Programminfos vom 23.02.2017 bis 02.03.2017

Ökologische Landwirtschaft ON AIR

Bei diesem Radiofeature handelt es sich um eine Mischung aus Hörspiel und Dokumentation. Dieses Feature soll eine Einstiegssendung zum Thema Ökologische Landwirtschaft sein. Die Intention dieser Sendung ist es, den Menschen ein Grundverständnis zu vermitteln. Dazu zählt der Rückblick zu den Ursprüngen der Landwirtschaft hin zur Entwicklung der gesetzlich geregelten ökologischen Landwirtschaft. Es werden verschiedene Protagonisten zu Worte kommen: Konsumenten, Produzenten, Professoren und weitere, die die mannigfaltigen Aspekte dieses Sektors gegenwärtig und zukünftig mitgestalten. Auch die ökologische Landwirtschaft befindet sich in einem aktiven Prozeß, der in Zukunft noch auf viele Probleme und Herausforderungen reagieren muß, eben nicht nur in Deutschland, sondern auch global.
Produziert von Studenten der Uni Kassel, Standort Witzenhausen.

  • Sendetermin: „Ökologische Landwirtschaft on Air“, Freitag, 24. Februar 2017, 17 Uhr

 

Should I Stay Or Should I Go?

Heute hören wir die Beiträge, die im Rahmen des Hochschulprojekts „Should I Stay Or Should I Go?“ entstanden sind. Außerdem gibt’s weitere Beiträge vom „Argentinien“-Seminar der Kasseler Uni, u.a. zu argentinischer Kultur und zum Fußball in Argentinien.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 24. Februar 2017, 18 Uhr

 

Dollar´s got the Blues: Clarence "Gatemouth" Brown

Tja, Leute - in den USA geht‘s ganz offensichtlich bergab. No doubt. Momentan versucht Mr. T (nein, nicht der Professor) das Steuer irgendwie zu betätigen. Der Kurs hingegen ist jedoch Captain "The Donald" noch nicht so ganz klar ...  Der unglaubliche Multiinstrumentalist Clarence "Gatemouth" Brown hat eben das schon vor etlichen Jahren herausgefunden - und mal so ganz nebenbei einen Klasse-Titel zu diesem Thema entwickelt, und zwar verdammt witzig-spritzig und zugleich ironisch-komisch (siehe oben). Der schwarze Bluesmusiker hatte es wirklich drauf, er ist längst Legende. Gate beherrschte nicht nur Instrumente, er kannte sich außerdem in Stilen und Spielformen aus. Durch einen eher skurrilen Zufall (?!) als Ersatzmann für den unvergessenen R & B - Trendsetter T-Bone Walker gelang Clarence Brown ein fulminanter Start ins Musikbusiness der 1950er Jahre (Peacock Records). Von da an war nix mehr nur "Stormy Monday Blues"!  
Clarence "Gatemouth" Browns Auftritte waren immer ein Erlebnis, egal ob in Blues Clubs, auf Festivals oder im jazzigen Montreux. Berührungsängste kannte er übrigens auch nicht (schließlich war er zwischenzeitlich mal Deputy Sheriff in New Mexico!), und er teilte die Bühne gelegentlich mit illustren KollegInnen. Etliche weiße Blues-Rocker wie Canned Heat oder Tracy Nelson waren stolz, von ihm "on stage" geladen zu werden. Leider hat der berüchtigte Wirbelsturm "Katrina" 2005 in New Orleans auch "Gatemouth" Brown übel zugesetzt, er starb im Katastrophenjahr. Echten Blues-/Swing-/Rock-/Cajun-/Bluegrass-/Country-/Jazz-/Calypso-Afficionados bleibt er unvergessen. In dieser Folge hören wir seine tolle Swing-Scheibe "American Music - Texas Style" von 1999, eine kleine Bigband-Perle. Sie beinhaltet u.a. Gates Versionen etlicher Duke Ellington-, Charlie Parker-, Jay McShann- und Percy Mayfield-Klassiker. In New Orleans und Bogalusa mit einer Garde von echten Swing-Jazzern total relaxed eingespielte Studioaufnahmen, die einen wünschen lassen, mit dabei sein zu können. Dynamite!! That´s all we need ...

  • Sendetermin: „Long Distance Call“, Samstag, 25. Februar 2017, 19 Uhr

 

Honey don´t - Everybody´s trying to be my baby

Die zweite Rock & Roll Klassiker-Folge eröffnen wiederum die frühen Beatles mit ihren 1964er-Versionen echter SUN-Vorbilder. Eines ihrer Idole war Carl Perkins, der ungekrönte "King of Rockabilly Music". Von dem stammen die im Titel genannten Stücke, echte Meilensteine. "Mr. Blue Suede Shoes" Carl Perkins stand zeitlebens im Schatten seines Freundes und Konkurrenten Elvis Presley. Schade irgendwie - er verfügte ebenfalls über unglaubliche Fähigkeiten. Leider hatte er etliche Male in seinem Leben die schlechteren Karten. Dennoch bleibt er als Klasse-Gitarrist in guter Erinnerung - im Gegensatz zum "King" konnte er außerdem verdammt gute Songs komponieren. Das hatten auch die Beatles erkannt.
Eine andere Rockabilly-Ikone war/ist sicherlich Wanda Jackson aus Oklahoma. Sie hatte als eine der ersten frühen wilden weißen Frauen auf den Rock & Roll-Bühnen zuhause in den Staaten nicht unbedingt die besten Chancen - das prüde 50er-Amerika hielt vorsichtshalber Abstand von ihr. Sie feierte ihren größten Charts-Erfolge in Übersee, in Japan und Europa. Hierzulande schlug 1960 ihr Feten-Knaller "Let´s have a party" ein wie eine Bombe. Auf Anraten ihres Freundes Elvis Presley war sie während der Spät-50er von Country- und Gospelmusik zum Rock & Roll gewechselt. Mit ihrer ausdrucksstarken Gesangsstimme und einer aufregenden Bühnenpräsenz gelang ihr eine spannende Karriere: sie ist die "Queen of Rockabilly Music" - no doubt. Und sie singt immer noch. Diese Stimme - oh boy!
Ein weiterer (echter) Überlebender des ganzen Rock & Roll Hype (Stand KW 07/17) ist sicherlich "The Fat Man" Fats Domino. Er wird weltweit mit dem sogenannten New Orleans-Style in Verbindung gebracht. Sein selbstbezogener, leicht ironischer Song "They call me The Fat Man" von 1950 machte ihn ganz fix weltbekannt. Der Boogie-Pianist Domino gilt neben Chuck Berry und Little Richard als der wichtigste schwarze Wegbereiter der Rock & Roll Music. Der lebenslustige Typ setzte mit Stücken wie "Blueberry Hill", "Jambalaya" und "I´m walkin´" weitere Meilensteine. Nach dem furchtbaren Tornado "Katrina" im Jahre 2005 kursierten in seiner Heimatstadt New Orleans/Louisiana Gerüchte, daß der Künstler das Ganze nicht überlebt hätte ... Glücklicherweise tauchte das Schwergewicht doch wieder auf. Sein Zuhause und seine Goldenen Schallplatten - alles futsch. Mit Little Richard zusammen (zu hören in der nächsten Folge) spielte Fats Domino kurze Zeit später Benefiz-Konzerte für andere Betroffene in New Orleans. Ihre erste große Spende (auch durch internationale Hilfe) ging in den Aufbau von neuen Kinderspielplätzen in der alten Rhythm & Blues-Metropole.

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 26. Februar 2017, 19 Uhr

 

Frisches Netaudio für den Frühling

frei² – Das Magazin für freie Musik im Freien Radio Kassel – meldet sich ein bisschen zurück und bringt gleich frische Musik für den hereinbrechenden Frühling mit. Ganz neu und bislang noch nicht in der Sendung vorgestellt ist das Netlabel monoKraK aus der Schweiz. Deren elektronischer Podcast steht in der aktuellen Episode unter dem Titel Floating Mind, was auch eine sehr zutreffende Beschreibung des Stils ist.
Außerdem in dieser Sendung: Eine kurze Information über die Zukunft von frei² – denn es geht weiter, nur ein wenig anders.

  • Sendetermin: „Frei hoch zwei“, Dienstag, 28. Februar 2017, 19 Uhr

 

Austropop in Tot-Weiss-Tot

Humor ist eine ernste Sache. Insbesondere in der fünften Jahreszeit. Dass es auch anders geht, beweisen unsere Nachbarn in Österreich. Im Jahre 2000 veröffentlichte Klaus Eberhartinger mit seinen Gruftgranaten ein Album, das sich auf kabarettistische Weise mit der Situation des Austropops und seiner medialen Rezeption beschäftigt. Zwischen Steinhäger, Tequila & Slibowitz und Morschi Danzer, Rainhard Fencheltee & Wolfgang Schwamm-Boss sind auch deutliche politische Statements zu hören. Am Mikrofon: Dieter Kindl.

  • Sendetermine: „Liederleute“, Dienstag, 28. Februar 2017, 20.00 Uhr
  • Wiederholung: Mittwoch, 1. März 2017 12.00 Uhr

 

100 Jahre Jazz auf Schallplatte - Die Original Dixieland Jazz Band, Folge 3

Was blieb von der Original Dixieland Jazz Band?

Ende 1922, Anfang 1923 nahm die ODJB noch vier Seiten für OKeh auf, dann löste sie sich auf.
Nick LaRocca hatte gesundheitliche Probleme und wollte sich nicht länger dem erheblichen Streß des Musikgeschäfts aussetzen. Er ging heim nach New Orleans und führte ein Baugeschäft.
Auch die andern Mitglieder gingen zurück in bürgerliche Berufe - alle außer dem Drummer Tony Sbarbaro.
Er sollte in den 30er Jahren die Wiederbelebung der Band betreiben - zunächst mit zuengagierten anderen Musikern, die für die Vocalion im Jahre 1935 vier Titel einspielten.
Das Klangbild gemahnte allerdings weniger an die ersten ODJB-Einspielungen, sondern eher an zeitgenössische Wingy-Manone- oder Red-McKenzie-Gruppen.
Zwanzig Jahre Jazz - die gab es vor 80 Jahren zu feiern, und die Victor Co. erinnerte sich der Pioniere. Man machte Nick LaRocca ein Angebot, seine alte Truppe für neue Aufnahmen  zusammenzurufen.
Für die zweite Karriere kam die alte Kernbesetzung unter (zumindest vorübergehender) Aufgabe der bürgerlichen Existenz wieder zusammen. LaRocca leitete also wieder vom Kornett aus, Eddie Edwards blies die Posaune, Larry Shields die Klarinette, J.Russell Robinson spielte das Piano, Tony Sbarbaro trommelte.
Um dem Zeitgeschmack Rechnung zu tragen, wurde die Truppe zu einer Bigband im Swingstil ergänzt, die im Oktober 1936 in New York vors Mikrophon der Victor trat und auf den Etiketten als „Nick LaRocca and the Original Dixieland Jazz Band“ firmierte.
Mit der alten ODJB hatte das nicht viel zu tun - bei den Aufnahmen kamen ansprechende, zeittypische Swingplatten heraus. Die Oldtimer hatten immerhin bewiesen, daß sie auch jetzt noch mithalten konnten.
Parallel entschied man sich aber auch zur Einspielung einiger Titel in Ursprungsbesetzung und sehr genau getroffenem altem Stil - kurioserweise hieß die originale Kleingruppe aber nun „Original Dixieland Five“.
Erneut von Gesundheitsproblemem geplagt, wie schon Anfang der 20er Jahre, ging Nick LaRocca wiederum nach New Orleans ins Baugewerbe zurück. Einige der übrigen Bandmitglieder blieben unter dem alten Namen Original Dixieland Jazz Band unter bloßer Leitung von Eddie Edwards zusammen und holten Sharkey Bonano als Kornettisten ins Boot, die Posaune spielte nun Bud Scott, als Pianist war, wie schon einmal vorübergehend in der „Urzeit“, der von den Original Memphis Five bekannte Frank Signorelli tätig. Artie Shapiro schlug, ein Novum bei der kleinen Besetzung, den Baß, Tony Sbarbaro behielt den Schlagzeugerstuhl. 1938 spielte diese Besetzung sechs Titel für Bluebird, das preiswerte Unteretikett der Victor Co., ein.
Auch hier handelte es sich wieder um zeitgemäßen Dixieland-Swing à la Wingy Manone.
1946 stellten Sbarbaro und Edwards, der nun wieder selbst die Posaune spielte, noch einmal eine Band für Plattenaufnahmen zusammen - 30 Jahre nach Gründung der ersten Original Dixieland Jass Band.
Was als Vermächtnis der ODJB bleibt, ist das Verdienst, der Entwicklung der populären Musik des 20. Jahrhunderts den wohl bedeutendsten Impuls gegeben zu haben.

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 1. März 2017, 21-22 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 2. März 2017, 13 Uhr

Programminfos vom 17.02.2017 bis 22.02.2017

Studierende der Uni Kassel produzieren Radiobeiträge zu Argentinien

Studierende am Fachbereich Romanistik der Kasseler Universität haben im laufenden Wintersemester Radiobeiträge zum Thema "Argentinien" produziert. Das Projekt, das von Dozentin Beate Möller geleitet wurde, fand in Kooperation mit dem Freien Radio statt. Die Ergebnisse des Seminars werden am Freitag im Rahmen des  "Themenwechsels" im Freien Radio ausgestrahlt.
Folgende Themen werden in den Beiträgen behandelt: Wir entdecken Argentinien; Tourismus, Geschichte und Natur in Argentinien; Argentinische Kultur; Die Mütter der Verschwundenen; Auf den Spuren von Jorge Luis Borges - ein Hörspiel.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 17. Februar 2017, 18 Uhr

 

Audioguides aus Oberkaufungen

Im Januar waren Kinder der Ernst-Abbe-Schule in Oberkaufungen fleißig und haben zu Themen rund um die Stiftskirche Beiträge erstellt.Es geht nicht nur um Martin Luther, auch ein echter Ritter und ein Apotheker wurden befragt.

In der Sendung werden die MacherInnen auch live dabei sein.

  • Sendetermin: „Kinderradio“, Sonntag, 19. Februar 2017, 16 Uhr

 

Tanzparkett extra - Teddy Hill and his NBC Orchestra

Diese Sendung ist der heute beinahe vergessenen Band des schwarzen Tenorsaxophonisten, Sängers und Orchesterleiters Teddy Hill gewidmet. Bereits seit den frühen 30er Jahren spielte die Band im Savoy Ballroom in New York und griff sehr bald den aufkommenden Swingstil auf. Durch Teddy Hills Gespür für Tempi und sein geschicktes Eingehen auf die Tänzer war die Kapelle beim tanzenden Publikum äußerst beliebt.  Sie nahm für die Vocalion und später die Victor bzw. deren Unteretikett Bluebird auf, einige Platten erschienen auch in Europa.
 
Das Orchester bekam sogar einen Vertrag bei der NBC, so daß es in den USA landesweit im Rundfunk zu hören war. Entsprechend nannte es sich in dieser Zeit auch Teddy Hill and his NBC Orchestra. Unter den Starsolisten der Elf-Mann-Kapelle, die ihr Personal lange konstant halten konnte, was für ihre Qualität spricht, waren ab 1937  Chu Berry und Dizzie Gillespie. Trotzdem sind die Platten heute recht selten, so daß wir am Schluß der Sendung noch Aufnahmen mit Willie Bryant und der Mills‘ Blue Rhythm Band bringen müssen.
 
1940 löste Hill die Band auf und übernahm „Minton’s Playhouse“, jenen New Yorker Club, der wenig später nicht zuletzt dank Dizzie Gillespie zur Wiege des Bebop werden sollte. Am 19. Mai 2006 wurde übrigens dieses Etablissement nach rund 30 Jahren Leerstand als Jazzclub wiedereröffnet.

Die in dieser Folge gebrachten Platten wurden 1936 und 1937 aufgenommen.

  • Sendetermin: „Tanzparkett extra“, Sonntag, 19.02.17, 17 Uhr
  • Wiederholung: Montag, 20.02.17, 9 Uhr

 

Honey don´t - Everybody´s trying to be my baby

Die zweite Rock & Roll Klassiker-Folge eröffnen wiederum die frühen Beatles mit ihren 1964er-Versionen echter SUN-Vorbilder. Eines ihrer Idole war Carl Perkins, der ungekrönte "King of Rockabilly Music". Von dem stammen die im Titel genannten Stücke, echte Meilensteine. "Mr. Blue Suede Shoes" Carl Perkins stand zeitlebens im Schatten seines Freundes und Konkurrenten Elvis Presley. Schade irgendwie - er verfügte ebenfalls über unglaubliche Fähigkeiten. Leider hatte er etliche Male in seinem Leben die schlechteren Karten. Dennoch bleibt er als Klasse-Gitarrist in guter Erinnerung - im Gegensatz zum "King" konnte er außerdem verdammt gute Songs komponieren. Das hatten auch die Beatles erkannt.
Eine andere Rockabilly-Ikone war/ist sicherlich Wanda Jackson aus Oklahoma. Sie hatte als eine der ersten frühen wilden weißen Frauen auf den Rock & Roll-Bühnen zuhause in den Staaten nicht unbedingt die besten Chancen - das prüde 50er-Amerika hielt vorsichtshalber Abstand von ihr. Sie feierte ihren größten Charts-Erfolge in Übersee, in Japan und Europa. Hierzulande schlug 1960 ihr Feten-Knaller "Let´s have a party" ein wie eine Bombe. Auf Anraten ihres Freundes Elvis Presley war sie während der Spät-50er von Country- und Gospelmusik zum Rock & Roll gewechselt. Mit ihrer ausdrucksstarken Gesangsstimme und einer aufregenden Bühnenpräsenz gelang ihr eine spannende Karriere: sie ist die "Queen of Rockabilly Music" - no doubt. Und sie singt immer noch. Diese Stimme - oh boy!
Ein weiterer (echter) Überlebender des ganzen Rock & Roll Hype (Stand KW 07/17) ist sicherlich "The Fat Man" Fats Domino. Er wird weltweit mit dem sogenannten New Orleans-Style in Verbindung gebracht. Sein selbstbezogener, leicht ironischer Song "They call me The Fat Man" von 1950 machte ihn ganz fix weltbekannt. Der Boogie-Pianist Domino gilt neben Chuck Berry und Little Richard als der wichtigste schwarze Wegbereiter der Rock & Roll Music. Der lebenslustige Typ setzte mit Stücken wie "Blueberry Hill", "Jambalaya" und "I´m walkin´" weitere Meilensteine. Nach dem furchtbaren Tornado "Katrina" im Jahre 2005 kursierten in seiner Heimatstadt New Orleans/Louisiana Gerüchte, daß der Künstler das Ganze nicht überlebt hätte ... Glücklicherweise tauchte das Schwergewicht doch wieder auf. Sein Zuhause und seine Goldenen Schallplatten - alles futsch. Mit Little Richard zusammen (zu hören in der nächsten Folge) spielte Fats Domino kurze Zeit später Benefiz-Konzerte für andere Betroffene in New Orleans. Ihre erste große Spende (auch durch internationale Hilfe) ging in den Aufbau von neuen Kinderspielplätzen in der alten Rhythm & Blues-Metropole.

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 19. Februar 2017, 19 Uhr

 

Esther Filly

ihrer Musik vereinen sich Elemente aus Soul, Motown, Dance, Blues, ein bisschen Jazz….Ob auf Englisch oder Deutsch gesungen, Esther Filly verleiht ihrer Musik ihre absolut unnachahmliche Contra-Alt Stimme, soulig, kraftvoll und markant. Ihr Wiedererkennungswert, ihre Bühnenpräsenz, ehrliche Lebensfreude und unendliche Power machen aus ihr das, was sie ist: Eine herzliche Freaky Souldiva der Neuzeit, mit einer großartigen Stimme und Persönlichkeit - „einzig aber niemals artig“, „extra aber niemals ordinär". Wir stellen die sympathische Künstlerin in unserer Reihe "Liederleute zu Gast bei Liederleute" vor. Am Mikrofon: Andrea Eberl.

  • Sendetermine: „Liederleute“, Dienstag, 21. Februar 2017, 20.00 Uhr
  • Wiederholung: Mittwoch, 22. Februar 2017, 12.00 Uhr

Programminfos vom 10.02.2017 bis 16.02.2017

Das Recht auf ein gutes Leben – neue Töne aus Lateinamerika

Eine Begegnung mit Alberto Acosta und Grupo Sal.

Der 3. Dezember des vergangenen Jahres war ein Tag der lokalen und regionalen Vernetzung für das Gute Leben in Kassel und der Region. Die Veranstaltung kombinierte Workshops an der Universität Kassel, Vorträge und Musik zum Thema. Den Tag krönte eine Konzertlesung mit dem Titel "Das Recht auf ein Gutes Leben – Neue Töne aus Lateinamerika – Eine Begegnung mit Alberto Acosta und Grupo Sal". Inspiriert von indianischen, afrikanischen und europäischen Wurzeln und von den neuesten Entwicklungen der pulsierenden Metropolen, präsentierte Grupo Sal virtuos und leidenschaftlich eine eigenständige Interpretation lateinamerikanischer Musik. Zusammen mit Alberto Acosta, 2008 Präsident der verfassunggebenden Versammlung Ecuadors und einer der führenden Intellektuellen Lateinamerikas, begaben sich die Musiker zusammen mit ihrem Publikum auf eine spannende Entdeckungsreise.
Wir senden einen Mitschnitt der Konzertlesung, die im Kulturbahnhof.stattfand.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 10. Februar 2017, 18 Uhr

 

Entscheidet euch!

Im Zeitalter der Selbstoptimierung muß alles perfekt sein: der Job, das Aussehen, der Partner, die Freizeit. Wir googeln, bis der Arzt kommt, weil wir glauben, daß es noch bessere Möglichkeiten geben könnte. „Nur wer alle Optionen kennt, kann optimale Entscheidungen treffen" ist das Mantra unserer Zeit. „Das ist ein Trugschluß“, weiß Florian Schroeder.
Schroeder teilt uns ein in Optimierer und Gelassene, zeigt, warum Kant mit Katzenberger überfordert gewesen wäre und verrät uns die ultimative Formel, mit der wir herausfinden können, wie lange unsere Partnerschaft noch hält. Das sollte sich keiner entgehen lassen.
Trotz ausgeprägter Rechts-Links-Schwäche: Schroeder weiß, wo's langgeht. Er ist der Sebastian Vettel unter den Führerscheinlosen, seine Show ist ein politisch-philosophisch-psychologisches Gutachten für Intellektuelle und die, die sich einmal so fühlen möchten. Wenn Spaßbremsen Vollgas geben, ist es Zeit, einen Gang runterzuschalten. Zuschauen, entspannen, nachdenken.
Florian Schroeder hat sein aktuelles Programm „Entscheidet euch!“ im letzten Jahr beim „Sommer im Park“ in Vellmar gespielt – wir senden die Aufzeichnung.

  • Sendetermin: „Kabarett live“, Freitag, 10. Februar 2017, 22 Uhr

 

Erinnerung an Werner Lämmerhirt

Der Ausnahmegitarrist aus Berlin (*1949) galt als Wegbereiter der Fingerstyle-Technik. Er wirkte in den 1970er Jahren als Studiomusiker an Aufnahmen von Hannes Wader mit und begleitete ihn auf Tourneen. Sein virtuoses Gitarrenspiel orientierte sich am US-amerikanischen Country Blues. Vom legendären "Mississippi John" Hurt hatten wir in vorigen Folgen einiges vorgestellt; er war eines der Lämmerhirt-Vorbilder. Von derartigen Einflüssen waren die ersten tollen Alben des Künstlers geprägt. Erschienen sind sie ab den 70er Jahren beim renommierten Stockfisch-Label aus Northeim.
Ein weiteres Charakteristikum war seine rauchige Gesangsstimme. 1975 nahm er unter anderem mit den Gitarristen Klaus Weiland und Sammy Vomàčka ein vielbeachtetes Session-Album auf. Im Laufe der Jahre entstanden etliche musikalische Projekte mit anderen Musikern wie Peter Ratzenbeck, Peter Finger, Colin Wilkie und Wizz Jones. Während er auf den frühen Alben meist englischsprachige Songs auswählte oder selber schrieb, präsentierte Lämmerhirt auf seinen späteren Alben eigene deutschsprachige Lieder. Werner Lämmerhirt ist nach längerer Krankheit im Oktober 2016 gestorben. Er hat die deutsche Fingerpicking-Landschaft beeinflußt wie kaum ein anderer Gitarrist.
In dieser Ausgabe hören wir etliche Titel aus seinem letzten Album "... eine halbe Ewigkeit", erschienen (ebenfalls bei Stockfisch) wenige Wochen vor seinem Tode. In den 45 Jahren seiner Solokarriere wurde Werner Lämmerhirt von einem breiten Publikum mit Begeisterung aufgenommen - und er prägte Generationen von Gitarristen. Seine tollen Alben gehören in die Folk- und Gitarristen-Sammlung. Farewell, Werner.
Eröffnet wird die heutige Folge übrigens vom amerikanischen Songwriter John Prine aus Chicago mit dem "Bear Creek Blues", einem Klassiker des A.P. Carter (1930er Jahre/The Carter Family).

  • Sendetermin: „Long Distance Call“, Samstag, 11. Februar 2017, 19 Uhr

 

Rock’n’Roll-Classics im Dreierpack

Der „Lonesome Traveler“ präsentiert in drei Sendefolgen jeweils drei (bzw. vier) Rock’n‘Roll-Klassiker - von Elvis und Chuck Berry über Fats Domino, Carl Perkins und Little Richard bis Buddy Holly, Wanda Jackson und Gene Vincent. John Lennon hat es seinerzeit glasklar formuliert: "Wenn ihr dem Rock & Roll einen anderen Namen geben wolltet, so müßte er Chuck Berry heißen." Genau so ist es.
Logischerweise beginnt also diese Miniserie mit "Mr. Rock & Roll" himself. Der ist mittlerweile neunzig - und tritt gelegentlich noch mit seiner riesigen roten Gibson Gitarre in seinem eigenen "Blueberry Hill"-Club auf. Respekt, Respekt! Diese Folge eröffnet "Uncle Chuck" Berry standesgemäß mit seinem Riesen-Ohrwurmhit "Sweet Little Sixteen" vom Dezember 1957 (Chess Records) - ein echter Symbolsong. Nun, das war sicherlich nicht die Geburtsstunde des Rock & Roll - der hatte seine ersten Wurzeltriebe bereits seit den Spät-1940er Jahren vorgelegt, mit Rhythm & Blues, Country und Swing ...
Mit dem langersehnten Aufblitzen des Super Nova-Knalls Elvis Presley ("The King") nahm der mächtige Musikhistorien-Dampfer unter dem Bugnamen "Rock & Roll" dann ab 1955 so richtig Fahrt auf. Ein kurzzeitig gültiger musikalischer Qualitätsbegriff ging damals um die ganze Welt - und veränderte sie, in Ost und West.
Klasse Musiker/Innen wie die oben genannten und gewiefte Songschreibertypen begründeten in Memphis, Chicago, New York und Los Angeles eine bis in die Gegenwart nachwirkende Pop-Industrie, die nicht zuletzt Lifestyle und Bewußtsein eines großen Teils der Menschheit beeinfluß(t)en. 
Diese Klassiker-Zusammenstellung beinhaltet neben vielen Originalaufnahmen auch etliche alternative Takes. So beispielsweise einige Aufnahmen mit Elvis, die Mitte der 50er eingespielt waren, allerdings erst lange nach seinem Tode (1977) veröffentlicht wurden (sog. Essentials); sozusagen im spannenden Vergleichstest - mit positiv überraschenden Ergebnissen. Alternative Chess-Aufnahmen gibt’s auch von und mit Chuck Berry - final abgerundet vom eingangs erwähnten John Lennon. Enjoy.

  • Folge 1: Elvis, Chuck Berry, Jerry Lee Lewis (diese Woche)
  • Folge 2: Carl Perkins, Wanda Jackson, Fats Domino (nächste Woche)
  • Folge 3: Buddy Holly, Little Richard, Gene Vincent, Eddie Cochran (übernächste Woche)
  • Sendetermin: “Lonesome Traveler”, Sonntag, 12. Februar 2017, 19 Uhr

 

Attac-Radio

- Entscheidung über CETA im EU-Parlament am 15. Februar
Interview mit dem Europaabgeordneten Joachim Schuster von der SPD
- Interview mit Dierk Hirschel, Chefökonom ver.di
zu Freihandelsabkommen TiSA und CETA
- Trump könnte TTIP weiterhin wollen
TALK mit Pia Eberhardt (CEO)
- Was haben wir mit Donald Trump zu erwarten? Welche Auswirkungen wird Trump auf die Innenpolitik, die Ökonomie und die Außenpolitik der USA haben? Was haben wir mit ihm zu erwarten? Wie sind die Widerstandskräfte in den USA einzuschätzen?
Interview mit Conrad Schuhler, Institut für sozial-ökologische Wirtschaftsforschung (isw)

  • Sendetermin: „attac-Radio“, Dienstag, 14. Februar 2017, 21 Uhr

 

100 Jahre Jazz auf Schallplatten - die Original Dixieland Jazz Band (ODJB), Folge 2 von 3

Jazz ...
die Musik des 20. Jahrhunderts, die Kulturleistung Amerikas im 20. Jahrhundert. Ob man will oder nicht, man kommt an ihr nicht vorbei. Seit nunmehr 100 Jahren. Sie ist Ausgangspunkt fast aller Stile, die später kommen sollten. An ihr scheiden sich seit damals die Geister.
Mythen, Halbwahrheiten, Lügen kursieren über die Entstehung des Jazz. Ein New Orleans wird heute heraufbeschworen, das es so nicht gab, der Jazz als von den Weißen den Schwarzen gestohlene und kommerzialisierte Kunstform idealisiert.
Klar ist, daß der Jazz ab den frühen 20er Jahren den Blues, jene ureigene Musik der Schwarzen Amerikas, absorbiert hat, sich die Stile, die Einflüsse vereinigten zu dem, was man seither als die verschiedenen Spielarten des Jazz kennt. Was aber vorher war, was die eigentliche Keimzelle des Jazz ist, liegt für die meisten, für Jazzfans wie Musiker, im Dunkel der Geschichte.
Es wird ein sagenhafter Urjazz, angeblich in New Orleans von farbigen Musikern geschaffen, als Stammvater der späteren Jazzmusik in die Zeit um 1890 oder gar schon 1880 oder auch erst um 1900 hineingeheimnißt.
Jedenfalls ist die erste Jazzplatte überhaupt im Jahre 1917 aufgenommen. Mit der Priorität gibt es nur insofern kleine Schwierigkeiten, als die Eintragungen in den Aufnahmebüchern offenbar nicht eindeutig sind. Am 30. Januar 1917 stand die Original Dixieland Jass Band (so die damalige Schreibweise) im New Yorker Columbia-Studio vor dem Aufnahmetrichter und spielte die Titel „Darktown Strutters‘ Ball“ und „Indiana“ ein. Die Aufnahmen wurden zurückgehalten, weil sie den Repertoireleuten von der technischen Qualität her mißfielen - und offenbar im Vergleich zum bisherigen Ragtime zu wild erschienen.
Die Band wechselte zur Konkurrenz, dem Marktführer Victor. Dieser gab die am 09. Februar 1917 (nach anderen Quellen am 26. desselben Monats) aufgenommenen Titel „Livery Stable Blues“ und „Dixie Jass Band One-Step“ heraus - die erste veröffentlichte Jazzplatte!
Dies ist der „Urknall“ des Jazz - und Anlaß unserer kleinen Reihe zum 100. Jubiläum dieser Musikrichtung.
Der Millionenerfolg dieser Veröffentlichung ließ die Columbialeute nicht ruhen - man brachte die zunächst auf Eis gelegte Platte nun doch heraus. Wie oben angeschnitten, gibt es allerdings von dieser Geschichte zwei Versionen, nämlich einmal die, daß die schon vorhandenen Matrizen verwandt wurden, zum andern die von einer Wiederholung der Aufnahme zu einem späteren Zeitpunkt. Genaue Belege hierüber gibt es offenbar nicht mehr.
Aber das ist letztlich eine Fußnote der Jazzgeschichte - größere Kreise zog eine ganz andere Entwicklung:
Nick LaRocca, Kornettist und Mitbegründer der aus New Orleans stammenden ODJB, war in den 50er Jahren die wilden und obskuren Behauptungen leid, die über den frühen Jazz kursierten.
Seine Einlassungen führten zu einer Kontroverse, die in den 50er und 60er Jahren die Jazzwelt erfaßte - von den Kritikern über die Musiker bis zum Publikum. Die Wogen der Empörung schlugen hoch. Rassismusvorwürfe standen im Raum. Wissenschaftlich exakt aber setzten sich die wenigsten Beteiligten mit der Fragestellung auseinander, woher denn nun der Jazz wirklich komme ...
Bis heute ist das Kennzeichen des Jazz die Improvisation, und Improvisationen sind wohl so alt wie die Musik selbst. Die Kollektivimprovisation aber, die Hauptmerkmal des frühen Jazz ist, beansprucht LaRocca als seine ureigene Idee. 1916 kam er darauf, verwirklichte das Konzept mit seiner Band. Er spielte die Leitstimme auf dem Kornett, die Band folgte, darum herumimprovisierend.
War das seine Idee? Fest steht eins: Derartiges ist auf Platten aus der Zeit vor der ODJB schlichtweg nicht zu finden! Unweigerlich stellt man das fest beim Abhören von Schallkonserven aus der Zeit vor 1920. Nur haben das offensichtlich die wenigsten Kritiker und Fachleute je getan, die Fans, denen die alten Archive nicht ohne weiteres zugänglich waren, natürlich noch weniger.
Aber welche Sprache sprechen nüchterne Betrachtungen jenseits der Mythen?
Schwarzen, so eine oft kolportierte Behauptung, sei aus Rassismus der Zugang zu den Schallplattenstudios verwehrt worden, so daß es Jazzaufnahmen schwarzer Kapellen erst nach dem I. Weltkrieg habe geben können. Ist das wahr? Man sehe sich die Plattenkataloge der Ragtimezeit vor dem Kriege an! Tausende Platten schwarzer Künstler sind dort verzeichnet, von Ragtimemusikern und Kleinkünstlern (Vaudeville) gleichermaßen. Damit fällt dieses Argument. Hätte es vor der ODJB andere Jazzbands gegeben, wären von ihnen - einerlei, ob sie schwarzes oder weißes Personal gehabt hätten - sicherlich Aufnahmen erschienen, zumal die erste veröffentlichte Jazzplatte wie eine Bombe einschlug, ein Geschäft, das sich wohl keine Band und keine Plattenfirma hätte entgehen lassen.
Selbst in den frühen Jazzjahren aktive Musiker, die noch Mitte der 30er Jahre ganz offenbar wahrheitsgemäß angegeben hatten, wie sie zum Jazz gekommen und wer ihre Vorbilder und Lehrmeister gewesen waren, lassen sich plötzlich, seit dem Oldtime-Revival der 40er Jahre, Aussagen in den Mund legen, die im genauen Gegensatz zu ihren Interviews der Vor-Revival-Zeit stehen. Das gilt selbst für Louis Armstrong, also für einen der in weitesten Kreisen wohl bekanntesten schwarzen Jazzmusiker überhaupt, geboren und aufgewachsen in New Orleans (!), der noch 1936 in seiner Autobiographie „Swing That Music“ klipp und klar sagt, daß er seine erste Begegnung mit dem Jazz der ODJB verdankte.
Im Jahre 1917 - seine Chefs rauften sich ob des nach nur einer Platte von ihnen selbst verschuldeten Weggangs der ODJB von ihrer Plattenfirma und des sensationellen Erfolgs der Truppe beim Konkurrenten Victor die Haare - mußte der Columbia-Talentsucher Ralph Peer nach wochenlanger Suche schließlich nach New York kabeln: „No jazz bands in New Orleans“. Er fand keine Jazzorchester, die er hätte engagieren können - weil es schlicht keine gab. Dabei war zu jener Zeit das bis heute so glorifizierte Vergnügungsviertel Storyville, angebliche Brutstätte des frühen Jazz, noch nicht geschlossen. Weiße wie schwarze Orchester spielten dort Ragtime, das war es gewesen, was er dort bis zum Überdruß gehört hatte, spielten Polka, Mazurka, eben die zeitgenössischen Gesellschaftstänze - aber keinen Jazz. Keinen einzigen in Jazzmanier improvisierten Ton, sondern nur feste Arrangements. Solche Kapellen konnte man aber auch direkt aus der New Yorker Musikszene ins Studio holen.
Die ersten Jazzversuche schwarzer Bands vor 1919 klingen auch wie (oft mäßige) Kopien des Vorbilds ODJB. Selbst dann, wenn damals schon als Bluesgrößen zu bezeichnende Musiker wie der von der Columbia als „Notnagel“ engagierte W.C. Handy und andere Vertreter seiner Zunft mit ihren Bands vor dem Trichter stehen. So eifert auch Wilbur Sweatman, ein ebenfalls von der Columbia engagierter schwarzer Bandleader, wenn er auch seine Sache schon besser macht, erkennbar dem Vorbild ODJB nach. Bei anderen Plattenfirmen prangt stolz die Bezeichnung „Jazz“ auf dem Etikett, gespielt wird aber durchnotierter Ragtime, wie er auch zehn, zwölf Jahre vorher schon auf Wachs gebannt wurde.
Wann immer die musikalischen Fähigkeiten es hergeben, kopieren die - schwarzen wie weißen - Bands der Jahre 1917 bis 1920 unverhohlen den Stil der fünf Boys aus New Orleans ... Das schlägt die Brücke zu unserer Sendung: Die Schallplatte machte das in vielen Fällen erst möglich, bot sie doch Gelegenheit zum immer und immer wiederholten gehörmäßigen Studium von Arrangements, Spielweisen usw. - und vor allem der Improvisationen, die ohne Tonaufzeichnung praktisch nicht nachzuvollziehen gewesen wären - oder nur von den wenigen Musikern, die sehr schnell mitschreiben und gleichzeitig das Fluidum der Darbietung erfassen konnten.
Vollends zur Farce wird die Geschichte vom Jazz um 1900, wenn der schwarze Trompeter Buddy Bolden nach seiner „Ausgrabung“ aus einer Trinkerheilanstalt in den späten 20er Jahren aussagt, er habe vor dem I. Weltkrieg bewußt keine Jazzplatten eingespielt, damit niemand seinen neuen, großartigen Stil kopieren könne. In Armstrongs zweiter Autobiographie taucht plötzlich eben jener Buddy Bolden als großes Vorbild auf ... ein Schelm, wer Arges dabei denkt!
Positiver Rassismus? Kann nicht sein, was nicht sein darf?
Glaubhafter erscheinen uns da schon die Ergebnisse der jahrzehntelangen Forschung je eines deutschen und eines englischen Jazzfachmanns, Horst H. Lange und Brian Rust. Sie führten mit etlichen der Musiker von damals persönlich Interviews und hatten in ihren Sammlungen tausende, ja abertausende Schallplatten, mit deren Hilfe sie sich, im Gegensatz zu vielen „Experten“, die einer vom andern Un- und Halbwahrheiten aus den Mündern geld- und geltungssüchtiger Musikagenten und ihrer willfährigen Schützlinge abschrieben, selbst ein Bild gemacht hatten, was es an frühem Jazz - und Nicht-Jazz! - gegeben hatte. Der oben schon angeführte Louis Armstrong höchstpersönlich bekannte im Interview mit Horst H. Lange, er habe später über seine Frühzeit gelogen, um den Publikumserwartungen der 40er Jahre zu entsprechen. Nick LaRocca führte mit Lange etliche Gespräche, zu denen Lange weitere Quellenforschung betrieb, deren Ergebnisse in seine Bücher eingingen.
All das untermauert Nick LaRoccas Ansprüche.
Wer von den vielen andern späteren Kritikern hat soviel Platten aus der Frühzeit des Jazz abgehört wie Rust und Lange? Wie schon gesagt, offenbar die wenigsten. Obwohl (oder gerade weil?) zu Standards im Oldtime- und Revivaljazz geworden, und das bis heute, ja, schon in den unmittelbar der „Jazz-Urzeit“ folgenden Stilepochen immer wieder im neuen zeitgemäßen Gewand dargeboten und nie vergessen, wurden die Urversionen spätestens von der oft intellektuell hochtrabenden und dünkelhaften Kritik der 50er Jahre fast immer als wertlos, als unwesentlich abgetan. Diese Ablehnung hielt noch bis in die 70er Jahre an - und wurde nach 1968 obendrein noch mit allgemeiner Gesellschafts- und Kapitalismuskritik verbunden (kommerzielle Musik, also Musik, von der die Künstler etwa wirklich leben konnten, war nun als Stütze des Systems geradezu verdammenswert).
Gewiß eine Entwicklung innerhalb einer Zeitströmung!
Man maß auch alte Autos, Lokomotiven oder Radios an den neuesten Modellen, amüsierte sich auch über sie als Kuriositäten, statt sie als technische und handwerkliche Meisterleistungen vergangener Tage und Ausgangspunkt der aktuellen Entwicklung zu erkennen. Man riß die letzten vom Krieg verschonten historischen Gebäude für den Straßenausbau nieder, man verputzte guterhaltene Gründerzeitfassaden, nachdem man die Ornamente abgeschlagen hatte, man nagelte Eternitplatten auf Fachwerkhäuser, unter denen diese verfaulten. Man opferte schöne, umweltgerechte und zweckmäßige, in Jahrhunderten gewachsene alte Kulturlandschaften der Ödnis der Flurbereinigung. Man warf - und das alles im Zeichen des Fortschritts! - über Generationen vererbte Bauernmöbel ins Feuer, um sie durch Resopalschränke zu ersetzen ...
Welchen Stand sollte in dieser Zeit schon „Opas komische Musik“ haben? Das große Publikum hatte die ärgsten Kriegs- und Nachkriegswirren hinter sich, wollte inzwischen von wilder Musik aus wilden Zeiten ohnehin nur noch wenig oder am besten gar nichts mehr wissen, sondern hörte lieber seichte Schlager von südlicher Sonne - und lachte sich gehörig schief über Pseudo-Dixielandkapellen mit Strohhüten und angeklebten Kaiser-Wilhelm-Bärten. Viel besser war es damals überm großen Teich übrigens auch nicht ...
Verfemt als altmodisch, ja zickig (gegenüber den wenigen Musikern, die ihre „Urväter“ in jener Zeit schätzten und sich zu ihnen bekannten, ist in einem Pamphlet aus den 50ern sogar vom „peinlichen Erbe eines Nick LaRocca oder Red Nichols“ die Rede!), stets an den aus vierzig Jahren Jazzentwicklung hervorgegangenen damaligen Stilen gemessen, paßten die Ur- und Frühversionen der Jazzstandards vielen Nachgeborenen nicht in den Kram und wurden oft schlicht nicht zur Kenntnis genommen. Schon gar nicht als das, was sie waren, nämlich als die Schultern, auf denen die Entwicklung des Jazz stand und steht.
Für viele Jüngere fängt denn auch der Jazz allerfrühestens mit dem Bebop überhaupt erst an, und auch das nur mit dessen schrägsten, nur ja nicht irgendwie eingängigen oder dem Normalbürger noch halbwegs verständlichen Ausformungen. Daß aber dorthin eine stetige Entwicklung - vom Ragtime über den Jazz der ODJB und weiter - geführt hat, wird geflissentlich ignoriert. Schon der Swing gilt ihnen, weil - pfui! - tanzbar, sich dem Hörer, auch dem Nichtmusiker oder Nichtmusikexperten, erschließend, ihn gar gefühlsmäßig ansprechend, nicht als Jazzspielart ... Jazz ist seit Joachim Ernst Behrendt zum Hören und nur zum Hören da, zum Erfassen dessen über den Kopf, was andere nur mit dem Kopf ergrübelt haben. Schon wenn die Musik zum Fußwippen anregt, kann sie nicht gut sein ... Gar zum Tanzen? Himmel, nein! Tanzmusik ist kein Jazz. Punkt.
Schöne neue Welt!
Umgekehrt führte dies in Teilen des Publikums, das sich ja allzu hochfahrender Kritkermeinung gern entgegenstellt, zu einer nostalgischen, verzerrenden Verklärung des frühen Jazz. Auch und gerade unter jungen Amateurmusikern, die den Jazz, wie sie ihn sahen, in durchaus breiter Front weitertrugen. Nun griff die Legendenbildung aus den Kreisen der alten Jazzer richtig, die es eigentlich besser wußten ... Künstler wie Fans pflegten das Heimweh nach einem Storyville, in dem man natürlich nie gewesen war und in dem in Wirklichkeit nie eine Jazznote erklungen sein dürfte.
Verklärung und Verdrehung der Tatsachen setzten sich fort mit Anfeindungen gegen „falsche“ - weil weiße - Größen der Jazzgeschichte, von Paul Whiteman über das Casa Loma Orchestra bis zu Benny Goodman, seien sie auch noch so richtungweisend gewesen. Selbst kritiklose Übernahme antisemitischer Anwürfe aus dem Vokabelheft des III. Reichs gehörte zum guten Ton. Solch brauner Dreck kam dabei auch - und gerade! - immer wieder aus der linken Ecke geflogen ...
Damit wären wir bei wirklichem Rassismus gelandet - aber jetzt gehen wir schon weit über den Rahmen dieser Sendefolge hinaus!
Die gegensätzlichen Thesen von der Entstehung des Jazz jedenfalls sind und bleiben in der Welt.
Wundert einen das wirklich - angesichts der Tatsache, daß wir in einem hochtechnisierten und mittels Elektronenrechnern straff durchorganisierten Zeitalter leben, das gleichzeitig den verschiedensten völlig absurden Verschwörungstheorien huldigt?
Kurz und prägnant faßt jedenfalls Horst H. Lange in einer seiner wichtigsten Diskographien (Die deutsche „78er“ Discographie der Hot-Dance- und Jazz-Musik 1903-1958, Colloquium-Verlag Berlin, 2., erw. Auflage 1978) unter den Einträgen der in Deutschland veröffentlichten ODJB-Platten zusammen:
„Als die Original Dixieland Jazz Band im Jahre 1916 aus dem Ragtime den Jazz entwickelte und zum erstenmal präsentierte, begann das Zeitalter der modernen Hot-Dance-Musik und des Jazz. Eine Ära, die bis in die frühen 50er Jahre andauerte und erst durch die Rock-, Beat- und Free Jazz-Musik [sic] beendet wurde.“
Und hiermit laden wir Sie ein, mit uns ein Jubiläum zu begehen, ohne das es unsere Sendung in dieser Form wohl nicht gäbe - und (Lange zum Trotz, der offenbar Rock und Beat nicht als Jazznachfolger sah, obwohl sie fast immer Blues- und Jazzelemente enthalten) keinen Rock ’n‘ Roll, keinen Pop, wie wir ihn kennen ... und vieles andere auch nicht.

Durch die Sendung führt Peter K. Michael.

