anfängt, möchte man es immer wieder tun. (Der Vorteil ist: Man kann es jederzeit und überall tun und muß davor niemanden zum Essen einladen.)
Thomas Schreckenberger ist vielfach ausgezeichneter Kleinkunstpreisträger (u.a. Tuttlinger Krähe, Kleinkunstpreis Baden-Württemberg, Fränkischer Kabarettpreis, uvm.) und gern gesehener Gast in Rundfunk und Fernsehen.
Der Deutschlandfunk sagt über ihn: „Ein großartiger Kabarettist, der es wie wenige schafft, Themen aus der aktuellen Politik witzig und pointiert zu verpacken!“

  • Sendetermin: „Kabarett live“, Freitag, 22. Mai 2020, 22 Uhr

 

Zum Tod von Harold Reid

Die Statler Brothers saßen immer ein wenig zwischen den Stühlen: Für die Hardcore-Country-Fans waren sie zu sehr „Pop“, den Pop- und Rockfans hingegen ging ihr Sound zu stark in Richtung Country. Trotzdem gehörten sie in den 70er und 80er Jahren zu den beliebtesten und erfolgreichsten Gesangsgruppen der USA. Mehrere Jahre hintereinander wurden sie von der Country Music Association zur „Vocal Group Of The Year“ gekrönt, ihre Platten verkauften sich millionenfach. Zu verdanken hatten sie ihre Karriere vor allem Johnny Cash – er nahm sie Mitte der 60er in seine Show auf; auch bei seinen legendären Knast-Konzerten im Folsom Prison und in San Quentin waren die Statlers dabei. Später machten sie sich selbstständig und verbuchten reihenweise Hits in den Country-Charts – ihr mehrstimmiger Satzgesang, der sowohl vom Gospel als auch vom Close-Harmony-Stil der Western-Gesangsgruppe beeinflußt war, begeisterte nicht nur das Country-Publikum. Ihr Hang zu Nostalgie und zu einer gewissen Idealisierung der Vergangenheit kam gerade in den für die USA schwierigen 70er Jahren sehr gut an.
Besonders populär war Harold Reid, der nicht nur die markante Baß-Stimme zum Gruppensound beisteuerte, sondern mit seiner humorvollen Art viele Fans begeisterte. Im April 2020 ist Harold Reid im Alter von 80 Jahren gestorben – wir erinnern an ihn und an die Statler Brothers, die bereits vor fast 20 Jahren ihre glanzvolle Karriere beendet haben.

  • Sendetermin: „Country Classics“, Samstag, 23. Mai 2020, 18 Uhr

 

Der "Mark Twain" der amerikanischen Songwriter - John Prine (+ 7. April 2020)

In Erinnerung an einen Lifetime Friend hören wir heute Klassikeralben aus den 70ern wie "Common Sense" (1975), "Bruised Orange" (1978) und "Pink Cadillac" (1979) in voller Länge; außerdem Duett-Alben aus der Neuzeit: "In Spite of Ourselves" (1999) und die mit dem seligen Folk- und Bluegrass-Urgestein Mac Wiseman aufgenommene LP "Standard Songs for Average People" von 2007.
Zitat Grammy-Preisträger John Prine : "In meinen Songs versuche ich, durch die Augen anderer Leute zu blicken. Ich möchte den Zuhörern eher ein Gefühl als eine Botschaft übermitteln".

  • Sendetermin: „Die Lange Rille“, Samstag, 23. Mai 2020, 21 Uhr

 

