Das Freie Radio trauert um

Günther Klößinger
1965 – 2016

Tief betroffen und erschüttert nehmen wir Abschied von unserem Freund und Kollegen Günni, der völlig überraschend nach kurzer, schwerer Krankheit im Alter von 51 Jahren gestorben ist. Als langjährig aktiver Redakteur und Moderator hat er das Programm des Freien Radios entscheidend geprägt und bereichert, und er wird uns mit seiner sympathischen, offenen und humorvollen Art unvergessen bleiben. Wir trauern mit seiner Frau Conny und mit den Zwillingen Yann und Giuliana. Ebenso wie unser kürzlich verstorbener Kollege Karsten Wagner hinterläßt Günni eine schmerzliche Lücke, die nicht zu schließen sein wird. Für uns, für die Hörer des FRK sowie für seine Familie und seine zahlreichen Freunde ist sein plötzlicher Tod ein unersetzlicher Verlust. Wir werden unseren Günni dauerhaft in guter Erinnerung behalten.
 

FRK-Programm vom 01.12.2016 bis 08.12.2016

Donnerstag, 1.12.16:

6 Uhr „Maharishi Gandharva Ved“, Klassische indische Musik.

8 Uhr Wiederholungen vom Vortag.

16 Uhr „Radyo Kassel“, in türkischer Sprache.

17 Uhr „ILF Eritrea“ (in Tigrinia).

18 Uhr „Kulturthemenwechsel“.

20 Uhr „Musica Latina“, Lateinamerikanische Musik (in spanischer und deutscher Sprache).

21 Uhr „Viaje Radial“, Rundreise durch Lateinamerika (in spanischer Sprache).

22 Uhr „Borderline“, Musik für Grenzgänger.

23 Uhr „Input ist gleich Output“.

0 Uhr „Nachtprogramm“, Lange Queen-Nacht.

 

Freitag, 2.12.16:

6 Uhr „Maharishi Gandharva Ved“, Klassische indische Musik.

8 Uhr Wiederholungen vom Vortag.

16 Uhr „Radyo Kassel“, in türkischer Sprache.

18 Uhr „Themenwechsel“.

20 Uhr „Borderline extra“, Musik für Grenzgänger.

22 Uhr „Weihnachtsgeschenktips für Musikfreunde, Teil 2“; u.a. mit Yes, Paul McCartney, Commander Cody, Emerson, Lake And Palmer, Todd Rundgren, den Turtles und den Kinks.

 

Samstag, 3.12.16:

8 Uhr  Wiederholungen vom Vortag.

16 Uhr “Make Rave, Not Hate”.

17 Uhr “Melomania”, Elektronische Musik.

18 Uhr „Country Classics“.

19 Uhr “Long Distance Call”, Das Blues-Magazin, mit Lil’ Ed And The Blues Imperials.

20 Uhr “Lili“, Libertäre Informationen lokaler Initiativen.

21 Uhr „Die Lange Rille“; Erinnerung an zwei Unvergessene: Rock & Roller Little Richard und Bluesmann Jimi Hendrix.

0 Uhr „Nachtprogramm“; Miles-Davis-Nacht, u.a. mit den LPs „Kind Of Blue“, „On The Corner“, “Bitches Brew“.

 

Sonntag, 4.12.16:

8 Uhr Wiederholungen vom Vortag.

16 Uhr „Kinderradio“.

17 Uhr "Tanparkett spezial"; Sendungen zum 75. Jahrestag des Kriegseintritts der USA; Heute: Deutsche und alliierte Propagandaplatten, Teil 2

18 Uhr “Plattenladen”.

19 Uhr „Lonesome Traveler“, Heute: Deutschstunde, Teil 2, u.a. mit Kofelgschroa, Georg Ringsgwandl.

20 Uhr ,,Devil’s Kitchen“, Hard Rock, Metal, Rock’n’Roll.

22 Uhr „Welcome To Hell“, Das Metalradio.

0 Uhr „Nachtprogramm“, Little-Feat-Nacht, u.a. mit den LPs „Dixie Chicken“, „Time Loves A Hero“, „Sailin‘ Shoes“.

 

Montag, 5.12.16:

6 Uhr „Maharishi Gandharva Ved“, Klassische indische Musik.

8 Uhr: Wiederholungen vom Vortag.

16 Uhr „Radyo Kassel“, in türkischer Sprache.

17 Uhr „Jazzcafe“, Heute: Lorenz Kellhuber.

18 Uhr „Excentric Radio“, Weirdos Of Sound.

19 Uhr “Monkeymusicmovement”, Eine Stunde Rapmusik.

20 Uhr „Fangschalltung“, Neue Musik und Improvisierte Musik.

22 Uhr “Ear Catcher”, Neue Platten und DVDs.

23 Uhr „Forum experimentell“.

1 Uhr „Nachtprogramm“, Weather-Report-Nacht, u.a. mit den LPs „Sweetnighter“, „Heavy Weather“, „Mysterious Traveller“.

 

Dienstag, 6.12.16:

6 Uhr „Maharishi Gandharva Ved“, Klassische indische Musik.

8 Uhr: Wiederholungen vom Vortag.

16 Uhr „Radyo Kassel“, in türkischer Sprache.

19 Uhr „Frei hoch zwei“.

20 Uhr „Liederleute“, Das Magazin für Musik und Politik.

22 Uhr „Only Vinyl“, Plattenspiele.

23 Uhr „Wortspiele“, Philosophische Reflexionen.

0 Uhr „Nachtprogramm“, Miles Davis live, mit Konzertaufnahmen von 1955-1975.

 

Mittwoch, 7.12.16:

6 Uhr „Maharishi Gandharva Ved“, Klassische indische Musik.

8 Uhr Wiederholung des Programms von Vortag.

16 Uhr „Radyo Kassel“, in türkischer Sprache.

17 Uhr 15 „Die Charlie-Grünhorn-Show“, Talk mit Gästen aus Kultur, Gesellschaft und Politik.

20 Uhr „Memories“, Hits aus Ost und West.

21 Uhr „Tanzparkett“; Heute: US-Tonfilmschlager von ihren Originalinterpreten, Folge 4.

22 Uhr „Andres Radio“.

24 Uhr „Nachtstudio“.

2 Uhr „Nachtprogramm“, Herbie-Hancock-Nacht, u.a. mit den LPs „Crossings”, “Head Hunters”, “Mwandishi”.

 

Donnerstag, 8.12.16:

6 Uhr „Maharishi Gandharva Ved“, Klassische indische Musik.

8 Uhr Wiederholung des Programms vom Vortag.

16 Uhr „Radyo Kassel“, in türkischer Sprache.

17 Uhr „ILF Eritrea“ (in Tigrinia).

18 Uhr „Kulturthemenwechsel“.

20 Uhr „Irie Ites“, Reggae und Dub.

22 Uhr „Borderline“; Musik für Grenzgänger.

23 Uhr „Anorak City“, Indie-Pop, Britpop und Artverwandtes.

0 Uhr „Nachtprogramm“; Lange Queen-Nacht.

Programminfos vom 02.12.2016 bis 08.12.2016

Geschenktips für Musikfreunde, Teil 2

„Weiß überhaupt jemand, was er seinen Lieben auf den Gabentisch legen soll? Niemand weiß das, gell?“ Dieses Zitat von Frau Direktor Bartels aus Loriots legendärem Sketch gilt vermutlich bis in alle Ewigkeit. Kaum zu glauben, aber traurig: Weihnachten steht schon wieder vor der Tür, und die bange Frage nach den Präsenten für die Verwandt- und Bekanntschaft stellt sich drängend, wie in jedem Jahr um diese Zeit. Aber nicht verzagen: Das FRK betätigt sich als Retter in der Not. Wir empfehlen zwar nicht, wie Frau Direktor Bartels, den „Familien-Originalbenutzer“, dafür aber umfassende CD-Pakete, über die sich insbesondere Musikfans freuen dürften.
Wie bereits in früheren Jahren, so stellen wir auch diesmal wieder eine Reihe repräsentativer CD-Boxen vor, die in den vergangenen 12 Monaten erschienen sind. In der zweiten von insgesamt vier Sendungen sind dabei u.a. Emerson, Lake & Palmer, Paul McCartney, Commander Cody And The Lost Planet Airmen, die Kinks, die Turtles, Yes, Todd Rundgren, Graham Parker und Hot Tuna.