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 15. Februar 2017, 21-22 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 16. Februar 2017, 13 Uhr

Programminfos vom 03.02.2017 bis 09.02.2017

100 Jahre Jazz auf Schallplatten - die Original Dixieland Jass/ Jazz Band (ODJB), Folge 1 von 3

Jazz ...
die Musik des 20. Jahrhunderts, die Kulturleistung Amerikas im 20. Jahrhundert. Ob man will oder nicht, man kommt an ihr nicht vorbei. Seit nunmehr 100 Jahren. Sie ist Ausgangspunkt fast aller Stile, die später kommen sollten. An ihr scheiden sich seit damals die Geister.
Mythen, Halbwahrheiten, Lügen kursieren über die Entstehung des Jazz. Ein New Orleans wird heute heraufbeschworen, das es so nicht gab, der Jazz als von den Weißen den Schwarzen gestohlene und kommerzialisierte Kunstform idealisiert.
Klar ist, daß der Jazz ab den frühen 20er Jahren den Blues, jene ureigene Musik der Schwarzen Amerikas, absorbiert hat, sich die Stile, die Einflüsse vereinigten zu dem, was man seither als die verschiedenen Spielarten des Jazz kennt. Was aber vorher war, was die eigentliche Keimzelle des Jazz ist, liegt für die meisten, für Jazzfans wie Musiker, im Dunkel der Geschichte.
Es wird ein sagenhafter Urjazz, angeblich in New Orleans von farbigen Musikern geschaffen, als Stammvater der späteren Jazzmusik in die Zeit um 1890 oder gar schon 1880 oder auch erst um 1900 hineingeheimnißt.
Jedenfalls ist die erste Jazzplatte überhaupt im Jahre 1917 aufgenommen. Mit der Priorität gibt es nur insofern kleine Schwierigkeiten, als die Eintragungen in den Aufnahmebüchern offenbar nicht eindeutig sind. Am 30. Januar 1917 stand die Original Dixieland Jass Band (so die damalige Schreibweise) im New Yorker Columbia-Studio vor dem Aufnahmetrichter und spielte die Titel „Darktown Strutters‘ Ball“ und „Indiana“ ein. Die Aufnahmen wurden zurückgehalten, weil sie den Repertoireleuten von der technischen Qualität her mißfielen - und offenbar im Vergleich zum bisherigen Ragtime zu wild erschienen.
Die Band wechselte zur Konkurrenz, dem Marktführer Victor. Dieser gab die am 09. Februar 1917 (nach anderen Quellen am 26. desselben Monats) aufgenommenen Titel „Livery Stable Blues“ und „Dixie Jass Band One-Step“ heraus - die erste veröffentlichte Jazzplatte!
Dies ist der „Urknall“ des Jazz - und Anlaß unserer kleinen Reihe zum 100. Jubiläum dieser Musikrichtung.
Der Millionenerfolg dieser Veröffentlichung ließ die Columbialeute nicht ruhen - man brachte die zunächst auf Eis gelegte Platte nun doch heraus. Wie oben angeschnitten, gibt es allerdings von dieser Geschichte zwei Versionen, nämlich einmal die, daß die schon vorhandenen Matrizen verwandt wurden, zum andern die von einer Wiederholung der Aufnahme zu einem späteren Zeitpunkt. Genaue Belege hierüber gibt es offenbar nicht mehr.
Aber das ist letztlich eine Fußnote der Jazzgeschichte - größere Kreise zog eine ganz andere Entwicklung:
Nick LaRocca, Kornettist und Mitbegründer der aus New Orleans stammenden ODJB, war in den 50er Jahren die wilden und obskuren Behauptungen leid, die über den frühen Jazz kursierten.
Seine Einlassungen führten zu einer Kontroverse, die in den 50er und 60er Jahren die Jazzwelt erfaßte - von den Kritikern über die Musiker bis zum Publikum. Die Wogen der Empörung schlugen hoch. Rassismusvorwürfe standen im Raum. Wissenschaftlich exakt aber setzten sich die wenigsten Beteiligten mit der Fragestellung auseinander, woher denn nun der Jazz wirklich komme ...
Bis heute ist das Kennzeichen des Jazz die Improvisation, und Improvisationen sind wohl so alt wie die Musik selbst. Die Kollektivimprovisation aber, die Hauptmerkmal des frühen Jazz ist, beansprucht LaRocca als seine ureigene Idee. 1916 kam er darauf, verwirklichte das Konzept mit seiner Band. Er spielte die Leitstimme auf dem Kornett, die Band folgte, darum herumimprovisierend.
War das seine Idee? Fest steht eins: Derartiges ist auf Platten aus der Zeit vor der ODJB schlichtweg nicht zu finden! Unweigerlich stellt man das fest beim Abhören von Schallkonserven aus der Zeit vor 1920. Nur haben das offensichtlich die wenigsten Kritiker und Fachleute je getan, die Fans, denen die alten Archive nicht ohne weiteres zugänglich waren, natürlich noch weniger.
Aber welche Sprache sprechen nüchterne Betrachtungen jenseits der Mythen?
Schwarzen, so eine oft kolportierte Behauptung, sei aus Rassismus der Zugang zu den Schallplattenstudios verwehrt worden, so daß es Jazzaufnahmen schwarzer Kapellen erst nach dem I. Weltkrieg habe geben können. Ist das wahr? Man sehe sich die Plattenkataloge der Ragtimezeit vor dem Kriege an! Tausende Platten schwarzer Künstler sind dort verzeichnet, von Ragtimemusikern und Kleinkünstlern (Vaudeville) gleichermaßen. Damit fällt dieses Argument. Hätte es vor der ODJB andere Jazzbands gegeben, wären von ihnen - einerlei, ob sie schwarzes oder weißes Personal gehabt hätten - sicherlich Aufnahmen erschienen, zumal die erste veröffentlichte Jazzplatte wie eine Bombe einschlug, ein Geschäft, das sich wohl keine Band und keine Plattenfirma hätte entgehen lassen.
Selbst in den frühen Jazzjahren aktive Musiker, die noch Mitte der 30er Jahre ganz offenbar wahrheitsgemäß angegeben hatten, wie sie zum Jazz gekommen und wer ihre Vorbilder und Lehrmeister gewesen waren, lassen sich plötzlich, seit dem Oldtime-Revival der 40er Jahre, Aussagen in den Mund legen, die im genauen Gegensatz zu ihren Interviews der Vor-Revival-Zeit stehen. Das gilt selbst für Louis Armstrong, also für einen der in weitesten Kreisen wohl bekanntesten schwarzen Jazzmusiker überhaupt, geboren und aufgewachsen in New Orleans (!), der noch 1936 in seiner Autobiographie „Swing That Music“ klipp und klar sagt, daß er seine erste Begegnung mit dem Jazz der ODJB verdankte.
Im Jahre 1917 - seine Chefs rauften sich ob des nach nur einer Platte von ihnen selbst verschuldeten Weggangs der ODJB von ihrer Plattenfirma und des sensationellen Erfolgs der Truppe beim Konkurrenten Victor die Haare - mußte der Columbia-Talentsucher Ralph Peer nach wochenlanger Suche schließlich nach New York kabeln: „No jazz bands in New Orleans“. Er fand keine Jazzorchester, die er hätte engagieren können - weil es schlicht keine gab. Dabei war zu jener Zeit das bis heute so glorifizierte Vergnügungsviertel Storyville, angebliche Brutstätte des frühen Jazz, noch nicht geschlossen. Weiße wie schwarze Orchester spielten dort Ragtime, das war es gewesen, was er dort bis zum Überdruß gehört hatte, spielten Polka, Mazurka, eben die zeitgenössischen Gesellschaftstänze - aber keinen Jazz. Keinen einzigen in Jazzmanier improvisierten Ton, sondern nur feste Arrangements. Solche Kapellen konnte man aber auch direkt aus der New Yorker Musikszene ins Studio holen.
Die ersten Jazzversuche schwarzer Bands vor 1919 klingen auch wie (oft mäßige) Kopien des Vorbilds ODJB. Selbst dann, wenn damals schon als Bluesgrößen zu bezeichnende Musiker wie der von der Columbia als „Notnagel“ engagierte W.C. Handy und andere Vertreter seiner Zunft mit ihren Bands vor dem Trichter stehen. So eifert auch Wilbur Sweatman, ein ebenfalls von der Columbia engagierter schwarzer Bandleader, wenn er auch seine Sache schon besser macht, erkennbar dem Vorbild ODJB nach. Bei anderen Plattenfirmen prangt stolz die Bezeichnung „Jazz“ auf dem Etikett, gespielt wird aber durchnotierter Ragtime, wie er auch zehn, zwölf Jahre vorher schon auf Wachs gebannt wurde.
Wann immer die musikalischen Fähigkeiten es hergeben, kopieren die - schwarzen wie weißen - Bands der Jahre 1917 bis 1920 unverhohlen den Stil der fünf Boys aus New Orleans ... Das schlägt die Brücke zu unserer Sendung: Die Schallplatte machte das in vielen Fällen erst möglich, bot sie doch Gelegenheit zum immer und immer wiederholten gehörmäßigen Studium von Arrangements, Spielweisen usw. - und vor allem der Improvisationen, die ohne Tonaufzeichnung praktisch nicht nachzuvollziehen gewesen wären - oder nur von den wenigen Musikern, die sehr schnell mitschreiben und gleichzeitig das Fluidum der Darbietung erfassen konnten.
Vollends zur Farce wird die Geschichte vom Jazz um 1900, wenn der schwarze Trompeter Buddy Bolden nach seiner „Ausgrabung“ aus einer Trinkerheilanstalt in den späten 20er Jahren aussagt, er habe vor dem I. Weltkrieg bewußt keine Jazzplatten eingespielt, damit niemand seinen neuen, großartigen Stil kopieren könne. In Armstrongs zweiter Autobiographie taucht plötzlich eben jener Buddy Bolden als großes Vorbild auf ... ein Schelm, wer Arges dabei denkt!
Positiver Rassismus? Kann nicht sein, was nicht sein darf?
Glaubhafter erscheinen uns da schon die Ergebnisse der jahrzehntelangen Forschung je eines deutschen und eines englischen Jazzfachmanns, Horst H. Lange und Brian Rust. Sie führten mit etlichen der Musiker von damals persönlich Interviews und hatten in ihren Sammlungen tausende, ja abertausende Schallplatten, mit deren Hilfe sie sich, im Gegensatz zu vielen „Experten“, die einer vom andern Un- und Halbwahrheiten aus den Mündern geld- und geltungssüchtiger Musikagenten und ihrer willfährigen Schützlinge abschrieben, selbst ein Bild gemacht hatten, was es an frühem Jazz - und Nicht-Jazz! - gegeben hatte. Der oben schon angeführte Louis Armstrong höchstpersönlich bekannte im Interview mit Horst H. Lange, er habe später über seine Frühzeit gelogen, um den Publikumserwartungen der 40er Jahre zu entsprechen. Nick LaRocca führte mit Lange etliche Gespräche, zu denen Lange weitere Quellenforschung betrieb, deren Ergebnisse in seine Bücher eingingen.
All das untermauert Nick LaRoccas Ansprüche.
Wer von den vielen andern späteren Kritikern hat soviel Platten aus der Frühzeit des Jazz abgehört wie Rust und Lange? Wie schon gesagt, offenbar die wenigsten. Obwohl (oder gerade weil?) zu Standards im Oldtime- und Revivaljazz geworden, und das bis heute, ja, schon in den unmittelbar der „Jazz-Urzeit“ folgenden Stilepochen immer wieder im neuen zeitgemäßen Gewand dargeboten und nie vergessen, wurden die Urversionen spätestens von der oft intellektuell hochtrabenden und dünkelhaften Kritik der 50er Jahre fast immer als wertlos, als unwesentlich abgetan. Diese Ablehnung hielt noch bis in die 70er Jahre an - und wurde nach 1968 obendrein noch mit allgemeiner Gesellschafts- und Kapitalismuskritik verbunden (kommerzielle Musik, also Musik, von der die Künstler etwa wirklich leben konnten, war nun als Stütze des Systems geradezu verdammenswert).
Gewiß eine Entwicklung innerhalb einer Zeitströmung!
Man maß auch alte Autos, Lokomotiven oder Radios an den neuesten Modellen, amüsierte sich auch über sie als Kuriositäten, statt sie als technische und handwerkliche Meisterleistungen vergangener Tage und Ausgangspunkt der aktuellen Entwicklung zu erkennen. Man riß die letzten vom Krieg verschonten historischen Gebäude für den Straßenausbau nieder, man verputzte guterhaltene Gründerzeitfassaden, nachdem man die Ornamente abgeschlagen hatte, man nagelte Eternitplatten auf Fachwerkhäuser, unter denen diese verfaulten. Man opferte schöne, umweltgerechte und zweckmäßige, in Jahrhunderten gewachsene alte Kulturlandschaften der Ödnis der Flurbereinigung. Man warf - und das alles im Zeichen des Fortschritts! - über Generationen vererbte Bauernmöbel ins Feuer, um sie durch Resopalschränke zu ersetzen ...
Welchen Stand sollte in dieser Zeit schon „Opas komische Musik“ haben? Das große Publikum hatte die ärgsten Kriegs- und Nachkriegswirren hinter sich, wollte inzwischen von wilder Musik aus wilden Zeiten ohnehin nur noch wenig oder am besten gar nichts mehr wissen, sondern hörte lieber seichte Schlager von südlicher Sonne - und lachte sich gehörig schief über Pseudo-Dixielandkapellen mit Strohhüten und angeklebten Kaiser-Wilhelm-Bärten. Viel besser war es damals überm großen Teich übrigens auch nicht ...
Verfemt als altmodisch, ja zickig (gegenüber den wenigen Musikern, die ihre „Urväter“ in jener Zeit schätzten und sich zu ihnen bekannten, ist in einem Pamphlet aus den 50ern sogar vom „peinlichen Erbe eines Nick LaRocca oder Red Nichols“ die Rede!), stets an den aus vierzig Jahren Jazzentwicklung hervorgegangenen damaligen Stilen gemessen, paßten die Ur- und Frühversionen der Jazzstandards vielen Nachgeborenen nicht in den Kram und wurden oft schlicht nicht zur Kenntnis genommen. Schon gar nicht als das, was sie waren, nämlich als die Schultern, auf denen die Entwicklung des Jazz stand und steht.
Für viele Jüngere fängt denn auch der Jazz allerfrühestens mit dem Bebop überhaupt erst an, und auch das nur mit dessen schrägsten, nur ja nicht irgendwie eingängigen oder dem Normalbürger noch halbwegs verständlichen Ausformungen. Daß aber dorthin eine stetige Entwicklung - vom Ragtime über den Jazz der ODJB und weiter - geführt hat, wird geflissentlich ignoriert. Schon der Swing gilt ihnen, weil - pfui! - tanzbar, sich dem Hörer, auch dem Nichtmusiker oder Nichtmusikexperten, erschließend, ihn gar gefühlsmäßig ansprechend, nicht als Jazzspielart ... Jazz ist seit Joachim Ernst Behrendt zum Hören und nur zum Hören da, zum Erfassen dessen über den Kopf, was andere nur mit dem Kopf ergrübelt haben. Schon wenn die Musik zum Fußwippen anregt, kann sie nicht gut sein ... Gar zum Tanzen? Himmel, nein! Tanzmusik ist kein Jazz. Punkt.
Schöne neue Welt!
Umgekehrt führte dies in Teilen des Publikums, das sich ja allzu hochfahrender Kritkermeinung gern entgegenstellt, zu einer nostalgischen, verzerrenden Verklärung des frühen Jazz. Auch und gerade unter jungen Amateurmusikern, die den Jazz, wie sie ihn sahen, in durchaus breiter Front weitertrugen. Nun griff die Legendenbildung aus den Kreisen der alten Jazzer richtig, die es eigentlich besser wußten ... Künstler wie Fans pflegten das Heimweh nach einem Storyville, in dem man natürlich nie gewesen war und in dem in Wirklichkeit nie eine Jazznote erklungen sein dürfte.
Verklärung und Verdrehung der Tatsachen setzten sich fort mit Anfeindungen gegen „falsche“ - weil weiße - Größen der Jazzgeschichte, von Paul Whiteman über das Casa Loma Orchestra bis zu Benny Goodman, seien sie auch noch so richtungweisend gewesen. Selbst kritiklose Übernahme antisemitischer Anwürfe aus dem Vokabelheft des III. Reichs gehörte zum guten Ton. Solch brauner Dreck kam dabei auch - und gerade! - immer wieder aus der linken Ecke geflogen ...
Damit wären wir bei wirklichem Rassismus gelandet - aber jetzt gehen wir schon weit über den Rahmen dieser Sendefolge hinaus!
Die gegensätzlichen Thesen von der Entstehung des Jazz jedenfalls sind und bleiben in der Welt.
Wundert einen das wirklich - angesichts der Tatsache, daß wir in einem hochtechnisierten und mittels Elektronenrechnern straff durchorganisierten Zeitalter leben, das gleichzeitig den verschiedensten völlig absurden Verschwörungstheorien huldigt?
Kurz und prägnant faßt jedenfalls Horst H. Lange in einer seiner wichtigsten Diskographien (Die deutsche „78er“ Discographie der Hot-Dance- und Jazz-Musik 1903-1958, Colloquium-Verlag Berlin, 2., erw. Auflage 1978) unter den Einträgen der in Deutschland veröffentlichten ODJB-Platten zusammen:
„Als die Original Dixieland Jazz Band im Jahre 1916 aus dem Ragtime den Jazz entwickelte und zum erstenmal präsentierte, begann das Zeitalter der modernen Hot-Dance-Musik und des Jazz. Eine Ära, die bis in die frühen 50er Jahre andauerte und erst durch die Rock-, Beat- und Free Jazz-Musik [sic] beendet wurde.“
Und hiermit laden wir Sie ein, mit uns ein Jubiläum zu begehen, ohne das es unsere Sendung in dieser Form wohl nicht gäbe - und (Lange zum Trotz, der offenbar Rock und Beat nicht als Jazznachfolger sah, obwohl sie fast immer Blues- und Jazzelemente enthalten) keinen Rock ’n‘ Roll, keinen Pop, wie wir ihn kennen ... und vieles andere auch nicht.

Durch die Sendung führt Peter K. Michael.

Wir bringen in der ersten Folge:

- Livery Stable Blues (ODJB)
- Dixie Jass Band One-Step (ODJB)
- Darktown Strutters‘ Ball
- Indiana (Hanley)
- Ostrich Walk (ODJB)
- Look At ‘em Doin‘ It Now
- Ostrich Walk
- At The Jazz Band Ball
- Tiger Rag (LaRocca)
- Skeleton Jangle (LaRocca)
- Bluin‘ The Blues (Ragas)
- Sensation Rag
- Mournin‘ Blues
- Clarinet Marmalade Blues [sic] (Shields-Ragas)
 
Genauere diskographische Angaben folgen nach Möglichkeit.

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 1. Februar 2017, 21-22 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 2. Februar 2017, 13 Uhr

 

Jahresempfang der DIG

Die Deutsch-Israelische Gesellschaft Kassel ist seit inzwischen über 40 Jahren aktiv und fördert seither auf vielfältige Weise die Kontakte zwischen Deutschen und Israelis. Traditionell findet jeweils im Januar der Neujahrsempfang der DIG statt. In diesem Jahr konnte man den Vorsitzenden der deutsch-israelischen Parlamentariergruppe des Deutschen Bundestags, Volker Beck, als Festredner gewinnen.
Weitere Grußworte sprachen Oberbürgermeister Bertram Hilgen und die hessische Justizministerin Eva Kühne-Hörmann. Die Veranstaltung, die vom Vorsitzenden der Kasseler Arbeitsgruppe der DIG, Jürgen Menzel-Machemehl, moderiert und vom Duo Rhön/Beyer musikalisch umrahmt wurde, fand im Saal der Firma Plansecur statt.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 3. Februar 2017, 18 Uhr

 

Rock Against Racism, Folge 1

Rock Against Racism war eine 1976 ins Leben gerufene Kampagne, die das Ziel hatte, in Großbritannien ein Gegenwicht zu einer massiv ansteigenden Anzahl von rassistischen Übergriffen und Verbalattacken zu setzen. Auf von "RAR" organisierten Konzerten und Festivals traten dabei sehr oft Reggae- und Punkbands auf. Am Ende einer jeden Veranstaltung wurde dabei in Form einer Jamsession Geschlossenheit demostriert. Die erfolgreichste "RAR"-Veranstaltung war der im April 1978 veranstaltete Victoria Park Carnival:  Über 100000 Demonstranten marschierten vom Trafalgar Square aus quer durch das Londoner East End (dem Kerngebiet der ultrarechten National Front) zum Festivalort, dem Victoria Park.

  • Sendetermin: „Borderline extra“, Freitag, 3. Februar 2017, 20 Uhr

 

Zum Tod von Jaki Liebezeit

Er galt als einer der einflußreichsten Schlagzeuger überhaupt. Die Zahl seiner Jünger ist Legion und reicht stilistisch vom Rock und Jazz über New Wave, Techno und Hiphop bis zur aktuellen Elektronik und zur Weltmusik. Jaki Liebezeits extrem ökonomisches, präzises und exaktes Spiel entwickelte einen unwiderstehlichen, hypnotischen Groove, der die Schlagzeugtechnik geradezu revolutionierte. Mit zahllosen Künstlern hat er zusammengespielt – von Brian Eno bis Joachim Witt, von Depeche Mode bis Westernhagen. Vor allem aber war Jaki Liebezeit natürlich über viele Jahre das rhythmische Nervenzentrum von Can, dieser ebenso legendären wie wirkmächtigen Kölner Band, die heute einen geradezu mythischen Ruf genießt. Alben wie „Tago Mago“ oder „Future Days“ wurden entscheidend von Jaki Liebezeits berühmtem Sonor-Schlagzeug geprägt und zählen heute zu den klassischen Meisterwerken.
Am 22. Januar starb Jaki Liebezeit im Alter von 78 Jahren an einer Lungenentzündung. Wir würdigen ihn mit einem Drei-Stunden-Special im Rahmen der „Langen Rille“, die heute ihrem Namen alle Ehre macht: Etliche Stücke überschreiten deutlich die Grenze von 15 Minuten Spieldauer!

  • Sendetermin: „Die Lange Rille“, Samstag, 4. Februar 2017, 21 Uhr

 

John Prine - und kein Ende in Sicht: "Fair & Square" (2005)

Wie schön, der Songwriter´s Songwriter aus Chicago ist immer noch aktiv. Der Singing Mailman trägt mittlerweile keine Briefpost mehr im Großraum Chicago aus - dafür schreibt und komponiert er weiterhin äußerst kreativ. Und das ist gut so - Ideen hat der Mann! Aus zufälligen Alltagsbeobachtungen macht er in seiner ganz eigenen Schreibe eine musikalische Short Story. John Prine hat auch den kritisch-klaren Blick fürs Sozialpolitische nie verloren. Gelegentlich ergibt diese interessante Mischung gar Ohrwurm-geeignete kleine musikalische Kunstwerke. Während der 80er Jahre bezeichneten sie den Folksänger als "neuen Bob Dylan". Und genau seit jenen Jahren bezeichnet eben "der Meister" (Dylan) John Prine als einen seiner Favoriten. Ein schönes Beispiel ist sicherlich sein 15. Album, 2005 unter dem Titel "Fair & Square" beim eigenen Oh Boy-Label erschienen. John Prine hat dafür eine weitere Künstler-Auszeichnung erhalten – den "Grammy Award for Best Contemporary Folk Album". Respekt, John. Keep going on.

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 5. Februar 2017, 19 Uhr

Programminfos vom 26.01.2017 bis 02.02.2017

Neujahrsempfang der Stadt Kassel

„Kassel – Soziale Stadt“ - unter diesem Motto stand der traditionelle Neujahrsempfang, zu dem mehr als 1000 Gäste aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Stadtgesellschaft am vergangenen Samstag ins Rathaus kamen. Oberbürgermeister Bertram Hilgen stellte das Thema Sozialpolitik in den Mittelpunkt seiner Rede, äußerte sich in der letzten Neujahrsempfangs-Rede seiner Amtszeit aber natürlich auch zur aktuellen Fragen der Stadtpolitik. Auch Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier sprach unterschiedlichste Themen an und erläuterte in seiner Rede die getroffenen und noch anstehenden Maßnahmen von Stadt und Land.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 27. Januar 2017, 18 Uhr

 

Mr. Candyman: The Immortal Mississippi John Hurt

In dieser Ausgabe unseres Blues-Magazins hören wir erneut den  legendären "Mississippi John" Hurt – diesmal mit dem Album "The Immortal" von 1967. Ein wichtiges Kapitel der Blues Historie aus dem Süden der Staaten.
Mississippi John Hurt (*1892 im Carroll County/MS, aufgewachsen in Avalon) gehörte mit zu den zahlreichen interessanten MusikerInnen, die im Zusammenhang mit dem sogenannten Folk Revival während der 1960er Jahre in den USA wiederentdeckt wurden. Er war ein weiterer großartiger Gitarrist und Stückeschreiber, der vorher viel zu lange quasi vergessen war; grad so wie Bukka White, Lightning Hopkins und John Lee Hooker. Bei den Newport Folk & Blues Festivals (ab 1959) stand er, plötzlich hoch-verehrt, im ungewohnten Rampenlicht.
Und der damals noch junge Jerry Garcia gehörte, genauso wie Bob Dylan und Joan Baez, zu den vielen aufmerksamen Bewunderern. Kein Wunder: Titel wie der "Spike Driver´s Blues", "Stagg-O-Lee", "Candyman", "Make Me A Pallet On Your Floor", "Corinna, Corinna" und etliche andere wurden da bereits von zahllosen Adepten in der ein oder anderen Variante übernommen, sowohl im Folk als auch im Country/Bluegrass oder im Blues- und Rockbereich. Plötzlich genoss ein lange Zeit vergessener Künstler zumindest einen kurzen Ruhm seines Schaffens. Mississippi John Hurt war nicht verbittert - er hatte den Blues von Anfang an gelebt.
Seine 1920/1930er Folk/Country & Blues-Schallplattenaufnahmen (Okeh Records) haben nichts an Aktualität und Bedeutung in der US-Musikhistorie verloren. Die Leute lieb(t)en sein virtuoses Fingerpicking-Gitarrenspiel, die Fähigkeit, eine Basslinie und gleichzeitig Melodie- und Rhythmusbegleitung zu spielen. Und sein dabei immer irgendwie leicht und und freundlich wirkender Gesang tat ein übriges. Plus: dieses verschmitzte Lächeln - ein Charmeur allemal.
Während seiner letzten drei Lebensjahre konnte Mississippi John Hurt seine steigende Popularität endlich genießen. Er spielte nun in berühmten Clubs, den angesagten Coffee Houses, an Hochschulen und in Konzerthallen. Im November 1966 starb Hurt an den Folgen eines Herzinfarkts. Farewell, Mr. Candyman.     
Als kleine Ergänzung erinnern wir an den ebenfalls unvergessenen deutschen Fingerpicking Gitarren-Spezi Werner Lämmerhirt (+ Okt. 2016). Ja, auch deutsche MusikerInnen können den Blues kriegen (grad so wie Du und ich ...) - und auch verdammt gut spielen. Werner Lämmerhirt hatte sich nach intensivem Zuhören alles selbst angeeignet und einen sofort wiedererkannbaren Gitarrenstil entwickelt. Allseits bekannte Musikergrößen wie beispielsweise Hannes Wader hatten seine "John Hurt"-Spielweise gerne im Studio mit dabei. Sie kreierten Ohrwürmer-und Evergreens des "Mississippi John" neu (Respekt, John Smith Hurt).

  • Sendetermin: „Long Distance Call“, Samstag, 28. Januar 2017, 19 Uhr

 

It is Prine Time again

Mit einer wahrlich breitgespannten Themenvielfalt hat ein weiterhin aktueller John Prine seit den 1980er Jahren auf seine ganz eigene Art, das Songwriting auf eine hohe Stufe gehoben. Er verfaßte lyrische, gelegentlich herrlich schräge Texte für den Oberstufen-Englischunterricht oder die aktuellen "Bachelor"-Aspiranten. Aber das ist bei ihm längst nicht alles. Politisch engagierte und sozialkritische "topics" sind in seinem enormen Repertoire ebenso vertreten wie die individuellen emotionalen Herzensangelegenheiten seiner einzelnen Lied-Protagonisten. Er ist ein Singer/Songwriter, der Echtzeit-Geschichten zu beschreiben weiß. Selbst seine frühen Alben überzeugen auch heute noch. Der Bogen reicht von (längst zu Klassikern in den USA und in Kanada gediehenen) Songs wie "Sam Stone", "Illegal Smile", "Paradise" und "Angel from Montgomery" bis hin zu Country-Parodien wie "You never even called me by my name" oder - ganz aktuell - "People putting people down".
Sein Debütalbum ist von zeitloser Güte, noch immer ein Favorit des Moderators Wolf Silaff. Ein Muß in der Sammlung, ein Werk aus der Liste der Besten Alben aller Zeiten des Fachmagazins Rolling Stone.  John Prine hat in Amerika Preise und Auszeichnungen abgeräumt, zählt paradoxerweise gar zur Legion der Promis in der Nashville Hall of Fame. Na gut, Hank Williams ereilte das gleiche Schicksal - allerdings posthum.
In dieser Folge gibt’s Auszüge aus den Alben "Bruised Orange" (1978), "Pink Cadillac" (1979) und "Storm Windows" (1980), die gegen Ende der Vietnam-Kriegsjahre mit reihenweise befreundeten bekannten MusikerkollegInnen eingespielt wurden. Echte Titel-Preziosen sind darunter – aber nicht nur Folk, Rock & Roll oder Country-Geföntes ist mit dabei. Timeless.

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 29. Januar 2017

 

100 Jahre Jazz auf Schallplatten - die Original Dixieland Jass/ Jazz Band (ODJB), Folge 1 von 3

Jazz ...
die Musik des 20. Jahrhunderts, die Kulturleistung Amerikas im 20. Jahrhundert. Ob man will oder nicht, man kommt an ihr nicht vorbei. Seit nunmehr 100 Jahren. Sie ist Ausgangspunkt fast aller Stile, die später kommen sollten. An ihr scheiden sich seit damals die Geister.
Mythen, Halbwahrheiten, Lügen kursieren über die Entstehung des Jazz. Ein New Orleans wird heute heraufbeschworen, das es so nicht gab, der Jazz als von den Weißen den Schwarzen gestohlene und kommerzialisierte Kunstform idealisiert.
Klar ist, daß der Jazz ab den frühen 20er Jahren den Blues, jene ureigene Musik der Schwarzen Amerikas, absorbiert hat, sich die Stile, die Einflüsse vereinigten zu dem, was man seither als die verschiedenen Spielarten des Jazz kennt. Was aber vorher war, was die eigentliche Keimzelle des Jazz ist, liegt für die meisten, für Jazzfans wie Musiker, im Dunkel der Geschichte.
Es wird ein sagenhafter Urjazz, angeblich in New Orleans von farbigen Musikern geschaffen, als Stammvater der späteren Jazzmusik in die Zeit um 1890 oder gar schon 1880 oder auch erst um 1900 hineingeheimnißt.

Jedenfalls ist die erste Jazzplatte überhaupt im Jahre 1917 aufgenommen. Mit der Priorität gibt es nur insofern kleine Schwierigkeiten, als die Eintragungen in den Aufnahmebüchern offenbar nicht eindeutig sind. Am 30. Januar 1917 stand die Original Dixieland Jass Band (so die damalige Schreibweise) im New Yorker Columbia-Studio vor dem Aufnahmetrichter und spielte die Titel „Darktown Strutters‘ Ball“ und „Indiana“ ein. Die Aufnahmen wurden zurückgehalten, weil sie den Repertoireleuten von der technischen Qualität her mißfielen - und offenbar im Vergleich zum bisherigen Ragtime zu wild erschienen.
Die Band wechselte zur Konkurrenz, dem Marktführer Victor. Dieser gab die am 09. Februar 1917 (nach anderen Quellen am 26. desselben Monats) aufgenommenen Titel „Livery Stable Blues“ und „Dixie Jass Band One-Step“ heraus - die erste veröffentlichte Jazzplatte!
Dies ist der „Urknall“ des Jazz - und Anlaß unserer kleinen Reihe zum 100. Jubiläum dieser Musikrichtung.
Der Millionenerfolg dieser Veröffentlichung ließ die Columbialeute nicht ruhen - man brachte die zunächst auf Eis gelegte Platte nun doch heraus. Wie oben angeschnitten, gibt es allerdings von dieser Geschichte zwei Versionen, nämlich einmal die, daß die schon vorhandenen Matrizen verwandt wurden, zum andern die von einer Wiederholung der Aufnahme zu einem späteren Zeitpunkt. Genaue Belege hierüber gibt es offenbar nicht mehr.
Aber das ist letztlich eine Fußnote der Jazzgeschichte - größere Kreise zog eine ganz andere Entwicklung:
Nick LaRocca, Kornettist und Mitbegründer der aus New Orleans stammenden ODJB, war in den 50er Jahren die wilden und obskuren Behauptungen leid, die über den frühen Jazz kursierten.
Seine Einlassungen führten zu einer Kontroverse, die in den 50er und 60er Jahren die Jazzwelt erfaßte - von den Kritikern über die Musiker bis zum Publikum. Die Wogen der Empörung schlugen hoch. Rassismusvorwürfe standen im Raum. Wissenschaftlich exakt aber setzten sich die wenigsten Beteiligten mit der Fragestellung auseinander, woher denn nun der Jazz wirklich komme ...
Bis heute ist das Kennzeichen des Jazz die Improvisation, und Improvisationen sind wohl so alt wie die Musik selbst. Die Kollektivimprovisation aber, die Hauptmerkmal des frühen Jazz ist, beansprucht LaRocca als seine ureigene Idee. 1916 kam er darauf, verwirklichte das Konzept mit seiner Band. Er spielte die Leitstimme auf dem Kornett, die Band folgte, darum herumimprovisierend.
War das seine Idee? Fest steht eins: Derartiges ist auf Platten aus der Zeit vor der ODJB schlichtweg nicht zu finden! Unweigerlich stellt man das fest beim Abhören von Schallkonserven aus der Zeit vor 1920. Nur haben das offensichtlich die wenigsten Kritiker und Fachleute je getan, die Fans, denen die alten Archive nicht ohne weiteres zugänglich waren, natürlich noch weniger.
Aber welche Sprache sprechen nüchterne Betrachtungen jenseits der Mythen?
Schwarzen, so eine oft kolportierte Behauptung, sei aus Rassismus der Zugang zu den Schallplattenstudios verwehrt worden, so daß es Jazzaufnahmen schwarzer Kapellen erst nach dem I. Weltkrieg habe geben können. Ist das wahr? Man sehe sich die Plattenkataloge der Ragtimezeit vor dem Kriege an! Tausende Platten schwarzer Künstler sind dort verzeichnet, von Ragtimemusikern und Kleinkünstlern (Vaudeville) gleichermaßen. Damit fällt dieses Argument. Hätte es vor der ODJB andere Jazzbands gegeben, wären von ihnen - einerlei, ob sie schwarzes oder weißes Personal gehabt hätten - sicherlich Aufnahmen erschienen, zumal die erste veröffentlichte Jazzplatte wie eine Bombe einschlug, ein Geschäft, das sich wohl keine Band und keine Plattenfirma hätte entgehen lassen.
Selbst in den frühen Jazzjahren aktive Musiker, die noch Mitte der 30er Jahre ganz offenbar wahrheitsgemäß angegeben hatten, wie sie zum Jazz gekommen und wer ihre Vorbilder und Lehrmeister gewesen waren, lassen sich plötzlich, seit dem Oldtime-Revival der 40er Jahre, Aussagen in den Mund legen, die im genauen Gegensatz zu ihren Interviews der Vor-Revival-Zeit stehen. Das gilt selbst für Louis Armstrong, also für einen der in weitesten Kreisen wohl bekanntesten schwarzen Jazzmusiker überhaupt, geboren und aufgewachsen in New Orleans (!), der noch 1936 in seiner Autobiographie „Swing That Music“ klipp und klar sagt, daß er seine erste Begegnung mit dem Jazz der ODJB verdankte.
Im Jahre 1917 - seine Chefs rauften sich ob des nach nur einer Platte von ihnen selbst verschuldeten Weggangs der ODJB von ihrer Plattenfirma und des sensationellen Erfolgs der Truppe beim Konkurrenten Victor die Haare - mußte der Columbia-Talentsucher Ralph Peer nach wochenlanger Suche schließlich nach New York kabeln: „No jazz bands in New Orleans“. Er fand keine Jazzorchester, die er hätte engagieren können - weil es schlicht keine gab. Dabei war zu jener Zeit das bis heute so glorifizierte Vergnügungsviertel Storyville, angebliche Brutstätte des frühen Jazz, noch nicht geschlossen. Weiße wie schwarze Orchester spielten dort Ragtime, das war es gewesen, was er dort bis zum Überdruß gehört hatte, spielten Polka, Mazurka, eben die zeitgenössischen Gesellschaftstänze - aber keinen Jazz. Keinen einzigen in Jazzmanier improvisierten Ton, sondern nur feste Arrangements. Solche Kapellen konnte man aber auch direkt aus der New Yorker Musikszene ins Studio holen.
Die ersten Jazzversuche schwarzer Bands vor 1919 klingen auch wie (oft mäßige) Kopien des Vorbilds ODJB. Selbst dann, wenn damals schon als Bluesgrößen zu bezeichnende Musiker wie der von der Columbia als „Notnagel“ engagierte W.C. Handy und andere Vertreter seiner Zunft mit ihren Bands vor dem Trichter stehen. So eifert auch Wilbur Sweatman, ein ebenfalls von der Columbia engagierter schwarzer Bandleader, wenn er auch seine Sache schon besser macht, erkennbar dem Vorbild ODJB nach. Bei anderen Plattenfirmen prangt stolz die Bezeichnung „Jazz“ auf dem Etikett, gespielt wird aber durchnotierter Ragtime, wie er auch zehn, zwölf Jahre vorher schon auf Wachs gebannt wurde.
Wann immer die musikalischen Fähigkeiten es hergeben, kopieren die - schwarzen wie weißen - Bands der Jahre 1917 bis 1920 unverhohlen den Stil der fünf Boys aus New Orleans ... Das schlägt die Brücke zu unserer Sendung: Die Schallplatte machte das in vielen Fällen erst möglich, bot sie doch Gelegenheit zum immer und immer wiederholten gehörmäßigen Studium von Arrangements, Spielweisen usw. - und vor allem der Improvisationen, die ohne Tonaufzeichnung praktisch nicht nachzuvollziehen gewesen wären - oder nur von den wenigen Musikern, die sehr schnell mitschreiben und gleichzeitig das Fluidum der Darbietung erfassen konnten.
Vollends zur Farce wird die Geschichte vom Jazz um 1900, wenn der schwarze Trompeter Buddy Bolden nach seiner „Ausgrabung“ aus einer Trinkerheilanstalt in den späten 20er Jahren aussagt, er habe vor dem I. Weltkrieg bewußt keine Jazzplatten eingespielt, damit niemand seinen neuen, großartigen Stil kopieren könne. In Armstrongs zweiter Autobiographie taucht plötzlich eben jener Buddy Bolden als großes Vorbild auf ... ein Schelm, wer Arges dabei denkt!
Positiver Rassismus? Kann nicht sein, was nicht sein darf?
Glaubhafter erscheinen uns da schon die Ergebnisse der jahrzehntelangen Forschung je eines deutschen und eines englischen Jazzfachmanns, Horst H. Lange und Brian Rust. Sie führten mit etlichen der Musiker von damals persönlich Interviews und hatten in ihren Sammlungen tausende, ja abertausende Schallplatten, mit deren Hilfe sie sich, im Gegensatz zu vielen „Experten“, die einer vom andern Un- und Halbwahrheiten aus den Mündern geld- und geltungssüchtiger Musikagenten und ihrer willfährigen Schützlinge abschrieben, selbst ein Bild gemacht hatten, was es an frühem Jazz - und Nicht-Jazz! - gegeben hatte. Der oben schon angeführte Louis Armstrong höchstpersönlich bekannte im Interview mit Horst H. Lange, er habe später über seine Frühzeit gelogen, um den Publikumserwartungen der 40er Jahre zu entsprechen. Nick LaRocca führte mit Lange etliche Gespräche, zu denen Lange weitere Quellenforschung betrieb, deren Ergebnisse in seine Bücher eingingen.
All das untermauert Nick LaRoccas Ansprüche.
 
Wer von den vielen andern späteren Kritikern hat soviel Platten aus der Frühzeit des Jazz abgehört wie Rust und Lange? Wie schon gesagt, offenbar die wenigsten. Obwohl (oder gerade weil?) zu Standards im Oldtime- und Revivaljazz geworden, und das bis heute, ja, schon in den unmittelbar der „Jazz-Urzeit“ folgenden Stilepochen immer wieder im neuen zeitgemäßen Gewand dargeboten und nie vergessen, wurden die Urversionen spätestens von der oft intellektuell hochtrabenden und dünkelhaften Kritik der 50er Jahre fast immer als wertlos, als unwesentlich abgetan. Diese Ablehnung hielt noch bis in die 70er Jahre an - und wurde nach 1968 obendrein noch mit allgemeiner Gesellschafts- und Kapitalismuskritik verbunden (kommerzielle Musik, also Musik, von der die Künstler etwa wirklich leben konnten, war nun als Stütze des Systems geradezu verdammenswert).
Gewiß eine Entwicklung innerhalb einer Zeitströmung!
Man maß auch alte Autos, Lokomotiven oder Radios an den neuesten Modellen, amüsierte sich auch über sie als Kuriositäten, statt sie als technische und handwerkliche Meisterleistungen vergangener Tage und Ausgangspunkt der aktuellen Entwicklung zu erkennen. Man riß die letzten vom Krieg verschonten historischen Gebäude für den Straßenausbau nieder, man verputzte guterhaltene Gründerzeitfassaden, nachdem man die Ornamente abgeschlagen hatte, man nagelte Eternitplatten auf Fachwerkhäuser, unter denen diese verfaulten. Man opferte schöne, umweltgerechte und zweckmäßige, in Jahrhunderten gewachsene alte Kulturlandschaften der Ödnis der Flurbereinigung. Man warf - und das alles im Zeichen des Fortschritts! - über Generationen vererbte Bauernmöbel ins Feuer, um sie durch Resopalschränke zu ersetzen ...
Welchen Stand sollte in dieser Zeit schon „Opas komische Musik“ haben? Das große Publikum hatte die ärgsten Kriegs- und Nachkriegswirren hinter sich, wollte inzwischen von wilder Musik aus wilden Zeiten ohnehin nur noch wenig oder am besten gar nichts mehr wissen, sondern hörte lieber seichte Schlager von südlicher Sonne - und lachte sich gehörig schief über Pseudo-Dixielandkapellen mit Strohhüten und angeklebten Kaiser-Wilhelm-Bärten. Viel besser war es damals überm großen Teich übrigens auch nicht ...
Verfemt als altmodisch, ja zickig (gegenüber den wenigen Musikern, die ihre „Urväter“ in jener Zeit schätzten und sich zu ihnen bekannten, ist in einem Pamphlet aus den 50ern sogar vom „peinlichen Erbe eines Nick LaRocca oder Red Nichols“ die Rede!), stets an den aus vierzig Jahren Jazzentwicklung hervorgegangenen damaligen Stilen gemessen, paßten die Ur- und Frühversionen der Jazzstandards vielen Nachgeborenen nicht in den Kram und wurden oft schlicht nicht zur Kenntnis genommen. Schon gar nicht als das, was sie waren, nämlich als die Schultern, auf denen die Entwicklung des Jazz stand und steht.
Für viele Jüngere fängt denn auch der Jazz allerfrühestens mit dem Bebop überhaupt erst an, und auch das nur mit dessen schrägsten, nur ja nicht irgendwie eingängigen oder dem Normalbürger noch halbwegs verständlichen Ausformungen. Daß aber dorthin eine stetige Entwicklung - vom Ragtime über den Jazz der ODJB und weiter - geführt hat, wird geflissentlich ignoriert. Schon der Swing gilt ihnen, weil - pfui! - tanzbar, sich dem Hörer, auch dem Nichtmusiker oder Nichtmusikexperten, erschließend, ihn gar gefühlsmäßig ansprechend, nicht als Jazzspielart ... Jazz ist seit Joachim Ernst Behrendt zum Hören und nur zum Hören da, zum Erfassen dessen über den Kopf, was andere nur mit dem Kopf ergrübelt haben. Schon wenn die Musik zum Fußwippen anregt, kann sie nicht gut sein ... Gar zum Tanzen? Himmel, nein! Tanzmusik ist kein Jazz. Punkt.
Schöne neue Welt!
Umgekehrt führte dies in Teilen des Publikums, das sich ja allzu hochfahrender Kritkermeinung gern entgegenstellt, zu einer nostalgischen, verzerrenden Verklärung des frühen Jazz. Auch und gerade unter jungen Amateurmusikern, die den Jazz, wie sie ihn sahen, in durchaus breiter Front weitertrugen. Nun griff die Legendenbildung aus den Kreisen der alten Jazzer richtig, die es eigentlich besser wußten ... Künstler wie Fans pflegten das Heimweh nach einem Storyville, in dem man natürlich nie gewesen war und in dem in Wirklichkeit nie eine Jazznote erklungen sein dürfte.
Verklärung und Verdrehung der Tatsachen setzten sich fort mit Anfeindungen gegen „falsche“ - weil weiße - Größen der Jazzgeschichte, von Paul Whiteman über das Casa Loma Orchestra bis zu Benny Goodman, seien sie auch noch so richtungweisend gewesen. Selbst kritiklose Übernahme antisemitischer Anwürfe aus dem Vokabelheft des III. Reichs gehörte zum guten Ton. Solch brauner Dreck kam dabei auch - und gerade! - immer wieder aus der linken Ecke geflogen ...
Damit wären wir bei wirklichem Rassismus gelandet - aber jetzt gehen wir schon weit über den Rahmen dieser Sendefolge hinaus!
Die gegensätzlichen Thesen von der Entstehung des Jazz jedenfalls sind und bleiben in der Welt.
Wundert einen das wirklich - angesichts der Tatsache, daß wir in einem hochtechnisierten und mittels Elektronenrechnern straff durchorganisierten Zeitalter leben, das gleichzeitig den verschiedensten völlig absurden Verschwörungstheorien huldigt?
Kurz und prägnant faßt jedenfalls Horst H. Lange in einer seiner wichtigsten Diskographien (Die deutsche „78er“ Discographie der Hot-Dance- und Jazz-Musik 1903-1958, Colloquium-Verlag Berlin, 2., erw. Auflage 1978) unter den Einträgen der in Deutschland veröffentlichten ODJB-Platten zusammen:
„Als die Original Dixieland Jazz Band im Jahre 1916 aus dem Ragtime den Jazz entwickelte und zum erstenmal präsentierte, begann das Zeitalter der modernen Hot-Dance-Musik und des Jazz. Eine Ära, die bis in die frühen 50er Jahre andauerte und erst durch die Rock-, Beat- und Free Jazz-Musik [sic] beendet wurde.“
Und hiermit laden wir Sie ein, mit uns ein Jubiläum zu begehen, ohne das es unsere Sendung in dieser Form wohl nicht gäbe - und (Lange zum Trotz, der offenbar Rock und Beat nicht als Jazznachfolger sah, obwohl sie fast immer Blues- und Jazzelemente enthalten) keinen Rock ’n‘ Roll, keinen Pop, wie wir ihn kennen ... und vieles andere auch nicht.

Durch die Sendung führt Peter K. Michael.

Wir bringen in der ersten Folge:

- Livery Stable Blues (ODJB)
- Dixie Jass Band One-Step (ODJB)
- Darktown Strutters‘ Ball
- Indiana (Hanley)
- Ostrich Walk (ODJB)
- Look At ‘em Doin‘ It Now
- Ostrich Walk
- At The Jazz Band Ball
- Tiger Rag (LaRocca)
- Skeleton Jangle (LaRocca)
- Bluin‘ The Blues (Ragas)
- Sensation Rag
- Mournin‘ Blues
- Clarinet Marmalade Blues [sic] (Shields-Ragas)
 
Genauere diskographische Angaben folgen nach Möglichkeit.

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 1. Februar 2017, 21-22 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 2. Februar 2017, 13 Uhr

Programminfo für den 22.01.2016

John Prine: People puttin´ people down

In Ergänzung zur vorigen Folge hören wir diesmal einiges aus dem Jahre 2000. Damals hatte der großartige Singer/Songwriter John Prine aus Chicago eine kleine Auswahl seiner sicherlich eindrucksstärksten und aussagekräftigsten Polit-Songs aus den 80er Jahren nochmal neu eingespielt. Hintergrund waren die Streitereien mit den auf Chartserfolge und Profite orientierten Major Labels. Gnadenlos. John war clever genug, sein eigenes Label (Oh Boy Records) auf die Schiene zu setzen (gerade so wie Jerry Jeff Walker / Tried & True Music) und spielte ganz entspannt sein frühes Material mit eigens ausgesuchten Mitmusikern neu ein. Lange bekannte Prine-Klassiker erfuhren einen zweiten hochinteressanten Touch, gar einen neuen Sound. Spannend wie früher.

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 22. Januar 2017, 19 Uhr

Programminfos vom 13.01.2017 bis 15.01.2017

Friedensratschlag 2016

Einen Monat nach der Wahl von Donald Trump zum künftigen US-Präsidenten stand dieses Thema natürlich auch auf der Tagesordnung des traditionellen Friedenratschlags, der – wie seit Jahren üblich – auch 2016 wieder Anfang Dezember in der Kasseler Ing.-Schule stattfand. Aber es ging bei der zweitägigen Fachkonferenz auch um andere weltpolitische Fragen – internationale Konflikte, mit denen sich die Friedensbewegung befassen muß, gibt es ja zur Zeit mehr als genug. Heute senden wir die Auftaktveranstaltung des Ratschlags, u.a. mit Referaten von Dr. Erhard Crome, Konrad Ott und Sevim Dagdelen.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 13. Januar 2017, 18 Uhr

 

Bernd Giesekings Jahresrückblick 2016

Bernd Gieseking spielt seinen kabarettistischen Jahresrückblick inzwischen seit 23 Jahren auf zahllosen Bühnen. Die Veranstaltung ist mittlerweile Kult: In Kassel war der Saal im Kulturbahnhof auch diesmal wieder mehrere Tage hintereinander ausverkauft.

  • Sendetermin: „Kabarett live“, Freitag, 13. Januar 2017, 22 Uhr

 

Mr. Candyman: Mississippi John Hurt

Falls ein Musik-Wißbegieriger aus unserer Generation den ersten Track („Pay Day“) aus dem Album "Today!" (1966) von Mississippi John Hurt zum ersten Mal hört, könnte er ihn glatt mit dem ebenfalls legendären Jerry Garcia (u.a. The Grateful Dead) verwechseln. Ja, so isses. Und das ist kein Zufall ...
Mississippi John Hurt (*1892 im Carroll County/MS, aufgewachsen in Avalon) gehörte mit zu den zahlreichen interessanten MusikerInnen, die im Zusammenhang mit dem sogenannten Folk Revival während der 1960er Jahre in den USA wiederentdeckt wurden. Er war ein weiterer großartiger Gitarrist und Stückeschreiber, der vorher viel zu lange quasi vergessen war; grad so wie Bukka White, Lightning Hopkins und John Lee Hooker. Bei den Newport Folk & Blues Festivals (ab 1959) stand er, plötzlich hoch-verehrt, im ungewohnten Rampenlicht.
Und der damals noch junge Jerry Garcia gehörte, genauso wie Bob Dylan und Joan Baez, zu den vielen aufmerksamen Bewunderern. Kein Wunder: Titel wie der "Spike Driver´s Blues", "Stagg-O-Lee", "Candyman", "Make Me A Pallet On Your Floor", "Corinna, Corinna" und etliche andere wurden da bereits von zahllosen Adepten in der ein oder anderen Variante übernommen, sowohl im Folk als auch im Country/Bluegrass oder im Blues- und Rockbereich. Plötzlich genoss ein lange Zeit vergessener Künstler zumindest einen kurzen Ruhm seines Schaffens. Mississippi John Hurt war nicht verbittert - er hatte den Blues von Anfang an gelebt.
Seine 1920/1930er Folk/Country & Blues-Schallplattenaufnahmen (Okeh Records) haben nichts an Aktualität und Bedeutung in der US-Musikhistorie verloren. Die Leute lieb(t)en sein virtuoses Fingerpicking-Gitarrenspiel, die Fähigkeit, eine Basslinie und gleichzeitig Melodie- und Rhythmusbegleitung zu spielen. Und sein dabei immer irgendwie leicht und und freundlich wirkender Gesang tat ein übriges. Plus: dieses verschmitzte Lächeln - ein Charmeur allemal.
Während seiner letzten drei Lebensjahre konnte Mississippi John Hurt seine steigende Popularität endlich genießen. Er spielte nun in berühmten Clubs, den angesagten Coffee Houses, an Hochschulen und in Konzerthallen. Im November 1966 starb Hurt an den Folgen eines Herzinfarkts. Farewell, Mr. Candyman.

  • Sendetermin: „Long Distance Call“, Samstag, 14. Januar 2017, 19 Uhr

 

„Hallo, hallo, hier Radio Wien!“ (Folge 2)

So meldete sich der Sprecher der RAVAG (Radio-Verkehrs-AG) aus dem Wiener Studio zwischen 1924 und dem „Anschluß“ 1938.
In dieser Sendefolge bringen wir in zwei Teilen eine Rundschau auf die Wiener Kleinkunst- und Kabarettszene der späten 20er bis späten 40er Jahre - also auch aus der Zeit, in der Wien 1000 Jahre lang Hauptstadt der sog. „Ostmark“ war, und auch als es hinterher, allerdings erheblich lädiert, als Hauptstadt Österreichs wiedererstand.
Auch die RAVAG tauchte nach einem Schattendasein als Nebensender („Reichssender Wien“) der RRG (ab 1939 des Großdeutschen Rundfunks) im April 1945 wieder aus der Versenkung auf - in einem besetzten Österreich, zunächst unter sowjetischer Leitung, später der Republik unterstellt. 1958 schließlich ging sie endgültig im heute noch bestehenden ORF auf.
Was nicht wiederkam, nicht wiederkommen konnte, war die alte Kabarett- und Kleinkunstkultur des ehemaligen Vielvölkerstaates Österreich-Ungarn. Sie hatte im kleinen Rumpfstaat mit seiner nun viel zu großen Hauptstadt zwischen den Kriegen noch immer ein heftiges Nachglimmen gezeigt, das mit dem Anschluß Österreichs an das Deutsche Reich endgültig unter dem Knobelbecher ausgetreten wurde (von einzelnen letzten Funken in der Nachkriegszeit abgesehen). Ganz gemäß Friedrich Torbergs These, das alte Österreich sei nicht 1918, sondern erst 1938 untergegangen ...
Die Akteure dieser Szene, die sich zu einem guten Teil aus dem jüdischen Humor speiste - naheliegend in einem Staat, in dem sowohl jüdische Bauern wie jüdische Berufsoffiziere eine Selbstverständlichkeit waren und dessen Hauptstadt allein mehr als halbsoviel jüdische Einwohner hatte wie das gesamte viel größere Deutsche Reich - waren entsprechend oft Juden oder politisch bei den neuen Machthabern mißliebig. Sie emigrierten - wenn ihnen das Schicksal hold war, wie z.B. Hermann Leopoldi oder Armin Berg. Letzterer allerdings konnte nach dem Krieg nicht wirklich wieder in Wien Fuß fassen. Etliche wurden in Konzentrationslagern ermordet (wie Fritz Grünbaum, Franz Engel und manch andere weniger bekannte Kabarettisten). Ein Wiederanknüpfen an das Gewesene konnte es nach 1945 somit fast nicht geben - schließlich war auch der Großteil des Publikums, das diese Art des Humors feiner Beobachtung goutiert hatte, zusammen mit den Künstlern (man muß es wohl so drastisch formulieren!) ausgerottet worden - oder zwischen Schanghai, Kapstadt, Sydney und Hollywood in alle Winde zerstreut.
Aber auch die Zeit des Anschlusses, als nur „arische“ Künstler Platten produzieren durften, sparen wir nicht aus - auch hier gibt es eine Menge interessanter Aufnahmen zu entdecken, die sich im „Altreich“ doch nicht so verkauften wie in der nun „ostmärkischen“ Heimat der Darbietenden. In der zweiten Sendung kommen am Schluß auch noch Aufnahmen aus der unmittelbaren Nachkriegszeit.
Nur wenige führten nun die alte Tradition fort, unter ihnen, aus dem Exil zurückgekehrt, Hermann Leopoldi sowie auch Karl Farkas (Fritz Grünbaums ehemaliger Doppelconférence-Partner, der als letzter Verteter der alten Garde 1971 sozusagen auf der Bühne starb) und der erst jüngst verstorbene Georg Kreisler. Die beiden letzteren sind allerdings nicht in unseren Sendungen vertreten.
Hermann Leopoldi starb 1959 an einem Herzinfarkt - mit einem Vertrag für Fernsehaufnahmen in der Tasche. Ein Klavierhumorist der alten Garde im Fernsehen - das sollte wohl einfach nicht mehr sein ...
Die 50er Jahre im Wiener Kabarett (Kreisler, Qualtinger, Bronner, Jaggberg usw.) wären ein Thema für eigene Sendungen - hier soll es um die Zeit davor gehen.
Einige Nummern sind immer noch (oder wieder!) sehr aktuell - so in der ersten Sendung Armin Bergs „Abbau von Österreich“ oder „Sparsam muß man sein“ - oder in der zweiten Folge Franz Engel mit „Von was leben die Leut‘?“
Aus seinem gemeinhin bekannten und untrennbar mit ihm verbundenen Repertoire an betulichen Wienerliedern sticht Hans Mosers erste Platte heraus: „Der Dr. Lueger hat mir die Hand gereicht“.
Moser steht hier ganz in der Kabaretttradition, aus der er eigentlich stammt. Gallebitter zeichnet er am Beispiel eines kleinen Greißlers die Verarmung des Mittelstands nach dem I. Weltkrieg nach, die nicht unwesentlich mithalf auf dem Weg in die Diktatur. Auch dies - leider - nicht ohne aktuelle Bezüge. Ein Schelm, wer Arges dabei denkt ...
Freuen Sie sich auf eine spannende Stunde Radio Wien im „Tanzparkett extra“ (Folge 1 lief am 8.1.).