Britische Herrenkleinkunstaufnahmen, Folge 1

Die Tanzmusik des 20. Jahrhunderts (und im speziellen der Jazz) wird seit etwa 80 Jahren systematisch beschrieben, eingeordnet und wissenschaftlich behandelt.
Stiefmütterlich dagegen gingen Forscher und Plattensammler lange Zeit mit der sogenannten „Kleinkunst“, also Chanson-, Humoristen-, Kabarett-und Vortragsaufnahmen u. dergl., um. Sie wurde jahrzehntelang als zweitrangig abgetan, eben als „klein“ angesehen.
Forschungen, wie sie auf dem Gebiet des Jazz z.B. von Brian Rust und Horst H. Lange seit den 50er Jahren angestellt wurden, als viele Zeitzeugen noch lebten und im Musikgeschäft tätig waren, fanden erst mit Verzögerung statt.
Viele Quellen und Berichterstatter aus erster Hand waren in den 80er Jahren nicht mehr greifbar, als eine breitere Beschäftigung mit der großen Zeit der kleinen Bühne, der Kleinkunstszene der Zwischenkriegszeit, einsetzte.
Umgekehrt tauchten auch verloren geglaubte Quellen in jener Zeit oder später wieder auf, die zuverlässiger waren als verblaßte Erinnerungen damals beteiligter Musiker -Aufnahmebücher verschiedener Plattenfirmen, die in den 50er Jahren wohl ins Altpapier hätten wandern sollen und von Plattenfans geborgen wurden.
Jedenfalls hat sich vor allem in den letzten 25 Jahren die Beschäftigung mit der Kleinkunst etabliert und ist auch aus der Schellacksammlerszene, wenn man von einer solchen sprechen mag, nicht mehr wegzudenken. Auch in den Sammlungen der Tanzparkett-Redakteure findet sich nicht nur Jazz, und auch der Anspruch unserer Sendung umfaßt die Kleinkunst von Anfang an.
Nicht nur in Deutschland gab es eine bunte Kleinkunstszene, auch im europäischen Ausland blühten die Kakteen der Brettlbühne.
Das wollen wir mit dieser und der kommenden Sendung unter Beweis stellen. Wir bringen Ihnen eine Auswahl an Kleinkunstaufnahmen von der Insel. Die Vortragenden in den ersten beiden Folgen sind Herren, britische Damen-Kleinkunstplatten wollen wir bei späterer Gelegenheit als Fortsetzung senden.
Durch das Programm begleitet Sie Thomas Sosna.

  • Sendetermin: „Tanzparkett extra“, Sonntag, 24. Mai 2020, 17 Uhr
  • Wiederholung: Montag, 25. Mai 2020, 9 Uhr

 

Still "Rough and rowdy ways"? - Bob Dylan zum 79

Corona-Maskierungen schützen auch nicht vor dem Älterwerden. His Bobness (oder DER MEISTER) Bob Dylan wird soeben 79. Happy B-day, Robert Allen Zimmerman! Ihm zu Ehren bringen wir in der heutigen Folge einen seiner frühen Album-Klassiker, "Nashville Skyline" von 1969, ein "Country-Album", das Dylan unter Mitwirkung von Johnny Cash eingespielt hat und das ein großer Erfolg wurde, nachdem sich die vielen "Dylanologen" auf den plötzlichen Schwenk des Meisters eingelassen hatten.
Mit der Produktion dieser Preziose sind Bob Dylan und Johnny Cash sich musikalisch und menschlich nahe gekommen. Ein Meilensteinalbum haben sie damals abgeliefert. Es beinhaltet zeitlos tolle Songs wie "Lay Lady Lay", "To be alone with you", "I threw it all away" und natürlich den fantastischen "Nashville Skyline Rag". Mit dabei waren großartige Mitmusiker wie Charlie Daniels, Pete Drake, Charlie McCoy u.a.
Als kleine Überraschung zu Bobs Geburtstag steuert ein weiterer exklusiver Kollege, Loudon Wainwright III, einen herrlich schrägen Talking Blues für Bob Dylan bei. Nun sind alle gespannt auf Dylans neues (39.) Studioalbum, das im Juni erscheinen soll. Titel "My rough and rowdy ways" (nach der Country-Ikone Jimmie Rodgers aus den 30er Jahren)

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 24. Mai 2020, 19 Uhr

Programminfos vom 13.05.2020 bis 21.05.2020

Junior Wells und Little Richard  

Wegen Little Richards Ableben präsentieren wir diesmal ein leicht geändertes Programmangebot in unserem Blues Magazin. Vorgesehen waren der ebenfalls selige, unvergessene Harpspieler Junior Wells aus Memphis, plus einiger weißer Adepten. Aktuell trauern aber viele R&R-Fans weltweit um Little Richard aus Macon/Georgia (1932 - 9. Mai 2020), die Ikone, den "King of Rock". So sind denn auch einige Hämmer vom "Georgia Peach" in dieser Folge zu hören - überwiegend Speciality-Aufnahmen, einige seiner Mitt-50er Hits.