  • Sendetermin: „FRK spezial – Geschenktips für Musikfreunde, Teil 2“, Freitag, 2. Dezember 2016, 22 Uhr

 

Erinnerung an zwei Unvergessene: Rock & Roller Little Richard und Bluesmann Jimi Hendrix

Little Richard und Jimi Hendrix: Zwei großartige Musik-Artisten, die unterschiedlicher kaum sein konnten und die trotzdem so einiges verband. Little Richard war der Eckstein der Rock & Roll-Pyramide, mit seinen raketenartigen Boogie Woogie-Treibsätzen und der hysterisch herausgeschrieenen Short Form-Lyrik, die alle Kids sofort verstanden, sobald der Plattenteller auf Touren kam. Und das, obwohl das meiste perfekte Nonsens-Zeilen waren. "A wop bop a lula a whop bam boom", eben. Das war Mitte der 1950er Jahre, als King Elvis ebenfalls noch hart an sich feilte und kämmte, um den Rest der Welt mit seinen Ohrwurm-Hits heiß zu beglücken. Auch er versuchte sich (erfolgreich) an Little Richard-Songs. The rest is history.
Und der andere, Jimi Hendrix, hat als Gitarrist beim erwähnten Richard Penniman als Bandmitglied mit auf Club-Bühnen die Klamotten durchgeschwitzt. Das war, bevor er zur Ikone der 70/80er Jahre aufstieg und bevor er sein Handwerk auf ein bis dahin nicht gekanntes technisch-hochgezüchtetes und verfremdetes Level hob, das völlig neue Maßstäbe setzte. Beide ziemlich abgefahrenen Künstler haben Rock-Historie geschrieben, daran ist nix zu rütteln. Und beide haben nicht zuletzt durch wahrlich überzeugende "Performance" bleibende Spuren hinterlassen und für riesige Umsatzzahlen gesorgt.
Little Richard hat soeben seinen 84. Geburtstag feiern können, echt ´ne Leistung. Respekt. Und, Jahrestage hin oder her: Ende November 1942 wurde Jimi Hendrix geboren. Er wäre nun 74 - leider hat er diese schnöde Welt bereits im zarten Alter von 27 verlassen. By the way - Moderator Wolf Silaff hatte eine denk-/erinnerungswürdige Begegnung mit dem unvergessenen Bluesmusiker vier Tage vor dessen dramatischem Tod, mitten in London ...  The way life goes, yap. Get ready for: Die Lange Rille.

  • Sendetermin: „Die Lange Rille“, Samstag, 3. Dezember 2016, 21 Uhr 

 

Tanzparkett-Sondersendungen zum 75. Jahrestag des Eintritts der USA in den II. Weltkrieg

Kann man Eintritt überhaupt sagen? Der japanische Angriff auf Pearl Harbor am 07.12.41 war quasi eine Einladung, eine Aufforderung zum ganz großen Totentanz. Und doch hätten sich die US-geführten Kampfhandlungen auf den pazifischen Schauplatz beschränken können - hätte nicht in Berlin ein größenwahnsinniger „Ostmärker“ den damals noch schlafenden Riesen USA vier Tage später per Kriegserklärung geweckt. Ohne vertragliche Verpflichtung dem Bündnispartner Japan gegenüber, wohlgemerkt.
Aber der Reihe nach:
Begonnen hatte alles gut zwei Jahre vorher in Good Old Europe. Um seine Vorstellung von der Neuordnung des Kontinents durchzusetzen, hatte Hitler am 01.9.39 Polen angegriffen. Die Garantiemächte England und Frankreich erklärten daraufhin am 03.9.39 Deutschland den Krieg. Bis es tatsächlich zu Kampfhandlungen kam, dauerte es allerdings noch eine Weile. An deren vorläufigem Ende stand Frankreich geschlagen da, und England bangte ernstlich um seinen Fortbestand. Aber in bester englischer Tradition behielt man seine „stiff upper lip“.
Der Ausgang schien noch lange ungewiß, selbst dann, als Hitler im Sommer 1941 offenbar in Napoleons Spuren wandeln wollte und seinen Bündnispartner Sowjetunion aus heiterem Himmel angriff.
Nach Kriegseintritt (da ist es nun doch wieder, das Wort) der USA kippte die Lage. Doch es sollte noch über drei Jahre dauern, bis die großgermanischen Eroberer in ihr eigenes Land zurückgedrängt und niedergerungen waren. Trümmerfelder blieben vom Tausendjährigen Reiche. Die USA waren unterdes auf den direkten Weg zur Weltmacht eingeschwenkt.
Der Weg dorthin war auf beiden Seiten mit Schallplatten gepflastert.
In bisher drei Sendungen befaßte sich die Sendereihe „Tanzparkett“ damit. So stellten wir 2007 in einer Doppelfolge, die das Kriegsgeschehen ungefähr nachzeichnete, deutsche wie auch alliierte Platten vor, die in erster Linie der Stärkung der Moral in der Zivilbevölkerung beider Seiten dienen sollten; letztes Jahr brachten wir eine reine US-Sendung - mit Platten, deren Themen von früher Antikriegshaltung über die Spionagefurcht, die Rationierung und den allgegenwärtigen Trennungsschmerz bis zu höhnischer Siegerpose dem zerstörten Japan gegenüber reichen.
Aus dem nun gegebenen Anlaß der 75. Wiederkehr jenes weltpolitischen Ereignisses wiederholen wir die Sendungen.