In der zweiten Sendung bringen wir (Matrizennummer der Aufnahme jeweils in spitzen Klammern, dahinter Bestellnummer der Platte):
 
Hermann Leopoldi
Zieh‘ dich wieder an, Josefin‘! (Katscher - Rebner) <BM 516-1>
Seit der Emil die Marie kennt (Hirschfeld - Farkas - Hirschfeld) <BW 1961> Electrola EG 1327
 
Franz Engel
Man soll mit Pollaks nicht verkehren (A.M. Werau - W. Saliger - Fr. Engel) >WHA 427>
Von was leben die Leute? (Werau - O. Kanitz - A. Kaps) <WHA 428> Columbia DV 924
 
Hans Moser
Der Dr. Lueger hat mir die Hand gereicht (Katscher - Geyer) (aus: Essig und Öl) <WHA 483> Columbia DV 1634
 
Franz Schier
Das ABC der großen Liebe (Frank Filip - Fr. Schier) <Ve 3174>
Eine Lady war einst in Tirol (Lang - Meder) <Ve 3170> Odeon O-26348
 
Hermann Leopoldi und Betja Milskaja
Liselott (Schwabach - Engel-Berger - Engel-Berger) <CW 230-2>
Jedermann (Waldau - Leopoldi) <OW 318-2> His Master’s Voice BA 299
 
Armin Berg mit Karl Inwald am Flügel
Da kann man sehn, wie heut‘ die Frau‘n sind (Werau - Taufstein) <Ve 2229>
Ich glaub‘, ich bin nicht ganz normal (Berg - Taufstein) <BW 2460-2> Parlophon B. 47167
 
Franz Schier, Doppelklavier Schmitz & Smart
Wenn ich in der Nacht nicht schlafen kann (Hans Lang - Peter Herz) <W 85304-1> Odeon  A.169812
 
Hermann Leopoldi und Betja Milskaja
Weißt du, was schön wär, Mariechen? (Leopoldi - Haller) <OVH 32-1>
Ich bleib‘ in Wien (Leopoldi - Spahn) <OWX 197-2> His Master’s Voice AM 3974
 
ohne Milskaja
Wenn der Ungar lustig ist (Leopoldi - Hofer - Salpeter) <OVH 329>
Powidltatschkerln (Leopoldi - Skutajan) <OVH 388> His Master’s Voice BA 703
 
Aufnahmeort sämtlicher Platten ist Wien.
Durchs Programm führt Peter Michael.

  • Sendetermin: „Tanzparkett extra“, Sonntag, 15. Jänner 2017, 17 Uhr
  • Wiederholung Montag, 16. Jänner 2017, 9 Uhr

 

John Prine: "Some Humans Ain´t Human ... "

Yo, some more news from a goofy world. Der Lonesome Traveler hatte es bereits angesagt: Solange das mit der künftigen US-Weiterregierungsweise und den dafür aktuell ausgehandelten Protagonisten so weiter geht, gibt´s auf just diesem Sendeplatz fürderhin keine aktuelle amerikanische Country Music mehr. Ende der Durchsage. Promise. That´s it.
Glücklicherweise versuchen nach wie vor klarer denkende aufgeklärte Menschen in Nordamerika dem soeben vorherrschenden Trend etwas entgegenzusetzen. Well, eine unbedingte Minderheit sind sie nicht! Ein guter Grund, einer Stimme, die nach wie vor gegen den Strom schwimmt - pardon: singt -, mal wieder aufmerksam zu lauschen. Wolf Silaffs Tip heute in diesem Zusammenhang lautet: John Prine. Ein US-Singer/Songwriter der Extraklasse aus Chicago, der es bereits seit über drei Dekaden mit seinen Stücken auf den sprichwörtlichen Punkt bringt, wahrlich punkt-genau das jeweilige Thema trifft und dabei mit geradezu schriftstellerischer Formulierkunst die Dinge kritisch und zugleich gut verständlich beschreibt. Er zitiert dabei ein bisserl seltener intellektuell die antiken Klassiker als Bob Dylan, dafür kultiviert er aber selbst hoch-pfiffig und gelegentlich augenzwinkernd seine ganz eigene Erzählweise. Einer, der wahrlich Spannung heraufzaubern kann.
In dieser Folge präsentieren wir eine kleine Prise aus neueren Album-Produktionen des fantastischen Künstlers ("Fair & Square"/"Lost Dogs & Mixed Blessings"/"The Missing Years"). By the way, auch die frühen Klasse-Alben von John Prine gehören seit den 1980er Jahren in die Sammlung! Der Lonesome Traveler hat etliche tolle Konzerte des Künstlers erlebt - und ist ihm (inkognito) gar einmal in Irland begegnet.

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 15. Januar 2017, 19 Uhr

Programminfos vom 06.01.2017 bis 11.01.2017

Tilt 2016

Aus der „Anstalt“ des ZDF ist er schon vor einiger Zeit ausgeschieden – trotzdem gehört Urban Priol weiterhin zu den führenden politischen Kabarettisten. Neben seinen umjubelten Auftritten mit dem jeweils aktuellen Bühnenprogramm präsentiert Priol seit vielen Jahren seinen kabarettistischen Jahresrückblick „Tilt“, in dem er mit scharfem Blick auf die Ereignisse des jeweils zurückliegenden Jahres schaut. Mitleid mit dem politischen Personal kennt er dabei nicht – gnadenlos seziert er die Zustände im Land (und außerhalb) und überschüttet die Verantwortlichen mit satirischem Spott und teils bösartiger Häme – aber immer extrem witzig und auf hohem sprachlichen Niveau. Und auch sein Rückblick auf das Jahr 2016 belegt: Nach Dieter Hildebrandts Tod und dem Rückzug von Georg Schramms und Volker Pispers von der Bühne ist Urban Priol einer der wenigen verbliebenen wahren Kabarett-Titanen, die wir in Deutschland noch haben.
Das Jahr 2016 war bekanntlich insgesamt ein höchst unerfreuliches: Brexit, Türkei, Syrien, Anschläge und Attentate, etliche prominente Abgänge (von Bowie über Castro bis Cohen); dazu EM-Aus im Halbfinale, Red Bull in der Bundesliga, neue Platte von Udo Lindenberg und viele weitere Katastrophen. Einziger Lichtblick: Der künftige US-Präsident verspricht viel Stoff für so manchen vergnüglichen Kabarettabend. Einen Vorgeschmack liefet Urban Priol in seinem Jahresrückblick – klar, daß auch dieses Thema umfassend gewürdigt wird!

  • Sendetermin: „Kabarett live“, Freitag, 6. Januar 2017, 22 Uhr

 

"I´ll never get out of this world alive": Hank Williams  -  Erinnerung an eine Musik-Ikone

Eigentlich müßig sich Gedanken zu machen, ob der unvergessene große US Song-Troubadour Hank Williams nicht auch einen ganz großen Nobel-Preis verdient hätte - abgesehen davon, daß die amerikanische Musik-Ikone Williams mit Sicherheit ebenfalls nicht zur Preisvergabe erschienen wäre, gerade so wie kürzlich Bob Dylan. Ist er doch unbestreitbar eine Singer/Songerwriter-Persönlichkeit von enormer Bedeutung - nicht nur in den streitbaren USA von heute (früher war´s da auch nicht viel besser).
Wirklich alt geworden ist der berühmte Künstler nicht, nicht mal 30. Er hat aber im Verlauf seiner aufregend-wilden und zugleich kurzen Karriere musikhistorische Meilensteine erster Güte gesetzt, mit großer und tiefer inhaltlicher Bedeutung, ausgestattet mit hohem melodiösem Wiedererkennungswert. Gerade so wie Dylan - allerdings vielleicht nicht ganz so intellektuell-belesen. Allerdings verpackte er weiße Blues-Geschichten in melodiös-eingängigen Zwei-Minuten-Songs, in vier Strophen allgemein verständlich erzählt, mit der legendären "Authentizität", die damals wie heute ein jeder verstand. Hank Williams hat noch immer Vorbildfunktion für Legionen von MusikerInnen und Songwritern. Sein Oeuvre dient zahllosen Musikern aus  unterschiedlichen Bereichen als Inspirationsquelle. Kam Bob Dylan aus dem industrieverseuchten Norden der Staaten, so stammte Hank Williams aus dem ruralen tiefen dünnbesiedelten Süden. Und eben dort hat er die regionale Folk-Musik schon viel früher als Robert Allen Zimmerman direkt (vor seiner Haustür quasi) tief inhaliert, das Gitarrenspiel beim schwarzen Schuhputzer "Tee Tot" auf der Straße erlernt.
Aus dem riesigen Aufnahmefundus des legendären Hank Williams hören wir zum Jahresausklang diesmal selten gespielte rare Titel, entnommen der aufwendig gestalteten 3-er CD Box "Hank Williams - Unrevealed" (Time Life / 2009). Enthalten sind Studioaufnahmen, sogenannte Radio Outtakes und Werbespots für "Mother´s Best" aus den frühen Radiosendungen, die damals, zu Beginn der 1950er Jahre, "live" in den Staaten ausgestrahlt wurden und die sehr populär waren. Die Songs wurden eingespielt mit Hanks exquisiten Mitmusikern, seinen Drifting Cowboys. Auch Aufnahmen mit seiner damaligen Frau Audrey sind dabei. Die Sendung ist eine nachträgliche Widmung an den weißen Bluesmann Hank Williams, der in der Silvesternacht 1952/53 unter bis heute nicht restlos aufgeklärten Umständen im Fond seines Cadillac auf der Nachtfahrt zu einer Show in Canton/Ohio gestorben ist. Eine geradezu mysteriöse Geschichte ... Drei Tage später wurde Hank Williams in Montgomery/Alabama zu Grabe getragen. 20.000 Menschen gaben ihm das letzte Geleit.

  • Sendetermin: „Die Lange Rille“, Samstag, 7. Januar 2017, 22 Uhr

 

„Hallo, hallo, hier Radio Wien!“

So meldete sich der Sprecher der RAVAG (Radio-Verkehrs-AG) aus dem Wiener Studio zwischen 1924 und dem „Anschluß“ 1938.
In dieser Sendefolge bringen wir in zwei Teilen eine Rundschau auf die Wiener Kleinkunst- und Kabarettszene der späten 20er bis späten 40er Jahre - also auch aus der Zeit, in der Wien 1000 Jahre lang Hauptstadt der sog. „Ostmark“ war, und auch als es hinterher, allerdings erheblich lädiert, als Hauptstadt Österreichs wiedererstand.
Auch die RAVAG tauchte nach einem Schattendasein als Nebensender („Reichssender Wien“) der RRG (ab 1939 des Großdeutschen Rundfunks) im April 1945 wieder aus der Versenkung auf - in einem besetzten Österreich, zunächst unter sowjetischer Leitung, später der Republik unterstellt. 1958 schließlich ging sie endgültig im heute noch bestehenden ORF auf.
Was nicht wiederkam, nicht wiederkommen konnte, war die alte Kabarett- und Kleinkunstkultur des ehemaligen Vielvölkerstaates Österreich-Ungarn. Sie hatte im kleinen Rumpfstaat mit seiner nun viel zu großen Hauptstadt zwischen den Kriegen noch immer ein heftiges Nachglimmen gezeigt, das mit dem Anschluß Österreichs an das Deutsche Reich endgültig unter dem Knobelbecher ausgetreten wurde (von einzelnen letzten Funken in der Nachkriegszeit abgesehen). Ganz gemäß Friedrich Torbergs These, das alte Österreich sei nicht 1918, sondern erst 1938 untergegangen ...
Die Akteure dieser Szene, die sich zu einem guten Teil aus dem jüdischen Humor speiste - naheliegend in einem Staat, in dem sowohl jüdische Bauern wie jüdische Berufsoffiziere eine Selbstverständlichkeit waren und dessen Hauptstadt allein mehr als halbsoviel jüdische Einwohner hatte wie das gesamte viel größere Deutsche Reich - waren entsprechend oft Juden oder politisch bei den neuen Machthabern mißliebig. Sie emigrierten - wenn ihnen das Schicksal hold war, wie z.B. Hermann Leopoldi oder Armin Berg. Letzterer allerdings konnte nach dem Krieg nicht wirklich wieder in Wien Fuß fassen. Etliche wurden in Konzentrationslagern ermordet (wie Fritz Grünbaum, Franz Engel und manch andere weniger bekannte Kabarettisten). Ein Wiederanknüpfen an das Gewesene konnte es nach 1945 somit fast nicht geben - schließlich war auch der Großteil des Publikums, das diese Art des Humors feiner Beobachtung goutiert hatte, zusammen mit den Künstlern (man muß es wohl so drastisch formulieren!) ausgerottet worden - oder zwischen Schanghai, Kapstadt, Sydney und Hollywood in alle Winde zerstreut.
Aber auch die Zeit des Anschlusses, als nur „arische“ Künstler Platten produzieren durften, sparen wir nicht aus - auch hier gibt es eine Menge interessanter Aufnahmen zu entdecken, die sich im „Altreich“ doch nicht so verkauften wie in der nun „ostmärkischen“ Heimat der Darbietenden. In der zweiten Sendung kommen am Schluß auch noch Aufnahmen aus der unmittelbaren Nachkriegszeit.
Nur wenige führten nun die alte Tradition fort, unter ihnen, aus dem Exil zurückgekehrt, Hermann Leopoldi sowie auch Karl Farkas (Fritz Grünbaums ehemaliger Doppelconférence-Partner, der als letzter Verteter der alten Garde 1971 sozusagen auf der Bühne starb) und der erst jüngst verstorbene Georg Kreisler. Die beiden letzteren sind allerdings nicht in unseren Sendungen vertreten.
Hermann Leopoldi starb 1959 an einem Herzinfarkt - mit einem Vertrag für Fernsehaufnahmen in der Tasche. Ein Klavierhumorist der alten Garde im Fernsehen - das sollte wohl einfach nicht mehr sein ...
Die 50er Jahre im Wiener Kabarett (Kreisler, Qualtinger, Bronner, Jaggberg usw.) wären ein Thema für eigene Sendungen - hier soll es um die Zeit davor gehen.
Einige Nummern sind immer noch (oder wieder!) sehr aktuell - so in der ersten Sendung Armin Bergs „Abbau von Österreich“ oder „Sparsam muß man sein“ - oder in der zweiten Folge Franz Engel mit „Von was leben die Leut‘?“
Aus seinem gemeinhin bekannten und untrennbar mit ihm verbundenen Repertoire an betulichen Wienerliedern sticht Hans Mosers erste Platte heraus: „Der Dr. Lueger hat mir die Hand gereicht“.
Moser steht hier ganz in der Kabaretttradition, aus der er eigentlich stammt. Gallebitter zeichnet er am Beispiel eines kleinen Greißlers die Verarmung des Mittelstands nach dem I. Weltkrieg nach, die nicht unwesentlich mithalf auf dem Weg in die Diktatur. Auch dies - leider - nicht ohne aktuelle Bezüge. Ein Schelm, wer Arges dabei denkt ...
Freuen Sie sich auf spannende zwei Stunden Radio Wien im „Tanzparkett extra“ (zweite Folge am 15.01).
 
In der ersten Sendung bringen wir:
 
Franz Engel und Fritz Wiesenthal
Hallo, hier Radio Wien (Teil 1 und 2) (Wiesenthal - Engel) Columbia DV 1185
 
Armin Berg mit Karl Inwald am Flügel
Abbau von Österreich (Peter Herz - Oscar Straus)
Sparsam muß man sein! (Louis Taufstein - A. W. Werau) Parlophon B 47 141
 
Wiener Boheme-Quartett
Babarabmbu (Peter Igelhoff)
Der Donaudampfschiffahrtsgesellschaftskapitän (Charles Loubé - Erich Meder)
 
Franz Schier
Der Seeräuber (Erich Meder - Hans Lang)
Einmal war ich auf der Insel Krk  (Erich Meder - Hans Lang) Odeon O-26 355
 
Franz Engel mit Otto Berkowitz am Klavier
Am Postschalter (Grünbaum - Werau)
In Paris, in Paris sind die Männer so süß (Moretti - Engel - Kaps) His Master’s Voice AM 3323
 
Hermann Leopoldi
In der Schweiz und in Tirol (Profes - Rotter -Stransky)
Im grünen Klee (Leopoldi - Beda) Electrola EG 1325
 
Hermann Leopoldi
Tonfilm-Potopurri 1. und 2. Teil (Leopoldi - Peter Herz) Electrola EG 1624
 
Jacques Rotter
In Nischni-Nowgorod (Fall - Beda) His Master’s Voice AM 604
 
Armin Berg
Wenn ein Fräulein ... (Dew-Dew-Dewy Day) (Sherman - Johnson - Louis Taufstein - Tobias) His Master’s Voice AM 1964

  • Sendetermin: „Tanzparkett extra“, Sonntag, 8. Jänner 2017, 17 Uhr
  • Wiederholung Montag, 9. Jänner 2017, 9 Uhr

 

Elvis und der Memphis Rock & Roll

Wenngleich an diesem Wochenende viele huldvoll seiner gedenken, so war "King" Elvis ganz und gar nicht der einzige großartige Musiker, der aus der früheren Blues Musikmetropole Memphis/Tennessee kam. Ab Ende der 1940er/Beginn der 1950er Jahre entwickelte sich die ehemalige Sklavenhandelsstadt und zugleich Baumwollbörse am Mississippi mit der Beale Street und ihren vielen Clubs und Bühnen zu einem zentralen Ort der Kreativität. Bereits am Beginn des 20. Jahrhunderts hatte der legendäre W.C. Handy dort einen Meilenstein der Musikhistorie gesetzt - "Beale Street Blues". Der Anteil der schwarzen Bevölkerung ist hier nach wie vor doppelt groß wie der der weißen. Im April 1968 wurde in der Südstaatenmetropole Dr. Martin Luther King ermordet. Memphis war/ist zugleich eine zentrale Adresse des amerikanischen Civil Rights Movement. Und den Radiosender WDIA kannte Elvis seit seinen Schultagen. Er hörte die großen schwarzen Meister des Rhythm & Blues, von Muddy Waters und B.B. King über Howling Wolf, Alberta Hunter, Aretha Franklin und John Lee Hooker bis Mississippi John Hurt und Rufus Thomas. In Erinnerung an den "King" anläßlich seines (eigentlichen) heutigen Geburtstages (*1935, Tupelo/Mississippi) hören wir einige seiner frühen SUN-Aufnahmen und auch etliches von anderen Trendsettern, die ebenfalls Memphis als ihre musikalische Heimat bezeichne(t)en.

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 8. Januar 2017, 19 Uhr

 

Welthandel und Fluchtursachen

Die öffentliche Kritik an TTIP und CETA, den geplanten
Freihandelsabkommen der Europäischen Union mit den USA und Kanada, ist
groß. Was die meisten Menschen hierzulande nicht wissen: Die EU zwingt
auch vielen anderen Ländern Freihandelsverträge auf. Vor zwei Jahren
haben die Staatschefs der Wirtschaftsgemeinschaft der Westafrikanischen        Staaten einem sogenannten Wirtschafts-Partnerschafts-Abkommen (Economic Partnership Agreement/EPA) zugestimmt, das sie nötigt, ihre Märkte für Importe zu öffnen und Konzernen Zugang zu ihren Rohstoffen zu gewähren. Dabei gibt es die begründete Befürchtung, daß die EPAs die Entwicklung der betroffenen Länder stark behindern und noch mehr Menschen in die Armut treiben werden.
Boniface Mabanza zeigte in seinem Vortrag, wie die Entwicklung des Welthandels dazu geführt hat, daß Menschen in ihren Ländern keine Perspektive mehr sehen.
Referent Dr. Boniface Mabanza ist Koordinator der Arbeitsstelle Südliches Afrika   (Heidelberg) und freiberuflicher Dozent für Entwicklungspolitik, aktiv in zahlreichen
Netzwerken der Afrikanischen Diaspora.

  • Sendetermin: „attac-Radio“, Dienstag, 10. Januar 2017, 21 Uhr

 

Zum Tod von Rick Parfitt

Er war der Blonde mit der weißen Gitarre, der Liebling der Status-Quo-Fans in aller Welt und derjenige, der mit seinen Boogie-Riffs den Sound der Band entscheidend prägte. Rick Parfitt stieß als letztes Mitglied der klassischen Besetzung zur Band – 1967 wurde er von seinem alten Kumpel Francis Rossi als Rhythmusgitarrist in die Gruppe geholt, der er fast 50 Jahre angehörte. Schnell etablierte er sich neben Rossi als zweiter Sänger und Fixpunkt innerhalb der Band, als kreatives Zentrum und als zentrale Figur der Quo-Bühnenshow. Auch als Quo-Songschreiber war er höchst erfolgreich; viele große Hits der legendären Kapelle gehen auf sein Konto, u.a. „Rain“, „Again And Again“ und das unverwüstliche „Whatever You Want“. Rick Parfitt war bis wenige Monate vor seinem Tod aktiv: Noch im Sommer 2016 absolvierte er mit der Band Konzerte, obwohl er seit Jahren an Herzproblemen litt. Am Heiligabend starb er im Alter von 68 Jahren – wir würdigen ihn in einer Sonderausgabe von „Handmade“, in der wir vor allem diejenigen Status-Quo-Songs zu Gehör bringen, an deren Entstehung Rick Parfitt als Komponist oder Sänger maßgeblich beteiligt war.

  • Sendetermin: „Handmade“, Mittwoch, 11. Januar 2017, 18 Uhr

Programminfos vom 30.12.2016 bis 05.01.2017

Verschollene Songs aus dem Bermudadreieck

Folge 841 – man sang deutsch

Auch 2016, im Zeitalter der online Streaming Dienste und des schnellen Vergessens gibt es sie noch. Songs, die scheinbar vom Erdboden verschwunden sind und an die sich wenige überhaupt noch erinnern (wollen oder können). Eine Rettungstat, speziell für die HörerInnen des Freien Radios, steht auf dem Programm. Entrissen der ewigen Dunkelheit ohne Moll und Dur. Eine Art musikalischer Gemischtwarenladen, jenseits von Schubladendenken und gutem Geschmack. Von seltsam bis tanzbar. Mit ganz viel Bum-Bum und skurriler Garantie – bis am Ende sogar das Pony lacht.
In den nicht immer nachvollziehbaren Gehirnwindungen unseres Moderators schlummern diese Obsessionen schon geraume Zeit. Rille um Rille. Deutsch gesungen, nicht immer akzentfrei und fast immer  „never released on CD“. Also echte Perlen, unkalkulierbare Attacken auf die Gehörgänge. Da wird ein Hexensüppchen angerührt oder Commander McLane (genau der, der aus dem Raumschiff Orion) kommt einem Orangendieb auf die Spur. Politpop vom 7000 Eichen Pflanzer oder ein Kasseler Hochschulguru (schon tot), der unbefriedigt blieb, Stones hin, Stones her. Phantastische Coverversionen, nicht nur von Leonard-Cohen-Songs, funkiges von Kommissar Stöver und das verruchte Lied vom Phantom aus Soho (Edgar Wallace). Braucht‘s wirklich noch mehr Argumente um den Einschaltknopf zu betätigen? Ganz nebenbei bringt Daisy Popcorn mit und eine Wildkatze schnurrt ständig um den aufgeregten Moderator herum. All das noch pünktlich zum 2016er Jahresendspurt. Livesendung.
Mehr Infos, ein paar hübsche, wie seltene Plattencover und später dann auch die Möglichkeit die verpaßte Sendung nachzuhören, gibt’s auf meinem Blog:

  • Sendetermin: „Magic Moments“, Mittwoch, 28. Dezember 2016, 21 Uhr

 

No World Order – Wie antisemitische Verschwörungsmythen die Welt verklären

Verschwörungserzählungen begleiten auch die aktuellen Krisen. „Lügenpresse“ und „Volksverräter“ sind die einschlägigen Begriffe, denen man auf Demonstrationen nicht nur rechtsextremer Bewegungen, in „alternativen“ Medien und den sogenannten „Sozialen Netzwerken“ begegnet. Die Anhängerinnen und Anhänger von Verschwörungsideologien und -mythen machen auf diese Weise deutlich, daß es sich bei den zugrundeliegenden Erzählungen eben nicht ausschließlich um Unterhaltung handelt, sondern ihnen der Wunsch nach der Vernichtung von Widersprüchen innewohnt. Jan Rathje von der Amadeu-Antonio-Stiftung stellte Funktionen und Ursachen von Verschwörungsideologien sowie gesellschaftliche Probleme, die aus ihnen erwachsen, zur Diskussion. Die Veranstaltung fand im Rahmen einer vom ASTA der Uni Kassel sowie dem Büdnis gegen Antisemitismus organisierten Ringvorlesung statt.
Außerdem in der Sendung: Bericht von der Eröffnung der Ausstellung „Dein Stadtmuseum“.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 30. Dezember 2016, 18 Uhr

 

"I´ll never get out of this world alive": Hank Williams  -  Erinnerung an eine Musik-Ikone

Eigentlich müßig sich Gedanken zu machen, ob der unvergessene große US Song-Troubadour Hank Williams nicht auch einen ganz großen Nobel-Preis verdient hätte - abgesehen davon, daß die amerikanische Musik-Ikone Williams mit Sicherheit ebenfalls nicht zur Preisvergabe erschienen wäre, gerade so wie kürzlich Bob Dylan. Ist er doch unbestreitbar eine Singer/Songerwriter-Persönlichkeit von enormer Bedeutung - nicht nur in den streitbaren USA von heute (früher war´s da auch nicht viel besser).
Wirklich alt geworden ist der berühmte Künstler nicht, nicht mal 30. Er hat aber im Verlauf seiner aufregend-wilden und zugleich kurzen Karriere musikhistorische Meilensteine erster Güte gesetzt, mit großer und tiefer inhaltlicher Bedeutung, ausgestattet mit hohem melodiösem Wiedererkennungswert. Gerade so wie Dylan - allerdings vielleicht nicht ganz so intellektuell-belesen. Allerdings verpackte er weiße Blues-Geschichten in melodiös-eingängigen Zwei-Minuten-Songs, in vier Strophen allgemein verständlich erzählt, mit der legendären "Authentizität", die damals wie heute ein jeder verstand. Hank Williams hat noch immer Vorbildfunktion für Legionen von MusikerInnen und Songwritern. Sein Oeuvre dient zahllosen Musikern aus  unterschiedlichen Bereichen als Inspirationsquelle. Kam Bob Dylan aus dem industrieverseuchten Norden der Staaten, so stammte Hank Williams aus dem ruralen tiefen dünnbesiedelten Süden. Und eben dort hat er die regionale Folk-Musik schon viel früher als Robert Allen Zimmerman direkt (vor seiner Haustür quasi) tief inhaliert, das Gitarrenspiel beim schwarzen Schuhputzer "Tee Tot" auf der Straße erlernt.
Aus dem riesigen Aufnahmefundus des legendären Hank Williams hören wir zum Jahresausklang diesmal selten gespielte rare Titel, entnommen der aufwendig gestalteten 3-er CD Box "Hank Williams - Unrevealed" (Time Life / 2009). Enthalten sind Studioaufnahmen, sogenannte Radio Outtakes und Werbespots für "Mother´s Best" aus den frühen Radiosendungen, die damals, zu Beginn der 1950er Jahre, "live" in den Staaten ausgestrahlt wurden und die sehr populär waren. Die Songs wurden eingespielt mit Hanks exquisiten Mitmusikern, seinen Drifting Cowboys. Auch Aufnahmen mit seiner damaligen Frau Audrey sind dabei. Die Sendung ist eine nachträgliche Widmung an den weißen Bluesmann Hank Williams, der in der Silvesternacht 1952/53 unter bis heute nicht restlos aufgeklärten Umständen im Fond seines Cadillac auf der Nachtfahrt zu einer Show in Canton/Ohio gestorben ist. Eine geradezu mysteriöse Geschichte ... Drei Tage später wurde Hank Williams in Montgomery/Alabama zu Grabe getragen. 20.000 Menschen gaben ihm das letzte Geleit.

  • Sendetermin: „Die Lange Rille“, Freitag, 30. Dezember 2016, 22 Uhr

 

Blues, Boogie & Swing: Zurück in vergangene Zeiten 

Die originalen Canned Heat (Spät 60er/Früh 70er) geben den Startschuß für eine echt swingende Folge unseres Blues-Magazins. Der Moderator dieser Sendung hatte vor gut einem halben Jahrhundert das große Glück, die enorme Schallplattensammlung des Heat-Sängers Robert (Bob "The Bear") Hite in Kalifornien betreten zu dürfen. Ein Erweckungs-Erlebnis der besonderen Art! Der schwergewichtige Bluesmusiker beherbergte in seinem Basement eine unglaublich riesige, gut sortierte Sammlung alter Schellacks und 45´s Singles.
Mit dabei ist diesmal so einiges von all dem. Aus den 40/50er Jahren hören wir einen kleinen Piano-Boogie-Auszug - von Meade Lux Lewis und Jimmy Yancey über Pete Johnson und Albert Ammons bis zu u.a. Tommy Dorsey, Lionel Hampton und Cab Calloway.

  • Sendetermin: „Long Distance Call“, Samstag, 30. Dezember 2016, 19 Uhr

 

FRK-Silvestershow – ☎ 0561/57 80 64

Das Jahr 2016 neigt sich dem Ende zu. Und damit ist es wieder Zeit für die traditionelle FRK-Silvestershow, in der das alte Jahr verabschiedet und das neue Jahr begrüßt wird. Der Übergang von 2016 auf 2017 wird moderiert von Sebastian Lenth (Jazzcafé) und Robert Bienert (frei²), die viel Musik für noch mehr Musikwünsche einpacken, um bis 6 Uhr am Neujahrsmorgen die FRK-Hörer erstklassig zu unterhalten. Daneben gibt es viel Show mit Wunderkerzen, Überraschungsgästen und Konfetti – für die Ohren.

Musikwünsche und Neujahrsgrüße erreichen die Moderation während der Sendung per Telefon, 0561 / 57 80 64, oder neuländisch per Twitter, @FreiesRadioKS.

  • Sendetermin: „Silvester im FRK“, Samstag, 31. Dezember 2016, 21 Uhr

 

Musik-Rückblick/Hörversuch Mittsechziger: "Where have all the good times gone?"

Interessante Frage - keine Frage!  Zum Jahresbeginn gibt‘s in dieser Folge einen kurzen nostalgischen Blick zurück in die Beat-Jahre damals in Deutschland.
Ein gutes halbes Jahrhundert ist das nun schon her, als Mitte der 60er Jahre auch der Rock & Roll nach Deutschland kam. Tatsächlich waren die klassischen Jahre mit US-weiten Erfolgen, unglaublichen Einzelkarrieren, Billboard Charts Hits und aufregenden regionalen Klängen heute eher vergessener KünstlerInnen gerade vorüber. Da schwappte eine Welle mit bis dahin hierzulande nicht gekannten Sounds aus Großbritannien herüber in die musikalisch immer noch unterversorgte damalige BRD - hier waren waren noch Schlagermusik und Hafenkonzert im Radio am Sonntagmorgen angesagt.
Aber mit Beginn der 60er Jahre änderte sich da so einiges. Kurz nachdem die Beatles und die Stones auch hierzulande reihenweise unter Schülern, Teens und Twens mit ihren so progressiven Schallplattenaufnahmen aus Großbritannien einen gewissen Hype ausgelöst hatten, waren Tür und Tor für einen riesigen neuen Musik-Markt geöffnet. Mit dem Taschengeld der Zielgruppe wurden gewaltige Profite eingefahren. Und das sehr bald auch mehrgleisig: Die Printmedien mit "Bravo" an der Spitze, und das gute alte Dampfradio – äh, pardon: transportable Kofferradios und klobige Tonbandgeräte wurden flächendeckend aktiviert. Aktuelle Kunst brachte Pop Art hervor. Die Kleidermode war da bereits ausdrücklich "poppig". Das Konzept wirkte sehr schnell und anhaltend. Der nächste Step war dann die Stereo-Musiktruhe im gediegenen Wohnzimmer und die glitzernde Auswahl-Jukebox in der Kneipe an der Ecke. Den sogenannten "Pressluft-Schuppen" in Hamburg, Berlin und München folgten logischerweise "Beat Club" aus Bremen im Fernsehen - und zum Abtanzen schon bald auch entsprechende populäre Lokalitäten in Stadt und Land.  
Diese 60er-Sendung erinnert an: The Shadows, die Kinks und Searchers, die Swinging Blue Jeans, an die Small Faces, Humble Pie und auch an Status Quo. Deutsche Vertreters des damals angesagten Musikmetiers: aus Hamburg die Rattles, aus Berlin die Rainbows. Und aus Kassel die frühen Petards. Friedliche Neujahrsmucke pur. Laßt´s krachen, aber gelassen. Und alles Gute zum neuen Jahr wünscht Euch Moderator Wolf Silaff.

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 1. Januar 2017, 19 Uhr

Programminfos vom 23.12.2016 bis 28.12.2016

Diskussionsrunde der Oberbürgermeisterkandidaten

2017 ist – wieder einmal – Wahljahr. Nicht nur über die Zusammensetzung des Bundestags wird entschieden, auch der Posten des Kasseler Oberbürgermeisters muß neu besetzt werden. Der derzeitige OB Bertram Hilgen tritt nach zwei Amtszeiten nicht erneut an – es wird also demnächst einen neuen „Bewohner“ des OB-Amtszimmers im Kasseler Rathaus geben. Der Wahlkampf ist bereits eröffnet, die ersten Plakate hängen, und auch eine öffentliche Veranstaltung mit den zur Wahl stehenden Kandidaten hat schon stattgefunden: Am Montag dieser Woche ging in der Kasseler Volkshochschule der erste verbale Schlagabtausch der vier Anwärter auf den OB-Posten über die Bühne. Im Rahmen einer Veranstaltung der Europa-Union diskutierten Murat Cakir (Linke), Eva Koch (Grüne), Dominique Kalb (CDU) und Christian Geselle (SPD) unter der Leitung von Prof. Hermann Heußner vorwiegend über europapolitische Fragen, soweit sie auch die kommunale Ebene betreffen. Die lebhafte Debatte wurde durch Anmerkungen und Fragen aus dem Publikum befeuert. Wir senden Auszüge.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 23. Dezember 2016, 18 Uhr

 

CD-Boxen für Musikfreunde

Nachdem wir in den letzten Wochen große, umfangreiche CD-Boxen als Weihnachtsgeschenktips vorgestellt hatten, gibt’s - passend zum Fest   weitere umfassende Editionen, die 2016 erschienen sind und in die man möglicherweise das Weihnachtsgeld investieren kann. Dabei sind u.a. Alex Harvey, Pink Floyd, Glitter Band, Ulrich Roski, Beach Boys und Elvis Presley.

  • Sendetermine: „FRK spezial – CD-Boxen für Musikfreunde“, Samstag, 24. Dezember 2016, 21 Uhr

 

It´s a Rock & Roll Christmas

Yo, zum großen Fest der "Christenheit" lassen mer‘s hier auch recht herzelisch knacken : "Rockin´ around the Christmas Tree". Könnte man/frau sagen ... oder eben abtanzen! Diesmal gibt’s also originale Sounds aus einem guten Vierteljahrhundert Rock & Roll-Historie, aus den klassischen 40/50/60er Jahren des vorigen Jahrtausends. Mit dabei: Chuck Berry, Brenda Lee, Johnny Cash, Patti Page, The Four Lovers, Hank Ballard & The Midnighters, Bobby Vee, The Penguins, Eartha Kitt, Jo Ann Campbell  u.v.a.  Und natürlich King Elvis (plus Verehrer Robert Gordon aus der Neuzeit). So, let´s have a mighty fine time & a good start into the upcoming New Year. Peace, everybody.

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 25. Dezember 2016, 19 Uhr

 

Verschollene Songs aus dem Bermudadreieck

Folge 841 – Man sang deutsch

Auch 2016, im Zeitalter der online Streaming Dienste und des schnellen Vergessens gibt es sie noch. Songs, die scheinbar vom Erdboden verschwunden sind und an die sich wenige überhaupt noch erinnern (wollen oder können). Eine Rettungstat, speziell für die HörerInnen des Freien Radios, steht auf dem Programm. Entrissen der ewigen Dunkelheit ohne Moll und Dur. Eine Art musikalischer Gemischtwarenladen, jenseits von Schubladendenken und gutem Geschmack. Von seltsam bis tanzbar. Mit ganz viel Bum-Bum und skurriler Garantie – bis am Ende sogar das Pony lacht.
In den nicht immer nachvollziehbaren Gehirnwindungen unseres Moderators schlummern diese Obsessionen schon geraume Zeit. Rille um Rille. Deutsch gesungen, nicht immer akzentfrei und fast immer  „never released on CD“. Also echte Perlen, unkalkulierbare Attacken auf die Gehörgänge. Da wird ein Hexensüppchen angerührt oder Commander McLane (genau der, der aus dem Raumschiff Orion) kommt einem Orangendieb auf die Spur. Politpop vom 7000 Eichen Pflanzer oder ein Kasseler Hochschulguru (schon tot), der unbefriedigt blieb, Stones hin, Stones her. Phantastische Coverversionen, nicht nur von Leonard-Cohen-Songs, funkiges von Kommissar Stöver und das verruchte Lied vom Phantom aus Soho (Edgar Wallace). Braucht‘s wirklich noch mehr Argumente um den Einschaltknopf zu betätigen? Ganz nebenbei bringt Daisy Popcorn mit und eine Wildkatze schnurrt ständig um den aufgeregten Moderator herum. All das noch pünktlich zum 2016er Jahresendspurt. Livesendung.
Mehr Infos, ein paar hübsche, wie seltene Plattencover und später dann auch die Möglichkeit die verpaßte Sendung nachzuhören, gibt’s auf meinem Blog:

  • Sendetermin: „Magic Moments“, Mittwoch, 28. Dezember 2016, 21 Uhr

Programminfos vom 17.12.2016 bis 20.12.2016

Blues, Boogie & Swing: Zurück in vergangene Zeiten

Die originalen Canned Heat (Spät 60er/Früh 70er) geben den Startschuß für eine echt swingende Folge unseres Blues-Magazins. Der Moderator dieser Sendung hatte vor gut einem halben Jahrhundert das große Glück, die enorme Schallplattensammlung des Heat-Sängers Robert (Bob "The Bear") Hite in Kalifornien betreten zu dürfen. Ein Erweckungs-Erlebnis der besonderen Art! Der schwergewichtige Bluesmusiker beherbergte in seinem Basement eine unglaublich riesige, gut sortierte Sammlung alter Schellacks und 45´s Singles.
Mit dabei ist diesmal so einiges von all dem. Aus den 40/50er Jahren hören wir einen kleinen Piano-Boogie-Auszug - von Meade Lux Lewis und Jimmy Yancey über Pete Johnson und Albert Ammons bis zu u.a. Tommy Dorsey, Lionel Hampton und Cab Calloway.

  • Sendetermin: „Long Distance Call“, Samstag, 17. Dezember 2016, 19 Uhr

 

Geschenktips für Musikfreunde, Teil 5

„Weiß überhaupt jemand, was er seinen Lieben auf den Gabentisch legen soll? Niemand weiß das, gell?“ Dieses Zitat von Frau Direktor Bartels aus Loriots legendärem Sketch gilt vermutlich bis in alle Ewigkeit. Kaum zu glauben, aber traurig: Weihnachten steht schon wieder vor der Tür, und die bange Frage nach den Präsenten für die Verwandt- und Bekanntschaft stellt sich drängend, wie in jedem Jahr um diese Zeit. Aber nicht verzagen: Das FRK betätigt sich als Retter in der Not. Wir empfehlen zwar nicht, wie Frau Direktor Bartels, den „Familien-Originalbenutzer“, dafür aber umfassende CD-Pakete, über die sich insbesondere Musikfans freuen dürften.
Wie bereits in früheren Jahren, so stellen wir auch diesmal wieder eine Reihe repräsentativer CD-Boxen vor, die in den vergangenen 12 Monaten erschienen sind. In der letzten von insgesamt fünf Sendungen sind dabei u.a. Black Sabbath, The Who, David Bowie, Quicksilver Messenger Service, The Verve, Big Star, The Band.

  • Sendetermine: „FRK spezial – Geschenktips für Musikfreunde“, Teil 5; Samstag, 17. Dezember 2016, 21 Uhr

 

It´s a Rock & Roll Christmas

Yo, zum großen Fest der "Christenheit" lassen mer‘s hier auch recht herzelisch knacken : "Rockin´ around the Christmas Tree". Könnte man/frau sagen ... oder eben abtanzen! Diesmal gibt’s also originale Sounds aus einem guten Vierteljahrhundert Rock & Roll-Historie, aus den klassischen 40/50/60er Jahren des vorigen Jahrtausends. Mit dabei: Chuck Berry, Brenda Lee, Johnny Cash, Patti Page, The Four Lovers, Hank Ballard & The Midnighters, Bobby Vee, The Penguins, Eartha Kitt, Jo Ann Campbell  u.v.a.  Und natürlich King Elvis (plus Verehrer Robert Gordon aus der Neuzeit). So, let´s have a mighty fine time & a good start into the upcoming New Year. Peace, everybody.

  • Sendetermin: „Lonesomde Traveler“, Sonntag, 18. Dezember 2016, 19 Uhr

 

Creating Future 2016

Jugendliche und junge Erwachsene aus Athen (Griechenland), Mulhouse (Frankreich), Poznan (Polen), Padova (Italien) und Kassel befassten sich  im Rahmen eines internationalen Tanz- und Theaterprojektes in Kassel im Sommer 2016 mit ihren Erfahrungen mit Macht und Ohnmacht und machten daraus Songs sowie Tanz- und Theaterszenen, die im Kasseler DOCK 4 der Öffentlichkeit präsentiert wurden. Kasseler TeilnehmerInnen berichten in der 60-minütigen Sendung von diesem Projekt des Kommunalen Jugendbildungswerks der Stadt Kassel.

  • Sendetermin: „Creating Future 2016“, Dienstag, 20. Dezember 2016, 18 Uhr

Programminfos vom 08.12.2016 bis 16.12.2016

Nachkriegskarrieren von NS-Tätern

Die Referenten des Reichssicherheitshauptamtes, die den Holocaust planten und durchführten, waren mehrheitlich junge Männer, die überdurchschnittlich gebildet waren: 100 % hatten Abitur, 60 % einen Universitätsabschluß und 30 % einen Doktortitel. (Zum Vergleich: In der Gesamtbevölkerung besuchten damals knapp 5 % der Schüler ein Gymnasium.) Prof. Dr. Michael Wildt, einer der wichtigsten NS-Forscher, hat sich mit dieser Tätergruppe intensiv beschäftigt. Sein Buch „Die Generation des Unbedingten“ ist mittlerweile ein Standardwerk. In seinem Vortrag in der Kasseler Volkshochschule erläuterte Michael Wildt die Bedeutung dieser Tätergruppe und ging der Frage nach, was die Betroffenen nach dem Krieg taten.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 9. Dezember 2016, 18 Uhr

 

Geschenktips für Musikfreunde, Teil 3 und 4

„Weiß überhaupt jemand, was er seinen Lieben auf den Gabentisch legen soll? Niemand weiß das, gell?“ Dieses Zitat von Frau Direktor Bartels aus Loriots legendärem Sketch gilt vermutlich bis in alle Ewigkeit. Kaum zu glauben, aber traurig: Weihnachten steht schon wieder vor der Tür, und die bange Frage nach den Präsenten für die Verwandt- und Bekanntschaft stellt sich drängend, wie in jedem Jahr um diese Zeit. Aber nicht verzagen: Das FRK betätigt sich als Retter in der Not. Wir empfehlen zwar nicht, wie Frau Direktor Bartels, den „Familien-Originalbenutzer“, dafür aber umfassende CD-Pakete, über die sich insbesondere Musikfans freuen dürften.
Wie bereits in früheren Jahren, so stellen wir auch diesmal wieder eine Reihe repräsentativer CD-Boxen vor, die in den vergangenen 12 Monaten erschienen sind. An diesem Wochenende gibt’s gleich zwei jeweils dreistündige Sendungen zu hören. In der dritten von insgesamt fünf Sendungen sind dabei u.a. Bachmann-Turner-Overdrive, Steve Hillage, R.E.M., Queen, Foghat, Paul Butterfield, Arthur Big Boy Crudup sowie Freddy Quinn. Teil 4 befaßt sich mit Veröffentlichungen u.a. von Bob Dylan, Cluster, Kris Kristofferson, Jethro Tull, Roy Orbison, Miles Davis, Van Morrison und Hawkwind. (Eine weitere Folge ist am kommenden Wochenende zu hören.)

Sendetermine: „FRK spezial – Geschenktips für Musikfreunde“

  • Teil 3: Freitag, 9. Dezember 2016, 22 Uhr
  • Teil 4: Samstag, 10. Dezember 2016, 21 Uhr

 

Tanzparkett-Sondersendungen zum 75. Jahrestag des Eintritts der USA in den II. Weltkrieg

Kann man Eintritt überhaupt sagen? Der japanische Angriff auf Pearl Harbor am 07.12.41 war quasi eine Einladung, eine Aufforderung zum ganz großen Totentanz. Und doch hätten sich die US-geführten Kampfhandlungen auf den pazifischen Schauplatz beschränken können - hätte nicht in Berlin ein größenwahnsinniger „Ostmärker“ den damals noch schlafenden Riesen USA vier Tage später per Kriegserklärung geweckt. Ohne vertragliche Verpflichtung dem Bündnispartner Japan gegenüber, wohlgemerkt.
Aber der Reihe nach:
Begonnen hatte alles gut zwei Jahre vorher in Good Old Europe. Um seine Vorstellung von der Neuordnung des Kontinents durchzusetzen, hatte Hitler am 01.9.39 Polen angegriffen. Die Garantiemächte England und Frankreich erklärten daraufhin am 03.9.39 Deutschland den Krieg. Bis es tatsächlich zu Kampfhandlungen kam, dauerte es allerdings noch eine Weile. An deren vorläufigem Ende stand Frankreich geschlagen da, und England bangte ernstlich um seinen Fortbestand. Aber in bester englischer Tradition behielt man seine „stiff upper lip“.
Der Ausgang schien noch lange ungewiß, selbst dann, als Hitler im Sommer 1941 offenbar in Napoleons Spuren wandeln wollte und seinen Bündnispartner Sowjetunion aus heiterem Himmel angriff.
Nach Kriegseintritt (da ist es nun doch wieder, das Wort) der USA kippte die Lage. Doch es sollte noch über drei Jahre dauern, bis die großgermanischen Eroberer in ihr eigenes Land zurückgedrängt und niedergerungen waren. Trümmerfelder blieben vom Tausendjährigen Reiche. Die USA waren unterdes auf den direkten Weg zur Weltmacht eingeschwenkt.
Der Weg dorthin war auf beiden Seiten mit Schallplatten gepflastert.
In bisher drei Sendungen befaßte sich die Sendereihe „Tanzparkett“ damit. So stellten wir 2007 in einer Doppelfolge, die das Kriegsgeschehen ungefähr nachzeichnete, deutsche wie auch alliierte Platten vor, die in erster Linie der Stärkung der Moral in der Zivilbevölkerung beider Seiten dienen sollten; letztes Jahr brachten wir eine reine US-Sendung - mit Platten, deren Themen von früher Antikriegshaltung über die Spionagefurcht, die Rationierung und den allgegenwärtigen Trennungsschmerz bis zu höhnischer Siegerpose dem zerstörten Japan gegenüber reichen.
Aus dem nun gegebenen Anlaß der 75. Wiederkehr jenes weltpolitischen Ereignisses wiederholen wir die Sendungen.
 
Klappentext zu Folge 3 (die Folgen 1 und 2 wurden in den vergangenen beiden Wochen ausgestrahlt)
American War Songs - US-Propagandaplatten aus dem II. Weltkrieg
75 Jahre liegt nun der Eintritt der USA in den zweiten Weltkrieg zurück.
Das Tanzparkett blickt aus diesem Anlaß auf die US-amerikanische Seite und bringt Propagandaplatten. Die brauchte Uncle Sam, um seine Leute auf den Eintritt in den Krieg in Europa einzustimmen - gelinde gesagt, denn zum Teil handelt es sich um Propaganda plattester Art, musikalisch zumeist im modischen Swing-Gewand, aber auch im Country-Stil.
Viele US-Amerikaner erinnerten sich noch mit Grauen an die Schlachtfelder in Frankreich gut zwanzig Jahre vorher, auf denen auch (je nach Quelle) 100.000 bis über 200.000 US-Boys für einen Krieg gefallen waren, mit dem ihr Land eigentlich nichts zu tun gehabt hatte. Nun war es wieder soweit - US-Präsident Roosevelt hatte am Tage nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor vom 07.12.41 die Kriegserklärung gegen Japan ausgesprochen. Ohne vertragliche Verpflichtung hierzu erklärte dessen größenwahnsinniger Bündnispartner Hitler am 11.12. seinerseits den USA den Krieg, getreu dem schon Kaiser Wilhelm II. zum Verhängnis gewordenen Motto „Viel‘ Feind‘, viel Ehr‘“.  Unwiderruflich und endgültig  war damit ein neuer Weltkrieg im Gang - und auch die Propagandamaschinerie in den USA lief sogleich mit Vollgas an.
Halt, auch einen Titel bringen wir zu Beginn, der sich gegen den Krieg wendet  - die große Ausnahme. Noch heute wird in Amerika zumindest schief angeschaut, wer den Sinn eines in Washington D.C. befohlenen Kriegs hinterfragt … Hämische Verhöhnung der tatsächlich oder vermeintlich besiegten Gegner ist dagegen damals wie heute in patriotischen Kreisen durchaus akzeptabel. Das beleuchtet die letzte Aufnahme dieser Ausgabe sehr eindrücklich ...
Durch die Sendung begleitet Sie Peter Michael.

  • Sendetermin: „Tanzparkett spezial“, Folge 3: US-amerikanische Propagandaplatten; Sonntag, 11. Dezember 2016, 17 Uhr
  • Wiederholung: Montag, 12. Dezember 2016, 9 Uhr

 

Vorweihnachtliches: Yo, seid´s ihr alle do ... ?

Diesmal wird‘s musik- und stiltechnisch weihnachtlich und recht bunt beim Lonesome Traveler. Passionierte Schlagzeuger legen auch heute noch respektvoll die trainierten Ohren an, wenn sie mal wieder frühere Aufnahmen von/mit dem legendären Billy Cobham hören. Genau der eröffnet diese Folge mit seinem zeitlosen Titel "A Funky Kind Of Thing" von 1975 aus dem Atlantic-Klassiker-Album "A Funky Thide of Sings". Damals öffnete er, begleitet von u.a. dem feinen Gitarristen John Scofield und den abgefahrenen Blechbläser-Brüdern Randy und Michael Brecker, die Türe zu Fusion/Jazz/Rock und Weltmusik. The rest is Jazz history ...
Doch dann von den Columbia Studios in San Francisco herüber ins Oberbayerische. Die Mitglieder der ebenfalls vielseitigen Biermösl Blosn waren lange Zeit kongeniale musikalische Handwerkerbegleiter auf den Kabarettbühnen des legendären Gerhard Polt. Er ist ein weiteres echtes bayerisches Original - "seid´s ihr alle do?". Von der Blosn hören wir einiges, bevor es in die heimische Region geht:
Aus unserer dOCUMENTA-Stadt Kassel stammt das fantastische Trio um den Ausnahmepianisten Edgar Knecht. Wir hören Tracks aus dem Debütalbum von 2010 "Good Morning Lilofee", das sie mittlerweile weltberühmt gemacht hat. Nach etlichen zugesprochenen Preisen, Auszeichnungen und weltweiten Tourneen gibt’s auch auch etwas aus dem anspruchsvollen Zweitsilberling "Dance On Deep Waters" (2013). Fine sounds guaranteed!

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 11. Dezember 2016, 19 Uhr

 

Lieder gegen Rechts

Die Friedensbewegung, die sich gegen NATO-Doppelbeschluß und die atomare Hochrüstung in Westeuropa richtete, führte unter anderem im Juni 1984 zur Gründung der Friedensliste, die im selben Jahr zu den Europawahlen und 1987 zu den Bundestagswahlen antrat.
Am 12. Dezember 1986 lud die Friedensliste zu einer Wahlveranstaltung ins Hermann-Schafft-Haus in Kassel ein. In unserer historischen Aufnahme stellen wir Ausschnitte aus dem Kulturprogramm vor. Mit dabei: die SDAJ-Songgruppe Kassel, der Kasseler DGB-Chor und die Gruppe Ohne Etikett. Moderation: Dieter Kindl

  • Sendetermine: „Liederleute“, Dienstag, 13. Dezember 2016, 20.00 Uhr
  • Wiederholung Mittwoch, 14. Dezember 2016, 12.00 Uhr

 

CETA und TISA – Debatten um die geplanten Freihandelsabkommen

Im Mai hatte Attac mit Unterstützung von DGB, KAB und BUND beim Stadtparlament eine Petition eingereicht, die eine Bürgerversammlung zu den Auswirkungen von CETA, dem Handelsabkommen zwischen EU und Kanada, auf die Wirtschaftsunternehmen der Stadt Kassel und die örtliche Kommunale Daseinsvorsorge forderte.
Im Eingabe-Ausschuß, der solche Petitionen diskutiert und eine Beschlußempfehlung für das Stadtparlament ausspricht, wurde die Petition in der Sitzung am 15. September abgelehnt. O-Ton Oberbürgermeister Hilgen:

"CETA ist noch nicht in Kraft und wir gackern nicht über ungelegte Eier". Bei der abschließenden Beratung im Kasseler Stadtparlament am 14. November war von diesem Argument nichts mehr zu hören. Der Sendebeitrag gibt die halbstündige Debatte wieder. TiSA: Privatisierung in allen Lebensbereichen

Schon wieder wurde lange im Geheimen gekungelt, die Verhandlungen sind sehr weit fortgeschritten. Bei dem Abkommen mit dem Namen TiSA (Trade in Services
Agreement) geht es um fast alles, was wir zum Leben brauchen: vom Trinkwasser bis zur Abfallentsorgung, vom Kindergarten bis zum Altersheim, von Post und Bank über Eisenbahn und Elektrizitätswerke bis zum Theater. Ein wesentliches Ziel ist es, die Privatisierung bisher öffentlicher Dienstleistungen
durch Konzerne noch weiter voranzutreiben. TiSA wird extrem weit reichen, die Gefahren für die öffentliche Daseinsvorsorge sind enorm. TiSA ist nach dem CETA-Handelsabkommen mit Kanada und dem noch nicht endgültig gescheiterten TTIP-Abkommen mit den USA ein weiterer skandalöser Versuch, die Macht privater Konzerne zu vergrößern. Auch TiSA soll einen völkerrechtlichen Rahmen schaffen, in dem die Politik unsere Zukunft nur noch im Sinne der Interessen der Konzerne gestalten kann. Es wäre der Ausverkauf der demokratischen Weiterentwicklung unseres Gemeinwesens.