  • Sendetermin: „Long Distance Call“, Samstag, 16. Mai 2020, 18 Uhr

 

Zum Tod von Little Richard

Little Richard war ein farbiger amerikanischer Rock´n´Roll-Sänger, Pianist und Songwriter mit Legendenstatus. Seine Songs waren bekannt für den wilden hohen Gesang und ein besonders feuriges Pianospiel – perfektioniert wurde das ganze durch Little Richards selbstdarstellerisches schrilles Auftreten. Später würde er öffentlich anmerken: „ Wenn Elvis der King ist, dann bin ich die Queen des Rock’n’Roll!“. Sein Spiel mit Geschlechterrollen und die flamboyante Performance waren stilprägend. Eine steiler hochgesprayte Frisur besaß keiner. Prince war einer seiner Nachahmer.
Er kam als Richard Wayne Penniman am 5. Dezember 1932 in Macon, Georgia/USA zur Welt. Als eines von insgesamt zwölf Kindern – sein Vater war damals Prediger, und die gesamte Familie lebte in eher ärmlichen Verhältnissen. Dadurch nahm er sehr früh so ziemlich jeden Job an, der sich ihm bot – nur dadurch konnte er sich über Wasser halten.
Schon als Kind ist Richard hyperaktiv und äußerst an Musik interessiert. Mit 14 Jahren fühlt er sich alt genug, um das einengende Elternhaus zu verlassen. Er legte sich selbst den Künstlernamen „Little Richard“ zu und türmte seine hoch toupierten Haare ordentlich mit Gel auf - die möglicherweise erste schrill gestylte eindrucksvolle Bühnengestalt im aufkommenden Rock & Roll.
Little Richard sammelt erste Erfahrungen in unterschiedlichen Gospelgruppen – der Einfluß dieser Musik prägt ihn auch sehr stark. 1951 bekommt er die Gelegenheit, an einem Gesangswettbewerb teilnehmen zu können: Little Richard gewinnt diesen. Die Belohnung dafür: ein erster Plattenvertrag! Er nimmt vier Songs im Studio auf – und jeder entpuppt sich als Flop. Little Richard macht trotzdem weiter : tagsüber arbeitet er in Küchen und spült u.a. die dreckigen Teller (Stichwort: American Dream). Abends steht er auf der Bühne in verschiedenen Clubs und macht seine Musik.
1952 sollte dann die Wende im Leben von Little Richard kommen: er lernt den ebenfalls schrillen Musiker Esquerita kennen – dieser verrät Richard einige „wilde“ Klaviertechniken, die er zukünftig sehr erfolgreich bei seinen weiteren Bühnenperformances und im Studio einsetzen würde. Zugleich war Little Richard mit Nonsenssilben-Hits wie „Tutti Frutti“ Sprachrohr für zahllose Kids, die eine eigene Art von Teenagersprache pflegten, um sich von der Elterngeneration abzusetzen. Und er bestand damit auch beim „weißen“ Publikum. Dort fand Little Richard seine allermeisten Fans. Und das war damals der Gewinn einer gesellschaftlichen  Abstimmung gegen die Diskriminierung nach Hautfarbe.  
In dieser Zeit versöhnte sich der Musiker mit seinem Vater, der damals noch große Probleme mit Richards Homosexualität hatte. Ihm gefiel es auch nicht, in welcher Szene sich sein Sohn bewegte. Trotzdem machten beide wieder einen Schritt aufeinander zu. Kurz darauf wurde Little Richards Vater in einem Lokal während einer Schießerei getötet.
In der heutigen Folge sind überwiegend die frühen Specialty-Aufnahmen aus der Mitte der 50er zu hören, seiner ganz großen Zeit; aber auch Coverversionen anderer Künstler wie den Beatles, Elvis, Canned Heat, Johnny Winter, Kinks, Swinging Blue Jeans – und von Jerry Lee Lewis, dem nach Little Richards Ableben nun einzigen „Überlebenden“ der klassischen Rock’n’Roll-Ära.