Klappentexte zu den einzelnen Sendungen:

Folge 1 u. 2
Deutsche und alliierte Propagandaaufnahmen* aus dem Zweiten Weltkrieg
Am 11. Dezember jährt sich der Eintritt der USA in den II. Weltkrieg zum 75. Male.
An den drei kommenden Sonntagnachmittagen bis zu diesem Termin hören Sie in der Reihe „Tanzparkett extra“ die Wiederholung von drei Sendungen aus den Jahren 2007 und 2015, die damals einiges an Hörerinteresse und Zuschriften hervorriefen. Daher und wegen des etwas heiklen und daher vom „großen“ Rundfunk meist gemiedenen Themas (der inzwischen eingestellte Auslandsdienst des Italienischen Rundfunks brachte kurz vor uns einmal eine Nachtsendung ähnlichen Inhalts) sehen wir diese Folgen als zur Wiederholung besonders geeignet an.
Mit Aufnahmen von deutscher und alliierter Seite sowie Erläuterungen (zum Kriegsgeschehen und zu den Aufnahmen selbst) folgen die Sendungen ungefähr dem Kriegsverlauf (kleine zeitliche Sprünge sind enthalten), so daß sich unsere Hörer ein Bild machen können, wie in den jeweiligen Staaten die Bevölkerung bei Laune gehalten werden bzw. auf den Krieg eingestimmt werden sollte.
Platten mit direkter Kriegshetze gegen die Völker der jeweiligen Gegner enthalten die ersten beiden Sendungen nicht, sondern solche, die die militärische und politische Führung des Feindes verhöhnen (Lord Gort, Mussolini und nicht zuletzt Hitler sind Zielscheibe hier gebrachter Aufnahmen) - vor allem aber solche, die zur Aufrechterhaltung der Moral im Innern dienen sollten, zur Einstimmung auf die unvermeidlichen Unbilden eines Krieges.
Am Anfang überwiegen englische Platten, denn England trug zu dieser Zeit die Hauptlast des Krieges. Zunächst  gab man sich auf der Insel ob seiner „splendid isolation“ zuversichtlich und vertraute auf die französischen Schutzmaßnahmen (George Formby: „Imagine Me In The Maginot Line“) - die nach dem Beginn der Kampfhandlungen im Westen von der Wehrmacht schlicht umgangen wurden. Nun hieß es erst recht „keeping a stiff upper lip“, und entsprechend optimistisch klingen die Texte der Schallplatten.
Die Deutschen verspotteten die allzu überhebliche Siegesgewißheit des British Empire (Orch. Hanns Steinkopf: „Das Lied von der Siegfried-Linie“ - im Vergleich mit Orch. Bert Ambrose: „[We’re Gonna Hang Out] The Washing On The Siegfried Line“) und freuten sich über den Sieg von Dünkirchen - der keiner war, denn man hatte das britische Expeditionsheer über den Kanal entkommen lassen, statt es gefangenzusetzen. So konnten die über 300.000 Mann wieder in die Kriegshandlungen eingreifen, nachdem sie von den USA über das Leih- und Pachtgesetz wieder ausgerüstet und bewaffnet waren. Auch dies ist Gegenstand einer englischen Platte („Thanks Mr. Roosevelt“).
Die Verdunkelung ist auf beiden Seiten Thema (Jay Wilbur: „They Can’t Black Out The Moon“; Tommy Handley: „The Night That We Met In A Blackout“; Arne Hülphers: „Wenn die Lichter wieder scheinen“) - und am Schluß der zweiten Sendung sogar in einer Aufnahme des durch Vera Lynn in England populär gemachten „When The Lights Go On Again“ mit Sonja Sjöbeck, die im neutralen Schweden eingespielt wurde. Dort wurde allerdings nur gelegentlich übungshalber verdunkelt - im Gegensatz etwa zur ebenfalls neutralen Schweiz, die z.T. von deutschen Kohlelieferungen abhängig war und deshalb dem deutschen „Wunsch“ nach Verdunkelung der als Orientierungspunkte für alliierte Bomber bestens geeigneten Schweizer Städte (und der Stromknappheit) Rechnung tragen mußte.