  • Sendetermin: „attac-Radio“, Dienstag, 13. Dezember 2016, 21 Uhr

 

Wanderzirkus Weltklang - Der Abschied

Nachdem erst vor wenigen Wochen unser Kollege Karsten Wagner seiner schweren Krankheit erlegen ist, starb nun, am 13. November, völlig überraschend Günther Klößinger, lange Jahre Redakteur und Moderator der Sendungen „Wanderzirkus Weltklang“ und „Tonkost“. Ohne daß es vorher irgendwelche Anzeichen für gesundheitliche Probleme gegeben hätte, setzte sich offenbar in Günnis Körper eine bakterielle Infektion fest, die mehrere lebenswichtige Organe angegriffen hat. Die medizinischen Möglichkeiten reichten letzten Endes nicht aus, die Funktionsfähigkeit der Organe wiederherzustellen. Günni wurde 51 Jahre als und hinterläßt seine Frau und seine beiden kleinen Zwillinge. Viele von euch kennen ihn sicherlich: Er war ein höchst sympathischer und freundlicher Zeitgenosse, der mit seiner lockeren, humorvollen Art viele Freunde gewonnen hat. Neben seinen Aktivitäten als Radiomoderator war er auch als Märchenerzähler, Buchautor und Musiker tätig. Seine Begeisterung für die Musik und seine umfassenden Kenntnisse machten ihn zu einem regelrechten Glücksfall fürs Radio.
Wir sind tief betroffen und erschüttert über den Verlust von zwei geschätzten Kollegen und Freunden. Sowohl Günni als auch Karsten haben das Programm des FRK über Jahre mit ihren Sendungen bereichert und geprägt. Daß wir innerhalb kurzer Zeit von gleich zwei Trauerfällen betroffen sind, ist wohl einer der schicksalhaften Zufälle, wie es sie nun einmal hin und wieder gibt. Günni und Karsten hinterlassen schmerzlich empfundene Lücken, und wir werden beide mit Sicherheit nicht vergessen.
In einer Abschiedssendung von "Wanderzirkus Weltklang" hören wir noch einmal einige von Günnis Lieblingsliedern, u.a. von Pentangle, Fairport Convention und natürlich von Grobschnitt.

  • Sendetermin: "Wanderzirkus Weltklang", Donnerstag, 15. Dezember 2016, 19 Uhr
  • Wiederholung Weltklang: Freitag, 16. Dezember 2016, 11 Uhr

Programminfos vom 02.12.2016 bis 08.12.2016

Geschenktips für Musikfreunde, Teil 2

„Weiß überhaupt jemand, was er seinen Lieben auf den Gabentisch legen soll? Niemand weiß das, gell?“ Dieses Zitat von Frau Direktor Bartels aus Loriots legendärem Sketch gilt vermutlich bis in alle Ewigkeit. Kaum zu glauben, aber traurig: Weihnachten steht schon wieder vor der Tür, und die bange Frage nach den Präsenten für die Verwandt- und Bekanntschaft stellt sich drängend, wie in jedem Jahr um diese Zeit. Aber nicht verzagen: Das FRK betätigt sich als Retter in der Not. Wir empfehlen zwar nicht, wie Frau Direktor Bartels, den „Familien-Originalbenutzer“, dafür aber umfassende CD-Pakete, über die sich insbesondere Musikfans freuen dürften.
Wie bereits in früheren Jahren, so stellen wir auch diesmal wieder eine Reihe repräsentativer CD-Boxen vor, die in den vergangenen 12 Monaten erschienen sind. In der zweiten von insgesamt vier Sendungen sind dabei u.a. Emerson, Lake & Palmer, Paul McCartney, Commander Cody And The Lost Planet Airmen, die Kinks, die Turtles, Yes, Todd Rundgren, Graham Parker und Hot Tuna.

  • Sendetermin: „FRK spezial – Geschenktips für Musikfreunde, Teil 2“, Freitag, 2. Dezember 2016, 22 Uhr

 

Erinnerung an zwei Unvergessene: Rock & Roller Little Richard und Bluesmann Jimi Hendrix

Little Richard und Jimi Hendrix: Zwei großartige Musik-Artisten, die unterschiedlicher kaum sein konnten und die trotzdem so einiges verband. Little Richard war der Eckstein der Rock & Roll-Pyramide, mit seinen raketenartigen Boogie Woogie-Treibsätzen und der hysterisch herausgeschrieenen Short Form-Lyrik, die alle Kids sofort verstanden, sobald der Plattenteller auf Touren kam. Und das, obwohl das meiste perfekte Nonsens-Zeilen waren. "A wop bop a lula a whop bam boom", eben. Das war Mitte der 1950er Jahre, als King Elvis ebenfalls noch hart an sich feilte und kämmte, um den Rest der Welt mit seinen Ohrwurm-Hits heiß zu beglücken. Auch er versuchte sich (erfolgreich) an Little Richard-Songs. The rest is history.
Und der andere, Jimi Hendrix, hat als Gitarrist beim erwähnten Richard Penniman als Bandmitglied mit auf Club-Bühnen die Klamotten durchgeschwitzt. Das war, bevor er zur Ikone der 70/80er Jahre aufstieg und bevor er sein Handwerk auf ein bis dahin nicht gekanntes technisch-hochgezüchtetes und verfremdetes Level hob, das völlig neue Maßstäbe setzte. Beide ziemlich abgefahrenen Künstler haben Rock-Historie geschrieben, daran ist nix zu rütteln. Und beide haben nicht zuletzt durch wahrlich überzeugende "Performance" bleibende Spuren hinterlassen und für riesige Umsatzzahlen gesorgt.
Little Richard hat soeben seinen 84. Geburtstag feiern können, echt ´ne Leistung. Respekt. Und, Jahrestage hin oder her: Ende November 1942 wurde Jimi Hendrix geboren. Er wäre nun 74 - leider hat er diese schnöde Welt bereits im zarten Alter von 27 verlassen. By the way - Moderator Wolf Silaff hatte eine denk-/erinnerungswürdige Begegnung mit dem unvergessenen Bluesmusiker vier Tage vor dessen dramatischem Tod, mitten in London ...  The way life goes, yap. Get ready for: Die Lange Rille.

  • Sendetermin: „Die Lange Rille“, Samstag, 3. Dezember 2016, 21 Uhr 

 

Tanzparkett-Sondersendungen zum 75. Jahrestag des Eintritts der USA in den II. Weltkrieg

Kann man Eintritt überhaupt sagen? Der japanische Angriff auf Pearl Harbor am 07.12.41 war quasi eine Einladung, eine Aufforderung zum ganz großen Totentanz. Und doch hätten sich die US-geführten Kampfhandlungen auf den pazifischen Schauplatz beschränken können - hätte nicht in Berlin ein größenwahnsinniger „Ostmärker“ den damals noch schlafenden Riesen USA vier Tage später per Kriegserklärung geweckt. Ohne vertragliche Verpflichtung dem Bündnispartner Japan gegenüber, wohlgemerkt.
Aber der Reihe nach:
Begonnen hatte alles gut zwei Jahre vorher in Good Old Europe. Um seine Vorstellung von der Neuordnung des Kontinents durchzusetzen, hatte Hitler am 01.9.39 Polen angegriffen. Die Garantiemächte England und Frankreich erklärten daraufhin am 03.9.39 Deutschland den Krieg. Bis es tatsächlich zu Kampfhandlungen kam, dauerte es allerdings noch eine Weile. An deren vorläufigem Ende stand Frankreich geschlagen da, und England bangte ernstlich um seinen Fortbestand. Aber in bester englischer Tradition behielt man seine „stiff upper lip“.
Der Ausgang schien noch lange ungewiß, selbst dann, als Hitler im Sommer 1941 offenbar in Napoleons Spuren wandeln wollte und seinen Bündnispartner Sowjetunion aus heiterem Himmel angriff.
Nach Kriegseintritt (da ist es nun doch wieder, das Wort) der USA kippte die Lage. Doch es sollte noch über drei Jahre dauern, bis die großgermanischen Eroberer in ihr eigenes Land zurückgedrängt und niedergerungen waren. Trümmerfelder blieben vom Tausendjährigen Reiche. Die USA waren unterdes auf den direkten Weg zur Weltmacht eingeschwenkt.
Der Weg dorthin war auf beiden Seiten mit Schallplatten gepflastert.
In bisher drei Sendungen befaßte sich die Sendereihe „Tanzparkett“ damit. So stellten wir 2007 in einer Doppelfolge, die das Kriegsgeschehen ungefähr nachzeichnete, deutsche wie auch alliierte Platten vor, die in erster Linie der Stärkung der Moral in der Zivilbevölkerung beider Seiten dienen sollten; letztes Jahr brachten wir eine reine US-Sendung - mit Platten, deren Themen von früher Antikriegshaltung über die Spionagefurcht, die Rationierung und den allgegenwärtigen Trennungsschmerz bis zu höhnischer Siegerpose dem zerstörten Japan gegenüber reichen.
Aus dem nun gegebenen Anlaß der 75. Wiederkehr jenes weltpolitischen Ereignisses wiederholen wir die Sendungen.

Klappentexte zu den einzelnen Sendungen:

Folge 1 u. 2
Deutsche und alliierte Propagandaaufnahmen* aus dem Zweiten Weltkrieg
Am 11. Dezember jährt sich der Eintritt der USA in den II. Weltkrieg zum 75. Male.
An den drei kommenden Sonntagnachmittagen bis zu diesem Termin hören Sie in der Reihe „Tanzparkett extra“ die Wiederholung von drei Sendungen aus den Jahren 2007 und 2015, die damals einiges an Hörerinteresse und Zuschriften hervorriefen. Daher und wegen des etwas heiklen und daher vom „großen“ Rundfunk meist gemiedenen Themas (der inzwischen eingestellte Auslandsdienst des Italienischen Rundfunks brachte kurz vor uns einmal eine Nachtsendung ähnlichen Inhalts) sehen wir diese Folgen als zur Wiederholung besonders geeignet an.
Mit Aufnahmen von deutscher und alliierter Seite sowie Erläuterungen (zum Kriegsgeschehen und zu den Aufnahmen selbst) folgen die Sendungen ungefähr dem Kriegsverlauf (kleine zeitliche Sprünge sind enthalten), so daß sich unsere Hörer ein Bild machen können, wie in den jeweiligen Staaten die Bevölkerung bei Laune gehalten werden bzw. auf den Krieg eingestimmt werden sollte.
Platten mit direkter Kriegshetze gegen die Völker der jeweiligen Gegner enthalten die ersten beiden Sendungen nicht, sondern solche, die die militärische und politische Führung des Feindes verhöhnen (Lord Gort, Mussolini und nicht zuletzt Hitler sind Zielscheibe hier gebrachter Aufnahmen) - vor allem aber solche, die zur Aufrechterhaltung der Moral im Innern dienen sollten, zur Einstimmung auf die unvermeidlichen Unbilden eines Krieges.
Am Anfang überwiegen englische Platten, denn England trug zu dieser Zeit die Hauptlast des Krieges. Zunächst  gab man sich auf der Insel ob seiner „splendid isolation“ zuversichtlich und vertraute auf die französischen Schutzmaßnahmen (George Formby: „Imagine Me In The Maginot Line“) - die nach dem Beginn der Kampfhandlungen im Westen von der Wehrmacht schlicht umgangen wurden. Nun hieß es erst recht „keeping a stiff upper lip“, und entsprechend optimistisch klingen die Texte der Schallplatten.
Die Deutschen verspotteten die allzu überhebliche Siegesgewißheit des British Empire (Orch. Hanns Steinkopf: „Das Lied von der Siegfried-Linie“ - im Vergleich mit Orch. Bert Ambrose: „[We’re Gonna Hang Out] The Washing On The Siegfried Line“) und freuten sich über den Sieg von Dünkirchen - der keiner war, denn man hatte das britische Expeditionsheer über den Kanal entkommen lassen, statt es gefangenzusetzen. So konnten die über 300.000 Mann wieder in die Kriegshandlungen eingreifen, nachdem sie von den USA über das Leih- und Pachtgesetz wieder ausgerüstet und bewaffnet waren. Auch dies ist Gegenstand einer englischen Platte („Thanks Mr. Roosevelt“).
Die Verdunkelung ist auf beiden Seiten Thema (Jay Wilbur: „They Can’t Black Out The Moon“; Tommy Handley: „The Night That We Met In A Blackout“; Arne Hülphers: „Wenn die Lichter wieder scheinen“) - und am Schluß der zweiten Sendung sogar in einer Aufnahme des durch Vera Lynn in England populär gemachten „When The Lights Go On Again“ mit Sonja Sjöbeck, die im neutralen Schweden eingespielt wurde. Dort wurde allerdings nur gelegentlich übungshalber verdunkelt - im Gegensatz etwa zur ebenfalls neutralen Schweiz, die z.T. von deutschen Kohlelieferungen abhängig war und deshalb dem deutschen „Wunsch“ nach Verdunkelung der als Orientierungspunkte für alliierte Bomber bestens geeigneten Schweizer Städte (und der Stromknappheit) Rechnung tragen mußte.
Nicht nur die Verdunkelung, auch andere Alltagssorgen des Krieges, vor allem die Trennung, werden auf beiden Seiten thematisiert - oft in durchaus ähnlicher, aus heutiger Sicht zumeist kitschig-sentimentaler Weise, die aber genau den Nerv der Zeit traf. Als Beispiel hierfür bringen wir Erich Heyn mit „Tapfere kleine Soldatenfrau“ - vielen Hörern sicherlich bekannt durch die Parodie des Heimkehrers Beckmann aus Wolfgang Borcherts Nachkriegshörspiel „Draußen vor der Tür“, das seit Jahrzehnten zur Schullektüre zählt.
Außerdem hören Sie Helga Wille mit dem Titel „Brief aus der Heimat“ (auch bekannt als „Mach‘ dir um mich doch bitte keine Sorgen“), in dem eine deutsche Frau ausdrückt, was sie für ihren an der Front stehenden Mann empfindet - und daß sie keine Angst hat, weder um ihn noch um sich selbst. Im Vergleich dazu bringen wir das amerikanische „Hello Mom“ von Bing Crosby. Hier führt ein GI aus dem Ausbildungslager ein R-Gespräch mit der Mutter, um sie (und natürlich in erster Linie die Hörer der Platte) zu beruhigen: Gedanken an die netten Mädchen von daheim, der erste Alleinflug ist glatt verlaufen, das Essen gut, der Sold wurde erhöht ... na, Mutti, so schlimm wird es schon nicht werden! Viele glaubten daran bis zum Schluß nur zu gerne - auf beiden Seiten. Doch 55 Millionen Tote am Kriegsende sprachen eine ganz andere Sprache ...
Echte Kriegserfahrung dagegen spricht aus einer am 16.12.1942 in Berlin aufgenommenen Platte der Fronttheatertruppe „Die Eichkater“. Eine Seite bringt das „Feldpostlied“, das die Gefühle der auf Briefe von zu Hause wartenden Soldaten darstellt - allgemeingültig und zeitlos.
Die Rückseite hingegen hat es in sich: Relativ ungefiltert, bis hin zu reinem Defätismus, gibt sie die Einstellung der deutschen Landser zum Rußlandfeldzug wieder. Diese Tatsache jedoch entging der offenbar für Ironie und Hintersinn unempfänglichen NS-Zensur zunächst. Wer würde auch hinter dem „Lied der stolzen Division“ und dem Untertitel der Truppe „Zehn Kuriere aus Rschew“ eine beißende Glosse auf den Landseralltag an der Ostfront vermuten? So wurde die Platte wahrscheinlich ungeprüft durchgewinkt - hätte ein Beamter der Reichsmusikkammer diese Aufnahme abgehört, wäre sie wohl nie herausgekommen. Eine weitere Platte erschien etwas später noch bei Telefunken, eine dritte („Eichkater und die Entlausung“) wurde verboten - und vermutlich die Eichkater gleich mit.
Von Kriegsbegeisterung konnte auch auf US-Seite zumindest anfangs keine Rede sein. Noch von der Erfahrung geprägt, in Europa als „Doughboys“ für irgendwelche Länder verheizt oder verwundet zu werden, die kleiner waren als die meisten US-Bundesstaaten, in jenem Europa, das so weit überm Teich lag und von dem man so wenig wußte, mußten die US-Bürger erst zur Einsatzfreude „überredet“ werden. Dazu sollten, man kann es kaum anders bezeichnen, Machwerke wie „Ring The Bells For Uncle Sam“ dienen.
Die endgültige Überwindung der großen Wirtschaftskrise und der totale Sieg an allen Fronten, der den Aufstieg zur Supermacht bringen sollte, standen 1941 noch nicht im Kalender.
Genausowenig die Tatsache, daß die Völker, deren Befreiung vom Joch Hitlers das erklärte Ziel Englands und Frankreichs war, für die sie am 3. September 1939 Deutschland den Krieg erklärt hatten und für die ab Ende 1941 die USA nach Jahren mehr oder weniger inoffizieller Unterstützung als reguläre Kriegspartei mitfochten, nach 1945 für mehr als vierzig Jahre unter sowjetischer Herrschaft stehen würden.
Aber das wäre eher als Thema einer historisch-politischen Diskussionssendung geeignet ...
Durchs Programm führt Peter Michael.
*Die Sendungen dienen ausschließlich zum Zwecke der Forschung, Lehre und staatsbürgerlichen Aufklärung.

Folge 3
American War Songs - US-Propagandaplatten aus dem II. Weltkrieg
75 Jahre liegt nun der Eintritt der USA in den zweiten Weltkrieg zurück.
Das Tanzparkett blickt aus diesem Anlaß auf die US-amerikanische Seite und bringt Propagandaplatten. Die brauchte Uncle Sam, um seine Leute auf den Eintritt in den Krieg in Europa einzustimmen - gelinde gesagt, denn zum Teil handelt es sich um Propaganda plattester Art, musikalisch zumeist im modischen Swing-Gewand, aber auch im Country-Stil.
Viele US-Amerikaner erinnerten sich noch mit Grauen an die Schlachtfelder in Frankreich gut zwanzig Jahre vorher, auf denen auch (je nach Quelle) 100.000 bis über 200.000 US-Boys für einen Krieg gefallen waren, mit dem ihr Land eigentlich nichts zu tun gehabt hatte. Nun war es wieder soweit - US-Präsident Roosevelt hatte am Tage nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor vom 07.12.41 die Kriegserklärung gegen Japan ausgesprochen. Ohne vertragliche Verpflichtung hierzu erklärte dessen größenwahnsinniger Bündnispartner Hitler am 11.12. seinerseits den USA den Krieg, getreu dem schon Kaiser Wilhelm II. zum Verhängnis gewordenen Motto „Viel‘ Feind‘, viel Ehr‘“.  Unwiderruflich und endgültig  war damit ein neuer Weltkrieg im Gang - und auch die Propagandamaschinerie in den USA lief sogleich mit Vollgas an.
Halt, auch einen Titel bringen wir zu Beginn, der sich gegen den Krieg wendet  - die große Ausnahme. Noch heute wird in Amerika zumindest schief angeschaut, wer den Sinn eines in Washington D.C. befohlenen Kriegs hinterfragt … Hämische Verhöhnung der tatsächlich oder vermeintlich besiegten Gegner ist dagegen damals wie heute in patriotischen Kreisen durchaus akzeptabel. Das beleuchtet die letzte Aufnahme dieser Ausgabe sehr eindrücklich ...
Durch die Sendung begleitet Sie Peter Michael.

Sendetermine: „Tanzparkett spezial“

  • Folge 2: Deutsche und alliierte Propagandaplatten, Teil 2; Sonntag, 4. Dezember 2016, 17 Uhr, Wiederholung: Montag, 5. Dezember 2016, 9 Uhr
  • Folge 3: US-amerikanische Propagandaplatten; Sonntag, 11. Dezember 2016, 17 Uhr, Wiederholung: Montag, 12. Dezember 2016, 9 Uhr

 

Wir singen in die Deutsch´ Sprach ...

Yes, Mr. Trump - it´s Deutschstunde now (Teil 2)

Der amerikanische Stern befindet sich offensichtlich im Sinkflug. Hoffentlich wird das keine Bruchlandung; betroffen wären wir möglicherweise alle. Nicht nur für die Ökonomien, die Kriegs-Allianzen (wir leben ja bereits im 3. Weltkrieg!), die Kleinkredite für langverschuldete Wenigverdiener/Drei-Jobber, die großspurigen Boni-Empfänger unserer uns auslutschenden Banken, Versicherungen, Politik und Automobilkonzerne usw. Und im globalen Kampf der konkurrierenden Ideologien?
Nun ja, das könnte das Ende der geliebten Country-Musik hier im Radio bedeuten - vernetzt, hin oder her. Was tun?!? (Lenin). Tief betroffen erlebt ihr nun auch den tatsächlich Welt-offenen Lonesome Traveler - der Mann ist gerade ratlos, um nicht zu sagen, verwirrt. Autsch! Keine weitere US-CountryMachoMackerMucke fürderhin?!  -  It´s over, bud.
Macht grad keinen Spaß mehr - mal so richtig reflektiert. Auch wenn klar ist, daß da viel echt gewachsene Folk Musik im Hintergrund immer schon mit dabei war. An genau dieser Stelle besinnt sich der Lonesome Traveler Wolf Silaff auch mal wieder der deutschen/deutschsprachigen Hintergründe und Wurzeln amerikanischer Musikkultur. Bis eben hatte er noch einen geschätzten Folk Musik-orientierten versierten Radiokollegen mit an seiner Seite. Farewell, Günni. We all miss you, Günther Klößinger.
In dieser Folge gibt’s ausschließlich Lieder und Klänge in unserem eigenem Idiom. Mit dabei sind solche Poet-Individualisten wie Jan Koch aus Berlin, eine aktuelle junge spritzige Kapelle aus Oberammergau, Kofelgschroa, und auch der schräg-abgefahrene sympathische Klinikfacharzt Georg Ringsgwandl aus Garmisch-Partenkirchen. Der Kardiologe wird uns mal kurz die hoffentlich Heilende Hand aufs leidende Herzerl legen. Valentinesk, des ganze Gelump do ...  Jo, dankschön : Yes, we can do it, too.
And, Sir - der Schwerpunkt of this issue is on the Vorstellung des neuen Kofelgschroa-Silberlings „Baaz“ (Trikont, München) - got that, Mr. Trump?!

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 4. Dezember 2016, 19 Uhr

 

USA-Tonfilmschlager von ihren Originalinterpreten, Folge 4

Wir bringen am 7.12.2016 die vierte Folge „Tanzparkett“ mit Schallplattenaufnahmen US-amerikanischer Tonfilmschlager, gesungen von den Schauspielern, die auch auf der Leinwand mit der Interpretation dieser Titel zu erleben waren.
Anfang 2011 konnten Sie bereits zwei Folgen hören. Da nun unsere Plattensammlungen in der Zwischenzeit wieder „Zuwachs“ bekamen, sendeten wir bereits am 23.11.2016 die dritte Ausgabe der Reihe.
Der Tonfilm, obwohl in seiner endgültigen Form eine deutsche Erfindung, die schon 1922 öffentlich vorgestellt worden war, trat erst ab 1927 seinen weltweiten Siegeszug an - nun von Hollywood ausgehend.
1927 fing es, wie in der letzten Folge vor zwei Wochen gehört, mit dem „Jazzsänger“ (“The Jazz Singer“) an, der in Deutschland zunächst noch stumm zu sehen war, da man sich über die Patentrechte nicht einig wurde. Erst der „Singende Narr“ (“The Singing Fool“) brachte hierzulande den Durchbruch.
Das Kino und sein Programm allerdings veränderten sich mit dem erneuerten Medium radikal, und vor allem mit der Internationalität des Stummfilms war es vorbei.
Aber das ist eher am Rande Thema unserer Sendungen - vielmehr sind es jene teils vergessenen, teils aber unsterblichen Melodien, die der frühe Tonfilm aus Hollywood der Welt schenkte.
Durchs Programm führt Thomas A. Sosna.

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 7. Dezember 2016, 21 - 22 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 8. Dezember 2016, 13 Uhr.

Programminformationen vom 24.11.2016 bis 27.11.2016

Tanzparkett-Sondersendungen zum 75. Jahrestag des Eintritts der USA in den II. Weltkrieg

Kann man Eintritt überhaupt sagen? Der japanische Angriff auf Pearl Harbor am 07.12.41 war quasi eine Einladung, eine Aufforderung zum ganz großen Totentanz. Und doch hätten sich die US-geführten Kampfhandlungen auf den pazifischen Schauplatz beschränken können - hätte nicht in Berlin ein größenwahnsinniger „Ostmärker“ den damals noch schlafenden Riesen USA vier Tage später per Kriegserklärung geweckt. Ohne vertragliche Verpflichtung dem Bündnispartner Japan gegenüber, wohlgemerkt.
Aber der Reihe nach:
Begonnen hatte alles gut zwei Jahre vorher in Good Old Europe. Um seine Vorstellung von der Neuordnung des Kontinents durchzusetzen, hatte Hitler am 01.9.39 Polen angegriffen. Die Garantiemächte England und Frankreich erklärten daraufhin am 03.9.39 Deutschland den Krieg. Bis es tatsächlich zu Kampfhandlungen kam, dauerte es allerdings noch eine Weile. An deren vorläufigem Ende stand Frankreich geschlagen da, und England bangte ernstlich um seinen Fortbestand. Aber in bester englischer Tradition behielt man seine „stiff upper lip“.
Der Ausgang schien noch lange ungewiß, selbst dann, als Hitler im Sommer 1941 offenbar in Napoleons Spuren wandeln wollte und seinen Bündnispartner Sowjetunion aus heiterem Himmel angriff.
Nach Kriegseintritt (da ist es nun doch wieder, das Wort) der USA kippte die Lage. Doch es sollte noch über drei Jahre dauern, bis die großgermanischen Eroberer in ihr eigenes Land zurückgedrängt und niedergerungen waren. Trümmerfelder blieben vom Tausendjährigen Reiche. Die USA waren unterdes auf den direkten Weg zur Weltmacht eingeschwenkt.
Der Weg dorthin war auf beiden Seiten mit Schallplatten gepflastert.
In bisher drei Sendungen befaßte sich die Sendereihe „Tanzparkett“ damit. So stellten wir 2007 in einer Doppelfolge, die das Kriegsgeschehen ungefähr nachzeichnete, deutsche wie auch alliierte Platten vor, die in erster Linie der Stärkung der Moral in der Zivilbevölkerung beider Seiten dienen sollten; letztes Jahr brachten wir eine reine US-Sendung - mit Platten, deren Themen von früher Antikriegshaltung über die Spionagefurcht, die Rationierung und den allgegenwärtigen Trennungsschmerz bis zu höhnischer Siegerpose dem zerstörten Japan gegenüber reichen.
Aus dem nun gegebenen Anlaß der 75. Wiederkehr jenes weltpolitischen Ereignisses wiederholen wir die Sendungen.

Klappentexte zu den einzelnen Sendungen:

Folge 1 u. 2

Deutsche und alliierte Propagandaaufnahmen* aus dem Zweiten Weltkrieg
Am 11. Dezember jährt sich der Eintritt der USA in den II. Weltkrieg zum 75. Male.
An den drei kommenden Sonntagnachmittagen bis zu diesem Termin hören Sie in der Reihe „Tanzparkett extra“ die Wiederholung von drei Sendungen aus den Jahren 2007 und 2015, die damals einiges an Hörerinteresse und Zuschriften hervorriefen. Daher und wegen des etwas heiklen und daher vom „großen“ Rundfunk meist gemiedenen Themas (der inzwischen eingestellte Auslandsdienst des Italienischen Rundfunks brachte kurz vor uns einmal eine Nachtsendung ähnlichen Inhalts) sehen wir diese Folgen als zur Wiederholung besonders geeignet an.
Mit Aufnahmen von deutscher und alliierter Seite sowie Erläuterungen (zum Kriegsgeschehen und zu den Aufnahmen selbst) folgen die Sendungen ungefähr dem Kriegsverlauf (kleine zeitliche Sprünge sind enthalten), so daß sich unsere Hörer ein Bild machen können, wie in den jeweiligen Staaten die Bevölkerung bei Laune gehalten werden bzw. auf den Krieg eingestimmt werden sollte.
Platten mit direkter Kriegshetze gegen die Völker der jeweiligen Gegner enthalten die ersten beiden Sendung nicht, sondern solche, die die militärische und politische Führung des Feindes verhöhnen (Lord Gort, Mussolini und nicht zuletzt Hitler sind Zielscheibe hier gebrachter Aufnahmen) - vor allem aber solche, die zur Aufrechterhaltung der Moral im Innern dienen sollten, zur Einstimmung auf die unvermeidlichen Unbilden eines Krieges.
Am Anfang überwiegen englische Platten, denn England trug zu dieser Zeit die Hauptlast des Krieges. Zunächst  gab man sich auf der Insel ob seiner „splendid isolation“ zuversichtlich und vertraute auf die französischen Schutzmaßnahmen (George Formby: „Imagine Me In The Maginot Line“) - die nach dem Beginn der Kampfhandlungen im Westen von der Wehrmacht schlicht umgangen wurden. Nun hieß es erst recht „keeping a stiff upper lip“, und entsprechend optimistisch klingen die Texte der Schallplatten.
Die Deutschen verspotteten die allzu überhebliche Siegesgewißheit des British Empire (Orch. Hanns Steinkopf: „Das Lied von der Siegfried-Linie“ - im Vergleich mit Orch. Bert Ambrose: „[We’re Gonna Hang Out] The Washing On The Siegfried Line“) und freuten sich über den Sieg von Dünkirchen - der keiner war, denn man hatte das britische Expeditionsheer über den Kanal entkommen lassen, statt es gefangenzusetzen. So konnten die über 300.000 Mann wieder in die Kriegshandlungen eingreifen, nachdem sie von den USA über das Leih- und Pachtgesetz wieder ausgerüstet und bewaffnet waren. Auch dies ist Gegenstand einer englischen Platte („Thanks Mr. Roosevelt“).
Die Verdunkelung ist auf beiden Seiten Thema (Jay Wilbur: „They Can’t Black Out The Moon“; Tommy Handley: „The Night That We Met In A Blackout“; Arne Hülphers: „Wenn die Lichter wieder scheinen“) - und am Schluß der zweiten Sendung sogar in einer Aufnahme des durch Vera Lynn in England populär gemachten „When The Lights Go On Again“ mit Sonja Sjöbeck, die im neutralen Schweden eingespielt wurde. Dort wurde allerdings nur gelegentlich übungshalber verdunkelt - im Gegensatz etwa zur ebenfalls neutralen Schweiz, die z.T. von deutschen Kohlelieferungen abhängig war und deshalb dem deutschen „Wunsch“ nach Verdunkelung der als Orientierungspunkte für alliierte Bomber bestens geeigneten Schweizer Städte (und der Stromknappheit) Rechnung tragen mußte.
Nicht nur die Verdunkelung, auch andere Alltagssorgen des Krieges, vor allem die Trennung, werden auf beiden Seiten thematisiert - oft in durchaus ähnlicher, aus heutiger Sicht zumeist kitschig-sentimentaler Weise, die aber genau den Nerv der Zeit traf. Als Beispiel hierfür bringen wir Erich Heyn mit „Tapfere kleine Soldatenfrau“ - vielen Hörern sicherlich bekannt durch die Parodie des Heimkehrers Beckmann aus Wolfgang Borcherts Nachkriegshörspiel „Draußen vor der Tür“, das seit Jahrzehnten zur Schullektüre zählt.
Außerdem hören Sie Helga Wille mit dem Titel „Brief aus der Heimat“ (auch bekannt als „Mach‘ dir um mich doch bitte keine Sorgen“), in dem eine deutsche Frau ausdrückt, was sie für ihren an der Front stehenden Mann empfindet - und daß sie keine Angst hat, weder um ihn noch um sich selbst. Im Vergleich dazu bringen wir das amerikanische „Hello Mom“ von Bing Crosby. Hier führt ein GI aus dem Ausbildungslager ein R-Gespräch mit der Mutter, um sie (und natürlich in erster Linie die Hörer der Platte) zu beruhigen: Gedanken an die netten Mädchen von daheim, der erste Alleinflug ist glatt verlaufen, das Essen gut ... na, Mutti, so schlimm wird es schon nicht werden! Viele glaubten daran bis zum Schluß nur zu gerne - auf beiden Seiten. Doch 55 Millionen Tote am Kriegsende sprachen eine ganz andere Sprache ...
Echte Kriegserfahrung dagegen spricht aus einer am 16.12.1942 in Berlin aufgenommenen Platte der Fronttheatertruppe „Die Eichkater“. Eine Seite bringt das „Feldpostlied“, das die Gefühle der auf Briefe von zu Hause wartenden Soldaten darstellt - allgemeingültig und zeitlos.
Die Rückseite hingegen hat es in sich: Relativ ungefiltert, bis hin zu reinem Defätismus, gibt sie die Einstellung der deutschen Landser zum Rußlandfeldzug wieder. Diese Tatsache jedoch entging der offenbar für Ironie und Hintersinn unempfänglichen NS-Zensur zunächst. Wer würde auch hinter dem „Lied der stolzen Division“ und dem Untertitel der Truppe „Zehn Kuriere aus Rschew“ eine beißende Glosse auf den Landseralltag an der Ostfront vermuten? So wurde die Platte wahrscheinlich ungeprüft durchgewinkt - hätte ein Beamter der Reichsmusikkammer diese Aufnahme abgehört, wäre sie wohl nie herausgekommen. Eine weitere Platte erschien etwas später noch bei Telefunken, eine dritte („Eichkater und die Entlausung“) wurde verboten - und vermutlich die Eichkater gleich mit.
Von Kriegsbegeisterung konnte auch auf US-Seite zumindest anfangs keine Rede sein. Noch von der Erfahrung geprägt, in Europa als „Doughboys“ für irgendwelche Länder verheizt oder verwundet zu werden, die kleiner waren als die meisten US-Bundesstaaten, in jenem Europa, das so weit überm Teich lag und von dem man so wenig wußte, mußten die US-Bürger erst zur Einsatzfreude „überredet“ werden. Dazu sollten, man kann es kaum anders bezeichnen, Machwerke wie „Ring The Bells For Uncle Sam“ dienen.
Die endgültige Überwindung der großen Wirtschaftskrise und der totale Sieg an allen Fronten, der den Aufstieg zur Supermacht bringen sollte, standen 1941 noch nicht im Kalender.
Genausowenig die Tatsache, daß die Völker, deren Befreiung vom Joch Hitlers das erklärte Ziel Englands und Frankreichs war, für die sie am 3. September 1939 Deutschland den Krieg erklärt hatten und für die ab Ende 1941 die USA nach Jahren mehr oder weniger inoffizieller Unterstützung als reguläre Kriegspartei mitfochten, nach 1945 für mehr als vierzig Jahre unter sowjetischer Herrschaft stehen würden.
Aber das wäre eher als Thema einer historisch-politischen Diskussionssendung geeignet ...
Durchs Programm führt Peter Michael.
*Die Sendungen dienen ausschließlich zum Zwecke der Forschung, Lehre und staatsbürgerlichen Aufklärung.

Folge 3

American War Songs - US-Propagandaplatten aus dem II. Weltkrieg
75 Jahre liegt nun der Eintritt der USA in den zweiten Weltkrieg zurück.
Das Tanzparkett blickt aus diesem Anlaß auf die US-amerikanische Seite und bringt Propagandaplatten. Die brauchte Uncle Sam, um seine Leute auf den Eintritt in den Krieg in Europa einzustimmen - gelinde gesagt, denn zum Teil handelt es sich um Propaganda plattester Art, musikalisch zumeist im modischen Swing-Gewand, aber auch im Country-Stil.
Viele US-Amerikaner erinnerten sich noch mit Grauen an die Schlachtfelder in Frankreich gut zwanzig Jahre vorher, auf denen auch (je nach Quelle) 100.000 bis über 200.000 US-Boys für einen Krieg gefallen waren, mit dem ihr Land eigentlich nichts zu tun gehabt hatte. Nun war es wieder soweit - US-Präsident Roosevelt hatte am Tage nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor vom 07.12.41 die Kriegserklärung gegen Japan ausgesprochen. Ohne vertragliche Verpflichtung hierzu erklärte dessen größenwahnsinniger Bündnispartner Hitler am 11.12. seinerseits den USA den Krieg, getreu dem schon Kaiser Wilhelm II. zum Verhängnis gewordenen Motto „Viel‘ Feind‘, viel Ehr‘“.  Unwiderruflich und endgültig  war damit ein neuer Weltkrieg im Gang - und auch die Propagandamaschinerie in den USA lief sogleich mit Vollgas an.
Halt, auch einen Titel bringen wir zu Beginn, der sich gegen den Krieg wendet  - die große Ausnahme. Noch heute wird in Amerika zumindest schief angeschaut, wer den Sinn eines in Washington D.C. befohlenen Kriegs hinterfragt … Hämische Verhöhnung der tatsächlich oder vermeintlich besiegten Gegner ist dagegen damals wie heute in patriotischen Kreisen durchaus akzeptabel. Das beleuchtet die letzte Aufnahme dieser Ausgabe sehr eindrücklich ...
Durch die Sendung begleitet Sie Peter Michael.

Sendetermine: „Tanzparkett spezial“

  • Folge 1: Deutsche und alliierte Propagandaplatten, Teil 1; Sonntag, 27. November 16, 17 Uhr, Wiederholung: Montag, 28. November 2016, 9 Uhr
  • Folge 2: Deutsche und alliierte Propagandaplatten, Teil 2; Sonntag, 4. Dezember 2016, 17 Uhr, Wiederholung: Montag, 5. Dezember 2016, 9 Uhr
  • Folge 3: US-amerikanische Propagandaplatten; Sonntag, 11. Dezember 2016, 17 Uhr, Wiederholung: Montag, 12. Dezember 2016, 9 Uhr

 

Die Morde von Mechterstädt - Zur Geschichte rechtsradikaler Gewalt in Deutschland

Vielen ist heute nicht mehr bewußt, daß rechtsradikal motivierte Gewalt in Deutschland keine Erfindung der NS-Zeit ist. Schon lange vor 1933 sorgten nationalistisch und militaristisch orientierte Gruppen mit Angriffen auf Andersdenkende für Aufsehen.  
In der Nähe des Ortes Mechterstädt in Thüringen wurden 1920 fünfzehn Arbeiter von Marburger Studenten erschossen. In seinem Vortrag erläuterte Dr. Dietrich Heither die Vorgeschichte der Morde, die Tat selbst und den späteren Umgang damit.
Die Veranstaltung fand im Rahmen einer mehrteiligen Reihe im Wintersemester 2016 in der Kasseler Volkshochschule statt.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 25. November 2016, 18 Uhr

 

 

Wir singen in die Deutsch´ Sprach ...

Yes, Mr. Trump - it´s Deutschstunde now

Der amerikanische Stern befindet sich offensichtlich im Sinkflug. Hoffentlich wird das keine Bruchlandung; betroffen wären wir möglicherweise alle. Nicht nur für die Ökonomien, die Kriegs-Allianzen (wir leben ja bereits im 3. Weltkrieg!), die Kleinkredite für langverschuldete Wenigverdiener/Drei-Jobber, die großspurigen Boni-Empfänger unserer uns auslutschenden Banken, Versicherungen, Politik und Automobilkonzerne usw. Und im globalen Kampf der konkurrierenden Ideologien?
Nun ja, das könnte das Ende der geliebten Country-Musik hier im Radio bedeuten - vernetzt, hin oder her. Was tun?!? (Lenin). Tief betroffen erlebt ihr nun auch den tatsächlich Welt-offenen Lonesome Traveler - der Mann ist gerade ratlos, um nicht zu sagen, verwirrt. Autsch! Keine weitere US-CountryMachoMackerMucke fürderhin?!  -  It´s over, bud.
Macht grad keinen Spaß mehr - mal so richtig reflektiert. Auch wenn klar ist, daß da viel echt gewachsene Folk Musik im Hintergrund immer schon mit dabei war. An genau dieser Stelle besinnt sich der Lonesome Traveler Wolf Silaff auch mal wieder der deutschen/deutschsprachigen Hintergründe und Wurzeln amerikanischer Musikkultur. Bis eben hatte er noch einen geschätzten Folk Musik-orientierten versierten Radiokollegen mit an seiner Seite. Farewell, Günni. We all miss you, Günther Klößinger.
In dieser Folge gibt’s ausschließlich Lieder und Klänge in unserem eigenem Idiom. Mit dabei sind solche Poet-Individualisten wie Jan Koch aus Berlin, eine aktuelle junge spritzige Kapelle aus Oberammergau, Kofelgschroa, und auch der schräg-abgefahrene sympathische Klinikfacharzt Georg Ringsgwandl aus Garmisch-Partenkirchen. Der Kardiologe wird uns mal kurz die hoffentlich Heilende Hand aufs leidende Herzerl legen. Valentinesk, des ganze Gelump do ...  Jo, dankschön : Yes, we can do it, too - Mr. Trump.

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 27. November 2016, 19 Uhr

Programminfos vom 18.11.2016 bis 24.11.2016

Geschenktips für Musikfreunde, Teil 1

„Weiß überhaupt jemand, was er seinen Lieben auf den Gabentisch legen soll? Niemand weiß das, gell?“ Dieses Zitat von Frau Direktor Bartels aus Loriots legendärem Sketch gilt vermutlich bis in alle Ewigkeit. Kaum zu glauben, aber traurig: Weihnachten steht schon wieder vor der Tür, und die bange Frage nach den Präsenten für die Verwandt- und Bekanntschaft stellt sich drängend, wie in jedem Jahr um diese Zeit. Aber nicht verzagen: Das FRK betätigt sich als Retter in der Not. Wir empfehlen zwar nicht, wie Frau Direktor Bartels, den „Familien-Originalbenutzer“, dafür aber umfassende CD-Pakete, über die sich insbesondere Musikfans freuen dürften.
Wie bereits in früheren Jahren, so stellen wir auch diesmal wieder eine Reihe repräsentativer CD-Boxen vor, die in den vergangenen 12 Monaten erschienen sind. In der ersten von insgesamt vier Sendungen sind dabei u.a. Lou Reed, die Charlie Daniels Band, Tucky Buzzard, Led Zeppelin, die Stones, Fleetwood Mac und die Rubettes.

  • Sendetermin: „FRK spezial – Geschenktips für Musikfreunde, Teil 1“, Freitag, 18. November 2015, 22 Uhr

 

B.B. & Blues Shacks; Steppin´ Out; J.J. & Shuffle Kings

25 Jahre weltweit auf Tour, das sind mehr als 4000 Konzerte. Die BBs aus Hildesheim lieben ihre Musik und spielen den Blues so gekonnt, daß selbst die Amerikaner inzwischen den Hut vor dieser deutschen Band ziehen. Mit ihrer Mischung aus „Rhythm & Blues“ und einem Hauch „Sixties Soul“ haben sie sich eine Fangemeinde um den ganzen Globus erspielt.
B.B. & The Blues Shacks erhielten zahllose Auszeichnungen wie den „German Blues Award“ und den Titel „beste Bluesband Europas“ durch französische Musikredakteure. Ihre CD „Unique Taste“ wurde mit dem Preis der deutschen Schallplattenkritik prämiert. Sie stehen für großartige Live-Auftritte und haben sich so auch als Top-Act in Übersee etabliert. Sie spielten in Dubai, auf dem Doheny Festival in Los Angeles und vor Zehntausenden Besuchern beim Byron-Bay-Festival in Australien mit Künstlern wie Bob Dylan, B.B. King und Elvis Costello.
Frontmann Michael Arlt (vocal und harp) gehört längst zur ersten Liga europäischer Blues- und Soulsänger. Er ist zudem ein einzigartiger Entertainer. Sein Bruder Andreas Arlt ist ein eleganter Stilist und wird inzwischen als Weltklasse-Gitarrist gehandelt.
Mit Fabian Fritz an Klavier und Orgel konnte die Band ein weiteres Genie für den eigenständigen Sound verpflichten. Henning Hauerken (Kontrabass und E-Bass), sowie André Werkmeister (Schlagzeug) liefern den einzigartigen Drive und Groove, den man noch vom Konzert mit nach Hause nimmt. By the way:  B.B. & The Blues Shacks sind am Montag, 28. November, im Theaterstübchen Kassel zu erleben!
In dieser Folge unseres Bluesmagazins sind außerdem die ebenso knackigen BluesRocker J.J. & The Shuffle Kings aus der alten Hansestadt Bremen und aus unserer dOCUMENTA-Stadt die Local Heroes - die Steppin´ Out Blues Band mit dabei, die unglaublichen Macker um Hugo W. Scholz. Also - lass´n ma´s mal knacken, gell - sez Wolf Silaff.

  • Sendetermin: „Long Distance Call“, Samstag, 19. November 2016, 19 Uhr

 

Jenes "unartikulierte Singen aus der Gurgel": Das  Jodeln

Wenngleich euer werter Moderator auch nur knapp die Zwischenprüfung zum Jodel-Diplom bei Professor von Bülow bestanden hat, muß er noch kräftig weiter üben. Das tut er eifrig, zumeist unter der Dusche (hinter zugezogenem Vorhange). Auch die Unterstützung der notorisch-wohlwollenden Prüfungs-Beisitzerin Frau Hoppenstedt vermochte per zugelassener heißer Milch mit Honig und Glücksklee-Blätterbeigabe leider nicht die angestrebte höhere Stufe zu erklimmen - äh pardon, zu erjodeln.
Nun verhält es sich doch so, daß es für den Lonesome Traveler mehrerer aufregender Reisen durch die "Terra Incognita" bis auf verschiedene heute noch existierende Kontinente, bis zu den ruppigen Cowboys hinter den Blauen Bergen, zu wild agierenden Indianerstämmen in den Canyons der Rocky Mountains, zu den Hirten-Nomaden in der westlichen Sahara, den Schamanen im tibetischen Himalaya-Hochland und auch in die tief eingeschneiten schweizerischen Alpentäler in unserer direkten europäischen Nachbarschaft bedurfte, um ein permanent wachsendes Kommunikationsbedürfnis in seiner gesamten Relevanz zu begreifen.
Das Jodeln. Eine durchaus ganz und gar musikalische Kommunikationsform. Eine Musikform ohne gesungene Worte, gar zumeist ohne existierendes Notenvokabular, ohne große Vorhang-Auf! Bühnendramatik, geschweige denn mit Hi-Tech vollgestopfte Aufnahmestudios oder modernster Super Audio-Klamotten. Ein großes weites stilles Tal genügt vollkommen ...  Man/Frau erkennt/erhört sofort: Eine äußerst diffizile Materie, das Ganze ... Besonders was die akademisch-korrekte erforderliche Grammatik anbelangt (siehe Loriot, a.a.O.). Und natürlich die ausgefeilte Modulation.
Nicht immer nur laut, aber immer sehr eindrucksvoll und immer das alte Vorurteil widerlegend, das Jodeln sei nur ein panalpines Phänomen. Ob in Amerika, Afrika, der Südsee oder in Osteuropa, in der Schweiz, in Österreich und Bayern ja sowieso, überall wird in unterschiedlicher Manier gejodelt.
Jeder, der den Kultfilm "Mars Attacks !" gesehen hat, erinnert sich daran, wie die üblen bunten Marsmenschen auf dem Weg zur Weltherrschaft nur durch einen kraftvollen Cowboy-Jodler von Slim Whitman gestoppt werden konnten. Der Sound zerschmettert die Helme der Eindringlinge, ihre Köpfe werden zu grünem Pudding - und die Welt ist mal wieder kurz vor knapp gerettet. Yap. Dass der nicht nur in den USA bekannte Countryjodler Jimmie Rodgers (1897-1933) in Nairobi als Heiliger verehrt wird, ist übrigens keine Filmlegende. Hingewiesen sei noch auf Vermutungen, dass beim amerikanischen Yodler Elemente von Indianergesängen zu finden sind.   
War das Jodeln in vielen Kulturen ursprünglich ein Verständigungsmittel über weite Distanzen, ein Wiegenlied oder ein Alarmruf , so entsteht momentan ein fast schon "urbanes Yodeln" - der städtische Jodler entwickelt sich quasi aus einer enormen Nachfrage an Jodel-interessierten Menschen. Denn ganz im Gegensatz zum schönen Singen erlaubt das Jodeln durchaus den ein oder anderen stimmlichen Schlenker. Und die Angst , als Falschsinger entlarvt zu werden, ist bei dieser Technik völlig überflüssig. Der kraftvolle Ruf von Lauten und Silben und der abrupte Wechsel der Stimmlagen zwischen Brust- und Kopfstimme macht es eben auch ungeübten SängerInnen möglich, sich mit Verve ins Zeug zu legen. Da der Jodler zudem ohne Text auskommt, funktioniert die Verständigung ganz ohne Sprache - eine ideale Kulturtechnik zur Vernetzung unterschiedlicher Kulturen also.
In dieser Folge wird die brandneue CD-Produktion "LAUT yodeln. fern-nah-weit." mit einigen echten internationalen Neuzeit-KönnerInnen von Moderator Wolf Silaff vorgestellt; außerdem die historisch fein aufbereitete Kompilation "American Yodeling, 1911-1946" (beide erschienen bei Trikont, München), also recht gegenwartsnahe Erklärungsversuche zu den aktuellen US-Präsidenten. Mr. Trump - you should listen to this. Abgerundet wird das vibrierende Thema durch Originalaufnahmen mit dem erwähnten "Yodeling Brakeman" Jimmie Rodgers.
Und bitte nicht vergessen: „Holleri du dödl di, diri diri dudl dö.“
Das Jodeldiplom - endlich etwas Eigenes! Danke, Frau Hoppenstedt.
Danke, Vicco von Bülow (Loriot). Genial.

  • Sendetermin: „Die Lange Rille“, Samstag, 19. November 2016, 21 Uhr

 

Steve Earle: The Revolution starts ... Now!

Schöne Vorstellung eigentlich. Aber irgendwie auch ein bisserl idealisierend. Die Zeiten sind anders. Jedenfalls ist „The Revolution Starts Now“ ein Song/Albumtitel (2004) des Singer/Songwriters Steve Earle. Er ist ein "unabhängiger Sozialist" im alternativen Roots Country/Rock-Geschäft der aktuellen Musikszene, ein vielsaitiger Typ aus Virginia und aus der Southeast-Texas-Szene um ursprünglich Townes Van Zandt, Waylon Jennings und Guy Clark. Ein begnadeter singender Nörgler mit einigen Liedern, die explizit sozial- und politikkritisch daherkommen. Der wuschelige Kerl hat mit einer Reihe von spannenden Alben in Amerika auf sich aufmerksam gemacht. Fearless Heart, Outlaw Poet - so nennen die Insider ihn, gerade so wie den abgefahrenen Öko-Punk T.C. Boyle in der heutigen US-Literaturszene.   
Begonnen hat Steve Earle schon vor 30 Jahren mit seinem Meilenstein-Album "Guitar Town", das seine musikalische Ankunft in Nashville bereits damals gut erzählte. So gut erzählte, daß das Major Label MCA ihn alsbald ausspie wie eine heiße Kartoffel. Sowohl Steve Earle als auch T.C. Boyle sind auch heute noch aktuell wie kaum andere. So you better beware, Mr. Trump. Übrigens ist soeben der berühmte Horror-Autor Stephen King wegen des Wahlsiegs von Donald Trump in den Social-Media-Streik getreten und scheint es ernst zu meinen. Also, mal kurz reinhören, was Steve Earle zum Thema sagt. Die vorerst letzte Freak Show is ja nun erstmal gelaufen mit der Wahl bei den Amis. What´s next?  