  • Sendetermin: „Die Lange Rille“, Samstag, 16. Mai 2020, 21 Uhr

 

Der Jazzposaunist Miff Mole, Teil 2

Erneut geht es im „Tanzparkett extra“ um Smallband-Jazz der 20er Jahre, wiederum um Platten mit Irving Milfred “Miff“ Mole. (Zu Anmerkungen über Miff Mole siehe den Eintrag zum „Tanzparkett extra“ von letzter Woche!)
Im zweiten Teil bringen wir in der ersten Hälfte wiederum für die OKeh-Schallplatte eingespielte Aufnahmen, die zweite Hälfte widmet sich Platten, die mit Red-Nichols-Gruppen für die Victor entstanden.
Durchs Programm führt Peter Michael.

  • Sendetermin: „Tanzparkett extra“, Sonntag, 17. Mai 2020, 17 Uhr
  • Wiederholung: Montag, 18. Mai 2020, 9 Uhr

 

Guy Clark - Erinnerung an einen großen „Storyteller“ aus dem Lone Star State

In einer Zeit von ausgelagerter Herstellung, industrieller Landwirtschaft und digitalen Wahrheiten standen der geniale Singer/Songwriter Guy Clark (1941 – 2016) und seine Musik für das Traditionelle, Nachhaltige und Authentische, für Lebensmittel aus der Region, lokal gebrautes Bier und handgenähte Kleidung. Seit Mitte der 80er war er so etwas wie ein Mastermind hinter der einst so quirligen Outlaw-Szene. Und seine Gitarren baute er meisterhaft selbst. Mit seiner sanften Raspelstimme trug er Lieder aus dem mexikanischen Grenzland zu versiertem Gitarrenspiel, Dobro, Banjo und sentimentaler Fiddle vor. Viele Songs aus seiner Feder übernahmen MusikerkollegInnen. Waylon, Willie, Emmylou Harris und Townes Van Zandt waren seine Freunde. Heute vor vier Jahren hat er uns 75jährig verlassen. Farewell, Guy.  
Zu hören sind Auszüge aus den Alben "Old Friends" (1988) und "The Dark" (2002).

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 17. Mai 2020, 19 Uhr

 