Nicht nur die Verdunkelung, auch andere Alltagssorgen des Krieges, vor allem die Trennung, werden auf beiden Seiten thematisiert - oft in durchaus ähnlicher, aus heutiger Sicht zumeist kitschig-sentimentaler Weise, die aber genau den Nerv der Zeit traf. Als Beispiel hierfür bringen wir Erich Heyn mit „Tapfere kleine Soldatenfrau“ - vielen Hörern sicherlich bekannt durch die Parodie des Heimkehrers Beckmann aus Wolfgang Borcherts Nachkriegshörspiel „Draußen vor der Tür“, das seit Jahrzehnten zur Schullektüre zählt.
Außerdem hören Sie Helga Wille mit dem Titel „Brief aus der Heimat“ (auch bekannt als „Mach‘ dir um mich doch bitte keine Sorgen“), in dem eine deutsche Frau ausdrückt, was sie für ihren an der Front stehenden Mann empfindet - und daß sie keine Angst hat, weder um ihn noch um sich selbst. Im Vergleich dazu bringen wir das amerikanische „Hello Mom“ von Bing Crosby. Hier führt ein GI aus dem Ausbildungslager ein R-Gespräch mit der Mutter, um sie (und natürlich in erster Linie die Hörer der Platte) zu beruhigen: Gedanken an die netten Mädchen von daheim, der erste Alleinflug ist glatt verlaufen, das Essen gut, der Sold wurde erhöht ... na, Mutti, so schlimm wird es schon nicht werden! Viele glaubten daran bis zum Schluß nur zu gerne - auf beiden Seiten. Doch 55 Millionen Tote am Kriegsende sprachen eine ganz andere Sprache ...
Echte Kriegserfahrung dagegen spricht aus einer am 16.12.1942 in Berlin aufgenommenen Platte der Fronttheatertruppe „Die Eichkater“. Eine Seite bringt das „Feldpostlied“, das die Gefühle der auf Briefe von zu Hause wartenden Soldaten darstellt - allgemeingültig und zeitlos.
Die Rückseite hingegen hat es in sich: Relativ ungefiltert, bis hin zu reinem Defätismus, gibt sie die Einstellung der deutschen Landser zum Rußlandfeldzug wieder. Diese Tatsache jedoch entging der offenbar für Ironie und Hintersinn unempfänglichen NS-Zensur zunächst. Wer würde auch hinter dem „Lied der stolzen Division“ und dem Untertitel der Truppe „Zehn Kuriere aus Rschew“ eine beißende Glosse auf den Landseralltag an der Ostfront vermuten? So wurde die Platte wahrscheinlich ungeprüft durchgewinkt - hätte ein Beamter der Reichsmusikkammer diese Aufnahme abgehört, wäre sie wohl nie herausgekommen. Eine weitere Platte erschien etwas später noch bei Telefunken, eine dritte („Eichkater und die Entlausung“) wurde verboten - und vermutlich die Eichkater gleich mit.
Von Kriegsbegeisterung konnte auch auf US-Seite zumindest anfangs keine Rede sein. Noch von der Erfahrung geprägt, in Europa als „Doughboys“ für irgendwelche Länder verheizt oder verwundet zu werden, die kleiner waren als die meisten US-Bundesstaaten, in jenem Europa, das so weit überm Teich lag und von dem man so wenig wußte, mußten die US-Bürger erst zur Einsatzfreude „überredet“ werden. Dazu sollten, man kann es kaum anders bezeichnen, Machwerke wie „Ring The Bells For Uncle Sam“ dienen.
Die endgültige Überwindung der großen Wirtschaftskrise und der totale Sieg an allen Fronten, der den Aufstieg zur Supermacht bringen sollte, standen 1941 noch nicht im Kalender.
Genausowenig die Tatsache, daß die Völker, deren Befreiung vom Joch Hitlers das erklärte Ziel Englands und Frankreichs war, für die sie am 3. September 1939 Deutschland den Krieg erklärt hatten und für die ab Ende 1941 die USA nach Jahren mehr oder weniger inoffizieller Unterstützung als reguläre Kriegspartei mitfochten, nach 1945 für mehr als vierzig Jahre unter sowjetischer Herrschaft stehen würden.
Aber das wäre eher als Thema einer historisch-politischen Diskussionssendung geeignet ...
Durchs Programm führt Peter Michael.
*Die Sendungen dienen ausschließlich zum Zwecke der Forschung, Lehre und staatsbürgerlichen Aufklärung.