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 20. November 2016, 19 Uhr

Programminfo vom 10.11.2016 bis 17.11.2016

Nobel, nobel, Herr Zimmermann - Die Songs von Bob Dylan

„Der Literaturnobelpreis für Bob Dylan ist eine schöne Überraschung“ titelte die FAZ am 13. Oktober 2016, und damit hat sie den Kern der Sache getroffen. „Überraschung“ deshalb, weil erstmals kein Romancier, Dramatiker, Essayist und auch kein herkömmlicher Lyriker die weltweit renommierteste Auszeichnung der literarischen Welt einheimste, sondern eben ein Singer/Songwriter. „Schön“ deshalb, weil es die Popkultur deutlich aus der naserümpfenden U-Musikschublade zieht und damit anerkennt, dass eben auch die populäre Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts ihre Bedeutung und einen zeitweilig immensen Einfluss hat, und zwar über die reine Kunst hinaus.
Auf Dylan trifft das nachhaltig zu - seine Art der Poesie beeinflusste viele andere Künstler aus weit gefächerten Bereichen. Sie war von Anfang an politisch, wortgewaltig, bildreich und passte in kein Genre so richtig hinein.
Auch wenn er zum Rockstar mutierte, darf nicht vergessen werden, dass Bob Dylans Wurzeln in der Folkbewegung der späten 50er und frühen 60er Jahre zu finden sind und er damit in einer direkten Tradition einerseits ethnischer Klänge und andererseits von Sängern wie Woody Guthrie, Pete Seeger und gewissermaßen auch Johnny Cash steht. Doch Dylan zehrte nicht nur von einer lebendigen Musiktradition, er prägte sie auch nachhaltig. Das ist u.a. daran zu erkennen, dass die Zahl der Musiker, die Dylan-Songs in ihr Repertoire aufnahmen, Legion ist.
Anlässlich dieses bedeutsamen Literaturnobelpreises stellt Zirkusdirektor Günther Klößinger in der aktuellen Vorstellung von „Wanderzirkus Weltklang“ ausgewählte Coverversionen von Songs des Meisters vor. Dabei werden sich Musiker und Sänger unterschiedlichster Backgrounds ein fröhliches Stelldichein geben, um dem Literaten Robert Zimmermann, der sich für sein Pseudonym den Namen seines Lieblingsschriftstellers Dylan Thomas ausborgte, ihre ureigene Musikalität zur Seite zu stellen.
Natürlich stellt sich auch die Frage - kann irgendwas in Bob Dylans Karriere die aktuelle Würdigung noch toppen? Wo wird seine Reise den Künstler noch hinführen? Ich würde sagen: „The answer is blowing in the wind!“
Am Mikro: Günther Klößinger

  • Sendetermine: „Wanderzirkus Weltklang“, Donnerstag, 10. November 2016, 19 Uhr
  • Wiederholung Weltklang: Freitag, 11. November 2016, 11 Uhr

 

Eddie Cochran und Gene Vincent, Teil 2: Racing with the Devil

In Ergänzung zur vorigen Folge hören wir noch ein paar 50er Rock’n‘Roll-Klassiker von den beiden US-Symbolgestalten. Der junge Eddie Cochran konnte seinen gesamten Erfolg - die musikalischen Ohrwürmererfolge und seine Gitarristenvorbildfunktion für zahllose Adepten – gar nicht mehr miterleben. Nach der England-Tournee im April 1960 zusammen mit seinem Freund Gene Vincent riß ein schwerer Autounfall auf der A 4 die beiden gemeinsam ins Unglück. Eddie starb knapp 22-jährig in der Klinik in Bath. Den bereits seit Jahren gehbehinderten Gene Vincent erwischte es nochmals ganz schlimm; wenigstens überlebte er das Drama. Den Unfall nahm damals übrigens ein junger Polizist namens Dave Dee (Dave Dee, Dozy, Beaky, Mick & Tich) auf. Neben den beiden Rock’n‘Roll-Ikonen gibt’s diesmal auch wieder etwas aus der Junge Damen-Riege von damals. Mit dabei: Patsy Cline, Janis Martin, Wanda Jackson - und die TexMex-Amerikanerin Rosi Flores von heute. Yes, Mr. Trump - love it or leave it ...  Rock & Roll-Sounds vom Feinsten. Play it loud!

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 13. November 2016, 19 Uhr

Programminfos vom 04.11.2016 bis 10.11.2016

Noch immer unruhig

In diesem Jahr ist Theodor Bergmann 100 Jahre alt geworden. Er schreibt weiterhin Bücher, geht auf Demonstrationen und tritt bundesweit als Zeitzeuge an Schulen auf. Bergmann ist seiner politischen Haltung bis heute treu geblieben. Noch immer ist er ein kritischer Kommunist. Denn er positioniert sich jenseits von Sozialdemokratie und Realsozialismus. Zwei junge Gewerkschafter haben Theodor Bergmann im September dieses Jahres in seiner Stuttgarter Wohnung besucht. Sie befragten den 100jährigen zu politischen Brüchen und Kontinuitäten in seiner Biografie. Das FRK sendet am 4.November die abschließenden Teile. Die Auszüge behandeln insbesondere folgende Inhalte:
Teil 3: Mauerfall, Stalin, Frau Gretel und Reisen
Teil 4: Aufgaben der Gewerkschaften heute und Theos Aktivitäten

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 4. November 2016, 18 Uhr

 

Make Rave, not Hate surft

In dieser Ausgabe der Reihe »Make Rave, not Hate« werden zwei DJ-Sets vorgestellt, deren gemeinsame Verbindung der Surfsport (auf dem Wasser, nicht im Internet) darstellt. Das erste Set wurde bereits letztes Jahr in der FRK-Sendung frei² (freihoch2) gespielt und heißt »Wellenreiten im Zimmer« [*], mit Musik der Netlabels Zimmer Records und wavelike. Das zweite Set ist vom befreundeten DJ Patrice de la Croix aus Wilhelmshaven und ist ein »External Arts Guestmix«.

[*] http://freihoch2.de/2011/05/open-music-mix-association-wellenreiten-im-zimmer

  • Sendetermin: „Make Rave, not Hate“, Samstag, 5. November 2016, 16 Uhr

 

Blues & Country & Rock - how does that match? (Teil  2)

Very well. Yes, indeed - it fits. Den erneuten Beweis zur These liefert in dieser Folge Night Time Rambling Man Hank Williams III - den hat´s ganz schwer getroffen: "Lovesick, broke and driftin´...". Und mit "Trashville" rechnet der Alternate Country Guy mit der Music City USA und der Musikindustrie außerdem kritisch ab.
Den musikalischen Bogen zwischen den männlichen Kollegen schlagen in dieser Folge Elisabeth Cook aus der Nashville-East Szene (bunt-kreativer Stadtteil der Singer/Songwriter-Newcomer mit angenehm-relaxter Nachbarschaftsatmosphäre) und die großartige, vielsaitige Bonnie Raitt, seit den 70er Jahre bei Folk- und & Bluesfestivals mit dabei.
Und dann wäre da noch einer, ein echtes trouble child - Lee Roy Parnell aus Abilene/Texas; Country Sänger, Stückeschreiber und exzellenter Blues-Gitarrist:   Allesamt liefern Klasse-Sounds mit dem richtigen herben Blues Touch.

  • Sendetermin: “Long Distance Call”, Samstag, 5. November 2016, 19 Uhr

 

Rock & Roll!! C´mon everybody: Gene Vincent & Eddie Cochran

Heute haben wir eine kleine Erinnerung an zwei ganz große Rock & Roller der 1950er Jahre im Programm. Da wäre zum einen der unglaubliche Gitarrist Eddie Cochran aus Minnesota, der sich bereits seit seinem zwölften Lebensjahr mit dem Instrument aufs intensivste beschäftigt hatte. Er begann mit Bruder Hank als Hillbilly Duo. 1958 landete Eddie mit dem "Summertime Blues" einen Riesenhit. "Das erotischste aller Gitarrenriffs", so das Musikmagazin Crawdaddy - was wäre dem hinzuzufügen.
Sein Freund Gene Vincent, ein ehemaliger Mariner, hatte seinen Durchbruch mit einem anderen Ohrwurm aus eben dieser Zeit. "Be-bop-a-lula" von 1956 ging ebenfalls um die ganze Welt. Begleitet wurde Gene von exquisiten Mitmusikern, seinen "Blue Caps". Mit Cliff Gallup hatte der Rock & Roller ebenfalls einen echten Ausnahmegitarristen an seiner Seite. Ein Stündchen mit unvergessenen Rockabilly-Sounds ist garantiert. Die genannten Titel erwiesen sich als Szene-Hymnen.

  • Sendetermin: “Lonesome Traveler”, Sonntag, 6. November 2016, 19 Uhr

 

frei²-Classics: CODA Frühwerke

Um den nur noch wenige Wochen bestehenden „Durchhänger“ im Programm des Magazins für freie Musik zu überbrücken, werden einige ältere Sendungen wiederholt. Diese Woche gibt es die »CODA Frühwerke«, eine Sendung aus dem Oktober 2015 [#], zu hören. Das leider ehemalige Netlabel CODA brachte bis zu seinem Verschwinden 2014 fünf Jahre lang brilliante elektronische Musik der Genres Techno, Minimal und IDM heraus. Der Mix kann daher als Tribut an CODA verstanden werden.

[#] http://freihoch2.de/2015/10/omma-coda-fruehwerke

  • Sendetermin: „Frei hoch zwei“, Dienstag, 8. November 2016, 19 Uhr

 

Nobel, nobel, Herr Zimmermann - Die Songs von Bob Dylan

„Der Literaturnobelpreis für Bob Dylan ist eine schöne Überraschung“ titelte die FAZ am 13. Oktober 2016, und damit hat sie den Kern der Sache getroffen. „Überraschung“ deshalb, weil erstmals kein Romancier, Dramatiker, Essayist und auch kein herkömmlicher Lyriker die weltweit renommierteste Auszeichnung der literarischen Welt einheimste, sondern eben ein Singer/Songwriter. „Schön“ deshalb, weil es die Popkultur deutlich aus der naserümpfenden U-Musikschublade zieht und damit anerkennt, dass eben auch die populäre Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts ihre Bedeutung und einen zeitweilig immensen Einfluss hat, und zwar über die reine Kunst hinaus.
Auf Dylan trifft das nachhaltig zu - seine Art der Poesie beeinflusste viele andere Künstler aus weit gefächerten Bereichen. Sie war von Anfang an politisch, wortgewaltig, bildreich und passte in kein Genre so richtig hinein.
Auch wenn er zum Rockstar mutierte, darf nicht vergessen werden, dass Bob Dylans Wurzeln in der Folkbewegung der späten 50er und frühen 60er Jahre zu finden sind und er damit in einer direkten Tradition einerseits ethnischer Klänge und andererseits von Sängern wie Woody Guthrie, Pete Seeger und gewissermaßen auch Johnny Cash steht. Doch Dylan zehrte nicht nur von einer lebendigen Musiktradition, er prägte sie auch nachhaltig. Das ist u.a. daran zu erkennen, dass die Zahl der Musiker, die DylanSongs in ihr Repertoire aufnahmen, Legion ist.
Anlässlich dieses bedeutsamen Literaturnobelpreises stellt Zirkusdirektor Günther Klößinger in der aktuellen Vorstellung von „Wanderzirkus Weltklang“ ausgewählte Coverversionen von Songs des Meisters vor. Dabei werden sich Musiker und Sänger unterschiedlichster Backgrounds ein fröhliches Stelldichein geben, um dem Literaten Robert Zimmermann, der sich für sein Pseudonym den Namen seines Lieblingsschriftstellers Dylan Thomas ausborgte, ihre ureigene Musikalität zur Seite zu stellen.
Natürlich stellt sich auch die Frage - kann irgendwas in Bob Dylans Karriere die aktuelle Würdigung noch toppen? Wo wird seine Reise den Künstler noch hinführen? Ich würde sagen: „The answer is blowing in the wind!“
Am Mikro: Günther Klößinger

  • Sendetermine: „Wanderzirkus Weltklang“, Donnerstag, 10. November 2016, 19 Uhr
  • Wiederholung Weltklang: Freitag, 11. November 2016, 11 Uhr

Programminfos vom 28.10.2016 bis 30.10.2016

Nobel, nobel, Herr Zimmermann - Die Songs von Bob Dylan

„Der Literaturnobelpreis für Bob Dylan ist eine schöne Überraschung“ titelte die FAZ am 13. Oktober 2016, und damit hat sie den Kern der Sache getroffen. „Überraschung“ deshalb, weil erstmals kein Romancier, Dramatiker, Essayist und auch kein herkömmlicher Lyriker die weltweit renommierteste Auszeichnung der literarischen Welt einheimste, sondern eben ein Singer/Songwriter. „Schön“ deshalb, weil es die Popkultur deutlich aus der naserümpfenden U-Musikschublade zieht und damit anerkennt, dass eben auch die populäre Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts ihre Bedeutung und einen zeitweilig immensen Einfluss hat, und zwar über die reine Kunst hinaus.
Auf Dylan trifft das nachhaltig zu - seine Art der Poesie beeinflusste viele andere Künstler aus weit gefächerten Bereichen. Sie war von Anfang an politisch, wortgewaltig, bildreich und passte in kein Genre so richtig hinein.
Auch wenn er zum Rockstar mutierte, darf nicht vergessen werden, dass Bob Dylans Wurzeln in der Folkbewegung der späten 50er und frühen 60er Jahre zu finden sind und er damit in einer direkten Tradition einerseits ethnischer Klänge und andererseits von Sängern wie Woody Guthrie, Pete Seeger und gewissermaßen auch Johnny Cash steht. Doch Dylan zehrte nicht nur von einer lebendigen Musiktradition, er prägte sie auch nachhaltig. Das ist u.a. daran zu erkennen, dass die Zahl der Musiker, die DylanSongs in ihr Repertoire aufnahmen, Legion ist.
Anlässlich dieses bedeutsamen Literaturnobelpreises stellt Zirkusdirektor Günther Klößinger in der aktuellen Vorstellung von „Wanderzirkus Weltklang“ ausgewählte Coverversionen von Songs des Meisters vor. Dabei werden sich Musiker und Sänger unterschiedlichster Backgrounds ein fröhliches Stelldichein geben, um dem Literaten Robert Zimmermann, der sich für sein Pseudonym den Namen seines Lieblingsschriftstellers Dylan Thomas ausborgte, ihre ureigene Musikalität zur Seite zu stellen.
Natürlich stellt sich auch die Frage - kann irgendwas in Bob Dylans Karriere die aktuelle Würdigung noch toppen? Wo wird seine Reise den Künstler noch hinführen? Ich würde sagen: „The answer is blowing in the wind!“
Am Mikro: Günther Klößinger

  • Sendetermine: „Wanderzirkus Weltklang“, Donnerstag, 27. Oktober 2016, 19 Uhr
  • Wiederholung Weltklang: Freitag, 28. Oktober 2016, 11 Uhr

 

Ausstellung „Vita Dubia“ im Sepulkralmuseum

Um 1800 beginnt die Wissenschaft, die Eindeutigkeit des Todes in Zweifel zu ziehen. In ganz Europa haben Menschen Angst davor, lebendig begraben zu werden - bald entsteht eine regelrechte Hysterie um den „Scheintod“.
Die Ausstellung „vita dubia“ im Museum für Sepulkrakultur zeigt, wie Ärzte und Naturwissenschaftler die Grenze von Leben und Tod neu zu bestimmen suchten. Sie führten bizarre Experimente mit Elektrizität durch und bauten mechanische Rettungsapparate für Grab und Sarg. In eigens errichteten Leichenhäusern wartete man so lange auf Lebenszeichen der Aufgebahrten, bis Fäulnis Sicherheit über den Tod brachte.
Zur Eröffnung der Ausstellung las Petra Nagel literarische Texte zu den Themen „Scheintod“ und zu den Ängsten vorm lebendigen Begrabenwerden, die viele Menschen damals umtrieben. Zudem gab Museumsdirektor Gerold Eppler eine Einführung in die Ausstellung, die noch bis zum April 2017 zu sehen ist.
Eine weitere Ausstellung wurde jüngst im Kasseler DGB-Haus eröffnet. Hier geht es um die Geschichte der IG Metall, die in diesem Jahr ihr 125jähriges Bestehen feiert. Dr. Ulrich Schneider, Autor und Historiker, gab einen Überblick über die wechselvolle Entwicklung dieser traditionsreichen Institution,
Außerdem in der Sendung: Berichte von der Frankfurter Buchmesse, u.a. Vorstellung des documenta-Projekts „Parthenon der Bücher“, Interview zur Verleihung des Literaturnobelpreises an Bob Dylan.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 28. Oktober 2016, 18 Uhr

 

The Wagoneers aus Austin/Texas

Schon bemerkenswert: Da gab es vor zwei Dekaden eine Country/HonkyTonk/Cowboy/TexMex/Swing-Band, die schon mit ihren ersten beiden Alben so etwas wie einen regionalen Kult-Hype auslöste und die über einen glasklaren, straighten Klang verfügte. Sie boten gute, eingängige Instrumentalsounds, mal herb Country, mal am Mainstream orientierten Neuzeit- Honky Tonk. Monte Warden hatte kongeniale Kumpels in Austin um sich versammelt.  Die perfekt von Herb Alpert produzierten, eingängigen Songs wurden aufs Allerfeinste von Profis wie Kayton Roberts an der Pedal Steel Guitar auf die Wiedererkennungsebene gehoben. Die großartige Band legte bereits seit dem Debütalbum "Stout & High" von 1988 einen qualitativen Sprung aus der Alternative- Szene hin; ähnlich wie bereits in den 70ern die "Local Heroes" Asleep at the Wheel. Einen angenehmen Rockabilly-Touch steuerte der legenäre Sleepy LaBeef (Sun Records) aus Arkansas bei.
Aber: Leider gingen die Wagoneers bereits zu Beginn der 90er wieder auseinander. Die einflußreichen Radio-und TV-Anstalten ließen sie links liegen. Schade eigentlich. Erst im neuen Jahrtausend gab es Reunion-Konzerte. Sie waren übrigens beim ersten WxSW Festival mit dabei, später an der Opry und auch bei Austin City Limits. Außerdem sind sie Mitglieder der Austin Hall of Fame. Chet Flippo (Rolling Stone) nannte die Wagoneers "The greatest Honky-Tonk band that ever was”. Und der Austin Chronicle etikettierte sie als "The Fathers of Alt-Country and Americana". Bob Oermann (Music Row Magazine) griff tief in die Kiste: "The band that started the modern Texas Music scene. A mythic and legendary band.”   

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 30. Oktober 2016, 19 Uhr

Programminfos vom 19.10.2016 bis 27.10.2016

Brenda Boykin im Theaterstübchen – From Ellington to Elvis und noch viel mehr. Konzertvorschau bei Magic Moments.

Was Journalisten und die Verfasser von CD-Booklets so zu Papier bringen: Die authentischste und schöpferischste Jazzsängerin ihrer Generation / The Voice of Club de Belugas / Brenda macht nicht bloß Musik, sondern sie ist Musik / Kann mir jetzt jemand erklären warum diese Meisterin des Vocal Jazz, die in eine direkte Linie mit Sarah Vaughn, Ella Fitzgarald, Mahalia Jackson oder Nina Simone gehört, so unbekannt auf dem Musikmarkt ist?
Ich nicht.
Die heute beinah Sechzigjährige lebt seit 2004 in Wupperetal. Ja, in Wuppertal. Ihre musikalische Karriere nahm ihren Anfang in der North Oakland Missionary Baptist Church von Kalifornien. Sie stand beim Jazzfestival in Montreux (ausgezeichnet als beste Vocalistin) 2005 auf der Bühne und hat die halbe Welt bereist. Ihr Solo-Album Chocolate and Chilli “has been chosen by BBC among the best albums of the year 2008”. Auf vielen Lounge- und Burlesque-Samplern ist Sie Stammgast. Bei den Nu-Jazz und Elektro-Swing Projekten des Club des Belugas und von Jo-Jo-Effect steuert Sie das stimmliche Salz in der Suppe bei. 2014 wagte dieses Multitalent einen Ausflug ins Klassik-Genre, gab dem Münchner Rundfunkorchester eine, ihre Stimme und sang George Gershwin’s „I Got Rhythm“.
Ich freue mich auf den 24. Oktober, denn  da eröffnet Brenda Boykin die Blueswoche im Theaterstübchen. Im Mittelpunkt wird ihr neues Album „See Ya Later“, aufgenommen mit dem Jan Luley Trio, stehen. Dann wird sie mit dreckiger Saxophon-Stimme den Elvis Presley Song „Trouble“ zelebrieren ( „If you looking for trouble/You came to the right place“ - Wenn Du Streit suchst, bis Du hier gerade richtig). Ihre rockigen Cover-Versionen sind keine 2-Minuten-Stückchen wie im Original, bei Brenda und ihrem Trio entstehen daraus kleine Jazz-Opern. Im Duett mit dem Bass in Ellingtons „Mood Indigo“ zum Beispiel oder bei der Interpretation des Hank Williams Country-Klassikers „Jambalaya“. Beim Gig im Theaterstübchen wird Brenda Boykin vom renommierten Jan Luley Trio begleitet, bei dem Paul G. Ulrich, den swingendsten Bass Europas zupft, was er früher auch lange Jahre bei Paul Kuhn getan hat. Für das Konzert im Theaterstübchen gibt es noch Karten.
Durch die Sendung führt Ralf Wenzel.

  • Sendetermin: „Magic Moments“, Mittwoch, 19. Oktober 2016, 21 Uhr

 

Musikhistorische Jubiläen

Manchmal kommt eben scheinbar alles auf einmal: Die interessanten, spannenden und die wirklich wichtigen Dinge im Leben. So in dieser Woche: da wird Paul Simon 75, Chuck Berry 90, Wanda Jackson 79. Da stirbt Dario Fo just an jenem Tag, an dem der große Bob Dylan ebenfalls mit dem Literatur-Nobelpreis geweiht und gesalbt wird. Und der MEISTER ist bekanntermaßen bereits im Frühjahr 75 geworden. Da ondulieren wir doch alle recht herzlisch - allen Beteiligten die besten Glückwünsche. Das ganze ist ein geeigneter Anlaß, sie in einer speziellen Langen Rille zu würdigen. Auch das Freie Radio beteiligt sich gern an den Festivitäten.
Zu hören werden sein: die 30 berühmtesten Chess-Aufnahmen von und mit "Mr. Rock & Roll" Chuck Berry sowie Wanda Jackson (The Queen of Rockabilly Music) mit ihrem Tribute-Album "I Remember Elvis" von 2006. In ihren Linernotes heißt es: "Without the encouragement of Elvis, I may have never recorded Rock & Roll. So this Tribute is just my way of saying Thank You to a dear friend". Außerdem wird Moderator Wolf Silaff ganz nostalgisch die zeitlose gute Album-Perle "Nashville Skyline" von 1969 (u.a. mit Johnny Cash) laufen lassen; zudem einzelne Symbol-Ohrwürmer, die ganze Publikumsgenerationen einst mit sozialisierten. 

  • Sendetermin: „Die Lange Rille spezial“, Freitag, 21. Oktober 2016, 22 Uhr

 

Blues & Country & Rock - how does that match?

Very well. Yes, indeed - it fits. Den Beweis zur These liefern in dieser Folge : Samantha Fish, Bonnie Raitt und Tracy Nelson in der Damen-Liga. Und die Herren von der Ersatzbank: Gatemouth Brown und Roy Clark sowie Hound Dog Taylor mit seinen damaligen House Rockers.
In der Vorwoche ist mit dem Drummer Ted Harvey auch der letzte des legendären Trios von uns gegangen. House Rocker Ted ist am 6. Oktober 2016 in Chicago 85jährig eines natürlichen Todes gestorben. Das Fachblatt Rolling Stone bezeichnete, ganz zu Recht, Ted Harvey als den Schlagzeuger mit dem wahrlich unfehlbaren Blues-Shuffle-Beat unter all den vielen guten in der Blues-Hauptstadt. Seinen individuellen Sound bezeichneten sie als "live wire exuberance and hard-as-nails force... natural for partying, drinking and talking loud." Was wäre dem hinzuzufügen. Nun, außer Moderator Wolf Silaff klinkt endlich mal wieder einige Alligator Label-CDs von ihm ein.

  • Sendetermin: „Long Distance Call“, Samstag, 22. Oktober 2016, 19 Uhr

 

Mr. Personality meets Rattlesnake Daddy

Zwei Countrymusiker aus dem Süden der USA, die zu Beginn der 1950er Jahre die Schienen für den aufkommenden Rock & Roll mitgelegt hatten: Curtis Gordon aus Georgia und Jimmy Swan aus Alabama. Sie sind dem Mainstream-Publikum im Zusammenhang mit Rockabilly Music nicht unbedingt bekannt - aber musikalisch und textlich hatten die beiden es wirklich echt dicke hinter den Ohren und waren im übrigen zumeist vorbildlich gekleidet und frisiert - Tolle sitzt.
Jimmy Swan (1912-1994/eigentl. James Edgar Schwann, mit deutschen und indianischen Wurzeln) war noch mit der Musik eines Jimmie Rodgers groß geworden. Er war selbst Schuhputzer und Zeitungsausträger und gelangte über einen Radiosender-Talentwettbewerb bei WKBC zu lokalem Ruhm. In seiner frühen Band spielten wahrhaftig Hank Williams und Hank Locklin zu Beginn ihrer eigenen  Karriere noch mit. Die Honky Tonks im Southern Circuit von Alabama und Mississippi waren zur musikalischen Heimat des "Rattlesnake Daddy" geworden. Er war außerdem Diskjockey für Radiostationen und veröffentlichte mit seiner Band eine übersichtlichte Reihe von Singles für das Trumpet-Label. Seine erste Aufnahme auf Vinyl widmete er der Musiklegende Hank Williams - "The Last Letter" (komponiert von Frank Walker/MGM). Später machte er tolle Aufnahmen für Decca, JB und Big Howdy Records. Außerdem unternahm er politische Gehversuche während der 60/70er Jahre, allerdings erfolglos im Rattenrennen um den Gouverneurs-Posten. Dafür überlebte er einen Anschlag schlafend auf dem Rücksitz des Autos.
Curtis Gordon (1928-2008), auch genannt "Mr. Personality", spielte eine wichtige Rolle in der Entwicklung der Rockabilly Music und hatte eine erkleckliche Reihe von spannenden Singles vorzuweisen. Außerdem absolvierte er erfolgreiche Auftritte in der Grand Ole Opry, zusammen mit Ernest Tubb und Hank Snow. Seine frühen Vorbilder waren Jimmie Rodgers und Hank Thompson. Gordon wurde im Laufe seiner späteren Karriere auch in Europa bekannt und hatte eine treue Fangemeinde in England.   

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 23. Oktober 2016, 19 Uhr

 

Nobel, nobel, Herr Zimmermann - Die Songs von Bob Dylan

„Der Literaturnobelpreis für Bob Dylan ist eine schöne Überraschung“ titelte die FAZ am 13. Oktober 2016, und damit hat sie den Kern der Sache getroffen. „Überraschung“ deshalb, weil erstmals kein Romancier, Dramatiker, Essayist und auch kein herkömmlicher Lyriker die weltweit renommierteste Auszeichnung der literarischen Welt einheimste, sondern eben ein Singer/Songwriter. „Schön“ deshalb, weil es die Popkultur deutlich aus der naserümpfenden U-Musikschublade zieht und damit anerkennt, dass eben auch die populäre Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts ihre Bedeutung und einen zeitweilig immensen Einfluss hat, und zwar über die reine Kunst hinaus.
Auf Dylan trifft das nachhaltig zu - seine Art der Poesie beeinflusste viele andere Künstler aus weit gefächerten Bereichen. Sie war von Anfang an politisch, wortgewaltig, bildreich und passte in kein Genre so richtig hinein.
Auch wenn er zum Rockstar mutierte, darf nicht vergessen werden, dass Bob Dylans Wurzeln in der Folkbewegung der späten 50er und frühen 60er Jahre zu finden sind und er damit in einer direkten Tradition einerseits ethnischer Klänge und andererseits von Sängern wie Woody Guthrie, Pete Seeger und gewissermaßen auch Johnny Cash steht. Doch Dylan zehrte nicht nur von einer lebendigen Musiktradition, er prägte sie auch nachhaltig. Das ist u.a. daran zu erkennen, dass die Zahl der Musiker, die DylanSongs in ihr Repertoire aufnahmen, Legion ist.
Anlässlich dieses bedeutsamen Literaturnobelpreises stellt Zirkusdirektor Günther Klößinger in der aktuellen Vorstellung von „Wanderzirkus Weltklang“ ausgewählte Coverversionen von Songs des Meisters vor. Dabei werden sich Musiker und Sänger unterschiedlichster Backgrounds ein fröhliches Stelldichein geben, um dem Literaten Robert Zimmermann, der sich für sein Pseudonym den Namen seines Lieblingsschriftstellers Dylan Thomas ausborgte, ihre ureigene Musikalität zur Seite zu stellen.
Natürlich stellt sich auch die Frage - kann irgendwas in Bob Dylans Karriere die aktuelle Würdigung noch toppen? Wo wird seine Reise den Künstler noch hinführen? Ich würde sagen: „The answer is blowing in the wind!“
Am Mikro: Günther Klößinger

  • Sendetermine: „Wanderzirkus Weltklang“, Donnerstag, 27. Oktober 2016, 19 Uhr
  • Wiederholung Weltklang: Freitag, 28. Oktober 2016, 11 Uhr

Programminfos vom 13.10.2016 bis 19.10.2016

Plainsong - Americana made in England

Nachdem Sänger und Gitarrist Ian Matthews im Jahr 1969 die Erfolgsband Fairport Convention verlassen hatte, gründete er Matthews Soutern Comfort. Dieser Combo gelang mit dem Joni-Mitchell-Klassiker „Woodstock“ ein Welthit. Daneben veröffentlichte er zwei Soloalben. Nach dem Split von Matthews Southern Comfort gründete er mit Andy Roberts, ebenfalls ein singender Gitarrero von der Insel, die Gruppe Plainsong. Der Sound dieser Formation zeichnete sich durch mehrstimmigen Gesang á lá Crosby, Stills & Nash aus und konzentrierte sich auf vorwiegend akustische Gitarrensounds. Neben originalen Songs von Matthews und Roberts bedienten sich die musiker auch gerne bei Kompositionen anderer Künstler aus den Bereichen Folk und Country. Höchstwahrscheinlich waren Plainsong die amerikanischste aller Bands der britischen Folkrock-Szene.
Im Jahre 1972 veröffentlichten sie ihr Debutalbum, das Kritiker jubilieren ließ, aber leider kein riesiger Verkaufsschlager wurde. Das führte zu Unstimmigkeiten in der Band. Das zweite Album blieb unvollendet und Plainsong lösten sich auf.
Fast 20 Jahre später, genauer gesagt im Jahre 1991, trafen sich Roberts und Matthews in einem Pub, sprachen über die alten Zeiten und beschlossen, Plainsong nochmals ins Leben zu rufen. Seither hat die Gruppe einige Alben veröffentlicht, tourte um die ganze Welt und existiert, mit einigen kleineren Unterbrechungen und trotz der ein oder anderen Umbesetzung bis heute.
Am 14.10.2016 gastiert die aktuelle Inkarnation von Plainsong im Kasseler Kulturzentrum Schlachthof. Grund genug für Zirkusdirektor Günther Klößinger, eine kleine Retrospektive des Schaffens der britischen Americana-Spezialisten in der weltmusikalischen Manege des Freien Radio Kassel zu präsentieren …und jedem Freund handgemachter Musik auf höchstem Niveau den Besuch ihres nordhessischen Gastspiels nahezulegen.
Am Mikro: Günther Klößinger

  • Sendetermine: „Wanderzirkus Weltklang“, Donnerstag, 13. Oktober 2016, 19 Uhr
  • Wiederholung Weltklang: Freitag, 14. Oktober 2016, 11 Uhr

 

Noch immer unruhig

In diesem Jahr ist Theodor Bergmann 100 Jahre alt geworden. Er schreibt weiterhin Bücher, geht auf Demonstrationen und tritt bundesweit als Zeitzeuge an Schulen auf. Bergmann ist seiner politischen Haltung bis heute treu geblieben. Noch immer ist er ein kritischer Kommunist. Denn er positioniert sich jenseits von Sozialdemokratie und Realsozialismus. Zwei junge Gewerkschafter haben Theodor Bergmann im September dieses Jahres in seiner Stuttgarter Wohnung besucht. Sie befragten den 100jährigen zu politischen Brüchen und Kontinuitäten in seiner Biografie. Das FRK sendet am 14. Oktober die ersten beiden Teile - weitere folgen im November. Die Auszüge behandeln insbesondere folgende Inhalte:
Teil 1: Theos Brüder, 1920er Jahre, Nationalsozialismus, Exil,
           Rückkehr nach Deutschland 1946
Teil 2: Gewerkschaften nach 1945, 1968, Reformkommunismus
Teil 3: Mauerfall, Stalin, Frau Gretel und Reisen
Teil 4: Aufgaben der Gewerkschaften heute und Theos Aktivitäten

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 14. Oktober 2016, 18 Uhr

 

Fun in Español: El Vez, Freddy Fender & Sir Doug Sahm

Rock & Roll en Español – das ist der Arbeits- und Plattentitel einer in Mexico und im Südwesten der USA, in Kalifornien und Texas, recht populären schillernden Bühnengestalt namens El Vez. Die Vermutung, daß da einer auch weiterhin den "King" Elvis Presley sehr verehrt, ist nicht so weit hergeholt. Aber, wenn er auch ein bisserl stark so aussieht wie sein Idol - er ist kein weiterer von diesen lausigen "Impersonators", die zuhauf immer noch frei herumlaufen und versuchen, brillanten-behängten silberhaarigen Ladies in Las Vegas die Bucks aus den Croco-Handtäschchen zu locken. No no, Señor - dieser hier hat´s wirklich noch mit dem  Rock & Roll der Fünfziger und Sechziger. Von gibt’s in der Sendung ihm einiges zu hören - analog zum Elvis-Filmklamotten-Motto "Fun in Acapulco" (1963).
Und dann wäre da noch ein im TexMex-Musikklima hoch geehrter streitbarer Entertainer, den sie im Südwesten nicht vergessen haben - Freddy Fender. Ja, der nannte sich wirklich so, der selige Baldemar Huerta (gestorben am 14. Oktober 2006, also vor zehn Jahren) aus San Benito/Texas. Diese interessante Musikgestalt hatte es auch nicht immer leicht im Leben. Das begann schon mit seinem ersten großen Hit "Before the next teardrop falls" (says it all). Der im TexMex-Lager vor und hinter den Grenzzäunen zwischen Mexiko und den USA immer noch populäre Freddy Fender bestückt nach wie vor die Jukeboxes mit seinen Singles.
Den Begriff von moderner TexMex Music hat übrigens auch, als texanischen Versuch eines Gegenangriffs gegen die "British Invasion" während der 60er, ein gewisser Sir Douglas mitgeprägt. Doug Sahm war ein ein talentierter Ausnahmemusiker seit Kindheitsjahren. "Mendocino" wurde damals ein Welthit - TexMex Sound, produziert vom legendären Huey P. Meaux. Diesmal gibt’s also Ohrwürmer, die ein Lebensgefühl ausdrücken. Nicht zuletzt mit den Texas Tornados.

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 16. Oktober 2016, 19 Uhr

 

Brenda Boykin im Theaterstübchen – From Ellington to Elvis und noch viel mehr. Konzertvorschau bei Magic Moments.

Was Journalisten und die Verfasser von CD-Booklets so zu Papier bringen: Die authentischste und schöpferischste Jazzsängerin ihrer Generation / The Voice of Club de Belugas / Brenda macht nicht bloß Musik, sondern sie ist Musik / Kann mir jetzt jemand erklären warum diese Meisterin des Vocal Jazz, die in eine direkte Linie mit Sarah Vaughn, Ella Fitzgarald, Mahalia Jackson oder Nina Simone gehört, so unbekannt auf dem Musikmarkt ist?
Ich nicht.
Die heute beinah Sechzigjährige lebt seit 2004 in Wupperetal. Ja, in Wuppertal. Ihre musikalische Karriere nahm ihren Anfang in der North Oakland Missionary Baptist Church von Kalifornien. Sie stand beim Jazzfestival in Montreux (ausgezeichnet als beste Vocalistin) 2005 auf der Bühne und hat die halbe Welt bereist. Ihr Solo-Album Chocolate and Chilli “has been chosen by BBC among the best albums of the year 2008”. Auf vielen Lounge- und Burlesque-Samplern ist Sie Stammgast. Bei den Nu-Jazz und Elektro-Swing Projekten des Club des Belugas und von Jo-Jo-Effect steuert Sie das stimmliche Salz in der Suppe bei. 2014 wagte dieses Multitalent einen Ausflug ins Klassik-Genre, gab dem Münchner Rundfunkorchester eine, ihre Stimme und sang George Gershwin’s „I Got Rhythm“.
Ich freue mich auf den 24. Oktober, denn  da eröffnet Brenda Boykin die Blueswoche im Theaterstübchen. Im Mittelpunkt wird ihr neues Album „See Ya Later“, aufgenommen mit dem Jan Luley Trio, stehen. Dann wird sie mit dreckiger Saxophon-Stimme den Elvis Presley Song „Trouble“ zelebrieren ( „If you looking for trouble/You came to the right place“ - Wenn Du Streit suchst, bis Du hier gerade richtig). Ihre rockigen Cover-Versionen sind keine 2-Minuten-Stückchen wie im Original, bei Brenda und ihrem Trio entstehen daraus kleine Jazz-Opern. Im Duett mit dem Bass in Ellingtons „Mood Indigo“ zum Beispiel oder bei der Interpretation des Hank Williams Country-Klassikers „Jambalaya“. Beim Gig im Theaterstübchen wird Brenda Boykin vom renommierten Jan Luley Trio begleitet, bei dem Paul G. Ulrich, den swingendsten Bass Europas zupft, was er früher auch lange Jahre bei Paul Kuhn getan hat. Für das Konzert im Theaterstübchen gibt es noch Karten.
Durch die Sendung führt Ralf Wenzel.

  • Sendetermin: „Magic Moments“, Mittwoch, 19. Oktober 2016, 21 Uhr

Programminfos vom 08.10.2016 bis 13.10.2016

Chuck Berry & The Steve Miller Band: "Live at the Fillmore Auditorium" (1967)

Im Sommer 1967, als das "Sgt. Peppers"-Album der Beatles (auf ihrem Popularitätshöhepunkt) ein gänzlich neues Sound-Kapitel der Rockgeschichte einläutete, war es mit dem originären Rock & Roll eigentlich vorbei. Die großen Vorbilder der Beatles, Stones und Kinks - Chuck Berry, Carl Perkins, Bo Diddley, Little Richard u.a.m. - waren auf dem absteigenden Ast. Rock & Roll war out, jetzt waren Flower Power, Acid, Hippies und Pop Music angesagt.

Ein fit gebliebener aus der alten Garde ließ einfach nicht locker und besann sich, gegen den Trend, ganz bewußt seiner ursprünglichen musikalischen Sozialisation: Charles Edward Anderson, genannt "Chuck" Berry aus St. Louis/MO. Der ging mit seiner roten ES 335-Gibson weiterhin auf die Bühnen - und spielte wieder Blues, mit seinen geschickten Riesenpranken. Ebenso wie sein Vorbild Muddy Waters sollte es ihm auf längere Sicht gelingen, elektrifizierte Blues Music auch bei einem jüngeren "nachwachsenden" Rock-Publikum interessant und spannend zu machen.
In dieser Magazin-Folge hören wir das "Live at the Fillmore Auditorium"-Album, das Chuck, begleitet von der gerade aufstrebenden Steve Miller Band, im legendären Spielort in San Francisco eingespielt hat. Möglicherweise nicht die allerbesten Blues-Schallplattenaufnahmen des früheren Chess-Künstlers, in jedem Falle ein wichtiges Musikzeitdokument. Interessant zu hören, wie sich vorher unbekannte Musiker mit aufmerksamen Lauschern und viel Gefühl in eine ganze Reihe alter Standards hineinspielen. Mit dabei sind solche Klassiker wie Willie Dixons "Hoochie Coochie Man", Pete Chatmans "Everyday I have the Blues", Chuck Willis´ "C.C. Rider", Sonny Boy Williamsons "Good Morning Little Schoolgirl" - und natürlich Berrys "Wee Wee Hours". Ein geschickter Schachzug von Onkel Chuck, sich in den Dürrezeiten des Rock & Roll bei den Leuten in aktueller Form in Erinnerung zu halten. Moderator Wolf Silaff ist sich dessen sicher - das Album ist ein Muß in der Sammlung. Respekt vor diesem Mann: Während etliche seiner 50er Jahre Kollegen bereits das Handtuch geworfen hatten, stieg Chuck Berry weiterhin in den Ring. Go, beat `em Chuck!

  • Sendetermin: „Long Distance Call“, Samstag, 8. Oktober 2016, 19 Uhr

 

Classics, just for old times sake: ´57 Chevrolet - Rock & Roll Sounds

Heute - aus einer eher nostalgischen Tageslaune heraus - öffnet der Lonesome Traveler seine kleine Rock & Roll-Wundertüte für euch: Purer 50/60´s  Rock & Roll, lupenreiner Rockabilly, ein paar Schmusesongs - sämtlich wahrlich infektiöse Dance Songs. Naja, wirklich "Wundertüte" vielleicht doch nicht so ganz - jedenfalls allesamt echte Ohrwürmer. Aber, eben lange nicht mehr gehörte Preziosen von: Eddie Cochran, Little Richard, Buddy Holly, Wanda Jackson, Fats Domino, Billie Jo Spears, Gene Vincent.

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 9. Oktober 2016, 19 Uhr

 

Welthandel und Fluchtursachen

Die öffentliche Kritik an TTIP und CETA, den geplanten Freihandelsabkommen der Europäischen Union mit den USA und Kanada, ist groß. Was die meisten Menschen hierzulande nicht wissen: Die EU zwingt auch vielen anderen Ländern Freihandelsverträge auf. Vor zwei Jahren haben die Staatschefs der Wirtschaftsgemeinschaft der Westafrikanischen Staaten einem sogenannten Wirtschafts-Partnerschafts-Abkommen (Economic Partnership Agreement/EPA) zugestimmt, das sie nötigt, ihre Märkte für Importe zu öffnen und Konzernen Zugang zu ihren Rohstoffen zu gewähren. Dabei gibt es die begründete Befürchtung, daß die EPAs die Entwicklung der betroffenen Länder stark behindern und noch mehr Menschen in die Armut treiben werden. Boniface Mabanza zeigte in seinem Vortrag, wie die Entwicklung des Welthandels dazu geführt hat, daß Menschen in ihren Ländern keine Perspektive mehr sehen. Referent Dr. Boniface Mabanza ist Koordinator der Arbeitsstelle Südliches Afrika (Heidelberg) und freiberuflicher Dozent für Entwicklungspolitik, aktiv in zahlreichen Netzwerken der Afrikanischen Diaspora.

  • Sendetermin: „attac-Radio“, Dienstag, 11. Oktober 2016, 21 Uhr

 

Plainsong - Americana made in England

Nachdem Sänger und Gitarrist Ian Matthews im Jahr 1969 die Erfolgsband Fairport Convention verlassen hatte, gründete er Matthews Soutern Comfort. Dieser Combo gelang mit dem Joni-Mitchell-Klassiker „Woodstock“ ein Welthit. Daneben veröffentlichte er zwei Soloalben. Nach dem Split von Matthews Southern Comfort gründete er mit Andy Roberts, ebenfalls ein singender Gitarrero von der Insel, die Gruppe Plainsong. Der Sound dieser Formation zeichnete sich durch mehrstimmigen Gesang á lá Crosby, Stills & Nash aus und konzentrierte sich auf vorwiegend akustische Gitarrensounds. Neben originalen Songs von Matthews und Roberts bedienten sich die musiker auch gerne bei Kompositionen anderer Künstler aus den Bereichen Folk und Country. Höchstwahrscheinlich waren Plainsong die amerikanischste aller Bands der britischen Folkrock-Szene.
Im Jahre 1972 veröffentlichten sie ihr Debutalbum, das Kritiker jubilieren ließ, aber leider kein riesiger Verkaufsschlager wurde. Das führte zu Unstimmigkeiten in der Band. Das zweite Album blieb unvollendet und Plainsong lösten sich auf.
Fast 20 Jahre später, genauer gesagt im Jahre 1991, trafen sich Roberts und Matthews in einem Pub, sprachen über die alten Zeiten und beschlossen, Plainsong nochmals ins Leben zu rufen. Seither hat die Gruppe einige Alben veröffentlicht, tourte um die ganze Welt und existiert, mit einigen kleineren Unterbrechungen und trotz der ein oder anderen Umbesetzung bis heute.
Am 14.10.2016 gastiert die aktuelle Inkarnation von Plainsong im Kasseler Kulturzentrum Schlachthof. Grund genug für Zirkusdirektor Günther Klößinger, eine kleine Retrospektive des Schaffens der britischen Americana-Spezialisten in der weltmusikalischen Manege des Freien Radio Kassel zu präsentieren …und jedem Freund handgemachter Musik auf höchstem Niveau den Besuch ihres nordhessischen Gastspiels nahezulegen.
Am Mikro: Günther Klößinger

  • Sendetermine: „Wanderzirkus Weltklang“, Donnerstag, 13. Oktober 2016, 19 Uhr
  • Wiederholung Weltklang: Freitag, 14. Oktober 2016, 11 Uhr

Programminfo vom 28.09.2016 bis 02.10.2016

Fletcher Henderson - Pianist, Arrangeur, Bandleader

Aufnahmen aus den 20er Jahren

Schon vier Sendungen hat die Reihe „Tanzparkett“ dem Orchesterleiter Fletcher Henderson gewidmet. Das allerdings ist bereits etliche Jahre her. Inzwischen sind unsere Sammlungen wieder um einige Platten reicher, die wir Ihnen nicht vorenthalten wollen.
Bis auf eine, die für die Brunswick entstand, handelt es sich dabei um akustische Aufnahmen. Einige, weil sie vor der Einführung des elektrischen Aufnahmeverfahrens im Jahre 1925 entstanden, andere, obwohl neueren Datums, weil sie auf den preiswerten Columbia-Unteretiketten erschienen, die eine noch 1923 neubeschaffte akustische Aufnahmeapparatur amortisieren helfen sollten. Der musikalischen Qualität der Platten tut dieser technische Anachronismus jedoch keinen Abbruch.
Henderson gebührt das Verdienst, die erste Bigband des Jazz geleitet zu haben. Der frühe Jazz war eine Angelegenheit von Kleingruppen, meist fünf oder sieben Mann stark. Henderson erweiterte als erster Orchesterchef das Klangbild, indem er zusätzliche Instrumente und Musiker einsetzte.
Der studierte Chemiker Henderson hatte wegen seiner Hautfarbe keine Anstellung in seinem Fach gefunden. So begann der 1897 in Georgia geborene Schulrektorssohn in New York, seinem Studienort, eine Karriere als Pianist, die ihn zur Schallplatte führte, zunächst zum von Schwarzen für Schwarze geschaffenen Etikett Black Swan, dessen Repertoireleiter er wurde. Später war er für verschiedene Plattenfirmen im Studio tätig und trat im New Yorker „Club Alabam“ und später im „Roseland“ auf. Er durchlief und beeinflußte als Bandleader und Arrangeur die Entwicklung vom alten Jazz bis zum Swing. Nach Auflösung seiner festen Truppe im Jahre 1939 arbeitete er als Arrangeur und Pianist für Benny Goodman. Bis zu einem Schlaganfall im Jahre 1950, der eine weitere Berufsausübung vereitelte, absolvierte Henderson jedoch weiterhin Bühnenauftritte und Plattenaufnahmen. 1952 starb er in New York.
Unsere Sendung behandelt eine Auswahl seiner klassischen Aufnahmen der „wilden 20er“.
Durchs Programm begleitet Sie Peter K. Michael.

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 28. September 2016, 21 - 22 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 29.September 2016, 13 Uhr

 

Neues aus der Scheibenwelt - CD-Tipps im Herbst 2016

Totgesagte leben länger - trotz des anhaltenden Booms von Musikdownloads für Menschen, denen die Klangqualität eines Handys zum Musikgenuss ausreicht, glitzern doch noch immer frische Silberlinge im wunderbaren Universum des Weltklangs. Auch in diesem Herbst gibt es wieder viele Perlen zu entdecken, von denen Zirkusdirektor Günther Klößinger einige aus dunklen Tiefen des Ozeans globaler Klänge gefischt hat, um sie dem staunenden Publikum in der weltmusikalischen Manege des „Freien Radio Kassel“ zu präsentieren.
Folgt unserem Wanderzirkus also auf seinem Weg durch die funkelnde Welt silberner Scheiben voller wundersamer Klänge. Übrigens: Der Einsatz einer echten Stereoanlage lohnt sich bei dieser Musik in jedem Fall, und wenn schon ein Handy zum Einsatz kommen sollte, dann nur, um guten Freunden diese tollen CDs weiterzuempfehlen.
Am Mikro: Günther Klößinger

  • Sendetermine: „Wanderzirkus Weltklang“, Donnerstag, 28. September 2016, 19 Uhr
  • Wiederholung Weltklang: Freitag, 29. September 2016, 11 Uhr

 

Welthandel und Fluchtursachen

Die öffentliche Kritik an TTIP und CETA, den geplanten Freihandelsabkommen der Europäischen Union mit den USA und Kanada, ist groß. Was die meisten Menschen hierzulande nicht wissen: Die EU zwingt auch vielen anderen Ländern Freihandelsverträge auf. Vor zwei Jahren haben die Staatschefs der Wirtschaftsgemeinschaft der Westafrikanischen Staaten einem sogenannten Wirtschafts-Partnerschafts-Abkommen (Economic Partnership Agreement/EPA) zugestimmt, das sie nötigt, ihre Märkte für Importe zu öffnen und Konzernen Zugang zu ihren Rohstoffen zu gewähren. Dabei gibt es die begründete Befürchtung, daß die EPAs die Entwicklung der betroffenen Länder stark behindern und noch mehr Menschen in die Armut treiben werden.

Boniface Mabanza zeigte in seinem Vortrag, wie die Entwicklung des Welthandels dazu geführt hat, daß Menschen in ihren Ländern keine Perspektive mehr sehen. Referent Dr. Boniface Mabanza ist Koordinator der Arbeitsstelle Südliches Afrika   (Heidelberg) und freiberuflicher Dozent für Entwicklungspolitik, aktiv in zahlreichen Netzwerken der Afrikanischen Diaspora.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 30. September 2016, 18 Uhr

 

Nagelritz meets Embryo

Aus der alten Hansestadt Bremen gesegelt kommt Dirk Langer alias „Nagelritz“ nach Kassel. Er wird mit seinem modernen Seemannsgarn á la Joachim Ringelnatz mal wieder das Theaterstübchen-Publikum (am Donnerstag, 6. Oktober ab 20 Uhr, Jordanstr. 11) mit auf Große Fahrt abschleppen.
Am Vorabend bereits (Mi., 5. Oktober) begibt sich der singende Seebär mit Akkordeon und Gitarre auf Kneipentour durch Kassel - 5 Kurzauftritte in 5 Lokalitäten während der Komischen Nacht in der dOCUMENTA-Stadt. Von ihm hören wir in der Langen Rille die Alben "Nagelritz sing(k)t der Liebe auf den Grund" plus "Für meine verlassenen Bräute" - maritim-schräger Spaß ist garantiert.
Aus München (und dem Rest der Welt) kommt das seit 1969 aktive Musikkollektiv Embryo mit der aktuellen "it do"-Produktion (Trikont). "Real Krautrock based in Germany, connected worldwide" (Definition John Peel). Embryo ist nicht so sehr ein Musikstil, als vielmehr eine Haltung. Es geht um die ernsthafte Auseinandersetzung mit traditioneller Musik. Dahinter verbirgt sich ein soziales Anliegen: die Welt durch Musik zusammen zu bringen.

Diese Folge der Langen Rille wird die fantastische Kasseler Sängerin Carolina Stefani mit ihren ebenfalls internationalen Liedern umrahmen.
Moderation: Wolf Silaff (The Lonesome Traveler).

  • Sendetermin: „Die Lange Rille“, Samstag, 1. Oktober 2016, 21 Uhr    

 

"I sail my ship alone" - Zum Geburtstag von Jerry Lee Lewis

Der Meister aller bösen, weißen, alten Männer - so umschrieb DIE ZEIT anläßlich Jerry Lee Lewis´ Geburtstag den "Killer" im September des Vorjahres. Well, die Zeit sie rast - wir rocken mit: Auch dem diesjährigen Jubiläum des "Wild Man of Rock & Roll" gönnen wir gern eine weitere Sendung. Rock ’n’ Roll ist Religion, die Sünde ist auch ein Weg zu Gott: Jerry Lee Lewis feiert seinen 81. Geburtstag. Hören wir ihm einfach zu beim Singen am Klavier - eine Hymne an den Orpheus des White Trash. Eines seiner letzten großartigen Alben heißt "Mean Old Man" - und im Titelsong erläutert er, wie immer mit dem passenden Nachdruck: „Wenn ich wie ein fieser Alter aussehe, dann deshalb, weil ich einer bin.“ Jerry Lee Lewis bleibt sich und seinem Thema treu: Jerry Lee Lewis. Nun ja, und Gott. In der Reihenfolge. Wobei er manchmal nicht so genau weiß, wer wer ist.
White Trash ist er, aus dem tiefsten Louisiana, wo die Weißen die Schwarzen hassen, aber ihre Musik lieben, und umgekehrt. Jedenfalls war das in den 30/40er und 1950er-Jahren so - wo die Bibel unhinterfragbare Wahrheit ist und der Teufel in den heißen Nächten umhergeht und die Menschen zu Sex, Whiskey und Blues verführt. Wie sein Cousin Jimmy Swaggart sollte Lewis Prediger werden, flog aber aus dem Seminar, weil er eine Gospelhymne im Boogie-Woogie-Rhythmus spielte. „Heute spielen sie in den Kirchen alle so“, erzählte er seinem Biografen. „Der Unterschied ist: Ich weiß, daß ich für den Teufel spiele - die nicht.“ Happy Birthday, Jerry Lee, einer der letzten echten großen Rock & Roller. Ob der rund 10 Jahre ältere schwarze "Mr. Rock & Roll" Chuck Berry seinem mild-gehaßt-geliebten Kollegen wohl gratulieren wird ... We´ll see.
In dieser Folge erinnert Wolf Silaff gerne noch einmal an die wilden und großen, aber auch an die eher mittelprächtigen Zeiten des unglaublichen Künstler-Phänomens. Glücklicherweise hat der Moderator den furiosen Meister der schwarzen und weißen Tasten einige Male in seinem unsteten Leben "live" erlebt - unvergeßbare Auftritte in Europa und auch in Amerika! Neben den Alben von Elvis und Chuck  Berry war das dritte selbst vom Munde abgesparte, bei Heini Weber in der Wilhelmsstraße stolz erstandene, selbstverständlich das von Jerry Lee Lewis. Und dann kamen die ersten heimlichen Nachtfahrten (noch "minderjährig" - aber mit Tolle) nach Hamburg, auf die Reeperbahn in den Star-Club.