Whispering Jack Smith zum 70. Todestag

Am 13.5.1950, also vor ziemlich genau siebzig Jahren, starb in seiner Geburtsstadt New York einer der großen Plattenstars der 20er Jahre, nämlich „Whispering“ Jack Smith.
Er war als Sohn deutscher Einwanderer unter dem Namen Jacob Schmidt am 30.5.1896 auf die Welt gekommen.
Der „flüsternde Bariton“ schuf einen neuen Gesangsstil, der prägend auf eine ganze Generation von „Croonern“ und noch weit über seine Zeit hinaus wirken sollte.  Seine Plattenkarriere begann 1925 bei der Victor mit den Titeln „Cecilia“ und „I Care For Her And She Cares For Me“, auf denen er sich selbst am Klavier begleitet.
Noch ein Jahr vorher wäre Smith wohl kaum als Sänger zur Schallplatte gekommen, denn bis 1925 nahm die Industrie noch nach dem akustischen Verfahren auf, bei dem die bloße Schallenergie der Darbietung als Antriebskraft für den Schneidstichel diente. Gefragt waren daher regelrecht in den Trichter „brüllende“ Sänger. Erst die Einführung von Mikrophon, Verstärker und elektrischem Schreiber ermöglichte es, eine leise, fein nuancierte Stimme wie die von Jack Smith aufzunehmen.
Diese Stimme war das Ergebnis seines Lebensweges und der Weltgeschichte des frühen 20. Jahrhunderts. Wie Schmidt, wie er sich damals noch nannte, bei seiner Registrierung für den Militärdienst beim Wehrersatzamt Bronx angab, war er reisender Theatersänger. Er wurde im I. Weltkrieg zur US-Armee eingezogen und auf den Schlachtfeldern Frankreichs eingesetzt. Bei einem deutschen Gasangriff erlitt er eine Vergiftung und war fortan nicht mehr in der Lage laut zu singen.
Nach Kriegsende arbeitete er in Irving Berlins Musikverlag als „song plugger“, d.h. Pianist, der Reflektanten die Klavierauszüge der Neuerscheinungen vorspielen mußte.
Auch im Radio wirkte er als Pianist. Dort begann er auch wieder zu singen, als bei einer Übertragung der Sänger ausfiel. Durch den am Funk unabdingbaren Einsatz des Mikrophons war das im Gegensatz zur damaligen Schallplatte auch mit seiner leisen Stimme möglich. Im Zuge der Umstellung auf das elektrische Verfahren wurde die Victor auf ihn aufmerksam.
Seine Karriere sollte bald Fahrt aufnehmen und ihn rund um die Welt führen. Nicht nur in England, sondern auch in Deutschland, der Heimat seiner Eltern, war er zeitweise überaus populär. Kurt Tucholsky, der ein großer Plattennarr war, widmete Jack Smiths Aufnahmen mehrere Kritiken. Eine davon, die er als Peter Panter in der Vossischen Zeitung veröffentlichte, stellen wir Ihnen vor.
Auf den Tourneen im Ausland trat Jack Smith nicht nur vor Publikum auf, sondern ging auch dort ins Plattenstudio. Trotz seiner deutschen Herkunft scheint er vollkommen amerikanisch erzogen worden zu sein, denn seine Aussprache auf den in Berlin auf deutsch eingesungenen Platten klingt so gar nicht nach einem Muttersprachler.
Der frühe Tonfilm sah ihn in drei kleinen Nebenrollen. Seine Karriere büßte jedoch in dieser Zeit bereits an Strahlkraft ein. Nach 1931 sollte er fast ein Jahrzehnt lang kein Plattenstudio mehr betreten. So erging es auch anderen von der „Great Depression“ hart getroffenen Künstlern.
Wir schließen in dieser Sendung den Kreis seines Schaffens mit der 1940 für die Decca entstandenen Neuaufnahme seiner ersten veröffentlichten Platte, „Cecilia“.
Wie schon oben gesagt, starb Whispering Jack Smith am 13.5.1950 in New York, und zwar an einem Herzinfarkt. Beigesetzt wurde er anonym auf dem New Yorker St.-Raymond-Friedhof.
Sein Ruhm hallte in Musikerkreisen und auch beim Publikum noch lange nach - so berief sich Ende der 60er Jahre überdeutlich der englische Künstler Billy Moeller auf ihn, als er sich „Whistling Jack Smith“ nannte.
Durch diese Ausgabe begleitet Sie Thomas Sosna.

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 20. Mai 2020, 21 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 21. Mai 2020, 13 Uhr

 

Programminfos vom 08.05.2020 bis 11.05.2020

75 Jahre Kriegsende

Eigentlich hätte es jetzt auch in Kassel zahlreiche öffentliche Veranstaltungen zum 75. Jahrestag des Kriegsendes in Europa geben sollen – leider wurden sie allesamt vom Virus verspeist. Glücklicherweise verfügt das Freie Radio über ein umfangreiches Archiv mit Vorträgen, Diskussionen und sonstigen Beiträgen aller Art, auf das nun zurückgegriffen werden kann. Zum Jahrestag am 8. Mai senden wir einen Vortrag von Dr. Ulrich Schneider aus dem Jahr 2000, in dem er sich mit der Situation in Kassel und Nordhessen zum Kriegsende befaßt.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 8. Mai 2020, 18 Uhr

 