Folge 3
American War Songs - US-Propagandaplatten aus dem II. Weltkrieg
75 Jahre liegt nun der Eintritt der USA in den zweiten Weltkrieg zurück.
Das Tanzparkett blickt aus diesem Anlaß auf die US-amerikanische Seite und bringt Propagandaplatten. Die brauchte Uncle Sam, um seine Leute auf den Eintritt in den Krieg in Europa einzustimmen - gelinde gesagt, denn zum Teil handelt es sich um Propaganda plattester Art, musikalisch zumeist im modischen Swing-Gewand, aber auch im Country-Stil.
Viele US-Amerikaner erinnerten sich noch mit Grauen an die Schlachtfelder in Frankreich gut zwanzig Jahre vorher, auf denen auch (je nach Quelle) 100.000 bis über 200.000 US-Boys für einen Krieg gefallen waren, mit dem ihr Land eigentlich nichts zu tun gehabt hatte. Nun war es wieder soweit - US-Präsident Roosevelt hatte am Tage nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor vom 07.12.41 die Kriegserklärung gegen Japan ausgesprochen. Ohne vertragliche Verpflichtung hierzu erklärte dessen größenwahnsinniger Bündnispartner Hitler am 11.12. seinerseits den USA den Krieg, getreu dem schon Kaiser Wilhelm II. zum Verhängnis gewordenen Motto „Viel‘ Feind‘, viel Ehr‘“.  Unwiderruflich und endgültig  war damit ein neuer Weltkrieg im Gang - und auch die Propagandamaschinerie in den USA lief sogleich mit Vollgas an.
Halt, auch einen Titel bringen wir zu Beginn, der sich gegen den Krieg wendet  - die große Ausnahme. Noch heute wird in Amerika zumindest schief angeschaut, wer den Sinn eines in Washington D.C. befohlenen Kriegs hinterfragt … Hämische Verhöhnung der tatsächlich oder vermeintlich besiegten Gegner ist dagegen damals wie heute in patriotischen Kreisen durchaus akzeptabel. Das beleuchtet die letzte Aufnahme dieser Ausgabe sehr eindrücklich ...
Durch die Sendung begleitet Sie Peter Michael.

Sendetermine: „Tanzparkett spezial“

  • Folge 2: Deutsche und alliierte Propagandaplatten, Teil 2; Sonntag, 4. Dezember 2016, 17 Uhr, Wiederholung: Montag, 5. Dezember 2016, 9 Uhr
  • Folge 3: US-amerikanische Propagandaplatten; Sonntag, 11. Dezember 2016, 17 Uhr, Wiederholung: Montag, 12. Dezember 2016, 9 Uhr

 

Wir singen in die Deutsch´ Sprach ...