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 2. Oktober 2016, 19 Uhr

Programminfos vom 23.09.2016 bis 28.09.206

Chuck Berry & The Steve Miller Band: "Live at the Fillmore Auditorium" (1967)

Im Sommer 1967, als das "Sgt. Peppers"-Album der Beatles (auf ihrem Popularitätshöhepunkt) ein gänzlich neues Sound-Kapitel der Rockgeschichte einläutete, war es mit dem originären Rock & Roll eigentlich vorbei. Die großen Vorbilder der Beatles, Stones und Kinks - Chuck Berry, Carl Perkins, Bo Diddley, Little Richard u.a.m. - waren auf dem absteigenden Ast. Rock & Roll war out, jetzt waren Flower Power, Acid, Hippies und Pop Music angesagt.
Ein fit gebliebener aus der alten Garde ließ einfach nicht locker und besann sich, gegen den Trend, ganz bewußt seiner ursprünglichen musikalischen Sozialisation: Charles Edward Anderson, genannt "Chuck" Berry aus St. Louis/MO. Der ging mit seiner roten ES 335-Gibson weiterhin auf die Bühnen - und spielte wieder Blues, mit seinen geschickten Riesenpranken. Ebenso wie sein Vorbild Muddy Waters sollte es ihm auf längere Sicht gelingen, elektrifizierte Blues Music auch bei einem jüngeren "nachwachsenden" Rock-Publikum interessant und spannend zu machen.
In dieser Magazin-Folge hören wir das "Live at the Fillmore Auditorium"-Album, das Chuck, begleitet von der gerade aufstrebenden Steve Miller Band, im legendären Spielort in San Francisco eingespielt hat. Möglicherweise nicht die allerbesten Blues-Schallplattenaufnahmen des früheren Chess-Künstlers, in jedem Falle ein wichtiges Musikzeitdokument. Interessant zu hören, wie sich vorher unbekannte Musiker mit aufmerksamen Lauschern und viel Gefühl in eine ganze Reihe alter Standards hineinspielen. Mit dabei sind solche Klassiker wie Willie Dixons "Hoochie Coochie Man", Pete Chatmans "Everyday I have the Blues", Chuck Willis´ "C.C. Rider", Sonny Boy Williamsons "Good Morning Little Schoolgirl" - und natürlich Berrys "Wee Wee Hours". Ein geschickter Schachzug von Onkel Chuck, sich in den Dürrezeiten des Rock & Roll bei den Leuten in aktueller Form in Erinnerung zu halten. Moderator Wolf Silaff ist sich dessen sicher - das Album ist ein Muß in der Sammlung. Respekt vor diesem Mann: Während etliche seiner 50er Jahre Kollegen bereits das Handtuch geworfen hatten, stieg Chuck Berry weiterhin in den Ring. Go, beat `em Chuck!

  • Sendetermin: „Long Distance Call“, Samstag, 24. September 2016, 19 Uhr

 

"Masters of the Art" unter sich: David Bromberg und Loudon Wainwright III

Zwei wichtige Geburtstage haben wir dieser Tage im Hinterkopf. Beide obengenannten US-Künstler sind nun "over the hill" - wurden dieser Tage 70/71. Happy birthday, boys. David Bromberg wurde lange Zeit als "Serenader´s Sidekick" tituliert und fungierte ob seiner großartigen musikalischen Zuarbeit als kongenialer Studio-Partner bei unvergessenen Aufnahmen für Bob Dylan, Jerry Jeff Walker, Tom Paxton, Linda Ronstadt, George Harrison u.v.m. Heute nennen sie ihn "Godfather of Americana". Well, says it all. Ein Spitzen-Multiinstrumentalist.
Der andere Singer/Songwriter-Kollege ist auch schon fast so lange dabei; seit den Greenwich-Village-Folk-Days der Früh-1960er Jahre. Loudon Wainwright - keiner kann derart schräge, hintersinnige ironische und zugleich gefühlvoll-zugewandte kleine Geschichten aus unserem banalen Alltag erzählen wie er. Manchmal ist er gar der kleine sozialkritische Wadenbeißer. Das kann schon mal richtig weh-tun - die Kurve kriegt er zumeist, indem er die Hörer mit auf den Selbsterfahrungs-Trip bringt. Großartiges Songwriting.  
In dieser Folge präsentieren wir zwei Könner mit hintergründigem Humor und spielen wiederum Alben in voller Länge - eine kleine musikalische Retrospektive, moderiert von Wolf Silaff (The Lonesome Traveler).

  • Sendetermin: „Die Lange Rille“, Samstag, 24. September 2016, 21 Uhr

 

"In-Betweeners": Commander Cody, J. Geils Band, Steve Miller Band

Diesmal geht‘s um gleich drei Bands, denen so einiges gemein ist/war. Alle wurden 1967 gegründet, alle kreierten einen eigenen Sound, der sich aus jeweils unterschiedlichen Musik- und Stilrichtungen nährte. Sie brachten einige markante Ohrwürmer, die teilweise sogar Hits wurden, hervor und gingen, nach mittleren Erfolgsphasen, entweder wieder auseinander (konsequent wie die Beatles damals)  oder sie zerrieben sich nach unerträglichen Neuformierungen und Umbesetzungen selbst. Und: Alle waren sie letztlich West Coast-orientiert. Sunny California - here we come.
Da wäre zum einen die Steve Miller Band aus der Bierbrauerstadt Milwaukee/Wisconsin. Ihr wohl größter Hit war der Ohrwurm "The Joker" (1973). Sie hatten sich in ihrer Frühphase, den Jahren der großen Open Air-Festivals, durch gemeinsame Auftritte mit "Mr. Rock & Roll" Chuck Berry ganz gut ins Geschäft gebracht. Das gemeinsame Album "Live at Fillmore Auditorium" war seinerzeit ein Muß für die Sammlung. Die Band war auch gegen Ende der 70er Jahre noch aktuell, obwohl sie den Punk links liegen ließen. Und zu Beginn des Folgejahrzehnts waren ihre Sounds auch in Deutschland disco-kompatible Tanzklänge. Dem taten auch New Wave und Neue Deutsche Welle keinen Abbruch.
Blues- und Boogie-orientiert kam ab Beginn der 70er Jahre die J. Geils Band aus Worcester/Massachusetts daher. Die Mannen um Peter Wolf hatten ursprünglich als Akustik-Blueser begonnen, schlugen später rauhere Elektrotöne an und wurschtelten sich ab Beginn des Folgejahrzehnts so allmählich selber mit Pop-orientierten Platten herunter. Ihre frühen Alben hingegen lassen intelligenten Blues-Rock mit knochenhartem Biss hören.
Eine abgefahren-schräge Truppe mit Country- und Swing-Hintergrund hingegen stellte Commander Cody (George Frayne IV.) mit seinen Lost Planet Airmen aus Ann Arbor/Michigan dar. Sie verstanden es, als Spät-Hippies mit Cowboyhüten und Stiefeln auf den Live-Bühnen der Dekade absurde Trucker-Märchen und wilde Space-Comics aufs Genialste rüberzubringen. Übrigens, der Commander zeichnete auch für die zahlreichen prägnanten Plattencover verantwortlich. Er dirigierte (zumeist) souverän in unvergessenen Shows eine wildgewordene Meute erstklassiger Musiker. Sie verstanden es, Country Music mit dem richtigen Treat auch einem jüngerem Publikum schmackhaft zu machen. Ihre frühen Klasse-Alben : sind zeitlose Preziosen im Regal und auf dem Plattenteller.
Kleine Anmerkung: Die kalifornische Kult-Truppe um Jerry Garcia, The Grateful Dead, hatten sich bereits früher, ab 1965, zusammengerauft - und überlebten alle drei obengennanten Bands um Dekaden. Ihre nächtelangen Konzerte sind noch heute Legende. Auch von denen wird’s demnächst so einiges aus ihrem riesigen Repertoire auf diesem Sendeplatz zu hören geben. 

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 25. September 2016, 19 Uhr

 

 

Fletcher Henderson - Pianist, Arrangeur, Bandleader

Aufnahmen aus den 20er Jahren

Schon vier Sendungen hat die Reihe „Tanzparkett“ dem Orchesterleiter Fletcher Henderson gewidmet. Das allerdings ist bereits etliche Jahre her. Inzwischen sind unsere Sammlungen wieder um einige Platten reicher, die wir Ihnen nicht vorenthalten wollen.
Bis auf eine, die für die Brunswick entstand, handelt es sich dabei um akustische Aufnahmen. Einige, weil sie vor der Einführung des elektrischen Aufnahmeverfahrens im Jahre 1925 entstanden, andere, obwohl neueren Datums, weil sie auf den preiswerten Columbia-Unteretiketten erschienen, die eine noch 1923 neubeschaffte akustische Aufnahmeapparatur amortisieren helfen sollten. Der musikalischen Qualität der Platten tut dieser technische Anachronismus jedoch keinen Abbruch.
Henderson gebührt das Verdienst, die erste Bigband des Jazz geleitet zu haben. Der frühe Jazz war eine Angelegenheit von Kleingruppen, meist fünf oder sieben Mann stark. Henderson erweiterte als erster Orchesterchef das Klangbild, indem er zusätzliche Instrumente und Musiker einsetzte.
Der studierte Chemiker Henderson hatte wegen seiner Hautfarbe keine Anstellung in seinem Fach gefunden. So begann der 1897 in Georgia geborene Schulrektorssohn in New York, seinem Studienort, eine Karriere als Pianist, die ihn zur Schallplatte führte, zunächst zum von Schwarzen für Schwarze geschaffenen Etikett Black Swan, dessen Repertoireleiter er wurde. Später war er für verschiedene Plattenfirmen im Studio tätig und trat im New Yorker „Club Alabam“ und später im „Roseland“ auf. Er durchlief und beeinflußte als Bandleader und Arrangeur die Entwicklung vom alten Jazz bis zum Swing. Nach Auflösung seiner festen Truppe im Jahre 1939 arbeitete er als Arrangeur und Pianist für Benny Goodman. Bis zu einem Schlaganfall im Jahre 1950, der eine weitere Berufsausübung vereitelte, absolvierte Henderson jedoch weiterhin Bühnenauftritte und Plattenaufnahmen. 1952 starb er in New York.
Unsere Sendung behandelt eine Auswahl seiner klassischen Aufnahmen der „wilden 20er“.
Durchs Programm begleitet Sie Peter K. Michael.

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 28. September 2016, 21 - 22 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 29.September 2016, 13 Uhr

 

Neues aus der Scheibenwelt - CD-Tipps im Herbst 2016

Totgesagte leben länger - trotz des anhaltenden Booms von Musikdownloads für Menschen, denen die Klangqualität eines Handys zum Musikgenuss ausreicht, glitzern doch noch immer frische Silberlinge im wunderbaren Universum des Weltklangs. Auch in diesem Herbst gibt es wieder viele Perlen zu entdecken, von denen Zirkusdirektor Günther Klößinger einige aus dunklen Tiefen des Ozeans globaler Klänge gefischt hat, um sie dem staunenden Publikum in der weltmusikalischen Manege des „Freien Radio Kassel“ zu präsentieren.
Folgt unserem Wanderzirkus also auf seinem Weg durch die funkelnde Welt silberner Scheiben voller wundersamer Klänge. Übrigens: Der Einsatz einer echten Stereoanlage lohnt sich bei dieser Musik in jedem Fall, und wenn schon ein Handy zum Einsatz kommen sollte, dann nur, um guten Freunden diese tollen CDs weiterzuempfehlen.
Am Mikro: Günther Klößinger

  • Sendetermine: „Wanderzirkus Weltklang“, Donnerstag, 28. september 2016, 19 Uhr
  • Wiederholung Weltklang: Freitag, 29. September 2016, 11 Uhr

Programminfos vom 15.09.2016 bis 18.09.2016

Cropredy-Nachschlag: Blick zurück … nach vorn

Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus: Im nächsten Jahr feiert die dienstälteste britische Folkrockband, Fairport Convention, ihr 50jähriges Bestehen. Natürlich wird es auch bei ihrem ureigenen, selbst veranstalteten Festival in Cropredy ein höchst interessantes Jubiläumskonzert geben.
In der vorherigen Vorstellung des „Wanderzirkus Weltklang“ hatte Zirkusdirektor Günther Klößinger einen Blick auf das diesjährige Festivalprogramm geworfen. In Vorfreude auf das Großevent von 2017 werfen wir nun einen Blick auf die Halbzeit. 1992 zelebrierten Fairport Convention in Cropredy ihr „25th Anniversary Concert“ in würdigem Rahmen: Viele ehemalige Bandmitglieder und überraschende Gaststars solch illustrer Kollegen aus Combos wie All About Eve und Led Zeppelin stiegen mit den Gründervätern einer ganzen Musikrichtung auf die Bühne. Ein heißer Mix aus Klassikern und damals aktuellen Stücken des reichhaltigen Bandrepertoires erklang in Würdigung einer turbulenten Gruppengeschichte und dem Blick nach vorn, wenn z.B. Publikumsfavoriten wie „Matty Groves“ in überraschenden Neuinterpretationen ertönten.
Als das dazugehörige Live-Doppelalbum erschien, verpasste es dem Zirkusdirektor in spe solch eine Gänsehaut, dass ihm klar wurde: Da muss ich mal hin. Ein Entschluss mit Folgen für die Urlaubsplanung der kommenden Jahrzehnte…
In dieser Vorstellung der weltmusikalischen Manege des FRK präsentiert Günther Klößinger nun Höhepunkte dieses denkwürdigen, historisch wertvollen Konzerts.
Am Mikro: Günther Klößinger

  • Sendetermine: „Wanderzirkus Weltklang“, Donnerstag, 15. September 2016, 19 Uhr
  • Wiederholung Weltklang: Freitag,  16. September 2016, 11 Uhr

 

Die Zukunft des documenta-Archivs

Seit Jahren befindet sich das documenta-Archiv in einer schwierigen Situation: Sowohl räumlich als auch personell besteht dringender Handlungsbedarf, wenn die einzigartige und kulturhistorisch wertvolle Sammlung dauerhaft erhalten, weiterentwickelt und der Forschung zur Verfügung gestellt werden soll. Wie genau die entsprechenden Maßnahmen aussehen könnten – darüber gibt es noch keine Klarheit; die Entscheidungen fallen auf politischer Ebene. Die neue Leiterin des documenta-Archivs, Birgit Jooss, und die Geschätftsführerin der documenta-GmbH, Annette Kulenkampff, äußerten sich im Rahmen des SPD-Kulturforums im Fridericianum über den aktuellen Stand der Dinge und zum weiteren Vorgehen. Auch das geplante documenta-Forschungsinstitut war Thema der Gesprächsrunde, die von Rainer Hanemann moderiert wurde.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 16. September 2016, 18 Uhr

 

Axel Pätz: Chill mal!

Axel Pätz avancierte in den letzten Jahren zu einem Shooting-Star der deutschen Kabarett-Szene. Er etablierte sich nicht nur in TV-Sendungen, sondern wurde zudem mit Kabarett- und Kleinkunstpreisen überhäuft. Axel Pätz bespielt rastlos den deutschzüngigen Sprachraum und schildert mit klaren Worten und viel Musik seine erworbenen Erkenntnisse auf allen Gebieten des täglichen Lebens - von Evaluationsgesprächen unter Kleinkindern über das ausschweifende Nachtleben der Generation Ü 80 bis hin zu durch Genozid traumatisierten Bakterien unter dem Latexhandschuh einer Fleischfachverkäuferin.

  • Sendertermin: „Kabarett live“, Freitag, 16. September 2016, 22 Uhr

 

Singer/Songwriter David Bromberg

Seit den 1970er Jahren ist dieser Ausnahmekünstler schon mit dabei. Er hat nicht nur tolle abgefahrene Geschichten in eigene Songs geformt, sondern auch als favorisierter "sidekick", als gestandener Mitmusiker, reihenweise Künstlerkolleg/innen begleitet, sowohl im Studio als auch auf der Live-Bühne. Die Liste ist lang: sie reicht von Bob Dylan, Tom Paxton und Jerry Jeff Walker über Carly Simon und Bonnie Raitt bis zu Ringo Starr, Willie Nelson, Edie Brickell, Doug Sahm u.a.  Und die Liste seiner Alben ist ebenfalls lang - allesamt Perlen in der Sammlung. Seine Stilbandbreite reicht von Folk über Blues zu Rock & Roll und Country Swing. Davids spannende Art, die Songs rüberzubringen, ist das eine, seine sparsam-trockene, hinterfotzig-sartirische Erzählweise mit seinem schräg-lässigen Philly-Slang das andere. Das Metier gelernt hat David übrigens bei keinem Geringeren als dem seligen Reverend Gary Davis (Blind Gary Davis, 1896-1972). Etliche der oben genannten Künstler brauchte niemand zu überreden - sie haben sich teilweise auf angenehmste Art bei ihm revanchiert und seine Eigenproduktionen bereichert. Diesmal gibt’s in der „Langen Rille“ eine kleine Auswahl des hier so hochgelobten Ohren- und Hirnfutters quer durch vier Dekaden. David Bromberg wird in dieser Woche 71. Happy Birthday, David, von Moderator Wolf Silaff. Übrigens beschäftigt sich der Allrounder/Multiinstrumentalist Bromberg seit einiger Zeit überwiegend mit dem Bau und der Reparatur von Violinen und anderen Saiteninstrumenten. In Wilmington/Delaware ist sein Shop zu finden. Die Werkstatt ist so ganz nebenbei zum Treffpunkt von Musiker/innen geworden.

  • Sendetermin: „Die Lange Rille“, Samstag, 17. September 2016, 21 Uhr

 

Country-Singer/Songwriter-Mix 70s/80s

Im direkten Anschluß an die vorige Folge hören wir heute noch einmal etwas vom "Redheaded Stranger" Willie Nelson aus den Mittsiebziger Jahren, der großartigen Phase seines künstlerischen Durchbruchs. Endlich respektierten auch die großen Plattenbosse den schrägen Langzopf-Typen mit der knarzigen Stimme und seinem (scheinbar) unfertigen, an Django Reinhard orientierten Gitarrenspiel. Willies Tour als Klinkenputzer war vorbei, die "Outlaws" formierten sich und zogen durch den Lone Star State. Die Szene feierte einen unvergleichlichen Songwriter, reihenweise Klasse-Alben folgten. Solche genialen Typen nennt mal/frau wohl Überflieger. Willie ist längst so etwas wie eine amerikanische Musik-Ikone - er hat wahrlich eine Menge bewegt. Seine Country-Vorbilder hat er bei alledem nicht vergessen; in dieser Folge gibt‘s daher auch etwas von Lefty Frizzell und von Johnny Russell ("Act Naturally") sowie von Keith Whitley, der sich während der 80er auch mit Material von Frizzell und Sanger D. Shafer auseinandergesetzt hat. Willies Kumpel Jerry Jeff Walker darf da auch nicht fehlen. In dieser Folge hören wir einige Titel im Vergleichs-Test sozusagen, individuelle Einspielungen verschiedener Künstler (Cover-Versionen). Abgerundet wird die Sendung vom Universalgenie David Bromberg mit seinen nunmehr 70 Jahren. Früher war er ein gefragter "sidekick pardner" (für Bob Dylan, Jerry Jeff Walker, Carly Simon, Ringo Starr, Bonnie Raitt, Tom Paxton, Willie Nelson, Doug Sahm, Edie Brickell a.o.) - heute arbeitet er als Geigenbauer, der es gelassen angehen kann. Seine Songs, seine zahlreichen Alben sind ebenfalls allesamt echte Meisterstücke.

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 18. September 2016, 19 Uhr

Programminfos vom 07.09.2016 bis 15.09.2016

Sandra König bei „Handmade“

Heute gibt es in der Sendung „Handmade“ etwas noch nie dagewesenes: Eine Buchlesung.
Autorin Sandra König aus Nordhessen ist zu Gast im Studio und liest Passagen aus ihren Büchern. Gerade hat sie Ihr drittes Buch mit dem Titel "Blue Fighter Island" veröffentlicht. Da die Autorin sowie Cap K beide die See mögen, gibt es passenderweise in den Lesepausen entsprechende Musik. Wir wünschen viel Vergnügen bei dieser Ausgabe von „Handmade“!

  • Sendetermin: „Handmade“, Mittwoch, 7. September 2016, 18 Uhr

 

Wir mögen's bunt

Nachdem sich die 'Tonköstler' in den letzten Monaten mit lauter akustischen Schwarz-Weiss-Malereien herumplagen mussten, wird es nun Zeit, ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen. Und siehe da: Plötzlich erstrahlt alles in einer nie geahnten Farbvielfalt. Daraus haben die 'Drei von der Funkstelle' einen bunten Melodien-Strauss gebunden, den sie in der neuesten Ausgabe von Tonkost präsentieren.
Am Mikrofon: Günter Klößinger, Trudi Kindl & Dieter Kindl

  • Sendetermine: „Tonkost“, Donnerstag, 8. September 2016, 19.00 Uhr
  • Wiederholung Freitag, 9. September 2016, 11.00 Uhr

 

Zum Todestag von Holger Börner

Vor zehn Jahren verstarb der ehemalige Hessische Ministerpräsident und Ehrenbürger der Stadt Kassel, Holger Börner. Sein politisches Engagement in der Bundesrepublik, in Hessen und in seiner Heimatstadt Kassel wirkt bis in unsere Tage nach. Holger Börners Streben nach sozialer Gerechtigkeit, nach Demokratie, Solidarität und Teilhabe aller am Wohlstand ist vielen bis heute Vorbild geblieben.
Die Stadt Kassel erinnerte sich ihres Ehrenbürgers mit einer Festveranstaltung im Bürgersaal des Rathauses. Im Zentrum der Veranstaltung stand eine Gesprächsrunde zu Lebensstationen von Holger Börner. Teilnehmer waren: Franz Müntefering (ehem. Bundesgeschäftsführer SPD), Staatsminister a.D. Alfred Schmidt (FDP), Roland Schmidt (Friedrich-Ebert-Stiftung) und Gerhard Fenge, ein Weggefährte und Freund Börners. Moderiert wurde die Gesprächsrunde von Prof. Dr. Wolfgang Schroeder (Universität Kassel).
Neben Grußworten von Kassels Oberbürgermeister Bertram Hilgen und des stellvertretenden SPD-Bundesvorsitzenden Thorsten Schäfer-Gümbel waren auch eine Videobotschaft des Ministerpräsidenten Volker Bouffier und ein Ausschnitt aus dem Film „Der hessische Riese“, einem Portrait Holger Börners, Bestandteile der Gedenkfeier.
Außerdem in der Sendung: Grimmwelt-Direktorin Susanne Völker blickt auf das erfolgreiche erste Jahr des sowohl vom Publikum als auch von der Kritik gefeierten Museums zurück.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 9. September 2016, 18 Uhr

 

Magic Moments spezial: Die Lange Schlager Nacht

Eine Nacht des deutschen Schlagers präsentiert das FRK an diesem Wochenende – acht Stunden am Stück! Ab 22 Uhr wird „Magic Moments“-Moderator Thomas bis in die frühen Morgenstunden des Samstags Schlager und Artverwandtes aus mehreren Jahrzehnten vorstellen. Das Spektrum reicht dabei von Stimmungskanonen wie Jürgen Drews bis hin zu Liedermachern wie Reinhard Mey und Klaus Hoffmann. Dazu gibt’s ein Special über die bekanntesten deutschen Schlagerduos der 70er Jahre – Gelegenheit für ein Wiederhören u.a. mit Cindy & Bert, Nina & Mike oder Adam & Eve. Außerdem hören wir Interviews beispielsweise mit Linda Hesse, Christina Rommel und mit Cindy Berger, die als Teil des legendären Duos Cindy & Bert an ihren 2012 verstorbenen ehemaligen Gesangspartner Norbert Berger erinnert, der am 10. September 2016 70 Jahre alt würde.

  • Sendetermin: „Lange Schlager-Nacht“, Freitag, 9. September 2016, 22 Uhr

 

Chris Farlowe - "Out of Time"?? No way - aktuell wie nie!

Die Stimme von Chris Farlowe erregte erstmals Mitte der sechziger Jahre Aufmerksamkeit, als er mit dem von Mick Jagger produzierten Rolling-Stones-Song “Out of Time” Platz 1 sämtlicher Hitparaden in Europa eroberte. Damit wurde Chris zu einem der wichtigsten Blues- und Soulsänger dieser Zeit. Anfang der 60er gründete er mit dem Gitarrenvirtuosen Albert Lee und Tastenmann Dave Greenslade die Thunderbirds, zu denen auch später Carl Palmer gehörte. Bis 1963 arbeitete man als “Allnighter” in Ric Gunells “Flamingo Club” im Londoner Stadtteil Soho, und Farlowe wurde mit seiner Ausnahmestimme schnell eine feste Größe in Londons R&B Circuit.
Erste Singles der Thunderbirds für Decca und Columbia waren bald im Handel, doch erst mit “Out of Time” gelang Chris 1966 der ganz große Wurf. Es folgten weitere Hits wie “Yesterday‘s Papers”, “Handbags and Gladrags”, “Moanin ́” und “Satisfaction”. Die Band stürmte die Hauptstädte Europas und brach sämtliche Zuschauerrekorde. 1970 verließ Chris die Thunderbirds, um als Frontmann bei der Kult-Band Colosseum einzusteigen. Seine unnachahmlichen Blues-Arien fügten sich kongenial in den dramatischen Sound der Formation ein. Fast gleichzeitig mit der Trennung der Band kam noch ein Doppelalbum auf den Markt, das man sicherlich auch heute noch getrost als ein Juwel der Rockgeschichte bezeichnen kann: “Colosseum Live”, das kürzlich in einer erweiterten CD-Version erschien.
Anfang 1972 kam das Angebot von Atomic Rooster, einer Hardrock-Band mit Hammond-Orgel-Parallelen zu den Thunderbirds. Die Atomic-Rooster-Alben „Made in England“ und „Nice & Greasy“ bieten eine überzeugende Mischung aus solidem Rock und subtilen Funk- und Soulklängen, die Ober-Rooster Vincent Crane dem Sänger auf den Leib schrieb – etwa “People You Can ́t Trust“ oder „Stand By Me“. 1975 schaffte es das Reissue von Farlowes größtem Hit “Out of Time” erneut in die UK Charts. Chris schaltete schnell: Unterstützt u.a. von Maggie Bell und seinem Ex-Thunderbird Kollegen Albert Lee startete er eine triumphale Sommer-Tournee durch England. 1982 holte ihn Jimmy Page (Led Zeppelin) für die Filmmusik zu dem Charles-Bronson-Film “Death To Wish II”.
1985 und 88 folgten die Solo-Alben “Out Of The Blue” und “Born Again” und eine weitere Produktion mit Jimmy Page: “Outrider”. Seit Mitte der 80er ist Chris mit eigener Band auf Tour, übernimmt jedoch immer wieder gerne Gastangebote bei anderen Formationen – u.a. bei Van Morrison und den R&B Allstars mit den Deep- Purple-Mitgliedern Jon Lord und Ian Paice. Zwischen 2007 und 2012 tourte Farlowe mit der Hamburg Blues Band und Colosseum in Deutschland und dem angrenzenden Ausland. Anfang 1994 war Chris Farlowe Teil eines groß angelegten Colosseum-Comebacks: Die in Deutschland, Österreich und der Schweiz stattfindenden Reunion-Konzerte wurden für ein Live-Album aufgezeichnet, der Sänger überzeugte bei unvergessenen Kompositionen wie „Lost Angeles“ oder „Theme From An Imaginary Western“.
Zwischen 2003 und 2015 folgten neben diversen Festivals und CD Produktionen weitere Tourneen des Sextetts bis zum Abschiedskonzert der Supergroup um Jon Hiseman im Februar 2015 im legendären O2 Shepherd ́s Bush Empire in London. - Nun kommt Chris Falowe mit der Steven Beaker Band nach Kassel: Am Sonntag, 18. September, sind sie Theaterstüchen zu erleben. Nun aber ganz fix das Ticket gesichert!

  • Sendetermin: „Long Distance Call“, Samstag, 10. September 2016, 19 Uhr

 

Willie Nelson: "The Red Headed Stranger"

Das wichtigste Konzeptalbum in der Country- und Outlaw Music ist sicherlich die musikalische Geschichte vom Red Headed Stranger. Die Legende vom Priester da draußen im Westen, der im Affekt seine Frau und deren Geliebten umbringt und anschließend durch das Land irrt, ist ein zeitloser Klassiker. Er erschien 1975 bei der CBS und war, in Schallplattenrillen gepreßt, sozusagen der "offizielle Auftakt" zur Entwicklung des sogenannten Outlaw Movement. Etliche Freunde und Kollegen würden alsbald Willies Beispiel folgen; Waylon Jennings, Jerry Jeff Walker, Guy Clark, Billy Joe Shaver, David Allan Coe u.a. Für den Allrounder Nelson war es der Grundstein zu einer beispiellosen Künstler-Karriere. Und seit diesem Albumerfolg hat er auch den gleichlautenden Spitznamen weg.
Das Album machte Nelson zum gefeierten Superstar, einer von etlichen unter den nach künstlerischer Unabhängigkeit strebenden Musikern und Songwritern der Siebziger Jahre - und zugleich der international erfolgreichste. Es war Nelsons erstes Hit-Album, das Platz 1 der Billboard-Country-Album-Charts erreichte. Außerdem enthielt es mit "Blue Eyes Crying In The Rain" seine erste Nummer-1-Hit-Single. Das Album wurde von Country Music Television (in den Staaten eine Institution) im Jahr 2006 auf den ersten Platz ihrer Liste der 40 größten Country-Alben aller Zeiten gewählt. Und das Musikblatt Rolling Stone listete es auf der 184. Position ihrer Liste der 500 besten Alben aller Zeiten. Übrigens hatte Willies Kumpel Johnny Cash bereits ab den 60er Jahren ebenfalls eigene Konzeptalben vorgelegt („Ride This Train“ 1960, „Blood, Sweat and Tears“ 1963, „Bitter Tears“ 1964, „America“ 1972). Der Lonesome Traveler Wolf Silaff hatte sie bereits in unserer Sendereihe „Die Lange Rille“ vorgestellt.
Gegen Ende des lauschigen Stündchens mit Willie wird Moderator Wolf Silaff kurz an einen weiteren großartigen amerikanischen Songwriter erinnern - an Loudon Wainwright III. Der ist nämlich in dieser Woche 70 geworden. Happy Birthday, Loudon! Der Lonesome Traveler hatte das große Glück, diesen genialen Typen zu treffen und wird ihm selbstredend demnächst an dieser Stelle etwas mehr Sendezeit mit abgefahren-schrägen Topics widmen.

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 11. September 2016, 19 Uhr

 

Cropredy-Nachschlag: Blick zurück … nach vorn

Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus: Im nächsten Jahr feiert die dienstälteste britische Folkrockband, Fairport Convention, ihr 50jähriges Bestehen. Natürlich wird es auch bei ihrem ureigenen, selbst veranstalteten Festival in Cropredy ein höchst interessantes Jubiläumskonzert geben.
In der vorherigen Vorstellung des „Wanderzirkus Weltklang“ hatte Zirkusdirektor Günther Klößinger einen Blick auf das diesjährige Festivalprogramm geworfen. In Vorfreude auf das Großevent von 2017 werfen wir nun einen Blick auf die Halbzeit. 1992 zelebrierten Fairport Convention in Cropredy ihr „25th Anniversary Concert“ in würdigem Rahmen: Viele ehemalige Bandmitglieder und überraschende Gaststars solch illustrer Kollegen aus Combos wie All About Eve und Led Zeppelin stiegen mit den Gründervätern einer ganzen Musikrichtung auf die Bühne. Ein heißer Mix aus Klassikern und damals aktuellen Stücken des reichhaltigen Bandrepertoires erklang in Würdigung einer turbulenten Gruppengeschichte und dem Blick nach vorn, wenn z.B. Publikumsfavoriten wie „Matty Groves“ in überraschenden Neuinterpretationen ertönten.
Als das dazugehörige Live-Doppelalbum erschien, verpasste es dem Zirkusdirektor in spe solch eine Gänsehaut, dass ihm klar wurde: Da muss ich mal hin. Ein Entschluss mit Folgen für die Urlaubsplanung der kommenden Jahrzehnte…
In dieser Vorstellung der weltmusikalischen Manege des FRK präsentiert Günther Klößinger nun Höhepunkte dieses denkwürdigen, historisch wertvollen Konzerts.
Am Mikro: Günther Klößinger

  • Sendetermine: „Wanderzirkus Weltklang“, Donnerstag, 15. September 2016, 19 Uhr
  • Wiederholung Weltklang: Freitag,  16. September 2016, 11 Uhr

Programminfos vom 01.09.2016 bis 07.09.2016

Urgesteine, Pop-Ikonen und junge Wilde - Das Cropredy-Festival 2016

Auch im 49. Jahr ihres Bestehens ließ es sich die dienstälteste englische Folkrockband nicht nehmen, zu einem Festival der besonderen Art und Güte einzuladen. Und so versammelten sich ca. 18000 Freunde handgemachter Musik bei bestem Sommerwetter und ebensolcher Laune vor und auf der Bühne auf einer Viehweide im kleinen Dörfchen Cropredy/Oxfordshire.
Die musikalische Palette war bunt und breit gefächert - alte Hasen und junge Wilde des Folkrock gaben sich ein Stelldichein. Aber auch Singer/Songwriterkunst, Ska-orientierter Pop der 80er Jahre und hardrockender Hillbillysound verzauberte das Publikum.
Auch Zirkusdirektor Günther Klößinger ließ es sich wieder einmal nicht nehmen, dieser locker-folkigen Party eine Stippvisite abzustatten und anlässlich der neuesten Vorstellung in der weltmusikalischen Manege des Freien Radio Kassel über einige Highlights des Konzertprogramms zu berichten.
Am Mikro: Günther Klößinger

  • Sendetermine: „Wanderzirkus Weltklang“, Donnerstag, 1. September 2016, 19 Uhr
  • Wiederholung Weltklang: Freitag, 2. September 2016, 11 Uhr

 

Gedenkveranstaltung anläßlich des Jahrestages zur Bücherverbrennung

Der SPD-Ortsverein Altkassel veranstaltete unter dem Motto „Lesen gegen das Vergessen" im Mai 2016 auf dem Friedrichsplatz die inzwischen schon traditionelle  Gedenkveranstaltung zum Jahrestag der Bücherverbrennung durch die Nationalsozialisten.
Bereits vor und am 10. Mai 1933 wurden in vielen deutschen Städten die Werke jüdischer,  marxistischer und pazifistischer Autoren öffentlich verbrannt. In Kassel geschah dies erst am 19. Mai 1933. Schon in den Tagen zuvor waren damals Angehörige des „Nationalsozialistischen Studentenbundes" durch die Buchhandlungen und Leihbüchereien in Kassel gezogen, um anhand der „Schwarzen Listen" die geschmähten Bücher zu beschlagnahmen. Auch in den Regalen des Warenhauses Tietz wütenden die Kasseler Studenten. Am 19. Mai brachten sie dann die Bücher in Wäschekörben auf den Friedrichsplatz. Dort endeten diese Bücher dann auf einem Scheiterhaufen.
Die Nazis verpackten diese Aktionen in einen sogenannten „Kampf gegen Schmutz und Schund“, wobei die Bücherverbrennungen den Höhepunkt der „Aktion wider den undeutschen Geist" darstellten,
Während der diesjährigen Gedenkveranstaltung in Kassel lasen Schülerinnen und Schüler der Albert-Schweitzer-Schule Texte von Bertold Brecht, Georg Bernhard und Max Herrmann-Neisse. Birgitt Möller stellte Gedichte von Mascha Kaleko vor.
Die Themen Flucht und Leben im Exil, die aus den Texten sprechen, sollten auch auf die heutige Situation der Flüchtlinge aufmerksam machen.
Mit der Erinnerung an Georg Bernhard wurde auch der vielen Journalisten gedacht, die von den Nationalsozialisten zum Schweigen gebracht wurden. Damals, begleitet von den sogenannten „Feuersprüchen“, wurden Bücher verfemter Autoren ins Feuer geworfen. Dabei hieß es unter anderem: „Gegen volksfremden Journalismus demokratisch-jüdischer Prägung, für verantwortungsbewußte Mitarbeit am Werk des nationalen Aufbaus. Ich übergebe der Flamme die Schriften von Theodor Wolff und Georg Bernhard.“ Einen aktuelleren Bezug zur Gegenwart kann es, nach den Worten der Initiatoren der gedenkveranstaltung, Gerd und Birgitt Möller, nicht geben.
Die Veranstaltung wurde von Daniel Hofmann musikalisch umrahmt.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 2. September 2012, 18 Uhr

 

Willie Nelson: "The Red Headed Stranger"

Das wichtigste Konzeptalbum in der Country- und Outlaw Music ist sicherlich die musikalische Geschichte vom Red Headed Stranger. Die Legende vom Priester da draußen im Westen, der im Affekt seine Frau und deren Geliebten umbringt und anschließend durch das Land irrt, ist ein zeitloser Klassiker. Er erschien 1975 bei der CBS und war, in Schallplattenrillen gepreßt, sozusagen der "offizielle Auftakt" zur Entwicklung des sogenannten Outlaw Movement. Etliche Freunde und Kollegen würden alsbald Willies Beispiel folgen; Waylon Jennings, Jerry Jeff Walker, Guy Clark, Billy Joe Shaver, David Allan Coe u.a. Für den Allrounder Nelson war es der Grundstein zu einer beispiellosen Künstler-Karriere. Und seit diesem Albumerfolg hat er auch den gleichlautenden Spitznamen weg.
Das Album machte Nelson zum gefeierten Superstar, einer von etlichen unter den nach künstlerischer Unabhängigkeit strebenden Musikern und Songwritern der Siebziger Jahre - und zugleich der international erfolgreichste. Es war Nelsons erstes Hit-Album, das Platz 1 der Billboard-Country-Album-Charts erreichte. Außerdem enthielt es mit "Blue Eyes Crying In The Rain" seine erste Nummer-1-Hit-Single. Das Album wurde von Country Music Television (in den Staaten eine Institution) im Jahr 2006 auf den ersten Platz ihrer Liste der 40 größten Country-Alben aller Zeiten gewählt. Und das Musikblatt Rolling Stone listete es auf der 184. Position ihrer Liste der 500 besten Alben aller Zeiten. Übrigens hatte Willies Kumpel Johnny Cash bereits ab den 60er Jahren ebenfalls eigene Konzeptalben vorgelegt („Ride This Train“ 1960, „Blood, Sweat and Tears“ 1963, „Bitter Tears“ 1964, „America“ 1972). Der Lonesome Traveler Wolf Silaff hatte sie bereits in unserer Sendereihe „Die Lange Rille“ vorgestellt.

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 4. September 2016, 19 Uhr

 

Sandra König bei „Handmade“

Heute gibt es in der Sendung „Handmade“ etwas noch nie dagewesenes: Eine Buchlesung.
Autorin Sandra König aus Nordhessen ist zu Gast im Studio und liest Passagen aus ihren Büchern. Gerade hat sie Ihr drittes Buch mit dem Titel "Blue Fighter Island" veröffentlicht. Da die Autorin sowie Cap K beide die See mögen, gibt es passenderweise in den Lesepausen entsprechende Musik. Wir wünschen viel Vergnügen bei dieser Ausgabe von „Handmade“!

  • Sendetermin: „Handmade“, Mittwoch, 7. September 2016, 18 Uhr

Programminfos vom 24.08.2016 bis 01.09.2016

Calypso Craze - Weil Mama immer gern ein Gitarrensolo bringt, weil Papa ganz genau so wie Belafonte singt ..

Calypsomusik. Eine musikalische und nicht immer fröhliche Reise in die Karibik. Nach Trinidad und der Westindischen Inselwelt. Wir treffen den „King of Calypso“, Harry Belafonte, der diesen Titel so gar nicht mochte. Auch furchterregende Gestalten, die sich mit einem Augenzwinkern hinter ihren klangvollen Pseudonymen verstecken:  Atilla The Hun, Mighty Sparrow, The Lion, Macbeth The Great oder Lord Invader.  Letzterer hieß eigentlich Rupert Grant und sang schon 1944 „Rum & Coca Cola“. Der Song über die käufliche Liebe (Verwerfungen der Sexual-Ökonomie) der während des 2. Weltkrieges auf Trinidad stationierten US-Soldaten (working for the Yankee Dollar) , wurde textlich entschärft  und dann von den damals noch unbekannten Andrew Sisters aufgenommen und ein wahrer Million Seller.
Auch der Schauspieler Robert Mitchum erlag der Faszination des Calypso, den er bei  Dreharbeiten in Trinidad und Tobago kennen und lieben gelernt hatte. So sehr, dass er ein heute noch begehrtes und hinreißendes Album machte (Calypso – is like so, 1957, mit fake accent). Calypsoaufnahmen haben einen oft typischen Wortwitz, den doppelten Boden, das sogenannte double entendre (z.B. das oft gecoverte „Marry An Ugly woman“).
Nat King Cole, Ella Fitzgerald und Louis Jordan haben den Calypso, noch bevor es mit dem Rock’n’Roll so richtig losging, nach Amerika gebracht. Man mag es kaum glauben, aber die Calypsowelle schwappte Ende der 1950ziger Jahre auch bis nach Germany herüber. Die Adaptionen klingen skurril  („Mama kommt aus Kuba“ von Alice Babs zum Beispiel) und auch schon mal nach „Sarotti-Mohr“ und anderen Rassismen. Lust auf mehr? Dann steigt ein in‘s Banana Boat (Day-O) und schaltet euer Radio an.
Mehr Infos/Fotos und die Möglichkeit die Sendung nachzuhören findet ihr auf meinem Blog:
http://ralfs-radio-blog.blogspot.de [Idee und Moderation, Ralf Wenzel].

  • Sendetermin: „Magic Moments“, Mittwoch, 24. August 2016, 21 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 25. August 2016, 13 Uhr

 

Publikumsbeschimpfung

Dr. Peter Zudeick, freier Journalist und Korrespondent für mehrere Rundfunkanstalten und Zeitungsredaktionen, sorgte mit seinem Programm „Das Pressevolk, der große Lümmel - Von Abschreibern, Ranwanzern, Blendern und Besserwissern“ bei einer Veranstaltung der Friedrich-Ebert-Stigtung für einen unterhaltsamen Abend.
Beschimpfungen haben eine entlastende Wirkung und außerdem Tradition im Alltag sowie in der Politik. Beschimpfungen sind ungerechte Übertreibungen - sie bringen nichts, außer einem Quäntchen Wahrheit, über das man befreit lachen kann. Deswegen kommen nicht nur die Vertreterinnen und Vertreter der Presse selbst, sondern auch alle interessierten Bürgerinnen und Bürger in diesem satirischen Format auf ihre Kosten.
Die Aufzeichnung entstand im Südflügel der Kasseler Kulturbahnhofs.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 26. August 2016, 18 Uhr

 

Country Classics: „Gypsy Cowboy“ (1972)

Begonnen haben die New Riders Of The Purple Sage einst als eine Art „Ableger“ der Grateful Dead. Im Laufe der Zeit mauserten sie sich jedoch zu einer eigenständigen Band und gehörten in der frühen 70ern zur Speerspitze der amerikanischen Country-Rock-Bewegung. Das Debüt-Album von 1971 gilt als Klassiker des Genres, Songwriter und Leadsänger John Dawson zählt zu den legendären Gestalten der kalifornischen Musikszene.
Weniger bekannt ist die dritte LP der Band, die Ende 1972 unter dem Titel „Gypsy Cowboy“ erschien. Das Album verkaufte sich nur mäßig und warf keine Hit-Singles ab. Dennoch kann die Platte aus heutiger Sicht als Meisterwerk gelten, enthält sie doch eine ganze Reihe erstklassiger Kompositionen, die typisch für die Ära sind und eine perfekte Synthese aus psychedelisch angehauchtem West-Coast-Rock und traditionellen Country-Klängen bilden. Zudem bestand die Gruppe damals aus hochkarätigen Musikern, unter denen – neben John Dawson – besonders der virtuose Steelgitarrist Buddy Cage herausragt. Das Album bietet reichlich wunderbarste Melodien und perfekten Harmoniegesang – also genau das, was gemeinhin als „Cosmic American Music“ bezeichnet wird. Um so bedauerlicher, daß „Gypsy Cowboy“ bis heute ein Schattendasein in der Diskographie der New Riders fristet und immer noch von kommerziell erfolgreicheren Platten wie „Powerglide“ oder „Panama Red“ überstrahlt wird. Wir wollen das ändern und stellen die LP ausführlich vor.

  • Sendetermin: „Country Classics“, Samstag, 27. August 2016, 18 Uhr

 

Oberliga-Stars des Chess-Labels in London, Teil 2

Ein Vierteljahrhundert lang (1950 - 1975) war das Chess-Label aus Chicago der Cadillac unter den Blues-Experten. Gegründet und betrieben wurde die Firma von einem umtriebigen Immigranten-Brüderpaar aus Europa, Leonard und Philipp Chess aus dem früheren polnischen Galizien. Sie waren clevere Geschäftsleute mit einem guten Riecher für Neues. Aber nicht nur Blues wurde da in der Windy City gemacht, auch der Rock & Roll wurde von dort aus revolutionär befeuert. Von Chuck Berry über Willie Dixon, bis Bo Diddley und Howling Wolf reicht eine lange Künstlernamenliste von den 1950er Jahren bis in die Dekaden neuester technisch-aufgeblasener Musikproduktionen.
Einige der Genannten hatten gegen Ende der 60er Jahre ihre Bedeutung für ein weißes europäisches Publikum und etliche Musikadepten auf der britischen Insel verstanden. Und sie kamen als willkommene Gäste zu den Festivals, auch nach Deutschland. Einige gingen (gerne) in die Londoner Studios, um dort ziemlich hippe Sachen einzuspielen  - und ließen sich selbstredend von ihren mittlerweile prominenten Brit-Kollegen begleiten. So jammten denn beispielsweise Muddy Waters, Chuck Berry und auch Howling Wolf mit Jagger, Richards, Wyman, Watts, Clapton, Winwood, Gallagher, Beck und etlichen anderen. Herausgekommen sind echte Album-Klassiker. Auszüge aus eben diesen sind in dieser Folge zu hören.

  • Sendetermin: „Long Distance Call“, Samstag, 27. August 2016, 19 Uhr

 

Der Willie & Der Vatter: Der Outlaw und der Mundartdichter

Mit "Outlaw" ist in diesem speziellen Falle Willie Nelson gemeint, die amerikanische Musikerlegende aus Texas. Von ihm hören wir in dieser Folge ein - gemessen an den Verkaufszahlen - allgemein unterschätztes, aber dennoch bemerkenswertes Album von 2001, das die Meisterschaft des Songwriters Nelson unterstreicht: Zeitlos gute Country Music. Es erschien unter dem Titel "Me and the Drummer: Tales out of Luck". Die Platte wurde ohne Willies legendären Band-Schlagzeuger Paul English eingespielt. Ein zunächst irreführender Titel also. Das Album ist aber in jedem Fall ein herausragendes Werk, das ursprünglich als Internet-Special Offer geplant war und – in der erweitereten Version -  Video- und Bilddateien enthält. Inhaltlich handelt es sich um Willies Rückbesinnung auf seine 60erJahre-Erfahrungen - als seinerzeit komplett unter-schätzter Songwriter innerhalb der Nashville-Szene. Luck, Texas übrigens ist nicht nur eine wunderschöne Ortsnamenkreation, sondern auch eine Filmkulissse und ein Veranstaltungsort, eigens für den Film/Album "Red Headed Stranger" ins Hill Country außerhalb von Austin gebaut. Zeitweise lebt Willie dort, spielt Golf und lädt, auch nach den Tornado-Zerstörungen von 2014, immer mal wieder zu Festivals ein (SxSW /Luck Reunion). Im Frühjahr diesen Jahres ging der Fuchs mit über 30 Acts auf gleich zwei Live-Bühnen ab ...
Auf "Tales out of Luck" gelang Willie mit fantastischen Mitmusikern, den Offenders (u.a. Johnny Gimble, Floyd Domino, Dave Zettner, Johnny Bush), ein faszinierender Spagat zwischen Country Music und Blues. Neben echten Honky Tonkern und Country Tear-Jerkern gibt’s einige hörenswerte "weiße" Blues-Songs. Der absolute Reißer ist sicherlich der "Rainy Day Blues". Alle Texte stammen von Willie selbst.  Unglaublich, wie der frühere Pedal Steeler Jimmie Day den richtigen Touch da reinbringt - neben Willies knarzigem Gesang und seiner lässig-halbfertig ausformulierten Spielweise (Django-Style) auf seiner verschrammelten Martin N 20 Gitarre (namens "Trigger"!).
Wie schön: Auch in den nordhessisschen Breitengraden gibt es Leute mit ausgeprägtem Musikfeeling. Als humorgetriebenen Mundart-Kreativen bezeichnet Moderator Wolf Silaff den Dark Vatter (Timo Israng) aus Kassel. Als „Dark Vatter und sinne Combo“ bringen sie in bester Rockabilly-Manier regional-akute Themen auf ihren Platten und den unbedingt sehenswerten Auftritten wirklich gekonnt rüber. Kein Zweifel, so viel steht fest: Würde Willie Nelson dieses Regional-Idiom für sich übersetzen können - er hätte ebensoviel Spaß (fun) an der ganzen Angelegenheit wie Waschbär-echte (Raccoon-approved) Nordhessen ...  

  • Sendetermin: “Lonesome Traveler”, Sonntag, 28. August 2016, 19 Uhr

 

Vorläufige Abschiedssendung

Das Magazin für freie Musik tritt aus beruflichen Gründen des Moderators in eine vorläufige Sendepause. Die letzte Sendung vor dieser Pause findet am heutigen Dienstag statt.

  • Sendetermin: „Frei hoch zwei“, Dienstag, 30. August 2016, 19 Uhr

 

Cab Calloway, Folge 1/ 2016

Den Jazzfans unter unseren Hörern den 1907 geborenen Cab Calloway (eig. Cabell Calloway III.) vorzustellen, hieße wohl Eulen nach Athen tragen.
 
Aber auch vielen, die Jazz allenfalls am Rande interessiert, dürfte er bekannt sein - durch seinen Auftritt im Film „Blues Brothers“ von 1979. Als wären die fünf Bühnenjahrzehnte dazwischen nicht gewesen, ist er auf der Leinwand mit seinem wohl größten Hit, seiner Erkennungsmelodie „Minnie The Moocher“, zu erleben, immer noch mit dem von ihm geprägten Stil des Scatgesangs mit dem für ihn so typischen „Hidey Hidey Ho“.
 
Auch in der nun gebrachten Sendefolge (vor vielen Jahren gab es auf diesem Sendeplatz schon einmal zwei Ausgaben über Cab Calloway, die allerdings andere Platten enthielten) wollen wir sowohl die Seite des Jazzers als auch die des Showmans Calloway beleuchten. Wir beginnen am Anfang seiner Plattenkarriere, als er im Jahre 1930 die Band „The Missourians“ übernommen hatte.
 
Der aus einem Akademikerhaushalt stammende Calloway straffte die Organisation des Orchesters und wurde sein Aushängeschild.
 
Sein exzentrischer Gesang und ebensolche Tanzeinlagen wirkten - und wirken bis heute - auf Generationen von Künstlern als Vorbild. Die „Tanzparkett“-Redaktion konnte sich davon bei einem Konzertbesuch im Frühjahr mit eigenen Augen und Ohren überzeugen.
 
Seine Bühnenkarriere währte bis zu seinem Tod im Jahre 1994. Auch ein Redaktionsmitglied unserer Sendung durfte ihn noch Anfang der 90er als hochbetagten, aber keineswegs zahm gewordenen Künstler bei einer Deutschlandtournee erleben.
 
Durchs Programm begleitet Sie Peter K. Michael.
 
Ein zweiter Teil folgt - ob unmittelbar am nächsten „Tanzparkett“-Sendeplatz oder später, wird noch festgelegt.