Wiedervereinigung des Jahres: Tresenlesen

Auch wenn die (West)deutschen mit Wiedervereinigungen ihre traurigen Erfahrungen machen mußten, so sollte man Ereignisse dieser Art nicht pauschal verteufeln. Über eine ebenso erfreuliche wie unerwartete Reunion durften sich die Kabarettfreunde kürzlich freuen: Tresenlesen, das legendäre Duo aus dem Ruhrpott, das in den 90er Jahren die Lesebühnen-Tradition mitbegründete und zu den Pionieren der Komischen Literatur gehört, hat sich kürzlich wieder zusammengetan – nach 20 Jahren. Jochen Malmsheimer und Frank Goosen, die im Jahr 2000 ihre Zusammenarbeit beendeten und jeweils erfolgreiche Solokarrieren starteten, trafen sich am Ostersamstag auf einer Theaterbühne in Bochum und präsentierten dem umständehalber nur virtuell vorhandenen Publikum alte und neue Texte. Und es funktionierte: Die alte Magie war wieder da, die Chemie stimmte, die Interaktion klappte wie in alten Zeiten. Steht nur zu hoffen, daß dies kein einmaliges Ereignis bleibt, sondern daß die beiden Kabarett-Titanen weiterhin gemeinsam ihr Publikum begeistern – vielleicht auch mit einem neuen Bühnenprogramm, sobald es die äußeren Umstände wieder zulassen.

  • Sendetermin: „Kabarett live“, Freitag, 8. Mai 2020, 22 Uhr

 

Country-Rock mit den Everly Brothers

Sicher, die Everly Brothers waren eigentlich immer irgendwie „country“. Sie entstammten einer Südstaaten-Musikerfamilie, die schon in den 40er und 50er Jahren auf diversen Country-Radiostationen zu hören war, und auch die beiden Brüder Don und Phil durften bereits in Kindertagen ans Mikro und ihren später weltberühmten zweistimmigen Harmoniegesang zum besten geben. Auch mit Beginn ihrer großen Karriere hatten die beiden Goldkehlchen deutlich mehr Bezüge zur Country Music als zum Rock’n’Roll, dem sie aus marktstrategischen Gründen offiziell zugerechnet wurden. Ihre musikalischen Wurzeln lagen ganz eindeutig im klassischen Close-Harmony-Gesang von Country-Pionieren wie den Blue Sky Boys oder den Louvin Brothers.
Nach mehreren Jahren des Erfolgs und nach etlichen Mega-Hits wie „Bye Bye Love“ oder „All I Have To Do Is Dream“ war die ganz große Ära der Everlys ab etwa Mitte der 60er Jahre vorbei – sie wurden, wie so viele ihrer amerikanischen Kollegen, von der britischen Beat-Invasion förmlich hinweggefegt. In dieser Situation besannen sich Don und Phil Everly ihrer musikalischen Wurzeln und wandten sich wieder stärker der Country Music zu. Drei der Alben, die zwischen 1966 und 1968 erschienen sind und die eine Brücke zwischen traditionellen Country-Klängen und dem psychedelischen Rock der 60er schlagen, wurden jüngst im Rahmen einer Dreifach-CD wiederveröffentlicht. Wir stellen die Edition vor.

  • Sendetermin: „Country Classics“, Samstag, 9. Mai 2020, 18 Uhr

 

Sänger/Komponist Pete Lincoln

Pete Lincoln ist aktuell sowohl als Solokünstler als auch als Mitglieder der Band FRONTM3N unterwegs, und er hat bereits mit unzähligen namhaften Künstlern Studio und Bühne geteilt. Von 1996 bis 2006 war er Sänger bei Sailor, danach von 2006 bis Mai 2019 Sänger bei The Sweet. Ansonsten hat er im Laufe seiner Karriere als Gitarrist und Sänger mit prominenten Künstlern wie z.B. Sir Cliff Richard, Tina Turner, Shakin' Stevens oder Dannii Minogue zusammengearbeitet.
Aus der Zeit bei Cliff Richard entstand eine gute Freundschaft mit zwei Musiker-Kollegen, mit denen Pete vor knapp vier Jahren sein neustes Projekt namens „FRONTM3N“ an den Start gebracht hat. Die Band besteht aus ihm, Peter Howarth (bekannt von The Hollies) und Mick Wilson (bekannt von 10cc). Die drei bringen zusammen einzigartige Akustikversionen der Hits von The Sweet, den Hollies und 10cc  und noch vieles mehr auf die Bühne; dazu kommen eigene Songs mit dem ganz speziellen FRONTM3N-Charme.
Auch solo hat Pete einiges zu bieten, denn da hat er mit „Under Cover“, „Soul Searching“ und „Heartbeat“ bereits drei Soloalben herausgebracht. Solo kann man ihn bei seinen Konzerten als menschliche Jukebox erleben, der auf Zuruf mit Gitarre so gut wie alles singen kann.
In der Langen Rille bringen wir euch daher einen dreistündigen Querschnitt durch das weit gefächerte Talent von Pete mit seinen verschiedenen musikalischen Projekten von Sailor über The Sweet bis FRONTM3N sowie seine Solo-Titel und noch einige Überraschungen. Darüber hinaus kommt natürlich auch der Künstler selbst zu Wort und erklärt einiges zu FRONTM3N, lustigen Höhepunkten seiner Musikkarriere und der aktuellen Situation.