Yes, Mr. Trump - it´s Deutschstunde now (Teil 2)

Der amerikanische Stern befindet sich offensichtlich im Sinkflug. Hoffentlich wird das keine Bruchlandung; betroffen wären wir möglicherweise alle. Nicht nur für die Ökonomien, die Kriegs-Allianzen (wir leben ja bereits im 3. Weltkrieg!), die Kleinkredite für langverschuldete Wenigverdiener/Drei-Jobber, die großspurigen Boni-Empfänger unserer uns auslutschenden Banken, Versicherungen, Politik und Automobilkonzerne usw. Und im globalen Kampf der konkurrierenden Ideologien?
Nun ja, das könnte das Ende der geliebten Country-Musik hier im Radio bedeuten - vernetzt, hin oder her. Was tun?!? (Lenin). Tief betroffen erlebt ihr nun auch den tatsächlich Welt-offenen Lonesome Traveler - der Mann ist gerade ratlos, um nicht zu sagen, verwirrt. Autsch! Keine weitere US-CountryMachoMackerMucke fürderhin?!  -  It´s over, bud.
Macht grad keinen Spaß mehr - mal so richtig reflektiert. Auch wenn klar ist, daß da viel echt gewachsene Folk Musik im Hintergrund immer schon mit dabei war. An genau dieser Stelle besinnt sich der Lonesome Traveler Wolf Silaff auch mal wieder der deutschen/deutschsprachigen Hintergründe und Wurzeln amerikanischer Musikkultur. Bis eben hatte er noch einen geschätzten Folk Musik-orientierten versierten Radiokollegen mit an seiner Seite. Farewell, Günni. We all miss you, Günther Klößinger.
In dieser Folge gibt’s ausschließlich Lieder und Klänge in unserem eigenem Idiom. Mit dabei sind solche Poet-Individualisten wie Jan Koch aus Berlin, eine aktuelle junge spritzige Kapelle aus Oberammergau, Kofelgschroa, und auch der schräg-abgefahrene sympathische Klinikfacharzt Georg Ringsgwandl aus Garmisch-Partenkirchen. Der Kardiologe wird uns mal kurz die hoffentlich Heilende Hand aufs leidende Herzerl legen. Valentinesk, des ganze Gelump do ...  Jo, dankschön : Yes, we can do it, too.
And, Sir - der Schwerpunkt of this issue is on the Vorstellung des neuen Kofelgschroa-Silberlings „Baaz“ (Trikont, München) - got that, Mr. Trump?!

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 4. Dezember 2016, 19 Uhr

 

USA-Tonfilmschlager von ihren Originalinterpreten, Folge 4

Wir bringen am 7.12.2016 die vierte Folge „Tanzparkett“ mit Schallplattenaufnahmen US-amerikanischer Tonfilmschlager, gesungen von den Schauspielern, die auch auf der Leinwand mit der Interpretation dieser Titel zu erleben waren.
Anfang 2011 konnten Sie bereits zwei Folgen hören. Da nun unsere Plattensammlungen in der Zwischenzeit wieder „Zuwachs“ bekamen, sendeten wir bereits am 23.11.2016 die dritte Ausgabe der Reihe.
Der Tonfilm, obwohl in seiner endgültigen Form eine deutsche Erfindung, die schon 1922 öffentlich vorgestellt worden war, trat erst ab 1927 seinen weltweiten Siegeszug an - nun von Hollywood ausgehend.
1927 fing es, wie in der letzten Folge vor zwei Wochen gehört, mit dem „Jazzsänger“ (“The Jazz Singer“) an, der in Deutschland zunächst noch stumm zu sehen war, da man sich über die Patentrechte nicht einig wurde. Erst der „Singende Narr“ (“The Singing Fool“) brachte hierzulande den Durchbruch.
Das Kino und sein Programm allerdings veränderten sich mit dem erneuerten Medium radikal, und vor allem mit der Internationalität des Stummfilms war es vorbei.
Aber das ist eher am Rande Thema unserer Sendungen - vielmehr sind es jene teils vergessenen, teils aber unsterblichen Melodien, die der frühe Tonfilm aus Hollywood der Welt schenkte.
Durchs Programm führt Thomas A. Sosna.

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 7. Dezember 2016, 21 - 22 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 8. Dezember 2016, 13 Uhr.

Live-Stream.

Einbetten:

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