  1. Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 31.8.16, 21-22 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 01.9.16, 13 Uhr

 

Urgesteine, Pop-Ikonen und junge Wilde - Das Cropredy-Festival 2016

Auch im 49. Jahr ihres Bestehens ließ es sich die dienstälteste englische Folkrockband nicht nehmen, zu einem Festival der besonderen Art und Güte einzuladen. Und so versammelten sich ca. 18000 Freunde handgemachter Musik bei bestem Sommerwetter und ebensolcher Laune vor und auf der Bühne auf einer Viehweide im kleinen Dörfchen Cropredy/Oxfordshire.
Die musikalische Palette war bunt und breit gefächert - alte Hasen und junge Wilde des Folkrock gaben sich ein Stelldichein. Aber auch Singer/Songwriterkunst, Ska-orientierter Pop der 80er Jahre und hardrockender Hillbillysound verzauberte das Publikum.
Auch Zirkusdirektor Günther Klößinger ließ es sich wieder einmal nicht nehmen, dieser locker-folkigen Party eine Stippvisite abzustatten und anlässlich der neuesten Vorstellung in der weltmusikalischen Manege des Freien Radio Kassel über einige Highlights des Konzertprogramms zu berichten.
Am Mikro: Günther Klößinger

  • Sendetermine: „Wanderzirkus Weltklang“, Donnerstag, 1. September 2016, 19 Uhr
  • Wiederholung Weltklang: Freitag, 2. September 2016, 11 Uhr

Programminfos vom 17.08.2016 bis 25.08.2016

Three from one

Heute greifen wir in der Radioshow „Handmade“ eine alte, liebgewonnene Tradition wieder auf - aus der Zeit, als das FRK noch aus der altehrwürdigen Salzmann Factory sendete.  Auf vielfache Nachfrage gibt es nun zum ersten Mal vom neuen Standort des FRK aus der Innenstadt in Kassel "3 from one". Zur Erinnerung: Es werden in der Sendung unter diesem Motto immer 3 Songs der Interpreten in Folge gespielt, um die Bandbreite ihres Schaffens zu verdeutlichen. Wir wünschen allen Hörerinnen und Hörern viel Vergnügen.

  • Sendetermin: „Handmade“, Mittwoch, 17. August 2016, 18 Uhr

 

US-Swing der klassischen Phase, Folge 2/ 2016

Wieder einmal widmet sich das „Tanzparkett“ der klassischen Swingzeit.
Eine Auswahl von Platten verschiedener Orchester aus dem Höhepunkt dieser Stilrichtung können Sie als zweite von zwei in diesem Sommer gebrachten Ausgaben in „unserer“ Stunde am Mittwochabend bzw. Donnerstagnachmittag hören.
Durch die Sendung begleitet Sie Peter Michael.
 
Note to English-speaking listeners:
 
Again, we will be dealing with the classical Swing Era.
In "our" hour on Wednesday evening and/ or Thursday afternoon respectively, you may hear this summer's second edition with a selection of records made by orchestras from the heyday of Swing.
Your host will be Peter K. Michael.

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 17. August 2016, 21-22 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 18. August 2016, 13 Uhr.

 

Einmal Bühne und zurück mit „Feelsaitig“ - Liedhandwerk und Folkrock aus Franken

„Feelsaitig“ - dieser Name war und ist Programm: Gefühlvolle Songs auf verschiedenen Saiteninstrumenten, ein breites Stilspektrum von Folk über Rock bis zu engagierten Liedermacher-Balladen. Diese Band aus der fränkischen Wagner-Hochburg Bayreuth stand über ein Vierteljahrhundert lang für handgemachte Musik auf hohem Niveau und mit einer Botschaft. Ein verwegener Hauch von „Love & Peace“ durchweht das Oeuvre der Mannen um Sandy Wolfrum und Robert Wachsmann und es verwundert nicht, dass eines ihrer Alben den Titel „Flower Power“ trägt.
Aber die Folkrockfranken, die in englischer, deutscher und fränkischer Sprache sangen, wären nicht „Feelsaitig“, wenn ihr Engagement nur Lippenbekenntnis wäre. Verschiedene Initiativen wie Benefizkonzerte für eine frei fließende Donau und Auftritte in Moskau noch lange vor der Wende zeugen von echtem Willen, nicht nur von Hoffnung zu singen, sondern sie auch zu verbreiten.
Seit dem Tod des Bassisten und Sängers Hanzi Scharrer treten Wolfrum und Wachsmann nur noch gelegentlich als „Feelsaitig auf“, jedoch sind beide weiterhin unermüdlich und unplugged unterwegs in Sachen Musik. Soeben erschien ein neues Soloalbum von Sandy Wolfrum und die Sonderedition der zweiten „Feelsaitig“-LP „Folkpickings“ zu deren dreißigstem Jubiläum. Grund genug, sich einmal ausführlicher mit dem Werk dieser vielschichtigen Saitencombo auseinanderzusetzen. Zirkusdirektor Günther Klößinger hat ein buntes Programm aus alten „Feelsaitig“-Klassikern zusammengetragen, aber auch einige verborgene Schätze gehoben und natürlich wirft er auch einen Blick auf das Soloschaffen der Herren Sandy Wolfrum und Robert Wachsmann.
Am Mikro: Günther Klößinger

  • Sendetermine: „Wanderzirkus Weltklang“, Donnerstag, 18. August 2016, 19 Uhr
  • Wiederholung Weltklang: Freitag, 19. August 2016, 11 Uhr

 

Literaturpreisträger zu Gast in Kassel

Guntram Vesper gehört seit vielen Jahren zu den renommierten deutschen Schriftstellern. Seine Romane und Erzählungen werden von Kritik und Publikum gleichermaßen geschätzt. Daß er als Einwohner Göttingens auch eine ganz bgresondere Beziehung zu Kassel hat, versteht sich von selbst. Anfang der 90er Jahre hatte Guntram Vesper die Grimm-Professur an der Kasseler Universität inne; seine damaligen Vorlesungen im Eulensaal der Murhard-Bibliothek, bei denen es u.a. auch um die von ihm sehr geschätzte Gattung des Hörspiels ging, sind noch in guter Erinnerung.
Im Frühjahr 2016 erfuhr Guntram Vespers literarische Arbeit eine ganz besondere Würdigung: Sein aktueller Roman „Frohburg“ wurde mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet. Der umfangreiche, teils autobiographische Text wurde von der Kritik hochgelobt und entwickelte sich zu einem Bestseller. Im Juni war Guntram Vesper in der Buchhandlung Vietor in Kassel zu Gast und las aus „Frohburg“.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 19. August 2016, 18 Uhr

 

Gefühlte 30

Sehr unangenehm kann es werden, wenn man beim Blick in den Ausweis urplötzlich feststellt, daß bei der Altersangabe demnächst eine 5 an der ersten Stelle steht. 50jährige – das sind gesetzte Politiker, etablierte Wirtschaftsbosse oder sonstige „seriöse“ Herren im grauen Zwirn und mit ebenso grauen Schläfen. Mit denen will man normalerweise nichts zu tun haben – schon gar nicht will man sie als Generationsgenossen akzeptieren. Man selbst fühlt sich noch jung und frisch, eher wie 25 oder 30 – zumindest im Kopf. Vielen fällt es schwer, sich darauf einzustellen, daß man die Lebensmitte überschritten hat und aus der „werberelevanten Zielgruppe“ herausgefallen ist.
Bernd Gieseking ist das vor einigen Jahren auch passiert. Aber statt zu lamentieren, hat der Kasseler Kabarettist (der jetzt in Dortmund wohnt) aus der auch für ihn gewöhnungsbedürftigen Situation ein abendfüllendes Programm gemacht. Daß dieses auch vormittagsfüllend sein kann, bewies Bernd Gieseking beim diesjährigen „Sommer im Park“-Festival in Vellmar, wo er im Ramen einer Matineeveranstaltung seinen Altersgenossen höchst amüsante Tips und Hinweise zum Umgang mit dem Eintritt in den Kreis der „Jungsenioren“ gab.

  • Sendetermin: „Kabarett live“, Freitag, 19. August 2016, 22 Uhr

 

 

50 Jahre „Revolver“

Wirft man in diesen Wochen einen Blick auf die Titelbilder aktueller Ausgaben der maßgeblichen Musikzeitschriften, so stellt man eine gewisse Übereinstimmung fest: Nahezu alle Blätter würdigen den 50. Geburtstag des Beatles-Albums „Revolver“, das als einer der Gipfelpunkte in der Geschichte der Populärmusik (im weitesten Sinne) gilt. Viele Listen mit den „besten Platten aller Zeiten“ führen „Revolver“ an der Spitze – und das zu Recht: Die Song-Kollektion beeindruckt durch eine enorme musikalische Vielfalt, durch die Originalität der Arrangemehts sowie durch eine bis heute unerreichte kompositorische Qualität. Nicht umsonst bezeichnete Stardirigent Leonard Bernstein schon in den 60er Jahren Lennon/McCartney als „die besten Liedkomponisten seit Schubert“.
„Revolver“ stand lange Zeit ein wenig im Schatten populärerer Beatles-Alben wie „Sgt. Pepper“ oder „Abbey Road“. Die Platte enthält mit „Yellow Submarine“ und „Eleanor Rigby“ lediglich zwei echte „Hits“, dafür einiges an sperrigem Songmaterial, das mit dem damals typischen Beatles-Sound wenig zu tun hatte. Songs wie „Love You To“ und „Tomorrow Never Knows“ wiesen weit in die Zukunft, andere wie „For No One“ oder „Here, There And Everywhere“ bedienten sich stilistisch bei klassischen und barocken Formen, während “I’m Only Sleeping” und “She Said She Said” den Psychedelik-Boom der Jahre 67/68 vorwegnahmen. Heute gilt das Album allgemein als Meisterstück der „Fab Four“, dessen Nachwirkungen auch in der aktuellen Musikszene zu spüren sind.
In der Sendung werden wir das Album und seine Entstehungs- und Wirkungsgeschichte ausführlich vorstellen. Diverse Coverversionen gibt es ebenfalls zu hören..

  • Sendetermin: „Die Lange Rille“, Samstag, 20. August 2016, 21 Uhr

 

Swing-Time: Wayne Hancock im Continental Club, Austin TX & Dark Vatter un sinne Combo - in Kassel

Wayne "The Train" Hancock ist ein ausgefuchster Country/Rockabilly-Gitarrist und zugleich witzig-schräger Leader seiner kleinen Combo. Diesmal hören wir einige Live-Tracks von ihm aus dem legendären Continental Club in Austin/Texas, aufgenommen im März 2003. Der Frontmann wurde damals begleitet von Paul Skelton (git), Dave Biller (git), Eddie Rivers (straight steel) und Rick Ramirez (upright bass). Gäste waren Dan Enriquez (bs), Bob "Texaco" Stafford (Posaune) und die Sängerin Rebecca Snow. Das Ganze kommt sehr relaxed-swingend daher. "Juke Joint Swing" nennt Hancock seine Musik. Das liegt sicherlich auch an den streckenweise-akustischen Gitarrensounds. Etliche seiner Honky Tonker erinnern sehr an den guten alten Hank Williams. "Wayne Hancock has more Hank Sr. in him than either I or Hank Williams Jr.  He is the real deal", so Hank Williams III. Da darf dann auch der "Flatland Boogie" nicht fehlen. Co-Produzent dieser Aufnahmen war damals übrigens der fantastische Pedal Steeler Lloyd Maines, ein Jerry Jeff Walker-Compadre, der auch die Dixie Chicks, Joe Ely u.a. unterstützt.
 
Falls es sowas wie einen hessisch-heimischen SwingBoogieRockabilly-Sound gibt (ja, gibt´s!), dann darf "Dark Vatter un sinne Combo" an dieser Stelle keinesfalls fehlen! Dark Vatter Timo Israng, mit sinne Gitarre un Gesang, macht es uns aber wirklich "Hunnerdbrozenndich!". Kusseng Judy (Schlaggitarre/Gesang), Kusseng Olli (Schlagbass), Kusseng T. (Schlagzeug) sind die musikalisch versierten Begleiter. Da bleibt kein Auge/Ohr trocken! Krönendes Schmankerl (geht auch mit Ahler Wurscht) ist die umwerfend coole Ninne Soleil. Nordhessisches Lebengefühl pur - also mal so Rock & Roll-mäßig interpretiert: Nu awer vähl Vergniejen biem Middeschallern! Is halt "Gaageschnuddenrockenroll", gell. Un nidd vergesse: Dark Vatters Mondschein Schnaps (Vol. 100%dich). Ein Spitzenprodukt - the real moonshine. Moderation: Wolf Silaff. Welcome everybody. Schalded moh rinn, Schorsch un Änne ...   

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 21. August 2016, 19 Uhr

 

Calypso Craze - Weil Mama immer gern ein Gitarrensolo bringt, weil Papa ganz genau so wie Belafonte singt ..

Calypsomusik. Eine musikalische und nicht immer fröhliche Reise in die Karibik. Nach Trinidad und der Westindischen Inselwelt. Wir treffen den „King of Calypso“, Harry Belafonte, der diesen Titel so gar nicht mochte. Auch furchterregende Gestalten, die sich mit einem Augenzwinkern hinter ihren klangvollen Pseudonymen verstecken:  Atilla The Hun, Mighty Sparrow, The Lion, Macbeth The Great oder Lord Invader.  Letzterer hieß eigentlich Rupert Grant und sang schon 1944 „Rum & Coca Cola“. Der Song über die käufliche Liebe (Verwerfungen der Sexual-Ökonomie) der während des 2. Weltkrieges auf Trinidad stationierten US-Soldaten (working for the Yankee Dollar) , wurde textlich entschärft  und dann von den damals noch unbekannten Andrew Sisters aufgenommen und ein wahrer Million Seller.
Auch der Schauspieler Robert Mitchum erlag der Faszination des Calypso, den er bei  Dreharbeiten in Trinidad und Tobago kennen und lieben gelernt hatte. So sehr, dass er ein heute noch begehrtes und hinreißendes Album machte (Calypso – is like so, 1957, mit fake accent). Calypsoaufnahmen haben einen oft typischen Wortwitz, den doppelten Boden, das sogenannte double entendre (z.B. das oft gecoverte „Marry An Ugly woman“).
Nat King Cole, Ella Fitzgerald und Louis Jordan haben den Calypso, noch bevor es mit dem Rock’n’Roll so richtig losging, nach Amerika gebracht. Man mag es kaum glauben, aber die Calypsowelle schwappte Ende der 1950ziger Jahre auch bis nach Germany herüber. Die Adaptionen klingen skurril  („Mama kommt aus Kuba“ von Alice Babs zum Beispiel) und auch schon mal nach „Sarotti-Mohr“ und anderen Rassismen. Lust auf mehr? Dann steigt ein in‘s Banana Boat (Day-O) und schaltet euer Radio an.
Mehr Infos/Fotos und die Möglichkeit die Sendung nachzuhören findet ihr auf meinem Blog:
http://ralfs-radio-blog.blogspot.de [Idee und Moderation, Ralf Wenzel].

  • Sendetermin: „Magic Moments“, Mittwoch, 24. August 2016, 21 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 25. August 2016, 13 Uhr

Programminfos vom 10.08.2016 bis 17.08.2016

Linda Hesse im Interview

Mit Linda ein Interview zu führen macht Spaß. Sie ist eine ernsthafte junge Frau, aber man kann mit ihr auch sehr herzhaft lachen. Ihre aktuelles Album, das dritte, hat den Titel "Sonnenkind", und man merkt im Gespräch sehr schnell, daß sie ein Sonnenkind ist. Für ihre neue Platte hat sie all ihr Licht und ihre Energie gebündelt. „Magic Moments“-Moderator Thomas sprach mit ihr über Liebesbriefe, eine Sommerwiese, über das Schicksal, über „Unser Lied“, und darüber, Dinge nicht einfach kaputt zu machen, Linda meint übrigens, sie singe keine Schlager sondern „Mucke“.

  • Sendetermin: „Magic Moments“, Mittwoch, 10. August 2016, 21 Uhr

 

50 Jahre „Revolver“

Wirft man in diesen Wochen einen Blick auf die Titelbilder aktueller Ausgaben der maßgeblichen Musikzeitschriften, so stellt man eine gewisse Übereinstimmung fest: Nahezu alle Blätter würdigen den 50. Geburtstag des Beatles-Albums „Revolver“, das als einer der Gipfelpunkte in der Geschichte der Populärmusik (im weitesten Sinne) gilt. Viele Listen mit den „besten Platten aller Zeiten“ führen „Revolver“ an der Spitze – und das zu Recht: Die Song-Kollektion beeindruckt durch eine enorme musikalische Vielfalt, durch die Originalität der Arrangemehts sowie durch eine bis heute unerreichte kompositorische Qualität. Nicht umsonst bezeichnete Stardirigent Leonard Bernstein schon in den 60er Jahren Lennon/McCartney als „die besten Liedkomponisten seit Schubert“.
„Revolver“ stand lange Zeit ein wenig im Schatten populärerer Beatles-Alben wie „Sgt. Pepper“ oder „Abbey Road“. Die Platte enthält mit „Yellow Submarine“ und „Eleanor Rigby“ lediglich zwei echte „Hits“, dafür einiges an sperrigem Songmaterial, das mit dem damals typischen Beatles-Sound wenig zu tun hatte. Songs wie „Love You To“ und „Tomorrow Never Knows“ wiesen weit in die Zukunft, andere wie „For No One“ oder „Here, There And Everywhere“ bedienten sich stilistisch bei klassischen und barocken Formen, während “I’m Only Sleeping” und “She Said She Said” den Psychedelik-Boom der Jahre 67/68 vorwegnahmen. Heute gilt das Album allgemein als Meisterstück der „Fab Four“, dessen Nachwirkungen auch in der aktuellen Musikszene zu spüren sind.
In der Sendung werden wir das Album und seine Entstehungs- und Wirkungsgeschichte ausführlich vorstellen. Diverse Coverversionen gibt es ebenfalls zu hören..
Außerdem in der Sendung: Vorschau auf die Kasseler Museumsnacht am 3. September.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 12. August 2016, 18 Uhr

 

Oberliga-Stars des Chess-Labels in London

Ein Vierteljahrhundert lang (1950 - 1975) war das Chess-Label aus Chicago der Cadillac unter den Blues-Experten. Gegründet und betrieben wurde die Firma von einem umtriebigen Immigranten-Brüderpaar aus Europa, Leonard und Philipp Chess aus dem früheren polnischen Galizien. Sie waren clevere Geschäftsleute mit einem guten Riecher für Neues. Aber nicht nur Blues wurde da in der Windy City gemacht, auch der Rock & Roll wurde von dort aus revolutionär befeuert. Von Chuck Berry über Willie Dixon, bis Bo Diddley und Howling Wolf reicht eine lange Künstlernamenliste von den 1950er Jahren bis in die Dekaden neuester technisch-aufgeblasener Musikproduktionen.
Einige der Genannten hatten gegen Ende der 60er Jahre ihre Bedeutung für ein weißes europäisches Publikum und etliche Musikadepten auf der britischen Insel verstanden. Und sie kamen als willkommene Gäste zu den Festivals, auch nach Deutschland. Einige gingen (gerne) in die Londoner Studios, um dort ziemlich hippe Sachen einzuspielen  - und ließen sich selbstredend von ihren mittlerweile prominenten Brit-Kollegen begleiten. So jammten denn beispielsweise Muddy Waters, Chuck Berry und auch Howling Wolf mit Jagger, Richards, Wyman, Watts, Clapton, Winwood, Gallagher, Beck und etlichen anderen. Herausgekommen sind echte Album-Klassiker. Auszüge aus eben diesen sind in dieser Folge zu hören.

  • Sendetermin: „Long Distance Call“, Samstag, 13. August 2016, 19 Uhr

 

Beyond the Marin County Line – The New Riders Of The Purple Sage

Heute blicken wir zurück in die Siebziger Jahre und befassen uns mit weiteren Country-Rock-Originalen. Diesmal ist einiges aus den Klassiker-Alben der New Riders Of The Purple Sage zu hören - Tracks aus "The Adventures of Panama Red" (1973) und "Powerglide" (1972). Die New Riders waren – in weitestem Sinne – ein Musikprojekt des unvergessenen Jerry Garcia von den ebenfalls legendären Grateful Dead. Begonnen hatte das Ganze im kalifornischen Marin County bei San Francisco. Damals spielten die New Riders noch als Vorgruppe in den nächtelangen Konzerten der Dead. Außerdem hören wir in dieser Folge auch einiges von den Good Old Boys, einem weiteren Garcia-Projekt. Die spielten 1975 zwar keinen Country Rock, lieferten dafür aber astreine Bluegrass Music ab (if that ain´t Country ...). Begleitet wurden damals David Nelson und Frank Wakefield von zwei Bluegrass-Legenden, Chubby Wise (Fiddle) und Don Reno (Banjo). Die exzellente Scheibe "Pistol Packin´Mama" stellt einen echten Neuzeit-Bluegrass Klassiker dar - und geht richtig gut & schräg ab!

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 14. August 2016, 19 Uhr

 

Three from one

Heute greifen wir in der Radioshow „Handmade“ eine alte, liebgewonnene Tradition wieder auf - aus der Zeit, als das FRK noch aus der altehrwürdigen Salzmann Factory sendete.  Auf vielfache Nachfrage gibt es nun zum ersten Mal vom neuen Standort des FRK aus der Innenstadt in Kassel "3 from one". Zur Erinnerung: Es werden in der Sendung unter diesem Motto immer 3 Songs der Interpreten in Folge gespielt, um die Bandbreite ihres Schaffens zu verdeutlichen. Wir wünschen allen Hörerinnen und Hörern viel Vergnügen.

  • Sendetermin: „Handmade“, Mittwoch, 17. August 2016, 18 Uhr

 

US-Swing der klassischen Phase, Folge 2/ 2016

Wieder einmal widmet sich das „Tanzparkett“ der klassischen Swingzeit.
Eine Auswahl von Platten verschiedener Orchester aus dem Höhepunkt dieser Stilrichtung können Sie als zweite von zwei in diesem Sommer gebrachten Ausgaben in „unserer“ Stunde am Mittwochabend bzw. Donnerstagnachmittag hören.
Durch die Sendung begleitet Sie Peter Michael.
 
Note to English-speaking listeners:
 
Again, we will be dealing with the classical Swing Era.
In "our" hour on Wednesday evening and/ or Thursday afternoon respectively, you may hear this summer's second edition with a selection of records made by orchestras from the heyday of Swing.
Your host will be Peter K. Michael.

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 17. August 2016, 21-22 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 18. August 2016, 13 Uhr.

 

Einmal Bühne und zurück mit „Feelsaitig“ - Liedhandwerk und Folkrock aus Franken

„Feelsaitig“ - dieser Name war und ist Programm: Gefühlvolle Songs auf verschiedenen Saiteninstrumenten, ein breites Stilspektrum von Folk über Rock bis zu engagierten Liedermacher-Balladen. Diese Band aus der fränkischen Wagner-Hochburg Bayreuth stand über ein Vierteljahrhundert lang für handgemachte Musik auf hohem Niveau und mit einer Botschaft. Ein verwegener Hauch von „Love & Peace“ durchweht das Oeuvre der Mannen um Sandy Wolfrum und Robert Wachsmann und es verwundert nicht, dass eines ihrer Alben den Titel „Flower Power“ trägt.
Aber die Folkrockfranken, die in englischer, deutscher und fränkischer Sprache sangen, wären nicht „Feelsaitig“, wenn ihr Engagement nur Lippenbekenntnis wäre. Verschiedene Initiativen wie Benefizkonzerte für eine frei fließende Donau und Auftritte in Moskau noch lange vor der Wende zeugen von echtem Willen, nicht nur von Hoffnung zu singen, sondern sie auch zu verbreiten.
Seit dem Tod des Bassisten und Sängers Hanzi Scharrer treten Wolfrum und Wachsmann nur noch gelegentlich als „Feelsaitig auf“, jedoch sind beide weiterhin unermüdlich und unplugged unterwegs in Sachen Musik. Soeben erschien ein neues Soloalbum von Sandy Wolfrum und die Sonderedition der zweiten „Feelsaitig“-LP „Folkpickings“ zu deren dreißigstem Jubiläum. Grund genug, sich einmal ausführlicher mit dem Werk dieser vielschichtigen Saitencombo auseinanderzusetzen. Zirkusdirektor Günther Klößinger hat ein buntes Programm aus alten „Feelsaitig“-Klassikern zusammengetragen, aber auch einige verborgene Schätze gehoben und natürlich wirft er auch einen Blick auf das Soloschaffen der Herren Sandy Wolfrum und Robert Wachsmann.
Am Mikro: Günther Klößinger

  • Sendetermine: „Wanderzirkus Weltklang“, Donnerstag, 18. August 2016, 19 Uhr
  • Wiederholung Weltklang: Freitag, 19. August 2016, 11 Uhr

Programminfos vom 03.08.2016 bis 10.08.2016

Zum 50. Todestag von R. A. Dvorský

Am 2. August jährt sich zum 50. Male der Tod des in der Zwischenkriegszeit wohl bedeutendsten und bekanntesten tschechoslowakischen Orchesterleiters, Sängers, Komponisten, Arrangeurs, Musikverlegers und Schauspielers. Er wurde auch der Gentleman der tschechischen Tanzmusik genannt.
Am 24. März 1899 im ostböhmischen Dvu°r Králové/ Königinhof als Sohn eines städtischen Beamten unter dem Namen Rudolf Antonin geboren, galt er als Wunderkind, das bereits im Kindergartenalter die ersten Auftritte absolvierte. Mit fünf Jahren spielte er Geige, ein Jahr später kam das Klavier dazu, schließlich noch Akkordeon und Gitarre. Man sagte ihm später nach, daß er praktisch alle in einem großen Unterhaltungsorchester vorkommenden Instrumente beherrscht haben soll. Den Künstlernamen Dvorský legte er sich als Ableitung aus der tschechischen Bezeichnung seiner Heimatstadt zu.
Da die Musik zu allen Zeiten ein unsicheres Pflaster war, übte er nach Abschluß der Grund- und Oberschule in mehreren Firmen den Beruf eines Buchhalters aus, trat aber weiter in der Gegend um seine Heimatstadt, nun vorwiegend als Pianist, in verschiedenen Kapellen, als Begleiter für Laientheatertruppen und bei Tanzveranstaltungen auf.
Seine erste große Stunde schlug 1918, als das Prager Kabarett „Rote Sieben“ in Königinhof gastierte und der Pianist ausfiel. Dvorský, damals bereits eine lokale Größe, sprang ein.
Schon im folgenden Jahr fand er sich in Prag wieder - der Kabarettdirektor, begeistert von dem „Ersatz“ aus der Provinz, hatte ihn engagiert.
In den 20er Jahren war Dvorský mit mehreren eigenen Kapellen in Prager Kabaretts und Tanzcafés engagiert. Dazu gehörten auch vornehme Häuser, in denen das gehobene Bürgertum verkehrte.
Bereits in dieser Zeit komponierte er erfolgreiche Nummern, die sogar von ausländischen Kapellen ins Repertoire genommen und für die Schallplatte eingespielt wurden, z.B. von Londoner Tanzorchestern wie Jack Hylton oder dem Mayfair Dance Orchestra.
Sein Schallplattendebüt gab er als Sänger, zunächst in Berlin für die kleine Firma Menzenhauer und Schmidt, die die Kalliope-Schallplatte herausgab. Dabei wurde er von Personal des Sam-Baskini-Orchesters begleitet. Die Aufnahmen wurden von der Esta in Prag übernommen.
1929 gründete er die Melody Boys, die in Prag für die Esta und die Odeon erste Platten aufnahmen - und schließlich für die Ultraphon, bei der er fortan bleiben sollte.
Wie damals (nicht nur, aber in der Tschechoslowakei wohl besonders) üblich, brachte das Orchester Musik aus fast allen populären Genres, vom Jazz und später Swing (oder zumindest der davon beeinflußten Tanzmusik) über die Begleitung von Kleinkunstvorträgen und die in Böhmen noch heute äußerst beliebten Polkas und Walzer bis hin zu Märschen.
Dvorský war in der Unterhaltungsbranche der 30er und frühen 40er Jahre gut im Geschäft.
Er leitete sein Orchester, das zu Konzerten und Tanzveranstaltungen, auf Platten, am Rundfunk und im Film spielte. Zudem setzte er, wie schon bei seinen frühen Plattenaufnahmen, seine ansprechende Gesangsstimme ein. Er trat als ein gutaussehender Mann, dem die Bühne nicht fremd war, sogar selbst als Filmschauspieler auf. Ferner besaß er einen Musikverlag, in dem er nicht nur seine eigenen Nummern herausbrachte, sondern viele in der Tschechoslowakei überaus populäre Kompositionen. Endlich war er Anteilseigner der marktbeherrschenden Plattenfirma Ultraphon, bei der seit den frühen 30er Jahren auch seine Platten erschienen.
Die deutsche Besetzung der sog. „Resttschechei“ im Jahre 1939 änderte an all dem wenig. Im Gegenteil, denn nun erweiterte sich seine Popularität noch auf Deutschland. Die Telefunkenplatte, 1932 aus der deutschen Ultraphon hervorgegangen und seitdem Mutterkonzern der tschechischen Ultraphon, ließ ab 1941 in Prag öfter Aufnahmen für den deutschen Markt einspielen und entwickeln. Dvorský und die - wenn man so will -  tschechische Ausgabe der Andrews Sisters, das Allan-Terzett, sangen dafür in mehreren Sitzungen etliche Titel auf deutsch ein. Beispiele sind in unserer Sendung enthalten.
Auf dem Zenit des Erfolges bog R. A. Dvorskýs Lebensweg jäh um. 1944 mußte er das Orchester auflösen, denn nun forderten die Jahrzehnte des nervenzehrenden Bühnenschaubetriebs und der Auftritte in der stickigen, rauchgeschwängerten Luft von Bars und Nachtklubs ihren Tribut. Dvorský war an Lungentuberkulose erkrankt und mußte die folgenden Jahre bis 1946 in Kliniken und Sanatorien zubringen. Eine völlige Wiederherstellung seiner Gesundheit gelang den Ärzten dennoch nicht.
Im Eiswinter 1947 starb sein Sohn Miroslav, Dirigent und große Hoffnung des Vaters, an einer Lungenentzündung.
Dies sollte nicht der letzte schwere Schicksalsschlag bleiben.
Nach dem kommunistischen Putsch von 1948 wurde die Tschechoslowakei wohl am radikalsten und schnellsten von allen Staaten in der Einflußsphäre Moskaus auf Linie gebracht. Dazu gehörte die sofortige und praktisch restlose Zerschlagung der Privatwirtschaft.
R. A. Dvorskýs Verlag wurde enteignet, woraufhin ihm die Mills Music Inc., die seine Auslandsrechte vertrat, den Vertrag kündigte, so daß die Tantiemen ausblieben.
Auch die Ultraphon wurde mit ihrer vorher schärfsten Konkurrentin ESTA und den Überresten der ausländischen Plattenfirmen zwangsvereinigt und zum nun einzigen tschechoslowakischen Plattenkonzern Supraphon verstaatlicht. Damit waren Dvorskýs Anteile über Nacht zu wertlosem Papier geworden.
1950 schließlich sah er keine Möglichkeit mehr, in der „neuen“ sozialistischen Tschechoslowakei sein Auskommen zu finden. Mit Freunden, die im II. Weltkrieg in der Royal Air Force gedient hatten, besprach er Fluchtpläne. Jedoch gab es offensichtlich nicht nur Freunde in diesem Kreis. Noch bevor an eine Ausführung zu denken war, wurde R. A. Dvorský von der tschechoslowakischen Geheimpolizei verhaftet. Aus den Mühlen des stalinistischen Terrorsystems gab es für ihn keinen Ausweg. 1953 wurde Dvorský u.a. wegen versuchten Hochverrats zu fünf Jahren verurteilt; die Betätigung in seinem Berufsfeld wurde ihm untersagt. Aufgrund seiner angegriffenen Gesundheit, die sich in der Haft natürlich nicht besserte, wurde er allerdings 1956 vorzeitig entlassen.
Hernach richtete er einen Bittbrief an den tschechoslowakischen Staatspräsidenten, woraufhin ihm 1957 eine erneute Berufsausübung im Musikgeschäft gestattet wurde.
Er ging wieder auf Tourneen und nahm noch einmal elf Plattenseiten für die Supraphon auf.
Für den Tschechoslowakischen Rundfunk diktierte er von 1962 bis 1964 seine Erinnerungen auf Band.
Mit gerade einmal 67 Jahren starb R. A. Dvorský am 02. August 1966 in Prag, und sein vorzeitiger Tod war sicher auch eine Spätfolge seiner Erkrankung und der Haftbedingungen in den Gefängnissen der Stalinzeit.
Seine letzte Ruhestätte fand er auf dem Friedhof seiner Heimatstadt Dvu°r Králové.
Sein Grab ist bis heute erhalten, geziert von einer Bronzeplastik seines Kopfes, die in Richtung seines Lieblingsberges blickt. Auch ist sein Geburtshaus durch eine Tafel gekennzeichnet.
Im „Prager Frühling“ 1968 wurde er posthum voll rehabilitiert.
Wir bringen zu R. A. Dvorskýs fünfzigstem Todestag die Wiederholung einer Sendung von 2007, in der wir einen kleinen Überblick über sein Schaffen auf dem Gebiet der modernen Tanzmusik der 30er und 40er Jahre geben.
 
Wir bringen:
-Ein Lied, ein Kuß, ein Mädel
-Lambeth Walk voc RAD
-Hrály Dudy voc RAD
-Rad si pískam voc RAD
-Fakir voc RAD & chor
-Dlouhy je mesic
-So wird’s nie wieder sein voc Allan-3
-So tanzt nur die Katja voc Allan-3
-Pergamino voc RAD & Allan-3
-Conchinella voc RAD & Allan-3
-Peter, Peter, wo warst du heute nacht? voc RAD & Allan-3
-Hm-hm, du bist so zauberhaft voc RAD & Allan-3
-Von mir aus kann’s regnen voc Allan-3
-Wer verliebt ist, braucht Musik voc Allan-3
-Für ein süßes Mädel voc RAD & Allan-3
-Das Froschkonzert voc Allan-3
-Budes mou voc RAD & Allanový Sestry

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 3. August 2016, 21-22 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 4. August 2016, 13 Uhr

 

Die Welt ist ein Kino - und hier sind die Soundtracks

Schon immer übte das Kino eine gewaltige Faszination auf die Menschen aus. Doch schon in den Tagen, da die Bilder noch laufen lernten, stellte man bald fest, dass die emotional kongeniale Verbindung für das Publikum im Zusammenspiel von bewegter Cinematographie und Musik besteht. So wurden zu Zeiten der ersten Kinos Filme von Pianisten oder zeitweise von ganzen Orchestern live begleitet.
Auch nach dem Siegeszug des Tonfilms blieb Musik ein wichtiges Gestaltungsmerkmal der Filmkunst. Was wäre „Alexis Sorbas“ ohne die stimmungsvollen Kompositionen von Mikis Theodorakis, die Italowestern von Sergio Leone ohne Ennio Morricones dramatische Soundtracks oder …oder …oder.
Um Land und Leute eines Handlungsortes auch musikalisch zu porträtieren finden oftmals ethnische Klänge Eingang in die Soundtracks - und da kommt der Weltklang ins Spiel. Zirkusdirektor Günther Klößinger lädt ein zu einer filmisch-musikalischen Reise um den Globus und präsentiert anlässlich der aktuellen Vorstellung in der Weltmusikalischen Manege des „Freien Radio Kassel“ ausgewählte Kinomelodien. Dabei werden sowohl populäre Klassiker des Genres zu hören sein wie auch Perlen, die eher im Verborgenen schimmern. Also - Licht aus, Film ab und bitte nicht zu laut mit dem Popcorn knuspern.
Am Mikro: Günther Klößinger

  • Sendetermine: „Wanderzirkus Weltklang“, Donnertstag, 4. August 2016, 19 Uhr
  • Wiederholung Weltklang: Freitag, 5. August 2016, 11 Uhr

 

70 Jahre Hessen

2016 wird das 70jährige Bestehen des Bundeslands Hessen überall groß gefeiert. Das Jubiläum war auch Anlaß für eine Diskussionsveranstaltung, die kürzlich im Gießhaus auf dem Gelände der Kasseler Universität stattfand. Eingeladen waren der ehemalige Kasseler Oberbürgermeister und Ex-Ministerpräsident Hans Eichel (SPD) sowie der frühere Hessische Justizminister Christean Wagner (CDU). Unter der Moderation von Prof. Wolfgang Schroeder vom Fachbereich Politikwissenschaft der Uni Kassel tauschten die beiden politischen Urgesteine ihre Erfahrungen aus, die sie in Jahrzenten im Politikbetrieb sammeln durften. Schwerpunkt des Gesprächs war, dem Anlaß entsprechend, die Entwicklung im Bundesland Hessen, die die inzwischen verrenteten Polit-Haudegen an entscheidenden Stellen mitgeprägt haben. Zu Beginn der Veranstaltung lieferte Prof. Schroeder einen Überblick über den Weg Hessens vom „Land der Gegensätze zur neuen Einheit“. Daß auch die bis heute bestehenden kulturellen Unterschiede zwischen Nord- und Südhessen zur Sprache kamen, versteht sich von selbst.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 5. August 2016, 18 Uhr

 

Highwaymen live

Unter dem Gruppennamen „Highwaymen“ taten sich Mitte der 80er Jahre vier der größten Stars der amerikanischen Musikszene zusammen: Johnny Cash, Waylon Jennings, Kris Kristofferson und Willie Nelson. Drei LPs veröffentlichte das prominente Quartett in Laufe der folgenden zehn Jahre, mehrere erfolgreiche Tourneen wurden absolviert. Da die vier Country-Legenden natürlich in erster Linie mit ihren jeweiligen Solo-Karrieren beschäftigt waren, konnte das „Highwaymen“-Projekt immer nur dann laufen, wenn die entsprechenden zeitlichen Freiräume zur Verfügung standen. 1990 war der Mega-Vierer in den USA auf Tour, um das Album „Highwaymen 2“ zu promoten. Einige der Konzerte wurden mitgeschnitten, und vor wenigen Wochen erschien eine DVD/CD-Edition mit einer kompletten Konzertaufzeichnung von damals. Die gibt’s heute in der „Langen Rille“ zu hören – ergänzt durch Studioaufnahmen der „Highwaymen“, die nach dem Tod von Waylon Jennings und Johnny Cash 2002/2003 auch schon Geschichte sind.

  • Sendetermin: „Die Lange Rille“, Samstag, 6. August 2016, 21 Uhr

 

 

Steuerflucht, CETA und neue Bankenkrisen: Die soziale Schieflage der EU; Interview mit Sven Giegold, Mitglied des Europäischen Parlaments (Die Grünen)


Der EU entgehen pro Jahr schätzungsweise 1.000 Milliarden Euro an Steuergeldern aufgrund von Steuerflucht und Schattenwirtschaft – genug um damit sämtliche EU-Staatshaushalte zu sanieren. Unternehmen wie Ikea, Amazon und McDonald's zahlen dank Steueroasen wie Luxemburg fast keine Steuern. Während EU-Kommission und Bundesregierung Mitgliedsländern wie Griechenland Lohnsenkungen, Privatisierungen und
Mehrwertsteuererhöhungen ufzwingen, haben sie sich bei der Bekämpfung von Steuerflucht wenig engagiert.In dieser Sendung geht es außerdem um das Freihandelsabkommen CETA zwischen der EU und Kanada, die
Zukunft der EU nach dem Brexit und die Bankenkrise in Italien.
(Kontext-TV, 19. Juli 2016)

  • Sendetermin: „attac-Radio“, Dienstag, 9. August 2016, 19 Uhr

 

Linda Hesse im Interview

Mit Linda ein Interview zu führen macht Spaß. Sie ist eine ernsthafte junge Frau, aber man kann mit ihr auch sehr herzhaft lachen. Ihre aktuelles Album, das dritte, hat den Titel "Sonnenkind", und man merkt im Gespräch sehr schnell, daß sie ein Sonnenkind ist. Für ihre neue Platte hat sie all ihr Licht und ihre Energie gebündelt. „Magic Moments“-Moderator Thomas sprach mit ihr über Liebesbriefe, eine Sommerwiese, über das Schicksal, über „Unser Lied“, und darüber, Dinge nicht einfach kaputt zu machen, Linda meint übrigens, sie singe keine Schlager sondern „Mucke“.

  • Sendetermin: „Magic Moments“, Mittwoch, 10. August 2016, 21 Uhr

Programminfos 25.07.2016 bis 05.08.2016

Putschversuch in der Türkei

War der Putsch inszeniert? Wieso verlief die Aktion dermaßen dilettantisch? Was steckt tatsächlich dahinter? Wie wird die türkische Regierung die Situation zur Zementierung ihrer Macht nutzen? Welche Rolle spielen Europa, die NATO, die USA und Rußland?
All diese Fragen (und noch einige mehr) erörterte Türkei-Experte Murat Cakir von der Rosa-Luxemburg-Stiftung in seinem Vortrag, den er wenige Tage nach dem gescheiterten Putschversuch im Cafe Buch-Oase in Kassel hielt.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 29. Juli 2016, 18 Uhr

 

Oberliga-Stars des Chess-Labels in London

Ein Vierteljahrhundert lang (1950 - 1975) war das Chess-Label aus Chicago der Cadillac unter den Blues-Experten. Gegründet und betrieben wurde die Firma von einem umtriebigen Immigranten-Brüderpaar aus Europa, Leonard und Philipp Chess aus dem früheren polnischen Galizien. Sie waren clevere Geschäftsleute mit einem guten Riecher für Neues. Aber nicht nur Blues wurde da in der Windy City gemacht, auch der Rock & Roll wurde von dort aus revolutionär befeuert. Von Chuck Berry über Willie Dixon, bis Bo Diddley und Howling Wolf reicht eine lange Künstlernamenliste von den 1950er Jahren bis in die Dekaden neuester technisch-aufgeblasener Musikproduktionen.
Einige der Genannten hatten gegen Ende der 60er Jahre ihre Bedeutung für ein weißes europäisches Publikum und etliche Musikadepten auf der britischen Insel verstanden. Und sie kamen als willkommene Gäste zu den Festivals, auch nach Deutschland. Einige gingen (gerne) in die Londoner Studios, um dort ziemlich hippe Sachen einzuspielen  - und ließen sich selbstredend von ihren mittlerweile prominenten Brit-Kollegen begleiten. So jammten denn beispielsweise Muddy Waters, Chuck Berry und auch Howling Wolf mit Jagger, Richards, Wyman, Watts, Clapton, Winwood, Gallagher, Beck und etlichen anderen. Herausgekommen sind echte Album-Klassiker. Auszüge aus eben diesen sind in dieser Folge zu hören.

  • Sendetermin: „Long Distance Call“, Samstag, 30. Juli 2016, 19 Uhr

 

A Rock & Roll-Medley

Dem Lonesome Traveler ist es aktuell ein echtes Bedürfnis, sich diesmal bei seinen geschätzten StammhörerInnen für ihre Treue und geteilte Musikleidenschaft zu bedanken. So, it´s Rock & Roll time again! Wir hören frühe Single-Hits von „King“ Elvis ("Don´t be cruel"/"Lawdy Miss Clawdy"/”My Baby left me" u.a.) sowie die genial den Originalen angepaßten Coverversionen von Neuzeit-Rocker Robert Gordon. Der durchgeknallte Rockabilly mit der beeindruckenden Baritonstimme wurde während der letzten Jahre vom englischen Ausnahmegitarristen Chris Spedding begleitet. Unter dem Arbeitstitel "The Voice meets The Guitar" haben die beiden, unterstützt von Elvis´ originaler Vokalgruppe, den Jordanaires, ein wahrlich erstaunliches Album rausgehauen, daß es einem nur so heiß und kalt den Rücken runterläuft. Geht bis runter in die Beine - rock & roll it!
Sozusagen in Ergänzung zur „Long Distance Call“-Bluesfolge von Vortag ("Chess-Legenden in London") ist auch der "Killer" Jerry Lee Lewis mit einigen Tracks aus seinem Meilenstein-Doppelalbum von 1973 dabei, das ebenfalls in der britischen Musikschaltzentrale London eingespielt wurde. Damalige Mitarbeiter waren Rory Gallagher, Peter Frampton, Albert Lee, Kenny Lovelace, Delaney Bramlett, Alvin Lee, Klaus Voormann u.a.  Wer konnte seinerzeit dorten wem das Wasser reichen? Chuck? Oder Jerry Lee? Anyway: Rockalbum-Klassiker allesamt.
Moderation: Wolf Silaff. Thank you, folks.

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 31. Juli 2016, 19 Uhr

 

Zum Tod von Alan Vega

Obwohl Alan Vega vielleicht nicht zu den prominentesten Stars im Musikgeschäft gehörte, war er doch ein Mann mit Einfluß – und zwar mit gewaltigem Einfluß: Zahllose Musiker aus den Bereichen New Wave, Punk, Techno und Elektronik berufen sich auf die Pionierarbeit des amerikanischen Duos Suicide, dessen eine Hälfte Alan Vega war. Mit seiner durchdringenden Stimme, seinem einzigartigen Gesangsstil und den apokalyptischen Texten beeindruckte er Generationen junger Bands. Gemeinsam mit seinem Kollegen Martin Rev produzierte Vega akustische Horrorvisionen, unterlegt lediglich mit elektronisch verfremdeten Keyboard-Sounds und Beats aus der Rhythmusmaschine. Suicide waren eine der ersten Bands, die ausschließlich elektronisches Instrumentarium einsetzten und damit – ähnlich wie Kraftwerk in Europa – den Boden für die Entwicklung der sythetischen und digitalen Klangerzeugung bereiteten. Wurden sie damals, in den 70er Jahren, noch vom Publikum angefeindet und bei Konzerten teilweise von der Bühne gejagt, so sind sie heute Klassiker, ihre wenigen Alben gelten als als visionäre Meisterwerke. Alan Vega starb kürzlich im Alter von 78 Jahren – wir würdigen den vielseitigen Künstler, der auch als Maler und Bildhauer tätig war.

  • Sendetermin: „FRK spezial“, Dienstag, 2. August 2016, 18 Uhr

 

Liederbestenliste, Ausgabe August 2016

Seit 1984 erstellt die Jury der Liederbestenliste monatlich eine ’Hitparade’ des deutschsprachigen Liedes. Jede(r) der 20 Jurorinnen und Juroren aus der Schweiz, Österreich, Belgien und Deutschland nennt monatlich sieben Lieder, denen er oder sie möglichst viele HörerInnen wünscht. Punkte werden nur für einzelne Titel vergeben, nicht für ein gesamtes Album. Aus der Addition ergibt sich die Monatsliste, die das Freie Radio Kassel einmal im Monat präsentiert. Wer es diesmal unter die besten 20 dieser etwas anderen Hitparade geschafft hat, erfahren Hörerinnen und Hörer in dieser Ausgabe von Liederleute, dem Magazin für Musik und Politik. Am Mikrofon: Dieter Kindl (Juror der Liederbestenliste).

  • Sendetermine: „Liederleute“, Dienstag, 2. August 2016, 20.00 Uhr
  • Wiederholung: Mittwoch, 3. August 2016, 12.00 Uhr

 

 

Nur ein Verseschmied?


Er war für die Schweizer Musikszene von großer Bedeutung und hat sie bis heute geprägt. 1972 ist der Berner Liedermacher bei einem Autounfall tödlich verünglückt. Seither ist in der Schweiz viel über ihn geschrieben, gesagt und nachgedacht worden. Und man hat ihn gewürdigt: Mani Matter, den Rechtsgelehrten, den Verseschmied, den Philosophen, den Dichter, den Menschen. Zuerst kurz nach dem Unfall, aus direkter Betroffenheit und Trauer. Später aus der Distanz und mit der Neugierde neuer Generationen. Das Freie Radio Kassel wird sich mit ihm und seinen Liedern den ganzen August über beschäftigen. In der ersten Sendung gibt es zunächst einmal ein Portait des Chansonniers zu hören. Am Mikrofon: Trudi & Dieter Kindl.

  • Sendetermine: „Kreuzweise“, Dienstag, 2. August 2016, 21.00 Uhr
  • Wiederholung: Mittwoch, 3. August 2016, 13.00 Uhr

 

Zum 50. Todestag von R. A. Dvorský

Am 2. August jährt sich zum 50. Male der Tod des in der Zwischenkriegszeit wohl bedeutendsten und bekanntesten tschechoslowakischen Orchesterleiters, Sängers, Komponisten, Arrangeurs, Musikverlegers und Schauspielers. Er wurde auch der Gentleman der tschechischen Tanzmusik genannt.
Am 24. März 1899 im ostböhmischen Dvu°r Králové/ Königinhof als Sohn eines städtischen Beamten unter dem Namen Rudolf Antonin geboren, galt er als Wunderkind, das bereits im Kindergartenalter die ersten Auftritte absolvierte. Mit fünf Jahren spielte er Geige, ein Jahr später kam das Klavier dazu, schließlich noch Akkordeon und Gitarre. Man sagte ihm später nach, daß er praktisch alle in einem großen Unterhaltungsorchester vorkommenden Instrumente beherrscht haben soll. Den Künstlernamen Dvorský legte er sich als Ableitung aus der tschechischen Bezeichnung seiner Heimatstadt zu.
Da die Musik zu allen Zeiten ein unsicheres Pflaster war, übte er nach Abschluß der Grund- und Oberschule in mehreren Firmen den Beruf eines Buchhalters aus, trat aber weiter in der Gegend um seine Heimatstadt, nun vorwiegend als Pianist, in verschiedenen Kapellen, als Begleiter für Laientheatertruppen und bei Tanzveranstaltungen auf.
Seine erste große Stunde schlug 1918, als das Prager Kabarett „Rote Sieben“ in Königinhof gastierte und der Pianist ausfiel. Dvorský, damals bereits eine lokale Größe, sprang ein.
Schon im folgenden Jahr fand er sich in Prag wieder - der Kabarettdirektor, begeistert von dem „Ersatz“ aus der Provinz, hatte ihn engagiert.
In den 20er Jahren war Dvorský mit mehreren eigenen Kapellen in Prager Kabaretts und Tanzcafés engagiert. Dazu gehörten auch vornehme Häuser, in denen das gehobene Bürgertum verkehrte.
Bereits in dieser Zeit komponierte er erfolgreiche Nummern, die sogar von ausländischen Kapellen ins Repertoire genommen und für die Schallplatte eingespielt wurden, z.B. von Londoner Tanzorchestern wie Jack Hylton oder dem Mayfair Dance Orchestra.
Sein Schallplattendebüt gab er als Sänger, zunächst in Berlin für die kleine Firma Menzenhauer und Schmidt, die die Kalliope-Schallplatte herausgab. Dabei wurde er von Personal des Sam-Baskini-Orchesters begleitet. Die Aufnahmen wurden von der Esta in Prag übernommen.
1929 gründete er die Melody Boys, die in Prag für die Esta und die Odeon erste Platten aufnahmen - und schließlich für die Ultraphon, bei der er fortan bleiben sollte.
Wie damals (nicht nur, aber in der Tschechoslowakei wohl besonders) üblich, brachte das Orchester Musik aus fast allen populären Genres, vom Jazz und später Swing (oder zumindest der davon beeinflußten Tanzmusik) über die Begleitung von Kleinkunstvorträgen und die in Böhmen noch heute äußerst beliebten Polkas und Walzer bis hin zu Märschen.
Dvorský war in der Unterhaltungsbranche der 30er und frühen 40er Jahre gut im Geschäft.
Er leitete sein Orchester, das zu Konzerten und Tanzveranstaltungen, auf Platten, am Rundfunk und im Film spielte. Zudem setzte er, wie schon bei seinen frühen Plattenaufnahmen, seine ansprechende Gesangsstimme ein. Er trat als ein gutaussehender Mann, dem die Bühne nicht fremd war, sogar selbst als Filmschauspieler auf. Ferner besaß er einen Musikverlag, in dem er nicht nur seine eigenen Nummern herausbrachte, sondern viele in der Tschechoslowakei überaus populäre Kompositionen. Endlich war er Anteilseigner der marktbeherrschenden Plattenfirma Ultraphon, bei der seit den frühen 30er Jahren auch seine Platten erschienen.
Die deutsche Besetzung der sog. „Resttschechei“ im Jahre 1939 änderte an all dem wenig. Im Gegenteil, denn nun erweiterte sich seine Popularität noch auf Deutschland. Die Telefunkenplatte, 1932 aus der deutschen Ultraphon hervorgegangen und seitdem Mutterkonzern der tschechischen Ultraphon, ließ ab 1941 in Prag öfter Aufnahmen für den deutschen Markt einspielen und entwickeln. Dvorský und die - wenn man so will -  tschechische Ausgabe der Andrews Sisters, das Allan-Terzett, sangen dafür in mehreren Sitzungen etliche Titel auf deutsch ein. Beispiele sind in unserer Sendung enthalten.
Auf dem Zenit des Erfolges bog R. A. Dvorskýs Lebensweg jäh um. 1944 mußte er das Orchester auflösen, denn nun forderten die Jahrzehnte des nervenzehrenden Bühnenschaubetriebs und der Auftritte in der stickigen, rauchgeschwängerten Luft von Bars und Nachtklubs ihren Tribut. Dvorský war an Lungentuberkulose erkrankt und mußte die folgenden Jahre bis 1946 in Kliniken und Sanatorien zubringen. Eine völlige Wiederherstellung seiner Gesundheit gelang den Ärzten dennoch nicht.
Im Eiswinter 1947 starb sein Sohn Miroslav, Dirigent und große Hoffnung des Vaters, an einer Lungenentzündung.
Dies sollte nicht der letzte schwere Schicksalsschlag bleiben.
Nach dem kommunistischen Putsch von 1948 wurde die Tschechoslowakei wohl am radikalsten und schnellsten von allen Staaten in der Einflußsphäre Moskaus auf Linie gebracht. Dazu gehörte die sofortige und praktisch restlose Zerschlagung der Privatwirtschaft.
R. A. Dvorskýs Verlag wurde enteignet, woraufhin ihm die Mills Music Inc., die seine Auslandsrechte vertrat, den Vertrag kündigte, so daß die Tantiemen ausblieben.
Auch die Ultraphon wurde mit ihrer vorher schärfsten Konkurrentin ESTA und den Überresten der ausländischen Plattenfirmen zwangsvereinigt und zum nun einzigen tschechoslowakischen Plattenkonzern Supraphon verstaatlicht. Damit waren Dvorskýs Anteile über Nacht zu wertlosem Papier geworden.
1950 schließlich sah er keine Möglichkeit mehr, in der „neuen“ sozialistischen Tschechoslowakei sein Auskommen zu finden. Mit Freunden, die im II. Weltkrieg in der Royal Air Force gedient hatten, besprach er Fluchtpläne. Jedoch gab es offensichtlich nicht nur Freunde in diesem Kreis. Noch bevor an eine Ausführung zu denken war, wurde R. A. Dvorský von der tschechoslowakischen Geheimpolizei verhaftet. Aus den Mühlen des stalinistischen Terrorsystems gab es für ihn keinen Ausweg. 1953 wurde Dvorský u.a. wegen versuchten Hochverrats zu fünf Jahren verurteilt; die Betätigung in seinem Berufsfeld wurde ihm untersagt. Aufgrund seiner angegriffenen Gesundheit, die sich in der Haft natürlich nicht besserte, wurde er allerdings 1956 vorzeitig entlassen.
Hernach richtete er einen Bittbrief an den tschechoslowakischen Staatspräsidenten, woraufhin ihm 1957 eine erneute Berufsausübung im Musikgeschäft gestattet wurde.
Er ging wieder auf Tourneen und nahm noch einmal elf Plattenseiten für die Supraphon auf.
Für den Tschechoslowakischen Rundfunk diktierte er von 1962 bis 1964 seine Erinnerungen auf Band.
Mit gerade einmal 67 Jahren starb R. A. Dvorský am 02. August 1966 in Prag, und sein vorzeitiger Tod war sicher auch eine Spätfolge seiner Erkrankung und der Haftbedingungen in den Gefängnissen der Stalinzeit.
Seine letzte Ruhestätte fand er auf dem Friedhof seiner Heimatstadt Dvu°r Králové.
Sein Grab ist bis heute erhalten, geziert von einer Bronzeplastik seines Kopfes, die in Richtung seines Lieblingsberges blickt. Auch ist sein Geburtshaus durch eine Tafel gekennzeichnet.
Im „Prager Frühling“ 1968 wurde er posthum voll rehabilitiert.
Wir bringen zu R. A. Dvorskýs fünfzigstem Todestag die Wiederholung einer Sendung von 2007, in der wir einen kleinen Überblick über sein Schaffen auf dem Gebiet der modernen Tanzmusik der 30er und 40er Jahre geben.
 
