„Tanzparkett“

Moderation: Peter Michael, Thomas Sosna, Michael Rolf
Mitarbeit: Steffen Bretz
Sendezeit: Mittwoch (U) von 21.00 bis 22.00 Uhr und Donnerstag (W) von 13.00 bis 14.00 Uhr

Seit dem dritten Sendetag des Freien Radios Kassel, dem 18.6.1997, bringt das „Tanzparkett“ in erster Linie Tanzmusik der 20er bis 40er Jahre von Originaltonträgern. Das sind zumeist Schellackplatten - unter dieser Bezeichnung faßt die Schallplattenhistorie allerdings heute praktisch alle Platten zusammen, die mit 78 U/min. abgespielt werden - auch frühe Kunststoffschallplatten, die aus Zelluloid, Rhodoid, Bakelit oder ähnlichen Materialien bzw. damit beschichteter Pappe - oder in bestimmten Fällen auch schon aus Vinyl - bestehen können. Auch nicht in Massen gepreßte, sondern direkt einzeln geschnittene Aufnahmefolien (Decelith, Draloston, Gelatine, Glasazetat usw.) können in der Sendung ihren Platz finden - einerlei ob Privat-, Rundfunk- oder Versuchsaufnahme (oder in sehr seltenen Fällen Umschnitte schon damals nicht mehr erhältlicher Industrieplatten).

Gelegentlich gehen wir zeitlich auch weiter zurück, wenn es um Vor- und Frühgeschichte des Jazz geht, der ab 1917 mit Hilfe der Schallplatte die Welt erobern sollte - oder wenn z.B. Kleinkunstaufnahmen der Kaiserzeit vorgestellt und auf ihre aktuellen Bezüge zu unserer Zeit untersucht werden - oder weiter nach vorn, wenn das Schaffen eines Orchesters oder Musikers auch in der Abenddämmerung der Schellackplattenzeit, den 50er Jahren, musikalisch betrachtenswert geblieben ist.

Es werden Platten gespielt, die zumeist weder im öffentlich-rechtlichen noch gar im kommerziellen Funk den Weg auf den Teller finden. So soll ein weiteres Publikum als bisher dafür begeistert werden. Wir wollen zeigen, daß es sich heute noch lohnt, diese etwas in Vergessenheit geratenen Aufnahmen zu spielen. Die künstlerische Qualität der Vorkriegsschallplatten wurde nach dem Ende des II. Weltkrieges zumeist nicht mehr oder nur ansatzweise wieder erreicht.

Aus dem Bewußtsein der meisten Rundfunkhörer waren sie jahrelang fast verschwunden. Allenfalls erinnerte man sich ihrer nur noch ganz vage - im Gegensatz zu den nur wenige Jahre jüngeren Aufnahmen der 50er Jahre. Dies ist wohl den Zeitumständen ihrer Entstehung und der damit einhergehenden „Vergangenheitsbewältigung“ geschuldet. Vor einigen Jahren wurde allerdings eine neue Rundfunksendung auch mit älteren Schellackplatten ins Programm des Deutschlandradios aufgenommen, die aber schon wieder gestrichen wurde. Auch andere öffentlich-rechtliche Sender haben entsprechende Programme inzwischen eingestellt.

Immerhin erscheinen seit einigen Jahren durchaus auch erwähnenswerte Wiederveröffentlichungen alter Platten. Das war jedoch in der Zeit, als wir unsere Sendereihe begannen, kaum der Fall. Zur Sendung werden allerdings grundsätzlich Originalplatten verwendet. Nur in begründeten Ausnahmefällen, wenn der Sendeablauf extrem seltene Aufnahmen erfordert, die nicht verfügbar sind, greifen wir auf LP- oder CD-Umschnitte zurück. Sehr oft sind diese klanglich entstellt, um sie, wie es im Beiheft immer so schön heißt, „den heutigen Hörgewohnheiten anzupassen“. Da dies bei manchen Veröffentlichungen neben erheblichem Verlust an durchaus auf den Platten vorhandenen Obertönen bis hin zum Kappen von Trommel- oder Gitarrenanschlägen geht, verzichten wir auf diesen „Komfort“ und nehmen gelegentliches Rauschen und Knistern in Kauf.

Sie als Hörer hoffentlich auch - denn dann erschließt sich Ihnen ein Klang, der keineswegs antiquiert ist, sondern oft erstaunlich lebendig, frisch und neu!

Mit sachkundigen, aber nicht ermüdend-belehrenden Anmerkungen zu den Aufnahmen (Künstler, Arrangement, Technik usw.) und ihrem zeitgeschichtlichen Umfeld wollen wir Ihnen einen Eindruck von der Lebendigkeit und Vielfalt der damaligen Musikszene vermitteln.

Wenn uns das Ihrer Meinung nach gelungen ist, sagen Sie es Ihren Freunden und Bekannten - wenn nicht, sagen Sie es bitte uns.

Tanzparkett hören Sie vierzehntäglich am Mittwochabend um 21 Uhr (im Wechsel mit „Magic Moments“, Evergreens und Nevergreens der 50er bis frühen 70er Jahre) - Wiederholung Donnerstag, 13 Uhr.