Wie nachhaltig ist die documenta fifteen wirklich? Welche Kunstwerke sollte man sich unbedingt anschauen? Und wie denkt die Kasseler Bevölkerung über das Megaevent?

Fragen wie diese beantworten wir während der Laufzeit der documenta fifteen im Rahmen der Medienpartnerschaft in unserer regelmäßigen Magazinsendung, die sich mit Themen rund um die documenta befaßt.

Zu hören gibt es aktuelle Informationen, Veranstaltungshinweise, Interviews, Umfragen, Vorstellung von Künstlerinnen und Künstlern, aber auch historische Rückblicke und sonstige Beiträge zur documenta. Beteiligt sind FRK-Redakteure unterschiedlichen Alters, die ihre verschiedenen Sichtweisen in die Sendungen einbringen. Außerdem sind wir eine der rund 20 Radiostationen, die das „Lumbung-Radio“ bilden.

Das „Lumbung-Radio“ wird von der Gruppe „Station Of Commons“ organisiert, einem der Kollektive, die diesmal an der documenta beteiligt sind. 24 Stunden täglich laufen dort höchst unterschiedliche Sendungen aus zahlreichen Ländern, die insgesamt ein extrem vielfältiges und facettenreiches Programm ergeben – und auch „Zwischenzeitlich documenta“ ist Teil dieses Programms.

In eigener Sache

In den 25 Jahren seines Bestehens hat sich das Freie Radio Kassel immer klar gegen jede Form von rassistischer und antisemitischer Ausgrenzung ausgesprochen. Schon in den Programmgrundsätzen ist festgelegt, daß solche Positionen in den Sendungen des FRK keinen Platz haben – auch nicht indirekt, also etwa in Form von Interviews.

Insbesondere antisemitischen Tendenzen ist das FRK in seinem Programm immer wieder klar und eindeutig – teils auch gegen Widerstände – entgegengetreten. Davon zeugen nicht nur zahlreiche Beiträge zu politischen und historischen Themen, sondern auch eine inzwischen jahrzehntelange, enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Institutionen wie der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, der Gesellschaft für Christlich-jüdische Zusammenarbeit, der Gedenkstätte Breitenau, der Kasseler Volkshochschule und dem Sara-Nussbaum-Zentrum. In zahllosen Diskussionsveranstaltungen, Vorträge und Interviews, die im FRK-Programm ausgestrahlt wurden, haben wir die unterschiedlichsten Aspekte jüdischen Lebens und jüdischer Kultur beleuchtet und haben uns immer wieder auch mit den historischen Ereignissen und Zusammenhängen befaßt. Dabei haben wir insbesondere auch Menschen zu Wort kommen lassen, die nicht im Blickpunkt der Öffentlichkeit stehen – und auch in Zeiten, in denen die Problematik des Antisemitismus in der allgemeinen Wahrnehmung eher ein Schattendasein fristete.

Die aktuellen Ereignisse um die documenta fifteen haben uns entsetzt und irritiert. Wir sind – auch aus den oben angeführten Gründen – der Auffassung, daß judenfeindliche Positionen sowie Zweifel am Existenzrecht des Staates Israel in der Kunst nichts verloren haben und auch nicht mit dem Hinweis auf die Kunstfreiheit oder auf abweichende Perspektiven des sogenannten „globalen Südens“  begründet werden können. Daher unterstützen wir die Absicht der documenta, alle gezeigten Werke genau prüfen und notfalls entsprechende Maßnahmen ergreifen zu wollen. Als regionaler Radiosender und Medienpartner der documenta werden wir die Debatten weiterhin intensiv begleiten und auch kritische Stimmen zur Ausstellung und zum Vorgehen der documenta-Macher zu Wort kommen lassen.

Allerdings wollen wir die documenta fifteen nicht auf einen einzigen (wenn auch wichtigen) Themenkomplex reduzieren, sondern weiterhin auch über die gezeigten Kunstwerke, über Konzerte, Diskussionen, Workshops und andere Veranstaltungen berichten. Auch die zahlreichen Projekte, die wir im Rahmen der documenta planen, werden in der vorgesehenen Form stattfinden. Wir werden etwa documenta-Radioprojekte mit Kindern, Jugendlichen und Behinderten durchführen – sie alle bereiten sich seit Monaten mit großem Engagement auf die documenta vor und sollen nicht für Vorgänge haftbar gemacht werden, mit denen sie absolut nichts zu tun haben.

Zwischenzeitlich documenta

Während der Laufzeit der documenta fifteen [FB] wird das Freie Radio eine regelmäßige Magazinsendung ausstrahlen, die sich mit Themen rund um die documenta befaßt.

Sie soll aktuelle Informationen, Veranstaltungshinweise, Interviews, Umfragen, Vorstellung von Künstlerinnen und Künstlern, aber auch historische Rückblicke und sonstige Beiträge zur documenta enthalten. Jeweils freitags von 18 Uhr bis 20 Uhr wird die Sendung unter dem Titel „Zwischenzeitlich documenta“ über den Äther gehen.

Eine weitere Ausgabe ist jeweils sonntags geplant – möglicherweise wird es bei Bedarf weitere Sendetermine geben. Die Ausstrahlungsdichte wird auch von der Menge an zur Verfügung stehendem Material abhängen – u.U. wird es einen speziellen Sendeplatz für Veranstaltungsmitschnitte geben.

Das Freie Radio wird zudem etwa Meldungen, Nachrichten und Service-Hinweise ins Programm einbauen. Auch die regulären Sendungen des FRK können in diese Reihe „eingemeindet“ werden, sofern sie sich inhaltlich mit dem Thema documenta befassen.

Also dann: Wir wünschen einen schönen documenta-Sommer mit dem Freien Radio!



Das sind WIR