  • Sendetermin: „Die Lange Rille“, Samstag, 9. Mai 2020, 21 Uhr
  • Wiederholung: Sonntag, 10. Mai 2020, 13 Uhr.

 

Der Jazzposaunist Miff Mole, Teil 1

Wohl einer der besten Jazzposaunisten der 20er Jahre war Irving Milfred “Miff“ Mole (11.3.98 Roosevelt/ Long Island - 29.4.61 New York).
 Er begann seine Jazzkarriere bei den Original Memphis Five (OM 5), einer typischen Fünfergruppe des frühen Jazz, schon vor 1920, also im ersten Gefolge des bahnbrechenden Pionierjazz der Original Dixieland Jazz Band. Als Kind hatte er Geige und Klavier gelernt und in der Jugend als Stummfilmpianist gearbeitet. Nachdem er zwei Jahre lang als Posaunist aufgetreten war, wurde er zu einem der Gründer der OM 5. Auch beim „Vielaufnehmer“ Sam Lanin und bei der Jazzband von Abe Lyman fand sich Mole als Studiomusiker im Personal - neben der Mitarbeit in weiteren Studiogruppen. Über ein Engagement bei einer Rundfunkformation des Jazzbandleaders Roger Wolfe Kahn kam Mole zu einer neunjährigen Anstellung als Studiomusiker bei der NBC. Danach arbeitete er auf dem Gebiet der klassischen Musik, kam aber 1938 zur Tanzmusik zurück und spielte bei Paul Whiteman, um schließlich ab 1940 mit Eddie Condon zu musizieren. 1942/43 war er erneut bei der NBC unter Vertrag, danach spielte er bei Benny Goodman, arbeitete aber weiter auch mit Condon zusammen. Ab 1943 hatte er auch wieder eine eigene Kapelle, die „Nicksieland Band“, die im New Yorker „Nick‘s Greenwich Village Nightclub“ auftrat. Ab 1948 gastierte er als Mitglied der Band von Muggsy Spanier mit dieser in vielen kleinen Clubs. In den 50ern fand man ihn weiterhin in diesem Umfeld; er spielte nun mit verschiedenen Besetzungen. Ende der 50er Jahre war er aktiv in der Dixieland-Szene des „Big Apple“, als er erkrankte und nach mehreren Operationen nicht mehr auftreten konnte. Wie oben erwähnt, starb er 1961.
 Zu einem Leitstern für die nachfolgenden Generationen der Jazzwelt (und nach den Aussagen von Red Nichols wie auch Bix Beiderbecke auch für seine Zeitgenossen) wurde Mole durch die Zusammenarbeit mit dem Trompeter Red Nichols bei den „Five Pennies“ ab Mitte der 20er und den von dieser Gruppe mitgeprägten New-York-Stil. Entsprechend ist Nichols bei den ersten Aufnahmen Moles unter eigenem Namen mit von der Partie („Miff Mole’s Molers“ oder „Miff Mole and his little Molers“).
Diese für die OKeh-Schallplatte eingespielten (und in Europa auf den diversen Marken des Lindström-Konzerns herausgebrachten) Aufnahmen sind Thema unserer Sendung.
Der zeitliche Rahmen erstreckt sich dabei von 1927 bis 1930.
Durchs Programm führt Peter Michael.

  • Sendetermin: „Tanzparkett extra“, Sonntag, 10. Mai 2020, 17 Uhr
  • Wiederholung: Montag, 11. Mai 2020, 9 Uhr

Freies Radio Kassel e.V.

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34117 Kassel

Telefon: 0561 / 57 80 63

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