Wir bringen:
-Ein Lied, ein Kuß, ein Mädel
-Lambeth Walk voc RAD
-Hrály Dudy voc RAD
-Rad si pískam voc RAD
-Fakir voc RAD & chor
-Dlouhy je mesic
-So wird’s nie wieder sein voc Allan-3
-So tanzt nur die Katja voc Allan-3
-Pergamino voc RAD & Allan-3
-Conchinella voc RAD & Allan-3
-Peter, Peter, wo warst du heute nacht? voc RAD & Allan-3
-Hm-hm, du bist so zauberhaft voc RAD & Allan-3
-Von mir aus kann’s regnen voc Allan-3
-Wer verliebt ist, braucht Musik voc Allan-3
-Für ein süßes Mädel voc RAD & Allan-3
-Das Froschkonzert voc Allan-3
-Budes mou voc RAD & Allanový Sestry

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 3. August 2016, 21-22 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 4. August 2016, 13 Uhr

 

Die Welt ist ein Kino - und hier sind die Soundtracks

Schon immer übte das Kino eine gewaltige Faszination auf die Menschen aus. Doch schon in den Tagen, da die Bilder noch laufen lernten, stellte man bald fest, dass die emotional kongeniale Verbindung für das Publikum im Zusammenspiel von bewegter Cinematographie und Musik besteht. So wurden zu Zeiten der ersten Kinos Filme von Pianisten oder zeitweise von ganzen Orchestern live begleitet.
Auch nach dem Siegeszug des Tonfilms blieb Musik ein wichtiges Gestaltungsmerkmal der Filmkunst. Was wäre „Alexis Sorbas“ ohne die stimmungsvollen Kompositionen von Mikis Theodorakis, die Italowestern von Sergio Leone ohne Ennio Morricones dramatische Soundtracks oder …oder …oder.
Um Land und Leute eines Handlungsortes auch musikalisch zu porträtieren finden oftmals ethnische Klänge Eingang in die Soundtracks - und da kommt der Weltklang ins Spiel. Zirkusdirektor Günther Klößinger lädt ein zu einer filmisch-musikalischen Reise um den Globus und präsentiert anlässlich der aktuellen Vorstellung in der Weltmusikalischen Manege des „Freien Radio Kassel“ ausgewählte Kinomelodien. Dabei werden sowohl populäre Klassiker des Genres zu hören sein wie auch Perlen, die eher im Verborgenen schimmern. Also - Licht aus, Film ab und bitte nicht zu laut mit dem Popcorn knuspern.
Am Mikro: Günther Klößinger

  • Sendetermine: „Wanderzirkus Weltklang“, Donnertstag, 4. August 2016, 19 Uhr
  • Wiederholung Weltklang: Freitag, 5. August 2016, 11 Uhr

Programminfos vom 20.07.2016 bis 24.07.2016

US-Swing der klassischen Phase, Folge 1/ 2016

Wieder einmal widmet sich das „Tanzparkett“ der klassischen Swingzeit.
Eine Auswahl von Platten verschiedener Orchester aus dem Höhepunkt dieser Stilrichtung können Sie als erste von zwei Ausgaben in „unserer“ Stunde am Mittwochabend bzw. Donnerstagnachmittag hören.
Durch die Sendung begleitet Sie Peter Michael.
Plattenliste folgt.
 
Note to English-speaking listeners:
 
Again, we will be dealing with the classical Swing Era.
You may hear a selection of records made by orchestras from the heyday of Swing in "our" hour on Wednesday evening and/ or Thursday afternoon respectively. A second part will be broadcast on July, 20th.
Your host will be Peter K. Michael.
Playlist follows.

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 20. Juli 2016, 21-22 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 21. Juli 2016, 13 Uhr.
  • Der zweite Teil folgt am 17. August.
    Am 03. August hören Sie eine Sendung zum 50. Todestag von R. A. Dvorský.

 

Fado - portugiesische Schicksalsklänge in Moll

Der Fado ist einer der populärsten Musikstile aus Portugal. Da die Lieder des Genres stets von Weltschmerz und Sehnsucht durchweht sind, nennt man ihn zuweilen auch den „portugiesischen Blues“. Genauer betrachtet haben die Schicksalsklänge aus Lissabon und anderen Zentren des Fado nur oberflächlich etwas mit der rauhen Düsterromantik aus Amerika gemein, mal abgesehen von der Neigung zu tiefen Gefühlen.
Der Blues lebt oft von einer rauhen Melodik in Dur, stellt die traurige Realität in spröden, einfachen Worten dar. Fado ist Poesie, ohne Themen wie soziale Schieflagen auszusparen. Zudem ist hier wesentlich häufiger Moll angesagt..
Dennoch gibt es eine Gemeinsamkeit, und diese ist entscheidend: Sowohl der Blues als auch der Fado sind mehr als nur folkloristisch-populäre Musikgenres. Beide vermitteln eine Lebenseinstellung. Den Fado spielt man nicht, man lebt ihn.
Die aktuelle Ausgabe von „Wanderzirkus Weltklang“ taucht ein in die sehnsuchtsvolle Welt portugiesischer Liedkultur und präsentiert sowohl viele Klassiker als auch zeitgenössische Vertreter und Vertreterinnen dieser schicksalshaften Musik.
Am Mikro: Günther Klößinger

  • Sendetermine: „Wanderzirkus Weltklang“, Donnerstag, 21. Juli 2016, 19 Uhr
  • Wiederholung Weltklang: Freitag, 22. Juli 2016, 11 Uhr

 

Kalter Krieg einst und heute

Zum Thema „Europa vor einem neuen Kalten Krieg? - Historische Erfahrungen und aktuelle Situation“ referierte der Politikwissenschaftler und Amerikanist Prof. Dr. Bernd Greiner an der Herderschule vor interessierten Schülern, Lehrern und Gästen. Prof. Dr. Bernd Greiner formulierte als Autor der momentan in der Herderschule gezeigten Ausstellung „Der Kalte Krieg. Ursachen – Geschichte – Folgen“, das Ziel der Ausstellung sei nicht nur die Bilanzierung historischer Ereignisse, sondern auch durch Vermittlung neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse, eine differenziertere Betrachtung aktueller politischer Entwicklungen in der breiten Öffentlichkeit zu erreichen. Der „hemdsärmeligen“ Behauptung, wir befänden uns in einem neuen Kalten Krieg, könne so entgegengewirkt werden. Er vertrat die Auffassung, dass die heutigen Konflikte nicht mit dem Kalten Krieg vergleichbar sind, der von 1947 – 1990 die Welt beherrschte. Die künftigen Auseinandersetzungen in der Weltpolitik werden nicht mehr unbedingt um Rohstoffe und Energiegewinnung ausgetragen, in den nächsten Jahren wird man sich mit Kommunikationsformen und dem „Cyberwar“ befassen. Prof. Dr. Greiner sieht die deutsche Forschung zum Kalten Krieg im Rückstand beispielsweise gegenüber der Geschichtswissenschaft in angelsächsischen Ländern. Daher unterstützt das von ihm geleitete Berliner Kolleg Kalter Krieg jedes Jahr zwei Studierende, die ihren Studienschwerpunkt auf den kalten Krieg legen, mit einem Stipendium. Im Anschluss an Prof. Dr.Greiners Vortrag entwickelte sich eine angeregte Diskussion mit dem Publikum, das sich als gut informiert und politisch engagiert zeigte.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 22. Juli 2016, 18 Uhr

 

Searchin´ for a Rainbow – Country Rock aus den 70ern

„Searching For A Rainbow“ war ein Albumtitel der legendären Marshall Tucker Band aus Spartanburg/South Carolina. Aus dieser LP von 1975 hören wir heute einige interessante Titel. Die Mittsiebziger-Platten der famosen Truppe waren damals ganz fix Publikumslieblinge. Auch als Live-Band erspielten sich die Gebrüder Toy & Tommy Caldwell mit ihren Kollegen ein guten Ruf. Ganz groß kamen sie bei Festivals zusammen mit den Allman Brothers heraus. Gleiches gilt für ein Musikprojekt, das anfangs nicht unbedingt mit Band-Intentionen begonnen hatte. Die Ozark Mountain Daredevils jammten mit unbändiger Spielfreude im New Bijou Theatre in Springfield/Missouri - und wurden prompt vom ebenfalls legendären Produzenten John Hammond entdeckt. Sie schrieben eine Reihe toller tiefgehender Songs. The rest is history ... In der heutigen Folge gibt’s einige Highlights aus den Erfolgsalben von damals.

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 24. Juli 2016, 19 Uhr

Programminfos vom 14.04.2016 bis 22.07.2016

Schwarzhören ...

... war vor vier Wochen. Nach den ganzen Schwarzmalereien in der letzten Ausgabe von Tonkost soll es diesmal um die positiven Seiten des Lebens gehen. Die Drei von der Funkstelle haben sich abermals auf die Suche begeben und etliche musikalische Novitäten getreu dem Motto "Guns 'n' vice" (zu Deutsch: Ganz in Weiss) gefunden. Hoffen wir, dass es den Moderatoren auch diesmal nicht zu bunt wird. Am Mikrofon: Günther Klößinger, Trudi & Dieter Kindl.

  • Sendetermine: „Tonkost“, Donnerstag, 14. Juli 2016, 19 Uhr
  • Wiederholung: Freitag, 15. Juli 2016, 11 Uhr

 

Theaterspielzeit 2015/16 – Rückschau und Ausblick mit dem Intendanten

In der letzten Veranstaltung der traditionsreichen Reihe „Resonanzboden“ in dieser Spielzeit beantwortete Staatstheater-Intendant Thomas Bockelmann im Opernfoyer Fragen zur noch laufenden und gibt einen Ausblick auf die kommende Spielzeit.
Außerdem in der Sendung: Die Landtagsabgeordnete der Linken, Marjana Schott, äußert sich zur aktuellen Situation des Problem-Flugplatzes Kassel-Calden.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 15. Juli 2016, 18 Uhr

 

I shot the Sheriff ....

Fatal, was zur Zeit in den USA passiert: Tatsächlich aber werden im Lande der Freien und Gerechten beinahe täglich in irgendeinem Bundesstaat schwarze BürgerInnen erschossen. Das Massaker von Dallas/Texas ist nur die Spitze des Eisbergs. Übrigens wurde in dieser Metropole vor einem halben Jahrhundert ein damals hoffnungsvoller US-Präsident ebenfalls erschossen: John F. Kennedy ( + November 1963). Diskriminierung und Gewalt sind allgegenwärtig - offen oder verdeckt. Die Gewalt ist in den Köpfen vieler - in einer Großmacht-Nation, in der es mehr Waffen in Privatbesitz als Einwohner gibt.
Es wird wahrscheinlich kein einziges Menschenleben retten, aber zur Ablenkung quasi (bevor wir alle abdrehen): in diesem Stündchen hören wir einige schwer Blues-getränkte Tracks. Es geht auf zum Crossroads-Bluesfestival. Mit dabei sind der oben zitierte Eric Clapton (den guten Bob Marley gibt´s diesmal auf einem anderen Sendeplatz bei uns) und auch sein musikalischer Ideengeber Robert Johnson mit legendären Aufnahmen von 1936/37 aus San Antonio und Dallas; außerdem "modernere" Aufnahmen mit Muddy Waters und T-Bone Walker.
Nicht vergessen: Auch in diesem unseren Lande/Europa gibt es latenten und offenen Rassismus. Ideologische Alltagsprobleme, Konservativismus und nationalistisch Verbrämtes. Neben geistiger Brandstiftung - im wahrsten Sinne. "Nieder die Waffen - die Hände gereicht!" - so einst Kurt Tucholsky. Was wäre dem hinzuzufügen ...

  • Sendetermin: „Long Distance Call“, Samstag, 16. Juli 2016, 19 Uhr

 

King of Dieselbilly: Bill Kirchen

I got a statue of Elvis on the dashboard of this ole truck
I´ve got a red bandana hanging out my pocket for luck
I got Hank on the stereo, Bill Mack on the radio
I am an oldfashioned gear-jamming Hillbilly truck driving man . . .

(aus “Hillbilly Truck Driving Man”, Bill Kirchen, vom Album "Tied To The Wheel", 2012)

Kürzlich hörten wir auf diesem Sendeplatz als Country-Rock-Ableger noch Trucker-Geföntes vom durchgeknallten Commander Cody und seinen im Weltall verschollenen, verlorengegangen Planeten-Piloten, einer im wahrsten Sinne fantastischen Truppe. Ihre ´70er Alben sind das Kernstück einer anständigen Country-Rock-Sammlung. Heute nun folgen Sound-schwerpunktmäßig einige echte Reißer aus der Neuzeit. Der Fender-Telecaster-Experte mit der eigenen Handschrift, Bill Kirchen, verpaßte damals neben dem rasanten Boogie-Pianofiasko des Commanders George Frayne so etlichen Ohrwurm-Tracks dieser Band den echten "treat". Und die anderen Kollegen waren auch nicht ohne - allen voran der Pedal-Steeler Bill Black. Auch er wird hier nochmal zu hören sein. Und zwar, wenn Bill Kirchen aus der Nachfolgezeit der legendären Skandal-Truppe musikalisch berichtet. Und es geht ihm ähnlich wie dem Lonesome Traveler Wolf Silaff: Looking at the world through a windshield.
P.S.  Die Härte ist Kirchens Version des früheren "Hot Rod"-Klassikers: Billyboy baut alle wichtigen Gitarrenriffs der großen Rock & Roll-Vorbilder in ein unglaubliches Live-Medley  ein. Chuck Berry, Marty Robbins, Roy Orbison, Elvis, Chet Atkins und Merle Travis u.a. lassen auch schön grüßen. Unbelievable.

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 17. Juli 2016, 19 Uhr

 

US-Swing der klassischen Phase, Folge 1/ 2016

Wieder einmal widmet sich das „Tanzparkett“ der klassischen Swingzeit.
Eine Auswahl von Platten verschiedener Orchester aus dem Höhepunkt dieser Stilrichtung können Sie als erste von zwei Ausgaben in „unserer“ Stunde am Mittwochabend bzw. Donnerstagnachmittag hören.
Durch die Sendung begleitet Sie Peter Michael.
Plattenliste folgt.
 
Note to English-speaking listeners:
 
Again, we will be dealing with the classical Swing Era.
You may hear a selection of records made by orchestras from the heyday of Swing in "our" hour on Wednesday evening and/ or Thursday afternoon respectively. A second part will be broadcast on July, 20th.
Your host will be Peter K. Michael.
Playlist follows.

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 20. Juli 2016, 21-22 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 21. Juli 2016, 13 Uhr.
  • Der zweite Teil folgt am 17. August.
    Am 03. August hören Sie eine Sendung zum 50. Todestag von R. A. Dvorský.

 

Fado - portugiesische Schicksalsklänge in Moll

Der Fado ist einer der populärsten Musikstile aus Portugal. Da die Lieder des Genres stets von Weltschmerz und Sehnsucht durchweht sind, nennt man ihn zuweilen auch den „portugiesischen Blues“. Genauer betrachtet haben die Schicksalsklänge aus Lissabon und anderen Zentren des Fado nur oberflächlich etwas mit der rauhen Düsterromantik aus Amerika gemein, mal abgesehen von der Neigung zu tiefen Gefühlen.
Der Blues lebt oft von einer rauhen Melodik in Dur, stellt die traurige Realität in spröden, einfachen Worten dar. Fado ist Poesie, ohne Themen wie soziale Schieflagen auszusparen. Zudem ist hier wesentlich häufiger Moll angesagt..
Dennoch gibt es eine Gemeinsamkeit, und diese ist entscheidend: Sowohl der Blues als auch der Fado sind mehr als nur folkloristisch-populäre Musikgenres. Beide vermitteln eine Lebenseinstellung. Den Fado spielt man nicht, man lebt ihn.
Die aktuelle Ausgabe von „Wanderzirkus Weltklang“ taucht ein in die sehnsuchtsvolle Welt portugiesischer Liedkultur und präsentiert sowohl viele Klassiker als auch zeitgenössische Vertreter und Vertreterinnen dieser schicksalshaften Musik.
Am Mikro: Günther Klößinger

  • Sendetermine: „Wanderzirkus Weltklang“, Donnerstag, 21. Juli 2016, 19 Uhr
  • Wiederholung Weltklang: Freitag, 22. Juli 2016, 11 Uhr

Programminfo für den 08.07.2016 bis 10.07.2016

Die Welt zu Gast in der RudOLDIEStadt - Höhepunkte aus 25 Jahren TFF

Dereinst trafen sich die zwei größten Literaten der deutschen Sprache in einem kleinen Städtchen an der Saale. Schnell sprang der künstlerische Funke zwischen Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller über und eine der fruchtbarsten Kollaborationen zweier genialer Denker und Dichter nahm ihren Lauf. Ein wenig scheint sich jene Aufbruchsstimmung bis heute in Rudolstadt gehalten zu haben, wobei sie sich von der Literatur zur Musik verschob, denn am Fuße der malerischen Heideggsburg findet seit mehr als einem Vierteljahrhundert das größte Festival für Folk- und Weltmusik statt, das Deutschland je gesehen hat.
In diesem Jahr werden mehr als 300 Konzerte mit mehr als 1000 Beteiligten auf über 20 Bühnen vom 07.07. bis zum 10.07. die Saalestadt zum Schwingen, Singen und Tanzen bringen.
In den letzten Minuten, bevor „Element of Crime“ das diesjährige Konzertprogramm eröffnen, bietet Zirkusdirektor Günther Klößinger einen vergnüglichen Rückblick auf ein Vierteljahrhundert Folk- und Weltmusik in Rudolstadt. Livemitschnitte aus vergangenen Festivaltagen - ein Trost für die Daheimgebliebenen oder (onlinetauglichen Smart-, I- und anderen -phones sei Dank) als Einstimmung für jene, die bereits vor Ort sind und dem Startschuss für das aktuelle Großevent entgegenfiebern. Und natürlich dokumentiert solch eine leicht nostalgische Rückschau auch die Entwicklung des Festivals vom eher beschaulichen Anfang bis zum flirrenden Hier und Jetzt. Vertrautes und Klassiker werden neben beinahe schon vergessenen Klangperlen stehen. Und vielleicht lässt sich der ein oder andere Kurzentschlossene durch diesen bunten Reigen auch noch ermutigen, auf die Schnelle zu packen, um sein Zelt an den Gestaden der Saale aufzuschlagen.

Am Mikro: Günther Klößinger

  • Sendetermine: „Wanderzirkus Weltklang“, Donnerstag, 7. Juli 2016, 19 Uhr
  • Wiederholung Weltklang: Freitag, 8. Juli 2016, 11 Uhr

 

Die Fluchtverursacher

Niemand flieht ohne Grund. Krieg, hoffnungslose Armut, politische Verfolgung: Das sind seit je zentrale Ursachen, die Menschen auf die Flucht treiben. Kriege, Armut und Verfolgung entstehen allerdings nicht von selbst. Afghanistan, Irak, Syrien: In den Ländern, aus denen gegenwärtig die meisten Flüchtlinge kommen, führen die westlichen Mächte - auch Deutschland - direkt oder verdeckt Krieg, teilweise schon seit Jahrzehnten. Andere Länder vor allem in Afrika, aus deren bitterer Armut immer mehr Menschen zu entkommen suchen, sind von den europäischen Staaten erst kolonial, dann postkolonial ausgebeutet worden; sie hatten kaum je eine Chance auf eine eigenständige Entwicklung zu mehr Wohlstand. Weil die globale Mächtekonkurrenz stärker wird, besteht Grund zur Befürchtung, daß Kriege und Ausbeutung und damit die Fluchtursachen noch zunehmen. Die Bundesrepublik mischt in der Mächtekonkurrenz mit: Man habe vor, "die globale Ordnung aktiv mitzugestalten", heißt es im künftigen Weißbuch der Bundeswehr. Der deutsche
Beitrag zur Schaffung von Fluchtursachen ist Gegenstand des Vortrags von Jörg Kronauer, der am 29.6. im Cafe Buch-Oase stattfand.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 8. Juli 2016, 18 Uhr

 

Scotty Moore ist gestorben: "The Guitar that changed the World"

Unter dem Arbeitstitel "Going back to Memphis" beginnt diese Folge mit einem Instrumental aus den 90er Jahren. Zusammen im Studio waren damals, 1997, in Gedenken an den "King", die früheren musikalischen Wegbegleiter des legendären Elvis Presley und eine erlesene Clique von internationalen Rockstars (u.a. Keith Richards, Jeff Beck, Joe Louis Walker, The Band, Joe Ely), die als Musiker nicht nur Elvis, sondern auch seinen Gitarristen Scotty Moore verehrten. An der Produktion von "All The King´s Men" war auch der früheren Elvis-Drummer D.J. Fontana beteiligt. Der einstige Bassist Bill Black (+ 1965) lag da, wie Elvis, bereits unter der Erde.
"Blues stay away from me" - das war im Dezember 1954 die einzige Aufnahme, die bei SUN Records in Memphis/Tennessee und in den Rock-Annalen unter dem Namen des Künstlers gelistet war. Der legendäre Gitarrist Scotty Moore wurde damals von seinem Kumpel Bill Black am Bass und von Johnny Bernero an den Drums begleitet. Und: ein gewisser Elvis Presley war verhalten im Hintergrund gesangsmäßig zu vernehmen - "off mike". Das Ganze geht über in eine Art Medley zu "How do you think I feel". Anyway, Scotty Moore wurde seit dieser Zeit wichtigster musikalischer Begleiter des "King" Elvis Presley. Der Beginn einer neuen Zeitrechnung, yessir! Eine ganz andere Musik eroberte von nun an die Welt! Ein neues Lebensgefühl prägte die kommenden Generationen nach dem Zweiten Weltkrieg. Ohne Scotty Moore wäre Elvis niemals so groß rausgekommen - behauptet keck der Lonesome Traveler Wolf Silaff. Scotty Moore ist am 28. Juni 2016 in Nashville gestorben. Er wurde 84 Jahre alt. Farewell, go to Rock & Roll Heaven, Scotty ... Your place surely is right next to The King (and Chuck Berry ...).
Damals, am 5. Juli 1954, nutzten Elvis Presley, Scotty Moore und Bassist Bill Black eine Aufnahmepause in den Sun-Studios in Memphis, um sich an einer aufgepeppten Version von Arthur Crudups „That’s All Right“ zu versuchen. Danach sollte die Gitarre nie mehr die gleiche sein: Moores prägnante, aggressive Läufe verschmolzen Country-Picking und Blues-Phrasierungen zu einer neuen instrumentalen Sprache. Seine Gitarrenarbeit ist so präsent, daß man leicht vergißt, daß die Aufnahme ohne Schlagzeuger stattfand.
Die wahre Geschichte geht so: Scotty Moore war zumeist der Handwerker im Hintergrund, quasi im Schatten des King. Er hat tatsächlich bei allen frühen Rock & Roll-Hits von Elvis die alles entscheidende Gitarre gespielt, zumeist eine Gibson ES-295. Damals war Moore so etwas wie die rechte Hand des King, sowohl als Mitmusiker als anfänglich auch der Manager. Ohne ihn kein "Jailhouse Rock", kein "Heartbreak Hotel" und keine "Blue Suede Shoes", "Hound Dog" - kein "That´s alright, Mama". Und selbst die in einem einzigen Take (!) eingespielte Vision des Amerikanischen Traums, der "Mystery Train"  (SUN # 223), wäre ohne Scotty undenkbar. Seit über einem halben Jahrhundert ist dieser Titel, neben Carl Perkins´ "Blue Suede Shoes", so etwas wie die Internationale Hymne der Rockabillies - weltweit.
Das Musikmagazin Rolling Stone listet Scotty Moore auf Platz # 29 der 100 besten Gitarristen aller Zeiten. „Er ist offen für alles“, sagte damals der SUN-Labelchef / & Produzent Sam Phillips über Elvis’ Gitarristen. Sein Spiel auf Elvis’ Debütsingle, das bei der ersten Session mit dem künftigen King als harmloses Herumalbern begann, öffnete in der Tat einige Pforten innerhalb der sogenannten U-Musik. Selbst wenn Moore nur die 18 Sun-Aufnahmen abgeliefert hätte – darunter „Mystery Train“ und „Good Rockin‘ Tonight“ –, wäre sein Platz in der Musikgeschichte gesichert gewesen. Doch er spielte weiter für und mit Elvis, bis zum fulminanten 1968er „Comeback Special“. Damals kehrte der zum Popstar mutierte Elvis Presley noch einmal zu seinen Wurzeln zurück. „Alle wollten sie wie Elvis sein“, sagt Keith Richards. „Ich wollte immer Scotty sein.“

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 10. Juli 2016, 19 Uhr

Programminfo für den 01.07.2016 bis 08.07.2016

„Haben wir den Mut, unsere Stadt neu zu denken?“ - Informationsabend zur Kulturhauptstadtbewerbung 2025

„Warum wollen wir es noch einmal versuchen und welche Chancen haben wir, welche Möglichkeiten birgt eine Bewerbung als Kulturhauptstadt Europas 2025 für Kassel?“ Diese Fragestellungen standen im Mittelpunkt der ersten Veranstaltung zu einer möglichen Bewerbung, die in der Documenta-Halle am Donnerstag, 23. Juni, auf großes Interesse gestoßen ist. An dem heißen Sommerabend waren rund 250 Bürgerinnen und Bürger der Einladung der Stadt gefolgt, um sich über das Thema zu informieren und die möglichen Aspekte zu erörtern. Es zeigte sich: Es wird in der Stadt viel darüber nachgedacht, seitdem Oberbürgermeister Bertram Hilgen beim Jahresempfang 2015 das Thema Kulturhauptstadtbewerbung angesprochen hatte.
„Es sind die jungen Menschen, die neue Entwicklungen aufgreifen. Hören wir ihren Pulsschlag?“
In Kassel habe sich in den vergangenen Jahren viel getan, vom Welterbe Bergpark über die GRIMMWELT Kassel bis hin zum geplanten documenta-Institut, das auf einem guten Weg sei, stellte Oberbürgermeister und Kulturdezernent Bertram Hilgen in seinem Eingangsstatement fest. Kritisch merkte er aber auch an "Wir müssen die freie Szene stärker fördern, als wir es in den vergangene Jahren getan haben. Sie benötigt Platz, um sich zu entfalten zu können.“ Der Platz werde jedoch weniger in einer Stadt, die sich wirtschaftlich so dynamisch entwickele, wie es Kassel getan habe. Hilgen: "Das müssen wir ausgleichen."
Für die Bewerbung als Kulturhauptstadt brauche Kassel einen Stadtentwicklungsprozeß mit europäischem Charakter. Dabei bedeute Stadtentwicklung nicht nur bauen, sondern eine Entwicklung der Stadtgesellschaft. Für den Oberbürgermeister steht fest: „Dafür brauchen wir ein eigenständiges Kulturdezernat als Verankerung in der politischen Spitze des Rathauses.“
„Kultur ist nicht Unterhaltung, Kultur ist die Auseinandersetzung über gesellschaftliche Fragen mit anderen Mitteln“
„Kulturhauptstadt zu sein ist ein Prozeß, es ist kein Produkt; Kulturhauptstadt zu sein ist die Möglichkeit, eine Stadt durchzurütteln, sich selbst in Frage zu stellen und zu erkunden; es ist die Fragestellung, wo kommen wir her, wo wollen wir hin; Kulturhauptstadt zu sein ist die Möglichkeit, die eigene Bildsprache auf den Kopf zu stellen.“ Über seine Erfahrungen mit und in Kulturhauptstädten referierte Dr. Ulrich Fuchs, der Mitglied der EU-Jury zur Auswahl aktueller und künftiger europäischer Kulturhauptstädte ist. Er war Projektleiter im Team zur Vorbereitung der Bewerbung Bremens zur Kulturhauptstadt Europas 2010, stellvertretender Intendant und Leiter der Projektentwicklung für die Kulturhauptstadt Linz 2009 sowie stellvertretender Intendant der Kulturhauptstadt Marseille-Provence 2013.
Es gehe nicht um ein Festival, es gehe um umfassende städtische Entwicklungsprozesse und -projekte, für die Kultur einen Motor darstelle, der Beschleunigungscharakter habe, sagte Fuchs. Kulturhauptstadt zu sein sei damit ein umfassender Stadtentwicklungsprozeß, er könne eine Psychotherapie für die Stadt sein, die Möglichkeit sich selbst in Frage zu stellen und zu erkunden, sich darüber bewußt zu werden, was gut ist und was man besser machen könne.
„Haben wir den Mut, unsere Stadt neu zu denken?“
Eine Gesprächsrunde mit Oberbürgermeister Bertram Hilgen, dem ehemaligen Präsidenten der Universität Kassel und Präsident der Akademie für Raumforschung und Landesplanung, Rolf Dieter Postlep, sowie Martina Bramkamp, Professorin an der Kunsthochschule Kassel, reflektierte die Chancen und Risiken einer Bewerbung, die im Anschluss mit dem Publikum diskutiert werden. Stillstand ist Rückschritt, war sich das Podium einig; durch eine Kulturhauptstadtbewerbung könnten Leitbilder und Visionen für die 2020er Jahre entwickeln werden.
Moderiert wurde der Abend von der Hamburger Filmproduzentin Heike Wiehle-Timm, gebürtige Kasselerin und als Mitglied des Kassel-Beirats ihrer Heimatstadt eng verbunden.
Wir senden den Mitschnitt vom 23. Juni 2016 aus der Documenta-Halle.

Hintergrund

Erst im Herbst 2016 soll die Stadtverordnetenversammlung entscheiden, ob Kassel sich erneut um den Titel bewerben wird, den die Europäische Union im Jahr 2025 zum vierten Mal in der Geschichte der Initiative an eine deutsche Stadt verleiht. Intern sind bereits viele Vorabreiten geleistet worden, ist ein intensiver Arbeitsprozeß in Gang gekommen, für den viele Stimmen und Meinungen eingefangen worden sind. Um eine fundierte Grundlage zu haben, hat die Stadt eine Kulturlandschaftsanalyse beauftragt.
Die Europäische Union verleiht seit 1985 jährlich den Titel "Kulturhauptstadt Europas" ("European City of Culture") und zeichnet damit Städte aus, die durch ihr kulturelles und kreatives Potential herausstechen und es gleichzeitig verstehen, Europa in seiner Vielfalt sowie kulturellen Einheit zu repräsentieren.
Im Jahr 2025 wird zum vierten Mal in der Geschichte der Initiative Deutschland einen Vertreter stellen. Der Titel hierfür wird im Jahr 2018 ausgeschrieben und im Jahr 2020 beschieden. In den aktuell geltenden Regularien wird das Programm auch als ein Motor für langfristige Stadtentwicklungsprojekte verstanden und eine erkennbare Nachhaltigkeit im Bewerbungskonzept der einzelnen Städte/Regionen gefordert.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 1. Juli 2016, 18 Uhr

 

Einer flog übers Ordnungsamt

Werner Koczwara ist seit vielen Jahren auf Deutschlands Kabarettbühnen unterwegs. Sein neues Programm „Einer flog übers Ordnungsamt“ ist die Fortsetzung des enorm erfolgreichen, von ihm erfundenen Justiz-Kabaretts, das ihn zu einem der profiliertesten und originellsten Komödianten hierzulande gemacht hat.
Obwohl: „Hierzulande“ stimmt vielleicht nicht ganz – Werner Koczwara stammt aus Schwaben, und das ist bekanntlich ein ganz eigener Menschenschlag. Aus seiner Herkunft macht er kein Geheimnis, im Gegenteil: Der deutlich hörbare schwäbische Akzent ist ein wichtiger Bestandteil seines kabarettistischen Konzepts und trägt, treffsicher eingesetzt, enorm zur komischen Wirkung bei.
Werner Koczwara, der auch als Autor u.a. für Dieter Hallervorden und Harald Schmidt arbeitete, wurde durch seine „juristischen“ Kabarettprogramme bekannt, mit denen er der Jurisprudenz ein für allemal das Stigma des trockenen, drögen und absolut humorlosen Winkeladvokatentums nahm. Er grub in den verstaubten Gesetzestexten und Urteilsbegründungen nach komisch-grotesken Perlen – und wurde fündig. Er stieß auf unglaublich witzige Formulierungen, auf skurrile Vorschriften und viel unfreiwillige Komik. Die Kabarettprogramme, die er um diese sprachlichen Kabinettstücke bastelte, trugen Titel wie „Am achten Tag schuf Gott den Rechtsanwalt“, „Tyrannosaurus Recht“ oder „War Jesus rechtsschutzversichert?“ und bereiteten dem geneigten Publikum großes Vergnügen – insbesondere Juristen gehören seit Jahren zu Koczwaras treuesten Fans.

  • Sendetermin: „Kabarett live“, Freitag, 1. Juli 2016, 22 Uhr



Feel so bad. Blues.

Blues-Daddy Muddy Waters ist tot (+1983). Elvis tot, schon lange (+1977). Und nun auch noch "Schimmi", der deutsche Schauspieler Götz George, der schnodderige Kommissar Schimanski aus der „Tatort“-Serie, der einst eine Lieblingsvokabel der Deutschen geadelt und, genauso wie sich selbst, zum Kult erhoben hat: "Scheiße". Er ist am 19. Juni 2016 gestorben. Ciao auch Bud Spencer - hau drauf, Carlo Pedersoli! Mann/Frau, da kannste echt den Blues kriegen! Was hilft, eventuell?! Sounds vom Feinsten natürlich. Neuzeit-Blues - "Schwarz" & "Weiß". Diesmal erinnert die umwerfende Folk/R & B-Sängerin Tracy Nelson an einen der großen Chicago Blues-Meister von damals, an Jimmy Reed. Den Titel (siehe oben) für diese Folge hat sie allerdings von Little Milton übernommen, der war einst bei Sun Records, Memphis/TN. Das Original stammte 1953 von Chuck Willis (heute hier zu hören).
Mit dabei ist auch der talentierte Sohn des seligen Muddy Waters, "Big Bill" Morganfield. Der spielt ebenfalls eine herrlich ruppige Bluesrock-Gitarre. Luther "Guitar Junior" Johnson mit seinen damaligen Magic Rockers braucht sich nicht dahinter zu verstecken. George Thorogood & seine Destroyers lassen es hingegen Slide-mäßig, passend zur aktuellen Jahreszeit, hochtemperiert und schräg-abgefahren vibrieren. Von denen gibt‘s frühe 80er-Aufnahmen (entdeckt vom feinen Rounder Label) zu hören. Believe it or not: Diese Folge eröffnet der erwähnte "King" Elvis Presley! "Feel so bad" vom Frühjahr 1961 schaffte es in seiner Version bis in die Billboard Charts. Und verabschieden wird uns für heute der "Killer" Jerry Lee Lewis mit Johnny Cashs "Folsom Prison Blues".

  • Sendetermin: „Long Distance Call“, Samstag, 2. Juli 2016, 19 Uhr



Country Rock - Die nächste Folge

In den vorigen Folgen hörten wir frühe Klassiker-Alben des Country-Rock-Genres. Die Bezeichnung begann sich ab Beginn der 1970er Jahre durchzusetzen. Im Laufe dieser Dekade erweiterte sich der Begriff um teils regionale Sounds, etwa um den  Bakersfield Sound, um Midwest mit den Ozark Mountain Daredevils, um den Southern Rock a la Marshall Tucker Band, Charlie Daniels Band und Lynyrd Skynyrd oder auch um den Swamp Rock von Tony Joe White. Zudem wurden beispielsweise Swing- und Boogie-Einflüsse integriert.
Folgend den großmäuligen Trucker- (Macker-)Attitüden aus dem Bereich der an Bedeutung verlierenden Country Music aus dem Radio, übernahmen einige ausgefuchste Rock-Experten solcherlei Ideen in ihr Repertoire - und brachten es auf die Bühnen, ohne deshalb wie platte Imitatoren zu klingen. Sie hatten durchaus ihren eigenen ansteckend-witzigen "Drive" und ihren originellen Sound. Beispiele sind  : Commander Cody & his Lost Planet Airmen (mit Bill Kirchen, dem ruppigen Telecaster-Spezi) und Asleep at the Wheel (Ray Benson & Co). Die kamen ohne die großen Western Swing-Vorbilder wie Bob Wills, Tex Williams und Hank Thompson nicht aus. Auch von ihnen sind in der Sendung einige infektiöse Beispiele dabei.

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 3. Juli 2016, 19 Uhr

 

 

Wie klingt eigentlich ein Tukan?

Nein, das ist keine Fangfrage für Ornithologen, sondern eine Frage an Netlabel-Liebhaber: Seit 2004 veröffentlicht das englische Label Toucan Music House, Trance und Chillout. Neben über 300 EPs und 9 LPs bis dato wird jedes „Geschäftsjahr“ des Labels seit 2007 auch mit einem Mix abgeschlossen. Um aber auf die Ausgangsfrage zurück zu kommen: frei² stellt in der kommenden Ausgabe das Netlabel Toucan Music vor.

  • Sendetermin: „Frei hoch zwei“, Dienstag, 5. Juli 2016, 19 Uhr

 

Working Songs & Maverick Ballads

Seit Jahren sind Klage- und Protestlieder dem Schweizer Duo Dodo Hug & Efisio Contini ein Anliegen. Neu geht es auch um Themen wie Migration, Ausbeutung oder Kinderarbeit. Lösungen haben wir zwar keine, aber Musik und Poesie sind immer und überall - auch Hoffnung.
Auf ihrem neuen Album "Sorriso Clandestino" präsentieren die beiden in engagierter und geistreicher Weise sowohl europäische, nord- und südamerikanische Songs und Covers, wie auch neue, eigene Lieder. Mal frech, aufmüpfig, temperamentvoll oder melancholisch-trotzig, dann wieder scharfsinnig und entlarvend, mit Sinn für subtilen Humor. Sie erzählen vom Leben und Schicksal der Arbeiterklasse von der Industrialisierung bis heute. Wir stellen das Album ausführlich vor.
Am Mikrofon: Trudi Kindl.

  • Sendetermine: „Kreuzweise“, Dienstag, 5. Juli 2016, 21.00 Uhr
  • Wiederholung: Mittwoch, 6. Juli 2016, 13.00 Uhr

 

US-Swing der klassischen Phase, Folge 1/ 2016

Wieder einmal widmet sich das „Tanzparkett“ der klassischen Swingzeit.
Eine Auswahl von Platten verschiedener Orchester aus dem Höhepunkt dieser Stilrichtung können Sie als erste von zwei Ausgaben in „unserer“ Stunde am Mittwochabend bzw. Donnerstagnachmittag hören.
Durch die Sendung begleitet Sie Peter Michael.
Plattenliste folgt.
 
Note to English-speaking listeners:
Again, we will be dealing with the classical Swing Era.
You may hear a selection of records made by orchestras from the heyday of Swing in "our" hour on Wednesday evening and/ or Thursday afternoon respectively. A second part will be broadcast on July, 20th.
Your host will be Peter K. Michael.
Playlist follows.

  • Sendetermin: „Tanzparkett“, Mittwoch, 6. Juli 2016, 21-22 Uhr
  • Wiederholung: Donnerstag, 07. Juli 2016, 13 Uhr.

 

Der zweite Teil folgt am 20. Juli.

Die Welt zu Gast in der RudOLDIEStadt - Höhepunkte aus 25 Jahren TFF
Dereinst trafen sich die zwei größten Literaten der deutschen Sprache in einem kleinen Städtchen an der Saale. Schnell sprang der künstlerische Funke zwischen Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller über und eine der fruchtbarsten Kollaborationen zweier genialer Denker und Dichter nahm ihren Lauf. Ein wenig scheint sich jene Aufbruchsstimmung bis heute in Rudolstadt gehalten zu haben, wobei sie sich von der Literatur zur Musik verschob, denn am Fuße der malerischen Heideggsburg findet seit mehr als einem Vierteljahrhundert das größte Festival für Folk- und Weltmusik statt, das Deutschland je gesehen hat.
In diesem Jahr werden mehr als 300 Konzerte mit mehr als 1000 Beteiligten auf über 20 Bühnen vom 07.07. bis zum 10.07. die Saalestadt zum Schwingen, Singen und Tanzen bringen.
In den letzten Minuten, bevor „Element of Crime“ das diesjährige Konzertprogramm eröffnen, bietet Zirkusdirektor Günther Klößinger einen vergnüglichen Rückblick auf ein Vierteljahrhundert Folk- und Weltmusik in Rudolstadt. Livemitschnitte aus vergangenen Festivaltagen - ein Trost für die Daheimgebliebenen oder (onlinetauglichen Smart-, I- und anderen -phones sei Dank) als Einstimmung für jene, die bereits vor Ort sind und dem Startschuss für das aktuelle Großevent entgegenfiebern. Und natürlich dokumentiert solch eine leicht nostalgische Rückschau auch die Entwicklung des Festivals vom eher beschaulichen Anfang bis zum flirrenden Hier und Jetzt. Vertrautes und Klassiker werden neben beinahe schon vergessenen Klangperlen stehen. Und vielleicht lässt sich der ein oder andere Kurzentschlossene durch diesen bunten Reigen auch noch ermutigen, auf die Schnelle zu packen, um sein Zelt an den Gestaden der Saale aufzuschlagen.
Am Mikro: Günther Klößinger

  • Sendetermine: „Wanderzirkus Weltklang“, Donnerstag, 7. Juli 2016, 19 Uhr
  • Wiederholung Weltklang: Freitag, 8. Juli 2016, 11 Uhr

Programminfo für den 23.06.2016 bis 30.06.2016

Die Welt zu Gast in Rudolstadt - Festivalvorschau 2016

Dereinst trafen sich die zwei größten Literaten der deutschen Sprache in einem kleinen Städtchen an der Saale. Schnell sprang der künstlerische Funke zwischen Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller über und eine der fruchtbarsten Kollaborationen zweier genialer Denker und Dichter nahm ihren Lauf. Ein wenig scheint sich jene Aufbruchsstimmung bis heute in Rudolstadt gehalten zu haben, wobei sie sich von der Literatur zur Musik verschob, denn am Fuße der malerischen Heideggsburg findet seit mehr als einem Vierteljahrhundert das größte Festival für Folk- und Weltmusik statt, das Deutschland je gesehen hat.
In diesem Jahr werden mehr als 300 Konzerte mit mehr als 1000 Beteiligten auf über 20 Bühnen vom 07.07. bis zum 10.07. die Saalestadt zum Schwingen, Singen und Tanzen bringen. Zirkusdirektor Günther Klößinger wagt einen ersten Ausblick auf das Programm, das die Musikbegeisterten und Tanzwütigen dabei erwarten wird. Welcher Tanz ist der dieses Jahres, welches Instrument wird als „magisch“ geadelt und welche Konzerthighlights werden von den Bühnen schallen?
Erste Antworten auf diese drängenden Fragen erfährt der geneigte Folk- und Weltmusikfreund in der aktuellen Vorstellung in unserer globalen Manege.
Am Mikro: Günther Klößinger

  • Sendetermine: „Wanderzirkus Weltklang“, Donnerstag, 23. Juni 2016, 19 Uhr
  • Wiederholung Weltklang: Freitag, 24. Juni 2016, 11 Uhr

 

Vorschau auf das Zeltfestival „Sommer im Park“ in Vellmar

Sommerzeit – Festivalzeit. Allerorten werden Zelte aufgebaut, Scheunen hergerichtet und Bühnen gezimmert, um auch während der Ferienzeit den Daheimgebliebenen künstlerische Highlights präsentieren zu können – und natürlich auch, um den jeweiligen Kommunen etwas kulturellen Glanz zu verpassen. Das „Sommer im Park“-Festival in Vellmar gehört seit Jahren zu den renommiertesten und bestbesuchten Veranstaltungsreihen dieser Art in Nordhessen. Und wie in jedem Jahr, so werden wir auch 2016 gemeinsam mit Gerhard Klenner und Pia Bluhm, den Organisatoren des Festivals, das Programm im FRK vorstellen.
Die prominentesten Veranstaltungen – u.a. Element Of Crime und Konstantin Wecker – sind bereits fast ausverkauft. Allerdings gibt es in diesem Jahr noch viel mehr an Interessantem und Spannendem aus den Bereichen Kleinkunst, Comedy und Musik zu entdecken. Unter anderem sind dabei: Frieda Braun, Florian Schröder, Gustav Peter Wöhler, Heissmann & Rassau, Bodo Wartke, Sistergold, Die Feisten, die Lokalmatadore Dark Vatter und Bernd Gieseking sowie etliche weitere Künstler.

  • Sendetermin: „Themenwechsel“, Freitag, 24. Juni 2016, 18 Uhr

 

Einer flog übers Ordnungsamt

Werner Koczwara ist seit vielen Jahren auf Deutschlands Kabarettbühnen unterwegs. Sein neues Programm „Einer flog übers Ordnungsamt“ ist die Fortsetzung des enorm erfolgreichen, von ihm erfundenen Justiz-Kabaretts, das ihn zu einem der profiliertesten und originellsten Komödianten hierzulande gemacht hat.
Obwohl: „Hierzulande“ stimmt vielleicht nicht ganz – Werner Koczwara stammt aus Schwaben, und das ist bekanntlich ein ganz eigener Menschenschlag. Aus seiner Herkunft macht er kein Geheimnis, im Gegenteil: Der deutlich hörbare schwäbische Akzent ist ein wichtiger Bestandteil seines kabarettistischen Konzepts und trägt, treffsicher eingesetzt, enorm zur komischen Wirkung bei.
Werner Koczwara, der auch als Autor u.a. für Dieter Hallervorden und Harald Schmidt arbeitete, wurde durch seine „juristischen“ Kabarettprogramme bekannt, mit denen er der Jurisprudenz ein für allemal das Stigma des trockenen, drögen und absolut humorlosen Winkeladvokatentums nahm. Er grub in den verstaubten Gesetzestexten und Urteilsbegründungen nach komisch-grotesken Perlen – und wurde fündig. Er stieß auf unglaublich witzige Formulierungen, auf skurrile Vorschriften und viel unfreiwillige Komik. Die Kabarettprogramme, die er um diese sprachlichen Kabinettstücke bastelte, trugen Titel wie „Am achten Tag schuf Gott den Rechtsanwalt“, „Tyrannosaurus Recht“ oder „War Jesus rechtsschutzversichert?“ und bereiteten dem geneigten Publikum großes Vergnügen – insbesondere Juristen gehören seit Jahren zu Koczwaras treuesten Fans.

  • Sendetermin: „Kabarett live“, Freitag, 24. Juli 2016, 22 Uhr

 

Countryrock: Blue Ridge Ranger(s)

Nach dem fantastischen "Bakersfield Bound"-Album der Ausnahmemusiker Chris Hillman, Herb Pedersen und Jay Dee Maness hatten wir in der letzten Folge auch einige Tracks vom legendären John Fogerty (ex-CCR) gehört, der 1973 sein erstes Solo-Album vorlegte. Mit "The Blue Ridge Rangers" brillierte er im musikalischen Alleingang: neben seinem Gesang spielte er alle Instrumente selbst!
In der Nachfolge der klassischen CCR-Alben, die damals bereits von Country und Swamp-Rock beeinflußt waren und sich millionenfach verkauften, hören wir heute Ausschnitte aus "The Blue Ridge Rangers Rides Again" (wortspielerische Andeutung) von 2009 - also schlappe 33 Jahre nach dem Erstling. Ganz im Gegensatz zu Fogertys populärem Countryrock-Vorgänger handelt es sich hierbei eher um eine Art von "Nachbearbeitungen" von etwas weniger roots-orientiertem Material. Fogerty schlägt hier den Bogen zu Mainstream-Poppigem (z.B. Delaney Bramletts "Never Ending Song of Love" oder Ricky Nelsons "Garden Party"). Und trotzdem - das hat was. John Fogerty beherrscht seine Country-Mucken liebevoll-leidenschaftlich, auch wenn er sich auf John Denver ("Back Home Again") und Buck Owens besinnt. Seine Stimme macht´s.
Diesmal hatte er, nach seinem früheren musikalischen Alleingang von`73, illustre Kollegen mit ins Studio geladen, u.a. Buddy Miller (git), Kenny Aronof (dr/perc), Greg Leisz (steel/dobro/mand) - und da isser wieder: Herb Pedersen.  Der Hammer ist "Haunted House" in einer Klasse-Version, ein fast vergessenes R & B-Original, ursprünglich von Robert (Bob) L. Geddins, einem leider wenig beachteten schwarzen Blues-Mann, hierzulande nahezu unbekannt. Er konnte unglaubliche haarsträubende Stories in Songs formen und schlug sich sich als verhinderter Labelmacher/Produzent durch. Der Rockabilly Gene Simmons (aus Tupelo/MS, und gefördert von Elvis) machte den Titel 1964 populär, verschwand danach wieder in der Versenkung. Und auch der "Killer" Jerry Lee Lewis hat sich Mitte der 70er den Titel mal zur Brust genommen ("Southern Roots"-Album), ebenso Country-Superstar John Anderson. So, this time - it´s John Fogerty. Dig it. Abgerundet wird das Ganze diesmal mit einigen rockigen Tracks aus der Compilation "Creedence Country".

  • Sendetermin: „Lonesome Traveler“, Sonntag, 26. Juni 2016, 19 Uhr  

 

Talkrunde zur Hochschulwahl

Das Campusradio im Freien Radio Kassel präsentiert am kommenden Dienstag ab 18 Uhr eine zweistündige Gesprächsrunde zu den anstehenden Hochschulwahlen. Gäste im Funkhaus des FRK sind Vertreter der zur Wahl stehenden Listen. Sie werden Fragen zu den jeweiligen Programmen und zu aktuellen hochschulpolitischen Fragen beantworten.

  • Sendetermin: „Campusradio“, Dienstag, 28. Juni 2016, 18 Uhr

Live-Stream.

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